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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, August 08, 1894, Image 6

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Unter tins Trauen.
l|f
8terv»» ''/.}'
D«S Schlagwort unfern* modernen
jZeit ist „nervös", man begegnet ihm
tfaft ebenso häufig wie der Frage nach
em Wetter. Besonders aber die Da
renwelt hat sich des Wortes vollstän
"bla bemächtigt, es ist ihr tägliches Ge
rbet, oder mindestens in ihr Taschen
Vokabularium liebevoll eingeschlossen.
Auch würde jedes weibliche Wesen,das
Rur Halbwegs Anspruch auf eine Stel
lung in der bürgerlichen Gesellschaft
zu erheben sich berechtigt fühlt,in ihren
Eigenen und den Augen der Welt kaum
als auf der Höhe der Situation be
findlich angesehen werden, wenn sie
sticht mit guten? Rechte ausrufen
konnte: „Ach, ich bin so nervös!" und
diesen Stoßseufzer überdies durch ihr
«erregtes Wesen und ihre ganze Er
scheinung zu bestätigen im Stande
Itoäre.
Was ist nun „nervös", ist es eine
Modekrankheit oder nur ein modern
krankhafter Zustand, dem die zarten
Damen häufiger unterworfen sind als
die kräftigeren Männer? Ist es ein
körperliches oder ein seelisches Leiden,
ist es die unbedingte Folge des erreg
ten Nervenlebens unserer geräuschvol
len. raschlebigen Zeit, oder nur eine
bequeme Maöke für schlechte Laune,
Moralischen Katzenjammer und allerlei
körperliche und seelische Verstimmun
gen? Wenn ich als Frau für meine
Mitschwestern, ohne den allerleisesten
Anspruch an Wissenschaft, das Wort
„nervös" definiren sollte, würde ich sa
yen, es ist ein Mixtum Compositum,
tin Gemisch von all' den genannten
peinlichen Zuständen. Ja, ich würde
i^ch weiter gehen und behaupten, daß
jlle diese unliebsamen, unangenehmen
Zustände zum größten Theile nur in
der eigenen Einbildung der Damen
welt existiren, somit also auch die Net
vösität vielmehr ein imaginärer als ein
wirklich bestehender Zustand ist. Und
ferner möchte ich die Ueberzeugung
aussprechen, daß die Frauen diese un
liebsamen, unangenehmen eingebilde
ten Zustände selbst erzeugen und her
aufbeschwören, daß sie also ihre eigene
Nervosität, unter' der sie angeblich so
sehr leiden, heranziehen und schaffen
helfen. Wenn die sogenannten nervö
sen Frauen sich einmal ganz genau
selbst beobachten wollten, um zu erken
nen, wann und weshalb sie zumeist
„nervös" werden, so dürften sie wahr
scheinlich finden, daß die Veranlassung,
der Nervosität im Bereiche ihres eige
nen Willens liegt, daß sie dieselbe also
bannen oder heraufbeschwören könnten
ganz nach eigenem Ermessen.
Z. B. Werden wir viele Damen
am Morgen ihres „Jour", wenn sie
xathlos von einem Zimmer in's andere
jagen, in der Küche backen, hier und
dort noch manches zum Empfang der
fluten lieben Freundinnen zurichten
müssen, ausrufen hören: „Ach, wie
froh wäre ich, wenn das wieder vor
über wäre, es macht mich so nervös!"
Uni) doch hängt es wahrscheinlich ganz
von dem Belieben der geplagten Haus
frau ab, die Quelle dieser Nervosität
ini-t einem raschen Entschluß versiegen
zu machen, d. h. den „Jour" abzu
schaffen.
In einer anderen Familie finden
wir an einem heißen Junitage die lie
bende Mutter und ihre beiden heran
gewachsenen Töchter in Gesellschaft
einer Schneiderin und einer Hilfsar
beiterin in der Nähstube versammelt.
Journale, Stoffe, Bänder, Spitzen,
fyitterreste, Stecknadeln, Bügeleisen,
Spulen, Qesen, Scheeren u. s. w. lie
en umher, die Maschine rasselt, Alle
befinden sich in einer nervösen fieber
haften Aufregung. „Mama, wie sol
en wir nun diese Abendtoilette eigent
ich ausputzen, ich weiß wirklich nicht,
Deiche von diesen drei Zeichnungen am
(einsamsten ausfallen würde," spricht
tne der Tochter. „Ach, ich bitte Dich,
Gottes Willen lasse mich endlich
n Ruhe, wähle Dir selbst etwas, ich
a be diese ganze wochenlange Schnei
erei herzlich satt und bin schon so
erbos davon, daß ich nicht mehr weiß,
o mir der Kopf steht, und wann wir
idlich zur Abreise nach dem Hotel
•riig sein werden!" Auch hier hängt
wahrscheinlich von dem Belieben der
-plagten Mutter ab, die Quelle dieser
'ervosiiät mit einem raschen Entschluß
^siegen zu machen, d. h. die Anzahl
Toiletten zu verringern.
