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Der tägliche Demokrat. [volume] (Davenport, Iowa) 186?-1918, October 29, 1916, Image 2

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.i
Svnntag, 29. Oktober
Der meergrüne
Wandschirm
Roman von Edgar Franklin.
(Sortsetzung.).
„Ich qebe Ihnen mein Wort/' sagte
er plötzlich. „Wo ist also Ihr verteu
felter Wandschirm?"
Mit einem so festen Grisf, wie ihn
sich kaum ein guter Freund erlaubt,
ergriff der Fremde ihn Plötzlich beim
Arm und führte ihn ans andere L?nde
des Zinnners.
Chandler und Hatfield beobachteten
voller Interesse den Vorgang. Sie
sahen, wie der Fremde seinen Mund
dicht an Gildens Ohr legte, sie hörten
ein leises Geflüster, dem hin und wie
der durch eine eindrucksvolle Geste
Nachdruck verliehen wurde. Auch
sahen sie Gilden ein paarmal zustim
mend nicken.
Und dann nach einem letzten geflü
sterten Wort kam der Fremde eilig
zum Tisch zurück, nahm Hut und
Handschuhe und ging schweigend aus
dem Zimmer.
„Nun?" fragte Chandler.
In Gedanken verloren ging Gilden
zum Tisch zurück, wo er einen Mo
ment schweigend stehen blieb.
„Ich kann euch nur eins sagen. Ob
er nun verrückt ist, oder ob ich es bin.
jedenfalls habe ich den ausdrücklichen
Besehl, den langbeinigen Kerl pünkt
lich um dreiviertel neun an einer be
stimmten Ecke, etwas näher bei der
Stadt, zu treffen. Was dann gesche
hen soll, weiß ich nicht."
„Du willst doch nicht etwa sagen,
daß du dich auf so eine verrückte
Verabredung eingelassen hast? Daß
du tatsächlich hingehen wirst?"
„Mein lieber Junge," lächelte Gil
den, „du bemerktest vorhin, daß ez.
nicht viel Absonderliches mehr gebe
Wenn du recht hast, so könnte dies
vielleicht eines der letzten Abenteuer
sein, deshalb werde ich es mir nicht
entgehen lassen und zwar muß
ich jetzt ausbrechen." W
„Und deine armen Gäste, die dar
auf gerechnet hatten, den Abend ^bei
dir zu verbringen?"
„Müssen die Güte haben, während
meiner Abwesenheit mit dem Bil
lardzimmer und diesem Raum für
lieb zu nehmen. Ich will versuchen^
bald wieder bier AU sein, aber für
mich heißt ^etzt
.Wandschirm''
r-
auf zum
Zweites Kß

W a
schirm. -7
Ein andrer, der sich auf ein derar
tiges Abenteuer begeben hätte, wäre
jedenfalls bewaffnet gegangen nicht
so Gilden.
Bei seinen Ausslügen ins Reich
des Außergewöhnlichen konnte er sich
gewöhnlich sagen, daß er sie aus ei
genem Antrieb unternahm. Wenn
sich die Verhältnisse so gestalteten,
daß von der Schußwasse Gebrauch
gemacht wurde, war es immer noch
besser, sich auf der Flucht ein paar
Löcher den Leib schießen zu las
sen, als sich die Hände mit Blut zu
bestecken, das nie dort hingekommen
wäre, wenn man sich nur um seine
eigenen Angelegenheiten gekümmert
hätte. In diesem Falle ging ja nun
freilich die Aufforderung entschieden
von dem geheimnisvollen „Wand
schirm" aus trotzdem stand Gilden
davon ab, seine Pistolen aus der
Schublade zu nehmen, als er im obe
ren Stockwerk in seinen Ueberzieher
schlüpste. Er ging, um das Ge
heimnisvolle zu erforschen, nicht um
zu morden und der Gedanke, daß er
in eine Falle geraten könne, die man
dem reichen Manne gestellt hatte, um
ihn zu fangen und festzuhalten oder
an Ort und Stelle auszuplündern,
kam dem Enthusiasten gar nicht
Endlich mal etwas Neues, Verlok
kendes, dachte er, während er an dem
kalten, rauhen Winterabend eilig
vorwärts strebte.
