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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, March 07, 1894, Image 3

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Ostern war gekommen, das Fest
des Lichtes und der Erlösung für die
Hange Natur. Ter Winter hatte sich
bei seinem Scheiden in düstere Nebel
schleier gehüllt, und auf jagenden,
fahrenden Wolken nahte jetzt der
Arühling. Er hatte seine Sturmes
boten vorausgesandt, um die Erde
to ach zu rufen aus ihrem langen
Traume, sie brausten über die Ebenen
/und Wälder, sie schwangen ihre Flü
gel um die mächtigen Gipfel des
Hochgebirges und wühlten das Meer
auf in all. seinen Tiefen. Es war
«in wildes Kämpfen und 'Loben in
den Lüften, und doch klang es daraus
fartior wie Sicgesruf. Es waren ja
^Früdlingsstürme, und in ihnen
brauste das Leben, sie kündigten die
Auferslelning an.
Das Gebirge lag noch halb im
Schnee vergraben, und die alte Berg
trtl'tc, die von der Höhe in das Thal
'iTcrüliMifste, ragte aus beschneiten
Tannen liertzor. Es war eines jener
grauen Fe sehnest er, die einst der
Schrecken ihrer Umgebung, jetzt mei
Ltentheils verödet und! vergessen da
liegen und oft mir noch in Trüm
mern von der einstigen Herrlichleit
Wählen. Das Ledere traf nun hier
allerdings nicht zu. Die Grafen von
Steinrück schützten die Stammburg
ihres Geschlechtes sorgfältig vor dem
Verfalle, sonst aber kümmerten sie
sich nicht viel um das alte Gemäuer,
das, fernab von der Welt, tief in den
Bergen lag. Nur zur Jagdzeit sah
«6 regelmäßig eine größere Menge
von Gästen, die auf einige Zeit Le
bt» und Lärm in die Einsamkeit
brachten.
Diesmal freilich fand eine Aus
nahme statt, die Gäste waren schon
im Frühjahr eingetroffen, aber sie
kamen zu einer ernsten Feier. Der
Schloßherr wurde zu Grabe geleitet
imb mit ihm erlosch die jüngere Li
nie des Hauses, wenigstens in ihren
männlichen Sprossen, da er nur eine
Wittwe und eine Tochter hinterließ,
i^raf Äteinrück war auf einem der
andern Güter, seinem gewöhnlichen
Wohnsitze, gestorben, und dort hatte
auch die gr^ße Trauerfeier stattge
funden, dann war die Leiche nach der
Familiengruft des Stammschlosses
übergeführt worden, wo die eigent
gliche Bestattung in aller Stille und
Ittir in Gegenwart der nächsten Ber
wandten vor sich ging.
Es war an einem jener stürmischen
Märztage, der das ganze Thal mit
grauen Wottenmassen erfüllte. Das
trübe 2if* V3 Nachmittags fiel in
das Gemach, das der verstorbene
Schloßherr zu bewohnen Pflegte, wenn
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zu dem gewohnten kurzen Herbst
aufcnthalte hierher kam. Es war
c|*t tiefer, ziemlich niedriger Raum
thit einem einzigen breiten Erkerfen
ster und einer Einrichtung, die noch
aus der ehemaligen Glanzzeit der
Burg stammte. Das dunkle Holzge
täfel der Wände, die mächtigenEichen-
thüren und der riesige, säuleugetra
gene Kamin im Hintergründe, mit
dem Wappen der Steinrück, behaup
teten feit Jahrhunderten ihren Platz,
und die schweren, alterthümlichen
Möbel, die alten Familienbilder an
den Wänden gehörten gleichfalls ci»
ner längst vergangenen Zeit an. Das
Feuer, das im Kamin loderte, ver
mochte den düsteren Raum nicht be
haglicher zu machen, aber es lag ein
Stück Geschichte darin, die Geschichte
eines alten, mächtigen Geschlechtes,
dessen Geschick von jeher mit dem
Lande eng verknüpft war.
Soeben wurde die Thür geöffnet,
und es traten zwei Herren ein, die
wohl zu den Verwandten des Hauses
gehören mußten, beim die Uniform
des Einen und die Civilkleidung des
Anderen trugen die Abzeichen der
Trauer. Sie kamen in der That so
eben von der Bestattung zurück, und
auf den Zügen des Aelteren lag noch
der ganze Ernst dieser düsteren Feier.
„Das Testament soll morgen eröff
net werden", sagte der Acltere. „Es
ist allerdings nur eine Form, da ich
die Bestimmungen bereits kenne. Der
Gräfin ist ein sehr reiches Witthum
und Schloß Bertheim, ihr bisheriger
Wohnsitz, zugewiesen, die sämmtli
chen anderen Güter fallen an Hertha,
zu deren Vormund ich ernannt bin.
Dann kommt noch eine Reihe von Le
gaten, und mir, als Haupt der äl
leren Linie, ist Steinbrück vermacht."
Der jüngere Gefähr le zuckte bei
diesen Worten leicht die Achseln.
„Ein riesiger Besitz, der jetzt in
der Hand dieses Kindes vereinigt
wird!" bemerkte er. „Deine Erb-
schaft ist nicht gerade glänzend, Papa,
ich glaube, das alte Bergschloß mit
seinem Waldreviere kostet beinahe so
viel, (Us es einbringt."
„Gleichviel, es ist die Stammburg
unseres Geschlechtes, die nunmehr in
unsere Hände übergeht. Mein Pet
ter hätte mir kein besseres Vermächt
niß hinterlassen können, und ich bin
ihm dankbar dafür. Du willst mor
tosn schon wieder abreisen, Albrecht?"
