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New Ulm Post. [volume] (New-Ulm, Brown County, Minn.) 1864-1933, December 25, 1914, Image 9

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Heulldit MnfottdiridjlriL
Provinz Brandenburg.
Reinickendorf. In einer Zel
le des Amtsgerichtsgefängnis hat sich
der angebliche Privatier G. erhängt.
Er stand unter dem Verdacht, Kas
senscheine angefertigt und in Ver
kehr gebracht zu haben. Als er aber
mals verhört werdm sollte, löste er
die Verbandstreifen von seinem kran
ten Fuß und knüpfte sich damit auf.
Wilmersdorf. Seinen 80.
Geburtstag feierte im Felde der
Stabsarzt Dr.' Herwig. Der Jubi
lat hat bereits den dänischen Feld
zug mitgemacht und war auch in den
beiden Feldzügen 1866 und 1870 auf
dem Kriegsschauplatze tätig.
Provinz Ostpreußen.
Königsberg. Der Königs
berger Polizeipräsident v. Wehrs hat
seinen einzigen Sohn Referendar und
Einjährig-Freiwilligen Unteroffizier
im Grenadierregiment Kronprinz
Hans Joachim v. Wehrs, verloren.
Der 23jährige Jüngling erlag den
Solgen einer in einem Gefecht erlit
ttnen Verwundung.
Braunsberg. Bei den Kämp
feit in Ostpreußen ist der Haupt
mann Molitor aus Braunsberg ge
fallen. Er war der Sohn der Frau
Molitor, die seinerzeit von dem ame
titanischen Rechtsanwalt Hau ermor
det worden war, und Schwiegersohn
des Inhabers des Hotels „Danziger
Hof", Hoflieferant Teute in Danzig.
ch a u. Unter eine Loko
motive geraten ist auf dem Personen
Hahnhof der Kanoniere Witt, der zur
Beobachtung seines Geisteszustandes
von Marienburg nach einer Irren
anstatt gebracht werden sollte. Er
wurde so schwer verletzt, daß er nach
turzer Zeit verstarb.
Palmnicken. Auf dem Felde
der Ehre gefallen ist der Briefträger
Gustav Taulien aus German.
Provinz Westpreußen.
Graudenz. Ihr fünfzigjähri
ges Geschäftsjubiläum feierte die
Firma Liebert.
Plehnendorf. Niedergebrannt
ist die Schneidemühle der Firma H.
Potratz in Kl. Plehnendorf. Der
Schaden soll 50,000 Mark betragen.
Zoppot. Im 68. Lebensjahre
verstarb der Musikdirektor und Orga
pist Max Hesse, der seit 1868 in
Danzig an St. Katharinen wirkte.
Hesse ist über die Grenzen Westpreu
Hens hinaus bekannt er war Be
gründet des Hesseschen Gesangver
eins und leitete in früheren Jahr
zehnten wiederholt die größeren San
ger feste in Westpreußen und den
Nachbarprovinzen.
Provinz Schleswig-Holstein.
Kiel. Der ordentliche Professor
der Geschichte an der Universität in
Kiel, Max Strack, ist im Kriege ge
fallen.
Barsmark. Hier brannte der
dem Hofbesitzer Matth. Maar gehö
rende Hof vollständig nieder. Fast
das ganze Mobiliar konnte gerettet
werden, dagegen verbrannten sämtli
che Schweine sowie die ganze Ernte.
Dohle. Vermutlich durch Brand
stistung wurde das ganze Gehöft des
Hofbesitzers Buchholz in Asche gelegt.
Während vom Mobiliar nur die
wertvollsten Teile gerettet wurden,
konnte das zahlreiche Vieh vollzählig
in Sicherheit gebracht werden. Den
angestrengten Bemühungen der Feuer
wehr von Egestorf, Lübberstedt und
Schätzendorf gelang es schließlich, ein
gefährdetes Nachbarhaus zu retten.
Flensburg. Kirchenprobst a.
D. D. Kier starb im Alter von 79
Jahren. Er war bis zu seinem vor
vier Jahren erfolgten Rücktritt Kir
chenpropst in Tondern.
Heide. Ihre diamantene Hoch
zeit konnten die Eheleute Paul Noth
dürft in Ehpenwörden feiern. Beide
Eheleute sind noch recht rüstig und
8L bezw. 82 Jahre alt.
Provinz Schlesien.
