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Scranton Wochenblatt. [volume] (Scranton, Pa.) 1865-1918, June 06, 1918, Image 2

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„Durchaus nicht", verwahrte er sich
dagegen. „Ich uceUege nu>. Iva» für
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soll. Du weißt ivohl nicht, worüber
jie mehr Freude eniplinden würde, od
über ein ooer über ei
nen «unstgegenstanv, eine Äronze,
Hermann den Eherusker dar>leUend,
die ich einmal in Berlin in einem
«Schaufenster Unter den Linden zu
bewundern Gelegenheit hatte. Nun,
kommt Zeit, kommt Rat! Am Ende
erhält sie gar beides".
Obwohl Willus, seit er wieder nach
Hsuse zurückgekehrt war, beinahe Tag
„Gratuliere zum Schwager Land
sireichei!" hohiue Aguße den schönen
Und Urte Afck'moneit
steckt hat".
So setzte jeder Gritas Verlobten zu,
selbst Jons Simoneit ließ talt lä
chelnd eine verächtliche Bemerkung
über Willus fallen. Anthanas biß
Sie Lippe blutig, aber er beugte nicht
Braut?" meldete sich Peter.
mit Grita auf, denn der Abend war
Lchön.
Er fand Grita schon dort. Sie
stand, die Rechte sest auf den hohen
Stein gestemmt, unter der allen Föh-
Grita lächelte bitter.
j«, so hörte ich, endlich wieder heim
gekehrt sein".
Er schwieg, augenscheinlich eine
Grita ließ die Hände sinken und er
hob sich.
„Genug jetzt!" sagte sie und legte
den ttopf in den Nacken. „Weshalb
so viele Worte machen! Du willst
Anthanas starrte ihr lange nach. I
„Es ist am bellen so am be
sten", murmelte er, dann brach er aber
plötzlich wie ein wildgewordener Stier
quer durch das Unterholz, schnut so
ein Stück des Weges ab und zwang
Grita stehen zu bleiben, indem er ihr
die Hände auf die Schultern legle.
„Wüßte ich i.ur, wie es zugeht, daß
ich mich nicht losmachen kann von
dir", keuchte er. „Hexe! Zauberin!
Verbrennen sollte man dich!"
Es war tiefe Nacht, als er endlich
sein Lager aufsuchte. Unruhig wälz
te er sich hin und her.
„Wer stöhnt da? Bist du's An
thanas?" meldete sich Peter, aus dem
Schlafe aufgeschreckt.
Alles blieb still.
Ich habe geträumt, dachte der Pole,
hüllte sich fester in feine Decke und
schlummerte ein.
Sechstes Kapitel.
Die Sonne stand schon am Himmel,
als Willus am anderen Morgen er
wachte.
Er erhob sich und frühstückte, wäh
rend Erdmuthe emsig die Nadel hand
habte. Ihre lonft so blassen Wangen
waren rosig überhaucht, ihre Augen
brannten. Die immer wiederholten .
mit einem Blick auf die alte Wanduhr.
„Wie ich sehe, ist euer Regulator des
Gehens müde geworden".
„Ich meine, es muß bereits elf
fein", sagte Erdmuthe und half Wil
lus das Jackett anlegen.
„Hätt: ich meinen Chronometer
hier, wüßte ich's ganz genau", plau
derte Willus. „Doch der liegt wohl
verwahrt in einem meiner rindleder
nen Koffer. Ich wollte ihn nämlich
nicht bei mir tragen auf meiner Fuß
wanderung, siehst du. Hm! Ja!
Aber nun oermisse ich ihn doch
hen, was ich an Kleidern, Wäsche und
Andenken besitze. Walnußgroße Dia
manten und hm! Ja!
lämst du das alles zu Gesicht. So
Gelehrte, siehst du".
und die Mutter, die auf dem Kar
toffelacker beschäftigt waren. Er trat
grüßend auf sie zu.
„Ihr macht euch Bewegung, wie ich
sehe. Recht so", lobte er „Wer
st«s".
Die alte Delkus richtete sich mllh
sab aus ihrer gebückten Stellung aus.
sproche». Sie räusperte sich oerle
gen. „Nicht wahr, wenn Grita uns
verläßt, wirst du dich meiner und
Erdmuthes annehmen. Grita glaubt
aus der Hochzeit nichts Wersen, we
nigstens vorläufig nicht", siel ihin die
Mutter ins Wort. „Und Grita möch
hier fort".
