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New Ulm Post. [volume] (New-Ulm, Brown County, Minn.) 1864-1933, July 24, 1914, Image 10

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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I
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!Ü!l:
Entenställe.
§-, W iff leider eine nicht abzuleug
vende Tatsache, daß auf den Farmen
dem Wassergeflügel nicht die nötige
Pflege gewidmet wird, weil im allge
meinen angenommen wird, daß es ge
gen die Unbilden der Witterung ab
gehärteter und auch für Krankheiten
veniger empfänglich ist, als das Hüh
serbolt Wenn nun dies auch bis zu
Hnem gewissen Grade richtig ist, so
Bedürfen doch auch die Enten und
"Ganse einer passenden Behausung
.Ms Nachtquartier 'sowohl. wie als
Unterschlupf in kaltem, rauhem Wet
Her. Manche Farmer pflegen sie dann'
«it den Hühnern zusammen in den-
Tragbarer Entenstall.
fetten Stall einzusperren, doch ist
liefe Gewohnheit Hr verwerflich,
denen unter den beiden Geflügelarten
entspinnt sich leicht ein Streit über
a a a
keinem der Tiere zuträglich ist, und
jut&em werden gewöhnlich Futter und
Trinkwasser in ungebührender Weise
verunreinigt.
Aus diesen Gründen sollte jeder
Geflügelzüchter für besondere Stal
Jungen für sein Wassergeflügel Sorge
tragen, zumal die Herstellung solcher
Behausungen ohne viel "Mühe und
Kosten möglich ist. Unsere Abbildun
gen veranschaulichen zwei einfache
Eutenställe, von denen der erstere
durch Handhaben zum Versetzen von
«wem Ort zum anderen eingerichtet
ist. Man kann die Größe ganz nach
Belieben der Anzahl der vorhandenen
Enten anpassen. Für 6 bis 8 Tiere
genügt zum Beispiel eine Länge von
6 Fuß, eine Breite von 4 und eine
Höhe von 2y2 Fuß. Die oberen Lei
-sten der Seitenwande stehen etwa 15
Loll über die Seitenwände hervor.
Zu dem Gerüst werden 2- bis 4zol
Itge Hölzer verwandt und die Seiten
wände kann man mit Brettern von
Eier- oder Pftrsichkisten benageln.
'Anstelle eines Bodens bestreut man
irie Erde im Winter mit einer Schicht
Stroh oder einem die Feuchtigkeit
absorbierenden Stoff. Im Sommer
ist eine solche Streu nicht nötig. Das
Dach wird in der üblichen Weise
durch schmale Bretter oder Schindeln
Entenstall mit Deckeldach.
"Hergestellt. Zur besseren Ventilation
bringe man der Vorderwand unter
dem Dache einige Löcher an. Die
„5£iit" besteht aus einer einfachen,
halbrunden Oeffnung.
Der im zweiten Bilde dargestellte
Entenstall mit schrägem Dach, von
dem die vordere Hälfte aufgeklappt
werden kann, wird am Heften aus in
-einandergreifenden Brettern herge
stellt. Die übige Bauart geht deut
iich aus der Zeichnung hervo.
Vom richtigen Begießen.
Die Pflanze braucht zu ihrem vol
«en Gedeihen nicht nur Wärme, Luft
mnö Licht, sondern auch Wasser. I
Durch das Wasser werden die im I
Boden aufgespeicherten Nährstoffe ge-:
löst und können dann von den Wur-:
zeln der Pflanzen aufgenommen wer
den. Das Wasser ijt gleichsam die
Heiter, mit deren Hilfe die Minera
lien in den Pflanzenorganismus stei
gen. Ohne Wasser gibt es keine
Fruchtbarkeit.
Und doch hören wir so oft die
Klage, daß das Begießen nichts nutzt,
daß die Pflanzen sich nicht freudig
-entwickeln. Es ist klar, daß an sol
cchen Klagen Fehler die Schuld haben,
die beim Begießen begangen worden
sind.
Der Boden muß locker sein! Ist
der Boden verkrustet, so nutzt das
gießen den Pflanzen selbst nichts, da
'der größte Teil des Wassers von der
verkrusteten Oberfläche abläuft. Das
Wasser soll aber in den Boden ein
dringen. Das kann nur dann gesche
"hen, wenn der Boden aufgelockert
wird.
