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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, February 07, 1894, Image 7

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Deutsch« Loeitt.Nachrichte«.
o v i n z a n e n u
^Die Zahl
ier
Selbstmord begingen der Kauf
MMN Gustav Degner, der Agent
Adolf Krüger, der Privatier Salo
Pfennig. Beim Schlittschuhlaufen
mf der Havel ertranken der Lehrer
«Ernst Huhn aus Berlin uTtd_ der Por
Aellandreher Fischer aus Pichelsdorf.
Der Drehorgelspieler Georg Ka
Mann ist bei Rudow errrrvrdet worden.
Die Hofpianofabrik von A. Grand
in Berlin ist niedergebrannt. Vor
ein Kriegsgericht gestellt wird der im
Kaiser Alexander-Grenadier-Regiment
dienende Gefreite Hartmann -werden,
und zwar wegen Soldatenmißhand
lung. Die Affaire hängt damit zu
sammen, daß ein Rekrut des genannten
Regiments fahnenflüchtig geworden
war. Derselbe eâüirte, wegen schlech
ter Behandlung desertirt zu sein.
Wegen Ermordung seines jüngsten
Kindes und unter dem Verdacht, auch
NN früher geborenes absichtlich gelobtet
zu haben, ist in Weißensee der Arbeiter
Carl Rahmlow verhaftet worden.
Posteleve Greifn, der Sohn eines
Restaurateurs aus Potsdam, hat sich
bei Neu Babelsberg todt fahren lassen.
Beim Schlittschuhlaufen ertrank
der 9 Jahre alte Sohn des Arbeiters
Lindenau aus Köpenick. Auf dem
Plessowersee ertrank der langjährige
Kammerdiener des verstorbenen VKo
präsidenten des Herrenhauses, Hans v.
Rochow, Namens Mußfeldt. Auf
der Osthavelländischen Kreisbahn zwi
schen Ketzin und Nauen sind neuer
dings wiederholt Versuche gemacht
Wörden, die Züge durch auf die Schie
nen gelegte große Chausseesteine zum
Entgleisen zu bringen. In dem
Dorfe Kienbaum bei Kalkberge-Rü
Dersdorf haben neulich Nachts z w a n
z i Brände stattgefunden.
o v i n z W e s t- e u e n
Ein Gefreiter des Kürafsier-Regi
mints zu Riesenburg fiel bei einem
Tanzvergnügen über einen taubstum
men Schneidergesellen her und versetzte
ihm mit einem Messer zwölf Stiche in
den Kops und Rücken. Einige Trom
peter, welche den Wüthenden abhalten
tvofltm, wurden verwundet. Bei feiner
Verhaftung ging der Wütherich gegen
den Unterofficier der Militärpatrouille
mit dem Messer vor. Der Schneider
geselle liegt hoffnungslos darnieder.
Der Gerichtsvollzieher Hoffmann von
Graudenz wurde in einem Gasthause
zu Lessen Morgens bewußtlos in sei
item Bette aufgefunden und starb trotz
sofortiger ärztlicher Hilfe. Die Ob
duktion der Leiche ergab, daß eine Koh
lenoxydgas-Vergiftung vorlag.
o v i n z O s t- e u z e n
In Königsberg ist Professor Dr.
Johannes Schmidt, Dozent für klas
fische Philologie, Schwiegersohn des
Literarhistorikers und Aesthetikers R.
Haym in Halle, gestorben. Rechts
anwalt Schlepps in Heydekrug, welcher
seit einiger Zeit in mißliche Vermö
gensumstände gerathen war, Der suchte
sich und seine Frau durch Strychnin zu
todten. *Da das Gift nicht schnell ge
'nug wirkte, so erschoß sich Herr
Schlepps. Seine Frau wurde durch
Anwendung geeigneter Mittel dem Les
ben erhaltn.— Wegen Verleitung zum
Meineid wurde dem Fleischermeister
Otto GlÄß zu Eydtkuhnen von der
Strafkammer zu Stallupönen eine
Zuchthausstrafe von 2 Jahren 6 Mo
naten auferlegt.
Pr c.v t.nz Schlesien.
Im Kreise Neustadt tritt die Ge
nkkftarre epidemisch aus. Der Forst
aufseher Volktg zu Bergel ist bei dem
Versuche, einen Wilddieb zu verhaften,
in die Schulter geschossen worden.
Auf der Station Vogelsdorf ist ein
vergeblicher Versuch, den Kassen
schrank aufzubrechen, gemacht worden.
In Wörtsdorf bei Haynau ist die
•dem Kaufmann Krause gehörige, frü
her StopÄ'sche Gastwirthschaft nre
'dergebrannt.—'Ein im obersten Stock
werk des Junge'schen Hceuses zu
Warmbrunn '«ungebrochenes Schaden
seuer hat fcrotz der größten Anstren
gungen der Feuerwehren von dort, so
wie aus acht umliegenden Ortschaften
einen ganzen Häusercomplex einge
äschert.
y o v -i n z o s e n
J,... ©ei einer MddienWbung stürzte
ètn Hilsar ibei Posener Garnison so
unglücklich, 'daß er sich die Lanzen
spitze in den Kops bohr.c. Der Mann
ist gestorben.—Die Stadtverordneten
'von Posen haben 200,000 Mark zum
Wau einer Baugewerbsschule bewilligt.
--^Die Holzbearbeitungsfabrik von
Mannheim dortselbst ist niederge
ârannt. Der Schaden ist beträchtlich.
