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New Ulm Post. [volume] (New-Ulm, Brown County, Minn.) 1864-1933, August 07, 1914, Image 1

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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Jahrgang 51.
Minnesota
und Nordwesten.
Bertha ,Minn.—Frau I. A. Pählke
goß eine Mischung von Gasolin und
Kerosin auf Kohlen, um ein Feuer an
zumachen. Es befand sich aber noch
Glut unter den Kohlen, so daß es zu
einer Explosion kam und die unglückliche
Frau so schwere Brandwunden davon
trug, daß sie diesen bald darauf erlag«
Fairmont, Minn.—Hier ist das
Whist-Turnier des südlichen Minnesota
abgehalten worden, bei welcher Gelegen
heit auch die Wahl der Beamten des
Verbands vorgenommen wurde. Die
Herbst-Zusammenkunft wird in Blue
Earth stattfinden und die Winterver
sammlung wahrscheinlich in Winne
bago.
Rochester, Minn.—Hermann Kruse
und seine Tqchter Freda von Rochester
welche beim Untergange der „Empreß of
Ireland" gerettet worden sind und die
jetzt Passage auf dem „Vaterland" be
legt hatten, mußten nun abermals ihre
geplante Reise nach Deutschland des
Krieges wegen aufgeben, weil der Damp
fer nicht abfuhr.
Stillwater, Minn.—Heute sind die
letzten Sträflinge aus dem alten Zucht
hause in das neue überführt worden
und es wurden nur mehr hier übrig
gelassen, welche unter Aufsicht von
Wachen dort bleiben, damit die Baulich
feiten in Ordnung gehalten werden
können. Alle Fabrikations- Kontarkt
arbeit ist mit dem letzten Juli zum Ab
schlusse gekommen und die Fabrikations
arbeiten durch Sträflinge erfolgen von
jetzt an auf Rechnung des Staates.
Duluth, Minn.—Nach einer gemein
samen Versammlung der Mitglieder der
„Minneapolis, St. Paul and Duluth
Clearing House Association" und Be
amten der Banken der drei Städte
haben die hiesigen Bankiers angekündigt
daß die 60- und 90 Tage-Kündignngs
klausel für Spareinlagen von jetzt an
streng eingehalten werden wird. Für
kaufmännische Konti sollen Kassierers
Schecks ausgestellt lfitd nur beschränkte
'^Beträge in Bargeld ausgezahlt werden.
Hibbing, Minn.—Trotz des angeb
lichen Rückschlages im Geschäftsbetriebe
der Stadt und Umgebung und der Tat
fache, daß mehrere Minen der Gegend
nicht im Betriebe sind, haben die Bank
einlagen sich doch nicht nur auf einer
Höhe gehalten, welche jener zur gleichen
Zeit des letzten Jahres gleichkäme,
sondern sie weisen sogar noch eine kleine
Zunahme auf. Dies gilt nicht nur
hinsichtlich der Gesamtsumme aller Ban
key, sondern es bezieht sich auch auf jede
".Einzelne Bank.
Winona, Minn.—Wie aus den Bü
chern der Assessoren zu ersehen ist, welche
dem Büro des Auditors von Winona
County vorliegen, ist in diesem Jahre ein
bedeutender Rückfall in den Grundeigen
tums- und Personalsteuern zu ver
zeichnen. Die Personal-Steuerbewer
tung im County außerhalb Winona's
nahm wohl um rund $17,000 zu, da
gegen ergab sich in der Stadt Winona
selbst eine Abnahme von $160,000.
Die Abnahme des Grundeigentums
wertes in der Stadt beläuft sich auf
rund $170,000 im Vergleiche mit dem
Jahre 1913. Auch in den Dörfern
und Gemarkungen ist eine bedeutende
Wertabnahme festzustellen.
Delavan, Minn.—Im Kreise ihrer
Kinder, Enkel, Urenkel und einiger guter
Freunde haben Herr und Frau Charles
Rendall auf ihrer Heimstätte, welche sie
*Mt dem Jahre 1864 bewohnen, das
Mst der diamantenen Hochzeit be
gangen, die 75. Wiederkehr des Tages,
an welchem sie in Chardstock England,,
den Bund für das Leben geschlossen.
