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Der westbote. [volume] (Columbus, Ohio) 1843-1871, September 10, 1863, Image 1

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è »Der Westbot^
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Die Leute aus dem Walde,
ihre Sterne, Wege and Schicksale
Raabe. lZaxoh Tvrvin«.)
(Fonfexung)
MnMddteißigsteS «eistet.
ES wird trn neuer Hügel unter den drei Fichten aufgeworfen
vo« gab« hält eine Rede Robert (Pdf findet, was
er nicht suchte.
IBiS zum Ende Herbstes kämpfte Tva Wolf mit
dem Tode. Anfangs machte, wie es schien, die An
fünft deS Jugendfreundes einen guten Tindruck auf
ihr Befinden das Fieber ließ nach, kehrte nur in im
met größer« Zwischenränmen wieder, die Kräfte nah
men zu, und auch die Hoffnung Robert's wurde tm
met größer. Den europäischen Arzt konnte dieser
Wechsel täuschen, den weitgewantGeten Konrad von
Kaber täuschte er nicht der Hauptmann wußte, daß
die Kranke sich nicht wieder von ihrem Lager erheben,
daß der Hügel unter den drei Fichten nicht allein blei
ben würde. Er hatte Recht doch Robert wollte
nicht daran glauben. *Xt6m der Kranken saß der
Bruder Friedrich's und ^ete mit ihr von der Ver
gangenheit und von der Kjnft. Diese beiden Men
schen hatten keine Geheimnisse mehr füreinander. Al«
icâ waS uns hienieden abhält, uns einander, wie wir
sind, zu zeigen, war zwischen diesen Beiden nicht mehr
vorhanden. Gefühle, Empfindungen, die Robert
Wolf selbst den Freunden auf dem Observatorium
de» Stemseher» zu offenbaren gezögert hätte, legte er
Eva Wolf offen dar. Ausführlich vernahm er die
Geschichte seines Bruders, wie Fritz zusammen mit
Eva gekämpft hatte, wie er unterlegen war aus
führlich erzählte er selbst der Frau des Bruder« den
eigenen Lebenslauf, die eigene Entwicklung seit dem
Tage, an welchem er sie in der großen Stadt gesucht
und wieder verloren hatte, um sie jetzt in Wahrheit
zu finden. Von dem Polizeischreiber Fiebiger, von
dem alten Ulex, von dem Freifräulein von Poppen
von Helene Wienand dem Baron Leon und dem
Banquier berichtete er, und mit immer gesteigerter
Theilnahme horchte Eva.
Als sie Alles wußte, sagte sie:
,E lieber Robert, sei getrost. Ans dem, waS Du
mir erzählst, merke ich, daß sie Dich liebt, wie ein
Weib lieben muß. Verzweifle nicht ihr Herz wird
nicht von Dir lassen, und das ist allein das Wahre.
Sie wird auch schon ausharren und Dich mit ihrem
Herzen erwarten. Wir Frauen sind sehr schwach
aber wir können auch sehr stark sein. Ihr Männer
sagt zwar auch, daß Ihr hofft aber wie häufig täuscht
Ihr Euch und rechnet da wo Ihr zu hoffen meint!
ES ist nicht anders, und es wird auch wohl so gut
sein. Große Schmerzen können wir Frauen ertragen
nur die Licbe muß dabei sein ohne die Liebe sind
wir nichts. Mein Leben ist ein kräftiges Beispiel
davon, waS die Liebe und die
Hoffnung bei nns Frau»
en vermögen. Sei getrost, Bruder ich habe Dir
einst gesagt, Du würdest das rechte Herz finden, wel
ches Niemand Dir rauben könne, welches ganz Dein
eigen fei Du hast es gefunden. Was sich zwischen
Dich und dieses Herz drängt, das sind irdische Ge
walten die vermögen nichts, und durch irdische
Gewalten können sie wieder auS dem Wege getrieben
werden/
Die Kranke schwieg eine Weile und versank in ein
tiefeS Nachdenken, dann sagte sie ganz leise:
„Hätte ich Dich doch nicht hierher gerufen! Weiß
ich es doch zu sehr, welche Qual es ist, wenn so weite
Meere und Länder zwischen unS und dem schönsten
Theile unseres Daseins liegen. Aber gedulde Dich
nur, vielleicht ist es doch gut, daß ich Dich rief. Die
Sterne lieben eS, für uns zu wirken, während wir in
der Ferne an ihnen fast verzweifeln wollen Das ha
be ich so oft erfahren, an das glaube ich auch jetzt noch
in der höchsten Noth. Glaube den Sternen, Bruder,
wir brauchen nuu nicht lange mehr zu warten Jeder
wird binnen Kurzem seinen Pfad gehen ich da
hin, dort wo der Todte lächelnd wi. kt Du weiter
durch das Leben zurück über das Meer wo Deine
Steine winken. Seit ich Dich gesehen habe, feit ich
Deine Hand halte, ist eine unbeschreibliche Ruhe, ein
Friede über mich gekommen, welche nur GuteS bedeu«
ten können Gutes für Dich und mich denn ich
weiß sicher, ich wäre nicht so still, wenn es nöthig
wäre, um Deine Znkunst zu sorgen/
Robert Wolf versuchte eS nicht mehr, der Schwe
stet die Todcsgedanken auszureden aber desto mehr
sprachen die Beiden von ihrer Jugendzeit im Win
zelwalde. Alle alten Erinnerungen riefen sie wach
während der kalifornische Herbstregen draußen vor
der Hütte niederrauschte, und der Sturm auS den
Bergen herüberfuhr, die Gipfel der Riesentannen
durchsauste und in den Wäldern hoheCedern und Ei
chen wie dürres Reisig knickte. Oft fuhr Robert
Wolf zusammen aber die Kranke achtete den Orean
nicht, sie schien ihn gar nicht zu hören. Es kam ein
Mann durch, welcher von gewaltigem Schneefall noch
höher in den Bergen erzählte Onion-Valley unter
der Pilotenspitze sollte mit einer Bevölkerung von
hundertundjlvanzig Personen schon tief unter dem
Schnee begraben liegen.
„Ganz so schlimm wird'S hier nicht werden aber
frei werden wir hier auch nicht ausgehen/ sagte der
Hauptmann.
Eva Wolf kümmerte sich nicht um den drohenden
Winter in ihrer Erinnerung war eS Frühling
Sommer. Den Waldbach, welcher durch das Dorf
Poppenhagen rausch'e, durfte keine Eièrinde bedecken
grün und sonnig blieb der Grasgarten zwischen dem
Cantorhans und der Pfarre ja. ja, ewigen glän
zenden Sonnenschein hatte Eva Wolf aus ihrem schö
nen Leben in das winterlich kalte dunkle Thal in Uu
ba-County gerettet!
Frei und hochsinnig blieb aber dabei ihre Anschau
ungSweise bis zum Letzten. Sie klagte nicht: Ach
wären wir doch nimmer aus aus dem Walde heraus
gegangen. Trotz allem Schmerz der Gegenwart
hätte sie doch nicht, wie sie sagte, gebrochene Adkrflü«
gel gegen gesunde Tanbenfittiche vertauscht.