—?Die beiden Dienflmädchen 'des Kavf
memns Cohn in Wrtkowo send an KoH
Uftkunft erstickt.
o v i n e N
tSIf Medicinische Facultät des Mi
fcerittäl Greifswald hat den Kreis
«ndDepaz'tements-ThlerÄrzt OLmann,
der jetzt -auf eine fünfzigjährige Thä
tigkeit zurückblickt, zum Ehrendoctor
ernannt. Ollmann ist der erste Thier
«rzt, dem de?t eine solche Auszeich
lyjiig zu Theil geworden. Bon der
Rettungsstation Putgarten aus Rit
ten wurden achMann von der gestran
detev deutschen Brigg „Emma", Capt,
Facks, gerettet. In Heringsdorf
hat der Maschinist Avdols Meyer seine
i e o e
Mt
gegenwärtig in Ber­
lin beschäftigungslosen Arbeiter schätzt
das Centcalnachweisungsbureau auf
rund 80,000 Personen. Darin sind
allerdings die Bauhandwerker mit ein
begriffen, welche d.?s Frostes wegen
feiern müssen. Das 25jährige Jubi
läum als Stadtverordneter hat der
botitge Fabrikbesitzer Diersch gefeiert.
Die linksnationalliberalen „Nemsien
Nachrichten" in Hannover sind vom
„Courier" aufgekauft worden und ge
hen Anfangs März ein. Die Wohn
und Wirthschaftsgebäude von Kreter
und Ohne in Scharzberg sind durch
eine Feuersbrunst zerstört in den
Flammen kamen 80 Schafe und meh
rere Rinder um. In den Hützeler
Kiefelguhrswerken ist die Verarbeitung
des Guhrs zu Lampendochten gelun
pen. Die neue Erfindung soll sich sehr
gut bewähren.
o v i n z S e S w i o l
sie in.
Die Kaiserin hat dem Fräulein
Anna Bissen in Altona anläßlich seines
vor einigen Tagen stattgehabten hun
dertjährigen Geburtstages ihr Por
trait und das ihrer Kinder in prächti
gem Rahmen übersandt. Oberbür
germeister Dr. Giese übergab der Hun
dertjährigen das Geschenk mit einer
passenden Ansprache. Der Garnison
von Neumünster ist verboten, das
Bahnhofs-Hotel, sowie Somanns Ho
tel.und Peutz' Hotel zu besuchen, weil
die Inhaber derselben bei der letzten
Bürgermeisterwahl mit den Sozial
demokraten für den Bürgermeister
Roer-Peine gestimmt haben. Die
Dachpappenfabrik von Menge & Erich
sen in Schleswig ist niedergebrannt.
Der Schlachtermeister Schröder von
Plön gerieth auf dem Wege nach
Lehmkuhlen in eine Torfkuhle und
fand seinen Tod durch Ertrinken.
o v i n z W e s a e n
Die Wittwe des vor einigen Wochen
verstorbenen Geh. Ckmmercienraths
Ebbinghaus hat für außerordentliche
Unterstützungszwecke der Stadt Jser
.lohn 10,000 M. überwiesen. In
Dortmund wollte ein Knabe im Alter
von zehn Jahren in Abwesenheit der
Eltern „hängen spielen". Er knüpfte
.zwei Taschentücher zusammen und
steckte den 5tt»pf in die Schlinge. Lei
der ist aus dem Scherz Ernst gewor
den, die Eltern fanden den Ärtafert todt
vor. Auf Zeche Hibernia wurden
drei Mann durch schlagende Wetter ge
•tobtet. Der Senior der Stadt Ge
seke, Geh. Rath Dr. Schupmann, hat
mit seiner Gattin die diarnanteneHoch
zeit gefeiert. Der auf der Egger
mann'fchen Mühle in Dahlhausen be
schäftigt gewesene Ed. Dommarsen ist
ermordet und beraubt worden. Als
der That verdächtig wurden zwei
Männer Namens Rabe bzw. Kowall
wicz verhaftet.
o v i n z e s s e n -N a s s a n
Die Einwohnerzahl der Stadt
Frankfurt wird auf 197,500 geschätzt.
Von dort ist der Uhrmacher Cäsar
Hederich, Fahrgasse No. 28, unter
Mitnahme zahlreicher Uhren ver
schwunden.— Heinemann Jonas, aus
Hesselbach gebürtig, ist unweit Gien
heim von einem Zuge getöbtet worden.
Bischof Weyland in Fulda ist ge
starben. Unter einem Dunghaufen
im Felde bei Hattersheim versteckt,
wurde die von dem Einbruchsdiebstahl
auf dem dortigen Postamt herrührende
eiserne Cassette aufgefunden. Sie
enthielt die gestohlenen Postwerthzei
chen, die Versicherungsmarken und die
Einschreibebriefe. Das baare Geld
war jedoch verschwunden. Der auf
der Utpher Mühle bei Hungen mit dem
Aufthauen eines eingefrorenen Wasser
rades beschäftigte Müller winde von
dem sich unvermuthet in Bewegung set
zenden Rade getöbtet.— Der Sohn des
Pachters Hol'zmann auf Hof Leustadt
wurde durch Unvorsichtigkeit eine?
Freundes erschossen. Der frühere
langjährige Centrumsabgeordnete im
Reichstag und Landtag Amts-g:richts
rath Eduard Strecker ist in Cassel ge
storben. Dortselbst wurde die Na
herin Elise Schmidt aus Zierenberg,
welche unter der Anklage des Kindes
mvrdes verhaftet war. als unschuldig
freigelassen.
o v i n z S a s e n
Der bisherige zweite Bürgermeister
von Magdeburg, Born, ist als solcher
wiedergewählt worden. Getreide
händler Radestock in Naumburg a. d.