Wie notwendig das Lockern des
Wodens ist, sehen wir besonders beim
Ealkhaltigen Gartenland. Nach jedem
starken Regen oder Begießen bildet
sich eine so dichte „Mörtelkruste", daß
tiefe kaum mit den Gartenwerkzeugen
gu bearbeiten ist. Hat sich aber eine
Truste gebildet, so hört auch das
"Pslanzenleben auf. Die Pflanzen
.atmen nämlich auch durch die Wur
zeln. Hört die Wurzelatmung auf,
vfo entwickeln sich die Gewächse nicht
-mehr. Das Gießen allein hat also
teilten Zweck. Es fördert nur dann
'das Wachstum der Pflanzen, wenn
-Vorher und nachher der Boden ge
lockert wird. Vor dem Gießen muß
v&cr Boden zur Aufnahme 1»er Feuch-
tigkeit durch Behacken fahtg gemacht
werden. Um die Feuchtigkeit dem
Boden zu erhalten, müssen nach dem
Gießen die Haarröhrchen, die sich ge
bildet haben und durch die das Was
fer in die Tiefe versickerte, zerstört
werden. Geschieht das Behacken nach
dem Gießen nicht, so verdunstet das
Wasser durch die Haarröhrchen.
Durch fleißiges Behacken allein kann
also schon eine Pflanze vor dem Ver
trocknen geschützt werden. Allerdings
wird die obere Schicht zuletzt staub
trocken, aber in der Nähe der Wur
zeln ist soviel Feuchtigkeit durch die
Verhinderung der Verdunstung auf
gespart worden, daß die Pflanze
frisch und wachstumsfreudig bleibt.
Natürlich darf nur ganz Deicht behackt
werden, da die behackte Schichtx aus
trocknet und nur die darunterliegende
Schicht die Feuchtigkeit hält.
Zum Gießen darf kein frisches
Brunnen- oder Leitungswasser be
nutzt werden. Das Brunnenwasser
oder das frisch aus dem Leitungs
hahn genommene ist zu kalt. Wird
dieses über den warmen Boden aus
gegossen, so werden die Pflanzen ab-,
geschreckt, Boden und Pflanze werden
zu schnell abgekühlt, was die Ge
wachse mit einem Wachstumsstillstand
quittieren. Durch Begießen mit kal
tem Wasser kommen wir also eher
rückwärts als vorwärts. Das natür
lichste und beste Wasser zum Begießen
ist das Regenwasser. In jedem Gar
ten müssen sich darum Vorrichtungen
befinden, um dies köstliche Naß auf
zusparen. Gleichwertig dem Regen
Wasser ist Wasser aus Teichen, Bächen
und Flüssen. Dieses Wasser enthält
nicht nur viele Nährstoffe, die durch
verwesende Pflanzen' und Tiere ent
stehen, sondern es ist auch weich und
enthält namentlich das von Bächen
und Flüssen viel Sauerstoff. Es
ist deshalb zum Begießen hervorra
gend geeignet. Aber wohl den mei
sten Gartenbesitzern steht solches
Jdealwasser nicht zur Verfügung, sie
müssen' sich mit dem Brunnen- und
Wasserleitungswasser begnügen. Da
mit wir aber unserem Garten mit
diesem kalten Wasser nicht schaden,
müssen wir es vor dem Gebrauch erst
behandeln. Es muß eine Zeitlang in
einem Faß oder einem gemauerten
Wasserloch stehen bleiben. Da das
Wasserleitungswasser meist sehr kalk
reich ist, gibt man ihm einen Zusatz
von Pottasche oder Magnesia, um den
Kalk zu neutralisieren.