Hier war ein anderes Streben nach dem Gold, den
Herrlichkeiten der Ehre und Macht der Welt, alö
dasjenige, welches sich in dem Banquier Wienand
darstellte. Rücksichtslos, aber doch frei vom kalten
kahlen Egoismus hatte Fritz Wolf nach Allem, was
unter dem Himmelszelt dem Menschen wünichens
werth erscheinen kann, gegriffen, und noch höher wie
der Mann hatte sich das Weib über den Staub und
schmutz der Erde erhoben. Beide gingen sie unter
aber sie stiegen tragisch in stolze Gräber nieder sie
klammerten sich nicht jammernd an das Leben und
seine Hoffnungen lächelnd winkten sie von der Ps'or
te der Ewigkeit zurück. Um das Dasein und seine
Schätze hatten sie gespielt, doch nur der Aufregung
nicht des Gewinnes wegen der Kamps war zu En»
de, und sie gingen davon und Gegner, Zuschauer
und Freunde neigten ernst, ergriffen, klagend die
Häuft r.
Gegen Ende deö Herbstes starb Eva Wolfans dem
Winzelwalde, und Konrad von Faber und Robert be
testeten ihr die letzte Ruhestätte unter den hohen Fi'ch»
ten an der Seite Friedrich's. Alle die wilden trotzi»
gen Gesellen unterbrachen ihre gierige Jagd nach dem
kostbaren Metall und folgten der Leicbe zu Grabe.
Als der Erdhuzcl sich über dem wohlgezimmerten
Sarge erhoben hatte, lehnte sich Konrad von Faber
inmitten der Rothhemden auf den Spaten und sprach:
„3-fti neue Gräber auf dem jungen Boden Da
liegen die stillen Schläfer und horchen im Traume
auf die Fußtritte des große« Volkes, welches kommt
Welle auf Welle und einst hier wohnen wird.
Ich rechne, Gentlemen, wir haben Den, der sein Theil
von Hitze und Kälte, von des Tages Last und Mühe
getragen hat und nuu ausruht, wie die Beiden unter
diesen Hügel» nicht allzu sehr zu bedaureu. Ihr
Part am Welt-busincß ist vorüber. Ihr Conto ist
geschlossen, und drüben am andern llfer werden die
Todten das Bot lobe», in welchem sie den Flnß kreuz»
ten. Aber wen» sie auch in Sicherheit sind dergro
ßc Ladenhalter shopkeeper der Welt schließt da
tum sein Geschäft noch nicht hat's auch sür's Erste
nicht nöthig denn die Fonds sind gut, und auf's
Speculiren versteht er sich. Ich sage, Gentlemen,
dies ist eine gute Stelle, um zu liegen und auszuru»
hen und aus die Tritte der Kommenden zu horchen.
Hört Ihr die Schritte? Einzel», zu Zweien, Zwan
zigen Tausend, Millionen the whole hog 1
ES wird eine Zeit geben, da wird die gtvße Flagge
i
Jahrg. SR
gibt eS viel
leicht ein England des Stillen Oceans, welche dann
sehr lebendig' sein wird. Wir nennen's heute Japan
und stehen davor, wie vor einem dunkeln stummen
Räthsel. In jener Zeit werden gewaltige neue Na
tionen ans riesenhaften Schiffen zwischen den Ufern
Asiens und Amerika's verkehren wie jetzt zwischen
Hull und Hamburg, Dover und Calais. Da wird
die Civilisation ihren Lauf um den Erdball vollendet
haben, und die alte Europa, (inst eine so schöne, blü
hende Jungfrau, einst geliebt von ZeuS dem Götter
könig, wird dann ein vertrocknetes Mittlerinn sein,
welches uralte und alte Schätze und Andenken in alt
väterlichen Commoden und Schränken und in der
Schürze hält. Da werden die jungen Weltvölker
kommen und sich Märchen und Historien von vergan
genen Tagen erzählen lassen. Berichten wird das Groß
Mütterchen von Assyriern, Egyptern,Chaldäern, Grit»
chen, Römern und Germanen, von der Stadt Baby
lon und Jerusalem, vom Kampf um Troja, von der
Stadt Athen, der Stadt Rom, der Stadt Paris und
der größesten Stadt der alten Welt, London. Und
Gesänge wird sie singen von Hcktor und Achill, vom
Fall der Niebelungen, von Hamlet dem Dänen, Mae
beth und dem alten König Lear, vom Wallenstein
und Tell, und zuletzt daS hohe tragische Lied vom
Faust. Da werden die jungen Völker immer von
Neuem grübeln und staunen über die versunkene Welt
aber der alte moduS operandi wird daS junge Blut
auch immer weiter treiben, und nach den Sternen seh
end, wird die Menschheit ihren Weg vollenden.
Noch eine Schaufel voll Erde aus das Grab der Frau,
welche wir heute begruben Es ist geschehen ihr
Recht haben die Todten rührt Euch, Ihr Lebenden
denn auch Eure Stunde kommt. Je härter der Kamps
um das Dasein, desto süßer die Ruhe. Auf, auf,
Robert Wolf, fort mit der Thräne auS dem Auge.
Ein feuchtes Ange sieht nicht klar, nicht scharf, und
man hat's nöthig, scharf auszuschauen, so lange man
noch auf den Füßen steht. Gentlemen wir danken
Euch für Euer Geleit zu diesem Grabe. Gut Glück
einem Jeden 1*
Die Goldgräber. welche wenig von des Haupt
mannS Rede verstanden hatten, drückten der Reihe
nach Robert's Hand und zertheilten sich im Thal, um
die unterbrochene Arbeit mit verdoppeltem Eifer ans
zunehmen und die verlorene Zeit einzubringen.
Eine Weile standen Faber und Robert stumm bei
den Gräbern, dann sagte der Erste:
Ich ealenlire, wir bleiben bei dem besprochenen
Plan. Den Emigrantenweg nach Missouri wird in
einigen Wochen der Winter versperren, in San Fran
cisco haben wir nichts zu suchen so warten wir
denn hier aus den neuen Frühling, und währenddem,
Herr, mögt auch Ihr Euer Glück auf dem „Boden
der goldenen Vision«/ versuchen. Unglück in der
Liebe, Glück im Spiel! Das Goldsuchen ist auch
ein Spiel und zwar, wie schon gesagt. Hazard, wie
irgend etwas. Also, Mann, an's Werk mit Schau»
'el und Spitzhacke. Benutzt die Zeit, welche Euch
och zur Arbeit übrig bleibt. Eures Bruders Claim
ist noch nicht wieder besetzt, tretet ein für den Todten,
und wenn Ihr weiter nichts findet als müde Knochen
und einen guten Schlaf am Abend, so ist das viel ge
wonnen bei Eurer jetzigen Gemüthsstimmung/
Robert Wolf sah ein, daß der Rath gut war, und so
tieg er nieder in die Grube, welche sein Bruder gegraben
islttf. Wasser zum Ausschwemmen der Erde hatte der
.perb, iu Fülle gebracht die Handgriffe der angrei
enden Arbeit waren bald gelernt, und Robert fand
mehr als müde Glieder. Der Hauptmann rührte kei
ne Hand auf einem Stein oder Baumstamm sitzend,
'eine kurze Pfeife im Munde, sah er mit philosophi-
chem Gleichmnth zu, wie der junge Genosse sich ab«
mühte und wirklich in kürzester Frist beträchtliche
Schätze dem Boden abgewann.
,@5 geht gut 1* rief er bei jedem neuen Funde.
