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Der westbote. [volume] (Columbus, Ohio) 1843-1871, October 22, 1863, Image 1

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Der Westbote.
jfy Pre»« to Zadrga»,»« MB 53 Rammmi 8* ttBii »Mr
H»r»««t«jablung.
JO3 BtÄttimtgf# auf da» Statt Ifnntn «W b«acht«t »tttt», w«M
et*i wrnigfttn* t«r ©ma» fir 6 Monate (S 1) beigefügt ift.
Wie graue /rau.
"Slue wahre Geschichte in drei Abtheilung«.
Nach de» Englische« bearbeitet von Hemic»« »orn Dec.
lTchlußl-
Die Aufmunterung Amante's brachte mich wieder
in Raffung, denn ich war nahe daran, ihr in meiner
Schwäche um den HalS zu fallen. Wir fuhren, wäh
renddem sie ihr munteres Liebchen wieder aufnahm,
in unserer Arbeit fort, und Dank Amante's Borsicht,
daß wir es thaten, denn Monsieur de la Tourelle kam
gleich darauf wieder herein, um stire Peitsche zu ho»
Im, die er mitzunehmen vergessen. Nochmals sah
ich, wie er seinen scharfen, schnellprüfenden Blick, dem
Richt« entging, im Zimmer umherschweifen ließ, dann
aber verschwand er hinter der Thüre und bald darauf
hörten wir ihn davon reiten.
Da es schon lange zu bimset für mich gewesen, um
nähen zu können, ließ ich meine Arbeit fallen und
überließ n ich dem lange zurückgehaltenen Zittern, das
in
tine Angst hervorgerufen und das ich nun nicht meh
tetneifhtn konnte. Die Frau des Schmied's kehrte
eben in daS Zimmer zurück eS war ein gar gutes
Wesen. Amante sagte ihr, daß ich müde sei und es
mich sehr friere, sie hätte daher darauf bestanden, daß
ich die Arbeit niederlegen solle, um mich auf der Ofen«
bank auSzuruheu und zu wärmen.
Die Frau deS HameS hatte nichts dagegen einzu«
wenden. Zn aller Eile beschäftigte sie sich mit der
Herrichtung des Abendessens, das sowohl unsertwe
gen, alS auch der Freigebigkeit des Fremden wegen
etwa« weniger frugal denn
e«t«4vermuthe,
gewöhnlich
So kamen wir eines Abends in ein klein.s Slätt
chen. Ee war schon ziemlich düster, als wir durch
die Hauptstraße gingen und ein geräumiges Wirth?»
haue entdeckten. Ein stilles Gefühl sagte in*, daß
wir in den Städten mehr Sicherheit1 alS in der Ein«
samkeit des Landes finden würden und da ich we
nige Tage zuvor einen meiner Ringe einem reisenden
wir, in dem Wirthöhaus zu übernachten und uns mit
so viel Auskunft über die einzuschlagende Richtung
unserer unternommenen Reise zu bereichern ^ls es
unter den Umständen möglich nnd rathsam sei.
Wir traten tin und befanden uns alsbald in einem
der dunkelsten Winkel de« Speisesaals beim Abend
essen, nachdem wir jedoch vorerst mit dem Wirih über
ein Schlafzimmer einig geworden, das sich jenseits
sen. Die Meisten derselben kamen in das Zimmer,
in welchem wir unS befanden, und unter den Einire#
tenden war eine blonde, junge Dame, der eine ältli«
che Französin als Dienerin folgte. Allem Anscheine
nach behagte es der schönen, jungen Dame nicht ab
sonderlich hier, denn sie schüttelte bei ihrem Eintreten
den Kopf und verlangte in gebrochenem Französisch
nach irgend einem Privat«Appartement gebracht zu
werden.
Wir hörten, daß fie und ihre Dienerin in dem
Corpe gekcmmen und e«, wahrscheinlich aus Stolz,
vermieden, sich mit ihren Mitreisenden in eine Con
versatiot' einzulassen, weßwegen sich diese auch höh«
nilch und spöttisch über sie ausließen. Alles was
w»r bet dieser Gelegenheit über sie erfuhren, wurde
später von einiger Bedeutung für uns, objchon zur
Zeit unsere Aufmerksamkeit mir flüchtig von ihrem
Haar gefesselt wurde, das, wie Amante flüsternd ge»
den mich äußerte, die gleiche Couleur habe wie das
meinige, das sie mir abgeschnitten und im Ofen in
des Müllers Küche verbrannt hübe Armes Ge
schöpf wer hätte gedacht, daß sie weil ihr Haar
dem meinen ähnlich ein so schreckliches Schicksal
ereilen würde!
Sobald wir unsere Mahlzeit beendet, schlichen wir
unS aus dem Speisesaal, ließen unS eine Laterne von
dem Hausknecht geben, eilte» quer über den Hof »ach
den Ställen und kletterten die zum Theil stufenlose
Treppe hinaus nach unserem Schlafgemach. Dasselbe
hatte weder eine Thüre noch einen Deckel, vermittelst
dessen man das Loch denn anders war die Oeff«
niiug, dutch tie wir hineingelangten nicht zu nett»
tun hätten zumachen können. Die Kammer hatte
zudem nur ein Fenster, oder ein Fensterchen, das aus
den Hof fühlte. Wie ärmlich jedoch uns auch alles
dies scheinen mochte, so hatten wir dennöch »ach al
Im vorhergegangenen Mangeln und Entbthrungen
nicht zu klagen, sondern legten uns in der frohen Er»
Wartung zu Bett, uns durch den sehr bedürftigen
Schlaf einigermaßen von unseren Sirapatzen zu rr
holen. Da wir von dem fast unausgesetzte» zweitä
gigen Maische sehr ermüdet waren, schliefen wir na«
turlich auch bald ein.
Nach einiger Zeit wurde ich aus einmal plötzlich
durch ein Geräusch von unten geweckt. Ich lauschte
einen Augenblick und weckte dann Amante, indem ich
ihr die Hand aus den Mund legte, um irgend einen
Laut, U( ihr in halbwachendem Zustande möglicher
S8SP53
mir ordentlich wohl, daß sie mir ein wenig von der
Eider-Suppe, die sie bereitete, zu versuchen gab ohne
Mess, glaube ich, hätte ich mich nicht länger aufhal»
ten können, trotz Amante's warnenden Blicken und
allen ihren früheren Ermahnungen, stets mnthig und
entschlossen zn sein, was uns auch zustoßen sollte.
Um jedoch, da ich immer heftiger zitterte, die Aus«
ittetfsamfeit von mir abzulenken. unterließ Amante
das Pfeifen und fing ein Gespräch mit unserer Wir
thin an, das, als der Schmied hereinkam, in vollem
Gange war. Der Eingetretene mischte sich alsbald
hinein, indem er von dem schönen und eleganten
Herrn, der sich so genercS ihm gegenüber gezeigt, zu
sprechen anfing. Er nahm den innigsten Antheil an
seinem Schicksal, und sowohl er wie seine Frau äu
ßerten den Wunsch, daß er sein gottloses Weib ein«
holen und bestrafen möchte, wie sie es verdiene.
DaS Gespräch nahm jedoch alsbald eine andere
Wendung, und zwar eine solche, wie es bei Leuten
deren alltäglich ruhige Lebensweise keine Abänderung
kennt, zu jener Zeit nichts selten s war. So suchten
der Schmied und seine Frau sich gegenseitig in der
Erzählung schrecklicher Geschichten zu überbieten.