Der Jubilar ist 97 Jahre alt, seine
Lebengefährtin 93 und beide befinden
sich trotz ihres hohen Alters noch ganz
wohl und munter. Der Feier wohnten
alle neun Kinder des Paares bei. Die
Kinder überreichten den Eltern einen
Strauß mit 75 „American Beauty"
Rosen und gaben ihnen zwei bequeme
Stühle als Angebinde und ein Enkel,
l^r
in New Jork ansässig ist, hatte der
Großmutter ein Diamantenhalsband
-geschickt.
Alexandria, Minn.— Dr. A. P.
'Sargeant und Frl. Frances Reuter
aus dem 7 Meilen nördlich von Alex
andria gelegenen Orte Carlos sind beim
baden im Carlos-See ertrunken. Sie
waren mit noch zwei anderen in einem
Boote auf den See hinausgefahren.
Einer der Insassen sprang aus dem
Boote ins Wasser und brachte dadurch
das Fahrzeug zum Kentern. Dr.
Sargeant, der ein guter Schwimmer
war, versuchte Frl. Reuter zu retten.
Als er das Boot gerade wieder erreicht
"Chatte, fiel das Mädchen zurück und an
scheinend beide zusammen untergegangen.
Die Leichen wurden geborgen. Frl.
iLU'».
Reuter war 23 Jahre alt. Dr. Sar
geant hatte sich erst vor kurzem in
Carlos niedergelassen. Er stammte aus
North field.
Lester Prairie, Minn.—Obfchon es
nur noch zwei Wochen zum großen
Sängerfeste in Lester Prairie sind, muß
leider heute berichtet werden, daß die
Verhandlungen in den Vorbereitungen
etwas ins Stocken geraten sind, und
zwar aus zwei Gründen. Erstens lau
fen die Antworten der eingeladenen Ge
sangvereine, sowie der Preisrichter und
Redner sehr langsam ein und zweitens
fangen die Feinde der persönlichen Frei
heit, die auch letztes Jahr dem jungen
Gesangverein „Harmonia" eine schöne
Suppe einbrockten, bereits jetzt schon
an, ihre Tatzen zu zeigen. Aber „Bange
machen gilt nicht" und der Vorberei
tungsausschuß ist fest entschlossen, das
aufgestellte Programm durchzuführen.
Den teilnehmenden Gesangvereinen
zur Nachricht, daß folgende Massen
Chöre unter der Direktion von Prof.
Rihm zum Vortrag kommen: „Das
Lied", v. Spohr „Das deutsche Lied", v.
Kunow „Doppel-Adler", Wagner
„Bundeslied", Mozart „Schäfers Sonn
tagslied", Kreutzer. Es wird erwartet
und gewünscht, daß alle Besucher ihre
resp. Vereinsabzeichen tragen. Auf eine
besondere Anfrage müssen wir ant
worten, daß Damen selbstverständlich
willkommen sind, wenn Damenvereine
auch nicht offiziell eingeladen wurden.
Automobile Unfälle,
Zwei Automobilunfälle sind für die
vergangene Woche zu verzeichnen. Letzten
Samstagabend als Math. Dorn sich
auf dem Wege von Nicollet nach New
Ulm befand, wurde es notwendig einer
kommenden Car auszuweichen. Augen
scheinlich drehte der Lenker des Autos
zu weit und der Kraftwagen siel lim
und Herr Dorn und die drei anderen
Insassen wurden herausgeschleudert,
wobei Herr Dorn eine klaffende Wunde
am Bein davontrug welche zugenäht
werden mußte. Dan Williams kam
gleich nach dem Unfall desselben Wegs
und brachte den Verletzten nach der
Stadt wo ihm ärztliche Hilfe zuteil
wurde. Die anderen drei richteten das
Automobil wieder auf und kamen kurze
Zeit später auch nach der Stadt. Der
einzige Schaden an dem Automobil war
ein zerbrochener Windschild.