„Ich hatte mich nur auf einige
Tage eingerichtet, wenn Du eS in
.dessen wünschest—"
„y«É3, es ist nicht nöthig, daß Du
bleibst. Ich werde allerdings um
Verlängerung meines Urlaubs ersu
chen müssen. ES giebt noch vieles zu
besprechen und zu ordnen, und die
BUtifiu zeigt sich in allen Dingen so
«»selbständig, daß ich ihr nothge«
hnlngen noch eine Zeit lang zur
Seite bleiben muß."
Er trat in den Erker und blickte
Inaus in die verschleierte Bergland
Mast. Graf Steinrück hatte die
Mittagshöhe des Lebens bereits über
schütten, aber jeige Ersch-inung
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zeigte noch die vollste ungebrochene
Kraft, eine prächtige Gestalt in ge
bietender Haltung, die freilich in
jedem Zuge den Soldaten verrieth.
Er war ohne Zweifel einmal sehr
schön gewesen und konnte noch jetzt
dafür gelten, wo er bereits an de?
Schwelle des Alters stand, aber das
solle, nur leicht ergraute Haupthaar,
die raschen lebhaften Bewegungen
und die Sprache, die noch tief und
voll klang, liehen ihm etwas Jugend
liches, wie das Feuer, das noch in
seinen Augen blitzte.
Sein Sohn war von dem Allen
das Gegentheil, eine schmächtige Ge
statt mit kränklichem Aussehen. Das
blasse Gesicht mit den schlaffen Zügen
machte einen ziemlich nüchternen Ein
drück, und doch glichen diese Züge
ausfallend denen des Vaters. Der
Ausdruck derPersönlichkeit wirkte als
vollster Gegensatz, aber trotzdem war
die Familienähnlichkeit unverkenn
bar.
„Die Gräfin scheint überhaupt eine
unselbständige Person zu sein", sagte
er, „und der Trauerfall findet sie
nun vollends ganz fassungslos."
„Es ist aber auch hart, den Ge
mahl nach so kurzer Krankheit, in der
Blüthe des Lebens zu verlieren, weiche
Naturen werden durch solchen Schlag
völlig niedergeworfen."
„Eine Andere hätte ihm Stand ge
halten! Louise würde das Unabänder
liche mit einer Fassung ertragen ha
ben,
„Schweig'!" unterbrach ihn der
Graf finster, indem er sich abwandte.
..Verzeih', Papa, ich weiß. Du
willst nicht daran erinnert sein, aber
gerade heute drängt sich die Erinne
rung unabweisbar auf. Von Rechts
wegen sollte Louise um den Todten
trauern. Sie wäre schwerlich mit
einem wenn auch noch so reichen Wit-
thum abgefunden worden, Steinrück
hätte sie unbedingt zur Herrin Über
das ganze Erbe gemacht, er ließ sich
ja schon damals völlig von ihr be
herrschen. Und seine Hand zurückzu
stoßen! Namen, Heimath. Familie,
Alles zu opfern, um das Weib eines
Abenteurers
zu
werden, der sie in's
Verderben zog man möchte wahr
haftig an die alte Sage von den Lie
bestränken glauben.^'denn auf na
türlichem Wege ist
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nicht
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klären."
„Thorheit!" sagtè der Graf kalt.
„Das Schicksal des Menschen ist in
seine eigene Hand gelegt. Louise hat
das ihrige zum Abgrund gelenkt, es
war nur natürlich, daß sie hinein
stürzte."
„Und vielleicht hättest Du trotz
alledem die Verlorene wieder aufge
no in me it, wenn sie reuevoll znrückge
kehrt wäre."
„Nie!" Das Wort klang in un
beugsamer Härte. Uebrigens wäre
sie auch nicht zurückgekehrt. Sie
konnte zu Grunde gehen' in der
Schmach, tn dem selbstverschuldeten
Elend, aber um Gnade betteln bei
dem Vater, der sie verstoßen, das
hätte Louise nicht gekonnt. Sie war
trotz alledem mein Blut!"
„Und Dein Liebling!" ergänzte
Albrecht mit auffallender Bitterkeit.
„Ich habe das oft genug hören müf
sen, daß ich keinen Zug Deines Cha
raklers besitze. Nur Louise hatte
Dein Blut geerbt, die schöne, geist
volle Louise, die war das Kind Dei
nes Herzens, Dein Stolz und 5)ein.
Glück. Nun, wir haben es ja erlebt,
wohin dies führte, wir erfuhren es
ja noch, daß sie von Stufe zu Stufe
sank an der Seite jenes Mannes und
endlich—"
„Deine Schwester ist todt," unter
brach ihn der Gras schneidend. „Laß
die Todten ruhen!"
Albrecht schwieg, aber die Bitter
keit wich nicht ans seinen Zügen, er
konnte es offenbar seiner Schwester
im Grabe ^nicht verzeihen, was sie der
Familie angethan hatte. Zu einer
weiteren Erörterung kam es nicht,
denn soeben erschien ein Diener und
meldete:
„Hochwürden der Herr Pfarrer von
Sankt Michael!"
Der Gemeldete schien erwartet zA
werden, denn der Diener öffnete,
ohne erst eine Antwort abzuwarten,
die Thür, und der Herr Pfarrer trat
ein.
Es war ein Mann von etwa fünf
zig Jahren, mit schon völlig ergrau
tetn Haar, einem Antlitze voll stiller,
ernster Ruhe, 'mit tiefen, blauen
Augen, und auch Haltung und
Sprache verriethen dieselbe Ruhe und
Milde, die von dieser Erscheinung
unzertrennlich zu sein schienen.