„Zieh' hin in Feieden, Schwester
chen! Und lag alle Sorgen fahren",
rief Willus fröhlich. „Glück aus den
dir". iZH
Die Mutter nickte eifrig, aber Gri
la seufzte schwer, ohne von ihrer Ar
beit aufzublicken.
„Du bist bekümmert, Schwester
chen", fuhr Willus heiter fort. „War
um nur? Eine Braut sollte immer
srohgefinnt sein".
„Ich wollte, ich lönnts", murmelte
Grita, „aber es lastet zu viel auf
mir".
„Wirf die Last ab, packe sie mir
auf, Schwesterchen", sprach Willus ihr
tröstend zu, „lächle und freue dich,
denn auch für dich scheint die Sonne,
auch für dich ... Doch nun auf Wie
dersehen, meine Damen!"
Er grüßte und schlenderte langsam
waldeinwürts; dabei summte er ab
und zu leise eine schwermütige Daina
melodie vor sich hin, die er als Kind
gern und oft gesungen hatte, und die
jetzt, ganz plötzlich wieder wach ge
worden war in ihm.
Der Text aber wollte ihm, trotz al
kr Nachgrübelns, nicht einfallen.
Wie lautete er doch nur?
Er blieb stehen und versank in
Sinnen.
ne! Warum schweigst du? Ich habe
dich ja schon gehört", traf eine Stim
me sein Ohr.
Er schrak auf, lächelte flüchtig, und
rasch oorwärtsdringend hatte er we
nige Augenblicke später den Rand des
Waldes erreicht.
„Daraus, daß du mich für eine
Mittagsruhe hielt.
Sterte Willus mit stolzer Miene.
„Es ist so, wie du sagst", bestätigte
Willus, wobei er mit lässiger Grazie
zelte die Brauen und starrte finster
zu Boden.
«Also so sieht Erdmuthes Freund
Bursch! Daß es dem glückt, auf ei
nen Griff ein Mäuschen zu fangen,
wundert mich durchaus nicht". Laut
ausdehnenden Aecker.
»Jons Simoneit," lautete die kurze
Antwort. ' - g >
stören", plauderte Willus. „Ich bin
nämlich noch nie ein Störenfried ge
wesen, mußt du wissen. Hm! Ja!
Aber wie reizend die Landschaft
Föhrenwald, vor uns prächtige Wie
sen und Aecker, auf ganz leicht gewell
tem Boden; dazwischen wie eine sil
fast glauben, ein Gebirge strebe dort
himmelan. Ein Gebirge! Ach Freund,
als ich zum erstenmal den Kaulasus
bist weit herumgekommen in
der Welt", bemerkte der Bursche.
widerte Willus.
bist der Willus Delkus, der sich sieb
ünd Purpur.
„Zum Henker! Da bist du ja
Gritas Bräutigam, und ich hielt dich
für Erdmuthes Freund", fuhr Willus
überrascht auf. .Nun denn, an mein
dachte Willus. „Das
nur eine von ihnen heiraten." „Hm! —
Ja! Darf ich dir vielleicht eine
echte Havanna anbieten?" fragte er,
das Thema wechselnd und griff nach
der Brusttasche. „O weh, nun habe
ich mein Etui zu Hause im Koffer
gelassen", klagte er. „Ja, da wirst
vu schon für mich einspringen müssen,
lieber Schwager".
stattete er frostig.
„Danke", erwiderte Willus und ließ
das Kästchen, harmlos lächelnd, in
meinem Geschmack", andernfalls w?rst
du dir in Zukunft eine andere Sorte
halten müssen", meinte Willus. „Ich
hab' nämlich eine verdammt feine
Zunge, mußt du wissen. Aber wie
steht's denn mit der Hochzeit, he?
Ich meine, es ist Zeit, den Tag festzu
setzen, damit ich meine Vorbereitungen
zu dem Fest treffen kann. Festons,
Feuerwerk, Transparente An
sprache Tusch Hummermayon
naise Ich will schon sorgen, daß
es an nichts fehlt. Allez hopp, Kusin!
Wie die Goldfüchse springen wenden!
Bah, was nützt einem das Geld im
Kasten! Nur wenn es unter die
Leute kommt, hat man etwas davon,
siehst du. Hm! Ja!"
