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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, August 13, 1889, Image 1

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Die Fuxemburger Gazette,
erscheiat jeden Dienstag und kostet unter
BVoranöbezahlung für die Ver. Staaten und Canada:
Jäãhrlich. . . ùï ù·ò 82.50 | Halbjährlich .. .. . . 81.8
Stadtabonnenten, jãhrlich 2.50, monatlich W Cts-.
Nach Europa portofrei:
Jãhrlich. .. .. . 88.00 | Halbjährlich .. . . · $1.50
Correspondenzen und Mittheilungen müssen
spätestens bis Freitag Morgen, wenn sie in der
nächsten Nummer Aufnahme finden sollen, ein--
gesandt werden. —Briefe ohne Unterschrift wer
den nicht berücksichtigt.
Nur für die Gelder, die per registrirten Brief
oder Geldanweisung (Money Order) gesandt
werden, übernehmen wir die Verantwortlichkeit.
Alle Briefe, Correspondenzen u. s. w. adressire
man einfach:
Office der,„Gazette“:
Ecke der 6. und Jowa-Straße.
;
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1
Politische Rundschau.
Um die Weltauestellung, womit nun
einmal die Vierhundertjahrsfeier der Wie—
derentdeckung Amerika's durch Christoph
Columbus begangen werden soll, für Chi—
cago zu gewinnen, wird in der Gartenstadt
mit einem enthusiastischen, guten Willen
an's Werk gegangen. Bereits Donnerstag
vor einer Woche fand die erste Versamm—
lung des vom Mayor ernannten Vorberei
tungs- Ausschusses statt, in welcher eine
Reihe Beschlüüsse angenommen wurde, worin
die Gründe angegeben sind, warum Chi—
cago der passendste Ort für die Ausstellung
ist. Nachdem verschiedene Herren ihre
Ansichten üüber das Unternehmen selbst und
ũber die Mittel und Wege ausgesprochen
hatten, um vom Congreß das Privilegium
zu erlangen, wurde ein Executio· Ausschuß,
mit dem Mayor als Vorsitzer, ausgewählt,
welcher die weiteren Schritte thun soll.
Das Wichtigste ist die Sicherstellung eines
Unternehmungsfondes von solchem Um—
fange, daß auf eine Unterstützung vom
Staate Illinois wie von der Regierung ge—
trost verzichtet werden kann. Sollte der
Congreß jedoch New York den Vorzug ge—
een ta miet 22 sttraner Geschäftswelt
nicht etwa schmollen, sondern mit dem iq
eigenen Unternehmungsgeiste zum Gelin—
gen der Ausstellung in New York aus allen
Kräften das Ihrige beitragen.
„Pensions-Corporal“ Tanner
ist vom Minister des Inneren aufgefordert
wordben, von dem „Encampment“ der
G.A.R. Leute in Milwaukce wegzublei
ben. Der Minister fürchtet augenschein—
lich, daß dem schwathaften „Corporal“ in
Milwaukee wieder bas M—undstüück mit
dem Verstande durchgehen und er durch
Anfeuerung der pensionslüsternen „Kame—
raden“ zu einem neuen Ansturm auf die
Bundeskasse der Administration des Herrn
Harrison, die mit dem Manne schon unlieb
same Erfahrungen gemacht, weitere Unge—
legenheiten bereiten möchte. Hr. Tanner
aber will sich eine so ausgezeichnete Gele—
genheit, eine demagogische Rede loszu—
lassen und sich als den wahren Jakob auf—
zuspielen, der Tag und Nacht über das
Wohl der Veteranen wache, nicht so leicht
entgehen lassen und erklärt, daß er noch auf
keinem „Encampment“ seit dem Kriege ge
fehlt habe und auch auf dem Milwaukee't
nicht fehlen werde. Was Minister Noble
zuu dieser Sprache seines Uatergebenen
sagen wind, darauf darf man gespannt sein.
