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Der westbote. [volume] (Columbus, Ohio) 1843-1871, October 29, 1863, Image 2

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Der ZLestbote.
€»lumlul# ben 29. Oktober 1863.
Die Aufgabe der demokratischen Partei.
Gin paar (englische) demokratische Blätter streiten
Mh bereits über die Richtung, welche die demokrati«
Me Partei im kommenden Präsidenten Wahlkampfe
einschlagt» soll. Diese kampflustigen Herren sollten
litter warten, bis der Pnlvcrdampf des letzten Wahl
^»mpfeö verraucht ist. Das Resultat dieseS Wahl»
Mimpfes, mit seinen 60,000 Stimmen gegen uns,
Aiebt allen, welche lerneu wollen, vollauf Gele
ßenheit zu lehrreichen imd^cilfamen Betrachtungen
und es ist durchaus nicht nöthig, daß wir jetzt mit
Ituerbränden um unS werfen sollten.
Bis zur Ernennung eines PräiidentschaftS-Tandi
*rSaten werden mindestens noch acht Monate verlaufen.
Hn einem solchen Zeitraume, und besonders in den
gegenwärtigen Kriegszeiten, wo jeder Tag „Gtfchich
•'•in wacht4' und fast jeder Tag neue Ueberraschungen
."Und neue Fragen bringt, kann gar Vieles passiten,
»"Wovon wir jetzt nicht einmal träumen. Wir werden
schwerlich eine „Richtung^ zu snchen oder zu wählen
iHann
Haben sie wird sich uns vielmehr wahrscheinlich von
selbst aufdrängen.
Wenn wir die Sache recht begriffen haben, so wer
den Wahlkämpfe geführt, um zu siegen und durch den
Eieg gewisse Grundsätze zur Geltung zu bringen.
Ein Wahlkampf, der blos geführt wird, um das Ex-
mmr.it zu machen, ob nicht gerade dieser oder jener
und sonst Keiner, trotz alledem, gewählt wer
tzen kann, ist für die Katz. heißt leeres Stroh dreschen.
Hm letzten Kriege zwischen Oestreich und Frankreich
Hürden die Oestreicher überall geschlagen, weil ihre
»ornister unvernünftig schwer bepackt waren und sie
Sei allen Bewegungen hinderten. Wenn sich eine
Parthei unnöthiger Weise eine schwere Last auf den
Nucken ladet, oder sich zum Ueberflusse noch ein Blei
gewicht an die Füße bindet, so kann sie nicht erwarten
enter dieser Last den Sieg zu erkämpfen. Beispiele
find zur Hand, es ist aber nicht nöthig, fie aufzufüh
Wir find heute, nach der verlorenen Schlacht, noch
*1|fcen so fest überzeugt, als jemals, daß der landes
Herwüstende, rachsüchtige Abolitionismus dem Lande
Hen Frieden nicht wiedergeben, noch die Union wieder
Herstellen kann. Die demokratische Parthei muß es
huu, und sie wird es thun, wenn sie sich selbst treu
leibt. Sie kann es aber nicht thun, wenn sie einer
action erlaubt, sie zu beherrschen und ihr neue und
fremde Bahnen anzuweisen. Sie kann es nicht thun
Éiit einer Platform, auf der nur Extremisten stehen
Hönnen. Sie kann es aber thun mit einer
Mlaiform, die groß und weit genug ist, daß alle auf»
Dicht igen, grundfatztrenen Demokraten die in ftfi*
Heren Kämpfen treu auf unserer Seite standen, daran
können, und wenn sie dann einem geprüften De
»okraten, der das Vertrauen der ganzen Demo
rotte besitzt, das alte Banner mit den alten Grund
und Inschriften in die Hand giebt, dann wird
ein Sturmwind, siegreich alles vor sich her
tSmus werden besiegt zu ihren Füßen liegen, das Land
wieder frei, und die Republik gerettet sein!
Das ist nach unserer Ansicht die Aufgabe der de
mokratische» Parthei!
Die Absetzung des Gen. RoseeranS.
Zwei Ereignisse sind seit dem Ausgange der letzten
Wahlen eingetreten: erstens der Aufruf für 300,000
Mann zweitens die Absetzung des General Rose
«ans. Der Truppenaufruf kam »ich» unerwartet
wenn Krieg geführt werden soll, müssen Manrschaf
.Jen gestellt werden. Das begreift sich leicht aber die
»'Absetzung des Generals Rosenaus ist nicht fo leicht
»HU begreifen.
Das Volk, cürvcht es an derartige Ueberrasch
fingen bereits gewöhnt ist. fragt sich erstaunt: warum
..wird Roseerans abgesetzt? Hat er sich nicht als einen
i»lgreichfähigsten
nserer Generale erwiesen? Ist er nicht er»
gewesen? Genoß er nicht daS Vertrauen fei
»Her Truppe» und des Volkes? Hat er nicht die 9te»
JGräften
iernng und sogar die Regieruugs- Partei nach
unterstützt?
Um diese Fragen zu beantworten, müßte man voll»
ommen eingeweiht sein in die undurchdringlichen
eheimnisse der Regierung und in die Intriguen der
Zashingtcner Hofkabale. Wir sind eS nicht. Wir
Hnd blos ein einfacher Bürger, noch dazu ein demo
ratischer Bürger, dem man solche Dinge nicht auf
ie Nase ndet, und wir müssen daher in den Regie»
rnngsblättern Belehrung suchen. Aber auch diese ge»
ten wenig Aufklärung. Einige sagen zwar, Hooker
teiSchuld daran, weil dieser als älterer General nicht
*4n ter Roseerans stehen und sich von ihm nichts fre»
fehlen lassen wollte. Um nun diese Schwierigkeit zu
'Bösen, sei Roseerans seines Commando's enthoben und
Grant zum Oberbefehlshaber der drei Departemente
«nannt worden.
Die traurigen Eifersüchteleien unter «ufern Gene
rälen von denen jeder eine höhere Violine spielen
'«ill als der andere, sind freilich sprüchwörtlich ge
worden, und die „Sternträger" haben ihren Unterge»
»Henen oft gcnng ein schlechtes Beispiel gegeben auch
«tag es seine volle Richtigkeit haben, daß Hooker nicht
e Roseerans stehen wollte allein dadurch wird
Hie Absetzung des Letzteren durchaus nicht gerechtfer
^Higt, denn der Präsident hat nach einer Verfügung
letzten Congresses das unbeschränkte Recht, irgend
'Dnen General ohne Rücksicht auf das Dienstalter,!
*Sbet den andern zu stellen. Der Präsident hat auch!
'lere its in mehreren Fällen von diesem Rechte Gebrauch
Jlteren
macht, zum Beispiel bei Pope, den er über den'
General Fremont stellte. Herr Lincoln hättet
'Glso diese Schwierigkeit leicht durch ein paar Feder
witsche beseitigen können, ohne Rosenaus abzusetzen.
kann also der wahre Grund nicht sein. Viel
•leicht treffen jene schlichten Leute aus dem Volke den
"I?agel aus den Kopf, indem sie behaupten, „Old Ro
*t?' sei zu populär und gewissen ehrgeizigen Poli
"Ufr™ zu gefährlich geworden, und deshalb habe
'»an ihn über Bord geschoben. Als sehr wichtig muß
Washington die Angelegenheit betrachtet worden
Din, denn der Kriegsminister Stanton verfügte sich in
«gener, höchster Person nach Cairo, wo er mit Ge
iOeral Grant zusammentraf und mit diesem auf dem
MVege nach Chattanooga nach Louisville reiste.