Nicht alle Pflanzen dürfen gleich
stark begossen werden. Darin fündi
gen noch besonders die Anfänger im
Gartenbau. Sie machen unter den
Gewächsen keinen Unterschied und
gießen alle gleichstark. Das ist eine
unnötige Arbeit, die nicht lohnt. Im
Gegenteil! Pflanzen, die Trockenheit
verlangen, verlieren viel von ihrem
eigentümlichen Geschmack durch die
Bewässerung. Im allgemeinen ver
langen die Flachwurzler stärkeres
Begießen als die Tiefwurzler. Erb
sen, Bohnen, Rettiche, Rüben u. f. w.
holen sehr tief aus dem Boden die
Feuchtigkeit. Je mehr aber z. B. Ra
bieschen und Rettiche begossen werden,
um so zarter werden sie. Auch unter
den Flachwurzlern gibt es durstlose
Gewächse. Zwiebel und Porree, die
viele feine, weit verzweigte Wurzeln
haben, werden durch starkes Begießen
mehlig. Dagegen verlangen Gurken,
Kraut, Rosenkohl, Blumenkohl, Spi
nat, Salat eine besonders reiche Be
Wässerung. Salat wird nur dann!
reichlich bewässert wird. Der Salat
schießt im Sommer deshalb in Sa
men, weil ihm da die Feuchtigkeit!
fehlt.
In den heißesten Monaten, im
Juni, Juli und August, gieße man
nur am Abend, damit die Feuchtigkeit
ordentlich eindringen und die Wurzel
schicht anfeuchten kann. Da die
Pflanzen in diesen Monaten blühen,
haben sie auch ein ganz besonderes
Wasserbedürsnis. Außerdem bleibt
die Oberfläche länger feucht, es bildet
sich mehr Wasserdunst, den besonders
die Blätter durch ihre Spaltöffnun
gen gierig aufnehmen.
Es ist bekannt, daß selbst starke
Gewitterregen nur wenig tief in die
Erde dringen, daß aber gerade die
Grundfeuchtigkeit einer Anreicherung
bedarf. Darum hat das Gießen den
größten Wert, wenn es bei Regen
vorgenommen wird. Das Gießen
nützt mehr, da es nach dem Regen
eine Zeitlang kühl bleibt, und die
Wurzeln können ordentlich benetzt
werden. Regenwetter oder kurz nach
dem Regen ist das ideale Gießwetter.
Selten, aber tüchtig gießen hat mehr
Wert als oft, aber oberflächlich. Beim
Begießen erfrische man vor allen
Dingen die Pflanze mit der Brause.
Ist der Boden mit der Brause etwas
angefeuchtet, so kann auch mit dem
Rohre begossen werden.
-i-
Häufige Pferdekraukheit.
Eine bei Pferden häufig vorkom
mende Krankheit ist der Spat. Er
besteht in einer langwierigen, trok
kenen Entzündung der Knochen am
inneren unteren Ende des Sprung
gelenks. Schwache Gelenke neigen
ganz besonders zur Spaterkrankung.
Die direkten veranlassenden Ursachen
sind plötzliche schwere Anstrengungen,
plötzliche kurze und scharfe Wendun
gen, bei denen das Sprunggelenk
übermäßig angestrengt wird. Bei
Entstehung des Spats bemerkt man
zMSchst"'Mr 'ein belangloses KD-
men, welches hauptsächlich nur beim
Herausführen aus dem Stalle zu
beobachten ist. $och längerer Be
wegung verschwindet das Lahmge
hen teilweise, oder auch ganz, um
stärker hervorzutreten, nachdem die
Tiere einige Zeit ruhig gestanden
haben. Das Lahmen ist gekennzeich
net durch schnelle und zuckende Auf
wärtsbewegung des Fußes. Soll ein
Pferd auf Spatlvhmheit geprüft wer
den, dann macht man die sogenann
te Spatprobe. Sie besteht darin,
daß man den kranken Fuß einige
Minuten aushebt und stark beugt.
Nachdem man dann den Fuß nieder
gleiten Ii$, läßt man das Tier
plötzlich stark antraben/ Es zuckt
dann heftig mit dem kranken Fuße
und setzt ihn nicht' fest auf den
Boden. Die eigentliche Knochenwtt
cherung, durch die der Spat charak
terisiert ist, wird meist erst später,
häufig erst einige Monate nach Ein
tritt des ersten Lahmgehens bemerk
bar. In Anfang ist der Knochen
auswuchs nur vom geübten Auge be
merkbar. Später, nachdem er eine
bedeutendere Größe erreicht hat, ist
auch der Ungeübtere imstande, ihn
zu erkennen. Stellt man sich vor
oder hinter das Pferd, dann bemerkt
man beim ausgebildeten Spat an
der unteren inneren Fläche des
Sprunggelenkes eine mehr oder we
niger abgegrenzte harte Knochenauf
treibung. Am leichtesten ist der Spat
erkennbar, wenn man in gebückter
Stellung vor dem Pferde stehend
beide. Sprunggelenke miteinander
vergleicht.
