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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, August 15, 1894, Image 2

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Das Lied von Kanapce.
Nichts scheint so geringfügig, daß
Be Wissenschaft, die eben Alles erkun
den will, sich nicht mit genauer For
schung daran wagte. Sonst hätte es
yetoifo nicht geschehen können, daß das
vielberühmte Kanapeelied von den Lip
Pen robuster Küchenfeen und übermü
thiger Schusterjungen auf den Arbeits
tisch eines Gelehrten geräth, um dort
nach allen Regeln quellenforschender
Kunst auf Geschichte und ursprüngliche
Gestalt untersucht zu werden. Ein
Musikkenner ersten Ranges, der beson
ders durch seine Schubertforschungen
-bekannte Herr Dr. Max Friedländer
hat bei Breitkopf undHärtel in Leipzig
eine ganz ernsthafte und höchst interes
sante Monographie über „Das Lied
vom Kanapee" erscheinen lassen.
Da wirkt vor Allem überraschend,
daß die Weise, welche wir der etwas
untergeordneten Sippe der schnell ge
dornten, schnell verlorenen? modernen
Gassenhauer zuzurechnen geneigt wa
mt, aus der edlen Familie der Volks
lieber stammt und feine Ahnen dement
^sprechend weit in die verklungenen Zei
ten zurückdatiren. Uralt ist ja schon
das Schlagwort des Liedes „Das Ka
inapee", das im griechischen Kanapeion
gleich Mückennetz, übertragen: Ruhe
bett. wurzelt. Dieses Wort wird im
Deutschen literaturfähig schon im An
fang des vorigen Jahrhunderts, denn
bereits in Benjamin Hanke's Jägerlied
vom Jahre 1724 es gar arrniu
Hig:
Will Morphâ vnS ttMerche«,
So schläft man auf dem Klee
Das Laub der hohen Eichm
Ist unser Kanapee.
Freilich ward das Knnapes später
von einem neuen Möbel übertrumpft
amd in den Schatten gestellt, denn um
die Mitte des vorigen Säkulums sang
man mit trüber Resignation:
Ein abgefeßnes Kanapee,
Bekleid't mit greisem Sammt und sah
lem Schimmer,
Gewesner Favorit vom Frauenzimmer,
Sieht einen Sopha in der Näh' etc. etc.
Aber was speziell jenes Kanapeelied
anbelangt, so galt bisher als älteste
Quelle ein Lied, das Hofmann von
Fallersleben bereits aus einer Lieder
ifammlung vom Jahre 1747 hat nach
weisen können, die den Titel führt:
„Gantz neu entsprossene Liebes Rosen,
tvorinnen viele neue Liebes Arien, und
angenehme Lieber zu finden, welche
ohne Aergerniß können gesungen wer
.den." Diese Liebesrosen bildeten bis
her die älteste Quelle für das Kanapee
tied. Vor ganz kurzer Zeit hat aber
Karl SMddekopf in Roßla eine Form
des Gedichts aus dem handschriftlichen
„Liederbuch für Sophie Henriette Kom
tesse Reuß. Angefangen zu sammeln
Anno 1741" veröffentlicht, die augen
scheinlich aus früherer Zeit als die Lie
besrosen-Quelle stammt. Indessen be
mangelt auch sie des archaischen Zuges,
itind so ist es für Herrn Max Fried lan
der eine doppelte Freude gewesen, in
einem Manuskript aus dem Jahre
1740 eine noch ältere Version des Lie
Ides zu finden.
Diese Lesart beginnt:
Das Kanapee ist mein BergnLgen,
Drauf ich mir was zu Gute thu,
Das Kanapee ist mein Vergnügen,
In meiner allzusanften Ruh
Thut mir's in allen Gliedern weh,
jBo leg' ich mich aufs Kanapee.
Menn mir vor Sorgen und Gebcmkm
Der Kopf wie eine Trehe geht,
Gesetzt das Herz fing an zu schwanken,
"Als wie ein Schiff, wenn Sturm ent
sieht
Bei Wind und Wellen auf der See,
So leg' ich mich auf's Kanapee.
Die für die Aehnlichfeit mit unserem
Heutigen Kanapee-Liede charakteristische
Strophe erhält das Gedicht freilich erst
•in jener Roßlaer Handschrift, denn da
finden fett die unsterblich schönen
Werse:
Wird endlich auch der Leib malade,
Weil ich ein Mensch wie andre bin,
So macht mein Kanapee Parade,
'Da sterb ich mit vergnügtem Sinn,
ÜMe Seele schwingt sich in die Höh,
Dr Leib bleibt auf dem Kanapee.
