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Hermanner Volksblatt. [volume] (Hermann, Mo.) 1856-187?, November 17, 1860, Image 1

Image and text provided by State Historical Society of Missouri; Columbia, MO

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(Ofsiee im DistriktsöulbanS)
' " halt seinen ersten Verichtctaz am -weiten Samstag
'.'u im October und von da- ab an jedem zweiten
.-SUiyst'lg rt ander, Monats ; zugleich empsicblt er
ßch jur . Anfertigung aikx, im Berciebc tti Frie
M&näUri 1iezen. schriftlichen Arbeiten.
2)ie Ettgllschc Abcildschlllc
, für, Lewa edsenk wird am Montag den ö. November
im DistrNt.Schnll-auie eröffnet werden. . Die Le
dinzunge sind : 1D,llar per Monat.
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GcMchte ciücs Tctttschcu unserer Zeit.
QP Bon
Jokmuncs Srkcrr.
S i c b e n t e Z B u ch.
Auf der rotbcu Fluh.
, (Fortsetzung.)
Erste 5 Kapitel.
Eine AbschiedSrede Fabian'S. Auch eine Ar'
Patriotismus. Ein säoncr Stern gcbt
auf." Madame Ziegenmilcb,. enorin
fort." Der Erdirellor eines Kotzlenge',
fchöftS macht dein Aut?r Leine.
Der Fabian hatte zum Abschied noch zu mir ge
sagt: ES ist dem Menschen nicht gut. daß er allein und
bkimathloS sei. Und Dir, lieber Michel, Dir ist ts
üar nicht gut. Du bist nicht gemacht, ein Ei.i'a
mcr und Heimathloser zu sein. Bleibst Du Beide,
noch lange, so wirst ein ertrabt er, v ergrillier aller
Mensch werden. Ich kenne Dich. Denk' an mich
m-. an das. was ich Dir da ,'aztc. Nttd wr.'.e bei
Zeiten, daß Du zn mir sagen kannst: Alter Fübia
ne. siehst Du, da bin ich daheim. Dann geben wj
auS der Stube, wo wir beim Mittagötijch saßen, in
Dein Bilcherzimmer hinüber oder binauf, rauchen
zum Kaffee und schwazen von allen Zeilen. Hier
aus kommt Deine Frau "
Meine Frau ?" unnt.'rbrach ich den Freund,
(öott tröste Dich! wer sollte mein Frau sein i"
Wie Du nur wieder bist oder thust ! Du weißt ,o
gut oder besser als ich, daß, wenn ich Dich an die
Seite v.r: rau ienke, nur von Einer die Rede
sein kann.' Den Namen brauch' ich nickt in nen
nen, denn, lieber Alter, wenn Du jetzt auch ein leid
licher Geschäftsmann sein mafst, so pra?tisch. las,
Du cSbiZ zum Heuä'lcr gebracht hättest, bist Du
noch nicht geworden. V.'aub' mir, ich sehe zur Stund
klarer in Deine Sacken hinein, als Du selbst. Ich
babe die Erzählung Deiner Erlebnisse. Deine zer
streuten Aeußerungen und hingeworfenen Winke
snmmirt. Zwischen Dir und der veihätschelten lau
niscken Tochter Mammons, dieser Julie Kippling, so
reizend und verführerisch sie immer ,'ei, konnte sich
kcin rechtes Äerstandil-.ß bilden. Der ganzen Anlage
Deines und ibreö We,enS zufolge war das unmög.
Ijch. Du bist ,o geartet, da n,rt die wiire unc
t'iibe ode der Leidenschaft Dein Glück macht,
In brauckst Liebe und Du weißt, wo Dn sie sinkest.
Verpasse deshalb nickt die beste Zei: l Nach dem, was
Du mir über die Resultate Deiner Uftex Geschäfts,
veii'e ae'agt hast, darfst Dn ja ke -klick an die Briin
?ii.i eines eiaenen Hausstandes denken. Das it
am Eure doch das ErsirebenSwerlbeste, weil eö das
Z'eiil!nenschlich,'!e ist und emiz iem wird."
Zt A!"'chied?worte des Freunde! klangen mir
nach, als ich nun wieder allem meine Straße zog.
Ich mußte ihl in meinen Ganken iunner lauter
re."tgeben.
