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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, October 23, 1894, Image 2

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—2
Gabrieles Geheimniß.
Grzählung aus der Pariser Gesellscjaft.
(Fortsetzung.)
Sie saß ruhig da, in Betrachtungen
versunken. Die anderen Mitreisenden
machten unwillige Bemerkungen üher
das öftere Anhalten des Zuges; sie
äußerte kein Wort der Ungeduld, ob—
gleich ihr jede dahinschleichende Minute
eine Ewigkeit zu währen düntkte.
Endlich als der Zug bei einer kleinen
Landstation hielt, erhob sich die Com—
tesse und verließ das Coupee.
Es waren nur wenige Leute am
Bahnhof. Gabriele durchschritt das
Stationsgebäude und betrat, nachdem
sie die Treppe hinuntergegangen, die
öde Straße, in welcher eine Laterne nur
ein spärliches Licht verbreitete. Der
Regen floß in Strömen vom Himmel
herab, doch hielten glücklicherweise einige
alte Miethstutschen, auf dem Playe.
Gabriele sah sich forschend um, als ob
sie einen Wagen vermisse.
„Sie erwarten mich heute nicht!“
murmelte sie vor sich hin. „Sie den—
ken nicht, daß ich bei diesem Unwetter
tommen werde!“
In diesem Moment trat der eine
Kutscher an sie heran und bot ihr seinen
Wagen an. Schnell entschlossen enga—-
girte sie das Gefährt.
„Wohin wünschen Madame zu fah—
ren?“ fragte der Mann, während sie in
dem Wagen Platz nahm.
„Nach der Villa Larose,“ erwiderte
die Dame.
„Villa Larose? Ah, das ist ja da,
wo der spanische Graf wohnt! Sehr
wohl, Madame!“
Bei diesen Worten schloß der Mann
die Thür und stieg auf den Bock. Der
Wagen setzte sich in Bewegung, und
nach turzer Zeitdauer war das Ziel der
Fahrt erreicht.
„Wir sind vor der Villa, Madame!“
sagte der Kutscher, als er stillhielt und
den Wagenschlag öffnete. „Sie können
das Haus allerdings von hier aus nicht
sehen, weil so viele Bäume davor stehen.
Aber Sie brauchen nur an der Gar—
tenthüre zu tlingeln, dann wird sofort
Jemand tommen und Sie einlassen.“
Er half ihr aus dem Wagen und
überließ sie, nachdem sie ihn bezahlt
hatte, ihrem Schicksal und fuhr davon.
Kaum war das Rollen der Wagen—
räder verhallt, so zog die Comtesse einen
Schlüssel aus der Tasche ihres Kleides
hervor, schritt schnell auf das ihr von
dem Kutscher bezeichnete Gitterthor zu
und schloß es auf. Den Athem anhal—
tend lauschte sie einen Moment, dann
als Alles still blieb, schloß sie das Thor
wieder zu und eilte der Villa, welche
ganz von Bäumen und Gebüsch bedeckt
war, entgegen. Die Wege dahin lie—
sen in einer solchen Weise hin und her,
daß das Haus von keiner Stelle aus
vorher sichtbar war.
Nachdem sie endlich bei strömendem
Regen durch das Labyrinth von Bäu—
men hindurch vorgedrungen war, er—
reichte sie ein großes längliches, in herr
schaftlichem Stil gebautes Landhaus,
welches wohl den Namen „Villa La—
rose,“ den es in der ganzen Umgebung
führte, verdiente.
Die hell erleuchteten Fenster bildeten
einen scharfen Contrast zu der Finster—
niß, welche die Comtesse umgab. Lieb--
liche sanfte Musitlänge tönten ihr ent—
gegen. Auch einzelne Stimmen und
fröhliches Gelächter tönten an ihr
Ohr.
„Sie haben mich heute Abend sicher
nicht erwartet,“ murmelte sie wieder
vor sich hin. „Das wird eine fröhliche
Ueberraschung werden.“
Sie wandte sich nach der andern Seite
des Hauses, welche nicht so glänzend er—
leuchtet war, und zog einen zweiten
Schlüssel aus der Tasche hervor. Ge—
räuschlos öffnete sie eine Seitenthür.
Sie trat in einen schmalen Gang ein,
aus welchem eine Treppe nach oben
führte. Die Comtesse eilte die Steige
hinauf und gelangte auf einen schmalen
Vorplatz. Eine Zimmerthür war nur
angelehnt. Dieses Gemach betrat Ga—
briele. Hier brannte eine Lampe,
welche nur spärlich den tleinen Raum
erhellte. Als die Comtesse die Thür
hinter sich geschlossen, entledigte sie sich
hastig ihrer Vertleidung. Nachdem
das geschehen war, legte sie ihre Hand
auf den Drücker einer Thür, welche in
ein Nebenzimmer führte, ösfnete sie,
blickte vaxrsichtig hinein und ging dann,
als sie auch dieses Gemach leer fand,
selbst hinein.
Ein einfaches aber gemüthliches klei
nes Zimmer war es, welches sie betrat:
die rothe Fußdecke und die rothen Gar—
dinen harmonirten mit den wenigen ge—
diegenen Möbeln; das sanfte Licht einer
Astrallampe erhellte das Zimmer und
im Kamin brannte ein helles Feuer.
