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Minnesota Staats-Zeitung. [volume] (Saint Paul, Minn.) 1858-1877, August 14, 1858, Image 1

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Die ^Minnesota Staatszeitung^ er
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-Samuel Ludvigh, Publisher,
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den nicht zurückerstattet.
MINNESOTA STATE GAZETTE,
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published by SAML LUDVIGH,
St. Paul, Minnesota.
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New-Iork Buchhändler Kleefisch^ 144 Grandstr.,
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Maryland.
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Lawrenceburg Peter Brown,
Evansville Hr. Milsch.
Teras.
Houston Hr. Voigt.
Californien.
San Francisco Karl Fenderich.
-An meine Nichte.
S
Von S. Ludvigh.
Ich liebe Dich. Wie lieb'ich Dich?
Wie meine Mutter.
3a, so wie sie, die einstens mich
Für ihres Lebens Kleinod hielt,
Die stets mit Liebe mich erfüllt.
Doch nein, nicht ganz so lieb' ich Dich
Ich lieb' Dich dennoch anders.
Ich liebe Dich. Wie heb1 ich Dich?
Wie meine Schweker.
Ja, so wie sie, die luvend sich
Oft ttt der Jugend an mich schloß.
Als uns der Unschuld Kleid umfloß.
Doch nein, nicht ganz so lieb' ich Dich
Ich lieb' Dich dennoch anders.
Ich liebe Dich. Wie lieb' ich Dich?
Wie meines Hnzens erste Liebe.
Ja, so wie sie, die himmlisch mich
Und wie ein Cherub rein entzückte..
Wenn leift sie die Hand mir drückte.
Doch nein, nicht ganz so lieb' ich Dich
Ich lieb' Dich dennoch anders.
Ich liebe Dich. Wie lieb' ich Dich 'i
Wie meine Gattin.
Ja, so wie sie, die liebend mich
Zum Glücklichsten hienieden machte.
Mit der ich kos'te, weinte, lachte.
Doch nein, nicht ganz so lieb' ich Dich
Ich lieb' Dich dennoch anders.
Ich liebe Dich. Wie lieb' ich Dich?
Wie meine Töchter.
Ja, so wie sie, die liebend sich
An ihren lieben Vater schließen
Und ihm das Leben hier versüßen.
Doch nein, nicht ganz so lieb' ich Dich
Ich lieb' Dich dennoch anders.
Ich liebe Dich. Wie lieb' ich Dich?
Wie jede andre Schöne.
Ja, so wie sie, die seltsam mich
Durch ihrer Formen Symetrie
Entzückten in der Phantasie.
Doch nein, nicht ganz so lieb' ich Dich
Ich IteV Dich dennoch änders.
Nun, sonderbar! Wie liebe ich Dich denn?
Ich weiß es nicht.
Kannst Du es, Engel, mir nicht sagen?
Du lächelst. Nun, wen soll ich fragen 'i
Das Herz.
Du armes Herz!
Du wogest auf und nieder
Und athmest wieder Lieder,
Und kannst mir Rechenschaft nicht geben.
Wenn Herz und Geist in Zweifel schweben.
Doch, doch, ich weiß es schon und irre nicht
Denn die Natur nur Wahrheit spricht:
„Der Mutter, Schwester reinste Liebe,
Der Gattin, Töchter sel'ge Triebe
Verschmelzen sich in Eine Wonne,
Wie alle Strahlen in der Sonne"
So lieb' ich Dich!
A a a
oder:
Die Liebe zweier Wilden in der
Für die „Minnesota Staatszeitung" frei nach dem
Französischen bearbeitet von r. Hassel.
Fortsetzung.
Ich führte die Tochter Simaghan's
zum Fuße der Hügelkette, welche ihre grü
nen Spitzen wie Vorgebirge in die wogen
de Ebene hineinerstreckte. Die ganze Na
tur lag in großartiger, heimlicher und me
lancholischer Ruhe vor uns. Der Storch
ließ vom hohen Neste herab sein Klappern
ertönen die Wälder hallten wieder vom
eintönigen Gesänge der Wachtel, vom
Pfeifen der Papageien, vom Brüllen der
Bisons und vom Wiehern der Seminoli
schen Stuten.
