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New Ulm Post. [volume] (New-Ulm, Brown County, Minn.) 1864-1933, February 06, 1914, Image 5

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'mrnmrnwsm
Gräfin life.
Hrinnnal-Roman von Fritz Friedman«.
(10. Fortsetzung und Schluß.)
Sit der sonnenbeglänzten See, in
t^il*n grünen Buchenwäldern Neu-
IlvJcUtimSv im innigen Verkehr mit den
pießen Menschen und mit ihrem holden
--Kindchen, erblüthe unterdessen Alicens
Jugend auf's Neue. Längst hatte die
Btöffc ihres Gesichts frisch keimender
Rythx Plgß gemacht, längst hatten die
«trä^menschenAugen jenen hellen, leuch
tenden Glanz wieder angenommen^ der
einst das Entzücken ihrer Mutten ge-i
i...'
gangenheit waren vertrieben durch die
Veghaften Strahlen der Kustensonne,
als ^Mckendorf an einem sonnig heite
ren'ÄMtage dty MchM^ von, der
bevorstehenden Ankunft Egons erhielt.
Es zlag ein halb ängstlicher, HM glück
fichet Ausdruck in Erikas Zügen, als
fit.
am Abend dieses Tages zum
Guten" .Nachtgruß Alicens Stirn
Mite,
„Laß Dir etwas recht Süßes trau
men, mein liebes Herz", sagte sie zärt
lich scherzend, „und sieh morgen früh,
ivenn Du erwachst, recht weit hinaus
auf die blaue See. Wer weiß, was
die Wellen an's Land spülen!"
Alice sah ihre Freundin ängstlich
fragend an. Sie ahnte, daß ihr etwas
Neues bevorstände, und sie hatte die
Scheu vor allem Fremden, Unbekann
ten noch immer nicht verloren. Und
zum. ersten Mal seit langer Zeit
trat Ms Bild jenes Mannes vor ihre
Angin, den sie nur zweimal in bitter*
schweren Stunden ihres Lebens gese
Wen hatte.
j\ Am nächsten Tage hatte :der kluge
Iöerr von Seckendorf die Damen nebst
^WeillÄn' lttGe per Wagen über Land
'/Beschickt da schritt eine kräftige
Männergestalt über die Mole dem Ho
M' „Zum Kronprinzen" zu. Durch
IfibaS reichgelockte braune Haar des An»
kömmlings zog sich seltsam ein schnee
iweißer Streifen aber das Angesicht
ff »af gebräunt, kräftig und lebensfrisch.
j| N@gön Wildau hatte5 die Schatten der
r. Vergangenheit überwunden,
fcj Herr von Seckendorf war fernem
Freunde entgegengegangen. Die Be
grüßung der beiden Männer athmete
^ie-vollste herzlichste Achtung und Lie
be äb»r nach Männerart genügte ein
treuer und forschender Blick die Au
gen, ein kräftiger Händedruck, ein leises
Vibriren der Stimme bei dem ersten
Begrüßungswort, um Dem Ausdruck
I zu geben, was Beider Herzen beherrsch
I te. Wenige- Minuten später standen
isie sich, bereits in ernstem Gespräche
tz- über allgemeine Dinge gegenüber, wäh
tend die blatten Wolken der Cigar
ren sich zu dem Rebenläub der Ve
'randa emporkräuselten, auf der sie
saßen.
Um acht Uhr erschien der sogenannte
Oberkellner des Hotels, um die Gäste
zur bescheidenen Abendtasel zu rufen.
Mit einem erleichterten Aufathmen,
weil die bevorstehende Begegnung
Egons mit den beiden Frauen dadurch
auf einem harmlosen Terrain
statt-
finden mußte, begrüßte Seckendorf die
pfc-altgewohnte Einladung und betrat,
vertraulich seinen Arm um die Schul
ter des Freundes legend, mit ihm das
Zimmer, welches Küchendunst und
»der Geruch frischer Wäsche parfümir
ten.
Die Unterhaltung zwischen den
Tischgästen war im vollen Gange, als
das' Hundegebell erscholl, mit welchem
«die ungezählte Menge der Dorfkläffer
das Heranrollen jedes Wagens anzu
kündigen pflegte. Mit einem energi
schen Ruck hielt vor dem kleinen Hotel
-das Gefährt, welches Erika und Alice
heimbrachte.
Das Gespräch an der Tafel war
verstummt Seckendorf erhob sich mit
dem Rufe:
„Da kommt ja mein Weib und die
/Andern!" und Erika verdeckte mit ihrer
Gestalt einen Augenblick die Alicens,
welche hinter ihr in die Thür trat.
