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Minnesota Staats-Zeitung. [volume] (Saint Paul, Minn.) 1858-1877, October 30, 1858, Image 1

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asebingungen.
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Minnesota Staatszeituug* er-
scheint jeden Samstag.
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-Samuel Ludvigh, Publiker,
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MINNESOTA STATE GAZETTE,
Weeldy Paper,
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St. Paul, Minnesota.
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Slgenttu der „Minnesota -Staat-Leitung."
Minnesota.
Ncw-lllm und Brown County Fr. Forster,
St. Peter und Nicolet Cty W. Schimmel,
St.Anthony u. Minniapolis, Orth u. Knoblauch,
ChaSka Ch. Eder,
Carver St. Kult,
Shakopee W. Ch. Koch,
Mankato Ch. S. Marr,
Stillivater und Washington Cty Ch. Scheffer,
Hasting und Dakota Cty P. Schmidt,
Henderson Fr. Wiegand,
Winona und Winona Cty Hr. Fischer.
Wisconsin.
Milwaukee I. G. Kühner,
Sheboygan I. W. Blockt,
Racine S. Ritchie,
Watertown Ch. Schurz,
Mequon Dr. Wenze,
Iowa.
Guttenbcrg St. Holstein,
Dubuque Joseph Deggendorf,
Davenport C. Kaufmann,
Iowa City H. Spohrleder,
Burlington Ch. Mahlinger,
Fort Madison Hr. Schwachheim,
Keokuk Edmund Jacger.
Illinois.
Quincy Ph. I. Neuland,
Chicago die Herren Dobler und Erbe,
Peoria A Potthof,
Peru Fr. Kaiser,
Joliet Hr. Burky,
Ottowa Adam Schneider,
Belleville F. Grimm,
Rock Island I. Huber,
Galena Ch. Schümm,
Warsaw Apotheker stuckart.
Michigan.
Detroit I. Böhnlein,
Ann Arbor I. Bengel,
Monroe Dr. Dorsch.
Missouri.
St. Louis Blasius Ballmann,
Kentucky.
LouiSville W. Braunmüller.
Ohio.
Cincinnati
I Pflüger,
Hamilton 3 W Sohn,
Dayton Dr. Schulek,
Chillicothe Ch. Rosenfeld,
PortSmouth Jakob Basler,
Columbus Fassig,
Sandusky Bock^
Cleveland Jakob Tchroeder, Notar,
Toledo Philipps u. Co.,
New-Aork.
New-Iork Buchhändler Kleefisch,
144
Richmond
I
Dörflinger.
Grandstr.,
Do. Hr. Wiegand, 84 Springst».,
Troy John Rupp,
Rome Hr. Fassoldt,
Rochester John Heerdt, 149 Mount Hope.
Dunkirk Aug^ Peter.
New-Jersey.
Newark Hr. Felder.
Pennsylvanien.
Philadelphia W Thomas,
Pittsburg W. Meinhard,
Erie Hr. Hanleb,
Hollidaysburg Fr. OlmeS.
Maryland.
Baltimore Buchbinder Heyse.
Distrikt Columbia.
Washington E. Niedfeldt.
Virginia.
Süd-Carolina.
Charleston HH. Wolf u. Martin, 27 Marktstr.,
Georgia.
^lugusta Ch. Späth.
Louisianna.
New-,Orleans
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Tennessee.
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Connecticut.
New-Haven Ph. Koch,
Hartfort
Asu.ng,
Norwich Chr. Wind,
New-LondonI. XKmcuS.
Massachusetts.
Boston Hr. Dahl, 25 E. Doverstraße.
Indiana.
Indianapolis Alex. Metzger.
Terre Haut Lange, Csq.,
Madison Jos. Schnndt,
Aurora Hr. Bloom,
^awrenceburg Peter Brown,
EvanSville Hr. Milsch.
Kaltformen.
San Francisco Karl Senderich.
A
Paulus von Frommenhausen.
Von Dr. Ernst Bitter.
Fortsetzung.
Da Frommenhausen auf diese ihn wenig
interessirenden Auseinandersetzungen noch
immer nichts vorbrachte, fuhr der Redner
fort: „Sie wundern sich vielleicht über die
heut zu Tage ungewöhnlichen Namen
meiner Kinder. Die Welt gefällt sich
freilich jetzt nur in selbstgebildeten, frivo
len, romanhaften und heidnischen Namen.
