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New Ulm Post. [volume] (New-Ulm, Brown County, Minn.) 1864-1933, December 25, 1914, Image 5

Image and text provided by Minnesota Historical Society; Saint Paul, MN

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A
:.
1
fljfcg war am heiligen Abend im
Jahre des Heils 1648. Ueber dem
Etädtlein lag am Spätnachmittag,
ftletii einem schweren Leichentuch,
tm dichtet Nebel das Sinnbild
jener Zeit, in der das von den
unsäglichen Gräueln des eben Been
deten dreißigjährigen Krieges verwü
stete und zerschlagene Deutsche Reich
einem unermeßlichen Friedhof glich,
ans dem nimmer Auferstehen und
neues Leben zu erhoffen war.
Dicht an der alten, morschen
Stadtmauer stand ein einsames halb
'zerfallenes Häusel. Die obere Hälf
te war bei einem Einfall mordbren
jt'tifcher Kroaten in Flammen auf
gegangen, und auch im Untergeschoß,
das aus zwei Stiiblein, einer Küche
ttnd einem Flurraum bestand, zeigten
sich Spuren des Brandes. Die ein
stigen Bewohner waren entflohen und
tcrfchollen, wie Hunderttausende ih-
tet Leidensgefährten in Nah und
Fern,, und von dem Rest ihres Ei
gentums hatte ein junges Weib mit
gif ei Kindern ohne weiteres Besitz ge
nommen. Wer fragte auch damals
danach, wo ganze Stadtviertel und
Dörfer vollständig verödet lagen und
herrenloses Gut sich überall fand.
Frau Bright van Buren war nach
larger trostloser Fahrt vor drei Iah
ren in das Stabilem gekommen.
Nachdem eines Tages meuternbe
Söldner ihren Mann, einen kaiser
lichen Rittmeister, erstochen, sta:il die
arme Wittib mit ihren zwei Büblein
f/ von neun und sieben Iahten schutzlos
inmitten der Kriegesgräuel. Solan
ge sie im Troß des Regiments ihres
gefallenen Gatten zog uno von dessen
spärlicher Hinterlassenschaft zehren
Eine Weihnachtshistorie ans alter Zeit. Von Fritz Brentano.
konnte, qtng es noch an. Als end* droschen von der Marodeurbande, die
I-'ch aber Frieden geworden war im uns draußen im Walde überfiel und
Reich und das zusammengewürfelte
Heer auseinander lief, da schwollen
ftot und Elend der Aermsten bis an
Und nun war ihre Bedrä.ignis suchen, in Gemeinschaft mit Euch
aufs höchste gestiegen. Wieder war Eurem Herrn Hilfe zu bringen."
es Winter zeeworden heute morgen „So kommt, gute Frau!" antwor-'
hatte sie das letzte Restchen Nahrung tele, sich hastig erhebend, der Alte,
1 sich
genommen und mit hungrigen' „und, glaubt mir, es soll Euch weid-,
Augen schauten die Kleinen auf dienlich gelohnt werden!"
trostlose Mutter, die, das tränenüber- Eine Stunde später lag der srem
I strömte Antlitz in die Hände begra- de Mann, das Haupt von der ge
bettd, an dem hölzernen Tisch saß schickten Hand seines Dieners sorglich
und vergangener Zeiten gebq$te. mit Linnen verbunden, aus dem ärm-
Vor ihr stieg das alte Bremer Pa- lichen Lager Brightens, mit geschlos
trizierhaus der Eltern aus, in dem fenen Augen', sintemalen ihn ber ge-
sie in Glanz und Reichtum ihre Ju- haßte Schreck noch nicht recht zur Be
gend verlebte. Wieder sah sie sich sinnung hatte kommen lassen. An
im Kreise der Ihrigen an dem strah- seiner Seite wachte die Witwe, die die
lenden Weihnachtstisch, umwogt von Hand des wunden Mannes in der ih
Licht und Wärme wieder tönten rigen hielt, dabei ausmecksam auf
die Liebesworte der guten Mutter dessen leichteste Bewegung achtend. Die
an ihr Ohr und ihrewar, als schaue beiden Buben hatten sich tapfer auf
aus dem Sessel am wohligen Kamin *elt Weg nach dem Städtlein ge
der ernste Vater wieder auf sie her- ni.icht, um den alten Doktor herbei
ab und freue sich mit den Seinigen Pholen, während der Knecht des
.des frohen Festes. Fremden 'behufs Herbeifchaffung von
r-i Lebensmitteln, Decken und sonstigen
5
9'f16'
mann, der im Sturm ihr Herz ge
wonnen hatte, hinauszog in die wei
Hie Welt, nachdem sie der gefügige
Feldprediger für immer mit dem
AMann ihrer. Wahl vereinigt hatte.