Dann aber machte sie eine Bewegung,
und Egon sah in der Thür, von dem
hellen Licht der Lampe beleuchtet,
welche die Magd hinter ihr soeben in
das Gastzimmer tragen wollte, Alice
stehen.
Gedankenschnell zitterte eine bange
Frage in ihrenAugen beiEgonsAnblick
'dann griff sie wie Hilfe suchend nach
dem Wösten der Thür, durch welche sie
zu treten im Begriff war. Sie hatte
Egon erkannt. Er aber schaute auf
wie auf ein Bild, welches die
ata morgana dem Wanderer zeigt,
er mit wundem Fuß lange durch die
Steppe geirrt ist, und 'den bei ihrem
Anblick eine Ahnung erfaßt von der
seligen Ruhe, zu der ihn das end
liche Ziel seines Strebens und Käm
pfens ruft.
Nun vergingen glückselige Wochen.
Alles hastende und treibende Streben
Iber Welt da draußen war für die
Renschen verschollen, welche auf diesem
H'TilaNv in einer holden, traumbefange
Hnen Gegenwart lebten. Keine Scheu
Hund keine Thorheit hielt mehr die Her
zen von Egon und Alice von einander
Mentfremdet nur das erlösende Wort,
Mwelches so oft auf Beider Lippen
Wfchtvebte, schien, noch nicht gefunden.
Ein Sommerabettd von üöerwälti
/gender Schönheit lag über Meer und
/-Land. Egon war weit hinaus' auf
4-US«e gefahren und landete nun bei
'Sonnenuntergang am Strande unter
halb einer einfachen Hütte, die. oben
auf der Düne zum Lieblingsaufenthalt
MicenS geworden war. Egon, sah
Alice neben jenem kleinen Gebäude auf
der Düne sitzen und auf's Meer hin-1
unterschauen. Da erfüllte sich sein I
sein Herz mit unwiderstehlicher Sehn
sucht,aus den geliebten Augen die Ent
scheidung über seine Zukunft zu lesen,
und er kletterte die Düne hinauf dem
Platze zu, an dem Alice saß.
Sie erschrak nicht, als er vsr ihr
stand. Sie wußte, daß er kommen
mußte, wie er gewußt hatte, daß er sie
hier finden würde. Sekunden vergin
gen, ohne daß ein Laut von Beider
Lippen kam dann sprach Egon:
„Alice, wir haben uns wenig sagen
können in hen irDlofen Wunden,
welche uns vor Jahreki vereinigten..
Wir haben eine so furchtbare Zeit er
lebt, und so mächtige Mauern hatten
sich zwischen uns emporgethürmt daß
ich selbst in dieser sonnigen Ruhe den
Muth noch nicht gefunden hatte,zu Mi
nen von Dem zu sprechen, was mein
Herz bewegt. Wäre ich nicht der Un
glückselige, der alles Leid über Sie.ge
bracht hat, trennten nicht die Schatten
der Vergangenheit uns Beide, ich wür-
de die Worte zu finden wissen, die Ah»
nen mein Herz enthüllen. Aber so, be»
lastet mit allem Leid der Vergangen
heit, erschöpft von dem weiten Weg,
der uns Beide durch die Wüste getrie»
ben hat, kann ich Sie nur anflehen und
zu Ihnen rufen wie eirv Ertrinkender:
Helfen Sie mir diese Mauern nieder
reißen, helfen Sie mir die Schatten
bannen, und glauben Sie an eine
Liebe, die Ihnen geweiht war von der
ersten Sekunde an, da ich Sie sah, da
diese reine Mädchenstirn sich an meine
Brust lehnte!"
Alice fand kein Wort. So über-,
wältigt von namenlosem, süßem
Schreck, so geängstigt und zugleich ent
zückt vonDem,was an sie herantrat,zit
terte ihr Herz, erlahmte ihre Zunge.
