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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, June 27, 1894, Image 6

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6
strafte Ionneröüchftn.
'A*
•I In unserer von Waffen, starrenden
Zeit hat die Artilleriewissenschaft, Dank
den männemorbertben Kriegen unb
zahlreichen Erfindungen der letzten
Jahrzehnte, gewaltige Fortschritte ge
macht. Die modernen Riesenkanonen
schießen cestnerschwere Geschosse mit
der größten Präcision auf meilenweite
Entfernungen und mit den Maschinen
geschützen läßt sich ein schier ununter
brochenes Feuer aufrecht erhalten. Im
Vergleich mit diesen Kriegsmaschinen
erscheinen die alten Donnerbüchsen un«
serer Vorfahren kaum gefährlicher, als
harmloses Spielzeug für Kinder, und
doch finden wir in der Construction der
ersten Geschütze Principien, welche erst
in neuester Zeit wieder angewendet wer
den. Das Princip der Hinterlader
ist uralt und thatsächlich waren die er»
sten Geschütze ausschließlich Hinterla
der. Als im 14. Jahrhundert die er
sten Bombardon, Karthaunen, Feld
schlangen u. s. w. angefertigt wurden,
stand die Technik der Eisenbearbeitung
noch auf einer verhältnißmäßig niedri
gen Stufe von dem Gießen der Ge
schützrohr: war daher keine Rede, man
sttUre dieselben vielmehr, wie ein Faß,
CU.-0 Elsenstäben her und erhöhte die
Haltbarkeit der Rohre durch starke ei
ferne Reifen. Später wurden die
gjühre gegossen und die Hinterlader ge
riechen allmälig in Vergessenheit, bis in
neueiter Zeit Krupp. Armstrong, Ma
xim, Nordenseldt, Hotchkiß, und tote
die Erfinder der modernen Mordma
schinen alle heißen mögen, die uralten
Systeme aus dem Moder der Jahrhun
derte ausgruben und vervollkommneten»
Die ersten beglaubigten Urkunden
Wer die Verwendung von Geschützt it
haben wir in der Metzer Chronik vLM
Jahre 1324. Der Tradition zufo'.gt
Ist die Schlacht von Crecy (1346) durch
Donnerbüchsen entschieden worden, doch
ist dies unwahrscheinlich, da in jener
Zeit die Feldschlachten mehr ein Kampf
von Mann gegen Mann, weniger von
Massen gegen Massen waren. Histo
lisch ist aber, daß in jener Schlacht
Kanonen Verwendung fanden. Ein
Geschütz, welches am 26. August 1346
20,000 Engländern zu einem blutigen
Siege über 68,000 Franzosen verhalf,
ist in vorstehender Illustration darge
stellt. Dasselbe war aus Schmiede
eisen hergestellt und das an beiden En
den offene Rohr mit eisernen Ringen
verstärkt der Verschluß war ebenso
plump wie die Lafette, welche ein auch
nur annähernd genaues Zielen unm'ög
lich machte.
I
e s z i S i a
An die sogenannte Verschwindelafette
unserer Zeit erinnert die Montirung
des vorstehend abgebildeten Geschützes,
das ebenfalls von hinten geladen wurde
und der zweiten Hälfte des 14. Jahr
hunderts angehörte. In der Verschan
gung war die Mündung des Geschützes
durch ein aus starken Bohlen zusam
mengefügtes Schirmdach verdeckt und
geschützt, wie schon die Römer ihre
Vallisten zu decken pflegten.
.v
i
i e a a u i e
Lafette.
Äemerrenswerthe Fortschritte in der
Geschütztechnik zeigt bereits der in vor
stehender Illustration dargestellte Hin
terlader auf einer Räderlafette aus
dem 16. Jahrhundert. Das accurat
gearbeitete Verschlußstück wurde mit ei
nem Bolzen befestigt, und hat das
Ganze eine auffallende Ähnlichkeit mit
den modernsten Verschlußmethoden.
0
i^i
4
i E n k »fSrm ?»it
II i
Eine Curiosiiät eigener Art ist e!tl
ellenbogenförmiger Mörser, der in Ma
rescalch'i's „JnstUstbnum relpublicae
militari»" vom Jahre 1516 beschrieben
ist.
