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Luxemburger gazette. [volume] (Dubuque, Iowa) 1871-1918, September 28, 1897, Image 5

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manden zum Genusse geistiger Ge—
tränte, ebensowenig wie zum Genuhsse
von Fleisch oder Obst, aber ich berthei
dige die christliche Wahrheit, die christ
u: Freiheit, die christliche Nachsten
iebe.
Das Christenthum gibt einem Redner
weniger Recht öffentlich das Volk zur
Enthaltung von geistigen Geträntken
als zur Enthaltung von Fleischspeisen
aufzufordern. Denn für letztere finden
sich doch Beispiele in den Fastenverord
nungen der hl. Schrift und der Kirche,
nicht aber für erstere. Mehrere Prie—
stet, die amtshalber vor einer Tempe—
renz-Gesellschaft reden mußten, haben
mir denn auch das Geständniß abge
legt, daß sie nur mit innerlichem Wi—
derstreben anständigen Männern eine
Tugend anempfehlen könnten, die sie
selbst nicht üben und die das Christen--
thum uns nicht auferlegt.
Das ganze Temperenzwesen ist eine
protestantische Erfindung unseres
Jahrhunderts. Da die Predigzer seit
der Abschaffung des Sakramentes der
Buße jeden Einfluß auf die Sünder
verloren hatten, wollten sie. um der
überhandnehmenden Unsittlichkeit und
Unmäßigleit zu wehren, ein neues
Mittel schaffen zur Bekehrung der
Säufer. Und da verfielen die schotti
schen und irischen Presbyterianer auf
den Pledge oder die Totalabstinenz.
Das läßt sich begreifen und entschul—-
digen.
Weniger aber läßt es sich begreifen
und entschuldigen, daß katholische Ir
ränder dieses protestantische Bekehrungs
mittel, eben weil es sich für Protestan
ten heilsam erwies, nun auch in die
tatholische Kirche einführen wollten.
Welche Schande ist es für die tatho—
lische Kirche, die von Christus mit hin
reichenden Heils- und Rettungsmitteln
ausgerüstet wurde, und die sich noch
gegenwärtig im vollen Besitze dieser
Heilsmittel befindet, wenn ihre eigenen
Diener diese Mittel für ungenügend
halten und das Heil der Menschheit von
diesem protestantischen Temperenz
schwindel erwarten? Soll etwa die
Predigt der Buße und das Sakrament
der Buße, die 1800 Jahre lang zur
Belehrung der Sünder in der Kirche
hingereicht haben, heute nicht mehr
hinreichen? Sind wir denn endlich
dahin gekommen, daß wir ein Heil
mittel zur Betehrung der Säufer von
englischen Protestanten borgen müssen?
Und welche heilsame Früchte hat die
ses gepriesene Mittel bei Protestanten
und Katholiken hervorgebracht. Sehr
wenige, vielleicht gar keine. Die Sta—
tistit von England und von Amerika
zeigt, daß in jenen Städten und Staa—-
ten, wo öffentlich die Temperenz herrscht,
ebensoviel geistige Getränte genossen
werden und ebensoviele Trunkenbolde
vorkommen als an jenen Orten, wo der
Genuß geistiger Getränke erlaubt ist.
Und die bittere Feindschaft, die Ver—
letzungen der Nächstenliebe, die falschen
Anklagen und falschen Eide, welche der
Temperenzschwindel mit sich bringt,
wer tann sie zählen? Und was müßte
hier von der pharisäischen Heuchelei
jener Temperenzler gesagt werden, die
sich schon deßhalb für heilig halten,
weil sie keine geistigen Getränke genie
hen und mit Geringschätzung auf jene
herabsehen, die den Pledge noch nicht
genommen haben? Wahrlich die Früchte
des Temperenzschwindels sind sehr zwei—
felhaft. Die katholische Kirche bedarf
dieses Heilmittels nicht; und keine
Macht der Erde vermag ihr dasselbe
aufzudrängen.
Haben etwa die Apostel und die
christlichen Missionäre, welche die Welt
betehrt, dieses Mittel angewendet?
Die Welt hat keine Temperenz·Speeches
vernommen, bis jene fanatischen Pre
diger auf diese unchristliche Idee ver
fielen. War ein Katholit so schwach,
daß er im Genusse geistiger Getränke
nicht Maß halten konnte, so durfte und
mußte der Priester als unerläßliche
Bedingung zum Empfange des Buß—
satramentes von ihm die vollständige
Enthaltung von geistigen Getränken
und sogar die Meidung der Gelegen
heit zum Trinken fordern. Aber nie
mals war ein Priester berechtigt, eine
solche Forderung öffentlich an anstän—
dige Menschen zu stellen, welche teine
gewohnqheitsmäßigen Säufer waren.
Der Pledge gehört in die Privatseel—
sorge des Beichtstuhles für die Fälle
verzweifelter Trunksucht, aber nicht auf
die Kanzel vor anständigen Leuten.
Wir haben in der Kirche schon Heuchler
genug, ohne die Temperenzgesellschaf
ten, welche zuweilen mit Fahnen und
Temperenz-Badge in unseren Straßen
Aufzüge halten, andere anständige
Leute geringschätzen und darnach dem
Whistygenuß sich ergeben. Dieser
amerikanische Temperenzschwindel ist
eine gefährliche Ketzerei unserer Zeit,
die im Stande ist, großes Unheil in
der Kirche anzurichten. Daher rathe
ich jedem wohlmeinenden Katholiken
geistlichen und weltlichen Standes, die
sen Schwindel jenen zu überlassen, die
ihn ersonnen haben, den ameritani
schen Yankees—
Gewonnene Wette.
Abraham a Santa Clara, der be—-
rühmte Hofprediger, wettete bei einer
Gelegenheit mit einem Grafen Nraut
mannsdorf, er wollte diesen von der
Kanzel herab einen Esel nennen und ge—
wann die Wette wirklich, indem er sei
ner nchsten Predigt eine Geschichte ein
flocht, welche von einer Gemeinde han
delte, die einen Dummkopf zu ihrem
Schulzen gewählt hatte, und mit den
Worten schloß: „Dem Esel traut man's
Dorf.“
îî———
Die Frage der Zeit.
Sonntagsschul·Superintendent (am
Montag zu einem Schüler, turioso):
Warum warst Du denn gestern nicht in
der Sonntags-Schule, Arthur Smith?
Arthur Smith: Papa und ich wir
sind auf unseren Bicycles den Hudson
hinauf bis Yonkers gefahren.
