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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, November 06, 1894, Image 2

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2
Heheimnih.S^
atte dcv yavUVv SGcfcllld)attri-
(Fortse sin n g.)
Er begleitete diese 'Worte mit einem
freundlichen Blid, weldier seinem stren
gen Gesidjte seltsam genug stand. Gir
alda aber war sehr dariiber ersrent.
Seinem Wunsche gemasi, ging sie fo=
gleid) aus ihr cigenes Zimmer, um sid)
mit Hut und Mantet zn versehen.
Sie sand Madame Roger damit be
schaftigt, das Feuer frisch auzufachen
nnd demselben neue Nahrung zuznstil)-
ren.
Ta» grosie Fimmcr hatte inzwischen
einen viet gemiithlidiercu Eharacter an
genommen; eiuige Biidier aus hdngen
den Bortern, sowie eiue sichone Ehaise
tongue und ein beqnemer Lehnstnhl mit
scharlachrothem Kissen, neuester Eon
struction, waren herbeigeschafft worden.
Madame Roger sah dem jnngen
Madchen fragend in'» Gesidjt, als sie
eintrat.
„Ich mochte einen Spaziergang in
den Park madjen," sagte Ekiraida sroh
lieh. ~Wurden Sie vielleicht so srenild
lich sein, mich zu begleiten, Madame
Roger?"
Tie.Haushdlteriu erkldrte sich sosort
beveit, dod) fragten ihre 'Augen nach
eiuer bewuszteu 'Augelegeuheit, bered
ter, als 26orte des auszudrnckeu ver
mochteu. Giralda, cs bemerteud, sagte:
~lch habe nod) keine Gelegeuheit ge
habt, mit dem Herrn Marquis iiber
seiueu Neffen redeu zu konuen. Ich,
die ganzltd) Fremde, konnte auch nicht
mit dem alten Herrn iiber eiue 'Angele
ge u hei t sprechen, von der er nid)t eiu
mal weisi, da si mir diesclbe iiberhanpt
bekanut ist. 'Weuu sich aber irgeudivie
Gelegeuheit hietet, mit ihm iiber Ihren
juugen Herrn zu sprechen uud ihm
'JJtilbe und 'Bergebnng zu empsehlen,
io soll e» jedeusalls geschehen. Aber
wird der Herr Marquis mit mir, seiuer
honorirten Secretdriu, iiberhaupt über
iolche Tinge redeu?"
~0, gewisi," crtldrte Madame Ro
ger eifrig. ~'Meiu Herr ist ein mert
wiirdiger, alter Manu. Troy seines
Stolze» spricht er mit seinem Tieuer
Bertram uud mit mir vou seinem 'Nes
fen iu eiuer Weise, das; mir ost da»
Blut in den 'Aderu zu erstarren droht.
Er wird niemals miide, deu uugliidli
chen 'Armaud zu verurtheileu. Ehe
noch vierunvzwauzig Stuudeu vergeben
tverden, wird er Ihnen die ganze <6c
sdiichte erzdhlt haben. Es ist seine
Mauie, mit ledem dariiber zu rcdcu."
~Nun. fobalb ich Gelegeuheit dazu
habe, will id) gewisi zu Guusten des
Grafeu 'Armand sprechen, verlassen Sie
sidi daraus!" versesite ('iiralba mit fe
ste r Entschlosseuheit.
2'6dhrcud das junge Madchen diese
26orte sprach, blickte sie wehirnithig zu
dem Bilde dc» Neffen des alten 'Mar
quis empor Eriunerten sie doch seine
schouen, blauen 'Augen au diejeuigen
ihres lieben Baters. Tas soeben ge
gebene Perspreckien tam ihr vor wie ein
Geliibde.
Madame Roger dankte ihr iu sd)lid)-
tcr Weise, dann sdsickte auch sie sich au,
siir den Spazicrgang ftd) zu riisteu.
Emige Minuten spater kehrte sie zn
riick, um ('iiralba abzuholen. Sie such
teu sich die geschiisitesten 26ege au», wo
der Wind, der iu den Fweigeu rauschte,
sie nidjt erreicheu konute.
Ter Marquis de Pigny svlgte ihueu
mit den Augen vom Feuster aus.
Nicht eiue eiuzige Bewegung des
sremdeu, jnngen Mddcheu» eutging
ihm, als sie in den fd)led)t gepflegteu
Wegeu auf- uud abgiug. Er seufzte
ost uud Diei. Je lauger er sie belraeh
tete, de sto mehr verior sein Gesidjt den
harteu Zug und machte eudlich der
Traner und dem Kummer Play.
'Als Giralda znriickgekehrt, yatte er
seine gcwohnle Rnhe bereits wiederge
wonnen.
Sie bereitete ihm seinen Thee, deu
er mit Vorliebe trauk, iu derselben tie
benswtirdigen uud ausmerksamen
26eise, wie sie e» zu Hause gewohut ge
weseu, nnd nahm au seiuer Mahlzeit
Theil. Hierauf zog sie sich aus ihr
Zimmer zuriick.
So lauge hatte ihre Willenstraft sie
aufrecht erhalten. jept tvo sie wieder iu
die Eiusamteit ihre» Pimmers tam,
brach ihre Fassuug zusammen. Aus
einen Sessel uiedersiukeud, machte sie
ihrem Herzeu durd) einen Thraueu
strom Luft.
Sie siihlte sich sremd in der Fremde.
vi ud) Zweisel. ob sie recht gethan. ihr
. trautcs Heim und ihre zdrtlichen Per
wandten so plvplich nnd heimlich zn
verlassen, tamen iiber sie nnd senkten
ihre Stachel in ihr nnschuldige» .Kin
derherz. Ihre 'Angst nnd ihre Sehn
iucht wnrden grosier. Heisies Heim
tveh bemachtigte sich ihrer. ~C, lieber
Baler! The ure Mutter! Es geschah
: a, mit Euch beizustehen, nm ench zn
hclsen! Id) mus; red)t gehnndelt haben,
denn der 26eg des Unrecht» ist jedeu
salls leichter uud angeuehluer! 'Ach
meine thenren Eltern! Meine geliebteu
Briider!"
