OCR Interpretation


Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, May 30, 1894, Image 2

Image and text provided by Ohio History Connection, Columbus, OH

Persistent link: https://chroniclingamerica.loc.gov/lccn/sn86063815/1894-05-30/ed-1/seq-2/

What is OCR?


Thumbnail for

s
Vi
I!
f?rm
Qntiptnbe Thiere.
f' „9fo* der Speisekammer der Thier
Hoest" theilt Dr. Joh. Müller-Lieben«
iwalde allerhand Absonderlichkeiten
-mit. Wenn ein Bruder Studio den
Eoulörhund dazu abgerichtet hat, die
Neigen aus den Schoppenuntersätzen
zu schlürfen und somit „bierehrlich" zu
iwcrbcn, so erblickt ein staunender Zu
schauerkreis darin schon ein halbe?
Wunder. Man ist eben nicht daran
gewöhnt, daß unser vierbeinigerHaus
'freund dem Genusse von Spirituosen
huldigt. Noch drolliger und merk
würdiger finden gewiß Viele den Igel,
der in der Gefangenschast ohne Um
[stände süßen Liqueur zu sich nimmt
fund zwar in solcher Menge, daß sich
gar bald bei ihm die Spuren eines
rechtschaffenen Räuschchens zeigen.
(Stecht bezeichnend ist es übrigens, daß
ihn die niederdeutsche Fabel auf der
Buxtehuder Feldmark mit dem turf
^kundigen Junker Hase um den Preis
i»on „een' Luggerdor un een' Buddel
Wramwin" um die Wette rennen läßt.
'Ein Seitenstück zu diesen Trunkenbol
den bildet ein Hirsch, welcher so aus
«eprägte Vorliebe für den schäumen
'den Gerstensaft hatte, daß er sofort
(herbeigeeilt kam, sobald man ihm den
vollen Humpen kredenzte. Durchaus
zuverlässige Gewährsmänner ver
sichern, daß dieser Jünger des Gam
jbrinus eines Tages das ihm von gu
Iten Freunden gespendete respektable
^Quantum von vierzehn Seideln be
«wältigte, ohne dadurch aus der Rich
jtung gebracht zu werden. Es war ein
'kapitaler Zehner, der Ausgangs der
siebziger Jahre im Wildparke des
Iürsten Clary nicht weit von Teplitz
«lebte. Kein einziges Stück aus den
{starken dort stehenden Rudeln that sich
iin gleicher Weise herbor und beim
jAnblick des alten Burschen, der lüstern
junb mit weit offenen Nüstern den vor
•gehaltenen Krug anäugte, mag in den
'Umstehenden ein gelinder Zweifel auf
«gestiegen sein, ob dieser Hirsch jemals
jnoch frischem Wasser geschrieen habe,
ffstst noch unglaublicher klingt, was
Dr. Philippi aus Santiago in Chile
«zählt. In S. Juan, in der Provinz
Baldivia, mästete sich einer von seinen
prcichlich und regelmäßig gefütterten
Hunden buchstäblich mit dem Hafer,
den er den Pferden aus der Krippe
ijtahl und ein Gaul, der zeitweise frei
5m Hofe herumlief, hatte sich derma
Ken an das Fleisch junger Hühnchen
und Tauben gewöhnt,daß er seine un
schuldigen Opfer ergriff, sobald er ih
Iter habhaft zu werden vermochte. Die
!Täubchen wurden sogar direkt aus den
Nestern geraubt, welche sich, niedrig
jgenug,dort in Mauerlöchern befanden.
Man hatte das Fehlen des zarten Ge
flügels wohl bemerkt, aber natürlich
anfangs die Ratten im Verdacht der
Thäterschaft gehabt, ehe man den
^wirklichen Verbrecher entdeckte. Etwas
anders verhält es sich mit einem Affen,
Hessen Bekanntschaft ich selbst zu ma
nchen Gelegenheit hatte. Er bediente
ffrch des Priemtabaks so sachgemäß
tote ein alter Matrose oder ein hollän
bischer Fischhändler. Ein Menagerie
^Stammgast Brachte ihm ab und zu
ffein Röllchen mit, welches dann mit
fröhlichem Grinsen in Empfang ge
kommen, beschnuppert und in die ge
jtäumtge Backenhöhlung geschoben
ßourde. Das Thier gehörte keines
itoegs zu den anthropoinorphen Affen,
wachte sich aber durch sein wunderba
res Gebahren in hohem Grade men
schenähnlich. Während der Mahlzeit
liegte er das „steuerkräftige Genuß
imittel" sorgsam bei Seite und duldete
micht, daß seine Käfiggenossin danach
«riss. Tabak habe ich ferner manchen
Meitesel im Gebirge mit Leidenschaft
«tehmen sehen: auch das frommste
Langohr führte zum Entsetzen feiner
jöieitcrin gelegentlich einen unverhoff
ten Seitensprung aus, um einen
Stummel aufzuschnappen und sich da
»au gütlich zu thun.
Im Zirza«.
Achter endlos dehnt der Weg sich aus,
And bald schon hatten wir's heraus:
Gr war nicht g^rad', er war nicht
schräg',
GS lief vielmehr der ganze Weg
Im Zickzack.
Die Sonne bramrße fürchterlich,
Ihr, lieben Freunde wißt, daß ich
Niemals zu übertreiben Pfleg',
Ganz miserabel war der Wg
Im Zickzack.
e
Am Ziele endlich fanden wir
Ein herzerquickend gutes Bier.