Der andere Unfall ereignete sich
Sonntag um die Mittagszeit und
Diepolders Hügel war der Schauplatz
des Zusammenstoßes von zwei Auto
mobilen welche mit aller Wucht inein
ander rannten. Alfred Lundeberg und
Familie welche Ft. Ridgely und New
Ulm besucht hatten, befanden sich auf
der Heimfahrt welche sie über die
„Bottom Road" unternommen hatten.
Als sie die Biegung bei dem Diepolder
Hügel zurücklegten, sahen sie auf einmal
ein Automobil von der entgegengesetzten
Richtung auf sie zukommen.
In der Meinung, daß er eine Colli
sion vermeiden könnte, drehte der junge
Lundeberg nach links und der andere
Treiber, Rufus Lieber von Minneapolis
welcher sich auf der äußeren Seite be
fand, drehte vorschriftsmäßig rechts ab
um einen Zusammenstoß zu verhindern
und das Resultat war, daß sein Auto
mobil die Lundeberg Overland Touring
Car in der Mitte traf und -so übel zu
richtete, daß es nach der Garage ge
schleift werden mußte. Liebers Car,
obwohl auch beinahe ebenso stark be
schädigt, konnte noch mit ihrer eigenen
Triebkraft nach der Garage gefahren
werden.
Glücklicherweise kamen die Jnsaßen
mit dem Mosen Schrecken davon mit
Ausnahme von Herrn Lieber welcher
aitfchürfungen an den Armen davon
trug. Durch das hohe Unkraut welches
dort an beiden Seiten der Landstraße
wuchert, ist die Aussicht beinahe gänz
lich genommen und es ist einfach un
möglich ein ankommendes Automobil
zu sehen ehe es einem sozusagen gerade
vor der Nase ist. Daß die Treiber
vielleicht auch etwas schuld an dem
Unfall hatten, muß schließlich auch zu
gegeben werden. In der Gesellschaft
von Herrn Lieber befanden sich eine
Anzahl junger Leute welche den Tag
über in der Fred Behnke Familie zu
bringen wollten.
Seit die Lage in Europa kritisch
geworden ist, fangen die Verwandte
und Freunde von solchen die sich zurzeit
drüben aufhalten, ängstlich zu werden über
deren Verbleib. Hier in New Ulm frägt
man sich wo unser Bürgermeister ver
blieben ist. Frau Doktor Fritsche er
hielt von ihrem Manne dieser Tage
einen Brief, von London geschrieben,
in welchem er ihr mitteilte, daß er am 1.
August in Bern, Schweiz eintreffen
würde. Wie Congreßman Hammond
gestern bepefchirte wurde Dr. Fritsche
und feine Gesellschaft zuletzt gesehen in
Frankreich und zwar am Dienstag.
Wir wollen hoffen, daß er die Schweiz
erreicht hat.
England erklärt Deutsch
land den
Ganz Europa starrt jetzt in Waffen—In England finden antideutsche
Demonstrationen statt. Die Fenster der deutschen Botschaft in London
von einer erregten Volksmenge eingeworfen. Das Kriegsrecht wird in
dem britischen Jnselreich erklärt.
Präsident Wilsons Botschaft an die Krieg
führenden Mächte.
„Als offizielles Oberhaupt einer def Signaturmächte der Hager
Konvention halte ich es für mein Recht und Meine Pflicht, ans Grund des
Paragraphen 3 jener Konvention Ihnen im Geiste aufrichtiger Freundschaft
zu erklären, daß ich eine Gelegenheit willkommen heißen würde, im Interesse,
des europäischen Friedens zu handeln, sei es jetzt, sei es zu irgend einer an
deren Zeit, die für passender gehalten wird, Ahnen und allen Beteiligten in
einer Weise zu dienen, die mir dauernde Ursache zur Dankbarkeit und Freude
geben würde.
(gez.) Woodrow Wilson.,,
Deutschland von Feinden umringt.
Allenstein, Ostpreußen, 3. August.
