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New Ulm Post. [volume] (New-Ulm, Brown County, Minn.) 1864-1933, December 25, 1914, Image 4

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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11
If
is...
MF
Seit Wochen kreuzten wir auf der
Höhe von Tientsin. Zu tun gab es
nicht viel, der tägliche Dienst war
nicht besonders aufregend. Nacht
dienst, Putzen. Scheuern und Wasser
plantschen war alles, was von uns
verlangt wurde, nur vom Schiff durf
ten wir nicht, und kamen wir d?r
Küste und den Dörfern mit den zopf
tragenden Kerlen auch noch so nahe»
niemand konnte daran denken, mit
den Chinesen in Verbindung zu tre
ten. Dabei juckte es uns in allen
Fingern, mit den gelben „Himmels
söhnen" anzubinden im guten und
bösen. Wir hatten in Erfahrung ge
bracht, daß diese schembar so gut,nib
tigen Burschen doch ganz hinterlistige
Gewaltmenschen seien. In Li-ana
hung hatten sie in einer dunklen Nacht
die Missionare überfallen, und nur
dem Zufall war es zu danken gewe
sen, daß die Christen mit einem
blauen Auge unverwundet davonka
wen.
Das war die Angelegenheit im bö
sen, die wir mit den Zopfträgern aus
zumachen wünschten, der andere Grund
war friedlicherer Natur. Wir hatten
keinen Weihnachtsbaum, und das
Christfest war vor der Tür. Was
ein solches Mmko zu bedeuten hol,
vermag nur ein deutsches Seemanns
herz zu fassen, und mir haben d-e
Dec WeihnachlMraum eines jungen MsdchcnK.
Wie die Hasen liefen sie davon.
Nationen leid getan, die von dem
Zauber der lichtgeschmückten Tanne
nichts wissen. Unter uns war aber
auch nicht einer, dem in seiner Ju
gendzeit der Weihnachtsbaum geseh'i
hatte, und sprachen zwei zusammen,
so sagten sie gewiß: wo kriegen wir
den Christbaum her? Weiß der Him
mel, woher es gekommen war, aber
in der Offiziersmesse stand ein ge
putztes Bäumchen. Wir Matrosen
hatten gar nichts und auch keine Auf
sicht, etwas derartiges zu bekommen,
denn erstens durften wir nicht an?
Land, und zweitens gab es dort keine
Tannen, nicht einmal eine Fichte.
Dennoch gab ich die Hoffnung nicht
auf.
„Du. Andres," sagte ich zu meinem
Kameraden Fröhlich, „ich hätte woyj
eine Idee, so'ne Fichte zu kriegen, die
wie eine Tanne aussieht und doch keine
ist, wenn ich bloß auf zwei Stunden
darüber in das chinesische Dorf könn
te, was so hübsch im Grünen drin
liegt."
„Ach, du denkst wohl, das ist dec
Grunewald", lachte Fröhlich. „N?.
.mein Junge, das ist eine Teepflan
zung. Nadelholz findest du in bei
ganzen Gegend nicht."
„Will ich auch nicht, so eine blü
hende, grünende Teestaude wäre für
uns gerade das techte." meinte ich, die
Tonpfeife stopfend.
Die ganze Nacht hatte ich mich mit
dem Gedanken herumgeschlagen, den
Maat zu bitten, er möge für mich
noch einen Urlaub beantragen, als es
vtoraens beim Deckkla?macken biek:
tote
Weihnachten in China.
Eine Ldeihnachtsgeschichte von Julius Knopf.
iiur^iSi mfgiWl Kip^Tr'iiürirB rrjjrtirfify
„Acht Mann von der Steuero^ro-
wache haben vormittag 11 Uhr die
Jolle zu bemannen. Der Kapitän
und der erste Offizier wollen Erkun
digungen über das Schicksal der Mis
sionare einziehen/'
Wie die Bndsäulen saßen wir im
großen Boot, als die Offiziere env
stiegen, und vorwärts ging's dem Ufer
zu, das ungefähr 200 Faden weit lee
wärts lag. Vier Mann begleiteten
den Kapitän ins Dorf, vier Mom
blieben bei der Jolle, und darunter
war Freund Fröhlich und meine We
nigkeit.