Ein sormlicher Sturm wiithete in ih
rem luueru uud schtittelte sie wie im
Fieber.
,?W i e ost mag meine Mutter, feru
vou Tenen, die sie liebt» Achnliches lei
deu, tvie id) iu dieser Stunde!" mur
melte sie, als sie etwas ruhiger zu wer
deu begann. ~S, konnte id) ihr doch
bie ganze Last aduehmeu! 'Alles, was
ich iu der '26elt begehre, ist der26nnsd).
nniue Lieben glucklich zu macheu! Ach,
wenn es mir dod) gelange!"
Tieser Gedaute machte ihren Tbrd
auell versiegen. Ter Kummer war je
dod) darnm nod) nidsi vou thr gewichen
uud es dauerte lauge, ehe sie Friedeu
iu beglilckendem Schlummer sand.
'Am udchstiolgeudeu Morgeu war
zhr liebliches Gesicht noch voller Sor-
gcn, al» sie zum Friihstuck in des Mar
quis Zimmer trat. Nur ihr lebhaftes
Merino-Kleid mit dem Spitzentragen
nnd den gleidien Mansdietten vertieh
ihrem zarten Teint cinige Farbe. Ihr
Haar nmrahmte ein bteiche» Antlip nnb
ibre Augen blidten sorge»voll iu die
Welt. Toch verschonte ihre Flige ein
liebliches Ldchelu, als sie dem Marquis
guten Morgeu wiiuschte, was ihm jeden
salls zu Herzeu gegaugeu sein mns;te,
wenn er and) Nicht» davon merken lies;.
Nadidem das Fruhstiick abgerdumt
war, erschieu Bertram, der vertraute
Tieuer de» Marquis, mit der Bries
taschc, welche er von der Post gehott
hatte.
Ter Marquis schiittete, nachdcm er
die Tasche mit einem Schliiiiel geoffnet
hatte, den Inbatt berselben ans den
Tisch. Es waren nnr Pariser Peitnn
gen dariu eitthalten.
~Gar keine Briefe Bertram?" sagte
er, dem Tieuer die Tasche hinreichend.
„Tn kann st gehen!"
Ter Tieuer verbeugte sich nnd verties;
das Gcmach.
~Soll id) Ihueu vorlesen, Herr Mar
quis?" fragte das junge Mddcheu,
wdhrend sie die Hand nad) deu lonrua
leu ausstreckte. -
~Noch nicht mein Kiud!" erwiderte
der Marquis mit cruster Mieue. ~lch
habe noch vorher mit Ihnen zu redeu.
Wie konuten Ihre Eltern eiu Kiud,
wie Sie sind, iu die 'Welt hiuau»sd)lk
keu, um seiueu eigeueu Lebensuuter
halt zu verdienen ? Wie konuten sie das
thun? Id) beute mit Eutsepen daran,
was Ihueu hatte widersahren tonnen,
so allein iu die 'Welt hinaustretend.
Sie siud sicher uuter meinem Sd)upe,
aber wie viete Nichtsiviirdige gibt e» im
Lebeu! Entweder tvareu Ihre Eltern
herzlos uud egoistisd), oder —"
~Nein, das sind sie nicht!" nuter
brad) Giralda ihn hestig. ~Sie haben
mich uicht gehen beir.cn ! cie hatten mich
nic von sidi gelassem Id) biu gegan
gen ohue ihr Wissen!"
~Shne ihr Wissen?" ries der Mar
quis aus.
~la, Herr Marquis," autwortete
Giralda, sich bemithend, ihrer Stimme
Fesiigkeit zn gebcn nnd dem Marquis
fest in's Ange blickcn zn tonnen.
»,Mein Pater tebt den 'Wissenschasteu,
wdhrend meine Mutter eiue Schauspie
lerin iu einem Pariser Theater ist. Id)
biu wohl uurerrichtet. Id) habe einen
Bruder, desseu,sehnlichster Wunsch es
iit, auf die Uuiversitat gehen zu tonnen.
'Warum sollte id) es uicht versud)en, da»
zu verwirllidieu? 'Weuu es mir geliugt,
so kauu ich meiuer Mutter eme kleine
Last abnehmen und gleid);eitig mich cr
keuntlid) zeigeu siir Ta», was sie au
mir gethan Hat. Id) giug sort aus
Pflid)tgestihl. 26enn e» keine Sd)inad)
ist, dah meine Mutter siir nns arbeitet,
so ist e» auch teiu Unrecht, wenn id) e»
thue!"
Ter Marquis betradsiete ihr liebli
d)es Gesid)t. da» vor Erregung gliihte,
mehrere Minuten lang unausgesept
und sorschend.
~Sie sind eiue kleine Heldin Sie
besitzen eiue mnthige, treuc Seele!"
sprach er bewundernd. ~lch habe nicht
gedad)t, das; es iu der Welt noch einen
Meuschen gebe, der solche Selbstverteug
nung zn itbeu verstehe. Dann haben
Sie Ihre Heimath uud Ihre Eltern
rcd)t lieb?"
~C 1) id) sie liebe!"
Tie Gluth, welche ihr in's Antlitz
siieg und der Glanz, der ans ihren
prdchtigen Augen strahlte, sprachen e»
mehr ans, als Worte es vermogen, wie
lieb sie die Ihrigen hatte.
„Wk,m ich sie nicht so lieb gehabt,
ich hatte sie md)l verlassen tonnen!"
sagte sie einfad).
~Sie sagten, Ihr Pater sei von
spauischer 'Abknnft, wo wohnt er? Wo
i>t Ihre Heimath, oie Sie verlassen
haben?"
Giralda zogerte mit der Antwort.
~Nun, lasseu Sie es gut sein," be
freite der Marquis sie aus ihrer Per
wirrunq. ~Sie brauthen e» mir uid)t
zu sagen, wenn Sie e» uicht wuuschen.
