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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, March 14, 1894, Image 3

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Poman von L. SSIerHMNT*
•*,-• (1. Fortsetzung.)
., «Ja, eine Sünde mag's sein, äber
wahr ist's doch," beharrte Wolfram.
„Ich glaube es schon, daß Sie nichts
davon spüren. Sie sind ein heiliger
Mann, ein geweihter Priester, vor
Ihnen hat es Furcht, all das unheim
liche Gesindel, das Nachts in den
Wäldern und Bergen sein Wesen
treibt, aber Unsereins sieht und hört
oft mehr davon, als ihm lieb ist.
Also der Michel bleibt hier?"
„Gewiß, ich sende ihn W Nach
mittage zurück."
„Nun dann Gott befohlen," sagte
der Förster, indem er den Riemen sei
tier Flutte fester zog. Er grüßte den
Pfarrer' und ging, ohne von seinem
Pflegesohne weiter Notiz zu nehmen.
Michael, der im Pfarrhause völlig
heimisch zu sein schien, holte jetzt aus
einem Wandschränkchen verschiedene
Bücher und Heste hervor, die er auf
den Schreibtisch legte. Der gewohnte
Unterricht sollte offenbar beginnen,
aber noch ehe es dazu kam, hörte man
draußen das Geläut eines Schlittens.
Valentin sah befremdet auf, die weni
gen und seltenen Besuche, die er er
hielt, b(st inden ausschließlich aus den
Pfarrern der einzelnen Alpenvörfer,
und Wallfahrer waren um diese Zeit
kaum zu erwarten. Sankt Michael
gehörte nicht zu jenen großen und be
rühmten Gnadenorten, wohin die
Gläubigen das ganze Jahr hindurch
in Schaaren pilgern. Zu dem kleinen,
stillen Wallfahrtsorte, hoch oben im
Gebirge brachten nur die armen Aelp
ler ihre Gebete und Gelübde, und nur
an hohen Kirchentagen sah er eine
größere Zahl von Andächtigen dort
versammelt.
Der Schlitten war unterdessen
näher gekommen UND' hielt vor dem
Pfarrhause. Ein Herr im Pelze stieg
aus, erkundigte sich bei der altert
Magd, die ihm an der Thür entgegen
kam, ob der Herr Pfarrer daheim sei,
und trat dann ohne Weiteres in das
Studirzimmer.
„Ich wünsche Seine Hochwürden zu
sprechen," sagte er, noch auf der
Schwelle.
Valentin zuckte zusammen bei dem
Klange der Stimme, dann fuhr er
mit dem Ausdrucke der freudigsten
Ueberraschung empor:
„Hans! Du bist eS!*
„Also erkennst Du mich doch noch!
Ein Wunder wäre es freilich nicht,
wenn wir das beiderseitig verlernt
hätten, entgegnete der Fremde, ihm
die Hand hinstreckend, die der Pfarrer
mit voller Herzlichkeit ergriff.
„Sei willkommen! Hast Du wirk
(ich den Weg zu mir gefunden?"
„Ja, ein Freundschaftsstück war es
allerdings, bis zu Dir heraufzukom
men," meinte der Gast. „Stunden
lang haben wir uns durch den Schnee
arbeiten müssen, bald lagen die ge
stürzten Tannen quer über den Weg,
bald ging es mitten durch einen ver
schneiten Wildbach, und zurAbwechse
lung stäubte eine kleine Lawine von
den Felsen nieder. Und dabei be
hauptet mein Kutscher hartnäckig, das
sei eine Fahrstraße! Dann möchte ich
(5lire Fußwege sehen, die werden wohl
nur für Gemsen gangbar sein."
Valentin lächelte. „Du bist dr
Elte geblieben, immer spottend und
kritisirend. Laß uns allein, Mi
chael, und sage dem Kutscher des
Herrti, er möge ausspannen."
Michael gehorchte und entfernte
sich, bor Fremde hatte sich umgewandt
und streifte ihn mit einem flüchtigen
Blicke.
„Hast Du Dir einen Famulus an
genommen? Wer ist bettn hies
Traumgesicht?"
„Mein Schüler, den ich unter
richte."
„Nun, das mag eine Arbeit sein!
In den Kops da ist wohl nichts hin
einzubringen, das ganze Talent des
Burschen scheint in den Fäusten zu
stecken, so sieht er wenigstens aus."
Der Gast hatte inzwischen seinen
Pelz abgelegt. Er mochte fünf bis
sechs Jahre jünger sein, als derPsar
rer, die Gestalt-war kaum mittelgroß,
aber der entschieden bedeutende Kopf
mit der hohen Stirn unv den geist
vollen Zügen fesselte auf den ersten
Blick. Die hellen, scharfeit Augen
schienen gewohnt zu fein, Alles und
Jedes bis auf den Grund zu durch
dringen, und in der Haltung wie dem
ganzen Wesen gab sich die Ueberle
genheit eines Mannes kund, der in
seinem Kceise für eine Autorität gilt.
Augenblicklich musterte er die Um
gebung, das Wohn- und Studirzim
mer des Pfarrers, das allerdings von
einer wahrhaft klösterlichen Einfach
heit war, seine Augen schweiften lang
saut umher in dem engen Raume,
bann sagte er, diesmal ohne jeden
Spott, aber mit einem Anfluge von
Bitterkeit:
„Also hier hast Du Anker geworfen!
So öde und weltverloren habe ich
mir Deine Einsamkeit beim doch nicht
gedacht. Armer Valentin! Du mußt
es büßen, daß ich mit meinen Forsch
ungen so unerbittlich Euren Dogmen
zu Leibe gehe, und daß meine Werke
auf dem Index stehen."