Bis jetzt haben an der preußisch-rus
fischen Grenze nur unbedeutende Vor
Postengefechte stattgefunden. Gestern
abend um 6 Uhr soll eine Abteilung
russischer Truppen einen Angriff
auf Johannisburg versucht haben.
Die von Johannisburg nach Lyck
fast an der russischen Grenze entlang
führende Eisenbahn ist von den
Russen zerstört worden, und ebenso
die Linie, die nach Dlottowen führt.
Nach den bis heute morgen hier' ein
getroffenen Berichten haben die
Russen 20 Mann an Toten verlo
ren, während auf deutscher Seite
nur einzelne verwundet worden find.
London, 3. August. Dr. R. von
Kuhlmann, ein Rat der deutschen Bot
schaft hier, erließ heute einen bemer
kenswerten Appell an England,
neutral zu bleiben. Er lautet: „Die
Aufrechterhaltung der englischen Neu
tralität würde Frankreich nicht im
geringsten schaden. Im Gegenteil,
man könnte behaupten, daß die strik
te englische Neutralität für Frank
reich von ebenso hohem strategischen
Werte habe die aktive Beteiligung
Englands am Krieg auf Seiten
Frankreichs. Die angeblich geplante
Uebersendung einiger englischer Dl
Vifionen auf das Festland kann bei
den ungeheuren Armeen, die bei dem
Festlandkriege in Betracht kommen,
nur eine geringe Rolle spielen. Al
les, was England für Frankreich
tun kann, ist seine nördliche Küste
bewachen und schützen und die Neu
tralität der belgischen und holländi
schen Häfen aufrecht zu erhalten."
Berlin, 3. August. Die ganze
Einwohnerschaft Berlins gab sich
gestern nachmittag) Unter den Lin
den ein Stelldichein. Tausende und
Abertausende wogten auf und .ab
und brachten auf den Kaiser und die
kaiserliche Familie ein Hoch nachdem
anderen aus. Donnernder Jubel er
tönte, als der Kaiser an einem der
Fenster des kaiserlichen Palastes
sichtbar wurde. Die Nationalhymne
ik
Die Berichte vom Kriegsschauplatz Anten nicht gunstig sur Deutsch
land. In dem Angriff aus Liege, sollen Mausende von Deutschen getötet
und verwundet worden sein. Ein deutsches Schlachtschiff soll gekentert
worden sein und drei sich dem Feinde ergaben haben. Eine ganze Anzahl
Kauffahrteischiffe fallen in die Hände des Feindes.
Laut Kabel depeschen soll am Mittwoch eine große Seeschlacht zwi
scheu deutschen und englischen Schlachtschiffen stattgesunden haben. Mei
lenweit war der Kanonendonner vernehmbar.
Berlin, 3. August. Heute begann
das Überschreiten der russischen
Grenze durch deutsche Truppen als
das erste Bataillon des 155. In
fanterieregiments mit einer mit Ma
schinengewehren ausgerüsteten Kom
pagnie, die unweit der Grenze in
Russisch-Polen gelegene Stadt Ka
lisch besetzten. Die deutsche Infan
terie, die heute von Ostrowo, Pro
vinz Posen, vorwärts rückte, wird
von dem ersten Ulanen Regiment,
die unter dem Namen „Kaiser Ale
xander Ill.-Ulanen" bekannt sind,
begleitet.
New Ulm, Minnesota, Freitag de« 7. Aug., 1914. Nummer 3k
und andere patriotische Weisen wur
den von der Menge intoniert und
seit den Jahren 1870 und 1871 ist
in den Straßen der deutschen Reichs
Hauptstadt die packende Melodie de?
„Wacht am Rhein" nie mächtiger und
erhebender erklungen als gestern.
Wie eine überwältigend rauschende u.
donnernde, Meereswelle brausten die
herzerhebeltden Akkorde des Kampf
uÄ-ArMediis durch die Straßen,
und es schien, als ob ganz Berlin
bis in die fernsten Ecken widerhallte
von, den überwältigenden Tönen.
