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New Ulm Post. [volume] (New-Ulm, Brown County, Minn.) 1864-1933, December 25, 1914, Image 11

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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"N
\.-.
f*
yf\nfgfsiitffrißn
Die junge Weihnarhtstanne.
(Von Edward Stilgebauer.)
4fo Waldesrande, wo die Schwestern Von längst versunkenen Zeiten sprach
stehen,
Grünt jugendstark ein schlanker Tan
nenbauin.
Er sah des Winters Eis vorübergehen.
Den Landmann seine reifen Nehren
mähen,
Des Herbstes Sturm durch starke Zwei
ge wehen
Und träumte ferner Zukunft goldenen
Traum.
Weihnachtsgeschenke.
Karl Hetms fitzt in seinem Ar
Seitszimmer und ist ein bißchen auf
.geregt... ein bißchen voll neugieri
ger Erwartung... es ist der 24. De-
zember... Weihnachtsabend. Seine
Gedanken sind b"i seiner Frau, die
im Nebenzimmer die Bescherung vor
bereitet.
Von Leon Xanrof. Deu tfch von Alice Neumann.
1
„Meine Frau wird sich diesmal
freuen!" denkt er bei sich. „So viele
nützliche Sachen habe ich für sie ge
kauft: einen Regenmantel, eine.schö
ne Feder und eine geblümte Kaffee
decke... Ich bin wirklich gespannt,
was sie mir diesmal schenken wird...
ob sie mich wohl mit dem Jagdge
wehr überraschen wird, das ich mir
so lang? wünsche. (Grübelnd.) Vo-
riges Mal hat sie sich nicht gerade
allzu sehr angestrengt.
Früher ruinierte sie sich förmlich
für den 24. Dezember. Ich wußte
es schon immer vorher, wenn vas
Geschenk kostspielig war. Dann
sparte sie das Geld förmlich am
Haushalt ab. Im Juli, manchmal
schon im Januar bekam ich keinen
Kuchen zum Kaffee und keinen Be
lag zum Frühstück ich mußte meine
alten Sachen auftragen, damit Wj
keine neuen gebrauche, kurz und gut.'..
Es war famos!
W
die Kunde.
Von stolzer Bäume auserwähltem -Los,
Wie der als Mast flog um des Erd
balls Runde.
Der zweite stützt' den Draht für fernste
Kunde,
Als Brett ein dritter barg die letzte
Stunde,
Ein vierter ward gehäuft zum Flam
menstoß.
I
Es trug der Wind ein wundersam Ge- Er träumt und träumt und fühlt mrt
flüster heißem Bangen
Vom Wald her in sein jugendliches Die Axt im Holz, so nah ist er dem
Ohr ,| Ziel.
Von dort, wo alle stehn im schwarzen „Mit Gold und Silber wird man mtch
Düster. behangen,
Die Eichen, Buchen, Birken und die In hundert Kerzen Schimmer werd'
Nüster ich prangen,
Und seines Stammes Eltern und Ge- Und Kinderhände werden nach mir
schwister, langen"
Klang's klar und deutlich, schicksalsreich So sprach der junge Tannenbaum und
hervor: ... fiel.
„Der Jugend Traum Hab' ich dahin-
gegeben
Und stand doch kaum im meinem sech
sten Jahr,
Der Freude galt mein Tod gleich wie
mein Leben,
Ich sank der Liebe edelstem Bestreben,
Darf ich der Weihnacht Frieden für
euch weben.
Und bin beglückt, weil alles Hoffnung
war!"
(Er blickte mit wohlgefälliger
Rührung um. sich.) Jetzt sind es
gerade dreißig Jahre her, daß sie
mir die kostbare Bronze kaufte: der
siegreiche Gladiator... Sie behaup
tete damals, es wäre ganz mein
Ebenbild! Ja, ja. Und dieses Tin
tenfaß habe ich auch zu Weihnachten
bekommen und die Lampe und den
Stuhl und die Bibliothek, und die
Blumenvafe und den bronzenen
Briefbeschwerer.. Soviel Erinne
rungen! Wenn ich auch nicht mehr
genau weiß, in welchem Jahr sie sie
mir geschenkt, zum 24. Dezember
war es sicherlich!
