OCR Interpretation


Der westbote. [volume] (Columbus, Ohio) 1843-1871, September 17, 1863, Image 1

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn85025947/1863-09-17/ed-1/seq-1/

What is OCR?


Thumbnail for

».«Der W estbst^-
tzerautgegedea ten
IO* Pr«t4 to ZahrM»»»« M« *e*wt« 3 e i »I w
U»ra»«b«iahl«»t.
JO* auf da» 8Utt H**qi *W beachtet etrtts, w«*e
ßât »tnijsttnl btr Bttree für 6 Ttenalt 1) beigefügt 1st.
Die Leute aus dem Walde,
(|t( Ster«e,Wege «ud chicksale.
Ei« Roman ton Wühe!« Raade. (3 et ob ScremaS.)
(gertsepung.)
Mit den Zähnen knirschend ächzte Robert:
„Und daS Freifräulein von Poppen 1"
„Etwas wackelig sonst aber ausgezeichnete Ver«
bauung und gutes Befinden. Demnächstige Erbin
der Trafschaft DingSkirchen, Baronie Poppenhcf da
herum drüben na, Sie wissen ja, irgendwo im
Winzelwalde/
Wieder faßte Robert den Arm de« Schauspieler«:
„WaS sagen «Sie da? WaS ist geschehen? Ist die
Baronin von Poppen todt 1"
JuliuS Schminkert schüttelte den Kopf:
„Apoplektische alte Dame Kronenstraße ff um
«tr Fünfzig Schlaganfall. Als ich die Ehre und
HsS Vergnügen hatte, ans der Heimath zu verduften,
Mte sie noch/ ,,
^Jhr Sohn? Ihr Sohn rief Robert Wolf, auf
Inn Füßen schwankend. ,8eon von Poppen wo
ist ihr Sohn Leon V
.Der Racker!" schnarrteJuliu« Schminkert grim
«ig, doch setzte er sogleich besänftigt hinzu: „Na, da
a die Suppe, die er sich einbrockte, ausgelöffelt hat,
fr wollen wir weiter nichts mehr darüber sagen. Mor
Und est mausetodt 1*
Wenn auf Joseph Leppel'« tranSatlanttschem Um«
«erjal-Riesen«, Roß. und Alligator-Theater Hamlet
der Däne den Schädel Yorik's deS Spaßmachers wog
und seinen einstigen Hirngehalt taxirte, so nahm
ganz die unmögliche Stellung an. in welcher JuliuS
Schminkert sich der letzten tragischen Nachricht ent
äußerte. Die Nachricht konnte dadurch aber nicht«
dvn ihrer Wirkung verlieren.
»Steht fest, Mann 1' rief der Hauptmann von
Faber aber Robert Wolf saß bereit« auf seinem
Bette.
»Ja, e« ist furchtbar, da« Blut eine« Nebenmen«
fthen auf der Seele zu haben/ sprach Schminkert
h«hl.
Sie Sie haben
„Nein, Robert Wolf ich habe ihm bloß eine sei
ttet Unverschämtheit angemessene Tracht Prügel ge
geben. Gehauen habe ich ihn. bis er kein Glied mehr
führen konnte aber im Grunde meiner Seele bin ich
doch ein zu guter Kerl, um meine Kompetenz als be
leidig!« Ehemann so weit zu überschreiten. Höchst
tragische Geschichte Stoff zu einem Dutzend Trau
«spiele. O die Handschuhe, die Handschuhe, die
«laceehandschuhe, Robert 1 Wissen Sie. man probirt
so lange, bis sie passen. Fluch und Verdammniß 1
Hohngelächter der Hölle
.Ruhe, Ruhe. Robert!' rief der Hauptmann ven
§pber. „Und Sie, Schminkert/ wandte er sich dann
0, den leichtfertigen Deklamator, ,ich bitte Sie jetzt
inständigst, ernste Sachen ernst zu behandeln. Sie
lennen die Verhältnisse Wolf'S Sie wissen, wie sehr
er bei Dem, was Sie uns zu erzählen haben, bethei«
ist wenn Sie sein Freund sind, so reden Sie wie
«ân Mann und nicht wie ein Tollhäusler/
.Ich bin sein Freund 1
Habe ich ihn nicht miter*
Ihnen den Gefallen thun, Hauptmann ich will ru
hig sein, ruhig trotz aller wogenden Weltmeergefühle.
Setzen Sie sich, Kapitän, und beantworten Sie mir
gefälligst die Frage: Sind Sie Vater? Haben Sie
einen Sohn
.Nein, bet allen Teufeln, «tin, nein 1* ächzte Kon«
Wd von Faber.
.Gut, Sir wenn Ihnen aber einmal einer vom
Gimmel geschenkt werden sollte, so nennen Sie ihn
tun des Himmelswillen nicht Julius. Ich habe
Manchen Julius gekannt aber nicht Einen, welcher
»icht zum ungeheuerlichsten Peck prädestinirt gewesen
Wäre.
Ueberall, wo sich die Jnliusse hinsetze«, blei«
ten sie
kleben. Wo alle Friedriche, Heinriche und so
Weiter
frei durchgehen, da bleiben die Juliusse neun
Oal unter zehnmal hängen und lassen Haare und
Wolle. Wenn ein Frauenzimmer: mein Karl!
tuft, so kann es daS so gefühlvoll und pathetisch thu»,
alS eS will wenn es aber schmelzend: mein Julius!
ner Liebenswürdigkeit spießen?.... Meine Herten,
Echminkert, die Blüthe meines Wesens und Seins
Bude reichte nicht ans, den Dreck abzuwaschen. Ro
Bert Wolf, sogar der eselhasteste aller Csel, Schwebe«
Iheitt aus der Lilienstraße, wagte es ungescheut, vor
Mltinen Augen meiner Frau den Hof zu machen
Meine H»rren, ich habe gebüßt, wahrhaftig, ich habe
tebüßt.
tlbst
{in«
Referendare, Studenten, Officiere von der
inie und vo» der Garde J»fa»terie, Cavalleri«,
da« ehrbare Geniecorps Alles, Alles machte
ch ein Vergnügen daraus, mich zur Raserei zu brin
Hen. Und um das Maß meines Elends voll zu ma
Rhen, zog gegenüber Fräulein Aurora Pogge Sie
Icissen, Robert! ein, faßte Posto am Fenster und
grinste mich hinab in den tiefsten Abgrund des Men«
chenhasseS. Die Megäre hatte der Tagebücher neue
^olge begonnen, Über Alles, was in meinem Laden
und auéflatterte, hielt sie in gewohnter Art Buch,
«nd so notittc sie auch den Baron Leon von Poppen.
jjD'tan munkelte über den Schlingel Allerlei in der
Mtadt seine Verheirathung mit Fräulein Wienand
ch-ar verschoben die klein« Helene erblickte man v.it«
Mends mehr, man sagte, sie sei bedenklich krank, leide
im der Brust
Der Hauptmann von Faber hielt den armen Ro
tert nieder:
.Ruhe, Ruhe, mein Junge, laß den Narren au«
schwatzen!"
Jahrg. SR.
Laster ^ßstWchm Lcbens^e"lt^^Äbtt?ch will und schloß sie hinter ihm ab. Wir wisse» daß ibm
ItSpeln soll, so weiß es recht gut, daß es Gefahr läuft, Zauberers aus dem Orient Genüge geleistet.
sich
lächerlich zu machen, und aecentuirt danach.