Dieser Mörser war ein Hinterla«
der und mit einer beweglichen Kammer
versehen welchem Zwecke der Ellenbo»
gen diente ist nicht ersichtlich.
o e n o e
Als Vorläufer unserer Maschinenge
schütze, Mitrailleuses u. f. w. ist das
Orgelgeschütz, auch Todtenorgel ge
nannt, zu betrachten. Das vorstehend
abgebildete Mordinstrument, welches
aus 'dem 17. Jahrhundert stammt,
hatte 42 Läufe, von denen je sechs auf
ein Mal abgefeuert wurden. Daß eine
solche Todtenorgel unter dem in ge
fchlossenen Haufen kämpfenden Fußvolk
ein furchtbares Blutbad anzurichten
vermochte, liegt auf der Hand.
Leichtes e s z mit Dreh
Lafette.
Schon im dreißigjährigen Kriege wa
ren leichte Hinterlader auf drehbaren
Lafetten im Gebrauche. Im Jahre
1632 wurde vom Schwedenkönig Gu
stav Adolf in München ein Hinterlader
zurückgelassen, dessen Mechanismus im
Prinzip mit demjenigen mancher mo
dernen Maschinengeschütze überein
stimmt.
im**
Puckle'» e s z
Vorstehende Illustration zeigt ein
Geschütz, für welches der Engländer
James Puckle im Jahre 1718 ein Pa
tent erhielt. Das leichte Rohr mit sei
nein zusammenlegbaren, vierbeinigen
Gestell und die ganze Avjustirung zeigt,
daß Puckle ein Meister in seinem Fache
war, wie Maxim, Nordenseldt, Krupp
und Andere. Dieses Geschütz hatte
zwei Patronenkammern, so daß das
Abfeuern und Laden zu gleicher Zeit
stattfinden, dasselbe also ununterbro
chen in Action bleiben konnte.
Verlobung vor der Geburt.
Im Mittelalter war es vielfach
Sitte, Prinzen und Prinzessinnen schon
als Kinder im zartesten Alter zu ver
loben und zu Verheiraten. Daß man
aber auch über noch nicht geborene
fürstliche Kinder in gleicher Weise ver
fügte,dürfte denn doch nur ausnahms
weise vorgekommen sein. Ein solcher
Fall ereignete sich im Jahre 1368, als
dem Kaiser Karl dem Vierten der
Zrinz Siegmund geboren wurde, der
bei der Taufe mit Katharina, der
Tochter des Burggrafen Friedrich von
Nürnberg, verlobt worden ist. Bei
dieser Gelegenheit ward nämlich gleich
zeitig bestimmt,daß eine Tochter Karls
des Vierten, die ihm innerhalb fünf
Jahren seine Gemahlin schenken sollte,
sich mit dem Sohne des Burggrifen,
der innerhalb derselben Zeit das Licht
erblicken würde, einstmals vermählen
sollte. Ein jüngeres Brautpaar als
dieses dürste kaum jemals vorgekom
men sein. Aber „gekriegt" haben sie sich
doch, den 1373 ward dem Kaiser Karl
dem Fünften eine Tochter, Margare
tha, geboren, die nachmals die Gemah
Im Johannis des Dritten, Burggra
sen von Nürnberg, wurde. Nicht zu
sammengekommen ist aber das 1368
verlobte Paar Siegmund und Katha
rina. Ersterer, nochmals römische?
Kaiser, heirathete zuerst Maria von
Ungarn, in zweiter Ehe Barbara Grä
sin von Cilli, während Katharina in's
Kloster ging und 1409 als Aebtissm
zu St. Clara im Hos starb.
o A e u n e S i e
können mir's glauben, Herr Doctor,
auch ich war einmal jung! Herr: Wa
um soll ich das nicht glauben? Heutzu
tage kommen, ja die unmöglichsten Sa
chen vor!
—A usgewogen. $EBa5? Du
willst die nehmen? Die hat ja unzäh
lige Schätze gehabt! Aber die wer
den reichlich ausgewogen dutch die
Schätze, die sie hat!
'.tufnd te'/I' "w/'i Ä,1-U
Wunsch. Bauer (unten im
Hause zu dem oben arbeitenden Wei
be): Anna bist D' oben? Weib: Ja
wohl! Was willst? Bauer: Thu- mir
eine Freud'! Weib 2Za* die tâ?
a u e e i o e n
y'ip^i
^Ialscher Same.