Wenn' die Behandlung des Hebels
zeitig begonnen wird, gelingt es
häufiger, das Lahmgehen zu beseiti
gen, doch bleibt in der Regel eine
geringfügige Steifheit zurück. Tritt
die Spatlahmheit plötzlich auf und
bemerkt man vermehrte Warme an
der inneren Seite des Sprunggelen
kes, dann macht man einen Lehman
strich, kalte Umschläge mit Eiswasser,
oder man wendet den Berieselungs
apparat an. Hört das Lahmgehen
nicht aus, dann macht man Einrei
Bungen mit Jodquecksilbersalbe und
benützt dazu rotes Jodquecksilber und
1-3 Unzen Vaseline. In hartnäcki
gen Fällen muß zum Brenn
eisen gegriffen werden, schließlich ist
auch noch der Spatschnitt zu versu
chen, der allerdings nur von ärzt
licher Haüd ausgeführt werden darf.
Man setzt die Patienten außerdem
auf 24 der täglichen Futterration
und läßt sie einige Wochen ruhig im
Stalle stehen. Im Ansang der Be
Handlung ist dafür zu sorgen, daß
die Tiere sich nur jeden dritten Tag
niederlegen können.
Die Möglichkeit einer Besserung ist
nur dann vorhanden, wenn dem an
Spat erkrankten Pferde größte Be
obachtung gezollt wird.
Schweineklammer.
Eine Vorrichtung zum Festhalten
von Schweinen oder Ferkeln, an
denen irgend eine leichte Operation, z.
B. das Markieren der Ohren oder
das Durchziehen eines Ringes durch
die Nase, vorzunehmen ist, wird hier
im Bilde vorgeführt. Sie ist seit
Jahren von verschiedenen Farmern
angewandt worden. Diese Schweine
klammer wird so auf dem Boden be
festigt, daß sie sich nicht verschieben
oder fortgerückt werden kann, sodaß
das eingeklemmte Schwein sich nicht
durch heftige Bewegungen der, Opera
tion entziehen kann.
Schutzdach für Kükenkäfige.
Um die Küken einer späteren Brut
an heißen Tagen gegen die Sonnen
strahlen zu schützen, ist es zweck
mäßig, den Aufzuchtkäfig in der hier
skizzierten Art mit einem Schutzdach
aus Segeltuch oder billiger Leinwand
zu versehen. Auf jeder Seite werden
zwei, etwa zwei Fuß lange Stäbe in
der erforderlichen Tiefe in den Boden
getrieben und an ihren äußeren En
den das Tuchdach festgebunden. Auf
der Windseite wird es tiefer am Bo
den festgemacht.
E
in Homburg v. d. H. verübt. An
dem dortigen siamesischen Tempel,
dessen Einweihung vor kurzem erfolg
te, wurde eine der wertvollen Säu
len durch eine unbekannte Person mit
einem Messer stark beschädigt. Der
Schaden rst sehr groß und dürste,
da das wertvolle Bauwerk, ein Ge
schenk des verstorbenen Königs von
Siam, im Original von Siam kam.
schwer auszubessern sein.
[jfratthttoteel
Die Frau als erriu ihres
Schicksals.
Die Frage: iy. welchem Grade der
Einzelne sich kraft feiner Willens
und Charakteranlagen sein Lebens
schicksal zimmert, oder inwiefern die
ses durch die Verhältnisse bestimmt
4tnd geleitet wird, kann wohl als
eine der interessantesten gelten, die
Überhaupt gestellt werden, denn die
Beantwortung ist keineswegs so ein
fach. Im allgemeine^ pflegt man
sich dahin zu einigen, daß man in
den weitaus meisten Fällen von ei
nem Zusammenwirken beider Fak
toren spricht, etwa im Sinne SchA
lers: „Der Zufall (also die Verhält
nisse) ist der rohe Stein, der Leben
annimmt unter Bildners Hand."
