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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, January 31, 1894, Image 7

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Meutfche Lo eal-Nachttchte«.
V v v n z a n e n u
4 In Berlisi sind gestorben: her
Buchdrucker Joh. F. Martin, der in
K den dortigen Arbeiterkreisen eine große
Rolle gespielt hat der beliebte Ko
miker Carl Meißner und der Stadt
verordnete Gerth. Der Sproß einer
alta^ligen Familie, der frühere Con
suletssekreiär von Scheele, wurde dort
selbst wegen Betrugs zu 4 Wochen Ge
fängniß verurtheilt.— Dr. med. Blum
wurde wegen Ausstellung eines fal
schen Attestes verhaftet. Erschossen
chat sich der Industrielle Petzold.
Der frühere Sprecher der Berliner
.„Freireligiösen Gemeinde", Prediger
-'Schäfer, ist in Tobsucht verfallen.
In Flammen aufgegangen ist die Po
samentirwaaren-Fabrik der Gebrüder
Prinz in der Alten Jakobsstraße.
Der Vice-Feldwebel Wegnerowski vom
Gardeschützen-Bataillon in Lichterfelde
hat sich erschossen. Der Luftgymna
stiker Hegelmann, eine Koryphäe seines
Berufes, ist in Rixdorf infolge eines
'Leidens verschieden, das er sich bei ei
net besonders kühnen Uebung im vori
gen Jahre zugezogen hatte. Im
Dorf.» Malchow wurde der 27jahrige
Gastwirthssohn Albert Bartels von
dem Milchpächter Karl Lehmann beim
.'Kartenspiel erstochen Lehmann wurde
'verhaftet. Beim Fällen eines Bau
mes wurde der 72 Jahre alte Königs
'aus Rummelsburg in dem Walde von
Sadowa von dem stürzenden Stamm
erschlagen. Die Dampfmühle von
Bernes in Köpenick ist durch Feuer zer
stört worden der Maler Temmel
verunglückte beim Löschen.
o v i n z O s t- e u e n
Ein Wahrzeichen der Stadt Kö
mgsberg,das Standbild des Hans von
Sagan,ist von Wandalen fortgeschleppt
worden. Die geistesgestörte Frau
des Malermeisters Plaumann in Bi
schofstein hat sich von einem Eisen
bahnzuge überfahren lassen und dabei
auf der Stelle den Tod gefunden.
In Braunsberg starb im Alter von
79 Jahren Prof. Dr. Bender, der 17
Jahre Lehrer am dortigen Gymna
sium und 30 Jahre Professor am Ly
ceum gewesen ist.
o v i n z W e s t- e u e n
Das Wilhelmtheater in Danzig wcm
in Gefahr, ein Raub der Flammen zu
werden. Das Wohnhaus des Thea
terdirektors Meyer, das mit dem
Etablissement in Verbindung steht, ist
eingeäschert und nur der Thätigkeit der
Feuerwehr ist es zu danken, daß das
große Theatergebäude, welches fast
nur aus Holz besteht, vom Feuer v:r
schont geblieben ist.
o v i n o e n
Greifenberg soll «ine Unterofft»
cier-Vorschule, die einen Bestand von
300 Schülern erhalten wird, errichtet
werden. Auf der Rückfahrt vom
Viehmarkt in Labes fiel der Ackerbür
ger Käding von Dramburg vom Wa
aen und brach das Genick. Die
Wittwe Dowig in Altwarp beging bei
guter geistiger und körperlicher Rüstig
keit ihren 102. Geburtstag.
o v i n z o s e n
"'SNt Maurer Walieski in Posen ist
wegen Mordversuchs verhaftet wor
den. Er hatte versucht, seine vier Kin
der durch Einflößen von Brennspiritus
zu todten. Das Fest der Diamant
Hochzeit begingen die I. Pietrokowski
-schen Eheleute in Jarotschin. In
Wreschen ist der Stadtverordnete Ren
tier Mirels, 86 Jahre alt, gestorben
vor einigen Jahren war ihm gelegent
lich der Feier seiner 'diamantenen Hoch
zeit das Ehrenbürgerrecht verliehen
worden.
o i n a S e s i e n
Zu Ehren de* AndenkenZ des in
Glogau verstorbenen Kaufmannes Jo
seph Lazarus, hat dessen Familie der
Stadt eine Stiftung von 100,000 M.
'zugewendet. Die Zinsen des Kapitals
sollen zur Unterstützung verschämter
hilfsbedürftiger Einwohner genannter
Stadt, ohne Unterschied des religiösen
Bekenntnisses, verwendet werden.
Di.? 11 Jahre alle Tochter des in der
englischen Fabrik zu Sagan angestell
ten Werkmeisters'Tinsdeall goß Petro»
leum in's Feuer Line Explosion und
ihr Tod war die Folge. In Neifse
:fcll ein Denkmal für Erntn Pascha er
dichtet werden. Der in Löwenberg
lebende invalide Feldwebel Seibt, der
fünf Monarchen gedient, vollendete bei
guter Gesundheit sein 90. Lebensjahr.
"Der Kaiser ließ ihm èin Ehrengeschenk
,}von 50 M. übergeben. Beim Bau
sder Bahnlinie Löwenberg-Goldberg
-Murde der (Schachtmeister Thamm aus
^Niklasdorf bei Görlitz von Herabstür
-zzenden Erdmassen verschüttet. Er
jtatb schon auf dem Transport -nach
T«m Krankenhause. Der vierteSohn
'des Kaufmanns Schlesinger in Win
Zig, welcher b:im 10. Regiments in
'Wohlau stand, hat sich an dem Grübe
seiner Großmutter erschossen. Furcht
iwr einer Arreststrase soll die Ursache
"thti» Selbstmordes sein.
o v i n z W e s a e n
Direktor des Gymnasiums
^Wrilon ist Oberlehrer Prof. Dr. Theo
Hoor Niggemeyer von Paderborn ge
^tüäHIt worden. In Ostenhelden tet*
4de ein Wnger Arbeiter fünf Kinder,
selche durch die dünne Eisdecke eines
'ITeiches gebrochen waren, nacheinander
-ous dem Wasser. Bei Aplerbeck ist
ine Frau im freien Felde erfroren.