Durch die in den oben erwähnten
Liebesrosen zugesetzten Verse:
Wenn ich mich in die Länge strecke,
Mo setzt mein Schätzchen sich zu mir*
Ms hält mir anstatt einer Decke
Sin lilienweißes Küßgen für:
Das kutzelt in der großen Zeh
Auf meinem lieben Kanapee.
Wird nun das Lied zu der achtstrophi
gen Form vervollständigt, in der es
ims in den meisten Abschriften und Ab
drücken des vorigen Jahrhunderts be-
snd
ignet. Unter diesen Niederschriften
die frühesten
in
den Liederbüchern
des Barons von Crailsheim, um 1755
Angelegt,
und des FretfräuTciiiS von
Grot thus vom Jahre 1764. Die
letztgenannte junge Dame schrieb ubri
Mens
statt „Der Leib
bleibt
auf
betn
ben
voll-
fommenen Gegensatz zur leicht be
schwingten Psyche bildet. Welch' et*
chuicklicher Realismus
fch lv» ff 59-Ttit'é'ft'•• iff
tin Pilz, dessen. Fruchtträger schwarz,
Vsters auch blau aussehen er zorfrißt
KsSSattig die grünen. Triebe und die
ÄbUMben. Drin Auftreten des schwar
zDt.Menners wird durch ein Anstrei-
Schenkel und der Tragreben
t) kurz vor dem Ausknospen mit
)brocentigm Eisenvitriollösung
r*'- '-ix:
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.-.::' ?v £,. V v -,. •, '. ^.. v -. ,• •*. gKv-t.w. .,.. •, .^ r..-' .",„~,r., *. tv- .£ V
Mr unsere Trauen.
,tp«x* Missen der ®aw*trast«
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ES toirb oft betont, daß mo
derne Hausyalt ein völlig anoerer ^e
gen den früherer Tage geworden tft,
und dabei stets 'hinzugefügt, daß die
Frauen unserer Zeit es viel bequemer
haben, als die unserer Vorfahren. In
der That erscheinen die mannigfachen
Maschinen, die unsere Zeit in's Leben
gerufen hat, die Fabrikation von Sei
sen, Lichten, Konserven u. s. to. ganz
geeignet, die Haussrau zu entlasten,
doch wird im Allgemeinen stets der
Umstand außer Acht gelassen, daß er
stens den Haushaltungen früherer
Tage bedeutend mehr Hände und
dienstbare Geister zur Verfügung stan
den, als dies gewöhnlich jetzt der Fall
ist, und daß für diese Entlastung den
modernen Hausfrauen Pflichten auf
erlegt sind, von denen solche früherer
Tage oft kaum eine Ahnung haben
konnten.
Das innige Eingreifen der Wissen
fchasten, der Chemie, Physik und Phy
fiologie in das häusliche Leben macht
es durchaus nothwendig, daß die mo
derne Hausfrau ihr Wissen nach dieser
'Richtung erweitere und bereichere. Wir
können nicht mehr damit zufrieden
sein, zu wissen, eine Sache müsse so
und nicht anders gemacht werden, wir
sollen auch wissen, warum dies nöthig
ist. Auch stehen die Anforderungen,
welche die Zeit und die Verhältnisse an
eine tüchtige Hausfrau stellen, oft nicht
im Einklang mit den ihr zur Verfü
gung stehenden Mitteln, wenigstens
dann nicht, wenn sie nicht scharf zu
sieht, daß alles in der rechten und aus
giebigen Werse verwerthet werde. Ge
naue Kenntnisse der Werthe aller Ein
zelheiten für den Haushalt sind oft im
Stande, mit den vorhandenen Mit
teln auszukommen, von ihnen den
größtmöglichen Nutzen zu erzielen oder
Ersparnisse zu machen. Hier helfen
die Wissenschaften in der vollkommen
ften Weise. Sie lehren uns nicht nur,
Speisen und Getränke nach ihrem
Nahrungswerth zu schätzen, sie beleh
ren uns auch durch genaue Berechnung
darüber, was zum Ausbau des Kör
pers und zur Erhaltung der Lebens
kräfte nothwendig und was überflüf
ftg ist. wie wir mit ihrer Hilfe die no
thigen Dinge am leichtesten erhalten
und bewahren, sie am sichersten vor
dem alles vernichtenden Zahn der Zeit
zu schützen vermögen. Chemie und
Physik dürfen den Hausfrauen heute
nicht mehr ein Buch mit sieben Siegeln
sein, das sie mit geheimem Schauer
betrachten, sie müssen sie vielmehr im
Dienste des Hauses und der Familie,
im weiteren Sinne im Dienste desGe
meinwohls verwerthen. Denkende,
wohlwollende Männer, denen das rast
lose Kämpfen und Streben einzelner
Frauen, ihr Geschlecht auf einen wür
digeren Standpunkt emporzuheben,
nicht gleichgiltig war, haben durch
leichtverständliche Belehrung die Wis
fenfchaft zu einem Gemeingut gemacht
und auch den Frauen reich sprudelnde
Quellen des Wissens erschlossen. Wir
erinnern nur an Bücher wie Dr.
