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Der westbote. [volume] (Columbus, Ohio) 1843-1871, October 15, 1863, Image 1

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Der Westbote, O
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®crautfioMung.
IO» CfftfllKBgfit auf da« ?la»t sinn tit nicht beachtet »erde».
»Ichl «eiligsten» der vetraq für 6 Monate (t 1) beigefügt 1st.
Wie graue /rau.
Eine wahre Geschichte in drei Ubthtilun
Räch fcro Englischen bearbeitet von HenncuS vom See.
(Fortsevlmg.)
Sie di?putirten ein irtttig darüber, ob sie vor oder
nach der Beerdigung ihreS OpftrS in die Speisekam«
wer des Schlösse? eilen sollten, um ihren Hunger *ii
befriedigen. Ich lauschte begierig in fieterischer Auf»
regung, als sie auf diesen Punkt zu sprechen kamen,
und jedes Wörtchen, das hierüber geäußert wurde,
prägte sich auf eine Weise meinem zerstreuten Ge
dächtniß ein, daß ich mich kaum erwehren konnte, eS
in meinem jämmerlichen Zustande, bewußtlos, wie
ein Echo laut zu wiederholen. Doch ein sonderba»
rer Trieb der Selbsterhaltung hielt mich stets wieder
davon ab und schärfte meine Sinne auf's Neue. Ich
bot meine ganze Kraft auf, um das eonvulsivische
Zittern, das sich meiner bemächtigte, zu unterdrücken,
aus Furcht, es möchte mich dasselbe verrathen. Ich
merkte auf jedes Wort, das gesprochen wurde, ohne
zu wissen, welcher Entschluß, zu dem sie kommen soll
Im, mir am erwünschtesten wäre das aber fühlte ich,
daß meine einzige Aussicht, zu entkommen, für was
sie sich auch entscheiden sollten, nahe bevorstand. Ich
hatte jedoch zu befürchten, daß mein Gemahls bevor
mir noch die einzige Gelegenheit geboten würde, in
sein Schlafgemach gehen möchte, in welchem Falle er
höchst wahrscheinlich mrine Abwesenheit entdeckt ha«
den müßte. Gr sqgte, seine Hände seien beschmutzt
ich schauderte zurück, da ich unwilltührlich dachte,
#S rühre von fRriffchmMitF her und tt wellt
vorher waschen ein bitterer Scherz jedoch veranlaß!»
ihn, vou diesem Vorhaben abzustehen und er verließ
daher mit den beiden anderen Strolchen das Zimmer
durch die Thüre, die in den Corridor führte, mich in
der Dunkelheit mit dem erstarrten Leichnam allein
lassend.
Jetzt, jetzt war meine Zeit zum Handeln gekom»
men, jetzt oder nie, und dennoch konnte ich mich nicht
von der Stelle bewegen. Es war weder der Krampf,
noch die Steifheit meiner Glieder, was mich fest»
bannte, nein, es war das Entsetzen vor der Gegen«
wart des Todten, der mir so nahe lag. Ich wAhnte
ich glaube noch heutzutage, daß es kein leerer
Wahn gewesen er hebe den Arm empor der mir
znnächst lag, als wollt er den Himmel noch einmal
um Rache anflehen, um ihn dann auf immer in die
Nacht des Totes zurücksinken zu lassen. Bei dieser
Einbildung wenn Du es Einbildung
nennen willst
schrie ich in wildem Entsetzen laut auf, und der
Schall meiner mir selbst fremd scheinenden Stimme
brach den Bann, in dem ich mich befand. Ich warf
mich an die Seite des Tisches, die am weitesten ten
dem Leichnam entfernt war, und zwar mit vieler Be
hutsamkeit, als wenn ich wirklich gefürchtet, der für
immer erstarrte und kraftlose Arm des Todten möchte
mich sonst festhalten. Ich richtete mich alsdan» sanft
und leise empor und stand, todeèkrank und zitternd
mich festhaltend, an dem Tische, ohne in meiner Ver
wirrung zu wissen, was ich für das Nächste thun sol
lt. Da auf einmal hörte ich eine leise Stimme ich
schauderte vor Angst zurück, kam jedoch in meinem
Schrecken bald wieder zu vollem Bewußtsein, als mir
Slmante von außen flüsternd zurief: „Madame!"
Das gute Wesen lag auf der Lauer sie sah, wie
die drei elenden Verbrecher durch die Gallerie die
Stiege hinunter quer über den Hof nach den Bureaux
in dem anderen Flügel deS Schlosses schlichen. Als
sie meinen Schrei hörte, stahl sie sich leise nach der
Thüre des Schreckenszimmers in welchem ich mich
befand. Der Klang ihrer Stimme gab mir neue
Kraft nnd ging ich wie Einer, den auf der trau
rigen Oede des Moors die Nacht überfallen und der
plötzlich einen schwachen Lichtschimmer wahrnimmt,
der von menschlichen Wohnungen herrührt gera
den Wegs beherzt darauf zu. Ich fühlte, daß, wenn
ich diesen Augenblick durch weiteren Zeitverlust vor
übergehen ließe, mir nichts übrig blieb, als sicherer
Tod.
Die Thüre flog auf, ob durch mich oder sie, kann
ich nicht genau bestimmen, doch nimmer werde ich
den Augenblick vergessen wie ich Amante um den
Hals fiel und sie so fest umschlang, daß mir von der
übergroßen Anstrengung und Freude die Hände
schmerzten. Doch kein Laut kam über ihre Lippen.
Sie nahm mich, so viel ich weiß, in ihre kräftigen
Arme, trug mich nach meinem Schlafgemach und leg»
lc mich auf das Bett.
Sobald dieS geschehen, schwanden mir die Sinne.
Schreckliche Furcht bemächtigte sich meinrr es
kam mir vor, als wenn mein Gemahl irgendwo in
dem Zimmer versteckt sei, um aus das erste Wort, das
meine Mitwissenheit seines grauenhaften Verbrechens
bekunden sollte, mich zn morden. Ich wagte nicht,
so schnell zn athmen, als es mirdasGefühlder Angst,
das mein Inneres durchwühlte, zum Bedürfniß der
Nothwendigkeit machte. Ruhig und bewegungslos
lag ich da und wagte, selbst nachdem ich mein volles
Bewußtsein wieder erlangt, nicht, die Augen auszu»
schlagen, viel weniger zn sprechen. Ich hörte Je
wand in dem Zimmer leise auf und ab gehen an»
scheinend weniger aus Neugierde oder zum Zeitver
treib, als in irgend welcher eifrigen B.schäflignng
ich aber achtete nicht darauf. Mir war, als nahe
meine Eterbestnndc, und wünschte ich nur, daß die
Todesqual vorüber sei« möchte. Wieder beschlich
mich eine fürchterliche Angst, und ich war nahe da
ran, in förmliche Bewußtlosigkeit zurückzusinken, als
i'h Amante's Stimme, ganz in meiner Nahe, mir
leise zuflüstern hörte: „Trinken Sie dieses, Madame,
und lassen Sie uns von dannen eilen Alles ist set
tig!'
