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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, October 23, 1894, Image 4

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ß 2
2 ;
27
Die Gazette.
Dienstag, den 25. Oktober 1894.
Vom Aussätzigen. Matth. 8, 1.
Sonntag, den 28. Okt. Simon u. Judas, Ap.
Mont. „208. „ Nareissus, Bischof.
Dienst. „30. „ Alphonsus Rodrig.
Mittw. „31. „ Wolfgang, B.
Donnerst. , 1. Nov. Aller Heiligen.
Freitag „ 2. „ Aller Seelen.
Samstag , 3. „ Hubertus. Domnus
Eine niedrige politische lun—
trigue im dritten Congreß—
bezirk von Jowa.
Wir waren vor der demotratischen
Convention, welche Herrn Bashor, den
Candidaten der populistischen Partei im
hiesigen Conagreßbezirktte, indossirte,
durchaus kein Befürworter desselben, da
wir lieber gesehen hätten, wenn die
Demotraten einen passenden Mann aus
ihren eigenen Reihen gewählt hätten,
den sie Col. Henderson, dem jetzigen
republitkanischen Congreßmanne dieses
Distriktes, entgegengestellt hätten. Wir
hielten es für unpassend, sich in einen
Compromiß mit den Populisten einzu—
lassen, denn als Solches betrachteten wir
die Indossirung Bashor's. Die De—
mokraten achteten unseren Mahnruf
nicht und daß wir deshalb teine beson—
ders große Lust verspürten einen eifri—
gen Feldzug für Bashor zu eröffnen,
wird man natürlich finden.
Jedoch die Lage hat sich geändert und
es ist die Zeit gekommen, wo auch wir
reden müssen. Es ist nämlich an die
Priester dieses Congreßdistrittes folgen
der Brief gesandt worden:
Et. Joseph's Waisenhaus, Wash
ington, D. E.,22. Aug. 94. 5
Hochwürdiger Vater!
Erlauben Sie mir, Ihre Aufmerksamkeit
auf die Thatsache zu lentken, daß die Waisen—
tinder des St. Joseph's Waisenhauses,
sowohl als die anderen Wohlthätigkeitsan—
sialten von Washington dem Appropriation
cCommittee des Senates der Ver. Staaten
und besonders dem ehrenwerthen O. B. Hen—
derson von Dubuque zum besonderen Danke
verpflichtet sind, weil sie uns den Unter—
stützungszuschuß, welcher uns lange Jahre
gewährt wurde, wieder verschasst, nachdem
dieser Zuschuß im Gesammtbetrage von 850,-
900 dem hier gegründeten Board of Child
ren Guardians zur Verwaltung überlassen
worden war, dessen Gutdünken wir rückhalts—
los übergeben waren. Aber dank Gott,
unseren vielen Freunden im Congresse und
besonders dantkt Col. Henderson, sind wir
der Guade des Board of Children Guard
ians enthoben und erhalten jezt unseren Zu—
schuß regelmäßig.
Wir möchten gerne Ihrer Hochwürden
diese Thatsache kundthun und hofsen, daß
Sie bei Gelegenheit Col. Henderson danken
werden, welcher mit seiner ganzen Energie
und gauzem Herzen sfür die Waisentinder
eingetreten ist.
Wie ich höre, haben die Populisten einen
Prediger der Dunkard - Sekte (HVunkard
Vreacher) gegen Repräsentant Henderson
aufgestellt. Er wird dem Volke wohl nicht
sagen, daß er ein Prediger ist.
Ju der Hosfsnung, daß Sie mir verzeihen,
daß ich Sie mit dieser Sache belästige, hochw.
VBater, zeichnet hochachtungsvoll,
Schwester ECuphrasia, Oberin.
Der hiesige „Telegraph“, welcher das
Schreiben der Schwester Euphrasia in
unserer Stadt zuerst besprach, eröffnete
auf dasselbe hin eine recht heftige edito—
rielle Campagne gegen Congreßmann
Henderson. Dieser nahm in seinem
Leiborgane, der hiesigen,„Times“, zu—
erst eine Art unnahbare Stellung ein,
als halte er es unter seiner Würde, den
Vorwurf zurückzuweisen. Da ihm aber
immer heftiger zugesetzt wurde, ließ er
sich in ein „Scharmützel“ ein, ohne
jedoch seine Theilnahme an
der Intrigue zu leugnen.
Er wollte offenbar die Sache auf sich
beruhen lassen oder sich durch einen
Kapitalstreich gänzlich entlasten.
Uns scheint seine Absicht gewesen zu
sein, das letztere Mittel zu wählen,
denn der „Telegraph“ erhielt dieser
Tage die folgenden Schreiben von der
Schwester Euphrasia aus Washington:
Dubuque, Ja., 12. Okt., v 4.
Schwester Euphrasia, Oberin des St. Jo
sephs-Waisenhaus, Washington, D. C.
Geehrte Schwester!
Erlauben Sie mir Ihnen anbei den Hu—
buque Daily Telegraph vom 10. Oktober
1894 zu übermitteln und Ihre Aufmerksam—
keit auf den Hauptartikel zn lenten, welcher
betitelt ist: “To Capture the Catholie
Vote.“ („Um die Stimmen der Katholiten
zu sangen.“)
; Ich weiß nicht, ob Sie danach fühlen, die—
sen Leitartikel zu beachten, aber falls Sie
meinen, Solches thun zu können, wäre ich
Ihnen dankbar, wenn Sie eine Mittheilung
an den,Telegraph“ senden und darin ange—
ben wollten, ob ich oder ob ich nicht Antheil
daran hatte, Sie zu dem erwähnten Briese
zu bewegen, und sollten Sie beschließen,
Solches zu thun, so werde ich Ihnen dantken,
falls Sie diesen meinen Brief mit dem Ihri—
pen an den „Telegraph“ senden wollte, so
aß dieser und dessen Leser genau erfahren
mögen, welche Correspondenz ich mit Ihuea
in dieser Sache hatte.
aller Achtung Ihr
P.S. Bitte mir gesl. eine Abschrift
irgend eines Briefes zu übermitteln, welchen
Sie an den „Telegraph“ senden.