Von der Regiernngèpresse wird die plötzliche Ab
tznng des so hcchbclobten Generals sehr verschieden
nfgenommen. Gefallen findet zwar nicht ein einzi
ges Blatt daran, aber doch meinen einige, wie alles
was von Oben kommt, geschehe die Abberufung dieses
Generals sicher zum allgemeinen Besten, wenn dies
Much „der beschränkte Uiiterthanen-Versiand" titcht.'au»
^enblicklich begreifen könne. Andere Regierungsblätter
Machen eine Faust—in den Sack und zn dieser Sorte
gehört auch das bissige Journal. Es schreibt in sei
Der Donnerstags Nummer:
»Die Absetzung des Gen. Roseerans ist uns un
begreiflich. Wer kann sagen welche Ungereimt
hetten und Uebergriffe in diesem Verfahren liegen
mögen? Kann es möglich fem, das General Hal
leck die Popularität des erfolgreichen Bcfchlsha
berS fürchtet? Alle diese Dinge nebst der ander»
Betrachtung, daß die schwächsten (schlcchtcsten)Bc
fchlèhabcr am längsten ihre Commandos behalten,
sind völlig genügend, daß das erstaunte Volt ver
langen sollte, zu erfahren, was alle diese Vor
gänge meinen.
»Wir sprechen^ die öffentliche Gesinnung aus,
wenn wir sagen, daß ke u Mann im Felde, selbst
General Grant nicht ausgenommen, größeres Ver
trauen unter dem Volke und der Armee genießt,
als Gen. Roseergns. Auch sind wir überzeugt, daß
die Absetzung txtfi Roseerans geeignet ist, große
Schwierigkeiten in der Armee und unter dem Vol»
ke des Westenö hntiorzuriifeii."
Schließlich will das Journal die Abberufung von
oscerans von der Cnmbciland-Armce nur unter ei
l(t Bedingung gelten lassen. Nemlich dann nur,
enn Roseerans an die Spitze der Potomac-Armce
«stellt weiden sollte. Gerechter Himmel! —kann das
Journal wirklich ein Freund von Roseerans sein,
wenn es ihm ein solches Unglück wünscht! Hat die
Potomac»Armce (od»r vielmehr der Wind, der von
Washington aus diese Armee igte ein Mchlthau be
herrscht) nicht noch jeden General „faptU* gemacht,
%t sich an ihre Spitze stellte
I
Wie viele Generale werden in diesem Kriege wohl
»Och eingesalzen werden?
Nachschrift.
?Der Hofhund hinter Roseerans. Wir
Sitten die obigen Bemerkungen bereits geschrieben,
als uns der folgende Auszug aus dem Washingtoner
Chronicle, dem Holblatte der Regierung, zu Gesicht
fem:
»Wir haben erstaunliche Nachrichten in Betreff de,
Absetzung von Roseerans erhalten Das Land wird
i* Bewegung gerathen das, waS wir zu melden
haben: Drei Anklagen sind gegen den frühern pcpu
täten Befehlshaber erhoben worden. Die erste, wel»
che durch die Generale Crittenden und McCook erbo»
6:Ii wird, ist die, daß Roseerans während der Crisis
das Schlachtfeld verließ, nach Cbattanooga floh tt»d
den dortigen Offizien» meldete, daß der Tag verloren
sei. Es wird gemeldet, daß et nachher, durch den
Einfluß von Opium, die Besinnung verlor. Die zwei
te Anklage wird, wie ein Gerücht sagt, von der Re
gierung erhoben und besagt daß Roseerans Befehl
hatte, in Chattanooga zu bleibe», bis Verstärkungen
eintreffen würden. Die dritte Beschuldigung, wie es
heißt, geht dahin, daß Roseerans im Juni sich wei
gerte, von MnrfreeSboro auS vorzurücken, wie ihm die
Regierung befohlen hatte, indem sich eine Gelegen»
heit darbot, Bragg auf's Haupt zu schlagen, da ein
großer Theil seiner Armee Johnston zu Hülfe geeilt
war, der gegen Grant kämpfte."
So weit das Washingtoner Hofblatt und wir wol
Im bemerken, daß diese »erstaunlichen Enthüllungen"
in Washington für so wichtig gehalten wurden, daß
sie sofort durch den Telegraphen, der unter Censur
steht, nach Westen telegraphirt worden sind.
Armer Roseerans! Die Regierungshunde werden
dich zu Tode Hetzen. Der große Hofhund in Wash
ington hat de» Ton angeschlagen und bald werden
alle die großen und kleinen Spitze, Pudel und Köter
folgen und denselben General anbellen und an wäs
fern, den sie noch vor drei Tagen in den Himmel er
hoben Spielten sie nicht dasselbe schändliche Spiel
mit McClellan? Rosccrans hat sich durch den
Brief, den er letzten Winter an die Ohio Gesetzgebung
schrieb, an der demokratischen Partei schwer versün
digt. Das soll uns aber nicht abhalten, ihm Gerech
tigkeit wiederfahrcn zu lassen. In Cincinnati trifft
man Vorbereitungen zu seinem feierlichen Empfange.
»Heute noch aus stolzen Nossen,
Morgen durch die Brust geschossen,"
•»-.Wicht durch eilte ehrliche Kugel, fondern durch diè
giftigen Pfeile gedungener Verlaumder. Pfui Teufel!
bnne und andere Abolitionisten-Blättcr folgen dem
Beispiele desRegiernngs-Ho^hundes von dem Wash
ingtoner Chronicle und stürzen sich klaffend und bel
lend auf den in Ungnade gefallenen General Rose
cran s. Die Chicago Tribune wirst ihm vor, er
habe seine kostbare Zeit mit „Paternoster-Beten" ver
grübet, ein anderes Abolitionistenblatt will wiss
sen, der General habe während der letzten Schlacht
in Chattanooga geschlafen und ein drittes hat sogar
entdeckt, daß Roseerans seinen Chef dec Arrnee-Poli»
zei, der sich tief in Baumwoll-Speculationen einge«
lassen, auf eine zu auffallende Weise begünstigt. Ob»
wohl sich diese Blätter in ihren Anklagen direkt wi
dersprechen, so verfolgen sie doch alle denselben Zweck
den Zweck nemlich, denselben Mann, den sie noch
tor wenigen Wochen bis in den Himmel erhoben, bis
in den tiefsten Schmutz hinnnterzntreten. Es hat übri»
gens denAnschein.als wenn ihnen dies nicht so leicht ge
lingen soll, wie bei McClellan. Erstens hat das Volk
seither vollkommene Gelegenheit gehabt, die gänzliche
Gewissenlosigkeit dieser Blätter kennen zn lernen und
dann hat auch Gen. Rosccrans, namentlich hier im
Westen unter dem Volke einen zu bedeutenden Halt
gewonnen, als daß ihn die Angriffe der Regiernngs«
presse so schnell ans dem Sattel werfen könnten. In
Cincinnati besonders hat Roseerans warme Freunde
und die dortige Gazette, deren Correspondent selbst
6 i der Schlacht am Chickamanga anwesend war, sieht
sich gezwungen in einem energischen Artikel gegen die
boshaften Angriffe ans den' General zu Feld zu zie«
hen. Die Gazette schreibt unter Anderm:
»Der Charakter des amerikanischen Volkes wird
entehrt durch die Verläumdungen, die in Washing»
ton in Umlauf gefetzt werden und die Urheber dersel
fcen mögen sich wohl vorsehen, daß sie sich vor der
gerechten Entrüstung des Volkes den Rückzug decken—
Uns braucht mau von Washington aus nicht
zu sagen, wo Gen. Rosccrans während der Schlacht
war. Er war da, wo der Befehlshaber sein soll. Wenn
es eine Ausnahme gab, so war es da, wo er sich ins
Feuer stürzte^ um seine zersprengten Truppen znm
neuen Angriss zu sammeln. Als die Niederlage hoff
nungslos wurde, entschied er für eine neue Linie an
Mission Ridge und gab demgemäß seine Befehle.
Seine einzige praktische Verbind».ng mit dem Corps
unter Thomas führte über Chattanooga und Roß
eitle, und er eilte nach einem Platze zurück von trd
ans seine Befehle die ganze Armee erreichen konnten.