Landshut. In seltener kör
perlicher und geistiger Frische beging
der Rentmeister, Rechnungsrat Ernst
die Feier seines 50jährigen Dienst
zubiläums. Landrat Moritz über
brachte die Glückwünsche der Behörde
und überreichte ihm den Kronenorden
3. Klasse. Die Glückwünsche der
Stadt, in deren Dienst der Jubilar
lange Jahre als Stadtrat tätig ist,
sprach Bürgermeister Burckhardt aus,
und im Namen der evang. Gemeinde
sprach Superintendent Förster.
Leipe. In aller Stille feierte
der
ErzPriester Stephan Hierselbst
skin
25jähriges Ortsjubiläum. Mit
Rücksicht auf die Kriegsverhältnisse
hatte der Jubilar gebeten, von einer
besonderen
Priester
Feier abzusehen. Erz-
Stephan
ist
ber 1853
am 14. Dezem­
in
Groß Ossig
bei
wtfA-sf^s^ia^i^WWJiiiim^WV-'flii'it
Tra-
chenberg geboren.
Provinz Posen.
Bromberg. Der Senior der
Journalisten in den östlichen Provin
zen, vielleicht auch in ganz Deutsch
land, Redakteur Fridolin Heinz, ist
gestorben. Er stand im 87. Lebens
jähre, war seit 54 Jahren, bis an
•y das Ende seines Greisenalters in der
Tagespresse BrombergS als Journa
list tätig.
ncccnTix/C DACF
bx4
Provinz Sachse».
a alfeld. Der Veteran Fried
rich Räder, einer der wenigen noch
Ueberlebenden des. Halberstädter Kü
rässierregiments, die den Todesritt
von Mars-la-Tour ausführten, wur
de hier zu Grabe getragen. Der 68
jährige Kämpfer war auch einet der
wenigen, die als Kranke, bezw. Ge
nefende in den Glassälen des Ver
stillet Schlosses untergebracht waren
und dadurch Gelegenheit fanden,
Augenzeugen des feierlichen Aktes der
Kaiserprüsung zu sein.
W a a. Durch ein Schaden
seuer, dessen Entstehungsursache noch
nicht ermittelt ist, wurde das Geyer
sche Gasthofsgebäude bis auf die Um
sassungsmauern zerstört. Das Hinter
gebäude blieb erhalten.
Provinz Hannover.
Hannover. Das Eiserne Kreuz
erster Klasse hat der Hauptmann und
Batteriechef Eving vom Feldartilleric
regiment No. 80, früher beim Feld
artillerieregiment No. 10 in Hanno
ver, Sohn des Präsidenten Eving in
Celle, erhalten, nachdem ihm im Sep
tember das Eiserne Kreuz 2. Klasse
verliehen war.
Duder st ad t. Hier brannte die
Schlachtger Zeitung nieder. Die be
nachbarte Kreisdruckerei und der Saal
des „Englichen Hotels" wurden in
Mitleidenschaft gezogen.
Geestemünde. Die Firma S.
Rahien beging das Fest ihres 75jäh
rigen Bestehens. Die Firma, die das
Geschäft der Schiffsrüstung betreibt
und sich besonders der Ausrüstung
von Fischdampfern widmet, wurde
1839 von dem Großvater des jetzi
gen Inhabers errichtet.
Witten. Im Alter von 79 Jah
ren verschied der Präses der westfäli
fchen Provinz ialsynode, Superinten
dent D. König dahier. Er war weit
über die Grenzen seiner Heimat be
kanut, sowohl als Theologe, als auch
aU Organisator. Er gehörte der
cuhodoxen Richtung an.
Rheinprovinz.
Aachen. Die Handelskammer
wählte an Stelle des verstorbenen
Geheimen Kommerzienrats Dr. Jng.
Delius zum Vorsitzenden Kommer
zienrat Dr. Jng. George Talbot.
Ferner wählte sie wieder zum ersten
Stellvertreter den Geheimen Kommet
zienrat Dr. Jng. Kirdorf, zum zwei
ten Stellvertreter den Fabrikbesitzer
Ullrich Möller.
