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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, April 04, 1894, Image 3

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t5ES?Ü
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S?"
JL.
1
§flnül lirfjncl,
Jtoman von L. Werner»
(4. Fortsetzung.)
HanS ließ den Kopf hängen und
nahm eine äußèrst zerknirschte Miene
an.
„Sei nicht so hart, Papa! Die
Kunst ist nun einmal mein Ideal, die
Poesie meines Lebens, und wenn Du
wüßtest, was für Gewissensbisse ich
mir schon gemacht habe wegen meines
Ungehorsams!"
„Du siehst mir gerade nach Ge
Wissensbissen aus!" rief der Professor,
der immer wüthender wurde. „Ideale
Poesie da haben wir schon wie
der die verwünschte Geschichte! Die
Schlagworte, die allen Unsinn decken
müssen, den die Menschen begehen.
Aber bilde Dir nur nicht ein, daß Du
diesen Unsinn wirklich bei mir durch
setzen kannst. Was Du auch da für
Allotria getrieben haben magst, jetzt
Zominst Du nach Hause zurück, und
jetzt nehme ich Dich in die Schule.
:Du wirst zunächst Dein Doktorexamen
'-machen, hörst Du? Ich befehle es
'JiDir!"
„Ich habe gar nichts gelernt," er
Härte Hans mit einem förmlichen
Triumphe. „Ich habe in den Vor
lesungen nur die Herren Professoren
und das Auditorium skizzirt und
iarikirt, wie es gerade kam, und was
%ü mir von Gelehrsamkeit eintrich
wertest, das habe ich längst wieder
vergessen, damit bringe ich nicht drei
Seiten der Disiertationsschrift zu
Stande, und Du kannst mich doch
nicht noch einmal auf die Universität
schicken."
„Du rühmst Dich jâ förmlich Dei
ner Unwissenheit," sagte Wehlau
•schneidend, „und den unerhörten Be
trug, den Du mir gespielt hast, rech
nest Du Dir wohl auch als eine Hel
denthat (in?"t
„Nein, aber als eine Nothwehr, zu
fcer ich erst griff, als jedes andere
Mittel versagte. Wie habe ich da
inals gebeten und gefleht, um Dich
zur Nachgiebigkeit zu bewegen, es war
Alles umsonst! Ich sollte mein Ta
lent, meine ganze Zukunkt einem Be
rufe opfern, für den ich nicht tauge
und in dem nie etwas leisten wurde.
Du versagtest mir die Mittel zur
künstlerischen Ausbildung und dachtest
mich damit zu zwingen. Als ich Dir
jagte: „Ich will Maler werden, setztest
Du mir ein unerbittliches Nein ent
gegen, jetzt sage ich Dir: ich bin Ma
ler geworden! und dazu wirst Du Ja
sagen müssen."
„Das wird sich zeigen!" brauste
Wehlau von Neuem auf. Ich will
doch sehen, ob ich meinen eigenen
Sohn nicht meistern kann. In mei
tie tri Hanse bin ich Herr, da duloe ich
keine Rebellion, und wer sich gegen
meinen Willen auflehnt, der hat dies
Haus fortan zu meiden."
Der junge Mann erbleichte denn
doch bei dieser Drohung, er trat dicht
vor den Vater hin, und feine Stimme
klang bittend, aber zuletzt tief ernst.
„Papa, laß es nicht so weit kom
men zwischen uns. Ich bin nun ein
mal anders geartet, als Du, ich habe
von jeher ein ©raue» gehabt vor
Deiner hohlen, kahlen Wissenschaft,
die das Leben so klarmacht und so
öde! Du begreifst nicht, daß es noch
e'.ne andere Welt, daß es noch eine
Jugend giebt, der diese Welt so noth
wendig ist, wie die Luft zum Athmen.
Du erzwingst der Natur unerbittlich
ihre Geheimnisse ab, Alles, was darin
lebt und webt, muß sich Deinen Re
geln und Systemen fügen, von jedem
Geschöpf kennst Du das Werden und
Vergehen. Aber Deinen eigenen Bu
den, den kennst Du nicht und den
zwingst Du auch nicht in eines Deiner
Systeme. Der hat sich das Bischen
Ideal und Poesie noch glücklich ge
rettet und geht damit seinen eigenen
Weg und er wird Dir auch auf
diesem Wege keine Schande machen!"
Damit wandte er sich um und schritt
nach der Thür, der Professor aber
war keineswegs gewillt, die Unterre
dung so jju beendigen, er rief ihm
zornig nach:
„Hans, Du bleibst!
ans der Stelle zurück!"
Du kommst
Hans fand es jedoch für gut, den
Befehl zu überhören, er sah daß sein
„Hilsscorps" jetzt heran rückte, und
überließ es diesem, ihm den Rückzug
zu decken, was denn auch geschah.
„Laß ihn gehen, Onkel," sagte
Michael, der schon während der letzten
Minuten hervorgetreten war und jetzt
den erzürnten Mann zu beschwichtig
gen suchte. „Du bist jetzt zu gereizt,
werde erst ruhiger."
Die Mahnung blieb fruchtlos.
Wehlau dachte gar nicht daran, sich
zu beruhigen, und da der ungehor«
same (5obit ihm nicht mehr erreichbar
war, so wandte er sich gegen dessen
Fürsprecher.
„Und Du bist auch mit im Com
Hlott gewesen! Du hast um die ganze
saubere Geschichte gewußt, leugne es
nur nicht. Hans verschweigt Dir ja
nichts. Ihr hängt ja zusammen wie
die Kletten. Warum hast Du ge
schwiegen?"