Daß ihm jemand einen Streich
spielte, konnte er nicht glau
ben, aber daß die ganze seltsame
Angelegenheit irgend einen bestimmten
Zweck versolge, daran zweiselte er
nicht einen Moment. Und doch, was
konnte es sein? Was war das über
haupt, „der Wandschirm"? Was gmg
das ihn an? Weshalb hatte man ihn
in dieser seltsamen, kategorischen
Weise ausgesordert, zu erscheinen?
Warum hatte er aus dem geheimnis
vollen Boten nichts herausbringen
tönnen? Das waren Fragen, auf die
er zur Zeit ieine Antwort wußte.
Bald jedoch würde er Bescheid wissen
und er lies, bis ihm der Atem
ausging und ihn zwang, seine Schrit
te zu verlangsamen. Nach einem
Marsch von ungesähr fünfzehn Mi
nuten tras er süns bis sechs Minuten
»vor der festgesetzten Zeit an der ver
a Stelle ein.
Er blickte neugierig umher. Die
Degend erschien nicht gerade einla
dend. Vor Jahren mochten wohl
die altmodischen 'dunklen Häuser zu
dieser Abendstunde im hellen Licht
ischein erstrahlt sein, Wagen mochte
sich an Wagen gereiht haben und
-fröhliche Tanzmusik ins Ohr des
Aorübergehenden gedrungen sein.
.. war alles verändert. Die
Häuser sahen schwarz, schmutzig und
abstoßend aus. und der Dust schlech
ten Bieres und noch schlechteren
Kohls füllte die Ecke, wo Gilden
wartete. Alles in allem fchien es,
so wenig einladend es auch hier aus
sah, doch die richtige Umgebung für
ein keimendes Geheimnis zu sein.
Gilden zündete sich eine ZigaR^
an und harrte der Dinge, die da
konigien sollten. Die verabredete
Zeit war nicht mehr fern, aber au
ßer einem armen verlassenen Kiäd,
das einen verdächtig großen zinneren
Kessel schleppte, schien er der einzige
Mensch in der ganzen Gegend. Er
sah aus die Uhr. Jawohl, die stets
richtig gehenden Zeiger wiesen genau
ei.n Viertel vor neun und
„Herr Gilden!" ertönte da eine
Stimme neben ihm.
Der Millionär wandte sich schnell
um. In einen langen Ueberzieher
gehüllt, erfchien der Mann, der ihm
die Botfchaft ausgerichtet hatte,
plötzlich, wie aus dem Erdboden em
porgewachsen, aus die verabredete
Minute.
War er im hellen Licht zurückhal
tend und schweigsam gewesen, so
schien er erst recht wortkarg hier in
der düsteren Umgebung. Er stand
schweigsam da, während Gilden ihn
fragend ansah.
„Also, da bin ich," sagte der Mil
lionär. „Was nun?"
„Sie haben keine Furcht?" fragte
er mit Grabesstimme.
„Furcht? Vor was?"^'":
„Vor dem Wandschirm."
„Da ich den „Wandschirm" gar
nicht kenne, kann ich ja auch weiter
keine Furcht davor haben," erwider
te Gilden. „Wenn Sie mir vielleicht
ein paar nähere Angaben machen,
inöchten
„Ich kann gar nichts sagen, Herr
Gilden," sagte der Bote eilig. „Sie
müssen allein erfahren, was derWand-.
schirm Ihnen zu sagen für richtig er
achtet."
„Aber
„Ich habe Sie nur dorthin zu ge
leiüm Lnd^xmich zu überzeugen, daß
Sie keine Furcht haben. Weiter
kann ich Ihnen nichts sagen."
Gilden starrte ihn in der .trüben
Beleuchtung an. Der Mann sah
aus wie ein durchaus ruhiger Spieß
bürger und schien ein Seemann zu
sein doch war seine ,Unterhaltung
höchst seltsam.