Die Comtesse schritt auf einen großen
Schrant zu, schloß denselben auf und
entnahm daraus diejenigen Kleidungs—
stücke, die ihr passend düntten. Sie
handelte geradeso wie Jemand, der in
der Villa zu Hause war, ja, als ob sie
selbst hier im Hause die Herrin sei!
Sie war jetzt nicht mehr die kalte, stolze
Comtesse Gabriele. Ein glückliches
Lächeln umspielte ihren Rosenmund,
ihre prachtvollen Augen erglänzten wie
ein Paar helle Sterne am duntlen
Himmel.
Sie kleidete sich in ein Gewand von
brauner Seide, welches ein einfacher
Spitzenkragen schmückte. Nach weni—
gen Minuten war die Toilette beendet.
Ihr ganzer Anzug war einfach aber
geschmackvoll, nicht tostbar, aber den—
noch ihrer würdig. Sie sah aus wie
eine Königin u. man sah es ihr an, daß
sie sich in diesem schlechten Kleide un—
endlich glücklicher fühlte, als in dem
tostbaren Sammetgewande, welches sie
an demselben Abend in dem stolzen
Hause ihres Vaters getragen hatte.
Vor ihr, an der Wand, hing ihre eige
nes Porträt in Lebensgröße, auf dem
Tische davor stand eine Lebensgröße,
auf dem Tische davor stand eine einfache
Vase mit srischen, lieblich duftenden
Blumen. Die Comtesse bemerkte mit
sichtbarer Freude die Aufmertsfamtkeit,
welche man ihrem Bilde erwiesen hatte,
und entnahm der Vase eine weiße Ka—
melie, welche sie als einzigen Schmuck in
ihr schoönes, nachtschwarzes Haar steckte.
„Jetzt will ich hinunter gehen,“ flü—
sterte sie mit einem Lächeln, wie noch
Keiner aus der vornehmen Pariser
Welt Constesse Gabriele von Chatrois
hatte lächeln gesehen; ihre Augen leuch—-
teten, aus jeder ihrer Mienen sprach
Glück und Seligteit. „O, wie werde
ich sie überraschen! Welch' eine Freude
wird das sein!“
Durch eine Thür, welche derjenigen,
durch welche Gabriele hereingetommen
war, gerade gegenüber lag, verließ sie
das Gemach und gelangte, durch das
duntle Nebengemach schreitend, an eine
dritte Thür. Dieselbe leise öffnend,
sah sie in ein großes, elegantes Zim—
mer, hell erleuchtet und mit einem lustig
flackernden Feuer im Kamin. Es war
augenscheinlich ein Studirzimmer.
Bücherregale bedecktten die Wände; in
einer Ecke am Fenster stand eine Staf—
felei mit einem angefangenen Bilde;
daneben lagen Palette, Pinsel und
Farben. Ein niedriges Ruhebett,
über welches ein Leopardenfell ausge—
breitet lag, stand vor dem Kamin.
Gerade, als die Comtesse im Begriffe
war, einzutreten, ertönte von draußen
das Geräusch von Männerschritten, und
gleich darauf trat ein Herr ins Zimmer,
welcher geradewegs auf das Ruhebett
zuschritt und sich ungestüm auf dasselbe
niederwarf.
Es war ohne Zweifel der Fremdlän—
dische Graf, welchen der Kutscher vor—
hin als Eigenthümer der Villa Larose
bezeichnet hatte, denn er hatte ganz das
Aussehen wie ein echter, spanischer
Grande.
Groß und stattlich, mit rabenschwar
zem Haar, war sein ganzes Wesen
töniglich und zugleich befehlend. Das
einzige Auffällige in seiner Erscheinung
war der Contrast, in welchem seine tief
blauen Augen zu dem duntkeln Teint
Haar standen.
Ein melancholischer Zug umspielte
seinen Mund. Ein geheimer Kummer,
wie ihn Verbannte, die sich nach der
Heimath und der Wiedereinsetzung in
ihre Rechte sehnen, hegen mögen, schien
ihn zu bedrücken.
Er war in der Umgebung als der
spanische Graf von Alvarez bekannt.
Er hatte vor vielen Jahren dieses tleine,
heimliche Plätzchen, welches in der Nach
barschaft den Namen „Villa Larose“
trug, angetauft. Während dieser gan—
zen Zeit hatte er das eintönigste Einsied—
lerleben zwischen seinen vier Wänden
geführt; er hatte weder irgend welche
Besuche gemacht, noch solche empfan—
gen.
Als die Comtesse Gabriele des Einge—
tretenen Ansichtig wurde, überflog ihr
schönes Antlitz der Ausdruck seliger Ver—
tlärung. Wie Schnee und Eis vor der
Sonne schmelzen, so entwich alle Härte
und Kälte aus ihren Zügen, während
sie ihn beobachtete. Ihre Wangen
färbten sich höher ihre Augen glänzten
vor Freude und ihren Rosenmund um—
spielte ein sanftes Lächeln.
Der Graf, welcher keine Ahnung von
ihrer Gegenwart hatte, schloß die Augen
und murmelte:
„O, welch' ein entsetzlicher Abend!
