OCR Interpretation


Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, March 28, 1894, Image 2

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn86063815/1894-03-28/ed-1/seq-2/

What is OCR?


Thumbnail for

1
V
1
•4
$f«jtr*i0uuf der Wissensch»f«.
t)er
Georg«
Sett »StudiosuS juris4
Bietfritz ging brütend in feiner Stu
virstul
Dtchem
be auf und ab. Ihm war fehr
Njämmerlich zu Muthe physisch,
moralisch und hauptsächlich finanziell.
Wenn der Fasching kurz ist, muß man
thn ausnützen und wenn Papa wohl
habend ist, desgleichen. Beides hatte
Strr Bierfritz redlich genug gethan.
Was Fatale war nur, daß die Freige
bigkeit des Papas womöglich noch en
ßtre Grenzen hatte, als die Dauer de»
heurigen Faschings, und daß aller
menschlichenVoraussicht nach von allen
drei vorhandenen Spezies des Katzen
jammers dem finanziellen für den Au
«enblick am schwersten abzuhelfen war.
Er sann und sann. Endlich faßte er
einen kühnen Entschluß und ging in
Papa's „Arbeitszimmer", wie der alte
Herr den behaglichen Schauplatz seines
süßen Nichtsthuns zu nennen pflegte.
^Papa, ich bitte Dich, ich brauche
Dernburg's Pandekten sei so gut, gieb
mir das Geld dazu." „Pan
Pandekten? Ja hast denn Du die
nicht schon? Mir ist doch..."
„Nein, Papa, gewiß nicht ich wollte
mir sie nur schon lange kaufen, jetzt
läßt sich's aber nicht mehr aufschie
ben." Herr Bierfritz der Aeltere sah
'seinen Sprößling mißtrauisch von der
Seite an. „Pandekten Pandekten,"
murmelte er kopfschüttelnd, „ich glaube
alleweil, die mußt Du schon drüben
haben." „Nein, wahrhaftig nicht,
Vapa, Du kannst ja nachsehen." Der
Papa, noch immer zweifelnd,stand auf,
fling in das Zimmer seines Sohnes
und inspicirte den Bücherkasten. Rich
iig, die Pandekten waren nicht da.
pTta, denn in Gottes Namen, ich geb'
Dir nachher das Geld." Aber als der
flotte Studiosus nach einiger Zeit
wieder beim Papa wegen des Geldes
nachfragen wollte, war der alte Herr
bereits ausgegangen. Aber es dauerte
nicht lange, so kam der Alte keuchend
wieder heim, mit einem ansehnlichen
Dacket beladen. Er trat sofort mit
Hut und Stock in das Zimmer seines
Sohnes und rief ihm triumphirend zu:
„So, da hast Du Deine Pandekten
sehr billig hab' ich sie bekommen, beim
Antiquar." Bierfritz junior machte
ein langes Gesicht. Der Alte bemerkte
es nicht und begann auszupacken. Er
legte die Bände auf den Tisch. „Da
schau her, wie gut erhalten!" Damit
schlug er den ersten Band auf. Plötz
lick aber stutzte er, rückte an seiner
Grille und steckte die Nase tief auf's
Titelblatt. Dann blickte er über die
Brille nach dem mißmuthigen Gesichte
des Herrn Sohnes, dann wieder in's
'Buch. Neuerliches Schütteln desKop
fei. Endlich brach er das Schweigen.
âDu, Georg, ich möcht' doch einmal
-wissen, woher der Antiquar das ge
wußt hat, daß die Pandekten einmal
für Dich gekauft werden. Da sieh'
Oer!" Junior folgte mit den Blicken
Jbem Zeigefinger Seniors und bekam
Plötzlich einen gewaltigen Schreck. Da
jftand zierlich auf dem Titelblatte der
ptame George Bierfritz mit einem ge
jwaltigen „Manupropria", wie es der
«Studiosus gern hinter seinen hoff
wungsvollen Namen malte. Und auch
was Buch kam ihm jetzt sehr bekannt
por, er dürfte es vor acht Tagen in sei-
ent Bücherkasten zuletzt gesehen haben.
Herr Papa weidete sich eine Weile
icn dem nichts weniger als geistreichen
Wesicht seines Sprößlings, dann sagte
«r: „Weißt Du, George, ich sehe an
Diesen Pandekten, daß Eure Juristerei
«eigentlich gar nicht so uninteressant ist.
Ach werde mir hie und da eines von
.Deinen Büchern zum Lesen ausleihen.
Älber da wäre es mir angenehm, wenn
!Du mir zu diesem Zwecke eine Liste
'aller Deiner Bücher anfertige» woll
ieft..." 1
.. Mcht unter dem Pantoffel.
Es gibt Männer, die durchaus nichts
Oavon merken lassen wollen, daß sie
mnter dem Pantoffel stehen. In Her
TengeseÖfchaft besonders liegt ihnen
Iba ran, ihre unangetastete Herrschet
Ovürde zu betonen, und sie haben gar
Nichts dagegen, in dem Verdacht eines
tyrannischen Ehe- und Hausherrn zu
lstehen. Ein solcher Mann sah einige
«Gäste bei sich, mit denen er sich zu vor
»gerückter Abendstunde in behaglichem
Geplauder gehen ließ.
»Ja," sagte er, „in meinem Hause
Din ich Herr und thue, was mir beliebt.