Da war'n im Trinken wir nicht trag'
Nach den Strapazen auf dem Weg
2fm Zickzack.
Dpät heimwärts gwg'5 auf dèr Chauf
see.
Doch wir marschirten bald, o weh.
Als wär es unser Privileg,
Den schnurgeraden^ schönen Weg
*y Im Zichack.
Entrüstet. Ein Herr wird
Sen einem schön frisirten und gigerl
maßig Menschen angebettelt und weist
ihn mit den Worten ab: „Einem so
Mchermäßig gekleideten Menschen kann
ich doch kein Almosen geben!" „Nu
Zvkrds aber Tag!" sagt der Bettler,
„gestern sagten Sie mir, einem Men
fchen, der wie ein Strolch dahergehe,
Düben Sie mscht, und heute, wo ich
«ich extra fein gemacht habe, geben
Die mir ooch nifcht?!"
SU .Nun, trinken mit noch Eins?"
Hl: „New, das geht absolut nicht!
Meine Alte sagte, ich solle Schlag zehn
Ahr zu Hause sein." A.: „Aber, auf
ein paar Minuten wird eS doch" nacht
tmtn?" B.: „O ja! Sie hat
lofl" ganz befoiüxrâ bctontl*
1800.
MDvelle voll Emil Rolanltzß
Zweimal im Lauf der Jahrhunderte
schritt die Zerstörung mit blutbefleck
ten Händen durch das stille Thal, zuerst
als wilde Bauernhorde, zügellos, mit
grausam blickenden Augen damals
sank das Schloß am Berge zusammen
eine Flammennacht tobte um Erker und
Mauern, bis nichts übrig blieb,als eine
graue, leere, schwermüthige Ruine.
Die Bauernscharen zogen weiter die
blutigen Sensen schwangen sie statt
Morgensternen in der Luft, Kirchen
lit der singend und Greuelthaten ver
richtend giftige Auswüchse an dem
großen Baume der neuen Zeit.
Ihre Lieder verklangen. NeuerFriede
kam, jahrhundertlanger Friede.
Da ein zweites Blutbad eine
zweite Zerstörung! Sie lieh den Namen
einem Thale ab, das bisher in jedes
Menschen Ohr etwas Schönes, Liebes
bedeutet hatte, einer Stadt, um die sil
Bern und süß Thüringens schönster
Strom mit tändelnden Minnesängern
warb. Die Schlachtkanonen von Jena
brüllten ihr schauriges Lied durch die
Welt. Die herbstgrüne Erde erbebte,
flehend streckten sich hilflose Arme zu
einem Himmel empor, der im giganti
schen Wettertreiben der Zeit das Er
barmen verlernt hatte und gelassen,
kalt und grausam,einem steingehauenen
Götzen gleich, stand am deutschenBerg
hang die schauerliche Kaisergestalt, die
Ball spielte mit den Sceptern und Kö
mgmchen einer von ihr verachteten
Welt.
Die große Schlacht war vorbei. Die
Erde dampfte von Bkut. Eine unheim
liche Nacht sank herab und ein grauer,
schrecklicher Tag folgte der Tag der
Todtenbestattung.
Alles wurde hinabgescharrt, Reiter
undRoß, mitten abgeknickteLebenshoff
nung, zu früh erloschene Flammen,
Freund und Feind. Das war ein trii*
des, jammervolles Bild, aber doch nicht
so grausig wie ein anderes.
Unter einer Dorflinds Breitete sich
dies andere aus. Ein Haufe lachender
Franzosen zerrte einen alten Edelmann
unter den Baum er wehrte sich
kaum, sah er sein Schicksal doch unaö
wendbar vor sich in der aufgehobenen
Pistolenmllndung eines grinsenden Ca
rabiniers.
Sterben müssen dafür, daß man
Hab und Gut vertheidigte, daß man
die schuldlosen Häupter von Weib und
Kind beschützen wollte und im ver
zweifelten Nothwehrkampft vielleicht
dem Feind die Haut ritzte das war
nichts Seltenes in jener Zeit.
Mehr hatte er auch nicht verbrochen,
aber er büßte jetzt dafür.
Das wüste Geheul des Franzosen
Haufens legte sich Plötzlich, als gegen
über das Scheuerthor ausging und
zwei Männer ins Freie traten.
Der eine war blaß und jung. Er
trug den Arm in der Binde. Eine
Kugel hatte ihn in der Schlacht ge
streift nun riß ihm vor einer Stunde
beim Ueberfall des Gutshofs Jemand
die Binde ab, daß eine neue Blutwelle
das weiße Linnen röthete. Es war
ein Zufall und geschah aus Noth
wehr aber man ergriff den Thäter
und jetzt richtete man ihn. Oberst
befahl. Er wollt? die zwölf Bluts
tropfen seines Lieblings rächen mit dem
ganzen Leben dessen, der sie fließen ge
macht.
Er selbst stand jetzt da, um dem
Schauspiel zuzusehen, jenem Dutzend
schauspiel, das so abgebraucht war in
dieser blutigen Zeit. Zwischen zwei
Knöpfen feiner leuchtenden Uniform
Hingen ein paar große Reseden, die er
in einem zerschossenen Bauernhause
gepflückt unversehrt hatten sie dort im
irdixen Topf am zersprungenen Fenster
gestanden ihr Dust that ihm wohl nach
dem Blutgeruch, dem Pulverqualm,und
er steckte sie ins Knopfloch, als er nun
hinging, um einen Menschen sterben zu
sehen.
