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Luxemburger Gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, January 09, 1883, Image 1

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Die Luxemburger Gazette,
erscheint jeden Dienstag und kostet unter
Vorau»de;adlung sux die Ber. Staaten k tkanada:
ZSHrli» 1 HalbjLhrltch fl.tt.
Stadtabonnenten, jLhrllch $S 50, monatlich 35 <S|*.
Nach Ouropa portosrei:
Jihrlich SB.OO | HalbjLhrlt» $1.50.
Oorrespondenzen und Mittheiluiigen mussen
spatestens bis Freitag Morgen, wenn sie in der
nachsten Ruminer Ausnahme sinden sollten, ein
gesandt werden. Briefe ohne Unterfchrist wer
dcn nicht berilcksichtigt.
die bis Samstag Abend eingchen. wer
den noch in der solgenden Nummer quittirt.
LM- Rur fiir die Gelder. die per registrirttn
Vrief oder Geldauweisnng (< Ir.ier) gkjandt
werden, iibernehmen wir die Verantwortlichkeit.
Alle Briese. t>orresponden;cn u. s. w. addrejsire
man einfach:
‘Luximburoer Gazette”,
DUBUQUE, IOWA.
Office der Gazette:
der 8. und Aowa-Straste.
Rundschau.
o
Inlanv.
Congrehverhandlungen.
Da wi r der in lehter 9lr. publizirten
lahresnmdschau wegen etwas im Riick
stande sind, so mussen wir fur diesesmal
eine andere Fomi der Berichterstattung der
Congrepverhandlungen wahlen als sonst.
StNllt. Gegen alles Envarten pas
sirte in der Woche zwischen Weihnachten u.
Reujahr der Senat die Pendclton'sche Bill
zur Refonn unseres EivildieusieS mit der
stattlichen Majoritat von 30 gegen 5.
Diese Funf waren sudliche Demokraten,
Bourbonen, welche den Pulsschlag der Zeit
noch nicht erkannt und die Lehren der letztcn
Wahl noch nicht verstanden haben. Die
genannte Bill soll erst die vorbereitende
Mapregel zu einer griindlichen Verbesierung
des CivildiensteS sein. Ihr Grundprinzip
ist die EinfLhrung der Concurspnisnng fiir
Amtsbewerber im Dienste der Bundesregic
rung. Das Gesetz bestimmt die Ernen
nung von drei Commissaren, von denen nur
zwei einer Partei angehoren diirfen. Diese
Commissarc bilden die Civilbienst-Commis
sion der Ver. Staaten. Sie soll dem P re
sident bei Ausarbeitung der Regeln fiir den
Civildienst bchilslich sein, und diese Regeln
sollen fur die.folgenden Erfordernisie Vor
kehrungcn treffen: I. Ein ossenes Conkur
renz-Eramcn zur Priifung der Bewerber um
ofsentliche Aemter. DieseS Eramen muh,
so weit als moglich, praktisch sein und die
Besahigung des Candidaten fiir das Amt,
das er speziell zu bekleiden wunscht, feststel-
len. 2. Derjenige von den Mitbewerbeni,
der das beste Eramen besteht, soll das Amt
erhalten. 3. Die Aemter in den Departe
ments zu Washington sind unter die Bur
ger der verschiedenen Staaten und Territo
rien nach Mahgabe ihrer BevolkeningSzahl
zu vertheilen. 4. Jeder Bewerber um ein
Amt soll eine Probczeit bestehen, ehe er per
manent migestellt wird. 5. Die hohe
ren Aemter sind von den Inhabeni der
unteren Aemter zu besetzen, wenn sie sich
als fahig erwiesen haben und ein Conkur
renz-Eramen bestehen. 6. Riemand, der
im osfentlichen Dienste steht, soll gezwun
gen sein, Gelder fiir politische Zwecke bei
zusteuern oder politische Dienste zu leisten
und Riemand darf wegen Beiweigerung von
Geld oder Diensi fiir diese Zwecke entlcksien
oder sonstwie geschadigt werden. 7. Rie
mand, der einen Posten im Dienste der Ver.
Staaten bekleidel, darf seine offizielle
Macht dazu benutzen, um eine politische
Thatigkeit von irgend einer Person zu er
zwingen. 8. Die Commission soll keine
Conknrrenz-Eramen abhalten, wenn nach
der Ankiindigung einer Vakanz sich keine
geeigneten Personen zum Eramen melden.