Doch seit einiger Zeit ist das an
ders geworden. Ob die kleine Frau
sparsamer geworden ist? Oder ver
liert, wenn man alt wird, auch das
Herz sein Gedächtnis? Vor zwei
Jahren schenkte sie mir einen Fuß
wärmer, letztes Jahr einen Briesbe
schwerer. Und was wird es dieses
Mal geben? Vielleicht einen Spuck
napf oder gar ein Taschenmesser?
Und doch, wenn ich ernstlich nach
denke, scheint es mir, als ob sie dies
Jahr für den 24. Dezember wieder
mal gespart hat, wie in früheren
Jahren. Seit sechs Wochen bekomme
ich meinen Kakao in Wasser gekocht,
wir haben nie mehr eine Nachspeise,
andere kleine Entbehrungen abgerech
net. Aber ich werde es ja gleich se
hen... (Es klopft.) Das ist sie ja
fchon."
Frau Heims tritt sehr heiter mit
ihren Arbeitskörbchen im Arm ein:
JTIT
„Guten Morgen, Alterchen!"
Das „Alterchen" blinzelt spöttisch
zu oem Korb hin: „Guten Morgen,
Schatz! (für sich) Na, wenn es drin
ist. kann es nicht weiter groß sein.
Vielleicht eine Schachtel Federn oder
Siegellack!"
Die gnädige Frau setzt sich zu ihm:
,.Es stört dich doch nicht, wenn ich
hier ein wenig arbeite?"
(Sie ztehf ihren Strickstrumpf
hervor und strickt.)
Der gnädige Herr meint enttäuscht:
„Aber bitte... du weißt doch, ich bin
schon Zufrieden," wenn du nur
Das Mädchen: „Gnädige Frau,
Madame (beleidigt): „Ich soll dein
Weihnachtsgeschenk vergessen haben!
Na, das wäre ja das erste Mal."
Herr Heims reicht ihr bewegt den
Arm: „Einen Augenblick habe ich es
gedacht. Seit einigen Jahren hast
du mich überhaupt etwas vernach
lässigt Aber diesmal, wette ich,
hast du Dummheiten gemacht und
dich meinetwegen in große Ausgaben
gestürzt. (Dabei denkt er immer an
„sein Jagdgewehr.")
Die Gnädige (errötend): „Ich habe
in der Tat vielleicht etwas zuviel
ausgegeben Aber ich dachte mir,
du würdest mir nicht zürnen, weil
es zu Weihnachten ist."
Der Herr Gemahl umarmt sie:
„Du liebes, gutes Frauchen, du."
Er öffnet die Salontür und bleibt
mit offenem Munde vor einem mäch
tigen Piano stehen, das in der
Mitte des Zimmers ausgestellt ist.
Der gute Mann ist im höchsten
Grade enttäuscht: „Was ist... was
ist denn das?"
Frau Heims (fröhlich): „Das ist
ein Klavier, Alterchen, ein groß
artiges Klavier. Es fehlte schon so
lange in unserem Salon."
Er: „Aber ich spiele doch nicht
Klavier! Das spielst doch bloß du."
Sie: „Gewiß, mein Alterchen, aber
sagtest du nicht oft, daß du mir so
gern zuhörst?"
„Also darum?"
„Ja... Es fehlt mir.zwar noch
ein recht hübscher Klaviersessel und
ein Notenständer, aber das wird
nächsten Weihnachten dazukommen,
nicht wahr?"
Der Herr des Hauses, der sich
langsam erholt: „Sicherlich!"