H»«oreske von C. «AM»,

„Womit kann ich dienen, werthe
Frau Müller?" fragt Herr Blum, der
Inhaber der Samenhandlung Blum &
Söyn eine Frau in schwarzer Tracht
mit dem Wittwenschleier.
Frau Müller verlangt Resedasamen.
„Mein seliger Mann", fügt die gesprä
chige Frau Müller erläuternd hinzu,
„liebte Reseda leidenschaftlich, und da
will ich seine Lieblingspflanze mit eig
ner Hand auf seinen Grabhügel pflan
zen." Und während Frau Müller im
Anschluß an diese Erklärung sich über
die Eigenheiten ihres seligen Gatten
in ausgiebiger Weise verbreitet, sucht
Herr Blum das Verlangte heraus und
legt ein Päckchen mit dem gewünschten
Resedasamen auf den Ladentisch. Eben
will Frau Müller dasselbe ergreifen,
als die Thür sich öffnet und ihre Bu
senfreundin Frau Schulze eintritt.
Mit überfließender Zärtlichkeit begrü
ßen sich die beiden zungengewandten
Damen, und während Herr Blum ei
nige andere inzwischen eingetretene
Kunden bedient, wendet sich sein Sohn
an Frau Schulze mit der Frage nach
ihrem Begehr. Frau Schulze verlangt
Radieschensamen.
„Mein Mann ißt nämlich, wie Sie
wissen müssen, liebe Müller, Radieschen
für sein Leben gern, und da will ich
selbst welche in unserm Gärtchen zie
hen selbst gezogene Früchte schmecken
immer am besten", meint Frau
Schulze.
Blum junior legt das Päckchen mit
dem Radieschensamen auf den Laden
tisch. Aber Frau Müller und Frau
Schulze sind mittlerweile so tief in's
Gespräch gerathen, daß sie Reseda und
Radieschen und Zeit und Ort vergessen.
Frau Müller läßt sich über die Tugen
den ihres Seligen, Frau Schulze über
die Untugenden ihres lebenden Gatten
mit echt epischer Breite aus. „So ei
nen Mann kriege ich nicht wieder!" ist
der Refrain der Reden der Frau Mül
ler, und Frau Schulze meint: „Ich
sage Ihnen, liebe Müller, ich muß mei
nen Mann behandeln wie ein rohes
Ei."
Bei solcher Unterhandlung vergeht
die Zeit gar schnell, und erst als die
Uhr im Laden die Stunde schlägt, fährt
Frau Schulze entsetzt zusammen:
„Himmel, ich muß nach Hause wenn
das Essen nicht pünktlich auf dem Ti
sche steht, macht mein Mann einen Hei
denspectakel!"
„Ich begleite Sie ein Stückchen,"
sagt Frau Müller, die ihr stets vol
les Herz- noch nicht ganz ausgeschüttet
hat.
Hastig ergreifen die beiden Frauen
die auf dem Ladentische liegenden Pa
(fete und gehen eifrig schwatzend von
dannen.
/feines Tages Herr Blum denkt
ait nichts Böses und ist in bester Stim
mung stürzt mit allen Anzeichen
hochgradiger Erregung, das Antlitz
von der Farbe eines gesottenen Kreb
ses, Frau Müller in den Laden, in der
Hand wie ein Panier ein Gewächs
schwingend.
„Ist das Reseda?" ruft sie wüthend
und hält Herrn Blum ein rundliches
rothes Knollengewächs mit grünen
Kraut unter die Nase!
Herr Blum ist ganz verblüfft und
starrt bald das Gewächs, bald Frau
Müller an und glaubt im ersten Au
genblick, seine alte Kundin ist
Plötz-
lich überschnappt. „Das das ist
ein Radieschen!" stammelt er end
lich.
„Ja, das ist ein Radieschen!" echoet
Frau Müller grimmig und nickte bei
jedem Worte so energisch mit dem
Kopse, daß ihre Hutbänder wie Fahnen
in Sturme flattern. „Haben Sie schon
gehört, daß man Radieschen auf Grä
ber pflanzt?"
Herr Blum reißt die Augen und den
Mund groß auf und starrt ffrau Mül
ler ganz entsetzt an. Er kann kaum
mehr an ihrer Unzurechnungsfähigkeit
zweifeln!
