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New Ulm Post. [volume] (New-Ulm, Brown County, Minn.) 1864-1933, August 07, 1914, Image 10

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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i---,
61
i?S'V*v
Tvbakextrakt für Rcbenschädlinge.
Ein hierzulande unter dem Namen
Matthüpfer" bekanntes Insekt, wel
ches besonders in den Weingärten
Ohios und Michigan viel Schaden
anrichtet, kann, wie die Sachuerstän
digen im «Ackerbau-Departement fest
gestellt haben, durch Besprühen der
Reben mit leinet Tabaklösung vertilgt
werden, imb zwar kommt es darauf
cm, daß die ganze untere Seite der
von dem Schädling angegriffenen
Blätter mit der Lösung befeuchtet
wird. Letztere wird nach folgenden
Formeln zusammen gesetzt:
1. Tabakextrakt, der 2,70 Prozent
Nikotin-Sulphat enthält, nach dem
Verhältnis von 1 Teil Extrakt auf
150 Teile Wasser verdünnt.
2. Tabakextrakt, der 40 Prozent
Nikotin-Sulphat enthält, nach der
Rate von 1 Teil Extrakt auf 1,500
Teile Wasser verdünnt.
Die insektentötende Wirkung des
Tabak-Extrakts ist dieselbe, mm er
anstatt mit Wasser mit Bordeleser
Brühe oder einer Lösung von arsen
saurem Blei vermischt wird, Mittel,
die gegen andere Arten von Reben
schädlingen und Schmarotzerpilze auf
Weinreben angewandt werden, und
eine solche Mischung schadet auch den
Pflanzen nicht.
Das Besprühen der Reben sollte
in der ersten Hälfte des Juli gesche
hen, wo die noch nicht ausgewachse
nen Insekten in größerer Zahl auf
den Blättern gefunden werden. Ist
die Jahreszeit weiter vorgeschritten,
so haben sich bei den Schädlmgen be
reits die Flügel entwickelt und die
Behandlung mit der erwähnten Lö
sung ist nicht mehr so erfolgreich und
wirksam.
Rebenblatt-Hüpfer schädigt die
Pflanzen dadurch, daß er aus der
unteren Seite des Blattes den Saft
derselben heraussaugt. Es zeigen, sich
zuerst auf der oberen Blattseite gelbe
und weiße Flecken, die spater braun
werden, und schließlich fällt das Blatt
vorzeitig ab. Die Folge des Blät
terverlustes ist, daß die Trauben an
f^üfle und Zuckergehalt einbüßen.
Die siebehnjährige Zikade.
Vom entomologischen Bureau
unseres Ackerbau Departements
ist
unlängst ein Rundschreiben erlassen
worden, in welchem um Information
Wer das Erscheinen der sogenannten
periodischen Zikade (Tibicey septende
cim) ersucht wird, eines Insekts, das
bekanntlich nur alle siebzehn Jahre
aus dem Erdboden, in dem es sich
während dieser langen Zeit aufgehotl
ten hat, zum Vorschein kommt. Das
Gebiet in den Ver. Staaten, a^f wel
chem sich diese Zikade oder Zirpe in
größeren Mengen zu
zeigen
gefall, in
fitei
Pflegt,
ist nach Beobachtungen, die sich auf
einen Zeitraum von über 100 Jahren
-erstrecken, hauptsächlich auf Hie Staa
ien Ohio und West Virginien be
schränkt, während einige zerstreute
Kolonien in Pennsylvania und Vir
ginien beobachtet wurden.