In starkem Jugendmut teilte sie mit
[feil ihr aus der Heimat die Kunde schwere Seid, das sie noch vor kur
Iben dem Tod der Mutter Brachte, die zem ^drückte, und wie ein Hoff
seit der Flucht ihrer Einzigen lang- nungsschimmer wollte es in ihr Her?
fayl dahinsiechte. einziehen, als müsse sich jetzt alles
Vom Vater aber hatte sie im zum Besseren wenden.
Sturm und Drang ihres Lebens nie
wieder gehört. Selbst die Erinne
nmg.an ihn verblaßte nach Und nach,
und heute erst, an der äußersten
Grenze ihres Elends, erwachte sie
wieder mit aller Macht.
Ob'er noch lebte, der schwerzür
nende, einsame Mann? O, was gäbe
sie darum, noch einmal nach langen
Jahren des Kummers feine Knie um
fassen zu können, ihr schweres Herz
vor ihm ausschütten zu dürfen.
Vorbei vorbei!
Der eisige Schneesturm pfiff durch
die Ritzen des Gemäuers, und ~er=
schauernd unter seinem Hauch, fragte
sich die arme Mkktter: „Was nun?"
Betteln zum ersten Male betteln
mit ihren Kindern? Nein! Wild
krampste sich ihr Herz zusammen bei
diesem schrecklichen Gedanken und
bech, was blieb ihr sonst übrig? Nur
noch eines, der Tod!
„Mutti, mich hungert!" klang es
aus dem Munde ihres Jüngsten an
ihr Ohr und mit einem Verzweif
lungsschrei sprang Frau Brigitt auf.
riß die Büblein an sich und rief mit
wildem Entschluß:
„Kommt!"
Da horch! Pochte es nicht drau
ßen an die Tür? Ja, wieder und,
wieder, und eine heisere Stimme rief:
,.Um Gottes Barmherzigkeit wil-i
len, öffnet!"
Refolui folgte Hans, der ältere,!
dem Ruf, und durch die Tür wank
te, fchneebedeckt, ein fremder bärti
ger Mann in die fast nachtdunkle
Stube, tastete 'sich nach der Holzbank,
auf der er sich stöhnend nieberließ,
und sprach:
„Mit Verlaub, ihr Leute! Bin der
Knecht eines Reisenben, weiblich ver­
richten Herrn ausraubte, der mit zer
schlagenem Kops bei unserem umge
stürzten Schlitten liegt. Die Pfer-
den Hals und sie war glücklich, in der, de haben die Schurken mitgenommen,
ho.lbverbrcinnten Behausung einen wo ift euer Mann daß er mir
Unterschlupf zu finden, wo sie sich helfe, den Wunden hereinzufchaffen?"