„Nein das habe ich noch nie ge
hört," vermag er nach einer halben
Minute mühsam hervorbringen.
vi\
„Na, also weshalb haben Sie mir
denn Radieschensamen statt Resedasa
men verkaust?" fragt Frau Müller
entrüstet. „Mit eigenen Händen streue
ich den Samen aus das Grab des theu
ten Mannes" hier wischt Frau
Müller aus jedem Augenwinkel eine
imaginäre Thräne „und als ich nun
hinkomme, um mich am Anblicke und
am Duft der Lieblingspflanzen meines
Seligen zu erfreuen finde ich so
ein merkwürdiges abscheuliches Kraut
ich reiße es aus und was sehe ich!?
Radieschen!! Radieschen auf dem
Grabe meines seligen Mannes!! Ich
denke, ich soll in Ohnmacht fallen! Und
wenn man das Zeug'noch essen könnte
aber was auf einen Leichenhügel ge
wachsen, das kann doch kein Christen
mensch genießen! Und die Ktamern, die
impertinente Person, die sich was da
rauf einbilden möchte, daß sie das Grab
ihres seligen Mannes besser im Stand
hält, als ich das des meinigen, die hat
&
1
w i v
i:
a i
nttch schön ausgelacht mit meinem Un
kraut und nun trägt sie mich in der
ganzen Stadt herum, weil ich dah
Grab meines Mannes zum Gemüse
beet gemacht habe. Solche Niederträch»
tigkeit! Ich bin blamiert, entsetzlich
blamiert!" schluchzt Frau Mütter.
„Und daran sind Sie Schuld BieV*
fährt sie dann plötzlich auf „Sie ha
ben mich faffch bedient das ist eini
nette Wirthschaft in Ihrem Geschäfte
pfui!" Da aber ist die Geschäfts^
ehre des Herrn Blum angegriffen untr
darin kennt er keinen Spaß.
„Ich muß sehr bitten, werthe Frau'
bei mir herrscht die peinlichste Ge^
wissenhaftigkeit kein Apotheker kann
achtsamer sein als wir ich entsinne
mich jetzt —ich selbst habe Sie be
dient, und zwar ganz Ihrem Verlan
gen entsprechend."
Jetzt mischt sich Blum junior, dem
inzwischen eine merkwürdige Ahnung
aufdämmert, hinein.
„Entschuldigen Sie, Frau Müllers
hier scheint ein Irrthum zu Grunde ziA
liegen, der nicht uns zur Last fällt,1
Ich weiß, daß zur selben Zeit, da Sick
vom meinem Vater Resedasamen er^
hießen, Frau Schulze von mir Ra
dieschensamen verlangte. Ohne Zwei
fei haben die Damen infolge der leb
haften Unterhaltung, in die sie gerie
ten, die beiden Packet* mit dem Sa
men verwechselt."
Noch hat Blum junior nicht ausge
sprachen, da wird die Thüre ciufgerif
sen, und herein stürmt mit unheil
schwangerem Antlitz Frau Schulze, in
der Hand ein Gewächs schwingend,
das die Anwesenden alsbald als Reseda
erkennen.
„Da da haben Sie Ihre Rabies
chen!" ruft sie mit Nachdruck und wirft
die Pflanze auf den Ladentisch, „essen
Sie das Gewächs selbst, für Unsereinen
ist das nicht!"
„AlsoSie sind es," zischt Frau MüT^
let der Eingetretenes, giftig entgegen,'
die ein Päckchen mit Resedasamen ge
nommen und mir die lumpigen Radies
chen überlassen hat."
„Verehrteste, Sie waren die erste, die
eines der Pakete natürlich das fal
sche nahm und so das ganze Unheil
anrichtete jetzt ist mir freilich alles
klar!"
„Das ist tti*e Lüge!* schreit Frau
Müller dagegen, „Sie sind die Anstif
terin!"
„Was? Sie schimpfen mich eine Lüg
nerin? Da haben Sie Ihre Reseda
zurück, Sie...." und Frau Schulze
rafft die Reseda vom Ladentisch wieder
an sich und wirft sie der Bufenfteundin
a. D. ins Gesicht.
„Und da haben Sie Ihre Radies
chen verzehren Sie sie mit Gesund
heit!" kreischt Frau Müller und
schleudert mit sicherer Hand das
Radieschen nach dem wüthenden Geg
ner.