I
ES ist ein Jammer und ich ich Juliu« Schmiu» Freunde ein achnvochenaltes deutsches Zei»
kert, trage diesen Jammer seit meiner Taufe. Ein ^ungsblatt der Bankerott und Concurs des Ban»
JuliuS sollte niemals heirathen denn jeder Wienand wurde in demselben den Glau»
glaubt, das Recht zu haben, ihm ausder Nase herum« tigern angezeigt, mit dürren, jnristisch-trocknen Wor
zutanzen. O meine Herten, waS habe ich ertragen
t(n
«he ich den Glauben an mein h5nSliches Glück auf« ptecttcu Blatte nichts, wohl aber machte etwas weiter
gab und nach dem Knüppel griff! Wie lebte ich so |UI1|fn jn demselben Blatte der Rechtsanwalt Dr.
harmlos, so hiitet in jene» seligen Tagen der In« jlir £)ll0 Krokisins zu Löffelhofen vor dem Winzel«
gend, wo ich nur die Weiber, nicht aber mein Weib !^alde bekannt, daß er mit dem Verkauf des subha«
Vergötterte. Alles, was man mir borgte, nannte ich stjr,e„ freiherrlich von Poppen'schen Gutes Poppen»
«ein Robert. Sie wissen es ja, welch ein idylli« beauftragt sei, und daß der Verkaufstermin auf
sches Stillleben wir führte», Musikantengasse Nutn« fünften November des Jahres festgesetzt sei.
»er Zwölf drei Treppen hinten heraus. Ach fönnte Dir jetzt ziemlich klar an den Fingern
Angelika, Victoria Regina der Treulosigkeit wes« h^zählen, was Du drüben sinden und thun wirst,
halb mußte sich der arme Julius auf der Nadel Dei-
m(tM
t8
Die wissen, daß ich die Person heirathete, Sie wissen, Freunde u»d wenn Du ruhig genug geworden^
daß die Kunst mich schluchzend aus ihren göttlichen jo gedenke auch meiner. Ich hoste fest, daß ivit
Ermen losließ Sie wisien daß ich Julius
ung
1
.Leide an der Brnst und dergleichen/ fuhr Schmin
je« fort, ohne sich ans dem Concept bringen zu las«
sen. .Der Banquier hatte in Folge der pol,tischen
Verhältnisse mancherlei Verluste erlitten. Man wnß»
te nicht recht, ob er sich von dem Freiherrn oder ob
der Freiherr sich von ihm zurückgezogen habe. Man
trollte auch wissen, es sei wieder nicht so ganz richtig
im Kops des armen Herrn. DaS Freifränlein von
PZoppen war wieder wie früher täglicher Gast in dem
Mause des Banquiers. ES war Alles in Allem eine
dunkle Geschichte, und nur daS Eine staud für mich
fest, daß der Junker Poppen mehr hau de mille
flturs von meiner Fran kaufte, als selbst ein lieblichst
zu duften wünschend#* Bräutigam und das NäSchen
der Braut cenfumiten konnten. Fräulein Aurora
Pogge notirte jedes Flagon und lächelte mich fast
aus meiner Haut ich hatte sie aus der ihrigcn pist
atin mögen. Klar fühlte ich, daß ich verloren sei,
frtnn ich nicht eine große That thue ich «hat sie
fund legte mich auf die Lauer. Wo, wie und nm
%elch Zeit, will ich den Herren lieber nicht mitthei»
len, eé könnte Ihr Zartgefühl beleidigen gtmig, eS
fand eine melodramatische Scene voll schlagender
Wirkung und überwältigender Motivirnng statt. Die
rührenden Klagen der beiden unheilerduldenden Cha»
rakiere der Handlung brachten die ganze Nachbar»
schaft herbei, und unter Andern erschien auch aus dem
Schauplatz da« junge Ehepaar auS dem ersten Stock,
Herr vo,^ Bärenbinder mit seiner Frau, einer gebore»
nen Flöte und e« zeigte sich, daß die gnädige Frau
»ins ftltt ftfknnnit Vf «an Poppen war.
Sehr delicate Beziehungen ungemeine Verwun
derung, sich in solcher Situation einander gegenüber
zu finden. Auch die Fran Sckwiegermama des Herrn
von Bärenbinder, Madame Artemise von Flöte, kam
die Treppe herunter, und da sie mit ihrer Tochter sich
auf meine Seite stellte, so konnte der Herr Schreit«
gersohn nicht umhin dasselbe zu thun. Was am
folgenden Tage, als der Skandal die Mäuler der
Leute füllte, die beiden ritterbürdigen Herren für
Complirnente ausgetauscht, und welche Enthüllungen
sie sich gemacht haben, kann ich nicht sagen. Die
Folge davon war jedoch ein Duell, in welchem Leon
von Poppen eine Kugel in den linken Lungenflügel
bekam und in 0Mgf dessen Herr von Bärenbinder
mit Gemahlin und Schwiegermutter in Italien reist.
Die Leute könuen es! Meine Herren, und wenn Sie
mich umstülpen, mehr weiß ich nicht zu sagen denn
nachdem ich mich mit meiner eigenen Gattin so gut,
oder vielmehr so schlecht als möglich auseinanderge«
setzt hatte, erhob ich mich auf den Schwingen freien
MenschthumS nach Hamburg, löste ein Passagierbil«
let im Zwischendeck der Hammonia. lernte die Schre«
cken der Seekrankheit kennen, aber verlor gottlob den
unausstehlichen Duft der Seifen und Pommaden au«
der Nase. In New Uork betrat ich, ein neugebore«
ner Mensch, den Boden der Freiheit, und Fortuna,
gerührt durch meines Geistes Heldengröße, drehte ihre
Nachtseite einem Andern zu, und zeigte mir ihr hol«
deS Angesicht. Signor Giuseppe Leppelli ein gu»
ter Bekannter Eures seligen Bruders, Wolf, beiläu«
fig gesagt Signor Leppelli erkannte in mir den
Verkannten das Talent, den Diamant, kurz den
Mann, den er brauchte auf einer Tour nffch dem We«
steti! Gr engagirte mich, und hier sind wir in Saint
Louis und tragen im Schweiße unseres Angesichts die
Cultur, die göttliche Kunst unter die Söhne der
Wildniß. Meine Herren, ich habe die Ehre, das
unübertroffene, Alles übertreffende Halbpferd», Halb«
alligatoruniversaltheater Ihrer günstigen Protection
zu empfehlen. Morgen Abend: Fieèko oder die Ber»
schwörung von Genua. Fieèko, Herr Julius
Schminkert Verrina, Herr Joseph Leppcl Julia,
Mistreß Julia Leppel, Kraftstück derselben, ausge«
führt mit dreihundert Pfund Uebergewicht. Bum,
bum 1'
Robert Wolf und Konrad von Faber hörten schon
längst nicht mehr auf den Unsinn deS Schauspielers.
.Mit dem nächsten Dampfer nach New Orleans,
Hauptmann! Hauptmann! murmelte Robert, mit
zitternder Hast seine Sachen zusammensuchend, als
wolle und müsse er auf der Stelle aus dem Fenster
des .Bater Rhein* auf eins der Mississippidampf,
schiffe steigen. Faber hatte die größte Mühe, den Auf»
geregten nur ein wenig zu beruhigen, und noch dazu
hinderte ihn Julius Schminkert nach allen Kräften
daran. Da der trefft che Tragöde in seinem Heimwe«
sen von Niemand erwartet wurde, so zeigte er die
größte Lust, de» Landslemen die ganze Nacht hin»
durch seine angenehme Gesellschaft zu gönnen._ Aber
der Hauptmann von Faber expedirte ihn halb freund«
schzftlich, halb mit Gewaltanwendung aus der Thür
Solches öfter geschah, und so machte er sich nicht viel
daraus, obgleich er auf dem Gange fürchterlich raiso«
nirte und im hohen Tone von Menschenwürde und
Künstlerwürde sprach. Seine Stimme verhallte in der
Entfernung und wird fürder in diesem Buche nicht
wieder gehört werden er hatte ja auch seine Sterne
und dieselben sorgten recht gut für ihn.
