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Der westbote. [volume] (Columbus, Ohio) 1872-1918, February 15, 1872, Image 2

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Der Westbote.
^Ikra«SgegeKe» tum ReLahsrd äe Fieser.
SjUv
slä«*ils, de» 15. Februar 18/2.
a 3« nette* Kleide.
Der „Westbote" erscheint heute, von Kopf bis zu
Fuß, in einem ganz neuen Anzüge, der dem Leser
Hcher gefallen und seinen Augen wohl thun wird.
Die neuen Buchstaben, die sich durch ihre gefälli
0C Form ebensowohl wie durch ihren scharfen Schnit
auszeichnen, sind aus der wohlbekannten „Franklin
Hchriftgießerei" von Allison, Smith & John
son in Cincinnati hervorgegangen. Es ist dies ein
Sroeig der berühmten „Johnson Foundry" in Phi
Hdelphia, die uns im Jahre 1843 die ersten S?chmfc
'Hn für den „Westboten" lieferte. -.Ä
Die BerfaffungS-Conveutio».
Die unserer Gesetzgebung vorliegende BA be
timmt, daß die Wahl der Delegaten zur Berfas
mgs-Convention im April stattfinden soll. Damn
int) aber viele republikanische Mitglieder nicht zu
jtteben. Sie fürchten nemlich, daß die Erwählung
ier Delegaten bei der Frühjahrswahl den Demokra
Hm eine Mehrheit sichern werde und ziehen es am
Diesem (Grunde vor, die Wahl bis im October hin
auszuschieben, um sich die dann herrschende politische
Aufregung zu Nutzen machen zu können. Sie Haber
tu diesem Ende schon verschiedene Caucusse gehalten,
find aber bis zu diesem Augenblicke noch zu keinem
'Resultate gelangt, das heißt, es ist ihnen noch nicht
i Gelungen, die widerspenstigen Mitglieder in die Par-
Heistränge hineinzupeitschen.
Man begreift auf den ersten Blick, daß dieseWah
ten schon im Frühjahr stattfinden und nicht bis De
ßvber verschleppt werden sollten, weil dann, mitten
Im Präsidentenwahlkampfe, die Wogen der Partei
"Leidenschaft sehr hoch zu gehen pflegen. Die erwähl
ben Delegaten haben sich drei Monate nach ihrer Er
»ählung zu versammeln würde nun die Wahl bi
Dctober verschoben, so fiele die Versammlung de:
Konvention mit der Zusammenkunft der Gesetzgebung
zusammen und man müßte entweder hier oder in ei
«er andern Stadt eine Halle miethen, nicht von an
bernUngelegenheiten zureden. Nach solchen „Klei
Mgkeiten" fragen freilich die radikalen Parteiführer
-Dicht, wenn es sich um ihre „Partei" handelt. Du
Partei ist der Götze, vor dem sich alles beugen muß.
.•//
Die Parteipeitfche.
Die radikale Partei ist augenblicklich der „König"
Amerika. Dieser König führt zwar keinen Scep
Ar, aber er schwingt die Peitsche mit der Erbar
èungslosigkeit eines verhärteten Tyrannen. Die
Macht dieser Parteipeitsche ist wirklich fabelhaft.
Tausende von hervorragenden Republikaner«! erken
nen die die bodenlose Corruption, Unfähigkeit mit
Verworfenheit der Grantschen Regierung so gut wit
yir, aber sie wagen es nicht, mit der gehörigen Ent
)iedenheit dagegen aufzutreten aus Furcht vot
er Parteipeitsche. Die lüderliche Wirthschaft mü
Ne grenzenlose Anmaßung des Grantschen Beam
Unthnms muß sie förmlich anekeln, aber sie wagei
eö nicht, sich von der schlechten Gesellschaft loszusa
n die Parteipeitsche schreckt sie zurück. Wem
sich auch zuweilen ein ernstes Wort des Tadel
erlauben und mit der einen Hand drohen, so klarn
Étem sie sich doch um so fester mit der andern an dii
"Harteifahne fest, oder suchen sich wenigstens ein Hin
Hrthürchen offen zu lassen, um schließlich als reumü
Mige Sünder in den Parteistall zurückkehren zu sön
nen.
Was wir hier sagen, das bezieht sich auf sogenanu
tc Führer, Congreßvertreter, Gesetzgeber und Zei
âingsherausgeber der republikanischen Partei, du
Ihre Resormbestrebungen auf eine schüchterne Agita
tion gegen Grant's Wiedererwählung beschränken.
.Pon ihnen ist wenig oder nichts zu hoffen, denn sü
Werden den entscheidenden Schritt nicht wagen, die
Parteipeitsche wird sie schließlich in die Reihen bei
Regulären zurücktreiben und wir mögen es erleben,
fcafc sich im November viele dieser Edlen für Gran,
leiser schreien werden. Anders aber ist es mit den
Bürgern, den Geschäftsleuten, Farmern, Handwer
tern, Arbeitern, die kein Amt suchen und deren En
Aenz nicht von der Partei abhängt. Aus ihren Rei
nen muß sich das große Volksheer rekrutiren, das im
November unter dem Banner der Reform die Herr
schende Gewalt zu stürzen berufen ist.
Krieg mit England.
Wenn es auf gewisie englische Sensationsblätter
und die Londoner Zeitungen ankäme, die im Inte
resse ihrer Partei toben, dann wäre der Krieg mil
England schon fix und fertig. Die Lärmschläger, du
durchaus einen solchen Krieg auf's Tapet bringen
Möchten, greifen sogar zur Fälschung, denn die tele-
-aphische Korrespondenz zwischen Staatssecretäi
und unserem Gesandten Schenk, die den Lesern
her täglichen Blätter am Donnerstag Morgen auf
getischt wurde, war offenbar gefälscht. Glücklicher
weise ist das Zerwürfniß noch keineswegs so weit ge
btehen, daß dasselbe nur durch Blut gelöst werden
kann. Vorläufig genügt noch die Tinte. (Ein
Wechselblatt überhebt uns der unangenehmen Ar
Bett, aus die Entstehung dieses Zerwürfnisses näher
anzugehen und wir verweisen auf den betreffenden
Artikel in einer andern Spalte.) Hier ist Alles, was
jbie Königin von England in ihrer Thronrede bei der
Eröffnung des Parlamentes über den Fall sagt:
„Tie in Folge des Washingtoner Vertrages ernannten
.Schiedsrichter, welche dieAlabama-Ansprüche freundschafl-
Ach beilegen sollen, haben ihre erste Sitzung in Gens abge^
halten, und beide Theile haben denselben ihre Darlegung
des Sachverhaltes unterbreitet. Auf Seiten Amerika's wur
den Forderungen für bedeutende Ansprüche darin einge
schlossen, welche meinerseits als außer dein Bereiche des
SchievâgerichtS stehend betrachtet wurden. Ich habe der
Regierung der Ver. Staaten eine freundschaftliche Mitthei
lung in Betreff der Angelegenheit übersenden lassen.
„Der Kaiser von Deutschland hat die Schiedsrichterschast
In Betreff der San Juan Wassergrcnze übernommen und
die Darlegungen des Sachverhalts sind von beiden Partei
cit Sr. kaiserl. Majestät unterbreitet worden."
Das lautet durchaus noch nicht kriegerisch. Daß
He Forderungen, die unsere Regierung stellt, über
Hieben hoch sind, das geben so ziemlich allgemein die
amerikanischen Zeitungen zu, sie fügen aber hinzu,
daß es Sache des Schiedsgericht sei, dieselben zu be
schneiden und ihre Höhe festzustellen. Sehr naiv be
merkt ein republikanisches Blat: „Amerika habe ein
fach als Kaufmann gehandelt". (Also nicht aus
atsmännischen Rücksichten). Ein anderes repub
anisches Blatt geht noch weiter, indem es sagt:
„(56 ist jedem vernünftigen Menschen klar, daß die Auf-
Üung nicht in der Erwartung gemacht worden ist, Eng
ltd wirklich 1000 oder 2000 Millionen Dollars bezahlen
zu sehen, sondern nur den
„case"
doner Presse
der
itier.
Staaten so start
als möglich zu machen. Selbst ein Schachervolk, sollten die
Engländer wohl wissen, daß Handeln und Bieten Kaufleute
macht, und daß die hohe Schadenersatzrechnung der Ver.
Staaten nur in dem Sinne zu verstehen ist, wie die einer
verlassenen Braut gegen ihren treulosen Bräutigam, die
vielleicht auf 100,000 Dollars lautet und von der Juri) auf
1000 heruntergeschnitten wird."
Schließlich wollen wir hier noch einen Auszug aus
einem andern republikanischen Blatte einschalten:
„Unzweifelhaft am originellsten ist die Tendenz, daß Eng
land die Kriegskosten der letzten zwei Jahre des Bürgerkrie
es bezahlen müsse. Die „Köln. Ztg." machte bei ihrer er
:ert Besprechung der Forderungen die Bemerkung, daß mit
-mselben Rechte die Deutschen wegen des erwiesenen Waf
itfchachers verlangen könnten, daß Amerika die Kriegsko
it nach der Schlacht bei Sedan bezahlen müsse.
