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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, July 18, 1894, Image 3

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fIS. Fortsetzung.)
Sie wurden unterbrochen. Der
Urzt war gekommen und wünschte
seinen lieben Collegen zu sprechen.
Dieser erhob sich und ging hinaus,
aber der Diener brachte noch eine
Zweite Meldung. Auch der Förster
DZolfram war da und bat, mit Hoch
würden reden zu dürfen. Valentin
hieß ihn eintreten nnd wandte sich
.freundlich zu ihm.
„Ihr seid noch hier, Wolfram? Ich
täubte, Ihr wäret schon nach Eurer
örsterei zurückgekehrt."
„Ich geh'morgen nach HauS, ver
setzte der Förster. „Mein Geschäft in
Tannberg ist jetzt erst zu End' ge
bracht da wollt' ich doch vorher noch
einmal anfragen, wie es mit der gnä
digen Gräsin steht. Die Diener sa-
?örtees
en, ginge gar nicht gut, aber ich
von Ihnen, daß Sie im Schloß
Wären, Hochwürden, und da dacht'
ich—" er stockte, ganz wider seine Ge
wohnheit, und schien nach den Worten
I« suchen.
„Ihr wolltet mir Lebewohl sagen,"
Valentin ein.
„Ja, das auch, aber eigentlich ist eS
etwas Anderes.' Hochwürden, ich hab'
die Sache nun acht Tage lang nut mir
herumgetragen und zu keiner Men
schenseel' davon gesprochen, aber jetzt
halte ich es nimmer aus Ihnen
muß ich es sagen!"
„Nun, so sprecht, was ist es denn?"
Wolfram warf einen Blick nach der
Thür, ob sie auch geschlossen fei
dann trat er näher nnd dämpfte die
Mimme.
„Der Michel'— hen Hauptmann
Hauptmann Rodenberg mein' ich
ich glaube, der holt sich nächstens die
Sonne vom Himmel herunter, wenn
es ihm grad' einfällt. Was er jetzt
angestiftet hat, ist nicht viel anders.
Das wird ein Lärm geben in der hoch
gräflichen Familie! Seine Excellenz
der General wird mit einem Donner
Wetter dreinfahren, daß. die Berge
zittern, und dann wird der Haupt
inann wieder auf ihn losgehen, wie
damals dem traue ich jetzt Alles zu."
„Ihr sprecht von Michael?" fragte
Malentin befremdet. „Er ist ja aber
längst wieder in der Stadt mein
Bruder hat mir soeben einen Gruß
von ihm gebracht."
„Kann schon sein. Ich sprech' auch
ttut von der Sturmnacht, in der wir
die Gräfin suchten. Ich war mit dem
Diener, den ich unterwegs aufgegrif
fen hatte, bei der Bergkapelle ange
langt, wo wir uns treffen wollten.
Da ließ ich den Mann zurück, damit
doch einer da sei um Auskunft zu ge
ben, und ich ging noch ein Skück nach
der Adlerwand zu, gerade beim Mor
gengrauen. Ich dachte irgend eine
,Spur zu finden denn ich glaubte
eigentlich nicht, daß der Hauptmann
oder die Gräfin lebendig zurückkam
^mett würde. Aber nach einer Weile
fand ich sie alle beide an einem Felsen,
und sie waren sehr lebendig sie
süßten sich!"
,,Wie?" rief der Pfarrer zurückwei­
„Ja, darüber entsetzen Sie sich,
Hochwürden! Ich bab' es ja auch ge
than, aber ich hab' es gesehen mit
meinen beiden leiblichen Augen. Er,
der Michel, hatte die Gräsin im Arm
und küßte sie —da muß doch die Welt
untergehen!"
Valentin hätte wahrscheinlich eine
ähnliche Empfindung gehabt, wenn
man ihm vor vierundzwanzig Stun
den eine derartige Eröffnung gemacht
hätte seit gestern war er einiger
maßen daraus vorbereitet und sah
mehr bekümmert als überrascht aus,
während er leise vor sich hin sagte:
„Also ist es doch zu einer Erklärung
ßJld
ekommen ich habe es gefürchtet!
die Gräfin?"
„Nun, der Gräfin schien die Sache
ganz plmsirlich zu sein, denn sie
sträubte sich richt im Mindesten. Die
Beiden sahen und hörten mich nicht,
aber ich hörte es ganz deutlich, wie
er sagte: „Meine Hertha!" Als ob
sie ihm von Rechts wegen gehörte und
sie ist doch die Braut des jungen Gra
sey! Jetzt frag' ich Sie, was soll aus
btt
I-

st
Geschichte meiden?"
„Das weiß der Himmel!" fasste Va
lentin mit einem tiefen Seufzer. „Es
wird einen schweren Kampf in der
Familie geben."
^Natürlich," stimmte der Förster
bei. „Ich sag' es ja, der Bub' hat
immer nur Unheil angerichtet! Jetzt
macht er es grad' so. Ter ist nicht
mit 'tnem Kuß zufrieden, der ist im
Etan und will die Reichsgräfin aus
dem erlauchten Geschlecht mit all'
ihren Ahnen und Millionen heirathen!