•Sie hatte sich zum Ausruhen niederge
"setzt und war eingeschlafen. Bon
mehreren Zechen werden Unglücksfälle
gemeldet. Auf Zeche Minister ©teils
Hvmde der Bergmann Zmewsky durch
Dampft derart verbrannt, daß er bald
heischied. Auf Zeche Hansa erschlug
niedergehendes Gestein den Hauer
ISfume. Im Schachte der Zeche Kö­
nigsborn wurde dem SBergtffamt Dö
belte der Kopf zerquetscht.
o v i n z a o v e
èn Solisten des Hannoverschen!
MLnnergesangverew^ den Herren
Meinecke und Skathmann, welche
kürzlich im Hofcomert zu Potsdam in
den „Niederländischen Liedern" die
Einzelgesänge ausführten, hat der
Kaiser je eine goldene Busennadel mit
der Krone zum Geschenk gemacht.
Der Präsident des evangelisch-lutheri
schen Landes-Konsistoriums der Pro
vinz Hannover, Dr. Meyer, Mitglied
des Stadtraths, ist nach längerem Lei
dort in Hannover gestorben. Der
Landrath des Landkreises Linden hat
die in Egestorf und Langreder beste
henden Kriegervereine aufgelöst. Man
vermuthet, daß diese Auflösung in
Zusammenhang mit der Reichstags
Wahl steht, in welcher der Socialdemo
krat Meister für Hannover-Linden ge
wählt wurde. Das dem Grafen
Kuyphausen gehörige -große Schloß
Lütetsburg bei Norden ist ein Raub
der Flammen geworden. Die seit
einiger Zeit vermißte Wittwe Paul in
Goslar, Besitzerin des den Harzreisen
den wohlbekannten „Pauls Hotel", ist
als Leiche in einem Teiche unweit der
Stadt gefunden worden. Es verlau
tet, daß ungünstige finanzielle Ver
Hältnisse die Frau in den Tod getrie
ben haben.
o v i n z S e s w i -H o l
I stein.
Oberstabsarzt Dr. Thörner, Ober
arzt des Panzers Sachsen und Leib
arzt des Prinzen Heinrich, ist in Kiel
gestorben. Auf einem Zuge zwischen
Hamburg und Kiel ist kürzlich ein be
deutender Postraub ausgeführt wor
den. Dem Arbeiter H. C. Loose, der
auf dem Piening'fchen Kornspeicher zu
Neumünster mit Herabwinden von
Kornsäcken beschäftigt war, stürzte ein
Sack auf das Genick, so daß er sein
Leben einbüßte. Der Verunglückte,
28 Jahre alt, hinterläßt Frau und
zwei Kinder.
e i n -P o v i n z
Herr Julius Vorster in Cöln Hat
'der dortigen evangelischen Gernâde
zwei werth'oolle Grundstücke an der
Rheingasse geschenkt. Physiker Pro
fessor Dr. Heinrich Hertz ist in Bonn
gestorben. In der Oberstraße zu
Bacharach in der Nähe des Bahnhofes
sind zwei Scheunen und ein Schuppen
durch eine Feuersbrunst zerstört wor
den. Sanitätsrath Dr. Jungbluth
in Aachen beging die Feier seines 50
jährigen Doctorjubiläums. Im
Tode vereint wurde nach 63jährigem,
glücklichem Zusammenleben das Ehe
paar Friedrich Becker zu Meisenheim.
Nur wenige Stunden nacheinander er
eilte beide ein sanfter Tod und ein ge
meinfames Grab nahm die hochbetag
ten Wanderer auf. Bürgermeister
Pokorny zu Wattenscheid ist derGrippe
erlegen. LandtagsabgeordneterKra
winkel zu Dieringhausen hat zur Er
bauung eines Krankenhauses 10,000
M. geschenkt. In Elberfeld hat der
54 Jt-hre alte Bureaugehilfe Hermann
im Irrsinn Selbstmord begangen.
Der Eisenbahnbeamte Reinecke von
Troisdorf wurde von einer Locomotive
getödtet.
o v i n z e s s e n -N a s s a u
Nach Börners Medizinalkalender
gibt es gegenwärtig 222 Aerzte in
Frankfurt a. M., 30 mehr als im
Vorjahre. In der Arndtstraße zu
Frankfurt brach ein Gerüst zusammen
und erlitten die Maurer Lang aus
Schne'ohain, Jung aus Fischbach,
Krückel aus Bayern, Langendors aus
Rod a. d. Weil und Heinrich aus
Frankfurt schwere Verletzungen.
In Bockenheim wurde der Nestor der
dortigen Lehrerschaft, Herr Joseph
Reining, zu Grabe getragen. Reining
Wirt# 51 Jahre lang an der katholi
schen Schule in Bockenheim. In
Wiesbaden starb der Geh. Justizrath
Meiling, 79 Jahre alt, und in Weil
Hurg der Dekan Michel.
a u n s w e i u n
i n e n
tüte Unsitte, Personen, die sich setzen
wollen, im letzten Augenblick denStuhl
wegzuziehen, hat in dem braunschwei
aischen Orte Thedinghausen ein Men
schenleben gekostet. Einer Dienstmagd
wurde der Stuhl von einem Lehrling
fortgezogen die Magd fiel und erlitt
eine schwere Verletzung des Rückgrats.
