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Der westbote. [volume] (Columbus, Ohio) 1872-1918, January 10, 1884, Image 2

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1
I
I
tt«tf|tgdttt v««Reinhard è Fieser.
SoluNsus. 10. Januar 1884
Die Vottchaft bei Gouverneurs Fo
ster, dl« sechs engbedruckte Spalten füllt,
liefern mir heute dem Leser in sorgfälti
ger, bündiger Bearbeitung. Herr Foster
hat diese letzte Gelegenheit noch einmal
benutzt, un.K seine We
isheit voller Breite
(nicht Tiefe) auszukramen. Es ist sein
Schwanengesang. Mit dem Scottgesetz
reitet er zum letztenmale Parade. Er
uttt auè Schabernack gegen die „Rebel
len" die berüchtigte McConnellsviller Or
dinanz verschärft, das heißt, auch auf
Townships ausgedehnt haben. Näher
kann man der allgemeinen Prohibition
nicht kommen. Es ist übrigens keine Ge
fahr, daß diese und andere politischen Em
pfehlungen in der Botschaft unter den
Demokraten der (Gesetzgebung Beachtung
finden werden. Leben Sie wohl, H«r
Foster!
Es will uns scheinen, daß sich un
fttt englischschreibenden College« von der
demokratischen Presse in Betreff der ®e
natorswahl gar zu sehr erhitzen. Durch
das Anfeinden und Verkleinern der Can
didaten kann nichts gewonnen werden.
Es muß doch wohl angenommen werden,
daß sich die Mitglieder der Gesetzgebung,
welche die Auswahl zu treffen haben, über
die verschiedenen Bewerber genau ins or
mirt haben, und es lässt sich kaum an
nehmen, daß sie sich durch leidenschaft
liche Zeitungsartikel so leicht von ihrem
einmal gefassten Entschlüsse abbringen
lassen werden.
Der Kampf um die Bundes-Sena
torstelle ist hier seit Mittwoch ernstlich
im Gange. Die Delegationen von Ein
einnati, Cleveland, Springfield und an
betn größern Städten trafen frühzeitig
ein und wer die berühmtesten Politiker
des Staates kennen lernen will, der
braucht blos einen Blick in das Neilhaus
iU werfen, dessen Corridor von Morgens
is spät in die Nacht hinein mit den Zu
gereisten aus den verschiedenen Theilen
Oes Staates angefüllt find. Es ist inte
ressant, sich das Gewirr und Gesumm der
verschiedenen Gruppen anzuschauen. Die
Bewerber haben natürlich ihre Freunde
und Fürsprecher hier. Es geht dabei sehr
lebhaft, aber doch auch recht friedlich und
anständig zu unv wir haben bei unseren
verschiedenen Besuchen des Hauvtquar
tiers noch kein böses Wort gehört. Sc
Lean vom „Enquirer" ist hier und arbei
tet wie ein Bieder gegen Pendleton und
für Payne, der ebenfalls von Bookwal
ter's Freunden unterstützt wird. Herr
Payne ist selbst nicht hier, wird aber
durch seinen Sohn vertreten. Senator
Pendleton traf am Donnerstag an, um
sein Gewicht in die Wagschale zu legen.
Der alte bombenfeste Demokrat General
Ward ist ebenfalls hier. Ueber den Äus»
gang der Wähl lasst sich vorläufig mit
Gewißheit gar nichts sagen. Viele Mit
glieder sprechen sich nicht aus, viele aus
den Landdistrikten waren gestern noch
nicht eingetroffen und so hatten die großen
Städte an den ersten Tagen das Feld
für sich. Dann giebts auch noch manche
sogenannte „dunkle Pferde.". Es wäre
mithin unter den Umständen gewagt, sich
auf Speculationen einzulassen.
Gewiß ist es aber, daß diese Wahl die
Aufmerksamkeit des ganzen Landes auf
sich zieht. Selbst die größeren Blätter
des Ostens haben ihre Reporters hierher
gesandt.
..' Gestern Abend hat der demokratische
KimkuS bei der ersten Abstimmung Herr
Payne von Cleveland als Candidat
für Bundessenator ernannt.,
Der demokratische Gesetzgebungs
Üttufus, der am Samstag Nach mittag
stattfand, ging ungewöhnlich glatt vor
über. Durch den Rücktritt des Herrn
Bohl war die Sprecheisrage entschieden
und die Ernennung des Herrn Marsh
erfolgte durch einstimmigen Zuruf. A.
D. Marsh repräsentirt das stark demokra
tische Mercer County. Geboren in High
land County 1844, lebte und arbeitete er
mit seinen Eltern bis 1868 auf einer
«farm, zog dann nach Sardinia, Brown
County, wo er sich dem Rechts-Studium
«»wandte. In 1874 zog er nach Celina,
Mercer County, wo er als einer der tüch
tigsten Rechtsgelehrten gilt. In 1877
Wurde er für die Gesetzgebung gewählt
Änd erfüllte seine Pflichten so befriedigend,
daß ihn seine Mitbürger in 1879 wieder
wählten. Er ist ein gewandter Redner,
ber immer allgemeine Aufmerksamkeit
bet, wenn er etwas zu sagen hat. Ohne
weiset wird et ein tüchtiger Vorsitzer des
Hauses sein. August Stechschulte,
5er zweite Gehülss-Clerk, ist ein junger
Deutscher von Putnam County, der von
"ernt Kahle, dem tüchtigen deutschen
epräsentanten jenes County's, für den
sahle
often vorgeschlagen wurde. Freund
erwarb sich schon in der letzten Ge
setzgebung den Namen eines pflicht- und
f:unDssttztteuen
Repräsentanten, und die
rwahlung seines jungen Freundes ist
Äine wohlverdiente Anerkennung für ihn.
Es kommt oft vor, daß alte Leser
des Westboten von ihren Mitbürgern nach
Polumbus in die Gesetzgebung geschickt
»erden. Am Samstag besuchten uns
Hwei, die als Mitglieder der gegenwär
tigen Gesetzgebung dienen werden: Herr
H. Kahle von Putnam und Hr. Georg
Henry von Defiance und Pauldina
Gounty Schon Hrn. Kahle's Vater las
unser Blatt, und Hr. Henry steht seit 30
Jahren auf unserer Liste.
In Betreff der Senatorswahl hat
flichter Thurman am Montag em ge
Gichtiges Wort gesprochen. Auf die An-
ttztedes
jge Editors der hiesigen „Times"
er sich sofort an seinen Tisch und
schrieb Folgendes:
„Ich habe nichts gegen irgend einen der
Canvidaten, sie sind alle fähig und mir alle
befreundet. Aber es empört mich, daß Män
ner rote Pendleton unv Ward, die den bessern
Theil ihres Lebens der Behauptung der De
mokratèe gewidmet haben, durch eine Verbin
dung von persönlichem Haß und überwachst
nein Reichthum zu Boden getreten werden sol
len. Die Payne-Leute sagen, daß sie Pendle
ton wegen seiner Civil-Reformbill nicht unter-
{»emokratischen
tützen können, sie vergessen aber, daß alle
Conventionen sich wiederholt
für eine solche Reform ausgesprochen haben.
Ich befürworte diese Bill nicht und glaube
daß sie verändert, oder widerrufen werden
sollte, aber ich würde einen lebenslänglichen
Demokraten nicht abschlachten, weil er wäh
rend eines langen öffentlichen Dienstes einen
Mißgriff machte.
Aber wenn die Herren Pendleton nicht un
terstützen können, warum können sie dann
Nicht für Ward stimmen, der jene Bill miß
billigt? Niemand wird leugnen, daß er ein
fähiger Mann ist und ungeheure Arbeit für
unsere Partei verrichtet hat. Warum soll ihm
nun Payne vorgezogen werden Ich fürchte,
haß die Antwort vollkommen klar ist. Es bat
Nie irgend welche Maschinen-Politik in der de
mokratikchen Partei von Ohio gegeben und die
Partei ist freier von Boßthum gewesen, als ir
»end eine andere die existirte. Aber einige
IWe scheinen zu glauben, daß wir eine Ma
schine haben sollten, die reichlich mit Geld »er
sorgt 'st und unter der absolutenControle eines
Uoßès oder von Boßen steht, die vorzuschrei
den haben, Wer die Ehren und Belohnungen
der Partei empfangen soll. Um eine solche
Maschine auszustellen, ist es vor allen Dingen
nöthig, die Männer abzuschlachten, die bisher
das Vertrauen der Partei genossen haben und
deren
Fähigkeit, Grundsatztreue und schwere
Arbeit soviel gethan hat, die Partei während
der furchtbaren Prüfung zusammen zu halten,
die sie zu bestehen hatte. Ich will nicht ruhig
zusehen, daß dies geschieht. Es geht mich per
sönlich nichts an, denn ich bin blos ein Pri
vatbüraer und erwarte, ja wünsche nicht, je
tnals wieder ein Amt zu bekleiden. Aber ob
wobl ich mich niemals an meinen Feinden tn
der
Partei zu rächen suchte, wenn ich solche
aite, so babe ick doch auch niemals meine
eunde im Stiche gelassen und ich wünsche
nicht als Leichenträger zu ihren politischen Be
gräbnisse« gerufen 'zu werden. Ich wünsche
unsere Beamten in der guten alten demokra
tischen Weise erwählt zu sehen, nicht aber nach
einer neu enundenen Mode, welche, gtlinde
gesagt, einen bösartigen und verdächtiger» An
schein hat. Ich wünsche zu sehen, daß alle
wahren Demokraten nach ihren Verdiensten
ehrliches Spiel haben, und ich wünsche nicht
ein politisches halsabschneiderifches Boßthum
zum Besten einer geschlossenen Partei
Corporation oder eines Svndicats inaugurirt
zu sehen."
Das sind offene, mannhafte Worte,
welche sich jene Leutchen, die sich zu Bo
ßen ausweisen möchten, hinter die Ohren
schreiben mögen.
'Henry Bohl. Es fiel auf, daß
der tüchtige Gesetzgebungs-Repräsentant
Bohl, der als Candidal für das Spre
cheramt genannt worden war, erst am
Donnerstag Abend in Columbus eintraf,
statt frühzeitig aus dem Platze zu sein.