Und wenn man sie ihm nicht geben
will, dann schießt er den jungen Gra
fen über den Haufen, schlügt sich mit
dem General und der ganzen hoch
gräflichen Familie herum, schlägt
Alles kurz und klein, holt sich „seine
Hertha" aus dem Schlosse, wie er sie
schon von der Ablernnnt geholt hat,
und heirathet fiel Geben Sie Acht,
so kommt es!'
Wolfram war augenscheinlich in
andere Extrem gerathen und zu
einer fchrankenlofen Bewunderung
des einst so verhöhnten Pslegesohne^
übergegangen, die er allerdings hin
ter einem grollenden Tone verbarg.
Gr war überzeugt, Michael tonne jetzt
schlechterdings Alles erreichen, es so
gar mit dem General aufnehmen, und
SeS war in seinen Augen die unge
heuerste aller Leistungen.
Den Pfarrer dagegen hatte diese
Eröffnung in schwere Sorgen gestürzt
was er seit gestern Abend gefürchtet,
war nur zu schnell eingetroffen, und
doch tonnte er für den Augenblick
Nicht» thun Ol» j(h$9iiön uttb such
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oen Förster dazu veranlassen. Das
Letztere bot keine Schwierigkeit. Wolf
ram schien die Sache als eine Art
Beichte zu betrachten und gab bereit
willig das geforderte Versprechen.
Aber als er gegangen war, faltete
der Greis die Hände und sagte
schmerzlich:
„Das gibt einen Kampf auf Leben
und Tod mit dem General! Und wenn
diese beiden gleich eisernen Naturen
sich erst feindlich gegenüberstehen
mein Gott, was soll daraus werden?"
Es war am Nachmittage desselben
TageS. Valentin war bereits wieder
auf betn Rückwege nach Sankt Mi
chael, und der Professor befand sich
in seinem Zimmer und erledigte einige
Briefe, die man ihm nachgesandt
hatte, als ihm der Freiherr von Eber
stein gemeldet wurde.
Der alte Herr war gekommen, tint
seine Tochter zu sehen und sich Nach
richten über das Befinden der Gräfin
zu holen, und da er von der Ankunft
des berühmten Profesiors aus der
Hauptstadt gehört hatte, wollte er die
Gelegenheit benutzen und diesen auch
iiber sein eigenes Leiden zu Rathe
ziehen. Wehlau a-hnte so etwas, als
tr die hüstelnde gebrechliche Gestalt
eintreten sah, und nahm sofort eine
ablehnende Haltung an denn er war
keineswegs geneigt, die Aifsnahtne,
die er mit der Gräfin machte, auf
Fremde auszudehnen.
„Udo, Freiherr von Eberstein-Or
ienau auf Ebersburg!" sagte der alte
Herr mit steifer, feierlicher Würde den
Kopf neigend.
„Ist nur bereits gemeldet," versetzte
Wehlau trocken, indem er betn Gaste
einen Stuhl hinschob. „Womit kann
ich dienen?"
Der Freiherr ließ sich nieder, etwas
verdutzt über diesen Empfang fein
Name und Titel schien hier gar keine
Wirkung zu üben.
„Ich habe gehört, daß Sie herbe
rufen sind, um die Frau Gräfin
Steinrück zu behandeln," hob er wie
der au, „und wünschte ausführlich
mit Ihnen darüber zu sprechen."
DerProsessor ließ einen brummen
den Laut hören. Er liebte es über
haupt nicht, mit Laien über Krank
heitsfälle zu sprechen, und dachte nicht
daran, die Auseinandersetzung, die
er allerdings seinem Bruder gegeben
hatte, hier zu wiederholen. Eberstein
aber, der jenen Laut für Zustimmung
nahm, fuhr fort:
„Zugleich mochte ich auch Ihren
Rath wegen meines eigenen Leidens
in Anspruch nehmen, das mich schon
jahrelang
„Bedaure sehr," fies ihm Wehlau
schroff in die Rede. „Ich übe keine
ärztliche Praxis mehr aus und bitt
überhaupt nicht „herberufen". Wenn
ich an das Krankenbett der Frau Grä
fin eilte, foist das eine Freundschafts
sache die Behandlung Fremder über
ttebtne ich nicht."
Der Freiherr sah höchst erstaunt
und entrüstet den bürgerlichen Pro
fessor an, der die ärztliche Behand
lung einer Gräfin Steinrück Freund
schaftssache nannte und die Behand
lung eines Eberstein überhaupt ab
lehnte. Er hatte in seiner weltfernen
Einsamkeit keine Ahnung von der
äußeren Lebensstellung des berührn*
ten Forschers aber er hatte früher
einmal gehört, daß die Gelehrten eine
ganz eigene Klasse von Menschen
seien, leider Sonderlinge, gänzlich
unbekannt mit den Formen der guten
Gesellschaft und in Folge dessen
sämmtlich grob und rücksichtslos. Er
verzieh dem Professor daher groß
müthig diese Standeseigenthümlich
keit, und da er feinen Rath und Bei
stand doch nun einmal brauchte, be
schloß er, ihm vor'allen Dingen klar
zu machM, wer eigentlich vor ihm
sitze.
„Ich bin der gräflichen Farnttie
eng befreundet," begann er wieder.
„Wir sind wohl die beiden ältesten
Geschlechter im Lande das tneintge ist
allerdings zweihundert Jahre älter,
es stammt au» dem zehnten Jahr
hundert."