Schwester Euphrasia schrieb darauf
prompt an den „Telegraph“:
St. Josephs Waisenhaus, Wash
ington, D. C., 15. Okt. v 4.
Un den Redalteur des Vubuque Daily
Telegraph.
Geehrter Herr!
Der ehrenwerthe D. B. Henderson hat
durchaus Nichts mit meinem Briese, welchen
Sie in Ihrer Ausgabe vom 10. d. M. publi—
zirten, zu thun gehabt, noch hat er denselhen
in irgend welcher Weise beantragt. Es war
einfach ein Ausdruck meines Dankes sür
Alles, was er für alle die Wohlthätigkeits
anstalten Washington's gethan hat, sowohl
für die protestantischen als die katholischen.
Achtungsvoll,
Schwester Euphrasia.
Mit stoischem Gleichmuthe zeigt die
„Times“ nun anch auf die obigen zwei
lezten Briefe. Col. Henderson's Un—
r
Kalholischer Kirchen - Kalendet.
D.B. Henderson.
schuld, so behauptet sie, isi rein und
gerettet. Und doch erlauben auch wir,
wie der „Telegraph“, uns, einer ande—-
ren Ansicht zu sein.
Vor Allem steht fest, daß Schwester
Euphrasia von dem Briefe wußte und
auch steht fest, wie wir aus persönlichen
Nachforschungen wissen, daß der erste
Brief der Schwester an Priester des
hiesigen Congreß - Distrittes gesandt
wurde.
Etwas Anderes aber ist die Frage,
ob die Schwester den Brief geschri ee—-
ben und ob sie das Schreiben ve r—
vielfaltigt und in diesem
Congreßbezirte vertheilt
habe. Aus teinem der obigen
drei Briefe tann man schließen, daß
irgend eine dieser drei Fragen mit
„Ja“ zu beantworten seien. Unserer
Ansicht nach deuten verschiedene Anzei—
chen anf eine gegentheilige
Auslegung dieser Schreiben, denn es
wird uns erstens Niemand klar
machen können, daß in einer so wichti
gen und für seine politische Campagne
frage so folgenwichtigen Angelegenheit
Col. Henderson nicht gleich nach
dem ersten Erscheinen des Briefes der
Schwester Euphrasia eine entschie
dene Verneinung seiner Mit
schuld an diesen Unternehmen erlassen
und publizirt hätte. Er hätte dieses
schon als geriebener Politiker, als wel—-
cher er ja gilt, thun müssen, denn
es stehen hier nicht nur die Stimmen
der Katholiten, welche ihm der „Tele—
graph“ abwendig zu machen suchte,
auf dem Spiele, sondern vielmehr
noch die Stimmen der A. P.
A. Leute dieses Distrittes, welche es
offenbar nicht ungerügt lassen werden,
daß er Staatsgelder sektirischen Zwecken
hat zuwenden helfen. Die politische
Klugheit hätte also ein entschiedenes
und zwar ein möglichst promp—
tes Dementi verlangt.
Daß das nachträgliche Zeugniß der
Schwester Euphrasia nicht von genug
Gewicht ist, um den Mangel an
Promptheit zu ersetzen, das ergibt sich
aus dem Terxte dieses zweiten Briefes
in welchem ja keine der drei Hauptfra—-
gen die ins Gewicht fallen in einer
Weise beantwortet sind, daß sie Hen—
derson entlasten. Die Schwester be—
stätigt ja nur, daß nach ihrem
Wissen Col. Henderson nichts mit
Ihrem Briefe zu thun hatte; sie erklärt
aber nicht, daß sie den Brief mit
eigener Hand geschrieben,
oder was wichtiger ist, daß sie densel—
ben verfaßt habe. Sie sagt auch
nicht, daß sie den Brief vervielfäl—
tigtundandie hiesigen Pri—
ester gesandt habe. Daher ist
der zweite Brief der Schwester durch
das was er nicht ausdrückt von Wich—
tigkeit, da er gerade das was von Be—
deutung ist, übergeht. Und wenn Je—
mand eben die wichtigsten Punkte so um—
geht, so muß eine Ursache vorhanden
sein. Und diese Ursache ist die Schuld
Col. Hendersons, welcher seine
Bitte an die Schwester mit fachmän—
nischer, politischer Schlauheit so for—
mulirt hat, daß Ihre Antwort na—
türlich ihm günstig sein mußte. Von
diesem Standpunkte aus betrachtet,
spricht auch der zweite Schachzug in die—
ser politischen Intrigue, denn mit einer
solchen haben wir es hier zu thun—ge—-
gen Henderson und der zweite Brief der
Schwester Euphrasia ist der zweite Stütz—
punkt unseres Argumentes.
