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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, June 06, 1894, Image 2

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«in* hst»r!sch- ©#Tf#te*
I Ferdinand btr Siebente, der 3t*
.«»hl der späteren Königin-Rezentin
^Christine, hatte dunh eine pragma ti»
if che Sanktion im Jahre 1830 kurz
dor kr Geburt der späteren Königin
fsaMa
die Ansprüche weiblicher
achkommen auf den spanischenThron
sicher gestellt und dadurch zugleich die
Erbansprüche seines Bruders Don
Carlos zerstört. Als nun wenigeJahre
spater der König Ferdinand in eine
.schwere Kraskheit verfiel, suchte die
carlistische Partei, an deren Intriguen
sich auch der Premierminister Calo
marde betheiligte, den wdtkranken Kö
nig zu bewegen, von der pragmatischen
Sanktion zurückzutreten. Die (?aili
slen hatten keinen Augenblick mehr zu
verlieren Calomarde setzte das In
prument, durch welches die Tochter des
Königs von der Thronfolge ausge
schlossen werden sollte, auf und er
langte ohne große Schwierigkeiten die
Unterschrift des todtkranken Königs.
Die Königin Christine, durch Wacht
wachen geschwächt, entmuthigt, verlas
sen, von Feinden umgeben, hatte nicht
die Kraft, dem Complott Widerstand
zu leisten. Die in der Form eines Co
dicills zum Testament des Königs der
saßteUrkunde war kaum unterzeichnet,
als Ferdinand in einen lethargischen
Schlaf verfiel. Man nahm an, er fei
todt, und Calomarde erklärte öffent
lich, daß er es sei. Der französisch?
Gesandte telegraphirte die Nachricht
nach Paris, und Christine dachte dar
an, zu fliehen! Ihre Sachen wurden
thatsächlich schon gepackt. Don Carlos
gerirte sich als König. Die Höflinge
degrüßten ihn mit dem Titel Majestät,
das Volk sammelte sich um den Palast,
dereit, dem neuen Souverän zu huldi
gen. Da ereignete sich etwas ganz Un
erwartetes. Die ältere Schwester der
Königin Christine, die Jnfantin Car
lotta, Gemahlin eines jüngeren Bru
ders des Königs, des Infanten Franz
de Paula, erschien plötzlich auf der
Scene. Donna Carlotta hatte seiner
Zeit die Heirath ihrer Schwester Chri
stine mit dem König Ferdinand der
mittelt und auch bei dem Zustande
kommen der pragmatischen Sanktion
,thre Hände im Spiele gehabt. Jetzt
tarn sie wie ein Wirbelwind in den
Palast des sterbenden Königs. Sie
chatte in ihrer Residenz, tief im Innern
von Andalusien, erfahren, was v.ir
jfiing: Die Krankheit des Königs, sein
vermuthliches Ende, dieJntriguen der
Carlisten, ihrer Schwester verzweifelte
politische Lage und die muthmaßliche
Zerstörung ihres eigemnWerkes. Ohne
ZeU zu verlieren, hatte sie anspannen
lassen und war in fliegender Eile her
!beigeeilt, entschlossen, um jeden Preis
ihrer Nichte Isabella die Krone Zu
retten. Die erste Person, auf welche sie
im Palast stieß, war kein Anderer, als
Valomarde selbst. Es kam zu einer
Heftigen Auseinandersetzung in der
Gallerie des königlichen Schlosses.
iCalomarde versuchte die Jnfantin am
Weitergehen zu hindern. Die Jnfantin
überhäufte ihn mit Vorwürfen. Als
«ber Alles nichts half,, schrie sie, aujser
sich vor Aerger, den Premierminister
«m: „Ah, Sie wollen mir den Eintritt
verweigern!" und damit gab sie ihm
eine schallende Ohrfeige. Der Minister
war einen Augenblick starr vor Ver
»vunderung, dann aber verbeugte er
sich und sagte gezwungen lächelnd:
„Weiße Hände beleidigen nicht, Se
jnora!" „Aber sie treffen," antwor
tete die Jnfantin, und damit eilte sie
tn das Gemach des Königs. Hier fand
sie ihre Schwester Christine, die völlig
den Kopf verloren hatte, unfähig einen
.Entschluß zu fassen. Sie apostrophirte
•sie auf italienisch: „Du bist eine
Theaterkönigin!" Und ohne weiter von
ihrer Schwester Notiz zu nehmen,
schreitet die Jnfantin auf das Bet: zu,
too der König ausgestreckt liegt, faßt
,ihn an den Arm, schüttelt ihn und
"ruft: „Fernando, Fernando, antwor
tet mir! Der König öffnet die Augen
und stiert umher. Sobald dieJnfcnnin
dies bemerkt, zieht sie ihn aus dem
Seite* stellt ihn auf feine Füße, richtet
ihn aus, führt ihn ans Fenster, reißt
dieses aus, und schreit, indem sie den
beinahe todten Körper dem erstaunten
Volke zeigt, mit lauter Stimme: Gu
ies Volk, sieh her, Dein König ist nicht
todt! Diese aufregende Scene, wenn
.gleich Calomarde's Antwort auf die
Ohrfeige durch die weiße Hand derJn
santin Carlotta Berühmtheit erlangt
hat und in Spanien sprichwörtlich ge
worden ist, drehte die Diuge um, wie
man einen Handschuh umdreht. Ferdi
stand, ins Leben zurückgerufen, erfuhr,
was vorgefallen war und wurde von
einer rasenden Wuth gegen den Pio
mierminister und gegen seinen Bruder
Don Carlos erfüllt. Diese Wuth stellte
ihn soweit wieder her, daß er seinen
Willen kund thun konnte, und er lebte
«och gerade lange genug, um die Ur
'fünde, die ihm von Calomarde abge
schwindelt worden war, zu zerreißen,
tin neues Ministerium zu ernennen
und seine Gattin Christine zur Regen
iin zu machen. So wurde dutch die
»weißen Hände" einer energischeZFrau
dem Schicksal des spanischen Volkes
wtd der spanischen Dynastie eine ent
scheidende Wendung gegeben.
im m*
i
—In der Verlegenheit.
