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New Ulm Post. [volume] (New-Ulm, Brown County, Minn.) 1864-1933, August 14, 1914, Image 3

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GKeaer Schrewebrlef des
Philipp Sauerampfer.
1073.
Mein lieber Herr Redacktionär!
Mer sin for die
längste Zeit mit den
*87
laise. Ob
Ehrfchipp erum ge
floge un ich muß \a
ge, ich hen en bar
barische Hunger
kriegt. Ich hen ge
fragt, wenn bet
Lonsch fertig war
«r.Ä da hen ich die Jnförnrehschen
triegt daß je an Duttie itotoerhaupt
niäs efje könnte un daß fe nit ehn«
bzt lunfche oehte, als bis fe widoer
M! den Graund tomme dehte, wann
das awwer war, das könnte fe nit
sage, mehbie es war schon in zehn
Stunde, mehbie es deht auch noch zwei
Dag lternm».
Well, icy hen gewißt, daß ich es
kcwe halwe Stund mehr ftenöc könnt
An ich hen das die Piebels auch ge
sagt. Ju, hat einer gejagt, wenn
Sie efje wolle, dann hätte Se an den
Graund odder bei]er gejagt an Jhiu!
Jhc Schipp ftehn folle. Mir heil
Jhae nit gerufe wenn sich off Kohrs
eil Feller an unser R-.HP tete duht,
bcun misse mer doch eckjpeckte, daß er
erauf gepullt w^llt fem. Jetzt misse Se
auch die Kohnjektoenzes stende." £a5
sin mich j« ganz fchöne Geschichte
g^wefe: Ich hen emol iwwer Bohrd
geguckt, für auszujinne, wie klohs mer
zu den (Äraund Ware, mehbie ich hätt
ervmur tschumpe könne, awwer mir
sin jo weit von die ticri) g^ewese, daß
ich iwwerhaupt nicks hen dijtitigwi
fche könne ich hen noch emai ge
guckt un

gehabt: ich sin difsie geworde un fiefict
Ml hen meine Konfa^zlosigkeit ver
löre. Nach lange Zeit hen ich en
Schmell wie Wißue genohtißt un das
hat mich
Widder
ins Lewe zurüage-
rufe. Die Fellerfch hatte mich mei
Fehs mit Wchtie gerobbt gehabt un
der
liebliche Geruch hat mich
das
is es
Widder
gesickst.
Mitrer Sauerampfer, hat der Käp
ten gejagt, ich kann sehn, daß Sie
en kranttr Ätann fem werde, wenn
Sic noch länger bei uns ftehn. An
den Graund könne mer nit reduhr,
bikahs mer hen noch ganze Latt
«uszufrnne, for daß mer en diefente
R'.eport mache könne un fo bleibt nur
ein Ding zu duhn, nämlich, daß mer
Ihne an den Rohp
Widder
erunner
Rohp lang genug
is,
iaiiit ich off Kohrs nit sage, awwer
komme dann wenigstens
nug zu die Erd, for
Itter
ge­
dsch
etil
Se tschumpe
könne, mehr wie drei Hunnert Fieß
is is
to eg nit." Befohr daß ich
sn Rieplei hen mache könne, sin ich
angeteit gewese un hen iwwer Bohrd
gehängt. Der Käpten hat mich noch
zugerufe, ich sollt meine Auge fest
zumache, mehbie ich könnt dann we
nig en Näpp nemme un deht von die
ganze Geschicht nicks nohtisse, bis ich
den Graund totsche deht. Ich hen
den Ettweis genomme un hen meine
Auqe zugemacht. So fchloh wie
D.olässes
voran gange, awwer
jeder Windstoß hat mich erum bam
Bete mache, als wenn ich noch keine
sechs Aunzes wiege deht. Mehr tote
einmal hen ich gedenkt: Well, duhn
ich dann nie nit mehr den Graund
rteijche?