Sein Gesicht war kalt und gleich
gültig, schöne Züge, aber verhärtet und
verwittert im Kriegsleben, Augen, die
einen Zug der Grausamkeit nicht ver
leugnen konnten, Lippen, die über das
Schrecklichste zu lachen sich längst ge
toöhrtt der junge Off icier neben
ihm hatte noch etwas Weiches, Ju
gendliches, aber so weich war er doch
nicht, daß es ihm jetzt einfiel, um das
Leben des srernen Mannes zu bit
ten.
Niemand that es. Nur ein grau
haariger Wachtmeister trat herzu
und sagte leise: 6t hat Weib und
Kind.
Warum Bittet nicht um Par
don! warf der Oberst hin und sog
nachlässig den Duft seiner Reseden
ein.
Der Gefangene hatte die Worte ver
standen, ein dunkler Blitz schoß in sei
nert rothgeränderten Augen auf.
Weil ich von solchen Händen lieber
den Tod will als die Gnade! schrie er
heiser.
Feuer! befahl der Oberst achsel
zuckend.
Eine Minute darauf war alles bot*
bei.
Sie sahen ihn beide gelassen in sei
nem Blute liegen, der Oberst und sein
bleicher Günstling. Dann schritten sie
von dem alltäglichen Schauspiel fort,
den Pferden zu, die aufgezäumt harr
ten, sie in das. Lager des Kaisers zu
bringen.
Die Leiche des Erschossenen wurde in
den Gutshof zurückgeschleppt und auf
die Treppenstufen gelegt.
Das wird auch eine Freude sein,
wertn die Frau kommt und ihn findet!
lachten sie, schrieben einen Spottvers
mit Kreide an das Hausthor und zogen
singend von bannen.
Die Kunde, daß der alte Gutsherr
von den Franzosen erschossen war,
schwirrte schnell genug von Dorf zu
V
I
K
V
Dorf. Mit geballter Faust hörte man
sie an, mit zornbleichen Lippen trug
man sie leise weiter, leise, wie man den
Feinden fluchen mußte in jenen Tagen,
wo ein lautes Wort Grund genug zum
Flüsiliren bot.
Das Gerücht drang auch in die
Mühle, in die der Getödtete vor der
Schlacht Weib und Kind geflüchtet.
Die Frau wollte fortstürzen an den
Ort der That, wollte ihn noch einmal
sehen, ihreSterbegebete an seiner Leiche
murmeln, die welken Hände küssen,
die ihr so viel Gutes gethan »ber
der alte Müller hielt sie zurück, dem
Versprechen gemäß, das er dem Todten
gegeben.
Sie schluchzte wie ein Kind und
rang ihre weißen Hände, aber ihr
Schmerz war keiner von den Schmer
zen, die todten können. Der alte
Mann, dem sie ihren Eltern zuliebe
Treue geschworen und gehalten hatte,
war ihr wie Vater und Bruder gewe
sen, aber ihr Herz hatte er nie ausge
füllt. Das that allein der blonde
Knabe, der jetzt verständnißlos zu ihren
Schmerzen aussah.
Zwei Tage lang wurden ihre Au
gen nicht trocken. Sie nähte mit der
Magd ein Trauergewand aus grobem,
schwarzen Stoff, ein dunkles Kleid,
das lang und schwer um ihre hohe Ge
stalt lag und die Blässe ihres Ange
sichts fast geisterhaft hob. In der
nächsten Nacht schlummerte sie wieder—
zum ersten Mal. Die junge Natur
forderte ihr Recht. Da hörte sie plötz
lich einen Schuß unter ihrem Fenster,
einen scharfen Knall, der laut und grell
in das stille Geplätscher des Mühlbachs
hineinklang und einen kurzen, hef
tigen Schrei.
Sie sprang empor und stieß die
Scheibe auf. Unten pochte Jemand an
das Thor derMühle, sie sah nichts als
zwei nächtliche Schatten, zwei schwei
gende Gestalten,deren Umrisse sie kaum
erkannte. Die Tannen rauschten wild
durch die kühle Nacht, von allen Bergen
klang ihr düsteres Lied ins Waldthal
hinab, wie ein großer, lang geheimge
haltener Groll, der sich endlich Luft
macht,
Sie schlug daS Fenster zu. Ein
Grauen überlief sie. Sie fürchtete sich,
sie fühlte sich plötzlich so allein, ohne
Gatten, ohne Beschützer.
Unten hörte sie Geräusch. Bald dar
auf pochte der Müller an ihre Thür.
Er bat sie herabzusteigen, man hätte
einen Verwundeten ins Haus gebracht
und ihren weichen Hände verständen
das Pflegen gewiß besser als die sei«
nen.
Sie streifte ihr Trauerkleid über und
ging hinab. E3 war ja nicht der erste
Kranke, zu dem sie tarn wie oft hatte
sie schon Samariterdienste gethan bei
den Elenden und Gequälten ihres Dor
ses!
Als sie aus die Diele trat, sah sie
einen Lichtstreif aus derWohnstube
fallen er zitterte so seltsam über die
geweißten Bretter,an dem altmodischen
Wandschrank entlang, der in der Ecke
stand. Sie sah ihn gedankenlos an»
diesen verirrten Strahl dann trat
sie leise ein.