Drüben kehrt eben eine Frau von
•r Shopping-Tour heim, müde und
"^gespannt wirft sie eiligst Hut und
mhang ab, sie muß noch in der Küche
ich dem Rechten sehen, eben wird
ich ein Päckchen gebracht, das bezahlt
erden soll, der Mann an der Thür
iht wiederholt ungeduldig die Glocke,
jemand hat das richtige „Change",
je Kleinen stürmen mit ihren vetWie
iaten Wünschen und Angelegenheiten
die Mama ein, bis diese etwas
.Mchend ausruft: „Kinder, jetzt seid
-'genblicklich still, ich bin so nervös
n dem stundenlangen Herumlaufen,
ihetzen und Suchen, nach schönen
idernen Sachen für Euch, daß mein
,pf mir ordentlich summt, d'rum
,t was ihr wollt, nur mich laßt in
ihe" So läßt sich die Mama ver-
Men, doch wahrscheinlich hinge es
1 dem Belieben der geplagten Mut
I ab.die Quelle dieser Nervosität mit
cm raschen Entschluß versiegen zu
m, d. h. nicht so großen Werth
die schöne und moderne Toiletti
ihrer Kinder zu legen, und doch
"ich fest überzeugt davon, daß alle
drei genannten Damen trotz aller
es doch vorziehen werden, ihre
itöfen Zustände und Stimmungen
^tragen, als sich von so heilig ge-
Dingen wie „Jours", Abend
tten und luxuriösen Kinderklci
zu trennen. Und alle diese
werden uns auf Befragen ein
versichern, daß sie toeb« für
#5"
fr'
f4.
Empfangstage, noch complicirte Som
mer toiletten, noch luxuriöse Kinderbe
kleidung eine besondere Vorliebe hegen,
sondern daß sie einfach gezwungen
sind, in diesen Dingen mitzuhalten,
weil eben alle anderen Bekannten es
auch thun und man unmöglich eine
Ausnahme machen, noch hinter den
Anderen zurückstehen kann.
Und darin liegt meiner Ansicht nach
die unversiegbare Quelle der allerhäu
figften Nervenleiden und nervösen Zu
stände unserer armen nervösen Früuen,
in dieser ängstlicken Aufrechthaltung
der Welt des Scheines, in der Pflege
eines unechten Luxus, der nur zu dem
einen Zwecke vorhanden ist, um die
Anderen zu blenden und zu täuschen.
Und Niemand hat den Muth dieser,
namentlich in Amerika bis zumWahn
sinit durchgeführten Welt des luxuriö
sen Scheines, entgegenzutreten, sich da
von zu emancipiren und so seine eige
nen Nerven und die seiner Nachkom
men zu schonen und zu schützen: Jene
Frau, die weder Vorbereitungen für
den „Jour" noch für Sommer-Hotel
Ausstattungen, noch für unvernünfti
gen Kindertand zu treffen hat, wird
all die damit verbundenen Nervenerre
gungen vermeiden und dadurch auch
den Kindern den Anblick dieser an
steckenden krankhaften Zustände erspa
ren. Denn Nichts theilt sich so schnell
mit, als Nervosität ist die Mutter ner
vös, so hat ihr zehnjähriges Töchter
chen sicher auch schon Nerven, und bis
es herangewachsen ist, steht es der
Mutter sicher nicht an Nervosität nach,
vielleicht übertrifft das zarte Fräulein
die Mutter sogar noch an nervöser
Reizbarkeit.
Ja, aber wo soll das enden? Wenn
all' die nervösen Frauen ihr nervöses
Treiben fortfetzen, ihre Nerven immer
mehr abspannen, da bleibt ja für die
kommenden Generationen nichts weiter
übrig, als gleich ebensovtelen wandeln
den zerrütteten Nervenbündeln ihr ner
vöses Dasein zu fristen.