Ich aber habe die Namen meiner Nach
kommenschaft der heiligen Schrift entlehnt,
um der Welt zu zeigen, daß mein Haus
Christum lieb hat. Doch ich erzähle
nur von meinen unbedeutenden Familien
angelegenheiten. Verzeihen Sie, werthe
ster Herr Vetter. Wie geht es Ihnen?
hoffentlich recht wohl?"
„Das eben nicht," versetzte der Dorf
junker trocken, „und eben weil mir eine
Verbesserung meiner Lage nothwendig
scheint, habe ich mir die Freiheit genom
men, zu Ihnen, Herr geheimer
„Bitte, bitte," fiel ihm der Staatsmann
lächelnd in's Wort, „tituliren Sie mich
nicht. Für Sie bin ich nur ein aufrichtig
wohlmeinender treuer Vetter. Und was
Ihre Lage betrifft ich begreife. Es
drückt Sie der Wunsch, den Sie schon
früher einmal gegen mich auszusprechen
die Gewogenheit hatten. Seien Sie ohne
Sorgen. Ich stehe mit Leib und Seele zu
Diensten. Es ist Christenpflicht, seinem
Nächsten, zumal seinen angesehenen, theu
ern Verwandten vom Stande zu helfen,
wo es möglich ist. Sie dürfen sich nur
äußern, so wird es mir Vergnügen ge
währen, alle Minen zu Ihrem Vortheile
springen zu lassen. Offenbaren Sie sich
mir mit vollem Vertrauen. Reden Sie.—
Ihr Kinder mögt Euch in's Vorzimmer
begeben."
Die Kinder gehorchten. Frommenhau
sen fing an, sein Herz auszuschütten, und
sein einflußreicher Verwandtersei es,
daß des Armen blasses, zerstörtes Gesicht,
oder dessen wiederholte Besuche ihn rühr
ten schien ihm leutseliger und theilneh
mender als sonst zuzuhören.
„Werthestcr Herr Vetter," nahm er das
Wort, nachdem dieser geendet hatte, „ich
wiederhole es noch einmal, daß Sie von
meiner innigsten Freundschaft und unbe
gränzten Ergebung völlig überzeugt sein
können. Alles, was ich habe und ver
mag, steht zu Ihren Diensten. Ich bin
ganz offenherzig und muß Ihnen gestehen,
daß Ihre Relegation und so manche an
dere Umstände, sowie der gegenwärtige
Mangel an Vakanzen im Wege stehen.—
Aber ich darf mir wohl die Behauptung
erlauben, daß man ein Talent wie das
Ihrige nicht unbenützt lassen wird.
Kommt einst ein passender Zeitpunkt, so
werde ich gewiß Alles, was in meinen ge
ringen Kräften steht, mit Freuden für Sie
thun. Sie dürfen die schönsten Hoffnun
gen nähren. Ich glaube Sie nächstens
als einen angesehenen Staatsbeamten be
grüßen zu können. Vor der Hand ist nur
Geduld nöthig. Daher lassen Sie uns
von dem Kapitel abbrechen und noch ein
Stündchen in Heiterkeit von andern Din
gen schwatzen. Ein Gläschen Wein mag
Ihrem Frohsinne zu Hülse kommen."
Er klingelte und befahl dem eintreten
den Diener einige Flaschen aufzutragen.
Hierauf nöthigte er seinen Verwandten,
ein Paar Gläser zu trinken, und unterhielt
den Wortkargen, Jnsichgekehrten mit tau
senderlei kleinen Artigkeiten und Erzäh
lungen, bis er zuletzt, unwillig über das
kurzangebundene Benehmen seines Gastes,
sich erhob und dadurch ihm ein Zeichen
geben wollte, ebenfalls aufzustehen und
die Thür zu suchen. Aber dieser war in
seinem Aerger kühn genug, den Wink nicht
verstehen zu wollen. Die kalten Verspre
chungen des Hofmannes, die nichts als
eine Variation jener leeren Beileidsbe
zeugungen, zu sein schienen, welche er heute
so oft aus seiner andern Patrone Munde
gehört hatte, ergriffen ihn weit schmerzli
eher, als eine einfache abschlägliche Ant
wort. Die schreckliche Wahl zwischen Sein
und Nichtsein, zwischen Reichthum und
Schuldenqual trat ihm vor die Seele.
„Es möge mir vergönnt sein," sprach
er, „noch einige Worte in Beziehung auf
meine Angelegenheiten zu reden und dabe!
mich ebenfalls offen aussprechen zu dür
feit."