Schleichen denn die Minuten mit bleier—
ner Schwere dahin, als umfaßte jede
von ihnen eine Ewigkeit? O, Gabriele!
Gabriele! Wie sehnt sich mein Herz nach
Dir! Siebenmal wechselten Tag und
Nacht mit einander, seitdem sich Eins
von dem Andern losriß! Wann—wann
tehrst Du wieder?“
Die Tochter des Grafen von Chatrois
verließ ihren Schlupfwintkel, eilte ge—
räuschlos durch das Zimmer bis hinter
das Ruhebett, bedectte die Augen des
Grafen mit ihren Händen und rief mit
verstellter Stimme aus:
„Rathet einmal, wer hier ist, Graf
Alvarez!“
Wie electrisirt sprang der so Ange—
redete in die Höhe, ein Freudenschrei
entrang sich seinen Lippen, und ihre
Hände ergeifend und dann die Spreche—
rin selbst stürmisch an seine Brust schlie—
ßend, rief er aus:
„Gabriele! Mein Weib! Du Du
bist es? Du bist getommen trotz Nacht
und Sturm?“
„Ja mein Gemahl!“ antwortete
Gabriele mit vor glückseliger Erregung
zitternder Stimme. „Könntest Du
denten, daß der Sturm mich davon zu—-
rückhalten vermöchte, hierher zu kom—
men? Je größer der Sturm draußen,
desto mehr Sehnsucht habe ich im Herzen
nach der Stille und dem Frieden, den
ich allein finde hier bei Dir Geliebter!“
Der Graf zog die schöne Sprecherin
inniger an seine Brust, sie mit Zärtlich—
teiten und Küssen fast erstickend; er gab
ihr alle nur erdentbaren Schmeichelna—
men, am öftesten und liebsten aber
nannte er sie bei dem süßesten: „Mein
Weib!“
Das also war das Geheimniß der
Comtesse Gabriele von Chatrois! Das
also war der Grund ihrer Abwesenheit
vom Hause, die ihrem Vater und dem
Grafen Eugen ein unlösbares Räthsel
war! Und deshalb auch hatte sie alle
Bewerber mit Kälte und Unnahbarkeit
von sich gewiesen!
Sie führte ein Doppelleben in der
That! In dem glänzenden Palais ihres
Vaters die kalte, stolze, herzlose Kö—
nigin der Gesellschaft. Hier in der ab—
gelegenen, einsamen trauten Villa La—
rose das liebende Weib, der Abgott
ihres Gemahls, der Sonnenschein seines
Hauses. ;
Welch ein eigenthümliches Geheim—
niß, daß die Comtesse Gabriele umgab!
Was mochte die Ursache sein zu diesem
seltsamen Doppelleben, das zu führen
sie mehr tostete, als aller Glanz und
Reichthum der Welt zu ersetzen vermö—
gen!
„Engel meines Daseins“ rief der
Graf in einem Tone, durch welchen die
Wahrheit des Gesagten hindurchiönte.
„Setze Dich zu mir, Liebste! Du bist
gewiß nicht von der Bahn zu Fuß hier—
hergektommen? Wenn ich nur geahnt
hätte, daß Du bei diesem Unwetter kom—
men würdest, so hätte ich unser Fuhr—
wert hingeschictt.“
„Sorge Dich nicht, mein Gemahl!“
erwiderte Gabriele lächelnd, indem sie
es ihm gestattete sie neben sich auf den
Sitz niederzuziehen. „Ich hatte mir
eine Miethskutsche genommen und habe
dann die Gartenthüre mit meinem
Schlüssel geöffnet. Ich wollte Euch
überraschen.“
„Und es ist Dir gelungen,“ versetzte
der Graf. „Ich tam hierher, um
allein zu sein, gerade in diesem Augen—-
blick zog mich eine mächtige Sehnsucht
hierher. Ich wollte träumen von Dir,
Geliebte! Jetzt sehe ich in Wirklichkeit
vor mir Dein strahlendes Auge, fühle
Deine beseligende Nähe! Wie soll ich
Dir für all' Deine Liebe, Deine treue
Hingebung, Deine Selbstverleugnung
danten?“
Er nahm ihre zarten, weißen Hände,
an denen jetzt nur ein einfacher Gold—
rief glänzte, und küßte dieselben voller
Inbrunst.
„Du thust gerade, als ob ich Dir
allein einen großen Gefallen damit er—
wies, daß ich heute Abend herausgekom—
men bin,“ sagte die Comtesse mit sor—
genfreiem Lächeln, „während doch mir
gerade das größte Glück dadurch zu
Theil wird. Es litt mich nicht
länger im Palais meines Vaters. Ich
fühte mich bedrückt wie lange nicht.
Ich mußte zu Dir, um aller meiner
Sorgen ledig zu werden!“
„Du warst in bedrückter Stimmung,
Gabriele!“ sagte der Graf ungläu—
big. „Du, mein Sonnenschein, mei—
nes Hauses Engel, meine stets ·fröhliche
Königin? Ich habe Dich noch nie in
bedrückter Stimmung gesehen, so lange
wir vereint sind. Es tommt mir ge—
rade so vor, als ob Du sagen wolltest,
die Sonne scheint düster!“
„Auch die Sonne hat ihre Schatten,
wie Du weißt, mein Gemahl!“ erwi—
derte die Comtesse.