Klenke: „Die Naturwissenschaft im
weiblichen Beruf," Bock: „Vom gesun
den und kranken Menschen," Georg
Henry Lewes: „Die Physiologie des
täglichen Lebens" u. a. Gute, popu
lär geschriebene naturwissenschaftliche
Bücher sollten in keiner Hausbibliothek
fehlen.
Nur ein gesunder Mensch kann ein
glücklicher Mensch sein, und von die
fem Gesichtspunkt aus kann zur För
derung der Gesundheit und Wohlfahrt
nur derjenige beitragen, der sich so
wohl über die vitalen Vorgänge im
menschlichen Körper, wie über hie che
mischen Wirlungin der Nahrungs
mittel, ihr Ineinandergreifen «ufs
b:ste zu belehren sucht.
Gewiß, die Erfahrung ist eine vor
zügliche Lehrmeisterin, aber sie allein
reicht für unsere Verhältnisse nicht
mehr aus. Wenn unsere Mütter und
Großmütter, um eine gute Brühe oder
einen saftigen Braten zu erzielen, das
SBrühfleifch mit kaltem Wasser auf's
Feuer setzten, während sie den Braten
mit glühendem Fett in einen recht hei
ßen Ofen schoben, so hatte die Erfah
rung sie gelehrt, daß man so zu Werke
zu gehen habe. Erst unserer Zeit war
es vorbehalten zu erklären, daß dies so
geschehen müsse, um bei der Brühe das
im Fleisch enthaltene Albumin durch
das allmälige Erhitzen zu lösen, wo
durch freilich das Fleisch seines Nah
rungswerthes beraubt und ungenieß
bar wird, während beim Einsetzen des
Bratens in den heißen Ofen das Ei
weiß gerinnt, eine feste Kruste um das
Fleisch bildet, fodaß der Fleischsaft
Darin erhalten und sein positiverNähr
werth infolgedessen unverändert bleibt.
Wir verfahren also heute ebenso mit
dem Fleisch wie unsere Großmütter,
nur geschieht es mit Kenntniß der
Gründe. Freilich gibt es heute noch
unendlich viele Haussrauen, die den
beim Beginn des Kochens sich bilden
den Schaum vom Fleische abnehmen
und ins Feuer werfen, nur weil ihre
Mütter es so gemacht und sie es von
ihnen so gelernt haben, während dieser
Schaum doch das werthvollste Nah
rungsmittel ist, das Albumin, das
eben durch das allmälige Kochen gelöst
wurde. Eine Haussrau, die sich indeß
über die chemischen und physiologischen
Vorgänge» belehrt hat, wird diesen
Fehler nicht mehr begehen.
Aus der Menge des ausgeschiedenen
Eiweißes kann die sachkundige Haus
frau übrigens mit Leichtigkeit auch auf
die Beschaffenheit des Fleisches schlie
ßen, denn es beträgt bei einem alten
Thiere ein bis zwei, bei dem Fleisch
eines jungen dagegen biß gegen vier
zehn Procent.
Je mehr sich die Frau mit dem
-„SB« und Warum" de? chemischen und
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physiologischen Vorgänge im Körper,
in der Küche und im Haushalt bekannt
macht, desto 'leichter und besser wird sie
in ausgiebigster Weise für die Ihrigen
sorgen können.