„Mit dem größten Vergnügen," war
die Antwort.
„Ihre Mundschaftsversicherungen,"
fuhr innigen Aan-
Nedlgilt und
Grfter Jahrgang St. Paul, Minnesota, L-a»nstag, den 3«D. OktoI»er IMS.
kes werth, aber ich habe von Allen, denen
ich mich bittend nahte, ähnliche gehört und
schließe daraus, daß sie auch bei Ihnen
einer freundschaftlichen Zurückweisung
gleich sind. Und doch bin ich ein in jeder
Hinsicht zerrütteter Mann, wenn sich Nie
mand für mich verwenden will. Mein
Leben steht auf dem Spiele. Ich bitte
wegen metner freien Rede um Verzeihung.
Aber ist irgend noch ein Weg ausfindig zu
machen, mich dem meiner unwürdigen
Elende zu entreißen, so beschwöre ich Sie
bei Allem, was Ihnen heilig ist—"
Rührung, Aerger, Entsetzen ließen ihn
nicht weiter reden. Es mochte auf seinem
Antlitze eine so starre Verzweiflung ficht
bar sein, daß selbst das alte, seit vielen
Iahren „für die menschliche Schwäche des
Mitleids" verschlossene Herz des Staats
mannes einigermaßen ergriffen wurde.
Stillschweigend schaute der Gewaltige die
Jammergestalt einige Minuten an, schob
filmend sein braunes Stubenmützchen auf
dem weisen Haupte hin und her, fuhr tn
halber Verlegenheit mit der Hand über die
Stirn und sprach, nachdem er plötzlich ei
nen heldenmüthigen Entschluß gefaßt zu
haben schien, mit ernster Miene: „Es sei,
lieber Vetter. Ich empfinde aufrichtige
Theilnahme, und da Sie einmal darauf
dringen, daß ich Ihnen reinen Wein ein
schenken soll, so will ich Ihnen ganz un
verhohlen die wahre Sachlage aufdecken.
Sie können aus tausend Gründen auf
keine Anstellung rechnen, auch wenn Sie
Ihre vermeintlichen Gönner noch zwan
zigmal besuchen. Dennoch bleibt Ihnen
noch ein Weg übrig, der sicher zum Ziele
führt, wenn Sie sich nämlich entschließen
wollen, ihn zu betreten."
„Welcher? Um Himmelswillen wel
cher?" rief Frommenhausen tief aufath
mend, und vergaß, das er durch seine Un
terbrechung unhöflich wurde, „verlan
gen, befehlen Sie, was Ihnen beliebt, ich
bin zu Allem bereit. Soll ich Serenis
simo einen Fußfall thun? Ohne Beden
ken. Demüthigung vor dem Landesfür
ten schändet auch den höchsten Edelmann
nicht. Soll ich noch in den Studien
irgend einer Wissenschaft mich vervoll
kommnen? Rechnen Sie auf meinen
Eifer und mein Geschick."
„Nichts von alle dem," erwiederte lä
chvlnd der Staatsmann „es ist etwas
viel Leichteres, und damit ich es Ihnen
mit kurzen Worten sage: Sie müssen
glauben lernen.
Glauben? ich verstehe das nicht,"
sprach Frommenhausen erstaunt, „und
bitte ergebenst um Erklärung."
Die soll Ihnen werden. Jeder Staat
nämlich, der festen Bestand haben soll,
muß auf dem Christensinn seiner Glieder
basirt sein. Wo Religiosität fehlt, fehlt
der Glaube an die göttliche Ordnung der
Obrigkeit wo dieser Glaube fehlt, findet
sich keine Achtung vor dem Landesherrn,
und wo diese Achtung mangelt, cristirt
kein Glück. Das, monarchische Princip
wurzelt in christlichem Boden, und die das
erstere angreifen, kämpfen stets zugleich
gegen den Glauben der Erlösten. Ein
Staat von Ungläubigen ist eine Heerde
wilder Büffel, die sich unter einander sto
ßett und tödten. Darf aber der Glaube
schon den Unterthanen nicht fehlen, so läßt
er sich noch weniger bei den Beamteten
vermissen. Ich halte es für die größte
Sünde, zur Anstellung eines Unwiederge
dornen beizutragen. Ist die Gnade ein
mal bei Ihnen zum Durchbruche gekom
men, so werden wir Sie mit offenen Ar
men aufnehmen. Wohlverstanden! unter
dem.Glauben meinen wir nicht die An
sichten über das Christenthum, die sich tn
unfern gottlosen Zeiten selbst bei den söge
nannten aufgeklärten Geistlichen, bei den
rationalistischen Atheisten und Naturalisten
finden, sondern die Wahrheiten, welche in
den symbolischen Büchern unserer Kirche
ausgesprochen sind, den Glauben an den
fluchwürdigen Zustand des Menschen seit
der Erbsünde und an die Gnade, die wir
durch Christi Blut erlangen."
