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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, December 24, 1895, Image 1

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„Lunrxemburger Gazette“
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eder Geldanweisung (Money Ordor) gesandt
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Ulle Briese, Correspondenzenu. s. w. adressire
man einsach:
“LVXEMBUROGER GAZETTE ,
Dubuque, lowa.
Osfficeder,Gazette“:
tiderSechsten und Jowastrahe.
Telegraphische Depescheu.
Inland.
Cleveland's Botschast.
Washington, 18. Dez.
Der Präsident sandte heute dem
Congreß eine Spezial Botschaft zu wel
cher in ihrem Hauptwortlaute folgen—-
dermaßen spricht:
„In meiner Jahresbotschaft vom
dritten d. Mts. habe ich auf die Grenz—
streitfrage zwischen Großbritannien und
der Republit Venezuela hingewiesen,
und der Hauptsache nach die von dieser
Regierung der britischen Regierung ge—
machten Vorschlage und zugleich die
Gründe angegeben, weshalb der Streit
einem Schiedsgerichte zur Beilegung
unterbreitet werden sollte.
Seitdem ist die Antwort der briti—
schen Regierung eingetroffen, und diese,
so wie die Depesche, auf welche sie die
Erwiderung ist, sind hier beigefügt.
Die Antwort enthält zwei Mitthei—
lungen, welche vom britischen Premier—
minister an Sir Julian Pauncefote,
den hiesigen britischen Botschafter, ge
richtet sind.
Die eine derselben befaßt sich aus—
schließlich mit der Monroe-Doltrin, und
in derselben wird die Ansicht ausgespro—-
chen, daß bei der jetzigen Gelegenheit
diese Dokltrin von Seiten der Ver.
Staaten eine ungewöhnliche Ausdeh—-
nung und Deutung erfahren hat, und
daß „die Gründe, welche eine Berufung
an die Doktrin des Präsidenten Monroe
erheischen, im Allgemeinen nicht an
wendbar sind, besonders aber nicht in
der gegenwärtigen Zeit, und bei æeiner
Streitfrage, welche die Grenzlinie zwi—-
schen Großbritannien und Venezuela
betrifft.“
In der Annahme, daß wir ohne
Rücksicht auf „die Verhältnisse, in denen
wir leben,“ auf der Beobachtung dieser
Doktrin bestehen, ist es nicht ersichtlich,
weßhalb dieselbe bei der jetzigen Streit
frage nicht zur Anwendung gebracht
werden kann. Wenn eine europäische
Macht durch eine Erweiterung ihrer
Grenzen von dem Gebiete einer unserer
benachbarten Republiken Besitzergreift,
und zwar gegen deren Willen und mit
Hintansetzung ihrer Rechte, so läßt sich
leicht erktennnen, daß eine solche euro—-
päische Macht ihr Regierungssystem auf
den Theil dieses Continentes auszudeh—
nen beabsichtigt, welcher in dieser Weise
in Besitz genommen ist. Dies ist genau
die Handlungsweise, welche der Präsi
dent Monroe für „unseren Frieden und
unsere Sicherheit als gefährlich“
ertlärte, und es kann keinen Unterschied
machen ob das europische System durch
Ausdehnung der Grenzen oder in ande—
rer Weise eingeführt wird.
Ueber die Schritte, welche die Regie—
rung angesichts dieser Lage der Dinge
ergreifen muß, tann man sich nicht
einen Augenblick im Unklaren sein.
Nachdem wir uns seit Jahren aufrichtig
bemüht, England für die schiedsgericht
liche Austragung zu gewinnen, und
jetzt einen ablehnenden Bescheid erhal—
ten haben, können wir nur die Sach
lage, wie sie sich uns darstellt, in's
Auge fassen und darnach handeln.
Venezuela ist auf England's jetzige
Stellung niemals eingegangen, wie—
wohl jede Berichtigung der Grenze, die
ihm recht wäre, naturgemäß auch uns
recht sein müßte:. Nehmen wir aber
an, daß es seine Haltung nicht verän
dert, so ist der Streit in ein Stadium
gelangt, wo es uns obliegt, Maßregelna
zu ergreifen, um die wahre Scheidelinie
wischen Britisch-Guiana und Venezuela
frien wri Dazu bedarf es einer
gründlichen Untersuchung und schlage
ich deshalb dem Congreß vor, daß ein
genügender Credit ausgeworfen werde,
um die Ausgabe einer vom Präsidenten
einzusegenden Untersuchungscommis
sion zu bestreiten. Sache der Ver.
Staaten wird es sein, dem Befund der
Commission gemäß zu handeln und sich
einer jeden willtürlichen Gebietsan
maßung Englands in Venezuela mit
allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln
zu widersetzen.
