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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, July 11, 1894, Image 2

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Augupen'S Licbhabcr.
Der Tag, an welchem Frau Holder
Horn auf vier Wochen in's Bad verrei
fen sollte, war herangenaht. Die
Koffer stehen bereits im Hausflur der
Kutscher fährt eben vor, um die Abrei
Lende an den Bahnhof zu bringen diese
selbst nimmt Abschied von ihrem Gat
ten, der ein betrübtes Gesicht heuchelt,
denn in seinem Innern herrscht heller
Jubel, die Alte 'mal auf einen Monat
loszuwerden und den fidelen Stroh
wittwer spielen zu dürfen. Diese aber,
die ihm nur halb traut, hat ihr Dienst
mädchen beauftragt, während ihrer
Abwesenheit Tag für Tag aufzunöti
gen. um welche Abendstunde Herr Hol
derborn vom Wirthshaus zurückkehrt,
wovon dieser jedoch Wind bekommen
hat. Wenn Auguste, so hieß das Mäd*
chen, noch einen Liebhaber gehabt hätte,
dann wäre ja nicht zu befürchten gewe
.sen, daß sie wirklich die betreffenden
Notizen machte, dann hätte sie ganz
sicher die Abwesenheit der Frau benutzt
um die Aüendspaziergänge mit ihrem
herzallerliebsten Schatz bis zur Mitter
«achtsstunde auszudehnen, wo dann das
Controliren der Heimkehr ihres Herrn
zur Unmöglichkeit geworden wäre.
Aber das dumme Ding hat ja keinen
Anhang, dachte Herr Holderborn und
zerbrach sich den Kopf darüber, wie es
todhl anzustellen sei, damit sie einen be
käme. Und es gelang ihm wirklich, ihr
einen solchen zu verschaffen.
Denn am gleichen Tage, an dem ihre
Herrin in's Bad gereift war, paßte ein
Mann des Abends ihr auf xmd als sie
auf die Straße trat, um im Kaüfladèn
einige Cigarren für Herrn Holderborn
zu holen, redete er sie an, begleitete sie
bis zu dem Laden, von da wieder bis
ans Haus zurück, fortwährend dabei
»Süßholz raspelnd". Einige Tage
später ging sie des Abends mit ihrem
neuen Liebhaber fort und kehrte erst
lange nach Mitternacht wieder in die
Behausung Holderborn's zurück. Die
ser freute sich ob der ihm gelungenen
List, dem Mädchen einen Schatz ver
schafft zu haben, ganz riesig und wäh
rend der vier Wochen, wo seine Gattin
abwesend war, kehrte er mehr als ein
mal Nachts um Zwölfe mit einem colof
salen Rausch behaftet nach seiner Woh
nung zurück, denn Auguste konnte ja
nicht mehr controliren und mußte froh
sein, daß er über ihr nächtlichesSchwär
«in ein Auge zudrückte.
Als die holde Gattin endlich zurück
gekehrt, war es ihr erstes, sich von Au
Huste die Kontrolliste vorlegen zu lassen
und sie nickte zufrieden mit dem Kopfe,
als sie daraus ersah, daß ihr Gatte im
mer so schön um die neunteAbendstunde
wieder aus der Kneipe in sein Heim zu
rückgekommen war.
Sobald aber Frau Holderborn wie
der daheim hauste, verschwand auch der
Liebhaber Augusten's zu deren größtem
Leidwesen auf immer nur Herr Hol
derborn sah ihn noch einmal an dem
Tage, wo er ihm den Lohn für sein
vierwöchentliches Poussiren auszahlte:
„Dienstmann," sagte er zu ihm, „Sie
haben meinen Auftrag zu meiner groß
tat Zufriedenheit ausgeführt. Sie
machten der Auguste stramm den Hef
's nächste Jahr, wo wir sicher wieder ein
anderes Mädchen haben werden, sollen
Sie während der Abwesenheit meiner
Gattin wieder auf die gleiche Weife be
schäftigt werden, vorausgesetzt, daß
Neses auch keinen Liebhaber hat."
Das Alter der Speisekarte.
Auf einem im Jahre 1489 zu Re
Hensburg abgehaltenen Reichstage er
regte Herzog Heinrich von Braun
schweig Aufsehen dadurch, daß beim
Schmaus „ein langer zedel bei ihm us
der Tafel liegen that, den er oftermal
besähe." Graf Hang von Montfort
fragte den Herzog schließlich, was er so
eifrig left. „Also ließ ihn der Herzog
den zedel sehen. Darin hat ihm der
tuchenmeister alle esen und trachten in
der Ordnung ufgezeichnet und kunnt
sich demnach der Herr Herzog mit sinem
esen darnach richten und sinen apetitom
uf die besten trachten sparen." Die
Speisekarte ist also eine Einrichtung,
deren 400jährige3 Jubiläum vor vier
Jahren sang- und klanglos an der
Nachwelt vorübergegangen ist.
k' ^—Beruhigend. Vater: Wenn
ntzme Tochter es denn durchaus will,
so kann ich Ihnen meine Einwilligung
nicht länger vorenthalten. Aber dazu
müssen Sie sich verstehen, denn es ist
doch ein eigenthümliches Gefühl, wenn
man sein einziges Kind, für das man
so treu 18 Jahre lang gesorgt hat,von
sich geben soll. Bewerber: O, was
diesen Punkt anbelangt, so soll es Jh
«en gerne unbenommen bleiben, dies
Mlch itt Zukunft thun zu dürfen!