0. Die Personen, welche die Anstellungen
machen, haben die Commission zu benach
richtigcn, welche Bewerber angestellt worden
sind, welche Beamte resignirt haben und
welche abgesetzt worden sind. Die Com
mission ist verpstichtet, etwaige Ausnahmen
von diesen neuen Gnindregeln in ihrem
lahresberichte anzufiihren, Die iibrigen
Paragraphen gestatten die Anstellung eines
Ober-Eraminators, der dic lokalen Pr-u
--fungg-Behorden beaufsichtigen soll. Solche
sokale Pnlfungs-Beborben solle» vom Prq
stdenten oder ber Priifungs-Commission er
nannt werben unb aus minbestenS brei Bc
clMten der Ver. Staaten bestehen, dic a„i
betreffenden Otte, wo die Prsifllltg abge
halten wird, wohnen. Die Besiimmungen
der Bill ersiecken sich auf alle lollamter und
Postamter, in dene» mehr als 50 Personen
bcschaftigt sind, sowie auf alle Departe
ments in Washington. Die Beamten da
selbst sind von den Chefs tn Claffen einzu
theilen. Kein Beamter darf angestellt oder
in eine hohere Classe verseht werden, wenn
er nicht ein Conknrrenz-Eramen bestanden
Hat, den obenerwahnten Ausnahmefall ab
gerechnet. Riemand, der gewohnhcitSmahig
bcrauschende Getranke im Uebennah genieht,
soll in den Diensi der Ver. Staatengenom
men oder in demselben behalten werden.
Die ungluckliche Fitz John Porterbill
nahm einen guten Theil der leit des Sena
tes in Anspruch. Die Whiske»)bill, wo
durch den Schnapsfabrikanten lcingere Zeit
bewilligt wird, um Spirituosen in den La
gerhaufern der Ver. Staaten zu lasien, pas-
k U
Herausgeber: Deutsche, Katholische Druck-Gesellschast.
Jahrgang 12.
sirte. Die Prasidentenwahlbill ward deS
Langern discutirt.
Das Abgtordnetenhaus hatte sich zwar
wiihrend den Weihnachtsferien nicht ver
tagt, aber da kein Ouorunt zusammenkam,
konnten keine Geschafte gethan werden.
Der' Antrag die Zahl der Zahlmeister in
der Armee nach und nach zu mindern, ging
bei der Discussio» deS MilitaretatS durch
und der ganze Militaretat passirte. Trotz
alles Envarten ging die vom Senat geneh
migte Pendeltonbill zur Refonn des Civil
dienstes, ohne dah auch nur ein Amende
ment dazu gemacht worden ware, mit der
stattlichen Mehrheit von 155 Stimmen
durch. Fur den Diftrict Columbia wurden
$3,443,000 bewilligt.
Von den SenatSw ahle n, die
im Laufe des Monats in verschicdenen
Staaten vorgenommen werden mussen, zie
hen besonders die in MasiachusettS, Michi
gan und Rebraska abzuhaltenden die allge
meine Ausmerksamkcit auf sich. In Mas
sachusetts laust die AmtSzcit des SenatorS
Hoar ab und eS wird alleS Ernstes der
Versuch gemacht, ihn durch eine andere Per
sonlichkeit zu ersetzcn. Hoar sci alt, heiht
es, er sei den Anforderungen, welche die
Gegenwart an die republikanischen Politi
ker stelle, nicht mehr gewachsen, man bran
che eine jungere Kraft. Der Candidat die
ser unzusriedencn Republikaner ist Gouver
neuc Long, ein tuchtiger und fiir das ihm
zugedachte Amt durchauS befahigter Mann.
Man muh aber doch sagen, dah es ziemlich
lacherlich klingt, wenn Hoar als zu alt be
zeichnet wird. Hoar steht im 57. Lebens
jahre, ist also jiingcr als sehr viele seiner
Collegen im Senat, und was den Umstand
anbelangt, dah er den Anforderungen der
Reuzeit nicht mehr eutsprechen soll, fu ist
das lacherlich.