„Du", sagte ich zu ihm, „wenn wir
uns jetzt nach dem Weihnachtsbaum
umsähen, solch eine Gelegenheit kommt
nie wieder,' ich glaube, die hat uns
das Christkind selbst beschert."
„Meinetwegen, ich bin bereit," er- I
widerte mein Kamerad. I
Es war ein trostloses Stück See
küste, wo wir lagen. Die Hütten.
mehr Ställen als Häusern ähnlich,
schienen einem Vorort der in der Nähe
befindlichen Stadt anzugehören. Links
hinüber lagen Felder, die sorgsam be
baut, sich die Anhöhe hinaufzogen,
aber in der jetzigen Jahreszeit wemg
Pflanzenwuchs zeigten. Ein- Tee
Pflanzung, wie wir sie uns vorstell
ten, konnten wir nirgends sehen.
„Ich rede die Jungens drüben an
wenn sie mich nicht verstehen sollten,
werden sie doch meine Gebärden er^
raten," meinte Fröhlich und kletterte
die Anhöhe, eine Art Düne, hinauf.
«Jungens," schrie er, „könnt ihx
mir keinen Weihnachtsbaum einer»
Teebaum Tee" und dabei macht»
er die Gebärde des Trinkens „be
sorgen, ihr kriegt auch
Von allen gelben Gesichtern war
nicht eins auf dem Platze geblieben.
Wie die Häsen liefen sie über das
Feld und füllten das Dorf mit ihrem
Geschrei an.
Das ärgerte mich. Ich hinter
drein. Ohne mich nach Fröhlich unv
zusehen, setze ich über einen Zaun
von Bambusstöckcn, und da sah ich
meinen Christbaum leibhaftig vor mir
stehen.
In einem engen Garten, der mit
zierlichem Buchsbaumgebüsch umgür
tet war, standen fünf gleich große
Teebäumchen, die silberfarbene Blüten
trugen, und der in der Mitte war
wurzelfrei gemacht worden. Man
brauchte ihn nur zu fassen und aus
der Erde zu ziehen.
Dennoch zögerte ich, es zu tun.
Ich hätte mir keine Sorge gemacht,
in einem Teegarten ein Bäumchen
abzuhauen und mit mir zu nehmen,
aber hier schien es mir Diebstahl,
und ein deutscher Matrose hält seine
Hand von fremdem Gute fern.
Beschämt wollte ich mich entfernen,
aber wie den Ausweg nehmen? In
der Aufregung war ich über den
Zaun gesetzt, jetzt konnte ich nicht
hinaus, ohne die Beete zu zertram
peln. Es tat mir darum leib,, und
ich suchte eine ordentliche Türe, die
nach der Hütt? führte. Kaum hatten
meine Augen sie entdeckt, als eine
Chinesin eintrat, ein junges, dralles
Ding, das einen Spaten trug.
Ich grüßte sie nach Landessitte,
und sie ging an mir vorbei. Sie
schien sich über meine Anwesenheit
gar nicht zu wundern, fürchtete sich
auch nicht, ich aber beguckte sie mit
Wohlgefallen von allen Seiten.
Die Chinesinnen' sind alle nicht
hübsch, diese war es auch nicht. Aber
sie war gesund, kräftig und hatte ein
schönes, out acvfleates Haar, das sie
»V -1i\
i&rL
I
imytprftT
ganz in eutrp-i -i)er Weise aufgesteckt
trug. Sie bewegte sich sicher auf ihren
nackten, aber wohlgepflegten Füßen,
nicht watschelnd wie eine Ente nach
der Weife ihrer Landsmänninnen. Su
gefiel mir, und ich schien ihr gleich
falls zu gefallen, denn als sie bei
dem Halbausgegrabenen Teebaum
stand* richtete sie ihre dunkelbrauner.
Augen starr auf mich und fing dann
silberhell an zu lachen. Um der un
angenehmen Situation ein Ende zu
machen, sagte ich:
„Liebes Fräulein, geben Sie mir
die' Teestaude zum Weihnachtsbaum."
Sie schüttelte die Hand. Deutsch
schien, ihre starke Seite nicht zu sein.