Ich bin mir der Verantwortlichkeit,
die ich damit eingehe, daß ich das vor
schlage, wohl bewußt, und weiß die
Folgen meiner Handlungsweise vollauf
zu würdigen. Trotzdem halte ich an
der Ueberzeugung fest, daß das großte
Unglück, welches eine große Nation über
sich bringen kann, die stillschweigende
Unterwerfung unter ein Unrecht, und
die daraus erfolgende Einbuße der
nationalen Ehre -und der nationalen
Selbstachtung ist.“
Grover Cleveland.
Eine zwei Botschost.
Washington, 20. Dez.
Der Präsident hat heute dem Con—
greß abermals eine Botschaft zugeschidt.
Dieselbe sagt Folgendes:
An den Congreß.
In meiner letzten Jahresbotschaft
vurden die Schäden unseres jetzigen
Finanzsystems tlar dargelegt und die
en und Mittel der Entleerung
1
c
. 2
2
14 5
77
Für Keht und
Geschäftsführer: Lorenz Gonner.
Jahrgang 25.
des Goldvorrathes der Regierung erläu
tert.
Es hieß darin, daß nach allen Bemü—
mühungen der Executive, unsere Gold
reserve durch Ausgabe vonßonds imße—-
trage von über 8162, 000, 000 zu decten,
diese Reserve nur etwas über 879, 000,-
000 betrage; daß in dem Monat, wel—-
cher dem Datum jener Botschaft unmit—-
telbar vorausging, etwa 816, 000, 000
genannter Reserve entzogen worden
seien und daß ihr voraussichtlich ziem
lich bedeutende Summen in der näch—
sten Zukunft zwecks Ausfuhr entzogen
werden würden.
Der damals befürchtete Fall ist nun
eingetreten. Die wirkliche und ver—
nünftige Heilung unserer Störungen
kann nur durch einen vollständigen
Wechsel in unserem Finanzsystem her—
beigeführt werden.
Ich ersuche den Kongreß um solche
prompte Hülfe, wie er sie allein gewäh—-
ren kann, um in Zeiten der Furcht und
Angst jedes Opfer der Interessen des
Volkes und der öffentlichen Fonds oder
die Schädigung unseres öffentlichen
Kredits zu verhüten, und um seine Un
terstützung beim Bemühen Seitens der
Executive, die Gefahren der gegenwär
tigen Lage zu beseitigen.
Grover Cleveland.
Aus dem Congreß.
Washington, 16. Dez.
Senat. Der Senat hielt hente
eine zweistündige Sitzung. Die Hälfte
der Zeit wurde Steward von Nevada
eingeräumt, der einen heftigen Angriff
auf die Gold--,Combination“ machte.
Nach Eröffnung der Sitzung reichte Se—
nator Quay eine Petition der „Wool
Merchants Association“ von Philadel
phia ein und ersuchte um ihre Verlesung
und Eintragung in den Kongreß-,Re—-
cord“. Auf Sherman's Frage theilte
Quay mit, daß die Petition um Wie—
derherstellung der Wollzölle der Me-
Kinley-Acte nachsuche. Die Petition
wurde verlesen.
Haus. Die heutigen Verhand
lungen wurden durch den Delegaten
Flynn von Ollahoma belebt, welcher
folgende Resolution einreichte:
„Da durch eine am 2. März 1895
angenommene Conagreßacte ein Vertrag
zwischen den Wichita- und verwandten
Indianerstämmen in Ollahoma auf der
einen und Bundescommissären auf der
anderen Seite ratifizirt und Vorkehrung
getroffen wurde für Zutheilung von
Land an die Wichita-Indianer und Er.
öffnung des überschüssigen Landes zur
Besiedelung, und so sei es
Beschlossen, daß der Minister des
Innern hiermit. angewiesen wird, an
das Haus zu berichten:
Erstens, die Gründe der Verzögerung
der Ernennung besagter Agenten und
der Zutheilung des Landes;
Zweitens, ob Blutsverwandte oder
angeheirathete Verwandte von ihm als
Anwälte für besagte Indianer oder
Parteien, die ein Interesse an der Hin
ausschiebung der Eröffnung des Landes
zur Besiedelung haben, fungiren.
Washington, 17. Dez.
Senat. Die Botschaft des Prä—
sidenten betreffs der venezuelischen
Frage beschästigte hauptsächlich die Auf
merksamkeit der Senatoren in der kur—
zen Sitzung. Secretär Cox verlas das
Schriftstück. Kaum war der Schlußsatz
verlesen, als eine Kundgebung erfolgte,
wie sie in der Geschichte des Senates
fast noch nicht vorgekommen ist. Re—
publitanische wie demokratische Senato
ren gaben ihren Beifall durch anhalten
des Händellatschen zu erkennen.
Die Botschaft und die beiliegenden
Schriftstücke wurden sogleich an den
Ausschuß für auswärtige Beziehungen
verwiesen, und während der Sitzung
tnüpfte sich weder Debatte noch Bemer—-
tung an die Verlesung des bedeutungs--
vollen Altenstückes.