Als dritte Ursache weshalb wir diese
Controverse zu Ungunsten des jetzigen
Congreßmannes auslegen, gilt uns die
Frage, welche in Criminalfällen östers
vor Gericht ein leitendes Argument bil
den. Cui prodest? Wem nügtzt es
d. h. zu wessen Gunsten war dies erste
Schreiben der Schwester Euphrasia
geschrieben, vervielfältigt
und verbreitet worden? Der Brief
sagt es selbst indem er die l
ausdrüclt, daß die Priesterbei Gel 9
genheit Col. Henderson ihren Dant
ausdrückenwürden. Daß die Ge—
legenheit die Wahl sein sollte
das liegt darin angedeutet, daß dieser
Brief gerade jetzt vor der Wahl zirtu—
lirt wird. Und daß die Art und
Weise wie dieser Dant ausge—
drückt werden solle in einer thäti
gen Unterstützuug der Candidatur des
Col. Hendersons bestehen solle ist en
falls aus der Zeit der Vertheilung
dieses Briefes und ganz besonders auch
aus jenem Theile dieses Briefes ersicht
lich, in welchem in verächtlicher und in
höchst anstößiger Weise Herr Bashor
mit Emphase wegwerfend
als ein Dunkard Vreacher bezeichnet
und höhnisch hinzugefügt wird:
„er (Bashor) wird dem Volte, wohl
nicht sagen, daß er ein Prediger ist.“
Als letztes Argument möchten 7
hier noch erklären, daß wir, nachdem der
erste Brief der Schwester ie
publizirt worden war, uns am 11.
Olktober in einem eigenen Schreiben
personlich an Diese wandten, welches
folgenden Wortlaut hatte.
Dubuque, den 11. Okt. 1894.
An die ehrw. Schwester Cuphrasia, Oberin
des St. Josephs-Waisenhauses zu Wash—
ington, D. C.
Ehrwürdige Oberin!
CEinliegend finden Sie einen Auszug aus
einer unserer hiesigen räglichen Zeitungen
in t na u E
von Dubuque, welcher einen Brief enthält,
den Sie an viele oder alle katholischen Prie
ster unseres Congreßdistriktes geschrieben ha
ben sollen.
Als Redalklteur der beiden einzigen deutschen
katholischen Blätter des ·.Staates Jowa und
der einzigen katholischen Blätter unseres
Congreßdistriktes würden wir natürlich gerne
bestimmte und zuverlässige Angaben über
diese Angelegenheit erhalten, um dieselben
den Katholiten dieses Distriktes vorzulegen,
welche selbstverständlich über das ECreigniß
beunruhigt sind.
Wollen Sie daher, ehrwürdige Oberin, uns
gefälligst mit umgehender Post mittheilen:
a) Ob Sie den Brief wirklich geschrieben
haben und wenn so:
b) An wen derselbe gesandt wurde.
(Geben Sie gesl. Namen an, da wir keinen
Gebrauch derselben in unseren Blättern ma
werden.)
) Ob der Tert, wie er in dem einliegenden
Zeitungsausschnitte enthalten ist, wörtlich
genan ist.
Es versteht sich von selbst, daß wir von
Ihren Mittheilungen nur soweit Gebranch
machen werden, als es nöthig ist, um die
Katholiken dieses Distrikters zu beruhigen.
Sollten Sie irgend einen persönlichen
Wunsch in dieser Angelegenheit haben, so
stehen wir im Interesse der gerechten
Sache gänzlich zu Ihrer Berfügung.
Wir haben uns erlaubt, uns direkt an Sie
persönlich zu wendeun, ehrwürdige Oberin, da
wir dieses als den einzig sichersten Weg hiel—
ten, die besten und bestimmtesten Mittheilun—
gen in dieser höchst wichtigen Angelegenheit
zu erhalten.
Sie werden uns durch eine prompte Mit—
theilung höchlich verpflichten.
Hochachtungsvoll
N 3. Gonner
Redakteur der„Luremburger Gazette“ und
des „Katholischer Westen“.
Wir erhielten bis zur Stunde, da
wir Dieses schreiben (Freitag, den 19.
Okt.) noch keine Antwort auf diesen
Brief. Gewiß waren doch die katho—
lischen Blätier des Distriktes zu einer
genauen Mittheilung der Sachlage,
geschweige denn einer Antwort berech
tigt. Wir hatten die Fragen absicht—
lich so positiv gestellt, um unseren
Lesern bestimmte Aufktlärung geben
zu können.
Doch sapienti sat. Es liegt Alles
tlar vor Augen, daß wir es hier mit
einem wohlüberlegten und durchdachten
Plane zu thun haben, in dem eine
dritte Person den Vermittler zwi—
schen Col. Henderson und der ehrwür—
digen Oberin, welche ohne Zweifel mit
der besten und edelsten Absicht gehan—
delt hat und deren Dankbarkeit man
mißbraucht hat, um politisches Kapital
damit zu machen, vorhanden sein muß.
Aus den genannten Gründen halten
wir dafür, daß Col. Henderson,
in dessen Interesse die dritte
Person ja ohne Zweifel arbeitet,
für diesfe unverzeibhliche
Kampfesweise verantwort—
lich zu halten ist und wir bezeich
nen diese Art und Weise in einem poli—
tischen Wahltampfe Stimmen zu wer—
ben, eine niedrige politische Intrigue,
welche sich nicht entblödet, eine tatho—
lische Barmherzige Schwester aus ihrem
stillen Wirkungskreise im Dienste der
christlichen Nächstenliebe in das wüste
Treiben eines politischen Wahltampfes
hinein zu zerren.
Dazu kommt noch, daß die Wirkung
dieses Vorganges eine solche ist, welche
die Katholiken des Distriktes hinstellt,
als benutzten dieselben eine schmutzige
politische Intrigue, um sich Einfluß
bei den Wahlen in unserem Congreß—
distrilte zu verschaffen und dieses ist
bekanntlich gerade dazu angethan, von
Seiten der so leicht erregbaren nati—
vistischen Strömungen und der A. P.
A. Fatktion allenthalben einen Sturm
hervorzurufen, welcher nur Böses stif
en tann.