Herr Blum verbittet es sich energisch,
sein Lokal zu einem Schlachtfeld zu
machen und weist die kämpfenden
Frauen hinaus.Zähneknirschend räu
men die erbitterten Amazonen das
Feld, und furchtbaren Groll im Herzen,
gehen die ehemaligen Freundinnen als
geschworene Widersacher auseinander
der vertauschte Reseda- und Rabies
chensamen war für sie zum Samen der
Zwietracht geworden.
Herr Blum aber sah feine beiden
alten Kunde.1 nie mehr wieder.
mm
Gegen die Kibitze.
Auf „Ki&itze", die unbeteiligten Zu
schauer beim Kartenspiel, war man
schon vor Jahrhunderten
nicht
gut
zu
sprechen. Die „Berliner Schenkwirthe"
haben im Jahre 1583 durch Leonhart
Thurneisser im grauen Kloster die fol
gende „newe Strass-Ordnung" drucken
lassen: „Wer denen fleißigen fpielern
über die Achseln gucket, also datz ine
eyn heyße angst trnifdi, den
soll
man
bald verjagen und heiß in eyn Kibitz.
Wer aber die charte von zween fpielern
beglotzet hat und kommt im eyn
lüst
leyn
etwas kundzut?hun tmrch Klappern
mit den Augen oder Er schwatzet m%
dem Maul, ben soll man pönitiren uns
30
Pfennige
in
gutter
Münz
oder eynenh
Krügelein voll martzbier zu gemehnent'
Besten, 'dann verjag in. Wer aber sich'
bedünket,
so
soll weysheit zu sein, daß
Er den spielem mitt rat geben oder sa
gen, es habe eynes nicht recht gespielt,
den
soll
man auf seyn maul schlagen,
auch ime das Käppleyn über die Ohren
treyben, denn er ist eyn Esel, dany soll
man in verstäupen und werffe in aus
die gasse."
Der schlaue Johann.
Höre mal, Johann! Alle Menschen,
sehen mich unb meine Frau immer mij
so verschmitzten Mienen an. Du hast
ihnen doch nicht etwa gesagt, daß wir
erst seit 14 Tagen verheirathet sind
und auf unserer Hochzeitsreise uns be-,
finden? Nein, gnädiger Herr! —r
Nun, das wollte ich Di: auch nicht ge
rathen haben ich hatte dies auch ja
ausdrücklich verboten. Was sagst Du
denn, wenn die Leute Dich über uns
befragen? Ich sage: Sie find noch
gat nicht verheirathet!
Auskunft. (Auf dem Per»
sonenstcmdsbureau erscheint ein Händ
ler.) Ihr Name? Heinrich Leh
mann. Ihr Alter? Auch, so.
Ich meine, wann sind Sie geboren?—
Arn 26. Mai 1860. Ihr Stand?
Habe lebten, Meriaufe vest deH
Karre!
Enttäuscht. Schwiegermut
ter: Ihre große Zärtlichkeit für meine
Tochter, mit welcher Sie so sehr zur
Hochzeit drängen, ist ja sehr erfreulich,
daß Sie sich aber nicht einmal in einen
vierteljährigen Brautstand' finden wol
len. ist mir unbegreiflich» Bräuti
gam: Mir aber nicht denn ich kenne
mich. Wenn oie Sache nicyt schnell
geht, geföfti Sit KM Mchtt
Anderel
mAt:
^4.
Billige Fahrt.
Tli1?, lis
V «4
bi,
Einer, der schlZfk fchvn
halb und halb, das ist unser Mann!
Nicht vergessen: Du brst Graf und ich
Baron, das gibt viel mehr Respekt!
Und er ahnt- absolut nichts. Kut
scher! Wir wollen nach Ver großen
p,
Gürtelstraße was kostet es?" „3
Mark, Euer Gnaden!" „Gut, ich
steige halbm Weges aas dieser Herr
aber fährt bis zur Gürtelstraße. Ich
werde schon iwpftn. #o, bitte Herr
5 ,rO
I
Gras, nehmen Sie Platz!" „Aber,
Herr Baron, steigen Sie zuerst ein!"
„Sitte, Herr Gras, steigen Sie nur
eilt!" „Aber bitte! Aber bitte! So,
nun denn, kommen Sie, lieber Baron!"