Sie vermochte sofort kein Glied mehr
zu rühren und ist nach schrecklichen
Lekden gestorben. H. A. Stegner,
der erst Weber,dann Schreiber und zu
letzt königlich belgischer Privatsekretär
der Niederfüllbacher Rentkasse war/
wurde vom Gericht in Koburg wegen
großartiger Unterschlagungen zu vier
Jahren Gefängniß verurtheilt. Bei'
Ausschachtungen vor dem Superinten
dentur-Gebäude in Themar ist man
auf ein Massengrab gestoßen, das
vielleicht der Zeit des dreißigjährigen
Krieges entstammen mag. Die Schä
del sind theilweise sehr gut erhalten
und zeigen noch die Zahnreihen unver
sehrt. Ein verheerendes Feuer hat
den mittleren Theil des vom Herzog
von Anhalt vor einigen Jahren an den
Kreis Bernburg verkauften und in der
gleichnamigen Stadt belegenen Schlos
ses zerstört und der Kreisdirector'Ha
gemann sowie sein Kutscher haben den
Tod in den Flammen gesunden. Viele
Acten sind ebenfalls verbrannt.
o v i n z S a s e n
Erfurt hat jetzt 75,000 Einwohner.
Wegen Vernichtung keimenden Le
Kens ist die Wittwe Sophie Krüger in
Erfurt verhaftet worden. Die betref
sende junge Frau, welche die Wittwe
behandelt hatte, ist gestorben. Aus
Halle a. d. S. ist der Commis Julius
Wülknitz nach VerÜbung von Unter
schlagungen flüchtig geworden.* Frl.
'ChMotte Köbke, eine reiche a tit Dame
vfcn Lauchstädt, welche kürzlich aus
ifrtn Leben schied, hat der Stadt 60,-
f000
M. vermacht und außerdem noch
sonstige ansehnliche Vermächtnisse fest
gesetzt. Im Dorfe Reipftch bei
Merseburg beging der Veteran Gott
fried Gimpel feinen 101. Geburtstag.
Der alte Mann ist verhältnißmäßig
noch rüstig.
e i n a I z
Eine von der Postanstalt Landau
an die Bezirkskasse zu Speyer gesandte
Cassette mit 11,000 M. Inhalt ist beim
Umladen auf dem Bahnhof Schiffer
ftadt gestohlen worden. Der Post
conducteur Groß ist als des Diebstahls
verdächtig verhaftet. Die Cassette ist
erbrochen und entleert aus dem Bahn
dämm gefundâ worden. Frau
Johann Ziegler in Weyer brach in ih
rer Küche durch das Kellergebälk hin
durch und wurde dabei lebensgefähr»
lich verletzt. Ein Gerüst, das in dem
neuen Stahlwerk zu St. Ingbert auf
geschlagen war, brach zusammen und
in Folge des Sturzes in die Tiefe wur
den die auf demselben beschäftigt ge
wesenen Arbeitèr Jakob Ktauß, Georg
Ehrhardt und Karl Vesper sehr schwer
verletzt. In der Schuhfabrik von
M. Wolff zu Pirmasens sollte ein
neuer Kessel in das Maschinenhaus
befördert werden, wobei eine kleine
Mauer zu überschreiten war. Bei den
Arbeiten, den Kessel über diese Mauer
zu heben, verlor derselbe das Gleichge
wicht und fiel auf den Maschinenschlos»
ser und Heizer der Fabrik, Hch. Neuer,
dem dabei das linke Bein abgeschla
gen wurde und der noch weitere Ver
letzungen erlitt, denen èr bald darauf
erlag.
I K ö n i e i a y e n
In München ist der Aquarell- Mtd
Miniaturen-Maler Peter Herwegen im
Alter von nahezu 80 Jahren gestorben.
Bei der Verhandlung der Straf
kamrner zu München betreffs Hehlerei
der bei dem vierfachen Raubmorde in
Salmdorf geraubten Werthfachen
wurde zweifelt^ festgestellt, daß Ta
gelöhner Rattensteller den Raubmord
verübt hat. Rattensteller hat sich in der
Zelle erhängt. Bürgermeister Lud
wig Lechner von Pfaffenhofen ist als
solcher einstimmig wiedergewählt wor
den. Neulich Nacht entstand im
Armenhause zuSchauenstein einBrand,
dem leicht eine Anzahl Personen zum
Opfer hätte fallen können. Die auf
dem Dachboden fchlafenbst Kinder
wurden wach, als ihre Betten schon
brannten,sie schrien um Hilfe und wur
den noch im letzten Augenblick vor dem
sicheren Tode gerettet. Drei ver
mummte Räuber drangen Nachts in
das von der Wittwe Elise Schwaicher
und deren Schwester Maria Krenz
maier bewohnte Haus in Großhöhen
rain und raubten mehrere Obligatio
nen der Nürnberger Vereinsbank zu
verschiedenen Beträgen ferner Baar
geld in Gold und Silber und Schmuck
fachen. In Holzkirchen ist der Uhr
macher Chr. Burgstaller, eines der be
sten Mitglieder des dortigen Vereins
theater, gestorben. Einen schauer
lichen Tod fand die Oekonomiefrau
Lingenöl von Mutten, indem spielende
Kinder die n,meingefüllte brennende
Petroleumlampe zerbrachen. Die Frau
wollte im Schrecken noch eine Stickerei
retten, wurde aber sofort von den
Flammen erfaßt über und über mit
Feuer bedeckt, sprang sie zu ihrem
nichts ahnenden Mann in den Stall,
welcher eiligst einen Eimer Wasser über
sie goß. Die arme Frau ward am
halben Körper buchstäblich gebraten
und starb nach furchtbaren dualen.