„Wohl wahr, Liebste. Weßhalb
solltest nicht auch Du trübe Stunden ha—
ben? Ich bin so sehr daran gewöhnt,
in melancholischer Stimmung zu sein,
sund Du hast immer durch Dein Kom—
men düstere Wolken vertrieben, gleich
wie die Sonne alle Finsterniß vertreibt
mit ihrem goldenen Strahl, so daß ich
meiner Eigenliebe nie daran gedacht
habe, daß auch Du zuweilen Stunden
haben könntest, in denen Dein Herz
schwach werden und zagen koönnte. “
„Mein Herz lennt keine Schwäche,“
entgegnete Gabriele mit einen ernsten
Lächeln. „Der Gedanke an Dich macht
es start, doch ich wünschte, daß wir un—
sere Ehe nicht mehr geheim zu halten
brauchen. Um Deinetwillen, mein Ge—
mahl, wünschte ich es!“
„Ich bin zufrieden, Gabriele! Laut
schlägt mir das Herz vor Freude, wenn
ich daran denke, daß Diejenige, welcher
Alle ihre Huldigung darbringen, die
liebende und geliebte Mutter meiner
Kinder, der Sonnenglanz meines Hau—
ses ist!“
Mit Thränen der Rührung in den
Augen schloß er sie zärtlicher in seine
Arme und drückte voll heiliger Gefühle
einen Kuß auf ihre schöne Stirn.
„Warum hattest Du heute Abend
düstere, trübe Gedankten, Geliebte?“
fragie der Graf nach einer kurzen Pause
feierlicher Stille. „Ist irgend etwas
vorgefallen im Palais Chatrois? Ver—-
muthet dort irgend Jemand unser Ge
heimniß?“
„Nein, nein, mein Gemahl! Mein
Vater sprach heute Abend davon, daß.
er mich verheirathet sehen möchte, bevor
er sterbe. Er spricht immer davon, daß
er seine Enkel auf den Knieen schaukeln
möchte, bevor er jene andere Welt hin—
über geht. Wenn er die Wahrheit
ahnte! Ich sehnte mich danach, ihm un
ser Geheimniß anzutrauen, aber ich
mußte schweigen! Er ist ein guter Va
ter, aber er besitzt einen eisernen Wil
len, der unerschütterlich ist, wenn er
etwas für Unrecht hält. Ein solches
Bekenntniß würde Dich vernichten, mein
Gemahl! So lange jener Mann, auf
dessen Gnade nicht zu hoffen ist, lebt,
muß Deine Existenz ein Geheimniß
bleiben.“
„Du meinst den Marquis de
Vignt,?“
„Ja, Theuerster! Der alte Mar—
quis ist unerbittlich feindselig gegen
Dich gesinnt! So lange er noch lebt,
darf Niemand ahnen, daß Armand de
Bigny nicht todt ist, sondern unter dem
Namen Graf Alvarez in Franktreich
weilt. Der Marquis würde sich keine
Gewissensbisse daraus machen, Dich
noch jetzt in den Kerler zu bringen zu
lassen, wenn er ahnen tönnte, daß Du
am Leben bist. Er hat Beweise genug
in Händen, welche, sollte der Fall ein—
treten, Dein Verderben besiegeln wür—
den.“
„Ich weiß es!“ stöhnte der Graf,
den man allgemein vor achtzehn Jah—
ren in Brasilien verstorben glaubte.
„Er besitzt gegen mich genug der Be—
weise über ein Verbrechen, welches nie—-
mals meine Hände befleckte! Graf Eu—-
gen ist es, dem ich all' diesen Kummer
verdante. Er hat mich von jeher ge—-
haßt, aber er verstand es stets seine!
Feindschaft gegen mich unter scheinba—-
rer Freundschaft zu verbergen. Mein
Ontel war stets ungemein geizig. Ob
gleich ich sein rechtmäßiger Erbe, war
ich doch nur auf ein ußerst mäßiges Ta-!
schengeld, welches er mir gab, angewie
sen. Ich war damals einundzwanzig
Jahre alt, ein frischer, lebensfröhlicher
Jüngling. Eugen war nur einige
Jahre älter als ich. Er wußte uml
Luxemhnraer Gazette.
meine Geldverlegenheit und unterließ
teine Gelegenheit, mich gegen meinen
Oheim aufzustacheln, sowie den alten
Marquis gegen mich einzunehmen.
