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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, May 16, 1894, Image 6

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h': fi: «r«httng-düftO»
E8 sind ebenso leichte als eigensin
nige Gesellen, fote der erwärmende
Hauch 'btr Sonne in die Lüfte trägt
Qeber von ihnen hat sein eigenes
Wohnhaus, der eine schlüpft nur in
die Blüthe des Veilchens hinein, der
andere läßt sich nur in den weißen
mckenden Maiglöckchen von dem Len
zesodem hin und her schaukeln. Der
eine liebt die mit Brokat ausgeschla
genen braunen Sammtpolster des
Goldlacks, der andere klimmt an den
blüthenreichen Stauden der Hyacinthe
empor. In den bald weiß, bald rosig
angehauchten Blüthen des Geißblattes
schlummert der eine, in den offenen
und sternförmig ausgebreiteten des
wilden Jasmins schläft der andere, so
Hange, bis -der Strahl der Frühlings
sonne sie zu lustigem Treiben erweckt
Da beginnt nun das übermüthige
(Spiel der zarten Hauchgebilde. Ge
bogen von "ben leichten Schwingen
Zephyrs, erheben sie sich von den freu
diggrünen Matten, hier huschen sie
über den riefelnden Bach, dort streifen
sie den Rand des Waldes, sich mit den
Düften des Waldmeisters vereinigend
Da begleiten sie eine blau und grün
schillernde Libelle, die eben ihr Lar
venkleid abgelegt, aus ihrem raschen
Fluge von einem Schilfrohr zum an
bern dort umgaukeln sie mit ihrem
süßen Athem ein liebendes Paar. Sie
sind dabei, wenn der schwirrende Kä
set über die Wieje'dahmfährt sie feh
len nicht, wenn die summende Biene
jtch das honigreichste der goldgelben
jKöpfchen aussucht.
Nur wenn der alles erklügelnde
Mensch kommt, um sich ihrer zu be
mächtigen, wenn er sie in seinen eigen
artig gestalteten Apparaten festhalten
will, um zu sehen, was an ihnen kör
Perlich ist, wie sie reagiren, wie sie sich
destilliren lassen, und ob man sie con
densiren kann, dann jagen sie Pfeil
fAnell dahin in rastloser Flucht.
Man kann ihnen dieses Vorurtheil
nicht verargen, es ist eben angenehmer,
sich frei und ungebunden in der Natur
heâmzutummeln, Liebende zu belau
Lchen, keimende Verse zu umschweben,
als sich über Gasflammen als De
siillat behandeln und mit Aether oder
Alkohol extrahiren zu lassen.
Daher ist es gekommen, daß wir
voch keine Kompendien über das che
mische Verhalten dieser leichten Kum
pane besitzen, wo mit prosaischer Pe
danterie verzeichnet ist: ob der Mai
glöckchenduft sich zu einer far Mosen
oder gefärbten öligen Flüssigkeit ver
nichten läßt, deren spezifisches Gewicht
0,25 beträg?, oder ob demHyacinthen
duft ein wachsähnlicher Körper zu
Grunde liegt, der bei 24.5 Grad Cel
sius schmilzt u. s. w.
Die Blumen selbst mußten Stand
halten, als Gelehrte kamen, um sie zu
messen und zu zerlegen, sie mußten sich
bis in ihr Innerstes, bis aus den„Zell
kern" prüfen lassen, sie mußten sich in
gewöhnlichem und in polarisirtnn
Lichte zeigen, sie, die gewohnt wa
ten, sich nur in dem goldenen Strahle
der Sonne auf grünem, fammtenen
Teppich sehen zu lassen. Die Düste
ober, die ihnen innewohnen, konnten
größtentheils bisher nicht gezwungen
werden, ihr Incognito zu lüften.
Heute sind die Botaniker meist erst
so weit, daß sie muthmaßlich aus den
Düften auf die Natur ihres Trägers
schließen können. Nur bei wenigen
Pflanzen kennt man die Zusammen
setzung des Duftstoffes, so weiß man,
bat der kräftige, würzige Nelkenduft
dem Eugenol, der Duft des Waldmei
sters dem Cumarin, und der des He
liotrop dem Vanillin ihre Entstehung
verdanken.
Man kann nun muchmaßen, daß
alle ähnlich duftenden unter den bun
ten Kindern unserer Auen aus eben so
zusammengesetzten Stoffen ihren sinn
berückenden Athem entströmen lassen.
Gerade die meisten der Frühlings
düfte gehören hierher, so der des Flie
ders, der Reseda, derAurikel, der Aka
zie, des Veilchens, des Cyclamens, des
Maiglöckchens und des Jasmins.
Weil die oben genannten1 Stosse
Eugenol, Cumarin etc.) in dieBenzol
reihe der organischen Chemie gehören,
nennt der bekannte Botaniker Kern in
Mien die angeführten Düfte: „ben
floloide."
Wenn die Frühlingssonne die re
benbekränzten Hügel mit dem Mor
genkusse der erwachenden Natur be
grüßt, dann sprießen an dem Wein
stock die kleinen grünlichgelben Blü
then, die aber trotz ihrer Unscheinbar
keit köstlichen Wohlgeruch in sich ber
gen. Es ist dasselbe Aroma, wie das
jenige, welches das edle Naß aus
haucht, wenn es als schäumender Bur
gunder oder als feuriger Tokayer kre
denzt wird, und sinnig bezeichnen es
die Feinschmecker als: „Bouquet" des
Weines. Seiner sind Chemiker schon
bor längerer Zeit habhaft geworden,
es ist nämlich der „Denaniäther".