Von den Sternen sprachen in dieser Nacht Kon»
rad von Faber und Robert Wolf noch Vieles nnd
Ernstes Schlaf kam nicht mehr in ihre Augen. Aus
idem Wenigen, was Robert über Helene und ihren
^Vater erfahren hatte, wuchsen viele schwarzen Sor«
igen in der Brust des Liebenden auf Ruhe gab es
für ihn nicht eher, bis er die Heimath erreicht hatte,
In der Frühe des nächsten Morgens schon besait«
den sich die beiden Reisenden auf der Fahrt den gro»
ßen Fluß abwärts. Das gewaltigste Vorwärtsstreben
des schnaubende», keuchenden Schiffes genügte Ro«
bert Wolf nicht. Ihm hätte jetzt weder der Zauber«
mantel Mephisto's, noch das geflügelte Wunderroß
New Orleans brachte der Hauptmann feinem
jßon Banquier selbst stand in dem löschpa«
Zunge sagte der Hauptmann „aber ich teil
t8 ajjfl
?nickend, mich zu einem Seifen», Parfümerie», Han« gisll,btn jn dcr guten, wie in der bösen Stunde. Lebe
ten«, Handschuh- undBänderladen entwürdigte. Ich Robert Wolf!,
Habe gebüßt, meine Herren Es liebt zwar auch die »vohl, winkte Robert vom Schiff. Ueber die
Welt, daS Strahlende zu schwärzen aber frier hatte Wellen „bet die Wellen. Schnell war daS Schiff,!
daS Strahlenoe muthwilligerweise sich selbst die Nase zogen die Wolken aber viel, viel schnell«'
begossen, und alle Seise der Stibbe-Schminkert'schen
toamt
vie Sterne reden deutlich genug. Glüße
nicht zum letzten Mal die Hände drücken.— I
^mch komme, wir wollen de» Sternen
Gedanken, die nachdem Heimathlande!
jagten und Schiff, Wolken, Vögel, Schall und Licht
wett, weit hinter sich zurückließen.
I .Ich werde mich die nächste Zeit hindurch recht ein»
sam fühlen/ brummte Konrad von Faber, als er die
Levee herabfchritt. Im Gewühl der Farbigen und
Weißen verliert sich seine hohe Gestalt wir sehen
ihn nicht wieder. AuS unserm Gesichtskreis schreitet
I er aber günstig sind ihm die Sterne niemals hat
ein Wanderer auf der Erde die Kunst, erst zu leben,
und dann das Erlebte geistig zn verdauen, mit so gn
I te» Beinen und wackern Muskeln vereinigt, wie der
Hauptmann außer Dienst, der gute, tapfere nnd
treue Ritter Konrad von Faber. Wir wünschen ihm
schon des herzerfrischenden Exempels wegen, welches
er uns giebt, ein langes, fröhliches Ltbru. Möge er
denn dereinst in seinen Stiefeln sterben! Ein zweiter
Wunsch, mtf mfötm mil seine fpbkkWß |u treffen
gedenken. lt V"./
Vieruuddreißigsteö Capitel.
Juliane, Freifräulein von Poppen, setzt wieder einmal ihren
Willen durch.
(ff« sgab vielleicht in der ganzen Stadt keine Uhr,
welche so richtig ging, so ängstlich pnnkilich Sceun,
den und Minute» zeigte, so unerbittlich jde Viertel»
stunde mit schrillem Klang von der Ewigkeit abzog,
wie die llhr in der Halle des Centralpolizeihanses.
Sie lies nicht vor, sie blieb nicht zurück erbarmuugs«
los zerhackte sie die Zeit in die möglichst kleinen
BnichiheiU, daS Sonnenjahr in zwei und dreißig
Millionen Sekunden und wenn manch einem armen
Teufel auf dem Arnienfünderbänkcheii oder im Vor»
zimmer die Secunde sich luieltr zu einem Jahre ans«
dehnte, so war der Uhr das ganz gleichgültig. Sie
lief nicht vor, sie blieb nicht zurück ihre Schuld war
es nicht, wenn Andere Verlust« oder zunickdlieben,
dem Vordermann ans die Hacken traten oder dem
Hintermann in den Rücken geknufft wurde«, und so
mit aus die eine oder die andere Weise Gelegenheit
bekamen, im Centialpolizeihause das richtige Maß
der Zeit sich in anirna vili demonftriren. oder es dem
lieben Nächsten vor die Seele führen zn lassen.
Die hohe Sicherheitsbehörde, welche als Gesammt
heit von je eint sehr große Meinung von sich selber
gehabt hat, war natürlich überzeugt, so richtig zu ge»
yen, wie ihre Ubr, und verbot sich jeden laute» Zivet
fei daran auf's Nachdrücklichste. WaS der Rath Trö«
stet, der Secretair Fiebiger, der Wachtmeister Greif»
senberger als Einzelnivestn davon hielten, das stand
auf verschiedenen Blättern. Daß der zweitgenaniite
Herr über viele, allgemein als unumstößlich festge
Hellte Glaubensartikel seine Privatansicht hatte, wii»
sen wir, und so müssen wir leider sagen, daß er auch
von der Uhr vor der Thür deS Bureau'S Nummer
Dreizehn eine sehr üble Meinung hatte. Gern hätte
er sie verachtet aber da sie ihm nicht die mindeste Ur
Der
Und es passirte so Mancherlei in der Welt, in der
Polizeistube und im Herzen und Gehirn des Polizei
schreibers. Kronen wackelten auf den Köpfen ihrer*
Träger viel Henlen und Zähnklappern wurde im
Bureau Dreizehn vernommen. Fritz Fiebiger sah sei
von Poppen wurde vom Herrn von Bärenbinder er
schössen, der Banquier Wienand verlor sein Vermö
gen und klopfte irrsinnig in einer jwilden Nacht an
die Thür des SternseherS Heinrich Ulex.
Ticktack, ticktack. ticktack immerzu, immerzu!
Auch die Uhr in der Tasche deS tödtlich Verwundeten
auf dem Schlachtfeld! pickt weiter, die Fliegen am
Fenster summen lustig fort, während im Nebenzim
mer ein geliebtes Wesen mit dem Tode ringt.
Der Rath Tröster, bedeutend weißköpfiger, wie zu
Ansang dieser Geschichte, legte bei hereinbrechender
Dä.nmernng die Feder nieder und blickte auf seinen
Untergebenen, dem eben ein tiefet Seuf:er entfuhr.
„Haben Sie noch immer keine Nachricht von Ih
rem Pflegesohn, Fiebiger?"
Der Angeredete schüttelte den Kopf!
.Seit er mit den Tod der Frau fctnf5 Bruder«
meldete, nicht. Unsere Briese scheint tr nicht erhal
ten zu haben. Wet weiß, was ans dem Jungen ge
worden ist in welche Patsche ihn der Hauptmann
von Faber geritten hat. Jn der Stimmung, in wel
cher er gewesen ist, hat er sich natürlich mehr wie gern
halsüberkops in jede Gefahr hineingestürzt, und so ist
tr d'rin stecken geblieben —scalpirt anfgefresstn—
was wtiß ich! Und es könnte sich jetzt Alles hier so
schön machen. Alles in Ordnung! O mein Junge,
mein armer lieber Junge!*
„Beruhigen Sie sich, Alter. Wer weiß denn, ob
wir uns nicht ganz nnnölhigerweise Sorgen machen.