„Ti-en-tu," sagte sie kopsnickend,
was bekanntlich bei, den Chinesen ein
Verneinungszeichen ist, und ich mußie
versuchen, mich durch die Zeichen
sprache verständlich zu machen.
Ich bedeutete ihr, daß ich über den
Zaun in den Garten gekommen sei,
daß ich den Teebaum gesehen habe
und den Wunsch hege, ihn mein zu
nennen. Sie nickte und nickte, genau
wie die Pagode, welche bei meine
Großmutter auf dem Putztische ftanv.
„Tee, Tee," rief ich immerzu, und
sie wiegte zum ersten Male den Kopf.
„Verstehst du mich, du liebes Mäd
chen," fragte ich „Tee" da
Breitete sie die Arme at!§, legte sie um
meinen Hals und ließ sich" küssen, was
ich denn auch pünktlich besorgte. Wir
von der Flotte sind nicht so.
Aber sie verstand noch immer nicht,
die Zeit drängte, und ohne weiteres
faßte ich den Teebaum und zog ihn
aus der Erde.
Sie stand unt betrachtete abwech
selnd das Markstück, das ich als
Kaufpreis in ihre Hand gedrückt, und
mein Tun mit aufmerksamen Blicken,
hinderte mich auch nicht daran. Als
ich mich aber entfernen wollte, trat sie
Verstehst du mich, liebcs Mädchens
mir in den kveg.
Sie deutete an, daß sie die Staude
in die Ecke des Gartens verpflanzen
wollte, ich bedeutete ihr, daß ich sie
zum Christbaum ausputzen wolle.
Während wir so gestikulierten, be
rührten sich fast gegen meinen Willen
aufs neue unsere Lippen. Da erscholl
eine gellende Stimme im Hause, er
schreckt ließ mich das Mädchen los
und lief nach der Hütte, die Tür hin
ter sich offen lassend. Diese führte
ins Freie, und ich ließ mir vom
Schicksal nicht zweimal winken.
Das Teebäumchen in der Hatto,
wollte ich dem Ufer zu, aber wo war
der Weg? Eine Anzahl Rüsseltiers
nahm quiekend Reißaus, als ich glaub
te, die rechte Straße zu entdecken,
einige Chinesen betrachteten mich dro
hend, als ich in das Hüttengewirr
einbiegen wollte. Ihre Augen rich
teten sich auf das Bäumchen in mei
ner Hand, sie glaubten sicher, ick Härte
es irgendwo annektiert.
Da bog ich in eine Gasse ein, di?
unmittelbar zum Ufer zu führen
schien, durch das Laub der Bäume
schimmerte schon die hohe See. Ich
war geborgen.
Aber man soll den Tag nicht vor
dem Abend loben. Dieselbe Straße,
die ich gesunden, hatte auch mein Ka
pitän erwählt. Mit einem Missionar
in schwarzer Kleidung und chinesi
schein Strohhut kam er die Gasse
herab, ihm folgte der erste Offizier.
Leutnant W., mit einem anderen geist?
lichen Herrn, und allerlei Chinesen
volk drängte sich dahinter.
An eilt Auskratzen war nicht zu
denken, um so weniger, da ich die
Wege nicht kannte. So blieb ich ste
hen und machte Front, den Äeih
nachtsbaum in meiner Hand.
Unser Alter dankte, ohne eine Frage
zu stellen, und ich folgte mit gesenkten
Ohren. Vierundzwanzig Stunde»
Arrest und so und so viel Strafwa
chen waren mir gewiß.
Ä?Bei der Jolle nahm ich meine Re
nten und staute den Baum fort. Wir
kamen an Bord, noch immer keine
Frage, sehr bedrückt schlich ich mich
in die Kambüse.
Prächtig putzte ich mein Bäumchen
auf, das .ziemlich einen Meter hoch
war. Ich sagte schon, daß es weiße
Blüten trug, und es sah mit dem
dunkeln duftenden Laub ganz reizend
aus. In meinem Kasten hatte ich
Lametta, die Lichter schnitzten meine
Kameraden aus weißen Stearinker
zeit zusammen, auch Flittergold und
knatterndes Silberpapier brachten ton'
an.
