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Der tägliche Demokrat. [volume] (Davenport, Iowa) 186?-1918, July 01, 1915, Image 2

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Dontttröiag, 1. Jiili
Im Aampfe mit
Franktireurs.
XKriegsroman von Adolf Fansei.)
V.
Ft
(Fortse^stm»)'.
Drinnen ließ sich die Komteffe aus
einen Sessel sinken und di^ichte über
die seltsame Begegnung nach, die ih'r
ein neues Rätsel aufgab. Sie sann
und sa«n. Die Nachricht, daß der
Gel lebte in ihrer Nähe weile, wühlte
alles in ihrem Innern auf.
Ihre Gedanken flogen nach Eper
nay und spannen Fäden ihm.
Aber wie konnte sie ihm einen Wink,
eine Warnung senden hier, ,i.'0 sie
so scharf von ihrem Bruder und noch
mehr von ihrem eisersüchtigen Vetter
beobachtet wurde? Oder sollte wie
eine Erleuchtung kam es über sie
sich in dem Bauer ein geeigneter Ver
mittler zwischen ihr und ihm bieten!
Jedenfalls war der Gedanke einer
Erwägung wert!
Und nun blitzten hundert
Ende machte.
Gutsverwalters vermutete niemand
den verwöhnten Welt- und Lebe
ff,^^^mann. Raoul bewohnte zwei Zim
mer des Pavillons das dritte war
seinem Begleiter Ren6 zugewiesen.
Dieser, von kleiner, zarter Gestalt,
'^..^mit feinen, weichen Gesichtszügen,
H.j^"c.us denen ein Paar dunkle Augen
von feurigem Glänze sprühten, schien
'Ss/. Kammerdiener und Adjutant in einer
Person zu sein. Die schwärmerische
Tf" Hingebung, die er sür seinen Herrn
hegte, nahm dieser als etwas Selbst
verständliches hin, so daß er sür die
vielfachen Beweise von Treue und
Eiser, die jener an den Tag legte,
kein Wort des Lobes übrig hatte, son
'ccrn meist kurz und im Bisehiston
mit ihm verkehrte.
Ab und zu gab es zwar Momente,
wo der stolze Baron einen freund
lichen Ton anschlug und den Kna
ben. der wie ein Sklave zu seinen
Füßen kauerte, zu sich heranzog und
liebkoste.
Was für ein geheimnisvolles Band
»nochle die beiden verbinden? Auch
-^'hellte abend, während sich im Schloß
dit. erwähnten Vorgänge abspielten,
waren Herr und Diener in einer je
ner zärtlichen Stimmungen, und es
gehörte die ganze Frechheit eines
Schleichers dazu, die beiden zu belau
schen.
Das Gemach war nur schwach von
'/einer Hängelampe erleuchtet. Die
Gestalten erschienen beim Dämmer
!^./schein kaum kenntlich und gerade, als
ff'^'das Luchsauge des Außenstehenden
A^'durch die Fensterladenspalte lugte, er
VUlosch das Licht und der Späher war
um seine Mühe betrogen. Ein leises
H-'Geslüster jedoch, sagte ihm, daß ir
gendwo sich eine Oeffnung befinde,
und als er jetzt vorsichtig an der
Hauswand hinschlich, fand er ein
schmales Fensterchen, das, durck ei-
nen Vorhang verdeckt, halb offen
/stand. Es war teine B!ühe, den letz
teren beiseite zu schieben, und nun
hörte der Spion deutlich jedes Wort
der im Flüsterton gesührten Unter-
Haltung. Sie mußte höchst Wichtiges
für ihn enthalten, denn er blieb, lan
ge auf seinem Posten und verschwand
erst, als sein Ohr aichts mehr ver
nahm, lautlos, wie er gekommen, im
Dunkel der Nacht.
Andern Tags gab es auf dem
Gute eine Ueberraschung. Ein Trupp
Dragoner ritt unter dem Kommando
eines Offiziers in den Schloßhof, um
5 dort für einige Tage Quartier zu
-beziehen. Der Führer ließ seine Leute
absitzen, übergab das Kommando ei
nem Unteroffizier und ließ sich bei
der Komtesse melden, die den Offizier
alsbald empfing.