Eines Abends wir waren auf dem
Landsitz des Marquis—leitete er wieder
das Gespräch auf unseren Onkel, wie
es öfters schon geschehen war. Er er—
zählte mir, daß der Marquis einen
großen Kasten voll Gold und Bankno—
ten in seinem Pulte stehen habe. Da—
rauf trank er mir tüchtig zu. Es war
das erste und auch das einzige Mal,
daß ich berauscht wurde. Was in der
nächsten Stunde geschah, ist mir ein
Räthsel bis auf heute. Plötzlich zu
mir tommend, fand ich mich im Zim—
mer des Marquis, mit welchem ich im
Handgemenge war. Ich hatte ein
Messer in der Hand. Es war ein
schrecklicher Augenblick. Ich war wie
gelähmt. Ich hörte wie mein Ontktel
Verwünschungen und Flüche auf mein
Haupt schleuderte. Ich hörte Eugen's
Stimme, als er in's Zimmer stürzte
und den Onkel von mir fortriß. Ich
hörte das Geschrei der Diener und ihre
Rufe des Schreckens und des Erstnu—
nens. Und mit einem Male wurde
mir Alles tlar! Ich sah die Beutel mit
Gold auf der Erde liegen, sah die Wunde
an der Schulter meines Ontels, sah den
Dolch in meiner Hand! Und, o, mein
Gott! Ich wäre ja lieber gestorben, als
daß ich nur ein Haar auf meines On—
lels ehrwürdigem Haupte hätte krüm—
men sollen.“
Des Grafen Stimme zitterte vor Er—
regung und sein Gesicht verzog sich
trampfhaft vor Schmerz.
„Zuweilen,“ fuhr er nach einer mi—
nutenlangen Pause fort, „ist es mir,
als ob ich mich errinnerte, daß Eugen
mich in des Ontels Schlafzimmer ge—
führt hätte; das er den Schlag führte,
mir den blutigen Dolch in die Hand
drückte und dann so schnell entfloh, daß
Niemand ihn bemerkte. Jedenfalls
steht soviel fest, daß er der Erste war,
welcher auf meines Onkels Hilferuf
herbeieilte. Ich stand da, wie vom
Schlage getroffen, so hatte mich diese
Scene ergriffen, ich war sprachlos und
konnte kein einziges Wort zu meiner
Vertheidigung herausbringen. Zuerst
erhob Eugen seine Stimme gegen mich,
darauf warf der Marquis einen Beu—
tel voll Goldstücke nach mir und wies
mich zum Hause hinaus. Ich eilte
nach Paris. Ich tam zu Dir. Die
Ereignisse der Nacht wurden zu schnell
betannt. Ich hörte schon einige Tage
darauf, mein Onkel bereue, daß er mich
habe entweichen lassen. Er nahm Ge—
heimpolizisten auf, mich auszukundschaf
ten. Ich verkaufte meine Diamant—
Busennadel und meinen Ring und ent
floh mit dem Erlös nach Havre. Dort
schiffte ich mich nach Brasilien ein. Von
da aus sandte ich sorgfältig präparirte
Beweise von meinem Tode nach Frank—
reich. Einige Monate später kehrte ich
selbst wieder zurück erlangte eine
Unterredung mit Dir und erfuhr, daß
Du mich nicht für schuldig hieltest, son
dern, daß Du trotz Allem die Meine
werden wolltest!“
„Wie hätte ich- anders können, mein
Gemahl?“ sprach Gabriele hingebend.
„Eine Liebe wie die unsrige können
nicht Welt und Menschen trennen. Un—
sere Herzen vermäg Nichts zu scheiden,
es sei denn der Tod!“
„O, Gabriele,“ rief der Graf be—
geistert aus, sein Weib an seine Brust
schließend. „Alle die langen Jahre
der Einsamkeit, welch' ein unsägliches
Glück bargen sie für uns? Womit habe
ich Deine reiche Liebe verdient? Das
geheimnißvolle Leben, das wir seit sieb
zehn Jahren in dieser Abgeschiedenheit
führten, glich einem herrlichen Liebes
roman. Ungeachtet all' unserer Sor
gen, sind wir noch unendlich glücklich
hier gewesen!“
Ihre Augen leuchteten vor Freude.
Aber plötzlich huschte ein Schatten über
ihre Züge, und der Graf blickte sie fra
gend an.
„Wir waren glücklich, ja,“ hob sie
an. „O, möchte auch die Zukunft für
uns es nicht minder sein. Mein Ge—
mahl, ich habe Dir eine Mittheilung
zu machen, die Dich start finden muß.
Graf Eugen ist nach Paris zurückge—
tehrt. Er dinirte heute Abend in un—
serem Palais!“
„Eugen ist zurückgekehrt?“ rief der
Graf bestürzt aus. „O, mein armes
Weib, was wirst Du nun wieder zu er—-
dulden haben, denn dieser Mann ist
unerbittlich in seiner Eigenliebe. Mein
Gott! könnte ich Dich doch vor aller
Welt als meine rechtmäßige Gattin er—
tlären!““
„Auch diese Stunde wird kommen,“
sprach Gabriele, indem ihre sanften
Augen liebend auf dem schönen Antlitz
des Grafen hafteten. „Laß' uns in
Geduld harren, mein Gemahl! und
jetzt,“ fügte sie hinzu, „laß' uns dort—
hin gehen, wo vor dem Sonnenschein
der Liebe alle Schatten, die unseren
Blick trüben, schwinden müssen.“
Der Graf stand auf. Seine Trau—
rigteit verschwand vor dem Himmels—-
strahl der ihn aus ihrem Auge traf.
Wieder zog er sie innig an seine Brust
und tüßte sie voll Inbrunst. Dann
reichte er ihr lächelnd seinen Arm und
Beide verließen das Studierziminer.
An der Seite des Grafen stieg die
Comtesse die breite in's Erdgeschoß füh—
rende Treppe hinunter, durchschritt die
untere Halle und machte dann vor der
Thür des Familienzimmers Halt.