Die periodische Zikade gehört zu
der Ordnung der Halbflügler (Eica
daria, Homoptera) Infekten mit per
gamentartigen, dem Köcher schräg,
dachförmig anliegenden Flügeln, und
jzu der Familie der Singzirpen. Die-
Die periodische Zikade, mit-Seitenansicht
und Larve.
ses sind plump gebaute Tiere mit
kurzem, senkrecht stehendem Koftf lmd
blasenartig aufgetriebener querfaltiger
Stirn, hervorquellenden Augen, bor
stenförmigen Fühlern, glasartigen,
unbehaarten Vorderflügeln und ver
dicktem Vorderschenkel. Die Männ
chen bringen sehr helle, schrillende
Töne hervor, die dadurch entstehen,
daß eine am Hinterleib befindliche,
äußerst dünne Stelle der Haut von
einem starken Muskel in rasche
Schwingungen versetzt wird. Die so
setze eit Töne werden dadurch ver
stärti, daß fast der ganze mit Lust et
füllte Hinterleib als Resonator djent.
Die dünnen Stellen der Haut werden
von Hautfalten, die sich wie Deckel
darüber hin wölben, geschützt.
Die Weibchen bohren mit eiyem in
der Längsspalte des Bauches verbor
-genen Legstackel junge Baumtriebe bis
zum Mark an, um ihre Eier abzule
gen die Larven saugen am Baum
arnd an den Wurzeln. Sie lebten, wie
'is ir™
Set
Erde und Hraüchten
Iahte zu ihrer Entwicklung. Das
fertige Insekt lebt 5 bis 6 Wochen.
Die Zeit, in der es aus der Erde her
vorkriecht, ist in der letzten Hälfte des
Juni'oder Anfang Juli.
Erscheint das Insekt in großen
Mengen, so erregt es bei den Be
sttzern von Obst- und Schattenbäu
men naturgemäß große Besorgnis.
Doch ist der tatsächliche Schaden, den
es anrichtet, in der Regel kein sehr
umfangreicher, außer bei neuen An
Pflanzungen, und selbst hier kann
durch ein gründliches Zurückschneiden
der Zweige nach dem Verschwinden-
Von der Zikade angebohrter Baum
zweig links neue Bohrungen, rechts äl
tere Bohrungen, mit aufgebrochener
Barke.
der Zikade der durch die Anbohrun
gen verursachte Schaden zum großen
Teil erhoben werden. Die iiblichenJn
sektenvertilgungsmittel, wie Kerosene
und Karbolsc.urelösungen, gewähren
nur geringen Schutz gegen das Eier
legen der Insekten, doch hat man
neuerdings die Erfahrung gemacht,
daß mit Bordelaiser Brühe oder einer
Kalklösung besprühte Bäume von den
Zikaden gemieden werden, zumal
wenn sich in der Nachbarschaft andere,
nicht derartig behandelte Bäume be
finden, auf denen sie ihre Eier ab
lagern können. Das zuverlässigste
Schutzmittel für Baumschulen und
Obstgärten besteht darin, daß man
die Insekten früh morgens oder spät
am Abend, wenn sie ziemlich träge
sind, abschüttelt und. in Säcken oder
aufgespannten Schirmen sammelt und
sie dann vernichtet. Dies sollte aber
gleich beim ersten Erscheinen der
Tiere geschehen.
Freistehendes Spaliergeriist.
In gestützt liegenden Gärten, viel
Zeicht zur geschmackvolleren Einteilung
des Gartens, dürste sich die Errich
tung einer freistehenden Spalierwand
empfehlen. Dem Winde ausgesetzte
Lagen sind natürlich der freistehenden
Spalieranlage nicht günstig und ma
chen jeden Vorteil illusorisch. Nut
in geschützt legenden abgeschlossenen
warmen Gärten könnte von dieser
Einrichtung mit Vorteil Gebrauch
gemacht werden. Eiserne Spalier
gerüste kommen dem Liebhaber mei-
stens zu teuer und er greift zur
Selbsthilfe. Wie die Abbildung!
zeigt, ist die Sache auch nicht allzu
schwierig. Zwei Holzpfosten werden,
nachdem sie voher gut angebrannt
sind, in die Erde gerammt und durch
Paralleldrähte mit etwa 12 Zoll Ab
stand verbunden. Die Holzpfosten
selbst werden durch zwei schräg ged
spannte Gegendrähte gut verankert,
Unbeabsichtigte Grob
heit. Dame (im Restaurant): Las- I
sen Sie mir statt der Portion Gans
einen Rostbraten servieren.