„Besonders erbittert, und vielleicht mit mehr Recht wie
über die unverschämte .Hohe der Forderungen, ist die Lon-
über den Ton, den jene Klageschrift anfchla-
ge, deyelbe sei höchst bitter und verletzend und klinge mehr
wie die Einleitung zu einer Kriegserklärung, als wie der
Ansang einer Aera der Freundschaft und des ewigen Frie
dens durch internationale Schiedsgerichte."
Hoffentlich wird diese Wolke vorüberziehen, ohne
zu platzen. Nach den Erfahrungen des letzten Bür
gerkrieges, der unserem Volke noch in den Knochen
steckt, und dessen Folgen noch lange aus seinen Schul
tern lasten werden, haben wir gar keinen Grund, uns
nach einem neuen Krieg unter unseren gegenwärti
gen corrupten Machthabern zu sehnen.
Nach den letzten Depeschen wird die Ausregung in
London durch die Debatten im Parlamente noch er
halten und die Times versichert, daß dasselbe über die
Unzulässigkeit der amerikanischen Forderungen durch
aus einigest. Amerikanische Werthpapiere sind zwar
etwas im Preise gefallen, jedoch sehr unbedeutend.
Die britischen Kaufleute scheinen also feine großen
Befürchtungen zu hegen. Unsere Regierung hat noch
(eine officielle Nachricht erhalten, daß England im
Sinne hat, sich von dem Genfer Schiedsgericht zu
rückzuziehen. Eine „freundschaftliche Mittheilung"
soll unterwegs sein.
Ein kriegslustiger amerikanischer Zeitungscol
lege läßt unsere Armee schon nach Canada^marschi
reit, und zwar unter dem Commando von Sherman
ober Hancock. Daß die Wegnahme der britischen
Provinzen für uns nur ein Gabelfrühstück sein ivird,
darüber ist er mit sich ganz einzig. Nur zur See,
meint er, könnte uns England anfangs sehr gefähr
lich werden. Seine Flotten würden unseren See
Handel zerstören, unsere Häsen blockiren und einige
unseren Seestavte bombardiren, vielleicht auch ver
brennen. Bald aber würden unsere Kaperschiffe die
Mere bedecken und unter den britischen Kauffahr-
teischiffen schrecklich aufräumen. Schließlich kommt
ihm aber doch das Bedenken, daß England an Spa
nien einen für uns sehr gefährlichen VerbundMizAi
den könnte. Na, nur ruhig Blut, AntSn!
Die demokratische Staats- Convention von
Connecticut erwählte eine vollständige Delegation
^ur demokratischen Naticmal-Conventton, bestehend
aus den tüchtigsten Männern der Partei des Staa
tes. Die angenommene Platform stimmt im We
fentitchen mit der Platform der Metttlen
ner von Miffouri überein.
Republika­
Gouverneur Noyes hat auf den ersten Dien
stag im März die Wahl eines Repräsentanten für
Noble Count? ausgeschrieben. Hoffentlich werden
)ie Demokraten des County's ihren demokratischen
Kandidaten mit so entschiedener Mehrheit wählen,
)aß ihn die Republikaner im Hause nicht abermals
hinauswerfen können.
Am bnttisHen Parlamente bildet das Zerwürf
:iiß mit Amerika den Gegenstand heftiger Debatten
und wird von den Parteigängern zu heftigen Angrif
fen auf das gegenwärtige Ministerium benutzt. Fol
gendes ist ein Auszug aus der Debatte vom letzten
Mittwoch:
Ralph Osborne, Mitglied für Waterford City,
hielt eine längere Rede, in derer sagte, dieAlabama
Angelegenheit sei die wichtigste Frage, welche in
England seit einem Jahrhundert vorgelegen habe.
Er sagte, die Neulinge, welche England bei der Ab
fassung des Vertrages vertreten hätten, seien von
Den schlauen amerikanischen Advokaten gehörig über
Den Löffel barbiert worden. „Wenn," sagteer, „die
englische Darlegung des Sachverhaltes von Advo
taten verfaßt worden wäre, so könnten wir mit der
Zahlung von 6 Millionen Pfund Sterling wegkom
men."
Die amerikanischen Commissäre, sagte Osborne,
hätten ihrem Vaterlande gut gedient, die Schuld
liege an der englischen Regierung. Dieselbe habe
Armeen, welche nicht marschiren können und Schiffe,
welche nicht seetüchtig feien, und jetzt habe sie auch
einen Vertrag, auf den sie sich nicht stützen könne.
Arthur I. Otway, der frühere Unter-Staatssekre
tär, sagte, die Regierung sei an allem Trubel Schuld,
sprach jedoch die Hoffnung aus, daß die amerikani
[che Regierung von ihren extremen Forderungen ab
stehen würde. Im Falle sie es nicht thue, müsse
England, nachdem es einmal den Ersatz für indirek
ten Schaden im Prinzip anerkannt habe, sich bereit
halten, den enormen Forderungen der Ver. Staaten
zu begegnen.
Gladstone vertheidigte das Verfahren der Com
missäre und der englischen Regierung, und sprach die
Hoffnung aus, daß die amerikanischen Ansprüche
auf indirekte» Schade» pttitf genommen werden
würden.
DerAchtb. Jacob Brinkerhoff von Mans
field erklärt sich in einem Briefe an Richter Stallo
nit Herz und Hand für die liberale Bewegung und
verspricht, der Cincinnati-Convention beizuwohnen.
.Nit männlichem Ernst und schonungslosem Nach
iruck erklärt er sich gegen die Wiedererwählung
Grant's und die Mißbräuche der republikanischen
Partei und ihrer corrupten Beamten. Hr. Brin
.erhoss war einer der Gründer dieser Partei in Ohio,
)iente 15 Jahre lang als Richter des höchsten Staats
Gerichts und drei Jahre lang als Oberrichter. Sein
ühner Austritt aus dem Parteiverbande bildet je
denfalls ein „Zeichen der Zeit*"
Unsere Zerwürfnisse mit England.
Es hat allgemein als ein erfreuliches Zeichen vom
Fortschritte der Menschheit gegolten, daß in neuester
•Jeit die persönlichen Zänkereien der Fürsten und
Herren keinen Grund mehr abgeben zum gegenseiti
gen Abschlachten der Völker.
Die ciöitifirte Welt hat noch ganz kürzlich ihr
Lerdammungsurtheil gegen Louis Napoleon ausge
sprochen, weil derselbe, um sich und seine Familie
ms Schwierigkeiten, in die er seinem eigenen Volke
gegenüber gerathen war, zu retten, ohne Grund ei
len Krieg mit einem friedlichen Nachbarvolke, mit
Den Deutschen nämlich, begann. Dennoch sollen nun
,'chon wieder diejenigen beiden Nationen, welche sich
bisher gerühmt haben, am volkstümlichsten unter
illen anderen regiert zu sein, die Drohtoolke des
Krieges über sich herziehen sehen, nicht weil es die
Nothwendigkeit, oder die Gerechtigkeit erfordert, son
Zern weil es im Interesse gewisser politischer Partei
:n und Kliquen ist.
Wir hatten ein Hühnchen mit England zu pflück
en, weil dessen Regierung der Rebellion indirekte
Unterstützung gegeben, weil es den Rebellen gestat
tet hatte, in seinen Häsen Kaperschiffe zu bauen und
.auszurüsten, welche unserem Seehandel unermeßli
chen Schaden zugefügt hatten. England hatte die
gänzliche Unterwerfung der Rebellion vielleicht we
Der gewünscht noch erwartet als sie aber thatsäch
lich geschehen war, stellte es sich erst unschuldig, muß
te aber nach mancherlei Ausflüchten endlich sein Un
recht theilweise eingestehen und einen billigen Scha
denersatz versprechen. Als dies geschehen war be
fanden sich die Ver. Staaten bedeutend im Vortheil,
allein das Coquettiren der herrschenden. Partei mit
den Femern, die man nicht an der Ausrüstung einer
^nvasionsarmee. gegen Canada hinderte, und der
Waffenschacher mit Frankreich schwächte die mora
tischen Vortheile, welche sie bereits auf ihrer Seite
hatten. Senator Sumner's maßloses drohendes
Auftreten gegen England im Ver. Staaten Senate,
Benjamin F. Butler's und anderer Demagogen di
rekte Forderung eines Krieges gegen England, und
die unverkennbare Absicht einer mächtigen Klique der
republikanischen Partei, durch Streit mit England
die Aufmerksamkeit des Volkes von den schlimmen
Zuständen des eigenen Landes abzulenken, alles das
verdarb die ursprüngliche feste und Achtung gebie
tende Stellung in dieser Frage.
Aber während der französische Krieg in einen eu
ropäischen auszuarten drohte, gab England, um sich
den Frieden mit Amerika zu sichern, und sich den
Rücke» zu decken, mehr nach, als es in solchenSachen
nachzugeben gewohnt ist.
Ter Washingtoner Vertrag und die Genfer (Son
ierenz kanten zu Stande. Das englische Volk mein
te seine Diplomaten wären mit Englands Stolz und
Würde etwas leichtsinnig umgegangen, und begann
laut zu murren, als es davon hörte, daß die Grant
partei politisches Capital ans ihrem vermeintlichen
Triumphe über England zu machen suchte, und die
Ruhmesglocke läutete.