Musit und fröhliche Stimmen tönten
ihr daraus entgegen. Den Finger an
ihre Lippen legend und dadurch dem
Grafen Schweigend gebietend, horchte
sie.
Wie theuer waren ihr diese Stim—
men!
Einige Minuten, dann öffnete sie
leise die Thür. Eine Scene, wie sie
schöner und lieblicher nicht im Märchen
von Tausend und einer Nacht geschildert
werden konnte, bot sich den Blicken Bei
der dar.
Das Familienzimmer war ein gro—
Ber, geräumiger, luftiger Raum, mit
hohen Fenstern, an welchen Spitzengar—
dinen prangten. Verschiedene Cande—
laber verbreiteten eine anheimelnde Helle
und die Mobilien, sowie die sonstige
Ausstattung des Zimmers waren im
geschmackvolle Stil gehalten.
In diesem Zimmer befanden sich die
drei Kinder des gräflichen Paares.
Alfred, der jüngste Knabe, saß vor dem
Piano und spielte einen deutschen Wal
zer, während, Giralda, seine Schwester,
und Rupert, sein älterer Bruder, sich
nach dem Tacte der Musit anmuthig
im Kreise drehten.
Die drei waren so sehr in ihre Be—
schäftigung vertiest, daß sie das Oeff
nen der Thür nicht bemerkten.
Gabrielens Antlitz erglühte vor
Freude und Stolz. Nicht eine Spur
von Kälte oder Unnahbarteit war mehr
in ihren Zügen zu lesen. Ihre dunkt—
len Augen glänzten und wanderten von
Einem zum Andern, bis sie schließlich
auf ihrem Liebling, den kleinen Alfred
am Piano, haften blieben.
Sie lehnte das Haupt gegen die Brust
ihres Gatten; das Antlitz von seligster
Freude überhaucht, stand sie da, eine
unbemerkte Zeugin der trauten Fami—
lienscene.
Plötzlich verstummte die Musik. In
demselben Moment stieß Giralda einen
lauten Jubelschrei aus und eilte,
gefolgt von ihren Brüdern, auf die
tönigliche und doch so echt weibliche Er—
scheinung der Mutter zu, um sie mit
Lieblosungen zu überschütten.
Gabriele fühlte sich glücklich, o, wie
glücklich, in diesem Kreise! Keine war—
nende Stimme sagte ihr, daß in diesem
Augenblicke ein grausames Verhängniß
hart an dem stolzen Gebäude ihres
Glückes rüttelte, es erschütternd bis in
seine Grundfesten. Ahnungslos, was
sich an diesem Abend in dem gräflichen
Palais in Paris zutrug, und daß diese
Stunde den Schlüssel zu dem größten
Geheimniß ihres Lebens in die Gewalt
des Mannes lieferte, den sie fürchtete
und haßte zugleich, lebte sie nur dem
Glück der Ihrigen. Sie sah nicht den
dunkeln Schatten, der vor ihr aufstieg
und drohend die Hand nach ihrem Her—
zen ausstreckte.
Kein Maler hätte ein Bild, das herr
licher und anmuthiger war, schaffen
tönnen, als das, welches die kleine,
trauliche Familiengruppe in der Villa
Larose an diesem Abend darbot.
Ja, sie waren schön, diese Kinder
ihrer schönen Mutter! Alfred, der
Jüngstgeborene und der Liebling Ga—
brielens, war ein blondgelockter Knabe.
Seine feinen Züge, seine großen veil—
chenblauen Augen, seine von Begeiste
rung für das Spiel noch zart gerötheten
Wangen, wiesen hin auf ein echt poeti—
sches Gemüth, das mit den Schatten—
seiten des Lebens es aufzunehmen,
durchaus nicht angelegt war. Obgleich
erst elf Jahre alt, konnte man ihm das
Genie nicht absprechen. Lag doch schon
jener gewisse melancholische Zug auf
seinem Gesicht ausgeprägt, der den ge—
nialen Künstler umschwebt, wie der
süße Duft die Rose.
Alfreds Bruder, Rupert, war ein
Jüngling von fünfzehn Jahren, mit
dem duntlen Haar und dem dunklen
Auge seiner Mutter. Alles lebte in
ihm; er war schön wie ein Apoll. Da—
bei war er stets fröhlich und guter
Dinge und auch er besaß viel Talent
und große Weißbegierde. Reinen Her—
zens mit noblen Manieren und einer
edlen Seele, die für alles Schöne
schwärmte, begabt, war er ein Sohn,
auf den stolz zu sein die Eltern das
vollste Recht hatten.
Giralda, das Ebenblid der Vaters,
war ein Mädchen von sechzehn Jahren.
Sie war so schön, wie nur die höchste
Poesie die Unschuld zu denkten, nur der
Künstler sie zu ziechnen vermag.