Ein Privatbrief aus Montana ent—-
hält folgende Stelle: „Wie fürchten
wir uns wieder vor dem Winter in die—
sem kalten Hause, in welchem einige
Zimmer noch nicht verkalkt sind; beson—-
ders leiden wir in der Küche, wo wir
schon 15 Grad unter Null hatten. Die—-
ser Umstand machte sich bei den dort
beschäftigten Schwestern bemerkbar und
drückt die Temperatur des ganzen Hau—
ses herunter, zur großen Unannehm—
lichteit unserer 150 verlassenen India—
nerwaisen. Wir versuchten den ganzen
Sommer unser Bestes um die Küche
verkaltt und Thüren und Fenster besser
beschützt zu haben, konnten aber nicht
dazu lommen. Es sind so Viele mit
Essen zu versehen; unsere Vorräthe an
Mehl und unsere Mittel sind beinahe
erschöpft und wir sind gezwungen aus—-
wärts Hilfe zu suchen. Werther Freund,
lassen sie dieses veröffentlichen und
möge das hl. Herz Jesu Sie und die
Familien unserer gütigen Wohlthäter
segnen; dies ist das beständige Gebet
der Schwestern und Waisenkinder.
Bitte adressiren Sie: The Mother
Superior, Ursuline Convent, Saint
Peters P. 0., Montana.“
“Phe Rerien“. Dieses von Kuhl—
mann und Preuß in Chicago heraus—-
gegebene und von Herrn Arthur Preuß
vortrefflich redigirte Blatt, hat sich in
der turzen Zeit seines Bestehens als
Monatszeitung schon so viele Freunde
erworben, daß es jetzt wöchentlich her
auskommt. Die Tendenz des Blattes
ist, die englisch-sprechenden Katholiten
über die durch parteiische Zeitungen
falsch berichteten Bestrebungen der deut
schen Katholiten dieses Landes aufzu—
tlären. Wir wollen nur hoffen, daß
recht viele nur englisch - sprechende
Katholiten Abonnenten der „Review“
werden.
m m
LTuxemburger Gazette.
Das Gonner-Denkmal
ist, wie wir schon in voriger Nummer
auf der Lokalseite erwähnt, nun fertig
gestellt und nach der Photographie des—
selben, wie wir sie vor uns haben
und nach der Aussage Derjenigen,
welche das Denkmal während der Ar—
beit unter den Händen des Künstlers,
des Bilhauers Herr M. Deitsch von
Chicago, gesehen haben, ein Meister
stück, das dem Werke, welches das
wackere Gonner-Denkmal-Comite aus—-
zuführen unternommen hat, eine schöne
Krone aufsetzt, insofern es sich darum
handelte, ihrem verdienten Lands—
manne, unserem sel. Vater, ein stei
nernes Denlmal zu errichten.
Dasselbe besteht aus einem Sockel
mit einer Statue, welche im Ganzen
zusammen eine Höhe von etwa 13 Fuß
ausmachen und welche aus dem bekann—-
ten röthlichen, marmor-ähnlichen Bed—
fordsteine ausgehauen ist.
Der Sockel trägt auf der Frontseite
das luxremburger Landeswappen, wel—
cher für sich allein eine Kunstarbeit
ersten Ranges ist, da ihn höchst treff
liche Verzierungen umgeben, aus wel—
chem sich der Löwe und die Krone in
sehr esfeltvoller Weise hervorheben.
Auf der Frontseite steht in Zierschrift
wie folgt zu lesen:
DEXKMII
20 EHREN DES VERDIENSTVOLLEN
LUVXEMBURGERS
NI6COLAS GONNER,.
GEWIDNET
VON SEINEN ZAHLREIOHEN,
DANKBAREN LAND'SLEUTEN
VUND FREUNDEN.
RUHE IN FRIEDEN
Die Statue, welche auf dem Sockel
ruht, ist die sechs Fuß hohe Gestalt des
Christus als Lehrer, wie er mit erhobe—-
ner Rechten zum Volke spricht, während
er mit der Linken ein aufgeschlagenes
Buch hält, auf dessen Blättern ein
Alpha und Omega zu sehen ist als An—
tlang an jene Bibelstelle, in der es
heißt: „Ich bin das Alpha u. Omega“.
Die Christusgestalt selbst, ist in ihrer
Ausführung von überaus wirkungs—
vollem Effette. Das Antlitz ist ernst
edel, während der Körper den Gedanken
an die stille Majestät und die jugend—
liche Kraftfülle des ungeschwächten
Gottmenschen, des Ideals eines Men—
schenkörpers in würdiger Weise ver—
körpert.
Das Ganze, Sockel und Statue, ist
ein rührender und zugleich erbauender
Ausdruck der Gesühle der Liebe und
Verehrung, welche seine Landsleute für
den Verstorbenen hegten und dasselbe
befriedigt reichlich- und vollkommen
unsere Erwartungen. Das stei—
nerne Denkmal, welches als zeitliches
Monument blos einen Theil des ge—
sammten Gonner-Denkmals bildet, da
ja die Stiftung der fünften Freistelle
im Josephinum insofern den Haupt—
theil dieses Unternehmens bildet als
sie für die Seele des Verstorbenen eine
fortdauernd heilsame Wirkung
hat. Und die Herstellung des steiner—
nen Monumentes ist soweit in schönster
Weise gelungen. Wir werden natür—
liche ein Bild des Denkmals in unseren
Blättern publiziren und dabei eine Ge—
schichte des Gonner-Denkmals bis heute
geben.
In folgender Weise verhöhnt die
„Illinois Staatszeitung“ in ihrer
Nummer von Donnerstag, den 18. d.
