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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, July 04, 1894, Image 3

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(17. Fortsetzung.)
Hertha sah es, wie tief er verletzt
Vjkmr. Sie büßte jetzt das Spiel, das
/.De einst im Uebermuth mit ihm ge
L'*jrteben. Er glaubte nicht an sie.
^er alte böse ©eist, der alte Argwohn
RDregte sich wieder in ihm und flüsterte
ihm zu, sie habe nur den Muth des
Wortes, nicht der That und ziehe es
Hoch
schließlich vor, sich die Grafen
èrone zu sichern, anstattt dem Sohne
,.bes Abenteurers zu folgen. Ein Wort
uS ihrem Munde hätte ihn aus sei»
lüttem Irrthum reißen können, aber
\:-1bor der jungen Gräfin erhob sich in
fy diesem Augenblick das strenge, finstere
'i Antlitz des alten Generals, sie fühlte
seinen eisernen Händedruck, hörte
Feine drohenden Worte: „Ich denke
4.-ioch, die Braut des Grafen Steinrück
Eiweiß, was sie sich und ihm schuldig
^,'Mst!" Die Erinnerung trat gebiete
'..frisch ein für die Heiligkeit des gege-
Letten Wortes. Man zerriß ein frei
-/Iwillig geknüpftes Band nicht wenige
'/-Wochen vor der Vermählung, weil
'wan sich anders besonnen. Hertha
*, senkte das Haupt und schwieg.
Die Sonne war gesunken, und mit
Ihr erlosch auch der Schimmer, der die
hanze Kirche wie in Gold und Ver
klärung getaucht hatte. Kalt und
'leblos wie sonst standen die Bilder
V und Statuen da, und graue Dämme
rungsschatten schienen lose niederzu
'.-^schweben nur die lichte Gestalt des
.^AMrzengels war noch erkennbar in dem
'x Runkel der Altarnische. Aber der
yJSturm, der draußen um die Mauern
krauste, mußte jetzt irgendwo den
Eingang gefunden haben er zog in
Hangen unheimlichen Tönen oben an
her Wölbung hin und erstarb dann
flüsternd wie Geisterhauch.
Hertha schauerte unwillkürlich zu
sammen bei den seltsam klagenden
Hauten und wandte sich dann, zu ge
hen. Michael folgte, oberer blieb
einige Schritte hinter ihr zurück. Kei»
$ nes von Beiden sprach ein Wort. Sie
traten eben in die Vorhalle der Kirche.
Da kam ihnen der Pfarrer entgegen,
mit erregter bekümmerter Miene.
„Ich suchte Sie, Gräfin Hertha,"
'sagte er, noch athemlos von dem eilt
gen Gange. „Da bist Du ja auch,
Michael! Es ist ein Bote von Schloß
Steinrück herauf gekommen
„Vom Schloß?" fiel Hertha er
schrocken ein. „Es ist doch nicht schlim
mer mit bejr Mutter geworden?"
„Die Frau Gräsin scheint allerdings
kränker geworden zu sein und Fräu
lein von Eberstein wollte Ihnen Nach
richt davon geben, hier ist ver Brief."
Hertha erbrach hastig das barge
reichte Schreiben und durchflog es.
Valentin sah, daß sie erbleichte.
„Ich muß fort! Es ist keine Minute
u verlieren. Bitte, Hochwürden,
offen Sie den Wagen in Bereitschaft
setzen."
„Jetzt wollen Sie fort?" fragte der
Pfarrer bestürzt. „Es dämmert ja
bereits, in einer halben Stunde ist es
dunkel, und der Sturm wird heftiger.
Sie können doch unmöglich in der
Nacht die lange Bergfahrt unterneh
men."
„Ich muß! Gerlinde würde nicht
in solchen Ausdrücken schreiben, wenn
meine Mutter nicht in wirklicher Ge
fahr schwebt.?."
„Aber Sie bringen sich selbst in Ge
fahr bet einem solchen Wagniß. Mi
v:%:$)ael, was meinst Du dazu?"
Z "X „Es wird eine Sturmnacht geben,"
sagte Michael hervortretend. „Müssen
A:|5ie fort, Gräfin Steinrück?"
V-I* Sie reichte statt aller Antwort ihm
\v" ,unb dem Pfarrer den Brief, der nur
einige, augenscheinlich in höchster Eile
iy* chingeworsene Zeilen enthielt:
„Die Tante ist urplötzlich, kränker
f.geworden: sie verlangt nach Dir und
Ich bin in Todesangst. Der Arzt
'„-spricht von einem schweren, vielleicht
p-^tödtlichen Anfall. Komm sofort zu-
:-'tiick!
Gerlinde."
Ig. /t „Sie sehen, daß hier keine Wahl
Ist," sagte die junge Gräfin mit be
'lender Stimme. „Wertn ich sofort
Ausbreche, kann ich vor Mitternacht
Schlosse sein. Lassen Sie uns
ehfit, Hochwürden!"
I Sie waren schon während der letz
.ten Minuten in das Freie getreten
./Pnd wandten sich jetzt dem Dorfe zu.
Gertha und der Pfarrer hatten Mühe,
bei dem Sturme- vorwärts zu kom
nten. Valentin machte noch einen
7«iBertuch, sie zu bestimmen, wenigstens
:^bie Nachtfahrt zu unterlassen, der
'-/Vag breche ja jetzt so früh an und sie
•v |önne beim ersten Morgengrauen
^Mufbrechen. Es war umsonst.