„Wissen Sie," sagte Gilden, „ei
gentlich habe ich nicht viel Lust, mich
auf etwas mir abfolut Unbekanntes
einzulassen."
„Das bleibt Ihrem Ermessen ganz
überlassen, .Herr Gilden."
»Wenn Sie mir ein paar Einzel
heiten angeben wollten mir sagen,
was die höllische Gefchichte eigentlich
bedeutet und so weiter w-Zhalb
ich dahin gehen soll
„Ich kann gar nichts sagen, Herr
Gilden," erwiderte der geheimnisvolle
Seemann gelassen. „Man darf nur
freiwillig vor dem „Wandschirm" er
scheinen, wenn man entboten ist.
Wenn Sie es vorziehen, heimzukeh
ren, wird Sie niemand daran hin
dern. Aber er ließ die Stim
me ein wenig sinken, „Sie sind, ent
boten worden, Herr Gilden."
„Und wenn ich nicht gehe, werdeii
wohl die East River-Brücken ein
stürzen und die Tuiiiiels verbren
nennen?"
„Ich kann gar nichts sagen, Herr
Gilden. Sie müssen selbst entschei
den."
Der Millionär lachte ein wenig
ärgerlich.
„Dann sagen Sie also nichts!"
rief er aus. „Führen Ne mich zu
Ihrem verdammten „Wandschirm"
und sagen Sie gar nichts."
Das schien gänzlich mit den Wün
schen des Mannes übereinstimmen.
Ohne weitere Worte ging er Gilden
voran die Straße hinunter.
Eilig schritten sie bis zur nächsten
Querstraße, bogen dann um die Ecke
und liesen durch eine Seitenstraße.
Wenn möglich, waren die Häuser hier
noch höher und dunkler als bisher.
Hier und dort bewies ein Licht in
irgend einem Fenster, daß sie von
Menschen bewohnt waren sonst hät
te man glauben können, auf einem
Kirchhof zu sein.
Plötzlich blieb Gildens Führer vor
einem Hause stehen, das wohl das
dunkelste von allen war. Einst war
es ein stattliches Gebäude gewesen,
jetzt war es nur noch eine düstere
Flucht von Zimmern. Durch die
Fenster des Wohnzimmers draiig ein
schwacher Lichtschein, auch verriet ein
matter Schimmer hinter den gemal
ten Scheiben über der Haustür, das
das Entree erleuchtet war. Für ein
Haus, das Geheimnisse bergen soll
te, war es wie gemacht, aber zum
Ausenihalt sür einen unbewaffneten
Millionär zu einer solchen Stunde
Gilden konnte sich eines gelinden
inneren Schauers, der übrigens nicht
eiiimal ganz unangenehm war, nicht
erwehren.
Sie wurden erwartet. Das wur
de ihm sosori klar, denn die Tür
slog auf, sobald sie die oberste Stu
fe der Hausstassel erreicht hatten.
Sein Führer verneigte sich leicht
und ließ Gilden vorbei, der voU Neu
gier eintrat. Es war ein düsteres,
außergewöhnlich stilles Haus mit al
ten Teppichen, alten Tapeten, das
durch ein vom Alter geschwärztes
eichenes Treppengeländer noch un
heiMicher.erschien.
XFsrtsetzung folgt.)^
Teufelshay.
Röülmr van E. Vely.
.(Aortletzung.^
Mieschen, Herr»von Ling und Theda
sind gemeinsam beschäftigt, sie au^
den Umhüllungen ?u befreien die ele-
q'antesten Lackstieftlchen fchlüpfen äu»
den Pelzschuhen, der sein g^unktetk
Schleie^^ fäM von dem Hutrände, end
lich steht sie da iin zierlich gemachten
Kleid blaunrother Farbe und zupfi
die Handschuhe ab.