„Offen gestanden," erwiederte From
Ittenhausen, „bedarf ich auch mehr Glau
ben. Der Mangel daran raubt meinem
Dasein oft allen Reiz. Aber jene recht
gläubige Lehre, die Sie eben erwähnten,
kommt mir ein wenig sehr— vernunft
widrig vor."
„Ei, ei, Sie verunglimpfen ja dadurch
die Bibel, welche diese Lehre vorträgt, und
daß ist^eben ihr höchster Vorzug, daß sie
nicht mit der blinden, verkehrten Menschen
Vernunft übereinstimmen. Diese Dishar
monie ist der sicherste Probirstein der
Christlichkeit eines Dögma's. Was, Ver
Zunft! Solqnge Ste, nach dem gewöhn­
lichen, fleischlichen Sinne vernünftig. sein
wollen, eignen Sie sich weder zu einem
evangelischen Christen, noch zu einem
Staatsbeamten."
Dem unwiedergebomen Landjunker ka
men freilich tiefe orthodoren Behauptun
gen sehr frappant unvernünftig vor. kx
schwieg staunend einige Minuten. Doch
so durchaus sündhaft er auch war, so war
doch stets ehrliche Offenheit einer seiner
Vorzüge. „Ich gestehe sprach er, „daß
ich mich in diese Grundsätze noch nicht
recht finden kann. Meine theologischen
Coätaneen auf der Universität behaupte
ten: wer seine Vernunft verdamme und
so das schönste Theil seiner MenfcheNürde
aufgebe, müsse confequcntcr Weise auch
Heu essen und auf vier Beiiten gehen.
Doch sei dem, wie ihm wolle. Auch wenn
ich den besten Willen mit hinzubringe, so
paßt doch der empfohlene Glaube schwer
lich zu meiner Denk- und Lebensweise.
Ich kann nicht leugnen, daß ich bisher
Vieles gethan habe, was besser ungesche
heu geblieben wäre."
„Heil Ihnen, werther Vetter," rief der
Staatsmann freudig „Erkenntniß der
Sünde ist der erste Schritt in den Tempel
des wahren Glaubens. Der Herr wird
in Ihnen das angefangene. Werk weiter
fortzuführen wissen. Ueberlassen Sie sich
ganz dem Zuge seiner Gnade. Doch ich
vermag nicht jetzt Ihnen unsere Glau?
benswahrheiten auseinanderzusetzen, was
überdieß vergeblich wäre, ta ein Üner
leuchteter sie so wenig begreift, wie ein
Karpfen das ABC. Hier gilt es Selig
keit oder Verdammniß und auf Erden
ein schönes Amt, oder kein Amt u. Schul
den. Wählen Siel Wollen Sie das
gute Theil erfassen, so hören Sie nicht aufl
mit vielen Thränen und tiefster Zerknir
schung Gott um Erbarmen und Erleuch
tung anzuflehen. Besuchen Sie fleißig
die frommen Versammlungen der Glau»
bigen, von den Profanen Conventikel ge
nannt in den Kirchen wird oft nur
deistisches Menschenwort gepredigt. Lesen
Sie fleißig in der evangelischen Kirchen
zeitung, im grauen Manne, im homiletisch
liturgischen Correspondenzblatte und in
andern gläubigen Schriften und der Herr
wird das Uebrige thun. Dies mein Rath,
mehr sag' ich nicht."
„Innigen Dank für das ausgezeichnete
Wohlwollen," anwortetete Frommenhau
sen. „Nur die eine Frage erlauben Sie
noch: wird nicht auch nach Annahme des
rechten Glaubens doch meine Relegation
und manche andere Privatangelegenheiten
meiner Förderung hindernd in den Weg
treten?"