Meine Frau hat sich unbedingt meinen
Wünschen zu fügen und ich kann wohl
sagen, daß ich in meinen vier Pfählen
«in so unumschränktes Regiment führe,
•vie nur Julius Cäsar es gethan haben
Sann."
Gerade bei diesem letzten Satze trat
Feine Frau in's Zimmer. Der „Ty
irann" sah etwas genirt drein, aber
Madame verzog keine Miene und that,
©Is hätte sie nichts gehört. Nach einer
Kurzen Weile ließ sie jedoch in sehr be
Ftimmtem Ton die Bemerkung fallen:
„Es ist spät, meine Herren, und Ju
fills Cäsar muß zu Bette."
Alsbald erhob sich der Tyrann,
Gammelte eine Entschuldigung und
Äberließ es seinen Gästen, ihren Weg
«ms dem Hause zu finden.
Mit seiner Tyrannenherrlichkeit war
*6 zu Ende.
Verrathen. (Das Töch-
ßertem in Begleitung des Vetters und
jdes kleinen Schwesterchens.) Mutter:
^Liesbeth, warum bist Du so
-Seth?" Kl. Schwesterchen: „Der Vet
Der Gustav macht ihr immer so angst!"
Mutter: „Wieso?" Kl. Schwester
chen: „Er sagt immer: sie sei zum An»
teißen!"
ModerntAnzeige. Vki-
0itn Freiern die Mittheilung, daß
jnttnt Hand jetzt vergeben ist. Allen
Bewerben um dieselbe nochmals besten
Wank. Amalie .Schulze, Verlobte.
Gardinenpredigt der Fra« Äâtsa
e-irat» «riffelspitze»»
MkMlspitzer! KanzleiratP %ttt*
lnias! Du entsetzlicher Mann! Jetzt
sollst du nicht schlafen, jetzt mußt du
mich erst anhören! Willst du gleich d«
Augen aufmachen? Ein Glas Wasser
schütt' ich dir in's Gesicht, wenn du
jetzt schläfst! Jeremias! Zetermordio
schrei' ich. aus dem Fenster spring'
ich, wenn du nicht wachst!
Das werd' ich wohl bleiben lassen?
Du Bösewicht! Du kannst hinliegen
und schnarchen wie ein Bär, während
dein armes, gekränktes Weib schon
'zwei Stunden in der Stube auf- und
abrennt und die Hände ringt!
Warum ich's nicht bleiben lasse?
Ach will dir's sagen: Um elfe bist du
heimgekommen, statt um zehne, wo's
Hoftheater aus ist! Wo hast du dich
die ganze Stunde herumgetrieben?
Willst du wieder dte alte Mode an
fangen und mit deinem sauberen
freunde Rothnasel wieder halbeNächte
in den Kneipen herumsitzen? Schäme
dich. Kanzleirath!
Was? Einen Spaziergang hast du
pemacht? Das machst du mir nicht
weis, daß du mitten in der Nacht spa
zieren gehst!
Weil's Wetter so schön gewesen sei?
Griffelspitzer, das ist eine Lüge!
Ich hab' um zehne zum Fenster hin
vusgesehen, und da ist mir ein Regen
tropfen in's Gesicht geflogen. Schä
me dich, Jeremias, mit deinem armen,
geplagten Weibe so Hohn und Spott
zu treiben! Was hast du so spät in
der Nacht noch zu promenieren? Ganz
sicher hat dich der schlechte, liederliche
Mensch, dein Freund Rothnasel, wie
der verführt! Der ist ja in der gan
zen Stadt als ein großer Dummjean
bekannt, vor dem keine Schürze sicher
ist!
So, „Don Juan." sagt man?
Also verstehst du doch, was ich meine?
Also als großer Don Juan ist er in
der ganzen Stadt bekannt und in an
ständiger Gesellschaft gar nimmer ge
litten. Der hat dich ganz sicher be
schwatzt. mit ihm statt in's Königliche
Hoftheater in's Schützen Host^a
ter
Was? Es gibt gar kein Schützen
Hoftheater mehr, sondern ein „Tivoli
Theater"? Das ist mir ganz gleich!
Dort warst du mit deinem sauberen
Freunde Rothnasel, beim Ballet und
Dinasdriangel
Also „Tingel-Tangel" heißt man's?
Du kannst doch alles gleich corrigi
?en und weißt, wo's hinaus will!
Schlaf nur jetzt nicht, gib Antwort,
Griffelspitzer! Ist's nicht so? Bist du
nicht dort gewesen? Pfui, schäm' dich,
ftlter Kanzleirath! Ein anständiger,
reputierlicher Mann geht zum morali
schen Schauspiel oder Lustspiel oder
Trauerspiel oder auch zur Oper in's
Hoftheater, aber nicht in's Ballet, wo
nicht mit dem Mund, sondern mit den
Füßen und Händen gesprochen wird!
Wie? Was? Wunderschön ist so ein
Ballet? Du hast Freud' an Tanz und
Glanz? Jeremias, lüg' mich nicht
an. deine Frau ist nicht so dumm!
Dreh' dich nur nicht herum und schlaf'
nicht ein! Ich weiß wohl, an was du
im Ballet dein Vergnügen hast! Du
freust dich an dem kotteletierten Ko
stüm
..Dekolletiert" hätt' ich sagen wol
len? Schäm' dich, Jeremias, alter
Sünder, überhaupt dies Wort zu ken
nen! Also daran hast du deine Freude
und dein Vergnügen!