Die Dame: „Nun, Alterchen, wie
bist du mit mir zufrieden! Aber
nun bedank dich doch mal!"
Ein Jahr darauf Wiederum
Weihnachtsabend... Frau Heims
sitzt in Betrachtungen versunken da:
„He^te werde ich meinen Klavier
sessel oder meinen Notenständer be
kommen!"
"X.T6
bei
mit fitzest. Bei Seite) Na so etwas!
Sie hat mich vergessen! Das erste
Mal! Aber wozu dann diese Er
sparnisse? (Es klopft) ^Herein!""
es
ist so weit."
Der Herr: „Was ist so weit?"
Die Gnädige mit strahlenden Au
gen: „Wenn du mir den Arm geben
und mich in den Salon führen wirst,
so wirst du es sehen, du großes,
neugieriges Kind!"
Das „Kind" ist entzückt. Es heu
chelt großes Erstaunen und hofft
im Geheimen: Sicher kriege ich jetzt
mein Jagdgewehr. Und laut fügt
er hinzu: „Du Gute! Du hast mir
eine Ueberraschung bereitet?"
Offener Schreibebrief des
Philipp Kauerampfer.
I.
'B60T
Mein lieber Herr Redacktionär!
Ich hätt met gan
zes Lewe nit ge
denkt, daß ich noch
emal in meine alte
Dqge dazu gejuhst
werde deht, for jun
ge Fellersch Entus
siassem bei zu bringe
un zwar dorch die
Macht des Liedes. Awwer mer buht
immer erseht so bei un bei ausfintte,
was mer in sich hat.
Ich hen also die terkischc Ahrmie
noch for ganze Weil Singstunde
gewwe und wie mer mit die Wacht
am Rhein dorch ware, hen mer
Deitschland, Deutschland iwwer alles
getreit. Sell is off Kohrs kein so
passendes Lied for die Terke gewwe
un gewissermaße is es der reine Hoch
verrat gewese, sie so Lied zu tätfeie,
awwer wenn der Wahr iwvzer is, hen
ich gedenkt, dann werd ja doch so
wie so die ganze Welt deitsch un
dann müsse se ja ennihau die Lieder
singe lerne, sonst sin se nit in it.
Ich will Ihne sage, ich hen ganze
Latt Batter gehabt die Fellersch mit
die Worte von den Song ekwehntei
zu mache bikahs wenn ich auch die
terkifche Lengwitsch schon ganz schön
hen tackele könne, so is es doch noch
keinder hart an mich gewese. awwer
ich gewwe nii so iesig auf. Wie die
Sohlscher all angetrete ware, hen ich
gesagt: Buloff minska! Das meint
auf deitsch „Beus, jetzt wolle mer
statte". Dann hen ich en Versch al
leins gesunge, hen awwer en zu hohe
Pitfch erwischt .un sin dadorch in die
Hahrmonnie wenig schehkie geworde.
Das hat mei Kunstgefühl verletzt,
awwer die Terke hen gedenkt, es wär
orig fchön, »bikahs se hen all „Jus
fuff"! gehallert un das meint auf
deitsch: „das is dcr Stoff".
Ich hen awwer noch annere
Surpreis for fc gehabt. Ich hen zu
se gesagt: „Nau Fellersch, wenn Ihr
jetzt recht gut lerne buht, dann hen
ich en Triet for Euch. In die Junei
tet Stehts duhn mer an den 26. Nov.