Nach Eroffnung der heutigen Sitzung
wurde eine ganze Reihe von Dentlschrif
ten, die sich auf die sich auf die cuba
nische Rebellion und die türkischen
Mehteleien bezogen, eingereicht.
Haus. Die Botschaft des Präsi
denten lag bis spät am Nachmittage
auf dem Tische des Sprechers. Dann
wurde sie verlesen und mit großer Be
geisterung von den Mitgliedern beider
Parteien aufgenommen. Nach Eröff
nung der Sitzung wurden die Senats—
zusätße zu Hoplins' Vorlage, welche die
Grenzen des Chicagoer Einfuhrhafens
verändert, angenommen. Dann
wurde die Aenderung der Geschäfts
regeln, welche die Mitgliederzahl in den
wichtigsten Ausschüssen erhöht, ange—
nommen.
Washington, 18. Dez.
Haus. Sobald die Sitzung er—-
öffnet war, erhob sich Hitt von Illinois
und ersuchte das Haus um seine Zu—
stimmung zur Berathung einer Vor—
lage, welche den Präsidenten ermächtigt,
eine Kommission zur Untersuchung der
venezuelanischen Grenzfrage zu ernen
nen und sIOO, 000 für die Ausgaben
derselben bewilligt.
Die Vorlage hat folgenden Wortlaut:
Eine Vill die eine Vewilliauna tür die
Dubuque, Jowa, Dienstag, den 24. Dezember 1895.
Auslagen einer Kommission macht,
welche die richtigste Grenzlinie zwischen
der Republit Venezuela und Britisch-
Guiana untersuchen und über den Be
fund Bericht erstatten soll.
Beschlossen vom Senat und Abge
ordneten, daß die Summe von 8100, 000
oder so viel davon als nöthig ist für die
Ausgaben einer vom Präsidenten zu
ernennenden Kommission bewilligt
werde, welche Erhebungen über die
richtige Grenzlinie zwischen Venezuela
und Britisch-Guiana anstellen und
darüber berichten soll. ;
Auf die Verlesung der mit Beifall
aufgenommenen Vorlage folgte eine
aufregende Scene.
Boutelle von Maine meinte, die
Frage sei eine so ernste, daß das Haus
sich Zeit zu ihrer Berathung nehmen
sollte. Die Botschaft des Präsidenten
sei gestern erst verlesen worden und die
Mitglieder seien vielleicht nicht bereit,
über eine so wichtige Angelegenheit
ohne reifliche Ueberlegung Beschlüsse zu
fassen.
Auf die Frage des Sprechers, ob der
Redner Einwand erhebe, erwiderte
Boutelle, daß er nur die Hoffnung aus—
gesprochen habe habe, die Vorlage
werde an den Ausschuß gehen. Cyxisp
sagte, die Republikaner hätten die Ve
lage eingereicht, welche er gestern selber
versucht habe einzureichen. Wenn die
Grenze zwischen Britisch-Guiana und
Venezuela nicht durch ein Schiedsgericht
unter Theilnahme Großbritanniens fest
gestellt werden tönnte, dann sollten die
Ver. Staaten sie sofort feststellen.
„Und wenn wir festgestellt haben, wo
sie ist,“ fuhr er fort, „dann sollten wir
den Muth und die Männlichkeit besitzen,
sie zu erhalten.
MeCreary und Boutelle verlangten
das Wort, aber Hitt gab nicht nach,
die Debatte wurde geschlossen und der
Hitt'sche Antrag einstimmig angenom—-
men.
Eine Resolution Dingley's, daß die
Weihnachtsferien von Freitag, den
20. Dezember, bis Freitag, den 3.
Januar, dauern sollten, wurde ange—-
nommmen. Um 12 Uhr 40 Minuten
vertagte sich das Haus bis Freitag.
Senat. Hill reichte eine Vor—
lage ein, die das Gesetz, welches die
Rebellenveteranen gewisser Rechter be
raubt, aufhebt. Chandler folgte mit
Einreichung einer Vorlage „zur Ver—
stärtung der militärischen Vertheidi—
gung des Landes“. Die Vorlage
wurde an den Ausschuß für militärische
Angelegenheiten verwiesen. Um 2 Uhr
20 Minuten ging der Senat auf An—
trag Chandlers zu einer Executivsitzung
über und um 2 Uhr 50 Min. vertagte
er sich bis morgen.
Washington, 19. Dez.
Senat. Jeder Senator, der
heute über die venezuelische Frage sprach,
hieß den vom Präsidenten eingenomme
nen Standpunklt gut, doch drückten
Alle die Ansicht aus, daß es nicht zum
Kriege kommen werde.