„Verlassen Sie sich auf mich," war die
Antwort, „ein Staatsmann weiß stets,
was er sagt. Ist einmal das Haupter
sordemiß im Punkte des Glaubens vor
handelt, so wiegt alles Andere nichts in
der andern Wagschale. Ich gelte etwas
im Staate. Und wenn Sie Judencpn
vertit wären, ich wollte Sie zum Professor
der Theologie machen. Dixi j"
Frommenhausen empfahl sich dem mäch
tigen Vetter mit vielen aufrichtigen Dank
bezeugungen. „Wenn man," fprach er
unterwegs zu sich selbst, „mit einer tüchti
gen Dosis Glauben jährlich.einige tausend
Thaler sich einhandeln kann, warum sollte
ich nicht zugreifen? Binnen vierzehn
Tagen, wenn ich die Glaubensformeln
einigermaßen auswendig gelernt habe, will
ich damit aufwarten. Glauben ist leich
ter als Denken und Studiren, es ist ein
sehr unschuldiges Mittel. Um einer
Krone willen, sagt ein Held Shakespeare's,
schwür' ich tausend falsche Eide warum
sollte man nicht um einer schönyt Stelle
willen sich mit einiger Orthodoxie bepak
ken! Mein Herz ist erleichtert, die Sor
gen ziehen aus und sollen dem einträgli
chen Vetterglauben Platz machen. Wer
Schulden hat und ein einträgliches Ein
kommen erhält, glaubt aus Erkenntlichkeit
gern Alles, was verlangt wird."
So gottlos dachte der Unglückliche noch,
als er über des einflußreichen Petters
Schwelle trat und denuoch ward er nach
einiger Zeit durch und durch und von
ganzem Herzen rechtgläubig. 30er sollte
nicht hierin erkennen, daß der Herr es ist,
der durch seinen Geist oft plötzlich das
verlorne und verdammte Meyschebherz be
kehrt, und daß dazu der Eigenwille oder
die weltliche Weisheit des Ünwiedergebör
nen nichts beiträgt? O, der Herr führt
seine Heiligen sehr wunderlich Purch
Noth, Elend, Sünden- und Schuldenlast
Hhtt er sie zum Kreuze und Alles, WS
ttitr irgend will, muß ihm zum Mm-
u3n
rs vi
ICl 1 1 5 Jv
ivim
es scheint, selbst noch yicht völlig ,im Lichte
det Gnade und dennoch mußte er nach
Gottes Fügung der Leuchter sein zur Auft
findung eines verlyrnen Groschens.
FsqmMnhausen machte sich aus niederen,
itdischen Absichten. mit dem Worte vom
Kreuze bekannt und. es eroberte doch mit
Gewalt seine Seele. Er ging aus, um
seines Vaters Esel zu suchen und fand
eine Krone, die Krone des Himmels.
Christus kirrte ihn mit, jDpr Lockspeise
fleischlichen Gewinnes erst *m sich und gay
ihm dafür lebendiges Wasser, da^da quillt
in's ewige Leben, WundMich führt et
die Geinigen^.'Daruml Hr- Dlige^
lasset euch, wMN. kein anderer Ausweg
offen steht, durch keinen Spott der ver
ruchten Baalspriester und Aufklärer ab
halten, ein und das andere irrende Schaf
durch das Vorweisen irdischer Vortheile
in den rechten Schafstall Christi zu locken.
Lasset euch nicht abhalten, euer Confekt,
wie ihr's bisher zuweilen thatet, in Zucker
düten von Traktatchenpapier zu wickeln
und dadurch den rechten Glauben an ven
Mann bringen. Der Herr wird euer
segnen.
Vierte« Kapitel.
Frommenhausen unterließ nicht, tm
nächsten BuHladen die ersten Jahrgänge
und die laufenden Nummern der evange
tischen Kirchenzeitung, die Krummacher
schen Predigten und anderes ähyliches,
nahrhaftes GkaubtnMod sich zu kaufen.
Er packte die Worte des ewigen Lebens in
ven Mantelsack, der noch kurz vorher ein
indirektes Beförderungsmittel seines zeit
lichen und ewigen fcodes werden sollte.
Und wahrlich! es war, als ob ein unbe
greiflicher, göttlicher Segen von Stund an
ihn begleite. Er, der noch vor Kurzem
vtfm wildesten Seelensturme erschüttert
wurde, war, als er von der Hauptstadt
aus seiner Vaterburg wieder zutrabte, so
heitern und leichten Herzens, wie es nur
immer ein natürlicher Mensch sein kann.
Ja, der geheimnißvolle Segen, der von
der Kirchenzeitung und ihren frommen
Schwestern aus dem Mantelsacke strömte,
offenbarte seine Wunderkraft auf noch ek
latantere Weife, sobald unser Freiherr tn
der Heimath anlangte. Denn das Erste,
was seine Gattin nach den nöthigstcn Be
grüßungen meldete, war, daß ein Bote
mit einem Briefe angekommen sei und den
Tod einer entfernten Tante verkündet habe.