Der Pfarrer machte eine sanfte Be
wegung.
„Was fällt Dir ein! KS findet ja
oft ein Wechsel in den Pfarrämtern
statt, und ich bin nach Sankt Michael
gekommen
„Weil Du-Hantz Wthl«U'BwBru»
der hast!" ergänzte dieser. „Wenn
Du Dich öffentlich von mir losgesagt
und auf der Kanzel einige Male gegen
den Atheismus gedonnert hättest,
wärst Du in eine behaglichere Pfarre
gekommen, darauf gebe ich Dir tuet«
Wort. Man weiß e* recht gut. hab
tf.i'"
?V
.-
wir nicht mit einander gebrochen
haben, wenn wir uns auch seit Jahren
nicht mehr sahen, und das mußt Du
büßen. Warum hast Du mich nicht
öffentlich verdammt, ich Hätte es Dir
wahrhastig nicht übel genommen, da
Du ja doch meine Lehre unbedingt
verwirfst."
„Ich verdamme Niemand," sagte
der Pfarrer leise. „Auch Dich nicht,
Hans, wenn es mir auch wehe genug
thut, Dich auf diesem Wege zu sehen."
„Ja, Du bettlest nie Talent zum
Fanatiker, höchstens zum Märtyrer,
aber daß ich auch helfen muß. Dich
dazu zu machen, quält mich oft. Ich
habe übrigens dafür gesorgt, daß
mein heutiger Besuch unbemerkt
bleibt, ich bin gänzlich incognito hier.
Versagen konnte ich es mir nicht. Dich
noch einmal zu sehen, da ich jetzt nach
Norddeutschland übersiedle."
„Wie? Du willst die Universität
verlassen?"
„Schon im nächsten Monat. Ich
habe einen Ruf nach der Hauptstadt
selbst erhalten uud habe ihn sofort
angenommen, denn ich fühle, daß
dort erst der eigentliche Boden für
mich* und mein Wirken ist. Da wollte
ich Dir doch vorher noch Lebewohl
sagen und hätte Dich beinahe ver
fehlt, denn wie ich höre, warst Du
gestern in Steinrück zur Bestattung
des Grafen."
„Auf ausdrücklichen Wunsch der
Gräfin.. Ich habe die Trauerceremo
nie vollzogen."
„Ich dachte es mir! Ich bin gleich
falls telegraphisch nach Berkheim an
das Sterbebett gerufen worden."
„Und Du bist dem Rufe gefolgt?"
„Gewiß, wenn ich auch die ärztliche
Praxis längst aufgegeben und mich
dem Lehrstuhl zugewendet habe
das war ein Ausnahmefall. Ich habe
es nicht vergessen, daß ich als junger,
unbedeutender Arzt von den Stein
rück's angenommen wurde, allerdings
auf Deine Empfehlung, aber sie kamen
mir doch mit vollem Vertrauen ent
gegen. Ich konnte freilich nichts wei
ter thun, als dem Grafen die Todes
stunde erleichtern, aber meine Anwe
senheit war doch eine Beruhigung für
die Familie."
Der Wiedereintritt Michael's unter
brach das Gespräch. Er brachte bie
Nachricht, daß der Meßner den Herrn
Pfarrer nur aus einige Minuten zu
sprechen wünsche und draußen warte.
„Ich komme sogleich zurück," sagte
Valentin.. „Lege Deine Schreibereien
fort, Michael, der Unterricht fällt
Heute aus."
Er verließ das Zimmer, während
Michael sich daran machte, die Bücher
und Hefte zusammenzupacken. Der
Professor sah ihm dabei zu und fragte
flüchtig:
„Also der Herr Pfarrer unterrichtet
Dich?"
Michael nickte nur und fuhr in sei
ner Beschäftigung sott.
„Das sieht ihm ähnlich!" murmelt»
Wehlau. „Da quält er sich damit ab,
diesem beschränkten Burschen Lesen
und Schreiben beizubringen, weil der
muthlich keine Schule in "der Nähe ist.
Zeig' doch einmal her!"
Damit griff er ohne Umstände nach
den Heften und schlug eines derselben
aus, hätte es aber vor Ueberri.fchung
beinahe fallen lassen.
„Was? Lateinisch? Wie kommst
Du denn dazu?"
Michael begriff die Verwunderung
nicht, ihm kam es ganz selbstverständ
lieh vor, daß er Latein verstand, und
ruhig entgegnete er:
„Das sind meine Arbeiten."
Der Professor sah den Jüngling,
bett er seiner Klewung nach für einen
Bauernburfcheti gehalten hatte, von
oben bis unten an, bann fing er an
in dent Hefte zu blättern, las einzelne
Seiten und schüttelte den Kopf!
„Du scheinst ja ein vortrefflicher
Lateiner zu fein. Wo bist Du bettn
eigentlich her?"
„Aus der Försterei, eine Stunde
von hier."
„Und wie heißest Du?"
„Michael."
„Da führst Du ja denselben Namen
wie der Wallfahrtsort. Bist Du nach
ihm genannt?"
„Ich weiß nicht ich glaube nach
dem Erzengel Michael."
Er sprach den Nameif mit einer ge
wissen Feierlichkeit aus, und Wehlau,
der das bemerkte, fragte mit (inem
sarkastischen Lächeln:
„Du hast wohl großen Respekt èsr
den Engeln?" V''
Michael warf den Kopf zurück..
„Nein, die beten und lob fingen nur
bie ganze Ewigkeit hindurch, und das
mag ich nicht, aber Sankt Michael,
den mag ich. Der thut doch wenig
stens etwijS er stützt ben Satan
nieder!"