Mit Hinblick auf die Frau, auf das
weibliche Geschlecht, war man aber
immer geneigt, eine größere Gebun
denheit an die äußeren Mächte des
Schicksals' anzuerkennen, an Familie,
Sitte, Gewohnheit, und damit ein
geringeres Maß von Freiheit diesen
gegenüber. In einem ziemlich eng
geschlossenen Kreis vollzog sich und
vollzieht sich wohl auch heute noch
der Lebenslauf der Frau. Es ist
das der Grund, daß ihr viele eine
Lebenserfahrung im umfassenden
Sinn des Wortes absprechen wollen.
Nun gibt es zwar eine Menge an
schaulicher Beispiele, die besagen, daß
sich auch innerhalb dieser scheinbar
begrenzten Welt Charaktsre bilden
J, und für andere wertvolle Leistungen
erzielen ließen, denn, um wiederum
Schiller zu zitieren: „Nicht der
Schauplatz bestimmt den Wert des
Lebens" ja, man könnte noch
weiter gehen, und sagen, daß viel
leicht gerade diese Enge der Entsal
tung von Gemütseigenfchoften gün
stig war, die der weiblichen Psyche
eine besondere Eigenart und Schön
heit verleihen, die aber vermutlich
die rauhen Winde des feindlichen,
auf Wettkampf gestellten Lebens
schlecht vertragen hätten. Aber dem
können wir uns unmöglich verschlie
ßen, daß die veränderten Lebensbe
dingungen, der Umschwung in den
wirtschaftlichen Verhältnissen, der
schon das junge, kaum dem Eltern
Haufe entwachsene Mädchen auf die
Bahn eines Berufs außerhalb der
Familie drängt, ungeachtet mancher
Härten doch einen Reichtum von
Daseinsmöglichkeiten bietet, von de
Nen eine frühere Zeit nichts wußte.
Müßig erscheint es, die Frage aus
zuwerfen, ob denn nun die moder
nen Frauen in ihren Berufen, mit
ihren Bildungsanstalten, Vereinen
und sozialen Betätigungsmöglichkei
ten „glücklicher" seien als ihre
Schwestern vor fünfzig oder hundert
Jahren. Das Glück, soweit man
darunter die Zufriedenheit des Her
zens versteht, ist eine innere Veran
lagung, sozusagen ein Talent, säst
unabhängig von den äußeren Le
bensumständen. Aber da es unter
den Frauen ebensoviel? Spielarten
und Unterschiede gibt wie in der
Männerwelt, bringt die Fülle von
Chancen, die sich heute der Frau, die
ins Leben hinaustritt, zeigen, na
turgemäß eine größere Regsamkeit
aller Kräfte mit, auch solcher, die
bisher gebunden waren oder die man
doch bisher in der Frau nie vermu
tet hatte. An die Stelle der frü
heren Zaghaftigkeit und oft ängst
lichen Zurückhaltung ist ein kühner
Wagemut getreten, der vor keiner
Probe, keinem Versuch zurückschreckt.
Daß manchem dieser Experimente
auch der Mißerfolg beschieden ist,
kann nicht weiter in Erstaunen set
zen. Zu dem Schnelläufertempo, das
von manchen eingeschlagen wird, ge
sellt sich der Nachahmungstrieb, na
mentlich was das Ergreifen eines
Studiums, den Besuch von Studi
enanstalten betrifft. Wir stehen da
bereits heute unter einer starken
Modeströmung. Der Hinweis, daß
bei vielen jungen Damen, die sich ei
nem höheren Studium widmen, die
ses nur eine andere Art von „Sport"
darstelle, eine Ausfüllung müßiger
Stunden, könnte auch sehr gut die
Gegenbemerkung herausfordern, daß
es höchst anerkennenswert sei, daß
die ganze Gesellschaft dabei nur ge
winnen könne, wenn man sich zu
solcher „Ausfüllung" entschlossen hat,
und wenn die äußeren Verhältnisse
eine solche Durchführung endlich ge
statten. Denn für einen Kulturstaat
hat es wohl Beschämendes, wenn die
Frauen in ihm sagen könnten: mein
Vaterland, meine Heimat hat mir
nicht die Gelegenheit geboten, das zu
lernen, die Kenntnisse zu erwerben,
die ich mit meinen Fähigkeiten sehr
wohl hätte erlangen können.