Ich will Ihren 'Wuusdi, e» geheimzu
halteu, rcspectiren. Ich vermnthe, das;
Ihr jepiger Auseuthaltsort Ihren El
tern uubekauut ist. Aber das sollte
uicht sein. Sie sollten ihneil sogleich
Nachricht gcbeu, tvv Sie sich besindeu.
um sie aus aller Unrnhe und Sorge,
die sie wegen Ihrer hegen werden, zu
befreien."
~lch werde nidjt eher nach Hause
schreiben, al» lu» ich meinen Eltern be
weiseu kauu, dah ich sahig biu, mir
meiueu Lebeusunterhalt selbst zu ver
dieneu nuo ihnen zu helseu." sagte da»
junge Madchen. ~Wenn ich jetzt sd)rei
beu wiirde, so konnte da» Alles verder
beu. Sie wurden mich sosort wieder
nach Hause komiueu lasseu und dann
ware Alles um Nichts besser al» vorher.
Ich biu ait genug, mir mein Brod
selbst zn verdienen, und ich will e» ihnen
beweisen!"
~Nnn wohl," sprach der Marquis
znstimmend, gehen Sie Ihren eigenen
Weg. Solch' ein kleiner, weiser Kopf
mus; ja selbst am Besten wissen, was er
zn thun und zn lassen Hat. Tie Um
stande, welche Sie veranlaht, vom Hause
sortzngehen, und die Nothwendigkeit,
sind so merkwurdiger Art, das; ich mich
nicht competent suhte, Ihueu meiueu
Rath zu ertheileu. Im Gegentheil!
Ich finde sogar, uuter den gegeuivarti
gen Verhaltuisseu, die i» Ihrer Fami-
Ue bestehen, Ihre Tliat ebeuso entsd)los
ieu als lobenvwertl),. Au tvelchem
Theater wirtt Ihre Mutter mit?"
~Tas tveis: id) uicht. Herr Mar
quis!" autwortete Giralda ausrichtig.
..Mein Pater uud tvir Kinder wohueu
aus einem LandiG uud meine Mutter
kommt uur eiumal wochentlich zn nns.
j 3te Hat nns nic erzdhlt, iit weldiem
Theater sie spiett. Sie sieht es auch
nidit gern. das; wir sie dauach befra
> gcn."
> ..'Ah! Sie hegt jedeusalls deu
'Wunsch, dah ihre Kinder dermaleiust
! eiue h ohe re und gead)teteru Stelluug in
der Welt eiunehmeu mogeu!" bemerkte
der alte Marquis, tvahrend er seinen
1 tranten Fus; m eiue audere Lage
brachte. ..Sie wiiusiht e» uicht, die
Ausmerksamkeit ihrer Kinder auf das
Theater zu lenken. Sehr gut uud
recht! Eiue Frau kauu eiue Schauspie
leriu uud dabei doch gut und ebel fein;
dod) fiir ein junge» Madchen ist, meiuer
! Meiuuug nad), teiu Piat; auf der
Biihne. Wenn id) eiue Tochter hatte,
> wiirde ich sic lieber todt. als ans der
Biihne seheu. Ihre Mutter baubelt
sehr weise, mein Ziind, dah sie siir ihre
! Kinder eiue bessere Zutrnist herbeizn
siihren sud)t, als durch Gewohnheit oder
'Rothweudigkeit ihr cigeue» Lov» gewor
deu ist. Welche u Namen tragi Ihre
.Mutter als Kuusllerin?"
~Herr Marquis! Meine Mutter ist
i eiue Grdsiu. Mein 'Pater ist eiu spani
scher Gras. Jedeusalls fitbrt sie uicht
. ihren rechteu Namen, doch weih id) uicht,
uuter welchem Namen sie als Sd)au
fpielerin auftritt."
..Merkwiirdig!" sagte dcr Vtarquis.
~lch hatte sie gern eiumal geseheu.
Wenn mein Neffe, Gras Lamartin,
hier ware, wiirde ich ihn frageu, welche
bedeutende Schauspicleriunen wir jeltt
iu Paris haben. 'Aber das wiirde wohl
kaum etwas geniiht haben. Er wird
nod) uicht im Theater geweseu sein seit
seiuer R ucktehr nad) Fraut reich. Ne
veubei gesagt, mein Kiud," siigte dcr
alte Marquis hiuzu, ~was ist Ihre
FMeiunug nber den Grafeu?"
Er sah ihr scharf iu» Gesicht, at»
wollte er ani dem Gruude ihrer Seele
leseu.
~lch habe mir nod) gar keine Mein
'tiiig iiber ihn gebildet, Herr Marquis,"
versepte Giralda.
..Gesiel er Ihnen?'
Tas junge Madchen zogerte mit ihrer
Antwort.
„Rnn, id) sehe schon, er gesiel Ihnen
nicht!" fuhr der Marquis sort. ~Er
schien tehr erstannt, Sie hier zu seheu.
Ihm siclen Ihre 'Augen aus, welche er
und id> cinft gnt getannt haben. Blicken
Sie mich einmal an. mein >iind, damit
id) Sie genan betradjten kann."
Giralda gehordite und blickte ihm
mit ihren sdionen 'Augen voll in» Ant
tii;.
Er evfd)vaef und wurde erdpfahl.
~Id) bemerkte die 'Aelmlichkeit sd)vn
gestern," sprad) er mit leiser Stimme.
..Aber sie ist nod) groher, als id) znerst
dachte. Es ist ein merkwiirdiges In
sammtressen. Ich habe friiher nic ein
Paar 'Augen geseheu, weld)e den seinen
glid)en!"
Er schien von eiuer hcftigen Unrnhe
ergrisfen zn seju, doch toiiate er den
Blick nicht von dem jnngen Madchen
abwenden.