Seine Befehle leiteten sie den ganzen Tag hindurch
und als der linke Flügel in der Nacht nach Mission
Ridge zurückfiel, fand er den Nest der Armee dort in
Schlachtlinie und Ordnung."
»Die Masse der Beschuldigungen, die in
Washington in Umlauf gesetzt werden, sind einer ern»
sten Widerlegung unwürdig. Sie widersprechen sich
selbst. Wir wissen, daß sie gänzlich falsch sind. Sie
scheinen einen gemeinschaftlichen Ursprung zn haben,
und durch eine organisirte Maschinerie emsig in Um«
lauf gefetzt worden zu sein tun die Wahrheit zn ver«
bergen. Der Versuch wird fehlschlagen, der Zweck ist
so offenbar und die Mittel so schlecht, daß sie allge»
meine Entrüstung hervorrufen und mit doppeltcrWucht
auf die verschworenen Verlâumder zurückfallen wer
deu."
Empfang des Gen. Nosecrans in (Fin*
cinnati. Ge» Roseerans, nebst Stab, traf am
Montag Vormittag mit dem Postboote von Louis«
ville in Cincinnati ein, wo ihm ein wahrhaft großar«
tiger Empfang von Seiten der ganzen Bevölkerung
zu Theil wurde. Unter den Donner der Kanonen
mischten sich die Jnbelgrüße der Tausende und aber
Tausende, die sich am Landungsplatz? gesammelt hat
ten. Der General bestieg eine von vier Schimmeln
gezogene Kutsche und fuhr unter den ^nrrahrnten des
Volkes, dem Donnern der Kanonen und den Klan«
gen der Mnsik nach dem Burnet Hanse, auf dessen
Balkon der eigentliche Emhfang stattfand. Alle Zu
gange, selbst die Dächer, waren mit Menschen besetzt.
Richter Storcr hielt die EmpfangSredc, worin er
auf die Abberufung des Generals anspielte. Wir ent
nehmt« die Antwort dcs Gcncrals Rosccrans dem
Bolksfreund:
General Roseerant' Antwort.
Mitbür ger! Ich kann nicht umhin, Euch herz
lich für diese Manifestation Eurer Sympatbie, Eu
rer Achtung imd Eurer Schätzung meiner öffentlichen
Dienste zu danken. Während ich die Ausdrucke Eu
res freundlichen Gefühls als Beweise Eurer Privat»
achtung für einen Eurer Mitbürger annehme, kann
ich nicht vergessen, daß das große Herz des Volkes
nicht aus Privatzwecken, sondern ans Motiven, wel
che höher sind als eine persönliche Freundschaft, hier
her kommt. Ich kann nicht umhin, in der Stimme
deS Volkes eine freie und hochherzige Bevölkerung zu
erkennen, welche auf unsern Waffenkanipf gesehen und
mit uns für unser nationales Leben gekämpft hat,
welche mit Interesse den Kampf dieser großen Rebel
lion überwacht hat, die versucht hat, unsere Nation zu
zerstören und unsere Regierung zu stürzen—eine Re
gierung, welcher es noch Niemand abgesprochen hat,
daß sie eine der besten ist, welche je existirt haben.
Deshalb sage ich, wenn Ihr heute Morgen hicher
kommt, so sind Eure Sympathien für mich nicht als
Individuen geweckt, sondern für die Regierung, wel
che i» Gefahr gewesen ist, und für deren Erhaltung
ich sowohl als Ihr selbst gearbeitet öabc. (CbeerS.)
Und während mein Herz mit dem Enrigen für die
Erhaltung dieser Constitution und Regierung schlägt,
unter welcher die meisten von uns geboren sind, und
unter welcher wir alle leben und unter welcher wir
alle zu sterben hoffen wahrend mein eigenes Herz
mit dem Eitrigen für die Einheit dieser Regierung
schlägt, welche die Hoffnung der Menschheit ist, muß
ich auch meiner eigenen Beziehn tg zu ihr wie zu Euch
gedenken ich muß dessen gedenken, daß, als Ihr
hierher kämet, Ihr einigen Zweifel über den Grund
haltet, weshalb die Regierung mich von meinem bis
hcrigen Pesten abberief. Alles, was ich sagen will,
ist Euch zu bitten, daran zu denken, daß wo die Re
gierung auch ruft, es unsere Pflicht ist, prompt zu ge
horchen (Cheers), daß wr ihr Recht, Ordres zu er
lassen, anerkennen und daß wir annehmen, daß sie
einen guten Grund für das hat, was sie thut, bis wir
das Gegentheil davon wissen. Deshalb sage ich al»
leit Denen, welche heute geneigt sind, die Handlung
der Regierung in Frage zu ziehen, daß sie wohl thun
werden, Ihre Gefühle niederzuhalten und weiteres
Licht zu erwarten. Ich dar» soviel sagen daß der
Präsident der Ver. St. seit der Schlacht am Chiea«
manga mir persönlich geschrieben hat, um mir sein
vollständiges Vertrauen auszusprechen. (Lauter Bei
fall.) Und laßt Euch ferner sagen, daß während ei
nige meiner Freunde in New-Z)ork und Washington
anscheinend sehr genau über meine Gesundheit unter
richtet sind, die Armee des Cumberland nicht mit ih
neu übereinstimmt. Die Armee des Cumberland hielt
mich für gesund genug (Gelächter) und ich ebenfalls.
Und während einige meiner Ncw«Z)orker Frcunve,
entdeckt haben, daß die Generäle Crittenden und Mc-
—... Ilpy I
?ock gegen mich conspirirt haben, kommt Men. Jol'n»
so» von Indianapolis zu mir lind sprich! sein Be
dauern darüber aus, daß ihre Namen mit einem sol'
ijfit Gerücht in Verbindung gesetzt seien. (Cheers.)
Was das Opiumesse» betrifft, welches ich gethan
habe, so glaube ich, wird es Niemanden Schaden
thun.
Als ich hier vor einem Jahre ankam, hatte ich die
selbe Ordre in der Tasche wie jetzt, nämlich: mich in
Cincinnati beim Gencral-Adjntantcn bis auf weitere
Ordres zu rapportiren. Jetzt, meine Freunde und
Mitbürger, vermuthe ich nun, daß unsere Regierung
nicht für diese Lügen verantwortlich ist, welche aus
den New-Uork und Washington Blättern und aus
dem Louisville Journal stammen. Ich glaube, es
wird der Regierung nie einfalle», solche Anklage» zu
erheben. Laßt uns glauben, daß die Regierung recht
gehandelt hat und nur recht zu handeln beabsichtigt.
Was immer sie über mich verfügt, ich bitt bereit, ihr
den freudigsten Gehorsam zn leisten.
Ich habe nichtö weiter zu sagen, als das, daß,
wenn es Etwas Hoffnung für die Zukunft unseres
Landes gibt, es die intelligente Einmiithigkeit ist, mit
welcher dies Volk—trotz alles Kummers, welchen ein
Krieg stets zur Folge hat, trotz der Enttäuschung bei
dem weiten Hinausschieben des Friedens trotz de»
Verlusten von Verwandten und Freunden, Vätern,
Gatten, Brüdern und Kindern sich einen festen
Willen und eine sichere Hand bewahrt hat und über
zeugt ist, daß wenn eö Hoffnung für die unmittelbare
Zukunft gibt—wenn unsere Kinder Etwas haben sol«
len, wenn sie Glück und Reichthum erwarten können
es die Erhaltung und die Einigkeit dieser Regier
ttng ist. Dafür lebe ich, und dafür Hesse ich zu
sterben.
Donnernde Hurrahs folgten der Anrede und die
Demonstration machte einen gewaltigen Eindruck.
General Rosccrans hielt später eine kurze Rede
vor der Handelskammer, die ihn feierlich empfing.