Sie wußte nur, daß sie den Mann
liebte, der vor ihr stand, daß keine Se
ligkeit für sie zu finden^ war außer der?
einen. Thränen schaffen ihr in die Au
gen aber ein süßes Lächeln verklärte
ihr holdes Gesicht. Sie streckte Egon
beide Hände entgegen da fiel er
vor ihr nieder und legte sein Haupt in
ihren Schooh. Heber seinem lockigen
Haar falteten sich Alicens Hände, und
wiederum träumend sahen ihre Augen
hinaus in die dämmernde Nacht. Auch
sie sah eine Fatamorgana. Bor ihren
Augen stand das Bild 'des Schlosses
Ellabronn, losgelöst von dem Grauen
der Vergangenheit, von dem Fluche, der
einst über diesen Mauern gelegen denn
die beiden Menschen, welche die Eine
nach den Gesetzen der Menschen, der
Andere nach den ungeschriebenen der
Natur und des wahren Rechtes
die Erbschaft der Güter und somit
auch die des Fluches, mit dem sie be
lastet waren hätten antreten sollen,
hatten freiwillig auf ihre Rechte ver
zichtet. Mit eigener Arbeit wollten sie
sich den Heerd gründen, auf eigene
Kraft ihr Leben aufbauen,.dem eigenen
Herzen, dem eigenen Fleiß und der ei
genen Liebe ihr Glück verdanken.
Nichts von den Gütern, welche Vater
und Mutter ihnen hinterlassen und an
denen Unglück, Schuld und Blut kleb
ten, nahmen sie mit in das neue, reine
Haus, das sie Beide gründen wollten:
Schloß Ellabroim und seine Ein
fünfte sollten fortan der Menschlich
keit, der Humanität, der Sorge für
die Schwachen dienen Waisen, Alte
und Kranke sollten den Schatten seiner
Wälder genießen, und. die Thränen der
Dankbarkeit und Freude den Fluch
von den Mauern seines Hauses abwa
schen.
(E nde.)
„My Old Kentucky Home".
Am 13. Januar wurden es fünf
zig Jahre, daß der Liederkomponist
Stephen C. Foster in New Jork die
Augen zum ewigen Schlummer ge
schlossen hat. Im Alter von 38
Jahren ist er dort im Bellevue^Ho
spital verschieden. Von den Bür
gern der Stadt Pittsburg, wo er
geboren war und wo er auch seine
letzte Ruhestätte gefunden hat, ist in
Anregung gebracht worden, des To
destages des Komponisten in 'gebüh
render Weife allerorten zu gedenken,
wo man seine Weisen kennt. Wo
man sie gehört und sich daran er
baut hat. An dem Sange und
Klange von „My Old Kentucky
Home", „Old Black Joe", „Old
Folks at Home", „Come where
my Love lies dreaming", und den
anderen Sängen, die durch Fosters
Meisterhand zu Volksliedern gewor
den sind, zu Schätzen, die dem
Volke gehören, ihm lieb und teuer
sind. Ein Erinnern an diesen Tag
mag in den Kreisen unserer deut
schen Sänger eine Anregung sein zu
weihevollem Gedenken, denn seine
Weisen haben sich ja längst schon
eingebürgert in dem reichen Lieder
schätz der Sänger deutscher Art.
„Rjetsch" erfährt, die mongolische Re
gierung wolle die russischen Jnstruk
toten durch deutsche ersetzen, lieber
Haupt nehme der deutsche Einfluß in
der Mongolei zu.
S a n
krustiert mit 'Diamanten, Smaragden
und Rubinen, 2000 Franken pro
Paar kosten, sind das Neueste, der
Pariser Mode für Damen, welche
den „göttlichen" Tango auf ihren
Luxutzbällen tanzen. W&at next?.
fO"-* prif V- I
'v
lieber das Lache«.
Eine Studie des schwedischen Gelehrte«
'i Henri Bergson.
Das Lachen hat schon manche Phi
losophen nachdenklich gestimmt. Sie
legten die Stirn in ernste Falten und
fragten sich sinnend, was denn ei
gentlich die mancherlei erfreulichen
Dinge, die unsere Lachmuskeln in
muntere Bewegung setzen, gemeinsam
haben, als da sind, zerstreute Profes
soren, Clownspäße, Witze, ironische
Bemerkungen, Karikaturen, Prügel
szenen, allerlei Grimassen, 'Gesten,
Eigenheiten, die.feint Charakt^'rkomik
des Lüstspiels und die grobe Situs
tionskomik der Posse. Die Denker
putschten nach dem Wesen dtt Komik,
nach dem Quell unserer Lustigkeit.
Nach mancherlei Irrfahrten landete«
sie meistens bei der Ansicht, das Ge
Hamms des komischen Erfolgs be
ruhe auf einer überraschenden Kon
trastwirkung. Sehen wir einmal zu.