Wir setzten unseren Spaziergang fort,
fast ohne ein Wort zu reden. Ich ging
an der Seite A a a's sie hielt das
Ende des Strickes, welches ich in ihre
Hände gelegt hatte. Von Zeit zu Zeit ver
gössen wir Thränen oder versuchten, zu
lächeln bald erhoben wir unsere Blicke
zum Himmel, bald hefteten wir sie auf den
Boden oder lauschten mit aufmerksamem
Ohr dem Gesänge der Vögel! eine Be
wegung als Abschiedsgruß der entschwin
denen Sonne, ein zärtlicher Druck der
Hand, unsere Brust, bald von heftigen
Gefühlen bewegt, bald von freudiger Ru
he beseelt, die Namen Chactasund
Atala, in Zwischenräumen mit dem
süßesten Tone der Liebe geflüstert
Ach, wie köstlich und mächtig zugleich ist
die Erinnerung an jenen ersten Liebesgang
mit meiner A a la, daß nach so vielen
Jahren der Trübsal dieselbe so fest in dem
Herzen des alten Chartas wurzelt!
Unverständlich und unbeschreiblich sind
die von Leidenschaften erregten Herzen!
Ich hatte meinen großmüthigen Wohlthä
ter Lopez verlassen und mich allen Ge
fahren ausgesetzt, um frei zu sein, und
nun hatte der einzige Älick eines Wei
bes hingereicht, um meine Ansichten, meine
Entschlüsse, meine Gedanken über den
Haufen zu werfen. Ich vergaß Vaterland
Mutter, heimachliche Hütte und den schreck
lichen Tod, welchem ich entgegenging, mit
einem Worte, ich war gleichgültig gegen
Alles, was sich nicht auf At ala bezog
Ohne die Kraft zu besitzen, meiner Ver
nunft Gehör zu geben, war ich in eine Art
kindischer Schwäche versunken und unfä
hig, irgend Etwas für mich selbst zu thun,
wäre es beinah erforderlich gewesen, daß
Jemand sich der Sorge für meiner leibli
che« Bedürfnisse unterzogen hätte.
Es-war daher ein vergeblicher Versuch,
daß nach Beendigung unseres Ganges
A a a sich mir zu Füßen warf und mich
von Neuem flehentlich bat, zu entflie
he n. Ich erwiederte ihr, daß, wenn fi
mich nicht an den Fuß meines Baumes
zurückführen wollte, ch allein in das
Lager zurückkehren würde. In der Hoff
nung, mich ein anderes Mal zu überreden,
sah sie sich gentzchigt, meinem Willen nach
zugeben.
Am anderen Tage, welcher über mein
„Sein oder Nichtsein" entscheiden sollte,
kam unsere Truppe in ein schattiges Thal,
in der Nähe von Cuscoville, der
Hauptstadt der Semin ölen. Diese
Indianer bilden in Verbindung mit den
Muscogulgen die„Conföderationder
Creek's." Die Tochter des Landes der
Palmen suchte mich mitten in der Nacht
auf sie führte mich in ein dichtes Pinien
gebüsch und erneuerte ihre Bitten, um mich
zur Flucht zu bewegen. Ohne ihr zu ant
Worten, ergriff ich ihre Hand, legte sie in
die meinige und suchte die Verwirrung des
holden Mädchens zu benutzen, um es durch
eine gemeinschaftliche Flucht für immer an
mich zu ketten. Die Nacht war köstlich.
Der Genius der Lüfte spielte mit ihren
blonden Haaren, angehaucht von dem
Dufte der Pinien, und ein süßer Ambra
geruch verbreitete sich durch den ganzen
Wald von den Crocodilen, welche unter den
Tamarinden am Flußufer schliefen. Der
Mond glänzte am azurblauen Himmels
gewölbe, und sein bläulich schimmerndes
Licht schien über die unbegrenzten Wipfel
der Wälder dahinzugleiten. Kein Geräusch
ließ fich hören, außer einer unbestimm
ten, weit entfernten Harmonie, welche aus
dem tiefsten Dickicht der Wälder herüber
hallte, man hätte sagen können, daß,
„die Seeleder Wüste wie ein
Geisteshauch über die Ebene
a se e."