Ein Officiersbursche, ^welcher einen
Auftrag cn eine Dame auszurichten
Hat, findet dieselbe nicht zu Hause,
begegnet ihr aber Zurz nachher auf der
'trafje. „Gnädige Frau," sagt er,
ehrfurchtsvoll begrüßend, „ich war
:ben in der freundlichen Abwesenheit
nt persönlichen Gegenwart bei Jh-
Anzeige» Heute wurde am
slAenMagistrats-gebäude der schwar
ten. .worin künftighin die Ver
die zur Ehe übergehen wollen,
"ehmäßiger Weise aufgehangen
müssen, belch igt!
Dee if test*!
Men-
(s lit in erkwürdigeS
e n i k s a
Wer Hamburg kennt, hat sich gewiß
auch an den landwirthschaftlichen Rei
zen erfreut, mit denen das rechte
Elbufer hinter Altona bis über Blan
kenese hinaus geschmückt ist. Eine
malerische Hügelkette zieht sich dicht am
User entlang und die welligen Gelände
sind bedeckt mit Obst- und Blumengär
ten» und zwischen denen loeiße Häu
fer mit rothen Ziegel- oder blauen
Schieferdächern zerstreut liegen. Von
dort aus schaut man auf den Strom,
der aus seinem breiten Wasserrücken
zahllose Fahrzeuge trägt, die unter
vollen Segeln oder von pustenden
Dampfmaschinen getrieben, entweder
nach langer Fahrt dem Hafen zustre
ben oder von neuem dem Meere ent
gegeneilen. Gewöhnlich werden diese
Fahrzeuge auf ihrem Wege durch Fern
röhre von prüfenden Blicken aus einem
der Gärten verfolgt, denn unter den
Leuten, die dort wohnen, sind nicht we
nige, die selbst Jahrzehnte hindurch
die Meere besuhren alte Seelöwen, die
sich manche steife Brise um die Ohren
haben wehen lasset:, sich nun „am
Wall" zur Ruhe gesetzt haben und
Abends bei einem Glase steifen Grogs
ihre „Garne spinnen", d. h. Erzählun
gen aus ihrem bunten, wechselvollen
Leben im Kreise von Freunden und
Angehörigen zum Besten geben, wäh
rend sie am Tage den Verkehr auf der
Elbe kritisch Revue Passiren lassen.
Aber auch sonstige Rentiers gibt es
dort genug Leute aller Art, die es zu
etwas gebracht haben und nun, inmit
ten einer reizvollen Umgebung, behag
lich den Abend ihres irdischen Daseins
verbringen.
Noch vor Blankenese liegt hart am
Elbuser das Kirchdorf Nienstedten,
rühmlichst bekannt durch seine treffliche,
große „Elbschloßbrauerei" und noch
weiter vielleicht durch „Jacob", dessen
Küche und Keller von Gourmands, die
Hamburg je besucht haben, hoch geprie
sen werden. Dicht vor Nienstedten
stand früher am Elbufer ein einfaches,
aber schmuckes Haus mitten in einem
hübschen Garten. Das Haus machte
einen besonders einladenden Eindruck,
namentlich zur Frülingszeit, wenn im
Garten die Rosen ihre Knospen zu ösf
nen begannen und die Kirschblüthen
auf das niedrige Dach herabregneten.
In diesem Hause wohnte noch zu An
fang der vierziger Jahren mit seiner
Gattin der „Kaffeegraf", wie er allge
mein genannt wurde. Es gibt noch
gegenwärtig bejahrte Leute, die den
stattlichen alten Herrn mit dem mar
kanten Mulattenkopse, den dichten,
schneeweißen Wollhaaren und dem
ebenso schneeweißen Knebelbart gekannt
haben und sich noch lebhaft seiner gan
zen Erscheinung erinnern. Er trug
stets einen Frack von blauem Tuch mit
goldenen Knöpfen und mit weißer
Seide gefüttert, eine weiße Piqueweste,
ein seines Spitzenjabot, enganliegende,
gelbe Hosen und elegante Stulpstiefel,
die bis zur halben Wade reichten. Sei
nen niedrigen, steifen Filzhut mit brei
ter, geschwungener Krempe und einem
breiten Atlasbande, vorn mit einer
großen goldenen Schnalle geziert, hielt
er bei gutem Wetter meistens in der
rechten Hand, während seine Linke ein
zierliches Stöckchen von spanischem
^ohr mit goldener Krücke stets hinter
seinem Rücken verbarg. Alles in Al
lern war der „Kafftegraf" troß seiner
fremden «Eigenart doch eine sympathi
sche, ja vornehme, Erscheinung, uijd
jedermann trug ihm vollen Respekt
entgegen. Dabei war er ein leutseli
ger Herr, der sich gern unterhielt und
namentlich bei der Jugend beliebt war,
die von ihm reichlich mit den Früchten
seines Gartens beschenkt wurde. Auch
sonst übte er im Leben eine noble Frei
gebigkeit und, wo es einem nützlichen
Zwecke galt, konnte man immer auf
feine Börse rechnen, denn der „Kaffee
graf" war ein wohlhabender Mann
„er lebte", wie man in Hamburg sagt,
„fein Geld." Er und seine Gattin,
eine schlichte, stille Frau, die eigentlich
mit ihren blauen Augen und ihrem
ganzen norddeutschen Typus wenig mit
dem Aeußeren ihres exotischen Mennes
übereinstimmte, führten eine muster
hafte, wenn auch zu beider Bedauern
kinderlose Ehe.