Nun kam die Genfer (Konferenz selbst. Von vorn
herein war man sich nicht darüber einig, ob diese,
wie unsere Regierung beansprucht, ein formeller Ge
richtshof oder wie die Engländer verlangten, ein dip
lomatisches Schiedsgericht mit großem discretionä
rem Spielraum sein solle. Die Engländer behaup
ten, man habe sich darüber geeinigt, daß nur der di
rekte durch die Kaperschiffe angerichtete Schaden in
Betracht gezogen werde und meinen es sei eine Ue
bervortheilung, daß die Amerikaner darauf bestehen,
auch die durch die Nachwirkungen der Kaperei mit
telbar entstandenen allgemeinen Verluste des ameri
kanischen Handels ersetzt zu verlangen. Am laute
sten klagen sie darüber, daß die amerikanischen Mit
glieder der Conserenz in einem Buche, dicker als die
Bibel, welches als Anklageschrift dienen soll, und
dessen vorzeitige Verbreitung in ganz Europa sie er
laubt Hatten, England vor der civilisirten Welt auf
eine unter gebildeten Nationen nicht mehr übliche
Weise angeschuldigt und beleidigt worden sei, ferner
daß die geforderte Schadenersatzsumme alle Grenzen
der Vernunft und der Billigkeit übersteige. Daß in
diesem Punkte etwas zu viel amerikanischer Advoka
tcmnutH und Rücksichtslosigkeit geübt worden ist,
kann leider nicht geleugnet werden wie es denn
auch ganz unerhört ist, daß man Dokumente, die man
in Europa allgemein bekannt gemacht hat, dem ame
rikcmischen Volke bisher gänzlich vorzuenthalten be
liebte.
England ist in voller Gährung über das Unrecht,
welches ihm eigentlich in dieser Weise geschieht.
Man verlangt das augenblickliche Abbrechen der
Verhandlungen, man droht mit Krieg, und amerika
nische Sensationsblätter, wie der New Aork Herald,
reden auch schon vom Kriege mit England, als wenn
dieser sich schon von selbst verstände. Die Börsen
speculation thut natürlich das Ihrige, schlimme Ge
rüchte noch viel schlimmer zu machen, und die Ange
legenheit recht verwirrt erscheinen zu lassen.
Indessen verliert England alle die Vortheile, wel
che ihm möglicher Weise aus den angeblichen ameri
{attischen Uebergriffen erwachsen könnten, dadurch,
daß die eine der großen englischen Parteien, die To
ry-Partei, diese Internationale Angelegenheit zur
Durchführung ihrer eigenen Parteiintriguen, na
mentlich zum Sturze des Ministeriums Gladstone
mißbraucht, und daß deßhalb eine wüthende Hetzerei
gegen Amerika in England getrieben wird. Schmach
voll wäre es, wenn irgend eine von den beiden in
dieser Affaire betheiligten Nationen sich nicht mit al
lev ihrer moralischen Kraft dagegen auflehnte, sich
von Parteigängern und Parteikliquen in einen Krieg
stürzen zu lassen, der für beide Theile entsetzliche Ver
lüfte mit sich führen, aber keiner Seite Vortheil
bringen kann.
Was irns Amerikaner betrifft, so ist zu hoffen,
daß wir über die Periode thörichter Nationaleitelkeit
hinweg und gar nicht mehr fähig sind, aus Eigen-
ftitrt eirtéit Krieg zu führen, der die Errungenschaften
unseres großartigen Unternehmungsgeistes zum gro-j
Der Montgomery-Wahlstreit.
Müller durch, daß die Verhandlungen schon heute
beginnen sollen.
Was ein Gründer der republikanischen Partei
sagt.
Der.Brief des früheren Oberrichters Jacob Brin
kerhoss an Richter Stallo in Cincinnati ist zu interes
sant,daß wir den wesentlichen Inhalt desselben unsern
Lesern vorenthalten sollten. Als einer der Gründer
der republikanischen Partei in Ohio sinddie Erklärun
gen diesesMannes von doppelterWichtigkeit. Nachdem
er im Eingange bemerkt hat, daß er der Convention
der Liberalen Republikaner in Cincinnati beiwohnen
werde, und daß Grant, mit Hilfe seines Beamten
Heeres, seine Wiedererwählung in Philadelphia durch
setzen wird, fährt er fort:
In der Republik ist Theilnahme an der Politik,
im edleren und richtigen Sinne des Wortes, Pflicht
und jeder Bürger, der in der Politik mit Erfolg wir
ken will, muß es vermittelst der Parteien thun. Aber
die Parteien sind für den Bürger da und nicht der
Bürger für die Parteien. Sie sind Werkzeug, nicht
Gebieter. Nur so läßt sich das Bestehen politischer
Parteien rechtfertigen und wer einer Partei auch
dann anhängt, wenn sie aufgehört hat, dem zu die
nen, was er für gerecht und weise hält, oder es sogar
bekämpft, der wird zum Verräther an feiner Frei
heit und Pflicht und übernimmt freiwillig die Stel
lung eines Sclaven.
So weit Grant's persönliche Haltung im Amte in
Betracht kommt, mißbillige ich es, daß er vor seiner
Inauguration großartige Geschenke von Männern,
deren ganze Bedeutung in ihrem Reichthums besteht,
angenommen und dann diesen Männern Aemter ver
liehen hat. Ich mißbillige seinen schamlosen und
schmachvollen Nepotismus, seinen anscheinend sehr
intimen und anhaltenden Umgang mit Börsenspeku
lernten, sein Projekt, San-Domingo zu kaufen, den
Ostraeismus, welchen er gegen Männer wie Sumner,
Hoar und Cox geübt, und das Auswählen von Man
nerit, in deren Befähigung und Uubeschvlteuheit das
Publikum kein Vertrauen hat, zu seinen vertrauten
Rathgebern. Ich mißbillige seine officiellen Kund
gebungen zu Gunsten der Civildienstreform ange
sichts der Thatsache, daß erden einzigen Mitgliedern
seines Cabinets, welche aufrichtig nnd^n der Praxis
für diese Reform waren, ihre Stellung im Cabinete
unerträglich gemacht hat. Mit Abscheu erfüllt mich,
was soeben mit Widerstreben durch einen Ausschuß
über den Charakter der New Aorker Zollamtsver
waltung enthüllt worden ist und ich mißbillige, daß
der Präsident den früheren Chef dieses Zollamtes
feines unbegrenzten Vertrauens versichert.
Ebenso verwerflich erscheint mir das gesetzgebende
Verfahren Derjenigen, welche als die besondern
Freunde des Präsidenten handeln. Ich verwerfe ei
nen Zolltarif, welcher darauf hinausläuft, das Geld,
welches den Leuten aus der Tasche genommen wird,
in die Taschen anderer zu schieben und dem Bundes
fiscus keine oder nur geringe Einnahmen zu verschaf
fen, einen Tarif, welcher scheinbar in einigen In
dustriezweigen zur Erhöhung der Löhne beiträgt, in
der That aber allen Arbeitern mehr als diese Erhöh
ung durch qie Vertheuenrng der zum Leben nöthigen
Dinge aus der Tasche nimmt. Ebenso verwerfe ich
die Anstrengung und die Neigung der Bundesregie
rung, sich in Besitz von Gewalten zu setzen, die den
Staaten angehören.
§3 enn je eine Partei in der Absicht gegründet wur
de, gerechtes Gesetzgeben und unbescholtene Amtsver
waltung zu bewirten, so war es die republikanische.
Um so demüthiger ist es für Diejenigen, welche an
der Gründung dieser Partei Theil genommen, wahr
zunehmen, wie so Viele, die keinen Sinn für die Prin
zipien dieser Partei hatten, rber an Bord derselben
sprangen, als sie sahen, daß sie ihren Weg mache,
jetzt das Comando ergreifen und sich an das Steuer
drängen.
Das Lösen alter politischer Verbindungen ist stets
schmerzlich und es geschah wahrlich nicht utn die Re
sultate, die wir jetzt sehen, daß dereinst Männer wie
Todd und Brough, nunmehr unter den Todten wei
lend, und Männer wie Mathews, Hoadley und Tau
send Andere, die noch unter den Lebenden weilen, die
Reihen ihrer Partei verließen, um der Fahne des
Republikanismus zu folgen. Die große Schlacht
gegen die Herrschaft der Sklavenhalter und gegen
Rebellion ist geschlagen und gewonnen die Fruchte
dieses Sieges sind der Nationalversammlung einver
leibt. Es ist daher an der Zeit, sich anderen Fragen
zuzuwenden, welche vielleicht nicht so verhängnisvoll,
aber sicherlich von äußerster Wichtigkeit für die Volks
interessen sind denn das Volk der Ver. Staaten
kann nie und nimmer als Souverän abdanken
zu Gunsten einer Sippe selbstberufener Fuhrer.
Jacob Brinkerhoff.
Der Streit mit England.
Die spätesten Nachrichten von England lassen auf
eine friedliche Losung des Zerwürfnisses mit Amerika
hoffen. Der Ton der brittifchen Presse ist viel ge
mäßigtet in Sheffield wurde am Sonntag in allen
Kirchen für die Erhaltung des Friedens gebetet und
andere Zeichen lassen schließen, daß John Bull we
nig Lust hat, es auf einen Krieg mit den Ver.
Staaten ankommen zu lassen.