Er erklärte in dieser Rede, es sei sein fester Glaube,
daß, wenn die Regierung die Verstärkungen, die sie
kürzlich nach Chattanooga sandte, früher gesandt hat
te, wie es hätte
geschehen
1
sollen, daßdanndie Schlacht
am Chieamauga gewonnen und der Rückenstrang
der Rebellion gebrochen worden sein würde. Abends
reiste der General nach Uellow Springs, seiner Hei
math, ab.
Old Abe schickt die Radikalen hei«.
Wir sind oft gezwungen worden, den langen Vater
Abraham, der im Weißen Hanse regiert, wegen fei»
ner vielfachen Mißgriffe und Constitntions-Verletz
!ungen bitter zu tadeln. Heute erhaZteu wir endlich ein
mal eine Gelegenheit, ihn zu loben denn er hat in
einer guten Stunde ein gutes Werk gethan und einen
!Haufen vorwitziger radikaler Wühler mit einem gro«
!ßen Floh im Ohr heimgeschickt. Die Sacheging so
|lUJn St. Louis sind die radikalen Abolitionisten mit
fccnt dort commandirenden General Schofield schon
längst nicht zufrieden, weil er ein conservativer Mann
ist, und weil er nicht nach ihrer Pfeife tanzt. Diese
Radikalen, die alles umgebracht und ausgerottet ha
ben wollen, was nicht ans ihre radikale Fahne schwört,
würden in Missouri längst eine vollständige Schrek
kensherrschaft eingeführt, würden alles über den H.in
feu gestürzt haben, wenn ihnen nicht gerade General
Schofield im Wege gestanden hätte. Vielfache Vcr
suche, den General in Washington anzuschwärzen und
dadurch seine Absetzung herbeizuführen, schlugen fehl.
?So beschlossen denn die Radikalen, eine starke De»
putatiou
ihrer geriebensten Führer nach Washington
!zn schicken, um den Präsidenten für ihre Zwecke zu
!bearbeiten. Old Abe ließ sie vor, hörte ihr langes Kla
igelied nnd bedeutete ihnen, ihre Beschwerden zu 5sa
pier zu bringen, da er das Alles unmöglich im Kopse
behalten könne. Sie thaten das, warteten lange au
Antwort und reisten, des langen Wartens müde, und
in Anbetracht der theueren Hotelpreise in Wasching
ton, nach St. Louis znrück. Blos einer, ein gewisser
Drake, blieb in Washington, um die Antwort des
^Präsidenten eutgegenzunehmen. Old Abe nahm sich
!zitinlich lange Zeit, aber endlich erfolgte doch seine
jA'itwort, die aber dem Drake so schlecht gefiel, daß
'er sie acht Taae lang in der Tasche herumtrug, ehe
er sie veröffentlichen ließ.
Diese Antwort dcs Präsidenten liegt jetzt vor uns.
Es ist ein langer Bries in Old Abe's eigenem Style,
den wir freilich nicht als Muster empfehlen können.
Ist der Styl aber auch schlecht, so ist der Inhalt um
so besser. Er giebt den vorwitzigen Radikalni in dür
rcn Worten zu verstehen, daß Schofield nach wie vor
General bleiben wird und daß die sonstigen Forder
itngen der Radikalen eben so wenig bewilligt werden
können. D:r Präsident verfehlt nicht, feine Gründe
für diese Entscheidung anzugeben, und er versetzt da
bei den Radikalen in Missouri und ihrer früheren
heillosen
Wirthschaft,
stigen Unredlichkeiten, Betrügereien mid Willkürlich»
feiten radikaler Beamten in jenem Staate ganz der
be und wohlverdiente Seitenhiebe. Er sagt ihnen ge
radezn, daß kein Befehlshaber im Departemente von
Missouri mehr ausgerichtet habe,^ als gerade der von
ihnen so sehr angeschwärzte Schofield. Er erinnert sie
auch daran, daß die Radikalen nicht die einzigen
Leute im Lande sind auf die er zu hören habe und
die er zu schützen verpflichtet sei. Jeder General, der
in Missouri oder sonstwo kymmandire, sei ihm, dem
Präsidenten, und nicht den Radikalen oder den Con»
servativen in Missouri verantwortlich. Er, der Prä
sident, müsse alle hören aber selbst der Richter über
das sein, was er zu thun und zn lassen habe. Er
spricht sein Bedauern über den Zwiespalt ans, der
zwischen den Radikalen nnd Conservativen in Mis
sonri herrscht nnd meint, wenn sie nur unter )ich ei
nig sein wcllien, so würden sie für jeden Feind von
irgend einer Seite stark genug sein.
Folgende Stelle, worin Old Abe den von Jim
Lane angedrohten Raubzug von Kansas »ach Mis
souri geißelt, lassen wir unverkürzt hier folgen:
»Es wird behauptet, daß Gen. Schofield in der
Absicht, die Lawrence Mörder zu beschützen, deren
Verfolgung nach Missouri verhindert hätte. Während
aber keine Züchtigung für diese Mörder zu plötzl.ch
und zu schwer sei« konnte, bin ich doch überzeugt, daß
der gedrohte Rachezug
nach
Missouri, wenn nicht vcr-
hindert, ein blindes Morden zur Folge gehabt hätte,
waS voraussichtlich mehr Unschuldige als
Schuldige
e o e n
hätte. Statt alsodas
er tu dieser Beziehung gethan."
Dabei ist noch zu bemerken, daß der berüchtigte
Lane selbst ein Mitglied der Deputation war, welche
den Präsidenten für die Zwecke der Radikalen bear
bkiten sollte. Der Hieb, den ihr Old Abe ertheilt, sitzt
daher doppelt gut.
Natürlich sind die Radikalen wüthend über den
Brief des Präsidcntcn, denn sie sind eö bis jetzt nicht
gewohnt gewesen, daß sich lex Präsident ihren Ein
pfiffen und ihrem Willen widersetzt und auf eigene
Faust handelt. Es wäre ein großes Glück für das
Land, wenn Herr Lincoln auf diesem Pfade fort
schritte, und sich con dem verderblichen Einflüsse der
radikalen Radikale» ganz losriße. Hoffen wir, daß er
keinen Rückfall bekommt wie damals, als cr in ci»
ner Woche eine Emancipations-Proklamation als eine
Bulle gegen den Kometen verspottete und schon in der
nächsten Woche feine berüchtigte Emancipations
Dulle loßlicß.'
Der Reichstag der deutschen Radikalen hat
letzte Woche wirklich in Cleveland getagt. Laut ge
nng soll es bei den Debatten hergegangen sein und
doch hat uns merkwürdiger Weile der Telegraph, der
sonst jede Lumperei an die große Glocke hängt, von
dieser »hochwichtigen" Versammlung kein Wort gc
bracht, und die Writ würde wahrscheinlich nichts da
titter erfahren, wenn nicht ein paar dcutichc Blätter
im Westen sich erbarmt und die Verhandlnngen in
der Kürze mitgetheilt hätten. Wir theilen nächste»
hend die angcnoinmtnc Platsorm mit, weil sie sehr
kurz ist, lassen aber die erläuternden Bemerkungen weg,
weil sie zu lang sind:
1. Die Revision der Constitution im Geiste der
Unabhängigkeiârklärnng.
2. Abschaffung der Sklaverei im ganzen Gebiete
der Ver. Staaten auf dem kiirzcstcu Wege.
3. Unbedingte Unterwerfung der Rebellion.
4. Integrität Der Union und Unterordnung der
einzelnen Staaten unter die Souveränität des Vol
kes der Ver. Staaten.
5. Behandlung der wicdcreroberten Rebcllenstaa»
ten als Territorien zum Zwecke der Rekonstruktion.
6. Ablassung dcr confiscirtcn Ländercien im Gei»
ste der Heimstättebill sowie Verschcnkung angemessc
ner Parcellen an die Vaterlandsveriheidiger jeder
Farbe und an die befreiten Sklaven.
?. Durchführung der Monroedoetrine,
Verbindung mit der europäischen ÄefcCftttien
zur Abweisung standee Intervention.