S. kaufte bei der Versteigerung den
Gasthof zum „Deutschen Hause" und
"die dazu -gehörige Aktienbrauerei für
„106,000 M. Die Spinnerei Werner
u.Co.(Aktiengesellschaft)zuMühlhaufen
ist niedergebrannt. Auf der Grube
„Jakob" bei Trebnitz wurde der Berg
arbeite? Josef Jerschensky durch den
herniebefsausenden Förderkorb so un
glücklich -zu Boden gedrückt, daß er ei
nen doppelten Beinbruch und einen
Bruch des Rückgrats erlitt. Der Tod
trat nach kurzer Zeit ein»
e i n a z
Postoondukteur Groß von Speyer,
der verdächtig war,den Postdiebstahl in
Schifferstadt verübt zu haben, ist wie
der auster Hast entlassen. Brun
nennweher Stelzle von Bobingen war
mit Arbeiten in einer Brunnengrube
beschäftigt, als der -zwölf Meter tieft
Brunnen mstiirzte .und den Mann be
grub. Der Verunglückte kam elend
um. Neulich erhielt Bäckermeister
Ludwig Chormann in Kaiserslautern
in der Nähe der Comptrr'fchen Wirth
schaft von einem Burschen Namens
Menschke einen Stich in die Schläfe.
In Godramstein wurde die Ehefrau
Ackerers Peter' Estelmann in ihrer
Scheuer erhängt ausgesuKden. Die
ftrau zeigte in letzter Zeit Spuren gei
stiger Störung. Scheuer, Stall und
Smmhaus des Wirthes Arttoni in Ha
chenbach sind abgebrannt. Dem ener
gischen Eingreifen der Feuerwehren
von Hachenbach, St. Julian und
Hundheivl ist es zu verdanken, daß
Das Wohnhaus von dem verheerenden
Elemente verschont blieb. In Ludwigs
Hafen beging das Buchdruckereibesitzer
Julius Waldttrch'sche Ehepaar das
L5jährige Ehejubiläum. Aus diesem,
Anlaß brachten der Männergesangver
ein, die Sängerabtheilung des Arbei
terfortbildungsvereins und die Stadt
kapelle Ständchen.
e i n-P rodinz.
Wegen Majestätsbeleidigung wurde
in Köln der Premier-^Lieutenant "ti. D.
von Donat verhaftet.—Das Schwur
gericht dortselbst verurtheilte den
Nachtwächter Scholz aus Mülheim
a. Rh. wegen eines Sittlichkeitsver
brechens zu vier Jahren Gefängniß.—
Verwalter Wirz von Neu-Merz hat
unter großer Lebensgefahr einen Kna
ben vom Tode des Ertrinkens gerettet.
—'In Trier ist der Reichsgerichtsrath
a. D. Derscheid, ehemaliges Mitglied
der Commission für das bürgerliche
Gesetzbuch, gestorben. Der Tage
löhner Hermann' Vonca von Sim
mem ist wegen vorsätzlicher Brand
stiftuny verhaftet worden.—Die Witt
we des verstorbenen ersten Beigeord
neten der Stadt Rheydt, Frau Joh.
Junkers, hat der Stadt für 'wohlthä
tige Zwecke 15,000 M. geschenkt.
Beim Schlittschuhlaufen aus einem
Weiher 'bei Deutz brachen mehrere
Knaben ein und zwei ertranken.—In
Saargemünd hat sich ein Soldat des
130. Infanterie-Regiments das Leben
genommen.
K ö n i e i a y e n
In München verschluckte ein junger
Grieche im Uebermuch 12 Zwanzig
marckstiicke: dieselben wurden nach ge
eignetet Behandlung wieder aus dem
Körper entfern*. Sergeant Groß
vom dortigen Trainbataillon wurde
wegen Diebstahls zu 14 Tagen Mittel
arrest verurtheilt.—Dortselbst explo
tiirte ein Benzinballon in einer in der
Westermühlstraße gelegenen chemischen
Waschfäbrik nn'd zerstörte dieselbe
theilweise. Der Besitzer der Fabrik
wurde getöbtet, drei andere Personen
schwer verletzt.—Die Staatsanwalt
schaft von Würzburg hat gegen den
früheren Commerzienrath und Land
tagsabgeordneten Backmann eine An
klage erhoben die Affäre hängt mit
dem Concurs des Kitzinger Bankhau
ses Joh. Lor. Bachmann Söhne zu
sammen.—Auf Pfarrer Schneider in
©eftlach versuchten fünf Burschen ein
Attentat, das mißlang. Die Thäter
find in Haft genommen.—'In Rinkam
bei Straubing zerstörte eine Feuers
brunst 16 Gebäude. Das Feuer brach
in einem Stalle durch die Unvorsichtig
feit einer Dienstmagd aus. Die
Matfd wurde verhaftet. Während
zwei Burschen in der Steigerwald'
schen Brauerei „Fischer und Vogel" in
Aschaffenburg mit dem Pichen von
Fässern beschäftigt waren, explodirte
das Faß. Der obere Boden traf die
zwei Burschen: dem Paul Büchner
aus Jena wurde der Schädel gebro
chen, 'dem Georg Heinmüller aus Al
tershausen ein Arm zerschmettert.—
Bei Vornahme einer Section verletzte
sich der Chirurg Gramenstalter in
Dettingen unbedeutend und Leichen
gift drang in die Wunde. In Folge
dessen mußte ihm 'der inficirte Arm
abgenommen werden.
K ö n i e i W e e
Der Ober-Hosrathspräsident und
Oberstallmeister a. D. Gras Wilhelm
v. Taubenheim ist in Stuttgart im
Alter von 83 Jahren gestorben. In
den vierziger Ja'hren war der Verstor
bene Intendant des Hoftheaters.
König Wilhelm hat etwa tausend Per
sonen. die unter dem Drucke der Fut
ternoth "Forswiebstähle begangen ha
ben, begnadigt. Weitere fünfhundert
Mlle sind noch in Behandlung.
Der Neichstagsabgevrdnete Georg
Pflüger, welcher den Kreis Geräbronn
vertrat, ist als irrsinnig in die Anstalt
zu Winnenden gebracht worden.