Fähnrich v. Ronegg war aufs höch
'. ste überrascht von der reizvollen Er
scheinung und dem edlen Anstand der
Gutsherrin, die trotz vornehmer Zu
rückHaltung deni Wunsch nach Unter
Wkunst für die Truppen aufs höflichste
nachkam und ihren Kastellan mit den
nötigen Aufträgen .''ersah.
Der junge Reitersmann, der sich
^S hier zum erstenmal einer Französin
edlem Hause gegenübersah, of
senbarte eine Befang''nheit, die sonst
nicht zum Grunozug seines Wesens
Wö.khörte. In der Garnison galt er
für einen Schwerenöter, der mit sei
ner schlanken Figur, feinem hübschen
'.Gesicht, aus dem ein Paar Augen
^lebensfroh und keck blitzten, und fei
^?tter liebenswürdigen Art den Mädels
'die Köpfe verdrehte. Die Backfische
^'.besonders schwärmten für den
^^.,-^schmucken Dragoner und seine Reit
H?. kunst. wenn er mit einem unmerkli-
cyen
ÄUgelzug
kühne
Ideen durch ihr Gehirn. Aber Vor
sicht war
Vonnöten,
äußerste Vorsicht.
CÄile war ebenso klug vie tempera
U^unentvoll.
Ruhig erwog sie, nachdem
ihre Erregung sich gelegt hatte, xille
^^.Möglichkeiten, bis die Mahnung zum
DA Abendmessen ih''en Betrachtungen ein
In dem Park, der sich an die
gutsherrlichen Gebäude anschloß, lag
unweit des Eingangs ein Pavillon,
Mden sich Baron v. Verbignac von sei
Wnem Verwandten als Wohnung er
A beten hatte. Er wollte unerrannt ^k'lei
Dben, um seine dunkeln Pläne leichter
"verfolgen zu können. So hatt? er
auch den eleganten Kavalier abge
streift in der Maske eines einfachen
oder Schenkeldruck sei­
nen Schimmel tanzen ließ.
In der Gesellschaft war er wegen
seines Frohsinns und neckischen Hu
mors, der sich nicht scheute, auch die
Schwächen der Vorgesetzten zu be
witzeln, belielit. Die harmlose und
ursprüngliche Art, in der dies ge
schah,Entwaffnete den Zorn der Ge
troffenen und ließ diese selbst herzlich
über den Scherz lachen. Nur in ei
nem Fall, wo es sich um die alt
jüngferliche, fchrullei.yafte Schwester
des Reginientskommandeurs handelte,
verstand dieser keinen Spaß und ließ
den Urheber seinen Uebermut schwer
cntgelten, inde.l'. er die schon in Aus
sicht genommene Einreihung des
Fähnrichs in die Feldarmee rückgän
gig machte und ihn in die Depotes
ladron einstellte, die wenig Aussicht
hatte, an den Feind zu kommen.
Das wurmte den jungen, tatenlu-
stigen Offizier nicht wenig. Ein
Trost war es für ihn, daß er Män
ner wie Werner und Eberstein.^ die
durch Krankheit und Familienver
hältnisse am Ausmarfch verhindert
waren, zu Leidensgefährten hatte.
Als dann die Order zum Nachschub
neuer Streitkräfte und zum Kriegs
zug gegen die im Rücken der deut
schen Armee auftauchenden Irregulä
ren, Moblots und Franktireurs kam,
strahlte Ronegg vor Freude und
Stolz und pries es als besonderes
Glück, der Eskadron Werner zugeteilt
zu sein.
Nun war er schon einige Wochen
:n Feindesland, ohne sein brennen
des Verlangen, die graziösen Franzö
sinnen von Angesicht zu Angesicht zu
schauen, ersüllt zu sehen. Statt
weiblicher Jugend bekam er derbe
Bau-rnweiber oder alte, verhutzelte
Fcauen Gesicht, und der brave
Schimmel hatte Ruhe vor seinem tem
peramentvollen Reiter, der mit ver
zeihlicher Neugier und Sehnsucht nach
jeden, Fenster spähte, ob sich nicht
zwischen den Gardinen ein hübscher
Mädchi'nkops zeigen würde.