„Weil ich mein Wort gegeben halte
und das nicht brechen durfte, wenn
ich auch mit der Heimlichkeit nicht ein
verstanden war."
„So hättest Du auf eigene Hand
»'eingreifen und Hans zur Vernunft
^»bringen müssen."
„Auch das konnte ich nicht, denn er
ist in seinem Rechte."
„Was fängst Du auch noch an?"
schrie der Professor, indem er ihm
drohend aus den Selb, rückte, aber
Michael hielt Stand und wiederholte
fest:
,.Ja, Onkel, In seinem vollen
Rechte! Ich hätte mir auch feinen
Berus aufzwingen lassen, den ich nicht
mag und fite den ich nicht tauge. Ich
y -.- *p' i
i'^t.
l, A** I V
hatte allerdings offener und eben des
halb schwerer gekämpft als Hans,
der dem Kampfe einfach ans dem
Wege ging. Von dem Tage an, wo
Du ihn zum Studium zwangst, und
er sich scheinbar fügte, hat er auch
angefangen, seine Vorstudien in der
Malerei zu machen, aber et sah
schließlich die Unmöglichkeit ein. seine
künsitSrische Ausbildung unter Deinen
Augen zu vollenden, deßhalb ging er
nach B. Er muh dort wohl Tüchtiges
geleistet haben, denn wenn ein Mann
wie Professor Walter ihm das Zeug
niß künstlerischer Reife giebt, so hat
er sie, daran darfst Du nicht
zweifeln."
„Schweig!" grollte der Professor,
„ich will nichts hören. Ich sage nein
und nochmals nein, und kommst
DU mir auch noch mit Deinem
Triumphe Du bist wohl auch mit
im Komplott gewesen?"
Die letzten Worte waren an die
Frau Bürgermeisterin gerichtet, die
ganz harmlos zurückkehrte, um das
vergessene Schlüsselkörbchen zu holen,
und sehr verwundert war ob dieses
grimmigen Empfanges.
„Was hast Du denn?" fragte sie,
„Was ist vorgefallen?"
„Vorgefallen? Nichts ist vorge
fallen Nur eine ganz kleine Aender
ung im Studium, wie mein Herr
Sohn sich auszudrücken beliebt. Aber
wehe dem Jungen, wenn er mir wie
der vor die Augen kommt, er soll mich
kennen lernen!"
Damit ging Wehlau stürmisch in
das Nebenzimmer und schlug die
Thüre hinter sich zu, während seine
Schwägerin sich jetzt wirklich erschreckt
an Michael wandte.
„Aber in des Himmels Namen,
was ist denn eigentlich geschehen
„Eine Katastrophe Hans hat dem
Vater ein Geständniß gemacht, mit
dem er nicht langer zurückhalten
konnte. Er hat nicht studirt, sondern
die Universitätszeit dazu benutzt, sich
zum Künstler auszubilden. Aber ver
zeih, Tante, ich muß ihm nach, es ist
wirklich nicht gut, wenn er dem Vater
jetzt vor die Augen kommt."
Damit verließ auch Michael eiligst
das Zimmer, die Frau Bürger
Meisterin stand einige Minuten lang
starr, wie eine Salzsäule, bann aber
verklärte sich ihr Gesicht förmlich, mit
dem Ausdruck der tiefsten Genug
thuung sagte sie:
„Da hat er dem unfehlbaren
Herrn Professor eine Nase gedreht
und was für elfte! Der Goldbub'
der!"
Elmsdorf, die Besitzung des Herrn
von Reval, lag nicht allzuweit von
der Stadt entfernt. Es war kein
alte? Bergschloß mit Wald- und
Jagdrevier und einer historischen Ver
gangenheit wie Steinrück, sondern
ein moderner freundlicher Wohnsitz,
den seine schöne Lage zu einem sehr an
genehmen Sommeraufenthalt machte.
Das Haus, eine geräumige Villa
mit Balkon und Terrassen, war von
einein nicht großen, aber vorzüglich
angelegten Park umgeben und die
innere Einrichtung zeugte, ohne ge
rade glänzend zu sein, von dem Ge»
schmack und Reichthum der Be
wohner.
Oberst Reval hatte vor drei Jahren
seinen Abschied genommen, in Folge
einer Verwundung, die er im letzten
Kriege erhalten. Seitdem lebte er
mit feiner Gemahlin im Winter in
der Hauptstadt und im Sommer
regelmäßig in Elmsdorf, das er aus
einem einfachen Landgute zu einem
höchst behaglichen Wohnsitze umge
schaffen hatte.
Michael Rodenberg, der in dem
Regiments des Obersten diente und
später.sein Adjutant gewesen war,
hatte sich von jeher einer besonderen
Auszeichnung von Seiten seines
Chefs erfreut, und selbst nachdem
dieser den Dienst quittirt hatte, gab
er dem jungen Officier noch vielfache
Beweise feines Wohlwollens.
In Elmsdorf fand heute eine
größere Festlichkeit statt. Man feierte
den Geburtstag der Frau Reval, und
da das reiche, gastfreie Haus viel
fache Beziehung in der Umgegend
hatte, so war die Gesellschaft auch
sehr zahlreich. Michael's Erscheinen
verstand sich von selbst, aber auch
Professor Wehlau und Hans hatten
Einladungen erhalten. Leider mußte
man daraus verzichten, den berühmten
Gelehrten unter den Gästen zu sehen.