Wrößtentheils bewogen sie sich auf die grausame und
geheimnißvolle Bande von Räubern, die sich, mit
SchinderhanneS an ihrer Spitze, dieCbanffeu.s nann
ten und alle Straßen, die noch dem Rhein führten
unsicher machten. Bei Anhörung derselben überrie
fette es mich eiskalt und selbst Amante's Mntb schien
etwaS abgekiihtt zu werden. Da plötzlich trat daS i
Blut in ihren Wanzen zurück und die Augen weitge-!
öffnet, sah sie mich an als wolle sie Hülse vou mir
«'flehen. Ihr Zustand flößte mir große Bedenklich«
frit ein ich stand daher von meinem Sitze auf und
sagte, daß es uns sehr angenehm wäre, wollten sie
mich und meinen Mann zu Bette gehen lassen da
wir heute weit gewandert und daher müde seien im
Uebrigen wollten wir früh aufstehen, um unsere Ar
fceit zu vollenden. Der Schmied meinte, wir muß*:
ten frühe Vögel sein, wenn wir vor ihm ans dem Ne-:
sie kriechen wollten. Indessen aber schickte sich seine
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7M7' w
deren viele von der Grausamkeit der Chauffeurs, alS
reine Wahrheit vorgeführt wurden, und ich glaube,
Amante wäre in eine Ohnmacht gesunken.
Ich hatte mich nicht darin getäuscht, daß die Nacht
ruhe Amante wieder herstellen würde. Wir standen
früh aus. vollendeten die vorgelebte Arbeit, theilten
da« reichhaltige Frühstück der Familie und begaben
unS aus den Weg. Nach Forbach dursten wir nicht,
das wußten wir, obgleich wir annahmen, was in der
That auch der Fall war, daß, wenn wir von da aus
unsern Court Deutschland zu beibehalten wollten, wir
eS nicht vermeiden könnten nach genanntem Ort zu
gelangen. Wir schlugen daber einen Seitenweg ein,
und nach zweitägiger, fast rastloser Wanderung ka
men wir, nachdem wir einen großen Umweg gemacht,
wie ich wieder auf dieselbe Straße, die nach
Jahrg. 21,
sich,«. D- mit i-t-ch 91ad|. M-m H'N. t,r Cdtinrn,
frag, fit« t,n onfUUtm, so fem.Im .clrnalfit. D-»schm -b-n ,tii -»It,«, Mr ,,d» ®lmut,t
lich auch nicht wissen, wo wir eigentlich waren.
Juweliei verkaufte der, nebenbei gesagt, froh Örc^er Freigebigkeit &fn jlen, dte ficht it dem Z m»
war, solchen für kaum die Hälfte seines reellen Wer« u»er angesammelt hatten.
thes von mir zu erlangen, und der uns vielseitig ans« ®"dlich kam der Doktor. Alle wichen, ihm Platz
fragte, wie er in den Besitz vineè armen Schneiders machend, zurück, in ängstlicher Erwartung der Wor»
gelangte, was Amante zu sein schien beschlossen
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6,1
Weise entfliehen könnte, zu vermeiden. Wir Herten,
wie Monsieur de la Tonrelle dem HauSknecht einige
Anweisungen in Bezug auf sein Pferd geb. ES war
seine Stimme, daS waren Amante und ich gewiß,
wagten eS jedoch nicht, aufzustehen, um uns noch nä
her davon zu überzeugen. Nach ungefähr fünf Mi
nnten verließ er den Stall wieder, und uns auf den
Zehen leise nach dem Fenster schleichend sahen wir
ihn flüchtig über den Hos nach dem Wirthszimmer
schreiten woselbst er alsbald hinter der Thüre ver
schtrand. Wir beriethen uns, was wir unter den
Umständen thun sollten, und kamen zudem Entschluß,
daß sofortige Flucht daS Beste wäre doch unserm
Plane wurde dadurch eine Grenze gesetzt, daß der
Hausknecht den Stall verließ und die Thüre von«u
ßen zuschloß.
Wir müssen durch daS Fenster zu entkommen fn
chen, wenn eS überhaupt rathsam ist, zu entfliehen/
sagte Amante.
Bei näherer Betrachtung sahen wir ein daß wir
dadurch einen großen Verdacht auf unS laden wür
den. Wir waren zu Fuß und konnten leicht tinge
holt werden, und dann.... Wir setzten unS daher
auf die Kante deS Bettes und schauderten im Geiste
vor dem Schicksal zurück, daS, wie wir wähnten, un
serer harre. Während der ganzen Zeit drang das
lustige Gelächter der Gäste in dem WirthSzimmer zu
unseren Ohren doch auch dieseS wurde immer schwä
cher, und alS eS zuletzt ganz aufhörte und Jeglicher
seine Schlafstelle aufgesucht, legten wir un« mit angst
ttfäfli«^rt*n nieder.
An das Einschlafen war nicht zn denken. AuS
Furcht und Schrecken schmiegten wir uns fest anei
nander und lauschten auf jedes Geräusch. Wir dach»
ten nicht anders, als daß un« Monsieur de la Tou»
rclle ausgespürt habe nnd wir mit jedem kommenden
Moment den Tod zu erwarten hätten.
Es war in der tiefsten Stille der Nacht, gerade als
daS erste kaum sichtbare Grau des kommenden Tages
im Osten zu dämmern anfing, als wir leise Schritte
im Hofe vernahmen. Näher und näher kamen sie
6a auf einmal wurde der Schlüssel iu der Stallthiire
umgedreht und Jemand trat ein. Wir befanden uns
in einem Zustande, daß wir alles dies mehr fühlten
als hörten. Ein Pferd finq alsbald darauf zu stam
pfen nnd zn wiehern an. Der Eingetretene schnalzte
dem Thiere mehrmals mit der Zunge und führte es
dann hinaus in den Hof. Amante sprang mit der
Igeräuschlosen Behendigkeit einer Katze nachdem Fen»
ster, sah hinaus, sonnst jedoch vor Entsetzen nicht das
leiseste Wortchen auf meine
gierige
Frage, ob et_ es
sei, hervorbringen. Dâs große Thor wurde geöffnet
I und in der nächsten Minute schon sprengte der Reiter
davon. Bald daraus hörten wir nur noch den im»
ttter schwächer werdenden Ausschlag des Pferdes aus
der Ferne, und Alles war wieder stille.
Amante eilte leise mit den Worten auf mich zu:
„Et war es, Madame, er war eS doch seien Siege«
tröst, jetzt ist er fort!*
In dem Bewußtsein, daß die Gefahr derweilen
vorüber sei, warfen wir uns, vor stillem Schauder
zitternd, ans unser Lager. Diesmal v rfielen wir in
einen festen Schlummer. Wir schliefen weit in den
Tag hinein und erwachten erst durch das viele Ans
nnd Abrennen mannichfacher Personen und durch den
Lärm und das Durcheinander vieler Stimmen in den
Hofraum. Die ganze Welt schien wachend und in
Aufregung zn sein. Wir sprangen eiligst aus dem
Bette, kleideten uns an, musterten durch das Fenster
das Gewimmel des im Hofe versammelten
um lmS
Frau an, uns unser Lager anzmvetsen, was mir sehr i L. ,S. "V r." -de
IM war. tran „o6 «In,
s-lch.
Gnchich,,. „i, I
tafc,i
Mit diesen abgebrochenen Bemerkungen drängt,
man unS, fast gegen unseren eigenen Willen, vor«
wärts qner über den Hof die große offene Stiege des
Gasthofs hinauf in ein Schlafgemach, wo die schöne,
junge deutsche Dame, die gestern Abend noch so vol
ler Anmuth, jetzt bleich, kalt und mit erloschenem
Blick tm Beite lag. Neben daran stand ihre sranzö»
fische Dienerin, weinend und klagend.