Die Kinder blieben unversehrt. An
den Folgen einer Entbindung ist Frau
Albertine Gräfin v. Reigerëberg nach
schwerem Leiden in Rosenheim gestor
ben. Der am Rentamt Würzburg
(Land) angestellte Kameralpraktikant
Joh. Paul wurde verhaftet und nach
Schweinfurt geliefert. Er soll an
einem auswärtigen Rentamt, wo er
vorher angestellt war, größere Unter
schlagungen begangen haben. Pfar
rer Reifach in Kühlach feierte neulich
seinen 70. Geburtstag und das 25.
Amtsjubiläum.
K ö n i e i W e e
Der Erbkämmerer Frhr. Adolf v.
Güglingen, früher ritterschaftlicher
Abgeordneter für den Schwarzwald
kreis, ist in Stuttgart gestorben, ebenso
der bekannte Theologe, Prälat Heinrich
von Merz. Die in Ulm verstorbene
Wittwe Louise Wieland setzte in ihrem
Testament u. A. auch die Armenpflege
Ulm âls Erbin ein in den Erlös der
aus Gebäulichkeiten, Bauplätzen und
Gütern bestehenden Verlassenschaft ha
ben sich die nächst betheiligten Erben
und die Armenpflege zur Hälfte zu
theilen. Der Antheil der letzteren wird
auf 200,000 M. veranschlagt, deren
Zinsenerträgniß ausschließlich für Ar
rnenunterstützungen zu verwenden ist.
Aus dem verschlossenen Gewölbe
des Steinbruchs Döttingen wurden 31
Pfund Dynamitpatronen gestohlen.
Auf dem Bahnhof Mergentheim wurde
der Praktikant Pflüger, Sohn des
Oberamts-Arztes und Neffe des gleich
namigen Reichstagsabgeordneten, von
einem Rangierzuge getödtet. In
Göppingen ist die groß,: Scheune des
Sägmüller Höfer mit Inhalt ein Raub
der Flammen geworden. Brandstif
tung liegt unzweifelhaft vor. Das
Anwesen des Bauern Georg Roser in
Griesingen mit dem Vieh und der gan
zen Ernte ist abgebrannt nur ba3
Wohnhaus wurde gerettet.
o e z o u e s s e n
Am Winterhafen zu Mainz ver
suchte sich Herr Wilhelm von der Helm
aus Winterburg im Rhein das Leben
zu nehmen. Schiffer, die dazu kamen,
retteten den Lebensmüden. Er ver
weigerte jede weitere Auskunft über
feint Person, sowie über die Motive
des Selbstmordversuchs Die Fir
ma Siemens & Halske beabsichtigt
eine elektrische Bahnverbindung zwi
schen Kastel und Wiesbaden via Bie
brich zu errichten. Ein Ingenieur der
Gesellschaft ist bereits mit der städti
schen Verwaltung in Verbindung ge
treten. Frau Nauheimer von Kastel
hat sich im Rhein ertränkt. Zwölf
lunge Leute aus Horchheim sind von
Worms nach Mainz überführt wor
den, um dort wegen Landesfriedens
bruchs vor das Landgericht zu kom
men. Sie hatten sich der Gendarmerie
thätlich widersetzt. Kirchenrath Rit
sert in Kirchgöns, der bereits vor fünf
Jahren sein 50jähriges Amtsjubiläum
gefeiert hat, ist einem Schlagfluß erle
aen. Steckbrieflich verfolgt wird der
Schulverwalter Georg Beller von
Ockenheim, früher in Ober-Nörlen,
von der Mainzer Staatsanwaltschaft
wegen Sittlichkeitsverbrechen. In
Bieber wurde der Schuhmacher Joh.
Schäfer von Lützel-Wiebelsbach als
Leiche aufgefunden er hatte sich die
Kehle durchschnitten. Die Ursache des
Selbstmordes ist unbekannt. Leh
rer Kaiser von Weiskirchen feierte mit
feiner Gattin das Fest der goldenen
Hochzeit.
o e z o u a e n
Der Geh. Hofrath Adolf Knop,Pro
fessor an der technischen Hochschule, ist
in Karlsruhe gestorben. In Ran
degg ist Baron von Hornstein im Alter
von 72 Jahren gestorben, nachdem er
sich vor einigen Wochen einer Amputa
tion eines Fußes hat unterziehen müs
sen. Eine Explosion von Feuer
wer^körpern sand im Laden der Ge
brüder Koch in der Unterstadt von
Mannheim statt. Der Schaden ist be
trächtlich. In Konstanz ist der
Cellovirtuose Joses Deim im 57. Le
bensjahre gestorben. Der Bürger
ausschuß von Pforzheim genehmigte
einstimmig die Errichtung einer elek
trischen Centrale für Kraftbetrieb und
Beleuchtung unter Bewilligung von
291,600 Mark. Der Contract soll der
Firma Schuckert & Co. in Nürnberg
übergeben werden. Als Sachverstän
diger fungirte Dr. May von Frank
furt. Der Commis Robert Ohm
von Thumringen hat sich erschossen.
Die Schulen von Rastatt mußten we
Xien starken Auftretens von Influenza,
Scharlach und Diphtheritis geschlossen
werden. In Bechlingen versuchte der
Landwirth Martin Bürllin seine Ehe
srau zu ermorden. Er schoß auf sie
mit einem Revolver, die Kugel streifte
aber nur die Ohrmuschel. Gleich nach
der That entleibte sich Bürklin in der
Turnhalle durch einen Schuß in die
Schläfe.
K ö n i e i S a s e n
Der Direktor eines erst seit kurzer
Zeit in Dresden bestehenden Bank
instituts ist verhaftet worden die Ge
schäftsbücher sind beschlagnahmt.