Kellner: Bitte sehr! (zum Ser
Vierkellner): Für die Gans hier einen
Rostbraten.
I Frommer Wunsch. Ge
richtsbeamter (über den Prozeßakten
schwitzend): „Es ist doch eine mi
serable Bande, diese Spitzbuben!!
Wenn sie sich bloß überlegen wollten,
was unsereins ihretwegen für Arbeit
hat. Na, und wenn unbedingt ge
stöhlen sein muß, wenn sie sich wenig»
stens nachher nicht erwischen ließen!"
Ein als Kleptograph bekanntet,
von einem Italiener erfundener Die
besalarm entzündet ein Blitzlicht und
photogtaphiert auf der Stelle den
Eindringling in dem Raum, worin
der Apparat sich befindet.
Im Deutschen Reich bestan
den im Jahre 1911 61,557 öffentliche
Neues au^
Nküur ti#ü Wf ititwtuD.
Berufliche Schädigungen durchs
Radium.
Im Radiuminstitut der Berliner
Charit^ sind in der letzten -Zeit ge
sundheitliche Schädigungen bei Per
sonen beobachtet worden, die beruss
mäßig, sei es als Aerzte, Physiter,
Chemiter oder, deren Hilfskräste, dem
Einfluß der von radioaktiven Sub
stanzen ausgehenden Strahlen oder
der entstehenden gasförmigen Pro
dritte ausgesetzt waren. Am ausfäl
ligsten waren Veränderungen ar. der
Haut der Finger, aber auch All
gemeinerscheinungen mancherlei Art
traten stark hervor. Daß derartige
berufliche Schädigungen zur Becbach-
tung kommen würden, war nach den
zum Teil sehr traurigen Erfahrun
gen, die in dieser Beziehung mit den
Röntgenstrahlen gemacht worden sind,
zu erwarten. Die Allgemeinsten
gen äußern sich in großer Müdigkeit
"mit starkem Schlafbedürfnis, Kopf
schmerzen, erhöhter Reizbarkeit, An
fällen von Schwindel, leichten Ohn
machtsanfällen u. a. Die Müdigkeit
und das größere Schlafbedürfnis,
hauptsächlich bei Beginn der Tätig
keitr ist eine fast ausnahmslose Er
scheinung der im Radiuminstitut tä
tigen Personen. Die Gründe dieser
Allgemeinstör Wgen find abhängig von
der Dauer und der Art der BeschLf
tigung und der mehr oder weniger
großen Empfindlichkeit des Jndivi
duums. So scheint der Organismus
der Frau empfindlicher zu sein als
der des Mannes. Von Allgemein
störungen sind weiter Veränderungen
des Blutbildes zu erwähnen. Bei
den beruflichen Schädigungen der Haut
handelt es sich um ganz allmählich
einsetzende Veränderungen, die sich
unter den sehr häufigen, durch Wo
chen und Monate hindurch sich viel
mals wiederholenden Finger-Bestrah
lungen entwickeln. Bei den Hautver
änderungen treten auf: Kribbeln in
den Fingerspitzen, Abstumpfung des
ferneren Gefühls daselbst, Schmerzen
beim Anfassen harter Gegenstände.
Es sind ausschließlich oder überwie
gend die Nagelglieder der drei ersten
Finger befallen, die anderen weniger
oder gar nicht. Die Haut wird glat
ter, Pergament- oder lederartig, es
bilden sich schmutzig aussehende Horn
Hautauflagerungen unter oder neben
dem Nagelrand, die Haut erscheint
stellenweise getüpfelt, die Schweißab
sonderung ist verringert. In schwe
ren Fällen sind die Nägel brüchig.
Bei mangelnder Vorsicht können ähn
liche schwere Störungen auftreten,
wie sie unter dem Bilde der „Rön|-,
genhand" bekannt sind.
Die Aufgaben der rechten und der
linken Hand.