Ich ließ mir von ihr den Kopf aufheben und Et«
was in den Mund gießen. Wahrend der ganzen
Zeit sprach sie vollkommen verschieden von ihrem
früheren Tone, in dem stets etwas Kaltes und Gcbie
tcnsches lag ruhig nnd gemessen. Unter Anderem
theilte sie mir mit, daß einer ihrer Anzüge für mich
bereit liege, und daß sie sich selbst, so gut es die Um»
stände gestatteten, verkleidet habe. Was Lebensmit
tcl anbelange, so habe sie die Ucberrste meines Abend
lssens in ihre Taschen verpackt. Und so fuhr sie sort,
stets auf kleinlichen Nebensachen verweilend, ohne
auch mir im Geringsten auf den Grund, warum un
sere Flucht eigentlich nöthig sei, anzuspielen. Ich
stellte keine Nachfrage bei ihr an, wie oder was sie
.denn eigentlich wisse, und habe es auch später nie
malS gethan. Eine Jede behielt das schreckliche Ge
heimniß für sich, dessen Enthüllung ich nicht ertragen
hatte. Doch vermuthe ich, daß sie in dem Ankleide
zimmer gewesen ist und Alles gehört hat, was unter
der Mördern in dem anstoßenden Zimmer vor sich
ging.
3" der That, ich wagte anfänglich kaum, selbst
Amante gegenüber, anders zu sprechen, als sei auch
nicht das Geringste unter den höchstgewöhnlichen
Vorfällen des Lebens passirt, das solche Vorrichtun
gen zur Flucht in der Stille der Nacht rechtfertige.
Sie aber gab mir ihre Anweisung kurz, aber mit Be
siimmtheit, ohne eine Ursache dafür anzugeben, gera
de wie man sie einem Kinde ertheilt, und wie ein Kind
gehorchte ich ihr.
Häufig ging sie an's Fenster und sah ängstlich und
vorsichtig hinaus, dann wieder schlich sie nach der
Thüre und lauschte. Was mich anbelangt, so sah
ich nur sie, und keine Minute lang wagte ich meine
Augen von ihr zn wenden auch hörte ich Nichts in
der tiefen Stille der Mitternacht, als ihre leisen
Schritte und den heftigen Schlag meines Herzens.
Endlich nahm sie mich bei der Hand und führte
mich ich der Dunkelheit durch den Salon noch ein
mal in die grauenhafte Gallerie, wo über dichter Fin
sterniß ei» schwacher, kaum sichtbarer Lichtschimmer
durch die Fenster hereindrang, der bleiche, gespenstige
Figuren auf den Boden zeichnete. Mich fester an sie
schließend, ging ich vorwärts, nicht den geringsten
Zweifel an ihrer Ergebenheit und Treue hegend
wußte ich doch, daß sie nur mehr zugethan war, denn
je, nachdem sie meine unaussprechlich schreckliche Lage
im reichsten Maßt kennen gelernt. Behutsam mit
leise schritten wir vorwärts, uns zur Rechten anstatt
zur Linken wendend, an meinen Gemächern vorbei,
wo die Vergoldung, eine blutigrothe Färbung an»
nahm, dem mit noch unbekannten Flügel des Schlos
ses zn, dessen Fronte mit der weit unten vorbeiführen»
den Heerstraße parallel lief. Sie führte mich durch
mehrere Gänge deö Erdgeschosses, in die wir hinab»
gestiegen, nach tum kleinen offenstehenden Thüre
dutch die tin kalter Luftzug blies, der
1halten
y' yr
(V
Jahrg. 581.
setzlichen Vorgängen, zum ersten Male wieder ein!«
ges Leben in mich brachte. Die Thüre sübrte iiwint
Art von Kelltr, durch dtn wir nach tiner sensterähn
lichen Oeffnnng tappten, du mit schweren eisernen
Stäben vergittert war, von denen jedoch zwei lose wa
ren, wie Amante genau wußte, da sie solche mit gro
ßer Leichtigkeit, wie Einer, der es schon öfters gethan,
herausnahm. Als dies geschehen kroch sie hinaus
und half mir sodann ebenfalls in das Freit.
Wir schlichen an der Mauer des Gebäudes entlang.
Amante ging voran. Als wir um die Ecke bogen
faßte sie mich flüchtig drückend am Arm. Mit dem
nächsten Schritte hörte ich auch schon ferne Stimmen
und die Stöße eines Spatens gegen den festen Bo»
den. Die Nacht war ausnehmend ruhig und schwül.
Noch hatten wir kein Wort gewechselt und sprachen
selbst jetzt nicht. Zeichen waren sicherer und für uns
eben so verständlich. Sie wandte ihrt Schritte der
Heerstraße zu und ich folgte ihr. Mir war der Pfad
gänzlich unbekannt. Wir stolperten öfters, und trug
ich einige Quetschungen davon, zweifelsohne Amante
ebenfalls. Doch körperlicher Schmerz that mir wohl.
Endlich erreichten wir den ebenen Pfad der Straße.
Ich hatte ein solches Vertrauen zu Amante, daß
ich sie ganz ihrem Wunsche gemäß verfahren ließ und
selbst dann keinen Einwand machte, als sie ruhig ste»
hen blieb und darüber nachdachte, welche Richtung
si^tiyschl«gen sollte. Endlich unterbrach sie das langt
igen, indem sie mich alio frug: „Auf welchem
Wege sind Sie gekommen, als Sit Monsitur dt la
Tourelle hierherbrachte V
Ich zeigte mit dem Finger, da eö mit unmöglich
war zu sprechen.
Ohne ein weiteres Wort zu verliert» schlug sit dtn
Wtg nach der entgegengesetzten Richtung auf der Heer
sttaße ein. Nachdem wie ungefähr eine Stunde so
fortgewandert, wandten wir uns seitwärts den Berg
hinaus von derselben ab. Mit vieler Mühe erkletter
ten wir rastlos die Höhe, gönnten uns jedoch selbst
hier keine Ruhe, sondern setzten unsere Flucht mit
großer Eile weiter fort. Als der Morgen im Osten
dämmerte, suchten wir nach einem Platze, wo wir uns
zn verstecken und zugleich auszuruhen gedachten. Jetzt
erst wagten wir, jedoch nurleise, mit einander zu spre
chen.
Amante theilte mir mit, daß sie die Thüre, die
mein Schlafgemach mit dem meines Mannes vcr
band, zugeschlossen, ebenso die Thürt zwischen erste
rem uud dem Salon, und daß sie die Schlüssel an
einen verborgenen Ott gelegt, so daß sie nicht zu fin
den wären.
„Monsieur de la Tourelle/ fuhr sie fort, „wardie
se Nacht sicher zu sehr in Anspruch genommen um
sich mit Madame zu beschäftigen. Sicherlich wird er
denken, daß Sie fest schlafen. Ich werde die Erste
sein, die man vermißt doch werden sie jetzt erst un
sere Abwesenheit entdecken.*
Noch entsinnt ich mich, wie ich sit ans die letzte
Bemerkung hin zur Weiterreise drängte. Ich fi'chlte,
daß die Zeit zn kostbar sei, um an ein Versteck oder
gar an die Ruhe denken zu dürfen. Amante aber er
wiederte mir kantn, so sehr war sie mit der Aufjuch»
ung eines Plätzchens beschäftigt, das uns Schutz vor
einer Verfolgung gewähren sollte. Alle Mühe jedoch,
ein solches zu finde», war umsonst, nnd setzten wir
daher unsere Flucht weiter fort. Als wir eine kleine
Strecke zurückgelegt, dachte sich dt» Berg plötzlich ab.
Wir schritten jedoch, so gut es eben ging rüstig vor»
wärts, und mit dem vollen Lichte des Morgens befan»
den,wir uns in einem engen Thale, durch das ein
Bergstrom seinen Weg gebahnt. Ungefähr eine Mei»
le weiter unterhalb wirbelten sich granblaue Rauch»
faulen, die von einem freundlichen Dörfchen anfstie
gen, in die klart Morgenluft empor. Wir hörten den
tauschenden Gang eines Mühlrades ganz in unserer
Nahe, konnten jedoch, eines Bergvorsprnngs wegen
weder Müble noch Rad sehen. Unter dem Schutz der
Bäume nnd Gebüsch machten wir unsern Weg an
der Mühle vorbei, abwärts nach einer einbögigen
Brücke, die, meiner Ansicht nach eine Verbindung
mit dem Dorf weiter unterhalb und jenseits des
Stromes und der Mühle herstellte.