Graf Steinrück ging ihm einige
Schritte entgegen und begrüßte ihn
höflich, aber fremd. Die ältere Li
nie des Hauses war protestantisch,
und ein katholischer Priester hatte als
solcher keine Bedeutung für sie.
„Ich habe Ihnen zunächst meinen
Dank auszusprechen, Hochwürden,"
begann er, indem er den Psarrer mit
einer Handbewegung einlud, Platz
zu nehmen. „Es war. der ausdrück
liche Wunsch der verwittweten Grä
sin, daß Sie die Trauerceremonien
leiten sollten, und Sie haben ihr an
dem heutigen schweren Tage so auf
opfernd zur Seite gestanden, daß wir
Uüe Ihnen dankbar dafür sind."
„Ich erfüllte nur meine Pflicht als
Seelsorger," erwidert.? der Geistliche
ruhig.
„Dafür bedarf es keine? Dankes.
Ihnen aber, Herr Gras, komme
in einer anderen Angelegenheit,
unaufgefordert und in Ihren Augen
vielleicht unberechtigt, dennoch muß
ich sie zur Sprache bringen, da der
Trauerfall Sie so ganz unerwartet
in unsere Berge führt. Ich ersuchte
Sie deshalb um eine Unterredung."
„Und ich wiederhole, daß ich Ihnen
zur Verfügung stehe, He^r Pfarrer
Valentin. Wenn die Unterredung
eine geheime sein soll, so wird mein
Sohn uns sofort
„Ich bitte, daß der Graf bleibt,"
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fiel Valentin ein. „Er kennt gleich
falls die Angelegenheit, die mich her
führt, sie betrifft den Pflegesohn bed
Försters Wolfram."
Er hielt inne, wie um eine Ant
wort zu erwarten, doch diese erfolgte
nicht der Graf saß mit völlig unbe
wegter Miene da, während Albrecht
plötzlich aufmerksam zu werden schien,
doch auch er äußerte nichts, und so
war der Pfarrer genöthigt, fortzu
fahren.
„èie werden sich erinnern, Herr
Gras, daß ich es war, durch den Sie
die Nachricht von dem Aufenthalt des
Knaben erhielten, und die Bitte, sich
feiner anzunehmen."
„Eine Bitte, der ich unverzüglich
entsprochen habe. Wolfram nahm
auf meine Weisung das Kind in Em
pfang.' ich unterrichtete Sie ja da
von."
„Allerdings, ich hätte eS freilich
lieber in anderen Händen gesehen,
indessen die Bestimmung hing von
Ihnen ab. Jetzt aber ist der Knabe
herangewachsen und kann unmöglich
länger in derartiger Umgebung blei
beit. Ich bin auch überzeugt, daß
dies keineswegs Ihr Wille ist."
„Weshalb nicht?" fragte Steinrück
kalt. „Ich kenne Wolfram als
durchaus zuverlässig und hatte meine
Gründe, gerade ihn zu wählen, oder
wissen Sie etwas Nachtheiliges von
ihm?"
„Nein, der Mann ist brav in seiner
Art, aber roh und halb verwildert in
der Einsamkeit. Seit dem Tode sei
ner Frau kommt er kaum noch in
Berührung mit Menschen, und sein
Haushalt unterscheidet sich nicht von
dem des ersten besten Bauern. Das
ist schwerlich eine passende Umgebung
für einen heranwachsenden Knaben,
am wenigsten für den Enkel des Gra
fen Steinrück."
Albrecht, der hinter dem Stuhle
seines Vaters stand, machte eine Be
wegung, der alle Gras zog nur finster
die Brauen zusammen, aber entgeg
nete mit voller Schärfe:
„Ich besitze nur einen Enkel, das
Kind meines Sohnes, und ich bitte
Sie, das im Auge zu behalten. Hoch
würden, wenn von jener Angelegen
heit die Rede ist."
Die milden Augen des Priesters
richteten sich ernst und vorwurfsvoll
aus den Sprechenden.
„Verzeihung, Herr Graf, aber der
legitime Sohn Ihrer Frau Tochter
hat doch wohl Anspruch aus diese Be
zeichnung."
„Gleichviel, er existirt als solcher
nicht für mich, wie jene Heirath über
haupt nie für mich und die Meinigen
existirt hat."
„Und dennoch haben Sie meine
Bitte gewährt, als Michael
Der Graf stutzte. „Michael?" wie
derholte er langsam.
„D?r NnMe des JüngUngS! Kann
ten Sie ihn nicht?"
„Nein, ich habe das Kind ja über
haupt nicht gesehen, als es Wolfram
zur Erziehung übergeben wurde."
„Von Erziehung konnte bei einem
Manne von dem Bildungsgrade
Wolfram's wohl keine Rede fein, uud
doch hätte sie gerade hier Vieles gut
machen müssen. Michael war schon
als Kind verwahrlost, verwildert,
verschüchtert zugleich durch das un
stete Leben, das er so lange mit sei
nen Eltern geführt hat. Ich habe
mich allerdings seiner angenommen
und ihn unterrichtet, so viel das bei
der weiten Entfernung der Försterei
möglich war."
„Haben Sie das wirklich gethan?"
Es klang eine offenbar unangenehme
Ueberraschung aus der Frage.
„Gewiß, ein anderer Unterricht war
in der Abgeschiedenheit nicht zu er
möglichen, und ich konnte doch nicht
annehmen, daß der Knabe geistig
verkommen und verbauern sollte in
jenem Lebenskreise. Diese Strafe
für das Unrecht seiner Eltern wäre
doch allzu hart."