»Schimmel, jetzt sei stolz, Du hast
eine noble Fuhre, einen Baron und ei
nen Grasen, so 'was ist Dir noch
nicht passirt! Hü,,Schimmel! Hü!"
„Gut auszedacht, Schwupfel! Ob's
aber gelingen wird? Wir sind am
Ziel. Ich spreche mit dem Kutscher
unb Du Weid's schon machen!
Wir sind da!" „So, ich bin ba
Also, Kutschet, et ist gut gefahren.
MMMM-M!
Jetzt fährt er dm Herrn Grasen Gut
telstraße 111. Der Herr Graf wird
bann zahlen!" „J' bitt, Herr
Gtaf Wir sind schon da. Is ei'
weitet Weg! löiit* Euer Gnaden, aus
steigen! Bitt' Euer Gnaden! Ja,
too sind denn Euer Gnaden? Der Wa
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v» MJOhtlb* '5*'
gen ist ja leer Kreuzmillionendow
nemettâ Ms Staust sii' jetzt
ÜV
»MW*)# iH
-vlâl
so dumm an, Roß übereinander!?
Zwei solche Schwindler. A, da hört
si' Alles aus!"
A Morgabètrachtllug.
Heus Morga do hau n i
A Schlaihabluafcht g'seahf,
Jetzt fcheaner, noi', ka'
Net glei' ebes gea'.
I schtcmd na' ân Heâ
ând guck se drum a'
's ischr no unser Herrgott,
Doch wia se ci# guck,
Do fällt m'r au' ei':
Wia lang? Und dié Bliiathla
Weant z'mol Schlaiha sei!.
's ifcht wia bei de Mädla.
Doch schtille jetzt sei',
So'scht lang i bei deane
In Dräck am End nei'.
si" Gedankensplitte
v
r:,
Den theuersten MatstaL htlden
die Steckenpferde.
Der Mensch soll von seinem
Nächsten nur Gutes reden. Da nun
Jeder sich selbst am nächsten ist, so
darf es nicht Wunder nehmen, daß so
viel Selbstlob in der Welt gepflegt
wird.
Dummheit ist ein Werthpapier,
welches die Klugen zu versilbern
wisse«.
Schaust Du Dein 'Schätzchen bleich
und roth,
Erschrick nur nicht! 's hat keine Noth!
Es sind dies oft nur zarte Winke
Von Schätzchens Puder und der
Schminke.
Den, der sich stets geduldig plagt,
Sich im Gewohnheitsthun behagt,
Nennt ihr Philisterseel'.
Indeß es ist so wohlbestellt,
Wie paßte wohl in diese Welt
Ein feuriges Kanteeft
ti.r
Was nützt es der Schnecke, daß
auch sie im Zeitalter des Dampfes und
tier Elektricität lebt.
Die Freundschaft begeht zuwei
len Dummheiten, die Liebe oft, her
Haß immer.
Begeist'tung ist ein himmlisch Feued—
Doch wer für jede» Seifenblase
Geräth in lärmende Extafe,
Ist zu den vielen Narr'n ein neuefl
Wer im Geiste will hoch hinaus,
Muß auch auf Alltägliches sinnen,
Sonst erbaut er ein hohes Haus
Und vergißt bte Treppen brinnen.
Mehr als Unglück und Berken
nung verbittert die Menschen gekränk
ter Eigendünkel.
Aus Schlüssellöchern und Brettetspal
fen
Hat Fama schon oft ihr Futter er
halten.
Hinderniß erlitt der zwischen Belle
garde und Genf gehende Zug der Pa
ris-Lyon-Mittelmeer Eisenbahnlinie
unlängst eine bedeutende Verspätung.