Colonel Forney hat auf fein Amt als Hasen
collector resignirt, weil, wie er sagt, die Stellung ei-
Schwager Cramer, der durch Grant's Gnade
den Gesandtschaftsposten am dänischen Hofe beklei
det, soll in Copenhagen sehr unbeliebt sein. Die
dortigen Blätter machen gar kein Hehl daraus, daß
Schwager Cramer als Gesandter eine sehr lächerliche
Rolle spielt und daß die Gesandten anderer Höfe so
wenig wie möglich mit ihm zu schassen haben. Sei
ne Sprachkenntnisse sollen sehr zweifelhafter Natur
und sein Betragen nichts weniger als das eines Gen
tlcman sein. Ein Eopenhagener Blatt versichert, daß
seine Abberusung unter
durchaus kein Bedauern hervorrufen würde.
n auf eine Abberufung gar nicht
o lange Grant Präsident ist, bleibt Schwa
(£i
unWr
ßen Theile vernichten oder auf lanae Zeit hin unnutz- wo sie der republikanischen Parteifahne durch
bar machen würde. Von unserer Regierung vertan-: ^ick und Dünn folgten, ist gottlob vorüber. TaS
gen wir keine feige Nachgiebigkeit gegen England,
ehrliche
die sie übrigens nicht nöthig hat, weil jenes auch erst Wirthschaft in Washington und die'corrupten fterr
abmessen wird, ob mit dem Schwert oder mit Elle
und Webstuhl das Meiste verdient werden^ kanit
Nach den letzten telegraphischen Berichten ist noch
kein offizieller Notenwechsel geschehen, welcher ernste
Befürchtungen rechtfertigte vielmehr kann Alles
im rechten Geleise bleiben, wenn die Parteigänger
und die Presse beider Nationen nicht mit^ Gewalt
durch Hetzerei einen Bruch veranlassen. Wir haben
jedenfalls im vorigen Jahrzehnt für den Rest des
Jahrhunderts Krieg genug gehabt, und fühlen die
folgen desselben immer noch zu sehr, als daß wir
un* i.^ch nttyv neuen sehnen sollten.
Heute sollen in unserem Staatssenate die Ver
handlungen über den bestrittenen Sitz von Montgo
men) Count» beginnen. Man kann schon im Vor
aus wissen, wie die Sache enden wird. Die Repub
likaner werden den Demokraten Kemp hinauswerfen,
seinem Gegner, dem Republikaner- Sagtet1, den ottz
zusprechen und sich aus diese Weise im Senate eine
Mehrheit verschaffen. Kemp ist von den Bürgern
und Steuerzahlern von Montgomery County imt
entschiedener Mehrheit erwählt worden und sein re
publikanischer Gegner stützt seine Ansprüche einzig
und allein auf die Stimmen der Bewohner der ^ool
datenheimath bei Dayton, die nach der einstimmigen
Entscheidung der aus lauter Repulikanern bestehen
den Supreme Court in Ohio das Stimmrecht nicht
besitzen. Die stichhaltigsten Argumente werden ver
geblich sein, die Republikaner werden Hrn. Kemp
hinauswerfen, einfach, weil dies in ihrem Partei
intereffe liegt. Um eine Entscheidung in einem ähn
lichen Falle abzuwarten, welcher gegenwärtig der
Supreme Court vorliegt, wollten die Demokraten die
Berathung bis Ende März verschoben haben, aber
die Republikaner haben Eile und setzten es mit Hülfe Uchert Patronage, diesem fressenden Krebse unserer
der entscheidenden Stimme des Vice-Gouverneuv"
nes Bundessenators siel) nicht mit der Unabhängigkeit blatte, einer unabhängigen republikanischen Zeitung.
1
nalist, der seine Unabhängigheit behaupten wUC kein Folgend^scheint^s'in der Kürze eine rid)
Bundesamt annehmen tollte, besonders nicht unter
ti
der gegenwärtigen Administration. Ebenso gut j*b zu sein
könnte er sich Fesseln an das Bein schmieden lassen.
Grant duldet Niemand im Amte, der nicht blind
lings nach seiner Pfeife tanzt und alles lobt, was
von ihm kommt. Im Grunde genommen sind Bun
desbeamte unter Graut weiter nichts als weiße Scla
ven und wenn sie ein Blatt schreiben, sind sie dop
pelte Sclaven, die nicht einmal das Recht haben zu
schweigen, sondern die lobhudeln müssen, wo sie nach
ihrer besseren Ueberzeugung tadeln sollten. Der let
feste Tadel würde sofort ihre Absetzung zur Folge
haben.
en dortigen Amerikanern
lilfi?Crüf:irU^CU
ÄÖ

'"tat!
sie brauchen aus
nen.
ger Cramer Gesandter, eS müßte denn sein, daß der
erlauchte Schwager im weißen Hause ein noch beste
res Plätzchen für den Mann feiner Schwester fände.
Nicht weniger als hundert Bären wurden diesen
Winter in Nord-Carolina erlegt.
rumort überall
focn deutschen Republikanern, und die schöne
deutsche Blut empört sich gegen die gräuliche
schergelüste unseres dermaligen Regenten. Außer
einzelnen Beamten, die sich an der öffentlichen Krip
pe mästen, findet man im ganzen Lande vielleicht
nicht einmal ein Dutzend deutsche Republikaner, die
unbedingt auf Grant schwören, oder seine Wiederer
wählung wünschen. Auch unter den deutschen R^
publifanern Indiana's regt sich der Geist des Wider/'
standes. In Evansville ist ein alter deutscher Rc
publtkaner mit einer sehr derben und erfrischenden
Epistel herausgerückt, der wir folgenden Theil ent
nehmen:
Die Mehrheit der deutsch-republi?anischen Presse
ergeht sich in nichtssagenden Phrasen, oder repetirt
ihre» Lesern, was dort ein Zeitungsschreiber in
Einen Abgrund von Verworfenheit
enthält der Bericht desCongreß-CommitteeszurUn
tersuchung des politischen Durcheinanders in Loui
siana. Beide Fraktionen, welche sich dort um die
Herrschaft streiten, erscheinen gleich schuldig der
ganze Unterschied ist etwa der zwischen einem rußi
ge« Topf und einem rußigen Kessel. Beide haben
gefälscht und betrogen, bestochen und sich bestechen
lassen nach der Möglichfeit was Werthvolles zu be
kommen war, haben sie genommen und nur das lie
gen lassen, was sie absolut sich nicht aneignen konn
ten. Ob in einer der beiden Fraktionen auch nur
ein ehrlicher Mann zu finden, ist bis dato noch eine
ungelöste Frage.
Pitts-
bürg und ein anderer in Cincinnati über die Sache
meint, als ob solche Meinungen den geringsten Werth
für den Leser haben könnten, der sehr wohl weiß,
daß sie mehr vom persönlichen Interesse, denn von
Prinzip und Recht dietirt sind. Das Volk bedarf
keines Vormunds, sondern eines Organs für seine
Willensmeinung. Wollt ihr diese kennen lernen, so
steigt aus die Gassen und in die Werkstätten, besucht
die Fabriken und den Landmann am Pflug, und ihr
werdet im Stande sein, über die Bewegung im Volke
mit Verständniß zu urtheilen. Ihr werdet euch wun
der«, wie ich mich kürzlich auf einer Reise in kleinen
Städten von Indiana und Illinois wunderte, wie
viele Gemeine und Korporale (Stimmgeber), trotz
der Sophistereien der Grant- und der sogenannten
neutralen Presse, bereit sind, unter die Fahnen der
Generäle zu treten, sobald die Werbetrommel gerührt!
wird. Und ist es ein Wunder?
1
Der Sinn für Recht und Gerechtigkeit ist im Volke
immer wach. Da bietet sich ihm das Schauspiel,
daß im^ Congreß eine kleine Anzahl ehrlicher und
willensstarker Männer die Passirung von Gesetzen
verlangen, welche der Corruption und der willkür-
Regierungsform, Einhalt thun und uns tin gutes
Beamtenwesen sichern sollen. Und was geschieht?
Dieselbe Partei, der das Volk seine Geschicke anver
traut und der auch diese Maimer angehören, stimmte
diese so offenbar für das Wohl des Ganzen berech
nete Anträge nieder, ja, sucht diese Männer zu ter
rorisiren und aus der Partei hinauszumaßregeln.
Senator Morton aber befestigt seinen Standpunkt
noch mit der lügnerischen Behauptung, daß das hie
sige Beamtenwesen das beste in der Welt sei. Und
nachdem diese Corruption»^«, durch den Unwillen
des Volkes gezwungen, de., .och dem Andrängen je
ner Männer nachgaben id eine Untersuchungs
Commission ernennen mußten, sehen wir nicht wie
derum, wie die Mehrheit dieser Commission mehr
darauf bedacht ist, die Corruption zu verdecken, denn
sie ans Licht zu ziehen Sehen wir nicht, wie Sena
tor Pratt den Versuch macht, die Veröffentlichung
eines Zeugnisses zu unterdrücken, weil es dem Prä
sidenten einen Flecken anheften könnte?! Wer kann
nach diesen Vorgängen noch so blödsinnig sein, zu
glauben, daß das Volk seine wackeren Vorkämpfer
auf dem Wege der so nöthigen Reform im Stich las
sen würde, wenn dieselben seine Unterstützung am
Stimmkasten verlangen? Was die Phrase von der
Reform in der Partei anbelangt, so haben Sumner,
Schurz und Trumbull den Versuch gemacht, wir wis
sen, mit welchem Erfolg. Hier kam die Sache gleich
zum Austrag sonst aber ist noch immer der ehrliche,
reformanstrebende Theil einer Partei von den wire
pullers und Handwerks-Politikern mit dieser Phrase
genasführt wordeiu Denn diese sorgen schon dasür
daß die Conventionen :c. in ihrem Interesse zur Ge
nüge gepackt sind und der ehrliche Reformer, dem
man sorglich das Versprechen abgenommen hat, mit
dem Resultat der Abstimmung zufrieden zu sein, sieht
sich plötzlich ganz verdutzt in tläglicher Minderheit.