Am Rande der Waldung erblickten wir
einen Jüngling, welcher mit einer Fackel
in der Hand dem Genius des Frühlings
glich, wie er durch die Wälder dahineilt
und die Natur von Neuem belebt. Es
war ein Liebender, welcher im Begriffe
stand, sich in der Hütte der Geliebten sei
nen Urtheilspruch zu holen: wenn die
Jungfrau die Flammen löschte, so nahm
te ihn als Gatten an, wenn sie sich
verschleierte, ohne das Feuer zu däm
pfen, so wies sie seine Bewerbung zurück.
Im Schatten der Bäume dahineilend,
timmte der Krieger mit halblauter Stim
me folgenden Liebesgesang an:
„Ich werde dem über die Kämme der
„Gebirge herbeieilenden Tage zuvorkom
„men, um meine einsame Taube im grü
„nen Dickicht zu überraschen."
„Ich habe um ihren Hals ein Geschmei
„de von Perlen gelegt es enthält drei
„rothe für meine Liebe, drei violette
„für meine Befürchtungen und drei
„blaue für meine Hoffnungen."
„Die Augen a's glänzten wie die
„eines Hermelin, und ihre lockigten
„Haare wallen hernieder wie ein wo
„gendes Reisfeld ihr Mund ist wie
„eine mit Perlen besetzte, rosige Muschel
„ihr Busen gleicht zwei schneeweißen
„flecklosen Zicklein, welche ein und die
„selbeMutter an demselben Tage gebar."
„Wird a diese Fackel auslöschen?
„Wird der Hauch ihres Mundes sie in
„wollüstigen Schatten hüllen Ich
„werde ihren Leib befruchten, die
„Hoffnungen des Vaterlandes ruhen
„auf ihr, und ich werde meine Friedens
„pfeife an der Wiege meines Sohnes
„rauchen."
„Deshalb will ich dem über die Kämme
„der Gebirge herbeieilenden Tage zu
„vorkommen, um meine einsame Tau
„be im grünen Dickicht zu überraschen!"
So sang der junge Mann, und jene
Töne fanden tief in meinem Herzen einen
Wiederhall und machten das Gesicht Ata
a's erbleichen: unsere verschlungenen
Hände zitterten vor heftigerErregung. Doch
eine für uns gefahrvolle Scene zog unsere
Gedanken von diesen Betrachtungen ab.
Wir gingen an dem Grabhügel eines Kin
des vorüber. Man hatte es dem Gebrau
che gemäß am Rande des öffentlichen We
ges begraben, damit die jungen Frauen,
wenn sie zur Quelle gingen, die Seele des
in Unschuld Gestorbenen in ihrem Busen
aufnehmen und jte so dem Vaterlande zu
rückgeben könnten. Wir sahen in diesem
Augenblicke junge Mütter an dem Grab
Hügel knien, welche im heißen Verlangen
nach den süßen Mutterfreuden ihre Lippen
öffneten, um die auf den Blumen schweben
de Seele des Abgeschiedenen zu erhaschen.
