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Der Vaterlandsfreund und Geist der Zeit. [volume] (Canton, Stark County, Ohio) 1837-1845, June 25, 1841, Image 1

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6t**
Die
Lrvingunveu.
1 Der V 4 e n s u n u n Geist der 3
Erscheint regelmäßig jedeli Freitag.
S. Der Subscriprion^-Preis ist E n Th al e u. 50 e n S,
j^n Vorausbez lhlung, oder Tha Ic r, falls die Zeitung nichttn
hcrljafjb der isten Hälfte des Jahrs bezahlt wird.
,, 3. $ie Versendung geschieht auf Kesten der Uüterschrelber,
Wd Briefe an die Herausgeber müßcn posrfrey eingesandt werden.
Älizelgen werden für die üblichen Preise eingerückt müßen
tut sogleich baar t«zahlt werden, wo man nicht auf sonstige
3(rt tu Oiatmiiig steht.
DW^Ieder Postmeister hat das Recht, einen Brief
welchem sich Zeitungsgeld befindet, o st fr e i an den
Drucker zn übersenden.
Wenn uns unsere entfernten Leser also Geld senden
wollen, so brauchen sie nur zn ihrem Postmeister zn ge
den, und in seiner Gegenwart das Geld in einen Brief
hn nns zn legen. Er schreibt sodann die Addreße darauf
ttitd frankirt den Brief, wodurch den Snbscribenten wie
Mm Drncker das Postgeld erspart wird.
Ml N e»
Gottes $ Äffe.
Bricht unter dir die Brücke,
Denk' nicht, daß Gottes
frohen
Wohlgemuth,
Entschlossenheit
Hand
Dich aus dem Wasser zücke,
Und heb' an's troct'ne Land.
teeft wollte sich erbarmen,
Als er dir Arme gab:
Run rud're mit den Armen,
Dich selber aus dem Grab 1
•. Die 5)offtiuttg.
Gäbe es keine 5?offnnng im menschlichen Leben, so
müßte man sie erfinden, so nöthig'ist ihr Daseyn ohne
sie wäre das Menschengeschlecht schon laugst ausgestor
den. Wer wollte ohne sie den Druck der Zeiten, die
Mißhandlungen uitd die Ungerechtigkeiten der Menschen
und die Zerstörungen ohne Zweck und Ziel ertragen
Wer würde bei Verstände bleiben, wenn er sähe, daß
der Mensch so reckt mnthwillig dem Andern Unheil
und Verderben zufüge Wer würde sich fassen können,
iveim ihm Alles, was er durch Zeit, Mühe im6 Einsicht
aufgebaut hat, in einem Augenblicke vernichtet wird
Aber da kommt die Hoffnung dem Menschen zu Hülfe
sie gießt Balsam in sein verwundetes Herz, sie erhält
den Verzweifelnden aufrecht, bringt Licht in das regel
lose Gewirr der Schicksale, btc einzelne Menschen nnd
ganze! Völker heimsuchen da öffnet sich die frohe Ans«
ficht, daß es einst besser werde, daß eine Kraft, die
zerstört, sich in Kurzem selbst aufreibe, daß eine Weis
heit im Weltlaufe herrsche, die alles Ungleiche aus
gleicht, alle Ungerechtigkeiten gut macht, daß die ewige
Gerechtigkeit nie schlummere, sondern stets waltend das
Böse bestrafe.
Aussichten, welche die Hoffnung eröffnet,
bewirken Wuttder, sie stärken den Menschen und machen
thtt
sie geben ihm Kräfteiund flößen ihm
ein,
selbst auf Kosten des Lebens, feine
Pflicht zu thitii, sie machen ihn gefaßt auf das, was Her
vcs und Trauriges
die
ken
hauptsächlich
Mozart.