Frommenhaufen erbrach hastig den Brief
und fand, daß er und fein Bruder Wil
helm von der guten, feligen Schwester
seiner Mutter'zu Erben der ganzen Hin
terlassenschaft eingefetzt worden seien. Das
Erbe war bedeutend genug, um alle Schul
den zu decken und der Zudringlichkeit der
Gläubiger zu wehren.
Freude war das erste Gefühl, welches
sich des geplagten Edelmanns bemächtigte
und dem Ueberbringer der Trauerbotschaft
ein splendides' Trinkgeld verschaffte.—
Trauer über die gute entschlafene Tante
war das zweite. Er weihete ihr in tiefer
Betrübm'ß die nöthige Zahl Thränen und
noch vor Ablauf von vier und zwanzig
Stunden waren die ämsigen Hände meh
rerer Schneider geschäftig, tiesschwarze
Trauerkleider zu fertigen.
Wunderbar, wir wiederholen es noch
einmal voll freudigen Staunens, wunder
bar sind die Führungen, durch welche so
mancher ewig verlorne Sünder zum ewi
gen Heile geleitet wird. Der Wege, die
der Herr hierbei einschlägt, sind unzahlige,
sind so viele, als der Wiedergebornen selbst
sind. Den Einen erweckt er auf die, den
Andern auf eine andere Weift aber Alles
schaffet und wirket. derselbe Geist, denn,
sagt ein großes Licht der Kirche, in der
ganzen Geistexwelt iirptet Gott nur das
was er gAet hat. —. Wer aus Frommen
hausens Geschichte nicht sieht, daß der
alleinseligPachende Glaube nur tn den
Schriften Hngstenberg's und anderer
^Gleichdenkender zu finden sei, der bleibt
ewig bltnfc.^ ^MWphausen selbst we
nigstens sy sehr er auch jetzt noch von der
.Pest ppr.EMnde MgKet war, erkannte
(vielleicht durch eHHomeytanes Anstrah
len des göttlichen Heistes), daß seine Hei
terkeit bei dejr vj^n djer. Pesidenz
und seine mteraariete Rettung 'durch die
Erbschaft M^W^Kchste göttliche Äe
stätigÄtg deMenSvpW^chSten
fjV .• .:"ji j? ...
HM-
Jetten »ai^ nffl^e ji^'Ääntetfacfra^
Er hatte nun zwar jliU mtfyc nöthig, jich
um ein (Etaaisarnt zu erwerben und sein
wiederirwachöer fleischlicher Stojz verab
scheuete je^t sogar dey Gedanken, sich, wic
(ii fit Anderer zu
begehen» ^ÄM^W^MraMe geistlHe
Speise wöNe er doch nicht unv^ucht las-
sen,Denn, flüsterte^ ihm sein unwieder
gebo^nes Herz zu, etwas Glauben bedarf
ich allerdings und es wsire Schade, wenü
das Geld für die Zeitungen und Bücher,
umsonst ausgegeben wäre. I
Kurz, er ergcmn die gläubigen Schristet^
zu lesen, zuerst aus Neugierde, bald rni|t
Interesse. Vor dem warmen Himmels?
strahle, der aus ihnen hervorglänzte,
schmolz
allmählig das Eis des Unglaubens. Un
yennbare Rührungen bemächtigten sich
Wwxilen seines Innern, wie er sie nie tri
seiyem. frühem Sein verspürt hatte. Er
yerqchtete nicht mehr die evangelische Lite
tatur und verspürte immer mehr die Kraft
Gottes, selig zu machen Alle, die daran
glauben. Er verspottete nicht mehr die
Lieder des alten in Tarsau üblichen Ge
sangsbuchs, weil sie viel körniger und ein?
dringlicher die Heilslehren predigen, als
die modernen Leierchoräle voll Tugend^
stolzes und schaler Tugendgebote. Er
lachte nicht mehr über das alte herrnhuti-
sche Gesangbuch, das seine selige Mutter
aus der Verlassenschaft einer verstorbene^
Verwandten überkommen und fleißig durch
lesen hatte denn je mehr er sich in die
Tiefen des frommen Gefühls ^versenkte
das darin weht, desto mehr siel es ihm
wie Schuppen von den Äugen, desto mehr
kam er zur Einsicht, daß gerade in diesem
herrlichen Buche die alleinseligmachende
Lehre vom Mittlertode mit rührender In?
nigkeit und gottbeg^istertem, poetischem
Schwünge vorgetragen fei,,, Er betete
nicht mehr, wie sonst in seiner Kindheit,
pt Tugend, Thatkrast und Klugheit, fon
dern um Erkenntniß seiner schrecklichen
Sündhaftigkeit und um einfältigen Sinn.