„Ach, Madame!" sagte sie schluchzend, „ach, Ma»
dorne, wenn Sie es doch
nur
nfr'ni"
ncch "hig,
ierem Mahl fertig zu weiden, ans Furcht, es möchte Uhr wurde, und sie immer noch Nichts von sich hö
Jemand eintreten der uns erkennen würde. Wir ließ, wurde ich unruhig, und bat ihre Dienerin,
mochten unsern Appetit erst halb gestillt haben, als
I
die Deligence, über das Pflaster rasselnd, unter den in das Zimmer ihrer
Thorweg fuhr, um die Passagiere aussteigen zu las»
ls
gelitten, mich bei Ihnen
bleiben zu lassen! Mein Gott, mein Gott 1 was
wird der Baron sagen 1* Und so klagte sie in ei
'nn»
noch vermuthete man, daß sie. von der Reife äuge*
griffen noch ruhig schlafe. Das Erste, was unter
den obwaltenden Umständen nöthig schien, war, daß
man nach dem Chirurgen sandte. Der Wirth bemüh
te sich, bis zu dessen Ankunft die Ruhe aufrecht zu
erhallen, da es ihm jedoch nicht gelang, stürzte er in
seiner Verwirrung ein Glas Branntwein nach dem
andern hinunter, und reichte solchen auch sogar mit
har'cnd, die titer seine Lirpen kommen würmu
»~*ht hier, Herr Defter," redete der Wirth ihn
^iffe Dame kam gestern Abend mit einer Dte«
boi't Pnfon,
^l'r Diligence hier an. Jedenfalls »st sie eine
den»
ihrem Aulenthalte/
I
I
des Hofes über den Pferdeställen befand. Hungrig, Diesen Morgen dachten wir, Madame schlummere
wie wir waren, suchten wir dennoch baldigst mit nn»
sie verlangte ein Privatzimmer zu
„Madame ist die Baronin de Rodet unterbrach
ihn die französische Dienerin.
fte und schlief in dem Zimmer meiner Dienstboten,
«1$ ts aber acht, nenn, zehn, ja fogar elf
Gebrauch von meinem Haurtfchlüssel zu machen, um
Gebieterin zu
ic"
gehen und nachzu-
3
r-S
sehen, ob ihr vielleicht etwas passtrt sei
„Ich bat," versetzte die Französin unter Thränen
gestikulirend, „ste möchte mir erlauben bei ihr zu
bleiben, da wir in einem fremden Gasthofe und nicht
wissen könnten, wie es damit beschaffen sei sie woll«
te es aber nicht zugeben. Ach 1 meine gnädige Frau
wa ja eilte s„ hohe Dame 1 Als ich aber diesen Mor»
gen «n die Thüre kam, war sie zu, doch nicht ^ver
schlossen. Ahnungèschwer trat ich ein, und hier fand
ich sie todt, nicht wahr, Monsieur? mit dem
Gesicht in daS Kissen gedrückt und das schöne Haar
in wilder Unordnung umherliegend. Solch' tin
setzte die Dienerin hinzu, indem sie eine lan»
ge goldene Flechte desselben aufhob und sie unter ei»
nem neuen Zndrang von Thränen wieder fallen ließ.
In diesem Augenblick erinnerte ich mich der Be«
merkung Amante's, nnd von geheimem Schauer er«
füllt, schloß ich mich fest an ihre Scite.
Mittlerweile untersuchte der Arzt den Theil de«
Körper, der sich unter der Bettdecke befand, die zu
berühren bis jetzt der Wirth nicht erlaubt hatte.
Da plötzlich zog er seine Hand hervor, die so sehr
von Blut überzogen war, als wäre sie darin gebadet
und ein kurzes scharfes Dolchmesser empothaltend,
an dem ein kleines Stückchen Papier befestigt war.
sagte er: „Hier geht es nicht mit rechten Dingen zu
Die Dahingeschiedene ist ermordet worden 1* Er setzt«
sodann seine Brille aus und las von dem blutigen
Papierchen die dunklen und geheimnißvoll schreckli
chen Worte:
„Numero Ue.
AioM les (.-haut feur* ee •eegeet."
Laß uns gehen." sagte ich zn Amante. „O komm'
doch und laß uns diesen schrecklichen Aufenthalt flie
hen."
„Warte noch ein wenig/ erwiderte fie „warte mn
noch ein paar Minuten es ist besser!"
Aussehen der Dame geholt,
Volks.
8"8'«
Kaum nahm man unserer wahr, alS auch schon
Mehrere mit den Worten auf uns zustürzten „Habt
Ihr schon gehört? Die arme junge Dame Ach,
kommt und seht 1*
Haar!
Indessen wurden alle Stimmen laut und erklär
ten ohnt Ausnahme ihren Verdacht gegen den Cava
{irr, der gestern Abtnd spät angekommen sei. Er ha
be, sagten sie, so viele Nachfragen wegen der jungen
Dame angestellt, über deren hochmütbigi^Z Benehmen
gerade viel in dem Speisesaal gesprochen worden sei.
als er eintrat. Aus diesem schien hervorzugehen, das
wir unS am vorigen Abend kantn noch auS dem Saal
entfernt haben konnten, als Monsieur de la Tourell»
eintrat.
Aus dem weitern Gespräch der Gäste erfuhren wir
Z411Ö crin lufilcrn te/cipraflj vre ta/uiir rtiuyitii ivu, lyrn, ivu|iic|t ä, u uao «yautfivficn iiiyrcii fouji tu
daß er, nachdem er vollständigen Ausschluß über daej da^^n. als tic mehr Abgehärtete, Rauhere und Ge
vorgab,
Endlich fand Amante die Zeit für gemessen, den
Wirth um die Erlaubniß zu unserer Abreife zu ersu
chen. Dies geschah hauptsächlich deßhalb, um unS
mit keinem Verdacht zn belasten. Da dieser jedoch
bereits auf Jemand richte, nnd zwar begründet, so
hatte er nichts gegen unser Ansuchen einzuwenden und
ließ uns ziehen.
Einige Tage später hatten wir den Rhein über«
schritten und waren somit in Deutschland. Wir schlu
geu unsern Weg direkt nach Frankfurt ein, behielten
jedoch immer noch untere Verkleidung bei und Aman
te arbeitete nach wie vor auf ihrer Profession.
Auf unserem Wege kehrten wir eines Tages in ei
ner Herberge ein und trafen daselbst einen jungen
Mann, einen wandernden Gesellen aus Heidelberg.
Ich kannte ihn sehr wohl, vermied es jedoch, von ihm
erkannt zu werden. Ich ließ mich in ein Gespräch mit
ihm ein und frug ihn unter Anderm höchst gleichgül»
tig, was der alte Müller jetzt mache. Seine Erwie»
derting kündigte mir seinen Tod an. Die schlimmste
aller meiner Befürchtungen war also zur Wahrheit
geworden. Ach, diese Worte trafen mich hart, un
aussprechlich hart! Alles schien in diesem Augenblick
mit mir herum zu gehen und es war mir, als wollt
der Boden unter meinen Füßen weichen. Hatte ich
doch erst kurz vorher mit Amante von der Ruhe und
Sicherheit gesprochen, die ihrer in meiner Heimath
in meines Vaters Hanse harre ich halle ihr vorge«
stellt, wie dankbar mein alter Vater gegen sie fein
würde für allt ihrt Mühtn und Sorgtn, die sie mei»
netivegen erduldet und ertragen und dann hatte ich
auf den friedlichen Wohnort, fern von dem schreckli«
chen Frankreich hingewiesen, wo sie den Rest ihrer
Tage in sorgloser Geborgenheit glücklich und unge«
stört verbringen könne. Alles dieses glaubte ich Aman»
te versprechen zu müssen und Alles dies glaubte ich
auch halten zu könne doch ach! was war mir
selbst jetzt noch übrig geblieben? —Mein Vater war
todt, mein theurer Vater! Ich wollte ihm ja alles
erzählen, um mein Herz und Gewissen zu erleichtern,
und kindlichen Trost aus seinem väterlichen Rathe zu
ziehen fiine Liebe sollte mich fuhren und mir das
kummervolle Leben angenehm machen doch jetzt
war er heimgegangen zu den Todten für immer und
ewig!