Aehnlichen Substanzen wie dieser ver
dankt die Rose, die Linde, der Nacht
schatten, die Päonie, der Hollunder
und andere ihre Düfte, man nmitt sie:
„parafftnoide."
Der Athem der großen weißen
Magnolienblüthe dünkt uns ähnlich
demjenigen, welchen der unansehnliche,
am Boden dahinkriechende Lavende!
den Lüften mittheilt. Derselben Duft
ort liegen bei den Orangen- und Ci
tronenbäumen sauerstofffreie, ätheri
sehe Oele zu Grunde, die Terpene,
darum heißen diese Düfte die „terpe
nmben".
An wüsten, sandigen Orten erhebt
sich kerzengerâ eine Pflanze, deren
Haupt eine weithin glänzende gelbe
Blüthe schmückt. In dem fahlem
VkmdeSlicht leuchtet sie über die [tills
Ebene, daher sie der Volksmund „die
Nachtkerze" (Oenothera) benannt hat.
Wahrscheinlich um ihrem Namen noch
mehr gerecht zu werden, entringt sich
ihrer gelben, trichterförmigen Krone
ein Duft, der keineswegs als balsa
misch bezeichnet werden kann, ebenso
wenig wie-der von den unansehnlichen
Blüthen des sich weithin rankenden
Epheus, sie erinnern damit an den
der Birnbaumblüthen, sowie an den
der Vogelbeere, des rothen Hartri
gels, des Schneeballes, der Mispel
und anderer.
Riechen wir einige dieser „aminoi
den" Düfte schon mit gemischten Ge
fühlen, so ist dies noch mehr der Fall
bei den sogenannten „indoloiden"
Düften, die wohl nicht so heißen, weil
sie sich unserem Geruchsorgane ge
genii&er „indolent" benehmen, son
dem weil ihnen das „Jndol" zu
Grunde liegt. Solche zweifelhafte
Düfte hauchen die Riesen unter den
Blumen, die „Aristolochia Gigas",
mehrere Rafflesiaceen und andere aus.
Sie sind auf den Besuch von Aasflie
gen und Aaskäfern angewiesen, da
rum haben sie mit dem faulenden
Fleische nicht nur den Geruch, sondern
auch das Aussehen gemeinschaftlich.
Die Natur gleicht einer vornehmen
Dame, welche ihr Parfümfläschchen
nicht so vor aller Welt stehen läßt,
damit Jedermann wisse, was es ent
hält, sie will auch hierin, sowie in
ihren Herzensangelegenheiten ein
Räthsel sein. Nur langjährigen,
consequenten and zähen Verehrern ge
lingt es manchmal, bis zur Etiquette
des Parfümfläschchens vorzudringen.
Eine solche Begünstigung gewährte die
trotz ihres Alters immer noch eitle
Mutter Natur vor ungefähr einem
Jahrzehnt den Chemikern, die ja am
hartnäckigsten den Geheimnissen der
unergründlichen Dame nachspüren.
Es gelang ihnen nämlich, von dem
Toilettentischchen der Natur das
Flaschchen mit dem Vanillenduste zu
stehlen.
Einmal in ihren Alles analysiren
den Händen, war auch das Räthsel
dieses Duftes gelöst. Sie fanden,
daß der würzige Hauch, den unsere
Fichten und Tannen ausathmen, eine
ähnliche Wirkung auf unsere Sinne
ausübe, wie jener, und thatsächlich
preßten sie den Holzriesen einen Saft,
das „Coniferin", aus, das zurGrund
substanz des Vanillenduftes, zum Va
nillin, in enger Beziehung steht, in
Folge dessen kann man heute dieses
letztere fabriksmäßig darstellen.
Die Untersuchung ähnlich zusam
mengesetzter Verbindungen aus der
Gruppe der sogenannten „Ketone"
führte vor Kurzem auf die Enthüllung
eines weiteren Parfümgeheimnisses
und zwar des Veilchenduftes. Auch
dieser wird seit wenigen Monaten zu
Holzminden Deutschland und in
Paris künstlich bereitet.
Ebenso complicirt, wie die Herstes
lung des Trägers eines solchen Aro
mas ist, ist auch sein
Wissenschaft!!-
eher, das heißt chemischer Name ein
solcher lehrt den Kundigen, woraus
der betreffende Stoff besteht, so ist das
Vanillin .Qrthooxybenzaldehydme
ihyläihet" oder „der Methyläther" des
„Protokatechnaldehyd". Um der Zunge
des Lesers keine Verlegenheiten zu be
reiten, will ich nicht den chemischen
Namen des jüngsten Retortengebore
nen des Veilchenduftes hier an
führen, sondern bemerke nur, daß
seine Entdecker (Haarmann und Krü
ger) ihn der Kürze halber auch „Jo
nort" nennen. Er steht nämlich in
enger genetischer Beziehung zu dem
Dufte der sogenannten „Veilchenwur
fiel", die aber mit dem Veilchen nichts
gemein hat, sondern der Wurzelstock
der Schwertlilie ist weil letztere Iris
heißt, sührt der daraus dargestellte
Stoff den Namen „Iron".