Was kann allein auf dem Gebiete
der Hauswäsche durch richtige Kennt
niß der chemischen Einwirkungen des
Wassers, der Seife, des Sodas, des
Kali, der Lauge u. dergl. an Jngredi
enzen erspart und erhalten werden,
während durch das Gegentheil oft un
glaublich viel gesündigt und zerstört
wird! Jede Frau foil wissen, unter
welchen Bedingungen die Gewebsfaser
oder die Farbe eines Stoffes zerstört
oder erhalten werden kann, in welcher
Weise, mit welchen Mitteln bestimmte
Flecke zu entfernen sind, wie sie in den
verschiedenen Stoffen aufgelöst werden
können u. f. w.
Der alte, weise Salomo sagt?
«Der FrauenKlugheit bauet das Haus
ihr auf.
Der Leichtsinn reißt es mit Händen
nieder,"
und darum ist eine finge, denkende
Hausfrau der höchste Schatz für das
Haus sie bringt ihrem Gatten in ih
rem Wissen die reichste Mitgift entge
gen, und der Hausstand wird unter
ihrer Leitung sich einer gesunden und
glücklichen Entwickelung erfreuen!
Mund zu!
Bon 6. S.
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Wenn es nun schon wichtig erscheint,
den Mund in wachem Zustande ge
schlossen zu halten, so ist es doppelt so
wichtig, es beim Schlafen zu thun. Zu
den Uebeln, welche das Athmen mit
dem Munde nach sich zieht, gehört auch
ein gestörter Schlaf. Viel erfrischen
der und tiefer ist der Schlaf bei ge
fchlossenem Munde, eine Thatsache,
von der sich Jeder überzeugen kann,der
den friedlich süßen Schlaf eines mit
geschlossenem Munde athmenden und
den krampfhaften, von stöhnenden Ge
rauschen aller Art begleiteten Schlaf
eines mit offenem Munde Daliegenden
beobachtet. Grauenhafte Träume und
Alpdrücken quälen den Schläfer mit
offenem Munde, und er erwacht mit
ausgedorrten Lippen^ die sich schwer
wieder geschmeidig machen lassen. Da
gegen dürfte das Alpdrücken dem
Schläfer mit geschlossenem Munde eine
unbekannte Sache sein.
Auch das Schnarchen, diese Ge
wohnheit, die einen Patriarchen um
seine Würde bringt, hängt mit dem
offenen Munde zusammen und das
Mittel, sich dieser fatalen Eigenschaft
zii entledigen,die nicht nur denSchnar
chenden, sondern seine Umgebung pei
nigt, besteht in folgenden Verhaltungs
maßregeln:
Die Kissen sollen derartig gelegt
werden, daß sie sich nur bis zur Hals
beuge senken, so daß der leicht vorge
neigte Kopf das Auseinanderfallen
von Ober- und Unterkiefer »erhindert.
Die Lippen setze man fest, die Zahne
leicht auseinander, so daß ihre Reihen
sich gerade berühren, dann schlafe man
mit dem Gedanken ein, den Mund ge
schlossen behalten zu wollen. Es bau
trt nicht lange und die neue wohlthä
tige Gewohnheit ist angenommen. Der
Vorsatz, den man in den Schlaf hin
übernimmt, mit geschlossenem Munde
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In. manchen Dingen beschämt der
Instinkt einer Indianerin die Hoch
cultur der modernen Frau. Wir ho
ben dabei natürlich hauptsächlich die
Beobachtung hygienischer Maßregeln
im Auge. Eine der wichtigsten und
zugleich mißachtetsten Gesundheitsvor
schriften besteht darin, daß der Mensch
mit geschlossenem1 Munde athmen muß
und die erste That der mbianischen
Mutter dem Sprößlinge gegenüber
besteht darin, daß sie dem Neugebore
nen sorgfältig die Lippen verschließt,
damit er sofort durch die Nase athmen
lerne. Der Gegenstand scheint kaum
einer Erörterung werth und ist den
noch von vitaler Wichtigkeit für jeden
Menschen.