Ja, weil die Hochzeit doch so schnell
und still war und die Reise für dlH
erst des Erläubnißnehm^ns bedurft
hätte, baten wir dich gar nicht herüber
und sind dafür jetzt hier. Wir yeh'n
über Paris nach Verviers. Phili
macht mir zu Gefallen den Abfieö^r.
Es kostet uns einen halben Tag, denn
wir sind, im Fluge. Seh'n dich aber
doch.
Das ist lieb und gut von euch! ant
wortet Theda und flüstert Wiesch-m
zu: Sagen Sie drinnen, meine neu
verheiratheteii Geschwister hätten mich
überrascht.'
Da.in^ führte sie die beiden in's
Wohnzimmer, die Zunder müssen her
ankommen. Die junge Frau sieht sie
flüchtig an,^ tritt an den Spiegel, ord
net ihre Haarfülle, läßt die.prüfenden
Blicke durch die Räume'wandern, über
die Bilder hin, auf den Weg, den jetzt
zwei Schneemauern vor den Obstbau
men Hilden. Der beleibte, kahlkijpfige
Fünfzigjährige tritt an den Ofen und
sagt, sich wärmeiid, von dort herüber:
Die Fahrt war kalt. Aber Dina wollte
es so gern.
Und Phili ist gut, sehr gut. W^it
besser noch, als wie er sich als O ikel
Philipp zeigte. So plaudert das Per
sönchen, das etwas Exotisches in d'r
Erscheinung hat, fast Japanifches init
kleinen, schrägen Schlitzaugen, schwarz
und unruhig, schwarzem ^ar, einer
aitfgestülpten Nase und den energisch
geformten, schmalen Lippen. Auch
die Hautfarbe ist ein mattes Gelb.
Ihre kleinen, dicken Finger spielen mit
der perlendurchgliederten, schweren
Goldkette, an der eine Lorgnette neue
ster Foi?w hängt, und schieben an der
Brosche, die aus einem großen Sma
ragd besteht, und an den vielen Rin
gen. die die Finger bis zu dem ersten
Gelenke schmücken. Alles absichtlich,
mit einer Art Bemühung: siehst du
das auch? Das besitze ich jetzt. Aber
Thedas bewundernde Anerkennung
wird
Nicht
lauk".'^
Nun laß dich ans-'cu'n, Kind!
Siehst recht gut aus, besser als zu
Hause. Wirklich, nicht so unruhig.
Weißt du, wenn du die Brauen zu
sammenzogst und die Achsel zucktest,
das brachte ^uns zu gleicher Zeit auf,
es hatte so »twas Geringschätzendes
auch bei einer Auseinandersetzung
über dich, Phili, machte sie das mal.
Na. war Mama böse über die Ketze
rin! Und dann an die Schwester
herantretend: Wie lebst du nun hier?
Wie eine eckte und rechte kleine Lehre
rin. denk ich rnr. Du hast es so ge
wollt. Du konntest es an
ders haben! Nicht wahr, Phili, sie
konnte es.
Dina geht,'^ watschelnd wie eine
Orientalin, zu rhrem Manne hin und
lehnt den Kopf an feine Schulter.
Was, Phili? Ich bin ja nicht mehr
eifersüchtig. Ich Hab' dich ja nun.
Mir verschrieben mit Leib lind Seele!
Aber, daß du erst Theda wolltest, das
leugnest du nicht? Sie droht ihm:
Ich weiß es ja! Und iiarum that ich,
als machte ich mir aus dem ellenlan
gen, hageren Leutnant etwas. Und
wie du nun lieber Phili, zwinkere
nicht mit den Augenwimpern eiiien
sanft mit Blumen, Rosen und Vergiß
meinnicht umwundenen kleinen reizen
den Korb von ihr bekommen, da warb
iK dienend um ixine Liebe. Ruth in's
Moderne übertragen: Wo du bist, da
will ich auch sein, wo du hingehst, will
ich auch hin so heißt es doch unze
fähr. An das häßliche Sterben, wo
mit es schließt, denken wir nicht. Wo
wir hingehen, ist Paris und die schö ie,
große Welt und das Vergnügen! Und
die Aehren, di: ich lese, das sind Bril
lanten und Perlen. Phili, was hast
du für eine mondaine Perfon geheira
thet! Sie zupft an seinem Ohr
läppchen und streicht ihm behutsam
über die wenigen Haare, die er an ken
Schläfen hat. Aber folch' eine brauchst
du auch i^erade, du Allerweltsmann,
der so viel hi:iter sich hat. O, du!