A u f.-gegeben. Herr H. (der
qern ein Geschenk machen will, fragt):
Nun. lÄber Johann, wann ist der
Geburtstag Ihrer Schwester? Jo
Hann: Ach, meine Schwester hat es
schon seit sehr langer Zeit aufgegeben,
noch Geburtstage zu haben!
-7 Frauenlogik. Mann:
„Aber, liebes Weibchen, wo denkst Du
hin das ist schor das sechste Kleid
in vier Wochen!" Frau: „Aber das
macht doch nichts! Je mehr Kleider ich
Sjabe, desto mehr schone ich jedes!"
Be r«Hj enè). Kokette:
JÜBknn ich in Ihren Jahren wäre,
Mm Major, toütte ich doch etwas vor
KWger mit der Gesundheit umgehen!"
Major: „Ja, danken Sie Gott, daß
Cte e#S den Jahren schon heraus
mr
Gutes Beispiel. Bater
Gchhlck aus dMMaß
zu« kleinen Kinde,
Wcht trinken will):
trink, schau, Dei Ba-
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Modern.
Iehan Sou
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.Eins •L~ zwei drei!"^
Geschmeidig wie eine 'Katze
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Georg Barton mit diesen Worten über
das niedere Fensterbrett, setzte die Ze
henspitzen behutsam auf den weichen
Teppich i^nd murmelte selbstgefällig:
„Da bin ich wirklich! Nirgends ein
Laut, Alles ist still wie ein Grab, der
Gott der Diebe war mir abermals
hold!"
Die geübten Finger des nächtlichen
Eindringlings fügten geräuschlos den
Rahmen des Fensters wieder zusam
men dann zog er vorsichtig seine La
terne aus der Tasche, schob den Deckel
zur Seite und ließ den Lichtstrahl über
die Wände des Gemaches streifen, das
er mit der Miene des Kenners musterte.
„Hm, nicht übel, das sind holländi
sche Gobelins, wenn ich nicht irre!"
Doch sein praktischer Sinn führte ihn
schnell wieder zu dem eigentlichen Zweck
seines Besuches zurück. Er bekleidete
die dicken Sohlen seiner Stiefel mit
leichten Gummischuhen und wandte sich
resoluten Schrittes nach der Ausgangs
thür wie ein Mann, der mit den Gele
gescheiten des Hauses auf das Genaueste
bekannt ist.
Georg Barton war ein methodi
scher Mann, ein Künstler in seiner Art,
der sein nächtliches Gewerbe mit einem
gewissen Raffinement und Eleganz zu
betreiben pflegte. Seit zwei Monaten
schon hatte er fein Augenmerk auf die
„Villa Janina" im Prinzenpark, einem
der fafhionablsten und reichsten Viertel
von Paris, geworfen und sie als befon
ders geeignet für sein Vorhaben auser
sehen sie vereinigte auf das Glück
lichste alle Bedingungen, die er gemei
niglich für feine industriellen Opera
tionen verlangte: eine abgelegene
Villa ohne Nachbarn, ohne Ketten
Hunde, ja selbst ohne den störenden
Schutz festgeschlossener Läden. Das
hohe Erdgeschoß schien den Fenstern
einen genügenden Schutz zu gewähren
und hatte es auch bisher gethan die
üppigen Rosen, die es zierten, hatten
Herrn Barton's Finger woh! zerstochen,
aber sie hatten ihm gefällig ihren kräf
tigen Stamm geboten, daß er sich leicht
wie eine Katze an demselben hinauf
schwingen konnte.
Auch die Bewohner der Villa ent
sprachen genau Herrn Barton's Bedin
gungen. Eine einzeln stehende junge
Dame, deren ganze Dienerschaft aus
einer ältlichen Kammerjungfer bestand,
kein störender Gemahl, nicht einmal ein
Schoßhündchen, dessen unzeitiges Ge
bell hätte störend wirken können. Die
Damen selbst ohne Anhalt in der gro
ßen Stadt, allein Anschein nach Ameri
kanerinnen! Ein wahres Kinderspiel,
wenn die Sache sich wirklich der Mühe
lohnte!
Herr Barton hatte daraufhin weitere
Erkundigungen eingezogen, die in jeder
Hinsicht für befriedigend gelten durs
ten: Die Herrin selbst schien durchaus
unzugänglich, ihre Zofe aber war um
so leichter zu gewinnen. Nach drei
Tagen zählte Barton zu ihren Freun
den, nach vierzehn Tagen war er ihr
erklärter Bräutigam.
Miß Julia, der Gegenstand seiner
Verehrung, war freilich nichts weniger
als schön eine schwerfällige Schottin
mit langen, plumpen Füßen und einer
struppigen, blonden Mähne, aber das
schadete nichts, d:nn vom „Versprechen"
bis zum Heirathen war immer noch ein
Schritt, den Herr Barton niemals zu
machen hoffte. Er beschränkte sich auf
die kleinen Äufmerksamkeiten eines
Bräutigams und that sein Möglichstes,
um mit jedem Geschenke etwas tiefer in
die Geheimnisse der liebenswürdigen
Herrin seiner Braut einzudringen, und
das gelang ihm vollkommen.
