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Der Vaterlandsfreund und Geist der Zeit. [volume] (Canton, Stark County, Ohio) 1837-1845, June 03, 1842, Image 1

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erscheint r»?eln»Aßts jeden K»««».«g.
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Sit Sltbftripliong'Preis ist E i n al e u. 50 E e N S,
tu Vorausbezahlung» oder Z a let, fall» die Aeitung nicht in«
«kr halb der Isten Hälfte des Zai»rs bezahlt wirb.
3 Die Zeitung kann nur dann aufgegeben «erden, «enn all
Stü.tlMiide bezahlt |in».
4.) Wenn vor Kern Verlauf des Jahres die Zeitung nicht
««fgetündigt wird, so Mr.ichtet man solch.» als einen Wunsch
dieselbe für ein anderes Jahr behalten.
6.) Ättn Uutershreiber «i»v für einen tür ern Zeitraum als
e Monaten angenommen.
6. Die '3cr|ti«i.ung gtfchtu)t auf Kosten der Itnterschrfiber,
«Nd 'Briefe an Pit Herausgeber müßen postfrey eing-sandt «erden.
7 Anzeigen w«rden für die üblichtn greife eindruckt mngcit
6 sogleich baar v. zahlt «erden, wo man ni'ht auf sonstigc
Art in Rechnung steht.
'Jeder Postmeister hit das Recht, einen
in welchem sich jVihtttgsgcld befindet, 0 stfreian den
drucke? zu übersenden
Weit« uts unsere entfernten Leser als) Geld senden
wolle«, so brauchen sie nur zu ihrem Postmeister zu ge
ben, un) vi seiner Gegenwart das Geld in einen Brief
au it tJ u legen. Er schreibt sodann die Aodreste darauf
und fraukirt den Brief, wodurch den Snbscribeutcn wie
dem Drucker daS Postgeld erspart wird.
Der Craf Z. und feine Frauen.
(3letitte au« der Mitte des achtzehnten Zahrhund.rt's.)
(Bon Ludwig Kaßarttt.)
(Schluß.)
?$ kostete dem Grafeu sehr viele Ueberreduug, ehe er
die. Zagende bewegen konnte, ihm wenigstens ctiteii Theil
der Ursachen ihres Grames 11t entdecken ihr gauzes
Leid.konnte und durfte sie ihm ja nimmer gestehen.
Mira wußte aber Jucht, daß er ihr Herz bereits seit
tertS«r Zeit durchschaut hatte auch das wußte sie tttcht,
daß er die Besuche des B'rons in seinem Pallaste hochit
uugeru (u!). weil er scheu den Verdacht hegte, daß der^
selbe, sich beharrlich um die Gunst seiner Gemahlin be
rofrvr —tinb daß s?i»ie Liebe zu Atanasia bedeutend er»
faltet war, da er es fhr nicht verzeihen konnte, daß sie
den A.imaßungeu des Birons nicht die gebührende u
pissende Strenge entgegengehe. Wenn iiujer Zutrauen
gegen Jemand durch irgend eitteit Zufall einen kl inen
Stoß erleidet, so werden wir unwillkürlich »och nnge
gerechter, als wires dann schou sin?, tt. das Vertrauen
schwindet allmählich ganz. So war es auu hier. Der
eine Verdacht erzeugte noch einen andern mit flu iu ?ei
itent Gefolge.—Ais ihn Mira mit der
kaant gemacht, welche sie eben mit der
hatte, durchzuckte der Gedanke seine Seele, daß die G«.*#
ma')lin wohl nur die Brautwerberindes Barons mache,
um ihn fortwährend, ohne Aufsehen zn errege«, um sich
haben zn kennen. .Hierzu kam noch die seltene Lieben^
Würdigkeit der Cirkasnerin und das Bewußtsein, daß sie
vom ersten Augenblicke an ihn geliebt habe. Ueberhaupt
ist keine Zeit geeigneter, u n einem Gegenstände, der an
«nserm Schicks.il A ttheil nimmt, näher zn bringen, als
diejenige, während wir mit eiuent andern geliebten Ge»
genstande grollen. Alle diese Umstände zusamen jenom
men, bewirkten, daß der Graf plötzlich ein ganz anoerer
warb n.id zum größten Erstauueu der schmerzlich betrüb
ten Mi.a, sie an sich zog und ihr die Thränen-von ihren
.. schwitzen Augenwimpern küßte.