Der Herr von Faber ist ein sehr bekannter Mann,
und wir würden gewiß Näheres erfahren haben, wenn
ihm oder seiner Begleitung ein Unglück wiederfahren
wäre/
Der Polizeischreiber entnahm der Bemerkung des
Vorgesetzten allen Trost, welcher darin lag, abet be
hielt Kummer genug auf der Seele, um abermals
recht tief zu seufzen.
Die Uhr draußen schlug Sechs Fiebiger zählte
jeden Schlag nach, und der Rath benutzte die Gele«
genheit, um zu bemerken:
„Die Zeit geht doch recht rasch hin. 66 ist mir wie
gestern, als der junge Mensch dort stand, und Sie
die Absicht äußerten, ihn zn adoptiren. Ich warnte
Sie gleich, und verhehlte Ihnen meine Meinung, daß
Sie sich dadurch viel Sorge aufladen würden, nicht.
Da aus der Bank saß Faber und machte seine Be»
merknngen nach seiner Ar» wir trafen uns nachher
bei dem Banquier Wienand, und wenn ich nicht irre,
war auch dort viel die Rede von Ihrem Pflezesohn,
Fiebiger. Du lieber Himmel, wie sich doch die Ver«
Hältnisse ändern! Wie geht es denn dem armen Wie«
nand
Der Schreiber zuckte die Achseln und sagte dann:
„Er sieht nach den Sternen O Herr Rath, es gibt
viele ernste Dinge, an denen ein gutes Auge endlich
doch eine komische Seite herausfindet hier würde
das schärfste Auge darnach vergeblich suchen. Wir se«
hen hier an dieser Stelle den Vorbang über manch'
tili Trauerspiel fallen aber feierlicher, tindringli»
cher, wuchtiger ist niemals die Moral am Schluß ei»
nes Stuckts vtrkündizt. Ja, dtr große Banquier
Wienand sieht nach den Sternen! Eine Rolle macht
er ch täglich ans einem Papierbogen und hält fie it*
sinnig »er das Angt nur einen einzigen Menschen
kennt tr noch und klammert sich an ihn mit der fürch»
ttritchsttii Angst des Wahnsinns. Auf den Giebel des
Sternsehers Heinrich Ulex hat et sich geflüchtet da
sitzt er nnd hält die Hand des Weisen o tragisch,
tragisch, tragisch 1"
Seufzend sagte der Polizeirath
„Ja, Sie haben Recht Fiebiger, e« ist eine tra
gische Geschichte. ES war ein so scharfer Mann, wir
haben so manchen Robber zusammen gemacht wer
mit das damals gesagt hätte! Und nun sitzt er beim
alten Ulex im Nikolausklostet und sieht mit dem när
rischen Träumet durch eine Papierrolle nach den Stet
nett. Es «st wirklich ungemein traurig/
„Merkiviudig traurigbrummte Fritz Fiebiger,
mit einem Blick auf seinen Chef, durch.reichen et nut
sagen konnte „traurig aber auch daß an der Welt
doch Hopsen und Malz verloren ist. Was helfen Euch
Exempel, die Ihr nicht versteht? Blausäure muß
Euch unter die Nase gehalten werden!"
.Und das Fränlcin Wienand hat jetzt vollständig
seinen Aufenthalt bei dem Freifränlein von Poppen
genommen 1" fragte ter Polizeirath.
„Vollständig. Wohin sollte das arme Kind, die
Tochter des irrsinnigen Bettlers, sonst auch gehen?"
.Trübselige Verhältnisse!" sagte kopfschüttelnd der
Rath. „Wir können sie leidet nicht ändern. Expedi
ten Sie Dieses an dtn Revierlituttnant Kirrt."
Das Gispräch schloß, der Polizeifchreiber Fiebiger
expedirte, die Uhr tu der Halle zerhackte gnadenlos
noch eine Stunde. Nicht eine Secunde zu früh oder
zu spät zeigte sie den Beamten in den dunkeln muf
fige» Stuben an, daß sie gehen könnten, und nach
dem sie das gethan hatte, hackte sie weiter im Inte
resse der Wachen und Gefangenen.
Ein trockneö Wehen, welches «einen Ursprung fern
im Osten, in den Steppen Rußlands genommen hat
te, schien sich sehr für die Rockschöße des Polizei
schreibers zu interessiren als er durch die Straßen
schritt, kosend hob es sie auf, überzeugte sich, daß
nicht viel daranter sei und ließ sie wieder fallen,
vergaß im nächsten Augenblick, daß es nichts von
Bedeutung gesunden hatte, und wiederholte das
Spiel. Der Himmel war klar, der Abend hell.
Nicht sehr weit vom Polizeigebäude schlossen sich zwei
Frauen dem Polizeifchreiber an eine alte kleine lah«
me Dame fchivarzet Seide und ein junge« blei
ches trauriges Madche,«.
Die alte Dame mit der Kiücke sagte:
.Heute Mittag ist sie gestorben/
Und drr Polizeischreibcr Fiebiger fragte nicht, wer
gestorben sei, sondern sprach mit einfach
.Es ist gut, daß es voiübet ist uicge ihr die Erde
leicht fein 1"
„tbir, die wir mit Ko»rad von Faber und Ro«
teri Wolf Gold in Kalifornien g»graben haben, die
wir dann mil ten Sötfteii vom Stillen Ocean bid
zum Mississippi geritten sind wir finden uns natür«
lieh nur ganz alliiialig tu den Vorgänge» der Hei
niaih jurecht und erfahren nach und nach, wie die
Fäden auch hier waicrliefm.
Gestorben war in d-n Armen deS Fceifräuleins
Juliane von Poppe» die Baronin Victorine von
Pcppe», gebotne von Zieger.
Vi ach dem traurige» Ende Leon's hatte da« Frei»
fräiiUi» durch den Medieinalrath Pfingsten, und ans
andere Weife, verschiedene Versuche gemacht, sich der
unglücklichen Schirägerin zu nähern. Diese Versu»
che mißlangen jedoch alle. Auf die zugleich harte und
apatifche Natur Victotiiie's konnte das Unglück nicht
mildernd wirken. Es log leidet viel Thierisches in
dem Charakter der armen Frau, und wie ein ver
wundetes Thier geberdete sie sich, nachdem der ver«
nichtende Schlag gefallen war. Bald lag sie stumpf»
sinnig regungslos da, bald biß und schnappte sie um
sich und «tfüutc das Gemach mit Klagen, deren Laut
sache dazn gab, so haßte er sie grimmig nnd erklärte fast nichts Menschliches mehr an sich hatte. Sie lä
sie für das niederträchtigste Institut, welches je im sterte Gott und dk Menschen ohne die Da^vi«
Bewußtsein seiner Unentbehrlichkeit die Menschen ge- ^schenkunft deS MedicinalrathS hätte sie eineS Mor
elendet hobt beiläufig ganz die nemliche Meinung, genS die Frau von Schellen, die ihr mehr neugierig
welche tr von dtr Behörde hatte, der er angehörte, als mitfühlend einen Besuch abstattete, fast umge«
Grciffenbtrger, der Wachtmeister, besorgte mit ^bracht. Ihre Dienstboten hielten eS nur bei ihr aus,
wahrhaft entsetzlicher Pünktlichkeit daS Aufziehen deS i weil sie im Hause schalten und walten konnten wie
trotten Mechanismus, und vergaß es seit jenem sie wollten, und trefflich in dem jetzt völlig herrenlo
Herbstabtnd an welchem unsere Geschichte ihren An- jsfn Hause im Trüben fischten.