,$) Im Pfarrhause trat ihnen der
ote, ein Diener aus dem Schlosse,
ntgegen, der zu Pferde gekommen
S'tiar
aber er wußte auf die angst-
-vollen Fragen seiner jungen Herrin
Mtichts Tröstliches zu berichten. Die
-Frau Gräfin sei allerdings sehr krank
Jbcr Herr Doktor scheine die Sache
fernst zu nehmen und habe ihm die
Wgrößte Eile anempfohlen.
Michael hatte sich der Abmahnung
^-des Pfarrers nicht angeschlossen, jetzt
aber trat er hervor und fragte leise:
u^$iarf
ich Sie begleiten?"
V „Nein!" wor die ebenso leise, aber
-mit vollster Entschiedenheit gegebene
,* r, .^Antwort.
Er trat finster zurück.
Zehn Minuten später ,atz Hertha
/^bereits in dem kleinen Ber^wagen,
-den ihre Mutter stets benutzte, wenn
V* Wffie nach Sankt Michael kam, und des
sen auch sie sich bedient hatte. Der
Autscher war zuverlässig und der be«
^«leitende Diener wie der Bote, der
fiWch gleichfalls anschloß, ritten tüchtige
ȉergpserde.
Dennoch stand der alte Pfarrer be*
Kümmert am Schlage, aus dem die
1â:
1
•W-'
junge Gräfin ihm die Hand zum Ab
schied entgegenstreckte. Dann wandte
sich das scköne, jetzt so bleiche Antlitz
nach der Thür des Pfarrhauses, wo
•Michael stand. Ihre Blicke trafen
.sich noch einmal es wür ein Lebewohl
für immer!
„Gott gebe, daß der Sturm wäh
rend der Nacht nicht heftiger wird,"
sagte Valentin seufzend, als der Wa
gen abfuhr. „Bei einer wirklichen
Gefahr würden die Diener doch den
Kopf verlieren. Ich hoffte, Du wür^
deft der Gräfin Deine Begleitung an
bieten, Michael."
„Das habe ich gethan, aber sie
wurde in der bestimmtesten Weise zu
rückgewiesen, und aufdrängen konnte
ich mich selbstverständlich nicht."
Der Pfarrer schüttelte unwillig da?
greife Haupt.
„Wie konntest Du in einer solchen
Stunde empfindlich und gereizt fein!
Du siehst ja, in welcher Aufregung
Gräfin Hertha war, aber sobald es
sich um die Steinrück's handelt,
schweigt all Dein Gerechtigkeitsge
sühl, das weiß ich längst."
Michael erwiderte nichts auf den
Vorwurf, fein Blick folgte nur dem
Wagen, der.jetzt in der Biegung des
Weges versHwand, und flog bann zu
der Adlerwand hinüber, die weiß und
gespenstig in der zunehmenden Däm
merung dastand. Noch war sie klar,
aber um ihre Gipfel begann sich jetzt
Gewölk zu sammeln, Sturmgewölk,
das sich langsam und drohend zusam
menballte.
Valentin und sein Gast waren wie
der in das Haus zurückgekehrt sie
hatten sich seit dem Herbste nicht ge
sehen. Es gab unendlich viel zu
fragen und zu berichten, und das
gewünschte ungestörte Beisammensein
wurde ihnen ja nun im vollsten Maße
zu Theil. Dennoch wollte das Ge
spräch nicht in Gang kommen. Mi
chael war ungemein zerstreut und ein
silbig er schien manche Frage gar
nicht zu hören, gab falsche Antworten
oder fuhr wie aus einem Traum er
wachend dabsi auf. Der Pfarrer
bemerkte mit Befremden, daß er mit
seinen Gedanken ganz wo anders
war. --v.
Die Dämmerung begann überhand
zu nehmen, und die alte Katrin hatte
soeben Licht gebracht, da pochte es an
der Thür und gleich darauf trat ein
älterer Mann in Jagertracht ein, der
geradewegs auf den Pfarrer zuging
und den Hut zog.
„Grüß' Gott, Hochwürden, da bin
ich einmal wieder in Sankt Michael!
Kennen Sie mich noch? Es mögen
an die zehn Jahre fein, daß ich von
der Bergförsterei fortgegangen bin!"
„Wolfram, Ihr seid es!" rief Va
lentin in höchster Uebcrrafchtmg.
„Wo kommt Ihr her?"
„Von Tannberg. Ich hab' dort
hin gemußt, an's Landgericht, einer
kleinen Erbschaft wegen, die mir ein
alter Vetter hinterlassen hat. Da
nun Morgen gerade Michaelisfest ist,
wollt' ich mich doch einmal umschauen
nach der alten Heimath und auch nach
Ihnen, Hochwürden. Ich bin erst
vor einer halben Stunde angekom
men und beim Rainwirth abgestie
gen, wollte Ihnen doch aber heut'
Abend noch ,Grüß Gott' sagen."
Der Pfarrer blickte mit einer gewis
sen Verlegenheit auf Michael. Dies
unerwartete Zusammentreffen hatte
doch etwas Peinliches für den nun
mehrigen Offizier denn wenn Wolf
ram ihn auch vorläufig noch nicht er
kannte, so konnte das doch nicht aus
bleiben.
„Das ist brav, daß Ihr Euch noch
die Anhänglichkeit an mich und die
alte Heimath bewahrt habt," sagte
er etwas zögernd. „Ich bin nicht
allein, wie Ihr seht, sondern habe
einen Gast im Hause
„Weiß schon, einen Offizier,- fiel
der Förster ein, indem er'sich'stramm
ausrichtete und auch wirklich einen
echt militärischen Gruß zu Stande
brachte. Hab's schon gehört beim
Rainwirth. Ein Sohn von dem
Herrn Bruder da oben in Berlin!"