Nur zu, wenn Ihr auf dem Urgestein, dem Granit
angekommen seid, werdet Ihr schon von selber anfhö
ren. Teufel, mein Jnnge, wenn das so fortgeht, könnt
Ihr drüben im alten Lande mehr als einen Affen tan
zen lassen/
Robert Wolf wühlte das Gold mit einer Art wil
der Ironie aus der Erde. Einmal fiel ihm ein Stück
von bedeutendem Gewicht in die Hand er wog es in
der Hand und vor seinem Geiste emvor stieg das Bild
des Banquiers Wienand, während der Zeit seiner
Geisteszeriüttung schaudernd ließ er das gleißen
de Metall fallen und setzte den Fuß darauf, als wolle
er es wieder in den Boden treten. Aber Konrad von
Faber legte es zu den Uebrigen und meinte:
„Ente Gedanken sind ane»ke»nuigswerth aber
doch thöricht. Wenn etwas jenem Spieß der griechi
chen Sage, der verwundete und zugleich die Wun
de heilte, gleicht, so ist esdaS Gold. Wer weiß, wel
ches Gewicht dieses Stückchen blankes Metall in der
Wagschale Eures Glückes bedeutet? Wir leben in ei
ner sehr realen Welt, mein Sohn, und obgleich wir
keine Flügel haben, so «rare es doch durchaus unge
rechtfertigt, wenn wir aus Aerger darüber auf dem
Kopfe gehen wollten. Grabt nur zu, so lange das
Wetter gut ist, im Namen unseres alten Freundes,
vom Polizeibureau Nummer Dreizehn, im Namen
Fiebiger's, grabt zu über die Verwendung dessen,
was Ihr findet, mögt Ihr nachher daheim den wei
sen Mann vom Giebel des Nikolaiklosters um Rath
fragen/
Bald war der junge Goldgräber in Besitz dessen,
was die Amerikaner im Lager a competency ein
zulängliches Vermögen nannten. Für deutsche Be
griffe war Robert Wolf ein reicher Mann geworden,
und manch ein anderer Erdensohn hätte miter solchem
Anlächeln der Göttin Fortuna jede« andern Kummer
vergessen und wäre seht mit feinem Schicksal zuftii«
den gewesen.
Robert freute sich nur in sofern, als er jetzt feinem
Pflegevater, dem alten Fiebiger, das Leben behagli
cher machen konnte.
Während der wenigen Wochen, in welchen Robert
im Schweiße seines Angesichts grub, jagte der Haupt
mann, allein oder in Gesellschaft mit Andern, Euro
päern, Amerikanern oder Pikosindianern. NachtS
aber fanden sich die beiden Männer am Fener in der
Blockhütte zusammen, tanschten die Erlebnisse deS Ta
geS gegeneinander aus, oder besprachen Anderes, wel
cheS zugleich ferner und näher lag. Bald machte der
Winter die Arbeit in den Goldgruben unmöglich und
willig ließ Robert trotz seines Glückes Schaufel, Ha
cke und Schwemmpfanne sinken.
Schnell verging die Zeit iu dem Blockhaus und
auf den Winter folgte der neue Frühling.
„Diejenigen irren sprach eines Abends Konrad
von Faber, „welche meinen, die Gesellschaft gehe
durcheinander, wie Moses, Dreck und Coriander.
Es ist Methode in Allem anch darin wie die In»
fusionethiere in einem Wassrtropfen sich gegenseitig
anffressen. Je mehr man daö einsieht, desto weniger
ärgert man sich. Es giebt keinen Menschen in der
Welt, welcher nicht einem andern im Wege steht, und
darin liegt unter Umstände« auch ein Trost, Bob
Da ist Euer und mein Freund Fiebiger in seiner Po
lizeistube ich calculire, der Mann hat Euch öfter
dasselbe gesagt/
„Sie haben Recht, Herr von Faber/ sagte Rober!
seufzend. „Aber es ist doch sehr traurig/
„Bah, das sagt Ihr jetzt, wo Herr Leon von Pop
pen die Oberhand, die beste Karte im Spiele hat
träte das Gegentheil ein, was gar nicht so uninög»
Itch ist, so würde es freilich heißen: Was ist, ist
gut, es ist nicht mehr als billig, daß sich daS Laste,
und der Herr Baron zu dem Spucknapf in die Eck«
zurückziehen/
„Aber Helene 1" tief Robert. „Wcèhalb existiri
sic denn in Eurer harten, selbstsüchtige« Welt? Ich
gebe Euch Recht wir habe« Waffe« und Rüstuug
und sind daher nicht zu bedauern. Aber die Waffen
losen? die Wehrlosen? Sind sie nur ein Spielbav
Derer, die da kämpfen können
Der Hauptmann nickte:
„Ja, da liegt der große Jammer, und weder Fie»
biger, noch Konrad Faber, welche, Jeder auf sein,
Weise, nach der besten Welt gesucht haben, habe» viel
Sinn in dieses dunkle Capitel gebracht. Hat Euch
der Manu im Nikolauskloster, hat Euch Ulex nicht,
darüber gesagt
„Er wies nach {peach: Mcht- «ach de»
Sternen 1*
„So thut das und laßt mich und den Polizeischrei«
ber ungeschoren 1 .... Uebrigenö gehen wir in acht
Tagen nach San Francisco, um Euer Mctall gegen
Wechsel umzutauschen, und dann zu Pferde Ro
bert Wolf I Unsere Zfit hier ist um der Weg nach
Osten ist frei Ihr werdet sehen, Herr, wie solch ein
Ritt über den nordamerikanischen Continent die Brust
frei macht. Nehmt Abschied von den Gräbern, Mols,
und kümmert Euch nicht, wie die alte Frau drunten
in San Francisco, weil Niemand für sie sorgt. Die
stolzesten Grabmäler werden iu den Herzen der Men
scheu erbaut/
Es kam der Tag, wo Robert zum letzten Mal, mit
entblößtem Haupte, unter den drei Riesenfichten stand.
„Lebe wohl, Friedrich/ tief et. „Lebe wohl, Bru
der. Früh haben uns unsere Stfcn/ getrennt hoch
herzig und edel bist Du Deines Weges gegangen
und als ich ein unwissender Knabe die Sterne
falsch deutete, hast Du nicht gelacht und gespottet
sondern liebend hast Du mir auch aus der Ferne die
treue Hand geboten. Körperlich waren wir von eiuan
der geschieden seit unserer Kindheit abet unsere See
len haben sich wieder zusammengefunden, als wit
miedet Mannet geworden waren. Ruhe sauft, Bru
der, ein leuchtend Beispiel sollst Dn mit sein, und
vor jeder Schwierigkeit des Lebens will ich Deinet
gedenken l.... Lebe wohl, Gva, theure Schweflet!
Schwester! Schwester 1 ....'