Aber durch die Erklärung, daß er dies
Amt aus Gesundheitsrücksichten unter kei
nen Umständen übernehmen könne, löste
sich das Räthsel auf. Freund Bohl ist
thatsächlich schon seit längerer Zeit ner
venleidend und das Uebel nahm während
der letzten Woche so sehr zu, daß ihn
seine Aerzte nachdrücklich warnten, alle
Aufregungen zu vermeiden und das Spre
cheramt nicht zu übernehmen, selbst wenn
ihm dasselbe ohne seine Bemühungen
übertragen werden sollte, da die Pflich
ten, die dasselbe erfordern, fein Leiden
jedenfalls verschlimmern müßte. Wir
hätten ihn gerne auf dem Sprecherstuhle
gesehen und bedauern doppelt, daß ihn
Gesundheitsrücksichten zu feiner Ableh
nung zwangen. Er wird indessen seinen
Pflichten als Mitglied des Hauses nach
Kräften nachzukommen suchen und wir
wollen hoffen, daß sich seine GHuftdhâ
bald wieder befestigen wird.
Ein vor uns liegendes republika
nisches Blatt versichert, daß „die Mission
der republikanischen Partei noch immer
nicht erfüllt ist. —Jetzt habe sie noch die
Ausgabe, die Neger im Süden zu erzie
hen.—Eine recht schöne Aufgabe für die
Führer und Politiker der „moralischen"
Partei, die immer gern die Hände bis
zum Ellenbogen in Onkel Sam's Taschen
haben. Unter dem Vorwande, die Ne
ger im Süden zu erziehen, wollen sie den
Bundesschatz um Millionen plündern,
von welchen der Löwenantheil natürlich
an ihren Fingern hangen bleiben würde.
Das gäbe ein prächtiges Feld für ein
großes Heer von Beamten, Agenten,
Zahlmeistern, Aankee-Schulimistern und
Schul- Madamen. Die Hauptaufgabe
dabei würde die sein, die Neger für die
repubi. "unifche kartet zu erziehe«. Lo
gan hat im Bundessenale bereits eine
Bill für diesen Zweck eingebracht, die
aber schwerlich im Hause Yassiren wird.
Von der öffentlichen Schuld sind
im Dezember Iis Millionen Dollars ab
bezahlt worden und seit 30. Juni 53
Millionen. Der Berg wird immer klei
ner, aber die Einnahmen an Steuern
und Zöllen sind auch riesig groß.
Das Jahr 1883 liegt hintcr uns
ohne daß der gefürchtete Panik eingetrof
fen ist. Die Geschäfte waren nicht zu
rühmen, außerordentlich viele Bankerotte
kamen vor. Nach Dunn's Berichte belie?
sich ihre Zahl im ganzen Lande auf 9189
gegen 6738 in 1882. Die Schuldenlast
der Bankeroteure in 1883 betrug 172 Mil
lionen Dollars, gegen 101 Millionen in
1882. In 1883 machte eine Person
aus je 94 Geschäftsleuten Bankerott, in
dem Ausnahmsjahre 1878 eine Person aus
je 64. Die vielen Bankerotte im ver
flossenen Jahre haben übrigens das Gute
gehabt, daß sie unsere Geschäftsleute
Vorsicht mahnten und dadurch einem
nik vorbeugten. Jetzt dürfen wir im
neuen Jahre mit neuen Hoffnungen der
Wiedereröffnung der Geschäfte entgegen
sehen. Daß unter den zahlreichen Ban
kerotten viele betrügerische vorkamen, das
kann wohl nicht geleugnet werden. In
vielen Fällen wurden sogenannte „bevor
zugte Gläubiger" vorgeschoben, die den
Löwenantheil vorweg nahmen und den
andern wirklichen Gläubigern blitzwenig
oder g.ir nichts übrig ließen. Wir brau
chen ein gerechtes, einfaches Bankerott
gesetz, das sowohl den Schuldner, der
durch unverschuldetes Unglück in Ban
kerott gestürzt wird, rote auch den wirk
lichen Gläubiger schützt und dies Geschäft
mit möglichst geringen Kosten in mög
lichst kurzer Zeit abwickelt. Sogenannten
Massenverwaltern (Assignees) die keinen
andern Zweck im Auge haben, als sich
durch das Unglück anderer Leute zu be
reichern, sollte das Handwerk gelegt wer
den.
Herr L. H. Lorenz hat als Prä
sident des Schulraths von Springfield
einen sehr hübschen und verständigen Bs
richt geschrieben. Er verwirft mit Recht
das geisttötende System, das das Text
buch an die Stelle des lebendigen Ge
dankend setzt und den Lehrer zu einem
Exerziermeister macht, der xtcht lehrt, son
dern abrichtet. Er dringt darauf, daß
Über das Anfüllen des Kopfes mit blo
ßem Wissen die Herzensbildung nicht ver
nachlässigt werden sollte und bemerkt in
dieser Beziehung: „Obwohl die Erzie
hung fast allgemein ist und einen höhe
ren Standpunkt erreicht hat, als je zuvor
in der Geschichte der Menschheit, so muß
ich doch mtt großem Bedauern gestehen,
daß Unredlichkeit, Selbstsucht, Heuchelei
unv Sittenlosigkeit sich in gleichem Maße
vermehrt haben. Dies beweist, daß wir
die Herzen? blloung vernachlässigt haben."
Der Bericht enthält noch viele andere be
herzigenswerte Winke.
Mit dem schrecklichen Brande der
Klosterschule in Belleville, Illinois,
wobei 27 junge Mädchen umkamen,
fängt das neue Jahr wieder sehr böse an.
Feueisbrunste sind infolge der grimmigen
Kälte während der letzten Wochen über
Haupt sehr häufig vorgekommen, doch be
schränkten sich dieselben glücklicherweise
auf die Zerstörung von Eigenthum, das
am Ende wieder zu ersetzen ist. Die Ka
tastrophe in Belleville ist die erste, über
aus traurige, die Jammer und Herzeleid
in so viele Familien trägt. Hoffen wir,
daß das neue Jahr in dieser Beziehung
schonender vot übergehen wird, als das alte.
Wir haben keinen König, auch kei
nen Hos tn Amerika, aber ohne ein bis
chen Nachäfferei der europäischen Hof sitten
geht es auch hier nicht ab, denn am Ende
bleiben sich die Menschlein überall gleich.
Schreiben sie auch nicht das Wörtlein
„von" vor ihrem Namen, tragen sie auch
keine hochtönenden Titel und ein Ordens
band im Knopfloch, so hängt ihnen doch
der Zopf gelegentlich ganz bedeutend nach
hinten und sie vergessen, daß am Ende
alle nackend auf die Welt gekommen
sind.
Als eine Art Hoffeste, freilich in etwas
republikanisirter Form, müssen die „Re
ceptionS" im Weißen Hause betrachtet
werden. Der Empfang am diesjährigen
Neujahrstage soll besonders elegant ge
wesen sein. Die Zimmer waren festlich
geschmückt. Erst um 10 Uhr ging die
Geschichte los. Um 11 Uhr erschien der
Präsident in tadellosem schwarzen An
zuge, dann im höchsten Staat die Ladies,
die ihn bei dem Empfange „unterstütz
ten," eine eigene Frau hat Herr Arthur
bekanntlich nicht. Das Cabinet mit sei
nen Ladies, die fremden Gesandten in
ihren bunten Hoflivreen, Sammet, mit
Goldstickereien, der General und die ho
hen Ossiziere der Armee, die höchsten nnd
hohen Beamten 2c. fehlten nicht. Das
Marine-Musik-Corps spielte zum landes
üblichen „Handschäken" auf. Die Ein
gangsthüren waren durch Beamte be
wacht, die nur die Auserwählten hinein
ließen. Erst um 1 Uhr, als sich die ho
hen Herrschaften zurückgezogen hatten,
wurde das gewöhnliche Publikum hinein
gelassen, das draußen im Regen unge
duldig warten mußte. Der Zudrang
teat groß und Manche konnten keinen
Zutritt finden und mußten nach Hause
zurückkehren, ohne das Schauspiel gesehen
zu haben. Um 2 Uhr war der Empfang
zu Ende.
Einem denkenden Menschen, der sich
durch äußern Tand und Trftdel nicht be
stechen läßt, soll die ganze Geschichte sehr
stupid vorkommen und vas glauben wir
gern. Für die armen Empfangs ladies,
die in ihren oft sehr tief ausgeschnittenen
Kleidern stundenlang steheno das dumme
Vorstellen und Handschütteln aushalten
müssen, läuft das oft auf eine sehr er
müdende Thierquälerei hinaus. Eine
Dame aus der höchsten Gesellschaft, die
jetzt völlig gelähmt ist, soll sich die Ursa
che ihres Leidens bei solchen „Receptions"
geholt haben. Und billig ist die Sache
auch nicht. Die brillanten Anzüge kosten
allein große Summen, was zwar denen
nichts schadet, die es „afforden" können.
Wer's aber nicht kann und doch mitma
chen muß, der hat eben ein Opfer zu brin
gen. Das Miethgeld für eine Kutsche
am Neujahrstage von 10 bis 6 Uhr ko
stet zwanzig Dollars, für jede weitere
Stunde einen Dollar mehr.
Washington ist überhaupt ein theueres
Pflaster. Ein Congreß Repräsentant muß
sehr bescheiden leben, wenn er mit seinen
$5000 per Jahr auskommen will und
sonst keine „Nebenverdienste" hat. Die
hohen Beamten müssen natürlich auch
ihre Receptions und Parties geben, die
viel Geld kosten, das irgendwo herkom
men muß und wobei vielleicht der Eine,
oder vielmehr die Eine die Andere zu
überbieten sucht. Früher gab es bei den
Receptions im Weißen Hause einen Im
biß, da aber dabei oft die kostbaren Klei
der der Ladies verschmiert und verdorben
wurden, so wird jetzt nichts mehr ge
reicht. E»n Deutscher, der gewohnt ist,
sich bei solchen festlichen Gelegenheiten
.durch ein Glas Wein zu erheitern, würde
sich bei der steifen Ceremonie wenig be
haglich fühlen. Aber, ländlich, sittlich
und Jeder nach seinem Geschmack. Die
Hofschreiber liefern eine genaue Beschrei
bung der eleganten Anzüge der Ladies
und wo sie in der Nähe des Präsidenten
postirt waren. Da wir uns aber auf
solche Sachen durchaus nicht verstehen, so
müssen wir unsere Leser damit verscho
nen.