Die Periode der Kra'tgenialität lag hinter mir.
Nackdenken und Errabrung hatten mick gelcdrt, daß.
. i ccr i . i. . i .. U ..... . vtrt.,
wie icn aua Ztlleii?eii'leiui,.',,,iiic in Itjti.,1
leben mögen, cer gcrei-'teee Mann dessen Talente
und Stellung 'vn nievr oe-arilgen. in tic gvo,.cn
esckieke thätig einzugreifen, sick bescheiden muß, in l
beschränkterer Sphäre daö Tüätige zu wollen u..d daS
tteckte ;u thun, sich selost und den Seinigen zu Glück
und (Zreude.
In diestm Gedankengange lag inr mich viel Klä-
rung und Berubignug. Selbst die Sehnsucht nach
Jwlce, welche Fabian'S Liede in mir wachgerufen,
hatte NicktS von der ungestümen .Hast und dem wi!,
den Verlangen, welche die Nahe von Julie Kipp'.ing
und der Umgang mit ihr in mir aufgestünnt halten.
In den Maße, in welchem Zeit und Ent'ernng den
Glanz der berauschenden Stanhopea verblassen lie
ßen, ging der keusche Stern meiner Jugend leuck
benler und verheißungsvoller mir in der Seele auf.
Er sollte jetzt nicht mehr hinter i er wilden trüben
Lohe der Leidenschaft verschwinden: ich fühlte eö
wohl.
Und sein Leuchten war so groß und schön, daß eö
mick iel Selbstüberwindung testete, nicht von mei
nem Wege nach Süden abzuwei-hen, als ich drüben
in der Ferne die Berge der Heimath meiner Kind
heit blauduftig ragen sah. Ich hätte Isolde sehen,
ihr so Vieles, Alles sagen mögen, aber ich bezwäng
mir das Herz in der Brust. Du hast ihr erwro.
chen, durch eigen? Kraft Etwas zu werden, da
her gedulde dich .' Noch ein paar Jahre Arbeit
und du wirst ihr sagen dürfen, deik gc
halten. ' ; " :
So heischte eö mein Stolz und ich gehorchte" ihm.
Aber doch nicht so gan z. Denn in der Gränzstad
durch welche mein Weg führte, jetzte ich mlch hin und
schrieb an Isolde einen langen Vrief, in welchem ich
mein ganzes Herz vor ihr aasjchuttetk.' Jch niachte
das theure Äadchin st iri 'Ek'nztle hinein zum
Hermann, 9Äor 17 oiieintier 16Ö
Zeugen des Kampfes, welchen ich durchgekämpft? Ich
verschwieg NicktS, beschönigte Nichts-, berichte e jllle,
lelbst zene nächtliche Scene auf rem.Su, ienn, wie
ich'annahm, hatte mich ja Julie gerade durch Mit
tbeilung des Abenteuers an Isolde ' meines Gclüb
dkö der Verschwiegenheit entbundin. Dann fragte
ich Isolde, ob sie mir verihen, . ob sie mich loSspre
cken konnte, und zuletzt deutete ich an, welche'selige
Hoffnung ich auflief Abolutionl'auen möchte und
würde. JC
Ick fühlte mich ordentlich leicbt und froh. al ick
den Brief zur Post trug, und wollte von la noch hin
aus auf den Hafendamm,, um das Abcndroth auf dem
schönen Vvdensec liegen zu. sehen und noch einmal
zu den heimischen Gestaden hinüberzublicken.
Wie ich aber zur Einfahrt des PosthauseS heraus
wollte, fuhr ein aus dem Innern der Schweiz kom
mender Eilwagen daselbst vor und auS kem Schlage
rief eine bekannte Stimm.' meinen Nanen. Ich
-elgle dlin Wagen in den Hof zurück, und als er
biIt und der Sedlag geöffnet wurde, fand ich mich
keiner geringeren Person all meinen: ehemaligen
A
inzipale gegenüber.
Es war nlckts Außerordentliche.', einem Geschäfts
mann in einer Grenzstadt zu begegnen; allein Herr
Oskar Ziegenmilch sah, wie ick bemerkte, viel nnru-
higer und aufgeregter aus, als einem so gewiegten
Gesckästömann anstand. Er uabm sich auch nickt
die Zeit, nach seinem Gepäcke zu sehen, ssndern zog
mick bei Visite und fragte hastig:
..Haben Sie schon von dem Unglück, von deut enor-
men Unglück gebort V
: Voil was für einem Unglück ? Ich kam vor kauin
ein paar Stunden von drübeu hier an."