Wir kennen das. Nein! der Wahlspruch muß sein
„Reform um jeden Preis. Wer nicht für uns ist,
der ist wieder uns."
In Bezug auf die Wahlen herrschte ein vollstän
diges und regelmäßiges System des Betrugs. Das
Ergebniß der Wahlen wurde „gesixt", wie man's
haben wollte. Carr, der letztycrige Sprecher des
Repräsentantenhauses der Legislatur, gab zu, daß
er noch nie in dem Wahlbezirke war, als dessen Ver
treter er galt, und daß er kein Halbdutzend dort
wohnhafte Leute kenne. „Ein Freund" verschaffte
ihm die Erwählung, ohne daß er sich selbst die Mü
he zu geben brauchte, an Ort mid Stelle zu gehen.
Den souveränen Bürgern afrikanischer Abstammung
wurde „weis gemacht", der Mann, für den sie stimm-j
ten, sei einer von ihren Leuten, und da sie mit dem
Luruo des Lesens nicht behaftet sind und viele von
ihnen kaum ihren eigenen Nennen zweimal 24 Stun
den im Gedächtniß behalten können, so ging die Sa
che ganz glatt. Das ist nur ein Beispiel von vie
len. Daß man von einer auf solche Weise „erwähl
ten" Legislatur kein Gesetz bekommen konnte, ohne
tüchtig dafür zu bezahlen, und daß die ehrenwert he
Versammlung überhaupt nur den einen Zweck im
Auge hatte, sich zu bereichern, erscheint nach Vorste
hendem lediglich consequent und natürlich.
Das sind die Folgen davon, wenn man eroberte
Provinzen durch schurkische Proeonsuln (Carpetbag
gers) mit Hülfe freigelassener Sklaven, die großen
theils nur wenig über dem Vieh stehen, regieren
läßt.
Und das nennt man eine Republik! Daß Gott
erbarm'!
Obiges entnehmen wir dem Pittsburger Volks-
-:-£i schönes Schlaglicht auf die radikale
im Süden, die unter Grant zu einem
candal geworden ist.
Auffassung der Streitfrage zwischen England
„Offenbar hat in Washington weder England noch Ame
rik'a im guten Glauben gehandelt, sondern jede dieser bei
den Parteien war darauf bedacht, den Vertrag so zweideu
tig als möglich ui machen, um ihn in Genf so günstig wie
möglich für fich auszulegen. Mag man nun darüber den
sen,' wie man will, so iiutf man zugestehen, dcch keine der
Parteien unter diesen Umständen berechtigt ist, über die
Auslegung des Vertrages durch die Gegenpartei zu lanien
tiren, vielmehr abzuwarten hat, was das Schieds-Gericht
darüber entscheidet."
Die a a n
e s
i
s ch e Gesandtschaft ist
endlich zu dem Entschluß gekommen, von Salt Lake
City, wo sie durch die Schnée-Blockade fest gebannt i
ist, nach San Francisco zurückzukehren und von dort
aus mittelst Dampfers ihre Reife via Panama fort
zusetzen, da die Schnee-Blockade möglicher Weise noch
Monate dauern kann. Die werden eine hübsche
Empfehlung der Pacific Bahn nach Japan senden, i
i
Feuersbrunst. Scranton, Pa., 10. Febr. i
Um 1 Uhr gestern früh brach hier eine verheerende
Feuersbrunst in Providence, der ersten Ward dieser
tadt, aus, wobei 2 Personen den Tod in den
uuj'
reu
Ein alter Revublikaner.
Der Wassenschacher. Senator Sumner
hat offenbar einen Sparren, der immer zum Vor
schein kommt, wenn er sich auf dem Gebiete der Ne
gerfrage herum tummelt, aber er ist fönst ein ehren
werther Mann, ein Gegner der herrschenden Corrup
tion und ein Freund der Reform. Am Montag
stellte er im Senate den sehr zeitgemäßen Antrag
für die Anstellung einer UntersuchungS-Conimittee,
welche dem Waffenschacher während des deutsch-fran
zösischen Krieges auf den Grund gehen soll. Wir
halten uns überzeugt, daß eine solche Untersuchung
viele „Geheimnisse" an den Tag bringen und neue
Beiträge zur Geschichte der Corruption unter der ge
genwärtigen Herrschaft liefern würde. Frankreich
hat für die alten Waffen sehr theuer bezahlen müs
sen, aber Onkel Sam wird blitzwenig davon zu se
hen bekommen haben, während Millionen in die
Taschen von Günstlingen und Zwischenhändlern wan
derten. Gerade aus diesem Grunde werden die An
Hänger Grant's im Senat den Beschluß Sumner's
bekämpfen, oder wenigstens eine gründliche und un
parteiische Untersuchung zu vereiteln suchen.
n 0
Das vaus, in dem das Feuer
i ausbrach, war ein von vielen Familien bewohntes
GâK Unter -»d°re» wvhntedor. eine erst !ur-- i
lich von Wales angelangte »anuüc. Eine ,» der-1
selben gehörige junge Dame, im Alter von 21 Iah
reit und deren 12jähriger Bruder kamen in den
flammen um. ES ist fast als ein Wunder zu be-,
trachten, daß hie Hörigen Bewohner jenes Hauses.
sich retteten.
(bflio KeseHgcölmg.
Dienstag, den 6. Febr.
Nach dreitägige» Ferien fanden sich heute Nach
mittag von beiden Häusern nicht einmal Mitglieder
genug eilt, um ein Quorum zu bilden. ES konnte
deßhalb auch nichts Wichtiges verhandelt werden.
Im Senate antworteten 16, im Hause 44 Mitglie
der beim Namenaverles.
Mittwoch, den 7. Febr.
Iber größße Theil der heutigen Sitzung wurde in
beiden Häusern der Gesetzgebung mit dem Lesen von
Bills und Petitionen und sonstigen ^toutinc-Geschäf
ten zugebracht. Ilm 11 Uhr fand in der Halle des
Hauses, unter Betheiligung deS Senats und dem
Vorsitz des Vice Gouverneurs Müller, die Formali
tät der Zählung der Stimmen statt, welche bei der
Herbstwahl in Bezug aus die Berufung einer Eon
stitutions-Convention abgegeben wurden. Es zeig
te sich, daß von 459,990 Stimmgebern 261,970 für
und 104,231 gegen die Berufung der fraglichen Con
vention gestimmt, die übrigen aber sich gar nicht über
die Frage ausgesprochen haben. In der Nnchmit
tags-Sitzung bebatttrte der Senat über Berry's
Hausbill zur Veränderung des Criminal-Coder mit
Rücksicht auf die Zusammensetzung von Geschwore
nen Gerichten. Die Zweckmäßigkeit der Zulassung
von Personen, welche sich nach Zeitungsberichten ei
ne Meinung gebildet, gab Anlaß zu lebhafter De
batte, welche bis zur Vertagung fortgesetzt wurde.
Im Haufe wurden nicht weniger als 38 Bills
zum zweitenmale gelesen und an die betreffenden
Draht-Uebergängen zwischen den einzelnen
Waggons Folge zu leisten.
Donnerstag, denH. Febr.
Im Senate wurde die Debatte über die Bill
zur Veränderung des Gesetzes in Bezug aus die Zu
sammensetzung der Schwurgerichte heute fortgesetzt
und nahm den größten Theil des Tages in Anspruch.
Schließlich wurde die Bill, wie sie vom Hause kam,
mit der Veränderung angenommen, daß Personen,
die als Zeugen vorgeladen sind, in demselben Pro
zeß nicht als Geschworene sungiren können. Gewohn
heitssäuser aber überhaupt vom Dienst an Schwur
gerichten ausgeschlossen sein sollen. (Sobald diese
Veränderungen vom Hause genehmigt sind, wird die
Bill zum Gesetz. Der eigentliche Zweck derselben
ist, Leuten, die sich durch Zeitungslesen über Rechts
fälle instruirt und vielleicht eine Ansicht gebildet ha
ben, nicht ferner aus diesem Grunde von der Ge
schworenenbank auszuschließen.) Es sielen blos 5
Stimmen gegen die Bill.
DaS HauS genehmigte die Senatâ-Verbefferun
gen zu der Bill in Bezug auf die Zusammensetzung
der Schwurgerichte und dieselbe ist nun Gesetz. Pas
sirt wurden statt der Hausbill des Hrn. Marx, wel
che die Kosten der Eröffnung von Straßen in Städ
ten und incorporirten rtschasten auf das angrenzen
de Eigenthum umgelegt haben wollte, ein Substitut
des Hrn. Howland, welches vorschreibt, daß solche
Kosten auf alle Grundstücke, welche aus einer solchen
Verbesserung überhaupt einen Vortheil genießen,
umzulegen seien.