Mag heute die Natur ihren Früh
lings Toilettentisch noch so sorgfäl
tig vor jedem Unberufenen hüten, mö
gen die Düfte selbst, die der frohe Lenz
in den Wäldern und auf den Fluren
erweckt, sich noch so sehr dagegen weh
Ten,
in
die
Gewalt des Menschen zu
kommen feinem grübelnden Geiste
können sie nicht lange mehr ihr Ge
heimniß entziehen. Mit Retorten und
Eprouvetten, mit Feuer und Aether
zwingt
er
sie, ihm
den
Zauber ihres
lieblichen Athems zu verrathen.
Und so ist die Zeit nicht mehr fern,
wo man mit dem Waldesaroma des
Weihnachtsbaumes auch noch „der sü
zen Düfte Schaum" der Fluren und
Auen mitten im Winter in unsere
Stube verpflanzen wird.
E n K ö n e A i e i e
Sergeant, dem Fortuna ein Viertel ei
nes Gewinnlooses in den Schooß ge
worsen, fragte ganz verblüfft ob feines
Glückes feine zukünftige Schwieger
mutter, was er mit all dem Gelde thun
olle. Diese, eine Kölner Blume, ent
gegnete: „Na, Du häs jetz lang genog
als Gesell bei dä Zolldate geärbeit', jetz
kos Du Dich en paar Kanunne un en
alt Fort, und dann fängfte für Dich
an
I"
K n s e i s A W i e
geht's denn in der neuen Künstlerehe,
die der Bildhauer M. mit der Malerin
geschlossen hat?" B.: „O. sehr
künstlerisch! Dèr Mann braucht nur
einen Wunsch zu äußern, dann malt
re ihm etwas, und will sie etwas ha
ben so haut er sie aus."
e u i u n a u a
Ach, Herr Doktor, wären Sie doch
heute Morgen dagewesen! Ich habe
wohl fünfzig Mal niesen müssen!....
Was hätten Sie dazu gesagt?"
Arzt: „Fünfzig Mal „Prosit", gnä
dige Frau!"
o e n e e i a s a n
a e i n u e i n a i
Jbrern Herrn Papa meine Schuldend
gestehen?"
fr V
Stüter ttt»6 &ratt*tt»
.X
v,
1
,, a!
Alles kommt beim Denken daraus an,
dab Einem die rechte Borstellung tin
rechten Moment einfällt.
a
Gedankenarbeit.
i
Unter Gedankenarbeit verstehen wir
gewöhnlich nur jenes höhere geistige
Schaffen, welches Gelehrte, Schrift
steller. Dichter und Forscher, über
Haupt alle Helden des Geistes vollbrin
gen. Daß auch die simple Hausfrau
in der Beschränktheit ihrer vier Wände
Gedankenarbeit verrichten kann, ja,daß
sie dies thun muß, wenn sie ihren ver
schiedenen Pflichten als Oberhaupt des
Hauswesens, als Gattin und Mutter
genügen will, das bedenken gar viele
Männer, aber manchmal sogar die
Frauen selbst nicht genug.
Wohl erscheint der größte Theil der
praktischen Thätigkeit des Weibes als
bloße mechanische Routinearbeit, und
man wird kaum vermuthen, daß die
Hantirungen mit Besen, Staublappen,
Kochlöffel und Nadel mehr als ein mi
nimalesQuanwm Verstand erfordern,
und doch kann- keine ersprießliche
Handarbeit ohne eine begleitende Ge
dankenarbeit ausgeführt werden. Und
doch wird jes in jenem größeren Haus
halt gar bald „hapern", wo die angeb
liche Seele desselben nur arbeiten und
nicht denken, nur selbst schaffen und
nicht anschaffen, d. h. b^ehlen, wo sie
nur zugreifen und nicht auch zuweisen,
nur selbst leisten aber nicht leiten kann,
wohl regsame Hände, aber keinen regen
Geist besitzt.
Dies soll nicht etwa heißen, daß die
ssrau nicht auch selbst reinmachen, ko
chen und nähen dürfte, sondern nur,
daß sie diese geringeren Arbeiten der
Hand unter die höhere Leitung des
Kopses stellen möge. Denn es ist nicht
nur ersprießlich, sondern nothwendig,
idaß die Aufmerksamkeit der Hausfrau
sich neben der körperlichen auch der gei
stigen Gedanken-Arbeit zuwendet und
sie dieser ihrer unsichtbaren stillenThä
tigkeit mindestens dieselbe Wichtigkeit
beimißt, wie der sichtbaren lärmende
iren.