Ah so ? Sie kommen aus Deutschland V
Ja.
Und Sie haben dort von ihnen keine Spur ge,
sehen?"
Von was für ihnen" denn V
Ja so, Sie wissen nicht Ich bin noch immer
so verwirrt, so en.rm ve?irrt entschldtgen Sie."
Gern, aber wat hat es denn gegeben ?"
Enorn.es, ganz niederlräcktig Enorme ! Meine
Lelia ach was, zum Henker mit der Lelia ! das
Romanzeug ist an Allem schuld Meine Liseli ist
fort."
Maranie Ziegenmilch fort V
Fort, sag' ich, enorm fort.".
Wohin kenn?"
,,Ja, wer weiß das? Vermuthlich nach Deutsch
land."
Wie kam denn das ?"
Wie es eben kommt, wenn die Weiber ihren
Männern durchgehen."
Was zum Kuckuck! ÄZadame ist Ihnen durch
gegangen ?"
"Durchgerumpelt, würde ich sagen, wenn daö eine
Sacke zum Spaßen wäre, d. h. sie ist mit dem
Kerl, mit dem sauberen Rumpel, welcher Tische
und Weiber verrückt macht, auf und davon."
' Was, die sittsame und gefühlvolle Madame Zie
genil'.i'ch ist mit dem alten Bummler fortgelaufen?"
Fortgefahren, mit Extrapost. Hat ihren Schmuck
und eine hübsche Summe in Werthpapikren niitge
nomiuen, die ich ihr nach und nach gegeben halte,
so zur Bklchwtcktizung, wenn sie sich vermittelst klei
ner lü'.d großer Eifersüchteleien unangenehm machte
Sie verstehe mich ? Es ist eine vciitable Eiwüh,
rung cnorni. ganz enorm l"
In Wahrheit, das gelt üöer die gewöhnliche''
Buminlerschnurren des alten Jungen hinaus. Die
ehrsame Hälfte von Oökar Ziegenmilch und Eomp
sammt Sckmuck und Werthpspieren, entführen, da
hört der Spaß auf."
Ja. ich weiß schon, werden Schaden hat, der
bekommt den Spott noch gratis dazu, eine alte
eine enorn alte Geschickte." .. . .
.Ich verspotte Sie nickt mein Lieber, aber ich er
laube mir doch, Sie daran zu erinnern, daß ich JH-
en seiner zeit hinsichilich dieses verteufelten Nnm
pel'ö einen warnenden Wink gab. Wie ich sehe,
wäre es ant acwescn, wenn Sie denselben beachtet
hätten. , .... : .
?ru, wer konnte aber auch 'loon einem so enorm
praktischen Kerl, wie dieser lahlköxsige Schubiak ii).
so was erwarten Z" i.