Her Kaiser ließ das Fenster, an
bed er stand, öffnen und hielt die
folgende Ansprache:
„i$ch danke dem Volk, ich danke
Cum für die Liebe und die Loyali
tat, |die Ihr mir erwiesen habt. Wir
find deutsche Brüder und nichts an
derel Alle Parteien haben mich in
Zeit^r des Friedens angegriffen aber
ich vergebe ihnen von ganzem Her
zeit. I Ich hoffe und wünsche,, daß
das gute deutsche Schwert aus dem
Kampf für das Recht fiegreich her
vorgehen werde."
De^ Kaiser wurde, während er
sprach, wiederholt durch brausende
Zuruft unterbrochen.
Nach dem Kaiser richtete der
Reichskanzler einige Worte an die
Riesenmenge. Er sagte:
„Wir alle stehen wie ein Mann
für unseren Kaiser, was immer UN
sere Anficht und unser Glaubensbe
kenntnis sein möge. Ich bin fest
davon überzeugt, daß alle jungen
deutschen Männer bereit .und willig
sind, ihr Blut für den Ruhm und
die Größe Deutschlands zu vergie
ßen. Wir können nur auf Gott ver
trauen, der uns bisher stets Sieg
verliehen hat."
Ein kaiserliches Reskript ruft den
Reichstag für Dienstag, den 4. Au
gust, zu einer Sitzung zusammen.
Wien, 3. August. In der heuti
gen Ausgabe der „Militärische Rund
schau" heißt es, das ein blutiges
Ringen zwischen Oesterreichern und
Serben an der Drina im Gange
Serbien an der Drina im Gange
ist.Große Abteilungen serbischerTrup
pen machen Anstrengungen, den Fluß
zu kreuzen, u. östereichische Soldaten
versuchen, sie daran zu hindern. Ser
Ben feuerten auf ihre eigenen Boote
in der Drina und töteten und ver
wundeten dabei viele von ihren eige
nen Soldaten.
Brüssel, Belgien, 3. August. Es
wird behauptet, daß 100,000 deutsche
Soldaten auf dem Territorium des
Großherzogtums Luxemburg weilen
und an der französischen Grenze zu
sammengezogen find.
Paris, 3. August. Alle Tele
gramme wurden heilte auf den Post
ämtern abgewiesen, und man macht
fich auf eine vollständige Lahmlegung
des Telegraphen- und Postdienstes
für Privatpersonen gefaßt. Die Kon
zentration der französischen Truppen
an der Ostgrenze macht nach hier
eingelaufenen Nachrichten gute Fort
schritte, und Regierungsbeamte
drückten ihre Zufriedenheit über die
Schnelligkeit aus, mit der der mili
tarische Auszug sich vollzieht.
Die Plünderung eines deutschen
Juwelenladens in Paris und ähnli
che Vorkommnisse ernster und heite
rer Natur haben die Behörde ver
anlaßt, eine strenge Mahnung an die
Bevölkerung zu richten, sich der größ
ten Ruhe und Ordnung zu befleißt«
gen. Die strengsten Maßnahmen
werden gegen die Händler ergriffen,
die ihre Preise ungebührlich in die
Höhe schrauben. ,i:
Koblenz, Preußische Rheinprovinz,
3. August. Etwa achtzig franzöfi
fche Offiziere, die preußische Unifor
men trugen, versuchten, heute in der
Nähe vonWalbeck in der Rheinprovinz,
westlich von Geldern, die deutsche
Grenze zu überschreiten. Der Ver
such wurde vereitelt. j.