... „Es wird anders werden, mein Kind!" rief er, sich
verAtssend, aus.,,Welch' ein Thor war ich Gleich ei
rem Geblendeten wirf ich die köstliche Perle von mir u.
^»ahm einen gewöhnlichen Steinaus Doch sei getrost,
I mein Kind der Baron soll Dir nicht aufgedruu.^en
xz werden. Du sollst «ach Deinem Herzen ganz frei wäh
len« Sie aber will ich schalten und walten lassen nach
*, ihrem eigenen Belieben, daß sie ihrem Verhängnisse um
s» schneller entgegen gehe. O, es ist schrecklich, s.'lchen
Dank für Liebe'uud Treue einzuernten Doch nur Ge
duld—Du wirst mir beistehe« der geringste Fehltritt
«och, und die Strafe übereilt sie nnwiderrnstich.
Er drückte die verwunderte und erschreckte Mira mit
Heftigkeit an sich, preßte einen heißen Kuß anf ihren
Mund und stürzte hinaus, um in sein Geselljchaftszim
mer, wo sich, wie gewöhnlich, viele Gäste befanden,-
deu freundlichen Wirth zu spielen.
Hätte die Gräfin von 3 weniger Eitelkeit besessen,
als andere Frauen, 11. wären ihr nicht, trotz ihrer Tiv
fleiib uttv Anhänglichkeit an ihreu Gemahl, dennoch die
Hnldignngen, welche ihr der 53 iron von N- auf alle
mögliche W'ise darbrachte, höchst angenehm ge.vesen,
so würde sie sich mit dem Grafen, ihrem Gemahl, v'.e
lert Kummer und Leid erspart—ja, sie würde sich selbst
vor einem schmählichen Tode bewahrt haben.
Doch, ich will der Begebenheit uicht vorgreifen.
Die Grast« Atanasia dachte wohl nicht im Entfern^
testrn daran, dem verbrecherischen Ansinnen d. Barone
Von N- ein williges Ohr zn leihen aber sie konnte dock
-'S damit prunken, einen Liebliuq aller Salons-Dameu tu
ihreu Fesseln schmachten zu sehen. Sie entdeckte ihren
Manne keine Silbe von der Unterredung, welche sie mr
dem Baron gehabt hatte u. so blieb es ihm auch ver
borgen, daß'die Gräfin, die deu Baron für den Aus
bund aller tugendhaften Männer hielt, wirklich mit dem
Plan nmgina, ihre theure Mira durch eine Verbinduu
mit ihm glücklich zu machen- Sie verschob aber die Aus
Fuhrung ihres Vorhabens, um, wie schou gejagt, ihrei
'Eitelkeit zu sch nricheln uud über die vornehme Frauen
«elt, die eifrig die Aufmerksamkeit deS schönen iöava
liers auf sich zu ziehen strebte, noch eine Seulaug zu tri
««phi«?. We tonme fiO
I V
?l-r. N-'.k
Tit V^RVY-
Brief
tl
des Barons erkennen, da er, wie alle seilte intimeren
Freunde. stets bemüht war, in den höheren Gesellschaf
ten der Hauptstadt das geschmeidigste Wesen und
Haupt eine Außenseite zu zeige», die snr ihn einnahmen
mußte, Wie konnte sie wisse», was in dem Herze»
Nira's vorging, da diese ihre Leidenschaft fur den Gra
fett in ihrer Brust verschloß it. Alles vermied, uas die
ses, ihr tiefstes Geheimniß verrathe i könnte So kam
es denn, daß die Gräfin die unlauteren, schlechten Ab
sichten des Barons nicht erkannte und sich überredete,
daß tie schölte Cirkassierin seinem Herzen nicht gleich
gültig sei, und daß die Ergebenheit in ihren Willen je
des Hiuderuiß besiegen werde.