Manchmal sind die Anforderungen
des Tages an unsere Arbeitskraft so
vielfache, daß wir darob den Kops ver
litren, daß er uns brummt, oder wir
nicht mehr wissen, wo der Kops uns
steht,
aber gerade dann ist der Zeit
Punkt
gekommen, wo es heißt, den arg
mitgenommenen Hirnkasten in seine
Hand zu stützen und in kurzer, sicherer
Ueberlegung nachzusinnen, was nun zu
thun nothwendig, und in welcher Auf
einanderfolge die einzelnen Arbeiten
am besten zu absolviren sind. Haben
wir erst emen richtigen Ueberblick ge
Wonnen, die Dinge eingetheilt, wie sie
eines nach dem anderen in geordneter
Reihenfolge erledigt werden können,
dann wird Alles ohne Aufregung, ohne
Ueberstürzung „wie am Schnürchen"
laufen, wenn nur die Hausfrau im
Stande ist, diese unsichtbaren Fäden
oder Zügel der Regierung fest im Kopf
und in der Hand zu behalten.
Niemals ist es Ahr für die Frau
nöthiger, ihren Gedankengang in feste
Ordnung gebannt zu halten, als zu
jenen Zeiten, wo irgend ein größeres
Ereigniß den fönst so geordnetenHaus
halt auf den Kopf stellt, wie z. B. ein
Umzug, eine Reife, eine größere Fest
lichkeit, ja selbst nur die alljährlichen
Uebergangsstadien des Herbstes und
Frühlings. Da zeigt sich die ganze
Bedeutung der Gedankenarbeit der
Hausfrau, die wir Ueberlegung und
richtige Einteilung nennen. Und all'
die Zeit, welche man dieser vorherge
henden Ueberlegung widmet, wird
reichliche Zinsen tragen durch die nach
her gewonnenen Stunden bei der Aus
führung der verschiedenen Arbeiten.
Wer am frühen Morgen genau weiß,
welche Verrichtungen und Bewegungen
im Laufe des Tages hübsch auf einan
der zu folgen haben, bei dem giebt es
•kein Zögern und Zagen, keine unver
nünftigen Befehle, die das eben Gefche
hene über den Haufen werfen, kein hal
bes Fertigwerden, kein unvollkommen
nes Vollenden, keinen Zeitverlust, keine
mürrischen Gesichter, weil den Dienen
den die Arbeit erleichtert wird, indem
sie ihrem instinktiven Drange folgend
mit jeder möglichen Handreichung der
zweiten Arbeit schon entgegengehen
können, während sie die erste noch ver
richten.
Beim Umzug z. B. muß die Haus
stau damit beginnen, sich einen Plan,
eine Leiteintheilung zu entwerfen, in
welcher Reihenfolge die Ablösungsar
beiten in der alten, und die der Ein
ttchtung in der neuen Behausung er
folgen sollen, da giebt es später kein
kopfloses Umherlaufen und Schreien
kein nervöses hastiges Fragen: „Was
thue ich jetzt nur zuerst?" Wie ein
gewiegter Stratege die Taktik dir
Krieqsführung beherrschen muß, ehe er
in's Feld zieht, so ist es für die tüchtige
Hausfrau erforderlich, einen guten
Feldzugsplan entwerfen zu können, ehe
die tückischen Verfolger der Verwor
renheit und Unordnung auf sie ein
dringen. Sie muß alle Waffengat
jungen genau kfnnert, namentlich die
jenigen, welche im Stande sind, die.
Feinde des häuslichen Friedens und'
Behagens zu besiegen, und diese sind'
mangelndes Verständniß für Zeit- und
Arbeitseintheilung.
Wohl mag diese Gedankenarbeit
manchen Frauen als ganz unscheinbare
unbedeutende Waffe erscheinen, aber
nur dann, wenn sie ihre ganze Macht
nicht erproben gelernt haben. Denn
gerade in der Gedankenarbeit finden
wir den besten Förderer für Alles,was
mir unternehmen, sie sichert uns erst
den wshrenErfolg für die emsige Thä
tigkeit der Hände. Und wenn wir oft
bewundernd und staunend vor der Lei
stungsfähigkeit einer Hausfrau stehen
und uns fragen: „Wie bringt sie dies
nur Alles fertig?" dann mag sie lä*j
jchelnd antworten: „Erst seh' ich'S im
Kopfe vor mir, und dann führ ich es
mit den Händen aus!" Ja, und die
ses geistige Vorausblicken, dieses im
Kopfe haben, all' dessen, was zu ge
schehen hat, das ist eben jene geheim
nißvolle Gedankenarbeit, das ist die
Macht, welche uns all' jener Segnun
gen theilhaftig werden läßt, die aus
überlegter, wohlerwogener That ent
springen.
Drum nur niemals den Kopf ver
loren, was auch immer im häuslichen
und Familienleben sich begeben mag.
Wer den Kops oben behält, der kann
allen Anforderungen des Lebens be
gegnen, indem er durch rasches Erfas
sen der Situation,durch günstige Aus
nützung des Momentes, also durch ver
nünftige Gedankenarbeit die Schwie
rigkeiten alle heldenhaft beseitigt und
besiegt. J-
I !!,,»!»
Dichterinnen bei de» Wilden»
In allen Ländern und bei allen
Völkern gibt es Lieder und Melodien,
mit denen Mütter ihre Kinder in den
Schlaf singen. Es ist wohl anzuneh
m.?n, daß alle ursprünglichen Wiegen
gesänge dem dichterischen Genius des
Frs.uengemüths entstammen, zärtliche
Mütter erfanden sie, ihre Kleinen ein
zulullen. Bei den primitiven Völkern
ist überhaupt die Frau die Dichterin.