Heine sagt von dem König David,
der vor der Bundeslade tanzte: er
betete mit den Beinen. Wir lächeln
vielleicht weil Heine zwei so gegen
sätzliche Erscheinungen wie die from
me gottesdienstliche Handlung und die
leichtgeschürzte Muse plötzlich und
einleuchtend zur Deckung bringt. In
einer Prozession wandelt andächtig
und würdevoll in feierlichem Ornat
ein ehrfurchtgebietender Bischof. Un
ter seinem schreitenden Fuß entzün
det sich mit bedrohlichem Geräusch ei
ne Knallerbse der Prälat springt
fassungslos zur Seite. Wir lachen
vielleicht/' weil die harmlose Knall
erbse den machtvoll würdigen Priester
so hurtig in einen kleinen Hasenfuß
verwandelt hat. Die Schwäche der
Theorie liegt nur darin, daß zahl
reiche Kontrastwirkungen gar keine
komische Seite haben. Henri Berg
son, der bahnbrechende Fühxer der
neuen idealistischen Philosophie in
Frankreich, rückt nun mit französi
scher Anmut und Klarheit das winzi
ge, vergnügte Rätsel unter einen neu
en Gesichtspunkt. Wir kommen am
bequemsten in seinen Grundgedanken
hinein, wenn wir wiederum an eini
gen Beispielen emporklettern. In ei
ner Leichenrede hören wir: „Er war
tugendhaft und wohlbeleibt." Wir
schmunzeln. Warum? Ist nicht eine
behagliche Leibesfülle durchaus ver
träglich mit wohlgenährter Sittlich
keit. .Ein geistvoller Parlaments
rier wühlt mit den höchsten Tönen
die Tiefen unserer Seele auf wir
sind im besten Zuge, in Begeisterung
zu entflammen da muß mitten im
prachtvollsten Pathos der Redner im
mer wieder niesen. Dröhnende Hei
terkeit schallt durch den Saal und zer
setzt alle Gemütswärme. Warum?
Darf man denn nicht niesen, wenn
man begeistern will? Jeder wird aus
seiner Erfahrung heraus tausend Be
lege für einen solchen Vorgang fin
den. Henri Bergson bietet für diesen
Stimmungswechsel die elegante, et
klärende Formel. Es wirkt komisch,
.. wenn unsere Aufmerksamkeit auf den
Körper mit seinen kleinen, armseli
gen Tücken und Nücken abgelenkt
wird, während nur der moralische
und der geistige Mensch vor uns sie
hen soll. Die zarte, bewegliche Seele,
die verlangend aufwärts strebt, wird
geneckt und geäfft von der Trägheit
und Starrheit der Materie, von der
rostigen Gewöhnüng des Körpers,
liebet dem flüssigen Leben bildet sich
eine harte Kruste von automatischen
Gesten, von Zerstreutheit,, von Be
rufsverstocktheit. Wir lachen, wenn
wir diese Gliederpuppe durch den Ie
bendigen Menschen hindurchschim
mern sehen. Ein Freund hat sich ei
ne charakteristische Bewegung ange
wöhnt sie wird erst lächerlich, wenn
ein anderer sie nachahmt. Denn erst
die Nachahmung hebt den Automa
tismus, der sich in seiner Persönlich
keit eingenistet hatte, isoliert hervor
und stellt ihn in das helle Licht des
Schaufensters. Wenn auf der Bühne
ein Dutzend Personen in genau der
selben Art gehen, tanzen, springen,
Gesichter schneiden, so finden sie im
mer ein belustigtes Publikum. Und
in der Komödie ergötzt uns vor allem
die Beobachtung, daß irgend eine Lei
denschaft oder ein Wahngedanke einen
Menschen wie einen Hampelmann
tanzen läßt. Man sehe sich einmal die
Rezepte der Clowns und der
Schwankdichter an, man wird übet
all auf diese Mechanisierung und Aes
fung der Persönlichkeit stoßen. Um
gekehrt vermeiden es die Helden der
Tragödie die Aufmerksamkeit auf den
Körper mit seinen armen Bedürfnis
sen abzulenken, sie essen nicht, sie
trinken nicht, sie setzen sich nicht. Als
die Königin Luise mit rührender Ein
Dringlichkeit Napoleon zu erschüttern
drohte, brachte der kleine Korse, der
gelegentlich auch Psychologe war, sie
dazu, sich zu setzen: „Wenn man sich
setzt, wird die Tragödie zur Komö
die." Henri Bergson hat jedenfalls in
die ästhetische Erörterung einen
fruchtbaren Gedanken geworfen, der
weite Gebiete der Komik und des ge
felligen Lebens erhellt, das durch fein
strafendes Lächeln den Sonderling
in die Hürde der sozialen Gepflogen
heit zurückruft. Es ist deshalb dank
bar zu begrüßen, daß Frankenbetger
und Fränzel die schlanken Essays
glatter Uehersetzung darbieten.