Mira saß noch eine ganze Weile, nachdem der Gr.'f
sie schon verlassen hatte, in tiefes Sinnen versunken
sie wußte nicht, wie ihr plößlich so ganz anders zu Mu
the geworden war Anfangs hatte sie sich das sonderba
!k Benehmen des Grafen gar nicht erklaren können.
Auch seine wunderlichen Reden hatte sie nicht verstau#
den bild aber sagte ihr daS natürliche Gefühl. was
*er Graf nicht in dentlichen Worten gesagt harte mit
einem Male wird es ihr klar, daß der Graf keineswegs
feiner Gemahlin mit solcher Liebe zngethan sei, als es
seit dem verhäiignift'.'ollen Zusammentreffen ans d. Kor
sarenschiffe den Anschein hatte. Sie sagte sich, uud was
sagt sich nicht alles eiu liebendes Gemüth ?—daß nur
eine übereilte Wahl deu Grafeu damals zu einer Ver
bi«duug mit ihrer Gebieterin veranlaßt Habe, die Wahl
sei mir das Werk eines Augenblickes gewes.u, in wel
-dem der Graf durch den Glan der äußeeeu Schönheit
und der fürstlichen Abstammung geblendet worden sei.
Es schien ihr ganz einleuchtend zu sein, daß ohne den
Zusammenfluß aller dieser Umstände, sie selbst Gräfin
von geworden wäre. Ihr Busen begann Hörbar zu
schlagen, ein Schwindel ergriff sie, sie verging fast va?
Liebe und Schmerz.
Nachdem sich Mira von ihren weit hinaus strebenden
Gedanken wieder gesammelt, lind noch einmal klar übe?
Liebe entschuldigt sich so leicht. Wie würde es sonst
der schönen uud tugendhaften Mira möglich gewesen
sein, so weit zn gehen, daß sie ihrer Pflicht, der Änhäug
Ii.]feit und Dankbarkeit gegen ihre Gebieterin und ihre
genden
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'\S5l? itperrcorre luv, pur jir tu« n'ut'iyrMui.iry iBerk thiie
und dem Geliebten einen Liebesdienst erweis?—daß sie
diesen nur sich selbst that und mir sie a'lein Vortheil da
von haben würde, daran dach-? sie vielleicht nicht—und
wenn sie die Schritte der Gräfin bewachte n dem Gra
feit, der sie nun öfter als sonst aufsuchte, von Allem,
wis seine Gemahlin that und sprach, Nachricht gab sie
rit mit (tu ut ?el- Freundin gänzlich vrrgaß und an allen diesen Tug
Uüterrediiiig be
fv Verrät'heriii wurde sie ward es ja aus i 1
Gräfin gehalten Ij- uberredete sich, daß sie ein wohlgefälliges Wer
that es ans Liebe!
lim diese Zeit herrschte viel Leben it. Treiben bei Ho
fe und bei den Honoratioren der Hauptstadt eine Fest,
(ichfeit verdrängte die andere, ein Ball folgte auf den
andern. Den Graf von Z. hielt eine notwendige Rei
se eine Zeitlang entfernt er wurde aber nicht sehr ver«
mißt, denn eines Theils hatte er statt seiner seine schö
ne und liebenswürdige Gemahlin als Repräsentantin
Viriick ielassen, uud andern Theils belebte der Baron
u. ?). durch seilte Anwesenheit die qlänzenden Versamm
lungen. Je mehr mm die interessautesten Damen und
zwar die jedesmaligen Königinnen des Festes dahin sich
bestrebten, die icke und die Aufmerksamkeit dieses ei»,
nehmenden und höchst g-'w.iudten CavalierS auf sich zu
ziehen und ihn von der Gräfin v. Z-, deren beständiger
Begleiter er bei allen dieft't Feierlichkeiten war, zu ent
fernen, um so mehr gab sich die Gräfin Mühe, bieten
neuen Preis, um welchen sich alle S^uHntten bewarben,
unablässig au ihre Seite zu fesseln. Ihr Vorhaben war
nicht schwer er hatte ihr ja längst schon, auch ohne
die Überreichung eines goldenen Apfels, den Preis der
größten Schönheit und Liebenswürdigkeit zugestanden?