Man hatft den Verwundeten auf
das Sopha gebettet. Leichenblaß mit
geschlossenen Augen lag er da, halb wie
ein Todter. Nur den Mund umspielte
noch ein verräterischer Zug von L-eben,
ein hochmüthiger, verachtender Zug,
der gleichsam den Tod verspotten soll
te, der sich vorschnell an seine Seite ge
drängt. Sie hatte niemals ein solches
Gesicht gesehen. Es standen Geschieh#
ten darin, wie sie nie in ein Thüringer
Thal gedrungen waren, Abenteuer,
groß und ungewöhnlich wie jene, die
auf Napoleons Kriegswegen überall
blutigen Schwertlilien gleich em
porschössen. In der großen Armee
waren solche Gesichter nicht selten,
ein gleiches Schicksal stempelte viele
mit derselben Leidenschaftsgluth, dny
selben verachtenden Todestrotz wie diè
ses
Sie aber sah solche Züge zum ersten
Mal. Der Athem versagte ihr fast, als
ihr Blick in diese neue Welt hernieder
tauchte, und binnen einer Secunde
wurde ihr etwas Seltsames, Ueberra
schendes klar sie hätte ihr Leben auf
der Stelle geopfert, um dies fremde
Dasein zu retten.
Der Bube läuft, was er kann! flü
sterte ihr der alte Müller zu —, aber
ob der Arzt noch noththut....
Er muß leben! sagte da neben ihr
ein junger, schlanker, hochaufgeschosse
ner Mensch mit einer dunkeln Schul
terbinde —, er muß leben! und es lag
soviel Energie, soviel starkes Wollen
in dem leisen Ton, in dem er sprach,
daß die Frau im selben Augenblick
wirklich glaubte, wenn solche Menschen
den Tod nicht wollten, so wage er sich
auch nicht an sie heran. Scheu glitt
ihr Blick an dem fahlen Profil des
jungen Soldaten hinauf. Sie sah
seine blitzende Uniform, sah plötzlich
auch den rothen Mantel, der dem Ver
wundeten zur Erde geglitten war, das
Ehrenzeichen auf seiner Brust und
nun fiel ihr jählings ein, was sie sich
schon gleich hätte sagen können, aber
sich zu sagen vergaß: diese Menschen
waren ja Franzosen, die Mörder ihres
Gatten.
Sie lächelte zerstreut bei dem Gedan
ken, aber regte sich nicht.
Da schlug der Verwundete die Au
gen auf, zwei braune, blitzende Augen.
Wasser! stöhnte er. Sie eilte hinaus,
schöpfte einen klaren Becher voll und
stand in zwei Minuten an feiner
Seite. Er trank durstig, den Blick zu
ihr empor gewandt. Bei der leichten
Bewegung schmerzte seine Wunde fast
unerträglich ein dunkler Schatten flog
ihm über die Stirn. Sie sah ihm die
Schmerzen an aber mitten in seiner
-Qual zwang er sich doch ein galanres,
abenteuermuthiges Lächeln um den
Mund und sagte kosend: Hab Dank,
schöne Frau! Dann fiel er in eine neue
•tt,*r«$
Ohmnacht zurück. Sie stand noch im
mer wie gebannt da, den Becher in der
Hand. Endlich kam der Arzt, eine
verwachte, elende Jammergestalt, der
selber halb bewußtlos schien, als er
nun sein Amt verrichtete.
Der junge Officio: zog die Frau bei
seite.
Können wir hier ein paar Tage Blei
ben? fragte er.
Ja!
Er ist guter Pflege sichert,M
Ja!
Er sah sie musternd aiw Sie sind
sehr schön, Madame! Und in Trauer?
setzte er dann hinzu.
Sie nickte nur.
Es ist fürwahr schade, ^etrtPrfte er,
daß unser großes und schönes Glück so
vielen andern zum Unglück wird.
Er sprach es leichthin. Sie antwor
tete nicht. Es grauste ihr bei seinen
Worten, aus denen das ganze Elend je
ner andern sprach, zu denen auch sie ge
hörte aber es war eine stumpfe Er
gebung in jenen Tagen über den besieg
ten Theil der Menschheit gekommen,
eine widerstandsmüde Resignation, ein
gedankenloses Forttaumeln von einer
schrecklichen Minute zu einer schreckli
chern. Nicht einmal die Frivolität,
mit der selbst dieser junge Glücks
ritter, der noch der Empfindungslveich
sten einer war, neben einem Halbster-'
benden ein ruhiges Gespräch begann,
entsetzte sie.
Ruft mich,wenn ich nöthig bin! sagte
sie zu dem Müller. Ihr war, als müsse
sie entrinnen aus diesem Raum, als
sei jede Minute Unrecht, in der sie ihre
Feinde nicht zu verderben trachtete.
Hastig glitt sie aus dem Zimmer. Oben
wars sie sich nieder an dem Bett des
schlummernden Kindes, ängstlich nach
unten lausend auf jeden Ton, jeden
Seufzer von dort.
Wenn er doch todt wäre! Wenn er
doch stürbe! rief sie, und doch machte der
Gedanke sie schaudern.
Es war eine unheimliche Nacht. Die
Tannen rauschten laut zu ihr hinein.
Der Mühlbach grollte dazwischen und
ein strenger Wind machte sich auf und
rüttelte an den Läden.