Er entschuldigte sich mit Unwohlsein,
in Wahrheit aber verspürte er keine
Lust, jetzt in Gesellschaft zu gehen,
wo die Eigenmächtigkeit seines Sohnes
ihn noch immer mit Empörung er
füllte und seine Stimmung in höchst
bedenklicher Weise beeinflußte. Die
beiden jungen Männer waren daher
allein nach Elmsdorf gefahren.
In den lichtstrahlenden Räumen
der Villa empfingen Herr und Frau
Reval ihre Gäste mit jener Liebens
Würdigkeit, die ihr Haus zum Mittel
pujikt der dortigen Gesellschaft machte.
Hans Wehlau rechtfertigte auch hier
die Behauptung feines Vaters, daß
er ein Glückskind fei, dem sich überall
Thüren und Herzen öffneten, ohne
daß er sich besondere Mühe darum
gab. Er war der Ddme des Hauses
kaum vorgestellt worden, als er auch
schon ihre Gunst erobert hatte, alle
Welt fand ihn liebenswürdig, und et
bewegte sich auf dem ihm völlig frem
den Boden mit einer Leichtigkeit, als
ob er von jeher dort verkehrt hätte.
Um so fremder fühlte sich Michael,
der weder die Neigung noch du
Fähigkeit besaß, so leicht und schnell
Beziehungen anzuknüpfen. Auch er
kannte, mit Ausnahme des Oberst
und seiner »Frau, Niemand in der
Gesellschaft, und die flüchtigen Vor
stellungen der verschiedensten Persön
lichkeiten und die noch flüchtigeren
Gespräche, die sich daran knüpften,
iuteressirten ihn wenig. Das glän
zende, heitere Treiben, in dem Hans
I*
v^r
iPwamm und plätscherte, rote
tfifch im Wasser, vermochte seinem
ernsten ungeselligen Freunde nur eine
vorübergehende Aufmerksamkeit abzu
gewinnen er war mehr Beobachter
als Teilnehmer dabei.
Auf feiner Wanderung durck die
verschiedenen Gemächer gelangte er
endlich in das Gewächshaus, das die
GesellschaftSräume abschloß und durch
Palmen, Lorbeerbäume und Blumen
gruppen zu einem füllen, lauschigen
Ruheplatz umgeschaffet? war.
Hier war es kühl und einsank, tfilb
der junge Offizier fühlte, keine Nei
gung, sofort wieder in die heißen
Zimmer zurückzukehren, wo ihn Nie
mand vermißte. Langsam ging er
von einer Pflanzengruppe zur an
dern, bis er in seinen Betrachtungen
durch den Eintritt des Oberst Reval
gestört wurde.
„Wieder so ungesellig, Lieutenant
Rodenberg?"fragte dieser, halb vor
wurfsvoll. „Sie sind ein schlimmer
Gast bei unserem Feste. Was machen
Sie denn hier in dem einsamen Ge
wächshause
„Ich bin soeben erst eingetreten,"
entschuldigte sich Michael, „und über
dies bin ich so fremd in der Gesell
schuft
„Ein Grund mehr, sich bekannt zu
machen. Nehmen Sie sich ein Bei
spie! an Ihrem jungen Freunde, der
schwimmt bereits mit vollen Segeln
auf dem Strome der Geselligkeit. Ich
vermisse Sie schon eine ganze Zeit
lang im Saale, ich wollte Sie dem
Grasen Steinrück vorstellen. Sie
kennen ihn doch nicht
„Den kommandirenden General
nein!"
„Er ist soeben erst gekommen, und
Sie werden sich später jedenfalls noch
dienstlich bei ihm melden müssen. Der
General ist äußerst einflußreich, aller
dings auch sehr gefürchtet wegen feiner
eisernen Strenge im Dienste. Er
schont darin Niemand, am wenigsten
freilich sich selbst, obschon er bereits
im Anfange der Siebzig steht, aber
der Begriff des Alters scheint für ihn
nicht da zu'sein."
Michael hörte schweigend zu, er
wußte bereits, daß der Gras sich in
Steinrück befand, und mußte auf
eine Begegnung gefaßt sein, die ihm
bisher erspart geblieben war, die
aber in Zukunft nicht vermieden wer
den konnte, denn er mußte sich aller
dings später bei dem kommandiren
den General vermelden.
„Wir hofften auch den jungen Gra
sen zu sehen." fuhr Reval fort, „aber
wir hören soeben, daß er erst morgen
Abend eintrifft. Schade! Sie hätten
eine interessante Bekanntschaft ge
macht."
„Sie meinen den Sohn des Gene
teils, Herr Oberst!"
„Nein, der ist schon seit Jahren
todt, ich meine den Enkel, Gras
Raoul. Er ist wirklich eine der
schönsten Männergestalten, die ich je
gesehen habe! Immer voran, bei
allen Tollheiten, immer den Kopf voll
von genialen Ideen und dabei von
einer so hinreißenden Liebenswürdig
feit, daß er im Sturm Alles gewinnt.
Er ist in der That eine ungewöhnlich
begabte Natur, aber auch ein Toll
kopf. der feinem Großvater noch zu
schaffen machen wird, wenn dieser ihn
nicht bei Zeiten bändigt."
„Wie es scheint, ist General Stein
rück der Mann dazu," warf Michael
hin.
„Das glaube ich auch! Graf Raoul
fürchtet sonst weder Tod noch Teufel,
aber vor feinem Großvater hat er
einen heillosen Respekt, und wenn
Seine Excellenz einen Ufas erläßt
was, unter uns gesagt, ziemlich oft
nothwendig ist bequemt er sich
regelmäßig zum Gehorsam."