Ein verkanntes Genie. Erst jetzc
erfahren wir aus der „Cincinnati Freien
Presse," daß unser gutes Columbus letz
ten Herbst in großer Gefahr stand, von
einer neuen deutichen republikanischen
Zeitung heimgesucht zu werden. Das
republikanische Staats- Central- Comite
empfing nemlich im September von einem
unternehmenden Landsmann den folgen
den interessanten Schreibebrief:
„Seit ca. 1 Jahre hier, verfolge ich den
Gang der politischen Parteien hier, und bin
zu dem iHesuUat gekommen, mich zur republi
kanischen Partei "tm »ollsten Umfange zu be
kennen. Sie wundern sich vielleicht über
diese meine aufrichtige Auslassung, aber ich
habe
Nicht
Der republikanische „Cleveland An
zeiget" spricht sich in Betreff des von
mancher Seite verlangten unbedingten
Widerrufs des Scottgesetzes in fol
gender Weise aus:
„Es wäre ja ungemein leicht und bequem, ge
gen das billige Demagogenthum dessen eigene
Waffen zu kehren und die gänzliche Aufhebung
der Speziallteuer als oberste Forderung des
Liberalismus an die demokratische Partei zu
bezeichnen. Nachher, weitn die demokratische
Partei diese „Forderung" nicht erfüllte, könnte
man sie als Lerrätherin und ihre Vertheidi
ger als Seelenverkäufer denunciren. Doch
solches Gebahren ist nicht Jedermanns Sache.
Das öffentliche Interesse, die politische Moral
und Gerechtigkeit erheischt vor der Hand, näm
lieh bis zur Annahme eines Licenz-Amende
ments, nicht mehr, als die Aushebung der Lo
cat -Option (McConnellsviller Ordinanz).
Wenn die „Demokratie" diese verfügt, hat sie
genug gethan. Vielleicht wird dann die Li
quor-League mit der Partei noch nicht zufrie
den sein. Das würde aber keinen großen Un
terschied machen."
Ein Zeitungs- Jubiläum. Die
„Nero Aolker otaatszeuung" feiert ihr
goldenes Jubiläum. In 1834 also
vor 50 Jahren, wurde das Blatt gegrün
det und wie sich New Jork im Laufe die
fer Zeit zu einer Weltstadt, so hat sich die
„Staatszeitung" zu dem verbreiteten
und reichsten deutsch-amerikanischen Blatte
der Ver. Staaten erhoben. In 1834 er
schien sie als Wochenblatt, vom Jahre
1843 an dreimal in der Woche und wur
de im Jahre 1845 ein tägliches Blatt.
Das erste tägliche deutsche Blatt in den
Ver. Staaten war mithin nicht die N. D.
Staatszeitung, sondern das „Cincinnati
Volksblatt," das der Schreiber dieser Zei
len im Jahre 1843, bis zur Gründung
des „Westbote" im Herbst desselben Ja
res redigirte. Es war freilich nur ein
kleines Blättchen, das auf einer Hand
presse gedruckt wurde, aber das Feld der
Neuigket^n war damals sehr dürr und
sehr beschrankt es gab weder Telegra
phen, noch, in unserem Westen, Eisen
bahnverbindungen. Die deutschen Blät
ter, die außerhalb Pennsylvaniens er
schienen, konnte man an den Fingern
zählen. Die dteittial wöchentlich erschei
nende N. Z). Staatszeitung war eines
der willkommensten Tauschblätter. Das
Blatt wurde damals von dem versterbe
nen Uhl herausgegeben und von Neu
mann redigirt, der eine recht gewandte
Feder führte. Die „Alte und Neue
Welt," die von Wesselhöft in Philadel
phia herausgegeben wurde, war älter als
die N. A. Staatszeitung, ist aber längst
den Weg alles Fleisches gewandert.
Die älteste deutsche Zeitung in denVer.
Staaten ist der „Readinger Avier," der
schon unter Jesfersons Regierung gegrün
det wurde. Wir wollen nicht versäumen,
unserer New porker Collegin zu ihrem
goldenen Jubiläum unsern herzlichen
Glückwunsch zuzurufen. Möge sie noch
lange „grünen und blühen" so lange
die deutsche Zunge auf dieser Seite des
großen Wassers klingt!
Akron Volksblatt ist der Titel
eines neuen deutschen Wochenblattes, des
sen erste Nummer in ganz neuer, geschmack
voller Ausstattung vor uns liegt. Herr
Louis Sey bold, der Eigenthümer
und Redakteur, der die „Aknn Germa
nia" seit sechs Jahren mit Talent, Takt
und großem Erfolg redigirte, verspricht
js^ f^V'VsgsKrsT -^r:^T:^--^:
gleich dem gewöhnlichen deutschen
Emigranten handeln können, da mir die demo
kratischen Ideen nicht conoeniren, und habe
daher dem ertrem eine republikanische Stellung
eingenommen. Meme erreorhenen Kenntnisse
(ich war Gernnin-C'ourte-Hoiise-Pennuin)
geben mir die Berechtigung, vom einfachen
workingman (ich arbeite in Peters Dash Co.)
baldigst abzustehen, sobald ich den nöthigen
Unterhalt für Frau und Kinder gesichert weiß,
und eine Wirksamkeit im Interesse der repub
likanischen Partei vorzunehmen, da meine
.Straft derart ist, daß ich selbst eine deutsche
Zeitung zu redigiren im Stande bin. Längs
würde ich die Herausgabe einer solchen bemerk
stelligt haben, wenn mir nicht das Capital da
zu fehlen würde. Vielleicht kann ich in ande
rer Weise nützlich sein, etwa zu öffentlichen
Reden, wozu ich binnen Kurzem fähig fein
würde Englische Reden nützen für Teutsche
wenig und gute Deutsche packen. Die repub
likanische Partei gewinnt durch mich mehr, als
durch solche Personen, die bekanntlich den
Mantel aus beiden Schultern tragen. Sollte
nun ein verchrliches Comite irgendwie für
mich Beschäftigung haben, so bitte ich. mir
Ordres zukommen lassen zu wollen. Anbei
meine Originale zur Anficht."
Die Originale, die dem Briefe beige
legt waren, sind wundervoll. Wie der
Leser sieht, war der unternehmende Lands
mann erst ein Jahr im Lande, hatte
aber in der kurzen Zeit schon ausgeklü
gelt, daß die republikanische Partei der
„wahre Jacob" sei, und daß nur auf
jener Seite fein Weizen blühen könnte.
Entweder aber hatte das republikanische
Central-Comite nicht das nöthige Cash,
um dem biederen Landsmann zu einer
Zeitung zu verhelfen, oder es glaubte,
daß „das tiefgefühlte Bedürfniß" schon
anderweitig genugsam versorgt sei. Kurz,
es wurde nichts aus dem Unternehmen
und der „German-Courthouse-Pemnan,"
was wahrscheinlich die Übersetzung von
„deutscher Gerichtsschreiber" sein soll,
wurde nicht einmal als Stumpredner be
schäftigt. So wird das Talent verkannt
und muß, wie so manches buchen, im
Verborgenen verblühen.
sein Blatt in demselben Geiste zu führen
und da er das Terrain kennt, so kann
ihm das Gelingen seines Unternehmens
wohl nicht ausbleiben. Wir wünschen
ihm das beste Glück. „Die Akron
Germania," die unter den Herausge
bern Beck und Billows fortbestehen
wird, hat ebenfalls ein ganz neues Kleid
angezogen. Die Tendenz soll „streng un
abhängig und unparteiisch" sein, aber
Temperenzlern einen energischen Wider
stand entgegensetzen. Da wir die Herren
nicht kennen, so muß abgewartet werden,
wie sie das Kunststück der „strengen Un
abhängigkeit und Unparteilichkeit" in dem
bevorstehenden PrästdenLemvahlkampse
fertig bringen werden.
Villard bankerott.—Es ist sehr Vie
les nicht Gold, was in der Welt glänzt.
Vor vier Monaten noch wurde in den
Blättern des Landes fein Name häufiger
genannt, als der des Eisenbahnkönigs
Villard (sein deutscher Name istHilgard).
Zur Feier der Vollendung der Nord-Pa
cific Riefenbahn hatte er die bevorzugten
Herrschaften und Berühmtheiten Deutsch
lands und Englands eingeladen, die
Leute kamen aus der langen Fahrt aus
den Festschmausereien gar nicht heraus
der Champagner floß in Strömen und
die Geschichte mag der Bahn recht gut
eine halbe Million Dollars gekostet ha
ben und vielleicht noch mehr, denn die
Gäste von Europa hatten sogar freie
Fahrt über den Ocean, hin und zurück.
Das war der Glanzpunkt des Eisenbahn
königs Villard. Heute ist er ein doppelt
gefallener Stern. Er hat nicht blos sein
Amt als Präsident der Bahn niederlegen,
sondern er hat sich auch für bankerott er
klären müssen und sein Eigenthum zum
Besten seiner Gläubiger an zwei Ver
walter übertragen. Den Palast in New
Aork, dessen Bau er begann, und der
eine halbe Million kosten sollte, wird
wohl ein Anderer bewohnen. Das
Grundstück, auf dem dasselbe steht, soll
10 Millionen Dollars werth sein, Vil
lard's Villa am Hudson $250,000. Die
Größe der Schuloenmasse ist nicht be
kannt. Wir gehören nicht zu Denen, die
einem Mann, der am Boden liegt, noch
einen Fußtritt versetzen, oder schavenfroh
über seinen Fall jubeln, Villard hat
ohne Zweifel Fehler begangen, aber die
Buße der plötzliche Sturz aus schrotn
delndcr Höhe—ist hart genug.