„Das ist sehr merkwürdig," sagte
Wehlau, der durchaus nicht begriff,
was das zehnte Jahrhundert hier zu
thun hatte.
„Es ist eine Thatsache!" erklärte
Eberstein, „eilte historisch beglaubigte
Thatsache. Gras Michael, der Ahn
herr der Steinrück, taucht erst in den
Kreuzzügen aus dein Dunkel der Sage
auf, während Udo von Eberstein
und damit tauchte er selbst in die Tie
fen seiner Hauschronik und begann
einen ähnlichen Sennon, wie jener,
mit dem Gerlinde auf der Ebersburg
den jungen Gast so erschreckt hatte.
Es wimmelte darin von Ritteniamen
und Fehden und von all dem glor*
reichen Mord und Todtfchlag des Mit
telalters, soweit das Eberstein'sthe
Geschlecht baren betheiligt war.
Der Professor schien Anfangs zu
überlegen, wie er ben unbequemen
Besuch am schnellsten zur Thür hin
ausbefördern könne allmälig aber
wurde er aufmerksam er rückte sogar
seinen Stuhljnäher, und sah dem alten
Herrn minutenlang starr und unver
wandt in die Augen plötzlich aber
unterbrach er ihn mitten in der Rede
ttttb ergriff feine Hand.
»Erlauben Sie Ihr Zustand ir
teresfiei mich— merkwürdig, der PulS
geht ganz normal!"
Der Freiherr triumphirte: ja frei
lich, jetzt wußte dieser unhöfliche Pro
fessor, daß er den Sprossen eines alten
höchst erlauchten Geschlechtes vor sich
hatte, und ließ sich schleunigst zu der
erst verweigerten Behanhlung^ herbei!
„Sie finden meinen Puls normal?"
fragte er. „Das freut mich, aber Sie
werden mir trotzdem doch einige Ver
ordnungen
„Eisumschläge um den Kopf, min
destens vierundzwanztg Stunden
lang," sagte Wehlau lakonisch.
„Um deS Himmelswillen hei
meiner Gicht!" rief der alte Herr ent*
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»VSA4 MKè^K^5M«TMâ è!t»âiâr H»t ^è»ââââ^ ^Lt^L
setzt. „Ich kann nur Warnte vertra
gen, und wenn Sie meinen Zustand
eingehend untersuchen, so
„Ist gar nicht nöthig! Was Ihnen
fehlt, weiß ich schon!" erklärte der
Professor.
Die Achtung des Freiherrn stieg.
Das mußte allerdings ein bedeuten
der Arzt sein, der durch bloßes An
schauen den Zustand des Patienten
erkannte, ohne auch nur eine Frage
an ihn zu richten.
„Die Gräfin hat mir allerdings
Ihren Scharfblick gerühmt," entgeg
nete er, „aber ich möchte noch eine
Frage an Sie richten, Herr Professor
Wehlau. Ihr Name fallt mir auf.
Stehen ^ie vielleicht in irgend einer
Beziehung zu dein Wehlau-Wehlen
bcrg auf Forschungstein?"
„Forfchungftein?" Der Professor
griff schleunigst wieder nach dem Puls
des Freiherrn, was dieser sich auch
ruhig gefallen ließ, während er wohl
wollend fortfuhr:
„Es wäre ja nicht das erste Mal,
daß das Mitglied eines alten Hauses
auf die Führung des Adelstitels ver
zichtet, wenn es durch die Verhältnisse
gezwungen wird, eine bürgerliche
Profession zu ergreifen."
„Bürgerliche Profession!" fuhr
Wehlau auf. „Herr, glauben Sie
etwa, daß die Naturwissenschaften ein
Schusterhandwerk sind?"
„Jedenfalls sind sie kein passender
Beruf fur den Adel," sagte Eberstein
hochmüthig. „Was aber den For
schungstein betrifft, so ist es der
Stammsitz eines jungen Edelmannes,
der int vorigen Herbste nach der
Ebersburg kam und während einer
Gewitternacht meine. Gastfreundschaft
in Anspruch nahnt. Etil liebens
würdiger junger Mann, dieser Hans
Wehlau-Wehlenberg
„Aus Forschungstein!" fiel der Pro
fessor laut auslachend ein. „Jetzt
wird mir die Geschichte klar! Das ist
wieder einer der tollen Streiche mei
nes Jungen. Hat er nur doch selbst
erzählt, daß er während eines Gewit
ters in einer alten Burg Unterkunft
gesucht und gefunden hat. Es thut
mir leid, Herr Baron, aber da hat
Ihnen mein gottloser Bube eine
fürchterliche Nase gedreht. Der Ein
fall mit dem Forschungstein ist gar
nicht so übel, aber das ist auch der
einzige Adel, den er und ich auszu*
weiten haben. Um Uebrigen ist er
gut bürgerlich Hans Wehlau. gerade
so wie ich, und wegen seiner Standes»
erhöhutig werde ich ihm noch gründ
ich den Tex lesen."
Et fing von Neuem an zu lachen.
Aber der alte Herr schien die eache
durchaus nicht von der komischen
Seite zu nehmen. Er saß anfangs
ganz sprachlos da vor Zorn und Ent
tüftung, und endlich brach er aus:
'„Ihr Sohn? Nur Hans Wehlau?