~Sie haben ein ehrliches Gesicht!"
bemerkte er nach eiuer Panse. ~lhre
Seele ist tlar uud re in und unsd)uld»-
voll! Ad), ich dachte friiher. dah die
seinige es auch war. Wie habe ich deu
Knaben cinft geliebt! Ich war kalt
und strenge gegen ledermanu—strenge
uud talt auch gegen ihn zuweilen,
aber es gab Zeiten, wo sein Ldchelu.
oder der leiseste Ton seiuer Stimme
mir das Herz tief bemegte. Ich hielt
ihn siir meiueu Abgott, wdhrend er
mich strenge uud talt wahute. Ich hatte
fur ihn sterbeu konuen. Uud wie Hat
er es mir heimgezahlt? Ter Uudant
bare! Ter E lende! Ter Feigling!"
Er stieh diese 26orte hervor, als ob
er sie dem Kuaben, deu er cinft liebt ge
habt hatte, uad)sd)leuderle.
„Wer war er?" fragte Giralda er
schrectt.
~Er war mein Neffe, meine» Bru
der» Sohn, Armaud de Pigny!" sagte
dcr alte Marquis, wdhrend sein Gesicht
immer sinsterer wurde und seine Augen
slammten. „Er war ein schbner jinabe,
wie er zu mir kam. voller Schelmen
streiche und immer frohlich und guter
Tinge. Er war eiue Waise. Mandi'
liebe» Mal hatte er sein tleines, blon
des.Stopfd;cu an meine Brnst oder auf
meinen Schooh gelegt und war frieblid)
eingeschlafen. Wer hatte damal» den
fen tonnen, dah seine Natur so ver
derbt? Er ivnrde diter, dvd) seine
Frohlichkeit verlies; ihn nicht. leder
mann liebte und ehrte ihn. Und Ma
dame lltvger, die Haushalterin hier im
Schlosse, laht noch hente Rid)ts auf
ihn tomnien, svndern ehrt sein Anden
ken. Uud ich ich betete ihn au!"
Te» Marquis' Stimme zitterte von
innerer Bewegung und eiue tiefe Blaste
machte ploplich der Rothe in seinem Ge
std)le Platz.
~lch >var vielleicht zn hart mit dem
Knaben—id) will da» zugeben!" nahm
der Marquis nad) eiuer Weile wieder
das Wort. ..Eugen, meiuer Sd)wester
Sohn und 'Armaud'» Beller, war de»
Knaben bestandiger Spielgesahrte und
Freund. Euqens Eharalter war das
GegentheU. Er war langsam, vorsid)-
tig, bered)nend. Er Hat mich nic irre
geleitet, wenn gleid) er dachte, dah er e»
gethan. Er war e», der Armand zu
erst zu tolleu Streichen Derleitete. Aber
da» gilt gleid). Sein Eharalter war
schwad), dah er so leid)t sremben Ein
fltisterungen Gehor schenkte. Eines Ta
ge» versagte id) 'Armand Geld. Ich
hielt cs fur nothwenig, ihm etwas mehr
Letonomie in l)leldangelegenheiten bei
zubringen, damit er nid)t das Permo
gen dnrdibrdchte, das er spater einmal
erben sollte. Tie Rad)t daraus kam er
in mein Sd)laszimmer, bestabl meine
Eleldkiste und pano mit einem Tolthe
in der Hand iiber mich gebengt. um
mich zn ermorden, al» id) erwachte.
Er molite mein Herz tressen, tras aber
nur meine Schnltee. Ich sprang auf.
dod) er blieb ruhig stehen; da tam En
gen hereingestiirzt. Imiter ihm die Tie
ner. Sie hatten meine Rufe gehort
und ich Thor Uep ihn nubehelligt gehen!
Luxeinduvgev Gaxette.
Als ich es bedauerte, das; ich ihn hatte
entivisdien lasseu, und einen Gcheim
polizisteu auf seine Fdhrte sdsickte, war
es zn spdt, denn der Polizeispion machte
ausfindig, dasi er nach Brasilien ent
slohen wo er bald daraus gestor
ben ist. Sein Tod war ein Gliick fiir
ibn: wiirde er gelebt haben, er ware der
strafenden Gerechtigkeit nid)t entgangen.
Wenn id) nur daran Dente, wie id) ihn
geliebt habe, dann verdoppelt sich mein
Groll gegen den Ehrlosen!"
Tie Augen des Marquis sprachen es
dentlich aus, wie sehr es ihm mit diese»
Worten Erust war. Unwillktirlich schan
derte Giralda zusammen. Hatte sie es
ahnen tonnen, das; e» ihr Pater war,
fiir den sie bitten wollte und den dieser
unerbitttich strenge, grcise Mann sich
geschworen hatte zn hassen bis in's
Grab!
Zornesadern schwollen ans des alten
Marquis Stirn und Giralda mustte
ihren ganzen Muth znsammennehmen,
che sie nach eiuer knrzeu Panse des
Schweigens begann:
..Ich habe sein Bild gesrhen. Die
Haushdlteriu wie» mir Graf Armand's
Zimmer zum 'Aufenthalt au. Ich sah
noch niemals ein Gesicht so herzgewiu
ueud, wie das dieses Bildes. Ich kauu
e» uicht glauben, das; der Trager sol
d)er Ziige je daran nnr deuteu konnte,
Sie ermorden zu wollen, Herr Mar
quis!"
..Habe ich Ihne.n nicht soeben er-
Zdhlt, dah ich. erwachend, ihn mit dem
Told)e in der Hand vor mir sah?" rief
der alte Mann erregt.
~Herr Marquis," stiest Giraldaher
vor, sast ohnmachtig fnhlend, solchen
Beweisen gegenuber. ~lst denn teiu
Irrthum moglich? Sind Sie gewisi,
dah er Sie wirklich Hat ermorden wol
len ?"
~Tas; er mid) hatermorden wollen?"
wiederholte der Marquis sartastischen
Tones. ~Nnn, es kann ja sein, dast
er Hat Anatomie studiren wollen und
da mit dei seinem ndchsten 'Berwandten
angefangen."