Bald kannte er Namen und Stand
der jungen Dame und wußte, daß die
selbe, Miß Eva Lorrng, einer angesehe
nen Familie aus Boston entstammte,
daß sie jung, reich und unabhängig war
mit einem starken Anflug von Origina
litat.
Nach einem Monat eifrigen Werbens
beschränkte sich freilich feine ganze Wis
senschaft auf diese geringen Einzelhei
ten. Miß Julia hatte für alle übrigen
Erläuterungen, die er ihr abzulocken
suchte, nur die eine Antwort:
„Wann ist unsere Hochzeit?"
„Bald, mein Engel," antwortete «t
mit derselben Konsequenz.
Aber Miß Julia behielt die Ober
hand, und endlich mußte Herr Barton
doch seinen neuen Fortschritt mit einem
Ring erkaufen, den er galant der alten
Jungfer an den Finger steckte und zum
Danke dafür von ihr mit dem ersten
Kuß die Nachricht erhielt, daß Miß
Eva Loring eine wahre Millionärin
wäre. Sie lebte, nach Aussage der
Miß Julia, in Unfrieden mit ihrer Fa
milie, ja mit der ganzen Welt sie er
streckte ihre menschenfeindlichen Gesin
nungen bis auf die achtbarsten Bank
Geschäfte, so daß sie ihr Vermögen allein
verwaltete und dasselbe in Gestalt von
Gold und Diamanten von unschätzbar
rem Werthe stets in ihrem eigenen Ver
wahr behielt. Kurz, daß sie eine När
rin im wahren Sinne des Wortes fei!
Welch' eine Enthüllung! Herr Bar
ton gestand sich selbst befriedigt ein,
daß er seine Zeit nicht verloren hätte,
und schwankte einen Augenblick, ob er
noch bis zur Hochzeit schreiten solle.
Aber wozu? Er wußte genug, ei
durfte es auf dem Versprechen beruhen
lassen, doch setzte er, um sich jeden Ge
danken an einen Ausschub abzuschnei
den, den dritten Tag als denjenigen
fest, an dem er seine liebliche Braut an
den Altar führen wollte. Dann, nack
einem letzten Kuß von der Geliebten,
begab er sich augenblicklich an die Vor
bereitungen. zu der Expedition, b!e ei
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Außerhalb des Salons, den er leise
durchschritten, fand faexv Barton die
Treppe, die er flüchtigen Fußes hinauf
eilte, immer zwei Stufen zugleich über
springend. Oben, auf dem Treppen
absatz, machte er einen Augenblick Halt,
um zu überlegen Alles um ihn her
lag in tiefster Ruhe.
„Julia hat gesagt, den Gang linier
Hand, dann gerade aus bis an die erste
Thür rechts, die direkt in Eva's Zim
mer führt! Gut, das stimmt, nun noch
einen Blick aus die Utensilien hier ist
der Revolver, das Chloroform, um den
Leib habe ich den Saâ für das Gold
und die Diamanten jy, das stimmt.
Nun vorwärts!"
Herr Barton hob seine Laterne bis
an das Schlüsselloch smb spähte aber
mals, ob Alles ruhig blieb dann faßte
er den Drücker mit fester Hand, drehte
ihn um, und die Thür hob sich gerausch
los in ihren Angeln.
„Welch ein Glück!" Wachse er bei sich,
indem er feinen Körper leise durch den
Spalt schob end die Thür wieder hinter
sich zumachte. „Schloß und Angeln
sind gut geölt, es geht wirklich nichts
über eine wohlbestellte Häuslichkeit!"
Alles schwarz und still wie ein Grab!
Barton steht still und horcht auf feie
Athemzüge in der Richtung Vtè Bettes.
Nichts! „Ein sanfter Schlaf wie der
eines Kindes," denkt er bei sich, „selbst
nicht ein Athemzug! Was nun?"
Er steht unschlüssig, soll er von den
Utensilien Gebrauch machen, die er bei
sich führt? Bah, H:rr Barton ist ein
Philanthrop, der nur im Fall legitimer
Vertheidigung einer Frau den Hals ab
schneiden würde! Chloroform? Ja,
aber nur, wenn Miß Loring Miene ma
chen sollte, zu erwachen! Sie schläft
so fanft, so ruhig!
Mit instinktiver Sicherheit wendet er
sich nach dem ersehnten Bureau, das die
Gegenstände seiner Lüsternheit enthält
tibr weiche Teppich auf dem Fußboden
dämpft den leisesten Laut feiner
Schritte. Seine Hand berührt den
Knopf der Schublade, er zieht sie behut
sam auf und läßt das Licht seiner klei
nen Laterne auf die angehäuftenSchätze
fallen.
Da erhellt ein fcharfer Lichtstreifen
plötzlich das Gemach, und eine sanfte,
wohltönende Frauenstimme spricht mit
ungekünstelter Ruhe:
„Ah, Sie sind es, ich hatte es wohl
gedacht."
Mit einer Ekberde des Entsetzens
wendet Herr Barton sich zur Flucht,
aber die Stimme fährt fort:
„Halt oder Sie sind des Todes, ich
verfehle nie mein Ziel!"
Beim hellen Schein des Lichtes, das
feine Augen blendet, erkennt Herr Bar
ton, indem er zu der Sprechenden auf
blickt, den Lauf eines Revolvers in der
Hand einer jungen Dame, so schön und
anziehend, wie er noch nie eine gesehen!
Aufrecht sitzt sie da, umhüllt von den
weichen Federn und Spitzen ihres Bet
tes, ein wahres Götterbild!