In Niederlöbniß machte der Haus
besitzer ehemalige Lithograph Seifert,
der feit Jahren an schwerer unheilba
rer Melancholie litt, seinem Leben
durch einen Schuß in die Schläfe ein
Ende. In Reichenbach im Vogtl.
ist die StreichgarnsGinnerei der Firma
August Schreiterer vollständig nieder
gebrannt. Das Feuer entstand wäh
rend des Betriebes durch einen Zusall
und griff so rasch um sich, daß di
80 in dem Gebäude arbeitenden Spin
ner entfliehen mußten. Ein Pilsener
Bierhaus in Zwickau, hatte sich an sei
ne Brauerei in Pilsen wegen der Bier
preise gewendet und darauf die lakoni
sche Antwort erhalten: „Wenn die
Sachsen das Bier nicht bezahlen kön
nen, dann mögen sie anderes Bier
trinken." Der Rentier und frühere
Gasthofsbesitzer Gottlieb Winkler in
Marfchitz wurde in dem Jobnabach in
der Nähe von Bloßwitz als Leiche aus
gesunden. Derselbe war in der Dun
kelheit vom Wege abgekommen und so
verunglückt.
I e i e S e
In Hamburg ist der aus Tirol
flammende Bildhauer Alois Denoth
gestorben. Von ihm stammen die Sta
tuen Iber Germania und Hammonia
auf der Brooksbrücke in Hamburg.
Auch zahlreiche Porträtbüsten und
Werke der Kleinplastik hat Denoth ge
schaffen. Aufsehen erregt dort die
Verhaftung des Hausvaters des Asyls
für obdachlose Männer, welcher wie
derholter Sittlichkeits-Verbrechen be
schuldigt wird. Die Arbeitslosigkeit
am Hasen in Hamburg hat einen be
denklichen Grad erreicht. In den Fa
briken und aus den Werften jenseits
der Elbe sind an 3000 Men'schen weni
ger beschäftigt als zu derselben Zeit
des vorigen Jahres. Consul H. H.
Meter hat das Jubiläum seiner 60
jährigen Mitgliedschaft der Bremer
.Firma H. H. Meier & Co. gefeiert
ier Jubilar ist 85 Jähre alt.
O e s e e i h- U n a n
®ie Wirkwaarenfirma Josef Pack-!
seifer & Co. in Wien hat mit 100,000,
Gulden Bankrott gemacht. Der
Kommensky-Verein wollte dortselbst
einen „tschechischen" Kindergarten ein
richten. Der niederosterreichische
Schulrath hat das betreffende Gesuch
ohne Motivirung abschlägig beschieden.
Gemeindesecretär I. Homme von
Hollenstein ist nach VerÜbung von Un
terschlagungen flüchtig geworden.
Der 61 Jahre alte Besitzer der Karo
linen-Villa in Mödling, Ingenieur
Johann Fischer, hat einen Selbstmord
versuch gemacht. —Der in Prag ver
storbene Architekt Turek vermachte jlein
ganzes Vermögen, 200,000 fl., wohl
thätigen Zwecken. In Scheiblwies
brach vor einiger Zeit ein Brand aus,
der sechs Wirthschaften total vernich
tete und 15,000 Gulden Schaden an
richtete. Jetzt verfolgt das Gericht
den flüchtigen Knecht Josef Hu&meier
als Brandstifter dieses Brandes.
Die Bräuhaus-Subskription in Pilsen
verlief über alle Erwartungen glän
zend. Das Unternehmen ist perfekt.
Die konstituirende Versammlung sin
det demnächst statt. In St. Leo
nard i. W.-B. schoß der junge Weini
ger infolge eines Streites mit einer
Pistole auf seinen Vater und verwun
bete denselben schwer, worauf er sich
selbst mit einem Messer die Kehle
durchschnitt. Der Fabrikarbeiter
Franz Großmann in Trautenau hat
feine Frau ermordet.
S w e i z
In der Färberei, Bleicherei und Ap
pretur von J.J. Weber zur „Schleife",
in Winterthur, drohte jüngst ein
Brandausbruch, weswegen die Stadt
mit den üblichen Mörserschüssen alar
mirt werden mußte. In dem Senge
raum verbrannten rohe Baumwoll
tücher im Werthe von ungefähr 10,000
Franken. Der 17 Jahre alte Gott
lieb Meier stürzte in der Gerberei von
Wunderly in Meilen in einen mit ko
chendem Unfchlitt gefüllten Kessel und
erlitt so schwere Verletzungen, daß er
bald darauf starb. Nationalrath
11. Burkhalter, 70 Jahre alt, ist in
Bern gestorben. Karl Bueß hat in
Folge eines Unfalls in der Dampf
sägerei Belrichard in Courtelray fei
nen Tod gefunden. Der Vorschlag
der Gemeinde von Luzern, das Gas
werk für 450,000 Franken zu über
nehmen, wurde von der Aktionärver
sammlung des letzteren abgewiesen.
Der Antrag auf ein gütliches Abkom
men, blieb in Minderheit. Die Ange
legenheit kommt nun vor ein Schieds
gericht. Das Gerbereigebäude Bu
holzer bei Horw ist sammt Inventar
ein Raub der Flammen geworden. Die
Ledervorräthe konnten gerettet werden.
Immerhin beträgt der Schaden über
40,000 Franken. Das Vermächtniß
des Herrn Rudolf Heer im Betrage
von 50,000 Franken wird dem Schul
fonds von ©latus einverleibt werden.