den sogenannte Denksgiffendeh zelle
brehte, wo sich dadurch distingwische
buht, daß mer Terkie esse bis mer
steif stehn." Wie ich das gesagt hen,
da hen ich genohtist, wie se all ge
schiwert hen, un einer von se hat ge
sagt: „Mister Käpten, un das rufe
Sie nuhtrel Kontrie? Ich kann nit
sehn, wie so viele von unsere Lands
ieut nach bie Juneitet Stehts aus
wandere, wenn se riske duhn, daß se
dort ausgefresse wem. Herr Redack
tionär, es hat mich die längste Zeit
genomme, befohr daß ich se die Eidie
hen ausrede könne. Ich hen gesagt:
^.Bulogg minska, isch gebibbel!" das
meint „Bens, Ihr braucht euch nit zu
truwele die Terkiees wo mir esse
duhn, das sin keine Mensche, das sin
Börds, wo in die Farmjah.rds erum
laufe un in einem fort gabele. Die
kriege die Häls abgeschnitte un dann
fein gerohftet un dann komme
noch alle mögliche Trimmens dazu
zun Se könne sich kein Begriff davon
mache, was das so fein tehfte buht.
Ich hen gesehn, daß Ihr auch so
Börds hier habt un die duhn ich for
euch fickfe un dann sollt Ihr emal
Fieft hen, wo Ihr euch euer sämtliche
Fingerfch darnach ablecke buht
awwer jetzt muß auch gesunge werde
und dann hen mer gestart. Ich kann
Ihne sage, der Gesang hat mich
Bellie-Ehk gewwe, das war fiers!
Die längste Zeit hen ich gebraucht bis
se nur emal eine Lein fertiggebracht
hen un wie ich dann grab mit fe
wenig in Schwung sin komme, is en
iAffifser komme un hat bekannt ge
macht, baß bie Singerei jetzt stoppe
müßt un baß die Truhps a&martfche
müßte der Wahr hätt gestart un
jetzt deht der Monkieschein stappe.
1 Bfci Galle, das is das erschte mal
gewese, daß ich gesehn hen, wie sich
Ahrmie reddtg mache buht for an
bie Front zu gehn. Ich muß sage
es is en arig schöne Seit gewese un
am liebste hätt ich gegliche mit zu
metrische, awwer bas is off Kohrs nit
gut möglich gewese. Well, ich hen
1
Da'werden Schritte laut. Ihr
Gatte kommt... Vergnügt tritt er
ein. „Guten Abend, mein Schatz!"
„Guten Abend, mein Schnutchen!
(Schelmisch) „Warum bist du denn
wohl heute morgen schon so früh
ausgegangen?"
„Nun, ich mußte dir doch etwas
zu Weihnachten kaufen!"
Die Gnädige strahlt.
Der Gatte fortfahrend: „Und ra
te, was ich dir gekauft habe?"
Madame, mit leuchtenden Augtn:
„Einen Notenständer?"
Er, lachend: „Nein."
Madame, die Hände zusammen
schlagend: „Also einen Klaviersessel?"
Er, lachend: „Auch nicht..."
Madame enthusiasmiert: „Vielleicht
gar beides?"
Er, belustigt: „Nein, mein Schatz!
Ich habe dir eine prachtvolle Jagd
flinte gekauft..."
gewunnert was jetzt aus mich werbe
deht. Mehbie ber deitsche Emperer
hat ganz an mich vergesse un ich kann
jetzt nicks differentes duhn, als mich
Ruhm zu rente, mei Schinkel eraus
zu hänge un mich als Singlehrer zu
ettwerieise da hätt ich off Kohrs auch
en schöne Suckzeß mit gehabt! Ich
sin ganz pieviesch fort gange un sin
nach mei Hotel for meine Dots zu
packe, awwer ich sin hardlie in mei
Ruhm gewese, da is en Messenscher
komme un hat mich Schreiwes
gewwe, wo in deitsche Legwitsch ge
schriwwe war un wo gesagt hat, ich
sollt mich reddig mache un heut Nacht
um zehn hUr warte, b-s jemand
for mich kahle deht. Es hat mich
noch die Warning gewwe, niemand
Wort davon. zu sage un for mei Ho-,
telbill braucht ich nit zu 6altere, die
deutsche Regierung deht Kehr von die
nemme.