„Das Licht, welches Ihre Augen
blèndet, ist eine kapitale Erfindung un
serer Zeit, mein Herr! Sehen Sie, ich
brauche diesen Knopf nur einmal zu
drehen, so umgibt mich Tageshelle
drehe ich noch einmal, so wird es wieder
Nacht, sehen Sie, wie einfach!"
Zwei Sekunden genügten zum Be
weise dieses doppelten Experimentes.
Herr Barton steht wie festgewurzelt auf
demselben Punkte zum ersten Mal in
seinem Leben sieht er sich gefangen!
Was soll er beginnen? Zumal in dieser
Verderben drohenden Nähe des Revol
vers? Was soll er der Dame erwi
dern, deren üppiges Goldhaar sich wie
ein keuscher Mantel um ihre Schultern
legt, deren große, feste Augen sich nicht
einen Augenblick von ihm wenden, um
deren Mund ein spöttisches Lächeln
schwebt, während ihre feingebogeneNase
und ihr scharfes Kinn eine so eiserne
Energie bekunden.
„Ich bin Miß Eva Loring aus Bo
ston," hebt die Stimme wieder an, „und
Sie sind Herr Barton, Herr Georg
Barton aus Philadelphia, „mein
Georg", wie Julia sich ausdrückt. Das
arme Mädchen! Sie ist ein vorzügli
ches Medium, das nichts Geheimes vor
mir haben kann, ich schläfere sie ganz
nach Belieben ein. Und Sie, Herr
Barton, glauben Sie an Hypnotismus?
Ob ich Sie wohl auch einschläfern
könnte?"
Herr Barton verstand kaum denSinn
dieser Worte, die so weich und versüh
rerisch in seinen Ohren erklangen er
fühlte plötzlich eine fremde Kraft, welche
die Stärke seiner Muskeln, die Freiheit
seines Denkens zu brechen schien.
„Ich will mich gleich davon überzeu
gen." fuhr die junge Dame fort und be
schrieb mit ihrer linken Hand leichte
Kreise in der Lust, während die Rechte
unverändert den Lauf des Revolvers
auf das Haupt des Diebes gerichtet
hielt, und ihr Auge unverwandt das fei
nige fixirte mit einem Blicke, der Herrn
Barton bis in's Innerste der Seele
drang, wie um ihm etwas zu entwen
den, das ihm gegen seinen Willen ent
floh, sein Ich, seinen freien Willen, er
wußte selbst nicht, was!
Die weiße Hand senkte sich langsam
herab, und ihre Besitzerin sprach:
„Es geht ganz gut, wie fühlen Sie
sich, Herr Barton?" i
„Hm, ganz sonderbar! v 'i
Die Antwort entschlüpfte IWMbe
wußt feine Stimme klang hohl, fern,
wie die eines Schläfers oder eines vom
Opium Betäubten.
„So fühlt man sich immer beim er
sten Versuch," erwiderte Miß Eva ge
lassen. ..sagen Sie mir ohne falsche
©intr H#rr Barton, gehören Sie zu
den Geschickteren in Ihrem Berufe?"
„B'S jetzt hielt ich mich allerdings.../
antwortete Herr Barton mit Anstren
gung, indem er die Hand ungeduldig
ân die Stirne führte, wobei ihm feine
DiebSlattrne entfiel und auf den Boden
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xollte. Miß Eva, deren scharfen Blicke
nicht einen Augenblick sein Auge der
lassen, fährt fort:
„Sie werden ein sehr gutes Medium
abgeben,
Sie
sind
vortrefflich
dazu an-
gelegt ich habe immer behauptet, daß
die verbrecherischen Ideen nicht allein
in abgestumpften Köpfen auftreten
was halten Sie davon, Herr Barton?"
„Ich weiß nicht," antwortet Herr
Barton mit einem Seufzer, unbeweglich
wie ein Marmorbild.
Miß Eva lächelt, Herr Baiton eben
falls, obwohl ohne sichtliches Wohlbe
hagen, und Miß Eva lacht noch herzli
cher über sein klägliches Gesicht. Auch
Herr Barton lacht mit einem abscheuli
chen Grinsen, Md Miß Eva spricht mit
Heiterkeit:
„Sie sind wirklich ein vorzügliches
Medium, ein viel besseres, als ich an
fangs glaubte."
Sie neigte den goldig umwogtenKopf
auf den weichen Batist ihres Kissens,
während ihre rechte Hand den drohen
den Revolver behutsam auf die purpur
rothe Steppdecke sinken läßt. Dann
wählt sie nachlässig aus einer Malachit
schale am Kopfende des Bettes eine feine
Ctgaretfe, steckt dieselbe in eine pracht
volle, mit Türkisen gezierte Bernstein
spitze und zündete dieselbe ganz behag
lich an, als ob sie den Dieb ganz ver
gessen hätte.
Dieser jedoch folgte jeder ihrer Bewe
gungen mit der gespanntesten Aufmerk
famkeit er empfand eine gewisse Er
leichterung darüber, daß die Augen der
jungen Dame ihn nicht mehr so scharf
sixirten, zugleich aber war er sich voll
kommen bewußt, daß Miß Eva im
Stande war, den geheimsten feiner Ge
danken wie in einem offenen Buche zu
lesen. Und fast in demselben Augen
blick gab sie ihm einen Beweis davon,
indem sie sagte:.