„So, hier werden wir vor der Hand sicher genug
sein sagte Amante, indem wir unter die Brücke
gingen, nnd die rauhe Wand, an welcher der Bogen
befestigt war, nach einer vorspringenden Steinreihe
hinaufkletterten, wo wir uns im Dunkel eines niedrig
feuchten Winkels verkrochen. Amante saß etwaö hö
her als ich, und bat sie mich daher, meinen Kcpfauf
ihren Schooß zu legen. Nachdem ich dies nur auf
dringendes Ersuchen gethan, zog sie von den mitge»
nominellen Speisen hervor und wir aßen. Als dies
geschehen, breitete sie ihren großen dunkeln Mantel
übet uns aus, um unsere theilweis hellen Kleidungs
stücke damit zu verdecken. Obschon wir vor Kalte
ichaiiatni, so suhlten wit dennoch eigetmaßen Ruhe
in unserer Lage, was von dem Bewußtsein herrühren
mochte, daß wir vor einer jeglichen Gefahr den Tag
übet geborgen seien. Die dumpfige Luft unseres Ver
stecks, in das nie ein Strahl der Sonne drang, übte
eine solche unangenehme Wirkung ans mich aus, daß
ich befürchtete, noch vor Aöend, wo wir unsre Flucht
fortzusetzen gedachten, zu unwohl zn fein, um eine
derartige Anstrengung lange aushalten zu können.
Zu unterem großen Leidwesen regnete es den ganzen
Tag übet, waS unsere Lage sehr.verschlimmerte. Tau»
sende von kleinen Gießbächen, die «itö den Bergen ka
men, schwellten den Strom zu einem reißenden Berge
an, so daß er schäumend und lärmend an und vor»
btirauschte»
Hie und da wurde ich a«S meinem Schlummer,
der eigentlich mehr eine Betäubung zn nennen w^r,
in die ich von Zeit zu Zett verfiel, durch das Gestampf
der Pferde übet unsern Häuptern geweckt. Manchmal
schien es, als schleppten sie schwere Lasten hinter sich
her, und ihr Gang war dann langsam manchmal
sprengten sie im raschen Galopp über die Brücke hin
weg, und wenn ich dann durch das Rauschen des
Elementes Mannesstimmen vermahm, was nicht sei
ten geschah, beschlich mich stets eine stille Furcht.
Doch endlich neigte sich In Tag und der Abend
fing an zu dämmern. Wir mußten uns in den Strom
hinablassen und kam uns das Wasser bis über die
Kniee, als wir an das Ufer wateten das wir, steif
und vor Kälte fröstelnd, erreichten. Da standen wir
nun uud wußten nicht, was wir für's nächste thun
sollten selbst Amante schien der Muth zu sinken.
„Wir müssen diese Nacht unter irgend einem Ob
dach zubringen!" sagte sie, und sie hatte Recht, denn
der Regen gcß unaufhörlich in Strömen nieder. Ich
erwiederte nichts. Ich dachte, daß unser sicheres Loos
dennoch baldiger Tod in irgend einer Form sein wer
de, und hoffte nur, daß uns der Schrecken vor mensch
liehet Grausamkeit erspart werden möchte.
Nachdem Amante ein wenig in tiefes Nachdenken
versunken war, kam sie zu einem Entschluß, den sie
sogleich in Ausführung zu bringen suchte indem sie
den Fluß entlang geraden Wegeö nach der Mühle
ging. Ich folgte ihr. Das Raffeln und Rauschen,
der Geruch des Weizens, die met?lbeftaubteii Wände,
Alles das erinnerte mich an meint Heimath, an mein
iUaifthauS, und däuchte es mit, als wem ein Aip
auf mit laste, dessen ich mich entledigen müsse, um zu
klwachen und mich noch einmal als ein fröhliches uud
glückliches Mädchen an den Uftin des Neckars zu se
he».
Es währte lange, ehe die Thüre, an welcher Aman»
tt anklcprtf, aufgeriegelt wurde. Die schwache Stirn»
me einet alten brau rief uus von innen zu, wet da
sei und was man begehre. Amante bat um ein Ob»
dach vor dem Wettet für zwei atme Frauen die Als
aber erwiederte mit mißtrauischer BedenklichkeN, sie
glaube ganz sicher, daß es ein Main, sei, der Etnlaß
Itiche, und daß jte Niemand herein lassen dürst. Trotz
ihttt Aussage jedoch überzeugte sie sich übet ihre Ver»
miithtmg und als sie solche unbegründet sand, schob sii
den Riegel von der schweren Thiire zurück und liefe
uns eintreten. Die alle Frau war nichts weniger als
unfreundlich, ihr Gedankenkreis jedoch ein sehr de«
Ichtankur, was wir daraus schloffen, daß sie uns
mittheilte, ihr Herr, der Müller, habe ihr gesagt, un
ter keiner Bedingung einen Mnnn währe,idjeiiter Av
Wesenheit htitin zu lassen, und sie wisse nicht, ob er
am Ende zwei Frauenzimmer nicht für eben t» schlimm
würde, und dennoch glaube sie da wir keine
Männer seien, es könne Niemand sagen, daß sie sei
Der
rem Befehle nicht nachgekommen sei zudem wäre es
eine Schande, selbst einen Hiinb in solcher Nacht
draußen zu lassen. Amante, deren Scharfsinn gleich
weiter sah, sagte ihr, sie solle Niemand wissen lassen,
daß wir diese Nacht hier verbracht, weil sie dann der
Müller, ihr Herr, auch nicht schimpfen könne, da er
nichts davo I erfahre. Das Resultat war daß die
Alte auf diesen klugen Plan einging und uns die Ver«
sichernng gab, daß sie unser Hiersein vor einem Je
den im Hanse geheim halten wolle. Nack diesem be
schäftigte sie sich eifrig damit, uns die nassen Kleider
abnehmen zu helfen, die sie dann mit dem braunen
Mantel, unter dem wir Beide Schutz vor dem Wet
ter gesucht, vor den großen Ofen hing, der tint Hitze
in dem Zimmer verbreitete, wie es der gebrechlichtn
Vitalität der alten Fran znträglich war.
Während der ganzen Zeit war das glitt Wesen mit
tintm eifrigen Selbstgespräch beschäftigt, dessen In
halt sich darauf beschränkte, ob sie wohl ihres Herrn
Befehl dadurch überschritten, daß sie uns hereingelas
sen. In der Aufstellung ihrer Bereife, für und ge
gen, legte sie eine Zungenfertigkeit an den Tag, die
mich ihre Fähigkeit, ein Geheimniß zu bewahren, be
zweifeln ließ. Nach und nach kam sie von dem siebe»
nnriihizenden Thema ab und machte uns ohne ge
fragt zu haben, die Mittheilung, daß ihr Herr, der
Müller, mit der Auisnchnng seines Gutsherrn, deS
Sittir de Poissy, beschäftigt fet-, der in dem Chateau
oberhalb wohne und von seiner gestrigen Jagd noch
nicht zurückgekehrt sei weßhalb der Verwalter der
ängstlichen Befürchtung, daß ihm etwas passirt sein
möchte, Ranm gebe, und daher die Nachbarn anfge
fordert habe, den Wald und bit Gebirgsscite nach
ihm zu durchsuchen. Sie theilte uns nebendem in ih
rer Geschwätzigkeit noch vieles Andere mit und gab
uns auch beiläufig zu verstehen, daß sie gerne eine an
dere Stelle als Haushälterin haben möchte, wo mehr
Dienstboten und weniger zu thun wäre, da ihr Leben
hier zu einsam und schwersällig sei, besonders seit der
Sohn ihres Herrn in den Krieg gezogen.