Hätten dies die anderen Göttinnen, wie jene auf d. ho
heu Berge bei Troja, gewußt, sie w rden ihn sicherlich
ebenfalls mit Neid und Mißgunst verfolgt haben bis
setzt verfolgte« ihn nur die Pfeile einer Unzahl von schd
neu Blicken» Die Gräfin von ?. vergaß über den Sieg,
den sie über ihre Nebenbuhlerinnen scheinbar davon zu
tragen die Freude hatte, leichtsinnig ihre wahre Absicht,
mV sie mit dem Baron hatte, uud ihre Eitelkeit ging so
veit, daß sie, mit dem sbou erlaugten Siege noch nicht
zufrieden, deu höchsten Triumph ihrer Schönheit zu fei
ern gedachte n. auch dies gelang ihr, doch—zum eige
!ten Verderben.
Sie gab vor, die vielen Festlichfeiten, die noch lange
üicht beendet wareu, hätten ihren Geist und Körper er
nüdet, ja, fast zerrüttet, und sie müsse, wenn auch nur
venige Tage, von allem Geräusch und Gewirre entfer
tet bleiben damit aber auch die freie Landluft das Ih
ige tbite, wolle sie sich kurze Zeit einige Meilen von der
uiptstadt, auf einem Schlosse ihres Hu. Gemahls auf
niteit. Was sie voraussah, geschah der Baron nahm
'einen Augenblick Anstand, der Angebeteten zu erklären
aß er ihre freiwillige Verbannung zu theilen bereit sei.
3o entriß sie ihn mit einem Mal allen ihren Nebeuduh
eriitiieii aus der Mitte aller Lustbarkeiten folgte ihr
'er Baron auf das Land—e würde ihr noch weiter ge
olgt seilt.—Die unhörbaren Verwünschungen der ge
.ä"ftbten und erbitterten Schöne» folgten Beiden.
n jDieSr w a*#ei. etsiee-Meiiitsi Liener-
Was that Dir, Thor Dem Vaterland?—Daß Dir bey seines Mmens Schall-—Das Herz nicht höher schlägt?'
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Uder
um dadurch dem Gerede böser An
das Beuel)iueii derasen u .seine Worte itachgedachr|Molmikig de» Gräfin und von der fortwährenden An
hatte, war auch sie eine g.inz Andere geworden. Sie
war nicht mehr die liebeschmachtende Dienerin, die sich
in heißer, uuerw ederter Liebe verzehrte sie wnßte ja,
dast sie i nicht gleichgültig, vom ersten Augenblick an
nicht gleichgültig gewesen war, it. daß es mir einer ge
ringen Veranlassung von Seiten der Gräfin bedurfte,
um die Gunst ihres Gemahles gänzlich uud auf immer
zu verlieren
.L-'*
Veter Ril Uflttatl
Freitag, den 3t,n Juiiy, I84L2, (Nummer 47.
Wesenheit des Barons son A. dem Grafen Nachricht er
theilt- In der Hauptstadt wurden ihm noch allerlei Diu
11 hinterbracht, die unwahrscheinlich genug waren, ale
oaß er ihnen zu jeder anderen Zeit Glauben geschenkt
hätte jetzt aber kam dem Aufgebrachten Alles gelegen,
was seiner Ehre liachthetlig war uud dem Rufe semer
Gemahlin die Krone vom Haupte riß. Iu der größten
WiitH langte der Graf auf dem Schlosse au. Er unter
suchte nicht lauge er kam, sah und urtheilte.
Acht Tage nach seiner Rückkehr v. der Reise erschien
der Graf iu tiefer Trauer. Mau erzählte sich nun in der
Hauptstadt Wunderdinge u. Geschichten, deren Znsam
menhang fast Niemand begreifen konnte, oder wollte
oemi der Graf von Z. war von großer Macht uud gro
ßem Einfluß. Er galt bei Hofe Alles. Man hatte die
ichc der Gräfin Atanasia ans dem Flusse gezogen, der
am Garten des Schlosses vorüberströmt sie hatte sich
bei einer Wasserfahrt zu weit über den Rand der Gon
Del geneigt und war so in das Wasser gestürzt. Ein al
eer Fischer, der in der Nähe des Schlosses noch spat sei«
ne Netze auswarf, erzählte, es sei ganz dunkel gewesen,
als sich eine kleine Barke mit drei Personen vom Gar
ten des Grafen von I. der Mitte des Stromes näher
te. Plötzlich sei ein Wortwechsel entstanden, dcr damit
endigte, daß Jemand mit den Worten „Ich bin nn
schuldig! bei der ewigen Seligkeit in das Wasser
stürzte. Der Stimme nach sei es ein Frauenzimmer ge
wesen. Hieauf glaubte er noch die Worte gek ört zu
beit .• „Wir aber sprechen uns anf andere Weise.^—
Dann aber sei Alles ganz stitf gewesen die Dunkelheit
habe ihn verhindert, zu sehen, wo die Barke Irin ruderte.