„Mein Revolver? Sie sind nicht im
Stande, sich desselben zu bedienen."
Sie blies das Streichholz aus, warf
es in das Kamin und fuhr fort:
„Auch Ihr Chloroform würde Ihnen
nichts nii^enf nicht wahr, Sie haben
welches in Ihrer rechten Rocktasche?"
Zum zweiten Mal hatte sie seine Ge
danken errathen! Diese Miß Eva war
augenscheinlich eine Fee oder eine jener
allwissenden Zauberinnen, von denen
Herr Barton trotz feiner geringen lite
rarischen Bildung in seiner Jugend ge
lesen hatte!
Nachdem Miß Eva ihre Cigarette in
Brand gesetzt hatte, wandte sie sich wie
der zu ihrem ungebetenen Gaste und
fragte:
„Sie hatten sich wahrscheinlich nicht
auf diesen Empfang vorbereitet, Herr
Barton? Die Diamanten, welche Sie
in der oberen Schublade suchten Sie
haben vortreffliche Erkundigungen ein
gezogen ganz richtig, dort oben, wol
len Sie mir das Köfferchen einmal her
bringen?"
Er gehorchte mit der Pünktlichkeit ei
nes Automaten und wandte sich um be
freit von dem Banne ihrer Augen fühlte
er abermals ein unbestimmtes Verlan
gen, feine Willenskraft wieder zu erlan
gen aber Miß Eva sprach freundlich:
„Es ist ganz unnütz, sich gegen mei
nen Willen aufzulehnen, Herr Barton
ich würde es an Ihrer Stelle nicht mehr
versuchen, Sie sind ein viel zu gutes
Medium."
Und der arme Herr Barton, der den
Sinn dieses fremden Wortes nicht ein
mal verstand, war wirklich ein vorzüg
liches Medium! Gehorsam wie ein
Sklave nahm er das verlangte Köffer
chen in feine Hände und stellte es auf
den Tisch am Kopfende des Bettes, ganz
in der Nähe Miß Eva's, deren zarte
Formen sich unter der leichten Decke mit
verführerischer Genauigkeit modellirten.
Als ob sie sich selbst von der Juris
diktion dieser Nähe Rechenschaft gäbe,
hüllte Miß Eva sich keusch in die dich
ten Rauchwolken ihrer Cigarette und
sprach, wie um sich zu entschuldigen^
„Sie gestatten, daß ich rauche, nicht
wahr? Es ist ein Rest meiner schlech
ten amerikanischen Erziehung! Das
Köfferchen hat kein Schloß, nein, nur
einen Knopf, auf den man drucken muß.
so..."
Der Deckel sprang empori Beim
Scheine der Edison'schen Lampe er
glänzten die- Diamanten in tausendfa
chen Regenbogenfarben von überraschen
der Pracht!
„Ich muß Ihnen doch meine Steine
zeigen, Sie haben es wohl verdient,"
sprach die kleine Fee, „sie sind ihre hun
derttaufend Pfund Sterling werth, auf
mein Wort. Und dort, in der anderen
Schublade, die Sie vorhin geöffnet, lie
gen zehntausend Pfund in baarem
Gelde finden Sie nicht auch, daß sie
bei mir sicherer aufbewahrt sind als in
einer Bank? Sie verlieren durch meine
Schuld wirklich ein gutes Geschäft, und
doch habe ich gar nichts Besonderes ge
than, ich habe einfach die letzten Fort
schritte der Wissenschaft auf Sie ange
wendet."
Die hübsche weiße Hand zündete eine
zweite Cigarette an und strich die goldi
gen Locken aus der Stirn zurück.
„Wie alt sind Sie, Herr Barton?
Sechsunddreißig Jahre? Und ich?
Ich bin nur zwanzig Jahre alt.
Schon als kleines Mädchen erkannte ich
meine Gewalt über gewisse Menschen,
und ich habe sie nach Kräften vervoll
kommmt. Vater- und mutterlos, ganz
allein in der Welt, habe ich die Verwal
iung meines Vermögens mit neunzehn
Jahren übernommen. Ich lebe mit
Julia, die mir als Medium dient. Die
ser letzte Umstand scheint Ihnen nicht
ganz zu gefallen, ich kann es leider nicht
ändern. Was soll ich nun mit Ihnen
machen? Ah. ich weiß."
Der zarte Finger berührte leise einen
Elfenbeinknopf Herr Barton steht ver«
dummt, unbeweglich itofc Miß Eva
fährt fort:
1
V S* ,.j. .- .AA—- .'.. itr-«.
w
i,
..Ich rufe Ihre Braut, das thue ich
oftmals in der Nacht, wenn ich meine
Kräfte üben will. —. Da ist sie schon,
sehen Sie."
Miß Julia erscheint aitf der Schwelle
im einfachsten Nachtkostüm, fast ebenso
fürchterlich wie Miß Eva's Revolver
für die erschrockenen Augen ihres Bräu
tigams.
Auf eim einzige Bewegung Miß
Eva's bleibt ihr Geschöpf wie angewur
zelt stehen.
„Julia ist ein vorzügliches Medium,
wie ich Ihnen sagte, Herr Barton das
leiseste Zeichen von mir genügt, um sie
einzuschläfern. Sie können sich selbst
davon überzeugen. Julia, hier ist
Herr Barton in Geschastsangelegenhei
$en Du hattest feinen Berus errathen,
aber Du warst im Irrthum zu glau
ben, daß er seinen Raub mit Dir thei
len würde, oder doch, Herr Barton?"