Sehr lebhaft wird es auch bei der Se
natswahl in Michigan zugehen. ist
es Senator Feni), desien Sitz am 4. Marz
vakant wird. Er wurde natiirlich sehr gern
sein eigener Rachfolger werden, aber erstSht
auf eiue sehr lebhafte Oppositio» und es ist
mindestens zweifelhaft, ob er die Nomina
tio» seiner Partei erhalten kann. Ferri)
Hat sich einst ziemlich stark zum Greenback
schwindel geneigt, doch ist er zu den bedeuten
den Mannern des SenatS zu zahlen. Mi
chigan Hat keinen Mangel an MLnnern, die
es in den Senat schicken kann, aber daS Un
gluck ist, dah sich die Oppositio» gegen Fer
ry nicht leicht wird einigen lasien. Es sind
vier oder funf Candidaten im Felde, der
witzige Horr, der rcdegewandte BurrowS,
auch llvar Hubbel", wie Garsield einst
schrieb, und andere mehr; der Kampf um
die Nominatio» wird also jedenfalls ein sehr
lebhafter werden.
Weit ungewisier noch ist die Lage in Re
braska. Wiihrend in MasiachusettS und in
Michigan die repnblikanische Partei unter
allen Umstanden die Senatore» wahlen
wird, sind die Partei-Verhaltniffe in Ne
braska derart, dah auch die Demokraten
AuSsicht auf den Sieg haben. In der Le
gislatur sitzen namlich eine Anzahl von so
genannten Anti-Monopolisten, die, wenn
sie sonst festzusammen halten, den AuSschlag
geben konnen und jedenfalls versuchen wer
ben, einer ber heiben Parteien ben Candi
date» vorzuschreiben.
AUSland.
E S sind keine g u t e n R a ch r i ch
t e n, die wir diese Woche nnsern Lesern aus
Europa mitzuthcilen haben. Kaum Hat
sich das Wasser der Rovclnberfluth verlau
fen, steigen Rhein» Donau und Seine mit
ihren Rebentlufsen hoher als je vorher. Vor
angehender starker Schneefall und dann
folgende anhaltende Regen sind Schuld der
Hochwasier. Wahrhaft herzzerreihend sind
die Berichte, dic uns das Ziabel bringt und
die wir hier Ramnes und der Uebersicht we
gen zusammen stellen. Eine formliche
Sundfluth scheint über ganz Mittelenropa
hereingcbrochen zu sein. Im luragebiet
der Schweiz ist groher Schaden geschehen,
Ueberschwemmungen übcrall. Der schiine
Rhein, cr ist zwischen dem Bodensee und
Mannheim nur mehr ein groher wilder
See, der übcrallhin Schaden und Schrecken
verbreitet. In dem Ueberschwemmungsbe
zirk Worms sind allein 10,000 Menschen
obdachlos und dem Hunger preivgegebe».
In den Stadten Ludwigshafen sind 8000,
in Mannheim und Worms je 2000 Men-
Dllboquc, Jowa, Dienstag, den 9. Januar 1883.
schen, die obdachloS in Kirchen und Schul
hausern untergebracht sind. Aus Wiesba
den meldet man, dah 5 Dorferzerstort wnr
den und 250 Hauser sturzten. In einzel
nen Orten stehen, mit Ausnahme der
teshauser, die Wohnungen biS an's Dach im
Wasier. In Bodenheim sind 70, in Rer
heim, Morsch und Oppau 240 Hauser ein
gesturzt. Ueber seinen niedern Wasier
stand ist der Rhein 5.76 M. (10 Fuh engl.)