Dabei dachte ich viel mehr an die
Kleine, als für meine Ruhe gut war.
Am anderen Tage war Weihnachts
heiligabend. Mit klopfendem Herzen
ging ich zum Appell. Doch der Kap:
tän musterte nur genau meinen An
zug, sagte aber kein Wort.
„Er läßt dich zappeln," meinte
Fröhlich, „paß auf, heute abend
schmeißt er dich doch ins Loch. Das
macht et immer so vor dem Fest."
Nachmittags kam die Post. Auch
ein Brief an mich war dabei. Ich
steckte ihn in die Tasche und wagte
nicht, ihn zu lesen. Ich hatte kein
reines Gewissen, und der Brief war
von Mariechen, meiner Braut in
Hamburg.
Dann' wurden die Festrationen ver
teilt, 6uch Rum bekamen wir, um den
heiligen Abend zu feiern.
Natürlich wurde ein steifer Grog
gebraut. Wir rückten naher zusam
men. Die Lichter am Baume wurden
angezündet und glänzten uns tief ins
Herz hinein. Bei ihrem Schimmer
las ich, Mariechens Brief und schämte
mich ein bißchen über meine Flatter
haftigkeit. Aber die chinesische Schöne
konnte ich auch nicht vergessen. Es
war mir, als blickten ihre glänzenden
Augen aus jeder Lücke zwischen den
Zweigen hervor.
So träumten und feierten wir, titS
die Glasen angeschlagen werden sollte
und die Ablösung kam. Da wurde
Msiffen:
„Alle Mann auf Deck!"
Wir stürmten die Stiege Hinauf.
Schwarze Wolken hingen am Him
mel, und am Horizonte wetterleuchtete
es. Kurze Wellen bedeckten schäu
mend und gifchtgekrönt weitaus di?
Bai, die Schraube, arbeitete dumpf,
das Schiff zitterte plötzlich wie ein
Renner, der scheut.
„Ein Zyklon," flüsterten wir uns
erschreckt zu, während jeder an feinen
Platz rannte. Und dann ging der
Tanz los.
Wie ein toller Renner kam der
Sturm herbei. Die Schleusen des
Himmels öffneten sich und überschüt
teten uns mit Wasserfluten. Wir wa
ren in offene See hinausgedampft
und konnten, selbst wenn's von den
Blitzen taghell wurde, nichts mehr
von der Küste sehen.
Aber unser Schiff war fest, de:
Alte manövrierte famos, nach eitte«:
Stunde waren wir in der Mitte des
Wirbelsturmes, der zur Küste hinüber,
raste.
Noch ein kurzer Blaser, eine Stunde
fester Arbeit, und wir konnten auf
atmen. Triefend von Waffer und
Schweiß wurden wir gegen Morgen
in die Kambüsen geschickt.
Da sah es schön aus. Die Sessel
waren über den Tisch gerutscht, mein
Bäumchen zerquetscht und zerbrechen.
Ich guckte das arme Ding mit nassen
Augen an. Es war eine kurze Freude
gewesen.
Und als es hell wurde, da sahen
wir den Schaden an der Küste. Da6
ganze Dorf, wo ich das Bäumchen ge
funden, war wie von der Erde wegge
fegt. Was war aus meinem chinesi
schen Mädchen geworden?
Beim Appell sah ich sehnsüchtig
hinüber. Der Kapitän kam Bei mi:
vorbei.
„OBermaat," sagte er, auf mich zev
gend, „der Mann kommt drei Tage
in Arrest wegen Nachlässigkeit im
Dienst."
Nun hatte ich Zeit, üBec Mariechen
in Hamburg und üBer die Schöne fct
Tientsin nachzudenken.
Ballg elpräch. HaBen gnä
diges Fräulein schon mal in der
Tinte gesessen?
DeshalB. Jakob: Moses,
worum Biste äsu schweigsam?
Moses: Nu, Bei die Kält' friert
mir an de Händ'!
-rot est. Heiratsvermittler:
Sie sind also heiratslustig?
Alter Junggeselle: Heiraten will
ich, aBer lustig Bin ich nicht!