Am Montag v. W. haben die Com—
missäre die Mehrheit der Unterschriften der
Sioux Indianer erlangt und barauf er—
folgt der Uebergang der Ländereien in den
Besitz der Vereinigten Staaten und die Er
öffnung der Reservation. Die Unterhand—
lungen mit den Indianern haben sich lange
hingezogen. Theils hielten die Rothhäute
mit erklärlicher Zähigkeit am Aitherge—
brachten, an der ungebundenen Freizügig—
keit, welcher die Politik der Seßhaftmachung
ein Ende zu bereiten bestimmt ist, fest und
wehrten sich, eingedenk des ihnen früher so
häufig durch Vertragsbruch angethanen
Unrechts, gegen die Wohlthat, die ihnen,
ausnaha sweise, dieser ihnen jetzt gebotene
Vertrag sicherte, theils gab ihnen die ange—
borene Schlauheit den Gebanken ein, im
Handel mit den Weißen darauf bedacht zu
sein, den höchstmöglichen Preis herauszu—
schlagen, der sich durch langes Zözern erzie—-
len ließe. Ihren Führern, die aus dem
lethteren Grunde die Commissäãre hinhielten,
ist endlich klar geworden, daß, wenn sie
jetzt nicht gutwillig nehmen, was ihnen der
Congreß als Kaufpreis angeboten hat, sie
schließlich gar nichts erhalten und doch ihr
Land verlieren würden, und dieser Esnsicht
haben sich denn auch die Hartnäckigsten ge—-
beugt. Häuptling Gall machte den An—
fang und danach folgten die Banden in
hinreichender Masse, die erforderliche Mehr—-
heit zu leisten. Es bedarf nun, nachdem
den Bedingungen des Congreßgesetes Ge—
nüge geschehen, nur noch der Proclamation
des Präsidenten, das Land, 11 Millionen
Ader, in aller Form der Besiedelung frei
zugeben. Bereits warten, wie berichtet
wird, ähnlich wie vor Kurzem an der Gren
ze von Okllahonia, Hunderte von Unsied—
lern am östlichen Ufer des Missouri um ih—
ren Einzug in die neue Heimath zu halte·.
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“ LUXEMBURGER GAMETTE”,
DUVBVQVE, 10WA.
Inlaud.
A
Für Keht id
Herausgeber: Deutsche, Katholische Drud-Gesellschast.
Jahrgang 19.
Das Land ist fruchtbar und wohl begeh—
renswerth, und bald erstehen da ergiebige
Getreidefelder, wo bis jetzt die Jagdgrüünde
wilder und halbwilder Indianer waren.
Nachdem auch der canadische Justiz
minister der Auslieferung M. Burke's, ei
nes der muthmaßlichen Mörder Cronin's,
angeordnet, mußte Burke am Sonntag den
4. August unter scharfer Bewachung die
Reise von Winnipeg nach Chicago antre—
ten. Polizei-Director Hubbard von Chi—
cago war selber in Winnipeg erschienen, um
die Auslieferung zu überwachen. Der
Cronin-Mord-Prozeß kann also nun be—
ginnen. Leider befinden sich die Häupter
der Mordverschwörung noch auf freien
Füßen und werden vermuthlich auch nie
verhaftet werden; ihre Werkzeuge jedoch,
die Schurken, welche den Mord verübten,
scheinen mit Ausnahme von „Cooney dem
Fuchs“ in den Händen des Staatsanwalts
zu sein. Daß der Vertheidigung der Mör—-
der fast unumschränkte Mittel zur Verfü—
gung stehen, ist sicher. Große Summen
sind bereits für den Versuch, die Ausliefe:
rung Burke's zu hintertreiben, ausgegeben
worden, ohne daß es gelungen ist, die
Quelle zu ermitteln, aus welcher das Geld
zum Schutze der Mörder fließt.
Die ersten Schadenersatz - Prozesse
gegen den South Fork Fishing Club, durch
dessen Squid die Katastrophe im Cone—
maugh · Thal herbeigeführt wurbe,
jezt anhungig gemacht worden. Eine
Wittwe verlangt 850, 000 für den Verlust
ihres Mannes. Ferner verlangt eine Fir
ma in Johnstown, deren Fabrik durch die
Fluth zerstört wurde, 8100,000. Diesen
Klagen werden unzweifelhaft noch viele an—-
dere folgen. Der Club zählt gegen 50
Mitglieder, welche zu den reichsten Leuten
in Pennsylvanien gehören. Von Rechts
wegen sollte neben den Privatklagen auch
eine Criminal·Anklage erfolgen. Die
Coroner's · Jury hat bekanntlich den Club
nach forgfältigster Untersuchung der ver—
brecherischen Fahrlässigkeit schuldig erklärt.