Bon Pädagogen und Physiologen
ist mehrfach gefordert worden, die
Kinder von klein auf dazu zu erzie
hen, beide Hände in gleicher Art zu
benutzen, um auf diese Weise den Un
terschied zwischen rechter und linker
Hand aufzuheben die beiden Glieder
würden dabei gleiche Kraft, gleiche
Beweglichkeit und gleiche Geschicklich
keit erlangen, worin man bisher eineü
Vorzug zu erblicken wähnte. Auf
Grund neuer Beobachtungen hat nun
der französische Forscher Felix Reg
nault der Biologischen Gesellschaft in
Paris einen Bericht vorgelegt, der
diese Bestrebungen mit Gründen be
kämpft. Wir bedienen uns im all-,
gemeinen der linken Hand, um kleine
Pakete oder Schirme zu tragen, um
Kinder zu führen, kurz, um Werrich
tungen auszuführen, die eine mehr
oder minder stetig sich gleich blei
bende Muskelanstrengung erfordern.
Die rechte Hand dagegen dient für
alle zarteren und komplizierteren Be
wegungen, zu allen Verrichtungen, die
dynamische Muskelzusammenziehun
gen erfordern. Wahrem? wir im Tier
teich fast überall eine völlig gleichwer
tige Verwendung der Vorderfüße be
obachten, ist der Mensch Rechtshän
der. Hierin äußert sich ein instinktiv
zur Gewohnheit gewordenes System
der Arbeitsteilung jede Hand ge
wöhnt sich besser an die ihr zukom
Menden Verrichtungen und kann sie
daher leichter und geschickter ausfüh
ren. Die Bestrebungen, die Rechts
händgikeit aufzuheben, wären also
nur ein unzweckmäßiger Kampf gegen
eine sehr weise natürliche Veran
lagung.
Der plötzliche Tod beim Baden.
Nicht selten Höft man von plötzli
chen Todesfällen, die sich in Fluß
und Seebädern ereignen. Die Erklä
rung, die man gewöhnlich dafür gibt,
ist, daß den Badenden infolge der
Überanstrengung und Erhitzung ein
Herzschlag getroffen habe. Auch der
volle Magen gilt bisweilen als Ur
fache. Aber diese Gründe sind nicht
ganz klar, wenn man bedenkt, daß
die Schwimmer gewöhnlich junge
kräftige Leute, häufig auch recht ge
übt sind, bei denen ein Herzschlag
sehr unwahrscheinlich ist. Auch ha
ben die meisten Sektionen der Leichen
am Herzen nichts ergeben. Es ist
nun interessant, eine Hypothese zu
hören, die Dr. A. Gütlich aus Frank
furt in der Medizinischen Klinik ent
wickelt. Et zieht den sogen. Vesti-
1
Volksschulen mit 187,485, vollbeschäf
tigten Lehrkräften (darunter 39,268
weiblichen) und 10 Millionen Schü«
lern, fast gleichviel Knaben und Mäd
chen.
»u$304
Sutarapparat oes inneren Ohres her
I an, dessen Störungen Schwindel, un
willkürliche Augenbewegungen und
Erbrechen Hervorrufen können. Der-'
artige Erscheinungen treten bei gewis
sen Menschen, besonders solchen, die
einen Schaden am Trommelfell ha
ben, aber auch bei anderen, deren
Trommelfell intakt ist, auf, wenn
man ihnen kaltes Wasser ins Ohr
spritzt. 'Die plötzlichen Todesfälle im
Wasser sind durch solche Reizungen
des vestibulären Apparates zwanglos
zu erklären. Es gibt eine Menge
Menschen,, die einen alten Riß im
Trommelfell, von Jugend an haben,
ohne etwas davon zu spüren. Auch
kann ein mißlungener Kopfsprung zu
einem Riß führen. Dann dringt kal
tes Wasser durch den äußeren Gehör
gang in die Paukenhöhle und reizt
von hier aus den vestibulären Appa
rat. Es kommt zu Orientierungs
störungen denn, das Vestibulum
ist das statische Sinnesorgan —,
zum Erbrechen infolge Reizung der
I Magennerven auf nervösem Wege
vom Gehirn her. Dabei ist ein vol
let Magen natürlich gefährlicher als
ein leerer. Man müßte daher, so
verlangt Dr. Güttich, Leute mit
Trommelfelldefekten warnen, allzu
kühne Kopfsprünge auszuführen oder
in zu kaltem Wasser unterzutauchen,
Ein ins Ohr gesteckter Wattepfropfen
ist ein gutes Vorbeugungsmittel ge
gen die Gefahr, die dem inneren
Ohre droht.