Dann un toarttt hen ich
mal gepiept, un ich hen gefehti, daß
ich nierer zu den Graund komme
duhn,—awwer ich warn immer noch
so distent, daß ich en Kerchetorm for
en Tuhspick genomme hen. Immer
näher sin ich komme, immer größer
sin die Abfcheckts an die Erd gewor
de ich hen schließlich die Haiser aus
nuche könne, dann hen ich Mensche
dutinkwische könne un Tries un fo
Stoff un ich hen dann wenic, besser
Mit einem mal hen ich en lange
breite Weg genohtißt, wo grade unner
m.ch gewese is, wie ich awwer noch
wenig klohser sin komme, hen ich
ausgefunne, daß es en Riwwer war.
For Pittiesehks, hen ich gedenkt, weny
nvr jetzt das Rohp noch nit ausgew
wc duhti Un es hat noch' keine zehn
M'.ntlüs mehr genomme, da hat die
.Gejchicht gestoppt un das war Sein
daß ich jetzt so ebaut all das Rohp
.genösse gehabt hen, was an den Ehr
schilp gewese is. Ich hen getschotscht.
j)uE ich so ebaut siwwezig Fuß von
Jen Wasser entfernt war, un daß ich
.je^ hen tschumpe misse, ganz einerlei
was häppeue deht. Ich hen gestart
das Rohp los zu mache un hen mich
gmiz gmietlich falle losse. Schuhr ge
nug sin ich ins Wasser gefalle un
das hat fo en Spläfch gewwe, daß
Boot wo klohs dabei war, gekäppfeist
i» un die zwei Fellersch wo drin
ware, ins Wasser gefalle sin. Die
hen ihr Boot schnell Widder aufge
fickst un dann hen se mich geschft.
Ich sin ohnmächtig geworde un wie I
ick Widder mich komme sind, da!
hen ich an Kautsch von Graß ge
lege un ganze Latt schwarze Kerl,
wo sotuspiek puttienier nehked ware,
hen um mich erum gelege un hen ihre
Fchses an den Graund gehabt. Well,
well, hen ich gedenkt, was meint das
un wo sin ich hingerate? E Wum
men is komme, mvhat mich ebbes zu
effe gebracht was es gewese is, hen
ich nit gewißt, ich hen awwer auch
nicks drum gewwe in meine Kohu
dischen hätt ich Schuhtäcks un Bot
tenbucks gesse un hätt noch for
zwnte Help gefragt. Ich hen auch
en Drink krieat. der Bat aeteMt als
wenn ebbes brchndiea^tiges drin
wii enniweg hat mich das Miehl
wieder schön aufgcsickft, Ich hen jetzt
©achf gehört, wo ich so surpreist ge
totse sin, daß ich alles for en Driem
g-nomme hen, es is awwer kein
Driem gewese. Duhn Se for den
Lands Sehks nit mein nächstte Brief
misse bikahs das is Vietsch.
womit ich verblciwe
Ihne Jhrn liewe
S a a
Der Dolch des Affassmen.
Geichichte aus dem Orient von Kurt
Toppen.
Es war der 4. September des
Jahres 1080, die Nachmittagssonne
brannte heiß auf die nackten Fels
wände hernieder. Ein alter Mann
mit langem, weißem Bart, bekleidet
mit einer wollenen Kutte, die durch
einen Strick um den Leib zusammen
gehalten wurde, mit einem schwarzen
Turban auf dem tantigen Haupte,
-setzte sich im Schatten eines überhän
genden Felsens nieder und wischte den
Schweiß vor der Stirn. Seine bei
den Begleiter, junge, kräftige Gestal
ten, schien' die Anstrengung des be
schwerlichen Marsches viel mehr mit
genommen zu haben, sie warfen sich
zu Füßen des Alten ins knappe
Gras und schliefen, von Müdigkeit
5
und dem Erdboden gleichgemacht
wurde. Nur ein schmaler Pfad führtei
da hinauf, sonst überall senkrechte
men mußte, um freie Bahn zu haben.
Er weckte seine Genossen, um bei
Einbruch der Dämmerung in Alamut
einzutreffen.