Als die Hansvorlage betreffs der
venezuelischen Grenzuntersuchungstom—
mission dem Senate vorgelegt wurde,
beantragte Morgan sofort ihre Verwei—
sung an den Ausschuß für auswärtige
Beziehungen und sprach für seinen An—-
trag. Er sagte, ·der Senat sollte sich
nicht übereilen; die Vorlage sollte ein—
gehend berathen werden, aber der
Senat sollte auch nicht eher in die Weih—
nachtsferien gehen, als bis die Vorlage
zurückberichtet sei. Was die Monroe—-
Dottrin betrifft, so sei sie durch Cleve—
land's Botschaft und Olney's Note an
den britischen Ministerpräsidenten klar
dargelegt worden und ein Beschluß, den
der Congreß faßte, um sie zu bestätigen,
könne nicht mißverstanden werden. Der
Redner wünschte dann dem Lande Glück
dan. daß ein solches Ergebniß erzielt
ei. -
Sherman sagte, er stimme mit Mor—
gan völlig überein. Die Monroe-Dol—-
trin sei von der höchsten Bedeutung für
die civilisirte Welt.
Lodge sagte, er sei nicht für Ueber
stürzung, glaube aber, die Zeit, inner—
halb deren die Commission Bericht zu
erstatten habe, sollte begrenzt sein. Er
werde deßhalb den Zusatz bean—
tragen, daß die Commission bis
zum 1. April berichten müsse. Er
glaube nicht, daß die Monroe-Doctrin
als ein Satz des Völlerrechtes aufrecht
erhalten werden könne, aber er glaube,
daß sie unterstützt werden sollte, wie
wir diellnabhängigkeitsertlärung unter—
stützt hätten, weil sie unsere Dottrin
war.
Nach Lodge sprach Voorhees. Er
sagte, er sehe keinen Grund, nerun die
Vorlage nicht gleich erledigt werden
sollte. Großbritannien habe fünf
Monate gebraucht, uni zu entscheiden,
daß es kein Schiedsgericht haben wolle.
Wir sollten nicht länger zögern, son
dern eine Commission ernennen, um zu
sehen, was Großbritannien gehoöre, und
ihm das zu geben und keinen Zoll mehr.
Er glaube nicht, daß ein Krieg drohe,
aber er glaube daß die Ehre der Ver.
Staaten fordere, daß wir ohne Verzug
handeln sollten.
embur
106
Allen erhob Einwand gegen eine
zweite Lesung der Vorlage.
Nachdem die Debatte vorüber war,
fragte Morgan den Senator Allen noch
mals, ob er seinen Einwanb zurückzie
hen wolle, aber Allen verstand sich nicht
dazu. Die Vorlage blieb demgemäß
auf dem Tische liegen.
Um 2 Uhr 25 Minuten ging der
Senat zu einer Executibsigung über
und 2 Uhr 45 Minuten vertagte er sich.
Washington, 20. Dez.
Senat. Der Bundessenat hat
heute mit Stimmeneinheit und ohne die
Förmlichteit einer Verlesung der Na—
menliste die bereits vom nationalen
Abgeordnetenhause angenommene Vor—
lage, welche den Präsidenten ermächtigt,
eine Kommission für Feststellung der
Grenzlinie zwischen Venezuela und Bri—
tisch-Guiana zu ernennen, ebenfalls an
genommen. :
Die bemerkenswerthesten Aeußerun
gen wurden von den Senatoren Sher—
man, Teller,, Mills, Lodge, Platt,
Turpie, Chandler, White, Caffery,
Call und Steivart gethan, die, obwohl
drei verschiedene Parteien vertretend,
doch in der Hauptfache übereinstimmten
und zur eifrigen Unic.stützung des Prä—
sidenten. Es wurden auch kräftige
Aeußerungen gegen die Panik in ameri
kanischen Aktien und Wecthpapieren
gehört, die, wie es hieß, Londoner Han—
delshäuser herbeizuführen sich bemüh—
ten.
Oma ha, Neb., 14. Dec.
C. M. Humeston, der Agent von
„Adams Erxpreß Co.“ zu Hastings,
hatte vor dem hiesigen Bundesgerichte
zu erscheinen, um sich gegen die An—
tlage zu verantworten, Spirituosen
oder vielmehr Bier „engros“ verkauft
zu haben, ohne eine Bundeslicenz zu
besitzen. ʒ Wirklichleit handelt es sich
um einen Prozeß gegen „Adams Ex—
preß Co.“ Es stellt sich nämlich her—
aus, das verschiedene Wirthe in
Hastings die Gepflogenheit hatten, ihre
Bierbestellnngen bei besagter Compag—-
nie zu machen, un der in Hastings
stationirte Agent derselben, der Ange—
tlagte Hameston, sandte diese„Orders“
nach dem Bureau der Expreß Co. in
Lincoln, wo sie ausgeführt wurden.
Das Bureaun in Lincoln besitzt aber
eine Bundeslicenzfür den Verlauf von
Spirituosen u. s. w.