Die Legislatur von Georgia hat
neuerdings einen Antrag auf Gutheißung
der Blair'schen Erziehungs-Bill abgelehnt.
Trotz der bisherigen Mißerfolge mit dieser
politischen Spekulation auf den Ver. Staa—-
ten-Schatz, der nach Annahme der Blair
schen Bill sofort um 75 bis 80 Millionen
Dollars geplündert werden würde, werden
die Patrone dieser Bill nicht müde, dieselbe
immer wieder vorzubringen.
Die jüngsten Vorgänge im Be
ringsmeer die soviel Gerede veranlaßt ha
ben, schildert die „San Francisco Abend—-
post so:
Der Befehlshaber des Rush, Kapitän
Shepard, hatte am 2. Juli, als er noch zu
VBnaiaska lag, die britischen Robbenfänger
auf Anfrage in Kenntniß setzen lassen, daß
er jedes Schiff mit Robbenfallen an Bord,
unfehlbar konsisziren werde. Da jedoch
den biitischen Robbenfängern vor ihrem
Abgang von Victoria gesagt worden war,
sich an etwaiges Einschreiten des Rush nicht
zu kehren, so gab sich eine Anzahl derselben,
darunter der Black Diamond, der Jagd im
Beringsmeer hin. Am 11. Juti nun wur
de dieser vom Rush eingeholt, und zum An—-
halten aufgefordert, was jedoch sein Kapi—
iãn verweigerte. Hierauf wurden auf dem
Rush die Geschütze in Bereitschaft gesetzt
und dadurch das britische Schiff zum Ste
hen gebracht.
Nun begab sich Kapitän Sheppard in
Begleitung eines anderen Offiziers des
Rush, Lieutenant Tutile, an Bord des
Black Diamond und forderte die Schifss
papiere. Auf eine ihm ertheilte unver—
schämthte Antwort hin erbrach er die Ka—
pitänskajẽte, zwängte den Eisenschrank ans
den Angeln und bemächtigte sich der ge—
wünschten Dokumente. Eine sodann vor—
genommene Durchsuchung des Schooners
führte zur Cntdeckung von 106 Robbenfel
len, die im Beringsmeer erbeutet worden
waren. Capitän Sheppard stellte dann
den Schooner unter den Befehl eines Un—
terosfiziers vom Rush mit der Weisung,
ihn bis auf Weiteres nach Sitka abzu—
führen.
Am 13. Juli machte der Rush auch auf
den Criumph Jagd; da derselbe jedoch kei—
ne im Beringsmeer erbeutete Robbenfelle,
sondern nur aus dem Pacisie herrührende,
an Bord hatte, so blieb er unbehelligt, und
dieses Schsff ist es, daß zuerst die Nachricht
von dem Vorgesallenen nach British Co—
lumbia brachte.
Was die Gesahr der Lage kennzeichnet,
der noch besonders z erwähnende Um—
stand, daß der Kapitän des konsiszirten
britischen Schooners Black Diamond aus
drücklich erklärte, er würde sich nicht erge-
xembur
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(
—— ;
Vahr
Dubnque, Jowa, Dienstag, den 13. August 1889.
ben haben, wenn Rush ihm nicht an Stärke
überlegen gewesen wäre. Er hätte also
ohne diesen zufälligen Umstand, ganz den
zu Victoria ihm ertheilten Weisungen ent—
sprechend sich mit Gewalt zur Wehre gesetzt,
nnd ein offener Kriegsalt wätre die Folge
gewesen.
Ausland.
Das Projeet der Dreilaiser · Zu—
sammenkunft ist dennoch gescheitert und
zwar an dem zurückhaltenden Benehmen
des Czaren. Die Abneigung Alexanders
gegen die Zusammenkunft muß in der That
groß sein, da er es nicht einmal der Mühe
werth hielt, den Brief seines Vertreters in
Berlin, Graf Schuwalow, mittelst dessen
dieser ihm mitheilte, daß die Kaiser Wil—-
helm und Franz Joseph zn einer Zusam—
menkunft geneigt seien, zu beantworten.