Die Torwärter nahmen keinen An
stoß, die drei Derwische einzulassen
ihrem Anzug nach gehörten'sie zu ir
gendeinem Orden der Susi und wa
ten deshalb als fromme Männer und
Asketen überall gern gesehen, ja oft
als eine Art Heiliger verehrt. Der
Alte schien in Alamut nicht fremd, er
bog in eine Seitenstraße und klopfte
an die Tür eines bescheidenen Hauses.
Am anderen Morgen bot der
Mossellaplatz, der den Bewohnern von
Alamut als Versammlungsort diente,
ein eigenes Bild die Einwohnerschar
drängte sich um den Alten, die, Leute
küßten den Saum seines Gewandes,
knieten nieder und benahmen sich so,
als wäre der Prophet in Person er
schienen. Zwei Diener des Schloß
Herrn sahen dem sonderbaren Trei-
ben zu und begaben sich eilig ins
Schloß, um iheent Herrn Meldung
zu erstatten. Er, der Mahdi, der
doch der eigentliche Heiland zu sein
vorgab, hatte von feiten eines Teiles
der Bewohner Alamuts eine ähnliche
Verehrung genossen nun kam da ein
fremder Mann, der ihm seine Glau
bigen abspenstig machen wollte. Da
fiel ihm auch ein, daß in letzter Zeit
seine Anhänger sich lässig gezeigt hat-
S a a
Hassan bin Sabah, denn niemand
anders als dieser war der fremde
Mann, schon seit Jahren vorgearbei
tet hatte, um Alamut mit seinen
Kreaturen zu bevölkern.
Der Alide legte seinen besten Staat
an, um. dem Fremden auf dem Mos
sellaplaZ zu imponieren. Niemand
kümmerte sich um Ihn. Wo waren
denn seine Gläubigen, seine Anhän
ger? Da, wahrhaftig, die Leute, die
er für die treueften gehalten hatte,
auf die er geschworen hätte, sie um
dränaten den unheimlichen Alten in
der wollenen Kutte am meisten und
schienen ihn gar nicht zu sehen. Wie
ein Zauber ging es von dem Der
wisch aus, und als ihn, den Burg
Herrn, das kalte, unergründliche Auge
des Fremden traf, hätte nicht viel ge
fehlt, so hätte auch er das Knie ge
beugt und den Saum des Gewandes
geküßt. Mißmutig begab sich der
Mahdi in sein Schloß. W'z sollte
das enden? Bon Tag zu Tag nahm
der Einfluß des Alten zu, und als
er ihn eines Abends wieder auf dem
Mossellaplatze traf, redete Hassan bin
Sabah ihn an, zum erstenmal: „Ich
habe mit dir zu reden, komm morgen
früh in meine Wohnung."
Nichts weiter, kein Gruß, keine
Höflichkeit! Und er, der Herr, der
Mahdi? Er gehorchte ohne weiteres
auf seinem eigenen Grund und Bo
den, wo noch vor kurzer Zeit sein
Wort Gesetz gewesen war.
„Ich habe dich gerufen," begann
Hassan ohne weiteres, „weil es dir
klar geworden sein muß, daß ich der
eigentliche Heer von Alamut bin. Ich
kann dich hier nicht gebrauchen, also
packe deine Sachen zusammen und
verlasse die Burg."
Der Burgherr machte allerlei Ein
wendungen und meinte, er könne jetzt
doch nicht mittellos in Kaswin oder
Ispahan erscheinen.