9. Sicherung der Presse und Redefreiheit gegen
«Mitotische Willkür.
w a s
10. Einführung eines nationalen Wehl systems
nach Art des Schneidetischen. Allgemeine und glei
che Wehrpflicht.
11. Unterstützung derjenigen Candidate» für öf
fcntlicbe Aemter, welche de» Grundsätzen dieser Plat
form am nächsten stehen.
Das ist die Plalfonn, mit welcher die teutschen Ra
jfcikalni in den Präsidentenwahlkampf ziehen wollen.
Paragraph U ist der vernünftigste von alliii. Ver
muthlich hat ihn Heinzcn hineingebra t, der in die
sein Punkte wenigstens noch vernünftig ist. Die Ver
bindung mit der europäischen Revolution in Artikel
8 ist wahrscheinlich unter dem Einflnsse einer starken
Portion Lagerbier beschlossen worden. Doch, es ist
nicht der Mühe werth, weiter auf diese radikale Ba»
by Schau einzugehen, da nach der ganzen Geschichte
wohl kein Hahn krähen wird. Die deutschen Welt
verbesserer haben wieder einmal Parlamentchens ge
spielt, viel Bier getrunken, viel dummes Zeug ge
schwatzt und sind wieder bingegangen wo sie herka
men. Das ist alles.
Nachträglich erfahren wir noch, daß sich der
teutsche Reichstag nicht in Wohlgesallen, s.nderit in
Zank nnd Hader auflöste. Die Delegaten von Mis
soitri, New §)crk u»d Penniylvanien protestirten nnd
die Delegaten anderer Staaten reiften in Verzweif
lung ab und überließen Heinzcn und feinem Anhang
das Schlachtfeld. Die Gefammi^ahl der Delegaten
belief sich auf etwa 70 Mann, die hoch angeschlagen,
vielleicht co-i 5(10 Leuten abgeschickt wurden. Der
ganze große Westen war blos durch 8 Manu vertre
teil. Washington war (durch deutsche Regiernngs
Clerks) am zahlreichsten vertreten. Der „Anzeiger
des Westens stein sich melden zu können, daß die
Heldenthaten dieses teutschen Reichstages auf den
Preis des Goldes nicht de» geringsten Einfluß aus
geübt haben.
Der republikanische Mayor von New §)otf entblö
dete sich nicht, vor aller Welt der Geschichte und dem
Rechtsgesiihle frech ins Gesicht zn schlagen, indem er
behauptete: „Die russische Regierung läßt sich von
dem amerikanischen Grundsatz leite/t, n
i ch s z u v e r
langen, das nicht recht ist,'und nichts zu
ertragen, daS unrecht ist." Siehe Polen,
Sibirien:e. Admiral Paulding förderte Folgendes
zu Tage: „Wir heißen die russischen Offiziere will»
kommen als die Repräsentanten eines hochherzi
gen und ausgeklärten Fürsten, und wir werden
uns glücklich fühlen in d:r Ueberzeugung, stets mit
denselben verbunden zn sein für die Sache der Hnma
nität, Gerechtigkeit und Freiheit des Mcnschenge»
schlechts.â Hon. David Dudley Field endlich wares
vorbehalten, sich folgendermaßen zu prostituireu:
„Nicht-Jntcrvention ist ein Grundsatz, so alt Wiedas
Staatswesen selbst, und so ewig wie die Ewigkeit. Die
Vereinigten Staaten haben stets nach diesem Grnnd«
satz gehandelt, undRnßland hat dasselbe ge»
than!" Siehe Ungarn je.
Nachdem diese würdigen Hofschranzen und Jgno
rauten sich so selbst entwürdigt hatten wurden eine
Anzahl Ablthnnngsschrei!.'cn verlesen, unter Anderen
vom Staats-SekretairSeward, Bischof Porter, Erz»
frisches Hughes und General McClellan. Das Schrei
ben des Letzteren winde mit lanten Hurrahs für
„Little Mae" begrüßt. Die Anwesenden gingen erst
zu einer späten Stunde auseinander.
Ein Russen ball wird jedenfalls gehalten, das
steht fest. Zeit und Ort sind jedoch noch nicht be
stimmt. Das Gcncral-Comiie, bestehend aus den
Ballgeberu, ist 300 Mann stark, von welchen jeder
66U bezahlt, und dafür 4 Tickets erhält, die er mir
solchen Personen abtreten darf, welche das engere Co
mite für ballfähig erklärt. Höchstens 2000 Tickets
dürfen ansgegebe» werde». Wie viele Damen ein
Herr einführen darf, ist noch nicht bestimmt, doch vcr
muthet mau, so viele er beliebt, jeiech wegen Man
gels an Raum ohne Reisrock.
JC??* Edler Kanonier vom VoTfSbTalt, spare Dei
neu matten Witz! Das Fleisch ist zwar willig aber
der Geist ist sehr schwach. Du brauchst mit Deinen
zarten Ausdrücken „Mistkarren," „Dunggrube- u.
f. id., uns gegen über gar nicht so verschämt zn thun
wir wissen ja längst, daß das die Plätze sind, wo
Du Deine poetischen Blume» pflückst und wir sind
an solche Bilder Deiner züchtigen Phantasie schon zu
sehr gewöhnt, als daß sie ans uns noch Eindruck machen
könnten. Es ist wohl möglich, daß uns unser „baue»
risches Talent," wie Du sagst, in Stand setzen könn
te, noch einmal ein tüchtiger Farmer zn werden was
man aber mit Dir auf einer Farm anfangen könn
te, das ist schwer zu sagen. Wir würden Dich, aus
alten Rücksichten, in ein Koruseld stellen tint die
Sperlinge wegzujagen. Eine Liebe ist der andern
werth nnd so wollen auch wir, nach Deine», Beispie
le. Dir einen Knittelvers widme» der Dir hoffcnt
lich gefallen wird:
Im Kornfeld dorten sehet ihr.
Die Arme ausgestreckt.
Den wohlbekannten Kanoâ,
Wie er die Spaden schreck».
Dies Bild zetgt wie selbst seller Man«,
Der Welt noch n y i ch werden kann!"
Jteint Ziehung am 26. Oetober. —Die
angedrohte Ziehung suf die fehlenden 5000 Mann,
die am vorigen Montag tu Ohio beginnen sollte, hat
nicht stattgefunden, da die volle Zahl durch Freiwil
lige Anwerbungen erzielt worden ist. Wie wir hö
ren, wurden währcnd der letzten Woche allein 1,020
Freiwillige angewoiben. Am Samstag «ließ Gouv.
Tod die folgende Proklamation:
Au das Volk von Ohio:
Ich habe das Vergnügen, die erfreuliche Thatsache
anzuzeigen, daß unser Staat seine Quota der Triip
pen unter dem ersten Aufruf von 1303 durch Freiwil
lige gestellt hat und demzufolge von der ersten Ordre
für eine Ziehung frei ist.
Ihr habt erfahren, daß neuliche ein zweiter Ausruf
vom Präsidenten für 300,000 Mann erlassen worden.
Ohio's Quota für diese zu stellende Zahl ist noch
nicht bestimmt worden, sie wird jedoch nicht viel tin
ter 32,000 sein, und es ist bis zum nächsten 5. Janu
ar Zeit gegeben auch diese Quota durch Freiwil
lige vollständig zu machen. Für den besagte», Tag
ist eine Ziehung zur Füllung der fehlenden Zahl an
geordnet. Man vermuthet, daß die ganze erforder
liebe Zahl durch Volontäre gestellt werden könne. Die
Truppen dcs 1. Aufrufs werden den Regimentern im
Felde überwiesen und daher wird keine Organisation
vorgenommen. Nekrntirungs'Offiziere von den al«
ten Regimente-n werden i» ihre Heimathen geschickt,
um ihre respektiven Commandos aufzufüllen und da
her ertliche ich die verschiedenen County Militär-Com
mittee's achtungsvoll um eifrige Mitwirkung und Un
terstiitzung der Offiziere frei der Rekrniirung.
