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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, June 27, 1894, Image 2

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'*T v
i 's
Eine Indiancrgeschichte.
Apotheker (der früher im Indian«
Mtbiet gewesen, am Stammtisch erzäh
len b): „Aenne gans eegenbiehmliche
Geschichte is mir da unter andern bas
Prt. Eeenes Dages nämlich, wie un
sere Exbedizjohn so wildes Felsen
âmhl durchstreeft, un mir drei Forscher.
Im Gebrieder Humbold un ich, grade
unsern Soldaten Stickchen vorneweg
geeilt sin un ganz arglos aus Hohl
Wege treten heernse, da gommen
Sie zwee Drubbs Indianer uff cental
in sausender Karriere 'rangesprengt—
links Drubb Sioux un rechts 5
Drubb Irokesen denn ich gannte
tie Brieder an den Federbischeln
Hagel von Feilen saust aus uns ein
un haste nich gesähen! stecken m'r
ooch schon zwee von den verdammten
Dingern in der linken Seite. Nu is es
immer gut, wenn der Mensch Gennt
«isse un de Dogen offen hat. De Feile
waren von links gegomm' un links
standen die Sioux, tm daß die ihre
Feile mit Strychnin vergiften, das
wußt' ich schon von der Schule her.
Die Dinger 'rausreißen war eens.
Awer was nu gegen de Werkung von
4än Strychnin buhn? Unsre Reise
lbodeke war bei den Soldaten zurick
gebliem. Heernse, da siel m'r zum
Glick ein, daß ja de Irokesen die
von rechts schössen bei ihren Feilen
Kurarin verwenden, was de das Ge
Hengist von Strychnin is! Wie m'r
Idas dorch de Gedanken schoß, war ich
vock schon nach rechts vorgesprungen.
Awer in bän Oogenblick erschienen un
sere Soldaten, gingen mit ään brei
mal'gen Hurrah vor un be Indianer
kratzten aus. Ich in der Angst, daß
es zu spät fer mich wär'n gennte,renne
den eenen Irokesen nach un schreie in
«enen fort uff irokesisch nadierlich:
„Schießen Se nur noch eenz'gen Feil
uff mich! Nur allereenz'gen!
Heernse, sein Se doch so gut!"
Un das Luberchen muß es enblich
-ooch begriffen ham. Denn uff eemal
fdreht er sich um un schwibb! sitzt m'r
voch schon Fitfchefeil im Bauche. Ich
war gerettet awer 's war ooch be
cheechste Zeit,un drei Dage haw ich noch
von wägen den Schrecken krank ge
legen!"
Chinesische Heirathsbränche.
Wenn Jemand im 'Land der Zöpfe
tin Mädchen freien will, so ist das
Erste, was er thut, daß er das „Horo
skop" feiner Geliebten stellen läßt, um
zu erfahren, ob er mit ihr eine glückliche
Ehe haben wird. Fällt es günstig aus,
so wechseln zuerst die Eltern des Bräu
tigams und der Braut Briefe. Der
Water der Braut redet von feiner Toch
iter als „verächtlich". Sein Haus ist
eine kalte Wohnung, während die El
tern des Bräutigams das Mädchen
»Deine geehrte Liebliche" nennen und
ihr Haus ein „ehrwürdiger Palast" ist.
Der Bräutigam selbst thut nichts, sein
Bater und einer seiner Freunde leiten
die Unterhandlungen. Nachstehend sei
in wörtlicher Übertragung der Brief
von dem Vater eines jungen Mannes
wiedergegeben, der um die Hand der
Tochter eines feiner Nachbarn für fei
nen Sohn bat: „Auf den Knieen bitte
ich Dich, nicht dieses kalte und gemeine
^Gesuch zu verachten, fondern auf bas
Wort des Heirathsvermittlers zu hö
ten und Deine ehrwürdige Tochter mei
nem sklavischen Sohn zu geben, damit
ta§ Paar mit Serdenfäden verbunden
«und in ewiger Freude vereinigt werden
möge. Zu leuchtender Frühlingszeit
will ichHochzeitsgeschenke darbieten und
ein Paar Gänse geben. Und laßt
uns hoffen, auf langes andauerndes
Mück und vorwärts schauen durch end
tose Geschlechter auf die Vollendung des
Maßes aufrichtiger Zuneigung. Mö
gen sie singen vom Einhorn und jede
"Glückseligkeit genießen. Auf den
Knieen bitte ich Dich, meinen Vorschlag
günstig aufzunehmen und den fpiegel
hellen Manz Deines Auges auf diese
Zeilen zu werfen." Auf dies Schrei
"den erwiderte der Vater der Braut mit
der Versicherung, daß er sich um die
Aussteuer seiner „verarmten, grün
senstrigen Tochter" bekümmern werde,
und diese nicht ohne Kattunkleider,
Haarnadeln und hölzerne Brochen sein
solle. „So sei zu hoffen, daß dem
Paar beständiges Glück zu Theil
werde."
Weiter nichts. Dame:
«Ich möchte gern Unterricht im Malen
nehmen, Herr Professor wie wurde«
Sie mir das Honorar berechnen?"
Maler: „Ja, mein Fräulein, es ist
spät für Sie. jetzt erst anzufangen,
wenn Sie was Ernsthaftes schaffen
wollen." Dame: „Ach, das will ich
ja gar nicht, ich will nur so viel ler
«en, daß Äh nachher Unterricht geben
kann."