Unsere Nasenlöcher sind so constru
irt, daß sie die Luft reinigen und mil
dern, bevor sie ihr den Zutritt zur
Lunge gestatten. Dagegen behält die
Lust, die wir mit offenem Munde ein
athmen, alle Unfauberketten. Krank
heitskeime und schädlichen Substanzen
bei, und in unvermittelter Temperatur
nimmt sie alsbald ihren Weg zur
Lunge. Nun weiß man, mit welchen
Staubtheilen, vegetabilischen und mi
neralischen Giften, mit welchen Bakte
rien und epidemischen Krankherten,
mit welchen Seucheerregern die Luft
beladen ist, und diese Thatsache allein
sollte genügen, aus die bedeutsame
Funktion,welche die Nasenschleimhäute
als Luftreinigungsorgane besitzen,sehr
nachdrücklich hinzuweisen. Allein ihre
zweite Eigenschaft, die Luft zu tem
periren, bevor sie dieselbe zur Lujnge
dringen lassen, ist ebenso wichtig und
die Mißachtung dieser Eigenschaft
straft sich durch eine Schädigung der
Athmungsorgane, wie sie sich in den
verschiedensten Bräuneansällen, Hals
entzündungen, im Asthma und ande
ren derartigen Erkrankungen kund
gibt.
Aber auch die Zähne werden durch
das Athmen mit dem Munde geschä
digt. Der kalte Luftzug, von dem er
bei dieser Gelegenheit durchströmt
wird, hat einen nachtheiligen Einfluß
auf Gaumen sowohl wie Zähne und
rust leicht Zahnschmerz und Hals
schmerz hervor. Das Eintrocknen des
Speichels, eine Folge des Athmen» mit
dem Munde, beschleunigt den Verfall
der Zähne, welche der Mund vor dem
Luftzug beschützen sollte. Die Mund
wärme sowohl wie die von den Spei
cheldrüsen abgesonderte Flüssigkeit
haben die Ausgabe, den Zähnen einen
gleichmäßigen Wärmegrad zu sichern,
der ihrem Bestände unb ihrer Gesund
heit unentbehrlich ist.
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.•-::-- .'. .*.
'i .,
weiter zu athmen, wirkt mit der Strap
einer „Suggestion", wie die Hypnotl»
ker es nennen,und daß derartige Sug
gestionen wirksamer find, können wir
daran erkennen, daß wir mit Leichtig
seit zu einer bestimmten Stunde erwa
chen, sobald wir uns vor dem Ein
schlafen fest vornehmen, es zu thun.
Man stelle sich einen Menschen vor,
der mit offenem Munde einhergeht,
und man wird sofort bemerken, daß
btefer Mensch etwas unfreiwillig Ko
misches hat, baß er ben Eindruck gei
stiger Inferiorität macht. Selbst an
sprechende Physiognomien verlieren
durch diese abgeschmackte Gewohnheit
und unbedingt stößt uns eine Persön
lichkeit, die mit geschlossenem Munde
einhergeht, weit mehr Respekt ein, als
der immer etwas lächerliche Mensch,
der den Mund unmotivirt offen hält,
und zwar geschieht das, auch ohne baß
wir uns Rechenschaft über den Grund
dafür geben.
Vor ungefähr dreißig Jahren be
reits hat sich Georg Catlin in seiner
Broschüre „Geschlossener Mund erhält
gesund", über die Wichtigkeit ausge
sprochen, welche das Athmen mit ge
schlossenem Munde für den Menschen
hat.
Am besten schließen wir die Ermah
nung, den Mund geschlossen zu halten
was sich übrigens in jedem anderen
Sinne gleichfalls empfiehlt mit
denselben Worten, mit welchen Catlin
seine Broschüre beendet:
„Ich habe lange genug gelebt und
beobachtet, um eingesehen zu haben,
daß die vorzeitige Sterblichkeit in civi
lisirten Gemeinden von der schäblichen
Gewohnheit herrührt, bie ben Inhalt
dieser Broschüre bildet, und wenn ich
ein reicher Mann wäre, würde ich in
der Ueberzeugung, daß das Heilmittel
gegen diese Gewohnheit am wirksam
sten bereits in der Wiege angewendet
wird, gern vier Millionen Mark bin
geben, um eine ebensolche Anzahl
Die­
ser Broschüren an reiche und atme
Mütter aller Gegenden vertheilen las
sen. Denn die Mütter sind die ersten
und vornehmstenBezwinger dieser zer
störenden Gewohnheit, aber auch in
jeder Schule, jedem Hospitale und je
dem Regiment sollten allnächtlichWär
ter die Runde machen, um dem unna
türlichen, widerwärtigen und gefähr
lichen Brauch, mit offenem Munde zu
schlafen, gewaltsam Einhalt zu thun."
Lcberergüsse.