Und ich habe ihn als einen Stammes
genossen aufgenommen! Ich habe
ihn völlig als meines Gleichen be
handelt! Einen jungen Menschen,
ohne Namen, ohne Familie
„Bitte sehr!" unterbrach ihn der
Professor gereizt. „Ich will den tol
len Streich nicht entschuldigen. Was
ober den Nutnett und die Familie be
trifft, fo ist Hans erstens mein Sohn,
und ich glaube doch Einiges t:t der
Wisienschast geleistet zu haben, und
zweitens hat er selbst schon Tüchtiges
geleistet auf einem anderen Felde.
Der Natne Hans Wehlau kann sich
getrost neben den der Eberftein stellen,
der feine ganze Bedeutung nur einer
alten verrotteten Institution ver
dankt, die heut zu Tage gar keine Be
rechtigung mehr hat."
Das traf den Freiherrn an feiner
empfindlichen Seite er erhob sich in
voller Empörung.
„Verrottete Institution? Keine
Berechtigung mehr? Herr Wehlau,
ich kann von Ihnen kein Verständniß
für Dinge verlangen, die einem Bür
gerlichen offenbar zu hoch sind, ober
ich fordere Ehrfurcht vor
„Fällt mir gar nicht ein!" schrie
der Herr Professor, der jetzt auch in
Zorn gerathen war. „Ich bin ein
Mann der Wissenschaft, der Aufklä
rung, und ich habe nicht die mindeste
Ehrfurcht vor dem Staub und Moder
des zehnten Jahrhunderts und vor
den Udo's und Kutto's und Kunrad'»
und wie die Kerle alle heißen, die
nichts weiter verstanden, als sich zu
trinken und sich unter einander todt
zu schlagen. Die Zeiten sind, Gott
sei Dank, vorbei, und wenn das alte
Eulennest, die Ebersburg, erst ganz
in Trümmer gefallen ist, weiß kein
Mensch mehr davon!"
„Mein Herr schrie (überstein,
zitternd und kirschroth im ganzen Ge
sichte weiter kam er nicht, denn die
Aufregung zog ihm einen füret,terli*
chen Hustenanfall zu Er rang nach
Athem ujtd bot einen )"o jammervollen
Anblick, daß sich in Wehlau deiyt doch
der Arzt zu regen begann. Er sprang
hinzu, drückte seinen Gegner auf den
Stuhl nieder, stützte ihm bett Kopf
und bemühte sich, ihm Lust zu schas
sen, alles in voller Wuth, aber der
alte Herr wehrte sich bagegen.
„Lassen Sie mich, keuchte er. »Ich
will keine Hilfe von einem Umstürzler
einem Gottesleugner einem
Er stand mit einem Aufflammen
feiner einstig:n Krast plötzlich wieder
auf den Füßen, griff nach feinem
Stocke und hinkte energisch zur Thür
hinaus.
„Eisumfchlüge auf den Kops
vierundzwanzig Stunden lang
vergessen Sie das nicht!" rief ihm
dec Professor nach und warf sich in
einen Stuhl, um seinen Aertyr ver
rauchen zu lassen. Der Freiherr obex
wollte int Gegentheil ben feinigen erst
austobetrund hinkte schleunigst nach
dem Empfangszimmer, um feiner
Tochter die unerhörte Geschichte mit*
zutheilen. Sie kannte ja auch diesen
„jungen Meeschen ohne Namen und
ohne Familie", de? sich als ritterbur
tig auf der (Sbnâburg eingeschlichen
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i)a11c iie theilte zm v"e[:o3 die Empö­Im
rung darüber.
Während die bskden Bâter ftch-'fo
in vollster Feindseligkeit gegenüber
standen, faßen ihre Kinder ganz fried
lich und freundschaftlich bei einander.
Hans Wehlau war von Hannberg
herübergekommen, um seilten lieben
Papa zu sehen und sich nach dem Be
finden der Gräfin zu erkundigen.
Das Letztere schien ihm aber das
Wichtigere zu fein, denn et that es
regelmäßig zuerst, und zwar holte et
sich die Nachrichten nicht bei dem Va
ter, der sie doch am besten hatte geben
tonnen, sondern bei Fraulein von
Eberfiein, welche die. gewünschte Aus
kunft stets selbst zu geben pflegte.
Der Professor ahnte natürlich nichts
von diesen Anfragen und Auskünften,
sondern war der Meinung, sein Sohn
komme direkt zu ihm, und freute sich
über diese Anhänglichkeit, die offen
bar neueren Datums war.
Auch heute hatte der junge Künst
ler sich bei dem gnädigen Fräulein
melden lassen, und das gnädige
Fraulein war schleunigst in das Em
psangszimmer gekommen, wo sie nun
langer als eine halbe stunde bei ein-
ander faßen und wohl auch von an
deren Dingen gesprochen hatten, als
von der Krankheit der Grasin, denn
Hans sagte soeben:
„Sie haben es also Ihrem Herrn
Vater noch nicht mitgetheilt? Er hält
mich noch immer für einen Wehlau»
Wehlettberg?"
„Ich fand noch keine Gelegenheit
dazu," versetzte Gerlinde stockend.
Schreiben wollte ich es dem Papa
nicht, bettn ich wußte, es würde ihn
tranken beßhalb habe ich ihm unser
Zusammentreffen ganz verschwiegen.