Wir Alle streben nach Freiheit und
machen uns doch zu Sllaven einer
künstlich aufgebauschten Welt des lu
xuriösen Scheines, die unsere Gesund
heit untergräbt, weil sie unsere Nerven
krank macht. Warum waren unsere
Großmütter und Ahnen trotz des gro
ßen Kindersegens nicht nervös? Weil
sie in schlichter Einfachheit lebten und
also Zeit hatten, sick in aller Ruhe del
Erziehung ihrer Kinder zu widmen,
anstatt ihre Kräfte in der beständige»
Sorge für Tand und Aufputz des Le
bens zu vergeuden. Wer dem Luxus
huldigt auf Kosten seiner Nerven, der
begeht ein Unrecht an sich selbst und
feinen Kindern, denn Frieden und
Heiterkeit entfliehen aus jenem Haufe,
dessen Leiterin „nervös" ist und die
Hauptursache derNetboftiät entschwin
det in dem Augenblicke, wo wir auf
boren, die Rücksichten gegen die Au
ßenwelt, als oberste Richtschnur gelten
zu lassen. Wenn wir Frauen versu
chen wollten, die entsetzliche Nervosität
aus dem Hause zu verbannen, und
mehr uns selbst, dem Gatten und den
Kindern zu leben, würden wir zur
Festigung des wahren Familienglücks
unendlich viel beitragen, denn nervöse
Frauen sind weder selbst zufrieden,
noch können sie Zufriedenheit und
Glück um sich verbreiten.
O, diese Männer!
Ein junger Ehemann, dessen Frau
etwas eifersüchtig war, war von seiner
Erholungsreise zurückgekehrt zur lie
benden Gattin. Sie saßen nach lan
ger Trennung behaglich bei einander
sie tändelte mit feiner Hand und zog
ihm dabei stielend den Ring Dom klei
nen Finger ein weißer Hautstreisen
wurde sichtbar. „Wie Du verbrannt
bist, sieh doch!" rief die junge Frau
und zeigte auf die durch den Ring ge
schützt gewesene unverbrannte Stelle.
Neugierig zog sie ihm nun auch den
Ehering vom Koldsinger hier aber
war aber die Haut ebenso gebräunt
wie sonst auf der Hand, denn der
Ehemann hatte den Trauring wäh
rend der Reise im Portemonnaie ge
habt! Die junge Frau reimte sich auch
die Sache richtig zusammen, und diese
Entdeckung hat die Freude des Wie
dersehens getrübt. Die Sonne
bracht ii an den Tag!
Alter Herr (im Eisenbahnwagen):
Haben Sie Kinder, gnädige Frau?
Dame: Jawohl, einen Sohn.
Herr: Einen Sohn? Ist er Rau
cher?
Dame: Er hat nie auch nur eine Ci
garette in den Mund genommen.
Herr: Das hör' ich gern. Das Rau
chen ist eine schauderhafte Angewohn
heit. Kneipt er viel?
Dame: Nein, er hat noch nie ein
Wirthshaus betreten.
Herr: Dann wünsche ich Ihnen von
Herzen Glück zu Ihrem braven Sohne.
Kommt er öfter spät nach Hause?
Dame: Nie, er geht immer gleich
nach dem Abendbrot zu Bett.
Herr: Ach, das ist ein musterhafter
junger Mann, ja ein trefflicher Sohn.
Wie alt ist denn Ihr Herr Sohn?
Dame: Zwei Jahre, mein Herr.
Sicheres Mittel. A.:
Kennen Sie den Unterschied zwischen
giftigen und nichtgiftigen Pilzen?
B.: Nein, aber ich habe ein unfehlba
res Mittel, mich vor der Vergiftung
durch Pilze zu schützen. A.: So.was
ist denn das für ein MrtN? 8.:
Ich esse nie welche!
Kindermund. Tante: Är
nres Herzchen, Du host Zahnschmerzen,
na, wenn ich ._^e, wäre der böse
Zahn schon längst heraus. Die
kleine Ella: Ja, Tante, da£ glaube ich,
a e a n n a u s w e
ii 'ti' :v v
i ii,
vi
At,
l.