Thränen erstickten die Stimme deS Trauernden
auf ein Knie ließ er sich neben dem Grabhügel nieder
und beugte tief das Haupt. In Worten ließen sich
feine Gefühle nicht ausdrücken. Konrad von Fabet
beobachtete den juugen Genossen aus einiger Entfer
tiling dann trat er auf ihn zu,
und sanfter alS es sonst
tn seinem Wesen lag, sagte et:
„Laßt es g'nng sein, Freuud. Von den Göttern
wie von den Weibern mag es heißen: ferrum est
quod amat. Die Todten, welche unter diesen beiden
Hügeln, Brust an Brust, begraben liegen wollen
nicht mit weinenden Augen beklagt sein. Erhebt Euch,
wir müssen fort die Maulthiere warten und Loa
toa will Ench Lebewohl sagen/
Einen letzten Blick warf Robert aus die Ruhestät
ten Friedrich's und Eva's dann folgte et festen
Schrittes dem Hauptmann. Abschied nahmen sie von
der Chinesin, die Erbin ihres Hausstandes wurde,
Abschied nahmen sie von den Bekannten, welche sie im
Lager der Goldgräber gewonnen hatten, und in vier
verschiedenen Sprachen wurde ihnen gut Glück auf
die Reife gewünscht.
„Gut Glück auch Euch, Kameraden rief Konrad
von Faber. „Ihr Herren aus Deutschland, England,
Frankreich und Spanien, Ihr Herren Bürger der
Union, Ihr Herren Bürger von Mexiko, gut Glück!
Möge im rechte» Augenblick immer ein tüchtiger Platz
regen auf Enre Tollköpfe und Revolverzündlöcher sal
ten. Lebt so wohl, als Ihr könnt/
Die Männer, welche den Wunsch verstanden,lach
ten. Loatoa vcrgoß einige Thränen am Abend schlu
gen Faber und Robert ihr Lager wohl acht englische
Meilen vom Hawk-Gulch im Walde ans, und in der
selben Nacht wurde von einigen der Gentlemen, wel«
chen der Hauptmann so gute Wünsche zurückgelassen
hatte, der Versuch gemacht, den beiden Reisenden ih
re Reise zu erleichtern und ihnen die Last ihres Gol
des abzunehmen. Es fiel aber kein Regentropfen auf
die Büchsen des Hauptmanns und seines Begleiters
die Herren gaben ihre freundschaftliche Absicht ans,
nachdem etwas Blut geflossen war und zogen sich
fluchend übet die damned Dutchmen zurück. Glück
lich vollcndcten Konrad von Faber und Robert ihre
Reise und zogen wohlbehalten mit ihren Schätzen in
San Francisco ein.
Zweinnddreißigstet Capitel.
Ein Ritt vorn Stillen Ocean zum Missouri Konrad »o«
Fa
der hält abermals eine Rede»
Sie fanden eine vollständig veränderte Stadt. Ei
ne große FenerSbrunst hatte einen bedeutenden Theil
der leichten Bauwerke, Hütten und Zelte verzehrt an
dere Straßen, andere Hutten waren auf Brandstätte
Entstanden. Tausende und aber Tausende neuer Ein«
wanderer waren gekommen es kostete viel Mühe, ehe
die Familie Tcllcring in dem Gewimmel gefunden
war, nnd der Zufall mußte beim Auffinden derselben
das Beste thun. Bis an die Zähne bewaffnet, als
eifriges Mitglied des Vigilancecomitees begegnete
Master Ludwig den beiden Reisegcnossen auf der
Plaza und sprang mit lautem Freudenruf ihnen ent
gegen. Die wichtigsten Erlebnisse tauschten sie gleich
auf der Straße aus ach, was Robert zu sagen hat
te, ließ sich zuerst durch einen Seufzer, einen stum
men Händedruck Ludwig's beantworten.
„Komm zu meiner Fran o komm sogleich zu Ma«
rien/ rief der jnnge Meister dann und eilte den Bei
den voran, den Weg zeigend.
„Die ganze Stadt scheint ja unter Waffen zusein.
Was ist denn los, Telleri ig fragte der Haupt
mann.
„Wir sind in einem neuen Lande/ sagte Ludwig
achselzuckend. „Viel Menschen uud etwas zu wenig
von dem, was wir daheim zu viel haben, Polizeige
setz Man sucht sich eben seiner Haut zu wehren, Je
der steht Wache vor seiner Thür, und die Einsichtigen
vereinigen sich znr gemeinschaftlichen Abwehr von
Willkür und Ranbsucht. Doch da sind wir, und da
ist Marie mit dem Jungen, und da ist die Alte 1*
Es ist ei» eigenes trübes, wehmüthiges Gefühl, sel
ber heimathlos in einem wohlgegrundeten, woblbe
schützten Heimwesen freundlich, herzlich empfangen zu
werden. Robert Wolf empfand daS recht, als ihm
Marie Tellcring mit ihrem Kinde aus dem Arm ent
gegen eilte, als ihm die Mutter Anna abermals treu
herzig die Hand drückte.
Weinend ließ sich die kleine Frau des Freundes
vom Ende ihrer einstigen Herrin erzählen, und woll
te sich anfangs aus seine Weise zufrieden sprechen las
en.
„O wer hätte das gedacht, wenn wir sonst nach
dem Theater spät zusammen saßen in der Lilienstraße
und von der Zukunft sprachen. Und ich habe sie vcr
lassen müsse» in ihrer höchsten Noth, und sie hat mich
doch aufgenommen, als ich freundlos und hungrig
war. Sie hätte mich nicht verlassen ach es war
schlecht, schlecht, schlecht ton mit ach, hätt' ich es
mit anders machen können/
„Sie haben gethan, was Sie konnten 1* tief Ro
bert. „Gott segne Sie dafür. Sie haben sich sei*
nen 93onr»tf zu machen, und dürfen sich Ihr Glück
nicht durch solche Gedanken verbittern/
„Ich konnte ja auch nicht anders, nicht wahr, Du
kleines Herz schluchzte die junge Mutter, ihr Kind
küssend und aus tiefster Bckiimmerniß zum hellsten
Jubel übergehend. „Da sehen Sie ihn, Robert, sc»
hen Sie ihn, Herr Hauptmann, ist es nicht ein Lieb
ling? Und er hat seines Vaters Augen und ganz sei
ne Nase obgleich Ludwig es nicht zugeben will. Ach,
ich habe ihr nicht helfen können, und sie hat ohne mich
in der Wildniß liegen und sterben müssen. Herr
Wolf, wie oft wache ich auf in der Nacht, uud denke,
sie hat mich gerufen wcnn ich die Wiege nicht
neben meinem Bette hätte, ich müßte mich todt wei
nen vor Kummer und Schmerz. O nicht wahr, es
ist nicht meine Schuld, daß ich sie verlassen mußte
Immer von Neuem mußte Robert, mußten Lud
wig und die Mutter der bekümmerten kleinen Frau
wiederholen, daß es nicht ihre Schuld sei, wenn die
arme Eva Wolf ans ihrem Sterbebette iu der Wild
»iß von Nuba-Counly nicht von ihr gepflegt wurde.
Noch einige Tage brachten Konrad von Faber und
Robert im hause der wackern Freunde zu dann wa
reu die Geschäfte besorgt, das Gold umgesetzt, und
Alles bereit zu dem langen beschwerlichen Ritt nach
Missouri. Vergeblich hatten sie auf der Post nach
Briefen gefragt keiner der Dampfer, die in das gol
dene Thor eingelaufen waren, hatte Nachricht von den
Freunde» iu Europa gebracht.
Bitter war die Abschiedsstuude aber auch sie ging
vorüber tausend ausgesprochene und unausgespro
chene Grüße an die alle Heimath jenseits der großen
Wüsten und Wasser trugen die beiden Wanderer mit
von bannen.