Dann gingen wir nach Berkheim unb
als wir hierher kamen, erkrankte die
arme Tante gleich am ersten Tage
da konnte ich vollends nicht von sol
chen Dingen sprechen."
Die Worte klangen sehr ängstlich
und zaghaft Hans sah, daß ihr nicht
die Gelegenheit sondern der Muth ge
fehlt hatte.
„Und überdies* fürchten Sie den
Zorn des Freihcrtn gegen mich!" er
gänzte er. „Ich begreife das voll
kommen und werde Ihnen selbstver
ständlich diese peinliche Auseinander
setzung ersparen. Ich fahre in bett
nächsten Tagen selbst nach ber Ebers
burg unb bekenne dort ruhig meine
Sünden."
„Um des Himmels Willen nicht!"
rief Gerlinde erschrocken. „Sie ken
nen meinen Papa nicht er hat so
strenge Grundsätze in dieser Beziehung
und würde es nie zugeben
„Das der bürgerliche Hans Weblau
als Gast in sein Hau5 kommt und
mtt feiner Tochter verkehrt mög
lich! Die Frage ist nur, ob Sie mir
das erlauben, mein Fräulein?"
„Ich?" fragte das junge Mädchen
in äußerster Befangenheit. „Ich
habe ja nicht? zu verbieten ober zu
erlauben."
„Unb boch verlange ich bie Antwort
von Ihnen allein! Weßhalb glauben
Sie bettn, baß ich hierher gekommen
bin? Doch nicht meiner Verwandten
in Tannberg wegen! Ich hielt es
nicht mehr aus in der Stadt, trotzdem
mir die letzten Monate so viel Glück
gegeben hatten. Der erste Erfolg
eines Künstlers hat so etwas Berau
schendes, und mir ist er fo ganz uttb
voll zu Theil geworden, wie ich es
kaum gehofft hatte. Von allen Sei
ten strömte es mir entgegen, und doch
konnte ich eine Erinnerung, ein ge
wisses Sehnen nicht los werden, das
immer wieder auftauchte, das mir
keine Ruhe ließ und zuletzt so allmäch
tig wurde, daß es mich gewaltsam
fortzog meiner Sehnsucht nach!"
Gerlinde faß mit tiefgesenkten
Wimpern und glühenden Wangen da.
So jung und unerfahren sie auch
war. diese Sprache verstand sie doch
sie wußte, wohin die Sehnsucht ihn
gezogen. Er hatte sich erhoben unb
stand jetzt an ihrer Seite, und tuäl)*
rend er sich tief zu ihr niederbeugte,
gewann seine Stimme wieder jenen
weichen, innigen Ton, den man selten
von den Lippen des übermüthigen
jungen Künstlers hörte.
„Darf ich nach der Ebersburg kom
men? Ich möchte sie fo gern noch ein
mal erleben, die fotytige Morgen
stunde auf den alten Trümmern, hoch
über dein grünen Walbineer. Dort,
an Ihrer Seite ist mir zum ersten
Male bie Poesie der Vergangenheit,
bie alte Märcheniierrlichkeit aufge
gangen. Durfte ich boch betn Holben
Domröschen in bie dunklen trtiümen
den Augen schauen. Ich Habe diese
Augen nicht wieder vergessen sie sinö
mir tief in das Herz gedrungen
darf ich kommen, Gerlinde?"
Die Gluts) in den Augen des jun
gen Mädchens wurde tiefer, aber die
gesenkten Augen hoben sich nicht, und
die Antwort klang fast unfiörbar.
„Ich hatte immer gehofft, Sie wür
den wiederkommen den ganzen
langen Winter hindurch unb im
mer vergebens."
„Aber jetzt bin ich da!" tief Hans
au'flammenb, „und jetzt gehe ich nicht
wieder, chtte mir mein Glück zu
sichern. Mein slices kleines Dorn
röschen, ich habe es Dir ja schon ba
inals gesagt, daß ein Tag kommen
wirb, wo der Ritter erscheint, ber bie
Dornhecke sprengt unb bie Träumenbe
wachkükt aus ihrem Schlummer, unb
schon bamals habe ich tief im Herze«
den Wunsch gehegt, der Ritter möchte
Hans Wehlau heißen."
Er hatte bei den letzten Worten den
Arm um sie gelegt Gerlinde fchrack
zusammen, aber sie entzog sich ihm
nicht langsam hob sie die dunklen
„träumenden" Augen zu ihm empor
und leise, ganz leise, aber mit der
ganzen Innigkeit des Glückes, fagtt
sie:
„Ich auch!"
HS war dem jungen Manne nicht
•tye
âi».
x'Vdtü&L-s'V
«ijtf
ap TH^
i
Otifl
üeröetUen, meint er 11 dl auf dies
Gsständniß hin nun auch genau an
bie Vorschrift deS Märchens hielt und
sein Dornröschen küßte, das sich an
ihn schmiegte und glückselig zu ihm
aufschaute. Als et sie nun fester in
feine Arme zog und sie seine süße
kleine Braut nannte, fuhr Gerlinde
auf einmal schreckensbleich empor.
„Ach Hans, lieber Hans, das geht
ja nicht! Ich hatte es ganz vergessen
wir dürfen unS nimmer hei
rathen!"