M., katholische Gebräuche:
„Ein merkwürdiges Mittel gegen
Halskrankheiten gelangt in S. Leopoldo
im brasilianischen Staat Rio Grande
zur Anwendung. Im dortigen Jesui—
ten-College wird nämlich der Hals der
Kinder eingesegnet, und besorgte
Eltern, auch protestantische, schicken ihre
Kinder hin, damit der betresfende Pater
durch seinen Segen die Kinder vor
Halstrantheiten schütze. Es werden
zwei Lichter angezündet, der Pater
schlägt ein Kreuz, spricht ein kurzes
Gebet und der Hals der Kinder ist
gegen allerlei Krantheiten gefeit.“
Das Judenblatt weiß eben nicht,
daß in den obigen Zeilen vom Blasius—
segen Rede geht, welcher nicht nur in
San Leopoldo, sondern in der gesamm—
ten katholischen Welt gegen Halstrank—
heiten ertheilt wird.
Das Blatt treibt diese jüdische Un—
verschämtheit etwas weit und es muß
nach all diesen niedrigen Gemeinheiten
einsehen, daß die Toleranz und deutsche
Redlichteit, welche es zur Schau trägt,
allmählich jedem religiösen Gemüthe,
ob tatholisch oder protestantisch, zum
Elel werden muß. Wir empfehlen
unseren Lesern jene beiden Artiteln an
anderer Stelle, welche die Titel tragen:
„Saul unter den Propheten“ und „Die
Henne auf der Fenz gackert wieder“.
Die „Stimme der Wahrheit“
schreibt zu unserer Approbation ihres
Verhaltens in Betresf der Schmach,
welche den deutschen Katholiken des
Landes durch das Auftreten Washing—
ton Hesings auf dem Katholikentage zu
Louisville, Ky., angethan wurde, wie
folgt:
„Ein Standes - Ehrgefühl, wie alle
unsere Herren Collegen von der kath.
Presse dieses Landes es haben sollten,
besitt unser wackerer College von
der „Luxemburger Gazetle“ und dem
„Kath. Westen“ in Dubuque, Jowa,
Hr. Nitolaus Gonner, der den
Muth hatte, unseren Entrüstungs—
Artitel über den Infult, welcher der
lath. Presse Amerika's durch die Aus—
zeichnung des Mitherausgebers einer
Geheimbündler- Zeitung auf dem Ka—
tholitentage zu Louisville angethan
wurde, ganz abzudrucken und kräftig zu
indofsiren.
„Bravo, Freund Gonner! Sie haben
der guten Sache durch Ihr muthiges
Einstehen für unsere beleidigte Stan—
desehre großen Vorschub geleistet, denn
die beiden von Ihnen so musterhaft
redigirten Zeitungen sind in allen Staa—
ten und Territorien unserer Union ver—
breitet und werden von vielen Tausen—
den deutsch -amerikanischen Katholiken
gelesen!
Daß aber nicht nur die deutschen
katholischen Zeitungen dieses Laudes
den Stachel der unverzeihlichen Hand—-
lungsweise der Leiter in Louisville
gefühlt haben, das zeigt jener Brief an
anderer Stelle, welcher „Saul unter
den Propheten“ überschrieben ist. Das
tatholische deutsche Volt wird erbittert,
wenn es solche unkonsequente Thatsa—-
chen dort gewahrt, wo es ein strammes
Festhalten an echt katholischen Grund
säten erwartet hatte.
Die Henne auf der Fenz gackert
wieder.
Unter dem Titel: „Unduldsamleit
und unser Kampf dagegen“, welcher
eigentlich heißen sollte: „Offene Ent—
schiedenheit und unser Kampf dagegen“,
bringt die „Illinois Staatszeitung“
vom 8. Olktober einen längeren Artikel,
worin sie über ihre vermeintlichen Kin—
der jammert, welche ihren mütterlichen
Ruf mißachtend, sich in zwei feindliche
Parteien trennen, um sich bis auf den
Tod zu bekämpfen. Ich meine die Ka—
tholiten und die A. P. A. Die gute
Staatstante gleicht der Henne, welche
eine doppelte Brut von jungen Gänsen
and Truthühnern ausgebrütet und sich
unsägliche Mühe gibt, ihre verschieden—
artigen Kinder unter ihren Flügeln zu
behalten, nachdem dieselben zur Er—
tenntniß gelangt, daß die Henne nicht
ihre natürliche Mutter sei. Die jungen
Gänse eilen dem Wasser zu, die jungen
Trüthühner fliegen über alle Fenzen
hinweg und achten gar nicht auf das
ängstliche Gackern der besorgten Stief—
mutter. Das ist die traurige Lage
unserer alten Tante. Sie sitzt auf der
Fenz, welche Katholiken und Protestan—
ten scheidet, sie ruft, bittet, droht und
schmeichelt, um die getrennten Brüder
unter ihren Flügeln zu versammeln.
Doch umsonst. Die Meisten sind ent—-
schieden, betennen offene Farbe und
bleiben ihren Grundsätzen tren. Nur
ein kleiner Theil farbloser, grundsatz
loser, verschwommener Geister aus bei—
den Parteien hört auf den Ruf dieser
Allerwelts-Stiefmutter. Allen Uebri—
gen, die mit offener Entschiedenheit
ihrer Fahne treu bleiben, kündigt sie
den Krieg an. Nun sind die Katho—
liten dieses Landes, welche ihre Ober—
leitung in katholischen Angelegenheiten
nicht anerkennen, längst daran gewohnt
zur. Zeit oder Unzeit von der alten
Tante einen Eselstritt zu empfangen,
aber neu ist es, daß die entschiedenen
Protestanten, welche von unversöhn—
lichem Katholikenhaß und Verfolgungs—
sucht strotzen, dieses Mal den Zorn der
alten Tante aufgeregt, da sie sonst nie
ein Wort des Tadels gegen die Kirchen—-
verfolger in Preußen, Rußland, Ita—
lien oder Frankreich hatte.