„Lieber den Tod!"
HerrBarton sprach mit fürchterlichem
Ernst. Miß Julia rieb sich die Augen,
ohne zu erwachen.
„Das ist nun die neunte Hèirath,
welche auf diese Weife aufgelöst wird,
arme Julia!"
Miß Eva lächelte mit undeutlichem
Liebreiz Herrn Barton's Lächeln ver
zog sich zu einer abschreckenden Gri
mâsse, Miß Julia's Ausdruck jvat
nichts weniger als heiter, ^hre Hände
ballten sich krampfhaft.
„Nein, Julia, Du wirst das Gesicht
Deines Bräutigams nicht zerfleischen
es ist zu hübsch, besonders wenn er
lacht!" sprach Miß Eva und lehnte sich
behaglich in den weichen Flaum ihres
Bettes, Ehrend ihr rosiger Mund mit
beneidenswerter Geschicklichkeit weiße
Ringelchen-in die Luft steigen ließ.
Nach einem Augenblick wollüstigen
Genießens begann sie mit ausgesuchter
Höflichkeit:
„Sie würden mich sehr verbinden,
Herr Barton, wenn Sie dieses Köffer
chen wieder an feinen Platz stellen woll
ten."
Der Dieb gehorchte mit einer Gefäl
Iigkeit, welche für dergleichen Geschäfte
sonst nicht zu s?'nen Gewohnheiten ge
hörte.
,y
„Jetzt," sprach das junge Mädchen,
„sehen Sie mich ordentlich an, Herr
Barton."
Er that es. Miß Eva maß ihn mit
verächtlichen Blicken und fuhr fort:
„Dein. Bräutigam ist wirklich nicht
übel, Julia, aber bort, dieser blaue
Fleck im Augenwinkel ein kaum zu
erkennendes Stahlstäubchen möchte ich
es nennen beweist, daß er ein er
staunlich fügsames Medium ist. Sie
müssen Ihren kleinen Mißerfolg von
heute Nacht einfach Ihren Augen zu
schreiben, Herr Barton unter allen
denen, welche die schönen Augen meiner
Julia mir zugeführt haben, sind Sie
unbedingt das beste Subjekt. Glau
ben Sie mir, wenn man Ihre Karriere
verfolgen will, muß man unbedingt mit
den neuesten Fortschritten der Wissen
fchaften Schritt halten. Indem Sie
diesen Punkt vernachlässigten, haben
Sie einen Fehler begangen, der hun
dertmal größer ist als alle Ihre Verge
hen. Sie sind ein lebendes Beispiel
von der Nachlässigkeit eines Diebe!
Ich hätte beinahe Lust, Sie in Ihrem
jetzigen Zustande zu lassen und Sie als
üMea einer Vorlesung zu verwerthen,
die ich vorbereite. Aber ich habe andere
Pflichten, welche mich für den Augen
blick davon abhalten. Nehmen Sie eine
Feder, dort auf dem Schreibtisch finden
Sie auch Papier und schreiben Sie mit
großen, leserlichen Buchstaben:
„Ich bin Georg Barton, meines Ge
werbesein Dieb weitere Auskunft zu
erfragen in der Villa Janina, im Prin
zenpark."
Barton schrieb ohne Widerstand mit
großer, leserlicher Hand sobald er fer
tig war, befahl Miß Eva:
„Julia, geh und hole eine Nähnadel
und starkenFaden aus Deinem Arbeits
tischchen und nähe dieses Papier auf die
Jacke des Herrn Barton."
Miß Julia schickte sich mit kläglicher
Miene an, den Befehl auszuführen in
weniger als einer Minute war die ori
ginelle Visitenkarte auf dem Rücken des
Geliebten befestigt.
„Gut," sprach Miß Eva, „unter der
Jacke wirst Du statt des Gürtels einen
großen, leinenen Sack finden. Nimm
ihn ab, mache ihn auf und lege ihn auf
den Teppich. So... Herr Barton,
wollen Sie so gut sein, sich selbst in den
Sack zu bemühen, Julia wird Ihnen
dabei behilflich fein. Schön, scheuen
Sie sich nicht, sich dabei auf den starken
Arm Ihrer Braut zu stützen so ist's
recht!"
Der Dieb, der mit automatischer Ge
schicklichkeit alle Befehle feiltet Gebiete
rin ausführte, schlüpfte mit Hilfe feiner
Braut in den Sack, den er zu feinem ei
genen Nutzen mitgebracht er hatte
längst auf jeden Widerstand verzichtet.
„Jetzt, Julia, geh und hole das große
Knäuel Bindfaden aus der Küche."
Schweigend gehorchte Julia, obwohl
sie ihren Geliebten mit ganz anderen
Banden zu umschlingen gehofft hatte.
Aber auch ihre Kraft war seit langem
gebrochen, wie hätte sie sich gegen den
Befehl ihr$r Herrin auflehnen sollen?
Mit sicherer Hand wickelte sie den lan
gen Strick um Kopf, Hals und Schul
tern des theuren Mannes und warf
ihn schließlich wie ein Paket auf den
Boden, um ihr Werk tadellös bis zu
Ende zu führen.