„deßhalb denn nicht?" fragte Hans
erstaunt.
„Mein Papa er wird es niemals
zugeben wir stammen ja aus dejn
zehnten Jahrhundert!"
„Das zehnte Jahrhundert ist für
mich durchaus kein Hinderniß, im
neunzehnten zu heirathen. Mit dem
Freiherrn wird es allerdings einen
Sturm geben. Darauf bin ich ge
faßt, aber ist bin ziemlich stürm- und
wetterfest in solchen Dingen. Ich
weiß aus reichlicher Erfahrung, was
es heißt, einem wüthenden Papa
Stand zu halten und schließlich doch
feinen Willen durchzusetzen."
„Aber wir werden ihn nicht durch
setzen," klagte das kleine Burgfrau»
lein trostlos. ES wird uns gehen
wie Gertrudis von Eberstein und
Dietrich Fernbacher, die sich auch so
sehr liebten. Aber Gertrudis ward
vermählt an den Ebelherrtt von Rittg»
steitett, unb Dietrich zog hinaus tn
ben Kamps gegen die Ungläubigen
unb kam nimmer wieber!"
„Das war sehr unklug von dem
Dietrich," erwiderte Hans. „Er hatte
bei den Ungläubigen gar nichts zu
schaffen! Er hatte daheim bleiben
und seilte Gertrudis heirathen sol
len."
„Aber sie durfte ihn nicht ehelichen,
dieweil er nicht ritterlicher Abkunft,
sondern der ^ohn eines «fhnifherm
war!" rief Gerlinde, der die heißen
Thränen in den Augen standen, wah
rend sie pflichtschuldigst ben Woüluit
der alten Chronik wieberholte.
„Das war im Mittelalter,"* be
ruhigte sie Hans. „Jetzt ist man viel
vernünftiger in solchen Dingen. Ich.
ziehe nicht gegen die Ungläubigen:
ich laufe höchstens Sturm gegen die
Ebers'burg, und die nehme ich unter
allen Umständen."
„O Gott, mein Papa das ist
sein Schritt!" rief Gerlinde, indem sie
sich losmachte und schleunigst an das
Fettster fluchtete. »Haus, was fangen
wir nun an V'
„Wir stellen uns ihm als Braut
paar vor und bitten um feinen Se
gen!" erklärte der junge Mann kurz
und bündig. „Einmai muß es doch
geschehen, also je eher, desto besser."
Man hörte in der That im Neben
ziinnter den schweren, schlürfenden
Schritt des Freiherrn und das Auf
stoßen feines Stockes. Jetzt öffnete
er die Thür, blieb aber wie erstarrt
auf der Schwelle stehen. Er sah den
„Menschen ohne Namen unb Familie"
bei seiner Tochter, allerdings augen
blicklich in respektvoller Entfernung
von derselben aber die bloße That
sache dieses Beisammenseins genügte
schon ihn in Entrüstung zu versetzen
er trat langsam näher.
„Ah Herr Hans Wehlau!" sagte
er, feinen Namen scharf und hohnvoll
betonend der junge Mann verbeugte
sich.
„Zu dienen, Herr von Eberstein!"
Der alte Herr wollte offenbar eine
erhaben zürnende Stellung anneh
men, die dieser Gerichtsscene ent
sprach, aber da spielte ihm seine Gicht
einen schönen Streich. Er hatte sich
vorhin bereits überangestrengt, jetzt
versagten ihm die Füße vollständig
den Dienst. Er senk in ben ersten
besten Sessel unb bot bort einen mehr
kläglichen als fürchterlichen Anblick
dar trotzbem überwand er feine
Schmerzen und fuhr fort:
„Ich komme soeben von einem -$-*
et verschluckte einen anderen grimmi
geren Ausdruck, „einem gewissen Pro
fessor, Wehlau, der Ihr Vater zu sein
behauptet."
„Der es sogar ist!" efklärte Hans,
der nun wohl einsah, daß sein Be
kenntniß nicht mehr nöthig sei.
„Und das geben Sie mir wirklich
zu?" rief der Freiherr empört. „Sie
gestehen es also ein, daß Sie mir
eine schändliche Komödie vorgespielt,
daß Sie sich unter falschem Namen
bei mir eingeschlichen, sich einen
Adelstitel angemaßt haben
„Bitte, Herr Baron, daS habe ich
nicht gethan," fiel Hans ein. „Ich
erlaubte mir nur, meinem Namen, ber
mir doch unzweifelhaft gehört, einen
zweiten beizufügen. Den „Baron"
ober haben Sie mir zudiktirt. llebrt
gens sind Sie vollkommen in Ihrem
Rechte, wettn Sie mir Vorwürfe ma
chen, und ich bitte aufrichtig um Ver
zeihung wegen des tollen Einfalls,
mit dem ich mir eine anfangs ver
sagte Gastfreundschaft erzwang. Ich
rufe Fräulein von Eberstein zum Zeu
gen dafür an, daß es meine Absicht
war, aus freiem Antriebe nach bet
Ebersburg zu kommen und Ihnen die
Wahrheit zu gestehen. Dem flüchti»
gen Gast, der eines Abends kam und.
am nächsten Morgen wieder davon*
zog, konnte man den Uebermuth viel»
leicht verzeihen, eine fortgesetzte Täu
schung wäre Betrug gewesen. Das
wurde mir sofort klar, als ich da»
gnädige Fräulein in der Hauptstadt
wiedersah, und ich habe nicht einen
Augenblick gezögert, ihr bie Wahrheit
zu bekennen."