„Nein!" sagst du? Und doch ist's
wahr! Ich seh' dich im Geiste dasteh'n
im Varterr'. unmittelbar vor pem
Desvotium
So. ..Podium" heißt man's?
Also hiev stehst du und hast deine
Brille extra sauber geputzt und noch
dazu deinen Zwicker ausgesetzt und
guckst hinauf mit solcher Gier, als
wenn Goldstücke ausgestreut würden!
Ja. Jeremias, ich hör' im Geist, wie
du die Ballettänzerinnen lobst und
Beifall klatschest, wenn sie rechte Hop
ser machen und die Beine recht gra
ziös in der Luft herumschlenkern und
damit Kußhändchen in's Parterr'
wirft! Ich seh' im Geist, wie du ganz
verrückt und entzückt bist, du alter
Esel! Sag', ist's nicht so, Jeremias?
Du falscher, ungetreuer Mann! Hast
du's nicht so gemacht? Dreh' dich nicht
weg. schlaf nicht, oder ich kitzle dich!
Wenn du blos am Tanz Vergnügen
hast, kann ich dir's daheim auch ver
schaffen! Ich kann dir gleich was vor
tragen, wenn ich auch nicht bei den
Ballettänzerinnen bin, und wenn du
Gerade an den kurzen Röckchen eine
Freud' hast, kann'ich die meinen auch
hinaufnähen! Du lachst!?
Ich würde eine furiose Figur abge
ben?
Jeremias! Hast du vor zwanzig
Jahren auch so gesprochen? Wie hast
du mich als deine liebe Braut immer
so liebenswürdig und göttlich gefun
den! Wie hast du gebittet und gebet
ielt und gedroht, du würdest dich er
schießen und erstechen und in's Was
ser springen und obendrein noch ver
rückt werden, wenn du mich nicht krieg
test! Sag', war's nicht so? Warst du
nicht stets entzückt über mein wunder
volles blondes Haar?
Was? Du hast damals roth für
blond angesehen? Hast du mich nicht
vor Liebe fressen wollen?
Es thut dir leid, daß du's nicht ge
than hast? So sind die Männer!
Erst haben sie Krokodilsthränen und
machen uns zärtlich die Cour, beson
ders wenn sie sehen, daß noch was
Klinaendes dabei' herauskommt ist
man aber verheirathet, dann hat die
Zärtlichkeit ein Ende, dann sind sie
blind für unsere Reize, dann betrügen
sie ihre armen Frauen und würden
sich, wcnn's erlaubt wäre, einen Ha
rem halten wie die Türken!
v
Wie? WaS? Dir ist schon Eine zu
diel? Stil! soll ich sein? Nein, da
schweig' ich nicht!
Du bist mir treu? ES fällt dir
nicht ein, mich zu betrügen? Du hast
mich nie belogen und willst mich auch
nicht belügen? Griffelspitzer! Je
remias! Kanzleirath! Ist das dein
Ernst? Wo bleibt denn der neue Hut
und die goldene Uhrkette, die du mir
schon an Ostern versprochen hast? Haß
du dein Wort gehalten als Kanzle»
sath und königlicher Beamter?
Ich soll endlich still sein, es sei zwei
Uhr? Nein! Ich will gleich die
Zeugen bolen. die's mit angehört ha«
ben. Die Kinder sind alle dabei ge
Wesen, ich wecke sie gleich auf: das El
sale, das Klarale, das Laurale, das
Berthale. das Emmale und das Fri
dale. alle sechs waren dabei, ich hole
sie gleich herein, die Pfänder deiner
früheren Zärtlichkeit, sie sollen's be
zeugen!. wie du mir Hut und Uhrkette
versprochen hast!
Wie? Ich soll sie nicht hereinholen?
Ich soll sie schlafen lassen? Ich soll
Kette und Hut zum Geburtstage be
kommen? Du hast heute schon daran
gedacht? Jetzt seh' ich's ein, lieber
Jeremias, daß ich dir Unrecht gethan
babe und daß du mir nicht untreu
sein kannst! Komm', lieber Jeremias,
da hast du einen Kuß, ich hab' mich in
feir geirrt! Schlaf* wohl, Herzens
kanzleirath! Jetzt schläft er
auch wirklich schon und schnarcht wie
eine Sägemühle, ohne meinen Kuß zu
erwidern, und morgen srüh hat er
sicher Hut und Kette und alle sonsti
gen guten Vorsätze vergessen. Ich
werde sie ihm aber schon in's Gedächt
niß zurückrufen!
O diese Männer!
Die stille Brigg.
ES wiegt ein Schiff aus hoher See,
Das ist die Brigg „Haho-Dulje!"
Sie schaukelt ohne Ziel und Zweck,
Werlassen, öde ist das Deck
Und keine Mannschaft ist zu seh'n,
Nicht Steuermann, nicht Capitän.
Wie ausgestorben ist der Raum,
Kein Ruf, kein Ton, es ist wie
Traum.
War es Gefahr und Hungersnoth,
War es wohl gar der schwarze Tod,
Die Pest, die so dahingerafft
Der Brigg gesammte Dimerschaft?
Darinnen liegt in stiller Ruh
Mannschaft und Capitän dazu,
Da liegen sie dahingestreckt.
Kein Stoß, kein Wellenschlag sie
weckt.
Ein Jubiläum machte, wißt,
Daß Alles so betrunken ist.