gestiegcn. Die Schutzdamme, die man vie
lerorts gcbaut, sind ebenso wie die Eisen
senbahndamme, gebrochen und der Eisen
bahnverkehr liegt still. Der Reckar war
hoher als je in diesem lahrhundert. So
viel man weih, haben bis jetzt 60 bis 70
Menschen den Tod in den nassen Fluthen
gefunden. Um Diebstahle, die hausig vor
gekommen, zu verhuten, werden die verlas
sene» Orte von Truppen bewacht. Vom
30. Dezember bis 4. Januar wuchs dic
'Roth stundlich und horte der Regen nicht
auf zu stromen. Erst spat am 4. lannar
begann der Fluh zu falle». Auch an der
Donau sieht es schlimm aus. Am 2. la
nuar stieg der Fluh und noch wird kein Fal
le» gemcldct. In Frankenthal, Baiern,
haben 6000 Personen die Wohnungen ver
lassen mussen. Am 3. Januar hatte die
Donau in Wien 4.70 Meter am Pegel
(WasserstandSmaah), an 1000 Menschen
mnhten die Wohnungen in dem niedeni
Stadtthcil raumen, alle Anstalten zum
Stunulauten waren getroffen, im Falle der
Fluh die Damme brache. In Riederostreich
sielcn besonders schwere Regenmassen und
aus dem Salzkammergut wird sehr hoher
Wasscrstand aller Flusie gemcldet. Preh
burg ist überschwemmt. Auch in Frank
reich thaten die Hochfluthen Schaden. Die
Seine erreichte dieselbe Hohe wie beim
Hochwasier im Dezember. In Paris muh
ten viele Geschafte aufhoren. In Long
pierrc sturzten 32 Hauser ein. Die Saone,
Rhone und der Doubs thaten nicht gerin
ger Schaden. Lyons war überschwemmt,
und Lisseur litten bedeutend.
Der directe Eisenbahnverkehr zwischen
Frankreich, der Schweiz und Italien ist un
terbrochen. AUerwarts werden Comites
gebildet, die Roth zu lindern. Die
Fttrsten springen bei und die Kam
mern berathschlagen, was zn thun. Wahr
lich das alte Europa wird stark heimgesucht.
Die Hand des Allmachtigen lastet schwer
auf dem Bolke. Da die Weihnachtszeit
und der Beginn des neuen lahreS gewohn
lich nicht reich sind an politischen Begeben
heiten, so konnen wir unsere Rundschau
kurzer fassen als gewohnlich.
In seiner Weihnachtsansprache an das
CardinalS-Collegium machte der hs. Battr
darauf aufmerksam, dah die Machte wieder
anfangen im Papstthum di e grohe mora
lische Macht zu erkennen, und dehhalb wie
der ihre Verbindungen anknupfen wurden.
Nachdem namlich P r e u h e n schon im vo
rigen Jahre sich veranlaht gesehen, wieder
einen standigen Gesandten beim hl. Stuhle
zu unterhalten, ist nunmehr auch R u si
la n d diesem Beispiele gefolgt, und das
fniher kanm minder katholikenfeindliche
Engl an d soll, wie eine Kabeldepesche
meldet, ebenfalls Schritte gethan haben,
um directe Beziehungen mit dem apostoli
schen Stuhle anzuknupfen und einen eige
rttrt Gesandten beim Vatican zu beglaubi
gen. Wenn bie letzte Rachricht sich bewahr
hcitet, unb wie cS scheint beuten alle Anzei
chen darauf hin, so ware dies ein schSner
Triumpf fur bas Papstthum. Ueber die
Verhandlungen zwischen Preuhen und
dem Vatikan meldet eine Depesche aus der
hl. Stadt, dah dieselbe» jetzt ans neuer Ba
sis fortgesetzt wnrden und Aussicht auf Er
folg hatte». Wahrscheinlich handclt es sich
um die maigesetzliche A n ; eig ep f li ch t.
Doch vor der Hand wollen wir abwarten.
Preuhen macht nicht eher Frieden mit Rom
bis franzSsische oder russische Herre nach
Osten oder Westen marschiren. Eine wahr
scheinlich im Sanctum der judischen Wiener
„Renen Presse" geznchtete fette Ente tischte
in l. W. der Kabeljunge auf. Er meldete
uns, dah der Kaiser von Oesterreich in sei
ner Eigenschaft—man lache nicht —als
„Primas von Ungam" (daS ist Cardinal
Simor, Erzbischos von Strigonia) sich als
Vermittler zwischen dem Papste und dem
Konig von Italien angeboten habe. Kai
ser Franz wird das hubfch bleiben lasien;
er weih viel zu gut, dah zwischen dem Papst
thum und der Revolutio» eine unfullbare
Kluft besteht und dah Leo XIII. das Pa
trimonium Petri ebenso wenig aufgibt, als
der Konig von Italien es wagen darf den
jrirchenstaat znruckerznstatten.
Aus Tcutschland ist wenig politisch Wich
tiges zu melden. Landtag und Reichstag
sind der Feiertage wegen nicht in Sitzung.