Philipp Dolon lächelt zärtlich und
küßt die fleischige kleine Hand. Ich
bin ein Schatzgräber geworden, Nichte
Theda, vielmehr Schwägerin! Dina ist
ein solcher Schatz, ein solches Glück!
Und die junge Frau legt ihren Kopf
an seinen Arm und schmachtet zu ihm
auf. Er ist ein Herz, ein Gemüth
Ueberhäust hat er mich mit den schön
sten Dinien, und haben werde ich's wie
im.Himmel. Du hättest es auch haben
können, du, die ihn nicht- verstanden
hat. den besten Phili der Welt. Aber
sag' mal, kannst du nicht über eine
Tasse Thee versügen? Und, wo bleiben
dir Leute, die deine Herrschaft vor
stellen und die natürlich ungemein dir
nachstehen in Wissen und Benehmen?
Kann's mir schon denken!
Der Semokpcht^ Davenport,! AswH.
Ehe Theda av^wvrten kanii, tritt
Herr von Ling ein. Ein aufbringli«
chrs Parfüm «tttstromt wieder seinen
Kleidern, er macht seine schönste V?r«
beugung und cheginnt mit dem Berg
werksbesitzer aüö Belgien ein Gesptach
über Spa. tvo er tüchtig gespielt und
verloren hat, wie er mit Selbstgefühl
betont.
Wie eine kleine Nonne siehst du aus
in dem grsuen Kleid, ineint Dina, es
ist. als habe dich hier alles schon an
ders gemacht. Und wenn man denkt,
daß du eine Theaterprinzejsin hast
werden wollen! Ein leises Kichern,
mehr in sich hinein. Phili hätte ja
nie als Vormund und Vermögensvec
walter das zugegeben. Uebrigens Ver
mögen! Die klvme Mama, wird noch
einen Altschuß von ihm haben, ein
SchmerzenMld Saß sie mich entbeh
ren muß. Somit bin ich auch noch die
Wohlthäterin der Familie. Und wenn
dein GeMeutelchen sehr mager sein
sollte, so wende dich vertrauensvoll an
uns.
Danke, ich verdiene, was ich
brauche.',^.
Stolz tvie 'n Spanier. Bist du ja
immer gelesen.? M, was kann man
hier denn auch wdHl verbrauchen? Wie
auf 'ner Farm im Wild West Ameri
kas. Für ein paar Stunden hat das
ja seine Romantit^ Bin ich nicht et
was schlanker geworden? Ich hätte
mich wirklich eiw paar Wochen auf et
was mehr Taille dressirt. Geturnt,
gehungert. F^lt's ^ber dann nicht
aus, gute Sach»Ai/nur anzusehen bei
den Diners und-Soupers, die uns
Phili gab, um mein Herz zu gewinnen
und mir zu zeigen, wie hübsch sich das
Geld ausgeben läßt, wenn man reich
lich davon hat und nicht, wie. Mami
thut und freilich thun muß, jeden Ni
ckel erst dreimal umdreht. Uiid etwas
mehr „große Dame" glaube, ich auch
schon geworden zu sein in meinen Be
wegungen. Sich viel leisten zu kön
nen. das giebt Selbstgesühl. In der
kleinbürgerlichen Atmosphäre wäre ich.
endlich erstickt. Mit balbem spötti
schen Lachen --Und du steckst nun
drin!
Du wirst'die Verhältnisse hier im
Hause anders beurtheilen lernen, wenn
du siehst, welche Liebe und Freund
schaft ich gefunden, sagt Theda der
Schwester, die sich jetzt in einen Stuhl
geworfen, das sei^nfutterraufchende,
reich verzierte WollNeid über den
Knien glattziehm^.