Committeen verwiesen. Unter den neu eingereichten welche aus dem (Srlr1"* von Ländereien eine« Natio
Bills ist eine von Corcoran, welche die Erlangung nalschulfond gründe., mit 115 gegen 98 Stimmen,
von Waaren unter falschen Vorwänden zum Dieb-' Repulikaner stimmten gegen die Maßregel.
stahl im Sinne des Gesetzes stempeln soll. Auf An- Borneman brachte eine Bill für das neue Territori
trag von Case wurde beschlossen, den Eisenbahn- um Pembino ein, das aus einem Theile von Dakota
Commissär aufzufordern, dem Senate mitzutheilen, bestehen soll.
welche Eisenbahnen im Staat? verfehlt haben, dem Den 9. Feb. Endlich, nach langer Debatte,
Gesetzen Bezug auf die Anbringung von dehnba- kam heute im Senate die Amnestiebill zur Abstim
mung. Nachdem ein Amendment, welches die Chi
nesen vom Bürgerrechte ausschließt, verworfen tvor
den war, stimmte der Senat über Sumner's Neger
gleichheits-Amendment ab. Die Stimme stand 28
gegen 28. Vice-Präsident Colfax gab den Aus
schlag und erklärte das Amendment für angenom
men, was ungeheuren Jubel in den Gallerien her
vorrief. Nach weiterer Debatte und der Annahme
eines Amendments Morton's, das die Kukluxer von
den Wohlthaten der Amnestie ausschließen soll, wur
de die so „verbesserte" Amnestiebill zur Abstimmung
gebracht und verworfen! Es fielen nämlich 33
Im Hause liefen heute wieder zahlreiche Bitt
schriften ein zur Milderung des Temperenz-Gesetzes,
so daß das Grundeigenthum von der Verantwortlich
keit für etwaigen aus dem Getränke-Verkauf entste
hendcn Schaden entbunden und die Wirthe nur dann
haftbar sein sollen, wenn sie zuvor gewarnt worden
sind. Die Einschaltung des Salärs von Dr. Peck,
(Superintendent des Central Ohio Irren Asyls,) in Schande ist.
die Vcrroilligungébill durch den Senat gab zu langer
und lebhafter Debatte Anlaß, wurde aber schließlich
doch gutgeheißen. Unter den neu eingereichten Bills
erwähnen wir eine von Thompson von Columbiana,
welche die Beschränkung der Besteuerung durch Mu
nicipal-Behörden bezweckt.
Freitag, den 9. Febr.
Im Senate bildete heute der Streit um den
Sitz von Montgomery County den Hauptgegenstand I
der Verhandlungen. Vom Committee über Wahlen
und Privilegien wurden nemlich zwei Berichte (ein
Mehrbeits- und ein Minderheits-Bericht) vorgelegt.
Der Mehrheitsbericht spricht dem republikanischen
I Contestanten James Sayler den Sitz zu, wahrend i
im Minderheitsbericht der Anspruch des jetzigen In-
Habers des Sitzes, John D. Kemp, als vollgültig
s s v
nung zui -Sen D.c Tem°k-a -^. -c!at°wmchd-
y
«âm» -mrd. Nach ^erlciun^ der Berichte bcmi-. „i' '(llau die Namen der P-rw»-» be
»•f TqL \tn" m" «'"-r™1!"'!"! richten, an welche di- W-ffm -erkaust nm-°n md
M.tiwcch Nachiiitttafl um «Uhr «Uta
Samstag, den 10. Febr.
Die Verhandlungen in beiden Häusern waren heu
te so unwichtig, daß sie kaum erwähnensiverth find.
Im Senate vertheidigten sich die Mitglieder des
Committees über Wahlen und Privilegien, welche
den Minderheitsbericht in Bezug ai,r den Montgo
mery Wahlstreit unterzeichnet haben, (Putnam, Leeds
und Jones von Licking) gegen eine vom „Ohio State
Journal" ausgegangene Insinuation, daß sie wort
brüchig geworden seien, indem sie einem mit ihren
Collegen im Committee getroffenen Abkommen zu
wider darauf angetragen haben, die Entscheidung des
Wahlstreites bis zum 3. Aiittmoch im März zu ver
schieben. Die Herren erklärten, daß ein derartiges
Uebereinkommen zwischen den Mitgliedern des Com
mittees nicht getroffen worden sei, daß sie sich in Be
ug auf diese avage im Gegentheil vollkommen freie e drüben verwerthet
Hand vorbehalten haben. (Durch diese Erklärung
wurde der Behauptung des „Ohio State Journal",
I daß sich die demokratischen Mitglieder des Commit
tees einer unehrenhaften Handlung schuldig gemacht
i haben, auf's Gründlichste widerlegt.)
Montag, den 12. Febr.
Der Senat passirte heute Wales' Senatbill,
wodurch alle Personen, welche fünf Jahre hinter ei
nander Feuerw?hrdienste geleistet, für die folgenden
welche natürlich noch der Bestätigung des Hauses be
darf, würden die Eounty-Anivälte in Hamilton und
Cuyahoga Counties nicht über ^2000, in Franklin,
Montgomery und Lucas nicht über 81500, und in
anderen Counties $500 und zwei Dollars für je 100
Einwohner des County's über 15,000 erhalten.)
Das Haus verschwendete seine Zeit mit der Be
sprechung eines Beschlusses, welcher besagt, daß c8
Beschluß nach „Buncombe" schmecke. Die Passirung
dieses Beschlusses würde die Gesetzgebung nicht ab
halten, die unzähligen Loealbills zu passiven, die jetzt
schon wieder vorliegen. Die Aufnahme eines Para
graphen in die Constitution, welcher der Gesetzge
bung verbieten würde, Spezial-Gesetze zu passiren,
würde viel wirksamer der übermäßigen Local Be
steuerung in unserem Staate ein Ziel stecken.) Nach
langer Debatte wurde der Beschluß niedergestimmt.
$r. Cren reichte eine Bill ein, welche die Umlage
einer Hundesteuer im Auge hat, um dieselbe zur Be-
noch nicht versammelt und man
unnöthigerweise beleidigen. (Sanieren,
bull's Rath milderte Edmunds feinen Beschluß und
snns Jahren vom Tienste i» der TwatSmiliz und erdbeben. _gn Binciia, spürte man am
von der Arbeit an Wegen besreit sein sollen. Des-1 *:n deutlich Erdstöße,
gleichen McDowell's 'Smotbill zur Erhöhung der
I
unweise sei, Loeal-Behörden Befttgniß zur Auystel-' verschwenderisch gelebt, so besaß er keine Geldmittel,
hing von Bonds und Umlage von Spezialsteuern zu Der Umgang mit dem verführten Mädchen hatte
geben. (Mit Recht bemerkte ein Mitglied, daß der solche Folgen, daß der Doktor ausgeformet wurde, sie
streitung des durch Hunde unter Schafen angerich- ihn und sendet zum Arzt-aber noch ehe dieser kommt,
teten Schadens zu verwenden. macht eine zweite Dosis seinem Leben ein Ende.
^.rau Johnson, die am 21. Januar ihren be
0 It (I V e të. trunkenen Mann in Southbury, Connecticut, erschoß,
ist von der Jury freigesprochen worden, auf den
,r i Grund hin, daß sie die That im Acte der Selbstver-!
SmSBSBFeSöEF'
die v-rgebUche Absicht England's, sich von den. Gen-1 b- n-he-m '-l-g-»h-,t b-ut-I m.ch-md-It-,
chiedsgericht zurückzuziehen, Bezug haben mö-! Das A ell a i o n S e i ch in New'Jork
löse von Ländereicn. Eine Masse von Amendments
wurden beantragt, die nebst'der Bill bis morgen zu
rückgelegt wurden.
Den 7 Feb. Im Senate wurde die endlose
Debatte über die Amnestiebill fortgesetzt. Es han
belt sich um Sumner's Negergleichheity-Amendment
und Carpenter's Substitut für dasselbe. Ferry von
Connecticut bedauerte, daß man die Amnestiebill
durch Amendments zu Meuchelmorden suche, die mit
der Sache gar nichts zu thun haben. Nach länge
rer Debatte wurde Carpenter's Substitut verworfen
und aus Sumner's Bill ein ganzer Abschnitt ausge
strichen. Noch immer kein Schluß der Debatte.
Das Haus beschäftigte sich mit den beantragten
Amendments zu der )tational-Schulbill. Nur we
nige wurden angenommen, darunter eins, daß söge
nannte gemischte Schulen nicht erzwungen werden
sollen. Alle angebotenen Substitute für die Bill
wurden verworfen. Darüber vertagte sich das Haus.
Den 8. Feb. Im Senate liefen Denkschriften
von Wisconsin, Chicago und andern Plätzen ein, in
welchen sich Kaufleute über die Mißbräuche der Steu
erbeamten, namentlich in Betreff der Beschlagnahme,
beschweren. Trumbull erklärte daß diese Mißbräu
che abgeschafft werden müssen. Die Amnestiebill,
oder vielmehr Sumner's Anhängsel für die gesell
schaftliche Gleichstellung der Neger, kam dann wie
der an die Reihe. Viele Amendments wurden be
antragt. Trumbull erhob die Beschuldigung, daß
die Gegner der Amnestiebill für gewisse Amendments
stimmten, um die Passirung der Bill zu vereiteln.