„Du kannst alle deine Kostbarkeiten
und sonst alles, woran dein Herz
hängt, mitnehmen, und ich will dir
übermannt, sofort ein. Es war ein
mühsamer Weg gewesen von Kaswin 5., noch 3000 Goldstücke bezahlen, denn
hier herauf, immer bergauf, bergab ich bin kein Dieb, sondern der Groß
durch die Schluchten des Elburs, nun
war das Ziel aber auch nicht mehr
fern. Da lag die Feste Alamut
das Adlernest auf schroffem Fels, schrieb ihm eine Anweisung auf 3000
das Schloß selbst schien wie aus dem Goldstücke an den Statthalter von
Gestein herausgewachsen, so hart an: Damegan aus.
der Kante war es gebaut. Unein-j „Aber, bester Großmeister, der
nehmbar war diese Burg und hat sich Statthalter wird diese Anweisung
tatsächlich über zweihundert Jahre niemals bezahlen, er ist ein Beamter
gegen alle Belagerungen und Angriffe des Sultans Melick Schah und muß
der mächtigsten Heere gehalten, bis sie: also dein ärgster Feind sein."
dann den Scharen des fürchterlichen „Er ist allerdings Beamter des
Mongolenfürsten Hulago unterlag
meist« der Jsmaeliten."
Wohl oder übel mußte der Bur&
Herr kapitulieren Hassan bin Sabah
Melick Schah, aber er ist in unserem
Bunde und wird das Geld bezahlen."
Das Wunder geschah die Staats
kasse zahlte sür den Geheimbund.
Felswände, selbst den Tieren des Ge
birges unzugänglich.
Schon lange hatte der Alte ein
Auge auf diese Feste geworfen, sie
sollte seine Residenz werden, von ihr
aus wollte er die Welt beherrschen,
die Großen und Mächtigen sollten
zittern, die Armen und Dienenden
die Köpfe scheu verstecken, wenn er sei
ne Blitze senden würde. Jahrzehnte
hatte er an feinem Kerfe gearbeitet!! immmm uno ihrem jgerrn |o
icy Balte er die Zügel des Bundes wu ergeben, d»ß sie dem leibhaftigen
fest der Hand, und im ganzen
nördlichen Persien war er mächtiger
als Melik Schah selbst. Oben in
Alamut herrschte ein Alide, der sich /ßatri gezogen Steg und Weg im Ge
Mahdi nannte dieser war das letzte xbirge waren verweht und verschneit,
Hindernis, das er aus dem Wege räu- 'kaum, daß es hier und da einem
Kaum war der Burgherr abgezo
gen, so nahm Hassan von dem
Schlosse Besitz zu seiner persönlichen
Wohnung erkor er ein Turmzimmer,
unter dessen Fenstern ein unergründ
licher Abgrund gähnte. Dieses Zim
mer durfte niemand betreten außer
zwei persönlichen Dienern des Alten,
ausgesuchte Geschöpfe, die er sich aus
Aegypten mitgebracht hatte beide
waren stummm und ihrem Herrn so
Satan zu Leibe gegangen wären,
wenn es der Herr befohlen hätte.
Langsam war der Winter ins
Boten geläng, mit vieler Mühe und
Lebensgefahr bis Alamut vorzudrin
gen, um den Bewohnern Nachricht zu
bringen, was in der Welt vorging.
Da war nicht ein Bote, der nicht
von den großartigen Erfolgen des
Sultans und seines großen Mini
sters, des Nizam el Mulk, berichtete.
Hassan bewahrte äußerlich seine Ru
he, aber in seinem Inneren kochte es.
'Er dachte längstvergangener Zeiten:
Als er noch in Nischapnr studierte, da
war der jetzige Minister sein bester
Freund gewesen Omar hin Chaijam
war der Dritte im Bunde sie schwo
ren sich gegenseitig, daß der, der es
im Leben zu hohem Ansehen und
Einfluß bringen würde, die Freunde
zu seiner Höhe emporziehen sollte.
Der Nizam hatte sein altes Verspre
chett auch gehalten Omar, der be
rühmte Mathematiker, lebte schon
lange unter seinem Schutz, auch Has
san bin Sabah hatte der Minister
ein hohes Amt übertragen, aber Has
san wollte der Erste sein und seinem
Ehrgeiz den alten Freund opfem
das brach^ ihm den Hals, und wäre
er nicht" eiligst geflohen, so hätte ihn
der erzürnte Sultan einfach hinrich
ten lassen. Jetzt plante der schreckliche
Mensch Rache für die so wohl
verdiente Schmach.