London, Z. Aug. Nach den letzten
hier eingegangenen Nachrichten hat
eine deutsche Armeeahteilung in. der
Nähe des fast direkt westlich von
Straßburg gelegenen Städtchens Ei
rey die französische Gernze überschrit
ten. Eine zweite deutsche Armee be
findet sich einer anderen heute morgen
hier eingetroffenen Meldung zufolge
ir dem südlichen Teil des Großher
zogtums Luxemburg auf dem Marsch
nach der französischen Grenze. Das
Großherzogtum Luxemburg ist neu
iräl aber die durch sein Territorium
führende Haupteisenbahn ist Eigentum
der deutschen Regierung. Deshalb hat
diese die Bahn für militärische Zwecke
beansprucht, wogegen von Luxemburg
Einspruch erhoben wurde. Während
der vergangenen Nacht traf ein Mi
litärzug auf der Eisenbahnstation in
der Stadt Luxemburg ein und die
Truppen besetzten die Brücken der
Trier und Trois Vierges Eisenbahn
linien. Der Bürgermeister von
Luxemburg protestierte dagegen, in
dem er darauf hinwies, daß Luxem
bürg neutrales Gebiet sei. Von dem
Befehlshaber der deutschen Truppen
wurde er aber darauf aufmerksam ge
macht, daß die Eisenbahn deutsches
Eigentum sei und daß die deutschen
Militärbehörden unter den bestehen
den Verhältnissen damit tun können,
was sie für gut halten.
Paris, 3. August. Die Regierung
richtete heute morgen einen Appell an
die Presse, in dem sie die Zeitungen
ersucht, die größte Vorsicht in der
Veröffentlichung militärischer Maß
nahmen walten zu lassen. Der Ap
pell machte auf die traurigen Folgen
aufmerksam, die die Veröffentlichung
militärischer Dinge im Jahre 1870
verursachte. Ohne amtliche Erlaub
nis sollen überhaupt dergleichen Nach
richten nicht veröffentlicht werden.
Widrigenfalls wird den Zeitungen
wegen Landesverrat der Prozeß ge
macht werden.
Ein Zeichen, daß Frankreich bereit
ist, auch den letzten Mann unter die
Fahnen zu stellen, geht daraus her
vor, daß die französischen Militärbe
Hörden auch die jungen Leute, die sich
der Militärpflicht entzogen hatten,
auffordert, sich zu melden. Es wurde
ihnen völlige Straffreiheit zugesichert.
Abgesandte der französischen Ko
Ionien trafen heute in Paris ein und
boten der Republik die Dienste der in
den französischen Kolonien wohnen
den Franzosen an. Auch einige Ame
rikaner, die sich noch in Paris befin
den, haben der Regierung ihre Dien
sie angeboten und" wollen gegen
Deutschland kämpfen.
Die Mobilmachung vollzieht sich
auch* nicht ohne humoristische Zwi
schenfälle. Ein Hauptmann, der fich
in Paris mit seiner Kxiegsausrü
stung beladen, zum Bahnhofe bege
Ben wollte, rief einen Droschkenkut
scher heran, der ihn zur Station sah
ren sollte. Als dieser fich weigerte,
fiel eine Menschenmenge üBer den
Kutscher her riß ihn vom Bock und
legte ihn etwas unsanft in die Gosse.
Ein Bürger nahm seine Stelle auf
dem Bock ein, und unter Hurrarufen
wurde der Hauptmann zur Station
gebracht.
Regelmäßige Stadtratssitzung.
In der am Dienstag abgehaltene«
regelmäßigen Sitzung des Stadtrat
wurde eine Petition vorgelegt in welcher
der Stadtrat ersucht wird, dafür zu
sorgen, daß die Viehhöfe der North
western Eisenbahn, wie auch die großen
Oelbehälter der Standard Oil Co. von
ihren jetzigen Lage entfernt werden.
Diese Bittschrift, von 53 Bewohnern
dieses Stadtteils unterzeichnet, führt
an, daß genannte Viehhöfe gesundheits
schädlich seien und daß durch die Oel
behaltet die Sicherheit ihres Eigen
turns gefährdet sei. GesundheitsM
O. I. Seifert sprach sich sehr zugunsten
dieser Petition aus und die Angelegen-
heit wurde dadurch erledigt, daß Stadt-
anwalt Somsen beauftragt wurde, die
Northwestern Eisenbahn zu infov
miren, daß sie dem Wunsch der Bitt
steller so schnell wie möglich nachkommen.