Sie machten der wirklichen Mutter Platz,
welche eine Garbe von Mais und weiße
Lilienblilthek ans den Grabhügel nieder­
St. Paul, Minnesota, SautKaa, de« IM. gluftiifr 185S
a
legte. Sie benetzte chn Boden mit ihrer
Milch und, sich auf dm feuchten Rasen nie
terlassend, redete sie mit zärtlicher Stimme
zu ihrem Kinde: fr
„Warum beweine ich Dich-, meiyen
„letztgeborenen, in-Deiner Wiege von
„Erde?. Wenn der junge Vogel groß
„wird, muß er sich seine Nahrung su
„chen und er findet auch in der Ebene
„bittere Kömchen. Du hast die Sor
„gen, Schmerzen und Thränen nicht
„kennen gelernt, und Dein Herz war
„dem verderblichen Haucheder Menschen
„nicht ausgesetzt. Die KNospe, welche
„in ihrer Umhüllung verdorrt, schwin
„det dahin mit allen ihren Gerüchen,
„wie Du, mein Sohn, in Deiner reinen
„Unschuld. Glücklich die, welche in der
„Wiege sterben! denn sie haben nur
„die Küsse und das Lächeln einer zärt
lichen Mutter kennen gelernt-
Schön durch den Zustand unseres eige
nen Herzens aufgeregt, wurden wir durch
diese Bilder von Liebe und mütterlicher
Zärtlichkeit, welche uns in nächtlicher Stille
entgegentraten, um so möhr gerührt. Ich
trug A ala auf meinen Armen durch das
Dickicht der Wälder und sagte ihr Dinge,
für welche ich jetzt vergebens nach einem
Ausdrucke suchen würde. Der heiße Süd
wind, mein theurer Sohn, kühlt sich ab,
wenn er über eisige Gebirge dahinfährt,
und die Erinnerungen der Liebe sind in
dem Herzen eines Greises, wie die friedli
chen Strahlen des Mondlichtes nach dem
Untergange der Sonne, wenn stilles, me
lancholisches Schweigen'sich über die Hüt
tender Indianer verbreitet.
Wer konnte A tal a retten, wer verhin
dern, daß sie der Leidenschaft unterlag?
Nur ein Wunder und dieses Wunder ge
schah. Die Tochter S a a n's nahm
ihre Zuflucht zum Gotte der Christen: sie
warf sich zur Erde nieder und betete in
brünstig zur Königin der Jungfrauen.
Von diesem Augenblicke an. Renk, habe
ch eine hohe Meinung von dieser Religi
Ott gewonnen, welche mitten in den Wäl
dern zweien Unglücklichen tausend Reich
thümer spenden und den entfesselten Strom
der Leidenschaften, deren Aufwallen die
Einsamkeit des Ortes, die Abwesenheit der
Menschen und das verborgene Dunkel der
Wälder begünstigt, zurückhalten kann. Ach!
wie eine Heilige erschien mir die einfache
Indianerin, die unwissende A a a, als
sie am Fuße eines alten Fichtenstammes,
wie vor einem Altare, auf ihren Knien
lag und für ihren ungläubigen Geliebten
betete. Ihre zu den Gestirnen der Nacht
erhobenen Augen, ihre mit Thränenperlen
der Liebe benetzten Wangen waren von
rührender Schönheit. Beinah glaubte ich,
sie dieser Erde entrückt und zum Him
mel emporsteigen zu sehen: Geister schweb
ten hernieder auf den Strahlen des Mon
des und leises Geflüster ertönte in den
Gezweigen der Bäume, eine dunkle
Ahnung beschlich mein Herz, daß Ata
a ein zu reines Wesen sei, um lange auf
dieser Erde zu wallen.
Ihre Thränen flößen so unaufhaltsam,
und ihr Schmerz war so unendlich groß,
daß ich ihretn Verlanger., zu entfliehen,
vielleicht nachgegeben hätte, als Plötzlich
wildes Kriegsgeschrei in dem Walde er
tönte, und 4 bewaffnete Feinde sich auf
mich stürzten: man hatte unsere Entfer
nung entdeckt und der Anführer den Be
fehl ertheilt, uns zu verfolgen.
A a a verschmähte es mit dem Stol
ze einer Königin, sich diesen Männern ge
genüber zu rechtfertigen oder auch nur
mit ihnen zu reden sie schleuderte ihnen
einen verachtenden Blick zu und begab sich
zu ihrem Vater.
Doch konnte sie Nichts für uns aus
richten. Man verdoppelte meine Wachen,
vermehrte meine Banden und entfernte
meine Geliebte.