Zukunft in ihrem Schooße ver«
birgt. Nie läßt er den Mnth sinken, so jauge ein Fun-
des Lebens in ihm ist, mag er am Abgrunde des
Verberbens schweben oder anf dem Sterbebette liegen,
ihn verläßt die Hoffnung nicht, die ihm als eilt trösten
der Engel in llngewittern erscheint, nnd ihn froh und
better dem Geschick entgegenführt, das ihn doch früh o
der spät trifft.
Wer seilte Hoffnungen anf die Göttlichkeit des mensch
lichen Geistes baut, wer seine Lichtstrahlen in der Ge
schichte, im Laufe der großen Welterreignisse aufsucht,
wer die Fackel desselben in dem Schooße des Heiligen
und Gerechten dort über den Sternen anzündet, der
baut seine Wünsche nicht in die Luft, sondern fußt auf
Gründen, die eben so unwandelbar sind, als das, wo
ber sie entlehnt wurden. Nichts ist in der Welt von tut*
Mehr, nichts Zufall, Alles erfolgt aus vorhergehenden
Ursachen, aus weisen Absichten und gerechten Gründen.
Dieser Gedanken muß den Menschen aufrichten, laben
«nd stärken, nnd wenn alles um ihn her wankt nnd ihm
Untergang droht, so kann er stets der festen Zuversicht
leben, daß es bald besser werde.
Mozarts berühmtes Requiem.
Mozart's Gesundheit war durch anhaltende Arbeit,
aber durch häufigen Genuß sinnlicher Ver-
guügeu schon sehr geschwächt, und tiefe Melancholie hat
|c seine Seele ergriffen, als ein sonderbares Erreigniß
die Folgen seines bewegten Lebens beschleunigte. Er
saß rittst zu Hanse in schwermüthigen Gedanken. Ein
"Wagen fuhr vor man meldete, ein Unbekannter wün
sche ihn zn sprechen. Es war ein etwas bejahrter Mann,
der ein vornehmes Ansehen hatte. Ich habe von einer
sehr hohen Person den Auftrag erhalten, sagte er, Sie
i.*it besuchen. Und wer ist diese Person? unterbrach
^wn
Sie will nicht genannt seyiu Gut,
^Hlid was ist ihr Verlangen Derjenige, welcher mich
'sendet, hat so eben Jemanden verloren, der ihm then er
war, nnd dessen Andenken ihm unvergeßlich seyn wird.
Er will den Tod desselben alljährlich durch eineTodten-
TZrer Jahrgang.^ Freitag, den 25ftm Juny
messe feiern, und bittet Sie, ihm dazu ein Requiem ztt
componiren.— Mevirt wnrde lebhaft bewegt durch die
se Worte, durch den ernsten Ton, womit sie gesprochen
wurden, durch das geheiinnißvolle Wesen, das in dem
Fremden lag, und seine schwermüthige Stimmung, er
höhte den Eindruck. Er versprach, das Requiem zu com
pouiren. Wenden Sic Ihr ganzes Genie anf diese
Arbeit, fuhr der Fremde fort, Sie arbeiten für einen
Kenner. Desto besser Wie viel Zeit verlangen
Sie? Vier Wochen. Gut, in vier Wochen wer
de ich wieder kommen. Und der Preis? Hundert
Dttcatcit. Der Fremde zählte das Geld auf und
verschwand.
Mozart blieb einige Zeit in tiefen Gedanken verfun
fett, aber plötzlich nahm er Feder, Tinte und Papier
nnd setzte sich, unbeachtet der Gegenvorstellungen sei
iter Fran, an die Arbeit. Er arbeitete einigeZeit Tag
und Nacht mit einemEifer, der immer zn wachsen schien.