~'Pielleicht war es ein Anfall von
Wahnsinn," fuhr er wieder, ernster
werdend, fort, ..Thatfache ist und
bteibt, das; er mich zn ermorden trach
tete. Wenn id) gestorben ware, so
wiirde er der nachste Marquis de Pigny
geworden sein. Id) Dente, das macht
Alles tlar!"
Giralda'» Muth wvllte sinken, aber
sie badjte wieder an bie id)onen Augen
jeues Bilbes iu ihrem limmer, die so
sehr au ihren Pater eriunerten, uud es
war ihr, ais spreche sie siir dieseu.
Sie traumte uicht, wie uabe sie der
26ahrheit war, dasi sie iu der That siir
ihren uuschuldigeu Pater bat.
~Herr Marquis," sagte sie, ~wie
auch immer bis Um sta ude gegeu ihn
sprechen mogeu, ich glaube es nicht, das;
Gras Armaud der surchtbareu That
sd)uldlg ist, der Sic ihn zeihen! Zwar
finde id) keine Erklarnng dastir, wie er
dazu gekommen, in ihr Zimmer einzn
dringen und Sie mit einem Told)e zu
vertvnnden. 'Aber es kann nur in
einem 'Anfalle von Wahnsinn geschehen
sein! Herr Marquis, wie Tem auch
sein mag, ob er schnldig ist oder nicht,
Sie haben nicht recht gethan, ihn so
nngehort zn verdammen!"
~Was? Madchen! ~Ta» wagen
Sie mir zu sagen?" sites; der Greis
erdfaht werdend hervor.
..la, Herr Marquis, da» wage ich
Ihnen zu sagen, denn es ist meine
Ueberzengnng!" erwiderte Giralda
ktihn. ~Sie selbst haben mir erzahlt,
das; er ein geistig reich begabter Knabe
war. Er war Ihr Erbe,' Ihrem eige
nen Willen nach sowohl, als auch nach
dem Gesepe. Sie haben ihn geliebt.
Sie hatten ihm diese Liebe beweisen
miissen: er hatte es seheu und suhlen
miissen, dah Sie ihn lieben! Es ist
uicht mannlich, sich seiuer ausrichtigen
Gesiihle zu schameu. Weuu Sie ihm
mit vdterlichem Vertrauen entgegeu
gekommen waren, weuu er hatte erteu
nen mussen. basi Sie nur sein Vestes
wollten, nod) hente wurde er der Son
nenschein Ihres Alters und Ihres Hau
ses sein!"
Ter Marquis sah verwnndert iiber
rascht ihr in das erregte, schiine 'Antiis.
~Hat Madame Roger Sie beanf
tragt, mir das Alles zu sagen?" rief
er zorubebeud aus.
~Rein, Herr Marquis," autwortete
Giralda uneiugeschiichtert. ~was ich
Ihueu sagte, das Dutirte mir mein
Herz!"
Ter alte Mann sah sprachlos, end
lich hob er Icite an:
„Wa» Sie mir gesagt haben, das
wagte mir noch Keiuer vorzuhalteu.
Sie besipen eiue grohe, edle Seele, aber
Sie teuueu die Meuschen noch nicht.
Eiu schoues Gesicht tduscht Sie iiber die
Falschheit des lunereu," schloh er mit
Bitterleit.
Giralda schopfte neue Hoffnung.
..Herr Marquis," hob sie an,
..sollte e» nicht dennoch moglich sein,
das; Sie in irgend eiuer Weise getduscht
wnrden? Graf Eugen war, nach Ihren
eigenen Worten. ein schlechter Freund
Rathgeber siir Armand. Ware es nicht
moglich, das; er seine Hand dabei im
Spiele hatte? Er Hat e» stetS bersucht,
Sie gegen seinen bevorzngten Reben
bnhler einzunehmen. Er liebte Ar
mandi Brant. Lag e» da nicht in
seinem Interesse, den gliidlicheren Riva
len aus seinem Wege zn rdnmen ? Ich
weisi nicht Diei von solchen Tingen,
Herr Marquis, aber ich habe in Btichern
dariiber gelesen. Was geschieht nicht
Alles aus Reid und Eiferfucht?"
..Es ist moglich." antmortete der
Marquis," AUe» ist moglich. Aber."
fugte er traurig hinzn, ~die Thatfache
spricht zn sehr gegen ihn! Er Hat mich
toDteu wollen. Westhalb bedrvhte er
mich sonst mit dem Tolche? Tas ist
der Pnnkt, auf den wir immer wieder
znrtickkommen."
..Und wenn er selbst schnldig war,
wollen Sie nitversohnt in s Grab stei
gen?" fragte Giralda mit erbbhter
Stimme. das Antlip sanft gervthet und
mit mitlcidsvollen Blicken in ihren
schsnen Augen. ~Weun der arme Ar
maud, irgeudwo in einem 26iutel des
Laudes verborgeu, seine Thqt bereut
hcttte, vor Sie hintrate, kdnnten, wiir
den Sie ihm nicht vergeben?"
~Nie! Niemals!" rief der Marquis
hastig aus, seiueu Sdimerz vergessend.
aufspringend. ..Niemals!" 'wieder
holte er wild, mit rolleuden Augen.
~Und weuu er im Staube zu meiueu
Fjiheu tdge, weuu er tebte, ich wurde
ihn zur Rechenschast ziehen, uud solite
ich ihn in's Bagno wandern seheu! Er
solite seiuer Strafe uid)t entgeheu. Und
weuu er mein cigener Sohn ware uud
mein Name dadurd) mit Schaude bededt
wiirde, uud mir uur die Hosiuung auf
den Tod bliede, ich wiirde nid)t ruhen,
dis er seine Strafe empfaugeu siir seine
Missethat. Weuu er uicht gestorben
ware, weuu er lebte, weuu er die Pa
piere hiusichtlich seines Todes gefcilscht
hatte! Eugen Hat schon ofterS diese
Meiuuug ausgesprocheu! Mddcheu!"
rief er ploplich douuernd auS, wdhrend
er mit ausgestreckter Haud uud strengeu
BlickeS auf ne zutrat.,,Mddcheu. sprich,
wer di st Tu? Tu trdgst Armand's
Ziige! Bist Tu von ihm hierherge
schickt? Bist Tu seine Todsier!?"