Bonn. Der hiesige Zahnarzt
Prof. Dr. med. Julius Witzel ist in
Frankreich als Oberleutnant der
Landwehr und Kommandant von Re
vin einem Anfall von Herzschwäche
erlegen. Prof. Witzel, der sich zu Be
ginn des Krieges zur Verfügung ge
stellt hatte, und dann seht bald mit
seinem Kölner Pionier-Bataillon nach
Frankreich gekommen war, hatte im
Kreise seiner Fachgenossen einen be
kannten Namen. Er hatte seine aka
demische Laufbahn in Marburg be
gönnen und folgte 1901 einem Ruf
nach Essen, wo et die bekannteKrupp
fche Zahnklinik gründete und sieben
Jahre lang leitete. Prof. Witzel, der
eine Reihe gediegener wissenschaftlicher
Arbeiten veröffentlicht hat, ist auch
als der Herausgebet des wissenschaft
lichen Sammelwerkes „Deutsche Zahn
Heilkunde in Vorträgen" sehr bekannt
geworden.
Provinz Hessen-Nassan.
m. Den Heldentod fürs
Vaterland fand der Reservist Heinrich
Schäfer in Hofheim, geboren zuBens
heim, der als Ehemann der ältesten
Tochter der durch den furchtbaren
Mord bekannt gewordenen Familie
des Bäckermeisters Nikolaus Back in
Hofheim das Geschäft seit der Neu
crössnung weiterführte.
Mellrich stadt (Rhön). In
'Mittelstreu brach in der Scheune des
Philipp Steller Feuer aus, dem zwei
mit Ernteerträgen gefüllte Scheunen
zum Opfer fielen. Das Feuer soll
durch Unvorsichtigkeit entstanden sein.
Miehlen. Das zweijährige
Töchterchen des Kaufmanns Weiß et
trank in einer Waschbütte.
Neudorf. Ihre goldene Hoch
zeit feierten das Ehepaar Wilhelm.
Das war in acht Tagen die zweite
derartige Feiet in der Gemeinde.
S ch st n. Die Eheleute
Hohenstein feierten ihre goldene Hoch
zeit.
'Schmitten. Ein großes Feuer
zerstörte die Anwesen der Einwohner
Max und Buhlmann und die Scheu
nen mit der ganzen Ernte des Gast
Wirts Ochs.
Mitteldeutsche Staate».
A bürg. Tödlich verunglückt
ist hier der 13 Jahre alte Sohn der
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?=?*"$ -A# *tffitea*£:8SCkii
T»,-5S!
Utzt.
1
Provinz Westfalen.
Hamm. In der Pulverfabrik zu
Hamm (Sieg) ereignete sich eine Ex
p.'osion, diq vierte seit zwölf Jahren.
Sechs Angestellte wurden getötet.
ecklinghaufen. Von einem
8 Meter hohen Gerüst an der Neu
anläge der chemischen Abteilung der
Gewerkschaft König Ludwig stürzten
die mit Anstreicherarbeiten beschäf
tigten Anstreichermeister Giesen aus
Röllinghausen, sein Sohn und ein
Lehrling plötzlich ab, als ein Brett
brach. Der Meister und der Lehrling
erlitten Oberschenkelbrüche, der Sohn
a-ischeinend einen Armbruch. Die drei
Verletzten wurden in das Elisabeth
krankenhaus eingeliefert.
S 5
Familie Bollert. Die Frau* deren
Mann im Felde steht, war .an der.
elektrisch betriebenen Wäschemangel
beschäftigt. Der Knabe geriet in das
Getriebe und wurde so schwer ver-.
daß der Tod sofort eintrat.
Coburg. Ein schwerer Ein
bruchsdiebstahl in der Wohnung des
Stuatsministers v. Bassewitz ist ver
übt worden. Es sielen den Einbre
chrnt mehrere Taustnd Mark in Bar
ged sowie zahlreiche Brillanten,
^old- und Schmuckwaren in die
Hände. Von den Tätern fehlt jede
Spur.
E a l. Hier wurde der
mwohnet Anton Lütter von feinem
Bruder erstochen. Der Mörder wurde
verhaftet. Die Ursache der Bluttat ist
roch nicht bekannt.
Sachsen.
Rad l. Beim Rangieren
verunglückt ist hier der Bahnarbeitet
Max Jacob. Et kam zwischen die
Puffer und war sofort tot.
Warnsdorf, lieber zwei Mil
lionen Kronen Schaden hat der Brand
in der Fabrik von Fröhlichs Sohn
verursacht, der am Sonntagabend ei
nen großen Teil der Fabrik zerstörte.
Das Feuer soll durch Selbstentzün
dung der in der Fabrik lagernden
Waren entstanden sein. Die Firma
will von ihren Arbeitern möglichst
niemanden entlassen. Die Mehrzahl
der von ihr Beschäftigten soll in dem
noch erhaltenen Teil der Fabrik wei
terarbeiten, die übrigen werden bei
den Aufräumungsarbeiten verwendet.