Die Leiche des Barons ward in einem nahen Wäld
chen gefunden —eine Pistolenkugel hatte ihn tödlich ge
troffen.—
Sechs Mvitahr nach dieser Begebenheit hatte man,
wie dies gewöhnlich der Fall ist, in der Hauptstadt schon
Alles und noch vieles Andere, das sich nachher ereignet
hatte, längst vergessen. Man sprach überall von einem
neuen Ereigniß:
Der Graf von *$• feierte seine Vermählung mit der
schönen Cirkassierin Mira.
«.
Wieder waren drei Monate vergangen.
Im Pallaste des Grafen von A. hatte sich VieseS ver
ändert. Die alte Fürstin, seine ehemalige Schwieger
mutter und deren Tochter Kassandra waren, trotz alles
Bittens Mira's der jetzige« Gräfin von Z die au die
sen ihr Unrecht, das sie au Atanasia begangen hatte,
wenigstens zum Tbetl gut machen wollte, nach ihrer Hei
math abgereist. Wie'hätten sie auch länger au einem
Orte weiieu können, wo sie fortwährend durch ihre Um
gebung an ihre unglückliche Tochter und Schwester er
iuuert wurden Auch oie Dienerinnen der verstorbenen
Gräfin wurden abgedankt und somit die ganze Verbau
genheit aus der Wohnung des Grafen verbannt statt
dessen Hat Mira den Gemahl vermocht, ihre Schwester
thirz«, die noch in ihrer Heimath verweilte, nach der
fernen Hauptstadt zu rufen und ihr so eine treue Gesell
schafterin zu gebe».
Man hätte glauben sollen, daß der Graf, der seine
erste Gemaiin, aller Wahrscheinlichkeit nach, einem fal
schen 11. ungerechten Verdachte geopfert hatte, nunmehr
vorsichtiger geworden sein mußte aber dies war merk
würdiger Weise nicht der Fall. Er vertraute nicht nur
blindlings der Liebe it. der Anhänglichkeit seiner jungen
Gattin, sondern suchte dieselbe und sich noch dadurch zu
zerstreuen, daß er häufige Feste und Abendgesellschaften
in seinem Schlosse sah es war ganz wie ehemals, wo
der Baron von A., durch diese Sitte begünstigt, dieGe
legenheit gefunden hatte, aiit der verstorbenen Gräfin
schaff auch Mira mit »ad« dem Schlosse genommen, it.les jetzt dem Grafen auch nicht aus, daß der $u» ft v.
Ilgen
wenig Auffallendes in jener jeit
zwar aus mehrfachen Gründen namentlich aber auch, feiner der reichsten und schönsten Kavaliere der Haupts
zu begegnen. So
11.
iu jener Hauptstadt
ein leichtsinniger Schritt dieser Art auch hatte, so mag
sie doch zuletzt an die schlimmen Folgen gedacht haben,
die er unter diesen Umständen zur Folge haben kennte.
Außerdem aber hatte sie sich vorgenommen, hier end
lich, nachdem ihr Stolz und ihre Eitelkeit zufrieden wa
ren, ihr Werkzeug, den Baron, von ihrer wahren Ab
sicht zu unterrichten und ihn, wrnu er iyrem Wunsche
nicht selbst entgegen kommen sollte, durch alle ihr um
bestmöglichen Ueberreduugs Künste zu verii bjen, ihre
immer noch geliebte Mira zum Altar zu fuhren. Einen
ferneren Widerstand von Seiten dieser hielt sie ganz
für unmöglich die Vornrtheile it. der Glanz einer sol
chen Vermählung, dachte sie, würde dem Mädchen eben
so klar und einleuchtend seilt, als ihr selbst. Noch hat
ten sich der Baron von 9) uud Mira nicht freundschaft
licher genähert, als zuvor, und noch hatte die Gräfin v.