Seine Gesund hett litt unter dieser Anstrengung. Er
fiel eines Tages besinnungslos nieder und mußte seine
Arbeit bei Seite legen. Seine Frau suchte die finste-rn
Gedanken zu zerstreuen, die ihn beschäftigten. Gc
wiß, unterbrach er sie, mache ich dieses Requiem für
mich selbst es wird bei meiner Todtenmesse gebraucht
werden. Nichts konnte ihn von diesem Gedanken ab
bringen. Er fuhr fort, an feinem Requiem zn arbei
ten, wie Raphael, auch unter Todesahnungen, an sei
ner Verklärung arbeitete. Seine Kräfte nahmen von
Tage zu Tacje ab, und die Arbeit schritt nur langsam
fort. Als die verlangten vier Wochen abgelaufen wa
ren, erschien sein Unbekannnter wieder. Es ist mir
nicht wöglich gewesen, Wort zu halten, sagte Mozart.
—Arbeiten Sie ohne Zwang, antwortete der Fremde.
Wie viel peit brauchen Sie' noch Vier Wochen.
Die Arbeit hat mich lebhafter iuteressirt, als ich glaubte,
und ich habe ihr mehr Umfang gegeben, als in meinem
ersten Plane lag. Dann ist es auch billig, daß ich das
Honorar vermehre sagte der Unbekannte. Hier sind
noch 50 Ducaten. Mein Herr, sprach Mozart mit
wachsendem Erstaunen, wer sind Sie denn? Das
thnt nichts zur Sache. Ich werde in vier Wochen
wieder kommen.— Mozart schickte dem sonderbaren
Manne sogleich einen von seinen Bedienten nach, um
zu erfahren, wo er sich hinbegebe allein der Bedien
te kam zurück, ohne die Spur des Unbekannten gefun
den zn haben.
daß dieses Ereigniß nichts Gewöhnliches sey, daß es
mit einer andern Welt in Verbindung stehe, daß es
ihm sein Ende ankündigen solle, und arbeitete lttn so
eifriger an feinem Requiem, da er es für das Denk
mal seines Talentes hielt. Während der Arbeit fiel
er oft in schwere Ohnmächten. Das Werk war vor
Ablauf der vier Wochen fertig. Der Freütde kam
zur beKiwmten Zeit. Mozart war nicht mehr.
Saphir über den Frühling.
Der Frühling—sagt Saphir in seinen humoristischen
Abenden giebt Allen Alles. Er ist der Garten Got
tes, die Idylle der Natur, das Sorgenfrei des Daseyns,
die Freiredoute der Wesen, die Kunstausstellung der
Pflanzen, der Freistaat der Gefühle, die Rennbahn der
Glücklichen, das Thränenkissen der Unglücklichen, der
Schmollwinkel der Verliebten, die Eremitage der Den
fer der Paradeplatz der Dichter und das letzte Mittel
der Müssiggäüger.
Man hat in netterer Zeit die Beobachtung gemacht,
daß jetzt die Frühlings viel kälter und die Fräüelt viel
heißer sind, als frither*
Das Eine soll daher kommen, daß sich große Eismas
sen vom Nordpol losgerissen haben sollen, für das Zwei
te haben wir noch keine Muthmaßung, da wir nicht ah
nett können, wo sich bei unserer frostigen Welt Feuer
brändte losgerissen haben follen.
Weil aber der Frühling jetzt kalt ist, so bringen ihn
unsere Frauen mit in die heiße Luft der Bällen und Ge
sellschaften. Zuweilen hat eine solche Dame alle vier
Iahrszeittn beisammen, den Frühling auf dem Kopfe,
deu Sommer in den Augen, den Herbst anf den
Wangen und den Winter im Taufschein. Sie haben so
viel Blumen in den Haaren, daß man fast die Blume
"Frauenhaar" selbst gar nicht sieht, und mau muß ge
stehen, daß sie den Frühling bei den Haaren herbcizie
hen. Aber die Frauen sind sehr unzufrieden mit der Na
titr, sie hat ihnen noch viel zn wenig Blumen hervorge
bracht, sie müssen noch "Phantasie Blumen" haben.