Sonntagsschul·Superintendent (süß
lächelud, eifrig): So—wie waren denn
die Wege? Gut?
Luxembutrgisches.
Vereiniate Staaten.
Das geistige Chicago.
(Aus dem ,Luxemburger Wort“.)
In einem Briefe habe ich kürzlich
der Einrichtung des Kirchen und Schul
wesens in Chicago, soweit die katholische
Religion in Frage kommt, Lob gespen—
det. Ich habe gesagt, daß alle Luxem
burger, die daselbst sind oder hingehen
wollen, in dieser Beziehung finden,
was sie brauchen, wenn sie nur guten
Willens sind.
Es möchte nun der Fall sein, daß
unter den Lesern dieser oder der meinen
Worten einen Sinn beizulegen geneigt
wäre, den sie jedoch nicht haben. Es
soll nämlich darin keineswegs eine un—
beschränlte Einladung oder gar Auf—
munterung gesucht werden, nach Chi—-
cago auszuwandern.
Um davon abzurathen, habe ich nicht
blos den Grund vor Augen, daß die
Arbeiterbevölkerung und die Geschäfts--
welt hier im Lande en seit 1893 recht
arte Zeiten durchzümachen haben, nd
daß eiten durgumtagen öhe Be
schäftigung und demnach vielfach ohne
Brod sind: es schwebt mir noch ein
ganz anderer, viel wichtigerer Grund
vor. Dieser bezieht sich auf die Reli—
gion und die Sittlichtkeit. Ich muß
offen gestehen, daß, so oft ich bernehme,
daß junge Leute aus dem luxemburger
Lande nach Chicago gegangen sind, ich
mich eines Gefühls von Mitleid und
Bedauern nicht erwehren kann.
Es gibt Fälle, wo man für solche
junge Leute weniger zu fürchten
braucht. Sind dieselben von solid re—
ligioösem, ernstem und gesetztem Cha—
rakter, so darf man hoffen, daß sie den
rechten Weg nicht verlassen werden.
Aber wie wenige gibt es unter ihnen,
die diese Eingenschaften in einem hin—
reichenden Maße besitzen! Auch dann,
wenn junge Leute direlt bei ihrer Ein—
wanderung in eine Familie ihrerer
Verwandtschaft, und zwar in eine
solche, die von religiöser Gesinnung, ist
und sich einer katholischen Pfarrkirche
angeschlossen hat, eintreten, unn wenn
sie sich der Aufsicht und Kontrole dieser
Verwandten fügen: auch dann darf
man sich veruhigen. Aber wie selten
treffen diese beiden Erfordernisse zu—
sammen!
Kommen aber die jungen Leute nach
Chicago und sind sich selber überlassen
um sich ein Logis und Beschäftigung zu
suchen, dann sind die Gefahren, die
ihrer Religion und noch mehr ihrer
Sittlichleit drohen, sehr aroß. Nur
wer unwissend oder übelwollend ist,
tönnte dies in Abrede stellen. Vorher
waren sie in ihrer Familie, unter der
Aufsicht ihrer Eltern und vielleicht hät
ten sie Anstoß bei der ganzen Pfarrei
erregt, wenn sie am Sonntag die hl.
Messe versäumt oder gar um Ostern die
hl. Sakramente nicht empfangen hät—
ten. In Chicago dagegen stehen sie in
schrankenloser Freiheit, und wer fragt
darnach, ob sie ihre Religion halten
oder vernachlässigen?
Das wäre schon gefährlich genug,
wenn auch die ganze Stadt katholisch
wäre. Es ist aber noch viel schlimmer,
da die große Majorität aus Anders—
gläubigen oder Ungläubigen besteht.
Man hat zwar das hochtrabende Wort
in die Welt hinausposaunt, daß Ame—
rika (man meinte damit die Vereinig
ten Staaten) das „allerchristlichste
Land der Welt“ sei, allein als man ge
nauer zusah und sich auf statistische
Angaben stützte, stellte es sich heraus,
daß höchstens ein Drittel unserer gan
zen Bevölkerung überhaupt eine Kirche
latholische oder nicht tatholische
besuche. Dieses Verhältniß mag sich
für Chicago allerdings etwas günstiger
stellen; denn von der gesammten Lan—-
esbevöllerung ist nur ungefähr ein
Siebentel katholisch, während in Chi—
cago die Katholiten etwa ein Viertel
der Bevöllkerung. ausmachen. Aber
wieviel selbst auch eine derartige Mi—
schung der Bewohner dem katholischen
jungen Manne die Gefahren für seinen
Glauben vermehre, braucht wohl nicht
des Näheren bewiesen zu werden.
Was noch ferner bei der Beurthei—
lung dieser Gefahr nicht außer Acht ge
lassen werden darf, das sind die tau—
senderlei Belustigungen, am Samstag
Abend bis zur Frühe am Sonntag
Morgen, am Sonntag Vormittag und
Nachmittag, welche die jungen Leute
zur Vernachläßigung ihrer religiösen
Pflichten anlocken. Ist aber der Got—-
tesdienst einzelne Male versäumt wor—
den, wie leicht fommt es dann zur Ge—-
wohnheit und zum vollständigen Ab—-
fall!
Daß die Mischung der Bevölkerung
auch die Luxemburger jungen Leute zu
gemischten Ehen und dadurch zur
Gleichgültigkeit in ihrer Religion und
auch zum vollständigen Abfall führe,
dafür habe ich leider nur zu viele Bei—-
spiele wargenommen.
Mit der Sittlichleit aber steht es,
nach Allem, was man höoören und lesen
tann, in Chicago recht tief und trau--
rig, und zwar noch mehr nach der Welt
ausstellung als vor derselben. Ein
Landpfareer, in dessen Gemeinde eine
bedeutende Anzahl Luxemburger Fami—-
lien ansaßig sind, sagte mir schon wie
derholt: „Für die Jünglinge und
Mädchen meiner Gemeinde, die nach
Chicago arbeiten gehen, thut es mir
immer leid. Manche kommen gar nicht
zurück und diejenigen, welche wieder
heimlehren, haben in den allermeisten
Fällen an ihrer Seele großen Schaden
gelitten.“
In anderen Städten kämpft manch
mal die Verwaltung und die Polizei
wenigstens gegen das offenkundige Auf
treten einer entarteten Religionslehre
und der schmählich sogenannten Eman—-
cipation einer „gesunden Sinnlichleit“
entspricht: in Chicago hat man wie es
heißt, den Kampf als erfolglos aufge
geben, und die Stadt, die sich seit dem
lezten Jahrzehnt zur Weltstadt empor—-
geschwungen hat, hält auch hier mit
den überigen Weltstädten gleichen
LJuxemburger Gazxette; Dienstag, den 28. September 1897.