Der Grund ihrer gegenwärtigen Be—
sorgniß ist, daß das Feuer, welches im
Nachbarhause wüthet, auch das ihrige
ergreifen könnte, d. h. daß der Sturm
der A. P. A. gegen die Katholiten sich
leicht gegen die Deutschen im Allgemei—
nen ohne Rücksicht der Religion aus—
dehnen ktönnte. Und dadurch würde sie
mit ihren lieben Protestanten und Ju—
den hart betrosffen werden. Sie gesteht
es offen ein:
„Ja es handelt sich um das Wohl von uns
DentschAmerikanern allen, den nicht-katho
lischen so gut wie den katholischen. Denn
zum tausendsten Male sei's gesagt: mit Ka
tholikenhetze fängt das Knownothingthum
allemal an und dann schreitet es zur Vertür
zung der Rechte aller Adoptivbürger. So
ists auch in der A. P. A. Politische und
geschäftliche Aechtung der Katholiten ist ihr
Anfang und ihre Fortsetung; aber in ihrem
vor einigen Monaten in Des Moines abge
haltenen Generalrath hat sie, dem Beispiel
der früheren Lrewnrtnebiurungen sol
gend, die Berkürzung der Rechte aller Ein—
gewanderten, und zunächst die Verlängerung
der Naturalisationsfrist überhaupt, als ihr
Ziel aufgesteckt.
Der Kampf gegen die A. P. A. ist s.r
jeden Deutsch-Amerikaner, ohne Unterschei
dung der Consession, zugleich ein Kamps der
Selbsterhaltung.“
Liebe Tante, sei unbesorgt, der A.
P. A.-Sturm ist ungefährlich für
Deine protestantischen Schützlinge; und
wir Katholiten haben schon viele hefti—
gere Stürme überstanden. Ich erinnere
nur an den preußischen Culturlampf.
Und wir leben dennoch vielleicht
rüstiger als zuvor.
Da es nun unmöglich ist, die ge—
trennten Brüder d. h. die entschiedenen
Protestanten und Katholilen zu versoöh—
nen und unter Deinen Flügeln zu ver—
sammeln, so höre auf mit gackern und
gestatte ihnen volle Denk- und Gewis—
sensfreiheit, Rede- und Preßfreiheit,
wie Du solche für Dich selbst wünschest.
Lasse ihnen sogar volle Kampffreiheit;
denn Irrthum und Wahrheit haben seit
Beginn der Welt im Streit miteinander
gestanden und es wird Dir nie gelingen,
sie miteinander zu versöhnen. Wie der
Mathematiker nie zugibt, daß zwei mal
zwei fünf macht, und wie der Historiler
nie zugibt, daß Napoleon die Schlacht
bei Leipzig gewonnen, oder daß die
Stadt Paris in Baden liege, so gibt
auch der Katholik nie zu, daß seine
Kirche nicht die allein wahre und selig—
machende sei. Der Katholit hält alle
anderen christlichen Religionen für
Ketzereien, der Protestant hält den Papst
für den Antichrist, die Bischöse und
Priester für lügnerische Pfaffen. Daran
tannst Du, liebe Tante, nichts ändern.
Hüte
Dich auch jedem Gerede und
Geschreibsel von Protestanten Glauben
zu schenten. Du bist nun alt, geistes—
schwach, warst nie in der Geschichte
recht bewandert, und deßhalb tönnen
die Protestanten Dir zahllose Lügen
aufhängen, ohne daß Du es ahnest,
r dies neulich geschah als einer Dir
agte:
„Der Katholizismus ist nur duldsam, wo
er sich in der Minderheit besfindet. In Län—
dern dagegen, wo er die Mehrheit besitzt,
sträubt er sich, während in den großen pro
testantischen Ländern Religionsfreiheit
herrscht, noch immer gegen diese Freiheit.
Blicken Sie z. B. nach Spanien, wo jetzt
Schritte gegen die erste protestantische Kirche
in Madrid gethau werden oder nach Ungarn,
wo die katholischen Bischöfe, mit einer einzi—
gen Ausnahme, noch in den letzten Tagen so
heftig, die Einführung freier Religionsübung
betämpiten.“ U.s.w., u. s.w.
Darauf wußtest Du nicht's anderes
zu erwiedern als: „Leider sind diese
Thatsachen wahr“. Schäme Dich alte
Tante, daß Du so leicht Dich betrügen
ließest. Es ist Alles erlogen; jedes
Wort ist falsch. Die Wahrheit ist, daß
der Katholizismus immer tolerant und
übertolerant war und noch jetzt ist,
während der Protestantismus vom bit—
tern Katholikenhaß getrieben stets in—
lolerant und verfolgungssüchtig gewe—
sen ist und bleiben wird bis an sein
Ende. Der Grund, liebe Tante, wa—
rum Du Dich so leicht in Irrthum
führen läßest ist, weil Du niemal ge—
lernt hast, zwischen religiöser und bür—
gerlicher Toleranz zu unterscheiden. Die
erste bezieht sich auf die Glaubenslehren
die zweite auf die Personen. Man
tann recht gut in religiöser Hinsicht
ganz intolerant sein wie die wahren
Katholiten, aber im bürgerlichen Ver—
tehr überaus tolerant und liebreich.
Und umgelkehrt, kann man in religiöser
Hinsicht ganz tolerant sein wie die Pro—
testanten und Ungläubige, welche ent—
weder nichts glauben oder alle Religio—
nen für gleich gut halten, aber dabei
recht intolerant, bitter und verfolgungs—
süchtig gegen Katholiten sind.