Erst am Mittwoch letzter Woche ermãchtig—
te er den Grafen Schuwalow seinen Er
widerungsbesuch der Berliner Regierung
anzuzeigen. Man glaubt, daß seine Reise
ihn nicht weiter als Potsdam fũühren wird,
von wo er nach eintägigem Aufenthalt nach
Kopenhagen reisen wird. Nun, da an eine
Zusammenkuuft mit dem Czaren nicht mehr
zu denken ist, wird Kaiser Franz Joseph
am 12. nach Berlin reisen, wo er drei Ta—
ge verweilen wird. Ueber die gelegentlich
des Besuches Franz Joseph's zur Erörte—
rung gelangenden Angelegenheiten berichtet
ein Zeitungscorrespondent unterm 3. dz,
wie folgt:
„Unter den dringenden Fragen, welche
während dieses Besuches zwischen dem Für—
sten Bismarck undb dem Grafen Kalnoky
besprochen werden, ist die Stellung des
Papstes. Man glaubt, daß Galimber
der Nunitus in Wien, den Kaiser Franz
Joseph zu dem Veisprechen bewozgen hat,
das Bündniß mit Italien zu lösen, wenn
dieses es wagen sollte, dea Vatican zu be—
setzen, falls der Papst Roim verlassen soll—
te. Der italienische Minister · Präsident
Crispi, welcher ũüber Oesterreichs feindliche
Haltung zu der den Vatican betreffenden
Politik Italien's verstimmt ist, wird gleich
nach der Abreise des Kaisers von O—ster
reich eine Zusammenkunft mit dem Fütsten
Bismarck haben. Die Stimmung der ita
lienischen Regierung gegen die Oesterreich's
zeigt sich in der Antwort Crispi's auf den
Glückwunsch Bismarck's zur Unterdrückung
des Irredentistenausschusses. Dieselbe
lautet kurz: „ODie Irredentisten werden so
lange wühlen, bis Oesterreich die Ursache
beseitigt.“
Als Beweis, daß zwischen Dentsch
land und der Schweiz wieder gute Bezie—
hungen bestehen, betrachtet man den Um—
stand, daß bei einer großen Versammlung
schweizerischer Offiziere in Bern auch der
deutsche Gesandte, Herr v. Bülow, und der
Militär· Attachẽ, Major Funke, erschienen.
Eine Antwort der deutschen Regierang auf
He jngste, etwas entschieden gehaltene
Note des eidgenössischen Bundesraths lau
tet durchaus freundlich, doch wird an der
Forderung strenger Ueberwachung der in
der Schweiz lebenden deutschen Unterthanen
sestgehalten und die Hoffaung ausgespro
chen, daß man zu einem für beide Rationen
ehrenvollen Einverständniß gelangen werde.
Die osfiziose Presse ist jetzt eifrig bemüht,
den von ihr so gründlich verfahrenen Wa
gen in's gehörige Geleise zu bringen. So
versichern die „Pol. Nachrichten“, der
Reichskanzler habe durchaus nichts gegen
die Neutralität der Schweiz unternehmen
wollen, sondern er habe vur gesagt, daß
Deutschland, wenn es bei der Schweiz
gegen die Bedrohung seines inneren Frie—-
dens keinen Schutz finde, an der Neutrali—-
täãt der Schweiz kein Jnteresse mehr habe,
und diesen Standpunkt theilten Oesterreich
und Rußland. Die „Nordd. Allg.“ recht
fertigt in einem sehr gemäßigt gehaltenen
Artikel die Kündigung des Vertiags und
bespricht die Folgen des vertragslosen Zu—
standes, wobei sie aber deutlich zu verstehen
gibt, daß die Verhandlungen betreffs eines
neuen Vertrags sicherlich nicht lange auf
sich warten lassen werden.