Die kleinen Wesen stieren einen so
blöd-philiströs an, das läßt schließen
aber, du hast ja stets tausend
Launen ge^Ht. Immer zwei Seelen
!n deiner Vrust. Jetzt schwörst du
vielleicht zur Philiströsität. Du bist
eine Impressionistin heute das und
'morgen etwas anderes, noch nicht
Voraeahntes!
Aber niemals eine Berechnende, ant
wortet Theda ?alt. tväh^nd sich ihre
Gesichtsfarbe »lertleft.
Ä)ina Dolon lacht Kell auf: ^s ist
eben Pech für dich, mein Kind. Mami
bat das immer gesagt. 5.^'an muß kal
kuliren.
Und was mciiite Hktor von Höl
scher zu deinen Rewenexemveln? ^fraat
Theda flüsternd. Ihr wart doch wiit
genug miteinander gekommen!
Die junae f^rau beißt auf ihre Lip
pen, ihre spitzen, weißen Zähne leuch
ten auf in dem schmälen, rothen Strei
fen.^ ein Blitz des .Zornes a^s den ge
schlitzten Augen, dann aber ein ganz
unbefangener-Ton' Wie rührend, daß
du
Nock
an den guten Menschen denkst!
Wie theilnebmend! Er sand sich eben
biiiein in das Unvermeidli^. dxnn
schließlich hatte er sich in der Mitgift
ziffer ja auch geirrt! Nichts, fo gut
wie nichts! Es hätte endlich nur die
.Komniißheirath herausgeschaut.
Sie spielt mit ihren Ringen. Und da
für und darum nein, dazu hatte
ich das Zeug nicht. Ich dachte schau^
deriid ^n Lisa von Stein und ihre
Kleinkinderwirthschast. und die enge
Etage init einem Dienstmädchen und
einem blöden Burschen, und ich schickte
ihn hin, den guten Vik. Er kam zu
riick und sagte, es habe'Äach Kinder
Wäsche im Vorplatz gerochen.
Ich dachte es kommt leiser an
Dinas Ohr —, du hattest ihn lieb?
Die kleiiien schwarzen Augen strei
fen ste wieder mit einem bösen Blick.
Du dachtest das eben! Uebrigens
und dabei schrillt ihre etwas blecherne
Stilyme laut durch den Raum das
mußt du wissen, der ellenlange Hol
scher schickte mir am Hochzeitstage ei
nen wunderschönen Rosenstrauß
blaßroth, wie hingestorbene heiße
Liebe. Nicht Phili? Wie haben wir
gelacht!
Ja, ja, es war aber sehr aufmerk
sam, sagte Dolon. sein Hai^pt mit der
Glatze neigend und miteinem wohlge
fälligen Wiegen des beMbten Körpers,
immerhin aufmerksam, in seiner Si
tuation.
(Fortsetzung folgt.)
Würmer saugm Eures 5tindes Kräfte
weg.
Ist Euer Kind blaß und ärgerlich?
Schreit es im Schmf laut auf und
knirscht mit den Zähnen? Diese Shm
tome bedeuten Würmer und Ihr soll
tet sofort Abhülfe dafür finden. Kicka
poo Worm Mller ist eine angenehme
Medizin, die den Wurm tödtet und ihn
mit seinen milden laxativsn Eigen^
schaften aus dem System treibt. Wü.r
mer saugen an dem Lebenswerk Eures
Kindes und machen-dasselbe andereii
Krankheiten eher zugänglicher, wie das
bei Kindern ohne Würmer der Fall.
Euer Apotheker verkäuft KickapooWorm
Killer. 2öc die Schachtel. (Anz.)
Die Mode.