Die Kugel, die den Obersien getrof
fen, war eine jener herrenlosen Kugeln
gwesen, die in Striegszeiten plötzlich
und überall heranschwtrren können
vielleicht die Kugel eines getäuschten
Wachtpostens, der schleichende Spione
ängstigen will, oder die Kugel eines
zornigen Bauern, der seinen Herrn oder
sein niedergebranntes Haus aus dem
Verborgenen rächt oder die des
tückischen Soldaten, der den eigenen
Vorgesetzten hinterlistig niederschießt
um einer verdienten Züchtigung wil
leiL
In 'Tagen großen Völkersgemetzels
kümmert sich Niemand viel um den ein
zelnen Schuß. Die Ordnung ist nie
dergetreten, die Sicherheit im Blute
Tausender ertränkt aber wen solche
Kugeln treffen, dem bringen sie bitter
stes Verderben. Eine Kugel in der
Schlacht ist etwas Schönes, Großes,
Sterbenswerthes, eine Kugel aus dem
Hinterhalt erbärmlich, schlecht, jedes
Heldenthums bar.
Das war es, was den Obersten am
meisten kränkte an dieser Kugel
wollte er nicht sterben!
Der Dorfchirurg that seine Pflicht
der Wille des Kranken aber that Wun
der es war, als ob die drohende Ge
fahr sich auf seinen Befehl langsam
mehr entferne.
Am zweiten Tage ritt der junge Of
sicier aus und kehrte spät Abends zu
rück. Er brachte stolze Nachrichten mit.
Des Kranken Augen leuchteten* Ber
trand, ich muß dabei sein! rief er
wenn wir erst wieder fortjagen zu Roß,
wenn es erst wieder Krieg gibt, bluti
gen, grausamen Krieg! und er griff
nach seinerSeite, als ob er feinSchwert
ersassen wollte.
Der Oberst liebte seinen Günstling.
In einer Zeit, wo Familienleben Fa
bei war, sehnte sich selbst das sprödeste
Herz zuweilen nach der Nähe eines an
dem. In einem niedergebrannten
Wallonendorf hatte er ihn einst ausge
lesen, aus einem sichern.Tode an sich
gezerrt. Der Jüngling, der damals
mit so schmerzlicher Gelassenheit dem
Zusammenbruch all seines Heimaths
glücks zusah, gefiel ihm, der fatalisti
sehe Zug auf der Knabenstirn zog ihn
an. Sie waren seitdem treue Zeltge
Nossen, und an dem Glück seines Ober
sten rankte sich die „Fortune" des jun
gen Abenteurers keck mit empor. Er
sah in seinem Herrn seinen Götzen und
sein Schicksal er folgte ihm überall
hin. In der Schlacht begegneten sich
ihre Blicke über stürzende Rosse
und sinkende Männer hinweg am La
gerfeuer ruhten sie zusammen auf ei
nem blutbefleckten Mantel aus im
Gefolge des Kaisers ritten sie neben
einander auf schön gezäumten, kost
baren Rossen, übermüthig und stolz,
von dem großen Emporkömmlings
Hochmuth beseelt, den ihr Cäsar ihnen
vormachte in unvergleichlicher Vollen»
dung.
Ich will in drei Tagen reiten! rief
der Oberst so lange gebe ich meiner
Wunde Zeit zum Heilt» dann achte
ich nicht mehr aus sie! *.
Du bist noch blaß, mein Vater! sagte
Bertrand. Gewiß hast du dich gelang
weilt, während ich fort war, daß dir
nun so unvorsichtige Gedanken kom
men. Ich bin geritten, daß, derSchaum
vor des Pferdes Gebiß stand, aber ich
konnte nicht schneller.
Ich hatte Gesellschaft...
Die schöne Frau? fragte Bertrand.
Nein, nicht sie, aber ihr Knabe.
Weißt du, was er mir erzählt hat?
setzte er hinzu und seine Brauen run
zelten sich. Am letzten Sonntag hätte
ein französischer Oberst seinen Vater
erschießen lassen unter der Linde im
Dorf. Das Kind lallte es so hin.
Bertrand! Ich glaube, wenn vie blonde
Schöne wüßte. .1,
mw^Mpp-
FT1-**"?«*"
1
Vertrand sprang auf. Sie weiß es
nicht! Sie litte unS sonst nicht unter
ihrem Dache.
WaS soll sie machen? Wir sind die
Sieger. Mich wundert, daß sie kein
einziges Mal nach mir sah,— das ist
verdächtig aber gleichviel! Die blö
den Zufälligkeiten des Krieges sollen
mir seine Schönheit -nicht verkümmern.
Sage mir doch,Berirand,wie die Chan
sonnette hieß, die sie neulich am Lager
teuer sangen? Das Zigeunerweib hatte
sie mitgebracht.
Bertrand begann und der Rest der
peinlichen Empfindung war schnell ver
flogen.
Die Töne kftmgen ins Freie, zu der
lauschenden Frau hinauf, die oben im
Gebete kniete.
Leicht und geflügelt flatterten die
übermüthigen Verse von den Lippen
der Glücksritter. Sie konnte nicht wei
terbeten sie stöhnte nur laut auf und
rief: Nur kein Wiedersehen! Nur das
nicht!
Aber es wurde ihr nicht erspart.
Sobald der Oberst wiederkehrende
Kräfte spürte, schleppte er sich zu ihr
hinauf. Bertrand war fort er er
wartete ihn erst spät Abends zurück.
Er hatte solange keine schöne Frau
gesehen, aber die letzten Tage mit der
Erinnerung an sie gespielt wa
rum sollte er sich die Freude versa
gen?
Der Schrecken schmeichelte ihm, den
er ihr ansah, als er plötzlich das Ge
mach trat, groß und stattlich, zwar
über die erste Jugend hinaus, aber noch
immer von jener Spannkraft der Be
wegurtg, die andauerndes Kriegs leben
nicht Irlahmen läßt.