Aus den Generalrathswa h—
len in Frankreich gingen 764 Republika—-
ner und 419 Conservative hervor, Boulan
ger hat es schließlich doch noch auf 23 Can—-
tone gebracht. Die Nachwahlen ergaben
113 Republikaner und 41 Conservative.
Erstere haben im Ganzen 13 Sihze einge—
büßt. Die Bonapartisten haben 15 Sitze
gewonnen. ODaniel Wilson, Grevy's be—-
rüchtigter Schwiegersohn, und der Boulan
gist L'Herissö unterlagen in ihren Wahlbe
zirken. Die Boulangisten erklären es jett
;
L yl. Kird
der
t
38
für einen schweren Mißgriff, daß der Ge—
neral in 400 Cantonen als Candidat auf—-
trat; er hätte nur in solchen candidiren
dürfen, wo sein Erfolg sicher war. Bou—
langer scheint das Sprichwort, daß Schwei—
gen Gold ist, nicht zu würdigen, denn er
ist schon wieder mit einem Manifest bei der
Hand, worin er erklärt, daß seine Nieder—
lage nur dem rüücksichtslosen Ehrgeiz der
Lokal - Candidaten zuzuschreiben sei; das
Resultat der kommenden Kammerwahlen
werde ihn sicher vor dem Lande rechtfertigen.
Das Manifest hat sehr kühl gelassen;
an einem geschlagenen Candidaten neh—
men die Franzosen sehr geringes Interesse.
Jetzt hat auch Boulanger's Prozeß in der
„Haute Cour de Justice“ begonnen; was
dabei herauskoömmt, wird die Zeit lehren.
Vorherzusagen ist das nicht.
Ein großes Gefecht hat zwischen
den Derwischen (Anhängern des Mahdi)
und den englisch·ägyptischen Truppen am
3. August bei Tosky stattgefunden. Die
Derwische haben dabei eine totale Nieder—
lage erlitten. General Greenfell sagt über
die Schlacht, daß die Derwische 3000
Mann im Gesecht hatten und 1000 Mann
an Todten und Gefangenen verloren haben.
Unter den Todten ist der Anführer der Der—-
wische, Wad-El· Jumi und 12 Emire. Die
Zahl der auf britisch: gyptischer Seite Ge.
telle girt er auf 17 und die der Ver
wuneten auf 1381 an. Von englischen
Truppen war des 20. Husarenregiment im
Gefecht. Es schien Anfangs, als ob Ge—-
neral Greenfell nur die Vorhut der Auf
ständischen vor sich hätte und der Kampf
mit der Havptarmee ihm noch bevorstehe.
Das hat sich als ein Jerthum erwiesen.
Greenfell hat die Hauptmacht vernichtet
und ist auf dem Wege nach England.
Auf der Insel Kreta ist ein Auf—
stand ausgebrochen, der, wie es scheint,
vom Rubel auf Reisen unterhalten wird.
Das Land soll sich in einem Zustand voll
ständiger Anarchie befinden und blatige
Zusammenstöße schon mehrfach stattgefun
den haben. Man spricht von einer spe
ziellen Mission Graf Herbeit Bismarch's
an Lord Salisbury, die sich auf die kreten
sische Angelegenheit und die dortigen In
triguen Rußland's beziehen soll. Auch will
man wissen, daß der jüngste Besuch des
Königs von Griechenlanb in Paris gleich—
falls mit derselben in Verbindung stehe, da
die griechische Regierung durch ihren fran—
zösischen Gesandten, Herrn Delyannis, be—
nachrichtigt worden, daß man von Seiten
Frankreich's geneigt sei, eine Lösung der
keetensischen Frage zu Gunsten Griechen—
land's zu empfehlen. Aaf der anderen
Seite könnte eine solche wohl kaum von
Deutschland begünstigt werden, da sich ihr
Jtalien aus's Entschiedenste widersetzt und
die Rechte der Pforte vertheidigt. Vielleicht
steht auch der angeblich geplante Besuch
Kaiser Wilhelm's in Constantinopel in ge
wisser Beziehaung zu dem ihm selber in
Aussicht gestellten Czarenbesuch.
Telegraphische Depeschen.
Deutschland.
Berlin, 5. Aug. Der preußische
Gesandte beim Vatikan, von Scheoözer, ist
hier angekommen und üb.rbringt die Nach
richt von der Forderung des Papstes, daß
die preußische Regieruag das von ihr ge—
gebene Bersprechen, die Katholiten iz
die Rechte, welche ihnen vor dem Eilaß
der Maigesetze zugestanden, wieder einzu—
setzen, erfülle.