Sie war schlank von Gestalt, graziös in
Haltung und Manieren und gewandt
wie eine Schwalbe. Ihr Teint war
duntkel, doch tlar, ihr Haar war schwarz
und im griechischen Knoten auf ihrem
tlassisch geformten Haupt zusammenge—
halten. Ihre Augen waren blau, vom
tiefsten, intensivensten Blau, welches
zuweilen in der Erregung in Schwarz
überging. Sie waren groß und glän—
zend, von langen, buschigen Brauen,
welche sich am Ende leicht kräuselten,
überschattet. Ihr Gesicht war der
Spiegel eines fröhlichen, liebenden
Herzens und einer großen Seele. Auf
ihrem ganzen Wesen lag der Blüthen—
staub unentweihter Herzenskindlichkeit.
Nachdem die erste Freude des Wieder—
sehns vorüber war, führte Giralda die
Mutter nach einem bequemen, nahe dem
Kamin stehenden Sessel, und nun setzte
sich die tleine Gruppe zusammen, mit
einander plaudernd und fröhliche Worte
und Liebkosungen austauschend.
Giralda stahl sich bald hinweg, aber
nicht lange währte es, so tehrte sie zu—
rück, mit komisch altmütterlicher Miene
meldend, daß das Abendessen servirt
sei.
Die lleine Familie erhob sich, um
dem Rufe Folge leistend sich in das
anstoßende Speisezimmer zu begeben.
Hinter dem Sessel, der für die Her—
rin des Hauses bestimmt war, stand
eine Frau, welche das auffällig genaue
Ebenbild Jeannettens, der Dienerin
Gabrielens im Palais Chatrois, war.
Diese Frau, Marguerite Souchet, war
die Zwillingsschwester Jeannettens.
Beide waren getrene Hüterinnen
des Geheimnisses der Comtesse Gabriele,
ein Geheimniß, das sogar den Kindern
des gräflichen Paares unbekannt war.
Jeannette sowohl, als Marguerite wa—-
ren Pflegeschwestern ihrer schönen Her—
rin und Jede von ihnen hatte freudig
ihr Leben für dieselbe hingegeben, wenn
ein solches Opser von ihnen gefordert
worden wäre.
Gabriele begrüßte ihre getreue Die—
nerin auf das Freundlichste.
„Jeannette läßt Dich grüßen, Mar—
guerite!“ sagte sie. „Sie wird am
Sonntag hinauskommen, um Dich zu
besuchen.“
Mit diesen Worten nahm sie Platz.
Der Graf saß ihr gegenüber, Giralda
an seiner rechten, Rupert an seiner
linten Seite. Der kleine Alfred saß
natürlich neben seiner Mutter.
Nur Marguerite wartete bei Tische
sauf. Es waren überhaupt nur drei
dienende Personen in der Villa Larose:
Marguerite, die Haushälterin; eine
deutsche Frau, die aber ihre Herrin sehr
t zu sehen bekam und welche auch
nur wenige Worte französisch konnte;
sund drittens ein Kutscher, welcher zu—
gleich Gärtner und ein sehr zuverlässiger
Mann war.
Marguerite Souchet war die erge—
benste Dienerin und der Liebling der
Kinder, eine treue Freundin der gan—
zen Familie.
An der Tafel ihres Vaters hatte noch
niemals Jemand Gabriele lachen hören;
hier schallte ihr Lachen fröhlich und
laut, wie das silberhelle Rauschen eines
Waldbaches, der sich in's Thal hin—-
unterstürzt.
Hier in der Villa Larose war sie die
Gräfin Gabriele von Alvarez. Ihre
Kinder hatten ihren Familiennamen
nie gehört. Sie hatten auch keine
Ahnung davon, daß ihre Mutier eine
der reichsten Erbinnen in ganz Frank—-
reich war. Sie wußten nur, daß ihre
Mutter eine geborene Franzoösin, doch
muthmaßten die älteren, daß sie, gleich
ihrem Vater, von spanischer Abkunft
sei. Ihr ausländisches Aussehen hatte
diesen Gedanten in ihnen hervorge—
bracht und Marguerite bestärkte sie in
ihrer Annahme.
Die Bewohner von Villa Larose
führten ein sehr zurückgezogenes Leben.
In der Umgegend wußte ein Jeder, daß
dort ein spanischer Graf Alvarez mit
seinen Kindern wohnte, und daß er sei
nen Studien oblag. Von der Gattin
des Grafen wußte man nur, daß die—
selbe eine Sängerin oder Schauspiele—
rin sei, welche nur selten nach der Villa
täme. Die Parkthür wurde immer ge
schlossen gehalten und vorzüglich der
schöne, große hinter dem Hause bele—
gene Garten von den Bewohnern zum
Aufenthalt benutzt. Strenge war jede
Begegnung mit Fremden von jeher stets
vermieden worden.
Die Gräfin von Alvarez persönlich
haite noch Niemand in der Umgegend
gesehen. Comtesse Gabriele von Cha—
trois dagegen war eine zu bekannte Er—-
scheinung, weßhalb dieselbe nie anders
als Abends und in Verkleidung sich dort
bliceen lassen durfte, ohne Aufsehen zu
erregen.
Giralda sowohl, als auch die Kna—
ben waren niemals aus ihrem Hause
heraus und unter fremde Menschen ge—-
tommen. Alle drei hatten in der Villa
das Licht der Welt erblickt, während der
alte Graf von Chatrois sich auf Reisen
und seine Tochter sich angeblich in Zu—
rückgezogenheit auf dem Lande zur Kräf—
tigung ihrer Gesundheit befand.