Die Geschworenen haben noch keinen
Wahrspruch abgegeben; sollte das Ur—
theil gegen Humeston lauten, so würde
das für alle Expreß-Gesellschaften dieses
Landes von größter Bedeutung sein.
Davenport, Ja., 14. Dez.
Dr. I. A. Reed, der am Donnerstag
unter der Antlage des Mordes im 2.
Grade verhaftete Arzt, wurde heute
wegen verbrecherischer Kurpfuscherei
und Meineids noch einmal verhaftet.
In Ermangelung von 815, 000 Bürg—-
schaft wurde er nach dem Gefängnisse
gebracht.
De nver, Col., 14. Dez.
Ein Passagierzug auf der Union
Pacific, Denver & Golf-Eisenbahn fuhr
heute Mittag gegen einen Wagen der
Tramway—-Linie bei University Park, in
Folge dessen der Motormann getodtet
und mehrere Personen eunstlich verletzt
wurden. Der Name des umgekomme—
nen Motormannes ist Curtis E. Wil—
bur. Folgendes ist das Verzeichniß
der Verletzten: dem John Herring,
Condutteur des Straßenbahnwagens,
wurde der Schädel zerschmettert und er
kann nicht durchtommen; der Lokomotiv—-
führer des Golfzuges, M. E. Shan—
non, erhielt Schnitte und Quetschun—
gen am Kopf; der Bremser I. M. Ef—
fington vom Golfzuge erlitt Quetschun—
gen; dem G. R. Tryer von Parker,
Col., einem Passagier auf der Straßen—
bahn, wurde das Kinn zerschnitten und
ein Auge ausgequetscht; Olive MeDo—
well, Tochter des Kanzlers MeDowell,
hat nur unbedeutende Verletzungen er—
litten. :
Fort Madison, Ja., 15. Dez.
Fred Pietzmeier, ein wegen Ermor—
dung des Polizisten Graves in Ottumwa
zu lebenslänglicher Einsperrung verur
theilter Sträfling, erhängte sich heute
Nachmittag 1 Uhr in seiner Gefängniß
zelle. Er hatte acht Monate gesessen.
Little Rock, Ark., 15. Dez.
Die bischösliche Methodistenkirche an
der 8. Straße, eins der schönsten Kir—
chengebäude dieser Stadt, wurde heutle
durch Feuer zerstört. Das Feuer brach
beim Heizapparat aus. Zwei Feuer—
wehrleute wurden durch herunterstür—
zende brennende Balken schlimm verletzt.
Al. Robbins wurde zwischen Holzstücken
eingellemmt und seine Beine wurden so
verbrannt, daß er nicht aufkommen
tann. Der andere Feuerwehrmann
Georg Wandenlicht irug ebenfalls
schwere Brandwunden davon, wird aber
mit dem Leben davontktommen. Der
Verlust beträgt 830, 000, dem eine Ver—
sicherung von nur 87000 gegenüber—
steht.
Des Moines, Ja., 15. Dez.
Es verlautet, daß eins der Legisla—
tur« Mitglieder don hier eins der Staats-
ger
et der yi. Kitche.
i
gesetzgebung zu unterbreitende Bill ent
worfen hat, nach welcher die Fabrika--
tion berauschender Getränke in Jowa
gestattet sein soll, jedoch nur in solchen
Orten, in welchen der Verkauf von
Spirituosen unter dem Martin'schen
„Mulct“-Gesetze stattfindet. Unter an
derem enthalt die Bill auch die Bestim—
mung, daß die Brauer und die Bren—
ner den Umpfang ihrer Produttion den
bezüglichen Staatsbeamten angeben
müssen, ebenso die Quantität des von
ihnen verkauften Stoffes.
Mason City, Ja., 15. Dez.
Die lkatholische Kirche und die Ge—-
meindeschule zu Cold Water wurden
durch Feuer zerstört. Das Schulge—
bäude war erst vor wenigen Wochen
eingeweiht worden. Die jKirche war
mit einem Kostenaufwande von 830, 000
gebaut worden. Sie war für 85000
und die Schule für 82500 verfsichert.
Omaha, Neb., 15. Dez.
Eine Spezialdpesche aus Hastings,
Neb., an die „Bee“ sagt: Der frü—
here Nationalabgeordnete W. A. Me—
Keighan vom 5. Nebraskaer Bezirkt ist
heute in der Frühe hier gestorben. Er
war, seitdem er vor etlichen Wochen
dem Trans - Mississippi - Kongreß in
Omaha beigewohnt hatte, bedentlich er
trantt. Die Krantheit nahm bald eine
Wendung zum Schlimmeren und das
Ende wurde seit mehreren Tagen er—-
wartet. Der Verstorbene litt an der
Wassersucht, auch hatte er ein Herz--
und Lungenleiden.
Tecumse h, Neb. 15. Dez.