Eine Benachteiligung des Mannes
ergibt sich aus der größeren Selbst
ständigkeit der Frau keineswegs. Daß
ein tüchtiger Mann durch den Wett
bewerb der Frauen lahm gelegt, um
seine Existenz gebracht werden könn
te, scheint bei unseren wirtschaftlichen
Verhältnissen eigentlich ausgeschlos
sen. Ihm bietet sich noch eine
Äenge von Chancen, ihm steht noch
immer die ganze Weh offen, woge
gen sich für die Frau im Berufs
leben doch immer gewisse Grenzen
«nd Schranken ergeben, und was
noch mehr sagen will: bei-der Suche
nach Berus und Erwerb. Wer sich
anschaulich von dem überzeugen will,
was die Frau nicht kann, der gön*
ne sich einmal die Ltftüre des eben
so unterhaltenden wie belehrenden
Buchs von Erwin Rosen, „Der deut
sche Lausbub in Amerika". Der
Lausbub, der' von einem deutschen
Gymnasium relegiert wurde, ent
wickelt sich über dem „großen Was
fer" nicht nur zu einem brauchbaren,
sondern einem höchst respektablen
Menschen, nachdem ihn das Leben
kräftig gerüttelt und geschüttelt, ihn
in die Gesellschaft von prächtigen
Kerlen wie von Erzhalunkez .ge
bracht hat. Die Romantik des Va
gabundenlebens trägt auch nur da
zu bei, seine Energie zu stählen und
ihm einen neuen Maßstab für Men
schen und Dinge zu verschaffen. Ein
gleicher Entwicklungsgang ist für
ein Mädchen ausgeschlossen. V/?n
dem Augenblick an, wo ein Weib
verwildert, hört er auf, Herrin feines
Schicksals zu bleiben, wird es viel
mehr der Spielball blinder Zufällig
keiten. Von geordneten und gesit
teten Verhältnissen darf die Frau
nie gänzlich abgeschnitten werden,
wenn sie sich zu der ihr notwendigen
Freiheit und Harmonie entfalten soll.
Die Frau ist mündig geworden.
Man hat sie der Bevormundung
entlassen und ihr die Verantwortung
sür ihr Schicksal selbst übertragen.
In den „Stützen der Gesellschaft"
sagt Ibsen uns in dem Schlußwort
ausdrücklich, daß eine Freiheit nur
Sinn hat, die sich mit Verantwor
tungsgesühl verbindet. Dieses Ge
fühl muß in der modernen Frau
so stark werden, daß es eine ganz
natürliche innere Hemmung Bietet
gegen alle die Gefahren und Ver
lockungen, die ihr auf den netten
Lebenswegen Begegnen mögen und
die sich oft unter sehr hochtraBenden
Programmen einführen. Dahin ge
hören zunächst die UeBerredungsver
suche, alles, was eine frühere Moral
von der Frau in Bezug auf sittliche
Reinheit gefordert, in das FaBelBuch
der gesellschaftlichen Vorurteile zu
verweisen, daß die Natur keine
Grenzlinie zwischen Mann und Fruu
gezogen hctBe, daß die neue Frauen
gattung diese Fesseln zerreißen müsse.
Derartige Emanzipationsversuche gab
es schon vor hundert Jahren, a&er
vorbildliche Menschen sind aus die
sen aus der Bahn geschleuderten weiB
lichen Existenzen nie hervorgegangen.
Mag das „Ideal des WeiBlichen",
wie es die Dichter erschauen und
darstellen, auch im Laus der Zeiten
die mannigfachsten Umbildungen er
fahren, mögen wir zugeben, daß der
S a a a
Goethes nicht mehr der unfrige ist,
so bleibt doch die eine Ueberzeugung:
Das, was die Frau für die Allge
meinheit durch ihre Intelligenz lei
stet, wird immer geringer sein, wird
immer zurückstehen müssen gegen den
Einfluß, den sie in sittlicher Hinsicht
üben kann. Auf diesem Gebiet liegt
ihre Hauptstärke. An Klugheit, an
Lebenserfahrung im praktischen Sinn
ist jeder Pylades den Iphige
nien überlegen. Siegerin aber bleibt
die Frau da, wo sie sich als mora
lische Persönlichkeit einsetzen kann.