Soll man Kinder in die Ecke stellen?
Das Jn-die-Ecke-Stellen der Kin
der wird hier und da in der Schule
und im Haus als Strafmittel ange
wendet, ohne daß die strafenden El
tern oder Lehrer sich darüber klar sind,
daß diese Strafe, ganz abgesehen von
ihrem immerhin zweifelhaften Wert,
bei längerer Ausdehnung gewisse
schädliche Folgen für die kindliche
Gesundheit haben kann, ein Erfolg,
der sicherlich manchen von der An
wendung dieses Mittels abhalten
würde. Die Belastung der Beine und
Füße wirkt beim Stehen sehr ermü
dend, ermüdender als beim Gehen,
wo sie abwechselnd das eine und das
"andere'Bein trifft. Land andauern
des Stehen kann daher schwache
Knochen und Sehnen angreifen und
so die Entstehung von krummen Bei
nen und Plattfüßen unterstützen. Die
krummen Beine der Bäcker und an
derer Berufe sind ja gewöhnlich die
Folgen^anstrengenden Stehens. Wenn
nun auch das in die Ecke gestellte
Kind unwillkürlich die Beine ab
wechselnd belastet, so ist damit doch
noch nicht die Gefahr behoben, denn
das muß jeder aus eigener Erfah
rung wissen diese Abwechselung
hilft nur für kurze ^Zeit. Ja, durch
sie wird noch eine neue Gefahr her
auf beschworen dadurch, daß beim un
gleichmäßigen Stehen das Becken
schiefgestellt und die Wirbelsäule seit
lich verbogen wird. Auch hierbei
können die Knochen und Bändet ge
schädigt und die Entwicklung einet
Skoliose unterstützt werden.
Natürlich soll hier nicht behauptet
werden, daß jedes Strafeftehen gleich
Plattfüße und Skoliose herbeiführt
einem derbgesunden Kinde wird wohl
auch häufiges Strafestehen keinen kör
perlichen Schaden tun. Das aber
muß beachtet werden, daß das lärme
Stehen für ein kränkliches offer
schwaches Kind mit schwachem Kno
chengerüst und weichen Knochenbän
dern erstens einmal eine unnütze
dual ist und dann auch die bei diesen
Kindern stets bestehende Gefahr der
Verkrümmung zum mindesten vergrö
ßert. Außerdem ist ein auf solche
Weise ermüdetes Kind sicher nicht
mehr so gut imstande, Lehren und
Kenntnisse in sich aufzunehmen, als
vorher. Man sollte daher nach Mög
lichkeit von der Verhängung dieser
Strafe absehen, deren moralischer
Erfolg in keinem Verhältnis zu» den
körperlichen Folgen steht.
Eine grau hafte Blut
tat ist in Liegnitz verübt worden. Der
Sergeant Gustav Zechet vom Königs
Grenadier-Regiment erschoß in der
Wohnung die 22jährige Tochter des
Dienstmannes Ender und das fünf
jährige Kind, das aus dem Verhält
niß mit Zechel hervorgegangen war.
Hierauf erschoß er sich selbst. Der
Tod ist bei allen drei Personen sofort
eingetreten. Die Hausbewohner hat
ten von dem Vorfall nichts bemerkt,
so daß die Leichen erst am Nachmittag
aufgefunden wurden. Das Motiv ist
unbekannt. Auch aus einem Ab
schiedsbriefe, der in der Tasche Ze
chels gefunden wurde, ging nichts her
vor.
tc fischreichsten Gewässer
des Deutschen Reiches besitzt Bayern,
das nach dem letzten Bericht übet den
Stands seiner Fischzucht rund 27,000
Fischteiche, ohne die Seeflachen mit
einem Areal von mehr als 14,000
Hektar hat, deren Nutzung noch be
trächtlich gesteigert werden kann.