Das evangelisch theologische Semi
nar in Maulbronn mußte wegen Aus
bruchs der Influenza geschlossen wer
den. Von den 48 Zöglingen waren
16 erkrankt. Zwei Dienstmägde in
Mergentheim erhielten auf Weihnach
ten das von der verewigten Kon ig in
Olga gestiftete silberne Kreuz, und
zwar: Maria Regina Kober von dort,
seit 25 Jcchren bei Kaufmann Sam
beth sen., und Christiane Keller von
Derdingen, seit 28 Jahren bei Wittwe
Greiner sen. In Cannstatt explo
dirte in einer Metallwaarenfabrik ein
Schmelzkessel, in dem Bleiröhren ge
schmolzen wurden. Die Explosion
richtete erheblichen Schaden an, Ver
letzungen von Menschen kamen jedoch
nicht vor. Die Mühle des Ge
treidemüllers Karl Schmalzried zu
Hochdorf ist vollständig abgebrannt.
Das Feuer brach in der Mühle aus,
wobei sich der feine Mehlstaub entzün
dete, welcher wie' Pulver explodirte
und in ganz kurzer Zeit das Gebäude
einäscherte. In einer bei dem Dorfe
'Neckarrems gelegenen Weinberghütte
wurde ein etwa 20jähriger Mann ge
sunden, dessen Hände. mit einem Ta
schentuch gefesselt waren und der an
scheinend mit einem Lederriemen er
drosselt worden war. Die Person
ticfjfeit des 'Gemordeten ist unbekannt
offenbar hat eine Beraubung stattge
funden. In Giengen wurde der
Zweitälteste Mann des Bezirks, der
ulier 92 Jahre alte frühere Bergmann
Achatz, zu Grabe getragen. Der
20iaihria» Gottlieb Stoll in Reutlin
aen wollte feine 22üihrtge Geliebte
Franziska Zeller, weTche das Verhält
niß mit ihm gelöst hatte, ersckieken.
Zum Glück gingen alle drei Schüsse
fehl dagegen wurde im Ringen mit
dem Burschen der Frau Dürr ein
Finger abgeschossen. Dem Thäter
aelana es. nachdem er 2 Scküffe auf
sich abgegeben, trotz schwerer Verwun
dung zu entkommen.
K ö n i e i S a s e
Der Gewerbeverein in Dresden' hat
sein 60jithrih'.s Bestehen gefeiert. Her-1
vorragende Erfolge hat namentlich die
vom Verein 1861 begründete Gewerbe
schule erzielt, die bisher von 12,000
Schülern besucht wurde. Der Verein
hat gegenwärtig 1926 Mitglieder und
besitzt ein Vermögen von 329,500 M.
Der Bauspeculant W. Erefton
Andre ist verhaftet worden. Seine
zahlreichen Gläubiger vermochten nie
mals zu ihrem Gelde zu kommen, da
fein Vermögen stets auf den Namen
seiner Frau, einer Tochter des Begrün
ders von Präuschers Museum, einge
tragen war. Ueber das Vermögen
des verstorbenen Weinhändlers Schu
mann, des Inhabers des bekannten
Restaurants „Englischer Garten", ist
Konkurs ausgebrochen, in welchem die
Passiven sich auf beinahe 200,000 Mt.
belaufen. Der in Verbindung mit
dem Fall Gradauer verhaftete Soldat
Berger von dem in Zittau garnifoni
renden Infanterie-Regiment Nr. 102
ist vom Zittauer Militärgericht wegen
Aufwiegelung von Kameraden zu an
berthall) Jahren Gefängniß verurtheilt
worden. Ferner wurden vier Rescr
visten, die an Dr. Grabauer wegen ei
ner militärischen Angelegenheit eine
Beschwerdeschrift gerichtet hatten, zu
Freiheitsstrafen verurtheilt, und zwar
der Verfasser, Reservist Krumholz, zu
3 1-2 Jahren und die Unterzeichner
Seifert zu 8 Monaten. Beutel zu 6
Monaten, Thielemann zu 6 Wochen 1
Tag Gefängniß.
o e z o u a e n
Influenza und Diphtheritis, die an
vielen Orten des badischen „Länble"
gewüthet haben, sind im Abnehmen be
griffen.—uAn Stelle des verst. Direc
tors Kappes soll Prof. Treutlein vom
Gymnasium zum Vorstand des Real
gymnasiums zu Karlsruhe ernannt
werden. —Der Bürgerausschuß von
Freiburg genehmigte einstimmig den
stadträchlichen Antrag betreffend Er
bauung eines Volksschulhauses an der
Bismarck- Rheinstraße. Die Kosten
ftn'D auf 480,000 M. veranschlagt.—
In Heidelberg hat sich der Oberinspek
tor Schmidt von der Versicherungsge
sellfchaft „Wilhelma" in Magdeburg
in dem Keller seiner Wohnung er
hängt. Das Motiv ist unbekannt.
In Schnellingen ist dieser Tage die
neuerbaute „Badische Zündholzfabrik"
unter der Firma Bauer & Schönen
berger dem Betriebe übergeben wor
den.—Bürgermeister Betz von Ueber
lingen ist als solcher wiedergewählt
worden.—Frau Sonnenwirth Trösch
von Todtnau ist bei einem Bahnunfall
schwer verletzt rsrden.—Der 20jäh
rtge Kaufmann Otto Ungricht von
Mannheim wurde wegen Diebstahls
zu 2 Jahren und 10 Monaten Ge
fängniß verurtheilt.
o e z o u e s s e n
An Stelle des Oberbürgermeisters
Dr. Oechsner von Mainz, der wegen
monatelanger Erkrankung um seine
Pensionirung eingekommen ist, tritt
voraussichtlich der bisherige Beigeord
riete Dr. Gaßner. Dr. Oechsner zählt
71 Jahre. Der ehemalige Führer
derMainzer Socialdemokraten,Schnei
dermeister Josef Leygendeckr, ist zu
Grabe getragen worden. Das
Mainzer Casino „Hof zum Gutenberg"
ist ein Raub der Flammen geworden.