VffS
f4 Chinesische Mädchenname«.
Menschliche Eigenschaften nnd botanischer
Vergleich die Gr.nndlage.
Bei seiner Vi.'rhundertmillionen
Bevölkerung weist Ehma so wenig
Familiennamen auf, daß Verwechs
lungen Tür und Tor geöffnet wäre/'
wenn nicht M'ännlein wie Weiblein
hübsch mehrere Namen nebeneinander
führten. Das- Neugeborene bekommt
vom Vater und mehr noch von der
Mutter den ersten Namen, gewöhnlich
ein Kosewort. Aehnlich unserem
Goldkind, Sonnenscheinchen, Täub
chKN, ftndeU wir ^.da einm PH'.'Dx^
einen Nephritschätz, ^ne' MonöesblÜte
und dergleichen mehr. Kommt das
Kmd, was neuerdings zum guten
Ton gehört, in die Schule, so erhält
es, meist vom Lehrer, seltener vom
Vater, einen Schulnamen, den Jung
ling und Jungfrau während des
Studiums, der Mann auch während
feiner Beamtenlaufbahn, zeichnet.
Die Erwachsenen erhalten endlich
vom Vater den Mannes- oder
Frauennamen, den sie im Verkehr
mit Freunden und Verwandten füh
ren. Neben dem Schul- und dem
Erwachsenen-Namen benutzten Mann
und Weib ein vom Vater oder von
ihnen selbst gewähltes Motto, das
Tschau, besonders zum Zeichnen von
wissenschaftlichen oder künstlerischen
Arbeiten. .Hat jemand sich besonders
hervorgötan, so erhält er (wie Kaiser
Mutsuhito Meidji in Japan) einen
Ehrennamen für die Nachwelt. Be
denkt man, daß neben den durch das
Herkommen geheiligten Namengebern
noch andere Kreise an der Namensin
dung mitwirken, daß z. B. die jün
geren Geschwister das „Täubchen" der
Eltern nur das „Schwesterchen", nen
nen, während es für die- Freunde das
„Haustöchterchen", für die Fremden
und Dienstboten das „kleine Frän
lein" ist, so ist verständlich, daß sich
durch Aneinanderreihung verschiede
ner dieser Namen eine Person genau
bezeichnen, und daß sich auch eine
männliche vor einer weiblichen Person
unterscheiden läßt. Zwar gibt es
viele Namen, die unterschiedslos von
beiden Geschlechtern gebraucht wer
den. Weiter werden eigentlich weib
liche Namen von den Müttern als
Kosenamen ihren Knaben gegeben.
Gern nimmt auch der Mann den Na
men einer geliebten Frau, der Mut
ter oder Geliebten, als Talisman,
Tschau, an. Anderseits erhält die
Frau keinen Ehrennamen nach dem
Tode, und bis in die letzte Zeit ent
beerte sie auch des Schulnamens.
Die meisten ausschließlich weib
lichen Namen China's sind von dem
kostbarsten Gute des jungen Mäd
chens, der Keuschheit oder ihrem
Sinnbild, der Orchidee, hergenom
men. Diese Blume, die in Ostasien
wegen ihres Duftes feit alters als
die Königin der Blumen gilt, enthält
für die damit Geschmückte auch eine
gute Vorbedeutung. Denn die Frau
eines Herzogs, erzählt eine alte Sage,
träumte, ein Genius überreiche ihr
eine Orchidee. Die Traumdeuter er
klärten, sie würde die Mutter eines
Königs werden und ihr Sohn
wurde wirklich König. Von den Na
men, die von der Sache statt vom
Sinnbilde hergenommen sind, bedeu
tet Boschu die große Keusche. Groß,
bo, deutet dabei wie das lateinische
major die ältere, die Erstgeborene.