Well, da is mich wider en Stein
von mei Herzche erunner gefalle. Ei
tell juh der deitsche Emperer der buht
lein Fremd im Dreck stecke losse. Ich
hen mich reiteweg dran gemacht, mei
Suhtkehs zu packe und dann hen ich
mich hingelegt for noch en diesente
Näpp zu nemme. Was jetzt Weiter
Ms mich geworde is,, das schreib ^ich
Ihnen in mein nächste Schreiwebrjef.
Womit ich verbleiwe
Ihne Jhrn liewer
Philipp Saueramp'fer.
Die gelöe Gefahr.
Wiewohl die niederländische Regie
rung, so schreibt ein Holländer, schon
von den ersten Tagen des jetzt ausge
brochenen Krieges an unentwegt eine
deutsch-freundliche Stimmung an den
Tag gelegt hat, gibt es selbst unter
den gebildeten Leuten in Holland sehr
viele, welche der Meinung sind, daß
sich die Niederlande besser auf die
Seite unserer Gegner gestellt bat
ten. Nun, es muß auch solche Käuze
geben. Jedenfalls verraten die Eng
land freundlich gesinnten holländi
schen Patrioten, daß sich die Koloni
algeschichte ihres Landes schlecht ken
nen oder wenigstens zu einseitig be
urteilen, um die sich daraus ergeben
den Nutzanwendungen zu ziehen.
Schon länger denn zwei Jahrhun
derte zeigzn sich die Briten den kolo
nifterenben Hollänbern im fernen
Osten als gefährliche Rivalen, welche
ihnen burch schlaue Verträge, Dro
hungen ober gar burch Gewaltakte
allerbings immer nur so viel an
kolonialen Gebieten entfrembeten, als
sie für ihre Zwecke gerabe für nütz
lich erachteten. Hätte boch das meer
ßeherrfchenbe Albion bamals, als bie
nieberlänbifch ostinbische Kompagnie
sogar froh war, baß ihr Kolonial
besitz gegen Uebernahme ihrer gera
dezu horrenden Schulden an ben hol
länbischen Staat übergehen konnte,
nur zuzugreifen brauchen, um sich
auch zum Herrn bes inbifchen Archi
pels zu machen. Englanb hatte sich
aber mit Kolonien so übersättigt, daß
ihm bie Erhaltung bes Besitzes fei
nes großen inbifchen Kaiserreiches für
sich allein lange Zeit Sorgen unv
Beschwerben genug machte unb es
nicht baran benken konnte, sich auch
zum Herrn des indischen Archipels
zu machen. England hatte sich aber
mit Kolonien so übersättigt, daß ihm
die Erhaltung des Besitzes seines
großen indischen Kaiserreiches fur
sich allein lange Zeit Sorgen und
Beschwerden genug machte, und es
nicht daran denken konnte, sich auch
noch mit den Eingeborenen des ma
laiischen' Jnselreiches herumzuschla
gen, deren Niederhaltung den Hol
ländern immer schweres Geld geko
stet hat. Wohl wäre Großbritannien
in den letzten dreißig Jahren zu ei
ner Besitzergreifung der holländischen
Kolonien vielleicht imstande gewesen,
doch waren ihm inzwischen in den
europäischen Großmächten auch zur
See höchst respektable Gegner ent
standen, mit deren Haltung es ent
schieden zu rechnen hatte. Dieser
Stand der Dinge war für HoUano
entschieden von großem Vorteil, und
es hätte sich dessen Fortdauer gewiß
immer nur wünschen können. Seyr
beunruhigend mußte allerdings das
Aufkommen der japanischen See
macht auf die Holländer wirken, und
das um fo mehr, als das kleine gelbe
Vol^ in den holländischen Kolonien
mit einem geradezu komischen Hoch
mut auftrat und in der allerfrechsten
Weise daselbst aus Spionage aus
ging. Hiergegen zeigte sich die hol
ländische Regierung selbst so ohn
mächtig, daß sie es nicht einmal wag
te, die betreffenden Spione des Lan
des zu verweisen, obgleich ihr die
selben von,der Presse auf das aller
genaueste angegeben wurden. Auch
haben japanische Zeitungen wiederholt
ohne Umschweife darauf hingewiesen,
daß Japan viel besser daran tue, lei
ne Eroberungsgelüste auf die schlecht
verteidigten holländischen Kolonien
als auf das ostasiatische Festland zu
richten.