Nachdem sie des SchwätzenS müde wnrdt, holte sie
ihr Abendessen, das ihr von sparsamer Hand zugt
messen war. Der Gedanke, daß es zu wenig sei, um
uns etwas davon mittheilen zu können, schien sie sehr
zn rlaLen. Glücklicherweise bedurften wir nichts als
Wärme, und Dank Amante's Bemühung, daß sol
che unseren vor Kälte steifen Gliedern zu Theil wurde.
Als die Alte ihr Mahl zu sich genommen, wurde
sie sichtbar schläfrig, und schien sehr von der Idee be
iiimihigt zu sein, daß sie unserer Anwesenheit wegen
nicht einschlafen dürfe. Ja, sie gab uns sogar deutli
che Winke, daß es ihr sehr angenehm wäre, wenn wir
sie allein ließen und unsern Weg in der stürmischen
Nacht fortsetzen wollten. Wir baten jedoch, daß sie
uns ein Obdach, wenn auch noch so schlecht, für die
Nacht gewähren möchte wir seien damit zufrieden.
Als sie ei» wenig nachgesonnen, schien sie auf einen
glücklichen Einfall gekommen zu sein, und bat uns,
tint Leiter nach einem Dachboden, der sich über der
Küche befand, hinauf zu steigen. Wir gehorch
ten, was blieb uns sonst noch übrig? Wir befanden
uns alsbald auf einem geräumigen Bodm. An der
Oeffnung, durch die wir hinautgelangten, befand sich
weder Wand, Geländer, noch irgend etwas Aebnli
ches, das uns vor dem Hinunterfallen in die Küche
wenn wir etwa aus Unvorsichtigkeit zu nahe an die
Kante treten sollten, häite schützen können. Es war
mit einem Wort, die Rumpelkammer für das Hans»
wesen. Betten, Kisten und Kasten, der Wintervorrath
von Aepseln und Nüssen, Bündel von alten Kleidern,
zerbrochene Möbel und viele andere Sachen lagen
theilweise aufgehäuft bunt durcheinander. Ich muß
bemerken, daß wir kaum oben angelangt waren,
als
die Alte auch schon die Leiter mit einem selbstbefriedi»
genden Kichern wieder wegbrachte, als wenn sie nun
vollkommen sicher sei, daß wir nun kein Unbeil an»
stiften könnten dann aber setzte sie sich, die Rückkehr
ihres Herrn abzuwarten, nieder und nickte allmählich
in einen leisen Schlummer ein.
Wir zogen einige Betten ans dem Getümmel her»
vor und legten uns, unter deit Umständen mit ttnse
rem Lager zufrieden, darauf nieder, in der Hoffnung,
gns durch den Schlaf, dessen wir so sehr bedurften,
für den nächsten Tag einigermaßen zu stärken. Ich
konnte jedoch nicht einschlafen uud nach Amante's
Athemholen urtheilend, merkte ich, daß sie ebenfalls
wachend blieb. Wir konnten Beide deutlich durch die
Ritze des Bretterbodens hinab in die Küche sehen,
die iinr spärlich durch ein Ampellicht, das nicht weit
v«m Dirn an der Wand hing, erhellt wurde.
Dritte Abtheilung.
Die Nacht war bereits iveit vorgerückt, als wir in
unserm Versteck Stimmen von draußen vernahmen.
Ein heftiges Klopfen erfolgte alsbald und durch die
Ritze konnten wir sehen, wie die Alte aufsprang, nach
der Thüre eilte und dieselbe ihrem Herrn öffnete, der
halb betrunken hereintrat. Zu meinem Todesschre»
ekeii folgte ihm Lesevre, augenscheinlich verschmitzt und
finster wie immer. Als sie hereintraten, waren sie in
einem Gespräch miteinander beschäftigt, das jedoch der
Müller unterbrach, indem er sich in Flüchen und
Schimpf:eden über die arme Alte erging, weil sie sich
unterstanden, einzuschlafen, während er nicht zu Hau»
se gewesen. Sein Zorn nahm znletzt so überhand,
daß er sie mit heftigen Stößen ans der Küche in's
Bett jagte.
Als sich sein Aergtr etwas gelegt, nahm Lesevre
das Gespräch wieder auf, das sich ausschließlich aus
das Verschwinden des Sieur de Poissy bezog. Aus
Allem schien hervorzugehen, daß Lesevre mit noch
mehren,Untergebenen meines Gemahls den ganzenTag.
vergeblich natürlicher Weise, mit der Aufsuchung des
selben zugebracht aller Wahrscheinlichkeit nach um
die Leute des Sieur de Poissy aus eine falsche Fährte
zu bringen. Der wirkliche Hauptzweck aller dieser
Mühe aber war denn ich konnte solches ans de»
schlauen Fragen Lesevre's nur zu deutlich merken
daß er unserer Flucht nachzuspüren suchte.
Obschon der Müller ein Pächter und Vasall des
Sieur de Poissy war, so schien er dennoch ein Ver
bi'mdetet der Untergebenen Monsieur de la Tourel
le's zn sein, denn aus Allem, was er sprach, ging her
vor, daß et mit dem Lehn das Lesevre und seine
übrigen Genossen führten, vertraut war, obgleich, wie
ich vermuthe, et nicht die Hälfte ihrer Gräuel ahnte,
geschweige denn wnßtt. Zudem glaube ich, daß es
ihn, ernstlich um das noch in's Dunkel gehüllte
Schicksal seines Herrn zn thun war, dabei jedoch nicht
im Entferntesten Lesevre oder irgend einen seiner Ge»
nossenschast des Mordeö oder sonst einer Gewaltthat
an ihm für sähig hielt. Während et längere Zeit
ein Gespräch mit sich selbst unterhielt, allerlei Gedan
ken und Ansichten hervorbringend, wurde er von de»
durchdringenden Blicken Lcfevre's, die unter seinen
buschigen Augeiibraueu hervorblitzten, scharf beobach»
tel. Es war nicht in der Rolle deS letzter», sich da
darübet auszulassen, daß die Frau seines Gebieters
ans jener niederträchtigen, grauenvollen Räuberhöhle
entstehe» fei. Obschon er jedoch nicht das leiseste
Wörtchen athmete, das Bezug auf uns hatte, war ich
nichtsdestoweniger gewiß, daß et nach unserm Blute
dürstete nnd die Gelegenheit herbeisehnte, seine» mör
derischen Vorsatz ausführen zu können.
Plötzlich stand er auf und verabschiedete sich. Nach
den» et draußen war, verriegelte der Müller die Thu»
te und stolperte zu Bette. Wir aber veifielen alsbald
in einen wohlthuenden Schlummer und schliefen lange
nnd fest.
Als ich am nächsten Morgen erwachte, sah ich
Amante, halb aufgerichtet und auf eine Hand gestützt,
mit gierigen Augen in die Küche hinabblicken. Ich
ahmte ihr nach nnd sah, wie der Müller mit zweien
seiner Leute im eifrig?« Gespräch übet die Alte begrif»
fen war, die nicht, wie gewöhnlich, das Feuer in dem
Ofen augezündet und ihres Herrn Frühstück herge
richtet, und die so eben, an dem bereits weit vorge
rückten Morgen todt in ihrem Bette gefunden wot
den war. Ob sie in Folge der vom Müller in der
vergangenen Nacht erhaltene» Stöße oder aus na
türliche» Ursachen gestorben, wer konnte das bestim
men?