1
Im Jahre 1910 gab es in den
Ver. Staaten 41,178,000 Stück
Rindvieh, welche Zahl am 1. Januar
1914 auf 35,855,000 heruntergegan
gen war eine Abnahme von über
5,000,000 Stück, oder nahezu 13
Prozent, in einem Zeitraum von vier
Iahten. Die Zahl der Schafe fiel
von 54,448,000 auf 49,719,000, oder
5,2 Prozent.
Frauenkrelse
Bit Alme Im
An Blumen freut sich mein Gemiite,
Und ihren Rätseln lausch' ich gern,
Sie sind uns nah in Duft und Blüte,
Und durch ihr Schweigen doch so fern,
sagte schon vor einigen hundert Iah
ten der fromme Prior vom Kloster
Sankt Domenikus, und seitdem ist es
nicht anders geworden. Sie sind uns
nah in ihrer mannigfachen Blüte, in
ihrem wunderbaren Duft und durch
ihr Schweigen doch so fern geblieben.
Nichts plündern sie aus von den sü
ßen Gedanken beim ersten Strauß des
Geliebten, nichts von dem seligen
Glück, das das Hetz der jungen
Braut unter det zarten Myrtenkrone
erfüllt, nichts von den vielen schmerz
lichen Gedanken, die dem stillen Schlä
ser in den vielen Blüten mit zur letz
ten Ruhestatt gegeben werden. Und
es ist gut so! Würden die Blumen
reden, wieviel würden sie zu erzählen,
wissen denn was uns auch immer jjn
Leben bewegt, ob Trauer, ob Freude,
wir können uns das Leben nicht mehr
ohne die zarteü, schweigenden Gefähr
ten vorstellen, sie schmücken unser Le
hen wie unser Sterben, sie begleiten
uns auf fast allen Wegen, das ein
fachste Stübchen machen sie hell und
freundlich und dem Luxus geben sie
erst die richtige Vollendung.
Als Symbol aller unserer Hand
lungen können wir eigentlich die Blu
me bezeichnen, und es haben sich im
gesellschaftlichen Leben gewisse Bräu
che eingebürgert, die sozusagen
„Form" geworden sind. Wir werden
es schwerlich wagen, einer verwöhnten
Weltdame ein zierliches Veilchen
sträußchen zu überreichen, das als
freundliche Gabe und kleine Aufmerk
samkeit bei einer guten Bekannten im
mer noch willkommen fein dürfte.
Unter-den weniger kostbaren Blumen
hat sich das Maiglöckchen einen unbe
strittenen Platz trotz seiner bescheide
nen Blüte zu bewahren gewußt. Viel
leicht ist dies dem Umstand zuzuschrei
ben, daß es trotz der Treiberei und
künstlichen Zucht seinen wunderbaren
Dust behalten hat, den ja leider die
'Rose und die herrliche Nelke bei win
terlicher Blüte völlig verloren hat. So
schön die Rose auch sein mag,, im
Winter ist sie uns fremd geworden,
ihr fehlt der süße Duft, der ihr ei
gentlich erst Leben verleiht und auch
die wirklich glutrote Rose, deren Be
deutung Träger schildert in dem Ge
dichtchen, das beginnt:
„Rotglühende Rose genährt von den
Gluten der Sonne, hebest du lächelnd
dein Haupt und atmest betauschenden
Duft aus, in jungen Hetzen weckt er
Sehnsucht nach einem kaum geahn
ten Glück", sie ist nur ein Kind der
Sonne, in Sommersonm erglüht und
erblüht, gelangt sie zur höchsten Voll
endung. Ihre anderen Schwestern,
wohl ebenso schön, vielleicht gar noch
schöner an Form und Farbe, beglei
ten uns auch in den Winter und täu
schen uns den Sommer vor und doch
stehen sie uns als fremde Geschöpfe
gegenüber,, weil ihnen das fehlt, was
die Seele det Rose ist, ihr herrlicher
Duft..