Es lag ein schwerer Vorwurf in
den einfachen Worten, und er mußte
wohl treffen, bettn es flog ein zorni
ges Aufleuchten über Steinrück's
Züge.
„Hochwürden, welchen Einblick Sie
auch in unsere Familiengeschichte er
halten haben, Sie urtheilen als ein
Fremder, und da mag Ihnen Man
ches hart und unbegreiflich erscheinen.
Ich habe als Haupt des Hauses die
Ehre unseres Namens zu wahren,
und wer diese Ehre antastet und be
fleckt, der wird hinausgestoßen auS
meinem Hause und aus meinem Her
zen, sei es auch mein eigenes Kind!
Ich that, was ich mußte, und wenn
die furchtbare Nothwendigkeit noch
einmal an mich heranträte, ich würde
das Gleiche thun."
Es lag eine eiserne Entschlossenheit
in diesen Worten. Valentin schwieg,
er mochte wohl fühlen, daß eine solche
Natur sich keinem Priesterwort beugte.
„Gräfin Louise ruht im Grade,"
sagte er endlich, und seine Stimme
bebte leise, als er den Namen aus
sprach, „und mit ihr der Mann, dem
sie anvertraut war! Ihr Sohn steht
allein und schutzlos da, ich bi.n ge
kommen, für den Jüngling zu erbit
ten, was Sie jeder fremden Waise
gewähren würden, die Sie in Ihren
Ech ttz genommen haben, eine Er
ziehung. die ihn befähigt, dereinst in
die Welt und in das Leben zu treten.
Bleibt er in Wolfram's Händen, so
ist das ausgeschlossen, er taugt dann
höchstens noch für das hcklbwilde Da
sein aus irgend einer einsamen Berg
försterei, für eine Bauernexistenz.
Wenn Sie Herr Graf, die Verant
wortung dafür übernehme« können
und wollen
„Genug!" unterbrach ihn Stein
rück hestig, indem er sich erhob. „Ich
werde die Sache in Erwägung ziehen
und dann Bestimmungen über Ihren
Schützling treffen, verlassen Sie sich
darauf, Hochwürden."
Der Pfarrer stand gleichfalls auf,
V#
er sah,
daß
VW' 'J-
die
Unterredung zu
Ende
war, und hegte wohl auch nicht
Wunsch, sie
den
zu verlängern.
„Mein Schützling?" wiederholte er.
„Möge es auch der Ihrige werden,
Herr Graf, ich glaube, er hat ein
Recht daraus."
Und mit einer kurzen, ernsten Ver
neigung sich von den beiden Herren
verabschiedend, verließ er das Gemach.
„Das war ja ein eigenthümlicher
Besuch!" sagte Albrecht, der sich bis
her völlig schweigsam verhalten hatte.
„Was giebt denn diesem Psarrer das
Recht, sich in unsere Familienangele
genheiten zu mischen?"
Steinrück zuckte die Achseln.
„Er war früher der Beichtiger un
serer Verwandten und nimmt noch
jetzt eine Vertrauensstellung bei ihnen
ein, trotzdem er hoch oben in einem
einsamen Alpendorfe lebt. Er und
kein Anderer sollte Steinrück zu Grabe
geleiten. Ich werde ihm aber klar
machen, daß ich priesterlichen Ein
flüssen nicht zugänglich bin ganz zu
rückweisen konckte ich ihn nicht, da er
es war. der damals meine Hilfe für
den verwaisten Knaben anrief, so
wenig, wie ich jene Hilfe verweigern
konnte."
„Nun ja, man muß für den Buben
sorgen, und das ist auch geschehen,"
stimmte Albrecht in sehr kühlem Tone
bei. „Du hast die Sache damals
allein in die Hand genommen, Papa
dieser Wolfram ich erinnere mich
noch dunkel des Namens stand ja
wohl früher als Jäger in Deinen
Diensten?"
„Ja, mein Fürwort verschaffte ihm
die Försterstelle bei unserem Vetter.
Er ist verschwiegen und zuverlässig
und kümmert sich überhaupt nicht um
Dinge, die über seinen Horizont hin
ausgehen. Er fragte auch damals
nicht, was für eine Bewandtniß es
mit dem Knaben hatte, den man ihm
anvertraute, sondern that, was ihm
befohlen wurde, und nahm ihn in
sein Haus."
„Wo er jedenfalls am besten auf
gehoben war. Du wirst darin doch
keine Aenderung treffen?"
„Das wird sich finden. Zunächst
will ich ihn einmal sehen."
Albrecht stutzte, und eine sichtlich
unangenehme Ueberraschung prägte
sich in seinen Zügen aus.
„Wozu denn das? Weshalb ihn
uns persönlich nahe bringen? Der
gleichen unliebsame Dinge schiebt
man doch möglichst weit von sich."
„Das ist Deine Art," sagte der
Graf scharf. „Die meine ist es, die
sen Dingen Stand zu halten und
Auge in Auge mit ihnen zu rechten,
wenn es nothwendig ist." Er stampfte
in plötzlich ausbrechender Heftigkeit
mit dem Fuße. „Verkommen und
verbauern sollte, als Strafe für
das Unrecht seiner Eltern! Das muß
ich mir ins Antlitz sagen lassen von
diesem Priester."
„Ja, es fehlt nur noch, daß er die
Eltern vertheidigte," warf Albrecht
spöttisch ein. „Und Michael haben
sie ihren Buben genannt! Sie haben
es gewagt, ihm Deinen Namen zu
geben, den alten, traditionellen Na
men unseres Hauses, das ist doch
offener Hohn."