Die Kenntnisse und Erkenntnisse, die
sie sich in unseren Tagen erwerben
kann, sollten sie auch innerlich festigen
und stärken sollten sie davor bewah
ren, auf jede geistige Modeströmung
zu lauschen und sich blindlings durch
das, was glänzt und glitzert, über
rumpeln zu lassen. Man sagt uns:
die moderne Frau sei sehr anspruchs
voll geworden, und ihre Ansprüche
vermehrten die Ehescheu der Män
ner. Das ist eigentlich ein Kapitel
für sich. Bleibt man streng bei der
Wahrheit, so kann man nur sagen,
daß die Menschen im.allgemeinen
anspruchsvoller geworden sind, daß
darin die Frauen nur dem Zuge der
Zeit folgen, daß vielleicht aber gerade
aus ihrer Mitte der Weckruf, der
Aufruf zu einer einfacheren, Beschei
deneren LeBenssührung erfolgen dürf
te.
Die kluge Frau sieht ein, daß es
eine große Torheit ist, wenn man
üBer seine Mittel und Verhältnisse
hinausgehen will. Jede Art von
Verschwendung ist ihr zuwider, vor
nehmlich auch die der eigenen Person
und Lebenskraft. Wie viel schöne,
kostbare Jugendzeit ist früher im
Frauenleben vertrödelt und vertän
belt worden im Abwarten auf das
dem Weibe bestimmte Los! Es ist
sine sehr feine Bemerkung, die Su
dermann im Schauspiel „Der gute
Ruf" einem jungen Mädchen der
neuen Generation in den Mund legt.
Als diesem von der Weltdame Karla
die Worte zugeschleudert werden:
„Schließlich sucht man mit dem doch
nur den einen Weg zum Man
ne," lautet die Entgegnung: „Ver
zeihung, gnädige Frau, dazu scheint
mir die Welt zu reich. Das würde
mir vorkommen, als wenn man sich
in einem Käfig um sich selber dreht
Wir suchen ihn nicht aber wenn un
sere Zeit gekommen ist, finden wir
ihn schon!"
E a
Gattin: „Ich möchte nur wissen,
warum uns die Mörzheims nicht mehr
zu ihren Gesellschaften einladen""
Gatte: „Weil wir immer hinge
gangen sind!"
Allerlei für7« HauS.
S a
sich zwar nicht gänzlich vertreiben,
wohl aber entfärben. Fein gerieöe
ner Meerettich, den man in einet
Glasschale mit scharfem Weinessig
übergössen und so 24 Stunden wohl
verpfropft hat stehen lassen, wird mit
Erfolg angewendet. Bestreicht man
die Sommersprossen, hiermit vor dem
Schlafengehen, so werben diese nach
ungefähr vierzehntägigem Gebrauch
fast ganz verschwunden sein. Zum
Vorschein kommen die Sommersproi
sen alle Jahre wieder, worauf man
wieder zu derselben Kur schreitet.
Hanföl, mit dem man ootn
Ungeziefer geplagte Haustiere .'?n
reibt, verhütet das Hautjucken und
I tötet die Schmarotzer. Hansöl wrrkt
schnell und, gefahrlos, ist billig und
leicht zu beschaffen, ist deshalb auch
bei Pferden gegen Stechfiegen u, s.
w.,'wie bei Hunden und Kälbern,
.welche die Einreibung. oft ablectett,
sehr zu empfehlen und nicht minder
Bei Federvieh gut wirksam.
I r
böses Herzklopfen sind Einreibung
der Herzgegend mit Smfspiritus,
kalte Umschläge auf die Herzgegend,
1
allgemeine kühle ABreiBungen, Bal
I driantee, Baldriantropfen und Salto
reumiropfen zu gleichen Teilen ge
mischt, Trinken von Zuckerwcisser mit
Hoffinannstropfen, ^Brausepulver. In
schweren Fällen wendet man Senfteig
oder Senfpapier an oder legt gerte
Betten Meerrettich auf.