fang nahm, nicht ein einziges Mal. Ticktack tick» EineS TageS trugen Baptiste und Elise die befln
tack Tag für Tag —ticktack, ticktack bei gutem wie! nungslose Baronin von ihrem Divan in's Bett, eS
bei schlechtem Wetter—ticktack. ticktack, wenn der Po« wurde noch eine Wärterin gerufen, und Pfingsten
lizeifchreiber seinen Hut am Mcrgen an den Nagel brachte einen so trostlosen Bericht über die Lage der
hing und stöhnend sich anffein Dreibein setzte tick- Dinge zu dem Freifränlein, daß dieses noch einmal
tack, ticktack wenn er am Abend seufzend die Feder einen Versuch machte, in das Hans in der Kronen«
ausspritzte und seinen großen Folianten zuschlug. Es straße einzudringen. Wieder vergeblich. Bei'm An«
war eine erbarmungslose Uhr durch nichts ließ sie. blick der Schwägerin gerieth die Kranke in einen sol
sich ans dem Takte bringen ticktack, ticktack immer-j chen Wuthaufall, daß der Medieinalrath da« Frei«
zu, es mochte in der Welt, im Bureau Nummer Drei« Fräulein schleunigst auS dem'Zimmer drängen jmißte.
zehn, im Gehirn des PolizeischreiberS Friedrich Fie
biger passiren, was da wollte.
nen Zögling in die Ferne ziehen und trug manchmal Polizeischreiber das Freifräulein und Helene vom
nicht leicht an seiner Sorge um ihn der Baron Thurme des SternseherS heim, und wieder schritten
Monate lang hlieb es so, und Julia, e von Poppen
litt schrecklich dabei. Niemals hat eine ausgeschlosse
ne Seele die Pforte des Himmels mit verlangende«
ten Gedanken belagert, als daS Freifräulein die Thür
der NÄnmcr Fünfzig in der Kronenstraße. Erst in
der letzten Stunde, am Abend des gestrigen TageS,
sollte sie Einlaß finden. Gestern Abend führte der
sie durch die Kronenstraße.
Schwer seufzte Juliane, al« sie sich der Wohnung
der Schwägerin näherten, und zog ihren Arm au«
dem des Schreibers.
Dunkel und stumm, öde und leer lag da« Hau«
des Banquier Wienand vor der Thür der Nummer
Fünfzig lehnte flegelhaft frech Herr Baptiste und un
terhielt sich lachend mit einem gähnenden Stande«
genösse».
Das Frtifräulein stand still:
„Was macht die Baronin von Poppen 1'
Baptiste sah ans, als ob er am liebsten eine un
verschämte Antwort geben würde, bezwang sich jedoch,
neigte ein wenig das Haupt und antwortete:
„'s steht nich'gut. Der Herr Medieinalrath wa«
ten vorhin wieder da, gaben aber wenig Hoffnung/
„Friedrich/ tief Juliane von Poppen, „ich ertrage
es nicht länget. Ich will es noch einmal versuchen,
sie zu sehen. Führen Sie das Kind nach Hans 0
Gott, ich werde wahrscheinlich bald genug nachkom
men/
Sie setzte den Fuß auf die Treppenstufe, und gro
ßer Selbstbeherrschung zeigte sich Baptiste fähig, als
er ihr Platz machte. Der drohend erhobene Krückstock
that freilich das Seinige dazu. Die Thür schloß sich
hinter dem Freifräuleii» und dem Bedienten, nnd Ju»
Itatie kam nicht struck. Nach einer Stunde sandte sie
nach ihrer Wohnung am Schulplatz und ließ sagen:
Fräulein Helene möge sich zn Bett legen und nicht
warten das Fräulein von Poppen werde in dieser
Nacht nicht heimkehren.
Als Juliane in das HaitS ihrer Schwägerin ein«
trat, schreckte sie zusammen unter dein senchikalten
Hauch, der ihr entgegenhauchte. Es war todtenstill
darin. Die Köchin war zu einer Frenndin gegangen,
weil ihr daheim graute. Baptiste verlor sich in den
untern Räumen des Gebäudes, ohne sich weiter um
die Eingetretene zu kümmern. Er hatte die Keller«
schlüsstl in seines seligen Herrn Schreibtisch gefun«
den ihm graute nicht. Langsam stieg Juliane die
Treppe hinauf und krampfhaft fest faßte sie ihren
Krückstock, als sie auf einmal aus einem Winkel ein
klägliches Winseln vernahm. Es war nur der Schoß«
Hund der Baronin, welchen die Kammerjungfer aus
dem Zimmer ihrer Herrin geworfen hatte und lang
sam verhungern ließ. Matt, den Leib auf dem Bo
den hinschleifend, kroch das arme Geschöpf hervor,
als wolle es Barmherzigkeit und Hülfe von der stem
den Feau erbitten. Jetzt konnte das Freifränlein nicht
darauL-achten, obgleich ihr das Thitt unendlich leid
that. Gin niederbrennendes Licht war ans dem Fuß
boden im ersten Stock dicht an die oberste Treppen
stufe gestellt und erfüllte den Corridor mit übelrie
chendem Qualm. Allerlei gebrauchtes Geräth, Schüs
fein, Teller Gläser sammt einem Hansen schmutziger
Wäsche versperrten die Thür, die in das Gemach der
Baronin führte. Das Freifräulein schritt darüber
fort und öffnete die Thür. Kein Laut! Die Lausche«
tin drückte die Hand auf das Herz, sie stand mitten
im Zimmer. Niedergelassen waren die Fenstervor«
hänge, halb offen stand die gegenüberliegende Thür,
und hinter de» Portieren hervor drang mit dem Dunst
der Krankenstube ein matter Schein. Dieser schwäch»
liche Schimmer und das Licht, welches die Straßen»
laterneii draußen gaben, erhellten allein das erste Ge
mach, über dessen weichen Teppich Juliane jetzt un
hörbar hinschritt. Wir kennen daS Zimmer. In je»
nem Lehnstnhl hatte sich Leon gereckt nnd gedehnt,
wenn er seine Mutter durch seine Reden quälte. Auf
diesem Divan hatte V'ctorine von Poppen ihre Tage
halb verschlummert, halb verwimmert. An jenem Tisch
hatte Frau von Eichel gewitzelt, Frau von Flöte ge,
frömmelt, Lydda von Flöte gezimpert. Ueber tau«
stnderlei Rippsächelchen und Spielereien streifte daS
unbestimmte Licht, und mit einet unbeschreiblichen,
stolzen, fast wilden Handbewegung fieS daS Frei»
fräulein Juliane von Poppen die Letzte ihres Ge»
schlechis, diese ganze jämmerliche Welt von sich, als
sie die Portiere faßte, welche sie von dem Sterbebette
der Baronin trennte.
Noch einmal stand sie still und beobachtete, ehe sie
eintrat, und wieder drückte sie die geballte Hand auf
die Brust.
Elise, die elegante Kammerjungfer, hatte die bei«
den Fußlichter an dem großen Toilettenspiegel ange
zündet, betrachtete ihre liebenswürdige Figur hold»
lächelnd vom Kops bis zu den Füßen und rückte zu
gleicher Zeit das cofette Häubchen uurecht. Am Ofen
rührte die Krankenwärterin, Frau Rofrimieier, nach»
lässig in einem Töpfchen die Kranke stöhnte auf ih
tem Lager aber Keines der beiden Frauenzimmer
achtete im Mindesten darauf.
„Wasser, Wasser 1 Gebt mir doch Wasser l* ächz
te Victorine von Poppen.
„Gleich, Frau Baronin l* brummte schnaufeud die
dicke Madame am Ofen.
„Gleich, gleich, gnädige Frau'/ lispelte geziert
am Spiegel Mamsell Elise, ohne sich um^iiwenden.