Als der Frühling Weg und S:eg
wieder freigemacht hatte, keuchte eine
Karawane von Maultieren den Oi-
ten und daß ihrer immer weniger ge- ^a
™roatte von Maultieren den «t
worden waren: er ahnte nicht, daß *cn uach Alamut Bitten: Basten
New Ulm, Mmn., den 14. August 1914.
und Packen wurden ins Turmzimmer
geschleppt, auch mehrere Leute, an
scheinend Handwerker, verschwanden
im Turnzimmer, das doch sonst kein
Fremder betreten durfte. Die Un
glücklichen! Kein Mensch hat sie wie
der herauskommen sehen. Ja, wenn
der Abgrund reden konnte! Eines
schönen Morgens waren-die beiden
Stummen verschwunden^ Hassan
selbst verschloß die Tür des Turmge
maches von außen und nahm in ei
nem anderen Zimmer Wohnung es
verlautete, daß dit Stummen die
fremden Handwerker, die im Gebirge,
unbekannt waren, nach Kaswin ge
leiteten.
Wochen gingen ins Land da ka
men bei stockfinsterer Nacht die
Stummen ans Tor von Alamut, und
da sie im Besitze der geheimen Zeichen
waren, wurden sie ohne weiteres' ein
gelassen. In ihrer Begleitung be
fanden sich sechs junge Leute, die
augenscheinlich falsche Bärte trugen
auch waren die Bärte für ihre große
Jugend viel zu lang und voll. Dem
aufmerksamen Beobachter wäre auch
nicht entgangen, daß unter der' Ver
kleidung junge Weiber steckten denn
wenn eine den dichten Burnus zurück
schlug, sah man die dünne Kleidung
sich über der Brust seltsam straffen,
das
verriet Formen, die Männern
nicht eigen
sind.
In Alamut lag alles in tieMem
Schlaf, und ungesehen stiegen die
Ankömmlinge, von Hassan selbst ge
führt, im Turmzimmer ab.
a
Die Stummen öffneten eine Sei
tentür, um im Nebenzimmer die
Lampen anzuzünden. Magisches Licht
erhellte alsbald ein wunderbares, sehr
geräumiges Gemach hier hatten die
spurlos verschwundenen Handwerker
ein wahres Paradies geschaffen.
Weiche Teppiche bedeckten den Fuß
boden, an den Wänden zogen sich Di
wette, mit den kostbarsten Decken und
Fellen bedeckt, hin, in der Mitte des
Raumes plätscherte zwischen den
schönsten Blumen und Blatchflanzen
ein Springbrunnen alle Wohlgerüche
von Schiras schienen hier vereinigt.
„Hier werdet ihr wohnen, Kinder,"
wandte sich Hassan bin Sabah, so
freundlich sein ernstes, düsteres Wesen
es lvermochte, an die Mädchen „ihr
wendet es sehr gut haben. Ihr wer
det das Beste zu essen und zu trin
kea bekommen, was man schaffen
kann hier in den Wandschränken sind
wohlriechende Oele und Essenzen, und
in den Truhen sind so viel Weiber
kleide^ daß ihr euch des Tages zehn
mal Entziehen könnt, wenn es euch
Spaß ytacht. Wenn ein fremder jun
ger Mann zu euch hineinkommt, so
ist dies auf meinen Befehl geschehen,
dem mußt ihr den Himmel aus Erden
Zeigen, aber ihr dürft bei Leibe kein
Wort mft ihm sprechen, keine seiner
Fragen beantworten, darauf steht der
Tod."
Der Alte sah furchtbar aus, als er
diese Wotte sprach die Mädchen er
schraken. Ganz leise, daß es selbst
die Stummen nicht hören konnten,
setzte er noch ein paar Worte hinzu
die Mädchen lachten hierauf unbän
dig und schienen die Todesdrohung
bereits vergessen zu haben.
„Hier sind die Badezimmer," fuhr
der Alte fort „ihr könnt euch eurer
häßlichen Männerkleidung gleich ent
ledigen und euch vom Reisestaub säu
beut."