Mit grohter Zufriedenheit Hat man den Tod
Gambetta'S veniommen, der denn auch
Bismark zum Ausdrucke brachte, dah da
jetzt die Gesahr so gut als voriiber sei, er
seinen Platz einer jungern Kraft überlas
sen konne. Schade ware es nicht, rojnn
der Herrschgewaltige sich zur-uckzoge, der
denn doch zur Einsicht kommen muh, dah
er mit seinen resonnatorischen Ideeit nicht
durchdringt.
Das ostreich-ungarische Kaiserreich fei
erte vergangcne Woche in wahrhaft gliin
zender Weise und unter lebhafter Betheili
ligung des Volkes das OOOjahrige Griin
bungssest deS Hauses Habsburg. Die kai
serliche Familie befand sich in Wien, wo
zahlreiche Deputationen aus allen Thcilen
des ReicheS cingctrosfen, dene» der Kaiser
ein grohes Bankett in der Hofburg gab.
Es war am 27. Dezember 1812 gewesen,
dah Rudolf von Habsburg, nachdem er Ot
tomar von Bohmen auf dem Marchselde
geschlagen, die diesem abgenommenen Her
zogthumer Oesterreich, Karnthen, Steier
mc.rk und Krain seinen beiden Sohnen Al
brecht und Rudolf verlieh. Lehterer ver
zichtete jedoch schon im folgendcn Jahrc auf
seinen Antheil, wodurch die ganze Macht
des Hauses in den Handen einer cinzigen
Linie vereinigt blieb. Die jetzige kaiserliche
Familie stammt in direkter Linie von Her
zog Albrecht ab.
Aus Frankreich ist die wichtigste Rach
richt wohl die vom Tode Gambetta's. An
anderer Stelle geben wir in einem langern
Aufsahe eine kurze Lebensbeschreibung die
ses merkwiirdigen Mannes. Sein Tod Hat
ganz merkwurdige Urtheile in der Presse
über ihn heworgerufen und wir wollen uns
die Muhe nehmen, die wichtigsten derselben
den Lesern vorzulegen. Die „Rorddeut
sche Allgemeine Zeitung", Or
gan, schrieb:
.In den Augen Teutschland's ist Gambetta
stets aIS die Brrkorpenmg der Rache erschienen.
Sein Rame war mit dem Klange der Miegs
trompetr gepaart; aber Teutschland schatzt ebenso
sehr das Berdienst und die seineS Oharak
lers. Teutschland zogerl nicht, einen Kranz auf
den Sarg des Feindes zu legen, mit welchem es
in lapserem und chrlichem Kampfe siegreich rang.
-Der „BSrser-Eourrier", das Organ der
Berliner Geldmacht sagt: Es sei sichcr,
dah der Tod Gambetta S Frankreich und
den Frieden Europa's von einer grohen
Gesahr befreie. Die „Germania" warf
mit Recht Gambetta vor, dah er das Un
gluck feraci Baterlandcs benuyte sich zu
bereichern.
Die oster-reichischcn amtlichen Zeitungen
beobachteten grohe Zunickhaltung. Die
Freie Presse" halt die Annahme, dah
der Rachegedanke mit Gambetta gestorben
sei, fiir eine ir-rige. DaS „Fremdenblatt"
zwcifelt daran, dah der Tod Gambetta'-
dem Frieden Europas gunstig sein werde.
Die englische „Times" war schweigsam,
aber die „Pall Mall Gazette" schrieb :
.Man glaubt, dah der Tod Eambetta'» die
Republik nicht aujbrechen wird; er wird ader
untcrgcordnete Wirkungen sehr aussallcndez
Wichtigkeit anhern. Biel zu kluq um etwas an
derxS aIS ein Anhangrr der iHepublik zu sein,
wuhte er stetS die Macht iranzdsischcr Traditio
nen zu wiirdigeu.