($9 mußte in den Worten oder in
dem Ausdruck wohl etwas Ungewöhn
liches liegen, denn der Professor
stufte und heftete seine scharfen
Augen fest ans das Gesicht des Jung
lings, der dicht vor ihm stand, hell
überfluthet von dem Sonnenschein,
der durch das niedrige Fenster hinein«
drang.
„Merkwürdig," murmelte er wie
der. „Das ist ja auf einmal ein ganz
anderes Gesicht! Was liegt nur in
diesen Zügen?"
In diesem Augenblick trat Valentin,
ein, und als er das Heft in der Hand
seines Bruders sah, fragte er:
„Hast Du Michael examtnirt? Nicht
wahr, er ist ein guter Lateiner?"
„Gewiß, aber was soll er mit sei»
nein Latein auf einer einsamen Berg
försterei anfangen? Der Vater hat
wohl nicht die Mittet, ihn auf eine
Schule zu schicken?"
„Nein, aber ich hoffe, auf anderem
Wege etwas für ihn zu erreichen,"
fslftte" der Pfarrer und fuhr dann,
wahrend Michael an den Wandschranl
ging, leise fort: „Wettn tier Arme
nur nicht so häßlich und so unbehol
fett wäre! El hängt Alle» von' dein
Eindrucke ab, den er an sin ein gt
-JT
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&!->.
wßffen Orle macht, und ich fürchte,
der wird sehr ungünstig sein."
„Häßlich, nun ja, das ist er aller
dings, und doch, als er vorhin eine
übrigens ganz gescheite Aeußerung
that, brach plöhlich blitzähnlich'etwas
hervor, das mich unwillkürlich erin
nerte an jetzt habe ich'3 an den
Grasen Steinruck."
„An den Grafen Steinrück?" wie
derholte Valentin auf das Aeußerste
betroffen.
„Ich meine nicht den Verstorbenen,
sondern seinen Vetter, daS Haupt d*r
älteren Linie. Er war in Berkheim
anwesend, und dort lernte ich ihn
kennen. Er würde eine solche Idee
übrigens als Injurie betrachten, und
da hätte er im Grunde Recht. Der
schöne, imposante Steinrück und der
Hans Träumer da! Auch nicht einen
Zug haben sie mit einander gemein
ich weiß nicht, woher mir auf ein
mal der unsinnige Gedanke kam, als
ich das Aufflammen dieser Augen
sah."
Der Pfarrer schwieg zu dieser
Aeußerung, er sagte nur ablenkend:
„Ja, ein Träumer ist Michael aller
dings. Er kommt mir in feinet
Gleichgültigkeit und Theilnahmlosig
keit oft wie ein Nachtwandler Dor."
„Nun, das wäre noch nicht das
Schlimmste," meinte Wehlau. „Nacht
wandler kann man wecken, wenn man
sie bei dem rechten Namen ruft, und
wenn der da einmal aufwacht, kommt
vielleicht etwas ganz Erträgliches zum
Vorschein. Seine Arbeiten sind gar
nicht so übel."
„Und doch ist ihm das Lernen
schwer genug gemacht worden! Wie
oft hat er sich durch Sturm und Un
wetter kämpfen müssen, um den Un
terricht nicht zu versäumen, und er
hat es stets unverdrossen gethan."
„Das wäre so etwas für meinen
Hans gewesen," sagte Wehlau trocken.
„Der zeichnet in den Schulstunden
Karikaturen von feinen Lehrern, ich
habe schon ein paarmal ernstlich da
zwischen fahren müssen. Der Bube
wird zu übermüthig, weil et so eilte
Art Glückspilz ist. Was er ansängt,
gelingt ihm, wo er anklopft, findet er
offene Thüren und Herzen, und darum
bildet er sich ein, matt brauche über
haupt nichts mit Ernst anzugreifen,
unb das Leben fei nur ein einziges
Vergnügen von Anfang bis zu Ende.
Nun, ich werde ihm schon eine andere
Meinung beibringen, wenn er erst an
das Studium der Naturwissenschas
ten geht."
„Hat er denn Neigung zu diesem
Studium?"
..Gott bewahre! Er hat höchstens
Neigupg zum Kritzeln und Pytjeln,
und wenn er eine bemalte Leinwanb
wittert, ist er nicht zu halten, aber ich
werde ihm die Narrenspossen aus
treibet?."
„Wenn er aber Talent hat
wars der Pfarrer ein, doch der Bru
der unterbrach ihn heftig:
„Das ist ja eben das Unglück, daß
er Talent hat! Da fetzen ihm seilte
Zeichenlehrer allerhand Dummheiten
in den Kops, und lieiilid) rückt mir
ein Freund unseres Hauses, ein Ma
ler, in förmlich tragischer Weife auf
den Leib. Ob ich es denn ver-ant
Worten könnte, der Welt ein solches
Talent zu entziehen? Ich tonnte mir
sticht helfen, ich bin grob geworden."
Valentin schüttelte halb mißbilli
gend den Kopf.
„Aber weshasb läßt Du Deinen
Sohn nicht seiner Neigung.folgen?"
„Das frorst Du noch? Weil $
meine geistige Erbschaft keinem An
deren gönne, als ihm. Mein Name
hat einen Klang in der Wissenschaft,
und der soll dem Hans Thür und
Thor öffnen im Leben. Tritt er in
meine Fußtapfen, so ist ihm ber Er
folg gesichert, er ist eben der £ohn
seines Vaters. Aber gnade ihm Gott,
wenn er sich einfallen läßt, ein soge
nanntes Genie zu werden!"