Wie mem in Niederländisch In
dien selbst hierüber denkt, geht deut
lich daraus hervor, als nach einer
brieflichen Mitteilung aus Batavia
dort of ort nach Bekanntwerden der
deutschen Kriegserklärung an Ruß
land eine unbeschreibliche Panik aus
brach und jedermann daselbst in der
sicheren Erwartung, daß in allerkür
zester Zeit ein Angriff der Japaner
auf Java erfolgen werde, sich jeder
für mehrere Monate mit den nötigen
Lebensmittel zu versehen suchte.
Wohlbemerkt fand dieses in den Ta
gen statt, als das gelbe Volk noch
nicht die geringste Miene machte, in
dem ausbrechenden Kriege eine
Deutschland feindliche und Englano
freundliche Stellung einzunehmen.
Welcher Gewalttaten und Hinterlist!
•gen Streiche sich unsere in ihren öst
lichen Kolonien sozusagen wehrlosen
niederländischen Vettern von feiten
jenes schlitzäugigen Volkes zu verge
hen haben, das zeigt unseres Erach
tens dessen ehrloses, den krassesten
Undank verratendes Verhalten uns
Deutschen gegenüber in gar nicht miß
zUverkennender
Weife. Hoffen wir,
daß mit Deutschlands vollkommenem
Siege zu Wasser und zu Lande die
Zeit bald kommen wird, wo unsere
holländischen Stammverwandten ohne
Ausnahme zu der Erkenntnis gelan
gen, daß sie keinen besseren, stärke
ren Beschützer ihres kolonialen Besitzes
der Welt haben können, als das
aroke. einiae Deutschland.
Reuer Sirup aus
t\4
(Line Entdeckung, welche recht fltinfitge
Aussichten eröffnet.
Zum amerikanischen Ackerbau
Departement gehört bekanntlich auch
ein Zweig für die bessere Nutzbar-
machung von Obst und Gernüsepflan
gen und diesem ist es nach Experi
menten von etwa einem halben Jahr
gelungen, eine neue Art Tafel-Sirup
aus Apfelmost herzustellen.
Diese Erfindung fcütfte. außer :h
rer Bedeutung für das allgemeine
konsumierende Publikum, einen gro
ßen gefchätflichen Wert für Aepsel
Aarmer erlangen denn dieselbe
können wohl mit Hilfe des neue»
Verfahrens ihr ganzes überschüssi
ges Kropp sowie die Abfälle
recht vorteilhaft ausnutzen. Wie
mitgeteilt wird, kann man von 7
Gallonen gewöhnlichen Aprelmo-es
Gallone des neuen Sirups machen
und in jeder Cider Mühle laßt
sich eine Vorkehrung hierfür treffen
Natürlich mußte auch bisher die
Cider Mühl? dazu he halten, über
schüssige Aepfel oder Teile solcher
nutzbar zu machen, indem man e'oen
den Most herauspreßt, oder auch
Essig daraus macht. Doch in Jah
ren großer Anhäufung von Vor
räten war damit noch lange nicht ge
dient und roher Apfelmost häit sich
nicht lange, fodaß die Verkaufs-Ge
legenheit sich meistens nur auf Plätze
in der Nachbarschaft des Pröduk
tions Gebietes beschränkte. Eine
praktische Methidc zur „Sterilisie
rung" von solchem Most hat man
nicht gefunden.