und ihre Buben kümmerlich mit ihrer „Ich bin eine arme Wittib", entgeg
Hände Arbeit und dem mageren Er- nete Frau Bright, „und kein männli
wägnis des anliegenden Feldes vor ches Wesen ist weit und breit zu sin
bem Tod des' Verhungerns schützen den. Aber ich und mein Aeltester
unnie. hier, ein tüchtig Buberl, wollen tier*
nützlichen Dingen nach dem Schlitten
^5 3-1° r-J1 I zurückgekehrt war. Hatte er doch
sich ließ und dem väterlichen Verbot alsbald mit kundigem Blick Bemerkt
trotzend, mit dem jungen Kriegs-
daß bei dem armen WeibleinSchmal
hans Küchenmeister war und daß die
reichen Vorräte seines Herrn hier just
ZU
3 Itanetn ^HS^nomut teutc. \it mit, Lager des unverhofften Gastes faß.
jB Muh und Not des wU- ber in unruhigem Schlummer vor iht
Üben Kriegsspiels, und nur einmal Ten. Ihr war, als sei die Berüh
wollte ihr Herz Brechen unter gar -rung von dessen Hand für sie ein ab
^schwerem Leid, als ein fahrenber Ge-! or tierliches Remedium wider das
patz kamen.
Frau Bright aber wurde gar selt
sam zumute, als sie so einsam am
A
t:-
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Und nun ging es mit einmal da
draußen wie ein Klingen und Singen
üW "Himmblshöhen d^rch die aHend-,
liehe Stille. Es waren die Glocken
der beiden Kirchlein des Städtchens,
die den heiligey Abend einläuteten,
und'der eherne Klang, der vor einer
StuM noch neuen Kummer, neue
Schmerzen in ihrem Innern ausge
löst hätte wollte ihr jetzt gar süß und
trostreich bedünken.
Auch der Fremde öffnete bei dem
Geläute plötzlich die Äugen und
schaute wirr umher, ohne daß es ihm
gelang, feine Umgebung zu erken
nen. Verbreitete doch die alte Oel
lampe nur ein kümmerliches Licht,
fu daß der Gast sowohl, wie seine
Wirtin sich im Dunkel befanden.
„Wo bin ich?" fragte mit let)er
Stimme der Verwundete,' den Ver
such marÄsnd, sich aufzurichten.
„In Sicherheit, lieber Herr," er
widerte Frau Brigitt. „Bald wird
der Medikus eintreffen, um nach Eu
rer Wunde zu sehen. Schmerzt sie
Euch?"
„Nicht fehr!" antwortete der Frem
de. „Pah, Hab' manch härteren
Schlag im Leben erhalten, manch her
beren Schmerz erlitten. Doch, wie
•komme ich hierher und wer seid
Ihr?"
„Eine arme Wittib, Herr. Hab
Euch mit Hilfe Eures Knechtes und
meines Buben aus dem Wald hierher
gebracht, wo die Mordbrüder Euch
niedergeschlagen."
„Hol sie der Teufel", fuhr der Alte
auf. „Und doch, wollt ich, daß sie
mich ganz erschlagen und so meiner
el-nden Fahrt ein End gemacht hät
ten."
,Herr, versündigt Euch nicht!"
mahnte Brigitt. „Was sollte ich ar
rnes Weib wohl sagen, die mit ihren
|ieüd|)nad)Mci:
Sie muß baBet sein, bte Weih
nachtsritte unter dem Lichtermeer
bes Christbaumes steht sie mitten zwi
schen ben Puppen unb ben schönen
Bleisolbaten. zwischen all bem Zucker
werk und süßem Konfekt starr unb
struppig als ein Symbol für ben
Ernst bes Lebens! Wie kommt ber
strenge Gast unter allen Glanz ber
Festesfreube, wie wagt sich bieser
Geist ber Strafe hinein in bie Welt
der Liebe und Gnade?... Die Rute
hat im Laufe der Jahrhunberte ihren
Zweck unb ihre tiefere Bebeutung gar
fehr öeränbert aufklärerische unb
päbagogifch gesinnte Zeiten haben aus
ihr, die ein Segenszweig und ein
Unterpfand neuen Blühens und Ge
deihens war, das böfe Werkzeug ge
macht, „das da zu Lehre und Dis
ziplin gehöret". Der altgermanifche
Baumkultus sah im Zweige ein un
zerstörbares Element der Kraft, das
durch die lange Winterszeit sich fort
und fort erhalte bis zu schönerer
Wiederentfaltung im Frühling. So
brach man denn am Winteranfangs
tage Zweige von den Bäumen und
stellte sie feierlich auf in Wasser oder
in einem Topf mit Erde, auf daß sie
auch in der dunklen, kalten Zeit er
blühen und einen Vorklang wärmerer
Tage in's Haus hineintragen möch
ten. Durch einen Schlag mit folch
einem Segenszweige, glaubte man,
werde dem Getroffenen Glück und
Gedeihen gespendet.