Durch ein, von Wd. Eibner an bot
Stadtrat gerichtetes Schreiben, fara
die Rate für elektrische Motoren aber
mals zur Sprache. Supt. Mueller,
befragt ob den größeren Konsumenten
eine Ratenermäßigung erlaubt werden
könnte, teilte dem Stadtrat mit, dyß
seiner Ansicht nach eine Ermäßigung von
1 bis 1 1-2 Cent pro Kilowatt gemacht
werden könne. Auf das hin wurde ec
„ersucht bis zur nächsten Sitzung eti®
Ratenskala auszuarbeiten und vorzu
legen.
In Angelegenheit der Süd Broad
way zwischen 5. und 7. Südstraße be
richtete AlSerman Fred Behnke daß die
Breite der Straße für Fahrzwecke
50 Fuß reducirt worden sei und daß
die Seitenwege 16 Fuß weiter in die
Straße gelegt worden seien. Dies
wurde getan um John L. Hoffmann
davor zu wahren eine 12 Fuß hohe
Mauer bei feinem Eigentum errichten
zu müssen.
Statt 2-zöllige „Screenings" liefet*
die Kohlengesellschaft welche neuerdings
den Kohlen-Contrakt von der Stadt
bekam, 1-zöllige Kohlen. Supt. Muel
ler berichtete, daß die Kohlen sehr viel
zu wünschen übrig lassen und man er
wartet, daß ein Vertreter der Gesell
schaft in Bälde hier eintreffen wird iW
die Sache zu regeln.
Die Uebertragung der Wirtschafts
lizens von Christ Filzen auf Ben. I.
Vetter wurde genehmigt und der Städ't
fchreiber wurde ersucht in Sachen 'der
Uebertragung von der Wirtschafts
lizens von Andreas Amann an Anton
Bartl die vorgeschriebenen Notiz in der
öffentlichen Zeitung zu publicum
Eine Forderung von William Giefefc
im Betrage von $150 für Schadenersatz
wurde dem Stadtanwalt überwiesen.
Bekanntlich wurde eines von Giesekes
Pferden erheblich verletzt als es auf der
Center Straße-Kreuzung der North
western Bahn zwischen der Schiene und'
einer Planke hängen blieb. Für den
erlittenen Verlust will Gieseke die Stadt
haftbar halten.
Es wurde berichtet, daß das Legen der
Wafferröhren an Süd-Washington,
Süd State, Süd Broadway und 7,
Süd Straße vollendet sei, sowie das
Gradiren von Süd State Straße.
Diese Angelegenheit wurde an te
„Board of Public Works" überwiesen
mit dem Gesuch die Benefits und den
Schaden der durch die gemachten Ver
besserungen verursacht wurden, festzu
stellen.
Die eingelaufenen Rechnungen wur
den geprüft und zur Zahlung ange
wiesen und die monatlichen Berichte der
Beamten wurden verlesen und zu den
Akten gelegt und dann erfolgte Ver
tagung.
Verschoben.
Die von den Geschäftsleuten New
Ulms geplante „Booster" Fahrt .durch
das County welche für gestern anbe
raumt worden war, wurde Mittwoch
abend kurz vor 9 Uhr verschoben mtb
wird voraussichtlich nächsten Dienstag
stattfinden. Durch den Gewittersturm
welcher spät Mittwochnachmittag über
hiesige Gegend hereinbrach, wurden die
Landstraßen derart in Mitleidenschaft
gezogen, daß das betreffende Komitee
es für ratsam hielt, die Autofahrt bis
zum nächsten Dienstag zu verschieben.
Ungefähr 40 Automobile werden sich
an der Fahrt beteiligen. Die 2. Regi
mentskapelle, 30 Mann stark, geht mit
und wird in den verschiedenen Ort
schaften Konzertmusik liefern. An der
Fahrt werden sich voraussichtlich außer
der Kapelle ungefähr 100 Geschäfts
leute beteiligen. Die Abfahrt erfolgt
um 8 Uhr 30 und geht über Searles
nach Hanska und von dort nach Äom
frey. Springfield wird ungefähr um
12 Uhr 30 erreicht wo zu Mittag gespeist
wird. Von dort geht es nach Cobden
und Sleepy Eye wo zu Abend gespeist
wird und dann erfolgt die Fahrt nach
Hause.
Abonniert aus die ,New Ulm Post.
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