Fünf Nächte waren verflossen, als wir
Apalachucla am
Ufer des Ch
ata
e-Flusses erblickten. Alsbald schmückt
man mich mit Blumen, malt mein Gesicht
blau und roth, heftet Perlen an Nase und
Ohren und giebt mir eine Ch ichikouö
in die Hand.
So zum Opfer geschmückt» ziehe ich un
ter dem Jauchzen der Menge in Apa
lachuela ein. Es war um mich ge
schehen, als Plötzlich das Zeichen auf .der
großen Muschel ertönte und der
oder Chefder Nation den Befehl zur Raths
Versammlung erließ.
Du weißt, mein Sohn, welchen Qua
len die Indianer ihre ^MgsLe^ngenM
unteyperfen. Christliche Mifßonaire hat-
*^i# *er3#fctater.
IS
*5.--
ly/v 0 M:
müdk'cher AuHdauer die Lehre zu verbrei
ten gesucht, an die Stelle des qualvollen
Scheiterhaufens eine gelinde Knechtschaft
zu setzen. Die Muscognlgenhat
ten zwar diese Sitte noch nicht angenom
men, doch ein großer Theil derselben sich
zu ihren Gunsten ausgesprochen. Dies
war der Grund, warum der Mi die
Aeltesten berief und man mich in die Ver
fammlung führte.
Nicht weit von A pal ach cl a er
hob sich auf einM^ nnsamen Hügel der
Sitz.der Rathsversammlung. Drei Säu
tonreihen bildeten eine in geschmackvollem
Baustyl aufgeführte Rotunde die Säulm
waren aus Cypressenhvlz gefertigt und mit
Schnitzwerk versehen sie nahmen an Hö
he und Dicke zu und ihre Zahl verringer
te sich/ jemehr sie sich dem Mittelpunkte,
welcher aus einem einzigenDfeiler bestand,
näherten. Von der Spitze dieses Pfeilers
liefen Streifen von Baumrinde über die
Köpfe aller Säulen und bildeten eine fä
cherartige Bedachung des ganzen Pavil
Ions. ....
Der Rath versammelt sich. Fünfzig
Greise mit prächtigen Biberfellen geschmückt,
lassen sich auf ihren Sitzen, das Gesicht
dem Eingange des Pavillons zugewendet,
nieder der Anführer sitzt in ihrer Mitte
und hält die zur Hälfte mit den Kriegsfar
ben gezierte Friedenspfeife in seiner Hand.
Zur Rechten der Greise sitzen fünfzig Frau
en, derenGewänder mit wallendenSchwan
federn besetzt sind. Die Kriegschef, den
Tomahawk in der Hand, Federn auf dem
Kopfe, Hände und Brust mit Blut ge
färbt, nehmen ihre Stellung zur Linken
„der Väter des Vaterlandes."
Am Fuße der mittlem Säule brennt
ein großes Feuer. Der erste Zauberer, von
acht Tempelwächtern umgeben, mit langen
Gewändern bekleidet und auf dem Kopfe
eine^ausgestopfte Eule tragend, streut wohl
riechenden Balsam in die Flammen und
bringt der Sonne ein Opfer. Diese drei
fachen Reihen von Greisen, von Matro
nen, von Kriegern, diese Priester, diese
Wolken von Weihrauch, diese Opfer ver
leihen dieser wilden Versammlung ein au
ßergewöhnliches, pomphaftes Ansehen.
Ich stand gefesselt mitten in der Ver-Io
Sammlung. Das Opfer ist vollbracht, der
Miko ergreift das Wort und setzt in für
zer Rede, die Gründe, welche die Versamm
lung zusammenführen, auseinander. Er
wirft ein blaues Halsband in den Saal,
als Zeichen femer'Ansichten, welche er aus
^gesprochen hat.
Darauf erhebt sich ein Sa chem von
der Abtheilung „der Adler" und spricht:
„Mein Vater Mieo, Sa.chemZs,
„Matronen und Krieger der vier Stäm
„me des Adlers, des Bibers, der Schlan
„ge und der Schildkröte! Ich bin der
„Meinung, daß wir an den Sitten un
„serer Vorfahren Nichts ändern!