Warum denn nickt ? Herr Numpel machte in Jh
rer schönen Stadt erst in konservativer Politik, dann
in Lieligion und Mystik. Daraus erschien es ihm
noch lumtivcr. in Entführung zu. machen, und ,er
siriff zu. Herr Lnmpel ist ein praktischer Mensch "
.Das ist wahr, ein enorm. praktischer Mensch ist
!. Gut, als solcher hat er nur Ihren elgenkn Wrund,
Vmaß Äattdkl IS er 'mit - Veiscitesrtzung
der KatcchiömuSinoral" ein . Cntführungögeichäft
machte, well eflucrattv war. Geschäft -ist Geschäft
und, praktisch muß man sein, wie Sie wissen. l:
' Indem wir' zusammen nach dem Ga sthaus, gin
Qtvt; ivcf ich'abgetteten war erzählte mir Hen Zie
genmilch die EmführunMe,chlchte, soweit er sie nam
. ? N 1-' tSm !kl 1 .. t.jt.lMwi. '
Ilich kannte. ' Da fi denn urzkeisammcn: Her
Ziegenmilch war fiir. einige Tage in Geschäften ver
reist gewesen'. 'Bei ' leiner. Nachhausekunft hatte er
Madame nicht mehr getroffen." ..Sie war in) einer
rer abendlichen Versammlungen gegangen, wo Herr
Numpel len'odijch-mag'ne tischen Mystagogen spielte
Itttb (m Mi 4 v. ' i.1 . . . ri-i '. '
vtfii va iiiuji roiect c elmgeiommen. ttair
ihrer war am folgend en Tage ein Brief eingelaufen,
worin sie ihrem Httrn.Cemahl Erklärte, ihr gefübl
volles Herz habe . der Einladung , des erleuchteten
Propheten uud Avostelö CyrilluS ChrvsostomuS Theo
philuö Zlumpe'l, ihn auf einer Missionöreise zur
Ausbreitung deS odisch-magnetischen Heils zu beglei
ten, nicht zu widerstehen vermocht, um so weniger,
da sie überzeugt sein müßte, Herr Ziegenmilch werde
sich in Gesellschaft feiner Ladenjungfern leicht über
ihre Abwesenbcir trösten. '
Ich hätte nicht geglaubt," fügte Herr Ziegenmilch
seiner Erzählung fast melancholisch hinzu, nein,
ich hätte nicht geglaubt, daß mein sanftes Liseli so
boshaft, so cnerm boshaft sein könnte.
Ich glaube auch nicht, daß Madame eS - war,
welche diesen Trumpf ausspielte. Sicherlich hat ihr
der. erleuchtete Evrilluö Chrvsoitomuö Tbeophlis den
Brief lict.irt." ,
Da können Sie recht haben, Herr Hellmuth,
kuo, m reckt. Und denken zu müssen, daß fo ein in
famer Halunk über besagten Schmuck' und beugte
We'.tdpäpicre ditpouiren sol! !". ' .
O, Sie praktisch Mensch und Slylok!" , .'':
..Sbvlok ? Shvlvk? Kenne keine Firma dieses
Namens. Was wollen Sie damit sagen?"
Weiter Nichts, als daß Sie capable wären,
Shvlok's Aeßcrung hinsichtlich der entführten Jessika
zit parodiren und. zu sagen: Ich wollte, mein Liseli
läge todt vor'niir, den Schmuck und die Wcrthpa
Piere in den Händen." ' ",- "'
Da thun Sie mir Unrecht, enormes Unrecht. Ich
wollte nnr, ich hätte mein Uran wieder. Was sie
mitgenommen, mag meinetwegen zum Henker gehen.
Osk?r Ziegenmilch und Fon:p. kann so Etwas schon
als Bagatelle ansehen. Wir" (Herr .Ziegenmilch
hatte nämlich bereits von Herrn Kippliiig' gelernt,
im maiestati,cheu Plural, von ' sich zu sprechen)
wir sind, Gott sei Dank, in der Lägeln 'Verlust
chen verschmerzen zu können. Aber, unier 'uns, seit
mein Fränli fort ist, merk' ich erst recht daß ich si
eigentlich enorm gern habe. Sie war lm.Grnnd
loch ein zutec Tbinli."
Wirklich ? Und warun- fällc Ihnen das jei)t erst
ein? iv.t vernachläsjitjte Frau verfällt '.in allerlei dum
me Schrullen. Das ist nur logisch. Besagte La'
deniungsern "
Bitte, NicktS mehr son diesem , Artikel ! Ein so
Viel beschäftigter Mann wie ich hat zuweilen so seine
kleinen Anwandlungen- von Zerstreutheit. Aber
wie gesagt, mein Liseli fehlt mir jetzt enorm, und hat
mir das Essen gar nicht geschmeckt, seil ich ihr liebeS
dickes Gesicht bei Tische nicht mehr gegenüber habe.
ES ist ein ganz enormes Pech ! Ich meine, daß ich
sie mit offenen Armen aufnähme, käme sie nur wie
der zurück."
Haben Sie den schon die nöthigen Nachforschn
gen angestellt ?"
