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New Ulm Post. [volume] (New-Ulm, Brown County, Minn.) 1864-1933, December 25, 1914, Image 10

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Bas Emtb Posen.
In der Nähe des russisch-polnischen Kriegsschauplatzes.
den älteren preußischen Pro
vinzen gilt die Provinz Posen, bte
im Osten von Russisch-Polen, dem
jetzigen Schauplatz blutiger Kämpfe,
begrenzt wird, als eine Art von
preußischem Si'ömen, als ein rau
hes, reizloses Land, das in der
Kultur weit zurück ist und vornehm
Itch
von Polacken und polnischen Ju
den bewohnt wird. Von diesen An
sichten trifft jedoch nur diejenige zu.
welche sich auf die fremdartige Be
völkerung bezieht.
Das Land selbst ist durchaus nicht
ohne Reize, jedenfalls nur wenig
verschieden von den angrenzenden
schleichen, brandenburgischen und
westpreußischen Provinzen, und nur
die dünnbesiedelte östliche Grenze,
gegen Russisch-Polen, mag für einen
an die West- und mitteldeutsche Kul
tur Gewöhnten manche unangenehme
Überraschungen bringen. Einzelne
Teile der Provinz, zumal diejenigen,
welche an der Obra belegen sitto,
halten den Vergleich mit manchen
Teilen Thüringens sehr wohl aus.
Die Landschaft ist sehr reich an
Flüssen und Seen, der Boden im
Durchschnitt weit fruchtbarer als in
der Mark Brandenburg, wenn es
Posen, die Stadt Berlin zählt drei
mal soviel Israeliten als die ganze
Provinz Posen.
In der Neuzeit, namentlich seit
der Mitte des vorigen Jahrhunderts,
kommen viele Juden aus Polen über
die Grenze, sie machen, im Posenschen
und auch in Schlesien und Ostpreu
ßen gewissermaßen einen Läute
rungsprozeß durch, d. h., sie legen
hier viel von dem spezifisch Point*
schen ab und werden deutsch, die
nächste Generation aber wandert wei
ter westlich in das übrige Deutsch
land, vorwiegend aber nach Berlin
und nach Amerika.
Die Besiedelung Posens durch
Deutschland setzte gleichzeitig mit
dem Eroberungszuge des deutschen
Ritterordens und mit der Christia
nisierung des Landes ein und hat
bis in die Neuzeit angedauert. Po
sen war im 14, Jahrhundert ein
wüstes, ganz dünn besiedeltes Land.
Die Ordensritter sowohl als die
zahlreichen Klöster zogen titele* beut
schen Einwanderer hierher, und zwar
wurden die Deutschen aus zwei
Gründen bevorzugt, weil sie eine
höhere Kultur besaßen als die Po
len, und zweitens, weil die für die
Bromberg.
auch im Posenschen nicht an ausge
dehnten Sandflächen fehlt.
Posen ist im wesentlichen ein Ak
kerbau treibendes Land, und es steht
in dieser Beziehung unter Deutsch
lands Landschaften mit an erster
Stelle. Die Kornproduktion steht
derjenigen von Brandenburg und
Ostpreußen ungisähr gleich, und. nur
zurück hinter Schlesien und Hanno
ver, ja das ganze rechtsrheinische
Bäyernland liefert nur 20 Prozent
RathauB in Posen.
mehr Weizen und Roggen, als die
Provinz Posen.
Die preußische Provinz Posen
zählt ungefähr 1,875,000 Einwoh
ner, welche sich zusammensetzen aus
1,250,000 Katholiken, 600,000 Evan
gelischen und 45,000 Juden. Die
Zifferü der Bekenntnisse drücken auch
ziemlich' genau ine Nationalitäten aus,
es sind ungefähr so viel Katholiken
in Posen als Polen, und so viele
Evangelische als Deutsche. Die ver
Vk hältnismäßig geringe Zahl der Jn
I den wird diejenigen überraschen, wel
che sich dar.,i gewöhnt haben, in
I Posen ein Stück Polen zu erblicken.