Mit wenigen Worten: er empfand nach
und nach, wenigstens in gewissen Zwi?
schemäumen, daß eine höhere Hand ihn
auf den Weg des Heils leite, den ihr Alle,
meine Leser und gläubige Brüder in Christo,
gewandelt seid. Er fühlte immer mehr
einen himmlischen Frieden in sich aufblü
hen, den uns die Welt nicht geben kann
eine unbeschreibliche Seligkeit, die aus
fleischlichem Wissen und Erdenvergnügun
gey nicht hervorfließt,.
Fortsetzung folgt..
Erdbeben, ihre Ursachen und Wir?«
uitqen. Stehen im Zusammenhange
mit Vulkanen
Von Hermann Burmeister.
Unter allen Naturerscheinungen, die den
Menschen mit Schrecken unv Angst erfüllen,
die Allgewalt der im Verborgenen wirken
den Naturkräfte offenbaren, und ihm in sei
ner Ohnmacht solchen Kräften gegenüber
zeigen, sind die Erdbeben die großartigsten
und ergreifendsten denn sie vernichten in
einem einzigen Moment volkreiche Städte
mit ihren Bewohnern, senken Ebenen in
die Tiefe, treiben Berge aus ihnen hervor,
und ergießen aufgethürmte Wogen über
das wehrlofe Festland. Alles zerstörend, was
der Mensch im Schweiß seines Angesichts
seit Jahrhunderten mühsam auf ihm sich
^werben und von Geschlecht zu Geschlecht
fortgeerbt hat. Deshalb sind sie mit Recht
die gefürchtetsten aller Schrecknisse, furcht
barer als Feuers- und Wassersnoth. furcht
barer noch als beide mit Stürmen vereint,
wenn die tobende Windsbraut sich der
Flammen bemächtigt, oder schaumendeWel
len über die Ebenen treibt denn stets
ist die Z?r^?ning, welche diese Elemente
anrichten, eine mehr örtliche, auf kleinere
Flachen beschrankte. Aber die Erdbeben
durchzucken mit einem Male ganze Pro
vinzen. zerstören mit einem einzigenSchlage
die größten Städte, und begraben Tau
sende zü gleicher Zeit unter ihren Trüm
mern. Nie hat eine FeUersbrunst, eine
Wassersnoth, oder ein Orkan 40.060 Men
schen ans einmal getödtet, wie 1794 am 4.
Februar das große Erdbeben, welches
Quito zerstörte, oder 1755 bei dem Erd
beben, welches vom 1. November ätt ts
sabOtt verheerte, und wobei 24,000
Mmschen umkamen. In Ec^labrien
rechnet man dem großen Erdbeben vom
Februar 1783 über 30,000 Todte das
Erbeben zu Caracas am 26. März
1812 begrub 10,000 durch Vorangegan
gene leichtere Stöße söchlvS gewordeite
Einwohner unter den Trümmern der
Stadt.
Phänomene von so gewattigen Wir
tüngm könnm nicht ohne Einfluß sAn^auf
die Gestaltung der Erdoberfläche, und da
'Vir
gehörtea^as Erd^ben in Tos
«M »m-14 »nv die große Urdptio« des
HMa fnt de« 2^ Tepteckber Ms. Ii« Devtsch
landwurden WöWerSM MW.
ZMWtig erschüttett. B«gl. die Schiisteit «on
Rögtz-rath (baS ^dbebe«. v. -29. Zu«.
8^* lSITvii) »i»*» fgiret (das Erdbeben
wd MeMchelmWge»,
f| Ciiii U-
.'.ngjlidjtb TJ
:r
.6
j^jp Iii 'J
tfJraqim
15
mm
unter, allen bisher betrachtete^
zungsursachm die Erdbeben ^ffel^har ^tzie
großartigsten sind, so. werden wir schon
jdeshglh ihnen eine Hauptrolle in, dM Re
volutiottsepochen zuerkennen müssen^ Von
.ihrer Äedeutung in diesen werden wir
aber nur dann eine klare Vorstellung ge
Winnen-können, wenn wir ihre Wirkungen
in gegenwärtiger Zeit genauer kennen ge
lernt haben.