Seine Augen spriihten Feuer, sein
Gesicht war bleich wie der Tod, seine
gauze Gestalt zitterte wie in Fieberfrost.
Giralda staud da, starr, sprachlos,
wie zu Stein verwaudelt. Ter Mar
quis ersatzte sie am Haudgeleuk, das er
mit eiseruem Griff umspannte, uud mit
heiserer Stimme wiederholte er:
„Sprich, Madchen! wer bist Tu?
WdS tveiht Tu von Armaud de Vigny?"
16.
Ter rauhe Ton seiuer Stimme gab
ihr die Fassuug zuriid. Das
sein ihrer Unschuld licp den momentan
verlorenen Muth wiedersiuden, uud
stolz das Haupt erhebeud blickte sie deu
Marquis so erust, so hoheitsvoll und so
durchdriugeud au, dah er unwillktirlich
die Haud freiliest uud betroffen einen
Schritt von ihr zuriicktrat.
~Herr Marquis," erwiderte das
junge Madchen fest und wiirdevoll. ~ich
mnb aus Ihrem Beuehiuen schliesteu,
..dasi Sie Eius vergesieu entweder,
dast Sie eiu Edelmann, oder dah id)
eiue Taine biu!"
2'oie geistesabwesend blidte er sie an.
War das bie Antwort auf seine Frage?
..Sie werden mir erlauben," fuhr
das junge Madchen sort, iudem sie sich
leicht verbeugte, ~das; ich mich zurtick
ziehe."
Sich adweudeud, schrill sie der Thiir
zu.
Ter Marquis. durch ihre Ruhe impo
uirt, kam wieder zu sich.
~Bleiben Sie!" sprad) er in gdnz
lich verdudertem, hoilichen Tone. ~lch
bitte Sie um Perzcihaug wegeu meiuer
Heftigteit, Frauleiu Alvarez. Seien
Sie versichert, dast es mir leid thut,
und bleiben Sie!"
Giralda verbeugte sich zum Zeicheu
der Zustimmuug seines LVuusches uud
trat wieder von der Thiir zuriick.
..Wer immer und was immer Sie
auch sein niogeu, ich bereue meine Hes
tigkeit von gauzem Herzeu," fuhr der
Marquis sort. ~Aber sagen Sie mir
Eius: stehen Sie irgeud eiuer Perbiu
duug mit Armaud de Bigni)?"
~lch hdrte seiueu Namen gestern
zum ersten Male," erwiderte das junge
Madchen eiufach.
~Und Sie sind nicht seine Tochter?"
fragte der Marquis uvch eiumal zwei
felbaften Tones. ..Jhre Augen ahneln
so sehr den feinen —"
~lch biu nicht Armaud de Piguv's
Tochter. Ich habe Ihueu bereits ge
sagt, das mein Pater eiu spauischer
Edelmann ist," erwiderte Giralda
stolz. ..Ich weih uichtS weiter von
Ihrem Reffen Armaud, auher was ich
seit meinem Hierseiu iiber ihn erfahreu
habe."
Ter Marquis de Vigny athmete tief
erleichtert aus.
..Verzeihen Sie mir," sprach er.
~doch Sie vermutheten, dast er vieUeicht
nod) am Leden sei —"
..Weil die Haushdlteriu, Madaiue
Roger, fest davon uderzeugt ist, dah er
noch ledt," eulgtguete Giralda, ~und
mich gedeten Hat, Ihr Herz milder siir
ihn zu stimmeu, so dast er. im lalle er
nad) Sd)lost de Blgul) zuriickkehreu
soUte, eiues freundlichen Empfauges
gewartig sein oitrfte."
Alter Ausdruck vou Has; schwand auS
des alten Marquis' Zugen. Er lachelte
sogar, ais er iu die Pokster seines Ses
sels zuriicksauk, doch verzog sich dieses
Ldchelu zu eiuer Grimasse ais er seiueu
von der Gicht geplagten Futz ivieder iu
die friiher iuuegehabte Lage brachte.
~Tas war von jeher eiue Liebliugs
idee der Madame Roger." sprach er.
~Sie Hat es hausig geauhert. seit wir
bie Rachrichten vou Armand's Tod er
hielten. In letzter Zeit Hat sie wenig
bariibev gesprocheu. Tem Geschmack
dieser alten Frau und einem Paar
schoner dlaurr Augen verdauke id)
diese Scene! Ich must Sie surthtbar
erschreckt haben, mein Kind. Lerzeihen
sie mir und Sie sich nieder."
Giralda nahm mit ruhiger Wiirde
ihren fritheren Platz wieder eiu.
..Fritulein Alvarez," fuhr der Mar
quiS sort, ..wvlleu Sie es vergesteu,
was ich zu Ihueu sprach? Sie solleu
mir auch AUeS sagen diirsen! Sie sol
len die Eiuzige sein, der id) uubedingt
vertrauen will uud die mich fortau lei
teu soll."
Seine Stimme klaug freundlich, bit
teud, aber Giralda blieb erust und zu
riickhaltend.
..Mein Kind, Sie konuen es nicht
wissen," degannderMarquis nach eiuer
2‘Jeile vou Neuem, ~wie tief Armaud'S
Schurkerei mir zu Herzeu gegaugeu ist.
Ich kann deu Gedauteu uicht ertrageu,
dah Terjeuige. der so uichtswiirdig au
Dr. j)rice's Lream Bakiug j)owder.
Wttt-Vusstklluutz» MetzaiUk und Liptom.
mir gehaudelt Hat, mein Nadifolger nad)
meinem Lode werdeu lonnte. Tieser
blohe Gedaute versept mich in Raserei.
Weuu das wirllich geschchen konnte, ich
wiirde teiue Rude im Grabe siuden!