Schritt, wenn sie dieselben nicht gar
überbietet. Und da soll man es jun—
gen Leuten die aus katholischer Fami
lie stammen, anrathen, an einen Ort
derartiger Gefahren sich zu begeben,
ohne Erfahrung, ohne Stütze!
Sollte es hie und da noch einen Le—-
er geben, der aus dem Kammerbericht
es Herrn Abgeordneten Prüm sich er
nnert, daß es in Chicago siehenzehn
uxemburger Vereine gibt, und daraus
chließt, das junge Luxemburger Ein—-
anderer bei diesen Vereinen doch im
inerhin eine Stütze haben würden, so
tkönnte man damit leider nur zum Theil
übereinstimmen.
Mitte Juni erschien im „Luxembur
ger Wort“ einen Artikel über die
„Schattenseite des Vereinswesens“.
Die Luxemburger Bereine von Chicago
sind zu einem bedeutenden Theile eben
falls nicht ohne solche Schattenseiten.
Daß sie sich Unterstützung ihrer Mit—
glieder in Krantheitsfällen, Unterhal—
tung, Bildung, auch ehrbare politische
Zwecke zum Ziel setzen. All das wird
gewiß Niemand bestanden. Daß es
aber mehrere unter denselben gibt, die
bei Gelegenheit des National-Congres
ses, öffentlich von sich schreiben ließen,
es herrsche in ihrer Mitte ein religioser
Geist, und das nicht widerriefen; daß
einige da sind, die wenigstens einschließ
lich zu den von der Kirche verboteneu
Gesellschaften gehören; daß die meisten
unter ihnen weder auf das Religions
bekenntniß noch auf die Religionsübung
ihrer Mitglieder Rücksicht nehmen und
sowohl Andersgläubige und Abgefal—-
lene als praktische Katholiken zulassen,
während nur wenige unter denselben
als wirklich katholische Vereine dastehen:
Das sind Umstände, die in sich selbst
und in ihren unausbleiblichen Folgen
verwerflich sind; es sind bedauerliche
Schattenseiten der Luxemburger Ver—
eine in Chicago, die als religiose und
moralische Stütze junger Einwaderer
nicht das Vertrauen erwecken können,
das gerade von dieser Seite so seht er
wünscht wäre.
Der freundliche Leser wird nun diese
Zeilen nicht allgemeiner auffassen dür—
fen als sie lauten. Es ist darin nicht
desagt, daß alle Luxemburger jungen
Leute, die nach Chicago kommen, der
Religion verloren gehen: es wird nicht
über alle Vereine ohne Ausnahme Klage
geführt, noch weniger über die Ge
sammtheit der Vereinsmitglieder: aber
es ist leicht ersichtlich, daß die Gefahrrn
für Religion und Sittlichteit der jun—-
gen Leute äußerst groß sind und daß
sdie Luxemburger Vereine ihren einwn—-
dernden Landsleuten in dieser Bezie
hung, wenigstens im Großen und Gan—-
zen verhältnißmäßig nur geringe
WDienste leisten. I. M. Kasel.
Großherzogthum.
Aus der Hauptstadt.
Luxemburg, 9. Sept. Fol—
gende Aenderungen sind im Didzesan—-
tlerus vorgekommen:
Den HH. Hemmer Nikolaus, Pfar
rer in Christnach und Mayrisch Joh.
Alb., Pfarrer in Herborn, wurde auf
ihr Gesuch ehrenvolle Entlassung aus
dem Pfarramtke bewilligt.
Hr. Pinth Joh. Pet., Vikar zu St.
Michel und Gesellenpräses, wurde er—-
machtigt eine Stelle im zLehrfach anzu—
nehmen.
Es wurden ernannt:
Hr. Sevenig Joseph, Vikar zu Die—
tirch, zum Vitar don St. Michel zn
Luxemburg.
Hr. Neopresbyter Molitor Joh. Pet.,
zum Vilar in Dietkirch.
Hr. Gerson Mich., Pfarrer in Esch
weiler zum Pfarrer in Christnach.
Hr. Bormann Johann, Kaplan in
Refingen (Mersch), zum Pfarrer in
Eschweiler (Wiltz).
Hr. Neopresbyter Gushurst Felix,
zum Kaplan in Reckingen.
Hr. Neopresbyter Schneider Edmund
zum Kaplan in Schandel.
Hr. Schwartz Michel von Heisdorf
zum Kaplan in Bettel.
Durch Bischöflichen Beschluß vom 8.
d. Mts., ist die Filiale Bonneweg zur
Pfarrei erhoben und Hr. Kaplan Thin
nes Joh. Peter zum Pfarrer daselbst
ernannt worden.
Schülerzahl. a) Gymnasium:
Die entsprechenden Ziffern vam Vor—
jahre sind in Klammern beigefügt. Die
Anstalt zählte im ersten Trimester 500
(527), im zweiten Trimester 473 (499)
Schüler. 500 (523) waren katholisch,
2(1) protestantisch, 3 (3) israelitisch.
186 (180) waren aus der Stadt, 8õ
(83) aus dem Landkanton, 60 (6) aus
dem Kanton Esch, 10 (16) aus dem
Ausland, zusammen 338 (355); die
übrigen 162 (173) vertheilen sich auf
die anderen Kantone des Landes. 27
(283) Schüler haben die Anstalt im
Laufe des Jahres verlassen. b) Indu—
strie- und Handelsschule: Die Anstalt
zählte im 1. Semester 297 (293 Schü—
ler, wovon 285 Katholiten, 3 (3) Pro—-
testanten und 10 (9) Israeliten. 134
(137) waren aus der Stadt, 83 (85)
aus den Landlantonen, 21 (27) aus dem
Kanton Esch und 12 (9) aus dem Aus—-
lande. Die übrigen 47 (42) vertheilen
sich auf den Rest des Landes. 10 (20)
verließen die Anstalt im Laufe des Jah—-
res. Die l. 11. und 111. eigentlichen
Handelsklassen zählten: am 1. Novem—-
ber: 3 (7), 5 (5) und 10 (9, Total 18
(22) Schüler; am 1. August: 3 (6), õ
() und 8 (6), Total 15 (25) Schüler.