Aus Nimmerwiedersehen sagten sich die beiden
Freunde auS der Musikautengasse jetzt Lebewohl aber
auch sie hatten sich gegenseitig von ihrem Wesen so
Co Iambus, O., Donnerstag. lO. September 186 3.
viel mitgetheilt, dah sie doch immer unauflöslich mit
einander verbunden waren.
Am letzten April befanden sich die beiden Reisen»
den in Placerville, welches damals noch Old Hang
town hieß. Bergauf und bergunter hinab in die Ebe
nen zum Carsonfluß. Da ist Ragtown die Lum
penstadt, deren Häuser aus den zerbrochenen Wagen
und zerfetzten Wagendecken der Emigranten bestehen.
Schrecklich deutlich ist der Weg über die Wüste vor
gezeichnet. Knochen von Pferden und Lastthiereu,
Gräber, umgestürzte Karren, zerbrochene Ochsenjoche
und Wagenräder, zertrümmertes Geräth bezeichnen
den Pfad, aus welchem der Strom der Abeutei ?r in
das Goldland hiueinfluthet. "Foot and Walter's
line" nennt ber Hauptmann ingrimmig und ironisch
diesen Pfad, als er schwitzend unter der glühenden
Sonne seinen Gaul am Zügel durch den Alkalistaub
am Humboldtfluß nach sich zieht. Noch ist die Wü
ste menschenleer, denn es ist noch früh im Jahre, und
die kommenden Emigrantenzüge haben die regennass
sen Prärien von Iowa nach Missouri noch nicht pas«
sirt. So sind denn Wolf und Geier die einzigen le
benden Wesen, welche den zwei Reitern in der Einöde
begegnen. Wiede^folgen große Wiesen auf deu dür»
ren Sand herrliche Jagdzründe, wo Konrad von
Faber und Robert eine lange Rast halten, und wo
der Hauptmann dem jungen Schützen aus dem Win«
zelwalde zeigt, wie man den Büffel jagt. Vorwärts,
vorwärts seltsame Felsenkolosse erheben sich am
Horizont gleich einet zerstörten Stadt der Riesen
steigt Castle-Rock vor den Wanderern aus.
Am vierten Juli stieg mitten in der Prärie Kon
rad von Faber vom Pferde, knieete nieder und legte
das Ohr ans den Boden dann forderte er den Be
gleitet auf, dasselbe zu thun. Ein dumpfer Hall auS
unendlicher Ferne schien sich unter der Erdc fortzu
pflanzen bis zu den beiden Lauschern.
„Es ist die Kanonade von Fort Laramie/ sagte
der Hauptmann. „Sie feiern den großen Festtag der
Union. Zu Pferd, zu Pferde, Mann noch für im
berechenbare Zeit liegt mehr Bedeutung in dem Stu
dium der Fortpflanzung des Schalles am Boden, als
in der Frage nach der rechtlichen Ursache, mit welcher
die Besatzung von Laramie ihre Kanone» losbrennt
und sich im Regierungswhisky betrinkt/
Sie ritten weitet und tasteten einige Tage in dem
Fort Onkel Sam's. Sie ritten weiter und lagen
noch manche Nacht einsam an einem Feuer von „bus
salo.chips/ Sie ritten über die Platte, erreichten
die hohe Säule Chimncyrock, den Wegweiser nach
Kalifornien. Bei Courthouserock inmitten blumiger
Prärien trafen sie auf den ersten, ihnen entgegenkom
menden Emigrantenzug. Reiter und Wagen Man»
ner, Weibct, Kinder durcheinander, wälzte es sich ih
nen entgegen aus dcm Osten, einet Völkerwanderung
im Kleinen gleich.
Manch eine hastige Frage nach dem Wege, nech
den streifenden Jndianerhorden wurde von ängstlichen
Frauen und hagern, sonnegebräunten Männern an
die beiden Wanderer gerichtet. Bericht gaben sie,
und ernst und traurig sah Robert Wolf, an den Sat
tel seines Pferdes gelehnt, den müden bestaubten,
goldgierigen Menschenknäuel an sich vorüberziehen.
„Ach es ist eine schreckliche Wahrheit gegeben wird
uns das Leben aber es zu erhalten ist unsere Sache.
Ist es ein Wunder, wenn uns über dem grimmigen
Kampf um die Existenz die Freiheit verloren geht?
Da werden sie hingewirbelt von Noth und Sorge,
vom Sturm der Leidenschaften. Wie Wenige sind
stark genug, sich dem Wirbel zu entziehen. Der
Staub, den ihre Füße aufregen, blendet ihre Augen,
und zieht sie zu Boden. Wehe, wie Wenige erken
nen durch den Dunst und Nebel die hohen Sterne, die
auf ihrem Wege leuchten!"
Sie stießen noch auf manchen ähnlichen Abeuteu«
rerzug, und auf manches frisch am Wege aufgewor«
fene Grab, ehe sie die Wälder, die deutschen Ansied
lungen am Missouri erreichten. Eine lange Zutrit
ten sie mit einem Geschwader Pawneekrieget, welche
dem Grabe eines verehrten Häuptlings einen Besuch
abgestattet hatten, und welche jetzt nach ihren Jagd
gründen heimzogen. Wie ein traumhaftes Wunder
erschien es Robert, als et einige Tage später an der
Seite des Hauptmanns in ein vollkommen deutsches
Dorf hineinritt, und am Abend^im'Wirthshans deut»
sche Bauermädchen und Bauerbursche nach deutschen
Tanzweisen sich drehen sah. Im Drachen zu Hiko
tihflusen in Missouri ging's eben nicht anders zu, als
im Drachen zu Poppenhagen im Winielwalde, und
der Hauptmann von Fabet lehnte die Büchse in die
Ecke, ließ sich höchst behaglich zwischen einer Gruppe
mächtig schmauchendet Altväter und Leib^iichter nie
der, schlug seinen Reisegenosscn auf hje Schulter uud
tief:
„Nun, mein Junge, da? Schlimmste haben wir
hinter uns. Wenn sie itnS nicht mit einem ihrer sa
tanischen Missouri- oder Mississippidampfer iu die
Luft fliegen lassen, so haben wir gegründete Aussicht,
gesund und nicht dümmer in New-Orleans anzukom
men/
Die beiden Reisenden fuhren nach einigen Tagen
auf dem Dampfboot Ellen Chittenden stromab den
Missouri und blickten vom Verdeck anf die gelben tan
zenden Woge».
Dreiunddreißigstes Capitel.
Robert Wolf beschleunigt seine Heimreise der Autor deglei
et ihn und nimmt Abschied von zwei Personen, welchen er in
verschiedener Weise wohl will.
Der Missouri ergoß seine schlammigen Flnthen in
die noch schlammigeren des Mississippi, ui.d die
Schaufelräder der Elle« Chittenden spritzten durchaus
keine Diamantentropfen in die Luft, als das Schiff
mit übergroßem Geschnauf und Geqnalme ans dem
einen Strom in den andern brauste. St. Louis war
um diese Zeit aus einem jammervollen Fieberneste
eine blühende Stadt von fünfzig bis sechstausend
Einwohnern geworden, und als eines Abends unsere
beiden Reisenden daselbst landeten, fanden sie sich so
gleich mitten im verwirrendsten Getümmel eines be
deutenden Handelsplatzes. Steckten nicht am Ufer die
Alligatoren ihre unförmlichen Köpfe aus dem Was
set, und trieben nicht diese ricsenhaften Baumstämme
ans den nicht allzufernen, »»gelichteten Wäldern mit
ten in die blühende Civilisation hinein so könnte
»ian wirklich meinen, dieses ganze Leben schreibe sich
nicht von gestern her, sondern datire seit wenigstens tau
send Jahren. Aber neu war Alles hier neu waren die
Häuser ungemein neu waren die deutschen Einwan
derer in den Gassen das Weiteste, was es in St.