An der neuen Richtung der Köni
gin Mode werden Freunde schöner
"^iniensormen wieder inehr Gesallen
finden, als bei den Frühj^ahrs- und
Sommermodellen: der Rock, der bei
den letzten Modellen unten ziemlich
weit und glockig eudete, wurde eine
Idee enger und länger, und fchiniegt
sich nun besser der Silhoiiette an,
die schlanker,, graziöser und geschmei
diger erscheint, als bei den allzu
sußsreien Röcken. Als eine Folge
des längeren Röckschnittes tragen sich
nun auch die JackMs länger und
weisen durchwegs Glockenfalten aus.
die sich aber den Körperlinien an
passen ilnd nicht abste^n. Der Kra
gen wird noch als Stehkra«n ge
ragen, bei den Kostümen wn Spil
zengarnierung oder in koketten Fal
en. bei den Mänteln sehd stark
betont, breit, manchmal die Schul
ern bedeckend. Alles in allem scheint
uns das Betonen der Linie wieder
tärker zu werden und die Gestalt
ritt lebhafter hervor.
Was an'den Kostümen ebenfalls
auffällt, ist die starke Markierung
?er Seitentaschen, auf den Mänteln
ind es wirkliche breite Taschen aus
den Kostümen nur angedeutet, geben
ie einen willkommenen Ansatz sür
gefällige hübsche Garnieruyg. Bei
)en Nachmittags- und Gesellschafts
leidern spielt Seide wieder eine do
minierende Rolle das Straßenkleid,
owie auch der Straßen- und Sport
lAantel bevorzugen durchwegs Wolle.
Interessant ist, daß sich auch das
Material der geschmeidigeren Linie
cchpassen muß und Satin Cr6pe de
chine, Duchesse usw. wieder zur Herr
chaft gelangen, selbstverständlich im
mer neben dem jeden Winftr wieder
aufkommenden Sammet.
Lnjere Schnittmuster. Offerte.
1817 und" 1818. Passende Stoffe
für dieses hübsche Geschäftskleid sind
Cheviot, Poile. Gabardine. Tuch,
Samt und Taffet. Taille-Muster
(1817) in 8 Größen: 34, 36, 38,
40, 42, 44, 46 und 48 Zoll Brust
maß Rockmuster (1818) ebenfalls
in 8 Größen: 22! 24, 26, 28, 30,
32, 34 und 36 Zoll Taillenweite.
Untere Rockweite 3ll3 Aards. Er
forderlich für Rock 3)^ Aards von
44zölligem, für Taille 2^/^ Aards
aus 36zolligem Stoff, für Mittel
größe. Rock und Taille aus dem
selben Stoff erfordern 6)^ Ac^rds
von 44 Zoll breitem Stoff.
-'s
1831.
1829. Diese Skizze zeigt ein
Mädchenkleid aus blauem Gingham,
besetzt mit weißer Litze.' Verwend
bar sind auch alle Waschstofse, sowie
Serge, Flanell, Csaba^dine,, .Mepp
und Poplin. Schluß auf der linken
Seite. Muster in Größen: 6, 8,
10 und 12 Jahre. Erforderlich
3^ Yards von 36 Zoll breitem
Stoff, für 8 Jahr-Grotz^,
1833. Gabardine in einer neuen
Schattierung von Grün ilnd Röll
chenbesatz aus Atlas in passender
Farbe wäre für dieses hübsche Kleid
empfehlenswert, ebenso brauner Taf
fet mit'mattblauem Besatz. Rücken
und Front der.Taille weisen Panele
auf, der Halsausschnitt ist geradli
nig. Aermel enganliegend vom Ell
bogen bis zum Handgelenk. Der
Rock ist ebensalls vorn uNd hinten
mit Panelei? versehen und an den
Seiten in Falten ausfallend. Mu
ster in 6 Größen: 24, 36, 38, 40,
42 untz^44 Zoll Brustmaß. Erfor
derlich ^8 Aards aus 44 Zoll brei
tem Stoff für Z6 Zoll-Größe. Un
tere Rockweite 3^/ Yards.