Ich hatte, nachdem ich die traurige Neuigkeit von
dem idelberger vernommen, das Zimmer eiligst
verlasse». Amante folgte mir bald darauf.
„Arme Frau!" sagte sie, und mich nach ihren be
sten Kräften tröstend, theilte sie mir mit, was sie be»
reits alles ans meinen Reden auf Les Rochers so»
wohl alS auf den traurig einsamen Wegen unserer
Flucht darüber vernommen. Ach Amante war ein
seelengutes Wesen, das alle meine Qualen tief zu em
pfi.iden wußte und es nie versäumte, mir mit Trost,
Rath und That beizustehen.
Nachdem ich das Zimmer verlassen, setzte sie das
Gespräch mit dem Heidelberger fort, indem sie sich
nach meinem Bruder und dessen Frau erkundigte. So
erfuhr sie, daß er natürlicher Weise auf der Mühle
wohne und daß Babette was ich auch glaubte, die
Oberhand über meinen Bruder habe, der nur durch
ihre Angen sehe nnd mit ihren Ohren höre. Daß
zudem viel Gerede it. Heidelberg über ihren geheimen
Umgang mit einem französische» Herrn sei, der auf
der Mühle erschienen und, nach Allem, was man da
rüber höre, mit den Scheret's verwandt wäre, da er
des Müllers Schivester geheirathet habe, die sich aber
abscheulich und undankbar gegen ihren Mann in je»
der Beziehung benommen haben soll. Das aber sei
keineswegs ein Grund für Babette, daß sie sich deß»
halb im Geheimen mit dem Franzosen abzugeben
brauche und wie der Heidelberger versicherte, daß
er gewiß wisse seit seiner Abreise einen fortioäh
reuten Briefwechsel mit ihm zu unterhalten nöthig
habe, was so viel von sich reden mache. Trotz Allem
aber scheine es, als wenn ihr Mann nichts Böses da
tin sehe, was aber auch nicht zu verwundern wäre,
da er feit dem Tode seines Vaters den Verstand halb
verloren, und da nunmehr der Schimxf und die
Schande seiner Schwester noch dazu gekommen, vol
lends den Kops verloren habe.
„Alles dies beweist uns nur zu klar," fuhr Aman
te fort, „daß Monsieur de la Tonrelle gedacht, Ma»
dame winde nach dem Hanfe ihrer Geburt zurückkeh«
ren da er sie jedoch nicht daselbst antraf, mochte er
»«rtmtthfn, daß sie erst später anlangen würde, weß«
wegen er sich mit der Frau des Mullers in ein gutes
Einvernehmen setzte, um von ihr über unsere etwaige
Ankunft benachrichtigt zu werden.Madame sagten mir
früher schon, daß ihr die Frau ihres Bruders nicht
absonderlich hold fei. Ist dies eines Theils schon
schlimm genug, so werden die Verlänmdungen, die
Monsieur de la Tourelle gegen seine Gemahlin aus«
gesprengt, nicht wenig dazu beigetragen haben, den
Grell der Frau Müllerin gegen ihre Schwägerin nur
noch zu vermehren. Es unterliegt keinem Zweifel,
daß der Meuchelmörder, alS wir ihn unweit Forbach
trafen, von der schönen blonden deutschen Dame, die
mit ihrer Tienerin nach Deutschland reiste, gehört
Haiti: und sie daher in dem Glauben verfolgte, daß
wir es seien. Jetzt aber, da er das grausige Werk
des Mordes vollbracht, wird er bereits erfahren ha»
ben, daß er über fein Opfer im Irrthum gewesen ist.
Ec wird eö daher nicht unterlassen, uns nachzuspüren,
weßwegen wir auch die äußerste Vorsicht gebrauche»
müsse», wollen wir nicht, daß uns das gleiche Loos
der unschultigeu deutschen Dame ereilen soll. Wenn
Madame mir daher getrost folgen wollte... .ja, mein
Kind, ich bitte Tich, Dein gai-zes Vertrauen in mich
zu setzen," brach Amante auf einmal die respekt»
volle Formalität des To»es ab den sie bisher mir
gegenüber bewahrt, und dem Drange ihres Herzens
gehorchend, überließ sie sich einer ll^gebundenheit, wie
sie unter Zweien, die Sorgen und Noth miteinander
getheilt und miteinander gemeinsamer Gefahr eniflo
hen, natürlicher scheint, umsomehr noch, da sie über»
zeugt sein mußte, daß sie, was mir abging, in allen
möglichen prekären Situationen des Lebens Ansdau«
er und Eifittdiingszeist genug besaß um uns stets
zum Heile zu verhelfen. „Wir wollen nach Frank»
fürt gehen," fuhr sie fort, „nnd uns, tum wenigsten
eine Zeit lang, in d.m Gedränge der Menschen ver»
lieren. Du hast mir ja gesagt, Frankfurt sei eine
große Stadt. Wir werden unsere Masken als Mann
und Frau beibehalten und uns ein kleines Logis mie«
then, woselbst Du das Hauswesen führen sollst ich
die Nothwendig- wandttrt, werde meines Vaters Handwerk fortsetzen
keit dränge ihn in aller Frühe des Morgen« zur Ab- und Arbeit iu der Schneiderwerkstätte suchen."
reise, und daß er. darauf seine Arrangements mit Ich konnte mir keinen besseren Plan de ken und
Wirth und Hausknecht wegen deS Besitzes der Schlüs- wir brachten ihn daher auch so gut wie möglich in
sel zu Stall und Hofthor getroffen habe. Kurzum,,he Ausführung-^ In einer Nebenstraße Frankfurt's fan
noch der Gerichtsbeamte erschien, der aus das Ver- den wir zwei möblirte Zimmer in dem sechsten Stocke
langen deS Doktors gerufen wurde, war kein Zweifel eines alten Hauses zu vermuthen. DaS eine den'el
mehr darüber, wer der Mörder sei. Doch die Worte
auf dem Papierchen flößten einem Jeglichen Angst
und Schrecken ein. L.*s Chauffeur-!, wer waren
diese? Niemand wußte es oder, besser. Niemand woll
te es wissen. Wer konnte dafür bürgen, daß selbst jetzt
nicht Einer von der Bande im Zimmer sei, der Allem
{licht
1
zuhörte, um sich einige neue Opfer für ihre Rache zu zu, da der Erlös des Geldes von meinem Ringe na«
nctiren t)r$it erschöpft war, und Amante, die eine Fremde an
In Deutschland habe ich früher nur wenig von die- diesem Orte war und nur französisch sprach, nicht
ftr schrecklichen Räuberbande gehört.und einigen Ge- 'gleich Arbeit finden konnte, da die guten Deutschen
schichten, die man mir in Karlsruhe von ihr erzählte, zu jener Zeit die Franzosen herzlich haßtm. Endlich
schenkte ich nickt mehr Beachtung, alS denen von jedoch fand Amante Arbeit und konnten wir von de
Wahr.vctfen doch hier, in der Gegend ihres wirkli- ren Ertrag ein besseres Leben fristen, als wir ansang»
chen Aufenthalts, lernte ich im reichsten Maße die lich erwartet von Zeit zu Zeit legten wir sogar noch
Schrecken kennen, die sie einzuflößen vermochten.