Es ist ein wahres Glück für die liebe Schöpfung, daß
unsere Mnrchnnds de Mode» di? Natur tu einer verbes
serten Auflage herausgeben.
Das Concert des hänslischen Lebens.
DieersteVioline spielt darin die Hansfran.
Sie führt die Hanptmelodie des Stückes, nnd deshalb
richten sich die übrigen Stimmen nach ihr. Grund ge
uug, daß diese Stimme gut besetzt sey, wenn der har
moittsche Haushalt mit Ehren geführt werden soll.
Das Instrument selbst muß einen reinen, nicht schnar
mtbett Ton haben, der beim Forte nötigenfalls durch
zudringen vermag, ohne jedoch die Zartheit des Piano
zn verletzen. Der erste Violinist muß fertig Noten le
sen können, nnd anfalle schwierige Passagen des mnsi
Mischen Lebenslaufes gefaßt seyn. Dies kann man
tun so mehr von ihm fordern, weil er darin eine große
Stütze am
o n e-B a si bat, der vom Haus- nnd Ehe
herrn gestrichen wird. Seine Nätnr giebt ihm schon
ein ehrfnrchteinflößendes Uebergewicht über alle andere
Stimmen, welches dann erst recht bemerkbar ist, wenn
er mit Einsicht und Kunst gespielt wird. Er kann sich
der
I. 1-«» umjitia
Was that Dir, Thor Dein Vat er land?—Daß Dir bcy seines Namens Schall—Das Herz nicht höher schlägt?"
lino primo
v~t,
0 s
1.341.
zwar um die kleine Wirtschaft, die Läufe, Triller und
Sprünge nicht bekümmern rnhig aber und kräftig
giebt er den Grnndton an, in welchem alle übrige In
fmimcnte tönen sollen und eine Hauptsache'— hält
das ganze Orchester im Takte, was bekanntlich bei ei
item starken Hausorchester keine Kleinigkeit ist. Soll
te allenfalls lame
violino primo
,,
In seiner Verstimmung wax Mozart fest überzeugt? er übt über sie tut Kleinen die Herrschaft des Eontre-
Wirkung thun.
Die
(die erste Violine sich
verirren und in einen fremden Ton ausweichen wollen,
oder gar im Takte schwanken, nnd durch dies böse Bei
spiel das ganze Orchester zur Unordnung verleiten wol
len, so muß er durch ein Paar vernehmliche, kräftige
Striche sie zu ihrer Pflicht zurückfuhren. Zu schwach
gespielt, macht er die Musik gehaltlos brummt er zu
stark, so ist's ärgerlich für jcdim Mitspieler und ZuHd
rer.
Die zweite Violine begleitet die erste, ist ihr
untergeordnet und darf sich nicht anmaßen, die Haupt
melodic anzugeben sie wird von der Kam nt e r
jungfer gespielt. Eine unentbehrliche Stimme, die
Zartgefühl fordert. Strauchelt allenfalls
im Takte,
fo
Das V i o o n e hat meist mit dem Contrebaß
gemeinschaftlich zu arbeiten, zuweilen besorgt es noch
speciellc oder besondere Geschäfte der Würthschaft, die
für jenen zu kraus und kleinlich sind. Dies das Bild
des Haus se cretärs'
A" der Bratsche steht die Köchinn und Hanshälter
inn. Es ist die Mittelstimme des musikalischen Haus
Haltes und zum vollen Gange unentbehrlich, weil ohne
sie die Harmonie immer mager bleibt. Vornehmlich
bat sie sich vor falschen Quinten mit dem Oberknecht zu
hüten, wozn nnr allzuleicht Gelegenheit sich findet, sonst
kommt eilt Hauptschnitzer (ein harmonischer Bastard)
znm Vorschein.
Die Klarinetten, Flöten und Hoboeu sind die Sohne
und Töchter des Hauses. Sie hängen von der ersten
Violine ab, haben's also auch lieber mit der Mutter als
mit
dem ernsten Vater
zu thun.