Die hiesige katholische Gemeinde hat
Resolutionen angenommen, durch die sie
erklärt, den wegen grober Unbotmäßig—-
teit gegen seinen Ordinarius suspen—
dirten Father Murphy in seinem sünd—
lichen Kampfe gegen Bischof Bonacum
unterstützen zu wollen. Der nach der
Excommunikation des Father Murphy
vom Bischof hierhergesandte Priester
celebrirte heute Messe in einer hiesigen
Halle.
Burlington, Ja., 16. Dez.
Der alte Farmer Louis Krekel, der
vor 4 Wochen auf unertlärliche Weise
verschwand, wurde heute mit durchschnit
tenem Halse in dem Brunnen einer be—
nachbarten Farm gefunden. Man
vermuthet, daß der alte Mann ermor—
det worden ist. Der Coroner wird eine
Uutersuchung anstellen.
San Francisco, 17. Dez.
Fünf Gläubiger von Louis Baver—
man, dem Eigenthümer eines hiesigen
großen Juweliergeschäftes haben gericht
lich beantragt, denselben für banklerott
zu erklären. Obgleich die Forderun—-
gen nur 822,000 betragen, heißt es,
daß Baverman's Schulden die Summe
von 825, 000 übersteigen; viele von den
Gläubigern wohnen in New York, und
in anderen östlichen Städten.
New Yortk, 18. Dez.
Auf dem Dampfer „St. Paul“ von
der amerikanischen Linie hat heute
Morgen, während das Schiff am Fuße
der Fulton Str. im North River an
seinem Dock lag, eine Explosion statt—
gefunden. Fünf Personen sollen da—
durch das Leben verloren haben, wäh—
rend vier nach dem Hospital geschafft
werden mußten.
Die Namen der Todten sind: James
Fawns, Hülfsmaschinist; IJ. Manning,
vierter Hülfsmaschinist: Robert Camp—
bell, Maschinist, aus New Yort; George
Williams, Maschinist, aus Hoboklen;
Daniel MeCullion, Hülfsarbeiter.
Die Namen der Verletzten sind:
Frank Vespers, Hülfsmaschinist, aus
Roxbury, Mass; Andrew Heard, Pro—-
viantmeister, aus Schottland; I. Dun—
ham, Maschinist, aus England; A.
Fogel, Maschinenputzer, aus Schott
land; Edward Wischert, erster Maschi—
nist.
Zur Zeit der Explosion, welche heute
Morgen um 7 Uhr stattfand, befanden
sich dreißzig Mann von der Besatzung
im Heizerraume und zehn im Maschi—
nenraume. Das Hauptdampfrohr,
welches 3 Fuß durchmesser hat und von
der Maschine nach dem Heizraume
geht, explodirte und das Hauptventil
wurde herausgeschleudert.
Raleih, N.C., 19. Dez.
Zwischen 8 und H Uhr heute Morgen
fand in der Egypt Kohlengrube bei
Cumnock, N. C., eine entsetzliche Explo—
sion statt. Da die Grube sehr abgele—
gen ist, so sind die Einzelheiten des Un—
glücls nur schwer zu erlangen. Etwa
40 Personen befanden sich in dem
Theile der Grube, wo die Explosion
stattfand. Acht oder zehn sollen augen—
blicklich umgekommen sein, doch werden
die Namen derselben nicht angegeben.
Burlingaton, Ja., 19. Dez.
Im südöstlichen Jowa hat es die letz—
ten 72 Stunden ohne Aufhören gereg—-
net. Brunnen und Flüsse, die seit
zwei Jahren kein Wasser hatten, sind
gefüllt. Der Frost ist aus dem Boden
und die Farmer sagen, der Regen habe
außerordentlich gut gethan.
Redakteur: HNikolaus Gonner.
New Yortk, 19. Dez.
Heute Morgen ist der Dampfer Fulda
angekommen. Unter seinen Passagie—
ren befindet sich der Marquis Sacri—
panti, welcher dem Msgr. Satolli die
Beretta überbringt.
Denver, Col., 20. Dez.
Heute Morgen, um halb vier Uhr,
brach in dem Riche Block, einem zwei—
stöckigen Gebäude an der 16. und
Curtis Straße, Feuer aus. Die Lä—
den der „Estes Shoe Company“, der
Hut- und Pelzhändler Babcock Bros.,
und das Kleidergeschäft von Tucker
Brothers, wurden durch Wasser beschä
digt. Die „Estes Shoe Co.“ erleidet
einen Verlust von 840,000, welcher
theilweise versichert ist; Babcock Bros.
865, 000, bei 840, 000 Versicherung.
Scholtz's Apothete hat einen Verlust
von 81000, welcher durch Versicherung
gedeckt ist. Der Verlust des Sqhneider
Taisey beträgt 87000, die Versicherung
86000.