Michael hatte inzwischen seine
Bücher fortgepackt und kam jetzt her
bei, um sich zu verabschieden da der
Unterricht heute ausfiel, hatte er keine
Veranlassung, länger im Pfarrhause
zu verweilen. Sein Gesicht zeigte
wieder ganz den leeren, träumenden
Ausdruck, der ihm sonst eigen war,
und' als er ging, sagte Wehlau halb
laut zu seinem Bruder:
„Du hast Recht, er ist gas |U häß
lich der arme Teufel!"
Die Grafen von Steitiriick waren
ein altes, einst sehr mächtiges Adels
geschlecht, das seinen Stammbaum
weit in die Jahrhunderte zurückführte.
Die beiden Zweige des Hauses rühm
ten sich allerdings eitie^getneinfamett
Abstammung, waren jetzt nur weit
läufig verwandt, und es'hatte Zeiten
gegeben, wo sie gar nicht mit einander
verkehrten, stand doch schon die Ver
schiedenheit der Eoitfcjsioii trennend
zwischen ihnen.
Die ältere protestantische Linie, die
in Norddei'.tschland heimisch war, be
saß nur ein Majorat, das ein ziem
lich mäßiges Einkommen gewährte,
die süddeutschen Vettern dagegen
waren Herren eines sehr bedeutenden
Grundbesitzes, ausschließlich Allodial
güter, und gehörten zu den Reichsten
des Landes. Dieser Reichthum'lag
gegenwärtig in der Hand eines acht
jährigen Kindes, das Töchterchen des
eben verstorbenen Grafen war die
einzige Erbin desselben. Der schon
hoffnungslos Erkrankte hatte feinen
Vetter zu sich rufen lassen und ihn
zum Testamentsvollstrecker und Vor
mund seines Kindes ernannt. Damit
wurde zugleich eine Entfremdung
ausgeglichen, die seit Jahren zwischen
den beiden Familiet? bestand und
ihren Grund in einem erst geknüpften
und dann jäh zerrissenen Bande hatte.
Gras Steinrück hatte außer seinem
Sohne noch eilte Tochter besessen, ein
schönes, rèichbegabtes Mädchen, den
Liebling des Baters, betn sie an Cha
rakter sehr ähnlich war. Sie sollte
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sich bereutfi mit ihrem Verwandten,
dem jetzt Dahingeschiedenen, vermäh
len, das war längst in der Familie
beschlossen, und die junge Gräfin war
in Folge dessen oft wochenlang im
Haufe ihrer künftigen Schwieger
eltern.
Da trat, noch ehe die förmliche Ver
lobung stattgefunden hatte, in das
Leben des achtzehnjährigen Mädchens
eine jener Leidenschaften, die zum
Unglücke führen/ führen müssen, nicht
wegen des Stand«sunterschiedes, auch
nicht, weil sie den Familienzwist
heraufbeschworen, sondern weil ihnen
das Einzige fehlt, was einem solchen
Bunde Segen und Dauer geben kann,
die wahre, echte Liebe. Es war ein
Rausch, dem Reue und Ernüchterung
folgten, aber sie kamen erst, als es zv
spät war.
Louise lernte einen Mann kennen,
der, obgleich bürgerlicher Herkunft,
sich doch den aristokratischen Kreisen
vielfach zu nähern mußte. Eine blen
dende Erscheinung, voll glänzender
Eigenschaften und von besiegender
Liebenswürdigkeit, gelang es ihm,
sich überall Eingang zu verschaffen,
aber es war einer jener uitstäten,
abenteuerlichen Menschen, die in kei
nein Verhältnisse und an keinem Orte
aushalten. Voll leidenschaftlicher
Begier nach dem tölanze und Genusse
des Lebens besaß er dennoch nicht die
Fähigkeit, sich aus eigener Kraft
empor zu arbeiten, und war ein
Glücksritter im vollsten Sinne des
Wortes. Vielleicht liebte er die junge
Gräfin wirklich, vielleicht wollte er
durch sie nur eine Lebensstellung und
einen Platz in der Gesellschaft er
obern, genug, er wußte sie so voll
ständig an sich zu ketten, daß sie ent
schlossen war? trotz des voraussichtli
chen Widerstandes des Vaters und der
ganzen Familie, sein Weib zu werden.
Es konnte nicht ausbleiben, daß Graf
Steinrück von der Sache erfuhr und
er griff sofort mit einer Energie ein,
die in diesem Falle verhängnisvoll
wurde. Er glaubte mit einem Macht
worte, mit Beschien und Drohungen
der Sache ein Ende zu machen, und
rief damit nur jenen Trotz wach, den
bie Tochter von ihm geerbt hatte.
Sie weigerte sich entschieden, zu ge
horchen, widerstrebte energisch alien
Versuchen, sie zur sofortigen Verlo
bung mit ihrtrn Vetter zu zwingen,
und wußte trotz der strengsten Be
wachung in Verbindung mit dem Ge
liebten zu bleiben. Plötzlich war sie
verschwunden, und schon nach wenigen
Tagen traf die Nachricht ein, daß die
Trauung vollzogen und sie die Gattin
Rodenbergs sei.
Die Ehe war unanfechtbar, trotz der
Eile und Heimlichkeit, mit ber sie ge
schloffen wurde. Rodenberg hatte
dafür gesorgt und Alles längst vorbe
reitet. Er ^rechnete darauf, daß
Steinrück den Gemahl seiner Tochter
schließlich nicht verleugnen und fallen
lassen könne, rechnete auf die Neigung
des Vaters zu feinem Lieblingskinde,
aber er kannte jene eiserne Natur
nicht. Steinrück antwortete aus die
Verlobnngsanzeige mit der vollstän
digen Lossagung von seiner Tochter
und verbot ihr, ihm je wieder zu
nahen sie existire hinfort nicht mehr
für ihn.