Das Fagot ist offenbar der Hofmeister der Kinder—
basses für's Ganze. Selten werden sie ohne seilte Be
gleitung erscheinen, immer aber hat er die Hauptstim
ine über sie. Auch dies ist ein schönes, würdiges Ju
strument, aber es muß einen weichen, festen Ton haben
und halten, was bei ihm bekanntlich schwer ist die mei
stett schnurren das ist jedoch empfindlichen Ohren tut
angenehm, und wird nur zn weilen beim
Horner,
Dame vi»,
darf sie nicht sogleich gemein­
schaftliche Sache mir ihr machen, sondern muß mit lei
ser Beharrlichkeit die rechte Mensur andeuten. In die
fem Falle hat der Contrebaß zu sprechen. Man sieht,
wie viel Fähigkeit auch zu dieser Stimme gehört, und
es fehlt nicht an Beispielen, daß ausgezeichnete Spie
ler sich von der zweiten Violine zur ersten empor gespielt
haben.
Forte
gute
Trompeten ititb Pauken stellen das
männliche Bedientenpersonal vor. Die erstem sind die
Kammerdiener, bereit Gegenwart augenehm nnd be
quem ist, wenn sie nicht vorlaut sind sondern bescheiden
zur rechten Zeit eintreten, nnd ihre Geschäfte thun
sie geben demGanzen sogleich ein vornehmeresAnsehen.
Trompeten sind die Vorreiter, Pauken die Kutscher.
Sie dürfen keine Stimme für sich allein Haben, denn es
ist grobes Volk von Natur, das leicht allzusehr lärmt,
und dadurch besonders der zarten
Dame violino primo
ein Argerniß geben kann. (($. W. B.
Kerständniß eines Pankers mit einem
Menschen.
Während des Feldznaes, den der General Defair in
Oberegypten leitete, fiel einer der französischen Solda
ten in die Gewalt der Araber sie führten ihn mit sich
fort in die Wüste, welche jenseits der Wasserfälle des
Nils liegt. Um vor den Verfolgungen der französischen
Armee sicher zu seyn, machten sie einen forcirten Marsch
und hielten nur zur Nachtzeit an. So hatten sie sich
eben um einen von Palmbäumen umgebenen Brunen
gelagert, in dessen Nähe sie vorher
emeu Vorrath von
Lebensmitteln vergraben hatten. Da sie nicht daran ...
dachten, daß ihr Gefangener einen Versuch zur Flucht!es ihm
gessett und ihre Pferde gefüttert Hatten, schliefen sie ru
hig ein. Als der Soldat sah, daß seine Feinde außer
Stand waren, ihn zu beobachten, bemächtigte er sich, mit
Hülfe seiner Zähne, eines Säbels, den er zwischen die
Knie nahm, nnd so die Stricke durchschnitt, womit seilte
Hände gefesselt waren. Hierauf nahm er einen Ca
-rabiner, versah sich mit einem Vorrath von getrockne
ten Datteln, mit einem Sack, gefüllt mit Futter,
Pulver und Blei, gürtete den Säbel um, bestieg ein
Pferd und eilte der Gegend zu, wo er die franzdsicbe
Armee zu finden hoffte. In seiner Ungeduld, das
Ziel zu erreichen, spornte er das ohnedies schon nti'tde
Thier so sehr an, daß es tobt niederfiel und den Retter
mitten in der Wüste allein ließ.