Unverbesserlich. Rich­
ter (zu einem schon vielfach abgestraft
tor Wilderers „Sie sind zu einem
Monat Arrest verurtheilt haben Sie
noch etwas zu bemerken?" Ange
klagter: „Wann V bitten dürft*, Herr
^Richter, i' möcht die Straff während
ffcet Schonzeit absitzen!"
AbkühlAng^ Dickterling:
„Nur ein Wort, Gnädigste, errt einzi
ges Wort! Welchen Eindruck machten
auf Sie die Kinder meinet Muse?"
Dame (lächelnd): „Emen recht kind
Iiichen!"
Auch ein Beruf. Vater
^reicher Hausbesitzer): Ja, Junge, sage
tmir blos, was soll denn einmal aus
Dir werden, wenn Du nichts lernen
leittfi? Sohn: Ach, Vaier, dann
ich es so wie Du, alle drei Mo
nâ steigere ich die Miether!
W i de.r ru f. „Ich habe gegen
ixxn Schwemmert den Vorwurf er
er trinke mit Vorliebe eins über
DM. Derselbe ist grundlâ*
jSairafifar ttoit Scialla.
W»H.
Die türkische Vilajetstadt Scutari
am Skadarsee ist berühmt ihrer Was
fenföbrifen wegen, man bringt dort
Klingen hervor, die den besten Damas
kenern gleichen, außerdem finden sich
dort noch viel seltsame alte türkische
Waffen. Letzteres lockte mich von Vene
dig, wo ich den Winter verbracht, nach
dieser Stadt, dem Scobra bet Alten,
um nach dergleichen kostbaren Alterthü
mern zu spüren. Ich war nun schon
acht Tage in der Garnisonsstadt und
mein Aufenthalt dehnte sich in die
Länge, da ich auf die Rückkehr eines
cuSrangirten Nizamoberst warten
mußte, der um seine Pension einzukla
gen, nach Konstantinopel gereist war,
und ich schlenderte außerhalb der
Stadt umher, machte auf der Drinafa
brücke Halt unk schaute über den tief
blau schimmernden See, auf dem son
nenumhauchte Segel schwammen, zu
den albanesischen Bergen hinüber, die
sich in erhabener Majestät austhürm
ten, ihre eis- und schneebedeckten Fir
nen zum Himmel emporstreckend. Es
lag eine wunderbare Färbung auf der
Landschaft, der See strahlte in einem
geradezu erstaunlich durchsichtigenBlau,
die röthlichen Hügel seiner Usergelänbe
waren in den Falten mit südlich üppi
ger Vegetation geschmückt, weiß
leuchtend dehnte sich bie Stabt mit ih
ren spitzen Minarets, golbigen Kup
peln unb würfelförmigen Häusern,
blauer Dust umschwebte ben unteren
Theil der Berge, blendend von der
Maisonne waren die Eisfelder und
Vletschttsirnen bestrahlt. Ueber all
diesem spannte sich äg wolkenloser
glasklarer süblicher Frühlingshimmel.
Es war ein Landschaftsbilb, wie
man es in der Welt kaum zum zweiten
mal in der Vereinigung einer solchen
Großartigkeit mit entzückender Lieblich
feit erblicken dürste. Ich stand im
Anschauen dieser Pracht ganz versun
ken, da weckte eine Stimme neben mir,
bie in deutschen Lauten sich kunb gab,
mich aus meiner Begeisterung. „Ja,
schön sind diese Berge," sprach ein
Mann, der ohne daß ich darauf Acht
gegeben, neben mir gestanden, mich an,
^wunderschön,aber nur von außen, hier
in ber Türkei ist Alles nur von außen
schön brinnen ist Elend und Ver
kominenheit überall hier, Herr."
Ich schaute den Sprecher an es
war ein Mann in der Mitte der Vier
ziger, schlank gewachsen, mit seinem
aber wenig energischem Gesicht, bessen
ganze Erscheinung sofort ben beutschen
Gelehrten erkennen ließ. Ich mußte
wohl bei biefer unvermuteten Anrebe
ein etwas überraschtes Gesicht gemacht
haben, benn der Herr griff schnell in
die Seitentasche seines Ueberrocks und
gab mir mit entschuldigender Beflissen
heit eine Visitenkarte auf welcher ich
las: Dr. Heinrich Tänner, Professor
Leipzig. „Ich bin Geologe, lehre
an der Universität in Leipzig, kenne
Land und Leute hier genau. Sie sind
ein Landsmann, Ihrem Ausruf nach.
Wenn ich Ihnen mit etwas dienen
kann." So sprach der redefertige Herr
iveiter.
Ich verneigte mich. „Sehr lie
benswürdig", gab ich zurück, „Sie sind
tvohl schon längere Zeit hier?"
„Das dritte Mal," beeilte sich bet
Mann zu sagen. „Auf Forschungs
reisen für eine belgische Aktiengesell
schaft. Ich soll nach verschiedenen
Metallen in den Albane.rBergen suchen.
5» wird wenig bort zu holen sein. Als
ich das erste Mal dort war der
Sprecher beutete aus bie Schneeberge
habe ich allerdings etwas davon
getragen aber kein Gold und Sil-
ber, kein Nickel und kein Platina, son
bent nur eine wunderbare Erinnerung
erstaunlich etwas echt Albani
sches."