Der Brandschaden ist durch Versiche
rung gedeckt.
Weinböhla. Nach längeren
Nachforschungen gelang es, den Dach
decker Paul Neumann, einen gewalt
tätigen Menschen, hier in feiner Woh
nung zu verhaften. Neumann, der
zum Heeresdienst eingezogen worden
war, hatte sich von seinem Truppen
teil entfernt und hier verborgen ge
halten.
Wildenfels. Beim Spielen
mit einem Revolver traf ein junger
Mann namens Spränget seinen
Freund Mehlhorn ins Herz. Der Tä
ter eilte sofort zum Arzt. Als et bet
feiner Rückkehr erfuhr, daß Mehl
horn bereits tot war, schoß er sich
in den Kopf und starb bald darauf.
Hesscn-Darmstadt.
Darmstadt. Nach längerem
Leiden ist hochbetagt die Witwe des
früheren hessischen Staatsministers
Finget hier verstorben.
Beerfelden. Ein hochherziges
Gcichenk machte Herr A. S. Rosen
thal von hier der hessischen Division
dadurch, daß er Herrn Kreisrat Dr.
Kranzbühler-Erbach sein Automobil,
ein Faß Benzin und 1000 Mark
überreichte. Die genannte Summe ist
zur Deckung der Kosten für etwa er
liederliche Aenderungen am Auto be
stimmt sind solche nicht nötig, dann
erhält sie das Rote Kreuz.
Bayern.
Kronach. Der Gastwirt und
Zimmermeister Christian Bauer in.
Wildenberg hat bereits vier Söhne
im Felde stehen nun rücken noch zwei
ein. Von den in der Front stehen
den hat sich Fritz Bauer, Sergeant
bei einer Maschinengewehr Abtei
lung, wegen hervorragender Tapfer
feit das Eiserne Kreuz erworben.
Nürnberg. Hier ist der wohl
bekannte und angesehene Musikdirek
tor Eduard Ringler gestorben. Er,
hat sich auch als Komponist betätigt
feine Oper „Frithjos" erlebte in
Nürnberg öftere Aufführungen.
Reichenhall. Der ledige, 49
Jahre alte Schneider Joseph Stein
maß! in Bad Reichenhall wurde er
hängt aufgefunden. Er dürfte die
Tat in Geistesstörung verübt haben.
Wassertrüdingen. Die seit
Jahren an Gemütskrankheit leidende
Frau des Kaminkehrermeisters Hclop
fel hat ihrem Leben freiwillig ein En
de gemacht.
Württemberg.
(Stuttgart. Dem englischen
Geistlichen in Stuttgart, Cecil We
ston, ist laut Merkur die Veranstal
tung öffentlicher Gottesdienste in eng
lischer Sprache untersagt worden.
Zwei Kinder des Schutzmanns Grö
ver, der in der Hackstraße wohnt,
spielten auf der Veranda im 4.
Stockwerk des Hauses. Das eine der
beiden Kinder bekam plötzlich das
Uebergewicht, stürzte kopfüber in die
Tiefe und war sofort tot, das andere
Kind wollte es retten, wurde aber
ebenfalls mitgerissen und blieb mit
schweren Verletzungen im Hofe liegen.
Es wurde in das Krankenhaus ge
bracht.
Calw. Als der erst feit eini
ger Zeit verheiratete 27jährige
Hirschwirt Johann Georg Schaible
von Oberkollwangen mit seinem
Fahrrad die Reichenbacher Steige
herunterfuhr, stieß er mit einem Au
tomobil aus Calmbach zusammen
und wurde vom Rabe geschleudert.
Schaible erlitt eine so schwere Ver
letzung, daß er bewußtlos liegen
blieb und nach einigen Stunden
starb.
Bade».
N ite thausen. Der älteste
Äkann der Gemeinde und ganzen
Umgegend ist dieser Tage gestorben:
A!:öwenwirt Lambert Hirtler. Er
hatte vor wenigen Wochen erst seinen
L«2. Namenstag In voller geistiger
und körperlicher Frische gefeiert.
'Mf:
Ä^»TK„ji"$--gmifiPl''
*&> tlWl $ i/v
-—'SEl8*'-! IZH-
Man m.
-, Bei der Reichs»
tkgsersatzwahl für den- im Felde ge
saüenen Reichstagsabgeordneten Dr.