E r
leim gewinnt man auf folgende
Weife: 4 Teile guten Leims werden
in 15 Teilen kalten Wassers einige
Stunden lang eingeweicht, hierauf
gelinde erwärmt, bis die Masse gleich
förmig und klar geworden ist, und
dann mit 65 Teilen kochenden Was
sers verdünnt. In einem zweiten
Gefäß werden 30 Teile Stärkekleister
mit 20 Teilen kalten Wassers sorg
fältig angerührt, fo daß eine milchige
Flüssigkeit ohne Klumpen entsteht,
in welche die heiße Leimlösung unter
Umrühren eingegossen wird, während
welcher Zeit die Masse nahe am Ko
chen erhalten werden muß. Nach
dem Erkalten setzt matt einige Trop
fen Karbolsäure hinzu, um den Leim
haltbarer zu machen.
das Bestreichen mit gutem Essig ober
einigen Tropfen Salmiakgeist tu
Wasser. Dann leistet gewöhnliche
Waschseife, welche etwas angefeuchtet
und dick ausgestrichen wird, recht gute
Dienste. Hat man gar nichts bei der
Hand, so nehme man Wasser und
Erde und streiche diese auf die
schmerzende Stelle. Vor allem aber
untersuche man die Wunde genau, um
den in ihr etwa noch vorhandenen
Stachel des Tieres herauszuziehen.
W r
langt man durch Einreiben einer
Salbe, hergestellt wie folgt: 20 Teile
Lanolin, 5 Teile Glycerin, 3 Teile
Borax, 1-10 Teil Vanille, 1 Tropfen
Rosenöl auf je 1 Unze der Gesamt
menge.
a
am besten mit reinem Spiritus auch
aus den empfindlichsten Stoffen. Der
Spiritus greift die Farbe nicht art
und hinterläßt auch keine Ringe, wie
das bei Benzin der Fall ist.
E a a s
tet ein unangenehmer Geruch an, der
besonders nach der Reinigung stark
hervortritt. Diesem kann man begeg
nen, ja ihn ins Gegenteil verwandeln,
indem man der Reinigungspaste vor
dem völligen Erkalten 1 Unze Man
delöl oder auch Sassasrasöl zusetzt.
a S
für Gardinen u. s. w. Sehr
viele WohmmgsBrände sind schon da
durch entstanden, daß jemand unvor
sichtigerweise den Gardinen, Vorhän
gen oder der Dekoration der Frisier
toilette mit Licht zu nahe kam. Be
sonders zur Weihnachtszeit sind Gar
dinenBrände, verursacht durch bcen
nettde Christbäume, häufiger als
sonst. Derartige Unglücksfälle kön
nen leicht vermieden werden, indem
man der Stärke schwefelsaure, Bor
saure ober phosphorsaure Ammoniak
salze oder wolframsaures Natron zu
setzt. Die mit solcher flammertfiche
en Stärke gesteiften Gewebe sind zwar
nicht vollkommen feuerfest, aber nur
schwer zu entzünden, sie brennen nicht
mit heller Flamme, sondern glimmen
nur, aber damit ist der Zweck, größere
Brandgefahr abzuwenden, vollkommen
erreicht. Gegenstände, die mit so prä
parierter Stärke behandelt sind, dür
'fett nicht zu heiß geplättet werden,
da sonst ihre Festigkeit beeinträchtigt
wird. Besonders geeignet, billig und
auch letcht rein zu Beschaffen, sind als
Stärkezusatz zu empfehlen Atttwo
niakalciutt und unterschwefligsaures
•Nahion. Besonders das letztere ver
ändert das Appreturvermögen der
Stärke sehr wenig. Die erfa'hrungs
gemäß am Besten Bewährte Flammen
schutzstärke stellt man folgendermaßen
her: V2 Pfund Weizen-, Mais- oder
Reisstärke, 2 2-3 Unzen Borax und
14 Pfund wolsramsaues Natron wer
den fein gepulfert, scharf ausgetrocknet
und dann mit einander permischt.
Angewendet wird diese flammen
-ichere Stärke genau so, wie jede un
sere. Daß dieselBe auch für Theater
und BallgarderoBe, Wäsche u. s. w.
sehr zu empfehlen ist, bedarf keines
besonderen Hinweises.

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