Diese Verwechselung, liebe Tante, ist
der Grund weßhalb Du den Katholiten
so oft den unverdienten Vorwurf der
Intoleranz machst. Die Katholiken
sind die liebenswürdigsten und nachgie—-
bigsten Bürger des Staates; nur in
einem Puntte sind sie nicht nachgiebig:
in ihrem Glauben. Gestatte ihnen
volle Denk- und Gewissensfreiheit und
Du wirst an ihnen die tolerantesten
Bürger finden.
Lasse ihnen auch etwas Freiheit, sich
gegen ihre Angreifer zu vertheidigen.
Verlange nicht von ihnen, daß sie sich
vor ihren Feinden auf den Bauch legen
und Juden und Protestanten auf ihrem
Rücken ruhig trampeln lassen. Wir
leben in Amerika nicht unter dem preu—
ßischen Polizeistock, der den Protestanten
Freiheit läßt, die Katholiten aber knech—
tet. Wir leben hier in freiem Lande,
worin auch den Katholiken das Recht
der Vertheidung gestattet ist. Ueberall
kämpfen die Katholiken für Wahrheit
Freiheit und Recht. Nenne sie deßhalb
nicht Hetzer, wenn sie den Juden oder
Protestanten unangenehme Wahrheiten
vorhalten. Thut die katholische Presse
Deinen Schützlingen unrecht, so beweise
es, aber schimpfe und jammere nicht wie
ein hülfloses Weib. Dies ist der ein—
zige Weg, auf welchem Du für Deine
alte Seele Ruhe finden kannst.
Maria erhört sromme Bitten.
In später Abendstunde kniete Bru—
der Augustinus vor dem Bilde der aller
seligsten Jungfrau, und während des
Gebetes rannen Thrẽnen aus seinen
Angen. Er war ein inniger und auf—
richtiger Verehrer der gebenedeiten
Mutter unseres Herrn und suchte in
wahrhaft tindlicher Ergebenheit ihr
Bildniß auf das Schönste auszuschmüt—
ten. Besonders an den Festtagen Ma—
riä erglänzte das Bild im Glanze der
Kerzen, die stets durch den frommen
Bruder auf das Kunstvollste zusammen—
stellt waren. Heute war das Bild nicht
erleuchtet, es fehlte an Kerzen, und das
nicht sehr begüterte Kloster hatte solche
nicht beschaffen tönnen. Und Morgen
war das Fest Mariä Himmelfahrt, wo
das geweihte Bild der Mutter Gottes
stets im Lichtglanze strahlte. Diesmal
wird es desselben entbehren müssen.
Das war es, was dem guten Bruder so
sehr zu Herzen ging, und deshalb flehte
er soinnig zu seiner Beschützerin ihn
durch ihre nie versagende Hilfe auch
diesmal zu trösten.
Eine Stunde später sinden wir Bru—
der Augustinus allein in seiner Zelle.
Plöyglich ertönt die Glocke der Kloster—
pforte. Augustinus, dem das Pfört—
neramt übertragen war, öffnet, und
es tritt ein vornehmer Herr ein und
überreicht ihm eine tleine Summe
Geldes, die zu Ehren der Mutter Jesu
verwendet werden solle. Er habe, so
bekundete der Herr, solches bereits vor
einem Jahre gelobt, nie aber wieder
an das Gelübde gedacht. Heute Abend
sei es ihm in den Sinn getommen, und
seitdem befinde er sich in Unruhe und
Angst, er ktönne und müsse noch heute
ersüllen, was er gelobt.
Wer war froher, wer glücklicher und
dantkbarer, als Bruder Augustinus.
Am folgenden Tage erstrahlte das Bild,
wie bisher, im reichsten Schmuck und
Lichterglanz. So sendet unsere himm—
lische Mutter auf ein beharrliches und
gläubiges Flehen zur rechten Zeit Hilfe.
Aus den anderen katholischen
Zeitungen.
Eine katholische Sommerschule für
den Westen, als Gegenstück zu der Som—
merschule in Plattsburg, N. Y., ist
dieser Tage in's Leben getreten. Auf
vergangenen Donnerstag, den 11.
Olt., war eine Versammlung in den
Räumen des Columbus-Club zu Chi—
cago anberaumt. Außer verschiedenen
hervorragenden Geistlichen und Laien
der Stadt und der benachbarten Staa—
ten waren in derselben die hochw'sten
Bischöfe von Columbus, Detroit, Du—
luth, Green Bay und Winona anwe—
send. Zum vorläufigen Sitz der Som—
merschule wurde Madison in Wiscon—
sin ausersehen. Das Studien-Comite
besteht aus dem hochw'sten Bischof
Meßmer von Green Bay, dem Jesui—-
tenpater Hughes und Pater Zahm,
[O. 8. C. von Notre Dame, Ind.
Eine große Anzahl gelehrter Geistlicher,
darunter vor allem die Jesuiten, hat
ihre Mitwirkung an dem löblichen
Werke zugesagt. Weitere Schrïte wer
den noch zu Ende dieses Jahres gethan
werden, sobald die Comites ihre vorbe
reitenden Arbeiten beendigt haben.
(Auch an der Küste des Stillen Ozeans
ist eine Bewegung im Gange, die auf
Crrdiung einer dritten tatholischen
Sommerschule abzielt) Der Name
des hochw'sten Bischofs von Green Bay
pr jedenfalls dafür, daß die neuge—
hiite westliche Sommerschule etwas
Tüchtiges leisten und vor Allem das
prattisqhe Leben nach der religiösen wie
nach anderen Seitea hin berührende
Fragen in echt tatholischer Weise be
handeln wird. „Kath. Wochenblatt.“
Siebenundfünfzig Morithaten.