Jetzt mit einem Male sah er eine
der anmutvollsten Repräsentantinnen
des weiblichen Geschlechts vor sich
im srischen Reiz der Jugend, im blen
denden Glanz der Schönheit, im ed
len Stolz echter Weiblichkeit, um
flossen von dem Zauber holder Lie
benswürdigkeit und gewinnender An
ittut. Kein Wunder, wenn er aus
dem Staunen und Bewundern nicht
herauskam und erst Worte fand, als
die Gutsherrin ihn fragte, ob er per
sönliche Wünsche habe.
Nur um Gottes willen keine lä
cherliche Figur dieser Französin ge
genüber! dachte Ronegg. Gewalt»
sam riß er sich zusammen, nicht um
den siegreichen Feind hervorzukehren
nein, die Stolze sollte sehen,
daß ein deutscher Offizier Damen
gegenüber Kavalier ist und Herr der
besten Umaanasformen. Seine
schlanke, geschmeidige Figur in einer
eleganten Verbeugung neigend, rich
tete er seine hellen Augen auf die
Komtesse.
„Gnädige Gräsin wollen verzeihen,
wenn ich mit meinen Reitern Ihren
ruhigen Aufenthalt störe. Ich folge
höherem Befehl, wenn ich Ihnen mit
teile, daß wir voraussichtlich Ihre
Gastfreundfchaft in Anspruch neh
men düssen. Diese beschränkt sich auf
die Unterkunft der Truppe. Für
Verpflegung werden wir selbst sor
gen. Für mich erbitte ich zwei Zim
mer zu ebener Erde. Eine Belästi
gung durch meine Leute soll Jlmen
nicht erstehen, sie sind instruiert, sich
ruhig und höflich zu benehmen.''
Der Komtesse war die Verblüf
fung des Fähnrichs nicht entgangen.
Sie war im Inneren belustigt über
diefe Wirkung ihrer Person, aber sie
hatte auch mit stillem Erstaunen be
nierkr, wie schnell der junge Ofsizier
sich gesammelt und wie gewandt er
sich benoinmen hatte. Dazu kam der
sympathische Eindruck, den sein Aeu
ßeres machte. Sie hatte Werner für
eine Ausnahme seines Standes ge
halten, und nun fand sie, daß dieser
blutjunge Offizier ein weiterer, Ach
tung erzwingender Typ preußischen
Drills war. Ja, wenn die Deutschen
solch seingebildete Offiziere haben,
sind ihre Erfolge nicht zu verwun
dern! Und freundlich, ja liebenswür
dig formten sich ihr die Worte, als
sie dem respektvoll vor ihr Stehen
den antwortete.
„Mein Herr! Sie sind sehr takt
voll, zu bitten, wo Sie befehlen kl)nn
ten. Ich danke Ihnen für diese
Rücksichtnahme. An Räumen für
Menschen und Unterkunft für Pferde
ist kein Mangel. Die gewünschten
Zimmer sollen Ihnen zur Verfügung
stehen, aber nicht im Erdgefchoß, fon
dern im ersten Sto'ck. Was die Ver
pflegung anbetrifft, so wird diese
von der Gutsherrschaft bestritten
werden. Nein, bitte, keine Einloen
dung! Sie werden mir doch gestat
ten, mich für den Schutz, den Sie
mir gewähren, einigermaßen dankbar
zu zeigen. Sie selbst bitte ich, sich
im Schloß als meinen Gast zu be
trachten, dessen Gegenwart beim
Abendessen mir stets wiUlommen
jein wird. Wir speisen um sechs
Uhr. Frühstück und Mittagbrot wird
Ihnen auf Ihrem Zimmer serviert
werden.".
(Fortsetzung folgt.)
Tobias Wilders
Weg zur HSHe.P
Von Idenko v. Krast.
(Fortsetzung.)
„Der alt' Herr hat sein' Buben
halt mögen. Und vor'm Sterben hat
er Testament g'macht. Die zwei
Madln haben an festen Brocken Geld
kriegt, den Tennenhof aber hat er
dem Buben vermacht. Freilich, lang
hat's dauert, bis d' Advokaten den
Herrn Karl g'funden haben, weil er
heut in Amerika war und morgen bei
die Schwarzen. Aber jetzt is er
g'funden. Und heut führ ich den
Herrn Karl noch heim!"