Ein leises Raufchen, wie von seide
nen Frauengewändern, ließ sich hin
ter den beiden Herren vernehmen, die
dem Eingange den Rücken zukehrten
sie wandten sich um, und in demselben
Augenblicke trat der junge Offizier so
jäh und hastig zurück, daß der Oberst
ihn befremdet anblickte.
Es waren zwei Damen eingetreten
die ältere, eine zarte, blaffe und
kränkliche Erscheinung, in gewählter,
ober dunkler Toilette,. schien den
Ruhesitz aufsuchen zu wollen, der sich
unter einer Palmengruppe am Ende
des Gewächshauses befand die .jün
gere stand noch auf den Stufen, die
hinabführten, hell beleuchtet von dem
Schein einer Ampel, die sich gerade
über ihrem Haupte befand.
Hans Wehlau hatte Recht mit sei
ner enthusiastischen Bemerkung, es
war eine Gestalt, rote aus einem Feen
märchen, hoch und schlank, mit einem
Antlitz von seltsam berückender
Schönheit und großen, strahlenden
Augen, die wie Sterne glänzten und
Deren Farbe sich doch nicht errathen
ließ, weil sie in einem Moment tief»
dunkel erschienen und in dem andern
leuchtend hell. Die rothen Locken,
die einst über die Schultern des Kin
des fielen, waren freilich verschnürn
den auf den reichen, goldblonden
Flechten ruhte jetzt nur noch ein leich
ter röthlicher Schimmer und wett»
eiferte mit dem matten Glanz der
Perlenschnur«, die sich durch das Haar
schlangen, und doch gleißte es in die
sem Äugenblicke, wo das Licht der
Ampel daraus niederfloß, wie das
„rothe Gold" in den alten Märchen
schätzen. DaS bläulich schimmernde
Seidengewand verschwand fast unter
einer Wolke von Spitzen, die von ein
zelnen Blumen geholten wurde, und
dazwischen funkelten Juwelen die
ganze Erscheinung war wie aus Duft
und Glanz geworden.
„Ah, Frau Gräsin Steinrück!* tief
dtx Oberst, indem er zu der älteren
Dame eilte und der sichtbar Erschöpf
ten den Arm bot. „Es war wohl zu
heiß im Saale? Ich.fürchte, Sie ha
ben uns ein Opfer gebracht mit Ihrem
Erschein,
n."
„ES ist nur Ermüdung, nichts wel
i'We
,-i
i Jer," versicherte die Gräfin, während
er sie zu dem Sitze geleitete. „Sieh
da, Lieutenant Rodenberg!"
Michael v^neigte sich jetzt rauschte
auch das blaue ^'tbenkletd über den
Boden, und Gräfin Hertha trat an
die Seite ihrer Mutter.
„Mama ist allerdings etwas dttgé*
griffen," sagte sie, „deßhalb haben wir
den Saal verlassen. Hier, wo es kühl
und still ist, wird sie sich bald er
holen."
„Dann wäre es wohl am besten—"
Michael blickte den Oberst an und
machte eine Bewegung nach der Thür,
aber die Gräfin fiel mit gewinnender
Liebenswürdigkeit ein:
„O nicht doch! Nur die Hitze und
das Gewühl greifen mich an. ES
freut mich sehr, Sie wiederzusehen,
Lieutenant Rodenberg."
Der Oberst schien erstaunt, daß der
junge Offizier den Damen bekannt
war und machte eine Bemerkung dar
über, was die Gräfin veranlaßte,
ihm die Geschichte^dieser Bekanntschaft
zu erzählen. Sie bestand darauf,
daß Michael durch fein rasches Ein
greifen ihr und ihrer Tochter das
Leben gerettet habe. Er rrotestirte
dagegen.
Gräfin Hertha nahm kein Antheil
an dem Gespräche, daß bald lebhafter
wurde, sondern wandte ihre ganze
Aufmerksamkeit den Blumen zu.
Langsam glitt sie durch das Gewächs
haus, das nur von dem gedämpften
Lichte zweier Ampeln erhellt wurde
ihre Bewegungen hatten etwas un
gemein Aumuthiges aber in dem
Wesen der jungen Dame selbst lag
nichts von der halb schüchternen, halb
unbefangenen Anmuth des Mädchen
alters. eie zeigte mit ihren neun
zehn Jahren schon die volle Sicher
heit der Weltdame, das ganze Selbst
bewußt fein der reichen Erbin und
wußte ohne Zweifel sehr genau, baß
sie sehr schön sei. Jetzt stand sie vor
einer Gruppe ausländischer Pflanzen
und fragte, den Kopf wendend, in
gleichgültigem Tone:
„Kennen Sie vielleicht diese Blume,
Herr Lieutenant? Es sind fremd
artige, wundervolle Blüthen, und ich
gestehe, daß meine botanischen Kennt
nisse mich hier im Stich lassen."
Michael mußte nothgedrungen nach
oer andern Seite des Gewächshauses
kommen, und er that dies in ziemlich
gemessener Weife, aber es lag eine
leichte Bläffe auf feinem Gesicht, aid
er die geforderte Auskunft gab.
„Es scheint eine Dionäa zu sein,
eine von jenen mörderischen Blüthen,
die sich schließen, wenn ein ^nfett ihre
Blätter berührt und dem Gefangenen
dann den ^od geben."
Um die Lippen der jungen Dante
spielte ein halb mitleidiges, halb ver
ächtliches Lächeln.