Solch Berühren mit Baumzweigen
ist ein in der Baumverehrung vieler
Volker wiederkehrender Zug, der sich
z. B. auch' im alten Indien findet.
Man schlug daher in manchen Gegen
den die Bäume mit Zweigen, damit
sie im nächsten Jahr viel Früchte
brächten. Dann schlugen vor allem
die Burschen des Dorses die Mäd
chen, die sie dafür mit Bier, Brannt
wein und Kuchen bewirteten. All
überall taucht im weihnachtlichen
Volksbrauch des Mittelalters die hei
Itae Rute auf, der blühende Zweig
der deutschen Winteranfangsfeier sie
erscheint als Martinsgerte, als
Nikolausbäümchen, als blühender
Loszweig in Tirol und als der uns
auch heute noch so vertraute Tannen
zweig. DaZ Schlagen mit den Zwei
gen wurde gewöhnlich am 2k Dezem
ber, am Tage der unschuldigen Kin
der, vorgenommen dieser Unschuldi-
-1-
Wildern in Elend und Not ver
tpinmt, seit man ihren Mann in der
Mute-' femerJahr«-hinterrücks er-
Gott!" stöhnte mitleidig der
Freinde. „Und wer erschlug ihn?
Der war er?"
P,.Rittmeister im Regiment Terzky,
und seine eigenen Leute erstachen ihn,
er sie am Plündern behindern
wollte", sprach Brigitt, in der Erin
nerung erschauernd.
„Rittmeister bei den Terzky'-
f$en!"
Das Weib war zu Füßen des La
gers niet)»rgefunten und schluchzte
„Vater, lieber Vater, so sehen wir
uns wieder! Vergib ach, vergib
deinem Kinde!"
Mit fast jugendlicher Kraft schlang"
der Alte feine Arme um den Hals
Brigittes, sie an sich ziehend.
„Was soll ich dir vergeben, du
armes Weib?" fragte er voll tiefer
Rührung. „Mein ist die .Schuld,
mein allein! Fand keine Ruhe mehr
daheim und Hab dich gesucht seit Iah
ren im weiten Reich, wie ein verlore
nes Kleinod. Und nun hat mich ein
ivundersam Geschick dich finden lassen
und ich. will dich halten und hegen für
immerbar, mein Lieb meine Bri
gitt!"
Und während die beiden sich fest!
umschlungen hielten, traten die Büb
lein unter die Türe und schauten mit
erroßen Augen verwundert auf die'
seltsame Gruppe.
Durch die armselige Stube aber,
die so viel. Elend und Leid in ihren
vier Wänden gesehen, ging es wie
Rauschen vonEngelsslügeln, und star
fer klangen von Draußen die Weih
Nachtsglocken. und sangen das alte,
ewige Lied der Erlösung:
„Ehre sei Gott in der Hohe
Friede den Menschen auf Erden!"
gen Kindertag bildete den Abschluß
der ganzen weihnachtlichen Festzeit im
Mittelalter so lange dauerte die
selige' Zeit der Kinderherrscha st. da
ein Kinderbischof gewählt war und
die Kleinen einmal im Jahr die erste
Rolle spielten. Da der 28. Dezember.