Jüngst legte in Preonzo eine 80
jährige Greisin einen erhitzten Back
stein in's Bett, um ihre Füße zu er
wärmen. Derselbe scheint leider zu
heiß gewesen zu sein er entzündete
die Decken der armen Alfen, welche in
folge des sich entwickelnden Rauches er
stickte. Maurice Humbert, Professor
der Jurisprudenz an der Neuenburger
Akademie, erlag in Gens den Folgen
einer chirurgischen Operation. Beim
Transportiren von Langholz aus dem
Walde bei Freimettingen wurde ein
Taglöhner Egli, Vater von sechs Kin
dem, von einem Stück Holz, das in's
Rutschen gekommen war, so unglücklich
getroffen, daß er nach zehn Minuten
eine Leiche war. Auf der Straße
zwischen Courtelary und Cortebert
überfielen fünf junge Burschen aus der
Gegend ein Ehepaar Beyeler auf der
Straße und mißhandelten beide Ehe
gatten in rohester Weise namentlich
wurhrn art Frau Beyeler, welche die
Attentäter über das Straßenbord hin
unterschleppten, Brutalitäten verübt.
Alle fünf Uebelthäter sind ermittelt
und verhaftet.—Im hohen Alter von
achtzig Jahren ist Friedensrichter
Riiegg in Turbenthal gestorben.— Im
Walde von Chapelle Rouge wurde ein
nach Hause fahrender Landmann von
zwei Burschen angefallen, seines Gel
des im Betrage von 90 Fr. beraubt
und schwer verletzt am Straßenrande
liegen gelassen. Auch in der Gegend
von Rue fand vor einigen Tagen durch
zwei Subjekte ein Angriff auf einen
Metzger statt, der sich jedoch ihrer er
wehren konnte. In Nieberbfch
brannte das um 8000 Fr. versicherte
Wohnhaus eiltet Wittwe Lüdi gänz
lich ab.
E i n u a e s o u i
stisches Unglück ereignete sich im Monte
Rosa-Gebiete. Eine aus neun Perso
nen bestehende Touristengesellfchaft aus
Turin unter Anführung des Oberlieu
tenants Giant wollte die 4600 Meter
hohe Punta ©risse am Monte Rosa
besteigen. Unterwegs wurde sie von
einem heftigen Schneesturm überfallen,
welche kolossale Schneemassen auf
ihürmte. Nur vier der Touristen konn
ten die Schutzhütte Margherita errei
che^, von wo aus sofort eine Hilfs
aktton eingeleitet wurde. Nach viel
stündigem Suchen fand man Oberlieu
tenant Giant erfroren und die vier an
deren Vermißten fast erfroren. Zwei
derselben dürsten nicht zu retten sein.
U e & e e n e n A e n a s
versuch in der Großen Oper zu Paris
wird von dort das Folgende berichtet:
Die Inspection, die jeden Tag den
Kronleuchter der Großen Oper auf
feine Solidität zu untersuchen hat, er»
gab kurz vor der Generalprobe der
neuen Oper „Gwendoline", daß der
Leuchter an zwei Stellen durchsägt
war. Die Entdeckung wurde zuerst ge
heim gehalten, aber ein Maschinist
plauderte und jetzt spricht Jedermann
davon. Bei der ersten Aufführung
des Werkes waren zahlreiche Polizisten
in Civil im Theater aufgestellt neben
den Stadtgardisten in Uniform. Es
ist wahrscheinlich, daß irgend ein Be
idiensteter der Oper die That verübt
hat.
i e W i e S a i n i e
hat einen neuen und dabei eigenthüm
lichen Verkehr zwischen Liverpool und
Neu-Seeland etablirt. Der neue
Doppelschrauben-Dampfer „Gothic",
welcher für den "Personen- wie tfüt den
Gütertransport eingerichtet ist, hat mit
allgemeinem Waarenkargo die Reise
nach Neu-Seeland via Kap der guten
Hoffnung angetreten und wird auf der
Heimreise die Fahrt um das Kap Horn
machen, t. h., circa 20,000 Meilen zu
rücklegen. Als Rückfracht wird der
Dampfer 75,000 geschlachtete Hammel
und 1000 Tonnen Milchereiproducte,
welche in Refrigeratorlammem aufbe
wahrt werden, bringen. Diese Fahr
ten sollen regelmäßta wiederholt wer-
t» 'Äii & Uu'tÄ?'sv*
1
keit des Fürsten Bismarck in den
„Hamburger Nachrichten" kommen von
angeblich zuverlässiger Seite die sol
gendert Mittheilungen: Es besteht ein
täglicher schriftlicher und Depeschen
verkehr zwischen dem Fürsten Bis
marck und den „Hamburger Nachrich
ten". In Friedrichsruh vermittelt
denselben Dr. Chrysander, Sekretär
des Fürsten, bei den „HamburgerNach
richten" der Redakteur Dr. Hofmann.
Letzterer studirt die Zeitungen und die
große Zahl der Einsendungen an die
„Hamburger Nachrichten", jedoch nur
die auf den Fürsten Bismarck betref
senden Auslassungen.' Es werden
Ausschnitte angefertigt, manchmal
auch ganze Zeitungsnummern ausge
wählt und diese gehen, sorgfältig ver
packt, täglich durch expressen Boten
nach Friedrichsruh. Hier öffnet Dr.
Chrysander das Packet und liest dem
Fürsten, während dieser auf dem So
pha sitzt und die Pfeife raucht, sammt
iiche Artikel vor. Nach Verlesung
eines Ausschnittes, den er sich oft rei
chen läßt, um ihn noch einmal zu sNl
diren, macht der Fürst dazu seine mar
kanten Bemerkungen, entweder münd
lich, die Dr. Chrysander schnell da
runter schreibt, oder schriftlich mit
einem feiner großen Bleistifte. Oft
ist ein besonderer Brief des Dr. Chry
fander an die Redaktion erforderlich,
um Einzelheiten zu erörtern. Das
ganze Material wird täglich aufgear
beitet und ist eines der wichtigsten Ta
gesgeschäste des Fürsten. Dann wird
Alles in einen dicken Brief gepackt und
an die „Hamburger Nachrichten" ge
schickt. Mitunter aber bittet Fürst
Bismarck den Redakteur Dr. Hofmann
durch Telegramm ober Brief um fei
nen umgehenden Besuch. Nach dem
Ergebniß dieses Besuchs wird bann
ein Leitartikel im Bismarck'schen
Sinne geschrieben. Theils bringt Dr.