Ich sehnte mich nach Sonnenschein,
begann er, und da die Sonne nicht
zu mir kommt, steige ich zu the hin
aus.
Sie sah ihn vorwurfsvoll an und
blickte aus ihre ernsthaften Gewänder.
Da trat er näher und griff nach ihrer
Hand, um sie zu küssen.
Erschreckt wich sie zurück. Nein,
rief sie, es ist genug, daß ich verdammt
bin, unter einem Dache mit meinen
Todfeinden zu leben! Der Himmel be
wahre mich, daß ich nicht gestraft wer
de, sie auch noch zu berühren!
Ihm gefiel ihr Zorn. Sie sind sehr
ungerecht, Madame wenn Sie Verlan
gen, ich solle das Schicksal des Jahr
Hunderts verantworten!
Da biß sie die bleichen Lippen fest
zusammen.
Ihre Kameraden haben mir den
Mann erschossen! sagte sie tbnlos. Es
ist meine Pflicht, Sie zu hassen!
Pflicht? rief er. Also nur aus
Pflicht? Nicht aus eigenem Drang?
Nicht, weil es nicht anders geht?
Sie schlug die Hände vor das Ge
ficht. Gehen Sie, rief sie, wenn Sie
nicht wollen, daß ich gehen muß!
Er sank erschöpft auf einen Stuhl.
Verdammte Kugel! stöhnte er. Wie
kann ich gehen, wenn ich nicht aus der
Stelle komme? Wenn Sie mich auch
verabscheuen,schöne- Frau, so haben Sie
wenigstens soviel Mitleid, Jemanden
zu meiner Hilfe zu rufen.
Sie ging, und als der Müller kam,
fand er den Kranken halb ohnmächtig
an der Wand lehnen.
Verdammte Kugel! stöhnte et^—
warum gerieth ich auch wieder in diese
Gegend warum so? warum
nicht wenigstens im Donner von
Jena?!
Als es dunkel im Haufe wurde,
schlich Jemand die Stiege herab. Die
Frau wars, die ihren Knaben im Arm
hielt, der friedlich schlummerte. Sie
wollte fort aus der Mühle, sobald
als möglich es litt sie nicht mehr
unter einem Dach mit ihren Fein
den.
Sie legte das Kind auf ein Stroh
bündel, das neben dem Dielenschrank
lag, dann schlich sie leise lauschend der
Wohnzimmerthür zu. Sie hörte fei
nen Laut und trat hastig ein we
nigstens sehen wollte sie ihn noch ein
mal.
Da lag er, beim Schein einer klei
nen Lampe, blässer, als sie ihn je gese
hen, die Augen halb geöffnet, die ihr
glanzlos entgegenftarrten.
Mechanisch trat sie näher. Kommst
du, Bertrand? stöhnte er, o, die
Schmerzen! Gib mir das Gift, hörst
du, links in der Brusttasche ich trag
es seit Jahren bei mir für den
Nothfall für Gefangenschaft, für
Wunden, wenn sie zu heiß brennen
ein Tropfen genügt dann ist der
Krieg mit dem Leben aus! Er ächzte
laut.
Ich bin nicht Bertrand! flüsterte sie.
Da sah er sie an feine Augen wur
den größer, ein Lichtstrahl schoß aus
ihnen empor, derselbe Strahl, der den
Abenteurern jener greuelvollen Zeit je
desmal aus den Augen brach, wenn sie.
etwas wahrhaft Schönes sahen, etwas,
das anders was als der Schrecken, der
sonst auf ihren Wegen wuchs.
Ja, so murmelte er— du bist
nicht Bertrand du bist das Weib
dessen, den ich niederschießen ließ...
Er sah sie lachend an, als wisse er
nichts von der Bitterkeit feiner Worte.
Sie aber 'fühlte einen gräßlichen
Schmerz in ihrer Brust, ein ungeheu
res Weh mit keiner Wimper zuckend,
starrte sie ihn an, den Mörder ihres
Gatten, dm sie nicht zu hassen ver
mocht hatte nein, der in ihren Au
gen ein Halbgott gewesen war, so sehr
sie sich auch gegen diesen Götzendienst
gesträubt.
Wie ein großer Vorwurf stieg es in
ihr auf. Du bist eine Elende, wenn
du ihn jetzt noch liebst! keuchte sie und
preßte die Hände auf das Herz. Nein,
ich liebe ihn nicht mehr! Ich will es
beweisen vor ihm vor mir
wen man todten kann, den liebt man
nicht!
Und mit zitterndem Finger schob sie
seinen rothen Mantel beiseite, der über
big Binde loa, ua_b suchte in der Brust-
rf. 1,:
7vw •"^#w^',r-|Le$? 1"^
tasche deS Fiebernden, bis fit fand,
was sie wollte.
Er hatte die Augen geschlossen sein
Kops war aus ihren Arm gesunken,
der dunkle waghalsige Räuberkops,
über dessen Stirn eine breite, große
Narbe lief, ein altes Memento an die
Feuertaufe bei der Brücke von Lodi!
Ich liebe dich nicht! feuchte sie
dann facht und leise, als fürchte sie den
Mann, den sie todten wollte, vorher
auch nur ein wenig zu verlchen, hob sie
sein Haupt langsam empor. Er lallte
im Fiebertraum es war dieselbe
Chansonnette, die er noch gestern sang,
das Lagerlied der Zigeuner mit dem
leichtlebigen, lustigen Refrain.
Mitten im Liede brach er ab das
Gift hatte feine Lippen berührt. Er
öffnete die Augen nicht mehr, wand sich
noch ein paar Mal und lag dann ent
feelt da.