In Spailitll wo bisher der sociali
stischen Agitatio» und den Svtialistencon
gressen kein Hindernih in den Weg gelegt
wurde, dauern die Verhaftungen fort. Vor
einigen Tagen wurde» neun Socialisten in
Malaga, sechS in Granada und eine grohe
Anzahl zu Barcelona und Seoilla
arretirt. Das Ministerium ujill auf diesc
Weise die Organisirung von Banden ver
hindern. Rach einem Telegramm deS
„Temps" aus Madrid haben in Barcelona,
Tarragona und Sevilla weitere Verhaftun
gen von Sozialisten stattgefunden. Die
Madrider ministeriellc „Eorrifpo»denzia"
will wissen, dah die spanische und franzo
sische Regierung in Uebereinftimmung ge
gen die revolutionaren Manover handeln
werden, da die franzLsischen GerichtshSfe
Beziehungen zwischen den Anarchisten von
Lyon und der internationalen Propaganda
Redakteur: Nicholas Gonner.
Ruminer 598.
in Anbalusien unb Eatalonien entbeckt ha
ben, welche durch das bei der landlichen
Bevolkerung vorherrschende Elend begiin
stigt werben.
Wenn man in ben enropai
sch e n A e i tu n g e n bie Berichte über dic
Ministeiivechsel in Cvnstantinopel lieit, so
kann man sich kanm noch dai-iiber wundern,
dah der gute Sultan in den nach Amerika
gelangendeu Telegrammen fiir verriickt cr
klart wurde. Dcnn es ging in Eonstan
tinopel mehrere Tage lang zu, wie sonst ans
dem Theater in einer Posien-Oper. Achmed
Vevsik Pascha wird von Bruffa, wo cr
Gonverneur war, nach Eonstantinopel be
rusen, nm sich personlich wegen schwerer
Anklagen, die gegen ihn erhoben worben
waren, zu verantworten. Er erhalt eine
Aubienz beim Sultan und dreht nun den
Spieh um, indem er seine Gegner anklagt
und dem Sultan vorredet, e 6 bestehe eine
Verschwormng gegen sein Leben, in die selbst
die Minister venvickelt seien. Darauf so
sortige Entlassung deS RLinisterprasidenten
Said Pascha und Ernennung Vevsik Pa
scha's zuni ersten Minister. Fuad Pascha,
ein Egypter, wird gar verhastet und man
spricht schon von seiner Hinrichtung. Vier
undzwanzig Stunden sparer haben abcr
wieder die Freunde der gcstiirzten Paschas
das Ohr des Sultans gewonnen. Achnicd
Vevsik wird zum Sultan bcschieden und soll
seine gegen die fi-uheren Minister gemachten
Angaben beweisen. Das kann er nicht,
nach einer anbere» Lesart soll der energische
Mann dem Sultan auch ein ganz neues
RegieningSprogramm vorgelegt haben, je
denfalls war das Ende vom Lied, dah- nach
weiteren 24 Stunden Achmed VevsiksHerr--
lichkeit ein Ende hatte und dah dis fiuhe
ren Minister unter grohen Ehren- und Ver
trauensbezeugungen wieder eingesetzt wur
den. Bei solcher Wirthschaft muh natur
lich auch die leiseste Hoffnung auf Besse
rung der turkischen Zustcinde aufgegeben
werben.
Hetegraphische Depeschen.
Deut schla n b.
Berlin, 2. Jan. Bei dem Reujahrs
empfange des Kaisers am Montag auherte
Bismarck: bei ber gegenwanigen Lage der
Politik und da bie parlamentarisch n
Staatseinrichlungen in einen defriebigen
ben Gang gekommen seien, wurde es fiir
bas Lanb kein Ungluck sein, wenn er ande
ren Leuten Platz machte.
Berl in, 8. Jan. Wie der „BSrsen-
Eourier" ersahrt, stimmt Bismarck'S Ansicht
mit ber ber Rationalzeitung, bah bie repu
blikanische StaatSfonn in Frankreich si'u
eine beS Friebens zu erachten und
dah dehhalb der Tod ihres HauptfSrderers
Gambetta fiir einen politischen Vcrlust zu
erachten sei, überein.
O e str e i ch - U n g a r n.
Paris, 1. Jan. Der hiesige ostreichi
sche Botschafter, CMraf von Wimpffen, wel
cher sich am Samstag erschossen Hat, pslcgte
seit Kurzem stunbenlang Selbstgesprache zu
halten und trug seit einer Woche einen Re
volver bei sich. Um diesen zu prufen, schoh
er am Freitag auS einem Fenster des Hotel
Maurice nach der Umfaffungsmauer des
Hofes deS Gerichtsgebaudes. Die Ver
muthuna, dah ber Selbstmord mit finan
ziellen Verlegenheiten in Verbinbung stche,
gewinnt durch bie Thatsache an Wahrsckein
lichkeit, bah einer ber von ihm hinterlasse
nen Briefe an einen in Paris wohnhasten,
reichen ostreichischcn Finanzmann gerichtct
ist,
P e st, 3. Jan. Es wirb gemclbet, bah
eine Berschworung gegen bas bes
Kronprinzen Rubolph entbeckt worben ist.