Wer aber war mm der »Kaffee
gtaf"? Ja, das ist nicht so schnell
gesagt, aber wenn ich im Nachfolgen
den näher mit ihm bekannt mache, 'will
ich meine Mittheilungen über seine
seltsame Schicksale doch möglichst
zusammendrängen, um nicht allzu viel
Raum in Anspruch nehmen zu müssen.
Wenn Charles Sealsfield diese Schick
'ale gekannt hätte, würde er einen
ganzen Roman aus ihnen gemacht ha
ben. Ehe ich jedoch meine Mitthei
lungen beginne, muß ich bemerken, daß
dieselben nicht etwa auf Erfindung be
ruhen, sondern durchaus wahr sind.
Als in Frankreich gegen Ende des
vorigen Jahrhunderts die große Revo
lution anhob und die Parole: „Liberie,
egalite, sraternite!" aus ihre bluttrie
fenden Fahnen schrieb, da hallte ihr
Donnerruf auch übers Weltmeer nach
Westindien, wo die Negersklaven lange
genug unter den Peitschen der Pflanzer
die Zahne geknirscht und die Fäuste
geballt hatten. Auf San Domingo
warfen die Sklaven ihr Joch ab und
übten an ihren Herren eine entsetzliche
Rache. Mord und Brand, namen
lose Gräuel und Verheerungen machten
das herrliche Eiland Zu einer Wü
stenei.
Heimlich entwichen von den benach
barten Inseln Sklaven in Menge und
schlossen sich ihren befreitest Brüdern
aus San Domingo an. So flüchteten
sich auch von einer großen Kaffe-- und
Zuckerplantage in der Mhe von King
ston auf Jamaika in finsterer Nacht
zwei &ikm* tint wG her­
kulisch gebauter Vollblutneger und hieß
Henry Christophe, de? andere dagegen
ein schlanker Mulatte, Jean Martin
benamset. Henry Christophe war als
.Knabe in feiner Heimath, einem der
ostafrikanischen Küstenländer, von eng
tischen Sklavenjägern geraubt und von
einem „Ebenholz"-Handler nach Ja
maika verkauft. Sein Herr hatte sich
seiner wohlwollend angenommen und
dem intelligenten Knaben sogar eine
gewisse Schulbildung zu Theil werden
lassen, aber dessen Seele dürstete nach
Freiheit, und je größer und stärker er
wurde, desto mehr wuchs sein Verlan
gen, die Fesseln, in die man ihn ge
zwungen, wieder abzuwerfen. Dazu
erfüllte ihn der kriegerische Sinn sei
nes Stammmes. Er lechzte förmlich
fieberhaft nach Kampf und Gefahr,
um das unbändige Kraftgefühl, das
ihm fast die Muskeln sprengte, austo
ben zu können.
Von ganz anderem Schlage war sein
Freund, der Mulatte Jean Martin.
In ihm verleugnete sich das kaukasische
Blut feines Vaters nicht. Auch er
hatte wie sein Freund, durch das
Wohlwollen ihres gemeinschaftlichen
Herrn eine leidliche Schulbildung ge
nossen, und auch ihn beseelte der
Drang nach Freiheit, aber dieser
Drang war friedlicher Natur. Er
sehnte sich hinaus in eine Welt, wo
man keine Sklaverei kannte, um dort
mit freien Menschen als freier Mensch
auf gleichem Fuße zu leben und zu ver
kehren. Der Kampf auf San Do
mingo reizte ihn nicht. Die Gräuel,
welche feine Halbbrüder dort verübten,
stießen ihn sogar ab.
Henry Christophe und Jean Martin
führten ihre Flucht unangefochten aus
und landeten glücklich auf San Do
mingo, wonach der erstere den Aus
ständischen sofort anschloß, während
Jean Martin sich nach einer Gelegen
heit umsah, nach Europa zu gelangen.
Diese Gelegenheit fand sich. Auf der
Reede lag eine Hamburger Bark, deren
Mannschaft zwei Matrosen durch das
gelbe Fieber Perloren hatte. Jean Mar
tin bot dem Kapitän seine Dienste an,
und dieser heuerte ihn gern für die
Rückreise. Damals nahm eine Fahrt
von Westindien nach Hamburg eine er
kleckliche Zeit in Anspruch, und gerade
diese Reise währte ungewöhnlich lange,
denn dieBark hatte öfters mit widrigen
Winden zu kämpfen es dauerte über
ein halbes Jahr, ehe sie angesichts des
ragenden Michaeliskirchthurmes beim
alten Baumhaufe den Anker auf den
Grund des Heimathhafens fallen lassen
konnte. Jean Martin hatte sich auf dem
Schiffe als ein munterer, anstelliger
Bursche bewiesen, der sich vorzüglich
mit seinen Vorgesetzten und seinen Ka
meraden zurechtfand und deshalb mit
ihnen im besten Einvernehmen lebte.
Die ihm zugewiesene Arbeit führte er
leicht und gewandt aus und war ein
stets aufgeräumter Gesellschafter, der
sich auch bald in der Unterhaltung mit
Allen gut zu verständigen wußte. Jean
Martin sprach perfekt Französisch und
Englisch als er jedoch in Hamburg
an's Land stieg, sprach er ebenso per
fekt Plattdeutsch und hatte damit für
die alte Hansastadt seine Sprachkennt
nisse ausreichend vervollständigt, denn
damals war in Hamburg Plattdeutsch
die alleinige Umgangssprache, imHcmse
des regierenden Bürgermeisters sowohl
wie in der letzten Schifferschenke. Jean
Martin hatte durchaus nicht dieAbficht,
sich der Seefahrt als Beruf widmen,
sondern versuchte es, in Hamburg eine
andere, ihm mehr zusagende Beschäft»
gung zu finden. Er fand auch bald eine
solche und zwar als Aufwärter in ei
nem viel besuchten Kaffeehause in der
Bergstraße, neben der St. Petrikirche.