„Es kann auch Reue gewesen sein,"
sagte Steinrück finster. „Dein Sohn
heißt allerdings Raoul."
„Nicht doch, er ist nach Dir getauft
und trägt Deinen Namen."
„Im Kirchenbuche! Genannt wird
er Raoul, dafür hat Deine Frau von
Anfang an gesorgt."
„Es ist der Name von Hortense's
Vater, an dem sie mit kindlicher
Pietät hängt. Dn weißt das ja und
hast es niemals getadelt."
„Wenn es nur der Name allem
wäre! Aber es ist nicht das Einzige,
was mir ait meinem Enkel fremd ist.
Raoul hat auch nicht einen Zug der
Steinrück, weder im Gesicht noch im
Charakter, er gleicht einzig seiner
Mutter."
„Nun, ich dachte, das wäre kein
Nachtheil für ihn. Hortense hat von
jeher für eine Schönheit gegolten.
Du ahnst nicht, welche Triumphe sie
noch feiert."
Die Worte klangen scherzhaft, fan
den aber keinen Anklang, der alte
Graf blieb kühl und ernst.
„Daher stammt vermuthlich auch
ihre Anhänglichkeit an den Schauplatz
dieser Triumphe. Ihr seid ja mehr
in Frankreich, bei ihren Verwandten,
als dabeim. Die Besuche werden
immer häufiger und dauern immer
länger, und jetzt ist sogar die Rede
davon, Dich unserer Gesandtschaft in
Paris zu attachiren. Dann hat Hör
tense ihren Wittel vollends durchge
setzt."
„Ich muß doch gehen, wohin ich
gesandt werde," vertheidigte sich
Albrecht, „und wenn man gerade mich
wählt
„Willst Du mir etwa Dein.? diplo
matischen Erfolge anführen?" unter
brach ihn der Vater mit derbem Spott.
„Ich weiß es besser, welche geheimen
Federn da spielen, und der Posten ist
wahrlich unbedeutend genug. Ich
hatte doch mehr von Deiner Laufbahn
erwartet, Albrecht! ES standen Dir
Wege genug offen, um wenigstens
einigermaßen zur Geltung zu getan»
gen, aber dazu gehört Ehrgeiz und
Energie, und die hast Du nie besessen.
Jetzt bewirbst Du Dich um eine
Stellung, die Du nur Deinem Namen
verdanken wirst und in der Du ein
Jahrzehnt bleiben kannst, ohne vor
wärts zu kommen auf Befehl Dei
ner Frau."
Albrecht biß sich auf die Lippen bei
diesem mit vollster Rücksichtslosigkeit
ausgesprochenen Vorwurf.
„Papa, in diesem Punkte bist Du
von jeher
ungerecht
gewesen, Du hast
meine Heirath nie mit günstigen
Augen angesehen. Ich glaubte bei
meiner Wahl Deines vollen Beifalls
sicher zu sein, unh Du hast mir bei-
nahe einen Vorwurf daraus gemacht,
daß ich Dir eine schöne, geistvolle
Tochter aus dem edelsten Hause zu
führte
„Die uns bis auf diese Stunde
fremd geblieben ist!" ergänzte Stein
rück. „Sie hat es noch immer nicht
eingesehen, daß sie zu uns gehört,
nicht Du zu ihr. Ich wollte. Du
hättest mir die Tochter des einfachsten
deutschen Landedelmannes in das
Haus gebracht, statt diese Hortense de
Montigny. Es thut nicht gut, dies
heiße französische Blut in unserem
alten germanischen Stamm, und
Raoul hat nur zu viel davon. Es
wird ihm heilsam sein, wenn er in
die strenge militärische Zucht kommt."
„Ja, Du bestehst daraus, daß er in
die Armee eintritt," sagte Albrecht
zögernd. „Hortense fürchtet nur
und ich fürchte es auch daß unser
Kind den Anstrengungen nicht ge
wachsen ist. Es ist ein zarter Knabe,
er wird diese eiserne Disciplin nicht
aushalten."
„So muß er lernen! Dich hat
Deine Kränklichkeit allerdings vom
Waffendienste ausgeschlossen, Raoul
ist gesund, aber es ist die höchste Zeit,
ihn Eurer Verweichlichung und Ver
zärtelung zu entziehen, und die Armee
ist gerade die rechte Schule für ihn.
Ich will nicht, daß mein Enkel dereinst
ein Schwachling wird. Er soll unfe
reift Neimen Ehre machen dafür
werde ich sorgen!"
Albrecht schwieg, er kannte den un
beugsamen Willen seines Vaters, der
ihm, obwohl er selbst längst Gatte
und Vater war, noch unbedingt Ge
setze vorschrieb, und Graf Michael
Steinrück war der Mann danach, die
sem Willen Geltung zu verschaffen.
„Ja, ich kann mir nicht helfen.
Hochwürden, ich bleibe dabei, es ist
ein Elend mit dem Menschen. Nichts
kann er, nichts versteht er, vom Mor
gen bis zum Abend läuft er in den
Bergen umher, und dabei wird er
immer dummer von Tag zu Tag.
Aus dem wird weder ein richtiger
Waidmann noch sonst etwas, das ist
verlorene Müh."
Die Worte kamen aus dem Munde
eines Mannes, dessen AeußereS schon
verrieth, daß er sich mit dem Waid
werk abgab. Er war mit Flinte und
Jagdtasche ausgerüstet, eine unter
setzte Gestalt, mit breiten Schultern
und derben Zügen. Haar und Bart
gänzlich verwildert, den Anzug, eine
Mischung von Jäger- und Bauern
tracht, gleichfalls im höchsten Grade
verwahrlost, dazu eine Sprache so
derb und rauh, wie sein ganzes Wesen
so stand er vor dem Geistlichen.