Bei den Arabern, den Stimmen der
Wüste, bei den Madagassen, den Po
lyrtefrern und Australiern singen die
jungen Mädchen in selbsterfundenen
Strophen ihrer Liebe Schmerz und
Glück. Bei den Indianern und vielen
afrikanischen Stämmen sind die
Frauen geschickte Improvisatoren. In
Guayana gelten als Barden ihres
Stammes die alten Frauen. Bei den
Beduinen 'hoben Frauen und Mäd
chen sogar ihre besonderen Gesänge,
die den Männern zu singen verboten
sind. Es ist für die europäischen Rei
senden außerordentlich schwierig, meist
ganz unmöglich, ein paar Texte die
ser „Mädchenlieber" zu erhalten. An
der Ueberlieferung der Legenden und
Märchen von Generation zu Genera
tion hat auch bei den Culturvölkern
die Frau immer weitaus den größten
Antheil gehabt.
Die größte Ueberraschung
seines Lebens.
Polizist: W—a—a—a—s?!
Cherchez l'homme! nicht
Cherchez la femme!
„Warum ist denn Ihr Kindermäd
djert von Ihnen fort?"
„Ja, sehen Sie, mein Baby bekam
die „Mumps" und ihr Polizist hat
diese Krankheit noch nicht gehabt"
Doch zu gut.
„Du, Patsy, komm schnell her!
Schlittenfahren is jar nischt dagegen!"
ber ist wieder einmal wegen Betheili
gung an einer Rauferei angeklagt und
der Richter ermahnt ihn: „Geben Sie
den Kampf mit dem Gesetz auf, es ist
doch starker als Sie." Da streift der
Waldhuber sich die Aermel auf und
entgegnet grimmig: „Schafft's her, 's
G'fetz! Seh'n woll'n mer's!"
S e i e a A.: Ja,
wie ich Ihnen sage, ich bin seit zehn
Jahren Wittwer, und Sie? S3.: Ich
bin leider nicht so
«ever öerftfsb$m»(tc$t Öe»
Der gelehrte Franzose Brillat-Sa
darin sagt in seine: Physiologie des
Geschmacks: „Sage mir, was du ißt,
und ich sage dir, was du bist." Das
Wort hat sehr viel Wahres für sich,
denn sogar in unserer heutigen alles
kosmopolitisirenden Zeit könnten wir
beinahe an dem verschiedenen Ge
schmack der Menschen unterscheiden,
welcher Nation dieser oder jener ange
hört.
Die Vorliebe für pflanzliche oder
mehr fleischliche Kost, wie die verschie
denartige Zubereitung sind Haupt
sachlich auf die klimatischen Verhält
nisse, unter denen die verschiedenen
Völker leben, zurückzuführen. So
wird der Engländer durchschnittlich
mehr Fleisch genießen, als der Italic
ner, da das Fleisch infolge des Herr
lichen Viehfutters in England von
außerordentlicher Güte ist und sich bei
dem kühlenKlima besser hält, während
der Italiener schon naturgemäß bei
der großen Wärme seines Klimas
•mehr auf die leichte, pflanzliche Kost
angewiesen ist.
Zunge und Gaumen behalten sozu
sagen am längsten ihr Nationalge
fühl, denn sogar bei vielgereisten Leu
ten bleibt eine gewisse Vorliebe für
Gerichte ihres Landes, die sie in der
Kindheit gegessen haben. Den Russen
wird stets ein Gefühl des Behagens
beim Anblick eines Tellers Schtschi
(Sauerkohlsuppe), Barschtsch (Suppe
von gesäuerten rothen Rüben), ober
Blinij (einer Art Plinsen, die mit
saurer Sahne oder Kaviar gegessen
werden) überkommen, der Südländer
wird seine Speisen am liebsten mit
Olivenöl und Tomaten zubereitet
essen. Maccarortt mit Oel, geröstete
Kastanien und Maiskolben, verschie
dene Muscheln, Schnecken und See
spinnen sind sehr beliebte Nationalst"
richte des Italieners.
Wie wir aus den Schilderungen
moderner Völkerkunde ersehen, gibt
es bei den der Civilisation noch ent
rückten Völkern gewisse Speisen und
Gerichte, die uns Europäern ein wah
res Grauen einflößen. So essen z. B.
die Tungufen und Jakuten (in Sibi
rien) große Quantitäten ganz reinen
Fetts, ohne jegliche Zuthat. Die Sa
mojeden halten rohes Fleisch für einen
ganz besonderen Leckerbissen beson
ders gilt dies von den inneren Theilen
des frisch geschlachteten Rennthieres,
die in das warme Blut getaucht und
dann verspeist werden. Die Buräten
in Sibirien trinken den Thee mit
Salz. In den Somaliländern Asri
kas werden, wie G. Revoil schildert,
die Kaffeekirschen in Fett geschmort,
sodann mit Honig oder dem Safte
des Zuckerrohrs begossen und mit ge
kochtem Mais zusammen gegessen.
Wenn es uns nicht von glaubwürdigen
Völkerforschern erzählt würde, so
könnten wir kaum an manche jener
entsetzlichen Gerichte glauben, die von
den Chinesen gegessen werden. Rat
ten-, Mäuse- und Hundebraten sind
dort gang und gäbe. Als «roße De
likatesse gilt aber das Milhi es be
steht aus eben geborenen blindenMäu
sen, die in Honig getaucht und dann,
ähnlich wie bei uns die Austern, lang
sam heruntergeschluckt werden.