LÄtvig Atank!im'.Wahlkreis Mann
heim-Weinheim-'Schwetzingen wurde
bbr sozialdemokratische Kandidat Re
dblteur Oskar Geck mit 11,574
Stimmen. DewWt. Ein Gegenkandi
dat war nicht aufgestellt.
Rastatt. Der im hiesigen Gar
nifrnsläzarett tätige Arzt Dr. Fah
nenkampf stürzte beim Reiten auf dem
Schloßplatz so unglücklich ab, daß er
sich schwere innere Verletzungen zu
zog, die den Tod.herbeiführten.
Rheinpsalz.
St. Ingbert. Das Eisenwerk
in St. Ingbert, bekanntlich ein
Zweigbetrieb der Rümlinger .Hoch
ofen- und Stahlwerke, wird ihren Be
trieb dieser Tage wieder, wenn auch
vorläufig nur teilweise, eröffnen. Das
Werk, das über 2u00 Arbeiter be
schäftigte, wurde sofort nach Mobil
machung fast gänzlich stillgelegt, so
baß taufende von Menschen brotlos
wurden die Stilllegung wurde mit
Mangel an Rohmaterial begründet.
ti'lhip-Vüipniifleu.
Schlettst adt. Auf dem Felde
der Ehre fiel auf Frankreichs Erde
Major Lotheißen vom hiesigen Jä
gerbatillon. Erst vor wenigen Ta
gen hatte er das -Iiserne Kreuz 1.
Klasse erhalten. Sowohl bei seinem
Bataillon als auch in hiesiger Stadt
erfreute er sich allgemeiner Beliebt
heit.
Wahlheim. Hier wurde unter
dem Verdacht, den Althändler Weil
aus Enyery im Walde Maringen-Sil
bingen ermordet zu haben, der Alt
handler Drapp aus Menzlingen ver
haftet.
Mecklenburg.
Schwerin. Das Kriegsgericht
der 17. Division verhandelte gegen
den Militärflieger Bachmann, Der
von Posen nach der Fliegerschule
Schwerin-Görries kommandiert war.
Der Angeklagte führte sich als Dr.
Bachmann ein und trug das Offi
ziersportepee. Nachforschungen sr
gaben aber, daß er weder Doktor noch
Fähnrich war. Weiter wurde ihm
zur Last gelegt, einen wertvollen
Brillantrig, den er im Auftrag ei
ner Dame dem Roten Kreuz über
liefern sollte, veräußert, auf Der
Fahrt Don Posen nach Schwerin
seine Dienstmütze versetzt und in
Schwerin 3 Mark entwendet zu ha
ben. Das Kriegsgericht verurteilte
den Angeklagten zu drei Monaten
und einer Woche Gefängnis, drei
Monaten Haft und Versetzung
die zweite Klasse des Soldatenstau
des. Zwct Monate Hast gelten als
durch die Untersuchungshaft verbüß:.
Brüel. Die Dampfmühle des
Herrn G. Wigger in Brüel, die frü
here Stadtmühle, ist mit vollem In
ventar für 100,000 Mark an den
Kaufmann Werner Heide in Stern
burg verkauft. Die Uebergabe er
folgte am 1. Oktober.
Oldenburg.
Birkenfeld. Auf eine 50
jährige Lehrtätigkeit blickt Herr
Volksschullehrer Eisenkräuter in Bir
kenseld zurück. Von feiner Tätigkeit
entfallen allein auf Birkenfeld 33
Jahre.
Oberstein. Oberamtsrichter
Hoyer, der 18 Jahre in Oberstem
tätig war, ist in gleicher Eigenschaft
nach Oldenburg versetzt.
Freie Städte.
Hamburg. Kürzlich verschied
im 44. Lebensjahre plötzlich an Herz
schlag der Reichstagsabgeordnele
Rechtsanwalt Dr. Karl Braband, seit
1904 Mitglied der Hamburger Bür
gerschaft, Sohn des früheren Ham
burger Senators Braband. Der Vet
ftorbene genoß in Hamburg und
ganz Schleswig-Holstein in den ent
schieden liberal gerichteten Kreisen
sehr große Wertschätzung und Ver
trauen. Das Mitglied der Ham
burger Bürgerschaft Arthur Warncfe
ist im Alter von 41 Jahren auf dem
westlichen Kriegsschauplatz gefallen.