Der Graf, in allen socialen und poli—
tischen Fragen bewandert und mit den
Wissenschaften vertraut, war der Er—
zieher seiner Kinder. Die modernen
Sprachen, besonders Spanisch um
die Vorsicht hinsichtlich der spanischen
Abkunft nicht außer Acht zu lassen
Musit, Tanz und ein correctes und rei—
nes Französisch, waren die Unterrichts
gegenstände, welche der Graf seinen
achtsamen und fleißigen Schülern bei—
zubringen bemüht war. So kam es
denn, daß seine Kinder nicht nur genü—
gend unterichtet wurden, sondern daß
sie Manches besser und gründlicher
wußten, als Schüler der ersten Hoch—
schulen des Landes.
Ganz Liebe und Glückseligkeit, gab
Gabriele sich vollständig der Freude die—
ser Stunde hin. Mit stolzem Ausdruck
schweifte ihr Blick von dem blondgelock—
ten Alfred bis zu dem Grafen.
Da plötzlich tauchte ein höhnisches
Antlitz, das sie auch diesen Abend ge—
sehen, vor ihrem Geiste auf das Ge—
sicht Eugen von Lamartin's und ein
Schauder durchzuckte ihre Seele.
„O, mein Gott!“ sprach sie, bei
dem Gedanlken erzitternd, zu sich selbst.
„Wenn dieser Dämon den Frieden die
ses stillen Heims zu zerstören ver—
möchte!“
a 72
Nach eingenommener Mahlzeit begab
sich die kleine Gesellschaft in das Fami—
lienzimmer zurück. Fröhlich musicir
ten und plauderten Alle noch eine
Stunde mit einander. Der silberne
Schlag der Pendule auf dem Kamin
vertündete nur zu schnell die Stunde,
in der man sich zur Ruhe zu begeben
pflegte.
Rupert umarmte seine Mutter und
flüsterte ihr zu:
„Mutter! Kann ich Dich nachher noch
einen Augenblick sprechen?“
Gabriele sah ihn fragend an; er kam
ihr mit einem Male weniger knabenhaft
vor. Sein Blick belundete einen festen
Willen und um den Mund lag ein Zug
der männlichen Entschlossenheit.
„Ich werde zu Dir ktommen, Rupert,
sobald ich Alfred zu Bett gebracht
habe,“ erwiderte sie.
Rupert trat zurück, um seiner Schwe—-
ster Platz zu machen.
„Mutter!“ flüsterte Giralda, „ich
muß Dich morgen früh nothwendig und
allein sprechen. Hast Du einige Au—
genblicke für mich übrig?“
„Gewiß, mein Liebling! Gleich nach
dem Frühstück kannst Du mich sprechen.
In Papa's Studirzimmer wirst Du
mich sinden!“
Nachdem die Comtesse ihrer Tochter
noch einen Kuß gegeben, ging sie mit
ihrem jüngsten Sohne nach dessen
Schlafzimmer; dort blieb sie, bis sie
ihn in seinem Bettchen sah. Als dies
geschehen war, bedeckte sie seine Veilchen
augen mit Küssen und ging dann zu
ihrem Sohne Rupert.
Er saß an einem kleinen Tische, auf
dem ein Licht nur schwach brannte.
Das ganze Zmimer war voller Bücher;
nicht nur in einem egale und auf den
hängenden Bücherbxettern und ein paar
Tischen, sondern sogar auf dem schneei—
gen Bette lagen Bücher umher.
Bilder bedeckten theilweise die Wände,
auch Käser und Schmetterlinge waren
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Lynn, Mass.
Für das Beste Anderer.
Rev. Mr. Williams indossirt herzlich
Hod's Sarsaparilla.
Wir sind erfreut, dieses von Rev. A. A. Wil
liams, der Sillobec Street hristlichen Kirche, Lynn,
Mass., zu präsentiren: „Ich sehe keinen Grund,
warum ein Geistlicher mehr wie ein Laie, welcher
weiß, wovon er spricht, zögern sollte, einen
Artikel von Verdienst
und Werth anzuerkennen, von welchem er woiß. dat
ihm und seiner Familie damit Gutes gethan wurde.
und dessen Beifall dazu dienen könnte, die
· Wohlthaten auf Andere auszudehnen, durch Er
höhung ihres Vertrauens. Meine Frau war wähe
rend vieler Jahre leidend an schwerem
Nervösem Kopsschmerz,
für welhen sie wenig Hülfe fand. Sie hat viele
Sachen probirt, die gut zu sein versprachen. doch
wenig halfen. Letzten Herbst gab ein Freund ihr
eine Flasche von Hood's Sarsäparilla. Es scheint
erstaünlich. was einfach eine Flasche thun konnie
und für sie that. Die Attaden von Kopfschmerz
verminderten sih in Anzahl und waren weniger
heftig in ihrer Gewalt, während ihre allgemeine
Gesundheit verbessert worden ist. Ihr Appetit war
besser. Nach unserer Erfahrung betenunen wir, daß
Hooũ's Sarsaparilla heilt,
und zögere ich nicht, „seine Verdienste“ zu indossiren.
A. A. Williams.“
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