Sommerbauers Gesicht strahlte vor
Vergnügen.
„Meinst nöt, daß er leicht an Weng
länger g'lebt hätt, der Alte, wenn
die G'schicht mit 'm Buben nöt g'we
sen war?"
Somerbauer nickte. „Wohl, wohl!
Wird schon so sein! Er hat Unglück
g'yabt mit dem Buben und hat's nöt
leicht tragen. Siehst es. Erasmus:
der eine hat's mit 'm Buben, der
andre mit 'm Vater. Gspaßig geht's
zu auf der Welt!"
Erasmus gab keine Antwort. Er
sann darüber nach, ob ein Vater
mehr zu beklagen wäre, dem der
Sohn mißriet, oder ein Sohn, der
sich seines Vaters zu schämen hatte.
Aus diesen Gedanken wurde er
aufgeschreckt. Donnernd brauste ein
Schnellzug über den hohen Viadukt,
unter dem sie gerade durchfuhren, und
Sommerbauer fchlug auf die Pferde
los, um sie zu treiben.
„Du gehst wohl Touristen su
chen?"
Erasmus schwieg. Es war Herbst
und Wochentag er hatte we
nig Aussicht, einen Verdienst zu fin
den.
Eine Minute später hielt Sommer
bauer die Pserde an und sprang vom
Bock. Keine Minute zu früh. Der
Zug lief eben ein.W
Bei dem schmalen Ausgang gab es
ein lärmendes Gedrängte, -sowohl
nicht viele kamen doch es waren Men
schen, die es für nötig hielten, ihre
Gegenwart zu betonen.
Trotz seiner Sorge und seiner viel
jährigen Gewöhnung mußte Erasmus
lächeln.
Zuerst kamen drei junge Leute. Sie
trugen kurze Lederhosen und weit
aufgerissene Hemden. Die Ruckfäcke
waren von beträchtlichem Umfang
was außen noch angefchnallt war und
herabbaumelte, hätte ein bescheidenes
Geschäst für touristische Artikel ge
füllt. Jeder hatte dreißig Meter Seil
in weiten Schlingen um die Schul
tern. Auf dem Rücken hingen eine
große Feldflasche aus Aluminium
und ein Paar Steigeisen. Dazu Feld
stecher und Fäustlinge. Die Helden
arme trugen den Pickel. Und in den
Gesichtern dieser drei stand zu lesen:
Wanderer, gehe nicht an uns vorbei,
ohne die Augen niederzuschlagen in
Demut vor unsern Taten.
Dann kam ein einziger Herr. Der
trug auf dem Kopfe einen funkelna
gelneuen Ausseer Hut, den ein mäch
tiger Gamsbart fchmückte. Seine
Hirschlederhofe war nicht älter als
fein Pickel beide hatten starkes
Heimweh nach der Wiener Auslage,
wo sie noch gestern friedlich auf die
Straße hinausgeguckt hatten.
Der Besitzer dieser Herrlichkeiten er
kannte in Erasmus den Führer und
trat schneidig auf ihn zu.
„Sagen Sie, Mann: Wie ist
denn der Zimmersteig? Kennen Sie
ihn?"
Erasmus maß den Fremden von
oben bis unten. Wer den Zimmer
steig ging, mußte ein sicherer Kletterer
fein.
«Ja, Herr! Aber wann S' nöt
ganz sicher sind, lassen S' den Zim
mersteig bleiben! Wenn S' aber
durchaus wollen -7--. ich versuch's mit
Ihnen."
„Danke, danke!" gab der andere
zurück. „Ich pslege immer allein zu
gehen. Hab' schon anderes ge
macht."
Er ging mit schnellen Schritten da
von, und sein Pickel schlug den Takt
dazu.
Hinter ihm kam ein Verein. Nicht
mehr als fünf Menschen. Aber sie
schrien, daß man hätte meinen sollen,
es wäre ein böser Geist aus Payer
bach zu vertreiben. Und sie lach
ten. Immer. Ohne Grund. Je
des Ding schien ihnen ein Witz zu
sein, eigens für sie in den Weg ge
stellt.