Die Veranlassung hierzu war folgende:
In dem des Morgens um 4 Uhr von
Bellegarde abgehenden Güterzug be
sand sich unter Andern ein Faß mit
Leberthran, das aus bisher noch unbe
kannter Ursache leck geworden war
und nun seinen Inhalt im Fahren atif
die Schienen ergoß. Dem betreffenden
Zug selbst brachte der Vorgang keine
Störung, wohl aber dem nächsten. Die
ser um 5 Uhr 45 Min. Bellegarde be
lassende Passagicrzug war kaum an der
betreffenden Stelle der mitOel bedeckten
Schienen angelangt, als die Lokomo
tive nur mit größter Mühe sich vor
wärts zu bewegen vermochte. Endlich
nahm der Zugführer zu folgendem
Mittel feme Zuflucht: Nachdem man
zwischen den Stationen Plaine und
Savigny schon 49 Minuten Verspä
tung konstatirt hatte, stieg er aus und
ließ von dem ganzen Zugpersonal die
Schienen mit Sand bewerfen. Ohne
diesen Einfall wäre die Maschine über
Haupt nicht mehr vorwärts gekommen,
da selbst noch der nächste Zug mit 35
Minuten Verspätung aus det^elben
Ursache in Saviany eintraf«
Liebesbrief e i n e s e
a eurs. Theures Fräulein! Ich
liebe Sie innig und frage hierdurch an,
ob Sie geneigt wären, mein Weib zu
werden. In Ihrem Antwortschreiben
seien Sie möglichst kurz, lassen Sie
alle unnöthigen Facta bei Seite und be
schreiben Sie da* Manuscript nur aus
einer Seite!
Aus der e i n e e
richtöverhandlung. „Ange
klagt«, sind Sie verheirathet?" „Na
ob!" „Mit wem?" „Na, mit'n Frau
enzimmer." „Antworten Sie nicht so
stech! Das ist doch selbstverständlich."
„Sagen Se bet ntch, Herr Jerichts
hos ick hab' 'ne Schwester, die is zum
Beispiel mit 'ne Mannspits»n toerhei*
W&Ö ..-«4 .i»~T r*- —V
öin Müft-r-Hottl.
Es giebt ein Hotel in der Nachbar»
fchaft London's, das auf seltene Art
des Besuchers Anerkennung sich zu er*s
werben sucht. In dem HaupteinganA
hängt nämlich in alter englischer, grob#"-
beutlicherHandfchrift ein solide gerahm#
tes Pergament, auf dem NâHjol»
gende zu lesen ist: /Vi
„The Bush Hotél.
Der ganze Komfort des eigene#
Hauses ohne irgend, welche Verants.
wortlichkeit.
Dieses» Hotel ist speciell gebaut unb
eingerichtet für den Komfort 'und uns»
eingeschränkte Benutzung der Besucher.
Gefällt dem Ankommenden die LaA.
des Hotels nicht, so kann es sofort nach .1:
nach seinem Wunsche irgend wohin vey»
schoben werden. Für jeden Besucher ist
ein Eck-Frontzimmer in der erste»
Etage disponibel: Jedes Zimmer ist
mit Bade-Einrichtung, Wcrter-Closet»
Wasserleitung für kaltes und warmeS
Wasser, einem Billard, einer Kegel
bahn, einem Piano, einem Restaurant,
einem Post- und Telegraphen-Bureau
und anderen modernen Einrichtungen,
wie Himmelbetten, Feuermeldern, elek
trischen Klingeln etc. versehen. An de?
'Thür jedes Zimmers stehen Tag urtfr
Nacht ein Geistlicher, ein Arzt, ei»
Apotheker, eine Waschfrau, zwei Lauf
burschen und drei Kellner. Diese Kell
ner können beliebiger Nationalität und
Farbe fein, mit in der Mitte gescheitel
tem Haar, nach Wunsch gestutztem
Bart oder glatt rasirt, mit Glacehand
schuhen, tadellosem Fack, stets die ge
wünschte Blume im Knopfloch. Dol
metscher für alle Sprachen auf gefällige
Requisition zu jeder Tages-und Nacht
zeit. Alle nur gewünschten Wörterbü
cher, Grammatiken, Zeitschriften, Ta
gesblätter, Bücher und so weiter in der
Minute geliefert. Mahlzeiten zu jeder
Minute auf Zimmer oder in dem Spei
saal, wo für jeden Gast der beste Platz
reservirt bleibt. Jeder Gast, dessen!
Frühstück oder Diner nicht imiuhalfr
16 Sekunden vollkommen heiß und ta»
dellos servirt wird, ist gebeten, fofott
im Bureau des Hotels Beschwerde
erheben. Kinder sind besonders will
kommen. Sie werden gebeten, ihre
Springstöcke mitzubringen, um die spe
ciell für diesen Zweck angeschafften ge
schnitzten Möbel aus Rosenholz damit
zu bearbeiten auch sind sie eingeladen,
auf dem Sammetteppich der Zimmer
Kreisel zu spielen, bei schlechtem Wet
ter sich auch einen Pony zum Zeitver
treib auf das Zimmer zu requiriren.