Obwohl jene Berggebiete kaum eine
halbe Tagreise von Scutari entfernt,
find sie dennoch fast völlig unbekannt,
besonders für den Fremden, auch der
Türke verirrt sich selten dahin und der
Beamte, welcher ab und zu in jene
Berge versendet wird, dürfte auch wohl
kaum tief dort eindringen. Mich in
teressirte es deshalb,durch einen gebilde
ten Menschen etwas von den weltabge
schlosserten Albaner Schluchten und
Felsennestern zu erfahren und ich frug
ben gesprächigen Herrn: ob er in jenen
unzugänglichenBergwildnissen vielleicht
längere Zeit gewesen?
„Mehrere Tage einmal, das war
genug. Mein jugendlicher Magen
selbst hätte es nicht länger bort oben
ausgehalten falls ich tiefer bort hinein
gekommen wäre. Wollen wir nicht
in bas Kaffee brüben gehen und ein
Stünbchen baselbst plaudern," for
derte der Herr mich auf.
Der Professor deutete auf ein größe
res Qauè am Stadtkai, und bald
schlürften wir trüben aber sehr starken
guten Kaffee.
„Ja, ich war drei Tage einmal hin
tereinander in jenen Bergen" be
gann der Professor. „Meine Excursion
nahm jedoch einen höchst unerwarteten
Verlaus. Es war im Jahre 1883 im
Frühling, ich sollte Untersuchungen an
stellen und reiste von Scutari mit zwei
Trägern auf PackeselH, ich selbst ritt
stolz per Maulthier."
Die Landschaft war noch frisch grün,
der Staub mäßig und verhältnißmä
ßig schnell traten wir in die höheren
Bodenerhebungen ein. Bald nahmen
uns die charakteristisch schroffen öden
Albanerberge auf.
Als wir ein paar Stunde» höher
hinauf in die kahle Felsenwildnitz ge«
stiegen waren, traten uns an einer rie
senhaften, engen, völlig vegetationslo
sen schwärzlichen Scklucht ein Paar
große in schmutzige weiße Wollhosen
und eben solche Jacken gekleidete dun
kelhaarige und scharfäugige Burschen
entgegen, berat blaue Lejbgürtel
ganzes Arsenal von Pistolen und
Dolchmessen zeigten, hielten uns ihre
langen Flinten entgegen und riefen:
Halt:
»Was gibt'sf*
„Nicht weitest?
„Warum denit nichts ..
»Wer seid Ihr?"
„Ich bin ein deutscher 3elet)ri«r,
radebrecht ich auf Albanisch. „Wir
sind Träger des Herrn," antworteten
meine Begleiter auf türkisch.
„Zurück ihr da!" riefen die Albaner
meinen Stambuler Genossen zu
„den Esel mit dem, was daraus ist,
laßt hier. Macht, daß. ihr fort
kommt" und bei dieser freundlichen
Aufforderung legten die wild herunter
gekommen aussehenden Bergbewohner
ihre Gewehre auf meine Begleiter an.
Meine Türken zögerten denn auch
keine Minute. Sie ließen mich und
die Esel im Stich und rannten bergab
wärts so schnell ihre Beine sie tragen
wollten.
„Was willst Du hier bei uns?" fru
gen mich jetzt die Kerle. .,Steine unter
suchen für ein wissenschaftliches Werk."
„Unsere Steine sind wie alle andern
Steine," antwortete man mir verächt
lich. „Du willst Wege auskundschaf
ten für die Hunde, die Türken."
Die Augen der langgewachfenen Bur
schen blitzten bei diesen Worten mich
wüthend an.
„Ich bin kein Türke, habe mit keinem
Türken was zu schaffen, unb bie Tür
ken gehen mich absolut nichts an. Ich
wohne seit einem halben Jahr in 5ctv
tari unb mein Ziel unb meine Beschäf
tigung war bort einzig Steine unter
suchen."
„Laßt mich weiter ziehen zu Eurem
Bairaktar" bas ist ber Vorstehe?
bes Stammes, benn bie Albariefen bil
ben Gruppen von Gemeinben, bie unter
Führung eines von ihnen gewählten
etwas begüterten unb sonst hervorra
genben Stammesgenossen stehen, er
klärte mir ber Professor, „ber soll ent
fcheiben."
Die Kerle stanben noch immer un
heimlich beisammen unb nun machte
sich ber eine verdächtig mit seiner Flinte
zu schaffen.
Mein Herz klopfte jetzt recht bedeu
tend und die Worte wollten mir nicht
aus dem Munde, so trocken wurde mir
mit einem Mal der Hals. „Ich habe
ein Schreiben von einem Gutfreund an
den Bairaktar von Scialla das ist
ein Hauptort in jenen Gebieten
schrie ich und hielt den Kerlen einen
auf Pergament geschriebenen Brief, den
ich in Scutari durch einen besonderen
Glücksfall erhalten, hin. Die Bur
schen nahmen bas Blatt unb sahen hin
ein, aus ihren Mienen würbe mir klar,
baß keiner von ihnen zu lesen verstand.
Sie warfen das für mich so kostbare
Blatt an die Ehre, der eine von ihnen,
ein Riefenkerl mit langen herabwallen
den krausen Haaren und einer schon
mit Elfenbein ausgelegten Flinte, er
griff mein Maulthier und suchte das
selbe von dem Saumpfad abbiegend,
in eine Seitenschlucht zu ziehen. Ich
sprang von dem Thier. „Ich folge
nicht" rief ich. „Ihr habt kein
Recht mich fortzuführen. Ich bin
kein Feind. Ich habe Euch nichts
gethan. Ihr handelt vie Räu
ber."
Die Kerle antworteten gar nichts
ber hinter mir gehenbe gab mir je
doch als (Srwiberung auf meinen Pro
test einen solchen Kolbenstoß in bas
Kreuz,baß ich ein halb DutzenbSchritte
vorwärts stolperkè.