So viel ich konnte. Sckon seit vier Tagen fahre
ich deshalb in der Welt hcrnm. Eine Spur der
Flüchtigen wies in'ö Gebirge hinein, verlcr sich aber
bald. Eine andere, die auf den Bodens deutete,
hab' ich bis zur letzten Poststation verfolgt, wv'sie
ebenfalls ausging." '
. Haben Sie auch die Polizei in Siequisition' ge
gese't V
Die Polizei! Wo denken Sie hin ? Golt be
wahre! Wir müssen anf unsern 5!nf achten. Was
gäbe las für ein Geschrei und'Gelächter, wem: Os
kar Ziegenmilch und Comp. mit Landjägern und so
stigen Polizisten auf seine Gemahlin vigiliren ginge.
Nein, , Nein l. Ich habe deshalb such zu Hause ge
sagt, Madame habe eine Badereise angetreten. Wir
müssen das.. Geschäft, das VerfolgungSgcschaft, mit
äußerster DiScretio.l betreiben, mit enörmcr Feinheit
und nur. so Linier der Hand. . O, wir waren immer
ein praktischer Mann, wir; aber die wahre Finesse,
wie man .innc üanune paaren mn, oaceit wir
doch erst losgekriegt, seit wir die Ehre hatten,' mil
Herrn Gottiieb Kippling in Geschäfttverbindung zu
treten. Ein großer Mann, der Herr Oberst' und
KantonSrath, groß, enorm groß l" 1 '' i.
Ja, wie ist kettn das KohlenlagerersindngSgk
schäft ausgefallen V ' ' ' ; ' .' M
Eonlant, e n o r n, c ö ulaut ko lo ssa l, w :e der Schufi
sagen würde, der Rumpel aber ,ck will den ert
nur gar nickt mehr nennen. Die Leute waren wie
toll. Der EourS unserer Kohlenactien flog .hinauf,
w
wollte er ein Loch in den Hlmm'es stoßen." , .
' -Und Sie sind 'also Noch Tireetörder Köhreik"
Nein, so unpraktisch waren wir nicht. Als das
Unternehmen so recht in Flor stand, schlug Herr Gott
lieb Kippling seine Aktie, loö und zog sich' von der
Compagnie zuaückv Das is&t ei uiormer Schlag
w'S Ccmptoir, begreifliche 'Wurde UnS auch nicht
enig schwül beider Sache.. , urchteten -chon, ersah"
ren zu müssen, daß m'rt großen Herren nicht gut
No. 27.
;i ....!- '
Kirschen essen sei. Aber der Herr ObersinV Kan
tynSrath ..welcher ,. unie. Oualitil ftnreit gelernt
icfttelicjcn lins itlcht flfcfcrv f1 t1? i uns bet
U'.' -o -i' li" r.lll. 5x."?x -...! t
guier Jeu, lornmi unerem azasazen, roiu jagen un
serem Gewinnst, aüp3 Trockene."
' ' ;Und die Anderen hatte da Nächsehen ?"
Die Anderen haben' ihre Actte'n. MSen sehea
wät sie damit anfange'li. '' Praktisch inu Man sein,
hundert mich aber doch, unter' uns gsdg!nzle ew
jo enorm praktischer Mann,' wie der Hett' Oberst und
und Kantonerath ist so darauf versessen selö kann,
seine einzige- Tochter so einem frenlden Vaafen oder
Baron, was er ist, der wohl nicht siel meh'r'klS sei
Wappen und seine Sporen hat, an den Hals zu mv
fen. - -';- !
Ist diese L erb lndung schon eine Ljfentlicht t"
So Ziemliche Kennen Sie den Herrn von Ro,
thenflüh k Er ist hochmüthkger alZ zehnt äugend Mil
lionäre zusammengenommen. Gab lr'käum eine
Antwort, als ich vorige Woche die ' Ehre 'hatte, bet
Herrn Gottlieb Kippling zu diniren"'
Der Freiherr befindet sich gegenw'a'rtlg tm Ki?p
ling'schen Hause?" - - -
. Ja, er kam neulich
Und seine Verlobung mit der Tochter kes 'Hauses
.hat stattgefunden ?" ' m'
. Wenn sie nicht schon statthatte) fo steht' sie doch
bevor. Das kann Jeder ' sehen, - der nicht blind ist'
Denn die stolze junge Dame tjl i ii:ttüciitjcinlitj
ganz enorm verliebt in den Junker und sie 'wickelt
ihren .Bater u den lleinenHmger. ' Unpraktisch
das, enorm unpraktisch '. Oder kl muß wasdarunte?
stecken. : Man munkelt in der Stadt daVonkJ wer
de xine Doppelheirath geben, denn der Herr Barg
habe eine wunderschöne Schwester und die'-'
, Was?" ' ' ;
. Nun,di e würde die Frau on Herrn Theodoi?