ober der Gebächtnistag des Bethlehe
mitifchett Festjahres war, dessen Sage
mit Kindern in Berührung stand, so
trafen gerabe an biesem Tage christ
liche unb heibnifche Vorstellungen zu
sammen bieKinber rächten sich gleich
fam an ben Großen, bie ihnen unter
Herobes so übel mitgespielt, unb
schlugen sie mit ben grünen Zweigen,
mit Birkenreisern unb Tannen
büschein, bie sie geschenkt erhalten hat
ten. Der altgermanische Glaube an
bie fruchtbare, fegenfpendende Wir
kung der Zweige verschwand allge
mach an die Stelle der „großen star
ken Knechte, so zu Weihnachten das
Kindlen oder Dingeln treiben, indem
sie die Mägde und Weiber mit Gerten
und Ruten hauen", traten im Anfang
des siebzehnten Jahrhunderts ganz
allgemein die Kinder. Die Kleinen
schlugen die Eltern ober sonstige Ver
wanbte unb Bekannte mit einem
Zweige, ber ursprünglich als blühenb
gebacht war, und erhielten dafür Ge
schenke das Schlagen galt also noch
als etwas Gutes. Mit der allmäh
lichen Einführung der Weihnachtsbe
scherung in unserem heutigen Sinne,
die erst nach der Reformation der
zweiten Hälfte des fechzehnten Jahr
hunderts gefchah, wurde dann die
„Christrute" .der „Christbürden" bei
gefügt, jenem geheimnisvollen Biin
bei, in bas bte Geschenke zufammen
gebunben würben, um bann ben Kin
bern in's Haus getragen zu werben.
Diese Rute erhielt nun ganz lang*
fam ben gestrengen, lehrhaften Neben
sinn. ben wir ihr auch heute noch bei
legen.
Die Sitte, daß die Kleinen Ver
wandte und Freunde schlugen, bestand
noch weiter fort. Noch um 1800 be
richtet davon der Leipziger Magister
Eberhard, aber er versteht den Sinn
dieses Brauches nicht mehr und
nimmt an, die Ruten würden den
Kindern „auf Anleiten der Eltern"
geschenkt, „um sich dadurch befto grö
ßere unb mehrere Geschenke, nament
lich von. Paten. zu verschaffen."
linterbessen hatte jeboch die Weih
nachtsrute längst jene moralische
Ausdeutung erhalten, die in ihr neben
all den süßen Freuden des weihnacht
lichen Festes des Lebens Bitternis,
und Strenge repräsentiert sieht.
T+
tief, sich mit einem jähen
Ruck aufrichtend, der Gast, „Ritt
Meister und Ihr ja ja
diese Stimme' Licht!' Um Gottes
willen. Licht!"
...Herr, Herr, was ist Euch?" fragte
bestürzt die Frau Brigitt, nach der
Lampe eilend und sie an das'Lager
dc3 Verwundeten stellend. Als aber
nun derer. Schein voll auf die beiden
fiel, da tönte es wie aus einem Mun
de:
„Mein Vater!"
„Mein Kind, meine Brigitt!"
,•
1 Hurra, da liegt der Wechnsrhtsmkmn.
'^Vi
'f•
Weihnachtsmann sprang aus dem Alle, alle groß und klein
Schlitten^ Wollen ihm behilflich sein.
Und ist dabei ausgeglitten.
Klatsch I da liegt er in dem Schnee
Und kann nicht mehr in die Höh'I
Und die Kinder schrei'n: Hurra!
Unser Weihnachtsmann liegt da.
I MeMscbts-AflegeMikn.
Wo bie Sonne scheint, bei kann
auch ber Schatten nicht ausbleiben.