Mit knapper Noth wurde die im
Schlafe liegende Familie des Hausdie
ners Weber gerettet. Ein Dienst
mädchen in der Schusterstraße dort
selbst stürzte sich in selbstmörderischer
Absicht aus dem zweiten Stockwerke
eines Hauses. Ein Makler in Nie
der-Saulheim beging einen eigenthüm
lichen Selbstmord. Er schlug in den
mit einer dicken Eisdecke versehenen
Mühlbach ein Loch, schlüpfte unter das
Eis und er-trank. In Alzey ist ein
acht Jahre altes Söhnchen des Amts
gerichtsdieners an Kohlengas erstickt
seine Eltern und Geschwister, dè das
Bewußtsein verloren hatten, wurden
nur mit Mühe gerettet. Steckbrief
lich verfolgt werden der Landwirth
Heinrich Schwalbach und die Ehefrau
des Johann Müller, Katharina, gebo
rene Frisch, beide aus Nieder-Olm,
wegen Urkundenfälschung.— In Ober
Ingelheim wurde der 23jährige Fried»
rich Winternheimer, welcher erst vor
Kurzem seine dreijährige Dienstzeit bei
der Artillerie in Darmstadt beendet
hatte, an einem Laternenpfahl erhängt
ausgefunden. In Nieder-Beerbach
ist die Hofraithe des Beigeordneten
Friedr. Roß abgebrannt in Blei
ben der Bauerhof des LandwirthsMil
tenberger in Neustadt i. O. die Hof
raithe der Wittwe Georg Maurer in
Rüsselsheim das Gasthaus „zur scho
nen Aussicht".
E s a o i n e n
Die Konkurrenz hinsichtlich des Neß
ler-Denkmals ist zu Gunsten des jun
gen Straßburger Bildhauers Marzolff
ausgefallen. Der Entwurf Marzolffs
zeigt die Büste des Tondichters in dop
pelter Lebensgröße, auf einem 3 Meter
hohen Sockel in Vogesengranit der
Sockel ist mit Lyra und Lorbeerzweig
geschmückt und gibt den Geburts- und
Todestag NeßlerZ an. Das Denkmal
wird zu Straßburg in der Orangerie
vor einem kleinen Tannenwäldchen er
richtet werden. Pros. Dr. Zacharias
von dort ist ali Director des botani
schen Gartens nach Hamburg berufen
worden. Mitglied des Landesaus
schusscs und Bürgermeister von Ros
heim, Josef Peterolff, 62 Jahre alt, ist
gestorben.
e k e n u
In HagenoW ist in hohem Alter der
Amtssecretär a. D. Eduard Luther ge
sterben. Der Genannte, ein gebore
mr Schweriner, war über 50 Jahre
als Beamter in der mecklenburgischen
Dsmanialverwaltung thätig, und ein
Nachkommen des Reformators
Martin LuHer. Gelegentlich? seines
kunfzigjährigen Dienstjubiläums wur­
.5* iisi-uirâtf'aA »i'*
w.w^™ "^7' ^W*F"^ 'J^V JW v^sf 'f''^^^^^.' ^':.'5?.v^ yf ^iv7'^
de ihm von dem Großherzog unterm
24. März 1888 das mecklenburgi
sche Verdienstkreuz in Gold verlie
hen.
e i e S e
In Hamburg findet jährlich im De
cember eine Zählung der Bevölkerung
des städtischen Gebietes mit den Vor
orten statt. Nach der jetzt veröffent
lichten Statistik wurden Anfangs De
«mber in der Stadt, der Vorstadt St.
Pauli und den 15 Vororten 589,677
Bewohner gezählt, oder 12,601 mehr
als im Vorjahre. Der dortige
Staatsanwalt hat einen Steckbrief hin
ter dem entflohenen großen Bau-Un
ternehmet Karl Zschernitz erlassen.
Viele Lieferanten und kleine Handwer
ker verlieren große Summen. Der
Hamburger Uhrmacher Robert Knob
loch, der wegen eines Erpressungsver
fuchs verurtheilt, aber nach England
entflohen war, wurde in London ver
haftet. Der erste Baritonist des
Hamburger Stadttheaters, Friedrich
Lißmann, ist gestorben. Algrm
schüsse zeigten neulich den Bewohnern
des südlichen Stadttheils von Lübeck
steigendes Hochwasser an. Der vier
jährige Sohn des Fabrikanten Mieß
ner dortselbst verbrannte in Folge Her
abfallens einer Petroleumlampe.
S w e i z
In Paris leben 33,774 Schweizer
(100,000 Frauen und 8000 Kinber).
Die Kolonie setzt sich zusammen aus
selbststänbigen Kaufleuten, Schrift
stellern, Künstlern, Musikern, Kommis
unb Buchhaltern, Köchen unb Pasteten
bäckern, Bauschreinern, Häusermalern
unb Kastanienverkäusern. Die Schwei
zer in Paris haben nicht weniger als
30 verschieben.: Wohlthätigtéits-, Un
terstützungs- und Bilbungsgesellschas
ten. Im verflossenen Jahr sind in
der Stadt Zürich 2416 Personen ge
storben dagegen beträgt die Geburts
zisftr 3591. Es haben sodann 1674
EheverkUMgungen und 1241 Trau
ungen stattgefunden. Im Kremato
rium sind 41 Leichen und seit dessen
Eröffnung 172 verbrannt worden.