Er hielt das mit unerbittlicher Con
sequenz aufrecht bis zu ihrem Tode
und noch darüber hinaus. Roden
berg machte anfangs noch Versuche,
eine Annäherung ein den Vater feinet
Frau zu erreichen ober zu ertrotzen,
er mußte aber endlich einsehen, daß
sich von dem Greifen nichts erreichen
und erzwingen ließ, und da ihm alle
Hilfsquellen abgeschnitten waren, so
warf er sich mit Weib und Kind wie
der in das Abenteurerleben, das die
Zügellosigkeit seiner Natur vollends
entfesselte.
Was nun folgte, war ein iinlösli«
ches Gewebe von Schuld und Elend,
ein stufenweises Sinken zum Ab
gründe, unv das Loos der jungen
Frau an der Seite dieses Gatten, dem
sie Glanz und Reichthum, Heimath
und Familie geopfert hatte, ließ sich
nur zu leicht errathen, waren doch all
die Hoffnungen gescheitert, die er an
sie und ihren Besitz knüpfte. Sie
verleugnete auch jetzt ihren Eharatter
nicht und hielt aus an der Seite des
Mannes, dessen Weid sie einmal ge
worden war, ohne je einen Versuch
zu machen, bei ihrem Vater Hilfe und
Rettung zu suchen, sie wußte freilich,
daß es vergebens gewesen wäre, Der
mochte doch nicht einmal ihr Tod ihn
zu versöhnen. Jetzt deckte sie und
ihren Gatten schon feit Jahren das
Grab, und damit war auch jenes un
selige Familiendraina begraben.
Ein? volle Woche war seit der Ve
statin tig auf Steinrück vergangen.
Graf Michael, der die ehemaligen
Zimmer feines Vetters bewohnte, be
fand sich iu dem Erkergemach und
hatte soeben die Meldung empfangen,
daß der Förster Wolfram, den er zu
dieser Stunde befohlen hatte, ange
langt sei. Er war heute in voller
Uniform, denn 'es galt eine Fahrt
nach dem benachbarten Städtchen, wo
ber Bruder des Souveräns eingetrof
fett war, um einer Gedenkfeier beizu
wohnen. Selbstverständlich hatte
man auch die vornehmsten Persönlich
keiten der Umgegend dazu eingeladen,
und der it tut nichtige Herr von Stein
rück konnte sich dieser ersten officiellen
Veranlassung nicht entziehen, wenn
er auch mit Rücksicht aus die Fami
lientraiter nur ber Feier selbst, nicht
den späteren Festlichkeiten beizuwoh
nen beabsichtigte. Die' Stunde der
Abfahrt war bereits bestimmt, in
dessen blieb immer noch Zeit zur
Audienz für den Förster.
Der Grüf stand am Schreibtische
und nahm ans einem der Fächer einen
funkelnden Gegenstand, den Stern
eines hohen Ordens, der reich mit
Brillanten besetzt war. Im Begriff,
ihn zu befestigen, bemerkte er, daß
das Band sich gelöst hatte, unb da
Wolfram in diesem Augenblicke be*
/iL
1
AvfVn'Jv **0v *(?&>* $ «J* ?»».«
V V "'V v V
reits eintrat, so legte er bo8 offene
Etui aus ben Schreibtisch ltieber.
Der Förster war heute in der vollen
Gala, in den er sich zeigte, eine ganz
stattliche Erscheinung. Haar und
Bart hatten sich zur Ordnung beque
men müssen, und der Jagdkleidung
war die gleiche Sorgfalt zugewendet.
Auch schien er seinem ehemaligen
Herrn gegenüber nicht ganz die For
men verlernt zu haben, denn er blieb
mit ehrerbietigem Gruß tut der Thür
stehen, bis ber Gras ihm einen Wink
gab, näher zu treten.
„Da bist Du ja, Wolfram," sagte
er freundlich, sich noch der alten ver
traulichen Anrede bedienend. „Ich
habe Dich lanese nicht gesehen, wie ist
es Dir ergangen?"
„Mir ist's ganz leidlich gegangen
Herr Gras," versetzte der Förster, der
in strammer Haltung dastand. „Ich
hab' ja mein Auskommen, und der
hochselige Herr Graf war auch zufrie
den mit mir. Ich komm' freilich das
ganze Jahr nicht heraus aus meinen
Wäldern, aber daran ist Unsereins
gewohnt, man muß sich halt finden
in das Alleinsein. Meine Frau starb
vor fünf Jahren, Gott hab' sie selig,
und Kinder haben wir nie gehabt.
Man hat mir wohl zugeredet, wieder
zu freien, aber ich mochte nicht. Wer
die Geschieht' einmal probirt hat, der
hat genug davon."
„Also war Deine Ehe nicht glück
lich?" fragte ihn Steinrück, über
dessen Züge ein flüchtiges Lächeln
glitt, bei dieser naiven Behauptung.
„Wie man's nimmt!" sagte bet
Förster gleichmüthig.
„Wir sind eigentlich ganz gut mit
einander ausgekommen, gezankt ha
ben wir uns freilich alle Tage, aber
das gehört dazu, und wenn uns dann
der Michel dazwischen kam, dann
schlugen wir Beide aus den los, unb
dabei vertrugen wir uns wieder."
Der Gras hob mit einer jähen Be
wegung den Kopf.
„Aus wen habt ihr losgeschlagen?"
„Ja so bas war eine Dumm
heit!" brummte Wolfram verlegen in
seinen Bart.