Hofmann fertig ausgearbeitete kleinere
Sachen nach Hamburg mit, theils dik
tirt er einem Stenographen und einem
Sekretär die Leiter.
zeß wird demnächst die bayerischen Ge
richte beschäftigen. Im 16. Jahrhun
dert gelegentlich der Reformation
wurde das adelige Damenstift Wech
terswinkel, nachdem die Insassen zum
Lutherthum übergetreten waren, auf
gehoben und dessen Einkünfte zur Un
terstützung armer Pfarreien und Schü
ler verwendet. Im Jahre 1803, gele
gentlich der Säkularisation wurde das
Klostergut Wechterswinkel inkamme
rirt und im Jahre 1809 unter dem
Großherzog Franz vonToskana wurde
das Wechterswinkler Klostergut in
eine Wechterswinkler Pfarrei- und
Schulstiftung umgewandelt und der
gesammte Ertrag aus dem ehemaligen
Klostervermögen zu diesem Zwecke ver
wendet. Nachdem Würzburg wieder
art die Krone Bayern gekommen war,
zog der Fiskus alle diese Leistungen,
welche in 84 Jahren 1,166,001 Mark
betragen, ein. Der Landrath von Un
terfranken hat nun beschlossen, diese
Summe nötigenfalls auf dem Wege
der Civilklage vom Fiskus Bayern zu
erstreiten.
sri's Seitenstuck zum Ham
burger Schassnerproceß kann eine Ver
handlung gelten, die sich vor derStras
tammer des Landgerichts in Mann
heim abspielte. Bei der Rheinüber
fahrt Mannheim Ludwigshafen dient
als Ausweis für 'die Passagiere ein
Coupon, der am Billetschalter gelöst
und beim Betreten des Bootes dem je^
weiligen Capitan übergeben wird, der
den Abschnitt vernichtet. Der bei der
Ueberfahrtsgesellschast als Capitänan
gestellte Peter Kröverath aus Cues a.
d. Mosel hat nun von Ende 1892 ab
bis zum 17. November v. Is. täglich
70—90 dieser Coupons nicht Vernich
tet, sondern die Billeteurin Christine
Maus von Mannheim bewogen, die
Scheine nochmals zu verkaufen. Den
auf diese Weife erworbenen Kassen
überschuß theilten die Beiden unter sich.
Um welche Summen die Eigenthümer
der Trajectboote geschädigt wurden,
läßt sich genau nicht mehr feststellen,
das Gericht nahm rund 1000 M. an.
Kröverath, der als Entschuldigung
seine Nothlage anführte, er habe mit
feinem monatlichen Salär von 80 M.
feine Familie nicht erhalten können,
wurde zu 6 Monaten, feine Gehilfin
zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt.
I a s o e i n e s s h
fischen Dorfes hatten sich eines Abends
die Gemeinderathsmitglieder zur Sit
zung versammelt und in der allgemei
nen Vertiefung in die Berathung über
des Dorfes Wohl und Wehe hatte man
anfänglich gar nicht beachtet, daß auch
der wohlbestallte Hüter der nächtlichen
Stühe des Dorfes, Gottlieb Tugend
fant Frühauf, sich in dem Berathungs
Zimmer eingefunden, die Zeichen feiner
Würbe, den schweren Spieß und die
unförmige Laterne, in eine Ecke gestellt
hatte und nu-n, die Pfeife im Munde,
mit großer Behaglichkeit und noch grö
ßerem Wissensdurste den weisen Reden
der löblichen Dorfbeherrscher lauschte.
Endlich konnte sich ein dicker, runder
Herr (von dem die Sage ging, daß er
-in feiner bald 20jährigen Praxis als
Gemeinderathsmitglikd während der
Sitzungen noch kein Wort weiter als
„Ja" und „Nee" von sich gegeben),
nicht mehr halten und mit großer Ent
rüftung in der Stimme frug er mitten
in der Berathung ükr einen wichtigen
Gegenstand: „Na, Goodlieb, was
willst Du denn hier, wer paßt denn da
uff, wenn fe draußen stehlen?" Und
während noch die anbeten Räthe in
wortlosem Staunen die unvermuthete
„Jungfernrede" ihres Kollegen auf sich
wirken lassen, antwortete schon „Good
lieb", während er die Pfeife sorglich
aus einem Mundwinkel in den andern 1
schob, mit bewundernswerter Seelen
ruhe: „Na, wer soll denn stehlen?
Mer sein ja Alle hie!-
I
1
I n O e s s e n e u i e S
an der Marne wurde vor emtgen
gen die von Dr. Leon Petit
Luftkuranstalt für tuberkulös Sunpcr
eingerichtet. Es ist eine Art niebta»
nisch-pädagogisches Institut, in ixm
die hauptsächlichste Behandlung der
Kranken in einer Luft-, Ozon- ui»
Mastkur besteht. Das neue HauH.
das den strengsten Anforderungen d«
Hygiene entspricht, besteht aus zwei
zweistöckigen Gartenhäusern
mit
elek­
trischer Beleuchtung. Im ersten FW
gel, der bereits hundert Betten enthalt
befinden sich Schneider-,- Schuftet»
und Korbflechtwerkstätten, eine Leder
bindete! u. s. to., too die intelligente rett
Kinder in einem Handwerk ausgebildet
werden können. Der zweite Flügel
nach einem vollständig neuen Plan#
und mit ausschließlicher Berücksi^^
gung der beabsichtigten therapeutische»
Behandlungsart eingerichtet. Er
am anderen Ende des Gartens gelegew
und mit dem ersten durch einen langen»,
von einer mächtigen Terrasse überrag«"
ten Säulengang verbunden, in desse»
Erdgeschoß sich die Consultations- uiè
Ope'rationszimmer, ferner die Jn^kla»
tions- und Badesäle, sowie das baffe»
riologische Laboratorium» befinde«»
Auf der Terrasse nehmen die kleine»
Kranken, auf langen Stühlen ausgs»
streckt, ihre Luft- und Sonnenbäder.