Louis zu geben schien, waren die Gesichter der Dan
keekinder, welche am Landungsplatz der Dampfschiffe
von den Armen ihrer Mütter und Wärterinnen die
Ankommenden mit'^nußknackerhaft-spckiilirendcni Au
genzwinkern anstarrten. Diese vielversprechenden
Säuglinge und ealomelfarbigen Natives schienen be
teils das eindringende deutsche Element vergiften zu
wollen aber es ließ sich weder durch Blicke noch durch
andere Mittel vertreiben. Es war einmal da, wuchs
täglich mehr an, und die salzsauren Quecksilbergosich
ter mochten sich crboßen, wie sie wollten. Nirgends
im ganzen Gebiet der Union schien das „Vaterland^
so festen Fuß fassen zu wolle» wie a» dieser Stelle.
Man |ah fast mehr deutsche, als amerikanische Fir
men an den Häusern. Jedes Schiff, welches von
New Orleans herauskam, brachte neue Einwanderer
aus dem alte» Lande zwischen den Vogesen und der
Weichsel mit, und jede» Dialekt der dialektreichen
Hciniath konnte man in de» Gassen der jungen Stadt
Saint Monis hören.
Konrad von Faber machte den Reisegefährte» ans
alles das aufmerksam, uud dann nahm ein deutsches
Gasthaus, „Zum Vater Rheni/ die beide» Wande
rer auf. Nach einem kurze» Mahl warf sich Robert
todtmüde auf sein Bett und versank sogleich in den
tiefsten Schlaf während der eiserne Hauptmann,
auf welchen die Tausende von Meilen vom Saera»
mento her nicht den mindesten Eindruck gemacht hat
ten, sogleich wieder zur Bar, dcm Schcnkstand, hin
unterstieg, um sich die Leute daselbst näher anzusehen,
nach Bekannten umzuschauen und die Stadtneu«
igkeiten zu erkunden.
Von oben bis unten war das Haus voll. Alles,
was es unter des durchlauchtigsten deutschen BundeS
schützenden Privilegien nicht mehr aushalten konnte,
schien sich hierher geflüchtet zu haben. Die Einen nah«
m. s.
men die Sache leicht, die Andern aber leider desto
schwerer. Manch' wilder Jauchzer durchschallte daS
leichte Gebäude aber auch manchem bleichen, sorgen
vollen, abgeängstetem Gesichte begegnete man auf der
Treppe, oder in den Gängen. Die Nationen, wel.be
in der Kneipe niedersitzen, die Röcke abziehen und
die Ellbogen auf den Tisch stemmen, sind politisch nicht
die Gefährlichsten. Was würde aus dem s. v. eben
genannten deutschen Bunde, und Denen, welche an
seiner Erhaltung ein Interesse haben, werden, wenn
der beschränkte Unterthanenverstand anfinge, feinen
unbeschränkten Durst im Stehen zu löschen?
Gottlob, noch sitzt der germanische Christ selbst in
Amerika beim Bierkrug, und so gab es denn auchjitn
»Vater Rhein* ein echt deutsches Gastzimmer, in
welchem! nur die obligaten Bilder der respektiven
Landesväter, Mütter»,Onkel», Tanten», Neffen« und
Nichten fehlten, um die Illusion daß man sich mit«
ten iiiitet den rührenden gemüthlichen Institutionen
der Heimath befinde, zn vervollständigen. Daß der
Wirth, statt der Portraits der heimathlichen Poten»
taten und Potentatinnen ein Bild Robert Blum'S
über einer Lithographie, die Stadt Kirchheim unterm
Teck darstellend, mit einem Blumenkränze geschmückt
hatte, zeugte freilich von einem sehr schlechten Her»
zen und höchst verderbte» politischen Anschauungen.
Schwarzgeräuchert waren selbst in der neuenStadt
Saint Lonis die Wände und die Decke des Gast»
zimmers, und undurchdringliche Rauchwolken füllten
den Raum, wie überall an allen Orten, wo daS deut»
sche Volk sich zum Trunk versammelt doch wurden
hier mehr Doppelbüchsen als Regenschirme in die Ek«
ken gestellt, und man sah über keiner geheiligten Thür
das niederträchtige Wort „Honoratiorenstube* grin
send Dummheit und alberne Abgeschmacktheit beschei
nigen.
Die Gaslichter brannten bereits in dem nebeligen
Raume, als Konrad von Faber eintrat, und sich vor
einem Schoppen schäumenden Bieres niederließ. (Stoß
war der Lärm der anwesenden edeln Bürger, und
vorzüglich in der entgegengesetzten Ecke deS Gemaches
ging es hoch her. Dort jubelte, lachte und klatschte
man Beifall und drängte sich in einen dichten Kreis
nm einen, dem Hauptmann nicht sichtbaren Jemand,
welcher die Aufmerksamkeit der lustige« Ecke seht zu
fesseln schien, und in der Mitte des Kreises ungemein
geistreich und spaßhaft sein mußte.
Der Hauptmann, nachdem er einem armen Teu
fel aus dem glücklichen Lande Mecklenburg einen
Schoppen gezahlt hatte, hielt es natürlich für feine
Pflicht, zu erkunden, was es in jener fidelen Ecke gä
be. Er erhob sich, näherte sich jenem Kreis und legte
seinen Bart über die breite Schulter eines Jowa-Far
mers, der sich einen vom donnernden Lachen erschüt
terten respektablen Buch hielt.
Nach einigen Augenblicken vetwnndentngSvollen
Horchens rief Kourad von Faber:
.Ist es die Möglichkeit?! Bei allen Mächten, er
ist es
Ueber die Schulter Jowa»FatmetS fuhr bet
Arm deS Hauptmanns, und das witzige Individuum
inmitten des entzückten Kreises fühlte sich plötzlich,
aller republikanischen Bürgerwürde zuwider, von ei
ner kräftigen Faust beim Kragen gefaßt und vom
Stuhle iu die Höhe gezogen.
„Bei Allem, was anf dem Kopfe steht und auf dem
Seile tanzt Schminkert
Im unerquicklichen Schlaf lag Robert Wolf.
Durch feinen abgespannten Körper zuckten leise Fieber«
schauer. Es war der Zustand, in welchem man trotz
übergroßer Müdigkeit das Bewußtsein seiner Existenz
Lage und Umgebung nur halb verliert. Zuletzt war
sein Schlaf ruhiger und fester, und er hörte nicht die
Schritte, die sich seiner Thüre näherten, er vernahm
nicht das Kreischen des Schlosses, empor fuhr et erst,
als Konrad von Faber seine Schulter berührte, uud
der Schein des Lichtes, welches der Hauptmann hielt,
ihm voll ins Gesicht fiel.