DtS Müllers Gtwisstn, möchte ich sagt», trwach
te nach diesem Vorfalle ein wenig, denn et versuchte
auf die vielfachste Weise, sein Verdienst um die alte
Haushälterin zu erkläre» und theilte seinen Leute»
mit, daß auch sie es wiederholentlich gestanden, wit
gut sie eS bei ihm habe. Die Zuhörenden mögen
vielleicht daran gezweifelt haben, sagten jedoch nichts,
wtil sit ihm durch Vorhalttn dtr Wahrheit wahr
scheinlich nicht weht thun wollttn, und stimmten
sämmtlich schließlich darin überein, daß die nöthigen
«schritte für ein schnelles Begtäbniß getroffen werden
sollten.
Sie gingen hinaus. Jetzt erst wagten wir, mit
einander zu sprtchtn, jedoch nur mit leiser, gedämpf
ter Stimme- Von Zeit zn Zeit hielten wir ein, um
zu horchen. Amante faßte den Vorfall mit der Al
ten von einer tröstlicheren Seite auf, als ich. Sie
sagte, daß wir, wenn die Haushälterin am Leben ge
blieben wäre, heute früh von hier fortgemußt hätten
und zwar ohne Weiteres, da es das Beste gewesen,
was uns zu hoffen übrig geblieben denn aller Wahr»
scheinlichkeit nach hätte sie ihrem Herrn unsere An
wesenheit, sowie unsere Ruhestatt nicht verschweigen
können, und dieser Umstand hätte die üble Folge ha
ben können, daß er früher oder später zur Kenntniß
Derer gelangt wäre, vor denen wir unser Hiersein
ans alle Fälle geheim halten müßten. Jetzt aber
hätten wir Zeit und Obdach wo wir uns wahrend
der ersten hitzigen Verfolgung denn wir konnten
mit großer Zuverlässigkeit annehmen, daß solche vor
sich ging. ausruhen könnten. Die Ueberreste der
mitgenommenen Speise und der aufgestapelte Vor
rath von Obst würden mittlerweile genügen das Ei
ne nur was zu befürchten fei, wäre, daß man EtwaS
aus der Rumpelkammer bedürfe und daß der Müller
oder sonst Jemand herauskommen könnte, um nach
solchem zu suchen. Doch selbst dann meinte sie,
könnten wir es so einrichten, daß wir in einem dun
keln Winkel hinter den Kisten und Kasten ein Ver
steckfinden würden, um einer etwaigen Entdeckung
vorzubeugen.
Obgleich ich mich durch den Scharfblick und die
Bemühungen Amante's einigermaßen beruhigt fühl
te, so konnte ich doch nicht umhin, zu fragen, ans wel
che Weife wir überhaupt unser Entkommen von hier
aus bewerkstelligen sollten. Die Leiter, unser einzi
ges Mittel hinabzugelangen, war von der Alten weg
genommen worden. Amante erwiderte, daß sie eine
Leiter aus den aufgerollten Stricken, die unter dem
übrigen Getümpel lagen, verfettigen könne, um uns
die zehn Fuß, etwas mehr oder weniger mag es ge
wesen sein, hinabzulassen, nnd daß uns zudem aus
einer solchen Leiter der Vortheil erwachse, daß wir sie
aushängen und mitnehmen könnten und somit den ge
tingsten Verdacht, daß Jemand in der Rnrnpelkarn
rner versteckt gewesen sei, vermieden.
Zwei Tage waren bereits verstrichen, tht wir tut»
lern projektiven Plan in Ausführung zu bringen
suchten, und Amante wußte diese Zeit gut zu benu
tzen. Alle Kisten und Kasten durchstöberte sie, wäh
rend der Herr des Hauses in bet Mühle beschäftigt
war, und ihre Bemühungen blieben nicht ohne Re
lultat. In einem der Kasten fand sie einen alten
Mannesanzuz, jedenfalls dem abwesenden Söhnt dts
Müllers gehörig. Sie probixte denselben an, nnd
da et ihr paßte, mußte ich ihr das schöne Haar kurz,
wie das der Minner, schneiden und die schwarzen
Augenbrauen, so dicht, als wären sierasirt, abstutzen,
^iach diesem schnitt sie alte Flaschenpfropfen in klei
ne «Scheiben, und solche in den Mnnd nehmend wußte
sie den natürlichen Ausdruck ihres Gesichts sowohl
wie Stimme auf eine Art und Weise zu verändern
wie ich es fur unmöglich gehalten.
Trostlos, wie ich war, «ahm ich nur wenig An«
theil an den energiichen Vorkehrungen, welche Aman
te zu unserer Verkleidung traf. Einmal jedoch, wie
ich mich entsinne, hatte die Gewandtheit und das son
detbare Benehmen, durch das sie sich in ihrem ange
nommenen Charakter einziiüben suchte, den Erfolg
daß ich mich eines Lächelns nicht erwehren konnte.
Ant zweiten Tage ersuchte sie mich, ich solle nun
ebenfalls mit meiner Verkleidung beginnen doch
meine Muthloftgkeit wa? grenzenlos und ich ließ sie
dahrr rnhig mein blondes Haar mit den verwelkenden
Schaaken der Wallnüsse beitzen und meine Zähne
ichwärzen, von denen sie sogar einen ans eigenem An
trieb abzubrechen sich unterstand, um den Effekt mei
ner Entstellung vollständiger zu machen. Trotz alle
dem aber hatte ich keine Hoffnung, daß ich dadurch
dem Ange meiner schrecklichen Ehehälfte entweichen
könne.
Am dritten Abend unsers verborgenen Aufenthalts
in der Mühle war das Begtäbniß der gnten dahin
geschiedenen Alten vorüber, das Trinkgelage zu Ende
und jeglicher Gast nach Hanse aufgebrochen. Der
Müller mußte von feinen Lenten zu Bette gebracht
werden, da er zu betrunken war, um sich selbst vor
stehen zu können. Nachdem dieses geschehen, hielten
sich letztere noch eine kurze Zeit in der Küche auf, um
ihre neugierige Erwartung über die Ankunft der neu
en Haushälterin unter Lachen und Scherzen gegen
feitig kundzugeben dann aber gingen sie die Thürt
zumachend, ohne den Regel vorzuschieben hinaus.
Jetzt war die Zeit zum Handeln gekommen Alles
begünstigte ttns. Amante hatte ihre Leiter bereits an
einem der vothergehenden Abende probirt nnd konnte
durch einen geschickten Wurf von unten dieselbe, nach»
dem sie ihre Dienste gethan, von dem Haken, an dem
sie befestigt wurde, wieder ausheben. Nachdem sie
sich einen Bündel alter, werthloser Kleider ziisam
mengerafft um uns so gut wie möglich das Aus
sehen eines wandernden Hansirer-Paares zu geben-
machte sie sich einen künstlichen Höcker auf den Rn
cken und stopfte mich selbst dermaßen aus, daß ich be
deutend au Umfang gewann. Ihre eigenen Kleider
packte sie mit einem Hänfen von anderen tief unten in
einen Kasten, ans dem sie den Mannes-An^ug, den
sie jetzt trug, genommen, und mit wenigen Francs in
ihrer Tasche das einzige Geld, was wir hatten,
als wir das Schloß verließen stiegen wir die Lei
ter hinab, hängten sie sodann aus und schliche» hin
aus in die kalte, dunkle Nacht.