Er gehört -der Bürgerfchaft feit 1906
als Mitglied der Rechten an. Er
mar zuletzt im vorigen Jahre bei
den Nowbelnwahlen wiedergewählt
worden.
Schweiz.
Weittseldern. In Oberhör
[leiten bei Müllheim sind die Wirt
schaft „Grünhof" und zwei Scheitern
mit Stallungen und Remisen aus
unbekannter Ursache niedergebrannt.
Der Wehstand kennte gerettet wer
ten. Dagegen verbrannte größtenteils
das häusliche und landwirtschaftliche
Mobiliar. Das abgebrannte Ge
bäude war mit 24,000 Francs ver
sichert, das Mobiliar mit 4,600,000
Francs.
Zürich. Zwischen Aarwangen
und Langenthal verunglückte Herr
Oberstleutnant Mahler von Zürich.
Sein Pferd scheute vor dem 3y2 Uht
Zuge der Langenthal-Jura-Bahn,
und Herr Mahler stürzte direkt unter
den Zug. Nachdem ihm die erste
ärztliche Hilfe zuteil geworden war,
wurde er ins Bezirksfpital Langen
thal gebracht. Er trug schwere Ver
letzungen am Ksps und Unterleib da
von.'
Oesterreich'Uugarn.
Prag. Professor Dr. Alfred
Grund, Ordinarius für Geographie
an der deutschen Universität Prag,
ist als Landsturmoffizier in Serbien
gejArKen. Grund, ein gebürtige?
Prager, wefif 1910 von Verlin, mo 'tir
Mitdirektor des Instituts für Mee
veskunde. war, nach Prag berufen
worden.
Wiener N st a t. Der 26»
jhhrige verheiratete Schalltafelwärter
Michael Späth war. im städtischen
Elektrizitätswerk mit. der. Reinigung
der Schaltanlage beschäftigt, wobei
er keine Jsolierhandschuhe verwen
bete. Er kam mit dem Höchspan
nungsdraht von 5000 Volt Stärke in
Berührung und war auf der Stelle
tot.
Luxemburg.
Schifflingen. Ein Mauer
teil des im Neubau begriffenenSchul
haufts stürzte zusammen. Zwei dort
beschäftigte Maurer stürzten mit dem
Gerüst in die Tiefe und wurden un
ter den Trümmern begraben. Ob
wohl gleich Hilfe zur Stelle war,
konnten die Schwerverletzten doch nur
noch als Leichen geborgen werden.
ßulvermacbcr.
Von Theodor Kappstein.
Er hieß Pulvermacher. Nicht so
sehr, weil er das Pulver erfunden
hätte, sondern weil er imstande war.
es im Felde zu riechen und anderen
seinen Genuß zu vermitteln. Sein
geistlicher Herr war von Berlin aus
zur Gardelandwehr vor Straßburg
als Feldprediger eingerückt, Pulver
machet hatte ihn als sein Bursche zu
betreuen er vertrat in seiner Person
nicht bloß den Divisionsküster, son
dem mit seinem klugen Hans auch
noch den Wagen, der für feinen Herrn
nicht im Etat stand.
Pulvermacher ist einstens ein
schmucker Gardehusar in Potsdam ge
wesen durch sein „jlickliches Schwein",
wie er behauptete, war er anno 1864
der dänischen Gefangenschaft entron
nen, um int Iahte 66 in Böhmen sich
wieder „janz vorteilhaft" auszuzeich
nen. Der Orden Four le märite
fei rein aus Versehen an eine ander
Adresse abgegeben worden. Danach
nahm er seinen Abschied als Ktiegs
held, schlug die künstlerische Lauf
bahn ein und wurde Kunstreiter im
Zirkus Renz. Da lernte er „mang
die jroße Welt kommen", versicherte
er. Die Kriegstrompete lockte ihn
1870 zu den Waffen zurück. Er
wollte wieder „bei die Hufaren" zu
feinem Pech waren die Stellen be
fetzt, Pulvermacher sah sich zum Train
kommandiert. Da er beteuerte, sich
„mit die Jeistlichkeit gut zu vertra
gen", wurde der gewandte Reiter und
Pferdewart dem Berliner Divisions
psarrer zugewiesen, den er also nach
Straßburg geleitete. Der Gediegen
heit seines Herzens entsprach durch
aus die Güte seines Mundwerks.