Aeliere Damen behaupten bisweilen,
sie müßten tn der Mode hinter der Ju-
yend zurückstehen, während die jüngeren
Damen wieder sagen, es gäbe in Be
treff der Tracht und Kleidung keine al
ten Damen mehr. Thatsache ist, daß
die heutige Mode mit großer Freigebig
keit auch für die älteren Damen sorgt
und daß sie die Grenzen der verschie
denen Altersstufen mit leichter Hand
verwischt. Die heutige Mode fordert
nicht mehr matronenhafte Einfachheit
wie früher, sie verlangt nicht, daß eine
Frau, wenn sie ein gewisses Alter er
reicht hat,ihren natürlichen Kopfschmuck
mit einer Haube bedecke, sie will viel
mehr das Haar durch eine rationelle
Pflege bis ins hohe Alter gesund und
kräftig erhalten wissen, damit dieHaube
nur von wirklich hochbejahrten Damen
oder aus Gesundheitsrücksichten getra
gen werde. Dieser für ältere Damen
früher unerläßliche Putzgegenstand ist
denn auch heute zu einem aus Spitzen,
Federn und Blumen bestehenden Haar
schmuck! zusammengeschrumpft. Auch
in Bezug auf die Haarfrisur ist die
Mode älteren Damen gegenüber sehr
entgegenkommend, denn die äußere Er
scheinung einer Frau ist von bestimmen
dem Einfluß bei der Frisur. Es gibt
viele Frauen in den fünfziger Jahren,
also ohne Zweifel ältere Damen, die
so jugendfrisch und ftohgemuth ins Le
ben schauen, daß es absurd wäre, woll
ten sie sich der herrschenden Mode ent
gegen frisiren. Selbstverständlich wer
den feinfühlige Damen jede auffallende
Frisur, hängende Zopfe u. dgl. oder
gar kurz geschnittenes Haar vermeiden,
umsornehr,' wenn vielleicht blühende
Kinder um sie her ein sichtbares Zeug
niß für ihr Alter abgeben. Es bleibt
den älteren Damen trotzdem noch sehr
viel Hübsches übrig, und sich nicht vor
zeitig alt machen,heißt noch lange nicht:
sich jung machen wollen!
Costüm aus Plissekrepp.
Für ältere Damen werden in diesem
Fahre zu Sommerkleidern Seidenstoffe
bevorzugt, und zwar Taffet, Levantine
and Foulard. In den Farben sind die
-rauen und bräunlichen Töne beliebt,
doch werden auch Reseda, Bronze und
Stahlblau getragen. Einer besonderen
Gunst erfreut sich die kleine, klare oder
chinirte, verschwimmende Musterung in
den Stoffen. Diese Stoffe und Far
ben werden ja freilich sämmtlich auä
von jüngeren Damen getragen, doch
garnirt man sie für diese mit hellen
Spitzen, flatternden, farbigen Schlei
fen und dergl., während man für ältere
Damen dunklen, oder schwarzen Spitz n,
Sammet, Stoffrollen und Passemente
rieborten den Vorzug gibt. Die letzte
ren, besonders wenn sie mit flimmern
den Perlen durchwebt sind, bilden oft
einen wirkungsvollen Schmuck. Zu
wollenen Kleibern, die einfarbig ober
doch nur mit kleiner, bescheidener Mu
sterung gewählt werden, verwendet man
vorzugsweise Moire zum Besatz und
stattet die Röcke mit Schrägstreifen von
diesem oder auch vom Stoff des Klei
des aus. Die Streifen begrenzen ent
weder den vorderen Theil des Rockes
$n vertikalen Linien, oder sie ziehen sich
!n beliebiger Anordnung rund um den
Rock.
Kleid auS grauem Krepp.
In den beigefügten Illustrationen
findet die Leserin mehrere sehr hübsche
Costüme aus verschiedenartigem Krepp
dargestellt.
Sehr elegant und fein wirkt das
aus dunkelblauem Plissekrepp gefertigte
Costüm, welches aus einem einfachen
Rock, sowie eiyer vorn und hinten in
gleicher Wejse aus schmalen Stossstrei
fen und gelblichen Guipüteeinsätzen zu
sammengestellten Taille besteht. Letz
tere wird durch einen mit Rosetten aus
gestatteten Stehkragen von schwarzem
Moireband begrenzt und durch einen
Gürtel aus gleichem, breiterem Band
vervollständigt, für welchen das Band
von vorn nach hinten gelegt, dann wie
der zurückgeleitet und vorn etwas seit
wärts unter einer vollen Schleife ge
schlossen wird. Die oben bauschig fal
lenden Aerm sind durch kleine Roset
ten aus Moireband leicht gerafft und
mit schmalenRevrts von gleichem Band,
die mit Guipüreewsatz umrandet sind,
begrenzt.