Frankr e ich.
Paris, 2. Jan. Man schatzt die Zahi
ber gestrig n Besucher in Gaml etta'tz Han e
in Ville b'Avraq aus 3000; Minister, Se
natoren unb anbere Wurdentrager befanden
sich darunter. Sie wnrden in Abtheiinn
gen zu je Funf oder Zehn in den Hausstur
eingeiaffen und geiangten von ein
kleineS, hochst einfach ausgcstattetes Schlaf
zimmer, wo die Leiche auf einer schmalen
eisernen Bettstelle, mitAuSnahmc des.tiop
ses, ganz unb gar mit weihen Tuchern de
deckt, liegt. Der Ziops ruht auf zwei Kis
sen; das Gesicht ist bleich, daS Haar mehr
ergraut ais frllher, der Bart ganz grau;
der Todle sieht uni 15 Jahrc alter ans, als
er in Wirklichkeitwar. An einem der Bett
pfosten waren ein Paar Blumen ange
bracht. Am Fuhende des BetteS sah ein
Maler, welche bie Szene in Umrissen zeich
nete; auch fur illustrirte Blatter waren
Zeichner in cihnlicher Weise thatig.
! Ein Benchterstatter machte eine Runb
fahrt burch Paris unb fanb, bah bie Bur
ger unb Geschaftslcute über Gambetta's
preise der' Anzeigen.
leder Zoll der Epalte per lahr $16.00
„ „ . ,8 Monate. .SIO.OO
„ „ „ „ 3 Monate. .$ 6.00
«ocal « Rotizen.
Hur jede Zeile Brevier, oder deren Raum, das
erstema! lO Scnts, dic nachsten Male 5 Oenis.
Heiralhs und TodeSanzeigen mit Tpruch
tz!.so, ohne Spruch HI.OO.
IlujwLrttgk Anjklzkn mu|)<n oorauidrzahlt wrrden.
Anzeigen fur Picnics, Lotterien,
rc., die bem 6-eiste der kath. Kirche zuwider, fin
den keine Aufnahme.
Anzeigen senbe man spatestens MvN
tag Morgen ein.
lob Arbeiten aller Art prompt und
billig ausgefuhrt.
Office ber Gazette:
Eeke der 6. und Jowa-Stratze.
Tob wahrhaft besturzt waren, dah abcr die
Arbeiter grohe EUeichgiUtigkeit an den Tag
legten.
Paris, 3. Jan. Berschiedene Anden
ken eine bronzene Mcdaille
mit seinem Bildnih, ein Etahlstich der be
nihmten mehrere
unb Silber-Munzen unb eine Ab
schrift bes Einlabungsschreibens zum Be
grabnih, sind zur in den
Sarg gelegt worben. Das Begrabnih ist
bis zum Samstag verschoben worben;
Brisson nnb lules Fer-ry werben zu ben
Rebnern bei ber Trauer-Feierlichkeit zahlen.
Gambetta soll ein National-Denkmal
gcsetzt werben.
Paris, 3. Jan. Man gibt sich grohe
Miihe, eine gerichtliche Untersuchnnq der
Umstande herbeizufllhren, unterbenen
betta die Schuhwunbe erhalten Hat.
betta's Leiche ist hier emgetroffen. Eine
Aborbnung von Elsah-Lothringen wird bei
der Beerdigung dem vorans
gehen.
Paris, 4. Jan. Gambetta's Begrab
nih ist ausgeschoben worben, um ben Ab
orbnunaen aus deni Elsah, Lothringen unb
ben entfernt belegenenDepartements Frank
reichs die MSglichkeitzurTheilnahmedaran
zu gewahren. Dem Publikum wird heute
vie Besichtigung deS Katafalks gestattet
sein. Der zum Gebrauch bei dem Begrab
nih bestimmte Leichenwagen ist schon friiher
bei dem Leichenbegangnih des Herzogs von
Morny benntzt worben; er ist mit Silber
beschtagen und von einer mit Febern ge
schmiickten Kuppel überragt. Die Biiraer
schaft von Et. Etienne, wo bas sozialisii
sche Element stark vertreten ist, Hat sich ge
weigert, eine Aborbnung zu dem Leichen
begangnih zu entsenden. Man erwartet,
dah Victor Hugo der Trauerseierlichkeit bei
ivohnen und eine kurze Rebe halten wirb.