Die Bewegungen des Bodens, welche
wir mit dem Namen von Erdbeben bele
gen, zeigen eine dreifache Verschiedenheit,
und sind theils stoßsörmige, theils
we II enför mi e, theils bei de.
Wie verschieden in sich diese drei Bewe
gungen auch sein mögen, dennoch scheint
keine allein ejn Erdbeben von irgend Deiner
Bedeutung zu bilden, vielmehr in jedem je
nach den verschiedenen Standpunkten der
Beobachter die eine oder die andere Bewe
gung sich gleichzeitig kund zu geben.' Klei
ne, einfache Schwankungen des Bodens
verrathen sich gewöhnlich unter der Form
von Wellenbewegungen einzelne isolirte
doch oftmals ziemlich heftige Bewegungen
scheinen von senkrechten Stößen herzurüh
reit, und in einem einmaligen Auf-und
Absteigen des Bodens mit nachfolgenden
leichteren Erzitterungen zu bestehen. In
jeder großartigen und gewaltigen Erder
fchüfterung aber zeigt es sich deutlich, daß
in der Gegend. der heftigsten Einwirkun
gen hie Bewegung einem drehenden Wtr
bei gleicht, der den einfachen Hauptstoß
umgibt. Und von ihm aus sich wellenför
mig nach allen Seiten in die benachbarten
Umgebungen fortpflanzt. So war es
namentlich bei den gewaltigen Eruptionen,
die &alabrien und Lifabon zer
störten.
Daß Erdbeben von unterirdischen, nach
oben drangenden Gewalten herrührend, ist
keinem Zweifel mehr unterworfen auch
ergiebt sich aus dieser Art ihres Urfprun
ges von selbst die schon erwähnte Verschie
denheit der Bewegungen. Geht die drän
gende Kraft, fenkrecht nach oben, von
gleichmäßig leitenden Erdschichten fortge
pflanzt, so wird das Resultat derselben ei
ne einfache aufstoßende Bewegung sein
müssen, die in dem ganzen erschütterten
Erdstrich um so weniger sich fühlbar macht,
je weiter der getroffene Punkt von derjcni
gen Stelle, auf welche der Stoß senkrecht
wirkte, entfernt ist. In einem solchen
Falle läßt sich um die Bewegungen ein
Kreis oder eine Ellipse zeichnen, innerhalb
welcher sich der Landstrich befindet, auf
den der Stoß seine Wirkungen äußerte.
Diese Fläche bildet den Erschüfe
rung'skreis, und seine Bestimmung,
Größe, Ausdehnung und Lage zu benach
barten Umgebungen, zumal Gebirgen,
ist wichtig, wenn man Erdbeben mit wis
senschaftlicher Schärfe feststellen und.ihre
Beziehungen zu anderen Erscheinungen
abwägen will. Aber nicht alle Erdbeben
wirken in dieser Art viele zeigen sich bloß
einseitig in einer bestimmten Richtung, und
werden innerhalb dieser Richtung eben
falls mit verschiedener Intensität beobach
tet. Solche Erdbeben haben immer eine
wellenförmige Bewegung, und bringen
durch dieselbe höchst merkwürdige Wir
fangen hervor. Während nämlich bei
senkrechten Stößen, und noch mehr bei
Wirbelbewegungen, die Oberfläche.und
besonders die auf ihr befindlichen Gebilde
des. menschlichen Kunstfleißes, vollständig
zertrümmert zu werden pflegen, sobald der
Stoß mit irgend einer genügenden Heftig
feit wirkte ist es bei gradelinig fortschrei
tenden Wellenbewegungen häufig, und
auch einläuchtend, daß senkrecht gegen die
Stoßlinte stehende Gegenstande zertrüm
mert werden, während die ihr D^.yden
oder parallelen unversehrt bleihey^. PM
^hatsacheist^wichtig für
welche aus den Wirkungen^ auf' pie, Ursa
chen u. Richtungen der Bewe^un^en
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ßm müssen denn es gieht ihnen Äe Un
tersuchung der Trümmer ein Mittel an die
Hand, zunächst die Äichtung und bann
vielleicht auch die Ursache zu erkennen.
Auch die bloße Beobachtung des Bodens
kann dies leisten, wenn derftlbe zertrüm
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Heftigen Erdbehen
Liegen die entstqnhenen Spalten"para!lel
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