Von unserm Versteck, dem Dachboden, genossen
wir einen ziemlich gnten Ueberblick der Umgegend
nnd hatten uns bereits darüber besprochen welchen
Weg wir bei der Fortsetzung unserer Flucht?inschla
gen wollten. Amante theilte mir mit, daß sie aus
keinem anderen Grunde bei unserm Weggehen von
Les Rochers die Frage, auf welchem Wege ich da«
hingelangt sei, an mich gerichtet, als durch das Ein
schlagen der entgegengesetzten Richt,mg Monsieur de
la Toutelle irre zu leiten denn sie sei gewiß, fügte
sie bei, daß unsere erste hitzige Verfolgung in der
Richtung nach Deutschland unternommen worden
wate doch glaube sie, daß wir nunmehr getrost nach
jenen Landeöbezirken zurückkehren könnten, wo meine
deutsche Aussprache des Französischen weniger Auf
merkfamkeit erregen würde. Ich hatte nichts dage
gen einzuwenden, denn ich dachte, daß wir, wenn erst
in Deutschland, vollkommen sicher sein würden. Doch
ach! ich vergaß die Unruhen der Zeit, die sich übet
ganz Europa verbreiteten und alle Gesetze und jegli«
chen Schutz, den dieselben gewähren konnten, umstie
ßen 1
Wie wir wanderten wir wagten nicht einmal,
nach dem Wege zu fragen, wie wir lebten, welche
Gefahren wir bestanden und wie wir unter Angst und
Schrecken leiden mußten kann ich Dir jetzt nicht
mittheilen nur zwei unserer Abenteuer, die uns zu
gestoßen, ehe wir Frankfurt erreichten, kann ich nicht
umhin, hier anzuführen.
Das erste, obgleich verhängnißvoll für eine un
schuldige junge Dame, war, wie ich vermuthe, die
Ursache meiner Rettung. Das zweite theile ich Dir
mit, um es Dir verständlich zu machen, warum ich
nicht nach meiner früheren Heimath zurückkehrte, wie
ich es in des Müllers Rumpelkammer beabsichtigt,
nachdem ich, von einiget Hoffnung belebt, dem Ge
danken Ranm gab, was wohl das zukünftige Schick
sal meines Lebens sein möchte. Ich kann Dir nicht
sagen, liebe Uts,,fa, wie seht ich mich in. meiner Un
gewißheit darüber zn Amante hingezogen fühlte.
Manchmal zwar habe ich seitdem befürchtet, daß sie
mir vielleicht nur deßhalb so theuer gewesen, weil sie
zur unbedingten Nothwendigkeit meiner Rettung
wurde. Doch nein, dem ist nicht so 1 Nein, nim
mermehr.
Einmal sagte sie mir, daß sie sowohl ihres als
auch meines Lebens wegen die Flucht ergriffen doch
^eS war dies mehr eine Nebenbemerkung den» wir
dursten mit einander nicht viel darüber sprechen, was
alle Angst und Schrecken der Vergangenheit herauf
beschwor und daS Blut in unseren Adern stocken mach
te. Manchmal zwar sprachen wir von dem Loos,
das unser in der Zukunft harre, was wir thun woll
ten nnd dergleichen, doch selbst von diesem Thema
miißten wir alsbald wieder abbrechen, denn wer könn
tt wissen, ob wir an diesem oder dem nächsten Tage
die Sonne noch einmal untergehen sehen würden.
Amante wußte, wie ich ans ihrem Gespräch vernahm,
viel mehr über das schreckliche Hauswesen von Les
Rochers, als ich sie muthmaßte sogar schon früher,
ehe ich noch eine Ahnung von dem gräulichen Lebens«
wandel Monsieur de la Toutelle hatte, daß er zu ei
ner abscheulichen Bande von Räubert, gehöre.
(£8 war nichts Seltenes, wenn wir uns einiger
maßen in Sicherheit wähnten, daß wir plötzlich
die Spuren der Verfolgung entdeckten, die, wenn
tuch geheimnißvoll, dennoch auf da« Großartigste
in jeder Richtung gegen Uns betrieben wurde. So
Entsinne ich mich em,8 Falles, vor dem sich selbst jetzt
meine Haare noch sträuben, wenn ich daran denke:
Wir waren ungefähr drei Wochen lang Tag fitt
Tag unermüdlich ans den ungangbarsten Wegen fori
e'n
te".'
auT".f,f
zugesprengt kam, absprang und sein Pferd
hineinführte, um dasselbe neu beichlagen zn lassen.--
Das rothe Flarnmenlicht der Esse traf das Gesicht
des A'iköminlings, und Amante, dasselbe erkennend,
erschrack kaum sichtbar doch, als wäre nichts passirt,
faßte sie sich, die üblen Folgen berechnend und flu
sterte mir zu, wie ich schon erwähnte.
Nachdem der Reiter einige Worte mit dem Schmie
de gewechselt, führte ihn Letzterer in die Stube, in der
vir saßen, und rief, in der Thüre stehen bleibend:
„Hier, gute Fran, eine Kanne Wein und etwas Ga
teile für diesen Herrn 1*
„Irgend Etwas, Madame, irg'nd Etwas, was
ich ans der Ha»d essen kann, währenddem mein
Pferd beschlagen wird ich bin in großer Eile und
muß Toibach noch diese Nacht trrtichen i* versetzte der
Eintretende.
Die Fran des Schmied's steckte die Lampe an und
stellte sie aus de» Ofen, in dessen Nähe mein Gemahl
denn daß er es war, wirst Du Dir denken können
stand um sich zu wärmen. Wie froh waren wir,
^aß das Licht nicht vor uns zu stehen kam, wieAman
bereits fünf Minute» vorher verlangt hatte. So
laßeit wir im Dunkel und suchten uns das Aussehen
tu geben als näheten wit eifrig drauf zn, obschon
vir fast nichts sehen konnten. Monsieur de la Ton
eile drehte sich einmal um, und ließ seinen Blick im
Zimmer umherschweifen, schenkte uns jedoch nicht mehr
Öeachtung, als wie den Möbeln, welche »mherstan
aeit. Amante, die ihm mit übereinandergeschlagenen
Leinen zugekehrt saß, beugte sich tief fiber ihre Arbeit
•irtd pfiff ein inun'cres Liedche» vor sich hin. Mein
Herz schlug leichter, als er sich, die Hände nngedul
dig reibend, wieder dem O'en zukehrte. Et hatte sei
neu Wein getrunken, die Galette gegessen und wünsch
tt gerne weitet zn kommen.
»Ich bin in großer Eile, gute Frau,* sagte tr,
„nnd möchte wi'inichen, daß Sie ihrem Manne jagten,
er möge sich tummeln. Ich will ihn gerne doppelt
für seine Arbeit bezahlen, wettn et nur baldigst damit
ftt'ig wäre/
Als die Frau seinem Wunsche gemäß hinansge
gangen, um ihren Mann zu größerer Eile anznspor
»tn, drehte er sich, uns das Gesicht zuwendend, um.
Ämant^e ging in ihrem Liedchen, das sie unnnterbro
hen pfiff, gerade auf de» zweiten Theil über. Mon
ieut de la Toutelle nahm es auf und pfiff eine kurze
Zeit die Seeunda dazu, bis die Frau des Schmiedes
:intrat, auf die er hastig zuging, gleichsam als wolle
.'l^die Antwort schneller dadurch erhalten.