Jetzt war bie Sache entschieden HR*
gemüthlich.
»Hilfe, Hilfe, zur Hilfe!" schrie ich,
obwohl dies ja eigentlich ein Un
sinn war, denn wer sollte mich hier
hören, aus Lebenskräften auf Alba
nisch.
Mein Ruf gellte in vielfachem Echo
in dem engen Felsthal. Ein paar
weitere Kolbenstöße bewirkten, daß ich
mein Schreien einstellte und weiter stol
perte. In biesem Augenblick ver
nahm ich hinter mir Rufen. Ich
wandte mich um und sah eine Mann
auf uns zukommen, der meinen Perga
ment-Brief in der Hand hielt. Es
war ein großer, stattlich gewachsener
Mann in etwas besserer sauberer Klei
dung mit einem wallenden blonden
Vollbart.
„Dieser Brief ist an mich gerichtet,
mein Herr" sprach jetzt der Näher
gekommene mich in reinem Türkisch an.
„Ich nehme Sie unter meinen
Schutz. Wir leben in unruhigen
Zeiten. Die Leute handelten aus
Mißverständniß," erklärte er mir
und legte mir die Hand in eigenthüm
licher Weise auf die Schulter. Die
Hand dort lassend, sprach er darauf
wieder für mich unverständlich zu den
Albanesen. Jetzt wandte sich derZug
aus der Schlucht heraus auf denSaum
pfad zurück und folgte diesem weiter
bergauf.
„Sie kommen zu einer schlimmen
Zeit in unsere Berge" nahm jetzt der
Bairaktar das Wort und schaute mich
dabei aus feinen dunkelblauen Augen
scharf prüfend an. „Die Türken be
reiten gegen uns etwas vor. Das
wissen wir, und die Stimmung der
Albanesen ist derart, daß sie alles tobt
schlagen wollen, was Türkisch ist oder
nur ton jener Seite" er deutete
nach der Tiefe „kommt. Es ist da
her für Sie am besten, wenn Sie um
kehren. Heute können Sie das mit
Sicherheit nicht. Ich bitte Sie da
her bis morgen mein Gast zu sein.
Länger werde ich wohl kaum im
Stande sein, Ihnen Schutz zu gewäh
ren." Der Mann sprach diese Worte
beinahe leise mit beobachtenden Blicken
auf die uns vorausgehenden Albanesen,
die meine Esel und das Maulthier trie
ben. Ich dankte dann stockte die
Unterhaltung und wir wanderten
schweigsam stundenlang unwegsame
Pfade in kahle, öde Felfengewirn hin­
rW' j^*iWfXX*\
-1 i'
auf. Endlich tauchte vor unS umge
ben von himmelhohen, zackigen schwarz
grauen Felskolossen, eine Thalmulde
auf, in welcher einige zwanzig Stein*
Hütten und ein Paar bessere, mit Fen
stern versehene Steinhäuser lagen
das .war die Stammes-Hauptstadt
Scialla.
„Wir sind angelangt," tief jetzt der
Bairaktar, „dort ist mein Haus!
Er sprach wieder zu ben Männern, die
mich gefangen genommen und forderte
mich dann auf, den Leuten einen klei
nen Lohn zu zahlen.
Wir waren vor dem bezeichneten
Hause angelangt und hielten. Ich gab
den Männern ein Zehnfrank-Stiick,
das sie ohne Dank nahmen. Der
große Albanese spuckte auf das Geld
stück und steckte es in den Gürtel be
vor ich begriff wie und wohin, waren
die Kerle verschwunden aber vor mir
auf ber Schwelle bes Hauses stand ein
Wesen, das mir wie eine überirdische
Erscheinung vorkam. Die blasse Früh
lingSsonne beleuchtete ein großgewach
jenes Weib, mit einem klassisch regel
mäßig-edlen griechischen Gesicht. Es
ha tie eine durchsichtige Blässe, die an
durchleuchteten edlen gelblichen Mar
mor erinnerte und aus diesem Gesicht
strahlten in sanftem Feuer große,
schwarze mächtige Augen, welche die
Frau nach einem langen forschenden
Blick auf mich niederschlug und in der
Folge nur selten noch erhob. Die
Lider waren seltsam breit und von ei
genthümlich zartem bläulichen Schim
mer überhaupt.
„Mein Weib, sprach der Bairak
tar. Es heißt den Gast auf unserer
Schwelle willkommen —". Die Frau
gab mir eine sich kalt anfühlende kleine
Hand.^— Ich bemerkte dabei, daß ihr
Arm eine wunderbare Formvollendung
hatten Sie wandte sich zum Hause
und wir folgten ihr. Ein kahles Ge
mach mit rothgepflastertem steinernem
Fußboden, auf dem Strohmatten la
gen, nahm uns auf. Der Bairaktar
bat mich, es mir bequem zu machen.
Das sei ihr Prunk- und Fremden
zimmer, fügte er mit einem wehmüthi
gen Lächeln hinzu. Ob ich Vorräthe
bei mir hätte? frug er darauf, denn
sie hätten nichts als harten Ziegenkäse
und Maismehlbrvd, das mir wahr
scheinlich nicht munben würde. „Wir
sind arme, sehr arme Leute," fügte er
hinzu.
Ich antwortete, baß ich für zehn
Tage Proviant auf meinen Eseln hätte.
Der Bairaktar ging hinaus, unb ich
hörte ihn bie Esel ablaben und dann
Anordnungen ertheilen.