Sie bettete sein Haupt auf ein Kis
sen.
Ich habe dich nicht geliebt! sagte sie
vor sich hin. Ich hätte dich sonst ja
nicht todten können!
Und wie im Traum löschte sie das
Licht, das dem Todten ja nicht mehr
zu scheinen hatte, und verließ das Ge
mach.
Der Knabe schlief ruhig auf dem
Stroh, ahnungslos, daß nur von ei
ner Wand getrennt, der Schatten fei
nes Vaters gerächt war. Sie nahm
ihn auf den Arm und trat durch
das leise knarrende Hausthor ins
Freie.
Der Mondschein lag über demMühl
bach. Finster dräuten die Tannenwäl
der tief schwarz und dunkel von
allen Seiten.
Sie schritt hastig die. Landstraße
entlang, den blonden Kinderkopf an
der Schulter, nur von dem einen Ge
danken beseelt, daß sie recht gethan,
daß sie ihre eigene Schuld gesühnt
hatte.
Da sprengte ein Reiter heran mit
flatterndem Mantel es war Bertrand,
der mit einer Botschaft seines Kaisers
zu feinem Herrn geeilt kam. Als sie
ihn sah, kochte jählings der Zorn
ihr aus zum ersten Mal kam er in
ganzer Größe über sie, der bittere
Franzofenhaß, der damals ihr Volk
beseelte und nur sie noch nicht ergriffen
hatte. Stf sah ein Glied jener Nation
vor sich, oie Heldenbrust mit einem
Ehrenzeichen geschmückt, das Beloh
nung war für zahllose hingemetzelte
Menschen er war ein schuldloses Glied
jener Kette aber was fragte sie dar
nach, als sie nun ihren ganzen Haß,
ihren ganzen Rachedurst diesem einen
in das blasse Gesicht warf?-
Fluch dir! schrie sie ihm zu, als er
vorübersprengte.
Er hielt das Roß an und sah er
schreckt auf die bleiche Frau, die im
Mondlicht am Wege stand.
Ja, du! rief sie. Wußtest du etwa
nicht, unter wessen Dach du warst?
Weh dir, wenn du eS wußtest! Dann
sollst du einsam sterben verlassen,
vergessen, im Elend!
Ihr Fluch klang schauerlich durch die
Nacht. Er jagte davon, wie von einer
Erscheinung weitergetrieben wohin?
einem Todten entgegen, der das ein
zige war, was er besaß.
„Fortune!"....
Das war der Wahlspruch ftiter Zeit,
das Glückswort der großen Armee.
Zu Tausenden schoß sie aus, lustig,
bunt, von romantischer Pracht, von
säst unglaublicher, schwindelnder Keck
heit....
Am hellsten aber leuchtete die For
tune des großen Kaisers über alle an
dern hinweg sie war märchenhaft, diese
Fortune, gleich, als hätten die Dichter
aller Zeiten ihre Phantasie aufgebo
ten, sie zu ersinnen, bis sie den
noch übertrumpft wurde von der Wirk
lichkeit!
Da aber kam der russische Feldzug,
der schreckliche Winter, der große Ban
kerott aller Fortune.
Dort wars, auf dem weißen Schnee
feld, mitten im Lande des Schreckens.
Wie eine wilde Geifterjagd raste die
Flucht über die Steppe. Krieger, die
noch nie geflohen, die gewohnt waren,
ihre kugelzerfetzten Fahnen siegend auf
zerschossene Thore zu pflanzen, die
Helden von den Pyramiden, von Au
sterlitz, von Jena er selbst, der
große Kaiser, der hier aus die unselige
Bahn getrieben wurde, die erst in He
lena enden sollte sie alle stürmten
dahin vor den Feinden, dem Hunger,
der Erstarrung.
Da war ein junger Ossicier, em
Ritter der Forwne, der bisher immer
weiter gestiegen war aus der Bahn des
Glückes. Als er vom Rosse sank, ach
tete keiner auf ihn wer hier niederfiel,
nach dem schaute Niemand um. Die
Zeitgenossen der letzten Nacht stürmten
vorbei seine Soldaten brüllten die
Marseillaise und sausten dahin. Er
blieb liegen neben seinem Pferd, gleich
gültig, fast bewußtlos.
Das hetzte und wogte an ihm vor
Über, Über ihn hin einmal streifte ein
Huf seine blasse Schläfe er zuckte
kaum. Die Erstarrung kam über ihn
mit ihren kqlten, erbarmungslosen
Fingern
Blaß und verschwommen zog das
Bild seines Lebens ihm durch den
bestraunt er sah die Züge eines
Mannes, den er geliebt hatte, markige
Heldenzüge mit einer Narbe über der
Stirn und jenem Napoleonstrotz um
den Mund, den alle, die ihm dienten,
dem Marmorgesicht absahen, das ihr
Götzenbild war daneben den blon
den Kops eines Weibes, das ihm ge
flucht hatte, einsam zu sterben ver
lassen, vergessen, im Elend....
Er verdiente den Fluch nicht aber
et erfüllte sich an ihm.
K i n dT ch. Herr (zu zwei sich
zankenden Kindern): „Was habt Ihr
denn, Kinder?" Hans (leise zurSchwe
ster): „Du, sag's ihm nicht ich glaub«
der Mann ist Zeitungsreporter!"