Michael hatte auf den ersten Blick
seinen ehemaligen Pflegevater wieder
erkannt. Es war noch die kraftvolle,
gedrungene Gestalt mit den harten
Zügen, Haar und Bart allerdings
grciu geworden, aber noch ebenso ver
wildert wie einst, die ganze Erschei
nuitg unverändert in ihrer derben
Bauernart.
In Rodenberg'S Brust wallte eine
bittere Empfindung auf, als er den
Mann vor sich sah, dessen Rohheiten
er Jahre lang hatte aushalten müs
sen, unter dessen brutaler Gewalt
seine Knabenzeit^ und seine 'ersten
Jünglingsjahre im eigentlichen Sinne
des Wortes verkommen waren. Wohl
sagte ihm fein GerechtigSkeitsgefühl,
der Förster habe es nicht besser ver
standen, dennoch gewann er es nicht
über sich, ihm mit der alten Vertrau
lichkeit entgegenzutreten. Es lag
etwas Unnahbares in seinem Wesen,
trotzdem er sich jetzt erhob und dem
Ankömmlinge die Hand hinstreckte.
„Der Offizier ist Ihnen doch nicht
ganz unbekannt, Herr Förster," sagte
er ruhig. „Ich dächte, wir Wien
unS schon früher gesehen."
Wolfram stutzte beim Klange der
Stimme und sab den Svrechenden
6on oben' bis unten an, schüttelte
dann aber verneinend den Kopf.
„Hab, nicht die Ehre gehabt, Herr
Hauptmann, so viel ich weiß. Nur
die Stimme meint' ich zu kennen und
Sie haben auch im Gesicht etwas
ja was ist's denn nur? Ich glaub',
Hochwürden, der'Herr da gleich dem
vertrackten Burschen, dem Michael,
der uns davongelaufen ist."
„Und auf den Ihr nicht gut zu
sprechen seid, wie es scheint."
„Das fehlte noch!" sagte der För
ster in seiner derben Weise. „Ich
habe Kreuz und Elend genug gehabt
mit betn Unheilsbuben. Bärenstark
war er ja, aber auch so dumm, daß
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keine wcenschenseeie etwas im* ,ym
anfangen konnte nichts begriff er,
nichts verstand er, und zuletzt brachte
er mich noch in Ungnade bei dem Herrn
Grafen. Ich war froh, als er aus
und davon ging und ich ihn loS
war er wird wohl irgendwo ver
dorben fein, denn er taugte zu gar
nichts in der Welt."
Michael lächelte flüchtig bei dieser
nicht gerade schmeichelhaften Charak
teristik, der Pfarrer aber sagte ernst:
„Da täuscht Ihr Euch, Wolfram,
wie Ihr Euch stets in Eurem Pflege»
föhn getäuscht habt. Seht Euch den
Herrn da genau an, es ist der Haupt
mann Michael Rodenberg."
Wolsram prallte drei Schritte zu
rück und starrte dann sprachlos, mit
weitaufgerissenen Augen Michael an,
als sehe er ein Gespenst vor sich.
„Der Herr Hauptmann der
Michael?" brachte er endlich mühsam
heraus.
„Der doch nicht so ganz verdorben
ist," ergänzte Michael. „Sie sehen,
er hat es trotz seiner Dummheit doch
bis zum Hauptmann gebracht."
Der Förster stand noch immer da,
als habe der Blitz vor ihm einge
schlagen und bemühte sich vergebens,
die unerhörte Thatsache zu begreifen.
Er blickte in hilfloser Verlegenheit
zu Michael aus, der jetzt, als er heran
trat, sehten ehemaligen Pflegevater
fast um Kopfeslänge überragte, und
wagte es kaum, die dargebotene
Hand zu berühren. Er stotterte einige
Worte, die halb Begrüßung und
halb Entschuldigung waren, kam aber
mit beiden nicht zu Stande, sein Be
griffsvermögen schien völlig aufzu
hören.
Valentin mit seiner gewohnten
Güte kam ihm zu Hilfe, indem er
nach feinem Ergehen in den letzten
zehn Jahren fragte aber es dauerte
eine ganze Weile, ehe Wolfram sich
soweit faßte, um überhaupt Rede
und Antwort zu geben, und als es
endlich geschah, that er. eS'i« ganz
verwirrter Weise.
Zu berichten hatte er freilich nicht
viel seine jetzige Stellung auf den
Gütern der jungen Gräfin Stein
rück brachte ihm allerdings ein weit
höheres Einkommen als die frühere,
sonst aber hauste er nach wie vor in
seinen Wäldern, gänzlich auf den
Verkehr mit feinen Dienstleuten an
gewiesen, kam nur selten mit ande
ren Menschen in Berührung und
schien das gleich halbwilde Leben zu
führen wie einst auf der Bergföste
rei. Den General sah er noch öfter,
denn dieser nahm es ernst mit seinen
vortnundschastlichen Pflichten und
pflegte die Güter seines Mündels per
sönlich zu inspiziren. Die junge
Gräfin aber, seine eigentliche Herrin,
hatte er heute zum ersten Male nach
zehn Jahren wiedergesehen er war
ihr begegnet, als sie mit ihrer Be
gleitung in das Schloß zurückkehrte.
Das Alles kam jedoch nur stückweise
und abgebrochen zum Vorschein. Da
bei hielt er noch immer hartnäckig die
Augen auf Michael gerichtet, ver
stummte aber sofort, wenn dieser
sich in das Gespräch mischte. Seine
Scheu schien eher zu wachsen, als sich
zu verlieren, sogar seine Derbheit
ließ ihn hier vollständig im Stich.