Wie in allem anderen, so hat die
steigende Civilisation und Cultur, be
sonders durch den zunehmenden regetj.
Verkehr unter den Völkern, auch in
ihrer Ernährungsweise große Um
wälzungen hervorgerufen, die uns
heute so selbstverständlich erscheinen,
daß wir uns das Leben ohne sie gar
nicht mehr denken können. Die
Grundstoffe, aus denen die verschiede
nen Völker ihre Speisen bereiteten,
waren dieselben, die uns heute zu Ge
bote stehen, dieselben Pflanzen, diesel
ben Thiere, nur die Art der Zuberei
tung war eine so grundverschiedene
von der unserer Zeit. Bei unseren
Vorfahren erforderte das Kochen we
nig Kunst, damals kannte man keine
Chemie in der Küche, bereitete viel
mehr die fleisch- und pflanzlichen
Speisen in einfachster Weife zu, da
B. die verschiedenen Gewürze, wo
mit wir heute unseren Gerichten den
pikanten Geschmack geben, infolge der
großen Entfernungen und der man
gelhaften Verkehrsmittel sehr wenig
bekannt waren.
Was heute dém Aermsten bei der,
geregelten und raschen Communica-'
tum zugänglich ist, prangte früher al
lein auf der Tafel der Könige, Für
sten und der ungewöhnlich Reichen.
Im Mittelalter hielt man z. B. Pfef
fer für eins der kostbarsten Gewürze
Indiens, und ein Geschenk von meh
reren Pfund Pfeffer galt noch im
dreizehnten' Jahrhundert als außeror
dentlich werthvoll. In einer von Ul
rich von Hutten verfaßten Schrift
wird allen „Völlerei" vorgeworfen, die
ihre Speisen mit Pfeffer würzten!
Ehemals war der Reis so theuer, daß
er blos den Reichen eine zugängliche
Speise war. Wocolade wurde im
Jahre 1520 durch die Spanier aus
Mexico nach Europa gebracht, und
erst durch die Kreuzzüge wurde der
Zucker in Europa bekannt. Noch am
Ende des siebzehnten Jahrhunderts
war er so theuer in Deutschland, daß
nur die Wohlhabenden davonGebrauch
machten. Sogar viele der heute allge
mein bekannten Gemtisearten bürger
ten sich erst vor einigen Jahrhunderten
allgemein, ein. Zwiebeln und Peter
silie galten* in England noch im fünf
zehnten Jahrhundert für eine seltene
Delikatesse. Als die Gemahlin
Heinrichs des Achten, Katharina von
Aragonien, während einer Krankheit
Salat verlangte, wurde er erst durch
Boten aus Flandern bezogen. Wäh
rend die Kartoffel schon im Anfang
deS sechzehnten Iahrhunderts^mEng«-
land allgemein in Ausnahme kam,
wurde sie noch im Anfange des sieb
zehnten Jahrhunderts in Frankreich
aus der königlichen Tafel als Lecker
bissen gegeben. Heute kann der Arme
sich das Leben ohne Kartoffeln gar
nicht mehr denken. Wenn wir heute
zum Frühstück unseren wohlschmecken
den, aromatischen Kaffee oder Thee
trinken, so können wir uns gar nicht
mehr in jene Zeit zurückversetzen, wo
diese jetzt allgemein beliebten Getränke
in Europa noch gänzlich unbekannt
waren damals aßen z. B. die alten
Polen Biersuppe, mit saurer Sahne
zubereitet, zum Frühstück. Erst im
Jahre 1679 gründete ein englischer
Kaufmann das erste Kaffeehaus in
Hamburg, und 1725 entstand das
erste Kaffeehaus in Paris, 1721 das
erste in Berlin». Den Gebrauch des
Thees lernten die Europäer gegen
die Mitte des siebzehntenJahrhunderts
kennen, und erst fett der Mitte des
achtzehnten Jahrhunderts fand er
allgemeine Verbreitung, während das
Theetvinken heutzutage bei denz Rus
sen, Engländern, Schweden, Norwe
gern und Holländern zur Volkssitte
geworden ist. Auch Butter kam erst
vom Jahre 1500 als Nahrungsmittel
auf, im Alterthum wurde sie nur als
Pomade gebraucht und später zur
Zimmer-, hauptsächlich aber zur Kir
chenbeleuchtung. Noch heute füllen die
russischen Bauersrauen die Lampen
für den Hochaltar mit Butter und
sWachs.
Obgleich wir schon in der römischen
Geschichte von den berühmten und
vorzüglichen Gastmählern des Lucul
lus hören, so würden uns heute den
noch vielleicht die Pfauenzungen, die
gemästeten Schildkröten und Austern
in der Zubereitung jener Zeit nicht
schmecken. So sollen die'alten Römer
mit Salmiak ihre Speisen gewürzt
haben. Wahres Grauen ergreift uns,
wenn wir z. B. die Rezepte aus einem
Im fünfzehnten Jahrhunderts erschiene
nen Kochbuche lesen. Man denke sich
nur: Eiersuppe mit Pfeffer und Ho
nig! Ebenso entsetzlich sind folgende
beide aus dem dreizehnten Jahrhun
bert stammende Speisefolgen: 1.