„Das arme Ding! Und doch muß
es schon fein, so im berauschenden
Duft zu sterben meinen Sie nicht?"
„Nein! Schön ist der Tod nur in
der Freiheit über die Gefangenschaft
kann kein Rausch hinwegtäuschen."
Die Antwort klang beinahe schroff,
und Hertha preßte einen Augenblick
lang die Lippen zusammen, dann
ober ließ sie den Gegenstand des Ge
spräches fallen und sagte mit leisem
Spott:
„Ich sehe mit Vergnügen, daß Sie
hier nicht so gänzlich durch den
„Dienst" in Anspruch genommen sind,
wie damals im Bade dort blieb Ih
nen nie Zeit zu irgendeiner Gesellig
keit."
„Wir waren dort mitten in den
Uebungen, hier bin ich auf Urlaub."
„Als Gast des Oberst Reval viel
leicht?"
„Nein."
„Ich wußte gar nicht, daß Sie hier
in der Gegend Beziehungen hatten
Sie find also—?"
„Bei Verwandten."
„Der Name scheint Staatsgeheim
niß zu fein, da Sie ihn so beharrlich
verschweigen."
„Durchaus nicht, ich habe nicht den
mindesten Grund dazu. Ich bin als
Gast in Tannberg, bei den dortigen
Verwandten des Professors Wehlau."
Hertha schien überrascht zu sein,
sie spielte anscheinend zerstreut mit
einer Rose, die sie vorhin abgebrochen
hatte, aber ihre Augen hasteten aus
dem Gesichte des jungen Offiziers.
„Ah, die Bergstadt, die ganz in der
Nähe von Steinrück liegt! Wir denken
auch einige Wochen auf dem Schlöffe
zuzubringen."
Ein schnelles, blitzähnliches Auf
leuchten flog über Michael's Züge, es
kam und ging in einem Moment, im
nächsten war es schon wieder ver
schwunden, und er erwiderte in küh
lern Tone:
„Die Herbstzeit ist allerdings sehr
schön in den Bergen."
Diesmal wurde die junge Gräfin
nicht ungeduldig, vielleicht war ihr
jenes Aufleuchten nicht entgangen,
denn sie lächelte, während sie in ihrem
Spiel mit der Blume fortfuhr.
„Wir werden Sie trotz dieser Nähe
schwerlich zu Gesicht bekommen,"
sagte sie spottend. „Ich vermuthe,
daß sie auch hier irgendtyo „Dienst"
haben."
„Sie scherzen. Gräsin Steinrück.*
„Ich spreche im vollen Ernste. Auch
heute erfuhren wir erst durch Herrn
Wehlau von Ihrer Anwesenheit. Sie
hatten sich natürlich sofort unsichtbar
gemacht und waren jedenfalls in ir
gend ein strategisches Gespräch mit
dem Oberst vertieft, als wir eintraten.
Wir bedauern sehr, gestört zu haben,
da man sah, wie unangenehm es Jh
nen war."
„Sie sind gänzlich im Irrthum, ich
war sehr erfreut, die Damen wieder
zusehen."
„Und doch erschraken We bei jm»
ferem Anblick?"
Michael sah auf, und ein finsterer,
fast drohender Blick traf die junge
Dame, die ihn so erbarmungslos in
die Enge trieb, aber ftim Stimmt
V ..%!
klang völlig beherrscht, als et ont
wertete:
„Ich war nur überrascht, da ich
wußte, daß die Frau Gräfin nach be
endigter Badekur direkt nach Berk
heim zurückzukehren beabsichtigte."
„Wir haben unsern Plan geändert,
auf besonderen Wunsch meines On
kels Steinrlick, und überdies empfahl
d.'t Arzt noch eilten mehrwöchigen
Aufenthalt in der stärkenden Berg
luft. Werden wir wirklich Sie nicht
im Schlosse sehen? Es würde meine
Mutter freuen und mich auch."
Ihre Stimme klang gedämpft, aber
schmeichelnd süß bei den letzten Wor
ten, sie stand dicht vor ihm, halb im
Schatten und doch schöner noch als
vorhin, wo das Licht aus sie nieder
floß, umweht von dem Blumenduft,
der ringsum aus den Kelchen empor
stieg. Leise rauschte die schimmernde
Seide ihres Gewandes und die
Spitzenwolke streifte fast den Arm des
jungen Offiziers, der noch bleicher
war als vorhin. Einige Sekunden
lang schien er nach Athem zu ringen,
dann verneigte er sich tief und förm
lich und sagte: „ES wird ittif eine
große Ehre fein."
Trotz des Versprechens mußte etwas
in feinem Tone liegen, was der jun
gen Gräfin verrieth, er werde nicht
kommen, denn in ihre Augen trat
wieder jener seltsam schillernde Glanz,
der ihnen für einen Augenblick all
ihre Schönheit nahm, aber sie neigte
wie zustimmend
ihr Haupt und wandte
sich, um zu ihrer Mutter zurückzukeh
ren. Dabei entglitt ganz zufäl
lig die Rose ihren Fingern und
blieb auf dem Boden liegen, ohne baß
sie es zu bemerken schien.
Michael verharrte an feinem Platze,
aber ein heißer, verlangender Blick
fiel auf die Blume, die eben noch in
jener Hand geruht hatte. Die zarte,
halb erschlossene Knospe lag zu seinen
Füßen, rosig und duftig, und dicht
vor ihm schimmerten die Blüthen der
Dionäa, die ihrem Gefangenen den
Tod geben im berauschenden Dust!