Darüber vertagte sich der Senat.
Das HauS passirte nach langer Debatte die Bill,
Stimmen für die Bill und 19 dagegen dieselbe
hatte folglich nicht die erforderliche Zweidrittelmehr
heit erhalten. Es ist offenbar, daß Sumner's Ne
gergleichheitS-Anhängsel die Bill geschlagen hat.
^mmbull stellte den Antrag nun die im Hause pas
sirteAmnest'.ebill aufzunehmen, worüber sich der Se
diat vertagte.
Haus.—Auf einstimmige Empfehlung der Wahl
Committee wurde Edwards als regelmäßig erwähl
ter Repräsentant von Arkansas anerkannt und sein
Gegner Bated des Sitzes verlustig erklärt. Edwards
war mit einer Mehrheit von 2000 Stimmen erwählt
worden und doch hatte Gouverneur (jetzt Senator)
Clayton den Bates hineingeschwindelt. Bates hat
bis jetzt den Titz inne gehabt und wird auch seine
Tagegelder bekommen, was an und für sich eine
Während de? Krieges wurden die Gebäude des
William und Mary Colleges in Virginien durch
raublustigeVer. St. Soldaten in freventlicher Weife
zerstört. Eine Bill liegt vor, welche 865,000 als
Schadenersatz für den Verlust verwilligt und über
dieselbe wurde heute verhandelt. Mehrere Mitglie
der unterstützten die Bill durch Reden, dieselbe ge
langte indessen nicht zur Abstimmung.
Den 10. Feb. Der Senat war nicht in Sitz
ung. Das Haus schlug den Samstag wie gewöhn
lich mit Reden todt, die vor leeren Bänken gehalten
wurden.
Den 12, Feb. Im Senate beantragte Sum
ner einen langen Beschluß für die Ernennung einer
Committee, welche den Wasfenichachcr während des
r„rlt
be
ten die Angelegenheit m. Marz i beschloß der Senat, die Chicago HülsSbill (zur
verschoben zu haben, um die Entscheidung des Ober
gerichts in Bezug auf eine diesem Wahlstreit zu Grun
de liegende Rechtsfrage (Stimmberechtigung der In
sassen des Invaliden Asyls) abzuwarten, allein die
Republikaner fürchten offenbar diese Entscheidung
und wollten von einem Aufschub nichts wissen. Es
gelang ihnen schließlich, mit Hilfe der entscheidenden
Stimme des Vice Gouverneurs, ihren Antrag durch
zusetzen und der Streit wird also schon am nächsten
Mittwoch zur Verhandlung gebracht und wahrschein
lich im Sinne des Mehrheitsberichtes entschieden
werden. Nach dieser Heldenthat vertagte sich der
Senat.
Bingham berichtete im Namen der Justiz-Committee
eine Bill, welche bestimmt, daß zwei Termine der
Ver. Staaten Court in Toledo, Ohio, gehalten
werden sollen. Butler beantragte einen Beschluß,
der den Präsidenten auffordert, dem Hause mitzu
theilen, ob England seine Absicht kund gegeben habe,
sich von dem Genfer Vertrage zurückzuziehen. Banks
erklärte, er sei überzeugt, daß dem Präsidenten keine
derartige Mittheilung von England gemacht worden
sei. Butler's Antrag fiel durch.
Interessante Notizen.
Ein Ueberrest der „blauen Gesetze". Der
Bsston „Traveler" hat ein altes, in Massachusetts
zu Recht bestehendes Gesetz entdeckt, wonach Mas
kenbälle verboten sind und jeder Veranstalter eines
solchen einer Strafe bis zu fünfhundert Dollars und
bei Wiederholung eine? Kerkerstrafe bis zu einem
Jahr verfällt.
Pennsylvanien besitzt auch noch einen solchen Ue
berrest der berüchtigten „blauen Gesetze" in Gestalt
eines Verbots ron Maskenbällen. Dieses Verbot
ist sreilich ein todter Buchstabe selbst die hohe Ob
rigkeit steckt das Schwert der Gerechtigkeit in die
Scheide, wenn eS sich um Maskenbälle handelt und
amüfirt sich auf denselben nach Herzenslust. Aber
wenn ein Fanatiker den Staub von der alten Ge
setzeSfcharteke bläst und auf jenes Verbot hin klagt,
so müssen die Zuwiderhandelnden gestraft werden.
Es steht noch mehr solch veraltetes Zeug in den Ge
setzbüchern.
Wie die amerikanischeTemperen z-Sim
wird, eigt die „Nord
deutsche allgemeine Zeitung" (Organ der preußischen
Regierung), welche das J'linoiser Temperenz-Gesetz
mit folgender Einleitung abdruckt:
„Wenn es in Deutschland noch Leute giebt, die
sich aus politischer Unzufriedenheit nach den Verei
nigten Staaten als dem Hort der Freiheit sehnen,
so mögen sich dieselben ein Gesetz ansehen, welches
der Senat des freien Staates Illinois eben ange
nommen hat."
«-Ich-»« d-mn-rahnl.chm G-rausche tegle:-
maren*
Vor einigen Jahren kam ein junger Mann nach
Newburg, ungefähr 18—20 Meilen von Milwaukee,
und etablirte sich daselbst als Ant. Er erhielt nach
und nach gute Praxis und entschloß sich daher, seine
Braut, welche Gouvernante in einer adeligen Fami
lie in Deutschland war, herüberkommen zu lassen.
Leichtsinnig wie er war, hatte er inzwischen ein Mäd
chen in Newburg verführt, und da er in letzter Zeit
zu heirathen. Er weigerte sich, und eines schönen
Tages wurde er auf Grund eines [Verhaftsbefehls
arretirt und ins Gefängniß abgeführt. Dort erfaßte
ihn Verzweiflung, seine ganze unglückliche Lage
stand vor seiner Seele! Heirathen konnte er das
Mädchen nicht, denn seine Braut war aus dem Wege
zu ihm. Da in der Tasche hatte er ja Gist—welches
I
er noch kutz zuvor, wie aus Zusall, zu sich gesteckt
I hatte. Er nahm dasselbe. Die Dosis war schwach
Krämpfe stellen sich ein—er fühlt sich in Armen und
I Beinen gelähmt, aber nicht todt. So findet man
solle England nicht verklagt, und es war ihr in erster Instant
rteren, der Vorsitzer: Schädigung von S4000 zugesprochen word
I
derselbe wurde dann bis morgen zurückgelegt, woraus loreneS oder beschädigtes Gepäck nut im Betrag von
die Fortsetzung der Amnestie-Debatte folgte. $100 haftbar sein wollen, keine Geltung hat und
Das Haus bebattirte über die Bill zur Grün» Z daß eine Eisenbahn-Compagnie ihre Verantwortlich»
dung eines National-Erziehungs-Fonds aus dem Er-! feit nicht in dieser Weise beschränken darf.
Die
ist, D-r Bcsckl.ch wur.
«Sick,«legt. Mit A gea-n!â Stim-
Erlassung der Steuern) in Wiedererwägung zu zie
hen.
Im Hause regnete es heute Beschlüsse, die größ
I tentheils auf die Seite geschoben wurden. Unter
den passirten war einer, der die Committee über We
ge und Mittel anweist, eine Bill für den Widerruf
aller Zölle auf Thee uftd Kaffee einzubringen.
eine Ent-
auf den
Fcihrtickets der Eisenbahnen, wonach diese für ver-
i
e Ein w a nderun vo tr 6 uropa oet*
spricht dieses Jahr sehr stark zu werden. Die Plätze
auf Segel- und Dmnpschiffen sind dem Vernehmen
nach schon auf seckâ und acht Wochen im VorauWM
genommen.
Der BachmannMyrd. Der Vier«
brauer Charles Marlow, welcher beschuldigt war,
den Wilhelm Bachmann in seiner Brauerei in James
town N.A., ermordet und dessen Leichnam verbrannt
zu haben, ist jetzt des Verbrechens schuldig gefunden
worden und soll am 29. März d. Is. hingerichtet
werden.
Ex-Senator James Grimes vonJ»
rost, welcher im Jahre 1870 seinen Sitz im Bund«»
senate niederlegte, um eine Reise nach Europa zu
machen, wo er seine geschwächte und angegriffene
Gesundheit wieder herzustellen hosste, starb âm Abend
des ti. Februar zu Burlington, in Iowa, am Herz
schlag. Die Krankheit überfiel ihn zuerst auf der
Straße und er verspürte einen heftigen Schmerz im
Herzen, welcher eine nervöse Abspannung zur Folge
hatte. Am Tage zuvor hatte er drei ähnliche An
fälle nacheinander und am genannten Abend stellten
sich mehrere Anfälle schnell hinter einander ein,
welche zur angegebenen Zeit den Tod des Patienten
herbeiführten. Der Bater des Senators fiel derfel
den Krankheit zum Opfer. Grimes war einer der
wenigen republikanischen Senatoren, welche den Much
hatten, gegen das Impeachment, des Präsidenten
Andrew Johnson zu stimmen.