„Ist etwa von dem Knaben bis
Rede, der Dir übergeben wurde?"
Der Förster senkte das Auge vor
dem zornigen Blick, der ihn traf, uttb
vertheidigte sich etwas kleinlaut.
„Es hat ihm nichts geschadet, unb
es hat auch bald aufgebort, bettn ber
Herr Pfarrer von Sankt Michael ver
bot es uns, uttb ba ließen wir es blei
ben. Uebrigens hat der Bube die
Schläge reichlich verdient."
Steinrück erwiderte nichts er hatte
es freilich gewußt, daß der Knabe in
rohe und gewaltsame Hände kam,
aber der Einblick, den er je£t erhielt,
berührte ihn doch peinlich, und ziem
lich ungnädig fragte er: „Hast Du
Deinen Pflegesohn mitgebracht?"
„Jawohl, Herr Graf, wie es be
fohlen war.
„So laß ihn eintreten."
Wolfram ging, um ben im Vor
zimmer harren Michael herbeizurufen,
während der Blick des Grasen sich mit
unruhiger Spannung aus die Thür
heftete, durch die in der nächsten Mi
nute sein Enkel treten sollte, bas
Kind ber verstoßenen, der erbar
mungslos gerichteten und doch einst
so geliebten Tochter. Vielleicht war
der Jüngling das Ebenbild seiner
Mutter, jedenfalls trug er einige
Züge von ihr, und Steinrück wußte
selbst nicht, ob er diese Erinjurung
fürchtete oder ersehnte.
Da öffnete sich die Thür, und etn
der Seite seines Pflegevaters trat
Michael ein. Auch er hatte 11
it Rück
sicht auf diese Vorstellung feinem
Ae 11 Bereit größere Sorgfalt zuwenden
müssen, aber bei ihm half das wenig.
Das Sonntagsgewand kleidete ihn
nicht besser und war überdies, ob
gleich neu, doch halb bäurisch in
Schnitt und Aussehen. Die dichten
wirren Locken ließen sich nun einmal
nicht glätten und iie Ordnung, die
er beute Morgen mühsam hineinge
bracht hatte, war ans dem Wege hier
her längst wieder verloren gegangen,
sie legten sich eben so wild wie sonst
um die Stirn. Dazu p.rägte sich die
Scheu und die Befangenheit, die cr
hier in der fremden Umgebung em
pfand, deutlich auf feinem Gesichte
aus, bas ausdrucksloser als je er­
schien,, unb die nachlässige Haltung,
die schwerfälligen Bewegungen mach*
ten feine Erscheinung nur poch ab«
stoßender.
Der Graf warf einen raschen Blick
auf ben Eintretenben, nur einen ein
zigen, dann preßte er mit dem Aus
druck herbster Enttäuschung die Lip
pen zusammen. Das also das roai
Louisen's Sohn!
„Das ist der Michel, Herr Graf,
sagte Wolsrain, indem er Micheal in
nicht gerade sanfter Weise vorwärts
schob. „Mach Deine Reverenz unb
bedank' Dich bei dem gnädigen Herrn,
der Dich blutarme Waise ausgenom
men und für Dich gesorgt hat. E3
ist ja das erste Mal, daß Du Deinen
Wohlthäter zur Gesicht bekommst."
Aber Michael machte keine Reve
renz und sprach auch keinen Dank
aus. Seine Augen hingen wie gc=
bannt an dem Grafen, der sich frei
lich in der glänzenden Uniform im«
ponirertb genug ausnahm, er schien
über dem Anschauen alles Andere zu
vergessen.
„Nun, kannst Dn nicht reben?*
fragte Wolfram ungeduldig. „Sie
dürfen es ihm nicht übelnehmen,
Herr Graf, es ist nur Dummheit,
nichts weiter. Er thut schon daheim
kaum den Mund auf, und wenn er
viel Neues und Fremdes sieht, wie
beut', bann ist es vollends zu Ende
mit seinem bischen Verstand."
Es war ein Ausdruck offenbaren
Widerwillens, mit betn Steinriick sich
jetzt endlich an den Jüngling wandte,
unb feine Stimme klang toit tint*
herrisch, als er fragte:
„Du heißest Michael?"
4
v
„Ja," versetzte bieser wie mecha
nisch, er schien baS Auge noch imrttet
nicht losreißen zu können von ber
hohen Gestalt unb bem gebietenben
Antlitz, das so herb und verächtlich
aus ihn niederblickte. Steinrück sah
nicht die grenzenlose Bewunberung,
bie in biefen Augen lag, er sah nur
ben träumerischen Ausdruck darin,
nur ein dumpfes, neugieriges Anstar
ten, das ihn verletzte.
„Wie alt bist Du?- fuhr et in dew
gleichen Tone fort.
„Achtzehn Jatir."
„Und was hast Du bisher gelernt
«n»b getrieben?"
Diese Frage schien Michael in Ver
legenheit zu setzen, er schwieg unb sah
ben Förster an, der den» auch für ihn
bas Wort nahm.
„Getrieben hat er eigentlich nichts,
Herr Gras, obgleich er bett ganzen
Tag im Walde herumläuft, und ge
lernt wird er wohl auch nicht viel
haben. Ich hab' keine Zeit, mich
darum zu kümmern, zu Anfang tha
ten wir ihn in die Dorfschule, unb
später hat sich ber Herr Pfarrer sei
ner angenommen unb ihn unterrich
tet. Viel wird es aber auch nicht
geworden fein, trotz Älter Mühe, der
Michel begreift nun einmal nichts."
„Aber er muß sich doch für irgend
eine Thätigkeit entscheiden. Wozu
taugt 'er denn unb was will, er wer
den?"