Ein ee Brüsseler Zeitung enthält eine
lobende Besprechung der luxemburgi
schen Seltion auf der Brüsseler Welt
ausstellung. An die Aufzählung der
luxemburger Aussteller schließt sich die
Erwähnung einer in Brüssel ansässigen
luxemburgischen Firma und eine dar
auf bezügliche Aneldote, die wir unsern
Lesern nicht vorenthalten wollen. Am
Eingang zur Abtheilung der Schönen
Künste hat nämlich unser Landsmann
Defer eine Sammlung seiner kunstvol
len Erzeugnisse in gepreßtem Leder aus
gestellt. Dieser Tage besuchte Koönig
Leopold den lleinen, geschmactvoll ein-
gerichteten Salon und fragte den Aus
steller, ob die Sachen in Brüssel ange
fertigt seien. „Gewiß, Sire, entgeg
nete Hr. Defer, mein Atelier befindet
sich ruhe Royale 123.“ „Sind Sie
Brüsseler, Herr Defer?“ „Nein,
Sire, ich bin Luxemburger.“ „Aus
dem Großherzogthum?“ „Von Lurx—
emburg selbst, Majestät.“ „Die
Luxemburger sind ein wackeres lleines
Volk, thätig und intelligent, ich mag sie
gut leiden.“ „Napoleon I. sagte aber
von ihnen, sie seien gute Soldaten, aber
Trotzköpfe (mauvaises tẽtes).“
„Das kann für die Luxemburger nur
schmeichelhaft sein. Man sagt derglei
chen oft von Leuteu, die ihre eigenen
Ansichten haben und dabei bleiben und
die die Ueberlieferungen hoch halten.
Man halt sie für starrköpfig, während
ihre Art meist nur ein Beweis von Cha—
rakter ist. Das halte ich von den mau
vaises têtes.“ Und wührend sich der
König von Herrn Defer berabschiedete,
sagte er: „Ich habe Ihre schöne Aus—
stellung sehr bewundert und wünsche
Ihnen gutes Gedeihen, aber vor allem
bewahren Sie Ihren Charakter.“
Zur Versteigerung gelangten
letzthin die dem Schreinermeister Herrn
John Bettel gehörenden beiden neuen
zweistöckigen Wohn- und Geschäftshäu—
ser, gelegen zu Luxemburg, Glacis,
obere Ecke des Schobermeß- und Jahr—-
marktplatzes, an der Scheher'schen
Allee. Dieselben erzielten einen Ge—
sammtpreis von 63, 000 Franken, wur
den jedoch, einer Meldung in unserer
vorigen Nr. entgegen, für dieses Ange
bot vom Eigenthümer nicht abgegeben.
Dieser Tage gelangte ebenfalls zur Ver
steigerung das dem Herrn Isaak Israel,
Handelsmann von Bonneweg gehö—
rende Hotel Restaurant, bekannt unter
dem Namen „Hotel zur Post“ mit zwei
Geschäftsräumen und großem Garten,
gelegen in der Bahnhofstraße zwischen
Lakaff-Theisen und Glesener. Das
Immöbel wurde der im Bahnhofviertel
wohnenden Wirthin Wittwe Müller
zum Preise von 70, 500 Franken zuge—-
schlagen. (Der jüdische Handelsmann
hatte das Immöbel sammt Mobiliar
erst vor Kurzem um 52,000 Fr. ge—-
kauft. Ein nettes Geschäftchen! Hr.
Petesch hatte das Hotel vor 3 Jahren
für 43, 600 Fr. gelauft.) Hr. Mehl
händler Eduard Welter aus Lintgen
kaufte für 40, 000 Fr. das die Ecke der
Monterey-Avenue und des äußern Rin
ges bildende Geschäftshaus, zugehoörig
dem Hrn. Accisenlontroleur Alphons
Dauphin.
Civilstandder Stadt Luxem—
burg.
Geburten. Vom 2. Aug.: Jakob
Eugen, Sohn von Joseph Krau, Weißger—-
ber; 8.: Micheliue Anna Maria, Tochter v.
Gustav Julius Joseph Thery, Geschäfts-Ver—
treter; 20.: Maria Elise, Tochter von Niko—-
laus Jentgen, Schreiner; 30.: Elisabeth, T.
von Johnan Guill, Bauführer; 1. Septem—
ber; Katharina Maria Margaretha, Tochter
von Joseph Schulte, Schuhmacher; Eduard
Leo, Sohun von Paul Würth, Ingenier; 2.:
Georgette Maria Micheline, Toöchter von
Michel Fohl, Advokat.
Heirathen. Vom 28. Aug.: Wil—
helm Gonner, Handarbeiter mit Magdalena
Clement; Johanun Franz Nikolas, Handar—
beiter mit Maria Petit; Karl Heim, Plaso—
nierer mit Elifabeth Maria di Franz
Reuter, Hufschmied mit Maria Conrardy,
Ludwig Joseph Taziaur, Klempuer mit Vir—
ginie Barschjseld; Karl Friedrich“ Kehl, Hand—
arbeiter mit Elisabeth Loux; Johann Henin,
Bierbrauerei-Gehilfe mit Margaretha Bi—
wesch genannt Bewesch; Heiñrich Steil,
Eisenbahnbeamter mit Helene Strasser,
Joseph Zeches Gärtner mit Maria Alvina
Schmit Urban August Weber, Handarbeiter
mit Anna Groos, Philipp Bremer, Handar—
beiter mit Susanna Klees; 20.: Johann Peter
Kegel, Buchhändler mit Agnes Schloßmacher,
Johaun Irrthum, Schlosser mit Maria
Peters; 1. September: Franz Blasius, Schuh—
macher mit Maria Anna Hellenbrand, John
Peter Wolji, Schlosser mit Susanna Redin—
ger.
Sterbefälle. Vom 27. Aug.: Peter
Salzer, alt 6 Monat und 8 Wochen; Elisa—
beth Boesebeck, alt 3. M.; 28.: Margaretha
Mettenhoven, alt IM. und 9 Tage, Michel
Wantz, alt 78 Jahte Schuhmachermeister;
W.: Luise Maria Balyinger, alt 26 Tage,
Maria Rosen, alt 17 Jahre, ohnè Stand,
ehelos; 1. September: Nikolaus Eguinger
alt 14 Jahre, ohne Stand, ehelos, Elise
Schmit, alt 91 Jahre Wittwe von Theodor
Schneide; 2.: Margaretha Bour, alt 6 J.;
ohne Stand, Chefrau von Johann Brimeyer,
Rentner; 3.: Susanna Ecker, alt 55 Jahre,
ohne Stand, Wittwe von Nikolas Pierrot,
ztls. Tapuzirer.