Miß Julia besaß eine fast außerge
wöhnliche Stärke, und doch gelang es
ihr nicht ohne erhebliche Mühe, Herrn
Barton wieder auf die Füße zu bringen
und ihn aufrecht gegen die Wand zu
stellen.
„Wache» sie auf, Herr Barton,"
sprach jetzt Eva voll Autorität mit
gänzlich veränderter Stimme, „behalten
1 v.
Sie die Erinnerung von dem, was Sie
hier erlebt haben. Ich will es!"
Der Dieb empfano augenblicklich das
Vollbewußtsein seiner verzweifelten
Lage. Miß Eva nahm ihren scherzen
den Ton toisder auf und fuhr fort:
„Ich werde mich jetzt von Ihnen tren
nen, Herr Barton o, nicht für lange,
wit sehen uns wieder aber ich möchte
Ihnen noch einige Bemerkungen ma
chen: Sie sind hierher gekommen, um
eine Frau zu bestehlen, die Sie ohne
Schutz glaubten Chloroform, der Re
volver, alles war Ihnen gut, um sich
von mir zu befreien. Nun hören Sie:
Meine treue Julia wird Sie mit Ihrem
eigenen Chloroform einschläfern und
Sie hier aus dem Fenster werfen.
Zwölf Fuß tief, auf ein Rofenbeet, über
dessen zerbrochene Stämme ich Ihnen
keinen Vorwurf machen will. Dort
werden Sie bis zum Anbruch des Tages
liegen bleiben. Dann werden wir ei-^
nen Polizeidiener herbeirufen... Ich*
bin willens, die höchste Strafe für Sie
zu fordern, denn auf diese Weife werde
ich für eine Weile vor Ihren Besuchen
gesichert fein und weiß, wo ich Sie fin
den kann, im Fall ich Sie zu einem
neuen Experiment brauchen sollte."
Miß Eva schwieg. Den ganzen
Abend hindurch hatte ihre Stimme nicht
so süß und schmeichelnd geklungen ihr
schmiegsamer Körper ruhte nachlässig
in den weißen Spitzen ihres Nachtge
wandes, aus denen sich das zarte Roth
ihres rechten, halb entblößten Armes im
schönsten Ebenmaß der Formen abhob.
„Frisch, Julia," fuhr sie fori, „öffne
das Flacon, schütte seinen Inhalt auf
den Schwamm, so nun unter die
Nase leben Sie wohl, Herr Barton!
Jetzt öffne das Fenster!"
Julia gehorchte ein tiefer Seufzer
entschlüpfte der Brust des unglücklichen
jungen Mannes, ein Zittern ging durch
alle feine Glieder und er fiel bewußtlos
mit dumpfem Schall auf den Boden.
„Trage den Mann an's Fenster!"
Julia vollzog den Befehl mit militä
rischer Genauigkeit.
.Laß ihn los!"
Das Paket fiel mit aller Schwere auf
das Rofenbeet unterhalb des Fensters,
ein Knittern zerbrochener Stäbe, ein
dumpfer Ton und alles war still.
„Nun schließe das Fenster, Julia!"
sprach Miß Eva und beschrieb mit ihrer
weißen Hand einige Kreise in der Luft:
„Wache auf!"
Julia rieb sich die Augen, seufzte tief
auf und erwachte.
„Sie haben mich gerufen, MißEva?"
„Geh jetzt schlafen, es ist spät, gute
Nacht, Julia."
Die Kammerjungfer verschwand, die
hübsche Miß Eva zerdrückte aus dem
silbernen Aschenbecher ihre noch bren
nend« Cigarette, klopfte ihre Kopfkissen
zurecht, legte ihren kleinen Revolver un
ter eins derselben, drückte auf denKnops
an ihrer Wand und eine tiefe Nacht um-,
fing den ganzen Raum.
Einen Augenblick noch suchte sie nach
der bequemsten Lage zwischen den tvei
ßen Tüchern dann legte sie ihr kluges
Köpfchen auf das weiche Kissen und
entschlummerte sanft mit dem süßen
Bewußtsein eines guten GßwiAnö!
Skatspielers Liebeskkäge.
Am Thore nur, bisher im Schritt»
O heißgeliebte Lolo,
Turniert im Minnesang ich mit/
Jetzt reizst Du mich auf Solo!
Die Götter fluchten meinem ©eil*,,
Mein Glück sie untergruben,
Ich bete an nur Dich allein
Doch Du liebst alle Bubeck
A#*'?'kß^^hsffv^} w™'w» 'z-«tU
Vf -C »*, Vi y •,
5
Von Freud' und Lust bin ich ver
bannt,
Verfolgt von den Geschicken,
Schon längst spiel „Herz" ich aus der
Hand, 4" V
Und doch muß Lieb' mich brücket!*.
Zu zählen sind die Stiche nicht .,.
Im Herzen mein, die großen, ,*»
Gewiß hab' ich, wenn's heißt: „Herz
sticht!"
Nur Trümpfe ohne Faussen. i
Wie ist dies Dasein doch so fchtoât!
Nichts kann es mir versüßen,
Mein Herz, es liegt, ein „Null ouvert"
Unrettbar Dir zu Füßen. 5
Doch Du, für die dies Hèrz tat
schlägt,
Fährst fort, mich kalt zu hassen,
Mein tiefer Schmerz kein Spiel vèr
trägt,
Ich muß geduldig passen.