Mrüher waren die Israeliten hier zahl
reicher, die Auswanderung nach Ante
rika und nach Berlin hat die Reihen
'sehr gelichtet, und die weniger Volk
reiche Provinz Hessen-Nassau hat ei
ne stärkere jüdische Bevölkerung als
Besiedelung in Frage kommenden
Elemente der polnischen Nation Leib
eigene waren, also keine Freiheit der
Bewegung besaßen. Die Deutschen
verdrängten also die ansässigen Pö
lert nicht, wie von den heutigen Füh-'
rem der großpolnischen Bewegung
ganz grundlos behauptet wird, son
dern sie siedelten sich mitten zwi
schen den Polen an. Wenn man
die Karte zur Hand nimmt, welche
die Besiedelung des heutigen Polens
nach Nationalitäten zeigt, so findet
man unsere Angaben auch dabei vr
stätigt. Polen und Deutsche woh
nen bunt durcheinander gewürfelt
jetzt noch beisammen, es gibt wenig:
geschlossene deutsche und geschlossene
polnische Siedelungen im mittleren
und östlichen Posen. Was Posen!
an Kultur aufzuweisen hat, verdankt
es der deutschen Einwanderung.
Aber die Polen sind vortreffliche
Schüler der Deutschen geworden,'
wenn sie es auch nicht zugeben wol
len und noch immer das eigentlich
sinnlose Sprichwort haben, „so lan
ge die Sonne steht, wird der Pole
nicht des Deutschen Bruder werden".
Es ist gar nicht'zu leugnen, daß die
Polen der letzten drei Generationen
sich als Volk mächtig gehoben haben,
derartig, daß sie jetzt den Deutschen
in Posen starken Wettbewerb mu
chen auf den meisten Gebieten, wel
che früher die Deutschen allein be
herrschten. Der Pole hat einen
kräftigen Mittelstand nach deutschem
Muster herangebildet, die weite Kluft,
welche früher zwischen polnischem
-Adel und polnischem Plebs gähnte,
ist vielfach überbrückt worden, der
Pole ist erfolgreich als Stadtbewoh
ner, als Kaufmann, Industrieller,
Gewerbetreibender und Handwerker
aufgetreten, und es hat sich ein statt
licher Wohlstand unter diesem frü
her fo armen Volke herangebildet.
Durch diese Erfolge ist man kraftbe
wüßt geworden, und das polnische
Nationalgefühl hat sich gewaltig ge
steigert. Niemand kann diesem gut
veranlagten und tüchtigen Volke seine
Sympathie verweigern, diesem Vol
ke, das durch die mächtigen Nachbarn
in der Vorzeit ttt drei Stücke zer
rissen wurde, und das namentlich
durch das brutale Vorgehen der
Russen so furchtbar gelitten und ge
blutet hat, das aber trotz aller Schick
salsschläge und trotz aller mißluitge­
Pvlnische Volkstrachten in Pose».
nen, grausam niedergeschlagenen M
nigungsbestrebungen noch immer die
Hoffnung aus Wiedervereinigung
nicht verloren, hat.
Bismarck wollte Posen und West
Preußen durch innere Kolonisation
rein deutsch machen. Er stützte sich
auf Friedrich den Großen, der das
gänzlich verwüstete und verödete Ge-
Russisch-Deutsche Grenze bei Stralkolvo.'
biet der Neitze-Niederung durch Ko-!
lonisation in ein prächtiges Bau-1
ernland verwandelt hatte. Aber!
Friedrich hatte nur kulturelle, Bis-j
marck jedoch nur politische Zwecke
im Auge, Freibrich besiedelte eine!
Wüste, Bismarck aber mußte Polen
verdrängen, wenn er besiedeln wollte.
Hätte nicht gleichzeitig der Kultur
kämpf gespielt, so wäre mit den be
deutenden Mitteln, die für den
Zweck aufgewendet wurden, gewiß
weit mehr geleistet. Die Zahl der
deutschen Ansiedler soll ungefähr 30,
000 betragen, ist das wahr, so hat
man schwerlich mehr Deutsche ins
Land gezogen, als während dersel
ben Zeit von aliansässigen Deutschen
an das Polentum verloren gegangen
sind. Denn wenn sich die Zahl der
Evangelischen und der Juden in Po
sen in denselben 25 Jahren nur um
4,07 Prozent vermehrt hat, trotzdem
30,000 neue deutsche, meist evangeli
sche, Ansiedler ms Land gekommen
sind, so ist das ein sehr klägliches
Ergebnis.
Die Deutschen haben bei denVer
suchen zur Germanisierung Posens
allerdings die Machtmittel des Staa
tes zur Verfügung, aber diese Macht
wird gelähmt durch die Unfähigkeit
des deutschen Beamtenstandes für
diese Art der Arbeit. Nirgends ist
der Kastengeist schlimmer entwickelt,
als im Osten Deutschlands. Die Be
amten haben gar keine Fühlung
mit
der deutschen Bevölkerung, sie ken
nen nur Schablonenarbeit, und find
in dem Dünkel befangen, der fie die
sie umgebende Welt nur wie durch
einen dicken Nebelschleier erkennen
läßt.