Dem, einem Futterrock lose ouflie
flew#
«Uun
jL'il» fe.'ÄV Au V
Re4 des hübjchcs «Kki-
1
*r r,x-TQ
deS auS grauem Kreppstoff sind etwa
bis zur halben Höhe in regelmäßigen
Entfernungen oben mit kleinen Roset
ten abschließende Theile aus plisstriem,
orangefarbenem Seidenstoff eingesetzt,
zwischen denen der Stoff leicht gerafft
erscheint. Die hinten glatte Taille aus
Krepp ist mit vorn, wie ersichtlich, in
Falten gereihten, am Taillenubschluß
leicht eingekauften Vordertheilen ver
bunden und mit einem faltigen Steh
kragen von gleichem Stoss begrenzt.
Ein breiter Miedwgiiriel aus Seiden
stoff, der vorn unter einer großen
Schnalle aus Goldbronze geschlossen
wird, sowie halblange in Doppelpuffen
arrangirte Aermel, welche ein Bandeau
von Seidenstoff umschließt, vervollstän
dige di» AMe.
AnzugausKreppundSpitze.
Aus goldfarben und blau changeant
Kreppstoff besteht das für junge
Damen geeignete elegante Kostüm, wel
ches auf dem mäßig weiten, in Glocken
form gearbeiteten Rock mit einem brei
ten Plissevolant garnirt ist, dessen An
satz eine leicht eingekräuste Guipüre
spitze, sowie eine Rüsche aus schmalem,
gelbem Seidenband deckt. Die gleiche
Garnitur wiederholt sich, auf der vorn
und hinten passenartig mit gelber Sei
dengaze. im übrigen mit plissirtem
Krepp überdeckten Taille, welche durch
einen faltigen Stehkragen von ersterem
Stoff begrenzt und durch einen schma
len, seitwärts unter einer Schleife ge
schlossenen Gürtel aus gelbem Seiden
band zusammengehalten wird. Glei
ches Band und Schleifen zieren auch
die halblangen Bauschärmel, die je mit
einem Spitzetwolant abschließen.
w
Costüm aus grau-blau em
Krepp.
Die letzte Abbildung zeigt ein Ko
stüm aus grau und blau gestreiftem
Krepp, dessen Rock vorn längs der
Nähte mit schmalen Blenden verziert
und mit einem Pajfementeriegiiriel be
grenzt ist. Den krausen, aus gemuster
tem, blauem Seidenstoff gefertigten
Vordertheilen der hinten glatten, mit
Keulenärmeln verbundenen Taille lie
gen mit Passementetie verzierte Jäck
chentheile auf, die vorn durch faltige
Revers begrenzt werden. Letzteren
schließt sich hinten ein breitet Kragen«
theil an der Stehkragen Besteht aus
Seidenstoff.
Eine neue Fisch-Art.
nrnm
1-
Alter Neger: Say, Mister,
wollen Sie denn hier kätfchen?
Bäckermeister Schmutzle (von Ave.
A., zur Zeit in Sommerboatd): Qh,
ich angle blos aus Platsir.
Alter Neger: Plaisir? Plaisit? Von
so 'nein Fisch hab' ich noch nie nch ge
hört. Hier in dem alten Tümpel
gibt's auch blos SchlarnmpeitzgeD» uäö
Aale.
—Einfache Satisfaction.
©Übersteht: „Morgen wird kommen
der Sohn von Nathanleben und wird
Dich bitten um die Hand Deinet Toch
ter Sarah. Was wirste sagen?"
Seligmann: «Ich werd' sagen„min"!
Seit mich der Jung' 'mal so arg be
leidigt hat, will ich nichts mehr vor.
ihm wissen."—Silberstein: „Schaute!
Sag' „ja", und Du bist gerächt!"
Lapalie. Cousinchen, wie
kann man nur ein so reizendes Ohr
läppchen haben? (zupft sie daran.)
Und wie kann man nur so läppisch
sein,, Cousin? (gibt ihm ewe Ohr-
M7,
'ni
Der Papst und das Cardinal
Collegium.
Mehr all 84 Jahre sind üfce* das
Haupt des Papstes Leo des Dreizehnten
dahingegangen. Der ehrwürdige Greis
ist älter als der „eiserne" Kanzler Bis
marck und wenn gleich feine Lebens
kraft, im Verhältniß zu feinem hohen
Alter, noch bedeutend ist, so kann der
Tag doch nicht mehr fern fein, an wel
chem auch er der Natur den letzten Tri
but wird bezahlen müssen, Leo der
Dreizehnte, Gioachino Pecci, am 2.