„Du sprichst ja gerade so, als hät
test du etwas verdient da draußen",
sagte Anthanas.
„Und warum sollte es nicht so
sein? Wäre ich minder freigebig
gewesen, stände ich heute als mehrfa
cher Millionär vor dir," blies Willus
sich fröhlich auf. „Aber ich kann nie
mand darben sehen, siehst du. Im
merhin darf ich mich jedoch, ohne zu
übertreiben, einen Menschen nennen,
der genug hat, um leben zu können",
schloß er mit einem kleinen sarkasti
schen Lächeln.
„Ja, aber weshalb läufst du denn in
so abgetragenen Kleidern herum?"
erkundigte sich Anthanas mißtrauisch.
. „Warum? Ja, siehst du, das ist
! eine Marotte von mir, eine Grille,
eine Schrulle", erteilte WilluS bereit-
willig Auskunft. „Reiche Leute haben
oft solche Einfälle".
cher ein wenig hastig mit der Bemer
kung, daß es Willus unter diesen Um
ständen doch nicht zchwer fallen könne,
für Mutter und Schwester zu sorgen.
„Nein, durchaus nicht", erklärte
Willus fröhlich.
als hätten sie nie Spaten und Sense
angefaßt".
„Du sprichst gerade so, als wäre
„Nicht mehr und nicht weniger",
pflichtete Willus ihm bei und legte
mit fröhlicher Entschlossenheit seine
schlanken, geschmeidigen Finger in des
ihr das selbst erzählen, teurer Schwa
ger?" bemerkte Willus. „Du furch
z» bemühen, gleich nachdem du Gri
tas Bekanntschaft gemacht hattest.
Das erfordert der gute Ton, siehst
du!"
wies er Willus zurecht. „Heute abend
kann's geschehen".
„Also auf Wiedersehn abends."
zwischen euch, kann ja auch wohl bald
die Hochzeit stattfinden", meinte Wil
lus.
einem Mädchen verloben, daS fünf-,
ja sechsmal soviel hat, wie Grita",
protzte er und dachte dabei an Aguße.
ohne Zaudern. „Ach Schwager,
Bruderherz! Und erst die Hochzeit!
Das wird ein Fest werden! Produ
ziere ich mich zum Schluß in meinem
selbsterfundenen Luftschiff, sperren die
im Dorf die Mäuler ellenweit auf.
Du wirst's ja erleben. Hm! Ja!"
„Mir wär's lieber du stopftest sie
ihnen", bemerkte Anthanas finster.
„Pah! Gräme dich nicht! Bist du
dem Gebell", tröstete ihn Willus,
mutige Dainamelodie vor sich hin.
Siebentes Kapitel.
Nach dem Abendessen holte der
zen. Anthanas allein blieb auf dem
Hof zurück. Er hatte die Festkleider
angelegt, und wollte zu den Delkus.
„Grita ist wohl schon auf dem We
ge hierher", dachte er.
„Weshalb denn so geputzt? Wirst
die anderen auch ausstechen, wenn du
in Alltagskleidern tanzst", meinte er
mit leichtem Spott.
„Das weiß ich wohl", gab Antha
nas selbstbewußt zu. „Um mich heut
abend hinter der Scheune zu drehen,
ich, weil ich zu meiner Braut will".
„So so! — Hm! Wann soll
denn nun die Hochzeit sein?" warf
Jens Simoneit scheinbar gleichgültig
hin.
„Das werden wir heute alle zusam
men besprechen", erklärte Anthanas
ein wenig ungeduldig.
„Ja, auch der wird dabei sein, und
mit gutem Recht," schloß Anthanas
trotzig und protzig, „denn er ist es.
der d!e Hochzeit ausrichtet und Grita
aussteuert. Er ist vermögend".
„Ich sah ihn heute zufällig", sagte
bene Gesellschaft!"
zu und Anthanas ging quer über den
Hof, um durch die Hinterpforte den
Fußsteg zu gewinnen, auf dem Grita
ihm entgegenkommen sollte. Aber
„Nun und du, Anthanas? Willst
du dich nicht auch einmal im Kreise
drehen?" rief Aguße ihm zu, als er
an den Tanzenden vorüberschlenderte.
„Hab' keine Lust! Ist leine unter
den Marjellen, die mir gefällt," erwi
derte er übellaunig, bestrebt die Rot
haarige zu verletzen. Der stieg auch
sofort das Blut zu Kopf.