„Verbrennen wir den Gefangenen und
„laßt unsere Herzen nicht davor zurück
„beben! Die Sitte der Weißen, deren
„Annahme man Euch vorschlägt, kann
„nur verderblich für uns fein. Gebt
„als Zeichen der Billigung meiner An
„sichten ein rothes Halsband!
„Das ist meine Meinung!"
Bei diesen Worten warf er ein rothes
Halsband unter die Versammlung.
„Nach ihm erhob sich eine Matrone und
„sprach:
„Mein Vater „Adler," Du besitzest den
„Geist eines Fuchses und die bedächtige
„Klugheit einer Schildkröte. Ich will
„zwischen Dir und mir ein Band der
„Freundschaft knüpfen und den Baum
„des Friedens pflanzen. Doch, laß uns
„die Gewohnheit unserer Vorfahren än
„dem, da sie nur Traurigkeit erzeugt.
„Lieber wollen wir Sklaven halten, wel
„che unsere FHer bebauen, als das Ge
schrei der Gefangenen hören, welches
„die weichen Herzen der Mütter unan
„genehm berührt."
„Das ist meine Meinung
Wie die Wogen des Meeres bei einem
Sturme aufbrausen, wie. im Herbste die
trockenen Blätter durch einen Wirbelwind
fortgerissen werden, wie das Schilfrohr im
Mississippi vor xiyM plötzlichen Wellen
schlag sich niederbeugt und wieperaufrich
tet, wie-ein Rudel Hirsche im Dickicht der
Büsche sein Geschrei erhebe so wogt und
tobt es in der Rathsversammlung. S a
che ms, Krieger, MatroM» schrien im
bunten Gewirr duuheinander^
Doch endlich trägt flle
Silg ygypG Wh W dw Al-
schluß, mich mit allen üblichen Quälerei
en zu verbrennen
Ein Umstand indes verzögerte meine
Hinrichtung: das „Fest der Todten" oder
vielmehr „der Serien" rückte heran. Es
iff ein uralter Brauch, keine Gefangenen!
während dieser heiligen Tage sterben zu
lassend Man übergab mich einer strengen
Bewachung, und ohne Zweifel entfernten
die S a ch die Tochterdes S ma g
a denn ich sah sie nicht mehr.
Inzwischen kämm die Volksstämme von
mchv als 300 Meilen in der Runde schaa
remveise herbei, um den Festlichkeiten bei
zuwohnen. Auf einem abgelegenen Pla
tze.hWe man eine große Hütte erbaut. Am
festgesetzten Tage grub jede Familie die Ge
beine ihrer verstorbenen Vorfahren aus
alle jScelette wurden dann der Reihe nach
und Familienweise an den Seitenwänden
dieseß „gemeinschaftlichen LeichenhauseS"
aufgespeichert. Ringsumher ertönte das
Sausen der Winde, (man hatte zur Feier
sturWsche Witterung abgewartet) das
Braysen der bewegten Wälder, das Dröh
nen j&er Wasserfälle, als die Greise der ver
schiedenen Nationen bei den Gebeinen ih
rer Päter ein Handels-, Kriegs-, und
Friedens-Bundniß schlössen.
Dann folgen die festlichen Spiele: der
Wettlauf, das Ball- und Knochenspiel.
Zwei Jungfrauen suchen sich eine Weiden
ruths, zu entreißen. Die Knospen ihrer
Busest begegnen, ihre Lippen berühren sich,
ihre..Hände halten die Ruthe hoch über
ihreNzKöpsm. Ihre schönen, nackten Bei
ne schlingen sich in einander, ihr süßer
Athem vermengt sich, sie scheinen fest ver
wachsen und ihr wallendes Haar verschlun
gen zu sein dann schauen sie fragend zu
ihren Müttern herüber und erröthen,
man ruft ihnen Beifall.