In diesem Kaffeehause war er bald der
Liebling aller Gäste, die den flinken
dunkelfarbigen Ganymed mit seinem
freundlichen, anstelligen Wesen ganz
wie ihresgleichen behandelten. Jean
Martin fühlte sich in seiner Stellung
so wohl, daß er Jahre hindurch nicht
daran dachte, sie zu verlassen.
Es war damals bekanntlich eine er
eignißreiche Zeit. Das Rad der Welt
geschichte stand keinen Augenblick still.
Jeder Tag brachte etwas Neues. Von
Frankreich her kamen die sensationell
sten Nachrichten. Dort war die Blut
maschine der Guillotine in rastloser
Thätigkeit gewesen. Königliche Häup
ter waren unter dem Messer derselben'
gefallen. Dann wurde das Regiment
der Schreckensmänner hinweggefegt.
Ein junger, kühner General hatte mit
rücksichtsloser Faust der Gewalt be
mächtigi und die Kaiserkrone auf sein
Haupt gesetzt. Der neue Kaiser korri
girte an der Spitze seiner allzeit sieg
reichen Armeen unaufhörlich die Karte
von Europa. Alte Staaten verschwan
den unter einemFederstriche seinerHand
und neue (Staaten entstanden aus ein
Wort feines Mundes. Die Grenzen des
französischen Kaiserreiches dehnten sich
immer weiter aus, und endlich schlossen
sie auch Hamburg in ihr-ePolypenarme.
In dem Kaffeehause an der Berg
straße konnte man jetzt häufig außer
den bürgerlichen Stammgästen franzö
fische Offiziere sehen, und Jean Mar
tin hatte oft genug den Dolmetscher zu
machen. Er hatte die Ereignisse, die an
ihm vorbeigezogen waren, mit sorgfäl
tig prüfenden Blicken betrachtet, stets
den „Hamburgischen unparteiischen
Korrespondenten" eifrig studirt und
konnte für einen verständigen Politiker
gelten. Natürlich waren ihm auch die
Begebenheiten jenseits deS Weltmeeres
und zwar besonders tn Westindien
nicht entgangen. Auch dort hatten sich
wundersame Dinge zugetragen.
San Domingo war von den aus
ständischen Negern behauptet und zu
einem selbständigen Staat gemacht
worden. Dazu hatte Henry Christophe,
der Jugendfreund von Jean Martin,
nicht wenig beigetragen. Er hatte sich
bald durch seinen kühnen Muth, sein
mcktärisches GHchirt v?d feine allge­
meine Intelligenz so hervorgethan» daß
ihn derDiktatorToussaint l'Ouverture,
auch ein früherer Negersklave, zumBri
gadegeneral ernannte. Toussaint l'Ou
verture wurde 1801 von dem französi
schen General Leclerc besiegt und ge
fangen nach Frankreich geführt, wo er
zwei Jahre fyäter in der Citadelle von
Joux starb. Nun riß auf San Domin
go der wilde Jean Jacques Deffalntes
die Herrschaft an sich und ließ sich als
Jakob der Erste zum Kaiser von San
Domingo ausrufen, aber feine Willkür
und feine Grausamkeiten bereiteten
feiner Gewalt ein baldiges Ende. 1806
brach eine Empörung gegen ihn aus
und der Kaiser wurde ermordet. Hier
auf theilte sich die Insel in zwei Repu
bliken, in den Mulattenstaat San Do
mingo und in den Negerstaat Haytt.
General Henry Christophe wurde Prä
sident von Hayti, doch 1811 stürzte er
nach berühmtem Muster die Republik
und verwandelte sie in ein Königreich,
zu dessen König er sich als Heinrich der
Erste krönen ließ. König Heinrich der
Erste richtete sich einen glänzendenHof
ftoat ein. Er fchuf Herzöge und Grafen
in schwerer Menge/ stiftete einen Orden
und bediente sich der Einkünfte des
Landes mit verschwenderischer Hand.
Das alles wurde natürlich auch in
Hamburg in dem Kaffeehause an der
Bergstraße von den Stammgästen des
Längeren und Breiteren häufig be
sprochen, und Jean Martin machte kein
Hehl daraus, daß der jetzige König von
Hayti sein alter Jugendfreund fei.
Dann forderten ihn die Gäste regelmä
ßig auf, doch zu jenem zurückzukehren
vielleicht mache er f«n Glück Kellner
in einem Kaffeehause könne er ja im
mer wieder werden.
Jean Martin hatt? nicht Übel Lust,
solche Rathschläge zu befolgen. Das
Leben in Hamburg hatte feit der Fran
zosenherrschaft viel V.1N feiner früheren
Gemüthlichkeit verloren und er war
überzeugt, daß sein alter Freund, Kö
nig Heinrich, ihn mit offenen Armen
empfangen würde, aber der Weg nach
Westindien war weit und Jean Martin
hatte kein Geld. Der lebenslustige
Mulatte hatte bislang nicht an's Spa
ren gedacht, und was er verdiente, das
verpulverte er wieder. „Auf die hohe
Kante" wurde nichts gelegt. Doch die
ses Hinderniß wurde beseitigt. Als ei
nes Abends wieder die Gäste energisch
in ihn drangen, sich doch nachHayti auf
den Weg zu machen, und er den Grund
angab, weswegen er das nicht könne,
erbot sich einer der täglichen Gäste, der
wohlsituirte Seifensieder Matthias
Sievers, ihm das nöthige Reisegeld zur
Hand zu stellen. Dafür mußte Jean
Martin sich verpflichten, wenn es ihm
drüben glücke, dem biederen Hambur
ger Seifensieder einige Sack Kaffee von
der besten.Sorte zu schicken.