Eine Negerlegende.
Zu Noahs Zeiten, so erzählt man
sich bei den Aschantinegern, waren
noch Männlein und Weiblein ohne jeg
liche Ausnahme schwarz und es war
das schönste,reinste Schwarz, gleich der
Nacht des Urwaldes. Da geschah es
eines Tages, daß Gott der Herr die
drei Söhne des Weinvaters Noah zu
sich berief. Es war aber Ham, der zu
erst herbeilief, und der Herr sprach:
„Siehe, da ist ein Brunnen in der
Wüste, der sich geöffnet hat, da ich dich
rief gehe hin, wirf dich hinein, damit
du von seinem Wasser weiß werdest
wie die Lilien." Aber Ham fürchtete
sich und blieb. Und Japhet kam herzu,
.tauchte in den Brunnen und ging als
bald daraus hervor mit einer ganz
weißen Haut. Dann kam auch Sem,
der dritte Sohn Noahs, und that gleich
feinem Bruder Japhet doch war die
Wunderquelle schon fast versiegt. Es
war nur noch so viel des Wassers, um
ihm die Haut zu bleichen, also daß
Sem braun wie eine Olive wurde.
Und siehe, ermuthigt durch seiner Brü
der Beispiel, sprang nun auch Ham in
den Brunnen. Aber kaum da.ß er
noch eine dünne Schlammschicht fand,
die ihm die Fußsohlen und die inneren
Handflächen netzte und ihm die Augen
spritzte. So ward sein Augapfel
strahlend weiß, und die Ballen seiner
Füße und Hände wurden gebleicht.
Aber alles andere blieb schwarz. Und
die Neger, die die Söhne Harns, des
Noahsohnes, sind, konnten somit auch
nimmer weiß werden, wie die Söhne
Japhets, noch braun, wie die Söhne
Sems.
Zerstreut. Dienstmädchen
(einem Gelehrten die Geburt eines
Sohnes meldend): Herr Doctor, ein
Junge ist da! Schön, liebe Minna!
Nehmen Sie ihm nur seine Sachen
ab, und lassen Sie ihn wieder ge
hen!
Untcir Gaunern. A.:
Wie gefällt Dir mein neuer Mantel?
fâ.: Wunderbar was hat Dich denn
der gekostet? A.: Nicht viel zwei
Monate!
Unpassend. Ei sieh, gu
ten Tag, Herr Baron von Silberstein.
Baron von Goldstein, bitte!
Heißen Sie nicht Silberstein? Gott
Der Gerechte, wer wird heißen wollen
bei die miserable Silberpreise Sil
berstein!
A e n st I i ch. -Einbrecher: Ihr
Geld oder Ihr Leben! Familienvater:
Schießen Sie nur um Gotteswillen
nicht, Sie wecken mir ja sonst das
Kind auf!
e n e u e u S i e I
zlaube, ich bekomme wieder mein ner
oöses Kopfübel. Er: Das dachte ich
mir schon gestern, als ich die Putzma
cherin bei Dir sah!
S e i e a s
sich nicht leugnen, Herr Lieutenant,
saß alle Damen für die Herren vom
Militär schwärmen." „Sehr schmei
chelhaft, mein gnädiges Fräulein."
,Das werden die besten Ehegatten,
?£nn die sind an ^ufcatdttMuioa,
zewöhnt!"
V V
I Qfftr unsere Krane«.
WaH wir Ittne* sollten.
Jede Mutter, die das Glück hat,
Töchter zu besitzen, wird es als ihre
heiligste Pflicht erachten, den Mädchen
eine solche Erziehung angedeihen zu
lassen, welche dieselben in den Stand
setzt, ihren Platz im Leben einstmals
so gut als nur irgend möglich auszu
füllen. Wenn auch gar manche der
weiblichen Kinder, um für alle Wech
selfälle des Lebens gerüstet zu sein,
zur Ausübung einer bestimmten Er
werbsthätigkeit herangebildet werden,
so bleibt es doch der geheime Herzens
Wunsch der meisten Frauen, auch ihre
Töchter einst als Gattinnen und Müt
ter am eigenen Herde walten zu sehen,
und von dieser Idee geleitet, beschrän
ken sich viele Frauen sogar darauf,
ihre Töchter ausschließlich für die zu
künftige Hausfrau und Familienmut
ter zu erziehen. Sobald Jemand nun
für eine specielle Thätigkeit ganz be
sonders ausgebildet wurde, dürfen
wir von ihm mit vollem Rechte erwar
ten, daß er diese seine Special-Fächer
auch meisterhaft beherrscht, und wir
vermuthen also, daß aus der häusli
chen Akademie alljährlich eine ganze
Anzahl diplomirter Hausfrauen und
perfecte Mütter hervorgehen. Für
alle jene Frauen, welche bei Heranbil
dung ihrer Töchter gleich hohen Zie
len nachstreben, müßte es aber von
hohem Interesse sein, einen Einblick
in die angewandte Methode zu thun
und hauptsächlich mit dem Lehrplan
der praktischen Hausfrauen- und
Mutterschule bekannt zu werden.
So viel uns bekannt, gehen die leh
renden Führerinnen ihrer Töchter un
gefähr nach folgendem System vor:
Zuerst erhält das Mädchen eine allge
meine Schulbildung, dieser folgt ge
wöhnlich etwas schöngeistiger, künst
lerischer und musikalischer Aufputz,
wovon namentlich auf Zeichnen oder
Malen, Klavierspielen oder Gesang
ziemlich viel Zeit verwendet wird.