Das Innere dieses Flügels enhält nut
einen Raum, eine gewaltige Halle, de»
ren gewölbte Decke sich 12 Meter über
dem Boden erhebt und um die herum
sich zwei über einander gelagerte Ga»
lerien von fe 4 Meter Breite ziehen-
Diese Halle, die nicht weniger a®
10,000 Kubikmeter mißt, ist für SO
Kinder bestimmt, von denen also ei»
jedes die beträchtliche Durchschnitts»
menge von 120 Kubikmetern Luft er»
hält. Die schlechte Luft, die drnnch
zahlreiche Oeffnungen in der Deck^
entweicht, wird sogleich durch eil*
gleiche Menge reiner Luft ersetzt, f»
daß die Atmosphäre in dem ©aale
stündlich vollständig erneuert mir**
Sie wird zudem noch Morgens unb
Abends durch eine künstlich erzeugt»
Atmosphäre ergänzt. Im Kellerraun»
befindet sich neben der Luftheizung-^
Vorrichtung ein mit einer Lösung von
Kreosot, Eukalyptus und Terpentin
gefüllter Behälter, in den die heiße
Lust vor ihrem Eintritt nr den Saal
geleitet wird. Außerdem sind ringjt
um die Galerien am Kopfende de?
Betten eine Reiye von «Schläuchen an»
gebracht, die ganze Ozanfluthen i»
den Raum ergießen.
e e n w i s a u bar
„Ausstellung des Fortschritts" im In»
duftriepalaft zu Paris eine elektrische
Abstimmungsmafchtne zu sehen, welche
in erster Linie zum Einsammeln unfr
Regiftriren der Wahlstimmen einer
Gemeinde dienen soll. Diese Maschin»
hat Ähnlichkeit mit einer großen Per
sonenwaage. Die Wählet treten nach
einander auf das Brett eine eleftri»
fche Klingel ertönt jedesmal und ruht
erst, wenn der vorgetretene Wähle?
feine Abstimmung vollzogen hat. DieA
thut er, indem er an dem Tableau da*
Automaten auf denjenigen KnopG
drückt, der dem Namen seines Kandi
daten entspricht. Der Zählapparat
registrirt den Wahlakt zu den voran#
gegangenen aus den Scheiben der Ein*
heilen, Zehner, Hunderte u. s. w., fer
daß, sobald der letzte Wähler dal
Trittbrett verlassen hat, jedes Kind»
am Tableau ablesen kann, wie viele
Stimmen für jeden Kandidaten abge«
geben worden sind. Etwaige doppelt»
Abstimmung eines Wählers ist un»
möglich, denn der Apparat funkttemit
nur einmal, solange der Wähler cmff
dem Trittbrett steht. Der Erfinder
heißt Gratien Moreau.
E i n e u s e w e e
die Reise von Hamburg nach Barce»
lona über die Schweiz und durch die
Pyrenäen zu Pferde unternommen hat,
ist an feinem Ziele wohlbehalten ein
getroffen. Der Betreffende gedenls
sich einige Zeit in der Hauptstadt Ca
taloniens aufzuhalten, um deren Se»
henswiirdigkeiten in Augenschein zu
nehmen, und dann, immer zu Pferde»
den Weg südwärts weiter fortzufetjea^
das schöne Andalusien die Kreuz utÉ
Quere zu durchstreifen und sich Hiera
el
in Cartagena nach Marokko einzuschiff
sen. Unser Deutscher will auch doch
feinen Gaul nicht an einen dürren ZW
binden, sondern vielmehr ganz Nord*»
afrika durchziehen, bann nach Italic?»
übersetzen und schließlich nach
bürg zurückreiten.. Ein schöner Spa»
zierritt!
Decret ist von einem badischen Bür
germeister erlassen worden. In dem
Bestreben, Ersparnisse zu machen,
fand er in den städtischen Schulen em
ergiebiges Gebiet für die Bethätigung
feiner Verwaltungsweisheit und sc»
^fort ließ et einen Ukas an die ge*
sammt« Lehrerschaft ergehen, in de»
sich folgender Satz befindet: „r£Xâ%»
rend der Heizperiode dürfen die
ster im Allgemeinen in den SchuIztM»
mern nicht mehr geöffnet werden."
Dazu kommt noch, daß in der fragli
chen Anordnung die Temperatur bei
Beginn des Unterrichts auf 15 (3r«b
Celsius (59 Grad Fahrenheit) festge
setzt ist. Der weise Bürgermeister wiÄ
die fehlende Zimmerwärme durch die
von den Kindern ausgehende antmasi»
fche Wärme ersetzen, vergißt aber, bafc
in Folge der mangelhaften' Ventilatioa
die Luft verpestet wird.
E s e i a e i
sten tnttrefsiren, zu erfahren, daß die
Lokalpost zu Tschifu nette Weril. t*
chen herausgegeben hat. Das tiv
der Briefmarke ist eine Ansicht der
Signalftatwn und des Ausblicks in
die Tfchifu-Ansiedlung, und die Mar
ken haben fünf Farben: grün (für 146
Cent), roth (für 1 ($ent), blau (für 3
Cents), gelb (für 5 Senil) und bm»»
(für jLQ Cents)..

i e e i e e k a k
S i n i n e e s s a n e o
E i n e i e n i e s

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