Und doch können wir der Gärtner
kunst nicht dankbar genug fein, daß.
sie uns den fast unentbehrlichen
Schmuck unseres Lebens in so weitge
hendem Maße auch im Winter zu be
schaffen vermag. Nicht allein das
engere Heimatland,, auch Ausland und
Tropen vermag, sie uns herzuzau
bern, und mit ihren Kunstwerken
können wir uns schmücken, wann und
zu welcher Gelegenheit es auch immer
sein mag. Wir erinnern nur an die
wunderbaren Chrysanthemen, die
Lieblingsblume der deutschen Kaise
sin. In wenigen Jahren, Jahrzehnte
I wäre zu viel gesagt, hat diese Blume
eigentlich das winterliche Herrscher
-..recht im Blumenreich an sich gerissen.
Weiß und rosig, dunkelrotbraun mit
goldenen Säumen, groß, daß sie als
Solitärblumen schon eine Vase zu
1
füllen vermögen, und winzig klein,
so daß ein ganzer Strauß zum Zim
merschmuck erforderlich wird, hat die
ses Kind aus dem Lande der Geishas
auch von unserem Herzen Besitz er
griffen. Denken wir weiter an die
herrlichen Orchideen, die mit unend
licher Mühe in ihren ersten Exempla
ren aus den tropischen Urwäldern zu
uns gelangten und die jetzt schon jo
verbreitet sind, daß man sich die Toi
lette einer eleganten Frau kaum noch
ohne Orchideenarrangement vorstel
len kann. Wir kennen die Orchideen
in fast allen Schattierungen, in den
wunderlichsten Formen, die an Bizar
terie nichts zu wünschen übrig lassen.
Als schlanke Rispen, als wunderbare
Blütezigebilde, märchenhaften Insek
ten ähnlich, zauhrn sie uns ein Stück
ihrer fonnendurchglühten Heimat vor
und erwecken Sehnsucht in uns nach
einer Sonne, die eine andere zu sein
scheint, als die, die uns hier leuch
tet. Man versteht die immer wieder
erstehende Sehnsucht der Reisenden,
die einmal die Blütenpracht der Tto
Den aeschaut. und zutiickgelockt werden
nach |enetn" Zauberlande, wie Iber
Schiffet zu dem Zauberbilde dei
sunkenen Vineta.
1
ver­
Aber wir wollen zufrieden sein
mit
dem, was uns zugänglich ist, und un
ser Heim mit den herrlichen Kindern
Floras schmücken- und beleben. Wie
wir dies tun, das läßt sich in wenigen
Worten nicht sagen und" hängt, so
schön auch jede Blume an sich se.n
mag, Doch von dem eigenen Gejchmuck
und dec kunstgewerblichen Kerum it
ab. Atan glauve nur nicht, daß nur
die Kunstwerte der Heramit enlveh
ren können. Sie sind uns unbeomgt
notwendig, wenn wir den Blumen zu
ihrer vollen Geltung verhelfen wollkn.
Mart mache doch einmal das Expeu
inent und stelle einen kostbaren Orchi
deenstrauß in ein Wasserglas mög
lichst gewöhnlicher Preisung! Nein,
wir müssen auch borin einen gewis
sen Geschmack walten lassen, und
eigenartig es auch klingen mag, die
Vase ist und bleibt die Hauptsache,
wenn es sich darum handelt, unser
Heim mit Blumen wirklich zu schmul
ken. Die Blume an und für sich ist
schön, tadellos schön auch in der
größten Einfachheit, aber ihren gan
zeit Reiz, ihren,Zanber der eigenen
Persönlichkeit übt sie doch erst aus,
wenn man sie in einen angemessenen
Behälter bringt. Ein Wiesenstrauß
kann noch fojiinfach sein, eine hübsche
Vase wird fur ihn genügen, um der
Veranda, dem Wohnzimmer ein
wirklicher Schmuck zu fein. JrgenS"
jemand hat einmal gesagt, daß eine
wirklich schöne La Ftance?Rose nur
in einem schlanken Sektkelche zur rich
tigen Geltung käme, und dieser Aesthet
hat recht. Die großen Sonnenblu
blumen, die wir im Spätherbst so
viel erhalten können, wirken herrlich
vor einer dunklen Tapete in einer
Vase von dunklem Amphoraporzel
ton, ohne jede Beigabe von Laub oder
irgendwelche' anderen" Blumen.