„Ach, sprichst du so, Brüderchen,
„Aber die Grita, an der hast du nichts
auszusetzen, was? Das ist eine
Feine! Hat ja auch schon vor dem
Nichter gestanden, das Fräulein, und
sie kaum zählen lann".
Iwan spielte, obwohl niemand
mehr tanzte. Alle hatten sich um An
thanas und Aguße geschart.
paar Stimmen Urte AsHmoneits
Nichte an.
„Aber hüte dich, daß du nicht wie
der den Kürzeren ziehst, wie gestern
auf ein stämmiger Bursche.
„Wie, glaubst vu, ich ließe mich
noch einmal so überrumpeln?" fuhr
Aguße auf. „Er soll nur versuchen,
mich wieder zu küssen! Die Augen
kratze ich ihm aus!"
Anthanas senkte leicht die Lider
und blickte hochmütig auf die Tobende
„Komm Anthanas, lommt fort!"
flüsterte Iwan, der endlich fein Spiel
eingestellt hatte, und zupfte den
Freund am Aermel. Aber Anthanas
stieß ihn unsanft zurück.
„Was willst du? Ich werde doch
nicht etwa vor einem toll gewordenen
Weibsbild die Flucht ergreifen", jagte
er laut.
„Jammerlappen, elende!" - wandte
sich Aguße ganz außer sich vor Wut,
an die Burschen. „Laßt eure Mäd
chen von einem Ausländischen be
schimpfen. Euch paßt's mit ihnen
zu tanzen, ihm sind sie nicht gut ge
nug. Ah, pfui! Würdet ihr euch
nicht vor ihm fürchten, so hättet ihr
ihm wohl einen Dentzetlel gegeben für
seine Worte", hetzte sie. „Wär' ich nur
ein Mann! Ich wollt ihm schon heim
leuchten. Dem sollt es nicht zum
zweiten Male einfallen, die Mädchen
hier verächtlich zu machen".
„Sie hat recht, sie hat recht', schrien
drei, vier Stimmen wild durcheinan
der und Davids sprang auf Anthanas
zu und Pflanzte sich mit drohend er
hobenen Fäusten vor ihm auf, um sich
Aguße geneigt zu machen.
„Gib acht, daß du mir nicht auf
dir Füße trittst", warnte Anthanas.
Aber Dovids, angefeuert dura, ei
nen Zuruf Agußes, drang nur noch
weiter vor. Schweigend räumte An
thanas ihn mit einer einzigen Hand
bewegung aus dem Wege. Dovids
strauchelte und riß im Fallen zwei
alte Weiber mit, die neugierig dem
Wortgefecht gelauscht hatten.
„Ja, da gehörst du hin", sagte An
thanaS, die lräftigen Glieder reckend,
„du und auch noch so mancher andere
hier", und er maß die ihn umdrän
genden Burschen mit verächtlich her
ausforderndem Blick.
Ein wirrer Lärm brach los und alle
stürzten sich auf den Szameite».
„Anthanas! Anthanas!" rief war
nend eine Frauenstimme. „Rette dich!"
Aber der Schrei ging in dem Getöse
unter. Nur einer hatte ihn gehört,
Jons Simoneit, der von Urte herbei
geholt worden war, um Frieden zu
stiften, und der in der Nähe des Zau
nes stand, der die Hofgebäude umgab.
Er blickte dorthin, woher die Stim
me lam und bemerlte Grita, die
soeben Sie Pforte aufriß und auf die
Ringenden zustürzte.
„So sieh doch nur, was für ein
Gast sich da einfindet!" wandte er sich
an Urte.
„Ah, das freche Weibsbild!" kreisch
te die Aschmoneit, warf sich Grita
entgegen, zerrte sie am Rock und ichrie
dabei gellend um Hilfe.
„Hierher! Hierher Dovids!
Jurge! Hierher alle!" rief nun
Aguße, auf die verhaßte Nebenbuh
lerin «ufmerksam werdend. „Treibt
sie vom Hof! Die Hunde los!
Schleppt sie vor Gericht, sie mordet
meine Tante". Daoei suchte ihr Auge
Anthanas. der sich bis jetzt tapfer sei
ner Angreifer erwehrt hatte, nun aber
am Ende mit seiner Kraft zu sein
schien. Sie sah es und erschrak.
hält ihr denn nicht!" schrie fie aber
mals. „Eilt der Aschmoneit zu Hilf«.
die einen ttnäuel bildeten.