(SingeB.ildet. Neugebacke
ner Dorf Polizist:' Alte, jetzt exinnere
ich mich erst, was ich eigentlich Bin,
dös, was nta dö höhere Gewalt
rennt!
AM»
Die heiligen 12 Machte.
So nennt das Volk Bekanntlich ötc
Nächte vom WeihnachtsaBend Bis zum
großen Neujahr oder Epiphanias.
Wie draußen sich um diese Zeit die:
Tage gern verschleiern und die langen
Abende sich in geheimnisvolles Dun
kr! hüllen, so lieBen Sage und ABer
glaube, diese Zeit mit dunklen Ge
staltungen auszufüllen. Daß aBer
gerade diese Zeit als so Bedeutungs
voll hingestellt wird, das hat seinen
Grund ursprünglich in dem germa
ttischett Kultus, Winterjul und dem
vermeintlichen Zuge der Götter, die
in dieser Zeit durch Ortschaften, ja
durch die Zimmer der Menschen zie
hen. Die' christlichen Feste paßten
sich aBer klug und gut an. Bei den
Germanen zog vor allem Wodan
in der Weihnachtszeit durch die ßatt
de. Als ihren Sturmgott hat ihn
die Sage Bewahrt. Er zieht im
Mantel und Bedeckt vom Breitkräm
pigen Hut, gefolgt vom „wilden Heer"
(d. f. ursprünglich die Seelen der
Verstorbenen) durch die Lande. Er
heißt in Hannover auch Wöejäger,
anderwärts Jäger Hakelberg (eigent
lich Hakelbrand, d. h. Mantelträger).
Er reitet einen Schimmel Eulen und
Wr
RaBett als Totenvögel Begleiten seinen
Zug. Hunde laufen heulend neBen
her, auf deren Körper Lichter bren
nen. Wer die Erscheinung kommen
sieht oder hört und sich. nicht sofort
platt auf den Boden wirft, ist ver
loren, eBenfo der. welcher nach dem
Zuge neugierig durchs Fenster schaut.
Es gctB eigene Wodanswege, die er
qern zog (Wvdenswege, später Go
denschwege Bei Magdeburg). Auch
MoosweiBlichen und Holzfräulein
sind mit im Jagdzug, den Hörner
klang verkündet. Wer die wilde Jagd
höhnt, ihr etwa Halloh oder Hurrah
zuruft, dem wirft der zürnende Gott
einen Roßfchenkel heraB oder den Fuß
tines MoosweiBchens, und diese her
abfallenden Dinge wachsen durch
Zauber dem Spötter sofort fest und
sind nicht durch menschliche Mittel zu
vertreiben.
Wodan heißt hier und da auch
Hrodson, d. h. Ruhmesträger, wor
aus .Unverstand im westlichen
Deutschland Herodes gemacht hat.
Ii England hieß die wilde Jagd
sinst Herlething, nach dem saBelyaf
ten -König Herta. Da Wodan oder
Jüdin auch der Gott der Wünsche ist.
so soll man sich merken, was man in
den 12 Nächten träumt. Es würde
eintreffen, wenn wir dem Gott erge
Ben sind. Zwar schlafen Winters
euch die seligen Götter viel, auch
Wodan und Hulda. ABer mit der
neu heraufsteigenden und länger
leuchtenden Sonne kommt auch der
alte Himmelsgott Odin zu neuem
LeBen. Da muß man in den 12
Nächten die Obstbäume rütteln und
rufen: „SBäumchtn, wach auf, Frau
Holla (Hulda oder Freia) kommt!"
Matt wollte auf die Zukunft, auf
das neue Jahr schließen drum goß
man Wachs, legte Stäbe und Karten,
stellte ein Wachslichtchen in eine Nuß
schale und ein Jeder ließ nun sein
„Lebensfchiffchen" im Wasserbecken
schwimmen. Wessen Licht zuletzt aus
ilimmte, der sollte uf.t längsten Ie~
Tie Weibnachtswürste.
Wenn sich Jung und Alt tut laben,
Statut woll'n die Köter auch was haben!