Berlin, 5. Mai. Geheimrath Krü
er ist auf den Verdacht bei den Unterschlei--
ke der Kieler Flottenbeamten betheiligt zu
sein, verhaftet worden.
Heute sind 11 Flottenoffiziere nach der
ostafrikanischen Station abgegangen, um
ebensoviele invalid gewordene Offiziere zu
ersetzen.
Berlin, 09. Aug. Der Czar wird
hier am 24. August zu einem mehrtägigen
Besuche erwartet. Der Czarewitsch kommt
in seiner Begleitung. Während der An—
wesenheit des Czaren findet eine große
Heerschau vor ihm statt.
Der Kaiser und die Kaiserin begleiten
den Czar nach Kiel oder Stettin, wo sie mit
der Czarina zusammentreffen.
Oesterreich-Ungarn.
Pesth, 5. Aug. Bei einer heute hier
gehaltenen Heerschau ließ ein Husarenofsi
zier sein Regiment, das schon die anstren
gendsten Feldübungen durchgemacht hatte,
noch einen Angriff ausführen. Die Hithze
Redakteur: Nicholas Gonner.
Rummer 942.
war erdrückend und die Leute waren schon
vollständig erschöpft. Bei dem Sturmtitt
stürzten 27 Mann vor Erschöpfung von den
Pferden und mußten weggetragen werden;
einer derselben ist bereits todt.
Prag, 6. Aug. General Philippovich,
der Eroberer Bosniens, ist heute Nacht hier
am Schlagfluß gestorben.
Wien, 9. Aug. Die Antwort des
österreichischen Cabinets auf di· Note der
griechischen Regierung in Betreff des kreti—
schen Aufstendes erkennt an, daß die Lage
auf Kreta eine schlimme sei, ist aber mit
dem von Griechenland vorgeschlagenen Vo--
gehen nicht einverstanden.
Belgien.
Brüssel, 7. Aug. Hier tritt heute
der Welt-Congreß für Strafrecht zusammen.
Vatican.
Rom, 6. Aug. Cardinal Guigliel—
ma Massaia ist heute in Neapel gestorben;
er war im Jahre 1809 geboren und im
Jahre 1881 zum Cardinal erwählt.
Frankreich.
Paris, 8. Aug. Nach den amtlichen
Wahlausweisen sind 949 Republikaner und
489 Conservative in die Generalräãthe ge—
wählt worden.
Paris, 6. Aug. Bonningre, ein frü
herer Beamter der hiesigen dänischen Ge—
sandtschaft, wurde heute zu zwölf Jahren
Gefängniß bei harter Arbeit uud nachheri—
ger Ausweisung verurtheilt, weil er diplo—
matische Urkunden an deutsche Agenten ver—
kauft hatte,
Paris, 7. Aug. Der Appellhof hat
das Urtheil, durch welches Derouleoe und
Laguerre, wegen Aufreizung zur Störung
der öffentlichen Ordnung in Angouleme
verurtheilt worden sind, bestätigt, und De—
roulede's Geldbuße um 625 Fr. erhöht.
Zweitausend Studenten zogen heute vor
Dr. Pasteur's Haus und entsandten eine
Abordnung zu ihm, welche ihm ihre Hoch
achtung und Verehrung kundgab.
Paris, 7. Aug. Capitän Bujac,
früher dem Stabe Boulanger's zugetheilr
und dann ein Beamter im Auswärtigen
Amte, ist unter der Beschuldigung ein deut
scher Spion zu sein verhaftet worden.
Paris, 7. Aug. Jln Toulouse ist
eine Menge falscher Banknoten von 1000
Franken in Umlauf; vor sechs Monaten
sind die ersten falschen Noten in den Ver—
kehr gekonmen. Es sind viele Verhastun—
gen vorgenommen worden. Ein reicher
Bahnbau Unternehmer, der in die Fälschun
gen verwickelt ist, hat sich geflüchet.
Paris, sB. Aug. Heute begann der
Prozeß gegen Boulanger und Genossen
vor dem Stactsgerichtshof. Vor dem Ge
richtssaal war eine Militärabtheilung auf—-
gestellt.
Paris, 8. Aug. Der General;
Staatsanwalt begründete heute seine An—-
tlage gegen Boulanger in einer längeren
Rede vor der „Haute Cour de Justice“.