„Gar nichts unb er taugt auch
zu nichts!* sagte der Förstsr lako
nifch.
„Das ist ja ein glänzendes Zeug
niß, das Dir ausgestellt wird!" sagte
der Gras verächtlich. „Also den gan
zen Tag im Walde herumlaufen, das
ist Deine Arbeit, das kostet allerdings
keine Anstrengung, und viel zu lernen
braucht man auch nicht dabei, aber es
ist eine Schande, daß ein junger,
kräftiger Bursche wie Du sich, so etwas
sagen lassen muß."
Michael schaute betroffen! auf bei
diesen herben Worten, unb in feinem
Antlitz begann langsam eine bunkle
Rothe auszusteigen, ber Förster aber
stimmte bei:
„Ja. das meine ich auch, aber mit
bem Michel ist ja nichts anzufangen.
Sehen Sie ihn sich nur an, Herr
Graf, bei gibt sein Lebtag keinen
richtigen Waidtnann ab."
Es schien dem Grasen Ueberwin
buttg zu kosten, sich Überhaupt noch
mit einer Sache abzugeben, die ihm
so zuwider war, aber er bezwang sich
und hart und befehlend sagte er:
„Tritt näher!"
Michael rührte sich nicht,, er stanb
ba, als habe er bett Befehl gar nicht
gehört.
„Hast Du so wenig Gehorsam ge
lernt?" fragte Steinrück drohend.
„Tritt näher, sage ich."
Michael blieb noch immer regungs
los, bis der Förster sich veranlaßt
fand, seiner vermeintlichen Dummheit
zu Hilfe zu kommen, et faßte ihn derb
an der Schulter, traf aber auf einen
entschiedenen Widerstund feines Pfle
gefohnes, der sich mit einer heftigen
Bewegung losriß. ES lag nur Trotz
in diesem jähen Zurückweichen, aber
es sah wie Flucht aus-unb so faßte es
auch der Graf auf.
„Also auch noch feig!" murmelte
er. „Wahrhaftig, es- ist genug!"
Er zog die Klingel und rief dem
eintretenden Diener zu: „Der Wagen
soll vorfahren," wandte sich dann
aber wieder an den Förster.
„Mit Dir habe ich noch ein paar
Worte zu reden, folge mir."
Er öffnete die Thür eines kleinen
Nebeitgemaches lind schritt voran.
Wolfram versuchte, indem er ihm
folgte, das Benehmen feines Pflege-
fohnes zu entschuldigen.
(Fortsetzung folgt)
o u it I 9 1 u t) 11 e 0.
Alpensänger (im Wirthshaus)
singt:
„Auf der Alm nur, liebe Leut',
Auf der Alm nur is a Freud'!"
Gast: „Warum bist nacha »it
d'r 0 e n bliebe n?"
O e n e z i
A: „Warum haben Sie denn bie
älteste Tochter des Rentiers Düll»
liter geheirathet?"
B: „Weil bie Jüngste für
meine ©chulben nicht aus»
e i e
i e E a u n 'g.
Chef (zit seinem Reifenben): „Für
Euch Geschäftsreisende ist das Gelb
für die Diäten, wo Ihr auch hinfahrt,
hinausgeworfe n.*
Reisender: „Wir aber a it
E n u s
Seit ich Sie gesehen, Frl.
Amalie, glaube icy r.rcht mehr, daß
bie Engel Flügel haben!"
^So... warum?"
„Na, Sie ^haben ja auch leine!*
a e
Gatte: „Komm 'mal, Rssa, im
Salon ist ein Herr, der um eine un
serer Töchter anhält eist Wein»
Händler!"
Gattin: „Gin W e i n s e
Gott sei Dank! Da wirb er wob!
»inen älteren Jahrgang wäh
ten!"
y e u n n o s
Er (schmachtenb): „Raunt ist tn
Der kleinsten Hütte für ein zärtlich
liebend Paar."
ioie: „Warum auch nicht
Aver HL s ch ö Ii 11 mtt| sie
feint
V 0 rfcefrei
Professor: „Sind Sie zur Prü»
fung schon hübsch vorbereitet?"
Student: „Ja wohl, eine w e i e
Weste habe ich schon, jetzt brauche ich
nur noch einen Frackunbschwa rf.
Hose r,V
ail? MF?K «**,& i
.'.. V" ., f.- /V 'Sv
w' tj
Herrn
^'•^'a]
DMj
I
Jetzt erfuhr es Herr Meyer fn Wirk
lichkeit, daß die Wege des Missethäter#
dornenvoll, er gab klein bei unb sagte
die ganze volle Wahrheit: daß er t«
einen Handschuhladen getreten, sich ei»
Paar Dänische zu kaufen, daß eine
hübsche junge Dame ihm dieselben mit
einer Haarnadel zugeknöpft und ihn*
zuletzt die Nadel mitgegeben habe, dflt
sie besser diene als ein Handfchuhhäft*
chen und daß er sterben wolle, wenn et
die Dame weiter als vomAnsehen kenne
—eine Geschichte, an deren S3 ethischem*
lichkeit jede vernünftige Frau glaube»
kann— ob Frau Meyer hieran glaubtest
»hm na:
i N e i n e a s n o e z
ztenraih: Geben Sie sich feine Mühch
mit mir, ich habe schon seit vielen Jah
ren keinen Tropfen Sein getrunken^
weil er mir vom Arzt streng Verbotes
ist. Wein-Reiseieder: Entschuldi
gen Sie vielmals, Herr Commerzien
rath, ich hätte es ja euch nicht gewagt
Ihnen lästig zu fallen, wenn Sie nicht
heute Nacht, als ich ©ié nach der side*
Icn Suite im Rathskeller nach Haus«
brachte, mir seligst bie Erlaâtiß baziU
ertheilt hätten!
ter: Wie heißt Du? Arreftents
Sam Jonâ Richtet: Bist. Diß.
nicht vor einem Jahre hi*r vor Gericht
gewesen, ifcn.b hast DtZ Dich damals
nicht Smith genannt? Arrestant:
Ich weiß, Euer Ehre«, aber das was
fet ein ganz verschiedener Fall!