-U'
kL
Itit. Merkwürdig ist, daß der Zug
trs wütenden Heeres mit Hörneruf
vnd Peitschenknall auch in Frankreich,
England und Skandinavien seine
Rolle spielt. Fränkische, burgundl
scke, sächsische und gotische Völker«
gasten haben Sagen und Sitten
weiter verpflanzt. In der Wolfs»
schluchtfzene des „Freischütz", im
„Rattenfänger von Hameln" und in
anderen Sagen kehren die Anklänge
der Odinsage wieder. Die Kinder
im. Berge sind die Seelen der Toten.
Man dachte sich die Seele "unter ver
schiedenen Bildern, einmal als Schat
ten,, wie sie im „Peter Schlemihl" als
lessen verlorene Seele erscheint ein
mal unter dem ernstgemeinten Bild
leise dahinhuschender Tiere, so der
Mäuse und Rotten so hat der „Rat
tenfänger von Hinteln", der all' seine
Seelew in den Berg führt,, einen gar
tiefen Sinn. Und da unter Ben
Tieren des Jagdzuges (Mäufer Rar
tenv Eulen, Hafen etc.) sich die See
len Verstorbener bergen,, so darf man
sie nicht mit dem wahren Namen,
nennen, sondern sagt dafür Boden
huscher, Bodentraber, Schuhu, Löff
lex etc.
Wer Ruhe haben will,, stellt in den
12 Nächten Brot und- einen Krug
Bier auf den Tisch, damit die un
heimlichen nächtlichen Gäste sich laben
können, setzt einen offenen Topf mit
Mehl vor die Tür (für die.Hunde)
und befiehlt sich und die Seinen dem
warnenden getreuen Eckart. Fran
kenland und Vogtland bewahren noch
viel jener alten Mysterien. Am
Weihnachtsheiligabend und am Neu*
jahrstag darf der Hirse auf dem.
Ttsch nicht fehlen, damit das Geld
im kommenden Jahr nie fehle. Nä
hen, stricken, stopfen ist am Weih
nachtsheiligenabend eitel Sünde,, ganz
ähnlich wie am Himmelsfahrtstage,
wo im Uebertrewngsfalle der Gott
Tor Den mit Blitz und Donner
straft, der nur ein Metalt anrührt.
Alte Personen in Dresden werden sich
entsinnen, wie drum in den dreißi
ger Jahren noch die Landmädchen,
an jenen zwei heiligen. Nachmittagen
oder Abenden in Reihen müßig fpa
rieren gingen oder fehr gern, in hellen
Reihen, wie die Siebelner Semmel
zeiten, die Friedhöfe aufsuchten. Ja
man konnte meist an der Farbe der
wollenen faltenreichen Röcke die Zu
gehörigkeit zu der oder jener Dorf
gemeinde fast erraten. Aber mit dem
erweiterten Verkehr und mit den
Dampfzügen verwischten sich Sage
und Sitte, das Gemeindeleben ver
ler nach und nach seilte Geschlossen
heit und mit manchem Auswuchs ging
freilich auch manch' ehrwürdig Stück
Volkstum verloren.
Regel.
Weil nie der Mensch sich selbst genug.
Drum soft er .Andere lieben.
Du übest '.mr an dir Betrug,
Wenn dir dies fremd geblieben!
Im Liebenehmen und im -geben
Besteht im Grund das ganze. Leben!
'^4
/"ftp
N
I
Was weinst du denn, Maxel?
Huhu Papa ich krieg
Haus mch kaput!
Kleiner Schlauberger.
Karlchen (vor Weihnachten): „Pa#
pa, wir sollen über die Weih,nachts*
ferien einen Aufsatz machen, in Dem
wir den heiligen Abend beschreiben,
die ganze' Bescherung und so,
weißt Du?"
„So, na, dann arbeite nur recht
sorgfältig."'
„Ja aber er soll minde
st ens drei Seiten lang wer
den!"
—. Hieb. Hausfrau: „Sind
Sie denn zufrieden mit Ihrem
Weihnachten, Lina?"
Köchin: „Ach ja, mein Bräuii
jam hat sich sehr anständig gezeigt."
Aus dem Weihnachts­
markt. .Sie: „Du tust mir leid,
daß Du so schwer zu tragen hast!"
Er: „Es ist nicht so schlimm, mein
Portemonnaie ist dafür bedeutend
leichter geworden!"

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