Dann ist der Moment gekommen, wo
die kluge Mutter aus Erlangung
praktischer Kenntnisse, wie im Nähen,
Kleidermachen, Kochen und diverser
häuslicherVerrichwngen dringt. Wenn
all' dies erreicht ist, blickt die lehrende
Mutter stolz auf ihr Werk, und der
zukünftige Schwiegersohn erhält eine
Perle von einem Weibchen, gewappnet
für alle und jede Vorkommnisse des
täglichen Lebens.
Zu den ersten Vorkommnissen bei
einem jungen Haushalt, dem das
Frauchen glänzend vorsteht, gehört
aber manchmal auch ein ganz kleiner
Weltbürger. Die jugendliche Mutter
hofft nun mit Zuhilfenahme ihrer all
gemeinen, schöngeistigen, künstleri
schert, musikalischen, Nadel-, Koch
und Haushaltungskenntnisse, die ihr
bisher als Hausfrau so vortreffliche
Dienste geleistet, auch bei der zarten
Menschenbliithe erfolgreich zu mani
vuliren. Gar bald erkennt sie jedoch
mit Schrecken, daß ihre Bildung aus
diesem Felde gleich Null ist, daß Nie
mand unwissender, unerfahrener die
sem Theile ihrer gewählten Berufs
thätigkeit gegenüberstehen kann, als
sie selbst. „Ja, warum ist dem nun
so?" frägt sie bestürzt, und wir wie
derholen die Frage. Warum glaubt
man, daß die Kenntnisse der Haus
frau und Mutter identisch seien, daß
ieber Beruf einer Vorschule und vor
bereitender Studien bedarf, nur der
der Mutter nicht? Ist das Amt der
Mutter vielleicht ein gar so leichtes,
so wenig bedeutendes, wichtiges und
verantwortliches? Oder fehlt es den
lehrenden Müttern an der richtigen
Gelegenheit oder Einsicht, auch diese
Vorstudien der Töchter richtig zu lei
ten? Gewöhnlich heißt es: „Ach, das
lernt man später ganz von selbst, das
gibt sich und übt sich, wenn man nur
ein wenig Geduld und Liebe dazu
mitbringt, und diese besitzt jede Mut
ter, welche das Herz am rechten Fleck
hat!" So sprechen die mütterlichen
Beratherinnen der jungen Frauen.
Aerzte und Fachmänner dagegen kön
nen beweisen, daß unzählige zarte
Menschenblüthen alljährlich bei aller
Geduld. Liebe und normaler Herzens
befchaffenfjeit ihrer Erzeugerinnen zu
Grunde gehen oder jahrelang elend
dahinsiechen, nur weil die Mütter
diese wichtigsten Kenntnisse so ganz
von selbst erlernen und an ihrem eige
nen Fleisch und Blut einüben sollen.
Wie vielen jungen Müttern steht der
Angstschweiß auf der Stirn, wenn sie
blos vor die Nothwendigkeit gestellt
sind, ihr Kind zum ersten Mal zu ba
den. zu kleiden u. f. w. Welch' rath
lose Verzweiflung bemächtigt sich die
ser unerfahrenen, unwissenden, jungen
Frauen, wenn das zarte Wesen wim
mert. weint und schreit, ohne daß sie
im Stande sind, die Laute dieser
Sprache üu deuten, zu verstehen und
dem Würmchen entsprechende Linde
rung zu bereiten!
Wie kann da Abhilfe geschaffen,
wie den jungen Mädchen und Frauen,
welche später vielleicht den Beruf der
Mutter ergreifen, Gelegenheit gegeben
werden, die Kunst der Kinderpflege
rechtzeitig zu erlernen? höre ich meine
freundlichen Leserinnen fragen. Eben
so wie in unserer modernen Zeit die
Kunst des Kochens in öffentlichen
Schulen gelehrt wird, weil es den
Müttern oft an Zeit und Gelegenheit
gebricht, ihre Töchter darin im Haufe
zu unterweisen, so ist man nunmehr
bestrebt, auch Schulen für Kinder
pflege zu errichten, weil es in der Fa
milie lumeift an den Objekten zur
praktischen Erlernung auch dieser
Kunst fehlt.
In afleriungster Zfett haben die
Bestrebungen, solche Institute in's
Leben zu rufen, bestimmte Formen
öNfietwmmto, find man Sann bereits
Mus einige praktische Resultate hin
ßveisen: wenn auch die Ausführung
twrWeben, die Grundidee ist überall
Ungefähr dieselbe. Das Verdienst,
den bahnbrechenden Anfang gemacht
S?u haben, gebührt der Präsidentin des
Vereins christlicher Frauen in Brook
lyn. Dort existirt, vielleicht allerdings
mehr in Rücksicht für Frauen und
Madchen, welche die erworbenen
Kenntnisse auch außerhalb der eigenen
Familie verwerthen wollen, schon seit
drei Jahren ein Kurs, in welchem mit
dem besten Erfolge häusliche Pflege
rinnen für kleine Kinder, alte Leute
u. s. w. herangebildet werden. Zum
Unterschied von den „trained Nurses",
welche natürlich ein weit eingehende
res, ernsteres, jahrelanges Studium
im Krankenhause zu abfolviren haben,
nennen sich diese Pflegerinnen „ama
teur" oder „convalescent Nurses" und
beabsichtigen, nur so viel Kenntnisse
zu erlangen, als man im täglichen Le
ben als Frau und Mutter oder deren
Ersatz und Helferin unbedingt be
nöthigt.