Die Hand des jungen Offiziers
zuckte unwillkürlich nach der Erde,
und ein rascher Blick glitt zu der
plaudernden Gruppe hinüber, ob man
dort seine Bewegungen bemerkte. Da
sah er zwei Augen auf sich gerichtet,
erwartungsvoll, triumphtretib, er
mußte sich ja beugen! Aber tu dem
selben Augenblick richtete er sich hoch
und fest empor und setzte vorwärts
schreitend den Fuß auf die Rose die
zarte Blume starb unter seinem Tritt.
Gräfin Hertha gebrauchte ihren
Fächer so heftig, als fei es auf ein
mal erstickend heiß geworden. Oberst
Reval ober, der soeben das Gespräch
beendigt hatte, sagte jetzt:
„Nun wollen wir endlich der Fran
Gräfin Ruhe gönnen, damit sie sich
völlig erholt. Kommen Sie lieber
Rodenberg.
feie verabschiedeten sich von den
Damen und kehrten in die Gesell
schaftszimmern zurück aus dem
kühlen öufterfüllten Raunt mit feinem
traulichen Dämmerlicht in die heiße
Lichtfluth des Saales in das Wogen
und Treiben der Gesellschaft. Und
doch athmete Michael auf, als trete er
aus einer schwülen, erstickenden Luft
in das Freie.
Hans Wehlciu,. der in der That mit
vollen Segeln auf dem Strome der
Geselligkeit schwamm, erblickte kaum
feinen Freund, als er sich auch schon
feiner bemächtigte und ihn bei Seite
zog.
„Hast Du die Gräfinnen Steinrück
gesehen, unsere Bekanntschaft aus
dem Bade? Sie sind hier."
„!^ch weiß es," versetzte Mvchael
einsilbig.
„Ich sprach- Sie soeben."
„Wirklich? Wo hast Du- de«* ge
steckt Du langweilst Dich wohl wie
Der, wie gewöhnlich, weitn Du in Ge
fellschaft bist? Ich amüfire mich vor
trefflich und bin bereits mit aller
Welt bekannt geworden."
„Auch wie gewöhnlich! Du mußt
heut' Deinen Vater mit vertreten
man will wenigstens den Sohn des
berühmten Forschers kennen lernen,
da er selbst—"
„Fängst Du auch damit ml* un
terbrach ihn Hans ärgerlich. „Min
destens zwanzig Mal bin ich in dieser
Weife vorgestellt und ausgefragt
worden, als Merkwürdigkeit Numero
zwei, da die Merkwürdigkeit Numero
eins fehlt. Man hat mir die Be
rühmtheit meines Vaters so oft zu
kosten gegeben, daß ich schon ganz
in Verzweiflung darüber gerathen
bin."
„Hans wenn Dein Vater das
hörte!" sagte Michael vorwurfsvoll.
„Ja, ich kann mir nicht helfen! Je
der Mensch ist doch wenigstens eine
Persönlichkeit, ein Ding en sich, ir
gend etwas feubjectives, ich bin der
Sohn unseres berühmten und so
weiter! Und weiter bin ich gar nichts.
Als solcher werde ich vorgestellt, be
handelt, ausgezeichnet meinetwegen,
aber es ist fürchterlich immer und
ewig als Relativ umherzulaufen."
Der junge Offizier lachte flüchtig.
„Nun, Du bist ja auf dem Wege,
das zu ändern hoffentlich heißt es
künftig: der berühmte Künstler
Hans Wehlau, dessen Vater ja auch
in der Wissenschaft und so
weiter."
„In dem Falle werde ich allerdings
meinem Papa feine Berühmtheit ver
zeihen. Du hast also die Stein
rück'schen Damen schon gesprochen?
Das war eine Ueberraschiitig, sie
plötzlich hier auftauchen zu sehen,
während mir sie längst in Berkheim
glaubten! Die Gräfin Mutter hat
in
ich, ober vielmehr uns Beide, mit
der größten Liebenswürdigkeit nach
dem Schlöffe eingeladen, ur.o ich habe
natürlich angenommen. Wir werden
doch gemeinschaftlich in Steinrück
einen Besuch machen?"
„Nein, ich gehe nicht dotthUV jagte
Michael kurz.
II I II
1
„Aber weßhalb dean nicht iti des
Himmels Namen
Mit diesen halb lachend, halb är
gerlich gesprochenen Worten ließ er
seinen Freund stehen und trat wieder
zu einer der plaudernden Gruppen
Michael schritt allein weiter, aber es
lag ein unendlich herber Ausdruck
auf seinen Zügen.
Inzwischen stand drüben aus der
anderen Seite des Saales Oberst
Reval im Gespräche mit dem Grafen
Steinrück. Sie hatten sich in den
kleinen Erker zurückgezogen, den eine
nur bald zurückgeschlagene Portiere
von dem Salon trennte, und Reval
sagte soeben
„Ich möchte Sie auf diesen jungen
Offizier aufmerksam machen. Excel
lenz. Sie werden sich bald überzeu
gen, daß er im vollsten Maße die Be
achtung verdient."
„Wenn Sie ihn so warm empfeh
len, zweifle ich nicht daran," entgeg
nete Steinrück. „Sie sind sonst karg
mit Ihrem Lobe. Er hat von An
7eilig an in Ihrem Regiments ge
dient.
„Ja, nnd ich wurde zuerst im dä
tischen Kriege ans ihn aufmerksam.