—In Charleston, Süd Carolina, zeigte
der Thermometer am Sonntag dreizehn
Grad eine solche Kälte ist in jenem
Südstaate seit 135 Jahren nicht dageroe
sen. Manche Gegenden des Staates Ver
mont wiesen 36 Grad aus.
„Dr." Mary Walker, die halb
übergeschnappte Weiberrechtlerin in Wash
ington, macht wieder von sich reden. Bei
dem Neujahrsempfang des Präsidenten
erschien sie ganz in Männertracht geklei
det, einen Cylinder auf dem Kopf und
ein Stöckchen in der Hand. Sie machte
sich an den chinesischen Gesandten, der in
voller Mandarmentracht mit zwei Schwer
tern in goldenen Scheiden an der Seite
und mit Pfaufedern auf dem Kopf er
schienen war. Der Chinese wußte offen
bar nicht, was er mit dem komischen Kerl
chen machen sollte, und „Dr." Walker
erklärte nachher, er fei ein sehr liebens
würdiger Mann.
Angesichts der neulichenEnt
hüllungen durch den Huntington
Colton'schen Briefwechsel über das Trei
ben dir Lobby in Washington, wird eine
Mittheilung über die Art und Weise, wie
Sen. Thurman die nach ihm genannte
Bill, welche die Pacific-Bahnen zur Ab
tragung ihrer Schuld an die Ver. Staa
ten zwingen sollte, trotz Gould und Hun
tington durchzusetzen wußte, von großem
Interesse.
Gould und Huntington hatten selber
im Saale des Senates, wo sie durch be
freundete Senatoren eingeführt worden
waren, Pofto gefaßt. Sen. Matthews
auf republikanischer Seite und Voorhees
auf demokratischer wahrten ihre Interes
sen. Sie zählten mit Sicherheit aus 40
Stimmen, mehr als genug, um zu ge
roinnen.
Da erhob sich Senator Thurman. Er
hatte eine Namenliste der Senatoren in
der Hand. Er wisse wohl, sagte er, daß
seine Gegner siegesgewiß seien, und auch
warum dies so sei. Er habe eine Liste
der Senatoren vor sich, woraus die Namen
derjenigen, auf welche Goulo und Hun
tington zählten, angestrichen feien. Er
werde mit großem Interesse bei den Ab
stimmungen beobachten, wie dieselben mit
seiner Liste stimmten.
Tiefes Schweigen und offenbare Be
stürzung. Als das Stimmen begann,
waren die 40 Stimmen zu 18 zusammen
geschmolzen und die Thurman-Bill ging
durch. Thür nan schob seine Liste in die
Tasche und Gould nahm den nächsten
Zug nach Nero Aork. Er soll seitdem
nie wieder in Washington gewesen sein.
(Anz. d. Westens.)
So sin fei Die „Newark (Ohio)
Expreß" schreibt: „Die „Era," das hie
sige Temperenzblättchen, ist todt. Es
war für den Herausgeber eine zu schwie
rige, mühevolle Aufgabe, ein Temperenz
blatt zu redigiren und dabei beständig
best ffen zu fein. Es ginge wohl, aber in
diesem Falle ging es doch nicht.
Das „Pittsburger Volksblatt" ist
mit den Beschlüssen der treulichen Con
vention der Liquor Händler nicht ganz ein
verstanden. ES sagt: „Man muß nicht
vergessen, daß das (ScottGesetz als Steu
ergesetz den Bürgern un Allgemeinen doch
sehr eingeleuchtet Hat, indem es ein Ein
kommen von nahezu zwei Millionen Dol
lars ergab und die Last der übrigen Steu
erzahler um so viel erleichterte. In Geld
sachen hört nicht nur die Gemüthlichkeit,
sondern noch manches Andere auf. Wer
den Bauern eine Steuerlast abnimmt,
der hat bei ihnen einen Stein im Brett.
Die Convention der Liquorhändler würde
unseres Erachtens klüger gehandelt haben,
wenn sie nur die Ausmerzung der an
stößigsten Bestimmungen des Scott-Ge
setzt'S namentlich des Paragraph neun,
welcher den Gemeindebehörden das Recht
gibt, alle Wirthschaften zu schließen,
verlangt und ihrem Manifest die aus
drückliche Erklärung beigefügt hätte, daß
die Liquorhändler und Wirthe bereit fei
en, gleich anderen Gewerbtreibenden als
Entgelt für entsprechenden Schutz eine
angemessene Geschäftssteuer zu bezahlen."
AusDacota. Der folgende Brief
eines Mannes, der sich nach Jamestown.
Nord Dacota, verlocken ließ, wird das
Auswanderungsfieber nach jenem Gebiet
schwerlich befördern:
„Was Dacota anbetrifft, so sind wir
in jeder Hinsicht bitter enttäuscht. Für
Leute, deren Streben dahin geht, gute
Heimstätten zu gründen, ist Dacota ein
elendes Land. Ich glaube nicht, daß das
heurige Durchschnittsergebniß des Wei
zens 10 Busheis pro Acker übersteigt.
Weizen, Hafer und Kartoffeln sind fast
die einzigen Produkte die man in diesem
Theil (Nord Dacota ziehen kann. Es
giebt hier feine Schweine, keine Schafe
und nur sehr wenig Rindvieh in Stuts
man, Barnes, Lamour oder irgend einem
andern County von Nord Dacota. Was
die Bewaldung anbetrifft, so giebt es kein
Bauholz, das nur der Rede werth wäre,
und auch keine Kohle, mit Ausnahme ei
ner schlechten bituminösen Sorte, die sich
bei Bismarck findet und hier für $5 per
Tonne auf den Markt kommt. Die
Steinkohlen vom Osten werden für $11
bis $14 pro Tonne verkauft. Wollt Ihr
hier in Jamestown Brennholz kaufen, so
zahlt Ihr für ein Cord schlechter Qualität
von 85 bis 68, während wir Farmer für
unfern Weizen erster Klasse, das einzige,
was wir zu verkaufen haben, 75 Cts. pro
Bushel bekommen. Während ich dies
zu Papier bringe, ist es ein Bischen kalt,
so etwa 32 Grad unter Null. Es ist eine
nicht abzuleugnende Thatsache, daß hier­
zulande Geld gemacht wurde, aber wer
machte es? Die Farmer bei Leibe nicht!
Die LeUle, die dos Geld machten, waren
die Eifenbahnbauer und solche, die neue
Städte gründeten. Ich möchte um jeden
Preis aus diesem roitbel M^uMrchfeaM
Lande heraus."
Me Mrijull Isüiini'iiiciiR.
Gouverneur Foster hat am Montag
feine letzte Jahresbotschaft an die Gesetz
gebung geschickt. Wir lassen den wesent
lichen Inhalt in der Kürze hier folgen:
Herr Foster beginnt mit einer Lobrede
auf die „weife und sparsame Verwaltung"
unter seiner Herrschaft. Ungefähr zwei
Millionen der öffentlichen Schuld seien
während der letzten vier Jahre abbezahlt
und die jährlichen Zinsen um $150,000
reduzirt worden. Die Deficits belaufen
sich blos auf $12,000 und die Gesetzge
bung könne die Staats-Steuern um zwei
Zehntel eines Mill reduziren, wenn keine
besonderen Ausgaben für einen Wechsel
des Penitentiary-Systems oder derglei
chen nöthig werden. Die funbitte Staats
schuld, die am 15. November 1883 $4,
522,515 betrug, ist auf $2,014,050 ver
mindert worden und kann unter einer
weifen Finanzverwaltung bis 1891 gänz
lich abbezahlt werden.
Die Schulden der Städte haben sich
in 1883 um $3,618,290.55 vermindert,
die Schulden der Counties,
Dörfer, Town­
ships und Schuldistrikte aber um $1,
240,034 83 vermehrt. Der Gouverneur
warnt vor der beunruhigenden Tendenz
der Vermehrung der Local-Verschuldung.
Die Verantwortlichkeit laste zum großen
Theil auf der Gesetzgebung.
Die Penitentiary hat in 1883 ei
nen reinen Geldliberschuß von fast $53,
000 abgeworfen und könne im laufenden
Jahre unter der gegenwärtigen ausge
zeichneten Verwaltung $80,000 bis $90,
000 abwerfen. Die Nationalgarde be
steht aus 82 Compagnien Infanterie und
7 Batterien leichter Kavallerie, mit 5457
Mannschaft und Offizieren. $70,143.90
sind in 1883 in Ansprüchen gegen die
Bundesregierung coöektiri worden, dies
macht mit früheren Collektionen $138,
617.96. Noch weitere $95,000 sind ge
sichert.
Die öffentlichen Anstalten
sind in ausgezeichnetem Zustande und
ihre Verwaltung ist, der Hauptsache nach,
frei von Partei Einfluß. Dies schreibt
Hr. Foster der Thatsache zu, daß, mit zwei
Ausnahmen, alle Trustee-Behörden aus
zwei Demokraten und drei Republikanern
bestehen, alle Gentlemen von hohem,
pflichttreuem Charakter. In den Irren
anstalten des Staates werden jetzt un
gefähr 3800 Patienten verpflegt, in den
County Armenhäusern 1000 und in Pri
vat-Anstalten vielleicht 500 bis 1000.
Tie neue Irrenanstalt, die in Toledo er
richtet werden soll, wird eintausend Pa
tienten fassen. Die Taubstummenanstalt
bedarf mehr Raum, für die Blindenan
stalt sollte das angrenzende Grundstück
gekauft werden. Den Reform-Anftalten
sollte mehr Aufmerksamkeit geschenkt und
ein Agent zu diesem Zwecke angestellt
werden. Die Besserungs- Anstalt für
Mädchen wird mit außerordentlichem Er
folg geleitet, viele dieser Mädchen fan
den Heimaten in Familien und Dreivier
tel führen nun einen ehrbaren Lebens
wandel.