In Boston hat in diesem Jahre eine
hygienische Gesellschaft die urfprüng
liche Idee noch in erweitertem Maße
ausaefiihrt. Eine abfolvirte Docto
rin der Medizin leitet den Unterricht
der sogenannten „Attendents", welche
praktische Unterweisung in Allem er
halten. was matt in der Kranken
oder Kinderstube zu wissen braucht.
Die Schülerinnen bekommen Unter
weisung im Bereiten von Umschlägen,
Nahrung. Bädern, wie die Ventilation
und Desinfektion zu besorgen, wie
Puls und Temperatur zu nehmen
feiert.
Und was uns oft das Beste er
scheint. es werden von verschiedenen
Aerztinnen und anderen erfahrenen
Damen und Müttern Vorlesungen
über alle Zweige der Kinderpflege ge
halten, bei welchen große Gummipup
Pen als Versuchsobjekte dienen, an
welchen praktisch erklärt wird, wie
solche lebende Puppen cm besten zu
baden, zu waschen, zu massiren, fro4
iiren, anzukleiden, u. s. w. sind. Fer
ner wird gelehrt, wie man Betten
macht, Durchzüge wechselt u. f. w.
Auch wird gezeigt, wie man in einem
Hausapparat Milch sterilisirt und an
dere Nahrungsmittel für Babies be
reitet. Und all' dies wird nicht nur
besprochen und demonstrirt, sondern
die Schülerinnen müssen einzeln vor
treten und die praktischen Handgriffe
so lange wiederholen, bis sie dieselben
ausgezeichnet ausführen können, sonst
erhalten sie kein Zeugniß, welches sie
berechtigt, sich als Schülerinnen des
Kurses auszugeben. Wenn ich ein
junger Mann wäre, würde ich ein sol
ches Document als zur Eheschließung
unbedingt nöthiges Utensilium ver
langen, und wenn ich ferner ein Mann
wäre, der bei der Leitung verschiede
ner deutscher Vereine etwas zu sagen
hätte, würde ich schleunigst darauf
dringen, daß solche deutsche Kurse für
deutsche Mädchen und Frauen errich
tet würden, denn die Kenntniß der
richtigen Kinderpflege ist etwas so
ungemein Wichtiges, daß wir dies
vor allen anderen Dingen lernen soll
ten.
Brahmane» als Exeeutoren.
In Ostindien gab es, und gibt es
wohl auch noch heute, schlechte Schuld
ner, bei denen kein Bitten und Mahnen
etwas half. Das wird Niemanden
Wunder nehmen, denn es ist in der
ganzen Welt so, und weshalb soll Ost
indien eine Ausnahme machen? Aber
in der Art der Beitreibung solcher
Schulden unterschied sich Ostindien
wesentlich von allen anderen Ländern.
Während man in diesen den Klageweg
beschreitet und nach erstrittenem Er
kenntniß zur oft fruchtlosen Exekution
schreitet, gibt der religiöse Glaube der
eingeborenen Bevölkerung Ostindiens
dem Gläubiger ein viel beguemeres
Mittel in die Hand, den Schuldner zur
Zahlung zu zwingen. Nach den
Grundlehren des Brahmattismus ist es
nämlich eine unsiihnbcneS. nd:, Schuld
an dem Tode eines Brahmanen (eines
indischen Priesters) zu sein. Aus die
sen Glaubenssatz fußend, miethet sich
der Gläubiger einen Brahmanen un
tersten Grades, deren es hunderttau
sende gibt und die daher billig zu ha
ben sind. Dieser Brahmane setzt sich
nun auf die Schwelle des Haufes, in
welchem der Schuldner wohnt, und ißt
so lange nichts, bis der Schuldner be
zahlt hat. Zögert der Schuldner mit
der Bezahlung so kann der Brahmane
verhungern und dann fällt die Sünde,
seinen Tod verursacht zu haben, auf
den Schuldner, welcher ihn durch seine
Saumseligkeit im Zahlen gezwungen
hat, zu verhungern. Es soll nun nie
mals vorgekommen sein, daß ein zum
Zweck der Schulden-Eintreibung ge
miethetet: Brahmane sein Wort nicht
gehalten, und vor erfolgter Zahlung
feinen Platz an der Hausthür des
Schuldners verlassen habe, aber ebenso
soll es auch nur sehr ausnahmsweise
vorgekommen sein, daß ein Schuldner
sich durch Nichtzahlung der Todsünde
schuldig gemacht habe.
i e richtige Les a rt.
Stud. A.: „Kannst Du mir nicht Dem
„corpus juris" auf einige Tage lei
hen?" Stud. B.: „Thut mir leid, ich
finde es garnicht. Das muß ich
wohl verlegt 'haben." Stud. A.:
„Verlegt? Du meinst sichM »er
setzt!" v.
—K a s e n e A o i i e Un
terofficier: Wenn Ihr Euch den Pfer
den von hinten nähert, so müßt Ihr
ihnen immer etwas zurufen, sonst
schlagen sie Euch auf Eure dickenSchä
Dfl und das Ende vom Liede ist wir
haben schließlich lauter lahme Pserde
in der S.chwadrcyzß ^.