Eine Stunde später erschien die
Frau und trug einen niedrigen Tisch
in das Zimmer, legte ein grobes Lein
tuch daraus, setzte einige Zinnteller hin
und brachte dann Schüsseln mit gekoch
tem Lammfleisch, ReiZ, Zwetschen und
Kouservensuppe, zubereitet aus meinen
Vorräthen. Sie that dies alles
schweigenb ohne auszublicken, aber mit
einer wahrhaft holdseligen Miene und
Bewegungen, wie eine Königin. Ich
hatte in meinem Leben nie eine so scho
ne Gestalt und solch eine eble natür
liche Grazie gesehen. Der Bairaktar
erschien unb blieb in ber Thür stehen.
„33ebienen Sie sich, mein Herr, unb
lassen Sie es sich schmecken," forderte er
mich auf, indeß die Frau mir die
Suppe auf den Teller that und hinter
den Sessel sich stellte.
„Sie speisen doch mit mir," lud
ich meine Wirthsleute ein. „Ich
rühre sonst nichts an."
„Wenn es Ihr Wunsch ist, darf ich
ihn nicht abschlagen," erwiderte der
Bairaktar. Es ist jedoch bei uns
nicht Sitte, daß die Frauen mit den
Männern gemeinsam essen."
„Und darf hiervon nie eine Aus
nahme gemacht werden?"
„Wenn meine Frau will," gab
der Bairaktar mit einem fragenden
Blick auf das schöne Weib zurück. Die
Frau schüttelte ernst das Haupt und
blieb hinter meinem Stuhle stehen.
Mir war das peinlich.
„Sie ist sehr konservativ und hält
streng an unseren Gebräuchen," sagte
der Bairaktar. „Sie ist eine Alba
nefm vom Scheitel bis zur Sohle.
Sonst gut, sanft, nachgiebig und
lenksam, ist sie in in dieser Hinsicht
starr und unerschütterlich, wie ein
Fels."
So fügte ich mich denn in die Lan
dessitte._ Schweigend und schnell, laut
los bedient von der schönen Frau, ging
das Mahl vorüber. Dann räumte sie
ab und bereitete im Zimmer mein La
ger. Das war recht primitiv. Ein
Sack voll Maisstroh, der an den Bo
den gelegt wurde und ein paar Schaf
feCfc darüber.
Der Bairaktar brachte aus meinem
Gepäck noch einige Wolldecken. Er
sagte, daß er es für sicherer für mich
hielte, wenn ich nicht ausginge, er
wollte mir, falls ich es erlaubte, Ge
sellschaft leisten. Mir wäre es natür
lich lieber gewesen, nicht in gewisserma
ßen halber Gefangenschaft in den er
sehnten Bergen mich zu befinden.
Was konnte ich jedoch machen? Das,
was ich erlebt, schien bie Vorsicht mei
nes Wirthes zu rechtfertigen. Ich
nahm daher den Vorschlag meines
Wirthes dankend an und bot ihm von
memen Cigarren an. Der Bairaktar
brachte jedoch eine herrliche Wasser
pfeife mit zwei Schläuchen, gab mir
das eine Bernsteiastück und nahm für
sich das andere. Die schöne Frau
trug ein Kohlenbecken, in welchem ein
alterthümliches bauchiges Kupfergefäß
stand und ein sesselartiges kleinesTisch
chen mit Schälchen gestoßenen gesüßten
Kaffeepulvers herein, setzte es mit nie
dergeschlagenen Augen vor uns hin und
ging hinaus. Mein Wirth goß mit
einer Blechkelle kochendes Wasser in
die Tassen, lud mich zum Trin
ken ein und begann mich zu unierhal
ten.
*09* einer Woche noch," sprach er,
6
«**«£.
„hätten Sie ganz ungehindert unsere
Verge durchsuchen können. Vor acht
Tagen aber ereignete sich Etwas. Ein
Weib von unserm Stamm, wir sind
die Scic.llas, brachte Weidenrutben
auf den Markt nach Scutari. Ein
Händler aus Scutari wollte ein Bund
kaufen, fand die Weiden zu theuer,
zankte mit ber Verkäuferin und schlug
mit einer (Beck der Frau über den
Kopf. Ihr Mann sprang hinzu und
vertheidigte sein Weib. Der Türke
stach den Mann nieder. Das bei uns
waltende Gesetz der Blutrache legt unse
ren Leuten die Ehrenpflicht auf, die
That zu rächen. In der nächsten
Nachf zogen zwanzig Mann unseres
Stammes nach Scutari, überfielen die
Hauptwache, stürmten diese und todte«
ten sechzig Nizams.
„Die Sache machte gewaltigen Ru
mor in Stambul. Jetzt wissen wir,
daß sie unten" er beutete mit bem
Arm naH der Ebene und Scutari hin
unter „eifrigst rüsten. Leute ha
ben wir genug, ein Albaneser gilt hier
in den Bergen für zwanzig Türken, an
Waffen fehlt es uns nicht, aber wir
haben Mangel an Geld, und Tausch
waaren können uns nicht die genü
gende Munition verschaffen. Die
Angelegenheit steht daher für uns
schlecht und deshalb finden Sie diese
bittere Stimmung bei den Albanesen,"
so schloß der Bairaktar nachdenk
Itch.
„Nun, 'können Sie' denn nicht mit
den Türken irgendwie Paktiren?"
„Das thun unsere Leute niemals,"
erwiderte der Bairaktar. „Sie
glauben in gutem Recht gehandelt zu
haben. Ach Herr," fuhr der Bairak
tar fort. vDie Zeiten unserer Frei
heit sind vorbei das glaube ich.