Es ist nur natürlich, baß es neben
den großen Weihnachtsfreuden auch
kleine Weihnachtsleiden gibt, mit de
nen man von vornherein als unver
meidlichen Dingen rechnen muß, wenn
sie einem nicht die Festfreude störer»
sollen. Zu diesen Weihnachtsleiden
gehört in erster Linie das Nichtfertig
werben ber für ben Weihnachtstisch
Bestimmten HanbarBeiten. Unsere ah
nten Frauen unb Töchter, sie, bie uns
so viele schöne nützliche unb auch
manchmal wirklich ganz unBrauchBart
Sachen mit Bunter Wolle, Seibe unb
Golbsäben schmücken, bie sich iBre
Augen verberBen unb ihre Fingerchen
überanstrengen, leiben am meisten
barunter, wenn ihre UeBerrcischung
nicht fertig wirb. Wir Manner trö
sten uns schließlich barü&er, wenn
wir eine angefangene Stickerei auf
unserem Platze finben, aber ber Ge
fchenkgebernV bleibt es ein Vorwurf,
ihre Weihnachtsarbeiten zu spät be
gonnen zu haben, bis zum näch
sten Herbste, wo ihr basselbe Unglück
passiert.. Dann kommen Hausmüt
terchens Leiben mit ben Kuchenbäcke
reien. Mit Pfefferkuchen, Makronen
unb all' ben anberen Weihnachtslecke
reien ist fchon ber tüchtigsten Haus
frau mancherlei Unglück passiert. Wir
Männer sinb jedoch nachsichtig und
ziehen das Produkt ihrer Kunst, selbst
wenn es auf ber Vlechfeite ein wenig
bunkel geraten ist, ber schönsten ge
kauften Ware vor.
Auch die Kinder haben ihre Weih
nachtsleiden da arbeiten sie vor
Weihnachten in aller Heimlichkeit an
ihren Überraschungen unb pappen
unb kleben, nähen unb stricken, unb
bann brückt sie bas Geheimnis boch
so lange, bis sie es verraten müssen
unb bie schöne Ueberraschung, von
ber sie sich so viel Wirkung verspro
chen hatten, keine Ueberraschung mehr
ist. Dann fließen bie Tränen, bis
wir sie von unserem kurzen Gebächt
nis ^überzeugen unb sie versichern, baß
wir bis Weihnachten alles wieber ver
gessen haben wollen. Wir Männer
machen natürlich keine Weihnachtsar
beiten, backen keinen Kuchen unb be
halten auch für uns, was als Uebe^
rafchung wirken soll. Wir greifen
nur tief in ben GelbBeutel, unb baran
sinb wir fo gewöhnt unb bas Freu
benfchaffen ist uns ein solches Be
dürfnis, daß wir diesen Griff zwar
mit dem gewohnheitsmäßigen Seuf
zer Begleiten, aBer ihn doch kaum noch
zu den Leiden rechnen. ABer unsere
Weihnachtsleiden haBen wir auch. Wir
können mit tausend Mühen gerabe
bas nicht auftreiben., was unsere
Hausfrau sich am bringlichsten ge
wünscht Hai, ober wenn wir* meinen,
es recht gut gemacht zu HaBen, er*
fahren wir nachher, baß wir von
Samt unb Seibe nun einmal nichts
verstehen, unb baß unfer Geschmack
höchst zweifelhafter Art ist. ABer
auch solche Vorwurfe lehrt die Ge
wohnheit uns leichter tragen. S?
empfinben wir beim als wirkliches
Leiben nur die häusliche Unruhe, bil
den Weihnachtstagen voraufgeht.
•.
4ri
ivvu.v*i
4l
tut jtiü.
Klopfen ihm den Schnee vom Rock,
Geben ihm den Wanderstock.
Und man lacht und kreischt und krähtL
„Eil Dich, sonst kommst Du zu spät!"'
Eine Christbaum Katastrophe.
Bon den schönen Weihnachtsgaben
Sollt ihr Mäuschen auch was haben.
'Off
Weh! Befreit von süßer Last,
Wippt empor der schwanke Ast!
Ach, des Lebens Süßigkeit
Wendet sich oft schnell in Leid!
8
•«SMUmTv.U'lj
St. Nikolaus im Walde.
5
Ms
mm.

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