3. keine ante u. zweckgemäße Gelegenheit gefnudru, mit
jenen Beben die beabsichtigten Unterhandlungen zu be
ginnen, als jetzt plötzlich der Graf von Z. im Schlosse
anlangte Er war früher, als er und seine Gemahlin
es glaubte, von feiner Reise zurück,»ekehrt cd war kein
Wunder—M i a hatte ihn dazu vermocht. Sie hatte
lauge mit sich gerungen, Pflicht und Liebe Hatten einen
langen Kampf in ihrem Innern gekämpft aber auch
sie wußte ja itbcr die Absicht des Grafen gar nichts Be#
stimmtes, denn nur zu tief hatte der Verdacht, deu der
Graf einst gegen sie, obwohl in halbtunkleii Worten, ge
äußert, in ihrem Herzen Wurzel gefaßt. Auch sie end
lich glaubte, daß der Antrag, den ihr die Gebieterin da
mals gemacht hatte, nur zum Scheine geschehen sei, da
mit der Baroit noch lange ohne Aufsehen im gräflichen
Hause Zutritt haben und sie um so besser ihre Liebe zu
ihm vor den Augen des Grafen n. der Welt verberge»
könnte. Sie hatte daher s hr eilichst von der veränderten
5 ,.
It ttlll SG»
stadt, und, nach dem Tode des Barons von 7), der ge
suchteste Liebling der schönen Welt, an keinem Orte ltd»
Der verwettete, als im Schlosse des Grafen, bei destett
Abeudzirkelu und sonstigen Festen er niemals fehlte. Es
war auch kein Wunder. die Grafin von I. Hatte seit
ihrer Vermählung tagtäglich an Schönheit und Liebreiz
gewonnen, und überstrahlte weit alle Frauen nnd Mäd
chen der Residenz. Schon zischelte man sich hier und dt
allerlei Dinge in die Ohren schon vergingen unzählige
itieiberherzeit vor Neid und Mißgunst—denn einen tu
gendhaften Grund Hatte Keine, die allzu große An^merk
samkeit und Galanterie zu verdammen, welche der schd
ne Fürst von 3c. der jungen Gräfin v. Z. zu THeil wer
den ließ—nur der Graf von Z., ihr Gemahl, sah nichts,
hörte nichts.—Es schien, als sei er gänzlich mit Blind
Heit geschlagen, und, als sei er vom Schicksal dazu aus
erkoren, daß sich auch an ihm daS alte Sprüchwort be
wählen sollte „Untreue schlägt ihren eigenat Herrn."
Eine Vendung seines Herrschers rief den Grafen uutt
für eine Zeit aiiti der Hauptstadt auch jetzt noch traf er
in Bezug auf die gar zu häufigen Besuche des Fürst?»
von 30. keine Vorsichts-Maßregeln. Wie konnte er auch
ahiteii, d.iß Mira, um dereuwillen er so viel verbroche«
»atte, ihr Herz bereits von ihm abgewandt hatte, u. de«
einschmeichelnden Reden des Fürsten, der auch, wie ihf
Schatten, nicht von ihr ließ, ein nur zu geneigtes Dh|
schenkie. Freilich hatte ihr Grnaql in ihren Augen vi«?
schoit verloren es war nicht mehr ver schmachtende iu
liebegirreude Mann, wie iit den Flitterwochen der Ehe.