Die unlängst mitgetheilte „Ent
befcrtg" eines Londoner Physiologen,
daß der Sitz der Liebe nicht das Herz,
sondern die Leber sei, hat einen „Mo
dernen" zu folgendem Liebesgedicht be
geistert:
e e e s s e
Blick mir in's Auge, süßes Schätzchen,
Dort liegt die Leber, blick hinein
Da wird wohl ein vertrautes Plätz
chen
Für Dich, mein Leberliebchen, sein...
Du zürnst?.... So bin ich armer
Streber
Umsonst zu Dir zurückgeirrt,
Für die alleine meine Leber
Schlägt respective sunktionirt?
Ein Feuerstrom durchpulst mir heute
Die Leber, die nach Liebe schreit:
Ein Feuerstrom von Leberfreude,
Durchloht von Leberliebeslew!"
Mit Wonne würde ich verspritzen
Für Dich mein liebes Leberblut
Nur laß mich jetzt nicht länger schwitzen
In heißer Leberliebesgluth!
Da gingen ihr die Augen über,
Als ihm das grause Wort entsloh'n:
„Oh liebe Leber, lebe lieber
Sonst bricht die meine stückweis
schon!"
Und nimmer konnt sie widerstehen
Dem Leberdrang, der sie beschlich
In's Auge mußte sie ihm sehen,^
Und sieh' die Lebern fanden sich.
Immer der Gleiche.
Der Heirathsvermittler Abraham
Levy liegt in einernKrankenhause ziem
lich schwer darnieder. Der jugendliche
Assistenzarzt untersucht ihn, ordnet
das Nothwendige an und geht dann an
die anderen Betten. Levy folgt ihm
mit den Blicken und ihn vom Kops bis
zum Fuße musternd, ruft er endlich:
„Herr Doctor!" Dieser dreht sich
um und fragt den Kranken nach seinem
Begehr. „Ich möcht' Ihnen noch was
sagen!* „Aber ich habe Sie ja schon
untersucht," entgegnet der Arzt.
„Es wär* was sehr Wichtiges!"
„Nun, dann sagen Sie es schnell!"
„Aber so vor alle Leut'!?" „Herr,
Levy, wir haben hier keine Geheimnisse
vor einander!" „Herr Doctor, ich
hab' e' Partie für Sie!"
Nutzlos»
Mama (zum kleinen Fritzchen, der
sich in seinem Bett wälzt): Nun, Fritz
chen, hast Du auch schgn SEXin Nachtge
bet gesprochen:
„Müde bin ich, geh' zur Ruh?,
Schließ' die müden Aeuglem |tt*
habe Euch neulich gesagt. Ihr solltet
versuchen, wenigstens* eine Person in
der Woche glücklich zu machen, habt
Ihr das gethan?" Der kleine Emil:
„Ja, ich habe Großmama glücklich ge
macht." Lehrer: „Das ist recht, wie
hast Du das aber angefangen?"
Der kleine Emil: „Ich habe sie besucht,
und sje ist jedesmal glücklich, wenn ich
«ttc*
gibt
1
r. '.- -.••:••?.- •-*:..
•.:
.•'••.
-. .*•.• '.
Neber das Heirathcn.
Das Urtheil über die Grenze der
Jugend bei den Frauen und über baS
Alter, welches sich zur Eheschließung
eignet, ist in verschiedenen Zeiten bei
verschiedenen Völkern und Charakte
ren ein sehr verschiedenes. Bei den
Orientalen gilt schon die zwanzigjäh
rige Unverheiratete als altes Mäd
chen dreißigjährige „Männinnen" wa
ren unsere germanischen Urmiitter, die
hochgestellten, berathenden Freundin
nen ihrer Männer, ehe sie sich zur Ehe
befähigt hielten. Auch das Urtheil
über das zwischen den Ehegatten zu
lässige Altersverhältniß ist ein sehr
abweichendes. Der Grieche Aristoteles
soll den Ausspruch gethan haben, in
einer rechten Ehe müsse der Mann
beim Schließen derselben 36, die Frau
18 Jahre alt fein eine sehr erklär
liche Ansicht von dem Angehörigen
eines Volkes, das seine Frauen wie
unmündige Kinder zu behandeln
pflegte, und sie von jeder Theilnahme
an den tiefsten Interessen des Mannes
ausschloß. W. v. Humboldt dagegen
sagt in seinen Briefen an eine Freun
din: „Was in dem Innern einer Frau
vorzüglich fesselt, gewinnt offenbar bei
fortgeschrittenen Jahren. Ich hätte
auch in keinem Alter meines Lebens in
engem Verhältniß mit einem Mädchen
oder einer Frau stehen mögen, die viel
jünger als ich gewesen wäre am we
nigsten hätte ich eine solche heirathen
mögen. Ich bin auch in mir überzeugt,
daß solche Heirathen im Ganzen nicht
gut sind. Sie sichren meistenteils da
hin, daß die Männer die Frauen wie
Unmündige und Kinder behandeln,und
es kann bei einer solchen Altersver
schiedenheit unmöglich der freie, gegen
fettig erhebende und beglückende Um
gang, das volle und reine Ueberströ
men der Gedanken und Empfindungen
aus einem Gemüth in das andere statt
finden, die in dem Umgang beider Ge
schlechter eigentlich das Beseligende
ausmachen. Gleichheit in allen inne
ren Bedingungen ist da unentbehrlich
nothwendig, und der Mann kann nur
daran große Freude finden, daß sich
ihm diese in Empfindungen und Den
ken, nach Maßgabe der Verschieden
heit der Geschlechter in ihrer Art
Gleiche, in der mit erlangter Reise
vollen Selbstständigkeit ihres Wesens
hingibt und seinen Willen als den ih
rigen erkennt."