Der Zauberer redet alsdann zum i
ch äbon, dem Gotte der Gewässer. Er
erzählt von denKriegen des großen
gegen Kitchimanitou, den Gott
des Uebels, von dem ersten Menschen und
der schVnen A a e, der ersten der
Frauen, die aus dem Himmel vertrieben
wurde, weil sie ihre Unschuld verloren,
von dem Brudermorde, von dem gottlosen
ifcs keka, welcher den frommen Ta
honZ far on opferte, von der Wasser
fluth, welche auf Geheiß des großen Gei
stes aus den Wolken herntedersicl, von
Mashon, welcher allein in einem Canot
von Kork gerettet wurde und den Raben
zum .Auffinden von Land aussandte.
blyh redet er noch von der schönen
Endae, welche durch die herrlichen Ge
sänge ihres Gatten aus dem Reiche der
Schatten erlöst wurde.
Nach Beendigung dieser Spiele und
Gesänge trifft man Anstalten, um den
Gebeinen der Vorfahren für immer ein
Grab zu geben. Am Ufer des Chata
Uche-Wusses stand ein wilder Feigenbaum,
welchen die Verehrung des Volkes gehet
ligt hätte. Die Jungfrauen pflegten dort
ihre Gewänder zu waschen, fie an den
Zweigen des alten Baumes aufzuhängen,
um sie dem Luftzuge auszusetzen: an dieser
Stelle hatte man ein ungeheures Grab
mal aufgeworfen. Unter dem Gesänge
der Äidtenhymne bewegt fich der Zug aus
dem Leichenhause. Jede Familie trägt
die geheiligten Ueberreste der Ihrigen,
und selbst Kinder haben sich mit den Ge
beuten ihrer Väter beladen. Die feierliche
Prozession langt am Grabe an, senkt die
theuren Reliquien in die Gruft und berei
tet ihnen auf Bären und Biberfellen ein
weiches Lager. Bald erhebt sich der Grab
Hügel und auf denselben pflanzt man den
Baum „der Thränm und des ewigen
SchlÄfts."
k: Fortsetzung folgt,
bd
VI-:
eisefkizze
von
GalÄanach New-Ulm, Minnesota, 1857.
Von S. Ludvigh.
Fortsetzung.
Ms der Liste des Postmeisters über
zeugte ich mich, daß folgende Blätter nach
dem? kleinen g, von 1,500
Einwohnern, kommen:
Iowa Staatszeitung 20 Eremplare.
NewOorker Staatszeitung 16
CriPinalzeitung ..••. .12
Abend-Zettung. ..... 3
Neue Zeit ... ... 6
HochzvKchter 8
AtlMis......... 8
«„.# »4
5
tf Cmci^ati Republikaner 8
Pionier
Sache WyiyntHN MeM, da He BuHygtonMi Presse
We^WgengethM nfe, und dwVersaM«? RepuhUa
lung Acht im Begriffe M^ulöftn. DaZWort Demoüat
ist bei de» jimge« J«di«eria-
imtwemmmem
Rr. 4.
Columbus West Bote 1 Eremplar.
Illinois Staatszeitung 23
Anzeiger des Westens .44
Cincinnati Vollsfreund .18
©t LouiS Wochenchronik. 38
20
WahrheitSfteund
Herold des Glaubens S
Kirchenzeitung ..... 4
Seebote .... .... 4
Apologete 6
Und diesen füge ich noch sechs-und-zwanzig
Eremplare der „F a ck l" hinzu und er
suche Herrn Domschke—der wirklich cor
sarenmäßig das arme be
handelte—im Postamte zu Athen nachzu
fragen, wie viele auswärtige Eulen jähr
lich da hinein fliegen, urifc feinen Lefem
davon Kunde zu geben, zur billigen Recht
fertigung des Lesepublikums des kleinen
Abdera.
Dss Porto der in den Monaten April,
Mai und Juni nach Europa abgesendeten
Briefe betrug $23,29. In Poststempeln
$39,39. Baar bei Aufgabe der Briefe
$21,93. Registrirte Briefe wurden in
denselben Monaten fünf-und-dreißig ab
geliefert. Das Porto für Briefe aus En
ropa betrug $30,58.