Abscheuliches Verbreche». In
Pittsbmg
wurde vor einigen Tagen ein frisch eingewandertes
deutsches Mädchen von 3 Schurken schändlich miß
handelt und beraubt. Ein Pittsb. Blatt schreibt:
Bor einigen Tagen langte ein 18jahriges Mädchen
aus dein Elsaß hier an, um eine ihrer Schwestern,
welche sich nach Amerika begeben hatte, als sie selbst
noch ein Ljähriges Kind war, aufzusuchen. Sie
hatte lange Zeit außerhalb der Stadt umhergesucht,
als sie endlich zu einem anständig aussehenden Man
ne gewiesen wurde, der sich erbot, ihre Verwandten
zu suchen. Er durchsah ihre Briefe und fand, daß
das Mädchen 1,000 Franken bei sich hatte, und das
Geld in einem Gürtel bei sich trug. Der Mann
nahm sie zu sich in ein Buggy, fuhr eine Strecke
weit zur Stadt hinaus und bog schließlich in ein klei
nes Gehölze ein hier sprangen aus einem Gebüsche
plötzlich 2 andere Männer heraus, die jedenfalls im
Einverständniß, mit dem Begleiter des Mädchens
waren, warfen dieses zu Boden, begingen ein schänd
liches Verbrechen an ihr und stahlen ihr dann den
Gürtel, in welchem sie die 1,000 Franken ausbewahrt
hielt. Nachdem sie ihr scheußliches Werk vollbracht,
warfen sie ihr Opfer in einen Graben undfuhren da
von. Das Mädchen liegt jetzt in einem kritischen
Zustande auf der Südseite zuweilen nur hat sie
lichte Augenblicke und in einem solchen theilte sie
Obiges dem Friedensrichter Heise! mit, der nach dem
Haufe ging, in welchem sie sich jetzt aufhält. Dr.
Arnholt erklärte, daß dea Zustand des Mädchens ei»
sehr gefährlicher sei. Hoffentlich werden die Ver
brecher der Strafe nicht entgehen. 'l
(Sängerfest. Die St. Louiser Sängerfest-ZG
sociation hat einen Miethsvertrag für den Block an
der Washington-Avenue und 12. Straße zum Ab
schluß gebracht. Der Block hat 325 Fuß Front an
Washington Avenue und 150 Fuß an der 12. Stra
ße und trägt $10 Miethe für den Front ftuß. DaS
Ausschreiben für Pläne wird sofort in den Zeitm
aen erscheinen. Die Pläne sollen bis zum 29. di«
ses Mts. eingereicht werden, so daß mit der Errich
tung der Halle am 1. nächsten Mts. begonnen wen
den kann. Der Preis für die Halle, welche 15,0(0
Personen fassen soll, darf $25,000 nicht übersteigt
Ein Schatz keinSchatz! Herr Scch.
Lange, der in der Nähe von Watertown, SSisc., eich
Farm besitzt, war so „glücklich", am 22. Jan.
der Höhlung eines Baumstumpfes einen Tops
finden, welcher hundertundfünfzig „goldene" Fünf
franesstücke mit der Jahrszahl 1829 und dem Kopf
Carl's X. enthielt. Voll Entzücken kehrte der gut
Lange heim und leerte den gefundenen Schatz va
den Augen feiner Frau auf den Tisch, als—o weh
der dumpfe Klang verrieth, weff' Geistes Kinder
diese „Charlsd'or" waren Falsch, fälschet,
ant falschesten!
In Randolph, Tennessee, gewann new
lich David R. Dickey die Wette, 4 Gläser in Brannt
wein eingemachte Pfirsiche zu essen, den Branntwein
zu trinken und dann noch 2 Becher Whisky her
unterzugießen. Er gewann die Wette, fiel danißA
doch todt nieder.
Die Gefahren bet Prairie. Sioux Ci
ty, Iowa. 8. Febr. A. M. Wilcox ist von Plymouth
County in Iowa zurückgekehrt, und er erzählt, daß
drei Bewohner von Heimstätten in jener County mit
einem Fuhrwerk nach dem Walde „Bröken Kettle"
aufbrachen, um Holz zu holen, aber an dem merk
würdigen Samstag Morgen vom Sturm überfallen
wurden. Zwei der Männer gruben sich in einen
zusammengewehten Schneehaufen ein, und blieben
darin, während der dritte mit dem Fuhrwerke weiter
ging. Die zwei Männer blieben anderthalb Tage
lang in ihrem Schneeloch, ehe sie sich herauswagten,
und es widerfuhr ihnen durch ihre lange Gefangen
fchaft kein anderweitiges Leid. Den Mann aber,
der mit dem Fuhrwerk weiter gefahren war, fand
man zwei Tage später in der Nähe von Salters Home,
15 Meilen oberhalb der hiesigen Stadt, erfroren auf
der Prairie liegen. Man hat bestimmte Nachrichten
darüber, daß während des Sturmes im Umkreise von
15 Meilen von diesem Ort acht Personen erfroren
sind. Der innerhalb dieses Rayons au dem Vieh
stande erlittene Verlust ist außerordentlich groß, und
es dürsten 400 bis 600 Pferde und Rinder unge
lommen sein.
Thee und Kaffee scheinen einen Nebenbei»
ler zu bekommen: ein brasilianisches Produkt Na
mens Guarana. Dieses besteht aus den Samen
kernen eines sehr häufig vorkommenden Baumes,
welcher Botanikern unter dem Namen Paulina sor
bitio bekannt ist. Die Frucht des Baumes hat etwa
die Größe einer Wallnuß und enthält fünf bis sechs
Samenkerne. Diese werden gewassert, geröstet und
gemahlen. Sie enthalten ein Alkaloid gleich dem
von Thee und Kaffee, aber viel stärker. Guarana
wirkt anregend und erheiternd, der Redefluß einer
Damengesellschaft auf den Genuß von Guarana soll
doppelt so stark sein als der aus den Genuß von
Thee und Kaffee. Herr steh' uns bei!
JnNewAorkist dieser Tage ein Stück Grund
eigenthum an der südöstlichen Ecke von Wall und
Broadstreet für $250,000 verkauft worden, das ist
im Verhältniß von 21 Millionen Dollars $ Acker,
oder etwa dreimal soviel für den Quadratfuß als
der höchste Preis, der in London für werthvollstes
Grundeigenthum bezahlt worden ist.
Schlimmes Ende eines Balles. St.
Louis, 12. Febr. John Cannon, ein Eisenbahn
Ingenieur, und ein Freund desselben. Namens Wil
son, besuchten gestern Abend einen von dem deut
schen Arbeiterverein in Carondelct veranstalteten
Ball, und erlaubten sich dort Rohheiten. In Folge
dessen wurde Cannon von 3 Männern ergriffen, aus
dem 4. Stockwerk die Treppe hinab in das 3. Stock
werk und von dort in bewußtlosem Zustande über
den Baleon auf das Straßenpflaster geworfen.
Cannon hatte das Genick gebrochen und blieb auf
der Stelle todt. Wilson wurde ebenfalls geschlagen,
entkam aber schließlich durch Benutzung einer Hin
tertreppe. Fred. Klinkmann und Jacob Schlögel
wurden heute als diejenigen verhaftet, welche Can
non vom Balcon herabgestürzt haben sollen.
Für die beste Katze in der londoner KatzenauS
stellung wurde die Summe von $5,000 bezahlt.
In Louisville giebt es einen Geisteskranken,
welcher sich für einen Onkel des Präsidenten aus
giebt. Wahrscheinlich wünscht er ein Amt zu erhal
ten.
Annie Seppert, eine deutsche Frau, verbrannte
am Samstag in Pittsburg. Die Frau war am Abend
betrunken. Man fand die verkohlte Leiche in sitzen
der Stellung nahe einem Tische und nicht weit vom
Feuer. Die Frau war 85 Jahre alt.
Der Krug geht so lange zu Wasser, bis
er bricht. Charles Hildebrandt, der berüchtigte
Schwindler und Dieb, hat schließlich das Malheur
gehabt, dem Richter Lynch in die Hände zu fallen.
Der St. Joe. Herald berichtet, daß ein Volkshaufen
in Hancock Station, PulaSki Co., den Hildebrandt,
welcher im Verdacht stand, zu einer Diebsbande in
jener Gegend zu gehören, ergriff und ohne Weiteres
aufknüpfte.
Ende des Vatermordprozesses. Nero
Brunswick, N. I., den 10. Feb., Die Whitehead«
Tragödie hat gestern durch die Verurtheilung deS
JameS Barter zu 2 Jahren Staatsgefängniß ihren
komischen Abschluß gesunden. Derselbe Mensch al
so, der sich des Mordversuches schuldig "bekannte,
dann als Staatszeuge benutzt wurde, um die eigent
lichen Verbrecher verfolgen zu können, trotzdem aber
wieder auf Grund feines eigenen Bekenntnisses un
ter AnHage gestellt nnd selbst dann noch prozessirt
wurde, ab die Freisprechung der angeblichen Haupt»
schuldigen wegen nicht erwiesener Existenz des Ver»
brechend erfolgte, wird jetzt, weitn auch seh mil*
de, verurtheilt, obgleich nach jurijii chen eg tf|cn
ein Verbrechen überhaupt nicht begangen worden ist.
DaS nennt man Konsequenz»
I
A
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Saläre von County Anwälten. (Nach dieser Bill, *ct
i e u s h- a n z ö s i s e n K i e e s u n e s u e n s o

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