März 1810 zu Carpinto Romano gebo
ren, ist der 264. Papst und am 2. März
1878 nach dem Tode Pius des Neunten
als solcher gewählt worden. Während
feiner Regierung hat er eine ebenso um
fassende wie energische Thätigkeit ent
wickelt dieselbe trat aber in durchaus
milden Formen zu Tage. Durch die
Ernennung gemäßigter Cardinäle wie
Franchi, Jacobini zu Staatssecretären
bekundete er seine Versöhnlichkeit den
Mächten gegenüber, welche der katholi
schen Kirche entgegengetreten waren.
Als sein Hauptwerk muß die Beendi
gung des sogenannten Culturkampses
in Preußen angesehen werden, aus wel
chem er als Sieger hervorging. Mit
dem deutschen Reiche lebte Leo der
Dreizehnte nach Bismarck's Entgegen
kommen in gutem Einvernehmen und
im Jahre 1887 bemühte er sich, die
Reichstagsfraction des Centrums von
ihrer regierungsfeindlichen Politik ab
zubringen. k».
#j|
Lev 6tt Oteizehnte.
Als er den päpstlichen Stuhl bestieg,
waren in Frankreich die Lehren Leon
Gambetta's und Paul Bert's allgemein
populär und der Einfluß der Kirche
fchwand immer mehr ihm aber ist es
gelungen, denselben zu erhöhen und die
Freundschaft der französischen Republik
zu gewinnen. Seinem Tact ist es zu
zuschreiben, daß England und Rußland
sich dem Papstthume freundlicher er
weisen, als unter Pius dem Neunten,
und daß die Gleichgültigkeit der katho
lischen Mächte, Oesterreich und Spa
nien, dem hl. Stuhle gegenüber ge
schwunden ist. Gegenüber der italieni
schen Regierung hat et stets die An
sprüche auf Rom aufrecht erhalten.
Aber nicht nur als Pontifex maximus
der katholischen Kirche hat sich Papst
Leo der Dreizehnte in solcher Weise
hervorgethan, daß sein Name neben
denjenigen der berühmtesten Päpste ge
nannt auch als lateinischer Dichter hat
er sich großen Ruhm erworben.
Gtzrdinal Rampolla.
Wer wird Leo des Dreizehnten Nach
folger auf dem päpstlichen Stuhle wer
den? Die Beantwortung dieser Frage
ist nicht blos sür die Hunderte von
Millionen katholischer Christen von txr
größten Wichtigkeit durch den Charak
ter des nächsten Tiaraträgers wird nicht
zum geringsten Theile der innere Frie
den Europas bedingt werden. Die eu
ropäischen Herrscher erblicken in dem
Papste ihren stärksten Bundesgenossen
gegen die revolutionäre und socialisti
sche Propaganda und einen Schwäch
ling als Nachfolger Leo desDteizehnten
können weder die gekrönten Haupter,
noch die katholische Kirche selbst gebrau
chen. In Rom gilt der Cardinal Ram
polla als der nächste Tiaraträger.
Seine Aussichten sind die denkbar
günstigsten. Er ist ein geborener Ita
liener, denn feine Wiege stand in Sici
lien in Jahren ist er nicht allzu weit
vorgerückt, da er die Fünfziger noch
nicht überschritten hat er ist ein Mann
von vielseitiger Bildung, und von fe
stem Charakter, ohne aggressiv zu fein.
Von Leo dem Dreizehnten mit unbe
dingtem Vertrauen beehrt, ist er als
Inhaber der höchsten Aemter in die
päpstliche Politik auch vollständig einge
weiht und gilt er als „persona grata"
bei allen europäischen Mächten, mit de
nen er als erster Berather des Papstes
in directen Contact gekommen ist. Was
seine Stellungnahme der italienischen
Regierung gegenüber betrifft, so glaubt
er mit Leo dem Dreizehnten, daß die
selbe nur durch den Dreibund gehalten
und ein europäischer Krieg den Unter
gang des Hauses Savoyen bedeuten
wird.
Es ist natürlich nicht ausgeschlossen,
daß einem anderen Cardinal die Tiara
zu Theil werden wird dachte doch nach
dem Tode Pius des Neunten Niemano
an den Cardinal Pecci als dessen Nach
folger und doch wurde gewählt. Hm
.-..r-r-
•i .'y.-.'Z- Kfs4.