In Clayton Co. sind viele Farmer, mei
stens Deutsche und der dortige Waizm und
die Gerste gehören zur besten Sorte. Die
Bauplätze von Gutenberg (der Name ist
als incorporirt) kosteten
bei Gründung $12,00 dann 20 und 25
jetzt ist der Preis von $50,00 bis
1,500. Die Größe der Lots beträgt 50
100 Fuß. Die ersten Ansiedler, zu
denen Herr rip ire gehört, hatten
mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen
und Vieles zu entbehren. Jetzt haben die
Meisten ihr Haus, ihren Garten und sind
frei von Nahtungssorgen. Das schönste
Haus an der Levee hat ein Maurer, Na
mens Albertus, gebaut. Die Mau
ern sind zwei Fuß dick, die des Kellers
5 7 Fuß. Erwähnt zu werden ver
dient, daß Albertus, sein Weib und seine
Tochter, ohne sonstige Hülse allein das
dreistöckige Haus gebaut haben. Zur Be
lohnung ließ'die schlummernde Vorsehung
den braven Maurer von einem sünf-nnd
dreißig Fuß hohen Gerüst fallen ließ ihn
jedoch auf erfreuliche Weife mit einer un
bedeutenden Verrenkung davon kommen.
„Wer hoch steigt, fällt hoch" bricht sich
aber im Falle nicht immer den Hals.
Das ist Gutenberg. Wird es auch nie
eine große Handels- oder Fabrickstadt, so
wenig als Egg Harbor oder irgend eine
durch Deutsche gegründete Colonie, so ist
es doch ein angenehmer Hafen für Solche,
die, der großenLaster und Verbrechen großer
Städte und der prekären Existenz des Pro
letariates neben dem Raubsysteme des
Lurus überdrüßig, sich nach einem einfa
chen, doch unabhängigen Leben sehnen.
Zum Abschied bewirtheten mich einige
Freunde in der Weinhandlung des Herrn
Van Staden mit Ungarwein und der
Ungar verließ Gutenberg mit angeneh
mern Eindrücken als wailand der Deut
sehe, der von dem Sande des Ufers ge
blendet eine wahrhaft rindslederne Schil
derung seinen Lesern zur Belustigung gab.
„Wollt Ihr Deutsche, daß man Euch
achte, so lernt vor Allem Euch selbst ach
ten"
Am 8ten September Gutenberg verlas
sen, an Bord begleitet von Ntklaus und
seinem Bruder, von Rodmann und dem
Ingenieur Brockman.
Nach einer Fahrt von zwölf Meilen ließ
sich der „War Eagle"—so hieß das Dampf
boot vor dem Städtchen Clayton,
Ja., nieder, wo eine Dampfmühle im
Gange ist und wo einige solide Gebäude
und Commissionshäuser das Embryo einer
gewerkthätigen Stadt bilden. Das Boot
war gefüllt mit Passagieren, die an zwei
langen Tafeln bei den dreimaligen Tages
mahlzeitm von dem guten Appetite auf ei
nen erfreulichen Gesundheitszustand schlie
ßen ließen, dessen ich bitte mich selbst, dem
lieben Gott sei es gedankt, seit zwanzig
Jahren ungestört zu erfreuen habe. Auch
hat es nie an Fleisch gefehlt, wmn gleich
oft an jener Sorte/ welcher ich besonders
gewogen bin. Lerne entbehren sagte
oft meine gute Mutter. Es ist dies für's
ganze 6eben eine herrliche Lehre und ich
habe mich oft überzeugt, daß man bei Käse
und Brod ganz glücklich fein und auch
im Ideale schwelgen kann....... ....
Z« April ,1858 führte mich meine Reise
wieder imnh Gutenberg wo ich mich «derzeugte,
daß F»tz ber «llWneinex trotz »er niedrigen
Preise der Produkte in de» nord-westliche« (Staa
ten, jirWr einzige Plätz ist, »o Gold und Silber
cirkulirt, indeß z. B. in Davenport einige^Tapi
talisten daS.Volk mit ihren Shinplapern deschwin-
Mi

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