I
Niemand wollte gesetzlich für den geringsten Beweis zurück wir lebten aber auch sparsam. Ich brkam,
gegen den Mörder beim Gericht verantwortlich ge- außer Amante, Niemand zu sehen, da ich nie das
macht sein. Der Gerichtsdiener schrack vor derPflicht Hans verließ Amante selbst aber vermied, sowohl
seines Amtes zurück- ja selbst Amante und ich wag. weil sie der deutschen Sprache nicht mächtig war, als
ten eS nicht, trotzdem wir viel mehr über den Mann
wußten und fest davon überzeugt waren, daß er die
schöne junge Dame im Schlafe ermordet, ein Wört
chen zu athmen. Wir gaben unS das Ansehen, als
wüßten wir anch nicht das Geringste über den gan
zen Sachverhalt, wir, die so viel hätten sagen können!
Doch wir durften es ja nicht Angst, schreckliche Angst
bemächtigte sich unserer bei dem Gedanken, daß wir
vor Allen zwei dem Tode geweihte Opfer waren, und
daß das Blut, das von dem Bettzeug auf den Bo
den tröpfelte, nur deßhalb fließen mußte, weil der
Mörder die schöne deutsche Dame für mich hielt.
ten hatte keine Fenster und konnte somit kein Tages»
eindringen, wenn wir nicht die Thüre des ande»
ten offen ließen, was wir als Schlafzimmer benutz«
ten, da es gar zu klein war, um darin wohnen und
zugleich kochen zu können. Ein besseres tf ange
nehmeres Logis zu suchen ließen unsere Mittel nicht
etwas für meine immer näher ruckende Niederkunft
einen jeglichen
auch auS anderweitigen Gründen
Umgang mit ihren Nebeu-Gesellen.
Die Zeit kam, da mein Kind das Licht der Wett
erbli^â— mein armes, mehr als vaterlose« Kind!
Es war ein Mädchen, wie ich es mir vom Himmel
erbeten, da ich befürchtete, als Knabe möchte eö etwas
von der Tiger» Natur seines Vaters haben. Ein
Mädchen, dachte ich, ist ganz das Eigenthnm der
Mutter. Doch es war ja nicht ganz mein eigen!
Amante's Liebe für die Kleine übertraf noch die mei
uige, äußerlich wenigstens schien es so.
Unsere Geldmittel erlaubten es »nS nicht, die Hülie
einer Hebamme in Anspruch nehmen zu können, und
waren wir daher ans die freiwilligen Dienste einer
gutmüthigen, jedoch geschwätzigen Alten angewiesen,
die in unserer Nachbarschaft wohnte. Sie besuchte
mich oft, um dem Drange ihrer Schwatzhanigkeit
durch das Erzähltn von Geschichten ans ihrem eige«
nett Leben Lust zn machen. So erzähl'? sie mir auch
eines TageS von einer Dame, in deren Diensten ihre
Tochter als Köchin oder zum Wenigsten etwas Aehn»
liches gewesen fei. „Solch eine schöne Dame mit
so einem prächtigen Manne 1" fuhr sie fort. „Doch
das Elend kommt in den Palast des Reichen sowohl,
wie in die Hütte des Armen Doch ich will es kurz
machen: Baron de Röder, so hieß nämlich der
Mann, in dessen Frau Diensten meine Tochter war,
hatte auf irgend eine Weise, obschon unwissentlich
die Rache der Chauffeurs auf sich gezogen denn vor
wenigen Monaten, als dessen werthe Gemahlin von
einem Besuche bei ihren Verwandten im Elsaß zn
utckkehrte, wurde sie in einem Gasthanse, das sich an
dem Wege befand und in dem sie sich über Nacht ans
zuhalten beabsichtigte, im Bette ermordet. DerBa«
ron hat zwar allerwärts bis nach Lyon große Placate
anschlagen lassen, worin er bekannt macht, daß er für
das Einfangen oder Angeben des Mörders feiner
Frau eine große Summe bezahle doch es ist bis jetzt
umsonst gewesen. Niemand kann ihm zur Rache
verhelfen, oder wenn am Ende auch das Können das
Leichlere wäre, so wagt es dennoch Niemand, zumal
die Chauffeurs allenthalben fürchterlichen Schrecken
einzuflößen wissen. Viele Hunderte, wie man sagt,
Reiche und Arme, von den großartigsten Herren bis
herab zu dem gemeinsten Auswurf des Volkes, haben
sich durch eine» fürchterlichen Eid mit einander ver
bunden, um Jeglichen der, wenn er sie auf irgend
einer That ertappen sollte, sie bei dem Gerichte an»
zeige oder auch nur Zeugniß gegen sie gebe, bis zum
Tode zu verfolgen, und daher haben sie es auch schon
so weit gebracht, daß selbst Diejenigen, die von ihnen
bereits angefallen wurden und wo möglich noch die
Tortur die sie in Anwendung bringen, wenn sie
Aufschluß über die Vermögensumstände ihres Op*
fers wünschen und dieses sich etwa weigern sollte,
genügende Geständnisse zu machen ausgestanden,
die Räuber nicht wieder zu erkennen wagen, selbst
wenn sie diese vor den Schranken des Gesetzes treffen
sollten denn ereilt auch Einen das verdiente Ur
theil des Todes, waren nicht wieder Hunderte da, die
sich verschworen, seinen Tod zu rächen?" Dies er
zählte mir die Alte und theilte ich es Amante, aks sie
Von der Aibeit nach Hanse gekommen, mit. Neue
Furcht bemächtigte sich unserer wir mochten vermn«
thet haben, daß Monsieur de la Tourelle vielleicht
doch nicht erfahren, daß er sich in seinem Opfer, das
er in Forbach ermordet, geirrt. Jeyt aber waren
wir sicher, daß er es erfahren, denn es war nicht an
zunehmen, daß ihm der Inhalt der Placate, die, wie
die Alte sagte, bis Lyon verbreitet waren, entgangen
und ihm vollständigen Ausschluß über sein Versehen
gegeben, in Folge dessen er es wahrscheinlich nicht
unterlassen wird, so lange nach uns zn forschen, bis
er uns entdeckt, um das grauenhafte Werk des Mor
des an uns zu vollbringen.
Diese Besorgniß hatte eine bösartige Wirkung auf
meinen Gesundheitszustand und verhinderte mich am
Aufkommen vom Wochenbett. Unsere Boarschaft
war so gering, daß ich es nicht wagte, einen Arzt zu
verlangen, obgleich ich dessen Hülfe sehr bedürftig war.
Amante aber, die immer zu helfen wußte, Halle daS
Glück, einen jungen Doktor zu entdecken, für den sie
schon mehrmals gearbeitet, und den sie ersuchte, mich,
seine kranke Frau, zu behandeln.
Der Doktor war ein guter, liebreicher Mensch, je»
doch, wie wir selbst, sehr arm. Er schenkte meinem
Zustande viel Beachtung, der ihm bedenklicher schien,
als ich vermuthet. Er äußerte einmal gegen Ainan«
te, daß ich jedenfalls viel durchgemacht haben müsse,
was meine Nerven sehr angegriffen, und es lange
Zeit erfordern werde, bis ich mich wieder vollkommen
von meiner Schwäche erholt. Später werde ich Dir
den Namen des ArzteS nennen, dessen Charakter Du
dann besser zu beurtheilen wissen wirst als ich ihn
Dir hier beschreiben könnte.
Endlich wurde ich gesund kräftiger wenigsten?.