Aus ihrem heißen Lager warf sich die Kranke hin
und her. Ihre ficbetgliihenden schwartn Augen lench
teteti verzweifelt, unheimlich in dem dämmerigen
Winkel, wo das Belt stand.
.Zu trinken O Ihr laßt mich verbrennen'/
Es dauerte noch eine geraume Zeit, ehe sich Ein«
der Weiber herbeiließ, der armen Frau das Glas an
die Lippen zu halten. Die Lauscheri» hinter dem Vor«
hang zerbiß fast die Lippen vor Wuih.
Auf ihrer Decke, in ihren Kissen herum griff die
Kranke.
„Ich liege so schlecht da« ist wie Stein o
Elise, so komm' doch Frau Rosenmeier! —Elise,
Elise
„Gleich, gnädige Frgp, gleich kreischte die Kam»
merzofe, und die Wärterin stürzte wie eine Furie auf
das Bett zu, fchütielte ans die toheste Weise die Kif»
stn ans, warf die Decke znrecht und behandelte die
Leidende nicht anders wie ei» fühlloseâ Stück Holz.
„Leon, Leon, hilf Deiner armen Mutter 1 Wo bist
Du Leon 1" tief die Kranke im Fieberwahn, unter
den rohen Fäusten sich sträubend. „Elise, Elise, ich
schenke Dir meine rothe Sammtmantille, wen» Du
mir hilfst. O sei nicht böse, Elise, schicke diese weg.
ich will Dich auch niemals wieder schelten, geiriß
niemals Bitte, bitte, bitte I*
Mamsell Elise winkte der Wärterin und hauchte:
„Aber Rosenmeiern, was machen Sie den» Se»
hen Sie denn nicht, daß die gnädige Frau das nicht
leiden kann mein Gott, wie gemein"
Dabei ließ sich die Creatut affectirt seufzend in ei
ne Causeuse sinken aber jetzt zerriß auch die Portie»
ie i» der krampfhaft zitternden Hand des Freifrau»
leinS zur Seite flog der Vorhang, und so nnver«
rnulhet erschien Juliane in der Thür, daß die Kam«
merzofe im jähesttn Schrecken mit abwehrenden Hän
den in die Höhe fufrr, daß die Wärterin die Tasse,
welche sie eben zum Munde führen wollte, fallen ließ.
Von ihrem Pfühl hob sich die Kranke und schrie:
„Da, da da ist sie, ich fürchte mich nicht mehr
vor ihr! Juliane, Juliane, komm her, Du sollst da«
I
Sto 3.
letzte Wort haben. Komm herein, Du lebst, und ich
muß sterben. Treibe Die weg—Die, Die! Sie wol
len mich umbringen. Jage sie fort, komm herein
bald morgen, wirst Dn ja doch kommen, und ich
werde eS Dir nickt wehren können!*
An die Hand ihrer Schwägerin klammerte sich die
sterbende Victorine, und mit der gewohnten Energie
bemächtigte sich Juliane sogleich der Herrschaft über
das Krankenzimmer. Sie hatte ritterlich schor wilde
re Geschöpfe gebändigt, als die Kammerzofe und
Wärterin waren, und so bezwang sie auch diese beiden
Thiere. Die ganze Nacht saß sie am Bette der Ver
wandtin', und die Baronin regte sich nicht, sondern
starrte immer nur ganz fest auf die kleine schwarze
Gestalt, das verrunzelte Gesicht, die spitze Nase. Ge
gen Morgen schlief die Kranke ein, und erwachte erst,
als die Sonne in daS Fenster schien.
Das Freifräulein beugte sich dann über die Kissen
der Leidenden und sagte dann freundlich und liebevoll:
„Guten Morgen, Victorine, Sie haben einen gu
ten Schlaf gehabt, und ich habe Sie gut bewacht.—
Sie zürnen mit doch nicht datum V
Victorine von Poppen gab keine Antwort. Sie
warf die Arme unruhig umher, fie frljt mit den Hän
den übet das Gesicht, als wolle sie allerlei bös« Te
darken von sich scheuchen.
Mit ihrer sanftesten Stimme fuhr Juliane fort:
„Bitte, bitte, liebe Victorine, dulden Sie mich so
lange um sich, als Sie krank sind. Vergessen Sie,
was zwischen unS gelegen hat. Sind Sie durstig?
hier nehmen Sie sich Zeit. Liebe Victorine, sobald
Sie wieder gesund sind, mögen Sie mich fortschicken.
S.e liegen nicht gut, warten Sie, ich will Ihre Kis
sen zurechtlegen V
Die Kranke ließ wie ein Kind Alles mit sich ge
schehen, immer noch starrte sie das Freifränlein an
sie murmelte dabei fort und fort den Namen Juliane.
Da trat die Kammerzofe in das Zimmer, und hinter
ihr erschien die unförmliche Figur, daS rothe gemeine
Geficht der Wärterin. Beim Anblick dieser beiden
Personen warf Victorine beide Arme um den Hal«
der Schwägerin und rief in höchster Angst
„Ich bitte Dir AlleS ab! Verlaß mich nicht, ver
laß mich nicht! Ick bin schlecht gegen Dich gewesen
und Leon auch. Leon ist todt, o verlaß mich nicht
geh' nicht von mir, so lange ich noch lebe. Ich
will Dir Alle? abbitten. Schicke Die fort, jage jj{
au« dem Hanse ich bitte Dir Alles ab/
Das Freifränlein vrang sich, heiter zu lachen, oh?
gleich sie blutige Thränen hätte weinen mögen.
„Dn hast mir gar nichts abzubitten liebe Victo
tint. Du hast mir nicht mehr Püffe gegeben al«
ich Dir gab. Und wenn Dn es willst, so sollen die
Beiden auf der Stelle Dein HanS verlassen. Ich
bleibe bei Dir habe keine Angst. Um GotteSwil
len Sie Weib nach dem Doctor, nach dem
Medieinalrath Pfingsten! Sie stirbt, sie stirbt/
Noch starb die Baronin Victorine von Poppen
nicht aber von Stunde zu Stunde wurde sie schwâ»
cher. Sie verschied erst am Nachmittage, und die
Hand Juliane's ließ sie bis zum letzten Augenblick
nicht los. Sie starb, indem sie flüsterte:
„Ich bitte Dir Alles, Alles ab
Mit zitternden Händen drückte da« Freifränlein
Juliane von Poppen die blinden Ange» der Todten
zu. Das Gericht kam und versiegelte die Zimmer
des Hauses Nummer Fünfzig, bis auf das, in wel
chem die kalte starre Leicht lag. Auf diese allein
machten die Gläubiger keine Ansprüche.
I Todt und öde war das alte Gebäude, wie da«
Haus gegenübet. Baptiste und Elis? zogen mit rei
cher Beute und dem Entschluß, gemeinschaftlich einen
Victualienkeller zu balten,ab. Viele Gläubiger wa«
jten auf die Nachricht vom Tode der Baronin herbei
geeilt, und von dem einst so stattlichen Besitz der Fa«
milie von Poppen konnte das letzte Fräulein von
Poppen nur den armen kleinen halbverhungerten
Hund nehmen. Sie trug ihn auf dem Arme fort,
und dankbar winselnd leckte er ihr die Hand»
Fünfunddreißigstes Capitel.
ES gewinnt den Anschein, daß die Sterne auch ihren Wille»
durchsetzen werden.