Sellem Br. Hetzemiller vom „Botschuf
ter“ sollte man ein Fahnenbild machen
laßen, worauf konterfeit ist, wie die 57
Morithaten in Merxico in gruseligster
Granusamteit verübt worden sind; dazu
eine Drehorgel und einen Hund, wel
cher den Hut Heinemiller's in's Maul
nimmt und collektirt. So sollte der
Mann Gottes die Welt bereisen und
allen heiligen, frommen Lutherlingen
(ich meine gewiß nicht alle Protestan
ten, sondern nur die Fanatiker) tund
und zu wissen thun, wie die gottlosen
„Römlinge“ die Glaubensboten des
reinen Evangeliums abschlachten. Das
sollte doch wirten, auf daß die „Rö—
mische“ einmal mit Stumpf und Stiel
ausgerottet würde. Es ist doch gar zu
trocken, wenn Heinemiller einfach er—
zählt:
„Obwohl die merxikanische Regierung
dieser Evangelisirungsarbeit kein Hin—
derniß in den Weg legt, ihre Schul—-
thätigkeit sogar direkt begünstigt, so
sind doch, außer etlichen nordamerika
nischen Sendboten, 57 eingeborene Ar—
beiter dem Hasse der katholischen Prie—
ster und des von diesen fanatisirten
Volkes zum Opfer gefallen.“
O, please, thu' uns doch den Ge
sallen, und gib uns auch die Namen
u. s. w. der glorreichen Martyrer,
damit ihnen die verdiente Ehre zu Theil
werde! „Sepp“ in der „Kath.
Volkszeitung.“
König Humbert von Italien ist felt
einem Jahre beständig von einem be—
waffneten Bertrauensmann begleitet,
der sogar im Vorzimmer des Königs
schläft, so daß Niemand dem König
sich nähern kann ohne bemerlt zu wer—
den. Dieser Vertraute ist ein Mar—
schall der Carabinieri, ein Mann von
ungewöhnlicher Kraft und seltenem
Muthe. „Schwer ruht das Haupt,
das eine Krone drückt.“ Die Zeiten
sind vorbei, wo die Fürsten ihr Haupt
sorglos in den Schooß eines jeden Un—
terthanen legen tonnten. „Wahr—
heitsfreund.“
In katholischhen Kreisen am
Rhein
erzählt man sich vom vergangenen Som—
mer her folgendes Vorkommniß: In
einem Bade hatte man sich soeben zur
Table d'hoõte gesetzt. Unter der Tisch—
gesellschaft bemertte man auch zwei
tatholische Geistliche, anscheinend Welt—
priester. Die beiden machen das Kreuz
und beginnen ihr Tqhgebet. Darob
fangen unten am Tische einige Jüngel—
chen an zu lachen, zu witzeln und zu
spötteln. Die Priester haben ihr Gebet
vollendet. Der eine derselben tlopft
nun an sein Glas und ersucht in eini—
gen freundlichen Worten die Tischge—
sellschaft um geneigtes Gehör. „Ich
bin“, so fhrt der Sprecher dann fort,
„katholischer Priester und Cardinal—
Fürsterzbischof von Wien, mein Nach—
bar ist Domherr N. Wir sind es durch
unsere Mutter gelehrt worden, zu beten
vor dem Essen und sind nach den
Satzungen unserer Mutter Kirche ge—
wohnt, dasselbe mit dem heiligen Kreuze
zu bezeichnen. Ich habe aber bemertt,
daß dies bei Einigen aus der werthen
Gesellschast nicht Gefallen gefunden.
Sollte die Majorität der Tischgesell—
schaft darin einig sein, daß wir mit
Kreuzzeichen und Tischgebet nicht in
die Gesellschaft passen, so sind wir
bereit, an einem anderen Tische Platz
zu nehmen.“ Laut und energisch pro
testirten nun fast alle Anwesenden gegen
das anstandslose Benehmen der Jün—
gelchen am unteren Tischende, und
„Hinaus mit den J.. . .n!“ so lautete
das allgemeine Verdilt.
Na, der liberale Anstand!
Saul unter den Propheten.
Geehrter Herr Redakteur!
Die Nachricht, welche die „Gazette“
vom 9. d. M. brachte, daß Hesing von
der „Illinois Staatszeitung“ als Red
ner für den Katholitentag von Louis
ville berufen worden und dort als sol—
cher aufgetreten sei, machte auf mich
den Eindruck, als hätte ein Indianer
mir einen Keulenschlag auf den Schä—-
del versetzt. Und heute nach drei Ta--
gen kann ich mich noch taum fassen vor
Scham über die Verdemüthigung,
welche den deutschen Katholiken durch
diesen unverzeihlich dummen Streich
ihrer Führer zugefügt wurde. Ich
schäme mich vor den Katholiten engli—
scher Zunge, daß unserem deutschen
Episcopat, unserer deutschen Presse und
unserer gebildeten tatholischen Laien
welt eine solche Berdemüthigung von
den Leitern der eigenen Partei zuge
fügt wurde. Hesing als Redner auf
einer Katholilenversammlung erscheint
mir wie ein Saul unter den Propheten.
Ein Mann, der sich der katholischen
Partei nie angeschlossen, der es viel
mehr jeder Zeit mit unsern Gegnern
hielt, dessen Blatt stets gegen die katho—
lische Presse, gegen katholische Grund
säte und Interessen kämpfte, wird von
den Leitern der deutschen Katholiten
als Vertrauensmann, ja als Redner
zur Katholitenversammlung berufen
das begreife wer tann! Diese letzte
(
i
—1

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