Ohne ein Zeichen der Scham oder
des Unbehagens entkleideten sich die
Mädchen bis auf die Haut die
Stummen rafften die Kleider zusam
men und trugen sie hinaus. Der Alte
musterte die Mädchen mit Blicken,
wie ein Pferdekenner etwa ein neues
Pferd, das er zu kaufen gedenkt, auf
dem Markt mustert er schien zusrie
den.
Er hatte sich die Mädchen nicht
zum Zeitvertreib kommen lassen, son
dern sie sollten seine Werkzeuge wer
den, Werkzeuge für die furchtbarsten
Pläne, die Menschenhirn jemals aus
gebrütet hat.
Die Mädchen stammten aus Ret,
wie man damals Teheran nannte,
und Kaswin. Es war ihnen verspro
chett, sie würden nach einem Jahr
reich beschenkt und mit einem Gehalt
von hundert Goldstücken, was für da
malige Verhältnisse ein Vermögen
war, in ihre Heimat entlassen werden.
Die Abenteuerlust hatte sie gelockt und
leichtsinnig waren sie in eine Falle
gegangen, aus der es kein Entrinnen
gab. Gut würden sie in Alamut ge
Helten werden, ohne Zweifel, aber
solange sie jung und schön waren, so
lange würden sie festgehalten werden,
sollte es auch zehn oder zwanzig
Jahre dauern. Und nachher? Nach
her würden sie den Weg gehen, den
die Handwerker gegangen waren aus
Gnade und Barmherzigkeit würden
sie die Stummen vielleicht mit einer
seidenen Schnur erdrosseln, ehe sie
der Abgrund aufnahm. Kein Sterb
licher durfte die Geheimnisse von
Alamut in die weite Welt tragen.
lieber seinen Vorbereitungen ver
gaß Hassan bin Sabah nicht seine
Rolle als Heiliger und Großmeister
weiterzuspielen täglich betete er in
der Moschee vor und legte seinen
Gläubigen den Koran aus, ganz im
Sinne der ismaelitischeu Lehre, die
aus ganz harmlosen Stellen die
größten Ungeheuerlichkeiten zu machen
verstand und schließlich von dem
.wahren Inhalt des heiligen Buches
nichts mehr übrig ließ. Heute hat der
Jsmaelitismus mit dem Koran über
Haupt nichts mehr zu tun, das heilige
Buch ist das Dasaftar.
Viele Jahre waren ins Land ge
gangen die Mädchen hatten gute Ar
beit getan und dem furchtbaren
Großmeister der Assassinen, wie die
Sekte später von den Kreuzfahrern
benannt wurde, viele brauchbare
Fedawi, Werkzeuge für seine Mord
taten, geliefert. Jetzt wollte der alte
Hassan seine Rache an seinem Ju
gendsreund nicht mehr aufschieben.
Von den Mädchen, die er damals
kommen ließ, waren nur noch zwei
am Leben, die anderen moderten
längst tief unter seinen Fenstern in
der Schlucht. Die Stummen hatten
für Ersatz gesorgt, und zwar durch
Raub.
Eines Abends saß Hassan in tie
fem Grübeln es war schon sehr spät,
da winkte er einen der Stummen
heran und befahl ihm, morgen bei
Sonnenaufgang den Jäger, ins
Turmgemach zu bringen. Der Jäger,
wie man ihn allgemein nannte, war
ein schöner junger Mann von herku
lischem Körperbau, kühn und gewandt
und seinem Herrn treu ergeben. Er
war pünktlich zur Stelle. Hassan
hatte den Koran auf den Knien vor
sich liegen. Der Jäger küßte den
Saum seines Gewandes und setzte sich
bescheiden zu des Meisters Füßen.