Mit dent Mit the eines entronnenen Galeerensclaven
marschirte er eine zeitlang tut Sande weiter, aber
Müdigkeit und die einbrechende Nacht, zwangen ihn
Halt zu machen. Zum Glück erreichte er noch eine
Anhöhe, auf deren Gipfel einige Palmbäume standen,
die ihm schon von fern ein erwünschtes Obdach zu
gewähren schienen. Ein Granitblock, dein ein glück
lieber Zufall die Form eines Feldbettes gegeben hatte,
nahm seinen müden Körper auf. Ohne irgend eine
Vorsicht zn einer Verteidigung während des Schlafes
zu benutzen, schlief er ruhig ein. Die Sonne, deren
Strahlen am andern Mittag senkrecht anf sein Lager
fielen nnd eine unerträgliche Hitze erzeugten, weckten
ihn auf. Als er mit sich blickte, lag eine Sandwuste
ohne Grenze vor ihm, welche durch den Sonnenglanz
in ein Fcnernteer verwandelt schien. Die durch nichts
unterbrochene Stille hatte etwas Schauerliches. Die
Unendlichkeit, t:e Unermeßlichkeit drückten die Seele
von allen Seiten kein Wölkchen am Himmel, kein
Hauch des Windes, kein sichtbarer Gegenstand auf der
Fläche Der Horizont selbst endigte, wie auf dem
Meer bei hellem Wetter mst einem Lichtstreifen, so
dünn, wie die Schneide eines Degens. Der Soldat
umarmte den Stamm eines Palmbanrnes, gls wäre
es sein Freund. In dem schmalen Schatten, den der
Buum auf den Granitbleck geworfen hatte, setzte er sieb
weinend K'fder und betrachtete mit tiefem Schmerze
die traurige Oede. Er schrie, gleichsam lim die Ein
samkeit auf die Probe zu stellen. Seine Stimme ver
(er sich und brachte nur einen ,schwachen Laut zurück
aber das Echo war in seinem 5er§en. Der Soldat
war ZI Jahr alt er lud sein Gewehr.... "Es
wird immer noch—sagte erju sich selbst, nnd setzte die
Erlösung verheißende Waffe anf den Boden. Indem
er
Wechsels weise
doitncr
seinen Blick anf den blauen Himmel,
bald auf die glänzende Sandfläche warf, dachte er an
Frankreich er erinnerte sich der Städte, durch welche
er gekommen war, seiner Kameraden und der kleinsten
Begebenheiten seines Lebens. Bald ließ ihn jciue
lebhafte Einbildungskraft die Provence, sein thetircs
Vaterland, sehen, und das Spiel seiner Phantasie ver
wandelte das schillernde Silbergewand, das sich über
die Wüste ausbreitete, in einen grünen Rasenteppich
mit Frühlingsblumen geziert. Wahrend der Proven
cale an alleGesabreit dachte, denen er in dieser Einöde
preisgegeben war, suchte er sich einigermaßen mit der
Umgegend bekannt
zn
machen nnd stieg auf der andern
Seite' des Hügels herab. Wie groß war sein Erstan
nett, als er eine Art von ©rotte entdeckte,
welche
Natur in den großen Felsstncken, die am Fuße des Ber
ges lagen, gebildet hatte. Die Iteberbleibfel einer
Strohmatte küudigten an, daß dieser Zufluchtsort frv
her bewohnt war.' Einige Schritte weiter standen Dat
telbäume. Der Trieb zum Leben erwachte mit verstärk
ter Kraft in ihm. Es schien ihm eine Pflicht zn seyn,
es wenigstens so lange zn erhalten, bis einige 'Araber
sichtbar'
würden,
oder bis er vielleicht
der
Von Hoffnung neu belebt, schlug er einige reife
Früchte ab, von dereit Gewicht die Dattelbäume sich
beugten, und der Geschmack dieses unerwarteten Man
na's überzeugte ihn, daß der Bewohner der Grotte die
Bäume mit Sorgsalt gepflegt hatte. Hierauf stieg er
bis auf den Gipfel des Berges nnd versuchte es, einen
von den unfruchtbaren Palmbäumen, die ihm Tags
zuvor znm Dache gedient hatten, zn fällen. Eine dnnk
le Ahnung führte ihm nämlich die wilden Thfcre der
Wüste vor das Auge, und indem es ihm vorkam, als
sähe er sie schon herannahen, um ihren Ditvst aus der
Quelle zu löschen, die am Fnße des Berges ans dem
Felsen hervorsprudelte und sich alsbald in den Sand
verlor, hielt er es für rathsam, sich durch einen Ver
schlag an dem Eingange seiner Einsiedelei vor ihren
Besuchen sicher zu stellen. Ungeachtet scinesEiftrs nnd
der Kräfte, welche ihm die Furcht gab, während des
Schlafes überfallen zu werden, gelang es ihm an die
sem Tage doch nicht, den Baum in mehrere Stücke zu
durchhauen, aber er kam wenigstens damit ztt Stande,
ihn zu fällen. Als dieser König der Wüste fiel, durch
drang das Geräusch von seinem Sturze weithin die
Lüfte. Der Soldat bebte, als hätte er irgend eine
Stimme vernommen., die ihm ein Unglück verkündigte.