Minneapolis, Minn.,
20. Dez. ;
Heute kurz vor Mittag ist der Fuß—
boden des zweiten Stockwerkes in dem
großem Geschäftshause der „Palace
Clothing Company“ zusammengebro—
chen. Zwei Personen wurden unter
den Trümmern begraben.
Das Aufstanen von mehreren Ton—
nen Tapeten hat den Einsturz herbei—
geführt. Unter deu Verunglückten
befindet sich der Clert Gale Walters.
Siourx City, Ja., 20. Dez.
In der Nähe von Castana in Monroe
County hat George Wofe, ein Franzose,
die Frau William Rattledge, bei wel—
cher sich seine geschiedene Frau aufhielt,
erschossen, seine Frau tödtlich verwundet
und schließlich sich selbst das Leben ge—
nommen.
Ausland.
Deutschland.
Hamburg, 16. Dez.
Kaiser Wilhelm wird auf seiner Reise
von Kiel (wo er gestern die Flottenre
kruten vereidigte) nach Potsdam in
Friedrichsruhe anhalten, um dem Für—
sten Bismarcẽ einen Besuch abzustatten.
Friedrichsruhe, 16. Dez.
Kaiser Wilhelm traf heute Nachmit
tag um 3 Uhr aus Hamburg hier ein.
Fürst Bismarck, weicher die Uniform
der Gardekürassiere angelegt hatte, sein
Schwiegersohn Graf zu Rantzau und
Dr. Schweninger begrüßten den Monar
chen am Bahnhofe. Nachdem der Fürst
dem Kaiser für die Ehre seines Besuches
gedankt hatte, geleitete er sceinen hohen
Gast nach dem Stlosse, wo cin paar
Stunden in anregender Unterhaltung
derbracht wurden. Um 7 Uhr 15 M.
fuhr der Kaiser nach Berlin und Pots—
dam weiter.
Kaiser Wilhelm traf heute hier ein
und besuchte die Werften und die Hei—
math für Seeleute. Er nahm den
Flottenretruten den Fahneneid ab und
hielt eine Ansprache, worin er sie er—
mahnte, gute Christen zu sein, ihrem
Kaiser und dem Vaterlaude treu zu
bleiben und den heiligen Eid zu halten,
welcher sie verpflichte, siche in e m Wil—
len zu unterwerfen, um zu erhalten,
was ihre Väter geschasfen hätten. Er
wies dann auf die Siege von 1870 hin
und sagte, er hosse die Netruten würden
jederzeit bereit sein, ähnliche Helden
thaten zu vollbringen.
Frankreich.
Paris, 18. Dez.
La Libertẽ sagt: Es ist ein Streit
im Gange zwischen zwei Völkern von
demselben ethnographischen Ursprunge
und welche beide gewohnt sind, mit
großartigen Wortrn um sich zu werfen,
deren kalte Leidenschaft jedoch nicht ein—
mal so weit geht, daß man es zu einem
Aderlaß kommen läßt. Es ist ein fal—-
scher Alarm und die Geschichte wird
ohne Zweifel schon gütlich geschlichtet
werden.
Das Journal des Dẽbats sagt: Wir
tönne nicht glauben, daß es sich bei
einer so schwerwiegenden Frage um ein
Wahlmanöver handelt. Es ist wahr
scheinlich und steht zu hoffen, daß die
Einsicht der Staatsmänner in Wash—
ington und London verhindert wird,
daß trotz des erregten Tones der Zei—
tungen beider Länder die Streitfrage
sich nicht zu einem offenen Bruchc er—
weitern wird.
Großbritannien.
Liverpool, 15. Dez.
Der amerikanische Dampfer „In—
diana“, Capitän Boggs, der am 2.
Dezember von Philadelphia abgefahren
ist, war heute Abend halb 8 Uhr in
Begriff, in dem Strom einzulaufen,
um die Passagiere zu landen, als er mit
dem britischen Dampfer„Zemora“, der
mitten im Strom lag, zusammenstieß.
Infolge der Collision erhielt die „In—
diana“ ein mächtiges Leck an der Back
dordseite, durch welches das Wasser
schnell und in Strömen eindrang.
Schleppdampser tamen sofort dem
No. 1274.
Kiel, 15. Dez.
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; auẽgesührt.
Office der,Gazette·.
: Cae der Sechstea und Jowalireha
Schiffe zu- Hülfe und schleppten es zur
Landungsbrücke, wo die Passagiere ge
landet wurden. Obwohl das Schiff
innerhalb einer halben Stunde drei
Fuß sank, herrschte doch unter den Pas
sagieren keine Panik. Da der Versuch,
das große Loch zuzustopfen, sich erfolg
los erwies, so wurde die „Indiana“ üin
Schlepptau nach der Küste von Chester
geschafft und dort an den Strand gezo
gen.