Hawaiische Götzen.
Ueberreste des Äberglau
ben§ der Kanälen.
Die hundertjährige Herrschaft des
Christenthums hat wohl vermocht, die
zahlreichen Götzen zu entthronen, de
nen die Kanälen opferten, als der
kühne Seefahrer Cook zum ersten Male
die paradiesischen Inseln ds Hawaii
schen Archipels betrat allein den sin
stern Aberglauben vollständig auszu
rotten, ist dasselbe außer Stande ge
wesen. Die Kanaken bekennen sich zur
christlichen Religion, aber viele von
ihnen verehren trotzdem im Geheimen
manche ihrer alten Götzen, in denen sie
gewissermaßen eine Art von Vasallen
des Christengottes erblicken. Die
Wälder von Hawaii sind heute ^noch
von Kini Akua (Nymphen) bevölkert
und die unheimlichen Kahunas (Zau
berer) treiben ihr Unwesen wie früher.
Es gibt nicht wenige Kanaken, ^welche
fest davon überzeugt sind, daß die Apo
Leo, Kuni und Pahiuhius den Com
mander Wiltse von dem Bundes
Kriegsschiff „Boston" zu Tode „gebe
tet" haben, weil dieser der Königin
Liliuokalani nicht freundlich gesinnt
war. Der Einfluß der europäischen
Civilisation und das Wirken der Mis
sionäre haben zahlreiche Götzenbilder
zerstört, doch sind deren noch im In
nern der Inseln zu finden, wo sie von
den Eingeborenen freilich mit der
größten Aengstlichkeit behütet werden.
Es ist eigenthümlich, daß der Götzen
cultus dieser paradiesischen Inseln
einen so düsteren Charakter angenom
men und grauenhafte Wahnvorstellun
gen hervorgebracht hat, wie dieselben in
dem Glauben an die Giftgötter und
Göttinnen zu Tage treten. Die Göttin
Die Giftgöttitt Kalaipa*
ho ti.
Kalaipahou, welche in demjenigen
Theile der Insel Molofat haust, der
den Aussätzigen zum Aufenthalt dient,
treibt dort immer noch ihr Unwesen,
ebenso wie der Gott Ku, dessen Haupt
vergnügen in dem Brennen von Men
schenseelen besteht. Ein anderer Gift
gott ist Thamehaweda. Als der Re
gengott wird Lotto verehrt, während
Mtlu in dem Reiche der Todten, Po,
die Herrschaft führt Pete ist die ge
fürchtete Göttin des vulkanischen Feu
ers. Der Oberste aller Götter ist der
alte Kane, der, trotzdem er dén Men
schen wohl will, das übrige Gotterge
sindel sein Unwesen treiben läßt Auch
sein jüngster Bruder Kanalüa gilt als
guter Gott, denn er hat die Quellen
sowie Bäche' und den Bananenbaum
geschaffen.
1
'i
Der Aberglaube, daß die Seelen der
Abgeschiedenen von ihrem himmlischen
Aufenthaltsorte Kuahatro auf die
Erde zurückkehren können, wird von
den Kahunas in vollstem Maße aus
genutzt. Diese Betrüger lehren, daß
alle Krankheiten und Uebel durch den
'i
Der Giftg»tt Thameha
weda.
Zorn der Götter yder durch die Zaube
ret böswilliger Kahunas, denen Geister
zur Ausführung ihrer bösen Streiche
dienen, verursacht werden. Zur Zeit
der Noth sendet der abergläubische Ka
nake zu einem Kahuna, den er für be
sonders mächtig hält, und dieser ver
treibt das Uebel durch seine Special
geister. Dem Einfluß der bösen Gei
ster kann man übrigens durch eifrige
Verehrung seiner Vorfahren vorbeu
gen. Daß ein Mensch zu Tobe „ge
betet" werden kann, wird vielfach ge
glaubt und bemächtigt sich dieser
Glaube eines Anhängers der Kahuna,
dann ist er rettungslos verloren. Er
legt sich hin und stirbt vor bloßer
Angst, ohne Nahrungsmittel zu sich zu
nehmen oder Trostworten Gehör zu
schenken..
In lebhafter Erinnerung ist noch der
Tod der am 3. Februar 1887 verstor
benen Prinzessin Likelike, der Tochter
des Königs Kapaakea und der Mutter
der Prinzessin Kaiulani. Derselbe ist
nach dem Dafürhalten der abergläubi
schen Kanaken durch die Göttin Pele
herbeigeführt worden. Sie war von
einem leichten Unwohlsein befallen, als
sich ein Lâch roa» e«â dem Aul tan
kKilauea auf Hawaii zu ergießen be
Wann. Hierin erblickte sie die chr von»
her Göttin Pele gesandte Todesbot
.schaff und als gar der Mond erntn
Hof hatte, verlor sie alle Hoffnung: o»
nächsten Tage war sie eine Leiche.