Kippling werken." '
Das ist 'ne Lüge, 'ne dummt' verdammt
LÜgeV. ' ' ' -'-:'
; -fitt-tAe sehen Sie au, Herr Hellmut?, w
was machen Sie für Augen WaI'Me'n Sie
denn?" V.- ;; ' - ,b .
- Nichts ' Aber ich muß Sie M ,ttkasse, Her
Ziegenmilch, denn ich habe kauim noch Zelt,
Sachen nach der Post zu 'schaffen 'Äill'mK de
Nachtwagen fort, um morgen bei guter Zeit ' tn dt,
Stadt zu seilte Adieu und viel Muck 'zu Ihre?
kkimalizcn Geschäft '." ' . '
Zweites Tapttel. . .. t
worin zuvv rderst ein ganz kurzer Monolog ich
hernach veichiedene Neuigkeiten mitgetheilt
werden.
..... ...,
Miserabler Klatsch ! Ganz miserablerKlatsch j
Aber ich muß doch zusehen, was Alle während mei
ner Abwesenheit im Hause Kippling sich zugetragen.
Daß Berthold und Julie ein Paar wer'de,nun daß
ist in der Ordnung, ganz' jn der Ordnung. ' Sie
will einen Helden a la.Bi-ron und kr,'er roill eine
Millionarin. Daö paßt sich vortrefflich, da klappt !
Aber las Andere ich bin gewiß, daß eS nur Klatsch
ist, nnr Klatsch sein sann." ' '
Diese kurze Sclbstgk,präch wkeierhoÜe sich wahrend
meiner nächtlichen Postwagenfahrt etwa ein Düßend
mal. wenn ich mich recht erinnere. Zwischenhineln
wurde auch der Entschkuß gefaßt mich etwa ener,
gischer, als bislang geschehen, mit meinen Privatan
gelegenheiten zu befassen' Ei, wir sind '.koch alle
mitsammen mmderliche' Kauze ! Sonst, könnte e
nicht vorkommen, daß wir eine Perle, so rein und
schönste sei, erst dann in ihrer ganzen, Kostbarkeit
rkcnnen wenn wir plöllch eine schmuj-ige Hand nach
derselben1 sängen sehen." . " ,
' " In höchst unbehaglicher Stimmung kam ich in de
Stadt an. Es war entschieden nicht Eisecsucht, a
ich empfand, wohl ab er dunkle Besorgniß. Diebes
den Kipplinge,der-Aeltere sowohl al der Jüngere,
waren nicht die .Leute, , einen einmal entworfkne
Plan auszugeben, und die ganze Art und Weis,,
wie von Vater und Sohn die Vewerungde $rtl
Herrn um Julie ausgenommen und gesirkert ordea
war, unterstützte allerdings die Ziegkm ttch'jche Ler-
muthnng, daß noch etwa Weitere dahinter stecken
mußte. .
' - ,. - ' ., t.r
.'; Beunruhigt, wie ich wlr, konnte ich. es kaöm
warten, vom PostHofe nacb Hause zu kommen." Aber
hier begrüßten mich Scenen, etchr meint Wedan
ken koch wieder für eine geraue Weile on''m'eik
Privatangelegenheiten ablenkten wenigßen theil
weise.. ''- " ' .--' - -
AlZ ich über ten große Hofraum "zwischen de
Magazinen nach der Garteripforte, ging, 'geahrte
ich an dem Orte eine ' sonderbare 'verstöroij, die
hier 'irf' 'fr cniffallender war, wo eine complizkrt
Thätigkeit stn'Zr'mlt'der Regelmü'ii'gkeit eler gut
Uhr verlief. MägazinArbeiter, Packer,' Fuhrckeuk
und Schiffer von den Car.älbootett standen plaudernd '
in Gruppen beisammen und' liefen ihre klrbeit ru-'
hen."" Aber man -hörte keinen Sche-z,krshm,ktik
Velächtez eS ging überill ernst und PM zu. ' Daß
mich der große Waarenprober der Firma, Herr

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