Es war mir möglich, wenn auch nicht viel und an
strengend, wieder in meinem Hauswesen zn arbeiten,
und mich und mein Kind an dem kleinen Kammer»
feilster zu sonnen. Die Verkleidung trug ich immer
noch und unterließ es sogar nicht, die.Farbe auf mei
nem Haar und Gesicht zu erneuern, was mir ein so
verändertes Aussehen gab. Trotz alle dem aber lebte
ich während der ganzen Zeit, seitdem ich Les Rochers
verlassen, in einem unaufhörlichen Stadium des
Schreckens und konnte es nicht über mich gewinnen,
hinaus in die freie Luft zu gehen, aus Furcht es möch
tt mich Jemand erkennen. Vergeblich bemühte sich
Amante, vergeblich drängte der Dokior, mich zu b«
wegen. Doch, war ich auch nachgiebig in jeder an
deren Beziehung, hierin war ich halsstarrig ich
wollte, ich konnte ja nicht hinausgehen!
Eines Tages kam Amante von der Arbeit nach
Haufe und brachte viele Neuigkeiten mit, die zum
Theil gut zu nennen waren, zum Theil jedoch Anlaß
zu Befürchtung gaben. Die gnte Nachricht war diese:
Der Meister, für den sie arbeitete, beabsichtigteAman»
te mit noch mehreren Gesellen nach einem von der
Stadt abgelesenen reichen Hanse zu senden, wo zu
einer Prirat-Theatervorstelliing viele neue Garderobe
angefertigt und eine Masse alte um^eäiidert werden
sollte. Die Schneider, die mit dieser Arbeit beauf»
tragt wnrdtn, follttn daselbst verbleiben, bis die Bor
stelluiig vorüber sei, da es iu einiger C'-itferiniiig con
der Stadt war und Niemand wußte, wann sie mit der
Arbeit fertig fein würden. Die Bezahlung sollte ver»
hältnißmäßig besser fein, als gewöhnlich.
Das Zweite, wa? sie mir mitzutheilen hatte, war,
daß sie dem reifenden Juwelier begegnet sei, dem wir
meinen Ring verkauft hatten. Der Ring war ein
ganz besonderer, den mir Monsieur de la Tonrelle
zum Präsent gemacht. Wir fühlten seiner Zeit, daß
der Verkauf desselben das Mittel fei» könne, das uns
verrathen würde doch wir waren ohne Gcld und lit
ten Hunger wa? sollten wir da anders thun?
Amai te war e« nicht entgangen, daß sie in demselben
Augenblick, wo sie den Juwelier wahrnahm, von ihm
erkannt wurde, und kam es ihr sogar vor, als wenn
sein Blick bei dieser Gelegenheit eine mehr als ge»
wohnliche Ueberraschnng verrieth. Diese Idee wurde
in ihr noch dadurch bestärkt, daß er ihr ein Stück
0io. 8.
Wegs auf dem gegenüberliegenden Trottoir folgte.
Mit ihrem besseren Bescheid in der Stadt wußte sie
ihm jedoch unter dem zunehmenden Dunkel der her»
einbrechenden Nacht zu entwischen. Amante erzählte
mir daS mit einer gewissen Angst in ihrer Miene nnd
meinte, eS wäre gut, daß sie von dem nächsten Tage
an in größerer Entfernung von unserer Wohnung be
fchäftigt fei und nicht nach Hanfe kommen dürfe. Sie
hatte auS weifer Vorsicht einen kleinen Bedarf von
Lebensmitteln mitgebracht, die während ihrer Abwe»
fenhett für mich hinreichen sollten, und bat mich, in»
nerbalb dieser Zeit das Zimmer ja nicht zu verlassen
wa« mich sehr befremdete, da ich, seitdem wir einqe«
zogen, den Fuß noch nicht vor die Schwellt gesetzt,
geschweige denn, daß ich es gewagt, die Stiege her
abzugeben.
Trübe Ahnungen durchkreuzten das Gehirn meiner
armen, theuren, meiner liebreichen, ergebenen Aman»
te, und wie wenn diese Nacht die letzte ihres LebenS
wäre, svrach sie unaufhörlich vom Tode.
Als sie mich des Morgens verließ, küßte sie Dich,
ja Dich, meine Tochter, mein herzliches Kind. daS
ich unter dem Herzen von der schrecklichen Räuber
bürg Deines Vaters trug zum ersten Male nenne
ich ihn Deinen Vater, aber anch zum letzten Male—
Amante küßte Dich, mein süßes Kind, mein segens
reicher Trost in den trüben Stunden meines Leben«!
Sie küßte Dich so innig, so herzlich, als könnte sie
Dich nimmer verlassen und eilte unter dem Ausbruch
von Thränen zur Thüre hinau«.
Zwei Tage waren bereits verstrichen, seitdem Am»
ante uns verlassen, und am Abend de« dritten Tages
saß ich in trauriger Stimmung, hinter verschlossener
Thüre, neben Deinem Lager, wv Du ruhig schlum
jnertefl, als ich auf tinmal Trittt auf der Stiege
vernahm. In kurzer Zeit klopfte Jemand an der Tbü»
re an. Ich hielt meinen Athem zurück, da ich jedoch
alsbald die Stimme des guten Doktors Voß vernahm,
der Einlaß begehrte, tappte ich in der Dunkelheit
durch das fensterlose Zimmer und frug, ob et allein
sei.
„Ja," sagte er mit leiser, gedämpfter Stimme „ja
lassen Sie mich getrost ein." Ich öffnete, und da er
eingetreten, verriegelte ich wieder die Tbüre mit gro»
ßer Sorgfalt. Als dies geschehen, folgte er mir in
die Kammer und erzählte mir eine traurige jammer»
volle Geschichte. Er kam aus dem Hospital, woselbst
er als Arzt fnngirte. Et hätte mich früher besucht,
wenn er nicht befürchtet, belauscht zu werden. Er kam
von Amante's Sterbebette. Ihre Furcht vor dem In»
welier war nur zu wohl begründet. Sie verließ das
Haus, wo sie beschäftigt war, diesen Morgen tint
einige Geschäfte in der Stadt, die mit ihrer Arbeit
in Verbindung standen, zn besorgen. Der Weg führ*
te auf einsamen Pfaden durch einen kleinen Wald,
und zweifelsohne ging ihr Jemand nach, nm das
Grauenvolle daselbst zu vollbringen. Der Jä.ter des
herrschaftlichen Hauses fand sie neben einem Strauche
liegend in ihrem Blute gebadet, jedoch nicht todt. An
ihrer Seite lag ein Dolch, an welchem wiederum das
Papierchen befestigt war, auf dem die verhänqnißvol»
(en Worte standen doch diesmal das Wort „Un"
unterstrichen, was jedenfalls bezeugen sollte, daß der
Meuchelmörder von seinem früheren Irrthum unter
richtet war:
„Numero UH,
Ainsi les Chauffeurs ee vdngent."
Sie wurde sogleich nach dem Hanse getragen wo
schleunigst Mittel angewandt wurden, nnd brachte
man es alsbald so weit mit ihr, daß sie leise zu spre
chen vermochte. Doch o Du gute, treue, theuere
Freundin und Schwester! selbst dann erinnerte sie
sich meiner und verweigerte zu sagen was auch
keiner ihrer Nebengesellen wußte wo oder bei wem
sie wobne, und da von starkem Blutverluste sie immer
schwächer wurde. blieb nichts übrig, als sie in das
nächstgelegene Hospstal zu bringen, wo, natürlicher
Weise, ihr Geschlecht alsbald entdeckt wurde. Glück«
licherweise, sowohl für sit als für mich, war der an»
weftndt Arzt fctr wirkliche Doktor Boß, den wir be«
rtits kannten. Ihm vertraute sie während sie ihren
Beichtvater erwartete so viel an, daß ihm meine
Situation, in der sie mich zurückließ, zur Genüge ver
ständlich wurde. Ehe der Geistliche noch halb ver
uommen, was ihm Amante zu sagen hatte, war sie
eint Leicht.