»W »1* ^,,
fttoa* über
Die
Naturgeschichte der
wie der Berliner
matte"
.Piep
die Mc-
den nennt, läßt an Reichhaltigken
nichts zu wünschen übrig. Besonders
sind es die Thiere, welche die Ordens
Welt bevölkern, denn wir finden da
vierzehn Löwen,neun Adler, vier Dra
chen, zwei Elephanten, einen Bäre^,
zwei Phönixe, zwei Pferde, zw«
Hunde, zwei Greife, ritten Schwan,
einen Falken, einen Hahn, eine Taube
und sogar drei Schafe.
Die zahlreichen Löwen und Adler
gedeihen fast in allen Ländern, wäh
rend Ostasien (China, Antrant und
Kambodscha). dieDrachen liefern,Spa-'
nien aber den Hund, und zwar einen
gekrönten. Auch die Flora ist ziemliche
reick und zwar begegnen wir der
Eiche, dem Kleeblatt, der Lilie, btr
Rose, der Distel, einer Korngarbe und^
dem aus dem fernen Japan kommen-'
den Chrysanthemum. Vor allem [ind
es aber die Heiligen, die einen breiten
Platz einnehmen. Wir haben da den.
heiligen Stefan, Georg, Michael (diese
beiden je über zehnmal), Ludwig,
Theodorich. Jakob, Moriz, Huberts
Ruprecht, Januarius, Ferdinand,Flo
rentin, Andreas, Josef, Joachim,Karl,
Wladimir, Alexander. Auch die Da
men sind nicht vergessen und durch-die
heilige Elisabeth, Anna und Katha
rina vertreten,zu denen noch die schwe
dischen Seraphinen hinzukommen.
Die Astronomie kommt auch nicht,
schlecht fort und wir haben aufge
hende,strahlende und goldene Sonnen,
eine Sonne, die sich mit dem Löwen
vermählt, sehr viele Sterne verschie
denfter Art Und endlich auch einen
Mond, der einsam feine Bahn zieht.
Auffallenderweise betreibt nur das re
publikanische Südamerika den Perfo
nenkulws und verewigt auf seinen
Sternen Cincinnatus und Bolivar.
Am merkwürdigsten aber dürfte fein,
daß auch das Strumpfband (Gartet)
in der erlauchtenGesellschast einen her
vorragenden Rang einnimmt, der
höchste englischeOrden ist nämlich nach
diesem intime« Toilettenartikel be
nannt.
Unter Backs ischen.
Elsa: Hast Du unsere neue
Gouvernante gesehen? Wie gefällt sie
Dir?"
Rose: „O weh! die sieht aus wie
eine richtige Erzählung für reifere
Töchter."
DaS Veilchen.
Nach uraltem Glauben sprossen un#
let den Tritten der Frühlingsgöttin,
wenn sie über die Erde dahinschreitet^
die ersten Veilchen auf. Picht die auf
fallende Gestalt oder die Farbenpracht
der Blüthen, ihr köstlicher Duft ist es
vielmehr, der das Veilchen zum Lieb
lirig der Menschen gemacht, und sein
Standort in stiller Zurückgezogenheit,
fein Blühen in der Verborgenheit be
wirkten es, daß uns das Veilchen das
Svmbol der Bescheidenheit und De
irtuth geworden ist. Nach einer orien
talischen Sorge entstand das Veilchen
aus den Thränen dcs Adam, aus
Thränen der Freude und Demuth, die
er geweint, als ihm der Herr durch den
Erzengel Gnade und Vergebung ver
küntiet. Wie eine, griechische Mythe
berichtet, verfolgte Apoll,der leuchtende
Sonnengott, mit seinen heißen Strah
len einst eine der schönen Töchter des
Atlas. Um sich vor ihm zu retten und
betn Verderben zu entrinnen, flehte die
Verfolgte in ihrer Angst zum Himmel
beherrschenden Zeus um Schutz und
Rettuno, der bann die anmuthige
Jungfrau in das liebliche Veilchen
verwandelte. Im lichten Halbschatten
des Waldes Blüht es nun weiter und
lohnt dem hohen Gottervater in seinen
heiligen Hainen die Rettung durch
dankbare Opserdünste. Griechen und
Römer liebten und pflegten das Veil
chen. Es vertrat bei ihnen zum Theil
die Stelle des würzigen Waldmeisters,
denn durch Eintauchen der Veilchen
blüthen in Wein stellten sie einen dus- i,
tenben Frühjahrstrank her. Im Mit
telalter rühmte man dem Veilchen
allerlei Kräfte nach unb überzuckerte
Veilchen gehörten zu den Heilmittel»^
jener Zeit. *,
Aus der Schule. Lehrer:
gibt also Weichthiere, Wirbelthiere..
Müller, Du bist wieder nicht bei berief'
Sache! Nenne mir mal bas höchstens
wickelte Wirbelthier! Müller: 5)er'r
Tambour, der hat 'n Wirbel und
schlägt 'n Wirbel!
Bibelauslegung. Vater:.
Thu mir doch den Gefallen, Karl, und
heirathe schon in der Bibel ficht: Es
ist nicht gut, daß der Mensch allein
sei! Sohn: Ganz recht, und des»^'
halb sitze ich auch jeden Abend in der
Kneipe!
Rechtangenehm. A.: Fräu
lein Meistert ist also wieder verlobt?—r-A
B.: Ja! A.: Die war auch schon mit
allenMöglichen verlobt,wer ist denn dev^.
Schafskopf, der sie jetzt wieder hat? -V
B.: Ich! i'.
.Ti
l\
U
ch
4

"J

V o s i s a e n i

xml | txt