Damals nahm er als jüngster Lieute
nant des Regimentes mit eirer Hand
voll Leuten eine Position, die bisher
allen Angriffen getrotzt hatte und von
der äußestren Wichtigkeit war und die
Art, wie er dies Wagestück ausführte,
bewies ebenso viel Energie wie Gei
stesgegenwart. Im letzten Feldzuge
war er mein Adjutant, und jetzt eben
ist er auf Grund einer ganz Vorzug
lichen Leistung zum Generalstab
kommandirt worden. Die Arbeit
hat Ihnen vielleicht vorgelegen, Ex
cellenz, sie betrifft einen Punkt, für
den Sie erst kürzlich mit vollem Nach
Sruck eingetreten sind, und sie war
mit dem Namen unterzeichnet.".
(Fortsetzung folgt.)
A u s o e 5 n e u o e
Mutter: „Warum spielst Du denn
tticht mit dem schönen Hund, den
Dir die Tante geschenkt hat?"
Der kleine Hans: „Er ist j« noch
aicht Input!"
D,es Leutnants Herz»
„Vfber, Herr Baron, noch vor eint»
gen Tagen sagten Sie mir, Sie feien
unglücklich verliebt und heute sind
Sie schon wieder ganz fidel!"
„Gnädige Frau, habe eben fabel
haft kräftige Herzstruktur!"
A n n o n e
Ein junger Theologe wünscht Logis
in einer ehrenwerthen Familie, wo
feine moralische Führung als Aequi»
valent für Kost und Wohnung ange*
sehen wird*
U e e e i n s i u n
Arzt: „Ich kann es Ihnen nickt
verhehlen, lieber Mann, aber Ihre
Frau gefällt mir gar nicht mehr."
Mann: Herr Doktor, da habe»
wir einerlei Geschmack."
K a s e n e n o s li e.
Feldwebel (betniMarfchtren): „He.
Rekrut Maier, Sie treten mit einem
Selbstbewußtsein falschen Takt, als
ob Sie der einzige Meier ia ganz
Europa wären!"
ö s e a e 6 I
s u
Mann: Nimm doch »nr einen
Schirm mit! ($& scheint Regen geben
zu wollen.
Frau: Ha. Treuloser! Welche
Schlange hat Dir das wieder, tt«
mich zu ärgern, zugeflüstert?
E i n s a u e a i e n
Arzt: Aber, Herr Mütter,
w a s I n e n e n n e i n I a e
Ihnen doch am Abend nur ein weiches
Ei erlaubt und Sie haben ein
ganzes Huhn gegessen!"
Putieut: „Ja wissen S', Herr
Doctor, ich mag die Eier nur aul«
üebrUtftl"
äidte!âKv3«iÈ
*lg^V^\ -M-T' f^
b- ', ,'llt
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„Weil ich feine Veranlassung und
keine Lust habe, mich dem Steinrück
sehen Kreise zu nähern der Ton, der
dort herrscht, ist bekannt genug. Als
Bürgerlicher muß man fortwährend
unter Waffen fein, wenn man sich in
jener Gesellschaft behaupten will."
„Nun die Kriegsbereitschaft ist ja
Dein Fach, da kannst Du sie gründ
lich stndiren," spottete Hans. Ich
finde es übrigens sehr unbequem,
fortwährend in Waffen zu starren,
wie Du und mein Papa, der im Ver
kehr mit der Aristokratie auch immer
und ewig seine Prinzipien im Auge
hat. Ich amüsire mich ohne all und
jedes Prinzip, und den Damen ge
genüber strecke ich nun vollends die
Waffen. Sei vernünftig Michael
und komm mit."
„Nein!"
„Nun, so laß es bleiben! Wenn
Du Dir etwas in Deinen Starrkopf
gefetzt hast, ist nichts mit Dir anzu
fangen, daß weiß ich längst ich werde
sicher nicht die Gelegenheit verfäu
men, dieser goldhaarigen Märchenfee,
dieser Gräfin Hertha wieder zu nahen.
Du hast es wohl gar nicht einmal be
merkt, wie hinreißend, wie bezan
bernd sie heute ist, in dieser Wolke
von Seide und Spitzen, das verkör
perle Schönheitsideal
„Ich glaube allerdings, daß die
Gräsin schön ist, aber
„Das glaubst Du nur V* fiel ihm
Hans entrüstet in das Wort. „Wirk
lich Und Du willst gar noch kritisi
ren mit Deinem „Aber"!? Höre Mi
chael, Du bist jetzt eine unbedingte
Respektsperson für mich geworden
und wirft mir von dem Papa so oft
als Muster aufgestellt, daß mir Deine
Vorzüglichkeit schon längst ein Dorn
im Auge ist. Aber wenn es sich um
Frauen und Frauenschönheit handelt,
dann schweige gefälligst, davon ver
stehst Du rein gar nichts, da bleibst
Du nach wie vor der dumme
Michel!"
4
Der alte
Nesschwarze
Nacht,
Und Blitze zucken salben Schein?,
Es bebt die Luft von Donnerschlag«^
strömt mit Macht,
el
Der Regen strömt mit Macht,
rauscht
Gießbächen gleich, auf allen Wegen.
Und doch ein Wand'rer bricht
I.
j1*-^
So dachte auch der alte biederer
Banquier Meyer, der sich aus den mit?
Recht so unbeliebten kleinsten „Ansän-
gen" bis zu einem schwerreichen
Manne emporge mogelt hatte und
•nunmehr, mit Ausnahme der Achtung^
seiner Mitmenschen, eigentlich Alles ge-
naß, was das Leben an Annehmlich
feiten zu bieten vermag.