Wenige Augenblicke später Halle sich
dieser Knäuel und Grita wurde
spielt?" fragte sie und legte lue Hand
auf seinen Ärm. Er ichültelte sie
wortlos ab und sein Blick irrte zu
trennte erst die kämpfenden als Pe
ter zu Boden gerissen und übel zuge
richtet worden war.
„Warum mischst du dich in Sachen,
die dich nichts angehen", tadelte er den
Polen scharf, der heftig aus einer
Mirnwunde blutend, sich taumelnd
emporraffte. „Was geht dich die Del
kus an? Gelichter ihrer Art dulde
eintritt. Merk dir das!"
„Er hat schon früher einmal die
Marjell in Schutz genommen", mel
dete sich erbost ein blondhaariger Bur
sche. „Im Krug war's. Aber wir
zahlen's ihm schon noch heim, dem
polnischen Hund!" fügte er grollend
hinzu.
„Ja, das ist gewiß!" beteuerten ein
paar andere.
da erhältst du deinen Lohn und mor
gen früh schnürst du dein Bündel und
nach Hause".
Herrn an.
„Ach, ja, das könnte dir passen!"
schrie Aguße, bevor Jons Simoneit
zu antworten vermochte. „Warum
denn? Was hat er denn vervrochen?
Hat er etwa die Delkus verteidigt?
Nicht den kleinen Finger hat er für sie
gerührt, kein Wort gesagt. Du möch
test ihn raus haben, weil er dir einen -»>
Nasenstüber versetzt hat, der dich mit
samt zwei alten Weibern über den
Hausen warf. Das ist'S!" Und
Jons Simoneits Arm umklammernd,
rief sie: „Nein, er darf nicht entlassen
werden, der Anthanas! Tante!
bitten!" Und Urte Aschmoneit, die
solange aufgeregt mit den Weiber und
Mädchen den „Ueberfall" besprochen
hatte, wie sie Gritas Erscheinen hinter
der Scheune nannte, eilte auch sofort
geschäftig herbei.
„Was gibt's, was?"
„Der Dovids will den Anthanas
rauSbeißen", erklärte Aguße. „Und
das darf nicht sein. Nein, der darf
auf leinen Fall fort".
„Jetzt hebst du ihn in den Himmel
und vor taum einer Viertelstunde, da
hast du uns auf ihn gehetzt", meinte
Dovids aufgebracht.
was, schweig!" schnitt Aguße
ist nicht jetzt".
„Genug: Macht euch allesamt fort!
Geht schlugen!" beendete Jons Simo
neit den Streit. „Ich werde nohl am
besten wissen, wen ich zu entlassen und
wen ich zu behalten habe".
Peter war bereits, auf Iwan ge
stützt, in seiner Uammer verschwunden
und nun suchte» auch die anderen ihre
Lagerstätten auf, doch ging das nicht
ohne Murren gegen die „Ausländi
schen" und ohne prahlerisches Aufzäh
len der Heldentaten ab, die jeder oer
richtet haben wollte. Auch mit der
Familie Delkus beschäftigten sich die
Aufgebrachten eingehend, namentlich
mi! Grita.
„Totschlagen hätte man sie müssen!"
behauptete die stämmige Szule und
blickte zornig umher. »
„Ach was! Die kommt auch so i
nicht wieder!" meinte lachend die blon- >
de Marieke. „Die hat genug ge- I
kriegt".
„Und ich sage, daß wir nur am
Tag vor ihrem Besuch sicher sind",
klang Urte Aschmoneits Stimme
schrill über den Hof. „Wer weiß, wa»
nachts geschieht".
Sie verschwand im Hause und
Jons Simoneit >olgte ihr.
Anthanas Purkus stand allein hin
ter der Scheune. Er blickte finster auf
die zerstampfte, aufgewühlte Erde
herab. In der Nähe der Pforte, die
Peter so heldenmütig verteidigt hatte,
lagen Fetzen von seinen und GritaS
Kleidern.
»Grita warte« wohl noch, daß ich
komme", dachte Anthanas, rührte sich
aber nicht von der Stelle.
Der Himmel war mit Wolkenschki
ern bedeckt. Nur hier und da fun
kelte ein Stern in vollem Glänze.
Vom Feld herüber wehte ein leichter
Wind.
(Fortsetzung folgt.)

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