Ebevstein warf seiner Tochter einen
erstaunten und entrüsteten Blick zu.
„Wie, Gerlinde. Du hast es ge
wußt und mir verschwiegen? Du hast
diesem Hans Wchlau trotzdem er
laubt, in Deine Nähe zu kommen,
unb vielleicht sogar seine Entschu«'
diguitg angenommen über Dinge, hie
nicht zu entschuldigen sind? Ich finde
das sehr unpassend."
Gerlinde antwortete keine Silke
«pf^sw,
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riii'iÉiiiiiiiniÉM
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sie stand binA und zitternd am fün
fter und blickte angstvoll zu Hatt»
hinüber: eine Heldin war das kleine
Dornröschen gerade nicht. Um so
unerschrockener zeigte sich der Ritter
vom Forschungstein. Er sah, daß
hier mit dem Parlamentire» nichts
zu erreichen war der Sturm mußte
gewagt werden, und so nahm er denn
einen Anlauf unb setzte tapfer matten
in bie Dornhecke hinein.
„Das gnädige Främein hat fsyar
noch mehr gethan," entgegnete er,
„sie hat mir aitf eine Frage, die ich
an sie richtete, eine höchst beglückende
Antwort gegeben". Ich gestand ihr
soeben meine Liebe und empfing da&
Gestandn iß ihrer Gegenliebe. Si?
erlauben uns daher wohl, Herr Ba
ron, um Ihren väterlichen Segen zu
bitten?"
Der Alte nahm wieder Erwarten
diese Wo-rte ziemlich ruhig auf, weil
er sie eir&fach nicht verstand. Er hielt
das fur eine neue „schändliche Komö
die" bett« baß ber Sohn bes bür
gerlichen Professors im Ernste um
ein Fräulein von Eberstein freien
tonne, stet ihm gar nicht ein.
„Mein Herr, ich verbitte mir der
gleichen taktlose unb empörende
Scherze," sagte er in hohem Tone.
„Sie scheinen gar nicht zu fühlen,
was Sie sich eigeitltch damit heraus
nehmen, ,uitb ich sollte meinen, Sie
hatten allen Grund, mir gegenüber
ernst zu fein."
Hans trat zu seiner Braut unb er
griff ihre Hand.
„^o muß ich Dich bitten, Gerlinde,
zu sprechen und meine Worte zu be
stätigen. Sage Deinem Vater, daß
Du mir das Recht gegeben hast, bei
ihm um Deine Hand zu werben,
daß Du mir angehören willst und
keinem Anderen."
Die Worte klangen in vollster Zärt
lichfeit, aber Gerlinde hörte doch die
ernste Mahnung darin und fühlte,
daß sie jetzt ihr« Zaghaftigkeit über
winden müsse und ihrem Hans am
Tapferkeit nicht nachstehen dürfe
Ueberdies war er ja an ihrer Seite,
bereit, sie zu schützen, und so brach sie
denn aus:
„Q Papa, ich)habe ihn so lieb, so
grenzenlos lieb 1 Und wenn er auch
keinen Adel und kein Wappen hat
ich will keinen Anderen, als mei»
nett Hans!"
„Meine Gerlinde!" rief Hans, sie
stürmisch in seine Arme schließend.
Und nun geschah das Unglaubliche,
Unfaßbare! Vor den Augen deS
Freiherrn Udo von Eberstein-Ortenau
küßte der Mensch ohne Namen und
Familie den letzten Sprößling deS
erlauchten Geschlechtes aus dem zehn-
ten Jahrhundert, und zwar that er
dies zweimal hinter einander!
Der alte Heir war itt der ersten
Minute völlig sprach- und bewe
gungslos. Er sah starr auf die
Gruppe und bann ebenfalls starr
nach der Decke hinauf denn er er
wartete nichts Geringeres, als daß
die Mauern ben Frevler begraben
würben. Schloß Steinrück schien
aber ber Meinung zu sein, baß biese
Sache eigentlich nur bie Ebersburg
angehe, bie in biesein Augenblick
zweifellos mit buntpfen Krachen in
Trümmer fiel,, unb blieb stehen. Der
Freiherr sah, baß bas Weltgericht
unbegreiflicher Weife nicht eintrat,
baß er bessert Rolle übernehmen müsse,
unb nun wollte er allerbings auf
springen. Aber sogar bie Gicht war
mit ben Beiben im Bunbe: sie hielt
ihn erbarmungslos fest. Anstatt wie
ein Racheengel bazwischen zu treten
uttb sie aitar8 einanber zu reißen,
brachte er es- nur zu einer kläglich
zappelnben Bewegung unb sank bann
wieder trostlos und hilflos in, den
Lehnstuhl zurück.
(Fortsetzung folgt.)
o s e n e e o n
„Hast Du gehört, Herr Meyer, der
Besitzer des großen DamenconfektionS
geschaftes, hat sich mit einem reizen
den Mädchen verlobt!"