Ich habe alsKnabe zwei Jahre in Kon
stantinopel gelebt und Kenntniß von
Vielem, was unten vorgeht. Wir
leben noch heute, tote vor fünfhundert
Jahren. Das geht nicht, nachdem die
unten so weit vorgeschritten. Die
haben Eisenbahnen, Dampfschiffe, Fa
briken und Maschinen und können aus
Nichts Geld machen. Geld ist heute
die größte Macht. Wir haben nichts,
nicht einmal einen Eisenpflug, um un
serem harten Land ein paar Feldfrüchte
abzugewinnen. Wir schmachten in
Armuth, nur eifersüchtig bedacht, un
sere Freiheit und unsere alten Gesetze
zu bewahren. Wir sind stehen geblie
ben um uns wogt, und brandet eine
neue und mächtige Zeit, deren Haupt
kraft daS Geld ist und diese Woge
wird uns und unsere Freiheit verfchlin
gen."
„Das sind traurige Aussichten.
Können Sie denn gar nichts thun, um
die Leute in die Bahnen der neuzeitli
chen Verhältnisse zu lenken?" warf
ich ein.
„Die einzige Möglichkeit uns zu ret
ten, wäre die Allianz mit den Türken.
Dann würden Wege zu uns gebahnt
werden. Wir erhielten Maschinen,
unser karges Land zu bearbeiten, könn
te| Industrie, regelrechten Ackerbau bei
uns einrichten, hätten leichten Absatz
für unsere Produkte aber unsere
Leute sehen das für schmähliche Knecht
schaft, für Unterjochung, für Verlust
ihrer Freiheit an. Ich habe leise
und vorsichtig Versuche nach dieser
Richtung hin angestellt es hat mir
aber fast mein Leben gekostet. Man
hält mich seit dem für einen halben
Verräther und traut mir nicht recht.
Mein Weib selbst ist auf der Seite
der Albanesen," beichtete mir der
Bairaktar leisen Tones, finster.
Die Sonne war untergegangen, e6
ward dunkel der Mond stieg über
den schroffen, fcharfgefchnittenen Fels
zacken auf und leuchtete durch die gar
dinenlosen Fenster'in mein ödes Ge
mach. Mein Wirth erhob sich.
„Morgen werde ich versuchen, Sie glück
lich wieder herunter zu bringen. Mö
gen Sie gut ruhen!" Mir beide
Hände auf die Schulter legend, verab
schiedet« sich der Bairaktar nach diesen
Worten von mir und ließ mich
allein.
Erschöpft schlief ich ein. 'Ich
glaubte kaum eine Stunde geruht zu
haben, als eine Berührung mich weckte.
Der Bairaktar stand vor mir, es
war schon völlig Tag.
„Herr," sprach er mich an. „Ge
stern Abend sind zweitausend Mann
Infanterie und Reiter von Scutari ge
gen uns abgegangen. Hafis Pascha
führt sie, ein Alter erfahrener Krieger.
Wertn Sie nicht mit uns einge
schlossen werden wollen, müssen Sie
schleunigst in die Ebene. Stehen Sie
auf, Herr!"
Ich sprang schnell auf meine Füße.
Mein Maulthier und die Esel stan
den schon gesattelt vor dem Haufe.
Nachdem wir ein frugales Früh
stück eingenommen hatten, ritten
wir bergab. Der Bairaktar
war schweigsam und schaute starr
vor sich nieder. Ich wollte ihn nicht
stören so ging es stundenlang
ohne ein Wort ber Unterhaltung
bie Bergwildniß, fast nirgends eine
Spur von Ackerbau, nirgends eine
zeichen von einer Industrie oder Han
del.
„Wer nicht im Kampfe fällt wird
verhungern," äußerte endlich meta
Begleiter. „Wertn das ein Aufrecht
halten der Freiheit ist, so ist das Narr
heit." Das waren die einzigen inhatt
schweren Worte, welche während der
Tagereise der Bairaktar zu mir sprach.
Dann hatten wir allerdings auf ei
nem ganz anderen Wege, als ber war,
vermittelst dessen ich nach Scialla.ge
langte, die Ebene erreicht. Hier l)tett
mein Begleiter. „Sie brauchen mei
ne Führung und meinen Schutz nicht
weiter," nahm er jetzt dasWort. „Möge
es Ihnen gut gehen." „Und Ihnen und
Ihrer Frau desgleichen das wün
sche ich aus aufrichtigem Herzen.
Mögen Ihre Befürchtungen sich nicht
t?füW ..
'•j'
p$?
jy«
„Sie werden auf's Haar eintreffen,"
erwiderte der Bairaktar finster.
„Wenn nicht er brach schnell
ab, reichte mir die Hand und trieb sein
kleines zottiges Bergfeld in den Felsen«
paß zurück.
Ich gelangte ohne weitere Zwischen
fälle glücklich wieder in Scutari an.—
Daselbst erfuhr ich in meinem Gast
hause die Bestätigung dessen, was der
Bairaktar mir mitgetheilt. Es waren
starke Truppenzüge mit viel Reiterei
und Geschützen unter Führung des
Gouverneurs von' Scutari, des re
nommirten Generals Hasis Pascha
nach den albanesischen Bergen abge
gangen, um die wilden, stets auffasst
gen Stämme endgültig der Pforte zu
unterwerfen.