-MAUA
«ÄWW
KGKMKM
Mädchenkleid mit
Alusentaille ist der Äe'genstand dieser
Skizze. Passende «Stoffe sind Lei
nen, Galatea, Chambrey, Percale,
Voile, Khaki, Gingham und Fla
nell. Die.Älufe ist über den Kops
zu schliipsen. Am Rock können die
angedeuteten Jochteile fortgelassen
werden. Muster in 3 Größen: 12.
14 und 16 Jahre. Erforderlich 5^!
Yards von 44zölligem Stoff fi',
Mittelgröße.
1836. Diese Bluse im „Middy
Stile, für junge Mädchen oder klei
ne Damen, kann mit langen oder
halblangen Aermeln versehen-^ wer
den. und es sind ihr große, spitz zu
laufende Tafchen aufgefetzt. Der
Rock ist ilber den Hüften in Faltey
gelegt. Empfehlenswerte Stoffe sind
Gabardine, Serge, Cheviot, Tuch
Samt und Taffet. Mufter in
Größen: 16, 18 und 20 Jahre. Er
'rderlich 6^ Yards^.. von 44 Zoll
item Stoff für 18 Jahr-Grö'^e
l^^ntere Rockweite 3'^' Yards.
1830. wiese's Ä'obell fiir ein
)/^lädchenkleid aus gestreiftein Ging
ham, oder aus Chambrey. Leiiien.
Corduroy uyd Piqu6, wird besoil
ders kleidsain wirken, wenn Weste,
Kragen und Aermelaüfschläge aus
libstechendem Stoff gefertigt werden.
Die Äiillenfront ist mit Revers ver-
sehen, die' ailf dem Rücken einen
breiten Kragen bilden und. die We
ste begrenzen. Der Kragen ist un
ter dem Gürtel in Fnlten Lelegt.
Muster in 4 Größen: 8, 10. 12 und
14 Jahre. Erforderlich Dards
aus 44zölligem Stoff für 12. Jahr
Größe.
1838. Fiir dieses praktische.Un-!
tergewand, bestehend aus Corset
schützer und Rock, lvird am besten
Batist, Nainsook, Lawn, Crepe o?er'
Seide verwandt. Corsetschützer mit
rundem Halsausschnitt. Der Rock
bat drei Reihen Zwischensatz und
eine schmale Rüsche aus Spitze am
unteren Rande. Muster in 7 Grö
ßen: 32, 34, 36, 38, 40, 42 und 44
Zoll Brustmaß. lZrforderlich 3?^
Yards aus 36zölligem Stoff für
36 Zoll-Größe.-
Pattern Tcpartemrvt.
Eittliestend Ils CentS' sür Zo
ster. Senden Sie mir Muster
9!aine A
^0.
-kl-!
W
1
Postamt I
Staat O
Aedes Z^tuster iid nach Emp«
fa»n von 10 Cents in Silber oder
Postmarkeli an jede Adresse ge
sandt.
h- a 0
Zwei alte Semmeln werden in Was
ser aufgeweicht, ausgedrückt und mit
3 Pint kochender Milch verrührt.
Dazu kommt Salz, Pfeffer, das
ganze aufgekocht und mit dem gerie
benen Meerrettich vermengt. Diei
Kartoffeln läßt man zerkochen, gießt
sie ab, gießt die Meerrettichtunke
darüber und läßt beide Musammen'
noch einmal auskochen.
2 Pfund weiße Bohnen^ werden die
Nacht vor dem Gebrauch in weichend'
Wajser ausgequollen und^it diesem!
sowie Pfund Schwarten und
Knochen auf das Feu^r gebracht.
Ganz langsam, aber ständig müssen
sie. kochen, diirsen aber nk durch kal
ten Wasserguß abgeschreckt werdenz^
Sind alle Äeftanmeile völlig gar,
dann werden die herausgenommenen
Schwarten grob gewiegt, die Knochen
entfernt. Die febr dicke Suppe wird
»iüch Bedarf verdünnt und mit den
Schwarten angerichtet. Feingehackte
^lie Mbessert W. Suppe noch,

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