Nehmen aber auch die vorschreiten
den Jahre Euch Mädchen wirklich die
Hoffnung zur Verheirathung,wäre das
ein so großes Unglück? Seht Euch
doch um im Kreise Eurer Bekannten!
Wohl preisen wir mit Recht die Frau
glücklich, welche geborgen ist in der
Liebe eines edlen, sie überragenden
Mannes, der sie leitet und stützt und
trägt. Findet Ihr denn aber wirklich
viele solcher Ehen, die wahrhaft „ein
Bunb zweier Seelen" sind, wie es die
echte Ehe sein soll die volle Herzens
sättigung geben?
Und weißt Du denn sicher, ob Du
in der „Lotterie der Verheiratung"
solch' eine Glücksnummer ziehen wür
dest?
Wie viele Eheleute gibt es doch, be
ren Ehe nichts ist als ein neben einan
der Hergehen ohne Streit in
Herzensleere.
Und wie manche Ehe gibt es, in
welcher die Frau statt des tragenden
1 Armes den knechtenden fand!
„Das Mädchen, welches heute seine
Hand einem liebenden und geliebten
Manne gibt," sagt Campe, „wird erst
nach Ablauf einer gewissen Zeit mit
Zuverlässigkeit erfahren, ob sie einen
Freund oder einen Gebieter, oder gar
einen Tyrannen an ihm haben werde."
Es
••.
viele Aussprüche von edlen,
Vorurtheilsfreien
merkt, von
Männern (wohl ge-
Männern,
nicht etwa
„verbitterten alten
•:.• '•.,.
von
Jungfern", denen
die Trauben sauer
sind), die besagen,
daß gar viele Frauen „Eheleid statt
Eheglück"
"fanden.
Luther sagt z. B.: «Im ersten Jahr
der Ehe ist wohl alles köstlich, fröhlich
und lustig Ding man bringt dieselbe
Zeit hin mit Lachen und Liebhaben,
hernach aber findet sich gar oft allerlei
Jammer und Elend." Und an einer
anderen Stelle: „Manche Männer sind
in ihren Häusern schier wie die Löwen
hart und unfreundlich gegen ihtt Wei
ber und Gesinde."
„Oft findet das Weib einen sauren,
zornigen, wunderlichen, seltsamen
Mann!" meint Fischart. „Männer
sind Mai, wenn sie freien, Dezember
in der Ehe," sagt Shakespeare, und
Jean Paul in feiner humoristischen
Weise: „Aus dem Honigkuckuck,der zur
Süße der Honigwochen einlud, wird
gar bald ein gesetzter Honigbär, der
den Honig allein haben will!"
Sollte es denn wirklich keine Be
friedigung außerhalb der Ehe geben?
Caroline Perthes, die kluge, warmber
zige Frau des bekannten Buchhänd
lers Perthes, schreibt in einem Briefe
an ihre Tochter: „Zu meinem Grauen
scheute sich nicht auszusprechen,
sie müsse von sich und von jedem Mäd
chen, welches nicht Frau würde, glau
ben, daß es seine Bestimmung verfehlt
und ein trauriges und verkümmertes
Leben zu führen habe. Gott wolle
doch jedes Mädchen vor diesem traun
gen Wahne schützen. Nein unser
Gott hat fur uns Alle, weß Standes
und Geschlechtes wir sind, Liebe und
Gluck, wenn wir es nur annehmen
wollen. Es braucht keine Seele zu
vertrocknen. Wenn wir einen ernsten
Zweck recht aus vollem Herzen verfol
gen und dafür und datan arbeiten im
Aufmerken auf Gott, so kann es nicht
fehlen an Gottes Segen uftd am Glück
lichsein. DaS ist wirklich meine Mei
nung!"