Die beiden befanden sich in der Psar
rerwohnung von Sankt Michael, dem
kleinen, hochgelegenen Wallfahrtsorte
des Gebirges, und der Pfarrer, der
vor seinem Schreibtisch saß, schüttelte
mißbilligend das graue Haupt.
„Ich habe es Euch schon so oft ge*
sagt, Wolfram, Ihr versteht Michael
nicht zu behandeln. Mit Schelten
und Drohen richtet Ihr bei ihm gar
nichts aus, er wird nur noch scheuer
dadurch, und ich dächte, er wäre schon
scheu genug, wenn er wirklich einmal
mit den Menschen in Berührung
kommt."
„Das macht seine Dummheit!" er
klärte der Förster. „Der Bube weiß
ja nichts vom hellichten Tage, den
muß man derb anfassen, wenn er auf
wachen soll, und ich habe es Ihnen
ja in die Hand geloben müssen. Hoch
würden, ihn nicht mehr zu schlagen."
„Und ich hoffe, Ihr habt Wort ge
halten. Es ist viel an dem Kinde
gesündigt worden, Ihr und Eure
Frau habt es ja fast täglich gemiß
handelt, ehe ich hierher kam."
„Das war ihm gesund! Alle Buben
brauchen Schläge, und der Michael
hat von jeher die doppelte Portion
gebraucht. Nun, er hat sie auch reif
lich bekommen wenn ich aufhörte, da
fing meine Frau an, aber geholfen
hat es nie etwas, und klüger ist er
auch nicht dadurch geworden."
„Nein, aber er wäre zu Grunde
gegangen an dieser rohen Behand
lung,'wenn ich nicht eingeschritten
wäre."
Wolfram lachte laut auf.
„Zu Grunde gehen? Der Michael?
Der hätte das Zehnfache ausgehalten,
er hat ja eine wahre Bärennatur. ES
ist wirklich eine Schande mit dem
Burschen, er ist so stark, daß er Bäume
ausreißen könnte, und läßt sich hän
seln von den Dorfbuben, ohne einen
Finger zu rühren. Ich weiß schon,
warum et heute wieder nicht mitging,
sondern absolut nachkommen wollte.
Er will nicht mit mir durch das Dorf,
lieber macht er den Umweg, durch den
Wald, wie immer, wenn er zu Ihnen
geht der feige Bub' der!"
„Feig ist Michael nicht," sagte der
Pfarrer ernst. „Das solltet Ihr doch
am Besten wissen, Wolsram, Ihr habt
mir ja selbst erzählt, daß er gar nicht
zu bändigen ist, wenn er mit seinem
Jähzorn losbricht."
„Ja, dann ist er eben verrückt, und
dann muß man ihn lausen lassen.
Wenn ich nicht wüßte, daß hier oben
bei ihm nicht Alles richtig ist, dann
würde ich noch ganz anders mit ihm
umgehen, aber ein Kreuz ist's doch!
ES ist nur merkwürdig, daß er so gut
schießt und trifft, wenn er nämlich
das Wild sieht, aber das kommt nicht
oft vor. Er guckt sich die Bäume und
den Himmel an, und derweil läuft
ihm der Zwölfender an der Nase vor
bei. Ich bin nicht neugierig, aber
das möchte ich doch wissen, wo dies
Mondkalb eigentlich herkommt."
Um die Lippen Valentin's zuckte es
schmerzlich bei den letzten Morten,
aber er erwiderte ruhig:
„DaS kann Euch ja gleichgültig
sein. Bringt nur Michael nicht auf
solche Ideen, er sängt sonst an^ dar
über nachzugrübeln und stellt Euch
Fragen, die Ihr ihm nicht beantwor»
ten könnt»"
„Dazu ist er viel zu dumm!" be
hauptete der Förster, für den diese
Eigenschaft seines PflegesohneS ein
Dogma zu sein schien, das unerschüt
terlich fest stand. „Ich glaube, er
weiß nicht einmal, daß er überhaupt
geboren ist. Aber da schlägt mein
Tyras an, er wird den Michael ge
sehen haben."
In der That vernahm man draußen
das freudige Gebell eines Hundes und
nahende Schritte, und gleich darauf
trat Michael ein. Michael war ein
Jüngling von achtzehn Jahren, zwar
ungewöhnlich groß und stark für sein
Alter, aber diese kraftvoll derbe Ge
stalt mit den ungelenken Bewegungen
hatte sogar nichts von der Frische und
Anmuth der Jugend. Das Gesicht,
unregelmäßig und unschön in jeder
Linie, zeigte einen halb scheuen, halb
träumenden Ausdruck, der es noch
weniger anziehend machte. Das dicke
blonde Kraushaar lag wirr und wild
um Stirn und Schläfen, und darun
ter blickten ein paar Augen hervor,
dunkelblau, aber so leer und träume
tisch, als bewege sich gar kein Seelen
leben dahinter. Der Anzug war
ebenso verwahrlost und halb bäuerisch
wie der des Försters, und in der gan»
zen Erscheinung lag auch nicht ein
einziger Zug, der Sympathie erwecken
konnte.
„Nun, kommst Du endlich?" em
pfing ihn der Pflegevater unfreund
lich. „Du hast wohl unterwegs ge
schlafen, sonst müßtest Du längst hier
sein."