Tod) ich will nicht mehr daran deukeu.
Armaud ist tvdt. Desseu biu id) gewih.
Aber, trotz dieser meiuer Ueberzeuguug
fiihle id) niid) deunoch beuuruhigt. Ich
mod)te tvohl eiumal den Polizeispion
sprechen, deu Graf Eugen vor Jahren
engagirte, um Armauds's Fahrte zu
verfolgen. Ich werde in den ncichsten
Tagen nach Paris reiseu. Mein Fust
defindet sich besser, so dah ich eS wageu
darf. Ich habe eiuige geschaftlid)en.
Augelegeuheiten dort zu regeln, die
mich eiue Woche in Anspruch nehmen
durften. 26011eu Sie mich begleiten,
Frauleiu Alvarez? Ich glaubte aus
Ihren Worten entnehmen zu diirsen,
das; Sie noch uiemals in der kaisertichcn
Resideuz waren."
Giralda zozerte mit der Antwort.
Paris, der Schauplal; des timstlerischeu
WirkeuS ihrer Mutter, war siir sie eiue
..unbekannte Aegion." Es war sd)on
imme r ihr sehnlichster Wunsch geweseu,
die Herrlichteiteu des Seiuebabels teu
neu zu lerueu, doch hatte sie, dem
Wunsche ihrer Mutter geiniis;. Paris
feru zu bleiben, daraus bisher verzid)ten
miissen.
Tiesem Gedauken Jolge gebend, er
widerte sie:
~la, Herr Marquis, ich war noch
uid)t in Paris. (5s geschah auf deu
ausdriicklidieu Wuusch meiuer Multer,
die mich stets bat, nicht zu verlaugeu,
nach Paris zu gehem"
~Aber es wiirde mir eiu grostes Per
gnugeu macheu, Ihueu Alles, mas dort
zu seheu ist, zu zeigeu. Ich biu uicht
so verhartet, datz ich mich uicht iiber
Jhre Frohlichkeit bei’m Aublick ali’ der
Herrlichleit mitfreueu solite. Es ist
Ihueu uuziveiselhast gesagt wordeu,
dtist ich herzlos uud geizig sei. Glaubeu
Sie es uicht! Ich besipe ein warmes
Herz, weuu es auch uuter rauher Schale
verborgeu ist. Uud was meiueu Geiz
anbelaugt, so habe ich kaum lemanden,
siir den id) Welb ansgebeu kann. Meine
eigeueu Anspriiche siud nicht grotz und
viele Tieuer im Hause zu halten, wiirde
mir das Vebeu erschweren, oenn A Ile
dieueu mir uur um das Geld, uicht aus
Viebe zu mir!"
lehute sein Haupt in die weichen
Kissen seines Sessels zuriid uud blidle
das junge Madchen traurig an.
Jnuiges Mitgesithl mit dem alten
einsamen Manne beichlich Giralda's
Herz.
~(>S ist Keiner in der Welt, der so
arm uud cient) ludre, dast er nicht XTiebe
sunde!" versetzte sie sanft, uud in
ihren schouen, grosten, blauen Augen
schiminerte es feucht, tvie der Thau im
Morgeusouneustrahl zur Friihlingszeit.
..Alles, was dazu uvthig ist. um Diefcu
toftbaren Sd)ap des Herzens zu Heben,
das ist eiu wenig die man gibt!"
Ter Marquis de Piguy dlidte ihr
forscheud, siuueud in's Autlip, ais
molite er in ihren uuschuldsvollen Zii
geu lejeu.
..Konnten Sie mich Heben, mein
Kmd?" fragte er ploplich. ..Konnten
Bie mich lieben, wie Sie einen Pater,
eineit Grostvater lieben wiirden? Id)
biu stiufttudsiebenzig lahre ait. Aber
das Herz ist eiu eigeues Ting. So
lauge es schlcigt, so lauge muh es auch
(stwas haben, siir das es sich erwarmt.
sie haben mein Herz gewounen. Gi
ralda. Ich mochle wisseu, ob Jhre
Elteru stivas dagegen hatteu, weuu ich
Sie gauz zu mir in's Haus nehme,
weuu ich Sie ais meine tLukelin adop
tirte^"
Giralda wiederholte seine Worte vol
ler (frftauitcn:
~AIS Jhre Enkelin?"
~la," versehte der Marquis mit
erusler Mieue. „Jch mochte gern stets
Ihr lied?s Olesicht um mich haben. Ich
habe mich ost dauach gesehnt. das froh
lid)e Weldd)ter vou Kiudern in deu stil
len Naumeu dieses Lchlosses zu horen.
Bielleid)t war es thorid)t, aber wer Hat
deuu uicht irgeud eiue Liebliugsidee?
Ich habe nic eiu Gestcht geseheu, das
mir auf deu ersten Blick so herzgewiu
ueud gesiel, tvie das Ihrige. Ich habe
Niemaudeu gekauut. dem ich auf's Wort
glaubte, ais Ihueu vom ersteu Augeu
dlick an. da ich 3ie sah! Weuu ich Sie
adoptire. folleu Sie ihren Geschwisteru
uichts weniger sein ais jept. Sie sol
leu sie seheu uud sprecheu konuen, waun
uud wo es Ihueu beliebl. Sie solleu
alie Dtcdjte desipeu, bie meiuer Eukelin
ziilameli, weuu ich eiue hcttte. Id) habe
mir aus meiueu tsiulilusteu eiu Per
mdgeu erspart, mit dem ich thun kauu,
was ich will. Ich wiirde dieses Bcr
mogeu nach meinem Tode Ihueu ver
macheu. Lprich, Mddcheu, willst Tu
von jept au meine (dukeliu schloh
er in zartlich erregtem Tone.
~2ie sind sehr grohiniithig, Herr
Marquis." ftammclte (HiralDa ver
wirrt unD lieblich errothend. ~^Hber —"
„Kein Aber mein 1 heu res ftinb,"
sprach der Marquis tzutizz. ..Jeder
Deiuer Wiiusche soli Tir erfiiUt werdeu.