Im Homberg Bubikon starb im hohen
Alter von» 84 Jahren Ex-Kantonsrath
I. Jakob Gurer, ein trotz seinem Alter
noch körperlich und geistig sehr rüstiger
Greis. Beim Schlittschuhlaufen auf
dem großen Weiher von Küßnacht er
tranken der II8jährige Sohn von Se
minarlehrer Ringger und der 17jäh
rige Paul Brunner zur „Heimath".
Unweit von Langenthal wurde Ja
kob Herrmann aus Rohrbach von Jo
Hann Jorbi aus Wyßachengraben er
stochen. In Einsiedeln ist ber Buch
bruckereibesitzer Rathsherr Sales Ben
zlger im Alter von 67 Jahren gestor
ben. An der Furka verunglückte auf
der Jagd ein Mann Namens Storrer,
St. Galler, von der Festungswache
Andermatt. Er fiel, die Doppelflinte
entlud sich und beide Schüsse zerschmet
terten ihm den linken Arm. In
Erstseld fiel ein Bahnangestellter zum
Fenster hinaus und mußte schwer ver
letzt weggetragen werden. Dortselbst
wurde eine junge Frau, über die Wiege
ihres Kindes liegend, todt angetroffen.
O e st e e i ch-U n a n.
Ueber die Kosten der Wiener Hof
theater wird mitgetheilt, daß die Oper
außer einem regelmäßigen kaiserlichen
Beitrag von 300,000 Gulben einen
Fehlbetrag von 160,000 Gulden, das
Burgtheater aber neben dem Beitrag
des Kaisers von 180,000 Gulden noch
einen Fehlbetrag von etwa 100,000
Gulden ausweist. Im Ganzen leistet
somit der Kaiser für jeden Spielabend
feiner beiden Hoftheater zusammen ei
nen Zuschuß von nahezu 2500 Gul
den. Während der Fahrt zu einem
Leichenbegängnis erlag der Husaren
Rittmeister Johann Edler von Lux in
Wien einem Schlagfluß. Dortselbst
hat eine an der Tollwuth erkrankte
Katze die Antonia Pleschke, den Josef
Kobeick und den Sicherheitswachinspek
tor Schilhauer gebissen.— Der Wirth
schasts-Jnspektor Joachim Höchinger
von Himberg stürzte von seinem Wa
gen, wurde überfahren und getöbtet.—
Im Armenhause zu Brünn starb der
Dichter Rudolf Bilek. In Neupest
hat ein gewisser Ladislaus Mako feine
Geliebte Agnes Gowogyi ermordet
unb sich bann von einem Zuge todt
fahren lassen. Bedeutende Unter
schleife find bei dem Postamt des zwei
ten Stadtbezirks in Budapest entdeckt
worden. Nach bisheriger Feststellung
fehlen hunderttausend Gulden. Der
Leiter des Postamts, Bela Orban, ist
geflüchtet. In Smirzitz bei König
grätz wurden der Kaufmann Löwy,
ein 73jähriger Greis, feine Gattin und
zwei Töchter im Alter von 25 und 9
Jahren ermordet und beraubt. Die
dritte 17 Jahre alte Tochter wurde
schwer verwundet, aber nur betäubt
und bezeichnete als Thäter die berüch
tigten Vagabunden Brüder Direcky,
denen die Gendarmerie auf der Spur
ist. In der Wohnung des hochbetag
ten Ehepaares Karl und Theresia
Wackerle zu Innsbruck wurde neulich
Abends die Ofenklappe zu früh ge
schlossen am nächsten Morgen waren
die Leute todt.
den Titel „Aeltester Unterthan Ihrer
Majestät der Königin" aus seinen Visi
tenkarten beilegte, ist in Salford, Eng
land, gestorben. William Hampson
war sein Name und am 1. Januar
hatte er seinen 115. Geburtstag gefei
ert. Er brüstete sich damit, daß er als
Junge den berühmten Geistlichen John
Wesley, den Gründer der Wesleyischen
Kirche, habe predigen hören. Vier
Onkel von ihm fochten in der Schlacht
bei Waterloo zwei seiner Sohne fielen
im Krimkriege. Der alte Herr wäre
wahrscheinlich noch am Leben, hätte er
nicht einen Unfall erlitten, an dessen
Folgen er erkrankte und starb.
nanzreiter Bismarcks, der unter der
Bezeichnung „der schwarze Reiter" in
Berlin allgemein bekannte Wachtmei
ster Leverström in Friedenau, wo er
seit seiner Pensionirung wohnte, ist an
den Folgen der Influenza gestorben.
Der Verstorbene, der ein Alter von 71
Jcchren erreichte, hatte im vorigen
Jahre eine schwere Operation an ei
nem durch Alterbrand angegriffenen
Fuß zu bestehen gehabt und war feit
dieser Zeit völlig hilflos geworden.
Wachtmeister Leverström tor- eine von
jenen altpreußischen Soldatenfiguren,
wie sie die Kriegsläufte
unr:
der Re­
gierung Kaiser Wilhelm des Ersten
erzeugten. Rastlos im Dienst, bei
Tag und Nacht auf dem Posten, war
er von großer Anhänglichkeit an seine
Vorgesetzten und seinen König. Der
greife Kaiser Wilhelm hat ihm zuwei
len seinen Ritt verkürzt, wenn er ihm
aus dem Wege vom Wilhelmsplatz nach
dem Palciti begegnete. Der Kaiser
ließ dann den Wagen halten und
fragte: „Leverström, haben Sie etwas
für mich?" Im. gegebenen Fall reichte
bann der Ordonnanzreiter dem Mo
narchen die großen Converts in den
Wagen. Sonst ritt Leverström bis
an das Palais, band sein Pferd an ei
nen Baum und brachte feine Brief
schaften hinauf. Mit ihm ist eine
markante Figur des „alten Kurses"
dahingegangen.