Manche benutzen auch Abfälle
von Aepfeln dazu, verschiedene bil
lige Nachahmungen von Beeren- und
anderem Gelee, unter Beigabe ein-'s
künstlichen „flavors", herzu,stellen
aber auch das sckuf keinen genügen
den Verbrauch. Durch die Entdeckung
der vorliegenden Fabrikation von
Sirup aber mag das Problem end
lich gelost werden.
Das Verfahren erforbert, daß
man ber gewöhnlichen Apfelwem
Mühle noch einen Filtrierungs-Ap
parat und offene Kessel, oder eine
sonstige geeignete Konzenirierungs
Vorrichtung beigibt. Der rohe Most
wird mit einer Kalkmilch behandelt
(die rahmartige Mischung von KaZk
Hydrat mit Wasser), bis durch diese
sogut wie alle natürlichen Apfel-Säa
ren aufgehoben find. Dann wird
der entsäuerte Most bis zum Kochen
erhitzt und geht darauf durch eine
Filter Presse. Die Flüssigkeit, w-l
che man hierbei erhält, läßt man in
offenen Kesseln sich ausdünsten,
ebenso wie man gewöhnlichen Rohr
zucker- oder Sorghum Sirup £e-
bandelt. Beim Abkühlen und Ste
henlassen setzen sich der Kalk und
die von ihm aufgenommenen Säu
ren in Gestalt kleiner Kristalle ge
(onbert an dieser Stoff wird ,,av
felsaures Natron" genannt.
Nochmals wird die Flüssigkeit fil
triert, wobei die Natron Kristall-'
zurückbleiben. Man hat nunmehr
einen Sirup von klarer Rubin- oder
Bernstein Farbe, und von unge
fähr derselbe Dichtigkeit, wie Rohr
zucker- oder Ahorn Sirup. Sein
Grundbestand ist sogut wie ganz
derselbe, wie der.von Rohr Sirup
doch hat das neue Präparat seinen
eigenen, obstigen Geschmack, welcher
stark an den allerliebsten Geschmack
jener sirup artigen Substanz ern
nert, die häufig aus einem Apfel,
der gebraten wird, hervordringt. Die-
1
ser Geschmack dürfte schon genügen,
um den neuen Sirup sehr volkstüm
lich zu machen, wenn er erst einmal
in größeren Mengen geschäftlich
hergestellt wird.
Gehörig sterilisiert und in sestge
schloffenen Blechbüchsen oder Fla
schen aufbewahrt, soll sich dieser
Sirup unbestimmte Zeit halten. Er
läßt sich für direkten Genuß und
zu. Koch- und Back Zwecken in
ganz derselben Weise benutzen, wie
gewöhnliche Sirupe.
Bis jetzt sind erst 10 Gallonen
solchen Sirups in den Laboratorien
des Ackerbau Departements herge
stellt worden. Man benutzte dazu ab
gefallene Sauer- und andere Sorten
Aepfel, und man war mit dem
Ergebnis, wie es scheint, höchst zu
frieden. Schon haben Apfelziichier
in dem berühmten Hoob River
Tal von Oregon, in Zusammenwir
ken mit Chemikern ber Regierung,
im Oktober solchen Sirup geschäft
lich zu bereiten gesucht, und sie
prüfen ihn zunäckst auf seine Mark!
Fähigkeit.
Und noch etwas: das erwähnte
apfelfaure Natron ist ein ^echr wich
tiges Neben Produkt, das beson
ders medizinisch gebrauch: wird und
bisher bei uns zu $2 pro Pfund
verkauft wurde. Mutmaßlich läßt
es sich bei dem obigen Verfahren
nebenbei billiger gewinnen, als es
bisher möglich war.
Frankreich beabsichtigt, Prä
mien auf ben Seehundfang auszuset
zen, weil die Ausbeute des letzjährigen
tzeringssangs nur noch 2,625,000
Stück ergab, während.z. B. 1907
noch 27,415,800 Stück gefangen wur
den. .'

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