Doktor Voß theilte mir weiter mit. daß er gewar
tet bis die Nacht hereingebrochen, um selbst dann auf
vielen Umwegen zu mir zu gelangen, w'il er befürch
tete, es möchte ihnJemand beobachten und ihm nach
folgen. Ich vermuthe jedoch, daß ir dieS nicht nö
thig gehabt, um so mehr, da ich spater erfahren, daß
Baron de Röder, als er die Ähnlichkeit der Umstän
de in der Ermordung Amante's und seiner Frau zu
Gehör bekam, jede mögliche Anstrengung machte, dem
Meuchelmörder auf dir Spur zu gerathen, so daß e«
dieser jedenfalls für nöthig fand die Flucht zu er»
greifen, und ich daher, wie ich glaubte, einstweilen
geborgen sein möchte.
Ich vermag es Dir kaum zu sagen, durch weicht
Gründe Dr. Voß der sich anfänglich blos als
mein Wohlthäter zeigte, indem er mir einen Theil
feines geringe» Einkommens zu meinem Leben?un
terbalie zukommen ließ mich zu überreden wußte,
feine Frau zu werden. Doch es sei Dir dies genug,
daß er mich sein liebes Weib und ich ihn meinen gu»
teu Mann nannte. Es war zu jener Zeit nichts
Schwieriges, durch die kirchlichen Ceremonien der
Trauung zu gehen, und da wir Beide lutherischer
Confession waren, Monsieur de laTourelle aber seiner
Zeit vorgegeben, reformist zu sein, konnte eine Schei
dung, die sowohl kirchlich als gerichtl ch gültig, von
Letzterem durch das damals in Deutschland bestehen
de Gesetz leicht erlangt «verde», Hilten wir es wagen
dürfen, eine» so fürchterlichen Menschen vor irgend
einen Gerichtshof zu laden.
Der gute Dr. Voß brachte mich und mein Kind
heimlicher Weite nach feiner kleinen, bescheidenen
Wohnung. Dort lebte ich in derselben stillen Ab«
geschiedenheit wie früher und wagte mich niemals
hinaus tu das Freit, in das klart Licht dts TaaeS.
Als aber die eingebeizte Farbe von meinem Gesicht
verschwand, wollte es mein theuerer Mann nicht ha»
ben, daß ich sie erneuere es war eigentlich auch nicht
mehr nöthig mei» blondes Haar war grau und
mein Gesicht aschfarbig geworden. Kein Mensch
hätte die jugendfrifche, blondhaarige Fran von acht
zehn Monaten zurück wieder erkannt. Dit wtnigtn
Leute, die ich zu sehen bekam, kannten mich nur als
Madame Voß, früher eine Wittwe, die der Doktor
stillschweigend geheirathet. Sie nannten mich „die
graue Frau 1"
Mein lieber Gatte veranlaßte mich, Dir seinen
Familiennamen beizulegen. Bis jetzt kanntest Du
keinen anderen Vater und bedurftest auch keiner besse
ren Liebe, als der seinigen. Einmal, nur einmal
noch überkam mich der alte Schrecken. Ich ging
nämlich ans irgend welcher Ursache, deren ich mich
nicht mehr entsinnen kann, ganz gegen mei» sonstiges
Verhalte», nach dem Fenster meines Zemmers —je»
denlalls um es entweder zu öffnen oder zuzumachen.
Nach einem flüchtigen Blick auf die Straße stand ich
wie gebannt da denn aus dem jenseitigen Trottoir
gewahrte ich Monsieur de la Tonrelle. jun^. stol^ und
elegant, wie immer. Das Geräusch vo.n Fenster
veranlaßte ihn, aufzublicken, und so sah er mich, eine
alte graue Frau, erkannte mich jedoch nicht, obschon
kaum drei Jahre verflossen sein mochten, seitdem ich
aus seiner grauenvollen Räuberhöhle entflohen, und
trotzdem der Blick seiner Augen so scharf und durch»
dringend wie der des Lnchies war.
Als mein lieber Voß nach Haust kam, erzählte ich
ihm dieses neue Erlebniß, worauf er nach besten
Kränen bemüht war, mich aufzuheitern doch der Ge«
danke, Monsieur de la Tourelle gesehen zu haben, er
faßte mich mit unüberwindlichem Schrecken, was ein
mehrmonatliches Unwohliei., bei mir zur Folge hatte.
Noch einmal sah ich Monsieur de la Tourelle und
zwar todt. Er und Lefevre wurden endlich dennoch
eingegangen. Baron de Röder hatte sie verfolgt und
bei einem ihrer Verbreche» festgenommen. Dokior
Voß halte von ihrer Verhaftung, Verurtheilung und
Hinrichtung gehört, doch ließ er kein Wort darübe,
verlauten, bis er mich eines Tages bat, ihm durch
meinen Gehorsam tut6 mein Zutrauen zu beweisen
Idaß ich ihn wahrhaft liebe. Ec machte eine lange
DER WESTBOTE.
I U S A 4 I
PXJBtXSH
SBS.
Fahrt mit mir, wohin, weiß ich bis jetzt noch nicht,i|
da jener Tag nie mehr von unS erwähnt wurdt. Man
führte mich durch tin Gefängniß in einen eingefchlos«
feiten Hofraum, wo, sorgfältig mit Todttutüchtru vtr«
hüllt, dit die Spur der Enthauptung verbergen soll«
ten, dit sttrblichtn Ueberreste von Monsieur dt la
Tonrelle und zwei oder drri Anderen, dit ich aus Lt«
SlocherS gekannt, lagen. Nach dieser Ueberzeugung
rersuchlt mein Gemahl, mich zn überreden ein na«*i
tütlicheres Leben zu führen und mehr auszugeben
allein obgleich ich seinem Wunsche mehrmals Folg«
leistete, verließ mich doch der alte Schrecken nie, und
einsehend, welche Ueberwindung es mich kostete, drang
er nicht weiter in mich.
Das Uebrige weißt Du. Nimmer wirst Du eS
vergessen, wie bitterlich wir Beide den Betlust diese«
theueren Gatten und Vaters beweinten, denn so will
ich ihn stets nennen und als solchen mußt Du ihn
nach diesen Enthüllungen stets betrachten, mein Kind.
„Warum aber mußten sie gemacht werden fragst
Du. AuS diesem Grund«: Dein Gtlitbttr, dtn Du
bishtr nur als Monsieur Lebrun, einen französischen
Künstler, gekannt, nannte mir erst vor wenigen Ta«
gen seinen wahren Namen, den er fallen ließ, weil die
blutdürstigen Republikaner denselben für z« arists«
kratisch hätten halten können. Er ist Mauri ee
e o s y i
Der Krieg
Boa der Potomac Armee. EineMaffe
aufregender Gerüchte in Betreff der Situation unfe«
rer Armee in Virginien sind in Umlauf, und e« ift
schwer, die Wahrheit au« denselben herauszufinden.
Nachdem Gen. Meade die Absicht der Rebellen, in«
sere rechte Flanke zu umgehen entdeckt hatte, zog ee
sich in aller Eile bis über den Rappahannock zurück.