Er war aus diesem Grunde euchf'.
über alle Maaßen vorurteilsfrei
nahm durchaus nichts übel und lieft!
gerne mal Fünfe grade sein, denn tt"
wußte aus der Praxis, daß man rtur
auf diese Weise allerlei Unannehmltch*
ketten, als da sind: Prügel, Zuchthaus»
etc. entrinnen kann. Besonders a&ec
feinem alten Kutscher Johann gegen
über bewies sich Herr Meyer stets im
höchsten Grade liebenswürdig. Er be
zahlte ihm zwar absolut keinen hohen.
Lohn und auch mit der Verpflegung
war es nur fo-so, dafür überließ er
ihm aber sämmtliche den Stall li
tres sende Geschäfte, wie Miftaufladen,.
Pferdefüttern u. f. w. vollständig
allein, was er um so eher auch ganz
beruhigt thun konnte, als Johann
ein grundehrlicher, gewissenhafter
Mensch war, der sich nie im Leben
etwas hatte zu Schulden kommen, las
sen.
Desto mehr mußte es daher eines
schönen Tages den alten Meyer ver
wundern. daß Johann plötzlich um.
seinen Abschied einkam. „Aber mein
lieber, langjähriger Freund," meinte
Meyer im äußersten Biedermanns
tdne, „was ist denn das für eine
Idee? Wie kommst Du denn dar
auf?"'
„Ja, seh'n Sie, Herr!" entgegnete
Johann treuherzig, „ich kann es nicht
mehr ertragen, daß die Leute, wenn,
wir durch die Straßen von Berlin
fahren, uns immer hinterher schim
pfen!" „Schimpfen thun sie?"
fragte der würdige Banquier, äugen
scheinltch durchaus nicht weiter belei
digt. „nu, so laß sie doch schimpfen,
wenn's ihnen Vergnügen macht! Was
schimpfen sie denn?"
„Sie rufen ganz laut: „Hallunke,,
Spitzbube, Gauner und noch nies
schlimmere Worte," war die Antwort
des empörten Johann, „und da&
kann ich nicht mehr mit anhören!"
„Aber Mensch, ich bitte Dich, bist Du?
denn ein Gauner, ein Spitzbube, ein
Hallunke?" „Nein, durchaus nicht!
Ich bin all meine Lebtage ein ehrlicher
Mensch gewesen!" „Nun, also?"
„Ja, das genirt mich aber!" „Was.
genirt Dich?" „Wenn die Seilte so
hinter uns her rufen!"
Da wurde der alte langmüthige
Banquier Meyer denn doch schließlich,
ungeduldig und rief in allerhöchster
Entrüstung: „Höre mal, Johann, ich
will Dir mal was sagen: Ich begreife
Dich thatsächlich nicht! Das ist bochr
wirklich kein Grund dafür, daß Du
von mir fortgehen willst. Diese»
Schimpferei geht Dich ja gar nichts
an! Die Leute meinen ja mich da*
mit!"
-t
Junges Mädchen (zu ihrem Verehrer):
Ich hatte heut Nacht einen sonderbaren^
Traum. Verehrer: Wirklich? Was^M«
träumten Sie denn? Junges Mäd-
i
4
«rt
ti
r»?
Sturm
mit Ungestüm, Me Felsen zittev»?
Es öeugt der Wald sich seiner Wuchv
Jahrhundert alte Bäume splittern.
mit
Ttaäft
Sich Bahn durch Sumpf und Koch
und Hecken,
Wie es um ihn auch rauscht und tobt.
Er achtet nicht des Wetters Schrecke».
Er wirft dem Sturm entgegen sich
Mit starken Schritten ohne Wankettt^
Er folgt dem Pfade unentwegt.
Das sichere Ziel nur im ©edaitfieir,
Das ist der alte Klaus detr führt
Nur eftt Gedanke, schön und färbend:
Mags stürmen, regnen ode? fchnei'n,
& ächt itt'5 Wirthshaus I
Abend!, —i|r
r:
Kein Trent»«ngSgrtt«5.
1
Nenn Menschen miteinander eftwr''
germaßen au-, mmen können und ihrtfr ..
sonstigen Interessen auch nicht collidi?
ren, so sollen sie hübsch beisammen--'
bleiben, selbst dann, tnenn wirklich rnaC
kleine Reibungen ober sonstige scheine
hare Widerwärtigkeiten entstehen#. &
denn vollkommen ist nichts auf des 4
Welt und unsere klèüten Fehler habei»
wir Alle.
Dieser Grundsatz gilt sowohl fürx
Eheleute, als auch für das Verhältnis
zwischen Herrschaft und Dienstboten^.
und würde derselbe mehr allgemein
Jr\l
5
be*-
folgt, so wäre Manches besser auf bte*
Her jammervollen Welt. Wir müsset*
uns eben etwas ir einander findest urrir
nicht bei der geringsten VeranlassunM
auseinander laufen!
V%
chen: Ich träumte, Sie wollten einen.
Kuß von mir haben. Verehrer: '5!'"
U n w a s s a e n S i e a a u u n
ges Mädchen: Ich sagte „Nein."
Verehrer: Das ist aber schade.
Junges Mädchen: „Ja, wissen Sie
derni nicht, daß Traume immer daG«
Gegentheil bedeuten?!
Schätzung. Kunsthändlers
(zum Maler): „... Was, für ihif
Bild verlangen Sie zehntausend^/'
Mark?! Das ist ja ein Pce,Z.
wären Sie schon zweihundert
WV' I i ^.^4
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u e s i n S u e

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