Mach glücklich mich! Hör* mich ge
schwind,
Laß' klagen mich nicht weiter
Denn sonst, ich fürcht', mein holdes
Kind,
Kommst sacht, Du über'n Schnei
der!
Der Sitz der Liebe. Mit
rauher Hemd zerstört ein Londoner
Physiologe den uralten holden Wahn,
das Herz fei der Sitz der Liebe. Ganz
falsch, beweist der Mann der Wissen
schaft, die Leber ist es. Wird das eine
Revolution, ein geschäftiges Corrigiren
in den Gedichtbüchern geben! Es muß
also heißen: „Die arme Leber muß
stückweise brechen" oder: „Eine Leber
und eine Seele" oder: „Es schwelgt
die Leber in Seligkeit!" Und wie un
gemein ergreifend, wenn uns eine
Jungfrau in Zukunft klagt: „Meine
Ruh^ ist hin, mein' Leber schwer
all vun fiilven rut!"
Seufzer. Junges Mädchen:
Man mag nun sagen, was man will,
Doktor Meyer ist ein hübscher Mann.
Alte Jungfer: Ach, alle Männer
im!
sind schön
A V s
!i*
1
HS 1
i*1
Die jüngste Königs.
Eine frische, im Aufblühen begriff"
fene Mädchenknospe ist die jugendlich^
BiersiiMer Adam Riese.
In den Pariser Varietätc N-Theaterw
bildet gegenwärtig ein titerfüßiget
Adam Riefe eine Hauptattraktion. Etn^
Pferd ist es, das rechnen und GedankeiM
errathen kann. Es beantwortet nich^
nur die Fragen feines Wärters, sondern*
auch diejenigen irgend einer Person oui^'.,
dem Publikum. Es zählt, indem est^''.
mit dem einen Vorderfuße scharrt, unb
rechnet auf diese Weife einfache Exempet
vollständig richtig aus. Es addirt^
multiplicity und subtrahirt. 5)[email protected](."'
sieht nach verschiedenen Uhren und. gibt
nach jeder die richtige Zeit an, kurz, er
macht Sachen, welche an das Fabelhafte,
grenzen.,
Aus der Schuse.
«Die Kuh gehört zur Gattung de«.
Wiederkäuer. (Zum nnaufmerksameft^
kleinen Jacob): „Was habe ich ebet.«.
gesagt, Jacob?" *r
„Die Kub gehört zur Gattung det',
Wiederverkäufer!"
11
5
1
am 31. August ihr 15. Lebensjahr
vollendet. Die Zügel der Regierung -i. y,
ruhen freilich noch nicht in ihren.
schwachen Händen bis zu ihrer Mün-».
digkeitserklärung führt die Fraiir' ~.
Mama als Vormitndertn und Regen«
tin das Regiment. Nachstehendes'
Bild stellt die junge Königin in der .f
schmücken Tracht einer holländischen.-. ^.
Bäuerin dar. Königin Wilbelmmcv
wird am holländischen Hos« i*. sitim
s Königin Wilhelmin«.
Geiste erzogen, welcher dem Bürgerte*'«"
mgthum durchaus entspricht und vonz'
welchem sich wohl die Mehrzahl den- -V
amerikanischen Shoddymillionärs^'
Töchter naserümpfend wegwendend
würde. Zu früher Stunde muß sie
sich erheben, denn bereits um 81-2 Uhc^'
beginnt der Unterricht. Drei Stun-»^
den werden diesem gewidmet, worauf"
das Spielen in seine Rechte tritt. Amv/
liebsten tummelt sich die junge Königiti j.
mit ihren Hunden umher ober macht
eine Spazierfahrt mit ihren weißen
Pontes. Nach dem Luncheon heißt e£
wieder zwei Stunden lang lernen. Ilm
61-2 Uhr nimmt sie mit der Frau.
Mama das Diner ein und nach einer
angemessenen Unterhaltung wird zu.
früher Stunde das Bett ausgesucht.
So jun~ die Königin ist, hat die Frau
Fama ihr bereits einen Bräutigam be*
stimmt und zwar den um zwei Jahre
jüngeren Kronprinzen Friedrich Wil
helm von Preußen. Der Vater des
Letzteren, Kaiser Wilhelm der Zweite,
hat die jugendliche Königin durch Ver-»
leihung eines westfälischen Cavallerie^
Regiments ausgezeichnet. .,
jfaw» »IUI »II'U *M
Bitter. Er: Sind Sie ganH 0
gewiß, Ida, daß es Ihnen unmöglich
ist, mich lieben zu lernen? Sie: Jdp
bin fest davon überzeugt. Er (nacht*1
feinem Hute greifend): Halb und halb/
habe ich es mir eigentlich gedacht. SiA'
sind wohl auch zum Lernen schon et*V
was zu alt.
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Frau Anteyer: Wie? Ihr Mann ha|sv
letzte Woche an die fünfzig Dollars imf
Poker verloren? Na, dem haben Sie'Ä'
aber gewiß ordentlich gesteckt? Frau £:r
Bemever: Durchaus nicht« .Ich hab'1 f.,
sie ja gewonnen.
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Frommer Wunsch. Witt* 1
we A. (in der Bibel lesend): „Di*r*
sollst Deinen Nächsten lieben wie Dich.'-..
selbst." (Seufzend): Ach, twim Mf
Den nur schon hätt'!
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"I1 L.f a ^*r t-w-1-
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Königein Wilhelmina von Holland, die"

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