Gen. Lee folgte jedoch nun unserer Armtt auf dtm
Fußt und Meade sah sich dadurch veranlaßt, die Li»
nie des Rappahannock zu verlassen und bis in die
Umgegend von Manassas Junction, in Hz Nähe de«
alten Bull Run Schlachtfeldes, zurückzufallen, wo er,
wie es jetzt den Anschein hat, eine Schlacht annehmen
wird, oder bereits angenommen hat. Unsere Cava!«
lerie hat auf die'em Rückzug bedeutende Verluste er«
listen, indem ein Theil derselben einmal gänzlich ab»
geschnitten und vom Feinde umringt, sich mit schwe«
rem Verlust an Todten, Verwundeten und Gesänge«
neu, durchschlagen mußte. Da? 2 New Hamp hire,
4. und 12. Pennsylvania Cav. Regt, litten am mei
sten. Während des ganzen Rückzuges waren die bei
den Armeen so nahe bei einander, daß beständige
Plänklet« nnd Vorpostengefechte stattfanden. Au«
diesen Gefechten sind in Washington 375 Verwundt«
te angekommen. Am Mittwoch, den 14. d. Mt«,
'and zwiichen einzelnen Theilen der beiden Armeen
in der Nähe vo i Bristow's Station ein ziemlich be
deutender Kampf statt, in welchem die Rebellen den
kürzeren zogen, nachdem Gen. Svkes Reguläre ernt
bedrängten 2. Corps zu Hülfe gekommen waren.
Gen. Meade hat nach Beendigung des Kampfe« fol
genden Generalbefehl bezüglich desselben erlasse»
Hauptquartier der Potomac Armee,
den 15: Okt. 1863.
Der commandireude General-Major kündigt der
Armee an, daß die aus dem 2. Corps bestehende Ar«
rier Garde gestern auf ihrem Marsche angegriffen
worden ist. Der Feind wurde nach einem lebhaften
Gefecht mit dem Verlust einer Batterie von 5 Kano
nen, 2 Fahnen und 450 Gefangenen zurückgetrieben.
Die fähige Leitung und Energie des Gen. Warren
und die Tapferkeit der Ofnziere und Soldaten des Z»
Armee-Ccrps verdienen das höchste Lob.
Auf Befehl von
New §)ork, am 15. Okt. Eine Special De
pesche von Washington an die Times sagt: Es sind
Gerüchte in Umlauf, daß eine allgemeine Schlacht bei
Tagesanbruch diesen Morgen auf dem alten Bull
Run Schlachtfelde begonnen bat. Das Commando
der Potomac Armee ist natürlich mangelhaft. Die
Entfernung des Gen. Meade aus seinem Posten scheint
eine beschlossene Thatsache zu sein. Man spricht von
Gen. Sickles als seinem Nachfolger.
Auch Geu. Heinzelmann ist seines Commando«
Über dit Vertheidigungswerke bei Washington t"tho«
ben und Gen. Augur an stint Sttllt gesetzt forden.
Es wird versichert, daß Ge„. Meade viel stärker ist,
als man allgemein annimmt, und daß seine Armee
jedenfalls die südliche an Stärke weit übertriff. Man
braucht deßhalb über den Ausgang einer etwai^eu
Schlacht nicht besorgt zu feilt.
Der Rückzug der Potomac Arme».
Der Correspondent des Cincinnati Commercial«
schreibt unterm l5. Oktober von Washington: Die
Armee ist in Sicherheit und im Stande ihre Position
gegen die vereinigten Armeen der Rebellen zn halten.
Die Rückivärtsbcwegung des Gen. Meade war durch«
aus freiwillig und hat nicht in Folgt der Bewegun«
gen des Feindes stattgefunden, sondern um denselben
aus seinen Verschanznnaeu und von seiner Operati
onsbasis wegzulocken. (?). Das Maneuvre ist er»
folgreich gewesen. Das 3. Armee-Corps, welche«
am Montag (12. Okt.) von Rappahannock Station
»ach Sulphur Springs abging, um dit Straßt nach
Warrcnton in ihren Besitz zu bringen, stieß mit tiner
feindlichen Uebermacht zusammen, griff dieselbe un
verweilt an und schlug sie nach einem 2si'indigen
Kampfe ant's Haupt. Unser Verlust war: 30 —40
Todte und 100 Verwundete, meistens von Grabam'«
Brigade. Dieses Co ps (3tc) wurde in jener Nacht
nach dem rechten Flügel verlegt, und dessen Platz
durch daS 2. Corps ausgefüllt, auf welches dann am
Morgen der Feind traf, indem er es durch einen An
gl iff vou einem Versteck aus überraschte. Ein ver»
zweifelier K impf ciilspann sich und wurde solange
fortgeführt, bis das 2. Corps mit beträchtlichem Ver»
lust zurücksisl. Da es ihm nicht möglich war, von
der Warrenton Straße Besitz zn nehmen, so mußte
der Mückzug in großer Eile der Eisenbahn entlang be«
werkstclligt werden. Die Hauptarmee, deren Rück
zug dieses CoipZ zu decken hatte, setzte unterdessen ih«
ren Marsch fort, bis sie die Stellung erreichte, wo
der General sie haben wollte, um eine Schlacht anzu
nehmen. Der Feind hat gegenwärtig den größten
Theil des alten Bull Run Schlachtfeldes in seinem
Besitz, sowie die Straße nach dem LouvOn Thale.
Am Mittwoch Abend versuchte er wieder, die rechte
Flanke Meade's zu umgehen um zwischen Washing
ton und unsere Armee zu gelangen, allein das 2te
Corps leistete kräftigen Widerstand, durchkreuzte die
Plane des Feindes und trieb ihn vom Felde. Der
Verlust diese», Corps an Todten und Verwundeten,
welche alle dem Feinde in die Hände sielen, isi zwar
bedeutend, allein der Erfolg ist von großer Wichtig
keit, denn wäre es dem Gen. Lee gelungen, zwischen
unsere Armee und Washington zu gelangen, so könn»
ten die Fclge.i sehr bedenklich gewesen sein. Die Re»
bellen verloren in dem Kampfe ungefähr 400 Todte
und Verwundete, 450 Gefangene und 0 Kanonen.
Der Rebellen General Cook und 2 Obersten wurden
geiödtet. Auf unserer Seite ist (Sei. »JÖZallon vom 62.
N. §). Req. d.r höchste Offizier, der getödtet wurde.
oUn. Sickles ist zu der Armee abgegangen, um den
Befehl über das 3te Corps zu übernehmen. Das Ge
licht, nach welchem Meade entlassen und Sickles an
erne Stelle beordert worden sein sollte, hat fcurchau«
keine Begründung ebensowenig als die Nachricht,
daß heme (15. Okt.) eine allgemein« Schlacht ge
schlafen worden fei.
Bon Charleston. New York, 15. Okt.
Erne Correspondent der Tribune von Morris I«- 5
iand sagt: Dienstag, den 8. Okt. Der heutig«
£a* war ein unglücklicher. 3 Mann wurden durch
feindliche 'Bomben geiödtet und 12 verwundet. Eine
Bombe explodirie unter der Thüre einer Bombenfe
sten Kasematte und tödtete einen Mann und verwalt«
deie fünf.
O k o e e n 9 e n i e o s o u i e
Zimpki.ie und Bragg feuern beständig auf unsere Ar«
ceiui in Fort Wagntr und Greag. Sie haben die
genaue Schußweite und werfen ihre Bomben und
ttlti mit tödlicher Wirkung und Genauigkeit in die
'ier ke. Sie haben sich gewöhnt, alle auf einmal los« Ii
zufeuern, so daß die Bedeckung unset er Leute wenig
schütz ^eivährt, da die kugeln in ein und demselben
.lugenblick von verschiedenen Richtungen herkommen.
Ku-
Ote ausgezeichneten Kasematten schügen zwar liniere
irntt vor den meisten ihrer Kugtln, doch kommen zahl-â
r.ichc Unglücköfalle vor. Eine unserer 200 Pfstiu®
(.ijvrijcßullg auf der »tttitu lärnt.j

e V v I
n A a i e e
war. Es that
überzeugen, ob Monsieur la Tourelle
olumbus, Donnerstag, SS. October 1863
.i TERMS:
P«r. fear, Invariably I» ttil1»M
Gen. Major Meade.

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