„Ich bin durch den Wald gekom
men," versetzte Michael, indem er sich
dem Geistlichen näherte, der ihm
freundlich die Hand streckte. Wolfram
lachte höhnisch auf.
„Sagt' ich es Ihnen nicht, Hoch
würden? Er hat sich wieder nicht durch
das Dorf getraut, ich wußte es ja."
Michael ließ den anscheinend ganz
begründeten Vorwurf mit vollster
Gleichgültigkeit über sich ergehen,
ohne eine Silbe zu erwidern, er war
an diese Behandlung von Seiten des
Pflegevaters längst gewöhnt dieser
nahm jetzt seinen Hut und machte sich
zum Gehen fertig.
„Ich muß noch hinauf nach dem
Tannwald," sagte er. „Da oben sieht
es
bös
aus, mehr als ein Dutzend der
stärksten Stämme sind
Niedergebra-
chen, die wilde Jagd hat wieder ein
mal arg gehaust in den Forsten."
„Die Stürme der letzten Nächte,
wollt Ihr sagen, Wolfram."
„Die wilde Jagd ist's gewesen,
Hochwürden! Jetzt zur Frühjahrs»
zeit ist sie ja Nacht für Nacht los.
Vorgestern, als wir im Dunkeln durch
den Wald kamen, ist der Spuk dicht
an uns vorüber gezogen, keine hun
dert Schritte weit. Das tobte und
heulte und stürmte, als ob die ganze
Hölle los wäre und ein Stück davon
wird es auch wohl gewesen sein. Der
Michael in seiner Dummheit wollte
gerade daraus los, aber ich ergriff
ihn noch rechtzeitig am Arme und hielt
ihn fest."
„Ich wollte mir den Spuk doch ein
mal in der Nähe anschauen," sagte
Michael ruhig, der Förster zuckte
ärgerlich die schultern.
„Sehen Sie Hochwürden, so ist der
Bub' nun! Bor den Menschen läuft
er, und solche Dinge, bei denen jedem
Christenmenschen die Haut schaudert,
wo Jeder sich scheu bei Seite drückt
und sein Kreitz schlügt, die will et sich
anschauen, da geht er mitten hinein!
Ich glaube, er hätte sich in aller Ruhe
mit den Gespenstern herumgeschlagen,
wenn ich ihn nicht gepackt hätte. Dann
läge er jetzt im Walde, denn wer in
die wilde Jagd hineingerät!), der ist
hin."
„Aber Wolfram, kommt Ihr denn
nie los von diesem sündhaften Aber
glauben?" mahnte der Priester. „Ihr
wollt ein Christ sein und steckt noch
mit beiden Füßen im Heidenthume.
Und den Michael habt Ihr auch schon
damit angesteckt, et hat den ganzen
K»ps voll von den heidnischen Sâfttft.*
(Fortsetzung folgt.)
e W e i e e i n
A: »Was, Du hast jetzt geheira»
thet Du warst doch früher ein sol
cher Weiberfeind!"
B: „Bitte sehr, jetzt bin ich's erst
e
U n w a s e i n i e a u
èa ch s en.
Gast: ^Mber, Frau Wirtbin, wie
können Sie mit denn eine zerbrochene
Kaffeètafse vorsetzen?"
yar er vtc xmtjc rnr-
zwee geplatzt!"
o s a
Hrimadonna: „Haben Sie schon
gehört, Kapellmeisterchen. ich beirathe
demnächst einen reichen Ttesbau-Jn
genieur."
Kapellmeister (der für .ihre in der
Höhe etwas schwache Stimme viele
Opern-Partien tranponiren muß):
„Na, endlich mal 'ne Partie, h« tzur
Sie nicht zu hoch liegt!"
e e n k i
»Fremder: „Hier In diesem Hause
ist wohl eine Klinik?"
Lohndiener: „Eine Klinik? Nein."
Fremder: „Aber ich höre doch fort
während Au schreien!"
Lohndiener: „O. hier wohnt der
Redakteur eines Witzblattes, der liest
bit eingegangenen Beiträge durch."
E i n S o n
5 *34 sage Dir, Schauspieler
Lowenyaupt hat noch nie jo natür
lich, noch niemals mit solcher unbän
digen Wuth den Othello gespielt wie
gestern Abend."
B: „So spielt er stets, wenn die
Frau Direktor die Desdemvtia macht."
A: „Warum denn?"
B: „Seit Monaten schuldet ihm
Miese die Gage."
?Her etite 8U**»
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è *5
#"*v
Lord Egerton, dem das PflW
ailles in Paris gehörte, verband
dem Wesen eines englischen Sondes
lings ein ungeheures Vermögen, fcäJM
ihm erlaubte, seine originellen Emfai
um jeden Preis auszuführen.^
ein Beispiel davon: Das Palâts No«
ailles, das er bewohnte, sollte ruedev
gerissen werden, urti einer neue»,
Straße die erforderliche Breite zu ge
ben. Als diese festgesetzte Zeit gekom
men war, schickte der Siadtrath, der
auf feine Rechte hielt, Abgeordnete an
den edlen Lord, um ihn zu benachnch
tigen, daß er ausziehen möge. Aber
der Stadtrath hätte nicht bedacht, dah
Lord Egerton der eigensinnigste âr
Lords von Großbritannien und, die
Hauptsache, sehr reich fei. Lord
Egerton empfing die Deputation sehr
höflich, erklärte ihr aber, daß er nicht
Lust habe, sich in seinem
hohen
Alter
wegen der Verschönerung der Stadt
inkommodiren zu lassen. Darauf er
folgte eine amtliche Aufforderung und
die Drohung, man würde sein Auszie
hen und den Verkauf seines Palastes
auf gerichtlichem Wege erzwingen. Der
Lord ließ hierauf
seinen
Arzt rufen
und fragte ihn ernstlich, wie lange ihn
die Kunst und seine Natur wohl noch
auf der Erde erhalten könne.