Aber gleich etilem Erben, den der Tod eines reichen
Anverwandten nicht allzu sehr zum Mitleid bewegt,
beraubte erden schönen Baum seiner breiten nnd langen
grünen Blätter und bediente sieh ihrer, um die Matte
wieder herzurichten, ans der er sich znnt Schlafen nie
derlegte-
Von der Anstrengung der Arbeit ermüdet, schlief er bald
eilt. Um Mitternacht wnrde sein Schlaf plötzlich un
terbrochen. Er glaubte, cht außergewöhnliches Ge
räusch gehört zu 'haben. Er richtete sich auf, nnd die
tiefe Stille, welche rings um ihn Her Herrschte, machte
möglich,
machen würde, so begnügten sie sich damit, ihm die nehme», dcis, der wildert, energischen Kraft nach, kei
Hättde zu binden, und, nachdem sie einige Datteln ge- netit
menschlichen
die
den
französischen Armee hören würde.
Kanonen-
ganz deutlich ein Athemholen zu vo-
Wesen angehören konnte. Die Furcht,
durch die Dunkelheit, die Stille und die durch den halb
wachen Zustand aufgeregte Phantasie noch vermehrt,
machte ihn starr, sein .Haar sträubte sich, mit Attstreu
guug warf er seine Blicke-um her und gewahrte zwei
gelbe, statte Glanzpnnkte. Anfangs hielt er sie für
irgend etilem Widerschein seines Augapfels,' als ihm
aber der Nachtschein die Gegenstände in seiner Grokto
unterscheiden half, erblickte er ein großes Thier, das
nur zwei Schritte neben ihm lag. War es ein Löwe,
ein Tiger oder ein Krokodill Der Provencale war
nicht unterrichtet genug, mit n wissen, unter welche
Klasse sein Feind gehöre. Er hotchte mit gespannter
Ausmersamkeit, ohne sich die geringste Betvegnug
erlauben mit einemmale erhellte der Mond die Grotte
und seilt Schein ließ ihn die gefleckte Haut eines
Panthers erkennen. Der Löwe Egyptens schlief, hin
streckt wie ein o e Hnnd, der der friedliche In«
bctber eines geräumigen ^Lagerö ist. »Der Kopf war
nach dem F'ranzoseu gerichtet.
Tausend verworrene Ideen durchkreuzten sich in ter
Seele des armen Gefangenen. Er'wollte da« Th#
durch einen Schnsi tödten aber er sah ein, daß der
Zwischenraum nicht groß genug war, um sich zurede
zu
richten. Und-wenn es erwachte? DieseVerinnthunG
machte ihn regungslos. Cr verwünschte die, wie er*
ihm schien, hörbaren Schläge seines Herzens, au et
Furcht, sie möchten einen Schlaf stören, der ihm viel-

"g? an trO N, S tart 6a u n y, Ohio, e u ck und herausg egeb en von Peter 51 ti tH it It n U lib Go.
Rummer 60.

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