Michael zeigte sich übrigens ebenso
einsilbig und zerstreut in dem Ge
spräch mit dem Pfarrer selbst dies
unerwartete Zusammentreffen ver
mochte nicht, seine Gedanken abzu
lenken. Sie folgten unaufhörlich
dem kleinen Bergwagen, der jetzt
wohl schon ein Drittel des Weges zu
rückgelegt haben mochte, und plötzlich
erhob er sich und ging hinaus, um zu
sehen, ob der Mond, der soeben auf
gegangen war, auch hell genug leuchte
für die nächtliche Bergfahrt.
Wolfram sah ihm nach, sah dann
den Pfarrer an und sagte dann in
seltsam gedrücktem Tone:
„Hochwürden, ist es denn wirklich
toahrg Ist das wirklich und wahr
haftig der Michel, unser Michel?"
Valentin konnte sich eines Lächeln?
nicht erwehren, als er entgegnete:
„Ich dächte, das müßtet Ihr doch
nachgerade sehen."
„Ja, ich seh' es schon, aber glau
ben thu' ich es nicht," erklärte Wolf
ram. „Das soll der Bub sein, der
so oft meine Hand gespürt hat wegen
seiner Dummheit und Verstocktheit?
Der Rainwirth sagt ja, er wäre so
furchtbar gescheit, daß sie ihn eigens
in den Generalstab geholt hätten,
und in den beiden letzten Kriegen
wäre er auf den Feind losgegangen
und hätte dreingeschlagen, daß Alles
nur so krachte. Er ist ja auch jetzt
Hauptmann geworden, gerade wie
mein gnädiger Herr Graf, als ich vor
vierzig Jahren in seinen Dienst trat,
und er kann am Ende auch noch Ge
neral werden wie Seine Excellenz."
„Möglich ist das wenigstens, aber
hat der Rainwirth denn keinen Na
tuen genannt, der Euch aufklären
konnte?"
„Nein, er hat immer nur von dem
Hauptmann gesprochen und scheint
einen gewaltigen Respekt vor ihm zu
haben. Nun, so viel hab' ich auch
schon gemerkt, nah' kommen darf
man dem Herrn Michel nicht mehr.
Er ist ja freundlich genug, aber er
hat etwas in seiner Art wie: bleib'
mir zehn Schritte vom Leibe! Er
nennt mich ja jetzt auch Herr Förster,
'da werd' ich wohl auch Herr Haupt
mann sagen müssen."
„Ihr werdet allerdings den ver
änderten Verhältnissen Rechnung tra»
gen müssen,„ sagte der Pfarrer ernst.
„Und noch Eins, Wolfram! Es ist
nicht nöthig, daß Ihr dem Rainwirth
und den anderen Bekannten erzählt,
Hauptmann Rodenberg sei Euer ein
stiger Pflegesohn. Er ist damals mit
den Dorfleuten so wenig in Berüh
rung gekommen und hat sich so voll
ständig geändert, daß Niemand ihn
wiedererkannte, als er nach Jahren
als Offizier zu mir tarn*. Ich weiß,
Graf Steinrück hatte Euch strenges
Schweigen über Euren Pflegling auf
erlegt und Ihr habt geschwiegen.
Ihr würdet Michael und mich verbin
den, wenn Ihr da3 auch jetzt thun
wolltet."
„Das Schwatzen ist meine Sache
nicht, das wissen Sie ja, Hochwür
bett," entgegnete Wolfram kurz.
„Viel Ehr' kann ich auch nicht ein
legen mit meinen Prophezeiungen
Über den Michel die Leute würden
mich nur hänseln damit, und über
morgen gehe ich ja schon wieder sort
mir ist's recht, wettn die Geschichte
unter uns bleibt."
Das Wiedereintreten Michael'S
machte dem Gespräch etn Ende. Gleich
darauf verabschiedete sich der Förster
und kehrte zu dem Rainwirth zurück,
der die kleine Gastwirthschaft des
Dorfes hielt und dessen Gehöft eine
ganze Strecke vom Pfarrhaus ent
fernt war.
Die Dunkelheit war inzwischen völ
lig hereingebrochen und bald lag
ganz Sankt Michael in tiefem Schlaf.
Die Anzeichen, die dem geübten Auge
schon den ganzen Abend hindurch
kenntlich waren,! hatten nicht ge
täuscht.
Gegen Mitternacht brach in der
That ein Sturm los, mit einer Hef
tigkeit und Wildheit, die selbst in den
B-rgen zu den Seltenheiten gehört.
DaS kleine Alpendorf war hinreichend
vertraut mit den Herbst- und Früh
lingsstürmen, und die Bewohner
schliefen meist ruhig und sorglos,
wenn es über die niedrigen, steinbe
schwerten Häuser hinbrauste und an
den Thüren und Fenstern rüttelte.
Diesmal aber war das Heulen und
Toben so arg, daß es sie aus ihrer
Ruhe aufschreckte. Sie schlugen ein
Kreuz und blieben wach für alle
Fälle.
Auch im Pfarrhause schimmerte
Licht. Der Pfarrer hatte sich gleichs
falls erhoben und stand völlig ange
kleidet am Fenster, als er Michael's
Schritt auf der Treppe hörte.
„Ich sah Licht in Ihrem Zimmer,
deshalb kam ich herunter," sagte die
ser eintretend. „Der Sturm hat Sie
auch aus dem Bette gejagt ich dachte
es mir."
„Und Du bist wohl Überhaupt gar
nicht zu Bett gewesen?" fragte Va
lentin. „Ich habe wenigstens fort
während Deinen Schritt im Giebel
zimmer gehört. Du scheinst stunden
lang auf- und niedergegangen zu
sein."