Brühe mit Safran, Pfeffer und Ho
nig. Lammfleisch mit Zwiebeln oder
Zwetschgen*. Stockfisch mit Oel und
Rosinen. Kleie in Oel gebacken. Ge
rösteter Bückling mit Senf. Schweins
braten mit Gurken.' 2. Schweine
fleisch. Eierkuchen mit Honig und
Weinbeeren. Gebratener Hering.
Kleine Fische mit Rosinen. Gebra
tene Gans mit rothen Rüben. Gesal
zener Hecht mit Petersilie. Salat mit
Eiern.
Bei dem Gedanken an diese Menus
und ihre einzelnen Leckerbissen würde
sich der heutige Culturmensch schüt
teln. Man vergleiche damit nur ir
gend einen Speisezettel von heutzu
tage: Königinnensupp^ Austern in
Muscheln, Steinbutt mit holländischer
Sauce, Rinderfilet a la Financiers
Spargel, Fasanenpastete, gebratener
Rehrücken, Salat, Compott, frische
Trüffeln, Nesselroder Eis, Kösestan
gen, Nachtisch.
Daß diè Leute in der guten alten
Zeit nicht so ganz unempfindlich für
die Freuden der Tafel waren, ersehen
wir daraus, daß auf einem Reichstage
zu Regensburg Herzog Heinrich von
Braunschweig bei dem Festmahl „ei
men langen zedel (Speisezettel) bei
ihm auf der tafel liegen that, den er
öftermal besähe." Gefragt, was er so
eifrig lese, „liehz in der Herzog den
zedel sehen. Darin hat ihm der ku
chenmeister alle efen und brachten' in
der
Ordnung
aufgezeichnet und kunt
sich demnach der Herzog mit seyntn
efen darnach richten und feinen appe
titum uf die besten trachten sparen."
Trotz der obenerwähnten beiden ab
wechlungsreichen Menus sind wir,
ohne Gourmands zu sein, doch froh,
daß wir an einem ähnlichen Festmahl
nicht theilzunehmen brauchen. Unser
Geschmack ist eben ein anderer gewor
den, seitdem diePtoducte anderer Erd
theile so bequem und leicht zu uns
kommen, zumal seit der Entdeckung
der Dampfkraft, bie geradezu eine
Umwälzung in unserer Ernährungs
weise und unserem Geschmack hervor
gerufen hat.
Die besiegte Dorfschöne.
Eine Radreiseerinnerung von 28. T.
Wir waren, auf hohen Zweirädern
bon Frankfurt a. O. kommend, spät
Abends in dem zwei Stunden von
Berlin entfernt liegenden Dorfe F.
angekommen. Unterwegs hatten wir
einen kleinen Igel, ber uns über den
Weg gelaufen war, eingefangen. Er
hing, ein Taschentuch gewickelt, hin
ten am Rabe meines Freundes Rott
mann. Im Dorse fanden wir bald
»inen kleinen Gasthof mit einem net
ten Wirth und einer noch netteren
Wirthstochter. Mein Freund Rott
mann, ein hübscher, zwanzigjähriger
Bengel, hatte sich gleich in die hübsche
Landschöne verguckt. „Ohne Kuß von
der gehe ich heute nicht schlafen!"
meinte er leise zu mir, als die Kleine
mit dem Bier ankam.
Aber er fiel ab! Gründlich! Sie
ließ sich Überhaupt nicht in ein Ge
spräch mit uns Beiden ein. Rott
mann schimpfte. Aber was half es?
Wir mußten eben ohne Kuß respektive
Küsse schlafen gehen. Wir fuhren
unsere Maschinen in einen kleinen
Stall, den man uns zur Verfügung
stellt?, ließen dm Igel ruhig an dem
einen Rade hängen und ließen uns
von einer alten Magd nach unserem
eine Treppe hoch belegenen Zimmer
leuchten.
Das Zimmer war niedlich eingerich
tet, die Betten hübsch sauber. Durch
eine Thür, welche offen stand, sah
matt is ein
mim a I I I !Ü_J.LL-K
,,93er schläft hler ne^nan?" fragte
jföottmann die Magd, welche die Thür
schließen wollt-:. 4
„Das Fräulâ!" kurze
Antwort.
In Rottmanns Augen blitzte es
auf. Er stand, während die Magd
das Zimmer des „Fräuleins" betrat
und dasselbe von innen abschloß, eine
Weile sinnend da. Dann, als die
Bedienstete das Zimmer durch eine
nach dem Corridor führende Thür
verließ, packte er mich plötzlich.
„Otto!" rief er lachend, „die stiegt
den Igel in's Bett!" "V j-*'
„Mensch!"
.4
Schon war er sott. ÜftnSQf faum
zwei Minuten kam er schon wieder,
mit dem Igel in der Hand, die Treppe
heraufgerannt.
„Luft noch rein?" fragte er athem
los.
„Ja aber
„Ruhig!"
S
Er schlich sich vom Corridor auS
mit dem Igel in dos Zimmer des jun
gen Mädchens. Er war knapp zurück,,
da kam auch schon Jemand, leise
singend, die Treppe heraufgehüpft.