Jean Martin empfing das Reisegeld
und fuhr auf einemHamburger Schiff«
dieses Mal als Passagier nach
Hayti. Es glückte ihm dort wirklich»
Sem alter Jugendfreund König Hein
rich nahm ihn, hocherfreut über das
unvermuthete Wiedersehen, in derThat
mit offenen Armen auf, hing ihm das
Großkreuz feines Ordens um denHals
und machte ihn zum Grafen von Limo
nade. Auf den ersten Blick konnte man
glauben, Se. schwarze Majestät sei ein
humoristisch-sarkastischer Herr gewesen
und habe mit diesem Titel aus die frü
here Kellnerthätigkeit des nunmehrigen
Grafen anspielen wollen, aber dem ist
doch nicht so. Es existirt in Hayti ein
Fliißchen, das, vielleicht seines wohl
schmeckenden Wassers wegen, Limonade
heißt, und auch die umgebende Land
schaft wird so genannt. Diese Land
schaft verwandelte König Heinrich in
eine „Grafschaft" und schenkte dieselbe
seinem Freunde gleichzeitig mit dem
erwähnten Titel. Der Graf von Limo
nade war indessen keineswegs geson
nen, seine Fortuna lediglich der Frei
gebigkeit seines königlichen Freundes
zu verdanken er wollte seine Kennt
nisse und Fähigkeiten zu Gunsten des
Staates verwerthen, und da steh bald
zeigte, daß keiner im ganzen König
reiche so gut wie er die europäischen
Verhältnisse kannte und von der euro
Däifchert Politik unterrichtet war, so er
nannte ihn der König ohne weiteres
zum Minister des Auswärtigen und
zum Präsidenten des Ka&nets.
In Europa hatten sich mittlerweile
von neuem gewaltigeEreignisse begeben.
Napoleons Stern war auf den Schnee
und Eisgefilden Rußlands unterge
gangen und die Völkerschlacht bet Leip
zig hatte feine Macht vollends zer
trümmert. Auch Hamburg war der
ranzösischen Herrschaft wiederum ent
ledigt, aber diese hatte dem Wohlstände,
der Stadt und ihrer Bürger tieseWun
den geschlagen. Mancher,der früher mit
Dukaten hatte klingeln sönnen, freute
"ich jetzt, wenn er die zum Leben nöthi
gen Schillinge hatte. Auch der frühere,
Wohlstand des uns bekannt geworde
nen Seifensieders Matthias Sievers
hatte starke Einbuße erlitten. Sein ver
waister Neffe, der in seinem Geschäfte
groß geworden war und der feine ein
zige Tochter heirathen und dann die
Seifensiederei für eigene Rechnung
hatte übernehmen sollen, war in die
Hanseatische Legion getreten und in
dem Gefechte auf der Veddel von einet
französischen Kugel zu Tode getroffen
worden. Der alte Sievers empfand
diesen Tod sehr bitter, und sein schon
ohnehin durch die Ungunst der Zeiten
leidendes Geschäft nahm immer mehr
de/t Krebsgang. Da wurde der Graf
von Limonade der Retter in der Noth.
Er hatte feine Verpflichtungen gegen
den wackeren Sievers keineswegs ver
gessert, und eines Tages erhielt der
nichts ahnende Seifensieder aus Hayti
nicht nur ein paar Sack, fondern gleich
eine ganze Schiffsladung vom besten
Kaffee, durch deren Verkauf er wieder
ein ebenso wohlhabender Mann wie
früher wurde. Mit dem Kaffee war
-mch ein ausführlicher Brief von Jean
Martin an de« oHelt SieverS gekom
men und ferner ein huldvolles Schrei
ben Sr.Majestat des Königs vonHayti,
worin Allerhöchstdei.selbe dem biederen
Hamburger Bürger die zweite Klasse
des „Sternes der Antillen" verlieh.
Matthias Sievers wot nicht wenig er
staunt.
Doch sehen wir uns wieder nachJean
Martin, dem Grafels von Limonade,
um! Er wirkte als Ministerpräsident
redlich nach besten Kräften zum Nutzen
des Landes und stand bei allen Gutge
sinnten in höchster Achtung, bis 1820
eine Militärverschwörung gegen den
König entstand, um diesen zu stürzen.
König Heinrich besaß nicht die Macht,
der Verschwörung bändigend gegen
über treten zu können und, um nicht le
bend in die Hände seiner Gegner zu
fallen, schoß er sich am 8. Oktober des
genanntenJahres eine Kugel durch den
Kopf. Nun wurde auf's neue die Re
publik proklamirt. Jean Martin be
schloß, dieser nicht zu dienen, und trat
nach dem Tode seines königlichen
Freundes von seinen Aemtern und
Würden zurück. Er realisirte unbean
standet seine beträchtliche Habe und
kehrte nach Hamburg zurück. Dort hei
rathete er die einzige Tochter des alten
Sievers, deren Bräutigam,wie erzählt,
auf der Veddel gefallen und die selbst
längst ein sogenanntes „spätes Mäd
chen" geworden war. Dann kaufte er
sich Haus und Garten in Nienstedten
und zog dorthin, wo ihn der Leser zu
Anfang dieser ebenso wahren wie felt
samen Geschichte als „Kaffeegraf" ge
funden hat.