David Tod, Gouv.
Wahlfreiheit in Pennsylvanien
Die Rezimtngs-Li.feranteu ließen es sich nicht nur
Greenbacks kosten, um ihren Liebling (Surtin durch«
zubringen, sondern sie zwangen auch alle ihre Arbei
ter, für denselben zu stimmen. So erließ unter An
derm die Philadelphia Eiseugießer-Firma Morris,
Tasker und Co., folgende Nolizr:
„Eine Prozession wird von diese» Werkstätten aus
gehen, um sich an der am SamstagAbend statthabenden
allgemeinen Unions-Prozession zn beteiligen. Der
Vormann von einem jeden Departement wird die
Namen der Arbeiter, die sich an der Prozession be
theiligeu wollen, n o i e n, damit man wciß wer
für uud wer gegen die Union ist."
D. h. mit andern Worten: Wer nicht für den
hoddyfürsteu Curtiii stimmt, wird weggejagt.
Pittsb. Dem.
Der filfeftt deutsche 9?erdn in den Ver. Staa
ten ist sicher die deutsche GescUschast in Philadelphia.
Der Verein wurde bereits 1764, also schon vor der
Unabhäugigkeiis Erklärung gegründet. Nächstes
Jahr wird derselbe sein hundertjähriges Stiftimgs»
fest feiern. Der Zweck des Vereins ist, arme Dent
che zu unterstützen und für Ecziehnug von deren Kin
der zu sorgen. Er besitzt eine Bibliothek von 3t),000
Bänden,
von
welchen die Hälfte englische Werte.
Der
««., fensiv-Bewegung gegen Meade's Armee zu bedeute«
Wie sie sich ducken und
me
feit! In New §)orf fand am Dienstag das großes und einzelne kleinere Besatzungen zu überrumpeln, ist
Festessen zu Ehren der Offiziere von der russischen" vorerst »icht zu bestimme», da alle weiteren Nachrich
Flotte Statt. Der russische Gesandte, viele Consul»,
befanden sich unter den Gästen. Von amerikanischer
Seite erhielten natürlich nur die auserlesensten „Statt»
despcrfonen" bei diesem Schmause Zutritt und es ver»
steht sich von selbst, daß dabei der größte Glanz und
Luxus entfaltet wurde. Bei den Trinksprüchen zeigte
es sich wieder, welche Fertigkeit diese vornehme« ame
rikanischen Republikaner besitzen, wenn sie das hohe
Glück genießen, sich in der Gesellschaft der Diener ei
nes europaischen Despoten zu bewegen. Wir entneh
men der Beschreibung der New Uorker Staatszeitung
die folgenden Auszüge:
Von der Potomac Armee. Die Nach
richten über die Situation und Bewegungen in Vir
ginien nnd immer noch unbestimmt und iinziwerläs
sig. Nachdem Nen. Lee die Orange und Alexandria
Eisenbahn von Manassas Junction bis znm Rappa
Hannock total zerstört und sich dann über den letzte»
ren Flnß zurückgezogen hatte, wurde von Washing
ton ans berichtet, daß es unserer Armee unmöglich
sein werde, ihm in den nächsten 3 Wochen, d. h. bis
zur Wiederherstellung der Eisenbahn, weiter als bis
Warrenton zu folgen, weßhalb sie auch in der Nähe
dieser Stadt ihr Lager ausschlug. Gen.M^ade, der we
gen seiner Versäumnis, den Gen. Lee zn einer Schlacht
zu zwingen, getadelt worden zu sein scheint, sandte
seine Resignation ein, welche aber vom Präsidenten,
wahrscheinlich weil sich Niemand zu dessen Nachfol»
ger hergeben wollte, nicht angenommen, sondern mit
dkm Bedeuten zurückgewiesen wurde, „er solle es noch
einmal vcrinchen." Einige Annee-Correspondenten
wollte» wissen, daß Lee sich hinter seine Verschan
ziingen bei Fredericksburg zurückgezogen und den groß
ten Theil seiner Armee gegen Bnrnside uud zur Ver
stärkung des Gen. Bragg abgesandt habe. Diese
Nachricht sa.id allgemein Glanben und es wurde da»
her als ausgemacht anges.hen, daß der Feldzuz in
Virgiiiieii sür dieses Jahr zu Ende sei. Ob dem so
ist, scheint lediglich von den Rebellen abzuhängen,
denn unsere Armee ist offenbar nicht darauf ans, die»
selben in nächster Zeitkürze zu belästigen und inzwi»
scheu kommen die Herbstregen und machen allen wei»
teren Operationen von selbst ein Ende.
Nach einer Specialdepcsche an die N. U. TimeS
kehrte die Rebellen Armee am Morgen des 24. Oct.
»T wieder auf die nördliche Seite de? Rappahannock zn«
rück ob aber dieses Manenvre eine wiederholte Of-
sie ,lch buk^ hat oder nur gemacht wurde, um unsere Cavallerie
ten darüber fehlen.
Folgendes ist die Depesche an die Times:
Hauptquartier der Potomac Armee,
den 24. Oet. Die feindliche Infanterie kehrte die
sen Morgen auf 2 Ponton Brücken in der Nähe der
Orange und Alexandria Eisenbahnbrücke über den
Rappahannock zurück, schlug Geu. Gregg's Cavalle
tie Division mit schwerem Verlust in die Flucht und
griff dann zwei Infanterie Brigaden vom 2. und 3.
Corps an, welche sich zurückziehen mußten. Der
Feind hatte blos Infanterie im Gefecht. Er hat jetzt
nördlich vom Rappahannock eine Linie besetzt, deren
linker Flügel sich an die Beverly Fuhrt anlehnt, bei
Bealtou Station die Eisenbahn überschreitet und sich
gegen Stafford C. H. hin ausdehnt.
(Ob tie feindliche Armee, nachdem sie unsere Ca
vallerie und Theile unserer Infanterie übel zugerich
tet hatte, wieder rechtsumkehrt machte und sich über
de» Flnß zurückzog, ist nicht gesagt, uud in den De
peschen von Washington ist biö jetzt nicht eine Silbe
davon erwähnt. Wir müssen daher aus neuere Nach
richten warten.)
Südliche Berichte. Das Richmond Dis
patch vom 24. Oct. enthält Folgendes:
„Hauptquartier der Armee von Nord»Virginien,
den 23, Okt. 1803.
An Gen. S. Cooper:
Gen. Jmboden griff iW 18. die Garnison von
Charlestown, im Shenandoah Thale, an, und machte
432 Gefangene mit ihren Waffen, Transportations
Mitteln und Vorräthen. Diese 432 Mann zu den be
reits abgesandten Gefangenen gerechnet, macht im
Ganzen 2,402. R. E. Lee.
Die Zahl der Uankee Gefangenen, die in Rich
rnond sitzen, belief sich letzte Nacht auf nicht ganz
12,000.
Von der Cumberland Armeeist nicht viel
zu melden. Gen. Grant kam am 23. Oct. in Chat
tanooga an. Uiitcr'm 2,5. Oct. wird von Nashville
telegraphirt: Hookers Truppen haben gestern den
Tennessee überschritten und Gerüchte von einem Ge
fechte sind im Umlaufe. Gen. Sherman's Corps
war auf dem Wge nach Tennessee zu Grants Armee
von Corinth, Miss., abgegangen. Die südliche Ca»
vallerie unter Forrest belästigt dasselbe sehr und macht
das Vorrücken äußerst schwierig. In Tennessee sind
durch neuliche Regengüsse die Wege beinahe unpassir
bar geworden und es ist schwierig, unserer Armee in
Chattanooga die nöthigen Vorräthe zuzuführen. Ei
nem Gerücht zufolge hatte die Rebellen Cavallerie
zwei Trains, welche mit Lebensmitteln beladen wa
rett, auf der Straße von Murfreesboro it ach Chatta
nooga zerstört.