Cardinalcollegium hat Cardinal Pa
rocchi zahlreiche Freunde, ebenso Si
meon!, Ja-cobini, Vanutelli, San Fe
lice. Der Letztere namentlich ist unter
Petocch$ San Felice.
seinen Collegm wegen seines liebens
würdigen Charakters ungemein beliebt,
doch wollen Eingeweihte wissen, daß
selbst feine vertrauten Freunde ihn nicht
für stark genug halten, lim das von
Leo dem Dreizehnten begonnene Werk
weiter führen zu können. Alles in
Allem genommen, deuten alle Anzeichen
darauf hin, daß Rampolla der nächste
Tiaratäger sein wird.
Die Wandmalereien im Rathskeller
Sit
Wiesbade».
Gambrlnnè Wagen folgt die s«nze WÄ»
Ein jeder Stand, ob orm, ob reis, an Gut und
(«cl».
Ihm folgt getreu das Alter und die Jugend,
Söcisfieit und der Thorheit Heer,
Das l'aftcr und die Tilgend.
Zwei Sätze sind es, die dem herrli
chen Bau, welcher auf dem Platze zwi
schen der Kirche und dem königlichen
Schlosse in der schönen Bäderstadt
Wiesbaden stolz sich erhebt, auf die
Stirne geschrieben sind: „Ich bin ein
deutsches Rachhaus" und .Wir fön»
nen's machen!"
Darin hat der sorgliche Geist
Erbauers nach dem Vorbild unserer
weisen Aelterväter einen kühlen, an
heimelnden Ort geschaffen, in welchem
diese Erfrischung bequem und ange
nehm stattfinden kann den Raths
keller. Ein lauschiges Plätzchen, ein
Eia popeia tpei Kindche
fchlaf ci.
dann gehn mer aach
noch Summen# zum
Appelw«!
kühler, guter Trunk und zur Er
holung des Geistes von den Strapazen
verantwortungsvoller, trockener Debat
ten eine heitere, phantasievolle Um
gebung. Sechs Monate haben die bei
den Maler K. KLgler und H. Schlitt
dazu gebraucht, die Aufgabe zu lösen.
DeutschBlut foqt Grob
papa und lacht,
Merr hammc'iimch eju
gemocht 1
Im Verlag von Gebrüder Petmeky
in Wiesbaden ist unter dem Titel „Die
Wandmalereien im Rathskeller zu
Wiesbaden" ein Band erschienen, den
wir unseren Lesern angelegentlichst
empfehlen können. Die Mehrzahl die
ser Wandmalereien rührt von der
Hand Kaspar Köglers her, dessen Bil-
AlS Adam in den Apvel bis
Mußt forr er aus dem Paradie?
etil bringt e Schöppche Apveilvti
it) Paravieè uns wieder nci.
der und Skizzen sich wegen ihres fti
schen Humors, ihrer hübschen, correc
ien Ausführung stets des allgemeinsten
Beifalls zu erfreuen gehabt haben.
Das Buch ist wirklich ein Schatzkäst
lein von einer Menge heiterer, feucht
fröhlicher Skizzen und Reime. Einige
der gelungensten Bilder findet man in
den hier beigegebenen ^Illustrationen.
Gewiß.
„In Karlsbad gewesen?"
„Ja."
„Viel abgenommen?"
„Gewiß! Soll ich Jhntt!
die Hotelrechnungen zeigen?"
'mal
Hereingefallen. Anw
Müller (beim Kaffeeklatsch): Sagen
Sie 'mal, Frau Schulze, Sie wollten
sich ja mit dem Manne, der für einen
Dollar jeder Einsendetin das wichtige
Geheimniß mittheilen will, wie man
den prachtvollsten Kuchen und anderes
feine Backwerk ohne jede Milch backen
sann, in Verbindung setzen? Haben
Sie ihm den Dollar eingeschickt?
Frau Schulze: O gewiß, meine Liebe.
Frau Müller: Und was hat er Ih
nen geantwortet? Was sollen Sie an
Stelle der Milch benutzen? Frau
Schulze: Ckeaw.
V v v v è V A A
-X -." y ,:
Der Sieder-Ian, in Sdjumlnsf1
Hall.
Wir sind in dir alten Salz« »ich
ehemaligen Reichsstadt 6ät OocheH»^
ftranb, Schwäbisch Hall.