Ich kann meine Geschichte jetzt schlie
ßen und brauche nur noch wenigeWorte
hinzuzufügen. WoherJean Martin den
Namen „Kaffeegraf" bekommen hat,
weiß ich nicht. Ob derselbe auf feine
einstige Thätigkeit als Kaffeehaus kell
mer hinzielen sollte oder mit der
SchiffsladungKaffte vonHayti zufam
merchmg oder endlich und das ist
wohl am wahrscheinlichsten auf feine
kaffeebraune Hautfarbe Bezug hatte,
muß dahingestâ bleiben. Vielleicht hat
irgend ein Witzbold diesen Namen eben
seiner Hautfarbe wegen für passender
gefunden als den eines Grafen von Li
monade. An Getränk erinnerten ja
beide. In btt Mitte der vierziger Jahre
endete der „Kaffeegraf" fein vielbewe'g
tes Leben, nachdem ihm zwei Jahre
früher fein« Gattin bereits vom Tode
entrissen war. Sern Vermögen erbten
entfernte Verwände seiner Frau. Beide
Eheleute schlummern neben einander
auf dem Kirchhofe zu Nienstedten, und
auf ihrem schlichten Grabsteine steW
Hier
ruhen die sterblichen Reste
von I
Jean Martin,
81afett vonLimonade,
und
feiner Gemahlin,
Dorothea geb. S i e fc 8.
1. Cor. 15, 56.
©in sagenhaftes Messer»
An der Mauer des Stadthauses in
Bolsward (Friesland) war alsWahr
zeichen ein Messer befestigt gewesen,
dessen Bedeutung bei einer jüngst er
folgten Ausbesserung des Gebäudes
und der Wieberanbringung dieses
Werkzeuges wieder aufgefrischt wurde.
Es ist eine Art salomonisches Urtheil
mit dieser Legende verknüpft. Zwei
Jungen sahen zu, wie ein Schwein ge
schlachtet wurde, und sie verabredeten
sich, dieses Spiel auch einmal zu spie
len, natürlich mit der Folge, daß der
jenige, der die Rolle des Schweins
übernommen hatte, getödtet, und der
andere zum Mörder wurde. Die
Frage, wie die Uebelthat zu bestrafen
wäre, scheint dem Magistrat großes
Kopfzerbrechen gekostet zu haben, da
man sich über die Zurechnungsfähig
keit der Jungen nicht einigen konnte.
Man half sich aber dadurch, daß man
dem des Mordes beschuldigten Jun
gen zugleich ein Goldstück und einen
prächtigen Apfel vorzeigte und ihn
aufforderte, eins von den beiden zu
wählen. Da der Junge alsbald nach
der Frucht griff, wurde die Zurech
nungsfähigkeit des Jungen verneint
und der Junge freigesprochen,aber an
geordnet, daß das Messer zur War
nung für die kommenden Geschlechter
an der Mauer des Stadthauses befe
stigt werden sollte auf einer silbernen
Platte aus dem Heft ist der Name des
Zungen eingradirt..
I n i e „Sief sehen Ml
bedeutend gesünder aus als'^sonst!"
„Das verdanke ich nur dem Doctor
Wutzler!" „Sie scherzen das ist
ja ein Thierarzt!" „Keineswegs
er hat meinem, auch an der Fettsucht
laborgenden Mopperl einen dreistün
digen Spaziergang täglich verordnet!"
Große Schulden. Lieute
nant: „Ich bitte um die Hand Ihrer
Tochter Marie!" Kommerzienrath:....
„Herr Lieutenant, ich kenne Ihre Ver
hältnisse sehr genau. Ilm Ihnen zu
Helsen, müßt' ich Ihnen schon geben
zwei meiner Töchter."
AucheineHilfe. A.: „Du,
ich muß morgen meinen Schneider be
zahlen kann ich auf Dich rechnen,
wenn mir etwas fehlen sollte?" B.:
Selbstverständlich ich helfe Dir den
Kerl 'nauswerfen!"
Pech. Gauner: „Das heißt
aber Pech haben! Mühe ich mich da
nnen ganzen Monat ab, von rückwärts
durch die Mauer ein Loch zur Kasse
des Bank!)«uses zu brechen, unh. der
weil macht der Bankier vorm ban
krott!"
EinSchwerenöther. Da
me (auf dem Balle): „Warum warfen
Sie mir vorhm. immer solche Blicke
zu?" „Lieutenant: „Verzeihen Sie, ver
ehrtes Fräulein, ich habe.sn Ihrer
Schönheit genaschtr
Unser it«* Uranen*
'S»»
Der Mann verl'ert durch die
8|e seine Freiheit.
Äfitif
T$
Hilflose Miinaer.
Es wird so sehr viel und so allge
mein über Frauenstimmrecht debattirt,
daß ich dies Thema nun gerne den An
deren überlassen will und mich heute
zur Abwechslung mit dem starken- Ge
schlecht, natürlich in respektvoller Ent
fernung, befassen möchte. Wir Frauen
beneiden die Herren der Schöpfung um
ihre politischen Vorrechte, ihre sociale
Ausnahmsstellung, wir hören es all
täglich, daß die Männer stets gewisse
Privilegien vor uns voraus haben wer
den und haben müssen, und doch zer
rinnt all' diese Herlichkeit und vielbe
wunderte Große in Nichts, wenn wir
einmal recht neugierig hinter die Cou
lissen oder die geheimnißvollen Gardi
nen blicken und dann die Männer in
ihrer ganzen großen Hilflosigkeit
erschauen. Wohl gibt es Ehemänner,
welche genug Charakterstärke und so
wenig Bequemlichkeit besitzen, um sich
auch trotz der bindenden Rosenfesseln,
welche die holden Gattinnen ihnen ganz
unmerklich anzulegen bemüht sind, eine
gewisse Selbstständigkeit zu wahren
wissen, aber ihre Zahl ist winzig im
Vergleich zu jenen, welche trotz der zur
Schau getragenen Herrschermiene sich
mit tragischer Resignation in bedau
ernswevthe, hiflofe Wesen verwandeln
lassen. Natürlich trägtNiemand an
derer als die Frau Schuld an diesem
unwürdigen Zustande der angeblichen
Beherrscher des Weltalls. Diese zierli
chen Weibchen und später etwas korpu
lenteren Weiber haben eine eigenthüm
liehe Sucht, mit ihren hochweisen Näs
chen alle Angelegenheiten des Gatten
auszuspioniren, sie besitzen eine unbe
schreibliche und unmerklicheKunst,lang
sam aber sicher den Mann derart zu
beeinflussen,zu beherrschen und zu vev
wohnen, bis schließlich aus dem so miß
handelten Objekt ein durchaus unselbst
ständiges, hifloses, großesKind werden
muß.