Die Pianos sind erster Qualität, damit
die Kinder daraus herumschlagen er
wünscht ist jeder Ausbruch, kindlichen
Uebermuths auch in den Korridoren,
das Reiten auf den Treppengeländern,
das Herunterfallen von Stiegen etc.
Was an Desserts von Müttern und
Kindern nicht in den Taschen fortzu
bringen ist, kann als Wurfmaterias
zum Spielen verwendet werden. Jede
Dante wird im Hotel qls die Schönste
gelten, an ihrer Thüre steht extra Tag
und Nacht eine kleine Armee von Pa
gen in Uniform von weißem Satin mit
Eiswasser, Bügeleisen, Handtüchern,
Tinte, Federn, Papier, Scheere unit
Nadeln, Zwirn und Seide,Puder,Par
füms, Bürsten und allen sonst nur er
denklichen Gegenständen. Waschen unb
Platten ist im Zimmer erlaubt, ver*
brannte Tischdecken werden gerne durch
neue ersetzt. Warmer Gin wird zu je
der Nachtzeit servirt. Die Clerks de!.
Hauses sind sämmtlich Universalgenies
sprechen sämmtliche Sprachen, könne»'
reiten, tanzen, singen, Kartenspiele«,
sind Meister in Cricket, Fußball un6
allem anderen Sport überbeut sinb bfe
verpflichtet,bei allen Rennen bte gewiu
nenben Pferbe vorauszuwissen. Bete»
unb Prebigen ist bie besondere Domäne
des Bureauchefs und seiner Untergebe
nen. Die Kenntniß der Hotelbeamten
in Bezug auf Reisewissenschaft ist er
staunlich und übertrifft Alles, was ntür
ein „Bradfhaw" oder „Badeker" davoet
hält. Hunde bittet man frei im Hause
herumlaufen zu lassen sie werden der
Gegenstand besonderer
y
,4*L-
"i:
'l''.., 'V
Aufmerksam»
feit sein. Herren könneti 'i* allen Räm
men rauchen, trinken, fluchen, die andf*.
ten Ankömmlinge begaffen etc. etc. Dör
Hotelbesitzer wird stets glücklich sein»
von feinen Gästen zu Wren, daß sei»
anderes Hotel viel besser ist, als „The
Bush", daß feine Weine scheußlich, sein
Essen miserabel, die Behandlung et»
bärmlich, daß er, mit einem Wort, dtt
Besitzer eines Stalles, nicht aber einei
Hotels ist, daß die Polizei ihn alS
Schwindler einsperren sollte für den
Betrug, den er an den Besuchern durch
unerhörte Rechnungen übt, und daß
man sicherlich nicht nur nicht wieder
kommen, sondern auch alle Freunde
warnen wird, diese Spelunke zu-fte
quentiren.
JP"
Hâkâ Watts, Besitzer."
s
w
höflich Mülltr Ach.
Schulze, hören Sie doch mal eine»
Augenblick! Schulze: „Was wollen Sie
denn, Müller? Müller: Ich habe ge
stern eine junge Dame gegrüßt, die ich
für Ihre Schwester hielt wenn es eifte
andere gewesen fein sollte, dann drücke»
Sie doch Ihrer Schwester'mein, Be»
dauern aus!
Stumm wie ein- Fisch.
Sie: „Glaubst Du, datz ich ein Ge
heimniß bewahren kann?* Er (zö
gernd): „Offen gestanden nein!"
Sie: „Sehr liebenswürdig! Aber ich
trag' meinen vorjährigen Hut neugat*
nirt schon beinahe acht- Wochen unb
hab' es bis jetzt noch keiner Menschew»
seele erzählt!" V
Madame: Minns, Sie haben ja heute
noch gar nichts zerbrochen. Dienst*
Mädchen: Ja, wissen Sie, Madame,
heut ist doch Ihr Geburtstag, da wollt»
ich Ihnen 'ne kleine Utbetmfcbum ft*
reiten!

Ka none von e y
Dear des mocha ka'.
u e i n ft I s a me
8
U n s e e i e n s o e n

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