„Nut noch wenige Minuten, Monsieur, nur noch
einigt Minuten 1* sagst dit Eintretend. „Mein
fltaiin befestigt noch das Eisen an einem der Vorder
jufe Monsieur hätte durch das Losgehen desselben
•ifie neue Verzögerung übet kurz oder lang unterwegs
jU bestehen gehabt/
„Gut I Madame, gut!" sagte fort Angeredete
»doch meine Eile ist dringend wenn Madame den
Grund wüßten, würde sie meine Ungeduld entschul
digen. Einst ein glücklicher Gatte, jetzt ein betroge
ner Mann V fuhr et mit heuchlerisch verstellter Me
ne fort. „Ich verfolge ein Weib, dem ich meine gan
ze Liebe zuwandte, das aber mein innigstes Vertrauen
mißbrauchte und zweifelsohne einem geheimen Lieb
Haber in die Arme eilt, Juwelen und Geld, ja Al«
les, was sich in ihrem unmitt.'lbaren Bereiche befand,
mit sich schleppend. Es ist möglich, daß Madame
Madame vielleicht etwas von ihr gesehen oder gehört.
Sie ist von einem verworfenen Frauenzimmer ans
Paris begleitet, die ich unglücklicher Weife selbst als
die Kammerfra» meiner Gemahlin in Dienst zog,
nicht im entferntesten daran denkend, welch ein Ver
derbniß ich in mein Haus brachte/
»Ist es möglich sagte die gute Frau deS Hau
ses, indem sie über eine solche Verworfenheit die Hän
de über dem Kopfe zusammenschlug.
Amante pfiff des Anstands halbst wähttnd der
ganzen Zeit dieses Gesprächs etwas leiser.
„Immerhin 1* versetzte Monsieur de la Tourtllt
nach einer kleinen Weile, indem sein sonst so weibisch
zärtlich und schönes Gesicht einen wahrhaft fürchter»
Itch dämonischen Ausdruck annahm, „immerhin, ich
werde sie verfolgen! Ich bin ans ihrer Spur und sie
werde» mit nicht entrinnen! Doch jede Minute
wird mit eine Ewigkeit der Qual, bis ich mein Weib
wieder gefunden! Madam nthmtn Antheil an
mir, nicht wahr?"
Ein unnatürliches Lächeln flog bei der letzten Be
merknng übet fein Gesicht, und dann ging er, von der
Frau gefolgt, hinaus in die Schmiede, als wollt et
die Ehehälfte der letzteren nochmals zur Eile in sti
ll Arbeit drängen.
—. ibensmitteln, Arzneien und Kleidern beladen waren,
jewandert, ohne z„ wissen, wo wir unS befanden, nnd 'ltosd ungefähr 50 Siittlerwäzen. Die Wägen wur»
rgendwo deshalb nachzufragen, wagten wir nickt,
n*'1 «t
einsamstkhkndes HanS kamen, dessen M^£t.
Öfsitzet Schmied und zugleichTbierarzt war,
ruf dem «childe lesen konnten. Ich war so ermüdet,
daß ich fast nicht mehr w'iter kommen konnte, nnd
Amante sagte daher, daß wir hier übernachten müß-
kommen was da wolle. Gesazt, gethan!
Sie öffnete die Thüre und trat ein sich kühn für ei
nen wandernden Schneider ausgebend, der gern ft*
reit sei, gegen ein Essen und Nachtlager für sich und
seine Frau Irgend welche Ausbesserungen von alten
Kleidungsstücken vorzunehmen. Amante hatte vordem
schon mehrmals unter demselben Vorwande gute Er
solge erzielt, und erscheint es weniger wunderbar, wenn
man bedenkt, daß ihr Vater einstmals eine Schnei
der-Werkstatte in Ronen besessen und sie ihm als
Mädchen oft an feiner Arbeit nähen half, und daher
auch die Gewohnheiten nnd Ausdrücke die den
Schneidern in ganz Frankreich fast ausschließlich ei
gtn, kennen lernte.
Doch genug! Wir fanden unter der vorgeschlage
Iièn Bedingung eine willkommene Aufnahme bei dem
schmied denn wie in allen derartigen Familien, die
fern von einer Stadt in der Einsamkeit wohnen, war
nicht allein ein ganzer Haufen von Kleidern die der
Ausbesserung bedurften, zum Flicken für die HanS
fran zurückgelegt, sondern es war auch ein gieriges
'Verlangen nach Neuigkeiten ans der Fremde vorhan
Den wie man sie von einem wandernden Schneider
zu erfahren gewöhnt ist.
Der kurze November-Nachmittag neigte sich schon
gegen Abend, als wir Amante mit übereinander»
geschlagenen Beinen uns auf einem großen Tische
in der Stube, der nahe an'S Fenster gerückt «nrde,
niedersetzte». Dicht neben Amante näßte ich an einem
anderen Ende desselben Kleidungsstücks, an welchem
auch sie beschäftigt war. Von Zeit zu Zeit wurde ich
von meinem scheinbaren Mann scheinbar über meine
Arbeit geschimpft. Auf einmal jedoch drehte sie sich
Mötzlich um, als wolle sie mit mir sprechen ein ein
ziges Wort jedoch: „Courage!" war Alles, was,
überdies noch leise genug, so daß es Niemand hören
konnte, über ihre Lippen kam. Ich konnte anfänglich
nicht begreifen, was ihr Anlaß zn dieser Bemerkung
geben mochte eine böse Ahnung bemächtigte sich jedoch
meiner, so daß ich mich besonders anstrengen mußte,
um die Gefühle von Angst die in meinem Innern
wühlten, zn überwältigen.
^Die Werkstätte des Schmiedes war in einem
Schuppen neben dem Hans. Amante sah wie ein Ret
*e}
DEß WESTBOTE.
A & I E S E
3PTTBM3SH
BRÄ.
TERMS:
4j*,00 p4t year, ln+arlably aâvaÜ*
Amante unterbrach ihr Pfeifen für einen
blick sich leise an mich wendend: „llm's Himmels
willen, Madamt, fahrtn Sie in ihrer Arbeit fort
ohne auch nur ein Augtnblick zu vtrjitcktn in wenl
gen Minuten wird tt fort frin und dann ist Alle»
vorübtr!"
(gottfrfcuttfl folgt.)
pesche an die New Aotk World sagt, daß Rosetran#
nunmehr in Sicherheit sei. Bedeutende Verstärkn«
gen sind ihm vom Westen un'ü Osten zugegangen im6
sollten die Rebellen auch wirklich einen Angriff wa»
gen, so kann das Resultat nur zu unsere» Gnnste:»
ausfallen. Die Rebellen Cavalletie kann unserer
Armee die Zufuhren nicht aus längere Zeit abschnei
den.
Die Nashville Preß vom 7. d. Mts. leugnet, daß
dit Rebellen die Eisenbahnbtücke übet Stuart's Creek,
zerstört haben. Sie sagt, Wheeler überschritt am
letzten Donnerstag Morgen den Tennessee Fluß bei
Walhington, 13 Meilen oberhalb Chattanooga unV
kam das Sequatichie Thal herunter. Er erbeutete in
der Nähe von Anderson's Croß Road's 50 unserem
Wägen, welche theil« mit Munition, theils mit Le.
den meistens verbrannt und tie Pferde nnd Maulesel
Sobald Gen. Mitchell davon hörte, mach«
trrft seiner Cavalletie zur Verfolgung der Ne
bellen auf, holte sie ein, tödtete und verwundete 70
irnd nahm 200 derselben gefangen.