Preisevertheilung der Industrie- und
Handelsschule.
1. Klasse Industrieschule. Weder Preis
noch Accessit.
2. Klasse Indusirieschule. Preise: 1. Cal—
mes Peter aus Junglinster. 2. Grof Alph
aus Useldingen. Accessite: 1. Alff Joseph
aus Luxemburg, 2. Hemmen Nik aus Luxem—
burg, 3. de Bouckere Fr aus Brüssel und
Lent I aus Rollingergrund.
8. Klasse, Industrieschule. Preise: 1. Kip—
gen Arthur zäus Raod a d Syr, 2. Görens
Paul aus Bonneweg, 8. Wir te aus
Luxemburg, Aecessit: Groche Eeine Baptist
aus Luxemburg.
1. Klasse, ggondrleshule. Preis: Weis
Camille aus Meryig.
2. Klasse, Handelsschule. Preise: 1.
Fournell Leo aus Rodingen. 2. Schaak Jo—-
seph aus kuremburh—
8. Klasse, Handelsschule. Preise: 1. Gaasch
ZIB aus Leuningen, 2. Thommes Jakob aus
Accessite: Jacques Viktor aus
Eich, 2. Schroell Paul aus Dietkirch.
4. Klasse, Sektion A, Preise: 1. Laplanche
Joseph aus Luxemburg, 2. Cahen Ferdinand
aus Luxemburg, 3. Dävid Karl ans Luxem—-
burg, ahemntone Eug. aus Luxemhburg,
Accessite: 1. Stellen Joseph aus Luxemburg,
2. Acdermann Jakob aus Luxemburg, 8. 64
Peter aus Clausen, 4. Theisen Vilhelm aus
Lurxemburg, d. Faber Anton aus Wilt, 6.
Goldschmit Baus Luxemburg.
4. Klasse, Sekltion B, Preis: Bettendorf
August aus Esch a d Alz, Accessite: 1. Schmit
gofery aus Dommeldingen, . Simon Jo—
eph aus Luxemburg, 8. Schindhofen Joseph
aus Luremburg.
d. Klasse, Settion A, Preise: 1. Nouveau
Joseph aus Luremburg. 2. Herz Alphous
aus Luxemburg, 3. Matagne Julien aus
Luxemburg, Aceceessite: 1. Laurent Alphons
aus ruxemburg, d. Piette Noel aus Chatelet,
3. Braun Camille aus Petingen, 4. Kueip
Johann aus Bonneweg.
5. Klasse, Sektion B, Preise: 1. Schilt
Cruest aus Luxemburg, 2. Matagne Leon
aus Luxemburg und Püütz Heinrich aus Ettel
brück, 8. Kox ur aus Remich, 4. Weis
Arthur aus Merdig Aeccessite: 1. Klein
Adolph aus Gölingen, 2. Eicher Johann
aus Luxemburg und Razen Joh Peter. Lur—
emburg, 8. Gour Paul aus Luxemburg, 4.
Stefsen Artqur, Luxemburg.
6 Klasse, Sektion A, Preise: 1. Görner
Richard aus Luxemburg, 2. Strasser Arnold
aus Düdelingen, 8. ja dena aus Rü—-
melingen. . Courhaiu Gasov aud Luu
burg, 5. Keßeler Nikolas aus Esch a d Az
Aecessite: 1. Brick Albert aus Luxemburg, 2.
Nouveau P aus Luxembutg.
6. Klasse, Sektion B, Preise: 1. Pescatore
Ferdinand aus Bofferdingen, 2. Kutter Paul
aus Luxemburg, 3. Bettendorff Johaun aus
Luxemburg, 4. Ries Johann aus Luxemburg,
Accessite- 1. Beck Heinrich aus Luremburh
2. Prim Theodor aus Hayingen, 3. Warisse
Nikolaus aus Luremburg, 4. Kauffsmann
Remy aus Oettingen und Lefevre Joseph
aus Düdelingen.
Spanischer Unterricht, Preise: 1' Fournelle
Leon aus Rodingen, 2. Lang Anton aus
Luxemburg.
Italienischer Unterricht, Kursus vom 1.
Jahre, Preis, Schaack Joseph aus Luxem—
burg, Kurjus vom 2. Jahre, Preis, For P
aus Luxemburg, Accessit, Weis Camille ans
Mertzig.
Turnen, d. Klasse, Preise, 1. Fritz Jakob
aus Luremburg, L. Reissers· Leon aus Lur—
emburg und Welter Alexauder aus Luxem—
burg, 3. Fournelle Franz aus Luxemburg,
Accessite, Kayser Ernest aus Tetingen, Jac—-
quinot Ferdinaund aus Bettemburg und
Pierre Noel aus Gilly.
5. Klasse, Preise, 1. Schanen Paul ans
kurtun und 2 Heinreich aus Ettel—
brück, 2. Lecorsais Romain aus Luremburg;
Accessite: Bour Paul aus Luxemburg, Klein
Adolph aus Göblingen, Elter Karl aus Lux—
emburg, Schaul Alfred aus Luxemburg und
Lefevre Michel aus Düdelingen.
6. Klasse, Preise: 1. Brick Albert aus Lurx
emburg, 2. Beckene JB aus Luxemburg und
Fisch Heinrich aus Rümelingen, Accessit:
Kesseler Nikolas aus Esch a d Alz, Funck
Viector ans Luxemburg und Neyers Johann
aus Luxemburg.
6. Klassgz Preise: 1. Fournelle Paul aus
rnr r 2. Krantz Johaun Peter aus
Rümelingen und Kausffmann Remy aus
Oetringen. Accessite: Haro Georg aus
Hayingen, Weinachter Julius aus Luxem—-
burg und Prim Theodor aus Hayingen.
Gesang, Preis: Berker Peter aus Luxem--
burg und Pescatore Ferdinand aus Boffer—
dingen, Accessite: Musmann Frauz aus
Lureniburn und Nouveau Peter aus Luxem
urg.
Aus dem üũbrigen Großherzogthum.