Die Gründung der K i n e e
i a
ten werden die Verbrechen vermindern,
indem diese Anstalten ihre Pfleglinge zu
nützlichen Menschen heranziehen, die ohne
solche Pflege Vagabunden und Verbre
cher werden würden. Es sollte die Aus
gäbe dieser Anstalten sein, kinderlose
Heimaten für die heimatslosen Kinder
zu finden. Der Aufmerksamkeit der Ge
setzgebung werden die Kinderheimaten in
jedem County des Staates ernstlich em
pfohlen. Eine Reform des Gesang-
nißwesens wird besprochen. Der
Gouverneur glaubt, daß nicht die Hälfte
der Sträflinge in das Zuchthaus gehö
ren, weil sie nur durch umgebende Um
stände im Rausche zu
Missethaten verleitet
wurden zwischen ihnen und wirklichen
böswilligen Verbrechern wird kein Unter
schied gemacht und überhaupt auf die
Besserung des Sträflings wenig geachtet.
Er dient seine Zeit aus, wird dann als
ein Entehrter entlassen, findet es schwer,
Arbeit zu bekommen und wird folgerich
tig zu einem Mitgliede der Verbrecher
klaffe. Unter der jetzigen Behandlung
in der Ohio Penitentiary werden jährlich
mehr als hundert zu einem verbrecheri
schen Leben verleitet, die unter einem
weisen Gesängnißresorrn-Systent gerettet
und zu ehrbaren und nützlichen Menschen
gemacht werden könnten. Die Zeit zur
Durchführung einer solchen Reform sei
gekommen.
Das Zuchthaus Contrakt
S y st e wird vom Gouverneur bespro
chen. Die bloße Abschaffung und die
Beschäftigung der Sträflinge durch den
Staat selbst würde, so meint er, auf ei
nen bösen Fehlschlag hinauslaufen. Er
schlägt vor, daß die Strafzeit, mit Ausnah
me der auf Lebenszeit Verurtheilten, durch
den Gefängnißverwalter geregelt werden
und dem Sträfling Gelegenheit gegeben
werden sollte, sich seine Freiheit durch gu
tes Betragen zu verdienen» Acht Stun
den sollten eine Tagesarbeit biben und
zwei Stunden täglich der Erziehung des
Sträflings gewidmet werden. Durch gu
tes Betragen sollte der Sträfling berech
tigt werden, bürgerliche Kleidung zu tra
gen und schließlich seine Entlassung mit
einem Certified des Verwalters zu ver
dienen. Alle Friedens- Beamten des
Staates sollten angehalten sein, ihm zu
seinem Fortkommen zu verhelfen. Die
Gesängnlßarbeit ist der ehrlichen Arbeit
schädlich, weil sie den Preis der ehrli
chen Arbeit bestimmt. Ließe der Staat
die Sträflinge aus eigene Rechnung ar
beiten, so würde nichts dadurch gebessert,
denn auch der Staat werde die Produkte
dieser Arbeit verkaufen müssen und zwar,
was man auch immer thun möge, zu bil
ligeren Preisen als die Produkte ehrlicher
Arbeit. Mit der Commission, welche die
Sache untersucht hat, ist der Gouverneur
der Anficht, daß fast die ganze Sträf
lingsarbeit für die Countyanstalten ver
wandt werden kann, sicherlich, wenn die
Counties angehalten werben, die Pro
dukte der Gefangenen an Zahlungsstatt
für Gerichtshöfen gegen den Staat an
zunehmen und dieselben in ihren Jails,
Kinderheimaten, Arbeits- und Armen
häusern tu verwenden. Der große Vor
theil liegt darin, daß dann kein Preis für
die Arbeit angesetzt und so die ehrliche
Arbeit nicht geschädigt wird. Bei irgend
einem Systemwechsel sollte darauf gese
hen werden, daß gegen die Contraktoren
keine Ungerechtigkeit ausgeübt wird.
Nicht der Contrakwr, sondern der Staat
ist für das gegenwärtige System verant
wörtlich. Der Staat müßte, wenn er
aus eigene Rechnung arbeiten ließe, große
Summen für Maschinerien verausgaben
und die Leitung der verschiedenen Zweige
der Arbeiten würde große Schwierigkeit
ten und Jahre lange geduldige Aufmerk
samkeit erfordern. Das Wichtigste sei,
daß die Leitung vom politischen Einflüsse
frei fei. Die Leiter und Beamten soll
ten auf feste Dauer angestellt und die
Besoldung liberal genug fein, um die
besten und tüchtigsten Talente zu sichern.
Wenn dies nicht geschähe, bann sollte die
Reform bes Gesängnißwesens und die
Abschaffung des Contrakt-Systems lieber
gar nicht unternommen werden.
Die Anstalt für Blödfinnige.
Der Bericht de? Veaniten dieser Anstalt
ist besonders interessant. Es wurde viel
fach bezweifelt, ob die Erziehung der
Schwachsinnigen wichtig genug sei, um
die großen Kosten, die dem Staat daraus
erwachsen, zu rechtfertigen. Die Erfah
rung hat indessen ihren Werth und ihre
Nützlichkeit zur Genüge dargethan, und
daß unsere Anstalt ein Muster ihrer Art
ist, wird allgemein zugegeben. Ich lenke
Ihre Aufmerksamkeit auf denjenigen Theil
des Berichts, in welchem die staatliche
Beaufsichtigung der gestimmten idiotischen
Bevölkerung erörtert wird. Wenn die
Behauptung des Superintendenten, mit
der ich übereinstimme, daß diese Bevöl
kerung selbsterhaltend gemacht werden
kann, richtig ist, so sollten seine Vorschläge
sofort zur Ausführung gebracht werden.
Die Staats-Wohlthätigkeits
^Behörde leistet dem Staate äußerst
werthvolle Dienste und sollte freigebiger
unterstützt werden als bisher.
Der Zustand unserer County-Jails
ist indessen nicht zu loben. Die Erfah
rung hat gelehrt, daß Untersuchungs-Ge
fangene in getrennten Zellen oder Räum
lichkeiten untergebracht und nicht in Sä
len oder Corridoren beisammen gehalten
werden sollten. Gewohnheitsmäßige Ver
brecher sollten unter allen Umständen ge
trennt untergebracht werden ihrer siche
ren Verwahrung wegen sowohl a's weil
Anfänger im Verbrechen oder gänzlich
Unschuldige den Gefahren der schlimmst
möglichen Ansteckung durch verhärtete Ge
nossen nicht ausgesetzt fein sollten. Die
einzige Hoffnung, neue Anfänger vor dem
gänzlichen Ruin zu schützen, besteht darin,
daß .sie von schlechten Genossen fern gehal
tenund ihnen Gelegenheit gegeben wird,
über ihre Sage nachzudenken und znr
Einsicht zu kommen. Der fast allgemeine
Gebrauch, solche Gefangene und'manch
mal auch unschuldige Männer und Kna
ben dem Einfluß der schlechtesten Gesell
schaft auszusetzen, ist eine Schande für
unsere Civilisation. Dieser Gebrauch ist
unmenschlich, nicht aber die Einzelhaft.
Es wird deßhalb empfohlen
1. Daß beim Bau neuer Gefängnisse
für die getrennte Haft der Untersuchungs
Gefangenen gesorgt wird.
2. Daß aller Verkehr solcher Gefange
nen, besonders verhärteter Verbrecher mit
Neulingen, absolut verboten wird.
3. Daß zur Durchführung dieser Vor
fchrift die Pläne für neue Jailbauten dem
Gouverneur vorgelegt und von ihm ge
nehmigt werden müssen.
Neben den Jails, ist die Verwaltung
der County-Ar men Häuser von allen
öffentlichen Anstalten ant kostspieligsten
und tadelnswerthesten. Bei der Sorge
für die Bedürftigen sollte besonders dar
auf gesehen werden, daß durch die Hülfe
leistung die Armuth eher verhütet als be
fördert wi"o. Wenn man bedenkt, daß
die jährlichen Kosten dieser Anstalten sich
auf fast drei Viertel Millionen Dollars
belaufen, neben einer weiteren Viertel
Million für die Unterstützung der Haus
arnten, so scheint die getheilte Verantwort
lichkeit in der Verwaltung des Armenwe
sens den Interessen der Menschenliebe so
wohl als der Sparsamkeit im Wege zu
stehen. Das Amt der Armenhaus-Direk
tore» ist schlimmer als nutzlos und sollte
abgeschafft und die ganze Verwaltung den
County Comniissären übertragen werden.
Vierjährige Erfahrung in der Erthei
lung von Begnadigungen hat mich in mei
ner Ansicht bestärkt, daß die Einsetzung
eines Begnadigungs-R^thes ein
weiser und passender Schritt sein würde.
Die Versicherungs-Gesetze sind
unzulänglich und sollten revibirt werden.
Wahrscheinlich könnte eine Commission
von Sachverständigen in den verschiede
nen Versicherungszweigen der Gesetzge
bung geeignete Rathschläge geben. Das
Amt des Versicherungs-Commisiärs ist
mit Pflichttreue verwaltet worden und
hat im vergangenen Jahre dem Staat
einen Ueberschuß der Einnahmen über die
Ausgaben von $12,757.38 eingetragen.
Der Gesammtüberschuß seit der Organi
sation des Departements beziffert sich auf
$142,080X0.
Von den öffentlichen Staatsanstalten
ist keine von größerer Wichtigkeit als die
Ohio Staats-Universität. Ge
gründet durch die Liberalität der Ratio
nalregierung zur Förderung der libera
len und praktischen Erziehung der indu
striellen Klnssen in den verschiedenen Le
bensberufen, erhebt sich die Universität
rasch auf gleiche Stufe mit den Haupt
Lehranstalten des Landes und gewinnt
vermöge ihrer vorsichtigen und liberalen
Verwaltung und der Gelegenheit die sie
bietet zur Erlangung gründlicher und
praktischer Kenntnisse in Landwirthschaft,
Kunst und Wissenschaft, jährlich an Po
pularität. Die Zunahme an Studen
ten und an Erfordernissen für dieselben
dürfte in nicht ferner Zeit eine dem Zweck
entsprechende liberale Jahresverwilligung
erheischen. Auch die Stellung der Athens
und Miami Universität unter dieselbe
Verwaltung mit der Staats-Universität
sollte in Erwägung gezogen werden. Zur
Förderung der Erziehung im Staate hält
der Gouverneur die Einrichtung von Leh
reracademien zur Ausbildung von Lehr
kräften, in Verbindung mit den bereits
bestehenden Colleges, für den zweckmäßig
sten Plan.