Es ist vielleicht Unrecht, aus der
Schule zu schwatzen, aber jenen jungen
Neulingen in der Ehe, die vielleichtLust
verspüren sollten, ihre respektive it Go
liat-Männer zu kleinen, hilfsbedürftig
gen, nachgiebigen Zwerglein zu ver
wandeln, möchte ich nachstehend einige
von den taufend bewährten Mittelchat
für diese Wunderkur verrathen.
Erstens suche man gleich im Anfang
der Ehe, wo alles, was das „angebe
tete" Weibchen thut, noch durch den
milden Beigeschmack des honigsüßen
Wonnemondes einen ganz besonderen
Reiz erhält, die Sorge für den kleinen
täglichen Krimskram des Mannes ihm
liebevoll abzunehmen. Das Einfügen
der Knöpfchen in Manschetten, Kragen
etc. ist ja für solche geschickten Feen
hände ein Kinderspielzeug, es macht ihr
nur Vergnügen und es ist so selig, die
fes Mühsals nun ein für allemal ent»
hoben zu sein. Nach und nach wird ihr
dann die kleine Sorge für die wenigen
Artikelchen, welche zur Kompletirung
der Herrentoilette nöthig sind, wie ein
ganz selbstverständliches Privilegium
zufallen, sie darf die neuesten„Four-in
hands" kaufen, die gebrauchten reim
gen, ihm Alles hübsch vorbereiten, daß
auch nicht das Geringste fehlt, wenn er
Abends feinen Frack oder „Tuxedo"
anzieht, die sein säuberlich und sorg
fältig gefalteten seidenen Taschentücher
ihm in die Rocktasche stecken. Ferner
darf sie sich auch darum kümmern, daß
die Anzüge stets flecken- und faltenlos
erhalten werden, die Absätze niemals
schiefgetreten, die Schuhriemen niemals
verknüpft und zerrissen sind. Mit ganz
unglaublicher Selbstverleugnung und
einem rührenden Opfermuth lassen sich
die Herren solche Usurpation ihrer an
gestammten Rechte gefallen und erge
ben sich auf Gnade und Ungnade ihrer
kleinen Beherrscherin.
Zweitens bemühe sich der eben ver
heiratete „süße Engel", sobald das
Pärchen einen festen Wohnsitz ausge
schlagen hat, alle jene Speisen, welche
dem Männchen ganz besonders gut
munden, für ihn selbst zuzubereiten.
Ein Mann mag noch so herrschsüchtig
und eigenwillig sein, einem solchen Er
oberungsplan gegenüber wird er sanft
miithig die Waffen strecken und sich der
höheren Macht unterordnen.
Drittens beobachte man feine kleinen
Gewohnheiten, wo er am liebsten seine
Zeitungen, Cigarren, Pantoffel etc.
aussucht, und dann veranstalte man es
so, als ob eine unsichtbare gütige Fee
diese Gegenstände gerade dann vor ihn
hinzaubern würde, wenn er sie herbei
sehnt, und merkwürdiger Weife werden
selbst die gescheutesten Männer soldfyem
Zauberspuk unterliegen und ohne An
wendung vonVernunftgründen an diese
dumme Märchenwelt glauben.
Wohl gibt es noch zahlreiche ähnliche
Probate Mittel, aber erstens dürften
die bereits genannten für den Anfang
genügen, zweitens muß im gegebenen
Fall manches doch nach eigenem Gut
dünken der Individualität des Objek
tes angepaßt werden, und drittens
fürchte ich, irgend ein männlichesWefen
könnte ganz zufällig mit unseren
„Tricks" bekannt werden, und sie alle
durch kluge Gegenmaßregeln kraftlos
machen. Hoffentlich geschieht das
nicht, denn ich kann den Damen, welche
thun wie eben geschildert, versichern,
daß sie so die rührend hilslosesten
Männer' erhalten, welche sich ohne ihn
Frauen ganz verloren ober unglücklich
fühlen. Sie wissen weder wo ein Kra
gen oder Taschentuch zu finden, noch
können sie ohne deren liebenswürdige
Hilfe einen Toilettenwechsel vornehmen,
eine Reise antreten etc., noch aber
schmeckt ihnen das Essen außer am ei
genen Tisch, noch fühlen sie sich so recht
behaglich außer in der Umgebung
und Nähe Derjenigen, die ihnen so
systematisch aüe Hilft geleistet, bis
das MSnnchen ganz YilfloK gewo«
den.
Zum Schluß kann ich nicht umhin,"
noch eine kleine Warnung hmzuzusii*
gen, damit junge, unerfahrene Frauent.
nicht etwa die Mittel benutzen, ohne dia
möglichen Folgen ganz zu kennen.^.