E i n s o n e a e V o
fall trug sich jüngst in dem Münchener
Gefängniß am Lilienberge zu. Ein
alter, verkrüppelter Holzhacker, der vor
fünf Jahren einen Fuß verlor und nun
einen Stelzfuß trägt, lebte, da ihm
nichts anderes übrig blieb, vom Bet
teln. Hierbei des Oefteren betroffen
und eingesperrt, wurden die Strafen
immer höher. So hatte der Mann zu
letzt 104 Tage Gefängniß abzusitzen,
Die er kürzlich beendet hatte. Im
Stelzfüße des Mannes befand sich ein
kleiner Raum, der als Sparkasse
Diente. Der Besitz des Geldes wurde
durch einen Mitgefangenen an den Ge
fängnißwärter verrathen, welcher dem
Bettler das Geld abnahm und, da
derselbe dem Gerichte 109 Mark 20 Pf.
schulbete, würbe ihm bas erbettelte
Geld durch einen Gerichtsvollzieher im
Auftrage des Amtsgerichts gepfändet.
Der im Besitze des Alten gefundene
Betrag bezifferte sich auf 67 Mark 60
Pf., wovon der Gerichtsvollzieher 60
Mark wegnahm.
Unfall hat sich jüngst in Kehl bei der
Reinigung eines Dampfkessels zugetra
gen. Die Reinigung, die »mit Hilfe
einiger Lehrlinge besorgt wurde, war
bereits beendigt, so baß nur noch ber
burch einen Stutzen von 60 Etm. Licht
weite und 70 Etm. Höhe verbundene
Vorwärmer zu reinigen übrig blieb.
Ein Lehrling, der anstatt durch das
an dem Vorwärmer angebrachtesann»
loch durch den Stutzen gekrochen war.
kam so in den 3 Meter langen und
53 Centimeter weiten Vorwärmer zu
liegen, daß die Vorderseite des Kor
'ers nach unten und die Füße nack
oben einwärts gerichtet waren und er
so vollständig eingezwängt wurde, daß
er sich weder vorwärts noch rückwärts
bewegen konnte. Es war nicht mehr
möglich, die Füße der Länge nach zu
strecken es hätte alsdann eine Her
ausbeförderung durch den Stutzen
leickt stattfinden können. Als man die
Unmöglichkeit einsah, dies zu bewert
stelligen, entschloß man sich zum Aus
brechen bes Mauerwerks, das eine Dicke
von einem Meter besaß. Es mußte
danach der aus hartem Eisenblech be
stehende, etwa 12 Millimeter bicke Be
ben mit Kreuzmeißeln im ganzen Um
kreise ausgehauen und dann mit einer
Eisenbahnschiene eingestoßen werden.
Nach Verlauf von acht Stunden waren
diese Arbeiten beendigt, und nun konnte
derGefangene, dem mittlerweile die
Füße angeschwollen waren, mit großer
Mühe herausbefördert werden. Hätte
die Sache noch länger gedauert, so
wäre auch die Herausbeforberung auf
biese Weise nicht mehr möglich gewe
sen. und man hätte den jungen Mann,
dem man Nahrung und Wärmeflaschen
in feinen kalten Aufenthalt herunter
reichte, wegen der immer stärker wer
denden Anschwellung der Knie und
Füße aus dem Kessel vollständig her
ausmeißeln müssen.
e e k a o i s e n
Pfarrer in Wallachisch-Meseritsch er
schien ein junger Mann neulich und
verlangte unter gefährlichen Drohun
gen für einen geheimen Verein Geld.
Der Pfarrer erschrak aber keineswegs,
sondern ergriff den frechen Eindring
ling beim Arme und hielt ihn trotz
dessen heftiger Gegenwehr so lange
fest, bis auf die Hilferufe Leute her
beikamen, die den Burschen festnahmen
und dem Gerichte übergaben. Man
fand bei ihm einen geladenen Revolver
und ein scharfes Jagdmesser. In bem
Attentäter wurde der nach Mährisch
Ostrau zuständige 18jährige Trop
pauer Gymnasialschüler ENasch iden
tificirt.
E i n e e i e n a i es Jubi-,
läum feierte jüngst in einem Schänk
keller zu Berlin eine Blumenfee,
d. h. eine Blumenhändlerin Jette L.,
die, der polizeilichen Vorschrift zuwi
der, auf der Friedrich-Straße und
Unter den Linden im „Umherziehen"
ihren dürftigen Lebensunterhalt er
wirbt. „Korfo-Jettchen" wie sie
kurzweg von ihrenGenossinnen genannt
wird, steht jetzt hoch in den Fünfzigern
sie ist eine Gärtnerstochter, ein echtes
Berliner Kind, die früher einmal die
übliche „vielbewunderte Schönheit" ge
wesen sein soll. Unlängst aber hatte
Jettchen die 100. Polizei-Haftstrafe
abgesessen sie wurde von ihren Colle
ginnen aus dem Gefängniß abgeholt
und zur Feier des Tages war in je
nem Schanklokale ein ordentlicher
Kaffeklatsch mit Musikbegleitung ver
anstaltet.
E i n e a n i e i e n
walder Millionenschuld erinnernde
Geschichte wird aus Rawifsch der
Provinz Posen berichtet. Vor hun
dert Jahren hatte der Magrstrat dieser
Stadt für den damaligen Erb^err»
von Rawitsch, Grasen Mycielski, eineit
Wechsel von 90,000 Dukaten ginn.
Da der Gras zahlungsunfähig wuroe,
sollte die Stadt Rawitsch für ihn ein
treten. Ihre Finanzlage gestattete
dies aber nicht. Die Gläubiger fut
jene Forderung waren Katholische Kir
chen, Klöster und ähnliche Stiftungen.
Nach den Feiheitskriegen wurde me
Schuld eingeklagt und die Stadt zur
Zahlung verurkheilt. Da nun fem
Kommunal-Vermögen vorhanden war,
fing man an, die Bürger einzeln zit
pfänden. König Friedrich Wilheim der
Dritte sistirte durch eine Kabineks
Order die Auspfändung und verwies
die Gläubiaer an die Siabtkasse.