Die Hauptstadt heißt Posen, rote
wärts von der Weichsel, mit welcher
ße! jedoch durch Kanäle verbunden
ist. Gegen End? des 18. Jahrhun
Herts war die Einwohnerschaft dieser
alten Stadt infolge von Seuchen und
Kriegen auf 500 herabgesunken
Bromberg ist jetzt
eine
aber im achtzehnten Jahrhundert so
zurück, daß sie im Jahre 1744 nur
noch 60 (jetzt 22,000) Einwohner
zählte. Im Gnesener altberühmten
Dom befinden sich das Grabmal des
heiligen Adalbert, des Schutzheiligen
der Polen.
Von den übrigen Städten Posens
sind besonders zu nennen Krotoschin
mit 13,000 Einwohnern, Ostrowo
mit 12,000, Lissa mit 15,000, Ra
witsch mit 12,000 und Schneidemühl
Wafferpolacken.
an der nordwestlichen Grenze mit
22,000 Einwohnern. Auch Kempen,
Czarnikau, das ganz deutsche Mese
ritz sind ansehnliche Städte.
Unter den Städten an der ruf#
fischen Grenze sind noch zu erwäh
nen Jungbreslau, das uralte Krusch
Witz, Wreschen, Schrimm und Schild
berg. Es sind das sämtlich kleine
Landstädte, deren Bürger noch viel
fach Ackerbau treiben.
Gnesen mit dem See.
die Provinz, und ist die einzige
Stadt derselben, welche in neuerer
Zeit den Zuschnitt einer Großstadt
angenommen hat. Sie zählt jetzt
130,000 Einwohner und ist im we
sentlichen noch eine deutsche Stadt.
Posen ist aus Der Vereinigung drei
er Städte entstunden. Erst seitdem
die mächtigen Stadtumwallungen ge
fallen sind Posen war stets eine
der bedeutendsten Festungen Preu
ßens —, hat die Stadt ttttett neuen
Aufschwung und das Ansehen einer
modernen Stadt erhalten. Die Fe
stungswerke sind nach neuzeitlichen
Prinzipien erneuert worden und lie
gen ziemlich w?it auswärts von der
eigentliche Stadl. Die schönste Zier
de Posens bilde: das herrliche Rat
Haus, ein architektonisches Kunstwerk
im italienischen Stile. Außerdem
besitzt Posen eine größere Zahl mo
derner öffentlicher Bauten, das
Provincial Museum, das General
Kommando, die Kaiser Wilhelms
Bibliothek, das neue Stadthaus u.
s. w.. Das Schloß wurde in jüng
ster Zeit neu- und glanzvoll ausge
baut. Der 5Dom ist wegen seines
reichen inneren Schmuckes bemerkens
wert, wenn auch sein Aeußeres plump
und unansehnlich erscheint. Die preu
ßische Regierung hat für die Stadt
Posen in neuerer Zeit sehr viel ge
tan, namentlich seitdem der Feldruf
„Hebung des Ostens" aufgekommen
ist. Bemerkenswert sind die vor
trefflichen Weinstuben Posens, in
denen namentlick? der feurige Un
garwein bester Qualität gereicht
wird.
Bromberg ist die zweite Stadt der
Provinz und wohl auch die deut
scheste derselben. Sie liegt in der
Bähe von Thorn, jedoch etwas ad-.
General v« fltentteitbantpf*
Interessantes Charakterbild des Besieg
ten von Tannenberg.
Der Name des bei Tannenbcrg!
von der Armee-des Generalobersten
v. Hindenburg schwer geschlagenen
Führers der russischen Nordatmte,
Paul v. Rennenkampf, ist heute in
Deutschland in aller Munde. Men
weiß, daß Rennenkampf einer der we
nigen Generale roar, die im russtuh
japanischen Kriege auch gelegentliche
Teilerfolge errungen hatten. Man
weiß, daß damals schon Rennen
kämpf der Abgott seiner Leute war,
in dem Sinne, daß sie blind ver
trauten, er wertk sie zum Siege füh
ren. Auch er ist damals mehr als
einmal geschlagen werden. Seme
rücksichtslose Energie gab ihm über
immer wieder die Kraft zu neuem
Vorgehen. In der Mukdener Schlacht
nach mörderischem Ringen schließ
Itch zur Räumung der Felsenstellung
Madsjadjan gezwungen, hatte er
nach vier Wochen sein 7. Sibirisches
Korps doch schon wieder so weit in
Ordnung, daß er nicht unwirksame
Vorstöße gegen die japanische Armee
Kamamuras machen konn:e. Den
Leuten, denen er als ein im Ge
neralstab gewesener Frontoffizier nä
her als andere russische Heerführer
steht, und in deren Augen er gern
ein zweiter Skobelew werden möchte,
hat er eine auch ins Deutsche über
setzte Broschüre „Mein Detachement
in der Schlacht bei Mukden" gewtd
met, den „füllen Helden im grauen
Soldtenmantel", wie
Male, als
lebhafte Stadt
mit 54,000 Einwohnern. Gnesen war
einst die Hauptstadt Polens, kam
tt
populär
packend schreibt.