Du sollst thun uud lasseu tonueu, was
Tu willst. Tu sollst deu Teiuen hel
feu uud beisteheu touuen, so viet Teiu
Herz es Tir gebietet. Ich werde an
oeiu Tage, au dem id) Tid) gerid)tlich
adoptire, Tireiu aus
sepeu. itber welches Tu gauz Deineu ge
ueroseu Neiguugeu solgend. stets nach
Teiuem eigeueu Guldiinten verfiigen
sollst!"
lubelnd spranq OitralDa auf. Jhie
Peilchenaugen erglanzten vor Freude,
Lie eilte auf den alten Mann zu und
sprach mit vidrirender Stinune:
~lch will lZukelin fein! Ich
tu ili bei Ihiien bleiben niid VllleS thun,
ivas id) tanii, mu Lic mit der Bergan
fleubeit auszitsohnen. und." fii>zte sie
jbflcnit) Isinzu, ~ich utili Bie recht lieb
babeit. C, eS wird mir nicht jchwer
fallcn, weim 2ie mtr stets eiu so lieber,
q iit i lier Herr sino iule jelit!"
9
(Fort s etzu n A folgt.)
Mr. Harvey Uced
Katarrh, Herzschwache,
lahmirng.
„Jch Ntt mehrere lahre an Katarrh und tztN»,
schwache, die so schltmm wurden. datz ich nlchl
ardeuen und
kaum gehen konnte.
Ich hatte etncn sehr schlimmen Anfall von Lai?»
lLhmung vor «inizer Zeir. Meine Kchle war wie
zugeschnurt und ich konnte nicht schlurken- Ti«
Der,te sagten. cS sei i» Folze von Hcr,ichwache.
und verschrieben Medizin, die tch laur Vorschrift
nahm, doch schien sie mir RichtO ,u nuhen, Meme
kirau dranj ia «ich. Hood'S Sarsaparilla n»
dersuLen. indem sie m,r von Herrn Joseph >i.
Cmith er,ahlte. der
An der Schwelle des Todcs !
fiaad, doch durch Hood'S Zaesavarilla volliian.
dig geheilt wurde. 'LIS ich zwei Flaschea genom.
men hatte. fuhlle ich rntch entschieden besser. 2tz
fudr fort, el zu nehmen, und suhle jetzr voritizltch.
Ich danke Bott und
Sarsaparilla
und ineiner Fran fiir die Wiederherslelluni meinee
vollkommenen Vesundhett.- Harvey Heeo.
Caceyville. O.
Hood'A Pillen verursachen keinea Sluhlgan>.
Gchmerzen oder virimmeo, sondera wnken prompt,
terch, und vortheUhaft. Lx.
KneiPP'sche Cur.
gevx Jesrr Levitevinnen»
Ereeuneld uud 22. Aves.,
Mtlwaukee, • • • Wis..
erdffnet tm Tezember vor. Jahres.
Elgenthumer u.Pfleger: l«eitender «r;»:
itistero ok!»r. t'ruut.'d». Tr. Hirschseld.
..Dcrprakt. Ar;t Herr Dr. Hirschseld
Hat sich bei mtr zu dum Reuuer
und Berlreter meiuer Heilmittet ausgebitdel
uud kann ich densetdeu in jeder
beuens einpsehten.
Worishofen. Seb. Kneipp,Pf."
Die Gxanthematische Heiimethode.
tauch Baunscheidtilmul genannt.)
Sowohl dei fnsch entslandenen al« der alten tchroni»
scheni vetden. die allen Liedizinen und Lalben iroy
ocbolen haden, kann man dlese HeUmittel all lehten
NettunaS-Anter anwcnden, Tauiende
von Kranken, bie von dcn Aerztcn aufgegeven wnrden.
haden durch die '.'tnwenduna dersetben ipr Ueden qeret
tet, und vdUige t«esundl,eU wieder ertanat, Mltthei.
lunaen über die wundervaren Kuren die<er iegentiret
chen Heitmethode, solvie dle ndttna» Anleituna tu?
Lelbstbehandlung alter Krankheiteii findet man ne
meinem vehrbuche <l6. «usi , 8203. ftarkiuiedergeleat.
t#~ Trtauternde tittculaie werden portosrn ver
sandt.
. . I-incksn.
Svezialarzt der Sranthematischen Heilmcthodr.
C ffice. ,-simmer4lo «rtade.
Man httte stch vorFalschunaen und satschen Propheten.
Wm. KLOEH.
Airchen * Alaler,
926 Allen Ave., ST. LOTJIS, MO.
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schreidt und ich sende u n e u t g e l t l i ch eiu
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t!is Hat reule qeheitt, die 22 lahre init :liheu
matismuS behasiet waren. John A.
Lmitt», Mltwaukee, Wis. Dkpk. A.
“The Burlington.”
€., B. «L 3T. It. it.
Abgang der Zuge In cst-Dubugne.
Nordlich: .
Abaana.
Nach Tt. Paul. tSqlich 4:03 !om.
.. Ca lirasse, tagtich. aulg. SoniitaVS . .Il:L8Nm.
Oe si t i ch:
Chicago. tLglich 2:30 Om.
»* « 11:28 tUm.
Sudtich:
et. Couti, tagnch
Wagen sahren direcl nach «Lt. CouZ durch.
v r a ch t e n i iv t r 11>:
Nnlere Waaen haoe» sreie Cehustithle. Zu ff!>t»
rrgo langen die Zuar der . ' Unwil
Tkpot um 1:10 und 0:0» Uhr des Morgenl, alio ,uc
bequemftrn ragcszeU fur jed.n idelucher an a»
SI, Paul deftnaet man sich mtttel» der , BuNinatou '
uin 1 M>r Nachm. um um 7:3» Morgens.
«viir Itdctfl, FeittadeUeu, Lchlaiwageiz
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Zu vertaufen.
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vNdettrviUe, lowa.

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