,Ste sind es? Was giebts? Ist's Zeit, anfzubre»
chen? Hab' ich in den Tag hineingeschlafen?*
.Robert/ sagte der Hauptmann mit etwas zittern»
der Stimme „Robert, während der Mensch schläft,
schnurren die Räder, und laufen die Fäden über die
Spule. Es ist so,wie ich sagte,: der Grashalm, wel«
cher aus der Wiese nickt, glaubt allzu oft, er sei der
einzige, mit welchem es der Wind zu thun habe. Ja,
Herr, Ihr habt in den Tag hineingeschlafen! 'S ist
ein Glück, daß Ihr Euch in Wamms nnd Hosen zu
Bett gelegt habt. Zieht auch die Stiefeln an, Mann,
nnd Sie Schminkert, treten Sie vor, und illnstriren
Sie diesem hier die große Lehre von ter Solidarität
der menschlichen Interessen nnd Schicksale. Nachher
wollen wir ihn mit dem Zeugniß der Reife auf's
Schiff packen und nach Hanse schicken. Er hat sich
über seine Sterne nicht zu beklagen was meinen
Sie dazu, Herr Schminkerl?"
„Schminkert ?1* Robert Wolf starrte auf die attS
dem Schatten hinter dem Hauptmann hervortretende
wohlbekannte Figur wie auf eine Geistererscheinung,
uud Julius der Edle, der, wie wir wissen, nicht leicht
sich in Verlegenheit bringen ließ, sah bei diesem uu»
vermutheten Wiederfinden auch grade nicht aus, alS
ob er alle fünf Sinne richtig beieinander habe. Der
Eine rieb sich die Stirn und die Augen der Andere
wühlte in den Haaren, Beide sperrten den Mund auf.
.Der Sohu der Wildniß! Robert Wolf! Gr ist
es wirklich o Musikaitteugasse und kein Ende. Ca»
pitain, er ist es et ist es wirklich nnd wahrhaftig/
.Iu Ii u6—Schmin fett* stammelte Ro
bert.
»Ja, Julius Schmin fett rief der Schau
spieler, Parfumerichändler und Gatte der holden An
gelika. „Ja ich bin's, bin's, den Mörder Bruder
neu Julius Schminkert in ganzer Figur
angehender amerikan'scher Bürger und angegangener
ersterLiebhaber am weltberühmten, gloriose», sternen
banneriimflatterten deutsche» Universaltheaterzn Saint
Louis am Mississippi, unter der hinimelanstürmen
den Direktion des Eigentümers Signer Giuseppe
Leppelli so los sal I*
Empor von seinem Lager sprang Robert Wolf,
bärtig, hager, gebräunt, im zerrissenen Jagd- und
Reisegewand.
.Schminkert! JnliuS Schminkert!*
,Ganz backwoodsmannhaft rief der Tragöde, dm
Genossen früherer Tage von oben bis unten musternd.
Etwas schmutzig, aber moeeasinhaN praktisch! Neue
sie Urwaldöfavon büffelartig elegant/
Mit beiden Händen faßte Robert den Schauspieler.
„Schmittkerl Julius Sie sind es! Wie
kommen Sie hierher? Wann sind Sie gekommen?
Was hat Sie herübergeführt? O sprechen Sie
wie steht es drüben sagen Sie, sagen Sie/
Euer Erstaunen, mich hier zu finden, ist völlig be
rechtigt ich wuudere mich immer noch stellenweise
selber darüber. Es war einmal an meiner Wiege ge»
snngen, junger Welinmwandler den Einen zieht das
Schicksal an der Nase, dem Andern stößt es die Faust
in die Rippe
Ich bitte Sie, ich beschwöre Sie, Schminkert--^*
Nut Ruhe! Drücken Sie mir das Schulterblatt
nicht ein. Lassen Sie los Donnerwetter, we are
in a live country
„O reden Sie, Julius, erzähle» Sie, spannen
Sie mich nicht auf die Folter wenn Sie wüßte«
was macht
„Die hohe Obrigkeit nnd pflegeväterliche Sicher
heitsbehörde Danke für gütige Nachfrage— großer
Tabackseonsnm, höchst^errissene Hausjacke pslizei«
lichc Nascwcisheit in schönster Blüthe/
„Uud der alte liier 7" schrie Robert, dem mittet»
besterlichen Julius in alter Weise die geballte Faust
unter die Nase haltend.
„AstronomissimnS lautete die Antwort. Ein An»
ge hat er auf, eins hat er z». Mit dem offenen sieht
er dnrch's Fernrohr nach den Sternen das zngeknis
fene Sehorgan aber richtet er auf das irdische Jam
merthal. Origineller alter Maiterkau^/
(Fortsetzung folgt.)
Ein Bauer, der sich zum erstenmale in Wien
befand, wurde vou seinen dasigen Verwandten überall
herum geführt, und man zeigte ihm alle schönen Ge
bände. Endlich sagte et: Das ischt Alles recht schön,
aber, ich bitte, zeigen Sie mir auch das Haus Oes
terreich.
DER WESTBOTR
E I N A I I S
PUBLISH ER&
TERMS:
S,oe »er fear, InvarlaMy la
Der Krieg!
Von unserer Streitmacht vor Charleston fehle»
alle weiteten Nachrichten. Die Antwort deS Gen.
Gillmore auf Beauregard's Zuschrift, worin er gege»
die Beschießung von Charleston protestirt, liegt
vor. Gillmore antwortet, daß die Einwohner »Ott
Charleston seit 40 Tagen mit der ihnen drohenden
Gefahr bekannt waren, wenn sie sich derselben trotz
dem aussetzten, so sei das ihre und nicht seine Schuld.
Außerdem haben ihn alle Nachrichten zu dem Glau«
ben veranlaßt, daß die meisten Frauen und Kinder
längst Charleston verließen, da jedoch Beauregard
versichere, daß die Stadt immer noch mit Frauen und
Kindern angefüllt sei, so wolle er das Bombardement
bis 11 Uhr morgen (23. August) einstellen. Wie es
scheint, sandten auch die verschiedenen Eonsule In
Charleston eine Zuschrift an Gen. Gillmore und bit»
fee stellte auf ihr Verlangen bereitwillig daS Bomba»»
dement für 24 Stunden ein, um ihnen Zeit zu geben,
die Unterthanen ihrer Regierungen auS der Stadt zn
entfernen. Er versichert, daß eS nicht im Entfernte^,
ften feine Absicht gewesen fei, die Leben und dal (Sf|
genthum derselben zu gefährden. &
Burnside'S Armee maifchitt auf Kingston
Iis
und hofft mit dem Gen. RoseetanS zusammenwirken»
die Rebellen auS Ost Tennessee zu treiben.
Alle Nachrichten von dem Bottücken des GM
Lee erweisen sich alS telegraphischer Wind.
Kriegsminister Stanton hat den General-Ouar«
tiermeistet MeigS, den Gen. Riply, Chef des Geschütz»
wesenS und den General StaabSatzt Hammond a|#
gesetzt.
Gen. Mannadnke'S Rebellen Streitmacht
Arkansas soll von den Unftigm völlig in die FluM
geschlagen und zerstreut worden fein.
Ein Brief von Memphis widerlegt die Nachricht
von der Ermordung deS Rebellen «Generals Pember«
ton aber feine Offiziere und Leute schworen, daß
ihn tödten werden. Er wurde unter starker Bew
chung »ach Richmond gebracht. z»
Das Dampfschiff Vivian von Mobile auS m6
Baumwolle beladen ui.d nach Havanna unterwegs »A
von unseren Blockade-Schiffen erwischt worden.