Ich sah, so erzählt ein deutscherKor»
respondent. Rennenkamps zum ersten
ich
nach einem
Ritt von
165 Kilometern in seinem Stabs
quartier nach der Schlacht bei Mnk
den, dem Gebirgsstädtchen Hailunt
schöng, mit einem französischen Of
fizier zusammen ankam. Es war
um die Mittagszeit, Rennenkamps
kehrte gerade von einer mehrtägigen
Erkundung gegen die japanisäen
Stellungen zurück: die Leute schwarz
bis zur Unkenntlichkeit verstaubt, of
senbar stark unter der tropischen
Hitze leidend,
der
General selbst in
Hemdsärmeln reitend, eine braune
Lederjacke mit den Generalsabzeichen
und dem Georgskreuz, das
er
im
Boxerkriege erHelten hat, um die
Schultern gehängt.An dem gol
denen Kettenarmband, das er im
mer trug, hing ein kleines Medcullon
einer ihm nahestehenden Dante mit
drei angetrauten Frauen hatte er es,
wie er selbst erzählte, verdorben.
Frisch und elastisch, trotzdem ihm vor
kurzem erst das Schienbein duxch
schössen war, sprang er vom Pf et de'
und hörte meine Meldung an,
anU
wertete mir sofort in deutscher,
Sprache und lud den Franzosen und
mich für nachmittags zum Tee ein.
Hierbei wurde nur deutsch gesprochen,
und da Remtenkr.mpf kein Hehl dar
aus machte, daß er nicht daran denke,
die Sprache der ihm unsympathischen
Bundesgenossen mit Rücksicht auf tie
Anwesenheit des französischen Gastes
zu sprechen, wäre diese: verteilen
und verkauft gewesen, wenn sich sei
ner nicht der Chef des Stabes, Ge
neral Gurlo, ein ebenso glühender
Franzosenfreund wie Deutschenhasser,
angenommen hätte. Gurkos Deut
schenhaß ging, wie so oft bei den
Russen, auf persönliche verletzte Ei
telkeit zurück. Gr war als Sohn des
berühmten Reitergenerals zum Mi
Utärattachs in Berlin vorgeschlagen,
aber nicht angenommen worden.
Mein französischer Reisegefährte hat
te die Unvorsichtigkeit, zu erzählen,
wie abstoßend der Anblick einer Hin
richtung auf ihn gewirkt habe. Ich
glaube deshalb, es' war etwas Äb
ficht dabei, daß uns Rennenkamps
vom Teetisch hinweg aufforderte, der
Enthauptung von acht Chinesen, die
der chinesische Oberrichter wegen
Straßenraubes zum Tode verurteilt
hatte, beizuwohnen. Wir sahen der
Prozedur aus nächster Mhe zu,
umringt von der nach jedem guten
Hiebe Beifall rufenden chinesischen
Volksmenge. Am nächsten Tage cr
klärte der Monsieur £., feine Ner
ven seien erschüttert, es sei ihm'un
möglich, in der wilden Umgebung
Rennenkampfs zu bleiben. Gegen
Mittag begleitete ich ihn aus meinem
Buddahiempel zur Stadt hinaus.