„Ich konnte nicht schlafen und
dachte wirklich nicht daran, daß ich
Sie stören würde."
„Nicht doch, ich schlief ohnehin nn
ruhig, weil ich fortwährend an Grä
fin Hertha denken mußte.. Gott fei
Dank, daß der Sturm erst gegen
Mitternacht losbracht Sie muß schon
um elf Uhr im Schlosse gewesen
sein."
„Nehmen Sie das mit solcher Be
stimmtheit an?" fragte Michael hastig
und gepreßt.
„Gewiß, die Niederfahrt ist selbst
bei aller Vorsicht in drei Stunden zu
machen: so jange war der Himmel
noch klar, und überdies haben wir
Vollmond. Was ich fürchtete, war
ein zu frühes Ausbrechen des Stur
mes, der die Gräfin auf dem Wege
hätte überfallen können. Wenn sie
erst im Thal angelangt ist, gibt es
überhaupt keine Gefahr mehr."
W e n n s i e a n e a n i s wer
sich darüber Gewißheit verschaffen
könnte!" murmelte Michael.
Er mußte dem Pfarrer Recht ge
ben: aller Wahrscheinlichkeit nach war
Hertha längst in Sicherheit. Aber
die verzehrende Unruhe, die ihm den
Schlaf geraubt und ihn rastlos um
hergetrieben hatte, wollte nicht wei
chen. Es lag auf ihm wie eine un
bestimmte Angst, wie die Ahnung
irgend eines Unheils.
Er war gleichfalls an da? Fenster
getreten und Beide blickten eine Weile
schweigend hinaus in die Sturm
nacht, die ein ungewisser Tämmer
schein erfüllte. Ter Mond leuchtete
selbst durch den Wolkenschleier hell
genug, um auf einige Entfernung
hin die Gegenstände zu unterscheiden
plötzlich tauchte die dunkle Gestalt
eines Mannes auf, der vom Eingang
des Dorfes zu kommen schien und,
kraftvoll gegen den Sturm ankam*
pfend, geradewegs auf das Pfarr
haus zuschritt.
Michael's scharfeß Auge entdeckte
ihn zuerst er machte den Pfarrer
darauf aufmerksam, der verwundert
den Kopf schüttelte.
„In solchem Wetter? Da kann eS
lick nur um einen Kranken handeln,
der daS Sakrament verlangt aber
ich weiß augenblicklich von keinem
einzigen Krankheitsfall im Dorfe.
Der Mann kommt wirklich hierher
da werde ich ihm wohl öffnen müs
sen."
Er ging in der That hinaus, um
selbst zu öffnen, und gleich daraus
hörte man draußen die Stimme
Wolfram's.
„Ich bin's, Hochwürden! Ich komm
wie ein Gespenst um Mitternacht,
aber es hilft nichts. Wenn Sie nicht
wach gewesen wäre, so hätte ich Sie
Hera us pochen müssen.
„Was gibt es denn? Was bringt
Ihr?" fragte Valentin besorgt, in
dem er mit dem späten Gast wieder
in das Zimmer trat.
„Nichts Gutes, Hochwürden! Las
sen Sie mich nur erst zu Athem kom
men der verwünschte Sturm
er hat mich fast umgerissen auf dem
Wege! 'Ichkomm' wegen der jungen
Gräfin
„Gräfin Steinrück? Wo ist sie?"
sieb Michael ihm heftig in's Wort.
„Ja, das weiß der Himmel! In
das Pfarrhaus ist st* doch nicht zu
rückgekommen?'
„Um Gottcswillen, Äekn!" rief Va
lentin erschrocken. „Die Gräfin wollte
ja nach dem Schlosse."
„Ja, ober sie hat umkehren müs
sen. Dies verdammte Pferd scheute
..M
'etTX
vor einem Wildwaffer! Ich möchte
der Ereatur, die das ganze Unglück
angerichtet hat, den Hals dafür um
drehen. Und der Kutscher, anstatt
die ZügeJ festzuhalten, fliegt vom
Bock nun liegt er da, mit einem zoll
tiefen Loch im Kopfe. Der Dienet
hat ihn mit Mühe und Noth zum
Wirthshaus geschleppt, und die junge
Gräfin ist verloren gegangen auf dem
Rückwege. Kein Mettfch weiß, wo
sie ist und das gerade in dieser
Nacht, wo alle Teufel los sind!"
Er hielt itttie, um Athem zu schö
pfen Michael war leichenblaß ge
worden.
So unklar und verworren der Be
richt auch klang, er sah doch, daß
feine Unheilsahnung ihn nicht ge
täuscht hatte:
„Ist die Gräfin unverletzt geblie
ben? Wo hat der Unfall stattgefun
den? Und zu welcher Stunde? So
antworten Sie doch!"
Er stürmte mit allen diesen Fragen
so leidenschaftlich auf den Förster
ein, daß Valentin ihn trotz feiner
Angst befremdet anblickte. Wolfram
bemühte sich augenscheinlich, mehr im
Zusammenhange zu erzählen, und es
gelang ihm auch einigermaßen, aber
sein Bericht lautete barern nicht tröst
licher.
„Zu Anfang ist es ganz gut gegan
gen," berichtete er. „Die Straße
war im Mondlicht hell wie am Tage
und sie kanten ziemlich schnell vor
wärts. Da scheut die Bestie, das
Pferd, vor einem Wildbach, der in
zwischen losgebrochen ist und vom
Felsen tobt es setzt in blinder Angst
seitwärts hinein in das Steingeröll,
kommt dabei zu Fall und reißt im
Sturz den ganzen Wagen mit sich."
„Und die Gräfin ist wirklich nicht
verletzt worden?"