V è k e W e e e k k a
„Watfcte, Mori&che, d'r Isaak muß ha#
ben ueien Anzug." Moritz: „N%,
Men! Unter de alten Sachen, die icG
hab' hait pekaaR werd' èiner fain so*
ihn."
u o e e E s e e
ler: bist Du bettn jetzt so auf
alle Studenten mit zerhauenen Ge
sichtern, erpicht?" Zweiter Malet*.
«Ich mal1 eben eis Schlachtenbild!"
1
i)
mttftrâ Q«*rn**eU
„August, was ist das?" sagt Fra«
Meyer zu ihrem Manne, ihn in feine»
Lektüre plötzlich unterbrechend.
„Das ist eine Haarnabel," antwortet
Herr Meyer ruhig, anscheinend voll
ständig in fem Buch versunken.
„So, ist es wirklich eine?", VMfl
Frau Meyer zurück, „aber es ist keme
von den meinen! Es ist eine gedreht»
Haarnadel! Darf ich mir zu fragt»
erlauben, wo das-übrige Frauenzim
mer hinbekommen ist?"
„Katharina," erwidert Herr Meye,
mit der Furchtlosigkeit eines reinen Ge
Wissens, „zu was so unnütze uad un#
angenehme Fragen? Was geht mtdj
beyn diese Haarnabel an-T"
..Das ist's gerabe. toaS ich 'wisse»
will und omch sicherlich herausbekom
men werbe," sagt feine Gemahlin, die
ein:n rothen Kopf bekommt, und sich 1$
ihren Schreibtisch lehnt.
„Wo fandest Du sie bernt eigentlich?"
fragt August mit einer Miene, als ob
er einen Revolver auf sich gerichtet
fühlte,
„Ich ich f—f—fanb ftt Dei
nem Ueberzieher," schluchzt Fra»
Meyer,, „ja jia in Deinem Uebel*
zieher!"
„So, dann leg sie wieder hineilt.
Uebrigens, waS hast Du bort zu. su
chen?" bemerkt Herr Meyer, ben Krieg
in Feindesland hinüber spielend. „JH
gebrauche doch keine Haarnadeln^ was
glaubst Du denn eigentlich, daß ich mit
Haarnabeln machen sollte?" Dabei
macht Herr Meyer ein so tugendhaftes
Gesicht, daß et jede Frau überzeugt ha
ben würde-
Aber seine Frau überzeugt-er nich^
sie ändert nur ihre Taktik. „Augusts
spricht sie im weichsten Sammetman
teltone, „August, wenn Du.
mich jemals
geliebt hast in den s—süßen Tagen un
seres jungen Glücks, wenn Du noch die
geringste Rückstchb für mich nimmst,
sag mir sag mir, woher Du bte
Haarnadel hast!"
Sie konnte keinen direkteren Weg $9
fetnem Herzen gehen. Der Besam»
mernswerthe. fuhr mit den Fingen*
durch die ergrauenden, Haare, et
krümmte: die Zehen zusammen in bet»
weichen Filzpantoffeln, er biß dt*
Zähne auf einander, als er sich daM
ermannte,, die Wahrheit zu: sagen.
„Die ganze, wahrhaftige Wahrheit
metnér Seel!" Dann begann er mit
niedergeschlagenen« Augen und leises
unruhiger Stimme die wie tonbenstt*
tes Unglücf klang:
„Es war erst gestern," er sprach da§
mit einem Gefühle, als ob es vor einem
Jahrhundert gewesen sein müsse: „Ich
kam gerade aus dem Restaurant
„O, 0, oi Du sagtest mir doch, daH
Du den Tag über keinen Bisse*
äßest," unterbricht Frau Meyer.
wo ich eine Rechnung emzukas
ftren hatte," fährt Herr Meyer in hoh
lem Grabestone fort, ..und wie ich da
herauskomme, so sehe ich 'was auf dem
Tro^oir glänzen. Ich dachte an d«M
Spruch, den mich vor langen Jahre»
meine gute, selige Mutier gelehrt:
„Findst du 'Yte Nadet und nimmst
sie
nicht,
Dir'? 'mal später an Brot gebricht.
Findst du 'tie Nadel und steckst sie ei»,
sicher wird es zum Glück dir sein."
„Käthe, ich dachte an nichts ®ofeâ^"
als ich mich bückte, die Nadel aufzuneh»
men, ich glaubte anfänglich auch, es sei"
etwas anderes, als so eine miserable
Haarnadel, wahrhaftig, ja wohl.
Da ist doch sicherlich kein Unrecht da
bei?"
„Ist das alles?" fragt Frau Meye»
ruhig.
„Das ist alles?" versichert 5Tugu.fl
mit eintat Engelslächeln. v
„So, woher aber kommt diese#
blonde Haar?" mquinrt Frau Meyer
weiter, zwischen Daumen und Zeigefin
ger ein solches hochhaltend „fandeH
Du das auch auf dem Trottoir?"
-it

V '.^ V-, W ,t^w,: i n -st! tfV'-'^ .' V- '.^ f. |vt -:. V
S- A i I
S e v e s i e e n i

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