„Mindestens noch fünf Jahre," ent
gegnete der Arzt.
„Ohne Schmeichelei, ohne falsche
Hoffnung?" fragte der Lord nochmals.
Der Arzt versicherte es von Neuem.
„Es ist gut, Sie können wieder
hen, Doktor." i
Lord Egerton ließ hierauf feinen
Advokaten rufen, zeigte ihm die Auf
forderung der Stadt und fragte ihn!
„Wie lange können Sie mir verspre
chen, den Prozeß hinzuziehen? Sa
gen Sie die Wahrheit, bedenken Sre
Alles."
„Ich verspreche Ihnen," entgegnete
der Rechtsfreund, „ihn wenigstens sechs
Jahre und länger dauern zu lassen."
„Es ist gut, Sie körnten wieder ge»
hen."
Und sodann schickte Lord Egerton'
das Resultat dieser beiden' Konsulta
tionen auf das Stadthaus, indem et
dem Rathe die Wahl ließ, zu warten
oder den Prozeß zu beginnen. Man
hielt es für besser, zu warten. Lord
Egerton starb im Jahre 1829 und
dann erst wurde das Palais Noailles
eingerissen.
In Neundorf (Schlesien) ist ein auS
den zartesten Brüsseler Sptijen gefer
tigter Shawl der unglücklichen Köni
gin von Frankreich, Marie Antoinette,
aufbewahrt, den sie bei ihrer Hinrich
richtung durch die Revolutionsmänner
zu Paris am 16. October 1793 getra
gen hat. Diese Reliquie wird in der
stattlichen zweichürmigen Kirche zu
Neundorf. aufbewahrt. Wie sie dort
hin gekommen, erzählt der seit 1879
verstorbene Pfarrer Hanisch zu Schön
selb (Grafschaft Glatz) in seinen hin
terlassenen Aufzeichnungen. Diesen
zufolge schenkte Marie Antoinette den
hier in Frage stehenden Shawl ihrem
Beichtvater Abbe de l'Orme, Chor
Herrn des Augustinerordens, der später
als Emigrant nach England ging. Bei
seinem Tode 1805 vermachte er den
Shawl dem Augustinerprälaten Jo
Hann Strobach auf der Sandinsel in
Breslau. Prälat Strobach starb am
2. Januar 1810, und infolge der noch
in demselben Jahre über das Kloster
verhängten Säcularisation kam u. a.
auch jener Shawl zur öffentlichen Ver
steigerung und wurde vom Stiftspro
curator Seydel für 37 Thaler erstan
den. Dieser bot den kostbaren Shawl
der kaiserlichen 'Familie in Wien an,
doch unter der Bedingung einer Für
spräche bei der preußischen Regierung
zum Zwecke einer Wiederherstellung deS
Stifts. Diese Fürsprache wurde ab
gelehnt, und als Seydel starb, erhielt
sein Nachfolger Kahlert auf der Stifts
Pfarrei Klei-Kreidel beiLeubus (Schle
sien) das Erinnerungsstück. Nach
Kahlerts Tode 1825 wurde es öffent
lich versteigert und ging in den Besl^
des Pfarrers Jaschke in Klein-Kreidel
über. Dieser besuchte alljährlich seine
in Neundorf wohnende Schwester Ma
rianne Jaschke und den ihm befreunde
ten Pfarrer Heinsch zu Schönfeld, dem
er schließlich versprach, ihm den Shawl
Marie Antoinettes zu vermachen. Er
vergaß esupbet, und als er starb,_ er
stand fem Verwandter, ein gewisser
Wenzel-Hötzel bei Wölfelsdorf, denGe
genstand für 4 1-2 Thaler. Inzwi
schen aber machte Pfarrer Heinsch bei
der Schwester des Erblassers das ihm
von diesem gegebene Versprechen gel
tend und diese wußte auch den Wenzel
Hötzel zur Herausgabe des Shawls zu
veranlassen. Pfarrer Heinsch überwies
ihn alsdann der Kirche zu Neundorf»
wo er sich heute noch befindet.
A a u e n k e n n e 9 i
neugierig, wie mich meine alte Freun
din ausnehmen wird! Bin wahrlich
ein bischen im Zweifel! Ach tool
Wenn die Frauen jünger sind, nehmen
sie neue, wenn sie älter sind, öltt Bs»
kannte um fo herzlicher auf!
Herr (recht verlegen): Fräulein, ich
hab' heut' so einen närrischen Einfall!
Darf ich ihn sagen? Dame:
Stehlen. Du versäumst ja
s.
Nur
heraus damit!—Herr: Also! Fräu
lein, wollen Sie die Meine Werdens
E a e e e z
„Was geschieht, wenn ein Lrcht unlet'
einem Winkel von 45 Grad in's Was
ser fällt?" Schüler (schnell): „($â
zischt und geht auâ!"
o u n S i z u e n a
tin: Wenn Du nicht mehr mitbringst,
laß ich Dich yar nicht mehr aus
zum
mehr, all
das ganze Geschäft einbringt.

Roman von L. 513 criter
Wirthin: „Nehmen Se's «ich un
giet'g, mei liewet Herr. Mei Gaffee
is Sie nebuilidi es bischen sehre^ stark
gerathen unc oa
Der Shawl der Königt«.
S o n e a e 2 0 3 e 6 n

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