Schon zur Zeit, als Boulanger in Tunis
gewesen sei, habe er seine Herrschgelüste
gezeigt und sich dort als Vice-König auf—-
gespielt, und während seiner Verwaltung
des Kriegsministeriums habe er sich sogar
als Cromwell malen lassen, dieses Bild
auch seinen geheimen Sendlingen gezeigt.
Paris, 8. Aug. Rochefort und Dillon
wurdem vom General-Staatsanwalt als
Boulanger's Mitschuldize bezeichnet. Dil—
lon, der aus dem Heer ausgestoßen worden,
sei der rechte Mann, um sich in Verschwö—
rungen einzulassen. Die Rechte wird, so—
bald als der General-Staa!sanwalt seinen
Vortrag geschlossen hat, die Zuständigkeit
der „Haute Cour de Justice“ über Boulan—-
ger bestreiten.
Paris, 9. Aug. Der Minister des
Auswärtigen Spuller schreibt in Erwiede—
ruag einer Note des griechischen Gesandten
in Paris Delyanni's, daß der Aufstand
anf Kreta von großer politischer Bedeu—
tung sei. Frankteich werde der Angelegen--
heit alle ihie gebührende Aufmerksamkeit
schenken. -
Großbritanien.
London, 5. Aug. Kaiser Wilhelm
hat dem Herzog von Sachsen-Coburg tele—
graphirt, daß er von seiner hiesigen Auf—
nahme auf's hoöchst· befriedigt ist. Er er—
wähnt auch die Flottenschau und spricht
seine Bewunderung sür die englischen Floite
aus.
Portsmouth, 6. Aug. Die briti—
sche Flotte verließ heute Spithead und
ging in See um Uebungen auszuführen.
Bei der Abfahrt stießen die Linienschiffe
Black Prince und Invincible zusammen,
und erlitten beide schwere Beschädigungen.
London, 6. Der Royal Yacht
Club gab heute dem Kaiser Wtlhelm, dem
Prinzen Heinrich von Preußen und dem
Prinzen von Wales ein Banket. Morgen
hält der Kaiser in Aldershot Heerschau über
30, 000 Mann.
Liverpool, 7. Aug. Die Geschwo—-
renen haben die der Legitn ihres Man—-
nes angeklagte Frau Maybrick schuldig er
tun worauf dieselbe zum Tode verurtheilt
wurde.
Preise der Anzeigen.
Jeder Zoll der Spalte per Jahr. . ..$12.00
3 „ 3o „ r „ “6 M naie ; 7.020
“ « „ „83 Monate d 5.00
Für jede Feile Brevier, oder deren Naum, daz
erstemal 10 Cents, die nächstenmale 5 Cents.
Heiraths- und Todesanzeigen mit Spruch
$1.50, ohne Spruch SI.OO.
Auswärtige Anzeigen müssen vorausbezahlt werden.
Anzeigen für Pienics, Lotterien, Glückssplele
-c., die dem Geiste der kath. Kirche zuwider/ fin
den keine Aufnahme.
Anzeigen sende man spätestens
Montag Morgen ein.
Job Arbeiten aller Art prompt und
billig ausgeführt.
Osfsice der,Gazette“:
Ecke der 6. und Jowa--Straße-
Rußland.
St. Petersburg, 5. Aug. Achtzig
Nihilisten sind in Charkow verhaftet wor
den. ODie Polizei durchsacht die Häuser
von Mitgliedern eines neuen Sozialisten-
Vereins in Odessa; viele derselben sind
verhaftet worden. Dee meisten Mitglieder
sind Juben.
St. Petersburg, 7. Aug. Heute
fand hier die Trauung der Prinzessin Mi—
litiza, Tochter des Fürsten Nikolaus von
Montenegro, mit dem Großfürsten Peter,
Neffen des Czaren, in der Kapelle des
Peterhof Palastes statt. Alle Minister
und die fremden Gesandten wohnten der
Feierlichkeit bei.
Türkei.
London, 6. Aug. Nach einer De—
pesche von Candia auf Kreta breitet sich der
Ausstand immer weiter aus. Zwischen
einer Abtheilung Reguläãrer, untersttzt von
türkischen und armenischen Freiwilligen und
einem Trupp Aufständischer kam es zu
einem heftigen Gefecht. Die Behörden
haben den Kopf verloren und können den
Aufstand nicht unterdrücken. Die Fremden
verlassen die Jasel.