Die verlehenben Aeuherungen einiger bona
partiftischen Blatter haben grohen Unwillen
er-regt. In ben Caf. s wurben bie betref
fenben Blatter zerrissen unb mit Fiihen ge
treten. Man nimmt an, bah 300,000 bis
300,000 Personen an dem Leichenbegang
nih GambettaS theilnehmen werden. Die
Markte werben wahrenb besselben geschlos
scn sein. Nur vier Reben werben dei Gam
detta's Begrabnih gehalten werben unb
zwar im Ramen ber franztfiscken Regierung,
der Deputirtenkammer, bes Abvokatenstan
deS unb ber Regierung ber Rational-Ber
theibigung. Als bie vier Rebner werben
genannt: ber Minister bes Jnnern Fallis
res, ber Deputirte Brisson, Falateuf unb
lules Fei-ry. Der Prafibent Orevy wirb
sich eine Streckc weit bem Leichenzugc an
ichliehen.
Paris, 4. Jan. Am Montag beAinnt
zu Lyon der Prozeh gegen 66 Sozialisten,
ivooon 'lB angeklagt sind, ber Internatio;
nalc anzugehoren, unb ber Rest, Beamte
dieser Verbinbung zu sein.
Grohbritannien.
Waters orb, 2. Jan. Das Parla
inentsmitglieb Biggar ist wegen Aeuherun
gen in ber kurzlich von ihm gehaltenen Rede
ivegen Hochverraths zur Untersuchung gezo
gen worben. Er Hat fur sein Erscheinen
vor Gericht Biirgschaft gestellt.—Der Vis
count Ensield ist von dem Amte bes llnter
staatssekretars fnr Inbien zuistckgetreten.
Lonbo n, 3. Jan. An ben Manem
des mittleren Thurmes ber Kathedrale von
Peterborough sind mehrere bedeutende Risie
an den Tag getreten und ber Thurm wirb
dehhalb abgetragen werben. Die Kirche ist
eine ber schonsten in Englanb. Ihre 150
Fuh hohe und ebenso breitc Weftfront be
steht auS drei grohartigen Spitzbogen in der
Hohe von je 80 Fuh, von Fenstergiebeln
und Zinnen übenagt; an den Seiten der
selben befinden sich Thiinne mit Zinnen unb
Spitzen. Die Kirche ist von altcn interes
sflnten Kloster-Gedauben umgeben.
Oiieberlonbr.
Amsterd am, 2. Jan. Der nordSst
liche Theil von Brabant steht unter Was
ser. Hunderte von Menschen sind obdach
los.
Ruhlanb.
Von b o ii, 4. Jan. Sin Berliner Be
richterstatter sagt: Privatbriefe aus St.
Petersburg melden, dah der Czar am Sonn
tag in seinem Lchlafzimmer ein Schreiben
des Revolutions Ausfchusies vorgesnnden
habe, in welchem der Beginn ber verheihe
nenen Resormen mit dem Bemerken gcfor
dert werde, bah ber Ausschnh die Mittel
besitze, Zugestandnisie zu erzwingen.
S a n d w i ch - I n s eln.
San FranciSco, 5. Jan. Der
aestern hier eingetrofsene Dampfer ..Suez"
bringt von den Sanbwich-Jnseln Rachrich
ten dis zum 32. Dezember.
tungen zu ber am 13. Februir stattsinden
ben KrSnung des KSnig's Calakaua wer
ben sehr lebhaft betrieben. Vor dem Par
laste wirb ein Amphi-Theater. welches 4000
Persone» fasse» soll, eroaut wcrben. Die
KrSnungSfeierlichkrit wirb in bem grohen
Pavillon ftattsinben. Die ganze hawai
ifd>e Bevolkerunq scheint barin vollig ein
miithig zu sein. ihrem KSntge Shre anzur
thun.

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