Ettelbrück, 16. Aug. In die—
sen Tagen gelangte das sogen. „Alt-
Attens-Haus“ zur öffentlichen Verstei—
gerung. Dasselbe liegt im Herzen un
seres Städtchens, mißt ein Areal von
565 Quad. Meter, und trotdem die
Realitäten sämmtlich älterer und pri—
mitiver Construktion sind, wurde es
zum Preise von 28, 500 Franken nebst
Steigtosten dem hiesigen Großhändler
Egid Herckmans zugeschlagen. Das
Haus wurde 1753 durch den damaligen
Notar Clandon erbaut, und knüpft sich
an dasselbe ein gewisses historisches In--
teresse, In demselben tagte nämlich
genaa dor einem Jahrhundert kurz nach
Einführung der Herrschaft der fräntki—
schen Republik, zuerst im Monat Ther—
midor Jahr IV. (Juli 1796) die Mu—
nicipal- Verwaltung des Kanton-Die—
kirch, und wurde hierzu eine monatliche
Miethe von 6 Fr. für Sitzungs- und
Archivsäle bezahlt.
Düdelingen, 238. Aug. Eine
arme Wittwe, die sich dieser Tage im
Auftraze ihrer Herrschaft zum Bezah—-
len mehrerer Rechnungen in das Dorf
begeben hatte, verlor einen 25-Fran—
tenschein. Ihr Söhnchen von 6 Jah—-
ren folgte ihr in kurzer Entfernung.
Der Kleine, welcher den Schein hatte
fallen sehen, hob ihn auf und bt seine
Mutter, ihm das Bildchen zu schenken.
Die Mutter gab ihm dankendem Blicke
ein anderes Bildchen.
Als die Frau des Dorfhirten
Mathias Wober von Manternach sich
von Grevenmacher aus nach Hause be
geben wollte, wurde sie an der Kreu—
zung der Straßen von Manternach
nach Münschecker von einem Schlagfluß
ereilt und war bald darauf eine Leiche.
Der 28jährige Bahnwärter Peter
Kohn-Blasins von Mörsdorf, wollte
abends auf den in roller Fahrt befind
lichen Zug springen, um so nach Hause
zu gelangen? Der Sprung mißglückte
ihm; er fiel und kam unter die Räder
zu liegen. Der linke Arm wurde ihm
vollständig zerquetscht; er soll auch noch
verschiedene innere Verletzungen erlit
ten haben. In einem Tragkorbe
wurde der junge Mann in's Hospital
gebracht, wo er jetzt infolge seines Leicht
sinns schwer trant darniederliegt.
Kohn ist erst seit Jahresfrist verheira—
thet und hat ein Kind.
Heisdorf. Am 31. Aug. wurde
der 21 Monate alte Sohn Alois des
Schmelzarbeiters Faber von einem vor
überfahrenden Fuhrwerte überfahren
und blieb todt.
Wilwerdingen. Am 30. Aug.
brach in dem Hause der Wittwe Löscher
Feuer aus. Scheune, Ställe und Ge—-
rätheschuppen brannten bis auf's
Mauerwert ab. Das Wohnhaus konnte
jedoch gerettet werden, obschon der Dach
stuhl zu derschiedenen Malen Feuer ge—
fangen hatte. Entstehungsursache un
bekannt. Schade 000 bis 6000 Fr.;
versichert.
Wiltß. Am 28. August starb hier
der Apotheler Hr. Nit. Meisch nach
längerer Krankheit im Alter von 61
Jahren. Am 31. wurde er unter gro-
Ber Betheiligung beerdigt.
Düdelingen. Am 27. August
wurde hier der Hilfsbriefträger C. ver
haftet und nach Luxemburg abgeführt.
Er hatte 53 Fr., die ihm zur Absen—-
dung einer Postanweisung übergeben
worden waren, unterschlagen und eine
auf diese Summe lautende Quittung
gefälscht.
Düdelingen, 2. September.
Der Genuß der Tolllirsche, die in den
Wäldern unsrer Gemarkung so üppig
gedeiht, hat dieser Tage einem Kinde
von õ Jahren das Leben geklostet. Auch
ein Italiener hatte von der tödtlichen
Frucht genascht und schaute schon dem
Tode in's Auge. Seine derbe Konsti
tution und des Arztes Geschicklichkeit er—
hielten ihn jedoch am Leben. —Heute
Vormittag wurde die sterbliche Hülle
eines der achtbarslten Insassen unserer
Ortschaft zu Grabe getragen, des weit
und breit betannten hiesigen Hoteliers
Nikolaus Lambert. Er erreichte das
Alter von 70 Jahren. Der Tod ereilte
ihn mitten in der Arbeit die er so sehr
liebte. Er starb. im Lehnstuhle sizend,
Dienstag Morgen gegen 10 Uhr; bei
all denen, die ihn kannten, hinterläßt
er das Andenken eines erzbraven, flei
higen und dienstfertigen Mannes.
Escha. d. Alzette, 4. Sept.
In verflossener Nacht fiel der Nacht—
wächter Johann Wilmes aus dem Fen—-
ster des zweiten Stockwertes seiner
Wohnuug herab und bieb zur Stelle
todt. Heute Abend wurde der 54
jährige Schmelzarbeiter Nik. Winandy,
gebürtig aus Waldbillig, unweit der
Usine Metz und Cie. als Leiche aufge
funden; der Tod scheint in Folge eines
Schlaganfalles eingetreten zu sein.
Deiffelt, 1. Sept. Gestern Nach--
mittag begaben sich einige Buben von
hier nach Döningen zur Schule. Un—
terwegs erkletterten sie eine nach Dönin—
gen fahrende Kutsche, bei welcher Gele
genheit der 7jährige Adolph Graff,
Sohn des hiesigen Taglöhners in das
nne Rad gerieth und einen Beinbruch
erlitt.
Grosbous, 1. Sept. Vorge
stern Morgen gegen 11 Uhr passirte der
Schmied Hottua von hier zu Oberfeu—
len mit seinem Tilboury. Er hatte
den erst kürzlich von Paris zurückgekehr—
ten Hrn. Laschette bei sich im Wagen,
der in Ettelbrück den Arzt konsultirt
hatte. In der Nähe des Hauses Wantz
scheute das Pferd und stirrzte mit dem
Wagen und dessen Insassen die haus
hohe Böschung hinunter in die Wark.
Wark. Während Hr. Hottua meter—
weit in die Wiese geschleudert wurde,
blieb sein Begleiter in dem Wasser ohn—-
mächtig liegen und konnte nur Dant
der schleunigsten Hilfe vor. dem Tode
gerettet werden. Der schnell herzuge
rufene Arzt fand dessen Zustand so be—
denklich, daß der Verletzte in der Gast—
wirthschaft Reding Neu liegen bleiben
mußte.