Das Bombardiren der Rebellen Forts im Hase»
von Charleston wird immer noch sortgesetzt. FoH
Sumter antwortet nicht mehr, aber auf seine» Ruè»
um weht immer noch die Rebellenfahne. Ein FahtB
drich unserer Flotte, der Wachtdienste versah, hatt£
ich in der Nacht biS dicht vor Charleston vorgewa«
und fand keine Hindernisse. Man glaubt, daß dl
Stadt durch einen plötzlichen Angriff genommen weG
den kann.
Gillrnore'S Vorposten sind so nahe an Fort ffiaj»
uer, daß sich die Leute gegenseitig mit Granaten b*
werfen. Am Mittwoch trieben wir die Rebellen aus
unseren Schützengraben und nahmen 78 gefangen.
Eine Expedition von Flnß-Dampfböten, die nach
irgend einem Punkte am Golf bestimmt ist, ist f«fe
gelfertig. Gen. Grant ging am 31sten von BickßbuM
nach New Orleans.
SoldateSka in Süd-IllinoiS. —Ein Coß»
respondent von Williamson County gibt eine schreO»
lichc Schilderung der Leiden, welchen jene® CounD
Tcit mehr als vier Wochen unterworfen war. Vi«
oder fünf hundert Mann Soldaten sind seit ditfflt
Zeit dort einqnartirt und haben alle Unthaten verüb^
deren eine gottvergessene Bande fähig ist sie ha
ben, heißt'eS, bei unsern Bürgern fouragirt, unser EP
genthum gestohlen, unser Vieh getödtet, unser Volk
gemobt und unsern Weibern in der schändlichstM
Weise Gewalt angethan. -C
Sie sind zu 6 bis 300 dutch daS County gezoge»
und haben ihre Pferde gefüttert, ohne einen Gedank«
an eine Entschädigung, gewöhnlich haben sie doppekt
so viel Futter verdorben, als sie brauchten und habe»
unsern Weibern und Töchtern unter Fluchen Befehle
ertheilt, als wären sie ihre Sklaven. Sie haben vie?
le Häuser geplündert und Geld und Kleider mttgD
nommen. In Blairöville haben sie einer Frau, dO
ren Mann in der Armee ist, alles Geld gestohlen urifc
das war gerade das Geld, welches ihr von ihre«
Mann geschickt worden war. Wenn sie durch das
Land reiten schießen fie auf daS Vieh zum bloßm
Zeitvertreib.
Um Mitternacht kamen sie zu den Wohnnngen von
zwei Bürgern, schleppten sie in den Wald und sagte»
hten Familien, sie werden sie hängen, sie zogen ftc
an Stricken auf Baumäste empor, so daß sie den
den nur noch mit den Zehen berühren konnten du.
ganze Commando umstand sie mit gespannten Hah»
nen und einem Gejell wie Dämonen. Endlich vew
banden sie ihnen die Augen, banden ihnen die Hand»
auf den Rücken und ließen sie im Walde allein.
Eine Abtheilung trieb all. Insassen deS Atmen»
Haufes hinaus bis auf eine Weibsperson, de, fie W
der brutalsten Weise Gewalt anraten.
Ueberau' uud bei allen Gelegenheiten haben fieun»
sere Bürger.bedroht und beschimpft und geschworeH
daß das County keine $50 mehr werth sein soll, wen»
sie es verlassen.
Nim kommt die Erzählung, daß der CommandeuM
Maj. VierS, in Anklagestand versetzt worden self
,r hat sich auch zum Schein gestellt, aber sogleich er»
schien seine Bande nnd nahm zwei Jurymänner als
Gefangene mit sich fort, bon denen man seit jener ZeA
nichts mehr gehört hat. Der Schreiber bemerkt da»
zu, wofür das AlleS sei, da wir in Illinois doch kei»
nen Krieg habnu (Peoria Dem.)
Ein Herzog verklagt eine Eisenbahn.
Die Chicazo Union schreibt:
Am Montag reichte Karl, Herzog von Brauch»
schweig (der weggejagte) in der Ver. Staaten'CireM
Court eine Klage gegen die Chicago Burlington un|
Quincy Eisenbahn Compagnie ein, und verlang^
zugleich eineInfunktion gegen die Bahn. Die He£
ren Royes und Traey von New Aork und Coveutch
und Rountru von Chicago sind die vom Herzog mM
der Führung des Prozesses betrauten Advokaten. Jt
In der Klage wird gesagt, daß der Kläger im JaW
re 1855 für 125,000 Bonds der Northern Crojj»
oder Chicago und Qmncy-Eisenbahn zu par fanftfc
Die letztere Compaziiie hatte sich mit zwei a»de«
Eisenbahn Compagnien, der Central Military Track
Eisenbahn Co. und der Chieago Aurora Eisenbahn»
Comp, vereinigt, um auf gewisse BondS, datirt de»
1. Januar 1855 Geld aufzunehmen. Diese BondG
waren zahlbar gemacht am 1. Januar 1875, mit
Procent Zinsen, zahlbar halbjährlich in Pari» m#
bei den Banquiers Dunean, Sherman und Co. i»
New York, am I.Januar und 1. Juli eines jede»
JahieS, oder nach Belieben der Inhaber der BondG
in Frankfurt am Main. Die Bond« heißen „Dil
Northern Croß Eisenbahn Bonds der 2. Hypothek#
und wurden im Betrag von einer Million Doll. veO
kauft, und der Ertrag zum Bau der besagten Not»
«Hern Croß Eisenbahn verwandt daS Capital nebA
Zinsen wurde jedoch kontraktlich von der Central MA
litary Tract nnd der Chieago und Aurora GiseubahW
Compagnie garantirt. I
Darauf hin kaufte der Kläger im Jahre 1855 12$
Bonds zu je 81000, zu par, und ist jetzt noch EigenD
thümer derselben nebst den betreffenden ZinScouponDh
welche feit dem Jahre 1857 fällig sind. Diese Zin»
sen, welche vom 1. Januar 1857 bis zum 1. JuW
1803 verfallen sind, betragen $05,000 und hat der
Kläger, da er nicht im Stande war, dieselben zu kol«
lektireu, diese Klage anhängig gemacht.
Tomatoes gegen Diarrhoe. DieseFruch
welche gegenwärtig in großer Menge nnd mit viel
Leichtigkeit erhalten werden kann, besitzt solch vo'tres
liehe medizinische Eigenschaften, besonders gegen chr
»ische Diarrhoe, daß wir zum Nutzen unserer LesG
sowohl hier wie auswärts nnd in der Armee, wo dieM
se Krankheit so häufig vorkommt, hier ei» Recept vers
öffentlichen, das niemals seine Wirkung verfehlt ha«
Man nehme so viel von dieser Frucht, rote ein Man
bei einer Mahlzeit essen kann, würze sie mit Presse
Salz nnd einigen Zwiebel» und lasse dieselben
etwas Wasser auf einem gelinden Fener verdampfen
biö sie gar gekocht sind. Man nehme von den al
Vibereiteteii Tomatoes täglich 3 Portionen und
hartnäckigste Krankheit wird dadurch in kurzer ZeD
gehoben werden.
Ein überaus höflicher Ceftreicher schrieb a»
Schlüsse seines Brieses: Entschuldigen Ew. Ereellenz^
wenn ich bei der heutigen drückend heißen Schwüle 0»
Sie in Hemdsärmeln schreibe/
t:
S

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