Der Staats-Minen-Jnfpek
o schätzt, daß im vergangenen Jahre
Ii Mißtönen Tonnen weniger Kohlen
gegraben worden sind als im Jahre zu
vor. Dies ist dem ausser Eisenindustrie
lastenden Drucke zuzuschreiben. 26 todt
liche Unfälle kamen vor und da 8,225,
000 Tonnen Kohlen zu Tag befördert
wurden, so kommt ein Todesfall auf 316,
346 Tonnen, ein gegen andere Staaten
äußerst günstiges Verhältniß. Bergleute
und Grubenbesitzer werben immer mehr
geneigt, Meinungsverschiedenheiten be
züglich der Löhne u. f. w., Schiedsgerich
ten zur Entscheidung zu unterbreiten.
Das Gesetz bezüglich der Fabrikation
und des Verkaufs von Leuchtölen wird
streng gehandhabt und giebt gute Befrie
digung. Abgesehen von wenigen kleinen
auf Nachlässigkeit beruhenden Unfällen,
weiß der O e l-
I
n e k o von keinem
Verlust an Leben oder Eigenthum durch
den Gebrauch gesetzlich inspizirter Leucht
öle im Staat. 286,911 Faß Del sind in
1883 im Staat inspizirt und gebraucht
worden.
Die Staats-Drucksachen ha
ben im vergangenen Jahre, obwohl sie
um 9 Prozent im Umfange zugenommen,
doch blos etwas über 1 Prozent mehr ge
kostet als im vorigen Jahre. In Ueber
einstimmung mit dem Vorsteher der Druck
arbeiten macht der Gouverneur verschie
dene praktische Vorschläge, die indessen
nicht von allgemeiner Wichtigkeit sind.
Das Versassungs-Amende
ment bezüglich des Gerichtswe
sens ist bei der Octoberwahl vom Volke
ratisizirt worden. Die Hauptänderung
besteht in der Ersetzung der bisherigen
Bezirks-Gerichte durch Kreisgerichte. Der
vernehmlichste Zweck ist die raschere Er
ledigung der vorliegenden Fälle, und die
Gesetzgebung wird nun die nöthigen Vor
kehrungen zur praktischen Einführung der
neuen Gerichtsordnung zu treffen haben,
was, wie man glaubt, geschehen kann,
ohne wesentliche Erhöhung der Kosten,
welche die Ausübung der Justiz dem
Staate verursacht.
Das Meteorologische Bureau
von Ohio, das von der letzten Gesetz
gebung gegründet wurde, hat in dieser
Zeit schon 30 Beobachtungsstationen ein
gerichtet, die ihm regelmäßige Berichte
liefern. Außer diesen Berichten, welche
monatlich veröffentlicht werden, hat das
Bureau auch ein System von Eisenbahn
Witterungssignalen entworfen, welche seit
einem Jahr versuchsweise auf der Cleve
land, Mt. Vernon und Delaware Eisen
bahn im Gebrauch und für die Anwoh
nenden von großem Werth sind. Die
Direktoren wünschen nun, dieses Snstem
auszudehnen und ihren Witterungs-Vor
aussagungen, für welche bedeutende Nach
frage ist, größere Verbreitung zu geben
und ersuchen die Gesetzgebung um die da
zu nöthige VerroiUigung.
Der Bericht des Eisenbahn
Comntissärs weist eine anhaltende
Zunahme der Eisenbahnen aus. Es wa
ren am 30. Juni 1883 etwa 6900 Mei
len Eisenbahnen im Staate, mit einem
Kapital von $250,743,367 und einer Ge
sammtverbindlichkeit (einschließlich des
Aktienkapitals) von $478,069,435. Der
Gesammtertrag des Eisenbahnverkehrs be
zifferte sich auf $49,900,500 die Be
triebskosten auf $33,574,292, und der
Reinverdienst auf $ 16,326,213. Es sind
38,723 Leute an diesen Eisenbahnen be
schäftigt. Seit 1869 hat die Ausdehnung
der Eisenbahnen um 107 Prozent mitge
nommen im letzten Jahr um 13.06
Prozent. In Folge der fortwährend ge
machten Verbesserungen haben die Fracht
raten stetig abgenommen. Berechnet man
diese Abnahme seit 1869, so findet man,
daß die dadurch erzielte Erfpamiß für
die Bewohner des Staates sich auf die
enorme Summe von über 458 Millionen
Dollars beläuft, ober über 80 Millionen
mehr^ als alle in dieser Zeit vom Volke
des Staates bezahlten Steuern. Im letz
ten Jahre sind durch die Eisenbahnen 372
Personen getödtet und 954 verletzt wor
den. Von den Getödteten waren 154,
oder 41 Prozent, von den Verletzten 656
Eisenbahnangestellte. Von den Todes
fällen kamen 17, von den Verletzungen
346 beim Zusammenkoppeln der Cars
vor. Die Eisenbahngesellschaften sollten
sich bemühen, alle Mittel zur Vermeidung
solcher Unfälle in's Spiel zu bringen.
Auch gegen die so häufig vorkommenden
Unfälle durch verstellte Weichen sollten
entsprechende Vorbeugungsmittel ange
wandt werden. Die Eisenbahnen sind
sorgfältig inspizirt und in besserem Zu
stand gefunden worden als je. Eine
Inspektion der Schiefebenebahnen bei.
Cincinnati hat gezeigt, daß die Vorkeh
rungen geßen Unfälle so vorzüglich sind,
daß Passagiere auf denselben weniger Ge
fahr ausgesetzt sind, als auf den gewöhn
lichen Bahnen.
Ueber die Temperenzfrage
läßt sich der Gouverneur aus wie folgt:
Die Einnahmen aus betn Kleinverkauf
von Wein, Bier unb Spirituosen belau
fen sich vielleicht auf 70 Millionen Dol
lars. Daß dieser Handel dem Publikum
eine enorme Geldauslage verursacht, wel
che auf dem Wege der Besteuerung erho
ben wird, wirb Niemand leugnen, und
während der Jahresprosit der an diesem
Handel Betheilirten sich auf über 40Mil
lionen Dollars beläuft, so hat doch dieser
Handel bis vor Kurzem nichts zu den La
sten beigetragen, die derselbe den Steuer
zahlern im Staat verursacht.
Und weil nun die Gesetzgebung, dem
allgemeinen Verlangen nachgebend, es
unternommen hat, in conservativer Weife
den Handel zu teguliren und zu theilwei
sem Tragen der Lasten, die er dem Volke
auferlegt, in Contribution zu setzen, hat
dieses Interesse, durch seine versammelten
Delegaten, formell den Widerruf des Ge
setzes verlangt. Das erwähnte von der
letzten Gesetzgebung erlassene Gefetz ist
das erste je im Staat passirte Gesetz zur
Beschränkung des Getränkehandels, das
erfolgreich durchgeführt wurde. Zufolge
seiner Bestimmungen sind mehr als 4500
Wirthschaften eingegangen und wenn das
Gesetz bestehen bleibt, so wird sich die
Zahl derjenigen, die sich Tms dem Ge
schäft zurückziehen, noch wesentlich ver
mehren.
Ein Einkommen von fast einer Million
und neunmal hundert tausend Dollars
hat dieses Gesetz den verschiedenen Coun
ty-, Stadt- und Dorfkassen eingebracht.
Unter der „Local Option" Bestimmung
des Gesetzes haben eine Anzahl Ortschaf
ten den Getränkehandel in ihrem Gebiet
ganz verboten, aber weil sich das Gesetz
ausdrücklich blos auf Schenken bezieht, so
kann der Verkauf von Spirituosen blos
in diesen verhindert werden. Das Gesetz
sollte Spirituosen einschließen und das
Local-Option Recht aus Townships aus
gedehnt werden, damit der Handel,
wenn er in den Ortschaften verboten ist,
nicht an den Grenzen derselben fortbetrie
ben werden kann.
Die Gesetzgebung darf versichert fein,
daß die öffentliche Meinung dem Ver
langen der Getränkehändler entschieden
entgegen, und im Gegentheil dafür ist,
daß das Scott-Gesetz, ohne Veränderung
seiner Bestimmungen, ehrlich erprobt
werde. Die Thatsache, daß 323,000
Stimmen zu Gunsten des Getränkever
bots abgegeben wurden, ist ein Zeichen
von der Gesinnung des Volkes bezüglich
dieses Gegenstandes»
Wenn es unangetastet bleibt, wird sich
das Scottgesetz, bas ohne Kosten, ohne
Reibung, ohne Prozesse rasch mehr als
4500 Wirthschaftsschilder entfernt und
ein Einkommen von fast zwei Millionen
Dollars erzielt hat, als das beste erwei
sen, das je in diesem Lande über diesen
Gegenstand passirt wurde.
Der Gouverneur ermähnt das erfolg
reiche Wirken der Staats-Ackervau
behörde und erwähnt den Ankauf des
Landes für einen Staatsfairplatz „in Fol
ge eines Zerwürfnisses mit der Ackerbau
behörde von Franklin County." Die Be
Hörde wird die Gesetzgebung um Ratisi
zirung ihres Schrittes unb um die Er
mächtigung zur Verbesserung des Platzes
durch unmittelbare Hülfe vom Staat oder
durch Autorisirung einer Anleihe ersuchen.
Der Gouverneur empfiehlt abermals
den Bau einer Gouverneurs Woh
nung.
Der Gouverneur ermahnt die Gefetz
gebung in Hinsicht auf bie Neigung bes
Congresses zu weiteren Zollherabsetz
ungen, gegen die weitere Herabsetzung des
Zolles auf Wolle Protest einzu
legen.