Die Frage klang ebenso stürmisch
wie die vorhergehenden.
„Nein, sie stand gleich wieder auf
den Füßen, aber der Kutscher lag da
und blutete und am Wagen war ein
Rad gebrochen. Die Diener hoben
natürlich den Kops verloren solches
Volk macht ja nur Dummeiten, wenn
es einmal anders hergeht als in sei
nem Schlosse. Die junge Gräfin
scheint die einzige Vernünftige gewe
sen zu sein, und sie brachte mit ihren
Befehlen denn auch Ordnung in die
Geschichte. Mit dem zerbrochenen
Wagen konnten sie nicht weiter also
blieb nichts übrig, als umzukehren.
Der Kutscher, der nicht von der Stelle
konnte, wurde in die Wagenkissen
gesetzt und der eine Diener blieb bei
ihm, während die Gräfin mit dem
andern sich auf den Rückweg nach
Sankt Michael machte und versprach
sofort Hilfe zu schicken seitdem hat
man nichts wieder von ihr gesehen
und gehört."
„Um welche Stunde ist das ge
schehen?" unterbrach ihn Michael.
„So etwa um neun Uhr."
„Dann hätte sie um zehn Uhr hier
seilt müssen und jetzt ist es eine
Stunde nach Mitternacht!"
Er stieß die Worte mit einer sol
chen Todesangst aus. daß der Pfarrer
ihm wieder jenen halb fragenden,
halb bestürzten Blick zusandte. Aber
Michael hatte jetzt nur Augev und
Ohren für den Bericht des Försters
und drängte in bebender Ungeduld:
„Weiter, weiter!"
„Ja, weiter ist nicht viel mehr zu
sagen," erklärte Wolfram. „Die
Beiden auf der Straße warteten zwei
Stunden lang als aber die Hilfe
noch immer nicht kam und das Wetter
immer drohender wurde, waren sie
gescheit genug, auf eigene Hand auf
zubrechen. Der Kutscher, der wieder
etwas zu sich gekommen war, wurde
auf das Pferd gefetzt, das der Andere
am Zügel führte, und so langten sie
denn endlich beim Rainwirth an,
kamen aber nicht weiter, weil der
Sturm gerade losbrach sie glaubten
jedoch steif und fest, die Gräsin sei
schon längst im Psarrhause. Nun
kam es freilich heraus, daß sie gar
nicht zurückgekehrt wqr sie hätte ja
beim Wirthshaus vorbeigemußt, aber
Niemand hat sie zurückkehren sehen.
Der Diener jammert um seine junge
Herrschaft und lamentirt wie ein
altes Weib aber er war nicht dazu
zu bringen, in dem Sturm auch nur
bis zum Pfarrhaufe zu gehen. Jen
hab' ich es unternommen, denn wissen
müssen Sie die Geschichte doch, Hoch
würden. 'Was machen wir nun?"
„Da ist ein Unglück geschehen!"
rief der Pfarrer, der mit steigender
Angst zugehört hatte. „Ich ahnte es
ja, als diese unselige Bergfahrt an
getreten wurde. Sie sind unterwegs
irgendwo abgestürzt."
„Ich glaube eher, daß sie sich ver
irrt haben," sagte Michael aber seine
Stimme bebte, trotz feines Bemühens,
sich zu beherrschen. „Die beiden Zu
rückkehrenden haben tè'ne Spur der
Vermißten gefunden?"
„Nein, nicht die geringste," versetzte
Wolfram mit Bestimmtheit.
„Dann ist auch kein Absturz er
folgt. Zwei Menschen mit zwei Pfer
den können auf der verhältnißmäßig
sicheren Fahrstraße nicht so spurlos
verschwinden sie haben den Weg
verfehlt."
„Aber er ist ja tzar nicht zu ver
fehlen," wandte der Pfarrer ein.
„Doch, Hochwürden, bei Almenbach,
wo es aufwärts nach der Bergkapells
geht. Die Wege gleichet* sich nur zu
sehr das Mondlicht täuscht, und wenn
die Gräfin den Irrthum nicht recht
zeitig bemerkt hat, dann ist sie in
die Klüfte der Adlerwand gerathen!"
0
rer
wie der Absturz!"
Michael biß die Zähne zusammen
er wußte, daß es keine Uebertreibung
war er kannte die Klüfte und Ab
gründe der Adlerwand noch von seiner
Knabenzeit her.
„Es ist die einzig deit&tm Mög
lichkeit." entgegnete er, »Jedenfalls
r- T^r»SW#-:.-fW.WPT/-^iwf#w i-W^T? m^:/-
ist keine Minute* mehr zu verlieren
es sind schon Stunben- darüber hin
gegangen. Wir müssen sofort hin
aus!"
„Jetzt? in dieser Nacht?" fragte
Wolsram den Hauptmann anstarrend,
als glaube er, dieser sei nicht recht
bei Sinnen, und der Pfarrer tief er
schrocken:
„Michael, was fällt Dir ein? D«
willst doch nicht etwa
„Die Gräfin suchen! Gewiß, daS
ist doch selbstverständlich. Soll ich
vielleicht ruhig hier im Hause bleiben,
während sie draußen all den Schrecken
der Sturmnacht preisgegeben ist?"
„Du sollst nur warten und nicht
versuchen, das Unmögliche zu erzwin
gen denn für den Augenblick ist das
unmöglich. Du kennst ja unsere
Berge und mußt es wissen, daß nichts
zu unternehmen ist, so lange der
Sturm mit solcher Wuth tobt. So
bald er nachläßt, sobald der Morgen
graut, werden wir aufbieten, was
Menschenkräfte nur vermögen. Jetzt
hinauszugehen wäre mehr als Toll
kühnheit, das wäre offenbarer Wahn
sinn."