Gösdorf, 1. Sept. An Stelle
des in den Ruhestand getretenen Leh—
rers Hrn. Wagener ist Hr. Rasquin
aus Wiltz, bisher Lehrer in Kaundorf,
ernannt worden.
Rümelingen, 2. Sept. Ende
doriger Woche fiel eine Arbeiter, der
beim Neubau beschäftigt war, aus einer
Höhe von elf Metern herunter. Nach
taum einer Stunde hatte er sich soweit
erholt, daß er gemüthlich sein Viertel
chen Schnaps schlürfen konnte. Tags
drauf nahm er die Arbeit wieder auf.
Das nennt man Glück beim Unglück.
Am letzten Dienstag fiel ein schwerer
Stein einem italien en Arbeiter, der
gleichfalls bei einem eubau thätig,
war, so unglücklich auf's Genick, daß
er nach einer Stunde den Geist aufgab.
Am Mittwoch um 3 Uhr nachmittags
war das Untersuchungsgericht zur
Stelle. Diese Untersuchung war kaum
beendet, als von der Escher Gendarme
rie gemeldet wurde, mehrere Rümelin—
ger Bergleute, welche schnapstrinkend
den ganzen Tag im Walde herumlun—
gerten, seien mir nichts dir nichts, aus
reiner Mordlust, auf zwei italienische
Arbeiter, die jenseits des Waldes in
einer Gallerie arbejteten, eingedrungen
und hätten den einen getödtet, den an
dern lebensgefährlich verwundet. Die
Sache war leider nur zu wahr. Ja,
einer der Schnapsbrüder soll noch sei
nem Opfer, nachdem es bereits verrö—
chelt hatte, mit einem Pickel den Schä—-
del durchgeschlagen haben. Noch am
selben Abend wurden sieben Verhaftun—
gen vorgenommen.
In Diekirch ist die Baronin von
der Fels gestorben. Die Armen ver—-
lieren eine Wohlthäterin in der Dame.
Sandweiler, 5. Sept. Heute
Morgen gegen 8 Uhr entstand in den
Wohnhäuseru des IJ. S. Watry pen—-
sionirter Eisenbahnbeamter und Joh.
Mostert, Maurer zu„Birelgrund“ eine
Feuersbrunst, welche dieselben einä—
scherte. Mit knapper Noth konnten
nur mehr einige Möbel und der theil—
weise Viehbestand in Sicherheit ge
bracht werden. Watry erleidet einen
Schaden von ca. 3000 und Mostert
einen solchen von 2500 Fr. Beide sind
versichert.
Bartringen, 7. Sept. Am
heutigen Vormittage wurde das dem
Taglöhner Peter Wagener zugehörige
Wohnhaus durch eine Feuersbrunst bis
auf's nackte Mauerwerk eingeäschert.
Auch der größte Theil der Möbel wurde
ein Raub der Flammen. Der Benach
theiligte, welcher gegen Brandschaden
dersichert ist, erleidet einen Verlust von
etwa 1500 Fr.
Rollingergrund, 7. Sept.
Als gestern Vormittag der an der Ar—
lonerstraße wohnende Gärtner Johann
Baptist Scheid in seine Scheune trat,
fand er seinen 20 Jahre alten Sohn
auf der Tenne erhängt vor. Wie ver—
lautet, soll der junge Mann schon
einige Zeit an Geistesstörung gelitten
haben.
Fentingen, 5. Sept. Heute
Nachmittag spielten mehrere Knaben
hiesiger Ortschaft zusammen, indem sie
sich mit einem zweiräderigen Handtkar
ren hin und her schaukelten. Auf ein—
mal schlug derselbe um und kamen die
Kinder darunter zu liegen. Alle kamen
mit dem bloßen Schrecken davon, bis
auf den 7jährigen I. P. Mathieu, wel
chen man schwer am Kopfe verletzt, her
vorholte. Das Kind gab kurze Zeit
nachher den Geist auf.
Mer sch, 9. Sept. Gestern Abend
verschied allhier nach längerer Kranlk
heit und wohlversehen der hochw. Herr
Johann Welter, emeritirter Pfarrer.
Herr Welter war geborrn zu Bissen am
15. Juni 1825, zum Priester geweiht
am 27. August 1853, Kaplan in
Schönfels am 10. September 18583,
Vikar in Mersch am 22. Oltober 1854,
Pfarrer in Mösdorf am 20. Septem—
ber 1856, Pfarrer in Remerschen am
7. Februar 1875, Pfarrer in Limpach
am 8. November 1889. Ehrenvolle
Entlassung aus dem Pfarramt wurde
ihm bewilligt am 1. November 1886.
Preisevertheilung am Progymnasium
zu Echternach.
Tertia, Preis, Boever Joh, Schiffslingen,
Aecessit, 80ß Nicol, Oberanven.
Quarta, keinen Preis und keinen Aecessit.
Quinta, 1. Preis, Weirich, Alb, Livingen,
2. Simon Joh P, Echternach, 3. Geib Franz,
Echternach, 4. Decker Anton, Echternach, l.
Accessit, Metzler Georg, Esch a d A, 2. Moli—-
tor Vath, Oberdonven, d. Schwind, Heiur,
Echternach, 4. Dühr Pet, Ahn, d. Mayrisch,
Alb, Mersch. - h-. -
Serta, 1. Preis, Schröder Jos, Rippweiler,
2. Bochkoltz Gamille, Echternach, 3. Olinger
Nik, Echternach, 4. Dühr Alhert, Ahn, d.
Barreau Eug, Bollendorf, 1. Accessit, War
ker Karl, Echternach, 2. Nosbaum Joh, Dü—
delingen, 3. Böver Joh, Weiswampach, 4.
Bailleux Peter, Echternach, d. Olinger Fer—
dinand, Rümelingengen.
Vorbereitungstlasse, 1. Preis, Ernster
Ferdinand, Luxemburg, 2. Schwartz Bern,
Colbett, 3. Dühr Joseph, Wormeldingen, 4.
Donven Mathias, Mertert, d. Bedessem
Heinr, Echternach, 6. For Älfred, Bettem
burg, 7. Colbach Aug, Helzingen, 1. Accessit
Eßlen Eugen, Grevenmacher, 2. Ernster Pe—
ter· Lurembura. 3. Freres Philipp, Echter
nacht
Euglisch, Preis: Boever Johann, Schiff
lingen.