In Anbetracht,
daß das
sogenannte
Civilrechts Gesetz von der Ver. Staaten
Supreme Court für verfassungswidrig er
klärt worden ist und demgemäß dieStaa
ten allein das Recht haben, Gesetze zum
Schutze der Civilrechte ihrer Bürger zu
erlassen, und da es eine bedauerliche
Thatsache sei, daß die Bürgerrechte den
Farbigen in mehreren Staaten in gemei
ner und schmachvoller Weise vorenthalten
werden, will der Gouverneur, daß die
Gesetzgebung die Vertreter des Staates
im Congreß instruire, alle Mittel auf
zuwenden, um die Ver. Staaten Consti
tutton im Sinne des Civilrechts-Gefetzes
verändern zu lassen, inzwischen aber für
unsern Staat Gesetze zu erlassen, die al
len Bürgern des Staates vollkommenen
und gleichmäßigen Schutz im Genuß der
Bürgerrechte zu sichern geeignet sind.
Dr. Sage's Catarrh Remedy (Ka
tarrh-Heilmittel) ein vollkommens Ei
genmittel gegen „Erkaltung im Kopfe"
und gegen Katarrh.
Hhio Heschgeönng.
Beide Häuser unserer Gesetzgebung
versammelten sich am Montag Vormittag
und organisirten sich durch die Erwählung
der folgenben Beamten, bie am Samstag
Abend von betn demokratische» ëäucuâ
ernannt roorben waren:
enatsbeamte:
Zweiter Assistent—A. E. Hough von Ful
ton.
Beamte des Hauses:
Zweiter Assistent—August Stechschulte von
Putnam.
Dritter Assistent—Fred Blenkner von Frank
lin.
In beiden ^Häusern stimmten die Re
publikaner, mit wenigen Ausnahmen,
für die letztjährigen Beamten. Bei der
wmm
Uebernahme seines Bitzes hielt der Spre
cher Marsh eine kurze Ansprache, in wel
cher er für die Ehre fernen Dank aus
sprach trb die Mitglieder ersuchte, ihn in
seiner Aufgabe zu unterstützen. Ihm
folgte Hr. Brunner, der stellvertretende
Sprecher, mit einer ähnlichen Rede. Die
Herren Löwenstein, Bohl, Bargar und
•Sharp würben als Comite seitens des
Hauses ernannt, um die Vorbereitungen
für die Inauguration des Gouverneurs
Hoadly treffen. Ein Antrag des Hrn.
Bohl, bie Vertreter Ohio's im Congreß
aufzuforbern, für die Wiederherstellung
bes alten Zolles auf Wolle zu wirken,
würbe nach längerer Debatte an ein Spe
zial-Comite verwiesen. Im Senat
stellte Hr. Levering einen ähnlichen An
trag, ber auf ben Tisch gelegt unb zum
Druck beordert wurde. Senator Ely
reichte die erste Bill ein, welche den Zweck
hat, „allen Bürgern des Staates gleiche
Rechte zu sichern." Abends um 5 Uhr
wurde in beiden Häusern die Botschaft
des Gouverneurs verlesen, worauf die
Vertagung stattfand.
Peruna turnte Schmerz in der
Brust, Herzklopfen, bei großem Anschwel
len des Magens. I. o n o u e.
K o n e
Der Congreß hat sich am Montag wie
der versammelt und kann nun ernstlich
an seine Geschäfte gehen. Die Comites
sind mit der Berathung der ihnen über
tragenen Bills thätig, wozu in erster
Reihe die Vorschläge für ein Bankerott
Gesetz und die Verwilligung der Land
Schenkungen an verschiedene Eisenbahnen
gehören, die den Bedingungen nicht nach
kamen. Von Ohio laufen viele Bitt
schriften für eine Verwilligung zur Be
zahlung der nachgelassenen Tabaksteuern
ein. Ein Beschluß passirte, der den Prä
sidenten um Auskunft in Betreff des Ver
bots der Einfuhr unseres Schweineslei
sches in Deutschland und Frankreich er
sucht. Das Einbringen neuer Bills will
noch immer kein Ende nehm«.
Viel Geld verloren.
Eine unserer Leserinnen ist mit krank
haftem Kopfweh behaftet. „Eine Masse
von Medikamenten habe ich ohne Erfolg
gebraucht," sagt die Frau „schließlich
Dt.jAug. König's HamburgerTrop
en. Diese verschaffen mit bei jedem
Anfall Abhülfe."
Interessante Mottze«.
Jetzt hat auch Forepaugh seinen
weißen Elephanten. Barnum sollte den
seinigen mit allen Regenbogenfarben tä
towiren lassen.
In New Aork feierten die dortigen
Schweizer am Sonntag den vierhundert
sten Geburtstag Zwingli's, des schweizeri
schen Reformators.
In Jerseyville, III., brannte am
letzten Samstag das Gerichtsgebäude mit
dem Gefängnisse nieder, wobei vier Ge
fangene im Rauch erstickten.
In Chicago wurden letztes Jahr 5,
664,000 Schweine, 1,880,000 Ochsen,
756,127 Schafe und 30,381 Kälber ge
schlachtet.
Feuer.—Wheeling, W. Va., 6. Jan.
Ein Feuer zerstörte heute MorAn das
von Dobbs & Risinger und Bodly Bros.,
benützte 4stöckige Fabrikgebäude. Scha
den $25,000.
In New Aork hat das unerklärte
Verschwinden des allbekannten Restaura«
teurs Delmonico Aussehen erregt.—Man
glaubt jedoch nicht, daß ihm ein Unglück
passirt ist.
Nachrichten aus Arizona zufolge
haben sich die letzten der feindlichen Apa
che-Jndianer dem General Crook ergeben
und haben infolge dessen die Geschäfte im
Territorium einen sehr erfreulichen Auf
schwung genommen.
Vier Kinder verbrannt. —Pitts
burg, Pa., 4. Jan. Um 12 Uhr heute
Mittag gerieth das Wohnhaus von I. W.
Garter in Duke Center in Brand, wäh
renddem Garoer und feine Frau für ei
nige Minuten abwesend war. Vier klei
ne Kinder, im Alter von 1 bis 6 Jahren,
verbrannten zu Tode.
Eilte höchst wichtige Erfin
dung wird aus Buffalo, N. D., gemel
bei. Capt. Dobbins hat ein Lebensret
tungS-Boot erfunden, welches weder um
schlagen noch sinken sann. Die in Buf
falo versammelten Capitäne verschiedener
Lebensrettungs-Stationen haben sich von
den genannten Eigenschaften des Dob
bins'schen Bootes überzeugt.
Einen entsetzlichen Tod fand ein
unbekannter Tramp in der Nähe von
Hamburg, Pa. Derselbe hatte sich bei
den Paron Walzwerken auf den noch nicht
ganz abgekühlten Abfällen der Heizung
ein Lager zurecht gemacht, als die Arbei
ter, die von seiner Anwesenheit nichts
wußten, über eine Tonne noch glühende
Masse über ihn ausschütteten. Erst durch
den Gestank des verbrannten Fleisches
wurde der Unfall entdeckt.
Ein 6-stöckiges Tenementhaus
verbrannt. Chicago, 5. Jan.
Das prächtige 6-stöckige Haus, bekannt
unter dem Namen Beaurivage an der
Seeseite, dessen sämmtliche Stockwerke
von ben besten Familien in ber Stadt be
wohnt waren, brannte heute früh um 4
Uhr nieder. 150 Bewohner entkamen in
ihren Nachtkleidern und retteten sonst
nichts. Der Gesammtverlust betragt über
$200,000. Das Thermometer zeigte 25
Grad unter Null. Das Leland House
wurde mit knapper Noth gerettet.
Raubmord. Rochester, N. $., 6.
Jan. Benson Hawkins, ein wohlha
bender Farmer, der allein in Sück Bristol
wohnte, wurde heute Morgen ermordet
in seinem Bette aufgefunden. Der Kops
und das Gesicht des Hawkins waren ent
setzlich zugerichtet und lassen die Wunden
daraus schließen, daß ber Unglückliche mit
einer Axt erschlagen worden ist. Das
Haus war ausgeraubt worden. Ein in
«er Nähe wohnender Mann Namens
Francis ist, als der That verdächtig, ver
haftet worden.
Nachdem man in St. Louis aller
let Material zu Pflasterungszwecken be
nutzt und verworfen hat, ist man endlich
auf sogenannte „Firebricks" verfallen.
Diese sind einer Probe unterworfen wor
den, und man hat gesunden, daß sie sich
bewähren. Die damit gepflasterten Stra
ßen sind glatter, reiner und verursachen
weniger Lärm, sind leichter zu repariren
und bieten den Pferden besseren Halt als
Holz- und Steinpflaster. Weder Frost
noch Feuer greift diese Backsteine an und
solches Pflaster kostet nur die Hälfte des
Granitpflasters.
80—100 Maulthier e.erf toten.
Independence, Mo., 6. Jan.—Ein Extra
Frachtzug kam gestern auf der Missouri
Pacisic-Bahn mit 11 Cars voll Maulthie
ren vom Osten an. Beim Nachsehen er
gab sich's, daß 80—100 Maulthiere vor
Kälte und Hunger umgekommen waren.
Der Transport kam von Antonio, Tex.,
und war nach Kansas City bestimmt. Sie
waren seit ihrer Verladung d. h. 3 Tage
lang nicht gefüttert, noch umgeladen wor
den. Die noch am Leben gebliebenen
waren so verhungert, daß sie an den
Wänden der Car knupperten und vielfach
das Fleich von den Leichen ihrer Unglücks
gefährten abfraßen. Die Bürger hier
waren natürlich höchst entrüstet und be
nachrichtigten den Polizeichef von Kansas
City darüber und baten um Verhaftung
der Leute, welche den Transport über sich
hatten, wegen Thierquälerei.