Sein lauter Kummer blieb, so heiter
er sich sonst in jede Lebenslage schickte,
der Verlust der roten Husarenjacke,
gegen die feine Infanterie-Uniform
in keinem Betracht aufkam. „Ick
komme mir jarnischt als keenen Men
schen nich vor in die Uniform", so
endeten alle seine eingehenderen Ge
spräche. Doch was auch in der gro
ßen oder kleinen Welt passieren
'mochte ihm gab ein Gott zu sagen,
was er litt!
Auf der Fahrt drückte Pulverma
cher, als sie durch Thüringen kamen,
feiner Stadt Berlin das schmerzliche
Bedauern aus: „Js jammerschade!
In Berlin is so Dille Platz vor so
'ne scheene Jejend, bloß de Jejend
fehlt." In Frankfurt a. M., wo sie
nachts eintrafen, mußte der Solda
tenpfarrer auf dem Sofa im Speise
saal einer kleinen Herberge logieren
Pulvermacher streckte sich auf dem
Fußboden und resignierte mit dem
kräftigen Trost: „Ick leje mir uff den
Rücken und decke mir mit 'n Bauch
zu." Die bayerische Pfalz nahm die
Preußen sehr kameradschaftlich auf.
Pulvermacher, der ohnehin das Quel
lenstudium liebte, nur an Gilkaküm
mel, helles Pfefferbergbier und Grün
berger Rebensaft gewöhnt war und
den süßen Pfälzer Wein aus den ge
wichtigen Schoppen wie Zuckerwasser
in sich hineingoß, suhlte allgemach
eine wunderbare Müdigkeit in den
Beinen. Er war verschwunden
still kroch er in seinen Pferdewaggon
und lag auf einem Heubündel, Don
dem der geduldige Hans, den schnar
chenden Krieger nachdenklich an
schauend, ab und zu fraß mit feinem
Schwänze Derjagte das Tier freilich
die Mücken Don feinem „augenblicklich
nich janz momentanen" Bändiger.
In Wetßenburg fehlte Pulüermocher
nebst Gaul. Erst am anderen Mor
gen. sand er sich, etwas übernächtig
Dreinschauend, zurück. Im Geplau
der mit einem vermeintlichen roten
Husaren war der Zug mit ihm land
abwärts gefahren, während Han?
landanfwärts befördert wurde. Als
der fromme Knecht feinen Irrtum
merkte, sprang er aus dem Waggon,
überschlug sich und kam heil davon,
mußte jedoch in der Nacht auf dem
Bahndamm feinem Braunen nachhm
fett.
Im elfäfsifchen Hagenau bei Straß
burg bezog der Pfarrer sein dauern
des Quartier Pulvermacher biederte
sich unverzüglich mit der Familie sei
neS Wirtes an, dem er zugewiesen
V' vrnfT ",v
~,V
1
Ju^t
77H
M:
lojarb fexii ßäi fand ihn/die W
nen Kindtt hütend, die ihm Um
Wort. verluden. Stolz versicherte:
ix, das ganze „Kuhwonnemang
(Gouvernement) gesehen zu haben
„et is auch etiler von die roten Hu»'
saren dabei!" Der Sieg. bei Sedan
Mit Napoleons Gefangennahme er
schütterte alle Herzen auf den Stra
ßen standen die Bürger in Gruppen.
die herrliche Nachricht war angeschla»
gen, etliche zweifelten. Den Skepti
kern trat Pulvermacher mit dem
durchschlagenden Argument entgegen?
Mat mang so 'n stoßen Zettel an
die Wand jedruckt is, det is allens
die reene Wahrheit, da könnt Ihr
Jift druff nehmen."
Ein Leiterwagen, war requiriert
worden, mit Strohbündeln belegt.
Pulvermacher wußte sich irgendwie
und woher einen großen Schleppfä
bel zu verschaffen, auch eine Pistole
ohne Munition nannte er »sein".
In dem nächsten Walde sollte es nicht
geheuer sein, versprengte Feinde wur
den von Ulanenpatrouillen gesucht.
Mitten im Forst sah unser Freund
auf der Straße Leute beisammen ste
hen, er riß todesmutig den Säbel
aus der Scheide und stieß gegen die
Unholde. Entsetzt wichen die Ange
grissenen zurück, indem sie dem Herrn
Ulan jammernd beteuerten, sie seien
friedliche Leute, Krämer aus dem
nächsten Dorf. „Das laßt auch gut
fein," entschied gnädig der Schweige*
waltige. Es war gerade Nuß- und
Pflaumenernte Pulvermacher erhob
überall Kriegskontribution, knackte
mit den Zähnen die Nüsse auf und
präsentierte sie seinem Hochwürdigen
in seiner Mütze, die lebhaft nach
Haarol duftete dieweil sich der
Kulturprotz in Hagenau hatte friste
reit und Locken brennen lassen
Doch ließ er sich gelegentlich auch
ganz friedlich herbei, den Einwohnern
in den Scheunen beim „Hopfenzopfen"
zu helfen, auch „det Jeschäft" interest
sierte ihn.