Louisville, den 8. Ort. In Nashville war
das Gerücht in Umlauf, daß die Rebellen Cavalletie
Shelbyville, Tenn., eingenommen und zerstört habe,
und ihr die daselbst befindliche Besatzung sammt uud
sonders in die Hände gefallen sei. (Diese Nachricht
bedarf jedenfalls noch der Bestätigung.) Gen. Mit
chell war mit eiltet bedeutenden Cavalletie Macht ans
der Verfolgung der Rebellen begriffen, hattt abtt kti
nt große Aussicht, dieselben einzuholen.
Einem Gerüchte zn'olge hat sich die Wheeler'sche
Cavalleriernacht in zwei Abtheilungen getheilt, wovon
eine nach Kentucky bestimmt ist, um dem Gen. Burn
side die Verbindung abzuschneiden, während die an
dere südlich zog, um dtn Gen. Rosecrans zn belästi
gen.
Der Telegraph arbeitet bis aus 3 Meilen diesseits
von Chattanooga. Eine große Anzahl Arbeiter ist
damit beschäftigt, die an der Eisenbahn durch die Re»
bellen Cavallerie verursachte» Beschädigungen wieder
auszubessern.
Guerilla'S in Kentucky. LouiSville,
den 7. Okt. Mletilla'6 haben in der letzten Zeit
in Warren County große Verheerungen angerichter,
indem sie Häuser niedergebrannt«und die Eizenthü«
met beraubt haben. Bei dem kürzlichen Rebellen
einfall in Glasgow, Ky., überraschten ungefähr 85
Guerilla's, bei TageSanbrnch unsere daselbst statio
nirte Besatzung von Übet 300 Mann und nahmen
fast Alle gefangen. Nut 6 Mann befanden sich in
den Pallisadenwerken, als die Guerilla's heranspreng
ten und die Besatzung überwältigten. (Fast die gan
ze Mannschaft lag demnach noch in den Federn.)
Cincinnati, den 7. Okt. Maj. Wilemaii
vom 18. Ky. Reg., welcher in der fürzlichen Schlacht
bei Ehicamanga verwundet worden nnd deßhalb nach
Hause gekommen war, toiv.de am Montag durch eine
Gnerillabande aus seinem Haus in Pendleton, Ky
geschleppt und ermordet. Fünf feiner Mörder sind
gefangen und hierher gebracht worden.
Nebellen Einfall in Missouri. —Z»vet
lässige Berichte sagen, daß die Rebellen unter Ccffec
nnd Shelby einen neuen Einfall in Missouri zn ma
chen iiu Begriffe stehen. Sie kamen von Arkansas
her und betraten Missouri an der südwestlichen Gren
ze. Einem Gerüchte zufolge hätten sie bereits War
saw eingenommen uud die Einwohnerschaft ohne Gna
de niedergemetzelt. Von da seien sie östlich auf
der
Straße nach Jefferson City weitet gezogen.
Salzwerte der Rebellen zerstört.
Neitibem wird unterm 29. Sept. geschrieben Capt.
Schaffet vom 85. N. Reg. zerstörte kürzlich mit
einer kleinen Truppenmacht die Rebellen Salzwerke
bei Wag Head, wo jede Nacht ungefähr 15!) Büschel
Salz gemacht worden waren. Es war Niemand da
selbst uni Widerstand zu leisten.
Com. Dibeon, vom Kanonenboot Seneca berichtet
vom Daboy Sund, unterm 24. Sept., daß er in der
Nacht vom 22. eine Bootsmannschaft den Altamaha
*l«ß hinaus gesandt habe, welche das Städtchen
tptidt'oit, in der Nähe von Danen, Ga., mit seinen
jcteutendeii Salzwerken und (Seräthfchaften, von
Arund aus zerstörte und den Superintendenten der
Seife, »ebst Familie, mit sich znrückvtachte. Da
kein Widerstand geleistet wurde, so wurde dit Htldtn
that ohne Verlust vollbracht.
Nashville, 8. Okt. Man glaubt, daß sowohl
der Telegraph als auch die Eisenbahn bis Morgen
wieder o weit hergestellt sein werden, daß sie benutzt
werden können.
Die Affaire bei Glasgow war wirklich eine Schan
de. Die ZihI der Rebellen betrug bloâ 82 die Be»
fatziliig bestand ans dem 37. Kentucky Reg. (übet
300 Mann), hatte Kanonen und war durch Ver
schanznngen geschützt. Es war eine vollständige Ueber
rnmpelung. Die Rebellen »ahme» 40,000 Dollars
aus der Bank und alle Pferde, die sie finden koim
ten.
Eine Washingtoner Depesche an den Herald be
hauptet, daß Gen. Bragg seit der letzten Schlacht be
deiiteude Verstärkungen erhalten habe und sich die
Stärke seiner Armee fast auf 175,000 Man» be
laufe.
Die Rebellen beschießen Chattanooga mit Bela
gerungsgeschützen atiS einer Entfernung von3£ Mei
len.
LouiSvillt, dtn 8. Ott. 100 Guerilla'S un
ter Richardson stürzten heute Rachmittag um 2 Uhr
einen Eise. bahnzng auf der Lebanon Branch Bahn,
in der Näheren New Hope, von den Schienen. Sie
verbrannten die Cars, machten die Locomotive un
brauchbar, beraubten die Passagiere, welche sonst kei
nen Schaden erlitten hatten, nnd machten sich dann
ans dem Staube. In Simpson und Watten Conn
ties soll ebenfalls eine Gnerillabande fem und daS
Depot in Auburn an dtr Memphis Bahn nitdergt
brannt haben.
Maj.Worten vom 3. Rtg. berittener Infanterie,
nahm Alles, maS die Rebellen in Glasgow erbeutet
hatten, zurück. Es ist nicht wahr, daß sie die Bank
in Glasgow beraubt hatten.
Gin Brief von Fort Scott (Kansas) betlrt den 7.
Cftober,
meldet: Lieut. Tappen von Gen. Blnnt's
Stab, welcher eben angekommen ist, bringt die Nach«
richt, daß sein (Gen. Blnnt's) ganzer Stab nebst sei«
net Leibwache dem Feinde unter laiitrell, in die
Hände gefallen sei ebenso Lient. PondS, Common«
6o bei Baxter Springs. Gen. Blunt selbst war
(attf dem Wege von Fort Seott nach Fort Smith)
lO'Meilen weit gelangt, aber es sei ungewiß, ob tt
durchgekommen.
Augen­
Der Krieg!
Don Ehattanooga.
Eint Sp,zi»s
Das Wohlwollen ist, o Bester,
Stets der Klugheit treue Schwester.
Denke nicht der fehlerhaften,
Doch der guten Eigenschaften,
Die dem Nächsten eigen sind
Kalten Haß wirst dn ersparen
Und dit Frtundschaft leicht bewahren.
Die die Herzen sich gewinnt.
Ve-
Von
Eine Nach*
richt, daß Franflin'S Corps in einem Angriff auf
Brafhear City geschlagen worden fei, daß aber Ord's
CorpS die Rebellen später angegriffen uud die Rebel»
len Anne« total zersprengt habe, ist wahrscheinlich
ans der Lust gegriffen.
Der Dampfet Diamant
.st von der Charleston Flotte angekommen und hat
Nachrichten bis Samstag, den 3. Oct. gebracht. Bei
feinem Abgang war das Bombardement wieder eröff
net worden und ein Kamps zwischen unseren Panzer
schiffen und den Rebellen Batterien war im Gange.
Eine Depesche von Charleston nach Richmond spricht
von einem Angriff aus die New Ironsides Seiten?
der Rebellen, welcher aber allem Anschein nach gäitz
lich fehlgeschlagen ist.

e i v a S i e s e
olumbus, O., Donnerstag» 15. October 1863 No. *.
Von der Texas Expedition.
Von Charleston.

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