Noch ein falscher Prophet.—
Noch blickt die muhamedantsche Welt mit
gespannter Erwartung nach dem Sudan,
aus welchem der Mahdi hervorbrechen
soll, um seinen Siegeslauf durch Egypten
und die andern afrikanischen Küstenlän
der zu machen, und tuo es ganz von sei
nen Erfolgen abhängen wird, ob er auch
ferner noch als falscher Prophet in den
Zeitungsberichten sigurirt, und jetzt ist im
Lande der sunnitischen Muslim in Persien
betetts ein anderer falscher Vrophet ausge
treten, der sehr beachtet wird, und dessen
Siegeslauf in Teheran eben so viel Aus
merksamkeit erregt, als der des Mahdi in
Egypten. Der neue Fanatiker, welcher
den heiligen Krieg gegen die Ungläubi
gen predigt, heißt Khaf Seyd und hat
angeblich in Mara große Wunderthaten
verrichtet. Die Anhänger des Mahdi
sind durch diesen neuen Conkurrenten ih
res Abgottes durchaus nicht beunruhigt,
und sie stützen sich auf die Voraussagung
des Koran, da'p gleichzeitig mit dem Er
löser des Islam fälscht Propheten auf
stehen werden. Nur, fragt es sich nut,
wer der Erlöser des Islam sein wird,
und ob der „falsche Prophet" durch die
ächten Prügel, die er austheilt, und durch
den Anhang, welchen er zu erlangen itit
Stande ist, den Gläubigen vom atlanti
schen Ocean bis nach Asien hinein bewei
sen kann, daß er der ächte und wahre Ja
kob ist. (Bait. Cor.)
Bedeutende Wechselsälschung.
Chicago, 3. Jan.—Folgende interessante
Fälschungs-Geschichte wurde heute besannt
gemacht: Um Weihnachten erhielt die
Polizei von Sperrt) u. Barnes in New
Aork und New Haven, den amerikanischen
Agenten des Liverpooler Commissions
Hauses Bams or Brothers, die Nachricht,
daß ihr Wechsel-Clerk E. H. Kobbe durch
gebrannt sei, nachdem er Wechsel zum
Betrage von $100,000 gefälscht und das
Geld hiefür eingesteckt habe. Eine An
zahl Detektives wurden mit dem Fall be
traut und gelang es ihnen auch bald,
Kobbe in hiesiger Stadt in Gesellschaft
eines Mannes Namens Vanarbedale zu
finden. Die Beiden lebten flott und ga
ben überall viel Geld aus Vanardsdale
kehrte aber bald nach New Aork zurück,
wo et am letzten Freitag verhaftet wurde.
Kobbe wurde in einem Freudenhaus mit
einem Mädchen verhaftet, in welches er
sich verliebt hatte, und mit welchem er tm
Begriffe stand, nach Mexico zu reisen.
In seinem Besitz fand man nur 400 Dol
lars in Baat, die Detectives nahmen
aber auch Pelze und Seidenstoffe im
Werthe von 1200 Dollars, die er für sei
ne Geliebte gekauft hatte, in Besitz. So
viel bis jetzt bekannt, halte Kobbe in kur
zer Zeit $2500 und Vanardsdale 82600
ausgegeben. Kobbe soll gestanden ha
ben, daß er im Ganzen $100,000 bei der
Transaktion gemacht habe. Er wurde
am selben Tage, an welchem er verhaftet
wurde, nach New Aork gebracht. Am
letzten Sonntag geleitete er dann einen
Detectiv in den oberen Theil New Jorks,
wo in einem ausgetrockneten Brunnen, in
einer hermetisch verschlossenen Abzugs
rijhre und in geölte Seide eingewickelt,
$20,000 in Bonds gefunden wurden.
Von da führte er den Detectiv nach Brook,
lyn, wo er in ähnlichem Verschluß $25,
000 verborgen hatte. Kobbe stammt aus
guter Familie und bekleidete früher eine:
verantwortliche Stellung bei der Jnmm
Linié, bei welcher jetzt noch sein Bw&er
Haupt-Buchhalter ist.
Eine gründliche Kur mit „Acker's Blut
Elixir" entfernt alle Verunreinigungen des Blu
tes und heilt Skropheln, Schwären, Geschwüre
und Finnen.—Verkaukt von F. W. Herbst.
Entsetzliches Unglück in Bel
levitle, Illinois.
Eine
katholische Erziehung? Anstalt
27 Personen ltmgefiotmnej^
Chicago, Ills, 6. Januar. In
Belleville, IT., brach in der vergangenen
Nacht gegen 11 Uhr ein Feuer im Kloster
Notre Dame de Lourdes aus, welches einen
furchtbaren Verlust an Menschenleben zur
Folge hatte. Es befanden sich ungefähr
60 Schülerinnen (worunter auch viele
deutsche von St. Louis, Belleville, III., und
anderen Plätzen in Missouri und Illinois)
im Gebäude, in verschiedenem Alter, von 43
10 Jahren bis zur Volljährigkeit, stehend,
außerdem mehrere Lehrerinnen unb son
stige Insassen. Das Feuer entstand im
Keller beim Heizapparat. Die Schwe
stern machten einen Versuch, das Feuer
zu löschen und als dies ihnen nicht ge
lang, bemühten sie sich, die Schülerinnen
in Sicherheit zu bringen.
Als man das Feuer entdeckte, brannte
bereits das Stockwerk über dem Ösen und
die Rauchwolken drangen mit großer
Schnelligkeit die Treppen hinaus in die
Corridore und Hallen. Als die Bewoh»
ner des Klosters aus dem Schlafe erweckt
wurden, war der Rauch bereits erstickend
dicht geworden und alle Wege zur Ret*
tung waren mit einem dichten Nebet ver
hüllt. Natürlich entstand eine Panik und
die furchtbare Kälte hinderte die Arbnt
der Feuerwehr in einer verhängnisvollen
Weife. Doch selbst wenn dies nicht der
Fall gewesen wäre, würde kaum rechtzei
ttge Hülfe gekommen sein, um die armen
Opfer zu retten.
Das Departement hat keine Leitern und
keine Mittel gegen die beklagenswert!) e
Katastrophe waren von dem Verwalter
des Instituts vorgesehen. Die unglück
lichen Bewohner waren deshalb außer
Stande sich zu retten und Alle, welche
Augenzeugen der schrecklichen
Feuersbrunst
wurden, waren ebenso unfähig, ihnen bei
zustehen. Die erste Abtheilung der Feuer
wehr, welche die Feuerstätte erreichte,
brach die Klosterthür ein und eilte nach
dem dritten Stock des Gebäudes, welcher
als Schlaffaal dient. Das Angstgeschrsi
der Kinder und der Schwestern konnte
trotz des Krachens und Prasseins deS
Feuers gehört werden, aber die Feuer»
wehr konnte die Thüren des Schlaffaales
nicht öffnen, weil sie verschlossen waren
und in der^Ausregung Niemand wußie,
wer die Schlüssel hatte. Eifenstangun
aus einer benachbarten Schmiedewerkstelle
wurden herbeigeholt und mußten a*8
Thürbrecher benutzt werden, aber selbst
ihnen wollten sich die Thüren nicht öff
nen. Inzwischen trieb der dichter wer»
dende Rauch die Feuerwehrleute aus d«
Halle und die im Zimmer eingeschlossene*
Mädchen bekamen den Rath, sich nach bett
Fenstern zu wenden. Gleich darauf bo
ten die Fenster des dritten Stockes, bereit,
Simse fünfzig Fuß über dem Erdboden
sinb, einen seltsamen Anblick.
In Nachtkleidern, plötzlich vom Schlum
mer ausgeschreckt, standen verzweiflungs
voll und außer sich eine große Anzahl von
schreit erfüllten Bewohnern des 3. Stock
werks. Keine Möglichkeit der Rettung
war gegeben und die einzige schreckliche
Chance war der furchtbare Sprung. Kut$
darauf sah man dichte Rauchwolken das
ganze Gebäude einhüllen und laute Ex
plosionen folgten. Alsbald sah man ei
nige verzweifelte Personen den Sprung
wagen. Mary Campbell war die Erste,
welche das Wagniß unternahm, sie fiel
auf das Straßenpflaster und wurde nach
Harrison's Mafchinenwerkstätte gebracht,
wo sie noch einige Male aufathmete und
dann starb. Daisy Eberman brach durch
das Fenster des dritten Stocks und fand
eine gefährliche Stellung über dem Haupt
thor. Dort blieb sie, nach Hülfe schrei
end, eine lange Weile. Aber Feuer unb
Rauch brachten sie schließ.-ich zum FaS..
Zwei Männer, welche unten standen,,
streckten die Arme aus. um sie zu empfan
gen, so daß sie ohne erhebliche Verletzun
gen davonkam. Mr. Emil Kohl war der
Erste, der wesentliche Hülfe brachte, itz
dem e aus dem hinteren Hofe eine lange
Leiter herbeischleppte, die er mit HüHe
von Andern gegen die Fenster richtete mtb
dadurch viele Leben rettete. Die
reichte bis zum zweiten Stock und yogi
starke Männer stiegen mit einer kleinere*#
Leiter hinauf, mittels welcher sie dre
ien Stock erreichten und einen N^unH
weg für eine große Anzahl Sc,wâ:m
und Pfleglingen herstellten. Echwest-er
Mvdirato wurde um diese Zeit auf hM
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Temporärer Präsident—Elmer White von
Defiance.
Haupt-Clerk—C. N. Vallandigham von
Montgomery.
Einschreibe-Clerk Nellie O'Haaan von
Erie.
Journal-Clerk—I. Fish von Morrow.
Remschreibe-Clerk-Charles Rhoades von
Jackson.
Recordirender Clerk—William A. Fleming
von Muskingum.
Seiguant-iit-Arms—Charles Nealey von
Darke.
Erster Assistent—Daniel O'Neil von Cuya
hoga.
Sprecher—A. D. Marsh von Mercer.
Sprecher pro tem.—2. A. Brunner von
Wyandot.
Haupt-Clerk—David S. Fisher von Hardin.
Journal-Clerk—
Dan. F. Taylor von Ash
land.
Message-Clerk—Thomas H. Moore von
Tuscarawas.
Einschreibe-Clerk—Samuel I. Lewis von
Hamilton.
Reinschreibe-Cle»k— Washington Ford von
Morgan.
Äecordirender Elerk—Miß Sarah Reed von
Highland.
Sergeant-at-Arms—g. M. Pensston von
Roß.
Erster Assistent—John Murray von Hamil
ton.

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