Dieser las ihm ohne weitere Vorrede
ein Kapitel aus dem Koran vor und
erläuterte es dahin, daß die Jsmae
Ilten die einzigen wahren Gläubigen
wären, und daß es ihre Pflicht wäre,
die Erde von den gewissenlosen
Machthaber» Fu befreien, die das
Volk bedrücken. Darauf ließ er eine
süße Speise auftragen, ähnlich dem
Halua, das die Araber noch heute
gern essen und das bei keiner sestli
chen Gelegenheit fehlen darf. Er nö
tigte feinen Gast zum Essen, und bald
hatte der Haschisch seine Wirkung ge
tan der Jäger lag in tiefem Schlaf,.
Auf einen Wink des Meisters ka
men die beiden Stummen, öffneten
die Tür zum „Paradies", trugen den
Jäger hinein und legten ihn auf ein
Ruhebett. Da schlief er seinen Rausch
aus, umgaukelt von den wunderbaren
Träumen, die der Haschisch zu erzeu
gen pflegt. Endlich schlug er die Au
gen auf. Ja, war es den Wirklich
keit? Dieses wundervolle Gemach,
diese Wohlgerüche und diese Houris!
Sehnsüchtig streckte er die Arme aus
da kam das schönste der Mädchen,
setzte sich neben ihn auf den Divan,
schlang ihre Arme um seinen Hals
und küßte ihn vie Sinne des Jägers
waren wild erregt, und die Wellen
des Wonnemeers schlugen über beide
zusammen. Die andere,' Houris ka
men jtutt auch Herfen, urö der Jäger
siel aus einem Wcmtetavsch in den
anderen. Entzückt sireckte er sich auf
dem Divan aus da brachten ihm die
Mädchen herrliche Früchte und feuri
gen Wein. Ja, das war das Petra
dies! Plötzlich wurde ihm so schwer
im" Kopf. Der Haschisch hatte seine
Wirkung getan. Wiener erschienen
die Stummen und ihn ins
Turmgemach dort totnoe er genau
so hingesetzt, wie er zu Ai fang geses
sen hatte. Es dauerte lange, bis er
mti einem tiefen Seufzer erwachte.
Da saß der Großmeister genau so,
wie vorher, der Koran lag noch of
ftn auf seinen Knien. Sollte es doch
rut ein Traum gewesen fem? „Mein
Vater." begann er, „erhabener Mei
ster, das war das Paradies!" „Ja,
mein Sohn, der Allbarmherzige hat
dich mir auf eine kleine Weile ent
rückt und dir das Paradtes gezeigt
du bist der'» Auserwählten einer, daß
dir. diese Gnade in so jiygett JaHren
zuteil geworden ist. Sich zu, daß
du deine Stelle nicht tn.rlicrst!" „O,
erhabener Meister, was muß ich tun,
um das Paradies ewiz zu behalten?"
Ein Wonneschauer^ schüttelte den Jä
cer.
„Du mußt meinen Befehlen gehör
chett, weiter nichts!"
„Das habe ich stets getan und wer
de es auch künftig tun."
„Es gilt soer ein Wagnis. Du
mußt di: Weit von einen Feinde
Gottes defreien!"
„Wer soll sterben? Ich bin bereit.
und sollte ich ihn in der Moschee er
drosseln!"
„Nimm diese Bittschrift und diesen
Dolch der Hof ist auf der Reise nach
Bagdad begriffen. Du wirst dem
Nizam el Mulk diese Bittschrift
überreichen, und wenn er das harte
Siegel erbricht, wirst du ihm diesen
Dolch ins Herz stoßen. Nrnm 'dich
aber wohl in acht, gut zu treffen!"
„Und dann werde ich der Freuden
des Paradieses teilhaftig?"
..Teilhaftig für immer lobald Sa
tan die schwarze Seele dieses Gottes
seindes in die Hölle geworfen hat,
gehst du ins Paradiek."
„Ob ich wohl dieselben Hvuris dort
finden werde, mein Vater, es war
so schon!"
„Dieselben und noch schönere! Und
noch eins, mein Sohn: Alles, was
du hier gefehen hast und was wir
gesprochen haben, bleibe verschlossen
in deiner Brust. Sprichst du ein
Wort, so verlierst du alles!"