Memoiren tint* Schmarotzers»
1
Briefe eines berufsmäßigen Diner
out wie maa in England die
Schmarotzer der „guten" Gesellschaft
nennt —, der die zweifelhafte Ehre
hatte, Anwalt des Prinzregenten und
nachmaligen Königs Georg des Vier
ten von England zu fein, sind soeben
in London veröffentlicht worden. Der
Mann heißt Jeckyll. In jener Eigen
schaft und als Parlamentsmitglied, .so
tote als Freund des Lord Lansdownv
kam er viel in Gesellschaft matt sah
ihn gern, weil er ein Witzbold und gu
iter Erzähler war. Seine Briefe witit
mein von allerhand Erinnerungen und
Anekdoten. Jeckyll erhielt feine Aus
Bildung in Frankreich er brachte ei
nige Tage in Blois, im Chateau deS
M. La Balliere, zu. Das Haus war
voll von Gästen, und da Mlle. Char
itter, ein hübsches 17jähriges Mädchen,
im selben Zimmer schlafen sollte, in
idem die Gesellschaft gespeist hatte und
Ida die Herren ihren Burgunder zu
Ifthr liebten, als daß sie ihn im Stiche
lassen konnten, so zog sie sich an'8 an
dere Ende des Zimmers zurück, kleidete
isich aus, ging zu Bett und schlief ein,
nachdem sie den Gästen noch ein paar
Lieder unter der Nachthaube hervor
gesungen hatte wozu Jeckyll die Be
merkung macht, daß Tahiti undFrank
reich ungefähr auf derselben Stufe bet
Civilisation stehen.
Ein Engländer, der lange Zeit in
iParts wohnte, hatte die Gepflogenheit,
lebe Woche mehrere Abende bei der
feargutfe X. in ihrem Landhaus zwei
Meilen von Paris zuzubringen die
feste Gesellschaft war dort anzutreffen.
Eines Tages fragte sie ihn: »Wie
ffornmt es, daß Sie mit einem Lakaien
«nkommen und immer mit zweien weg
fahren?" Der Engländer behauptete,
nur einen Livree-Bedienten zu besitzen
und stellte diesen Tags darauf zur
Rede. Unter der Androhung polizei
licher Maßregelung gestand der Be
diente, daß er seit Langem von einigen
Pariser Aerzten bezahlt werde, denen
er Leichen zum Seziren aus der Um
gebung von Paris verschaffte. Einige
ISurfchen brächten ihm diese Leichen
Don einem Kirchhof in der Nähe der
Milla der Margutfe, und um allen
'Fragen bei der Barriere von Paris um
Mitternacht auszuweichen, habe er im
mer die Leiche in eine ferner abgelege
nen Livreen gekleidet und hinter dem
Wagen ausrecht gehalten.
Theatergeschichten gibt es in diesem
Buch natürlich eine Menge. Ein iri
scher Schauspieler, der mit seiner
Truppe im Land umherzog, sollte
Othello in einer Scheuer spielen. Er
guckte durch eine Spalte in den Zu
schauerraum und zählte nur acht Per
sonen. Diesen rief er zu: „Hol*
mich der Teufel, wenn ich mich für acht
Personen schwärze. Heute Nacht s$flr
'ich den Neger weiß!"
Als Kean den Hamlet spielte, kriegte
der Geist einen Anfall von Nießen und
meßte so stark und anhiltend, daß er
nicht zu Worte kommen konnte. Die
Zuschauer, denen nie. zuvor ein in der
anderen Welt erwischter Schnupfen
vorgekommen war, Brachen in Beifall
aus und riefen: „bis! encore!"
Jeckylls Urtheil über Georg den
Vierten steht natürlich in scharfem Ge
gensatz zu der bitteren Satire, welche
Thackeray über den „ersten Gentleman
von Europa" ausgegossen hat. Dage
gen ist Jeckyll dem König Wilhelm dem
Vierten gar nicht sehr günstig ge
stimmt: „Der König hält Reden von
Morgen bis Abend ein gutmüthiges
Geschöpf, der es gut meint, wenn er
überhaupt etwas meint. Die Königin
ist nützlich so oft seine Tiraden über
das gewohnte Maß der Albernheiten
-hinausgehen, unterbricht sie ihn oder
fvrickt über den Tisch um dm HnJUi«
Halt zu gebieten und dem Gespräch eiifc
andere Wendung zu geben."
Widersprüche.
Nein, eine solche Bosheit kèm»
unmöglich möglich sein.
Daß Sie das nicht glauben wol
len, finde ich recht unrecht von Ihnen.
Na, ja, Sie Pessimist haben gut
schlecht von anderen Leuten reden.
Sie finden so Etwas natürlich
unnatürlich.
Na, dabei kann einem auch wohl
unwohl werden.
Und Sie alauben nicht, daß die
Sache nun gerade schief geht?
Ich sage ja nein
Na, ein solcher Optimismus ist
allerdings ein wenig zu viel!
(zu einem bewährten Einbrecher):
„Diesmal hat Ihnen nun noch nichts
bewiesen werden können, Sie sind da
her entlassen. Wählen Sie sich aber
doch einen anderen Erwerbszweig, der
Ihrige ist doch gar zu schlecht."
Einbrecher: „Na, wissen Se, Herr
Amtsrichter, mehr als Sie verdiene ick
immer noch dabei!"
nem neuen Dienstmädchen): „Sehen
Sie sich mal diese Photographie mei
nes Neffen an, Marie wenn der Herr
kommen sollte, sagen Sie jedesmal, ich
sei nicht zu Haus, verstanden!"
Dienstmädchen: „Jawohl!" Der
Neffe (nach einigen Tagen): „Ist Herr
Müller zu Hause Dienstmädchen:
„Ja ... warten Sie mal, da muß ich
aber mal erst in unserem Photographie#
album nachsehen 1"

e u s s o z A s i e
V e e e n n e z u s e i

xml | txt