Meine Expeditton in dem Berggebiet
war mißglückt und art eine Wiederauf
nahme vorläufig nicht zu denken. Um
nicht nutzlos meine Zeit in Scutari
zu verbringen, unternahm ich eine
wissenschaftliche Reise nach Griechen
land und kam erst zwei Monate später
es war am 1. August nach mei
nem Standquartier d. ch. nach Scutari
zurück.
Auf meine Erkundigung nach dem
Stand der Dinge in den albanesischen
Bergen erfuhr ich, daß der Feldzug
Hafis Pascha's sehr glücklich verlaufen
sei. Der tapfere General habe vier
Hauptstädte der Albanesen, Scialla,
Hotti, Kastrati und Schkreli zerstört,
viele Waffen erbeutet und bie zwanzig
Missethäter, welche bie Hauptwache
angefallen nebst bem Bairaktar von
Scialla gefangen genommen man
erwarte feinen Einzug in Scutari tag
lich.
Mich berührte diese Nachricht sehr
traurig. Ob man die Frau auch ge
fangen genommen und ob und wie ich
sie wiedersehen würde fragte ich mich
schweren Herzens.
Es vergingen acht Tage. Da zog
der siegreiche Hafis Pascha mit der
Beute und den Gefangenen, unter ihnen
der Bairaktar von Scialla in Scutari
ein.
Dürftig war die Beute, einen trau
rigen Eindruck machten die Gesänge
nett. Trotz feines gesenkten Blickes
sah der stattliche Bairaktar neben dem
kleinen Hafis Pascha wie der Sieger
aus
Die zurückkehrenden Truppen bezo
gen ein Lager ant östlichen Ende Scu
tari's. Die Gefangenen wurden in
ebenerdigen Räumen einer alten Ka
serne dicht bei dem Lagerplatz unterge
bracht. Ich hätte gern den Bairak
tar gesprochen. Es wurde mir je
doch bedeutet, daß dies heute nicht an
ginge, da der Mann zu feiner eige
nen Sicherheit in Gewahrsam gehalten
werde.
„Zu feiner eigenen Sicherheit?"
frug ich einigermaßen verwundert
den Officier, welcher mir Auskunft
gab.
„Ja!" erhielt ich zur Antwort.
„Der Bairaktur kämpfte zwei Monate
lang tapfer an der Spitze feiner Scial
la's, als sie endlich eingeschlossen wa
ren und die Hälfte feiner Leute von
Hunger und Entbehrungen starben,pak
tirte er gegen den Willen feiner Stam
mesgenossen mit Hafis Pascha, wies
ihm den Versteck der Waffen übri
gens nur altes unbrauchbares Zeug
gestand mit vertraulich der Officier
die guten haben sie behalten und
zog mit uns. Man hat ihm die Stel
lung eines Hauptmanns der Garnison
zu Stambul angetragen. Er hat sich
noch nicht entschieden."
Und sein Weib frug ich mich wie
der. Was mag die arme schöne
Frau machen. Vielleicht ist sie auch
Hungers gestorben. Ich empfand
eine Trauer und einen Schmerz, als
ob diese Frau mir näher ging,, als eine
Schwester.
Ein glühend heißer Augusttag neigte
sich seinem Ende. Eine dämmerig
milde Nacht war angebrochen. Der
Mond schien nicht, dagegen leuchteten
aus leicht umflortem Himmel mit süd
licher Kraft die Sterne alles in ein nn
gewisses flimmerndes Licht setzend. Ich
fand keine Ruhe im Hause und strich
in der Nähe des Lagers umher, gedan
kenvoll unter einer Reihe dürrer ver
staubter Ulmen wandelnd. Plötzlich
sah ich hinter den Bäumen sich verber
gend eine Gestalt an mir vorbeihuschen.
Es war ein Weib sie erinnerte
mich trotz des flüchtigen Ganges an
eine Erscheinung, die ich schon gesehen
hatte, in einer gewissen Entfernung
hinter ihr schlichen noch zwei Männer,
es waren Albanesen. Was woll
ten diese tollkühnen Menschen hier
wo sie jeden Augenblick entdeckt und
gefangen genommen werdeN könn
ten.
Di: Frauengestalt schlich sich zu der
Kaserne, jetzt stand sie im tiefen
Schatten dieses langgestreckten Gebäu
des unter einem Fenster. Von einer
seltsamen «Ahnung durchscheuert, ging
ich leise näher. Ich gewahrte an dem
vergittertem Fenster einen Mann
durch meinen Feldstecher, den ich stets
bei mir führte, erkannte ich in dem
Manne den Bairaktar. Er bewegte
lebhaft die Hand gegen die Frau, neigte
sich herunter und sprach.
Ich drückte mich in den Schatten des
Hauses und kam näher. Jetzt er
kannte ich die Stimme des Wei
bes. Es war die Frau des Bairak
tar.
„Ich habe Zangen, Oel und Feile,
Dich zu befreien. Ich schlich auch
nach. Der Truzzi und Mankelo sind
auch zu Deiner Hilfe da. Komm mit
uns."
„Es ist ein Unsinn, Jew. Wir sind
machtlos, verkorkn. Unsere einzige
Rettung, damit wir wieder emporkom
men können, ist Anschluß an die Tür
ken. Ich bleibe hier Md will für.eych
wirken.
„Das ist Verrath an unsere« Frei­
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heit Du bist ein Abtrünniger^
horte ich dumpf die Stimme der
erwidern. Resko Ich slkhe
an. Unsere Leute vergeben Dir,
was Du gethan. Laß die scheußlt
cfcen Türken. Es sind Hunde, sie be
trügen Dich komm mit hier ist
bas Oel und die Feile. Truzzi und
Mankelo stehen Dir bei Komm Ge
liebter!"