Hohe, schlanke, schön geschliffene
Glasvasen sind für große Chrysan
themen und andere Solitärblumen
der richtige „Standpunkt", und eine
altertümliche Vase, niedrig und viel
leicht dreieckig obe„r von anderer eigen
artiger Form, im Herbst mit tief
dunkellila Astern gefüllt, wird stets
allgemein bewundert.
Was nun das Schenken von Vlu
men anbelangt, so gilt vielleicht all
gemein der Grundsatz, daß man
Blumen immer schenken kann, und
doch wird man noch einige Formen zu
beobachten haben. Je ferner die Be
kanntschaft ist, desto wertvoller muß
auch die Blumengabe sein. Sie darf
die schönsten Exemplare der jeweiligen
noch besser einer anderen Jah
reszeit umfassen. Wachsende Blu
men, die in Töpfen gefchenkt werden,
darf man nur denen Bringen, von
denen man eine besondere Liebe für
die Gabe erwarten darf, und die auch
später, bei der Pflege des Gefchen
kes gern an den Geber erinnert wer
den.
Böses mit Sutern vergelten.
An einem kalten Wintortage, an
welchem alle Wege mit tiefem
Schnee bedeckt waren, kam der alte
Simon aus dem Walde zurück und
tn.41 eine schwere Last Brennholz
auf seinem Nucken. Als er über
eine Brücke gcyen wollte, rief eine
Stimme.' „Halt, Alter!"—Der alte
Simon erschrak und stand stille. Da
trat der geizige Farmer Philipp,
der zugleich Konftabler war, zornig
3U ihm iifid fuhr ihn mit der Fraae
an: „Wo hast Du das Holz her?"—
„Ach. lieber Mann," sagte der Alte,
I „ich habe das Holz nicht entwendet
ich habe es ausgelesen. Reis um
Reis, redlich und recht."
„Lüge mir nichts vor, alter Grau
köpf!" erwiderte der garnier, ..Du
fast das Holz gestohlen l" Damit
riß er dem alten Manne das Holz
vom Rücken und warf es über die
Vriute in den Fluß.
Simon blickte dem Holz, nach,
und Tränen flössen aus seinen
Augen, als er nach feiner armseli
gen Hütte am gegenüber liegenden
Hügelabhang ging denn er hatte
daheim feilt Holz, um sich zu war
men.
(Segen Frühling stand Si
mon eines Tages nahe bei dem
Flusse und half an einem kleinen
Schifflein arbeiten.
Mehrere Knaben spielten auf dem
bereits morsch gewordenen Eise.
Plötzlich brach dasselbe an einer
Stelle, und zwei Knaben sanken
unter.
Der alte Simon sah es und eilte
hinzu. Mit aller Mühe und mit
Gefahr seines Lebens rettete er ei
nen der Knaben den andern
hatte das Wasser sckion unter
der Eisdecke fortgerissen. Dieser
gerettete Junge war des geizigen
Philipp einziger Sohn.
Simon nahm den Kleinen auf
den Arm und trug ihn in des Va
ters Haus. Als dieser hörte, das
der alte Mann seinem kleinen
Sohne das Leben gerettet habe,
fiel er ihm um den Hals und sagte
beschämt: „Simon, Simon! Ver
zeihe mir. ich habe Pich erst kürzlich
schwer beleidigt!"
„Nmt," sagte der Alte," „lotseit
Sie es nur gut sein: ick habe ge
lernt, Böses mit Gittern zu ver
gelten"
•1
I
it
I
i.

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