Zeichnen, fakultativer Kursus, Preis,
Warker Charles, Echteruach, 1. Accessit,
Trierweiler, Joh, Echternach und Zimmer
Joh, Echternach, 2. Boever Joh. Weswam—
pach und Olinger Ferd, Rümelingen. Serta,
1. Preis, Schröder Joseph, Rippweiler, 2.
Olinger Nit, Echternach, und Stronck Math,
Berdorf, Accessit, Emringer Ernst, Greven—
macher, und Lordang Cönrad, Jlngolstadt.
Borbereitungsklasse, 1. Preis, Raach Hein
rich, Echternach, und Großbusch Joh, Ros
port, 2. Ernster Ferdinand,; buremburt. und
Konsbrück Joh, Berdorf. Aecessit Mostert
Balentin, Echternach, und Mehring Heiur,
Echternach.
Gesang, erste Abtheilung, 1. Preis, Raach
Heinrich, Echternach, 2. Benoy Branz, 22
ternach, 3. Steinmetß Johann, Echternach.
Serxta, Preis, Heyard FB. Echternach, und
Nosbaum Johann, Düdelingen. 1. Accessit,
Bailleur Pet, Echternach, 2. Jaequin Emil,
Metz, 3. Olinger Nik, Echternach, und Boch
kolt Camil, Echternach, 4. Lordong Conrad,
Ingolstadt, d. Dühr, Albert, Ahn, 6. Mül—
ler Jakob, Esch a d A, und Strouck Mathias,
Berdorf. VBorbereitungsklasse, Preis, Col—-
bach August, Helzingeü, 1. Accessit, Freres
Philipp, Echternach, 2. Weydert 18, Echter
nach, 3. Dieschburg Heinr, Echternach, 4.
For Alfred, Bettemburg, 5. Donven Math,
Mertert, und Schmarhz Bern, Colbette, 6.
Großbusch J, Rosport.
Turnen, Serxta, Preis, Dühr Alb, Ahn, 1.
Accesit, Nosbaum Joh, Düdelingen, 2L. Nil
les Adolph, Gessingen, 3. Warker Karl, Ech
ternach, 4. Funck Karl, Luremburg. Vor—
bereitungsklasse, Preis, For Alfred, Bettem—
burg, 1. Accesit, Mostert Valentin, Echter
nach, 2. Schiutgen Karl, Born, 3. Diesch
burg Heinr, Echternach, 4. Donven Math,
Mertert.
Saar, Mosel, Eifel und Hunsrũt.
Trier. Der hiesige Regierungs
präsident macht Folgendes bekannt:
Nachdem im Landkreise Trier die
Schweineseuche in letzter Zeit in größe—
rem Umfange festgestellt worden ist,
wird hiermit die Abhaltung der
Schweinemärkte zu Trier, Hermesteil
und Kell, sowie der Auftrieb von
Schweinen auf allen übrigen Märkten
im Stadt- und Landkreise Trier inner
halb der Monate September und Olto
ber d. I. verboten. Zuwiderhand
lungen unterliegen der Bestrafung.
Dieser Tage verunglückte in der Engel
straße ein Maurer dadurch, daß das
Fundament zusammenstürzte und ihn
begrub. Schwerverletzt wurde er aus
dem Schutte hervorgezogen.
Saaralben, 31. August. Der
14jährige Knabe Held hatte gestern
Gelegenheit seinem Namen Ehre zu
machen. Ein um ein Jahr jüngeres
Mädchen war beim Beerenpflücken in
die Saar gefallen und machte dem in
der Nähe fischenden „Helden“ nicht
wenig Mühe, sie wieder auf's Trockene
zu bringen. „Den Dank der jungen
Dame begehr' ich nicht“, mochte er wohl
bei sich denten und erlaubte sich daher
zum Schlusse nur einmal herzhaft zu
lachen, als er sie pudelnaß und triefend
dastehen sah was ihm aber fast
schlecht bekommen wäre, denn die
Reingefallene zeigte nicht wenig Lust,
ihre Weiblichkeit zu vergessen und dem
Retter die Augen auszukratzen.
Trier. Cin recht bedauerlicher
Unfall ereignete sich kürzlich am Weder«
bach. Von zwei dort spielenden Jun—-
gen ließ ploötzlich der eine, welcher oben
stand, eine Gabel fallen, die dem im
Wasser stehenden anderen Jungen, der
gerade in diesem Augenblicke aufsah,
in's Auge drang. Die Sehkraft ist
verloren. Bischof Korum von hier
ist an den Kaisertagen in Coblenz der
Kronenorden zweiter Klasse verliehen
worden.
Luxemburgisches aus Belgien.
Ibingen. Letzten Sonntag feierte
der hiesige Mnsikverein seine 25jährige
Entstehungsfeier. Zu dieser Gelegen
heit fand ein Musikfest statt an welchem
15 Gesellschaften sich betheiligten. Da
gab es ein Musiziren das nicht mehr
enden wollte. Den Ibinger klingen /——
die Ohren noch davon. . .. . . “
Türpingen. Am vorleglen
Sonntag brachte der neugeweihte Prie
ster, Herr Dominicy, sein Erstlings
opfer in der hiesigen Kirche dan. Zahl
reiches Volt betheiligte sich an der heh
ren Feier. Die Festpredigt hielt der
hochw. Hr. Pfarrer von Ibingen.
Zahlreiche Geschenlke wurden dem Ge—
Geseierten des Toges sowohl seitens
der Schuljugend wie seitens seiner
zahlreichen Freunde verehrt.
Laroche. In Lamornneil ver—-
heerte eine Feuersbrunst die Wohnun
gen der Ackerer Poncelet u. Chevolet.
Beide sind versichert.
Vielsalm. Der Schieferarbei
ter Victor Jeanpierre aus Bürton, 35
Jahre alt, Familienvater, verunglückte
vorigen Freitag in einer Schiefergrube.
Er sollte im Bergwerk „les Houlands“
ein Mine schießen, welche ihm ein Bein
und einen Arm zerschmetterte.
Lottert. Am letßten Samstag
Abend, gegen 10 Uhr, brannte das
Haus des Herrn Nikolas Decker, das er
erst vor zwei Monaten geklauft hat,
gänzlich nieder. Dasselbe war noch
nicht bewohnt, es lag aber schon eine
Menge Heu darin. Der Schaden ist
versichert.
Ruette. Lette Woche feierte der
ugeweihte Priester. Hr. Damien,
seine erste hl. Messe.
Durbuy. In VBillers-St. Ger--
trud haben Wilddiebe auf den Förster
Moses Leboutte geschossen und ihn arg
berwundet. Er ist Vater von 4 Kin
dern. Seine Wunden scheinen nicht
dilic zu jein.

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