Dem Bombardement auf die Fe
siung Straßburg folgte die reget»
rechte Belagerung. Der Soldaten
pfarrer hatte als Feldprediger viel
zu trösten und zu erbauen, daneben,
half er seinen Landwehrmännern zu
gutem Lesestoff, zu Schreibpapier^
auch manchem zu dem just nicht vor
handenen notwendigen Kleingeld. Den.
Honoratioren des Dorfes buk die
Wirtin abends schmackhafte Eierku
chen nach bestem Rezept unter Pul
vermachers kundiger Leitung rühmte
er sich doch, der Tausendkerl, „allens"
kochen zu können gar zu gern
hätte er mit einem „Desil^ebraten"
(Filet) den Herren und sich selber
aufgewartet, wenn dergleichen nur zu
beschaffen gewesen wäre!
Zum Fußvolk stieß Retteret. Pul
vermacher konnte eines Tages aufge
regt melden: „Die Hufaren kommen!'"
Leider waren es nicht feine geliebten
roten, sondern „nur die blauen Mer
seburger von die Reserve. Ick kenn"
die Brüder, ich Hab' se schon bei'n
Tapetenmajor jetrossen." Er soll sei
nett Unsinn erklären, den er schwätze^
wer denn der Tapetenmajor" sei..
Pulvermacher erläutert etwas gering
schätzig: „Ach so, Sie kennen den
Onkel nich?! Na, det is doch der.,
wo an die Station stationiert is vor
de gefangenen, der de Liebesjaben in
Empfang nimmt und janz alleene
ißt." Also die Etappe war gemeint!
Als Pulvermacher von seiner Hoch»
ehrwürdigen mit einer Bestellung zum
Unterpräfekten geschickt wurde, brachte
er die Empfehlung vom „Untereffekt"
heim. Ein gewisser neckischer Sinn
barg sich, ihm unbewußt, in seiner
Unkenntlichmachung der vertrackten
Fremdwörter. War sein Herr wirk
lich böse auf ihn, wenn er seinen
„Sprechanismus" zu üppig hatte ar
beiten lassen, so stellte sich ver Inha
ber der berlinisch geölten „Quassel
strippe" demütig an der Tür ans und
entwaffnete durch fein unaussprech
liches Gesicht. War aber Friede ge-
fchloffen, fo war Pulvermacher wieder
völlig „Haltung" und er beschied den
hohen Jntendanturbeamten, der um
seines Herrn Besuch bat: „Zu Sie
kommen wir nich, wir jehen matt
bloß mit dfe Exzellenzens um." Pul
vermacher besaß Korpsgeist
„Et is wat los!" meldete Pulver
mache?,»„die Badischen machen schon
Muftke!" Und die weiße Fahne slat
tere am Münster! Straßburg ergab
sich am anderen Tage, am 30. Sep
tember 1870, konnte Pulverntacher,
dieser echte Miles gloriosus aus
dem deutsch-französischen Kriege mit
all seiner erheiternden urwüchsigen
Drolligkeit, seinen Divisionspfarrer
bewundern, dem der ehrenvolle Auf«
trag vom Hauptquartier wurde, beim,
feierlichen Einzug der deutschen Trup
pen in das eroberte Straßburg in.
der ehrwürdigen Thomaskirche die
Dankrede zu halten, in der er sinnig,
sagte: „Es geht die Sage von dem
Münster dieser Stadt, daß es so fest
gegliedert sei in seinem kühnen 8au„
daß, wenn nach seinen Fundamenten
tief unten geschlagen wird, die Krone,
hoch oben sich bewege, und so durch
den ganzen Bau der Schlag zittere..
So ist's in Wahrheit jetzt in unserem
deutschen Land. Der Schlag nach der
Krone hat den ganzen Bäü durch
zittert eine Gesahr, ein Kampf hat
uns vereint/ Jene wunderberrliche
Erfahrung von 1870 hat sich in die-
fem Jahre des Weltkrieges noch ge*
waltiger erneuert.
.. ^Vjki,."
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