Ich habe des Elendes,des völlig aus
sichtslosen Elendes genug, Jela.
Ich bleibe hier und wirke und schaffe
zu Eurem Besten.
„Du willst nicht kommen" hörte
ich mit einem gebenden schluchzenden
Laut.
„Nein, JekK Geliebte—' bleibe
Du. Geh zu Hafis Du bist dort in
Sicherheit. Es beginnt für uns ein
besseres, ein vernünftigeres, lichtvolleres
Leben.
„Du kommst nicht?" ertönte es noch
mals seltsam heiser.
„Nein Jela."
Plötzlich sah ich Ste Frau den weißen,
Arm erheben und etwas wie ein Messer
blitzen. Ich stürze auf die Frau zu.
Ich vernehme vom Fenster hinter
dem Gitter einen tauhkreifchenden Auf
schrei, einen ächzenden Laut der Frau
und ihr Körper fällt schwer in meine
Arme,die ich instinktiv ausgestreckt hatte
um ihr den blitzenden Gegenstand zu
entreißen. Etwas Warmes rieselte an
meiner Hand herunter die Gestalt
zuckt in meinen Armen und wird im
mer schwerer. In demselben Augenblick
fällt hinter mir, wo ich die Albanesen
gesehen ein Schuß. Ich fühlte ein
Brennen am Arm höre einen zwei
ten röchelnden Auf schrei ant Fenster
und die Gestalt des Bairaktar ver
schwindet. Das alles ereignete sich in
wenig Sekunden.
Auf den Blitz und Knall des Schuf
ses eilen Soldaten aus dem Lager her
bei, man kommt mit Fackeln. Sie
machen bei mir Halt und beleuchten,
wie ich von Entsetzen gelähmt dastehe,
zu meinen Füßen aus meinen Ar
men gesunken regungslos die Frau des
Bairaktar auf ihrem Gesichte liegend.
Man hob sie auf und ich sah den Griff
einer der fast handbreiten albanesischen
Dolchmesser aus ihrer Brust ragen —«.
langsam quoll in dem Fackelschein
schwärzlich aussehendes. Blut an ih
ren weißen Kleidern hinab zu Bo
den. Die Augen der Frau waren ge
schlossen, ihr Gesicht marmorstarr und
ihr Mund offen die Frau war
todt.
Stimmengewirr und Geräusch er
tönte aus der Kaserne. Wie in ei
nem schweren Traum höre ich reden,
und rufen und vernehme die Worte,
daß der Bairaktar mitten durchs
Herz geschossen, todt am Fenster
liege.
Man durchsuchte eilfertig- den Platz
bei den lllmen, woher der Schuß gekom*
men, von den Männern war nicht eine
Spur zu entdecken.
Nach einem langen Verhör, das ich
auf dem Consulate unter dem Beisitz
von türkischen Richtern und Militär
personen zu bestehen hatte, reiste ich
schnell von Scutari ab, direkt in meine
Heimath, um jetzt nach 12 Jahren,
nachdem die Albanesen wenigstens '-ei
Nigermaßen sich als Vasallen der Pforte
fügen meine Untersuchungen fortzu
setzen'
Verlorene Liebe.
In Dräsen watsch," wo ich zeerscht se
Doch faß an ihrer Seide de Matillf
D'rum konnt' ich sagen ihr kee enzig'S
Wort
Am ander'» Dage reesteN"«st dann
In Dräsen war'fch.
In Meißen Mr'sch, W ich ft wieder
Ach, wie se leise flisterte: „Ei ja!"
Als ich ihr meine Liebe dhad gestehen.
Indem ich niedersank auf's linke
s
Been
In Meißen war'fch.
In Börne watsch ich toecß nich,
wie's geschah
Ich wollte fch6rechen schon mit dem
Babba,
Da kochte fe vorher mir en' Kaffee
Ich kostete und stirmte fort
Adee! .j
I n ö n e w a i
"MU ri
fiäffmnij.
vielleichtDlben es die Uebereifrtgen:
unter unseren Sprachreinigern schon
schmerzlich empfunden, daß das Wort
„Medaille" noch immer keiner rechten
Wurzelechtdeutschen Bezeichnung wei
chen will. Denn in dem Worte „Denk
münze" steckt ja leider der fremde Be
standtheil „moneta". *Da hat uns
denn ein glücklicher Zufall einen tröst
lichen Ausweg finden lassen. Profes
sor Ludwig Geiger veröffentlicht näm
lich soeben ungedruckte Briese von ($.
A. Boettiger, dem Weimarischen Ober
konsistorialrathe und Freunde Goethe's,
an David Friedländer. Hier findet
sich nun der deutsche Wortersatz für
Medaille. Man höre: „Sie haben
mich," so schreibt er von Dresden, 23.
August 1816, „durckf die Uebetsenbung
des gewichtigen bronzenen Dickpfennigs.
auf Held Blücher gar sehr zu Ihrem
Schuldner gemacht." „Dickpfennig"
statt Medaille qber Denkmünze if&
prachtvoll!
©üT triformtt*f. Mutter:
„Sie sind also das einzige Kind Ihrer
Eltern? Da haben Sie es freilich
gut meine vier Tochter müssen fichU
eben in meine Liebe theilen." Herr:
»Weiß es, Frau Bierhuber! Doch
das macht pro Kopf immer noch
25*000 Dollars^

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