Sie hatte sich geträumt, er winde immer so bleiben
denn außer seinen zeitraubenden Geschäften lit den An»
gelegeil betten der Regierung mochten auch wohl Manch«
Gewissensbisse sein Gemuth beunruhigen aber dennoch
hakte er es um sie, die er reich und angesehen gemacht,
nicht verdient, daß er von ihr so belohnt wurde
Der Zufall wollte eS, daß er einige Stunden fxübet
von der Reise zurückkehrte, als er seiner Gemahlin 1*
letzten Briese angezeigt hatte. Die lange Trennung Hat»
cc einige Funken der Liebe in seinem erkaltendem Herze»
angefacht. Er dachte Mira durch seine schnellere Heint»
fehr freudig zu uberraschen, und eilte daher mit gefliW
gelten schritten nach ihrem Zimmer. Er öffnete leise
oie Thüre und sah—er wußte nicht, ob er wirklich sah,
oder ob et» böser Traum ihm. nur ein täuschendes Bitd
vvi führte: der Fürst von 3£. lag vor der Gräfin aufbe»
Knieen uud blickte kfebeglüheud zu ihr empor Mira
hatte sich über ihn herabgeueigt.-Der Eintritt des Grc^
fen und Hausherrn wurde von beiden uberhört, u. hät»
ic er es über sich gewinnen können, noch
eine
sich zu halten, so würde er wahrscheinlich Dinge gehötft
Haben, die einen andern Beweis v. Mira's Untreue im«
nöthig gemacht hatten weil er aber eine gerauschvolle
Bewegung machte, so fuhren die Beiden erschrocken zu
(amniett.
So traurig auch die vorangegangenen Umstände wa»
ren, so mußte sich doch auch leider bei unserer Mira daF
alte Sprichwort bewähren: „Die Katze laßt das Mau»
sen nicht!"
Gestern Rochmittag wurde im hiesigen Part «ege»
der Rhode Island Frage eine Versammlung gehalten,
wobei (ich von Seiten der anwesende» zahllosen Menge
tie eiit|"chiw*a£e Mißbilligung des Verfahrens des Prä»
siveuien Tyler aussprach. Die Aufregung und timpfeJJ
uug der Gemuther über den Gedanken, daß das PvU
von Rhode Island durch Ver. St. Soldaten unter seine
aristokratische Tyrannei zurückgetrieben werden- soll, ifr
so groß, daß schwerlich einer der vorrückenden Sowahß
en mit dem Leben davon kommen wurde. Hier in Mnst»
Jork stehen nicht Hunderte, sondern Tausende bereis
auf deu ersten Wink nach dem Kriegsschauplatze zu eil
en Präsident Tpter hat sicherlich einen argen Misgzijf
gechan. (9i. St. Z.
Der von der Loltsparthei in Rhode Island gewählte
neue Gouverneur Hr. Dorr, wurde vorigen Gamstag
auf seiner Rückreise von Washiutonhier New Aork,
durch Tausende von Bürgern mit Musik, Bannern uiW
Prozession an den Abfahrtsplatz begleitet, nachdem er
einige seiner Begleiter vorher tit Tammany Hall vor
einer zahllosen Versammlung eine Rede gehalten hatte«.
Kanonendonner verkündete bei seiner Abfahrt, daß dem
Volke auch noch eine andere Sprache fetnes Mu«pe
nicht angehört weiden «»ll.
e k w i g.—Der „Westminster Demokrat^
berichtet, daß eine knrzltch in jenem County gestorbene
Dame, eine kurze Zeit vor ihrem Tode, einen etwa zwei
Zoll langen Krebs aus dem Magen eerotifbrach, äuge«»
schein lich von der Art, wie sie gewöhnlich in frischen Ge
wässern gefunden werden. Man vermuthet, daß sie deu»
irIben beim Trinken hiuuntergeschluckt haben muß, als
er
noch klein war, und dieses ihren Tod verursachte.—
Als er ausgeworfen wurde, war er tot), indem er wahV»
scheinlich durch die von ihr eingenommene Arzenei wtt
getcd.et worden.
S o e n .- i e v e s i e e n e n N a i o n e n a e n a
solche Arten, sich der Sorgen zu entledigen: Den Deut
schen bekümmern sie—der Franzose vertrillert sie—der
Spanier verbetet sie—der Engländer vertanzt sie—der
Russe verflucht sie —der Pole verspielet sie—der Ungar
oerraucht sie—der Italiener verschläft sie—der Zt
oerträumt sie, tu der Amerikaner giebev« 318*6
Ein Doctor Barrett hält gegenwärtig im hieflAK tfp
ceum der Naturgeschichte Vorlesungen über SchwedeHe
fm
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