Noch am selben Abend brach der
Jäger auf, sein Paradies zu gewin
nett.
Äm 14. Oktober lOf.2 starb der
Minister Alp Arflans und Melik
Schahs, getroffen vom Dolch des
Assassinen.
Die zehn Gebote de» Büch«««
»orgers.
Henry T. Coutts, ein Londoner
Bibliothekar, der mit, dem guten
Humor des Engländers begabt ist,
hat in feiner langjährigen, oft
recht mühseligen Tätigkeit einige
Blüten des Humors gepflückt und
legt sie in einem hübschen, unter
haltsamen Büchlein, „Library JokeS
and Jottings" betitelt, der Welt der
Bücherleser vor. Unter den vielen,
oft freilich unübersetzbaren Scherzen
verdient ein ironisches Kapitel her
vorgehoben zu werden, dem Ernst
und Heiterkeit aufs drolligste ge
mischt sind. Es trägt die Ueber
schrist: Die zehn Gebote des Bü
cherborgers, und diese zehn Gebote
lauten folgendermaßen:
1. Du sollst nicht kaufen, was du
borgen kannst. 2. Du sollst allein
auf deine eigenen Bücher achten: dei-
ne Kinder und deine Hunde spielen
mit geborgten ebenso gern. 3. Du
sollst Bücher nicht mit dem Butter
messer aufschneiden und den Rand
nicht mit Pflaumenmus verzieren,
um die Schönheit handgemalter Ma
nufkripte vorzutäuschen. 4. Bedenke,
daß ausgerissene Blätter wahrhaft
künstlerisch nur mit dem gummier
ten Rande von Briefmarkenbogen an
geklebt werden können am schönsten
wirken rote und grüne abwechselnd.
5. Du sollst die Ansicht, die der
Verfasser eines Buches ausspricht,
in Ehren halten. Wenn du anderer
Meinung bist als er, halte deinen
Standpunkt mit Bleistift in Form
von Randnoten fest: So zeigst j)U
deine gründliche Gelehrsamkeit, är
gerst die künftigen Leser des Buches,
die deine überlegene Kenntnis nicht
anerkennen wollen und daneben
schreiben: Esel! 6. Du sollst mög
lichst abgegriffene Bücher zum Lesen
wählen. Gefällt dir ihr Inhalt
nicht, so hast du wenigstens das be
friedigende Bewußtsein, daß schon
viele deiner Nächsten ebenso hinein
gefallen sind. 7. Du sollst den Bi
bliothekar' -konsultieren, wenn du
nicht weißt, was du willst, und ihn
insultieren, wenn er dir nicht hel
fen kann. 8. Du sollst grundsätzlich
keine Strafgelder bezahlen. 9. Du
sollst nicht falsches Zeugnis ablegen
wider den Bibliothekar und spre
chett: er legt die besten Bücher zu
rück und gibt sie seinen Freunden.
10. Du sollst nicht Bücher begehren,
die sich dein Nächster schon angeeig
net hat.
Unter Brüder».
Aus Nordfriesland wird folgende
ergötzliche Geschichte erzählt: „Veren
det da einem Bauern ein Schaf.
Kurzerhand verscharrt er den Ka
daver. Aber sein Nachbar zeigt
ihn deswegen bei der Kadaver-Ver
nichtungsanstalt an und bekommt da
für die ausgelobten 30 Mark. Die
Polizeibehörde aber bekommt den an
deren in Strafe: 5 Mark. Der „Ver
brecher" läuft darauf wutschnaubend"
zu dem Nachbarn. Dieser ist
schon auf das Gewitter vorbereitet.
Er zieht die Börse mit de* Worten:
..Von den 30 Silberlingen bekommst
b» im voraus 5 Mark für die
Polizejstrase, die restlichen 25 M.
teilen wir brüderlich." Da war der
Bauer schnell beruhigt, und beim
Abschieds gab er seinem guten Nach
barn die Versicherung: „Wenn mir
wieder ein Tier verendet, melde ich
es bloß bei dir an!"

hen mer die Bescheerung

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