Erasmus drehte ihnen den Rücken.
Zuletzt kam ein einzelner Mann.
Er trug einen grauen Lodenanzug
und ein graues Hütl. Ueber dem
Rücken hing ein schmaler Rucksack,
die Hände staken in den Taschen sei
ner knappen Joppe. Er ging lang
sam vorüber.
Erasmus seufzte. Das wäre ein
Tourist für ihn gewefen. Aber
er wußte: der brauche keinen Füh
rer.
Noch ein Weilchen wartete Eras
mus. Es kam aber niemand mehr.
Erst wieder nach ein paar Minuten
erschienen zwei: der lachende Som
merbauer und Herr Karl vom Ten
nenhof. Neugierig betrachtete Eras­
Der Demokrat, Davetchort, Iowa.
mus den aus weiter Welt Heimkeh
renden. i'
Oft hatte Erasmus mit dem wil
den Jungen, als sie beide noch 5kna
ben waren, toll in den Wänden der
Rax gehaust und manche Schelte von
Karls Vater bekommen. Und doch ließ
der Alte feinen Jungen ain liebsten in
der Gesellschast des Erasmus. Denn
der gerade, schlichte Vursch war für
den ruhelos tobenden Karl der beste
Umgang.
Jetzt freilich hätte Erasmus den
Kameraden von einst nicht mehr er
kannt. Der eine, der da heimkam,
und der andre, der vor zwölf Jahren
aus dem Elternhaufe verfchwunden
war, die beiden hatten äußerlich nichts
mehr miteinander gemeinsam als den
Namen.
Karl v. d. Tenne war groß und
schlank zu schlank beinahe
und ging sederleicht und ausrecht.
Sein glattes, bartloses Gesicht war
dunkelgebrannt von einer siidlichen
Sonne und trug die Spuren innerer
Kämpse. Sonst aber war er Herr
vom Scheitel bis zur Sohle, vor
nehm und einfach, und fo ernst und
schweigsam, daß Erasmus sich an
feine Schulzeit und an ein altes Ge
schichtsbuch erinnern mußte, darin in
langer Reihe die Bilder von Fürsten
und Grafen waren alle stolz und
vornehm stumm.
Erasmus fah noch, wie Sommer
bauer in den Gepäckraum zurücklief,
wo ein Haufen Koffer und Kisten
auf einen Steifwagen geladen wurde.
Dann sprang der Sommerbauer auf
den Bock, schlug auf die Pferde los
und fuhr davon.
Viele Neugierige sahen dem Wa
gen nach und steckten die Köpfe zu
sammen. Es war ein Ereignis in
der Gegend.
Auch für das Herz des Fremden
war es ein Ereignis, wenn auch an
derer Art als für die Bauern.
Ihm war, als führe er durch einen
Garten voll klingender Musik. Als
wäre jedes Ding am Wege ein selt
sames Instrument und spielte seine
besondere Stimme in dem ergreifen
den Konzert einer Heimkehr. Wie
viele Stimmen in diefer Sinfonie er
klangen Karl gab es bald auf, sie
zu zählen. Sie waren fo zahlreich
wie die Gedanken, die von beiden Sei
ten des Weges auffprangen und dem
Wagen nachliefen.
Und inimer mehr und mehr. Sie
raunten, und wenn die Pferde ra
scher liefen, sprangen sie auf und
fuhren mit. Karl schloß die Augen.
Die herandrängenden Bilder hatten
keinen Platz mehr im Wagen. Sie
klammerten sich an das Trittbrett und
hielten sich sest an dm Naben, kro
chen bis dicht an Karl heran und rie
fen: Weißt du noch?^—Wie die Rä
der auf dem Kiesweg knirschten, wie
die Hufe den Boden schlugen, wie die
Peitsche surrte alles war eine tö
nende Melodie zu den drei kleinen
Worten: Weißt du noch?
Die schmale, braungebrannte
Männethand legte sich über die Au
gen. ..
Doch Sommenbauer hörte nichts
von diesein heimlichen Konzert der
Heimkehr er empsand nur ehrliche,
ausrichtige Freude, saß schmunzelnd
auf dem Bock und machte sich mit der
Peitsche seine eigene Musik.