I Ueber die Thaten von Richardson's Gnerillabande,
welche in Kentucky ihr Unwesen treibt, haben wir sol»
gende Nachrichten:
Louisville, den 24. Okt. Richardson's Gue
rillas, 490 Mann stark, rückten während der vergan
gencn Nacht in Bardstown, wo keine Bundestrup»
Pen flationirt waren, ein, verbrannten und zerstörten
den Bahnhof, eine Locomotive nnd einen Bahnziig,
schnitten den Tclcgraphendraht durch, und beraubten
Privatbürger und Kaufläden. Schon am Mittwoch
zuvor waren Theile derselben Bande in Grecnburg,
Green Co., und Columbia, Adair Co., erschienen und
hatten die Bank am ersteren Platz uud in beiden
Städtchen alle Stores und Werkstätten beraubt.
Eine kleine Abtheilung derselben Bande übe,fiel
am Morgen des 24. Danville, Ky, und verbrannte
eine große Masse QuartiermeisterS und Commissari»
ats Vorräthe daselbst. Nachher begaben sie sich auf
Shelby's Farm, wo sie 230 Regierungepferde erben»
tetfii, die ihnen aber durch Capt. Simpson wieder ab»
gejagt wurden. Auch in Harrodsbnrg erschienen sie
und nahmen alle Pferde mit, die ihnen iu die Hände
fielen.
Bon Charleston bringt der Dämpfer Mafia»
chusetts die Nachricht, day Alles günstig stehe, und
daß Geu. Gillmore seine Batterien bald so weit fer
tig habe, um das Bombardement der Stadt Charte*
stou beginnen zu könne».
Memphis, den 22. Okt. Gen. MePherson
traf am 15. d. Mts. in der Nähe von Canton, Miss.,
mit dem Feinde zusammen. Nach einem kurzen Ge
fecht, fiel der Feind zurück und ließ 200 Gefangene
in unserem Besitze. (Seit. MePherson hat Canton
besetzt.
Von Washington wird unterm 25. Oetobcr
gemeldet: Es ist nicht wahrscheinlich, daß die Re
bellen beabsichtigen, sich in eine allgemeine Schlacht
einzulassen, da ihre Armee bei Weitem nicht so stark
ist, als die des Gen. Meade. Man glaubt, daß
blos Hill's Corps und Stuart's Cavallerie unserer
Armee gegenüberstehen, uud daß sie den Rappahan
nock überschritten haben, um unsere Position zu
reeognosciren. Niemand zweifelt daran, daß falls
Gen. Lee eine Schlacht wagen sollte, er eine voll
ständige Niederlage erleiden würde. Am Montag
fanden den ganzen Tag Vorpostengefechte uud Ar
tilleriednelle statt. Unsere Linie erstreckt sich jetzt bis
an den Rappahannock.
Die Rebellen Cavallerie, welche der Reiterei des
Col. Woolford bei Philadelphia, Tenn., so übel
mitgespielt hatte, wurde nach einer Depesche aii die
Cincinnati Gazette am 25. October eingeholt uud
geschlagen. Das Gefecht dauerte 4 Stunde«. Die
Rebellen hatten 5,000 Mann. Sie verloren an
Todten, Verwundeten und Gefangenen 300 Mann.
Woolford nahm ihnen den erbeuteten Wagentiain
und einen Theil der Gefangenen wieder ab, aber
seine Batterie ist verloren. Unser Verlust belauft
sich auf fast 300 Mann.
Der Dampfer „West" von Helena nach Memphis
unterwegs, wurde ant 21. d. Mts., 15 Meilen ober»
halb Helena von 10 bis 15 Guarillas erbeutet. Sie
nahmen $20,001) in Geld und andere Werthartikel
mit sich uud steckten das Boot in Brand. Der
Dampfet war 5=40,000 werth. a
Von 5cr Potomae-Armee nichts Neueres. Am
Dienstag wurde in Gainesville eine zweistündige Ka»
nonade vernommen, welche iu der Nähe von Bealton,
5 Meilen von Rappahannock Station, stattgefunden
haben mußte. "Nichts Näheres bekannt.
Eine Neger-Verschwörung. Ueber ei
nen Ncger-Ausstand in Georgia schreibt die Macon,
Ga., Confederacy vom 24. Oktober: „Der berich
Ute Ausstand der Neger in Haneock Co., scheint ernst
licherer Natur zu sein, als man anfangs glaubte.
Eine große Anzahl Schwarzer ist darin verwickelt.
Ihre Organisation war vollständig und sie hatten
ihre Offiziere vom Generalmajor bis herunter zum
Corporal, bereits erwählt. Das Haupt der Vcr
schwijriitig ist ein intelligenter und durchtriebener
Mensch, der wohl dazu geeignet ist, die Leitung eines
solch gefährlichen Wagnisses zu übernehmen. Er war
der General-Major der Verichworciieii und begab sich
nach Atlanta zum Zwecke der Förderung des Unter
nehinené. Es lag nämlich in ihrem Hlrne sich dem
Gen. Rosccran« nach der vinnahme von Atlanta und
feiner Ankunft daiellst, anzuschließen. Z i diesem
Plan wurde» sie durch Schurken vom Nett n aufge
tzi, welche gegenwärtig über das gjuzc L^ud zer
Iretit sind. Sehr viele der Ha'.ip!anfuheer 1„d ver«
haftet und sitzen in der Haicock Co.inly ja^l. unter
hnen auch der General-Major, welcher gkfesseltW«»
Atlanta gebracht worden ist.
Die gefährliche Lage der Cumberland
Armee.—Ein Correspondent der III. St., offen»
bar ein Radikaler, ist entrüstet über die Berichte der
Kriegs-Correspondent?» amerikanischer Blätter und
über die erlogene» telegraphischen Depeschen, die, wie
er sagt, berechnet sind, dem Volke Sand in die Au»
gen zu streuen um ihm die gefährliche Lage der Cum
berland-Armee zu verbergen, die er in folgender Weise
"childert:
Und dort im (ÜHattaiioogalHaTe, ringsum von be
herrschenden Höhen umgeben, die der Feind im Be
sitz hat, sitzt er noch, hinter sich einen breiten, reißen
den Strom, der oft 10—15 Fuß in der Stunde steigt
und jede Brücke dann unhaltbar macht, über dem
Flusse ein enges ebenfalls vom Feinde beherrschtes
Waldthal und hohe, steile Gebirgskette, über die nur
zwei halsbrecherische Siraßen führen.
„I can not be dislodged," lautet stolz feine Dt«
pefche und im selben Moment platzen die feindlichen
Bomben mitten i.t unsern Lagern. Die Rebellen be
nutzen nur 2 Kanonen, eine rechtsher von Lookout
Mountain, die andere links vom Missionary Ridge.
Wie aber, wenn sie 50 solcher Kanonen auf einmal
spielen lassen? Von ihren Höhen herab können sie
jede einzelne Bewegung in unsern Linien scheu sie
aber sind verstecke in Walv nnd Schlucht und unsere
Schüsse muß der Zufall leiten, wenn sie treffen sollen.
Dazu kommt noch, daß die Mannschaft Noth leidet
an Allem. Sie ist auf die schmälsten Rationen be
schränkt, die Meisten haben keine Blankets, keine
Mäntel, kaum Kleider genug, tun ihre Blöße zu be
decken, geschweige denn sie warm zu halte» i» de»
bittet kalte» Nächte», t» S:urtn und Regen, und doch
sind diese Soldaten noch voll von Kampfcslust und
warten sehnsüchtig auf einen Augriff, um Gelegenheit
zu haben, ihre gefallenen Kameraden zu rächen uud
deu Rebellen eine Lektion zn geben.
„Die Wagenzüge, die das Nöthige herbeischaffen,
müssen, stets bedroht und manchmal zerstört von
Guerillas, von ausgehungerten Maulthieren langsam
über die Berge geschleppt werden, 8 Tage nimmt der
Weg nach Stevenson und zurück uud daß dieVersor»
zung der Armee tit dieser Weise nicht genügend sein
kann, ist einleuchtend.