Wir stellten uns Beide an die Thür
und horchten. Unser Licht hatten wir
ausgelöscht. Die Schone zog sich
sehr schnell, ohne erst Licht zu machen,
aus. Wir hörten, wie Kleider rausch
ten und dann über einen Stuhl ge
worsen wurden, dann, wie die Schuhe
ausgezogen und unter's Bett gescho
fem wurden.
„Jetzt!" flüsterte Rottmann erregt.
Nein sie kam erst an die Thür
geschlichen, untersuchte, ob abgeschlos
sen, und schob dann noch den Riegel
vor.
Dann ein Bettstelleknarre«
plötzlich ein lauter Aufschrei Tod
tenstille.
1
„Was ist denn los?" schrie Rott
mann, indem er gleichzeitig Licht an
zündete.
„Ach Gott! Ach Gott!"
„Sind Sie überfallen, Fräulein?
Machen Sie doch auf!"
Rottmann rüttelte an der verschlos
senen Thür.
„Ach Gott! Ach, 'n Augenblick!"
Gleich darauf toutde mit zitternden
Händen ausgeschlossen und ausgerie
gelt. Rottmann drang, mit dem Licht
in der Hand, in's Zimmer. Ich folgte,
das Lachen mühsam verbeißend. Un
sere Kieme stand, schreckensbleich und
mit nur einem Unterrock bekleidet, am
Bette.
„Ach Gott! Hier im Bette!" rief sie.
„Da hat mich Ewer gepiekt!"
Rottmann leuchtete in's Bett.
„Ha. ha, ha! 'n Igel, Fräulein!"
„Ein Igel?!"
Sie kam, während Rottmaim mit
einem Stuhlbein das Stachelthier
aus dem Bett stieß, furchtsam näher.
„Der wollte bei Ihnen schlafen,
Fräulein!" sagte Rottmann lachend.
„Wir werden ihn jetzt.in unser Zim
Mir mitnehmen, ja?"
„Ach, bitte, bitt»!"
Wie sie bitten konnte! Rottmann
stieß den Igel in unser Zimmer und
wollte sich bann, indem er mir, der ich
mir bald die Lippen abbiß, einen Rip
penstoß gab, entfernen..
„Nun schlafen Sie yohl, Fräu
lein! Morgen—"
„Ach, bitte, meine Herren, nichts
davon erzählen, daß Sie in meinem
Zimmer waren und mich so
„Ja das kostet einen Kuß,
Fräulein! Sonst erzählen wir Alles!"
„Ach, pfui!"
Rottmann gab mir dos Licht. Ich
drückte mich damit natürlich schnell
und ließ die Beiden im Dunkeln zu
rück. Ich hörte erst hastiges Flüstern,
bann schließlich Schmatzen. Aha!
Dann nochmals Schmatzen
I dann mußte ich auch meinen
Spaß haben! Ich packte den Igel, der
mitten in der Stube lag, auf ein klei
nes Tablett und warf ihn dann
meinem Freunde in's Bett. So
zur Abkühlung! Dann löschte ich baS
Licht aus und ging cm's Auskleiden.
Jetzt kam Rottmann. Hinter ihm
wurde sofort abgeschlossen.
„Die hat's gekriegt! Mindestens
zwölf Küsse!" lachte er.
„Na, nun geh' nur schlafen!" xief
ich. „Ich bin verdammt müde."
„Ich auch."
Rottmann zog sich schnell aus und
warf sich in's Bett. Mit einem lau
ten Schrei schnellte er natürlich sofort
wieder auf.
„Verflixter Kerl!"
Mein lautes Lachen vermischte sich
mit demjenigen unserer Nachbarin,
welche sich wohl den Sachverhalt
schnell erklärte. Rottmann war? den
Igel aus seinem Bett und schimpfte
noch eine Weile. Schließlich lachten
wir alle —'Drei.
Daß ich den verdammten Igel am
anderen Morgen in meinem Bett ent
deckte und daß ihn schließlich der «nerr
Wirth in feiner Ladentischkasse
fand, das erwähne ich nur der Voll
ständigkeit halber. Jedenfalls, das
ist wohl die Hauptsache, endete diese
kleine Geschichte, die außerdem den
Vorzug hat, wahr zu fein, nicht trau-'
rig. Nein ganz und gar nicht
traurig! Freund Rottmann hat es
ja nicht unterlassen können, noch einige
Male nach F. zu fahren, um sich
„Küsse" zu holen, aber, die Sache.'
hat ihm nichts geschadet „gekriegt"^
haben sie sich nicht!
mir das Leben gerettet! Wie kann ich
mich Ihnen dankbar erweisen?" —I
„Heirathen Sie meine Schwiegermut
ter und verlegen Sie Ihren Wobnsitzl
nach Australien!"
I
Kasernhofblüthe. Ser-.
geant (zum Rekruten): „Wegen den
zwei Tage Kasernarrest macht berKerl
etn Gesicht wie ein Zebra, dem maus
hine Streifen weggewaschen hat?

Do» Dr. Ludwig ft are It
Polizist: Well, how much for den
Whiskey?"
Barkeeper (irländisches Grünhorn):
Zehn Cents bitte.
i e o e e W a u-
o e e i s S i e a e n

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