„Wahnsisn ober nicht! ES muß
versucht werden!" brach Michael aus.
„Glauben Sie, daß ich mein Leben
achte, weniges das ihrige gilt? Und
müßte ich ihr folgen bis auf den Gi
pfel der Adlerwand und drohte dort
zehnfacher Tod ich entreiße sie der
Gefahr ober gehe mit ihr unter!"
Valentin faltete entfetzt die Hände.
Der jähe verzweiflungsvolle Ausbruch
verrieth ihm das lang behütete Ge
heimniß, bas er freilich in den letzten
Minuten geahnt hatte, und leise sagte
er:
„Steht eS so? Allmächtiger Gott!"
Michael achtete nicht darauf, er hatte
sich wieder zu Wolfram gewandt und
sagte:
„Ich brauche Gefährten wir müs
sen in verschiedenen Richtungen suchen
werden Sie mich begleiten?"
„Ich, rief der Förster zurückwei
chend. „Jetzt, wo alle Höllengeister
los sind da draußen in den Bergen?
So hat die wilde Jagd ja nie getobt
in all den Jahren, wo ich auf der
Bergförsterei war!"
„Verwünschter Aberglaube!" mur
melte Rodenberg, mit dem Fuße stam
psend. „So schaffen Sie mir den
Rainwirth her, der ist ein tüchtiger
Bergsteiger und ein unerschrockener
Mann."
„Mag sein, aber hinaus geht er
doch nicht bei solchem Wetter. Er hat
es schon vorhin verschworen, als die
Red' davon war, und gesagt, wenn
man ihm eine Tonne Gold bieten
wollte, er that es doch nicht Probiren,
er müßt' an Weib und Kinder den
ken."
„Wohl, so gehe ich allein!" sagte
Michael entschlossen. „Schickt mir
Hilfe nach, sobald der Morgen graut.
Der Rainwirth mit seinen Leuten
soll den Weg nach der Bergkapelle
einschlagen, den ich nehme, und ihn
nötigenfalls bis an die Adlerwand
verfolgen. Wolfram, Sie durchfor
schen mit den Andern die Waldungen
der Bergsörsterei, Ihr ehemaliges
Revier Hochwürden, lassen Sie die
ganze Fahrstraße noch einmal absu
chen, bis zu der Statte des Unfalls,
vielleicht findet Ihr doch noch eine
Spur bietet das ganze Dorf auf!
Ich habe keine Zeit mehr zu verlie
ren."
(Fortsetzung folgt.)
e e u o
„Da heute mein Namenstag tft,
schenk' ich Ihnen eine Mark. Trin
ken Sie auch ein Glas Wein auf
meine Gesundheit!"
„Vergelt's Gott tausendmal, gnä
dige Frau aber wenn's Ihrer Ge
sundheit net schaden thät' dann
kaufet' ich a' GlaSl Schnaps
dafür!"
A u s v è e i a 9 d.
Förster: „Was macht denn da
drüben der Herr Müller?"
JfEie sind also mit Schiller der
Ansicht, daß die beste Frau die ist,
über die Niemand spicht." „C
nein, mein Ideal ist die grau, die
itb.ev Niemanb spricht."
E i
Der Michel wurde leim Raufen
schrecklich zugerichtet. Als man ihn
nach Hause getragen, kommt der
Arzt. „Nun. meint dieser, „jetzt
werdet Ihr wohl nicht mehr raufen?"
„Na, Herr Doktor," antwortet
i e e s w a n i w i e e
a i u n i n
E o t. 4"
Vater der Braut: „(§& ich Ihnen
die Hand meiner Tochter zusage,
müßte ich mich nu*~doch erst nach
Ihnen erkundigen!"
Bewerber: „Aber mein Herr, ich
war doch bereits einmal verheira
thet!"
S a k e a n a s i e
Frau: „Du, Mann, ich glaube
sicher, daß unser neuer Zimmerherr
ein fürchterlicher Trinker ist."
Mann: „Weshalb denn? Er sieht
doch sehr solide aus."
Frau: „Ja, der Schein trügt. Ich
habe' beutlich bemerkt, baß er einen
Propfenzieher an seinem.
mefser hat."
o s a
ev Erster Kunde (zu einem anderen,
„Gott steh uns bet. nef der Pfctr- hxx tlus dem Rasirladen heraustritt):
c. „Das ware ja fast so schlimm rc» dauert wobl nock lavae drin-
„Es dauert wohl noch lange drin
neu?"
Zweiter Kunde: „Durchaus nicht,
die Herren sind alle fertig."
Erster Kunde: „Ich sehe' aber noch
alle Stühle besetzt."
Zweiter Kunde: „Du lieber Gott,
die sind nur nych zu erschöpft tzom
Blutverlust."
Natürlich hat capitultrt
Der reckenhafte Wecke? t,
Es kam zum Heirathsanirag, ttnb
bracht' sie ihn „zur Strecke?,
DerZuckcrhut.
V lt:c us Sonntagsruhe.
„Vater, Mutter läßt Dir fragen,06
De noch nich bald mit's Spielen fertig
bist. Komm doch man, bet Essen wird
ja kalt." „Ick passe!" „So. so!"