Ausführlich und in allen Einzelheiten theilte da«
Freifränlein dem Polizeifchreiber alle Vorgänge der
letzten vierundzwanzig Stunden mit, wenn auch nicht
auf dieselbe Weise, wie wir dieselben unfern Lesern
erzählt haben. Gesenkten Hauptes ging Helene Wie
nand neben den beiden Alten aber sie trug so schwer
an den eigenen Kümmernissen, daß sie nur mit hal«
[betn Ohr auf die traurige Geschichte vom Ende de«
IHanfes Poppen horchen konnte. Ihre Seele war ge
fangen ans dem Thurme des SternseherS Heinrich
Ulex. Dort saß der kranke Vater neben dem weisen
Freunde uno Lehrer des verschollenen Geliebten nur
dort gab es Ruhe für sie, nur dort fand sie Trost.
Die Worte des ehrwürdigen Greifes hatten denselben
schmerzstillenden Einfluß auf sie, dessen Macht Ro
bert Wolf vor Jahre» so sehr empfunden hatte. Ver
hältnißmäßig heiter konnte sie nur dann sein, wenn
sie im Giebelzimmer des Nikolausklosters saß. die
unruhige Hand des Vaters in ihren Händen hielt,
am Nachlhimmel still die Sterne ihren Weg durch
die Ewigkeit gingen, und der Sehet der kleinen ern
sten Gemeinde feierlich die erhabenen Zeichendentete,
welche Gott für alle betrübten, suchenden, zweifelnd«,
Menschenfeele» in den unermeßlichen Raum des Uni
versums geschrieben hat.
Der Kreis um den SUrnseher zog si mmer fe
stet. Wenn in frühern Iahten dte nächtlichen Zu«
sammenkünfte der Alten ans dem Walde nur dann
und wann stattgefunden hatten, so ging jetzt fast kein
Abend vorüber, ohne daß man sich in dem Observa
torium des Astronomen zusammenfand. Je tiefet
der Lebensabend der drei Jugendgenossen auS Pop«
petihagen herabsank, desto mehr fiel alles Nichtige und
Aeußerliche von ihnen ab das Freifräulein ver«
schwand aus der Gesellschaft, Friedrich Fiebiger wnt«
de nur noch seht selten in feiner Stammkneipe gese
ihen. Lange nicht mehr so häufig wie sonst erging
sich der Humorist in sarkastischen Bemerkungen übet
[die Lebenö« und Weltanschauung seines Freunde?.
[email protected] ist eigentlich ein bittet Ding. seine Anficht deS«
jhalb aufgeben zu müssen, weil man zu sehr Recht be«
kommt, weil Einem dos selbst ausgestellte Axiom von
der lächerlichen Nichtigkeit aller irdischen Dinge an
der eigenen Existenz zu klar demonstrirt wird.
Der Polizeifchreiber war aber der Mann, welcher
sich drein finden konnte et verlor feinen Gleich«
muth nicht so sehr, daß et auS einem lachenden Phi»
losophen ein grämelndet weinerlicher Murrkopf wur
de. Er warf feine Violine auch nicht ganz in den
Winkel, oder an die Wand et musieirtc weitet,
wenn auch etwas dumpfer und melancholischer, wie
sonst. „Eintönig uncktc fort der Frosch fei» elendig
Sumpflied nannte er das mit freier Benutzung ei
nes Verses Vtrgil'S. „WaS soll die Creatut auch
anders thun das Volk hat ganz Recht, wenn eS
meint, der Mensch fei ein Amphibibichum, könne auf
auf dem Trocknen nicht leben und müsse im Wasser
umkommen/ fügte er dann wohl hinzu und stopf«
te eine frische Preise.
Auch jetzt folgte et den beiden Frauen auf ihrem
Wege zum Nilolanskloster. stieg mit ihnen die alte
Wendeltreppe hinauf. Sie brauchten nicht mehr an«
zuklopfen. Heinrich Ulex Öffnete feine Thut, ehe sie
die obetste Stufe dtr Treppe erreicht hatten.
AlleS ul'verändert in dem düstern Gemach! JedeS
Bild, jedes Buch, jedes Instrument an seinem Pia»
tzel- Aber in dem Schatten, welchen die grünt St*»
dirlampt vergeblich zu vtrschtuchen strebte, suchte sich
Jemand zu verbergen, der beim Beginn unserer Ge»
schichte nicht anders als mit einem verächtlichen La»
chclu auf den Lippe» ii»d mit bedauerndem Achsel«
zacken über sein großes Hai ptbuch weg, aus dem Fen«
stet stints Comptoirs, drunten gegen Suden zu diesem
Klosteigiebel emporgeblickt hatte. Ja, scheu vor je»
dem Fußtritt, wich der Banquier Wienand in die
Dunkelheit zurück und wagte sich nut dann hervor,
wenn der Sternseher beruhigend sagte:
jftomtnt, e« find Freunde! Kommt, ich will es 1'
(Schluß folgt.)
Die neuliche Wahl i» V11 o n «giebt gro
ße Gewinnste für die Demokraten. Bei der vorsah
rtgen Wahl hatttii wir kaum 3000 Stimmt» bei
der ditejährigtn erhielten wit 1*2,000 und erwählten
gegen 30 Mitglieder für da« Haus der Gesetzgebung.
?0
I
.yrTrr*
DEß WESTBOTE.
N A I É 6 É 4
fÜBUÖHi!
TKUM81
Der Krieg!
Morris Island geräumt.
Wagner unser! Eine Rebellen Depesche von
Charleston nntet'm 7. September meldet Folgende«
Morris Island wurde gestern geräumt. Die seind
lichen Sappeure waren bi« zu dem FestungSgraben
von Fort Wagner vorgedrungen und da e« nicht mig
lich war, daS Fort länge? zu halten, sc gab Beaure
gard dtn Befehl zur Räumung desselben. Dieser
Befehl wurde in der Nacht mit Erfolg vollzogen.
Die Unfrigen vernagelten die Kanonen der Fort«
Wagner und Gregg und zogen sich in 40 Kähnen ge
räuschlos zurück. BloS ein Kahn, der 12 Mann
enthielt, fiel den UankeeS in die Hände. Ungefähr
150 Mann wurden durch das Bombardement in Fort«
Wagner und Gregg getödtet oder verwundet. Der
Feind hält jetzt Cummings Point in vollem Anblicke
der Stadt. Ein schweres Feuer zwischen unseren
Batterien auf SullivanS Island und Fort Moultrtz
und den Panzerschiffen ist im Gange.
Die obige Nachricht wird durch folgende ofsieieke
Depesche des Gen. Gilmore an Gen. Halleck unter«
7. Sept. bestätigt:
Ich habt dit Ehrt, zu berichten, daß sich Fort Wag,
net und Battttit Gregg in unseren Händen befinden.
Während der letzten Nacht gelangten unsere Sappeu
auf die Brustwehr von Fort Wagner an der Gee
seilt und machttn dessen Kanonen unwirksam. Ein
Befehl wurde erlassen, um da« Fort um 9 Uhr diesen
Morgen im Sturm zu nehmen allein ehe der An-
rtff begann, erfuhren wir, daß der Feind schon um
Uhr in voriger Nacht die Insel zu räumen began
nen hatte, und daß alle bi« aus 75 Mann in keine«
Booten von (Summing« Point au« entkommen
ten.
Au« erbeuteten Deptschtn entnehme ich, daß For
Wagner mit einer Besatzung von 1400 Mann unter
dem Commando von Col. Keitt von Süd Carolin«
stand, und daß die Besatzung von Batterie Gregg
zwischen 100 und 200 Mann betrug. Fort Wagner
ist ein Werk der stärksten Art. Seine Bombenfeste«
Cafematten, welche 1800 Mann halten können, sind
nach dem heftigsten Bombardement, welchem jema!«
ein Festungswerk ausgesetzt war, noch unverletzt.