Serbien.
Belgrad, 5. Aug. Die Regenten
wünschen, daß die Königin mit ihrem
Sohn, König Alexander, im Hause ihrer
Tante, Prinzessin Movrussi, in Bessara—
bien zusammentreffe, während die Königin
auf einem Besuche in Belgrad besteht.
Durch den Befehl, Wagen und Pferde
sur das Militärfuhrwesen zu stellen, erhal
ten die Kriegsgerüchte neue Nahrung.
Griechenland.
Athen, 6. Aug. Die Regierung hat
der Flotte Befehl ertheilt, sich segelfertig
zu machen. Hunderte von kretischen Flüücht
lingen sind hier angekommen. Oie Re—
gierung hat zu ihrer Unterstützung 5200,
000 bewilligt.
Die türkischen Behörden auf Kreta rufen
alle Mohamedaner auf der Jasel unter die
Waffen. Bei Heraklion ist es heute zwi—
schen Christen und Türken zum Kampf ge—
kommen. Auf beiden Seiten sind 10 todt
geblieben und Viele verwundet. Die tür—-
kischen Truppen mischten sich nicht in den
Kampf ein.
Athen, 6. Aug. Die griechische Re
gierung hat ein Rundschreiben an die
Großmächte gerichtet, worin sie dieselben
ersucht, zur Herstellung des Friedens in
Kreta einzuschreiten und erklärt, daß Grie
chenland sonst genöthigt wäre, Truppen
nach Kreta zu schicken, um seine Untertha
nen gegen die Türken zu schützen.
Montenegro.
Cettinje, 7. Aug. Prinzessin Ana
stasia, dritte Tochter des Füürsten von Mon—
tenegro hat sich mit dem Herzog Georg von
Leuchtenberg verlobt.
Congostaat.
Brüssel, 5. Aug. Lieutenant Dha—
nis, der eben nach dreijährigem Aufenthalt
am oberen Congo, hierher zurũckzekehrt
ist, meldet, daß der Handel dort empor
blüht, neunzehn Dampfer den Strom be—
fahren und die Eingeborenen gerne ihre
Erzeugnisse verkaufen. Während einer
Reise von 189 Tagen von Leopoldsville
nach Matahdi traf Dhaniz breißiz weiße
Reisende.
Aegypten.
Cairo, 6. Aug. General Greenfell
geht nach Cairo zurück. Der Feldzug ist
vorüber. Sarras hat eine ägyptische Be
satzung erhalten. Reiterei verfolgt den
einzigen Emir, der die Schlacht üderlebt
hat und sich mit 200 Mann in den Bergen
bei Bellana aufhält.
Japan.
San Franeisco, 5. Aug. Nach
Berichten aus Japmn haben schwere Regen
am 9. und 10. Juli eine große Ueber
schwemmung im Hita-Bunga Bezirk veran—
laßt. Zweihundert und acht Häuser wur
den weggerissen und 365 Gebäude mußten
später ebgebrochen werden. Viele Men—
schen sind in den Fluthen umgekommen.
Auch in anderen Städten des Beziks wurde
viel Schaden angerichtet.
San Francisco, 8. Aug. Die
wit dem Dampfer Arabie eingetroffene
„Japan Gazette“ berichtet, daß bei der neu—
lichen Ueberschwemmung durch das Austre:
ten des Flusses Dschikuco in Fukuolaken
100 Personen ertrunken und acht verwun—
det worden sind, 12,000 Häuser wegge—-
schwemmt und 2500 Aere angebauten Lan
des verwüstet wurden. Im ganzen Land
sind Sammlnngen sür die Bedürftigen ver
anstaltet worden.
Merxiko.
Mexiko, sB. Aug. In Tabasco sind
sehr ausgiebige Petroleumlager entdeckt
worden.
Im Staat Guerraro sind reiche Kohlen
schichten gefunden worden.
Das Ingenieur-Bataillon grbt in Coy
ascn einen von Montezuma's Palãsten
aus, um nach den Schätzen der Aztekenkl
nige zu suchen.
2

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