„Wie heißt et denn?" „Schel
len!" „Herzen!" „Picus, der
Buntspecht!" „Passe!" „Iran
sticht!" „Vater, Mutter
„Mutter soll miss Essen warten, bis
ick komme. Na, wodruff warfst denn
noch?!" „Uff Dir." „Jeb. rath
ick Dir!" Der Knabe schlich sich
von bannen, während „Vater" den
neunten Schoppen bestellte. Als der
Kleine nach einer Stunde zurückkehrte,
hatte Vater bereits den sechsten Bier
skat verloren und verlangte mit lallen
der Zunge von seinen Mitspielenden,
daß sie weiter spielten. „Ju—ju—
junge, je—jeh mal rufs tm sa—sage
Muttern, da—daß ick daß sie
mir drei drei Märker runner
schicken soll." „Drei Mark? Wofor
denn, Vater?" „Det jeht Di—Dir
nifcht nich an. Je—jeh, sag' ick
Dir!" Abermals verließ das Kind
die Kneipe, ohne daß sein VaterMiene
machte, mitzugehen. Schon nach
zehn Minuten aber erschien er wieder
und brachte „for Vätern" die Futter»
ration mit Mutterns Erklärung:
„Jeld is nich!" Auf einem Zettel, der
sich auf dem Deckel des „Futterkoââ."
befand, standen folgende Worte:
Selbst ein Brunnen schöpft sich *u2
Dieftâ ist der letzte Schmaâ
Semperidem. „Haben Sie
schon von dem großen Unglück gehört,
das die alte Löwin in der Schulischen
Menagerie angerichtet hat?" „Eine
Löwin?! Sonderbar! Die Löwin
nen sind doch im Allgemeinen nicht so
bösartig!" „Nun, es wird wohl eine.
Löwen Schwiegermutter gewesen
sew!"
e e n s e è N e S i
tnation. „Mein Gott, Herr Miil-»s'
ler, wie sehen Sie denn aus?" „Ge-»'.
stem Harmonie Kränzchen gewesen,?
vierzig Damen, fiutf Herten. Die an-
deren vier liegen noch tm Gipsver-'
band!"
A u s e e i e e i n e s
Missionärs. „Das Mens chen**V
fleifchfreffen wollen sie zwar immer.
noch nicht lassen, aber sie gebrauchen'
doch dabei schon Messer und Gabel."
Lieutenant: „Ach, wenn ich gewußt
hätte, Fräulein, daß Sie im heutigen*
Lustspiel so lachen Werbern det.'
Gott, ich hätt' es geschrieben!" ...
f-i V it
v
eine Strecke.^
Es 5,a!te bei Frau Stein'LogV'
Herr Wecke dieser Reck:
Glaubt', daß er liebgefeit und W
Der Lieb' die Waffen strecke.— |,
Cousine jung besucht Frau Stein?
Herr Wecke sah die Kecke,
•Und als sie ging, da brachte er
Sie heimwärts eine Strecke.
Bald kam-sie wieder, fand, daß, t*
Das Herz am rechten Fletfe
Sie legte Bresche stets bracht' f* A
yiaä) Haus sie eine Strecke,
'*W1
M-».
fcmt' aS
Herr Theobald Müller femr
einem schönen Morgen, nachdem et
einige Geschäftsgänge besorgt hatte, -,
ein Gasthaus,in dessen Neben
lokal einer
Versteigerung vorgenommen wurden
Wie er hörte, handelte es sich um nicht
abgeholte Gewinnste aus einer Wohl
thätigkeitslotterie. Eben kam ein,
Zuckerhut zum Aufwurf. „Hclt,^
dachte sich Müller, „den steigere ich^
Meine Frau ist ohnedies über das et«
was mager ausgefallene Geburtstags
geschenk noch immer gekränkt ein sol
ches Nachtragsgeschenk wird sie wieder
versöhnen um so mehr, als ich es*
hier auch sehr billrg bekommen werde!"1
Mit Feuereifer betheiligte er sich so-"
sort an dem Steigern, so daß er
schließlich, als er den Zuckerhut etli--'
chen hartnäckigen Konkurrenten abge
jagt hatte, mit einigem Schrecken be
merkte, er habe ihn weit ^theurer er*
standen,als die Waare in entern Kauf
laden gewesen wäre.
Mißmuthig über sich selbst, schleppte'
er die „theure" La.st nach Haufe, wo
ihn feine Gattin, welche eben die
Sonntagskleider gereinigt hatte, mit1
zorngeröthetem Gesicht empfing.
sieh' 'mal," rief sie, „wie Du das Geld
zum Fenster hinauswirfst diesesLoos -ß^t
habe ich in Deiner Rocktasche gefun»
den weißt Du denn fönst nichts zu ,,
laufen, als solchen Unsinn!" vi
Nur mit Mühe gelang es ihm, ih- .- 'V
rett Redefluß mit dem Zuckerhut zu
dämmen und sie einigermaßen durch
die Betheuerung zu versöhnen, daß et
ihn spottbillig erstanden. Während sie
ihre süße Beute nach der Küche trug, A
fiel ihm aber plötzlich ein, daß ja daK v
Loos, auf welches er ganz vergessen
hatte, schon langst gezogen sein müsse.
Er suchte in der Zeitung nach rich
tig, da stand's ja: die Ziehung sei vor
vierzehn Tagen gewesen und die nicht
abgeholten Gewinnste würden heute zu
Gunsten der Vereinskasse versteigert.
Mit jähem Schreck lief er zu dem Per
einskassirer, um zu erfahren, ob und
was er etwa gewonnen habe. „Das
wissen Sie noch nicht?" lächelte Lener.
„Sie Glückskind! Eilen Sie nur
schnell! Sie haben einen prächtigen»
Zuckerhut, gewonnen!'"—„O.ich Esel!"
rief da Müller, „so habe ich also met*
sen eigenen Gewinn ersteigert."
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Roman von L. Werne«»
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Treiber: „Er beschießt M»' Ha^
fen!"
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