Wir haben 19 Kanonen und «inen großen Vorrath
ausgezeichneter Munition erbeutet. Die Stadt und
der Hafen von Charleston sind jetzt vollständig i»
Bereich meiner Kanonen.
Ja? habe die Ehr« zu s'w, Achtungsvoll,
horsaiuer Diener
Ihr
tige Nachricht ist die Eroberung von Chattanooga
durch Gen. ^1tosecra»s. —Die Rebellen räumten den
Platz ohne Schwertstreich und zogen mit ihren ge»
sammle» Vorräihe» ab. Ihre Cavallerie blieb bi«
Mittwoch Morgen in der Stadt und schon Mittag«
hielt Ge». CriUendens Division ihren Einzug in Chat«
tanooga. Die Rebellen sind auf dem raschen Rück«
ziige begriff.» und fällen Bäume um un« ihre Ver
folgung durch die Gebirge zu erschweren. Unsere
Vorhut bedroht die Georgia Staatsstraße, welche die
Rück^u^slinte d\ Rebellen bildet.
Euisderland Gap, dieser wichtige Gebirz««
paß, ergab sich am Mittwoch Nachmittag oh-it Flin«
tenschuß. Get. Fraztr, der mit 2000 Rebelltn und
14 Kanontn dort stand, streckte beim Heranrücken von
Gen. Buruside'S Vorhut, die von Gen. Sbakleford
commandirt wird, sofort die Waffen. Da haben wir
also wieder 2000 Gefangene erwischt»
Ganz Ost-Tennessee befindet sich jetzt in unsere»
Händen und die Heere von Roseeran^ und B'trnsid«
stehen jetzt in nahet Verbindung. Die Eroberung
war ein blutloser Sieg und fcet Plan wurde mit gro
ßer Energie durchgeführt. Unsere Bewegungen wa«
jxen so rasch, daß die Rebellen förmlich überrumpelt
wurden unl fliehen mußten, the sie Zeit gewannen,
irgend welches Eigenthum zu zerstören. 3 Dampf«
ibcte, 3 Locomotive» und vieleEisenbadn»Wagenfie
len in unsere Hände. Der Matsch unserer Truppen
war ein förmlicher Triumphzug, und der Einzug in
Knoxoille wird lange in der Erinnerung bleiben. Tau«
sende von Menschen, ohne Unterschied de« Altert,
Stanves oder Geschlechts, standen am Wege und it*
grüßten uns mit Hurrah« und Freudenthrânen, da
zwischen spielte die Musik und die Freude führte den
Reigen.
Ge». Bnrnside hielt eine Rede an die Soldaten
und das Volk und versicherte dasselbe seines Schutzes
während Gerechtigkeit geübt werden solle, bilde doch
Rache keinen Theil der Regierung?,Politik. Gen.
Carter hielt eine rührende Rede übet die Leiden de«
Volke« von Ost»Tennessee, die jetzt beendet seien.
Jn Arkansas werden die Rebellen fortwährend
zurückgedrängt. Fort Smith befindet sich in unse
ren Händen nnd das ganze Indianer Gebiet wird
bald von Rebellen gesäubert sein.
Washington, 10. Sept. Fünf Deserteure »vn
Meade's Armee wurde» bei dem Versuch, den Hole
mac zu überschreiten, gefangen genommen. 236 De
serteure kanitn von New Uoik unter Bewachung an.
Sie sollen vor ein Kriegsgericht gestellt werden.
Der Gesandte Adams schreibt von Englantz,.
babe Hoffnung, daß die Abfahrt der eisengepanzerten
Schiffe für die Rebellen von den brittischen Behörden
nicht gestattet werde.
Südlichen Berichten zufolge haben die Rebellen
immer noch Hoffnung, Charleston zu halten. Elte
sagen, die Schwierigkeiten für die Uankee'S fangen
erst jetzt an und die tifengepanvrte» Schiffe werden
nie mehr aus dem Hasen hinauskommen, nachdem sie
einmal darin seien.
Ans „Old
ge-
Q. A. Gilmore,
eommandirender Brig. Gennal.
Eine andere wich­
Abe'S" Aaeed»te»schatz.
Vor noch nicht seht langer Zeit kam ein Farmer
von einem Grenz County BirginienS zu Präsident
Lincoln nach Wtfhington und beschwerte sich bitter,
daß die Unioiis'Triipptn, als sie an seiner Farm vor
beizogen, ihm nicht allein sein Heu, sondern auch sein
Pserd genommen haben, er hoffe daher, der Präsident
werde schleich den zuständigen Beamten beauf.taaen,
seine Forderung ohne Verzug zu berücksichtigen. Aber
mein lieber Mann, sagte Lincoln, ich kann an so et
waS nickt denken. Wenn ich mich um all, persönli»
chtit Geschickten bekümmern würde, so hätte ich Ar
belt genug für zwanzig Präsidenten. Der Farmer
bat dringender, und ersuchte den Präsidenten zuletzt
mir um ein, Zeile an Oberst —, nur eine einzige Li
nie. Ha, ha. ha. lacht, d,t Prösidmt kreuzte die
Beine und sagte: „da fallt mir gerade det alte Jack
Ch-se in Illinois draußen ein/ tllleS sammelt sich
um den Präsidenten, um den neue» Witz zu hören.)
„Ich kenne Jack wi, ,in,n Briidtr, Ihr Alle kennt
ihn ja, et trat ein Flößer, war fleißig und nüchtern
und der beste Flößer aus dem Fluß. war vor 26
Jahren ein Kunststück, die Flöße über die Strom«
schnellen zu bringen, Jack verstand ,s aber, «nen Floß
zu steuern, und hielt ihn immer gerade im Schifföka
nal. Endlich kam ein Dampfer auf den Flnß und
Jack ,r ist jetzt todt, der arme Mann wurde
Capitän auf demselben. Er pfi'gte, wenn eS durch
die Stromschnellen ging, selbst am Rad zn stehen.
Einst, als das Boot sich durch den gefährlichen Platz
wälzte und zwängte
und
bieten mußte, nm das Boot im Schiffs Kanal zu
halten, zupft, ein Knabe an Jack's Frackfiiigel und
sagte: »Mistet Capitän, haltet doch das Boot ein«
Minute lang an, mein Apfel ist mit Über Bord ge
fallcit*
DaS griechische Feuer, das Gen. Gill
more in ,in,r Entfernung von fünf Meilen nach Chat
leston iratf, soll ,in, vor w,nigen Monaten patentir
te Eifiuduug tints Bürgers von Buffalo sein, welche
die Regierung zum militärischen Gebraucke angtnom
mtn hat. D,t Haiipt-Bkstandthkil dieseS zerstör,n
d,n Stcffts soll Pttroltnm (Sirinöt) sein, da« che
misch mit anderen Brennstoffen in einem solchen V,r«
hältnisse gemischt ist, daß es mit großer Jtensität
brennt. Mit Wasser kann e« nicht gelöscht werden
nnd brennt daher auf dem Wasstr. Der Stoff liegt
in der Hohlkugel so angebracht, daß er sich bei S»t«
Zündung der Sprengladung von gewöhnlichem Pul»
ver alsbald entzündet und an dem Orte, wo die Äu
gel zerplatzt ist, sortbrennt.
Die Bläuet von Penniylvanien sind mit !an«
gen Listen der Gezogenen aus ihren Eountie« ange«
füllt Berk« County schrillt namentlich start bluten
zu müsse«.

N ha & gf i e e t.
Co lumbns, O., Donnerstag, IT. September 186 3.
t,O0 pM y«*r. Invariably Ml
Chattanooga unser!
Jack seine gani^, En,rgi, auf«

xml | txt