Nachgeborene Töchter heißen Bang
schu, im Lande die Keuscheste, Schut
schüon, die in der Keuschheit Voll
kommene und Schujing, die keusche
Blume, nach einer alten Schrift
stelle, an der eine Frau schön wie eine
Blume genannt wird. Vielfach wird
mit der Herzensreinheit noch eine
zweite Eigenschaft verbunden, wie
Keuschheit und Mildherzigkeit,
Schuttschann, Ruhe und Keuschheit,
Tingschu, Keuschheit und Anmut,
Schudschjong (eigentlich: fehlerloses
und verbindliches Mädchenantlitz),
Keuschheit und Fleiß, Schutschinn,
Keuschheit und Jugendblüte, Schu
fang, Keuschheit und Treue, Schud
jdng u. f. w. Statt der Keuschheit
werden auch andere Tugenden, z. B.
die Treue, zur Grundlage des Na
mens gemacht und dann in derselben
mannigfaltigen Weise abgewandelt.
Eigentümlich, weil für die Sinnesart
der Chinesen bezeichnend, sind die
Namen Dsomei, mach' einen roten
Balken, und Wangpau, hoffe, kleine
Kinder zu warten. Die Leute der
Tang-Zeit sagten: Heber die Geburt
eines Sohnes braucht man sich nicht
zu freuen, über die einer Tochter nicht
zu klagen. Siehst du, daß dir eine
Tochter geboren ist, so bringe einen
roten Türbalken an. Der rote Tür
balken kennzeichnet ein: vornehmes
Haus. Ein Mädchen kann es, wie
Beispiele zeigen, sogar zur kaiser
lichen Nebenfrau bringen, es kann
also sicher ein vornehmes Haus
hineinheiraten. Wangpau aber ist
die Bezeichnung eines bruderlosen
Mädchens, das sich danach sehnt, ei
rtes Brüderchens zu warten. Erscheint
ein solches Brüderchen in der Fami
lie, dann ist die Sehnsucht gestillt,
und die Schwester bekommt emen an
dern Namen. Wir könnten mit der
Arbeit von Anna Bernhardt noch
manches für die Sinnesart des alten
Chinesenvolkes Kennzeichnende aus
den Mädchennamen herausholen.
Ans Deutschostafrika.
Wie sich die deutschen Kolonien im Jahrf
1913 entwickelten.
Da die amtliche Berichterstattung
über die Entwicklung unserer Kolo
men regelmäßig so langsam erfolgt,
daß jene Publikation bei ihrem Er
scheinen zum großen Teil als veröl
tet angesehen werden müsse, ist es
umso wertvoller, daß der am Iah
resende erscheinende Bericht der
Hamburger Handelskammer die Ent
Wicklung der wirtschaftlichen Bezie
Hungen zwischen den deutschen Kolo
nien und dem Muttetlande... aus
Gruüd von zuverlässigstem Material'
eingehend bespricht.
Die Gummikrisis wirkt stark auf
die kommerziellen Zustände Käme
runs zurück, das in seinem südli
chen Teile in der Hauptsache oiif
Kautschuk angewiesen ist. Durch die
Regelung der Zollsräge, sowie durch
die eifrig weiter betriebene Prüfung
der Frage einer Verbesserung der
Qualität des Kautschuks und durch
die Verbilligung der Transportkosten
zur Küste, entsprechend dem Weiter
bau der Mittellandbahn, hofft man
eine Besserung der Zustände herbei
zuführen. Schwierigkeiten bereitete
nach wie vor die Arbeiterfrage, ins
besondere das Problem der Ansied
lung von Familien auf den Planta
gen oder in unmittelbarer Nähe der
Arbeitsstätten. Abgesehen von Gum
mi ist die Geschäftslage, speziell in
Nordkamerun, günstig gewesen.
In Togo sind die Abladungen von
Produkten der Oelpalme im laufen
den Jahre sehr stark zurückgegangen,
veranlaßt durch die Trockenheit zu
Ansang des letzten Jahres. Es ist
zu fürchten, daß die Ausfuhr aus
Togo in diesem Jahre nicht die
Hälfte des Jahres 1912 erreichen
wird. Die Kautschukaussuhr hatte
unter den stark fallenden Preisen zu
leiden und wird hinter dem letzten
Jähre weit zurückbleiben. Die Bäum
wollernte wird sich ungefähr auf
derselben Höhe des letzten Jahres
halten. Von Mais dagegen sind im
laufenden Herbst einige 1,000 Tons
mehr zur Ausfuhr gekommen. Das
Einfuhrgeschäft nach Togo hatte un
ter den ungünstigen Ausfuhren zu
leiden.