„Die östlichen HülfZtruppku ha^eu vollaufzu thun,
die Communication mit Nashville offen und sicher zu
erhalten und Roseerans' Rücken zu schützen, anstatt
ihm das Vorgehen zu ermöglichen.
„So sitzt Ii
un die Cumbetlaudarmee, die beste, die
wir haben, eingezwängt unter elenden Verhältnissen
in Chattanooga, die Confödeiirten aber haben Zeit,
Lee wieder zn verstärken nnd die Polomacartnee in
eine ebenso bedauerliche Lage zu bringen. Hätten sie
dies nicht im Sinn, so wäre Roseerans längst von
ihnen beunruhigt worden, so aber halten sie ihn mit
geringer Macht fest und eoneentriren wieder auf einem
andern wichtige» Punkt.
„Und noch wird es nicht Tag in Washington, noch
wandeln sie dort fort in dem Schlafe, ans dem sie,
wie ich fürchte, schrecklich werden geweckt werden.
Dem Volke aber wird etwaö vorgemacht, sein Blut
und seine Schätze vergeudet und das Ende stets wei
et hinausgeschoben.
„Die beste Jahreszeit für Kriegsoperaticnen geht
wieder verloren, unsere Arme?" müssen froh genug
sein, wenn sie sich in der Devensive noch halten kön
nen, das Ausland sieht unsere Unfähigkeit, die Re
bellion. niederzuwerfen, was mögen die Folgen fein 1"
Der Correspondent giebt Halleck die Schuld an
diesen Uebelständen Halleck habe RoseeranS, gegen
dessen bessere Ueberzeugung, gezwungen, den Fluß zu
überschreiten uud sich zu weit vorzuwagen. Zwei
Dinge, versichert der Correspondent, können imS nur
aus diesem Elend retten, erstens die Absetzung Hat»
lecks nnd zweitens eine Masseu-Aushebuug ohne die
300 Dollar Clausel.
Die wunderbaren Sprünge der Poto
mac Armee. Eine Special Depesche meldet von
Washington:
„Vorwärts und rückwärts!" Der Tanzmeister com»
mandirt noch immer die Potomac Armee. Heute
läuft sie unter die Verteidigungslinie von Washing
ton, morgen ist sie den Rebellen dicht ans den Fersen.
Die westlichen Journale, die uns erreichen, belnsti
gen uns. Sic schwatzen von einer Schlacht am Ra
pidau, während sich Lee behaglich zu Mauassas ?tab
iirt hat. Sie speenliren über die Gesahr.die Wash-»
ington bedroht, während Lee ans Leibeskräften nach
Richmond läuft nnd, um sein Leben zureiten, die Ei
senbahn hinter sich zerstört. In Wahrheit waren al
le diese letzten Bewegungen eine Farce. Lee, der ta»
pferc Held, ist wahrscheinlich mit einem einzigen Corps
gegen Meade vorgeschritten. Der Letztere gab Fer
sengeld und rannte nach Washington das einzige
Corps folgte ihm mit wahrer Hcrzenölnst. Da fällt
es dem General Warren zufällig ein, das Metall die
ses imposanten Feindes zu erproben, und plötzlich
kommt der Spaß zn Tage und nun läuft der Feind,
was er laufen kann.
„Das ist der einfachste und klarste Bericht über den
„letzten Feldzugâ hier.* Uebrigens haben die Reeen»
sioncn der letzten Tage nicht alle thätigen Operativ
neu an der Front gehemmt. Ungefähr 2000 Mann
sind mit der Reparatur der Orange und Alexandria
Eisenbahn beschäftigt. Die Rebellen sind bei deren
Zerstörung radical zu Werfe gegangen. Nicht allein
sind die Durchschnitte an einigen Plätzen ausgefüllt,
auch die Schienen haben sie im Feuer glühend gemacht
und dann utn Baume gebogen Meilen weit sind Ab
zugsgräb/n und Brücken gesprengt und niedergebrannt.
Am Samstag wurde General Gregg's Commando
durch zwei Brigaden Rebclle.n Infanterie, die zu die»
fem Zwecke eigti'S über den Flnß gesetzt, Übel mitgc
spielt. Auch Buford hatte am selben Tage ein Ge
fecht mit Stuarts Reiterei bei Bealton, ohne daß ei
ner der streitenden Theile erwähneiiSwerthen Erfolg
errang.
"Immer der Erste. Als Lee vor nicht eine«
halben Jahre in Pennsylvanien einfiel, war Gouver
neur Seymour der Erste, welcher dem bedrängten
Keystone Staate Hülfe schickte. Jetzt, da der Prä
sident einen Aufruf für 300,000 Mann erlasse» hat,
ist wiederum der als „Copperhead" verschriene Gou
eemeut Seymour der erste, welcher sich an das Volk
seines Staates wendet, und dasselbe angeht, seine
Quata durch Freiwillige auszubringen, da die gelich
teten Reihen unserer Armeen schleunigst ausgefüllt
werden müßten, um die Rebellion zu unterdrücken.
Es sollte uns nicht wundern, wenn New §)otk seine
Quota früher durch Freiwillige aufbringn! würde,
als die Abolitions-Gouvernöre sich einmal an die
Bürger ihrer Staaten in dieser Angelegenheit wen»
den. Solche Thaten Seitens Gouverneur Sey
moiirs sind die beste Antwort auf die schändlichen
Verläumdungen der Abolitionisten und ihrer Ot»
gane.
New-Nor k, 24. Okt. (Sin wichtiger Fang.)
Der Cbarleüoner Torpedo-Mann in Haft. Lieitt.
W. T. Gassell von der Rebellen-Marine, welcher die
Expedition anführte, die kürzlich von Charleston ab
fuhr, um den „Ironsides" in die Luft zu sprengen,
traf mit dem Vcr. St. Dampfer „Augusta Dinsmo»
rt* hier ein, und wurde vorgestern nach der Office des
Marschalls Murray gebracht, der ihn einstweilen
dem Countygefängniß überwies. Jene Expedition
war die fünfte, deren Leiter Gassell gewesen war und
bei welcher er fein Leben auf's Spiel gefetzt hatte.
Die früheren waren gegen andere Fahrzeuge des Ge
schtraders gerichtet gewesen, aber die letzte gegen den
„Ironsides' war mit mehr als gewöhnlicher Sorgfalt
ins Werk gefetzt worden und hotte mehr Erfolg, al#
irgend ein Vorgänger. Der Capitän der „DinS
more" sagt, die Höllenmaschine, als deren Erfinder
Gassell gilt, würde schrecklich gehaust haben, wenn sie
niedriger gewesen wäre, so daß sie statt die Seite des
„Ironsides^ zn treffen, unter ihm explodirt wäre.
Unter tea obwaltenden Umständen war der Schaden
mir unbedeutend. Vei dem Verhör vor Marschall
Murray beschränkte sich Gassell daraus, seinen Namen
uud Geburtsort anzugeben, und weigerte sich, andere
Fragen zu beantworten. Er bemerkte noch, er sei
de I Behörden in Washington wohl bekannt. Er ist
offenbar ein sehr gebildeter und kenntnisreicher Mann.
Gestern Nachmittag wurde er nach Fort Lafayette
abgeführt. Stztg.
Die Rebellen Regierung hat allen brittische"
Consulii in de» rebellischen Staaten den Laufpaß ge*
.zebeu. DaS geschieht als Strafe, weil die brittische
Regierung den Rebellen Gesandten Mason nicht an»
nehmen wollte. Daß daraus ein Krieg zwischen Jeff.
Davis und Victoria entspringe* wird, ist nicht zu
fürchten.

Fanatismus, Abolitionismus und Shoddy
Die New Uorker Tribune, Chicago Tri-
den Gelderpiessnngen und son-
V e o z u v e a e i i e i
Columbus, 24. Oct. 1863.

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