Wenn nicht sofort Hülfe gebracht
worden wäre, würde die „Indiana“
mitten im Strom gesunken sein. Auch
die „Zemoro“ erlitt schwere Beschädi
gungen. Der Dampfer „Indiana“,
im Jahre 1873 in Philadelphia gebaut
und Eigenthum der „International
Navigation Company“, ist 342 Fuß
lang, 43 Fuß breit und hat einen Tief
gang von 24.9 Fuß.
London, 18. Dez.
Weder im britischen Amte des Aus
wärtigen noch in der amerikanischen
Botschaft war heute über die venezüe
lanische Frage irgend welche Auskünft
zu erlangen, indem die betreffenden
Beamten es einfach ablehnten, irgend
welche Ansichten über die Frage zu
äußern und sich in diplomatisches
Schweigen hüllten.
London, 19. Dez.
Der Dampfer „Spree“ ist heute
Morgen, wenige Minuten nach 5 Uhr,
auf Warden Ledge, in der Nähe von
Totland Bai, gestrandet. Die Ver
suche, das Schiff im Laufe des Tages
flott zu machen, haben sich als erfolg
los erwiesen und können erst wieder
nach Eintreten der Fluth um Mitter
nacht erneuert werden. Die ungefhr
90 Personen betragenden Salonpassa
giere befinden sich noch an Bord.
London, 19. Dez.
Alle Blätter haben heute Morgen
spaltenlange Artitel über die venezuela
nische Frage, und der in denselben
enthaltene Ton ist bedeutend ernster
als er gestern war, und augenscheinlich
ohne die geringste Neigung, die Ange
legenheit leicht zu nehmen.
Di- „Times“ hat eine Depesche aus
Paris erhalten, in welcher es heißt:
„Die Botschaft hat hier grenzenloses
Erstaunen hervorgerufen. Nicht allein
deshalb weil Europa ein solidarisches
Interesse daran hat, eine derartige
Auslegung der Monroe Dokltrin zu
rückzuweisen, sondern auch weil darin
so wenig Vernunft und gesunder
Menschenverstand liegt, daß sie lächer
lich erscheint.“
Der Correspondent der „Times“ in
Wien sagt: „Es hat hier eine Art von
Bestürzung hervorgerufen, daß Cleve
land geneigt sein sollte, sich Hals über
Kopf in einen Kampf mit Großbri
tannien zu stürzen. Wenn sich die
Regierung in Washington einbildet,
daß Amerika auf die Sympathie Euro
pa's rechnen lann, so befindet sie sich
in einem gewaltigen Irrthum.“
Loudon, 20. Dez.
Eine ernste aber unvermeidliche Folge
der Boischaft des Präsidenten Cleve
land über die britisch-venezuelanische
Sireitfrage, ist vielleicht früher einge
treten, als zu erwarten war. Heute
wurde von hervorragenden Finanzmän
uern welche wichtige Interessen in den
Ver. Staaten haben, in dem Geschäfts
lotale einer hiesigen Bant eine Ver
sammlung abgehalten um die Rathsam
teit eines gemeinsamen Vorgehens bei
der Einziehung ihrer ameritanischen
Ausstände zu besprechen. Die eng
lischen Kapitalisten haben unzweifelhast
die Macht, durch eine solche vereinte
Handlungsweise Amerita einen Schlag
zu versetzen, welcher schreckliches Unheil
zur Folge haben würde. Derselbe
würde sich jedoch als ein zweischneidiges
Schwert erweisen, und diese Ansicht
übte auf die Mehrheit der Kapitalisten,
welche der Versammlung beiwohnten,
ihren Einfluß aus. Die Berathung
war eine private, und es war nicht be
absichtigt, daß die Thatsache, daß sie
überhaupt stattfand, öffentlich belannt
werde.
Türkei.
Konstantinopel, via Sofia.
Bulgarien, 14. Dez.
Heute wurde bekannt, daß das bri
tische Kanonenboot Dryad, das zweite
Schutzschiff der britischen Botschaft, bei
der Durchfahrt durch die Dardanellen
beinahe von den Kanonen der dortigen
Forts beschossen worden wäre. Als es
sich nämlich den Forts Kum Kale und
Sedil Bahr, welche sich am Eingange
der Dardanellen befinden, näherte,
wurden von der Garnison, der noch
nicht mitgetheilt worden war, daß der
Sultan dem Kanonenboote die Erlaub
niß zur Durchfahrt ertheilt hatte, sofort
die Geschütze bemannt, welche geladen
und auf das ankommende Schiff gerich
tet waren. Der Befehlshaber sandte
ein Boot zur „Dyrad“ und es verging
geraume Zeit, ehe er sich überzeugen
ließ, daß das Kanonenboot ein Recht
zur Durchfahrt habe. Darauf erst,
wurde der,„Dryad“ gestattet, die Dar
danellen zu passiren und die Fahrt nach
dem Vosporud sortzusehen.

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