Was die Chronisten von der Entste
hung der Stadt zu berichten wisse»,
gehört mehr oder weniger dem Gebitt.
der Sage an. Aber es ist bedeutsam,
daß schon in der Sage die (Salzquellt
eine Hauptrolle spielt. Ein Gras des
Kochetgaus so wird erzählt —, 8*
dessen nicht allzu großem Gebiet auch
das damals noch von dunklem Dickicht
des Waldes bedeckte enge Thal des Ko
cherflusses gehörte, soll auf der JagH»
wie ja Aehnliches häufig berichtet
wird, dem Wilde folgend, die „Salz
lache", das heißt die Salzquelle ent
deckt haben. E^ habe an der Stelle
einige Wohnhäuser erbauen und Salz
sieden lassen.
Die Salzsieder dürfen wohl als d«
erste und vornehmste Zunft und G6»
nossenschaft in Hall bezeichnet werden,
und auch für die Wehrkraft der alte»
Reichsstadt waren die „Siedet", die
eine besondere Compagnie bildeten,
von ganz hervorragender Wichtigkeit.
Eine Chronik berichtet, daß die
Salzsiederssöhne, welche die Dorf
mühle einmal vor Brand gerettet hät
ten, jährlich 11 Scheffel Dinkel z«
einem großen mürben Kuchen von 100
Kvchenträger und Hof
jungfer.
Pfund aus dem herrschaftliche«
Fruchtkasten bewilligt bekommen ha
ben und dieser Kuchen in der Dorf
miihle gebacken, dann an Peter und
Paul unter Trommeln und Pfeifen
von den dabei in schwarzer Kleidung
und mit Mantel (der Tracht der Sie
der für den Kirchgang) erscheinenden
Siederssöhnen herumgetragen wurde.
Am Nachmittag des Festtages schloß
sich dann der Siederstanz auf dem
„Unterwöhrd", einer mit stattlichen
Bäumen bepflanzten Insel im Kocher,
an. Bei den Umzügen der Sieder in
der Stadt scheinen bei den Brunnen
Tänze, ähnlich dem Metzgersprung
München, stattgefunden zu haben, wo
bei es auch an muthwilligen Streichen,
Hineinwerfen von Menschen und Thie
ren in die Brunnen und so weiter,
nicht fehlte, weshalb später hiegege»
Verbote des Magistrats erlassen wur
den.
SeU
Den alten Siederstanz hatte man
in Hall fast ganz vergessen. Er war
zum letzten Mal von einem Siedethof
beim Uebetgang der alten, freien
Reichsstadt an Württemberg (1803)
aufgeführt worden, und-als man ihn
1862 bei der Einweihung der Eisen
bahn von Heilbronn nach Hall wieder
ins Leben rufen wollte, war man auf
ein achtzigjähriges Mütterlein alB
Lehrmeisterin angewiesen, eine ehema
lige Siederswchter, die sechzig Jahre
früher noch mitgetanzt hatte.
Hauptleute.
Ebenso wurde auch die originelle,
etwa aus dem fünfzehnten Jahrhun
dert stammende Musik, welche zum
Marsch und Tanz der Haller Salzsie
der gespielt wird, vor dem llnteraang
bewahrt.
Die Aufführung des Tanzes ist fol
gende:
Die foftümirten Musikanten sind
mit Trommel und Querpfeife verse
hen. Unter den Klängen dieser Musik
vollzieht sich der Aufmarsch der Paare,
die nun um die Spielleute einen Kreis
ziehen, in welchem man tanzt. Der
Tanzende nimmt die „Hofjungfer"
züchtig nur beim kleinen Finget und
kommt ihr auch während des TanzeS
niemals näher. Drei große Schritte,
Trommelwirbel, zwei kleine Schritte,
wobei sich der Siedersbursche gegen
die Hofjungfer kehrt so ungefähr ist
dieser Reihentanz, dabei durchaus
ernsthaft und still. Freundlich dürfen
die Tanzenden schon fein, aber spre
chen oder gar lachen und jauchzen,
würde sich nicht schicken, ihnen sogPt
zur Unehre gereichen.
1
Frühreif. Paoa: „Dies­
mal hast Du ein schlechtes Zeugniß
nach Hause gebracht ick hoffe, as das
nächste besser sein wird!" AchiicifW
ri.ier Hans (sät sich): „Olle? Opti
mist!"
S3etrathen. Hinz (der fn
vergangener Nacht in Nachbar Kun
zens Obstgarten geräubert): „Na, bei
Ihnen ist man wohl wieder in de»
Aepseln gere-en?" Kunz: „Ja,
und Ihnen hat die Diebesbande wohl
Schnupftücher gestohlen eins lag
noch unterm Bauimt"
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Der brave Zotm*
Am Keiche der Mode

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