Plötzlich wurde er aus dem Wa
gen angerusen:
„Wer ist die junge Dame dort
beim Kreuz?"
Sommerbatier sah sich um. Der
Wagen rasselte gerade um die Weg
biegung bei Hirschwang herum, und
dort, vor dem steinernen Kreuze, zwi
schen ein paar alten Tannen, stand
eine feine Gestalt und und steckte zwei
Rosen hinter die Arme des gekreuzig
ten Heilands.
„Das is die jüi.gere Fräulein,
Herr, vom Herrn Berkens. Die
Kleine wissen S'!"
..Die?"
Eine neue Stimme flocht sich in
die Sinfonie der Heimkehr. Karl
sah noch einmal zu dem Kreuz hin
über. Und jetzt hob auch das Mäd
chen den Blick. Sie erkannte Som
merbauer und wußte, wen er führte.
Sang ein Vogel irgendwo? Klang
eine goldene Saite? Ein feines Tö
nen Hub an und starb.
6. Kapitel.
Als man die Frau Forftrat Ama
lie Wilder ms Grab gefenkt hatte,
wurde es schnell einsam auf dem
kleinen Gottesacker in Kapellen. Eine
stille, alte Frau das war keine
Ursache zur Trauer für die Bauern
des Dorfes die sparten ihre Trauer
mienen für würdigere Tote: für den
Herrn Bürgermeister, den Pfarrer
oder Schullehrer. Darum schüttelte
jeder dem blassen Tobias Wilder
rasch die Hand, bi^'zuletzt nur ein
einziger bei ihm blieb Gottwalt
Hellmer.
Gern hätte Gottwalt den Verwai
sten getröstet, aber ihm fehlten die
Worte. Er sah schweigend auf. Dort
stand das „Große Kreuz", in den
stahlblauen Herbsthimmel ragend, dort
lag der keusche, verführerische Leib der
Rax, zwischen die dunklen Waldberge
hingegossen und Hellmer dachte an
die letzten Worte der Toten und
an ihren letzten Blick, der dort oben
auf den sonnenüberfluteten Fels
wänden. hängengeblieben war. Und
MsW
I'notc» ov Xn»erilA.ll ?i-izss ^ssoclarioQ^
da fand er den Trost, ^?n er so
lange nicht finden klmnte für seinen
verarmten Freund. Er streckte den
Arm aus und deutete auf dieses Verg
wunder, wie der Priester das Taber
nakel öffnet mit dem Allerheiligsten
Und er sagte leise: „Ein Bild nur,
Tobby! Aber sieh', dem Leben bleibt
immer wieder ein Weg zur Höhe."
Tobias nickte. Er sah zwar alleS
das, was da vor ihm ausgebreitet lag
an unerhörten Schätzen, aber in die
ser Stunde hatte er keinen Anteil dar
an. Er bat den Freund nur, ihn
allein zu lassen.
„Nein, Junge!" Gottwalt schüttelte
den Kopf. „Das werde ich nicht
tun. Du wirst jetzt mit mir gehen
und bei Röschen bleiben wenn du
es nicht vorziehst, mit mir da hin
auf ZU steigen."
„Ich kann nicht, Gottwalt! Wie
könnte ich eine Bergfahrt machen!
Mit einem zerschlagenen Herzen!"
Hellmer lachte fast.
„Ich will dich nicht zwingen. Auch
wirst du Röschen willkommen sein an
diesem traurigen Tage. Sie er
wartet dich. Es kränkt sie fast, daß
du feit drei Tagen nicht bei uns
warst. Nur das mit dem zerschla
genen Herzen, Tobby, und der Berg
fahrt: ich meine, wenn irgendwo auf
Gottes weiter Welt zerrissene Herzen
wieder geheilt werden, so ist es in den
Bergen. Ich habe das an mir selbst
empfunden. Und darum Hab' ich
nicht ohne Absicht gerade die nächsten
Tage für einen Vcrgweg ausgewählt.
Aber wev^ du nickt willst.
XSsrisetzung folgt.)
MeineAllzjjge
werden unter meiner vorsichti
gen persönlichen Leitung herge
stellt und sind besser, wie irgend
welche Kleider, welche in Daven
port für das Geld hergestellt
werden.
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