„Na, der hat ja auch,, um eine
Frau glücklich zu, machen, das Zeug,
dazu!"
a i v e ra
Bertha (vor der Verlobung^, zu
ihrer verheirateten Freundin):
„Sag' mir, Elise, wenn mich mein
Bräutigam um den ersten Kuß, bittet,
wie viele soll ich ihm dann geben?
ö- ch st e Z e st e u he i
Ein alter Professor, ber sich bisher
stets eines gesunden Schlafes erfreut
hat, dann eines Nachts nicht einschla
fen. Er wacht bis gegen Morgen
da fällt ihm endlich der Grund feiner
Schlaflosigkeit ein: er hatte vergessen,
die Augen zuzumachen.
E i n s ch m- e i ch e lun$.
Herr (zur Mutter einer schönen
Tochter): „Ich bin eine Waise, gnä
dige Frau, rocSen Sie-nicht Schmie«
germutterfteöe:bet mir vertreten?"
i n ö i e S u z a n n
„Wissen Sie vrelleicht^ wo hier
Schneeglöckchen stehen?"
„Ei ja wohl hier gleich «Mer
den Beimea!..
(Einige Minuten später zu dem
pflückenden Spaziergänger): „916,
Hamm Bt welche gefunden?"
„Jawohl, ein ganzes Stränßche»^
„So^ nu da sei"n Se so gut ttn
g0111m" Se 'mal mit auf de Wache.
AbgefMt darf hier nischt wer'tü'4
„Aber Sie haben mir doch selbst die
Steäe gezeigt?"
„Ru, wer werd doch noch heeflich
fein genn'!"
z e E i n n e u n
Ii»V* ..«Seit ich Sie zuletzt gesehen,
haben Sie aber alle Hasre verloren!"
„Ach ja damals .... die schön«
Zeit! De gingen mit noch Huß«
aus!"
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's '-v '**"'*'4
«mästn
te »ifrutöaft.
Wie hebt man mit einem Streich
holz fünfzehn oder sechzehn StrMhol
3er in bis Höhe? Die Slr«M»lzer
müssen wohlverstanden so bafortettro,
daß man die Last hin und her schwin
gen kann, ohse daß eins oder alle zlt
Boden fallen sämmtliche fünfzehn
oder sechzehn Streichhölzer kommen
auf ein einziges Pferv zu ftfcen, fPf
lade wie die sieben HaimvnskilÄer.
Wir legen das Streichhölz, das
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Pferd dienen soll, vor mis auf den
T:sch und lassen aufsitzen i« der Weise,
daß die Hölzchen querübet zu liege»
kommen, immer abwechselt^» eins bon
der rechten, eins von ber Imsen Seite,
die Köpfe in die Höhe. Nun fehlt aber
noch der wichtigste Bestandtheil, dertn
toentr: ich jetzt das die Grundlage bill»
dende Hölzchen aushebe, so fallen die'
anderen zu beiden Seiten herab. Der
Sattel ist zwar aufgelegt, es fehlt aber
gleichsam der Gurt, der ihn festhält.
Diesen Gurt soll das noch frei dalie-^
gende Hölzchen bilden. Ich brauche
dasselbe nur in die von den aufsitzen
den Hölzchen gebildete Rinne zu legen:
und die Sache ist fertig. Ich muß den
Ausbau aber mit einiget Vorsicht ein*
porheben, damit er sich, sozusagen,
setze. Ist da3 geschehen, so hat er eine
hinlängliche Festigkeit erlangt, dir
mir gestattet, ihn durchs Zimmer zn
tragen und ihn hin und her zu sdhtpai^
ken.
15»
,,
Ich kernt' ein Häuschen im Walde,
Eine Perle schließt es ein,
Die Perle hat blonde Locken
und blaue Aeugelein.
&
£MS\i¥X
..-
Zunr Försterhause zieht es
Mich immer wieder zurück,
Dort winkt mir Ruh' und ErholunK.
Dort sind' ich mein ganzes Glück.
Denn wenn mich die Grillen Plagen^
Trag' ich in den Wald sie hineilt,..
Mit ihrem Kusse verscheucht sie
Mir Förster's Töchterlein!,
Unb liegen mit ihren Klagen
Die Gläubiger mir im Ohr,
Sö geh' ich hin zum Förster
Er schießt mir etwaZ vor!
i e e e k e ö e
„Sie fTtibfren so effèig Ihr Kvch»
buch, liebe Freundin?"
„Ja, unsere Köchin hat heute- AnS
ehtag und mein Mann toottie gern
Ladieschen essen, ich finde aber gat
nicht, wie die gekoch ^werden muffeȣ
2BiIb$. urjltsL
Wenn der Stamperksepp, ern
Bauer iwd bekannter Wilderer, jagen
und vom Jagdpächter nicht gestört sein
will, schickt er dem Letzteren nur-sein
Weib entgegen, die ihm einen jgutm
Morgen" wünschen muß. SDau ärgert
sich der fo sehr, daß er sofort wieder
Wttchlt und heimgeht.
kSr ftnnt sif. SRfttbi (zu
feiner Frau, die in's Bad reist):
„Adieu, liebe Emilie! Schreibe recht
bald, damit ich weiß, was Du teegef»
I (tn host, und ich i& Dir nochfW»
'lauat:
1
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fei
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oman von L. Weruer.
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