Wer seinen Gatten zu einem hilflosem
Mann macht, hat ein Böses zu befürcht
ten, nämlich, daß der so Mißhandelte*
diejenige, welche ihn seiner Freiheit?,
und Selbstständigkeit heimtückisch be-«
raubt, sich manchmal ermannt und zufc't
Strafe mit seiner ganzen Achtung?
vielleicht sogar Liebe bedroht. Nunu'
gibt es manche Frauen, die so thöricht!
sind, sich davor nicht zu fürchten, jaT
im Gegentheil solche Aeußerungen noch^
2U provociren. Dann behalten natür-j.
lich jene bösen Zweifler Recht, welches
da behaupten, dieLiebe fei purer Egois-«
mus, dennv wie würden die Fraueiv
sonst, nur um ein Zeichen von Achtung^'
oder Liebe zu erhaschen, und um ihrem
eigenen Gefühlen Ausdruck zu verleih
hen, zu solch verwerflichen Mitteln},
greifen, welche den Gegenstand threq"
Verehrung zu einem bedauernswertherT
hilflosen Manne stempelt? Es gäbe
nur ein. versöhnendes Moment für die^'
böse selbstische Handlungsweise derf*,,
Frauen, und das wäre, daß die hilflos
sen Männer ihre Frauen mit glei*
chen Waffen bekämpfen und besiegen^
würden.
Indische Weisheit.
In einem jüngst erschienenen Buche
des Sir Monier-Williams, eines her
vorragenden englischen Sanskritken-'
ners, finden sich folgende, auf die Ehe
bezügliche Citate aus alten indischen
Geschichten: „Heirathe weder," so
heißt es in dem metrischen Gesetzbuche
Manu's, „ein Mädchen mit rothen
Haaren, noch eine kränkliche Natur,
oder eine, die zu wknig oder zu viel
Haare hat, oder die zu viel spricht,
oder die geröthete Augen hat, oder die
den Namen eines Sternbildes, eines
Baumes, eines Flusses, eines Berges,
eines Baches, einer Schlange, eines
Sklaven, eines schrecklichen Gegenstan
des hat. Heirathe eine schön geformte,
nicht ungestaltete Frau, die einen ge
fälligen Narnt^i hat, einen Gang, wie
der Gang des Blitzes oder des Ele
phanten (!), Zähne und Haare in be
scheiden« Anzahl und einen zarten
und harmonischen Korver. Man muß
den Frauen bei Nach? und am Tage
ihre Abhängigkeit von den Ehemän
nern fühlbar machen. Aber wenn sie
die weltlichen Vergnügungen lieben,x
lasset sie ihren Neigungen folgen. Es
ist unnütz, sie einzuschließen und zn^
überwachen. Die bestbewachke Frau
ist diejenige, die sich selbst bewacht.
Die Frau vermeide das Trinken,
schlechte Gesellschaften, den Schlaf,
außer der Zeit und das Wohnen fern..
von ihrem Herrn. Die Frau sei froh
lich und erleuchte das Haus ihres
Herrn wie ein glänzendes Licht oder
wie -die Göttinnen des Glücks."
tig kett. Gläubiger: „.... Missen.
Sie was? Wir wollen die 43 Dol
lars abrunden: ich bin mit 40 Dol
lars zufrieden!" Schuldner: „Warum
sollen Sie 3 Dollars verlieren? ....
Borgen Sie mir lieber noch 7 Dollars,
dann bin ich Ihr runder 50 Dollars
Schuldner!"
Zu ängstlich. „...Denken
Sie sich, Fräulein, heute Nacht träumte
ich, ich lief mit Ihnen auf der Eis
bahn da fielen Sie.. .ich aber fing
Sie auf und gab Ihnen einen Kuß!"
„Ach! es hat's doch Niemand gese-'
heu?!"
Enttäuscht. Fremder:
„Giebts denn hier eigentlich gar keine
Vergnügungen in der Stadt?" Hotel
diener: „O doch tanzen Sie?" Fran- ,*
der (lebhaft): „Leidenschaftlich sogar.
„Hoteldiener: „Schad', da hätten 's
v i e z e n a e e k o e n s s e n
da war hier Kirchweih!"
Redlich reingebracht.
Toni: „Du, Michel, der Hirfebauer,
der hat Dich mit der Kuh, die er Dir
unlängst verkauft hat, gehörig betro
gen!" Michel: „Dös macht nix! I
.
hab ihm gestern a Pferd verkauft, mit
dem is er tüchtig angeschmiert, da
hab ich's wieder redlich 'reingebracht!"
Ansicht. Sohn (junger
Arzt): Ich komme eben von Frau
Neumann sie will krank sein, ich weiß 'l
aber gar nicht, was ihr fehlt. Va- -i
ter (ebenfalls Arzt): Um Gotteswillen 7
Junge, das hast Du ihr doch nicht ge- ..V
sagt? Sohn: Nein. Vater: Gott "v*
sei Dank! Glaube mir, mein Sohn,die
gefunden Patienten sind die besten.
Uebertrumpft. Als ich
neulich in der 'Schweiz war, habe ich
ein neunfaches Echo gehört! B.:
Das ist noch gar nichts,
#bei
meiner
letzten Schweizerreise hörte ich ein
Echo, wenn man da hineinschrie: „Wie
gehts?" dann schallte es zurück: „Ich
danke, und Ihnen?"
Grob. Aeltrtche Dame (der
eben ein Heirathsantrag gemacht wo-r
den ist): Das kommt mir so unerwar- fV'*-3
tet, Herr Schulze. Sie müssen mir -'f/V
Zeit lassen! Herr: Noch mehr Zeit?
Ja, haben Sie denn noch sehr viel
"V
übrig? V
Auch ein Grund. Sie sind
doch so reich, weshalb geben Sie nie
an arme Leute ein Almosen? Sehr
einfach. Sie kennen doch das schöne
Wort: „Was Du nicht willst, das man
Dir thu', das füg' auch keinem An
dern zu!" Na, und ich bin doch kein
Almosen-Empfänge?!
E i n u e e e
cher: Wo ist Ihr Mann? Frau:
Der liegt unterm Bett! Einbrecher:
So? Na, dann werde ich Ihnen
nichts nehmen, wenn sie solch einen
Fatzke zum Mann haben, such. Sie be-.
straft genußj ...
"t

a a e e w i s s e n a

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