Diese wurde nun in gewissen Zeitab
schnitten auf Antrag der Glauoiger
einer strengen Revision unterworfen.
Dieser Zustand lastete schwer aus der
Stadt und hemmte ihre Entwickelung.
Liegenschaften durften nicht erworben
werden und gewerbliche An^^gett
konnte man nicht machen. Wollten
doch die Gläubiger ein Mal die Schul
Häuser als Abschlag für ihre Forde
rung verkaufen, womit sie aber ange
wiesen wurden. Bor zwei Jahren
endlich verjährte die Forderung, und
seitdem athmet die Stadt Rawitsch
auf.
e a e n u o i n e
preußischen Steuerzahlers hat folgende
Versieht erzeugt sie dürften vielen
Kreisen Heiterkeit erregen. Es waren
an Steuern zu empfehlen: Eine Steuer
für Solche, die sich, beweiben—Eine
Steuer für Solche, die ltd
ig bleiben.
Eine Steuer für Solche, die Liebe füh
len,—Eine Steuer für Solche, die
Geige spielen,—Eine Steuer für Mäd
chen, eine Steuer für Knaben. —Eine
Steuer für Solche, die Gardemaß ha
6en,—Eine Steuer für Solche, oie
Bärte besitzen,—^Eine Steuer auf's
Frieren, eine Steuer auf's Schwitzen,
—Eine Steuer auf's Stehlen, eine
Sitzen.—Eine Steuer auf's Trinken,
eine Steuer auf's Speisen,—Eine
Steuer auf's Ruhen, eine Steuer auf's
Reisen—Eine Steuer aufs Kratzen,
eine Steuer auf's Jucken, Eine
Steuer auf's Räuspern, eine Steuer
auf's Spucken,—Eine Steuer auf'8
Niesen, eine Steuer auf's Pusten,—
Eine Steuer auf's 'Schnupfen, eine
Steuer auf's Husten,— Eine Steuer
auf's Schlafen, eine Steuer auf's
Wachen—Eine Steuer auf's Weinen,
eine Steuer auf's Lachen, Eine
Steuer auf's Träumen, eine Steuer
auf's Denken,—Eine Steuer auf's
Lenken.—^Eine Steuer auf's Laufen,
eine Steuer auf's Rasten, Eine
auf's Schlemmen, eine Steuer auf's
Fasten.-^Eine Steuer auf's Fluchen,
eine Steuer auf's Baden, Eine
Steuer auf's Radeln, eine S teuer
auf's Skaten,—Dann wäre die beste
von allen Neuerungen,—@tne Steuer
auf die Besteuerungen.
E s e s i n e i e n
der Brauch, Eheschließungen in klei
nen Büchern mit Papierdeckeln, die
man den Ehepaaren aushändigt, be^
hörblich zu bescheinigen. Diese BÜ
chelchen, welche in Processen eine große:
Rolle zum Nachweis einer eingegange
nen Ehe spielen, werden, weil sie nicht
fest gebunden sind leicht schadhaft unb
unbrauchbar. Infolge dessen hat der
Bürgermeister von Brüssel den Plan
gefaßt, fernerhin dieselben mit festem
Ledereinband zu versehen. Sie sol
len aber in dieser neuen Form mehr als
ein bloßes Heiraths-Certisicat sein.
Es wird ihnen ein Auszug aus dem
belgischen Ehegesetz beigegeben, und sie
enthalten ferner neben einer Menge der
verfchiebenartigften GefetzesvorschrifRn
eine Belehrung Über die Fürsorge der
Eltern für ihre Kinder, fowie über die
gesetzlichen Pflichten der Eltern gegen»
über den Kindern und umgekehrt. Auch
hat man in den Büchern Platz vorge
sehen für die Eintragung oon Namen
und Geburtstagen der aus der Ehe
hervorgehenden Kinder, und zwar hat
sich die Fürsorge der Behörde in dieser
Beziehung bis auf zwölf Kinder er
streckt. Armen Personen sollen die
Bücher kostenlos verabfolgt werden.
A s o e e n e u e
geist", der hier und da in der Poesie
unserer „Modernsten" aufflackert, eig
net sich trefflich folgendes Gedicht, das
wir in der „Gesellschaft" finden. Ver
fasser ist Karl Mario von Köln. Ich
stütze das Kinn, Vom Schreibtisch
seh ich Durchs Fensterguadrat
Einen Quadratmeter Nacht Und
einen Saatwurf Sterne Ich
grüble hinaus in die Weltraumtiefe,
Bis die brennenden Augen mir
Übersteden, Wie so oft schon in hun
dert Und hundert Nächten,
Wenn Wehen die trächtige Stira
mir geschüttelt, Als wollte sie end
lich Nach Jahren von Niederung
Ein zukunftsrothes Stück Hoch
alp gebären Ich grüble hinaus
Was soll mir rings die ererbte
Fülle, Die Vollbluthengste und
Garben und Thaler, Gern ging ich
darben Eine Dachkammer nur
Eine Schnitte Brot, In der Feder
aber Ein Lavaguß Genie.... Ich
grüble hinaus Meine Lampe
surrt, auf den Dochtfchrauber fliegt
Vom Manuskript eine Fliege und
putzt Sich verschlafen die Bein
chen.......
o e i n i e n a e a
an einem Geschäft der Friedrichstraße
in Berlin ein originelles Plakat ange
heftet, dessen Inhalt lautete: Wegen
augenblicklicher standesamtlicher Trau
ung geschlossen. In 20»Minuten wie
der geöffnet Das ist sehr schnell ge
gangen hoffentlich ist die junge Frau
gleich mit in das Geschäft zurückgegaw»
gen.
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