In Deutsch Südwestasrika litt
der Handel sehr infolge des allge
meinen Mangels an flüssigen Geld
Mitteln. Jetzt hat neben dem städ
tischen Bodenkredit Institut auch
die Landwirtschaftsbank, die dazu
berufen ist, den^Farmern durch Her
gäbe von hypothekarischen Darlehen
Meliorationskredit, insbesondere für
Wassererschließungen, zu gewähren,
ihre Tätigkeit aufgenommen über
die Erfolge läßt sich jedoch noch we
nig sagen. Die Farmer haben in
folge ungünstiger Regenfälle nur eine
mittlere Ernte gehabt. Als neue
Ausfuhrartikel sind im Berichtsjahr
Gefrierfleisch und Butter Hinzuge
kommen, jedoch ist die Erprobung
dieser Geschäfte über die ersten Ver
suche noch nicht gediehen. Der Berg
bau hat im allgemeinen Fortschritte
geiyacht, wenn auch der Export von
Erzen bisher wenig zugenommen
hat. Die Diamanten Förderung
hat eine wesentliche Zunahme erfah
reit, die in erster Linie darauf zu
rückzuführen ist, daß die Pomona
Diamanten Gesellschaft während
des ganzen Jahres an der Förderung
teilgenommen hat, während sie im
Jahre 1912 nur während der letzten
vier Monate in Tätigkeit war. Die
langersehnte Umwandlung der Brut
to Abgaben in Netto Abgaben
hat auch auf die Förderung bele
bend eingewirkt. Die Arbeiterver
Hältnisse sind noch vielfach unbefrie
digend. Es ist deshalb der in naher
Aussicht stehende Bau einer Bahn
ins Amboland mit Freuden zu be
grüßen.
Das Einfuhrgeschäft nach Deutsch
Ostafrika hat im Berichtsjahre an
Umfang zugenommen. Das Aus
fuhrgeschäft hat durch Erntemengen
und Preisstand im großen und gan
zen befriedigt. Von den Pflan
zungsunternehmungen können die
Sifalkulturen wieder auf ein fehr
erfolgreiches Jahr zurücksehen, und
es wird mehr und mehr offenbar,
daß in der Erzeugung von Hanl
geradezu eine typifche Kultur für
Deutsch Ostafrika gefunden ist.
Dagegen stehen die Kautschukkultu
reit infolge des Preissturzes dieses
Produkts in einer schweren Krisis.
für deren Ueberwindung noch keine
Heilmittel sichtbar sind.
Der Geschäftsgang in dem deut
schen Pachtgebiet Kiautschou und in
der angrenzenden chinesischen Pro
vinz Schantung war im ganzen ein
ruhiger. Indessen machte sich feit
etwa Mitte des Jahres eine Zurück
haltung der chinesischen Händlerkrei
se nicht nur in der Erteilung von
Aufträgen, sondern auch in der Ab
nähme bereits gekaufter Waren be
merkbar.
Im Bezirke der Marshall- und
Karolinen Inseln ist die Geschäfts
läge auch im abgelaufenen Jahre be
ftiedigend gewesen, und der Umsatz
hat sich infolge guter Kopra Er
trage und steigender Preise für die
fei Hauptprodukt der Anseln gedeih-
(fote v»«?-mmen »rientalische Stadt ft
Albanien. lj|
Ein deutscher Korrespondent, derMi
auf seinen Balkanreisen auch das neue^M
Fürstentum Albanien durchstreifte,^
gibt folgende interessante Schilderung:^^
der Stadt Elbassan:
Die türkischen Städte, die mit dew^/I^
Hühnern schlafen gehen, stehen auch.'-,
mit dem ersten Hahnenschrei wieder
auf. Und Elbassan ist in diesem %j
Sinne eine vollkommen türkische
Stadt.. Schon beim ersten Däm-,
merit des Tages weckt einen mannig
faches Lärmen aus dem Schlafe. HA
Ms' Hanttnew för Kupss- undHuf
Mmiede, das mit einem eigenartigen
fcherenähnlichen Eisen erzeugte Ge»
klappet der Kaffeekäufer, das Tra»
ben der aus der Stadt ziehende»
Pferde- und Eselkarawanen, die nach
Pekinje oder Durazzo wandern, er
zeugt einen Lärm/ der jeden Schlaf
vertreibt. So erhebt man sich denn
bald vom Lager, um sich zunächst
einmal die Stadt Elbassan zu besc
hert. Dieser wohlklingende an die
orientalischen Märchen erinnernde
Name hatte bisher für die meisten
Europäer wenn sie ihn überhaupt
gehört hatten etwas geheimnisvoll
Anziehendes.
Int Mittelpunkt des Albanerlan
des gelegen, nur nach schweren Mü
hen erreichbar, war die Stadt bisher
nur von wenigen Europäern besucht
worden. In der Tat mag es in der.