Ob Rennenkampfs französische
Sympathien seitdem gewachsen sind,
weiß ich nicht. Wie vor zehn Iah
ren wird er auch heute nach der Po
litik nichts fragen und als Soldat
einfach das tun, was ihm befohlen
ist. Ganz sicher aber ist es ausge
schlössen, daß er sich Skrupel machte,
gegen den eigenen Stamm zu kämp
fett. Er wird die gleiche Ausfassu.'A,
die ich so oft in den Ostseeprovtn.«en
von den Balten, den russischen Un
tertanen deutschen Zunge, gehört ha
be, teilen, die einen deutsch russi
fchen Krieg wie eine Mensur auf
fassen und nicht einen Augenblick
daran denken, wegen dieser ihre für
ihre Lebensanschauungen sehr behag
liche russische Untertanenschaft aufs
Spiel zu fetzen. Rennenkamps ist
das typische Beispiel dafür, daß das
Baltentum oder, wie wir sie in
Deutschland besser kennen, die Ost
seeprovinzler für uns als das Rück
grat des russischen Staates im Frie
den wie im Kriege, als das energisch
sie Element Rußlands einzuschätzen
ist. Daß sich der Haß unseres Vol
kes gegen diesen Vertreter des Rene
gatentums mit ganz besonderer
Schärfe wendet, ist nur zu begreif
Itch, besonders für den, der längere
Zeit in Rußland gelebt und gesehen
hat, wie sich dieses Quasideutschtum
trennend zwischen uns und das ei
gentliche Russentum schiebt, den Kul
turen beider Völker fremd gegenüber
stehend.
Begreiflich ist es. deshalb auch,
daß man mit „dem Namen Rennen
kampfs alle Scheußlichkeiten, die von
russischer Seite verübt worden sind,
in Verbindung bringt. Nach metnn
persönlichen Eindrücken, die ich in
monaielcmgem Verkehr mit Rennen
kämpf gehabt habe, fön ich überzeugt.
De« tönerne Koloß.
„Ein Bein haben mir meine Freun
de, die Japaner, abgeschossen, jetzt
kommt das andere auch noch rem II"
daß mit Wissen oder gar auf Befehl
von ihm die Roheiten oder Plütt*
Gerungen, für die ja auch in der ei
gbtett Heimat der Kosak verrufen
und gefürchtet ist, nicht.verübt wor
den sind. Dies festzustellen ist j*tzt
aber besonders wichtig, damit die
Roheit der Strauchdiebe und Meu*
chelmörder aus der Steppe nicht ver*
allgemeinst und zur Signatur der
Kriegführung, im Osten gemacht
wird. Rennenkamps ist ein Mann
von rücksichtsloser soldatischer
Strenge, aber auch von ritterlicher
Gesinnung gegenüber dem Gegn-r.
Seine Strenge sieht in dem Lat de,'
wo die Prügelstrafe nur formell ub
geschafft ist. anders aus als bei uns.
Disziplinlosigkeiten wurden bei thn»
rücksichtslos mit Auspeitschen be*
straft. Häufig habe ich solchen Exe
kutionen beigewohnt und einen physi
schen Ekel empfunden, wenn auf daS
General Rennenkampf, der geschlagene
Gegner Hindenburgs.
entblößte Gefäß eines Mannes
Seine Führereigenschaften sind iiir
den modernen Kampf unzureichend,,
er ist ein Frontier vom Schlage der
französischen Marschälle, ohne gründ
liche militärische Bildung und obne
große Ideen und Ueberblick. Em
guter Kavallerieführer, wird er
schwerlich in der Lage sein, gegen die
geschulte deutsche Führung feintn
Kriegsruhm zu bewahren.
Das Durcheinander auf einem russischen Militärzug.
A
4
von
40 Jahren Kosakenpeitschen nieder
sausten, daß.das Blut nur so herun
terlief und der Gepeitschte wie eiw
Hund winselte. Besonders wurdew
Plünderer so bestraft, und häufig
hat Rennen kämpf mir davon gc)prc^
chen, daß er gegen Plünderungen al*
lein wegen ihrer demoralisierenden
Wirkung scharf vorgehe. Ein jun
ger Offizier feines Stabes wollte
sich in einem verlassenen chinesischen.
Hause zwei als ziselierte Kraniche
gearbeitete kunstvolle Leuchter etn#
packen, was ihm einen außerordent
lich deutlichen Rüssel, eintrug. Als
am nächsten Morgen das Gehöft in-:
Flammen ausging und der junge*
Herr meinte, es sei doch noch besser
gewesen, die Sachen mitzunehmen als
verbrennen zu lassen, wurde er von
der Stelle weg zum Kommandanten
eines weit rückwärts gelegenen Etap
penortes ernannt. Rennenkamps,
der sehr großen Wert aus seinen
Ruf als Soldat legt, täte gut daran,
durch energisches Einschreiten gegen
die von kosakischem Gesindel verüb
ten asiatischen Gemeinheiten mit aller
Strenge einzuschreiten und zu belni
sen, daß er' sich von seiner deutschen'
Abstammung das Gefühl der 53kf*
fetteöre u^d .ritterlichen Kampfes»
weise bewahrt hat.
Ntj,
1

DEFECTIVE PAGE

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