Zeit der Türkenherrschaft weniger
ratsam gewesen sein, Elbassan zu be
suchen. Da man jeden Fremden der
in der Regel von einer Eskorte tür
tischet Soldaten begleitet in die Stadt
kam, für einen Freund der Türken
hielt, waren die Fremden selbstver
ständlich als Feinde angesehen, was
in einem Lande von ewiger Aufruhr
stimmMtg immer gefährlich ist. Heute
ist eine Reise nach Elbassan ziemlich
ungefährlich. Unsere kleine Kaval-
lade wurde nicht ein einzigesmal be*
lästigt, und auch in dem menschenleer
ren Gebirge, das wir überschritten^
hatte ich niemals ein Gefühl der Be
forgnis für mein« persönliche Sicher
heit. Wir reisten durch ganz Mitteln
albanien, häufig bei dunkler Nacht
und dutch wilde Gegenden, wo wir
hätten verschwinden können, ohne daß
ein Hahn nach uns gekräht hätte,
aber es geschah uns nie das geringste.
Der Türke ist aus dem Lande, der
Serbe hat Durazzo verlassen müssen
es ist kein Feind mehr da, auf den
zu fchteßett es sich verlohnte. Und
selbst die einzigen sichtbaten Vertre
tet einer Regierungsgewalt, die Gen
darmen Essad Paschas, sind Lands-
leute, Kinder von EÄassan oder Tu
tana. Fast gleichzeitig mit mit kam
auf dem Landwege von Valona ein.
englischer Zeitungskorrespondent an,.
und ich vermute, daß stch in Kürze
genug europäische Touristen finden
werden, die die noch jungfräuliche
Bergwelt Mittelalbaniens werden
kennen lernen wollen.
Wer mit übergroßen Erwartungen.
nach Elbassan kommt, wird von der
Stadt ziemlich enttäuscht sein. Wie ss'
viele türkische Städte hat Elbassan
zwar eine herrliche Lage am Abhänge
des in stolzen Schneespitzen ausra
genden Polis Gebirges, ist aber
selbst ein verwahrlostes Nest echt tüu.
tischen Charakters mit engen, schmut
zigen Straßen, nur einigen wenige«
besseren Häusern und keinerlei Kul
turdenkmälern aus alter Zeit, das
Originelle dieser albanischen Stadt be
steht vielleicht datin, daß sie auch kein
Atom Europäertum aufweist. Ich
habe nie vorher eine so vollkommen
orientalische Stadt gesehen. Das
gänzliche Fehlen anderer als rem al
banischer Elemente macht das Leben
in dieser Stadt für die Augen des
Europäers ganz besonders merkwür
dig und farbig. Der ganze lebendige
Verkehr findet seinen Mittelpunkt in.
den Straßen des Basars, der genau.
aus den nachlässig zusammengezim
Merten windschiefen und halbverfal
len aussehenden Holzhäuschen besteht
wie etwa der in Uesküb oder einet
anderen echt türkischen Stadt. Von
den Waren, die hier in den Stra
ßenläden verkauft werden, nimmt
der Tabak und allerhand Bedürfnisse
des Zigarettenrauchers die erste Stelle
ein, der Tabak, der in der ganzen
Umgebung Elbassans gebaut und
hierher zu Markte gebracht wird, ist
ziemlich gut und billig. Ich erstand
ein halbes Oka, d. i. etwas mehr
als ein Pfund der besten Sorte, der
vor meinen Augen aus den gelben
Blättern geschnitten wurde, für 12
Piaster. Dieselbe Quantität dersel-
ben Sorte kostet sicher in Deutschland
das Fünf- wenn nicht das Zehnfach?,
dies es Betrages. Außerdem werden
hier fast für den ganzen Bedarf AK
baniens Taschenmesser von eigen
tümlicher Form auf offener Straße
geschmiedet und mit einem originel
ley aus Rinderhorn geschnitzten Griff
vetfehen. Immer wieder begegnet
mah tief verschleierten Frauen, die
ihre Tabakernte auf dem Rücken zum
Mötli Phleppen oder Scharen voir
TrutWHneHi vor sich hertreiben. Div-^Z?
fes Geflügel gedeiht in ganz Mittel-' H^
albanien in großen Mengen und wird
meist Herde nweife nach Durazzo ge-^'^'
trieben, von wo es größtenteils nach'^
Italien und Oesterreich ausgeführt
UM?
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