Louise Büchner hat das schöne Wort
gesprochen: „Die Ehe (d. h. die rechte
•.•
Ehe) ehren als die höchste Stufe unfe
res Glückes und doch sie entbehren
können mit zufriedenem Herzen, das
sollte der Gipfelpunkt jeder echten
weiblichen Erkenntniß sein." Und
Herder sagt: „Schau die hohe Cypresse
sie trägt nicht gold'ne Früchte, aber sie
stehet dafür immer in fröhlichemGrün.
Kannst Du, so sei ein nährender
Palmbaum, kannst Du es nicht sein,
sei ein Cypressenbaum, ruhig, erhaben
und frei!"
„Aber nicht alle von uns find solche
Cypresseynawren!" sagen einige von
Euch. Kennst Du nicht auch das
Wort:
..»trauen gleichen den Epheurcmken!
Sie sich an, damit Hb .Ächt
schwanken!"
und
„Epheu und ein zärtlich Gemüth
Heftet sich an und grünt und blüM
Kann es keinen Stamm, keine Mauer
finden
Es muß verdorren, es muß verschwin
den."
Nun wohl bist Du solch' eine
Epheunatur und stehest doch al
lein, so halte Dich an eine Dei
ner stärkeren Schwestern. Es kann
nun einmal nicht jede von uns, nach
dem sie, wie Heyse sagt, über die Wiese
der Jugend geflattert, sich auf den
Arm des Herrn Gemahls lehnen, um
sein bequem vorwärts zu kommen aus
der beschwerlichen Landstraße des Le
bens. Aber wir brauchen darum
nicht allein zu gehen wir können
uns gegenseitig helfen und tragen.
Sollten wirklich nur Männerarme als
Stütze dienen können? Es gibt auch
unter uns solche, welche es wohl ver
mögen, die schwächere Schwester zu
stützen.
Und Du kannst und sollst auchNah
rung finden für Dein „zärtlich Ge
müth",für Dein liebebedllrftiges Herz!
„Ob auch ein Weib herrsche oder
dichte, so kann es doch nimmermehr
vergessen zu lieben!" sagt Jean Paul.
Er hat recht. Alle Dichterlorbee
ren vermochten es nicht, die hochbe
gabte, fangesreiche Sappho zu trösten
über ihr Liebesleid.
Aber vermag denn nur Männer
liebe unserm Leben Werth zu verlei
hen?
König David hat die Liebe vieler
Frauen genossen, und doch sagt er von
seinem Freunde Joncuthan, der ihn ge
liebt. „wie sein eigen Herz, seine eig'ne
Seele", daß er „große Freude und
Wonne an ihm gehabt", und daß
„seine Liebe ihm sonderlicher gewesen
sei als Frauenliebe". Sollte solch'
eine alle Herzensbedürfnisse befried:
gende Freundschaft nicht auch unter
Frauen und Mädchen möglich fein, fo
daß die eine Freundin von der andern
auch rühmen könnte: „Deine Liebe ist
mir köstlicher gewesen denn Männer
liebe!" Kennt Ihr nicht auch, wie
ich, solche Freundinnenpaare, die sich
mehr als Schwestern lieben, die in
einander Uebereinstimmung und Er
gänzung suchen und finden und treu
lich alle Lust und alles Leid des Le
bens mit einander theilen? Darum
fort mit dem Gedanken, daß die Un
verheirathete nicht auch glücklich sein
könnet
Die wahre Schönheit der Zrau.
Daß eine Frau ihre besten Jahre be
reits hinter sich hat, wenn sie das 25.
zurückgelegt, und daß sie mit 30 bereits
„passee" ist, wird kein Verständiger gel
ten lassen wollen. In Wirklichkeit
sollte sie sich ihre Schönheit bewahren
bis in ihr fünfzigstes Jahr und sogar
darüber ihren Zenith erreicht sie meist
erst zwischen 35 und 40. Helena war
40, als sie alle Herzen in Flammen
sitzte, Aspasia 36, als sie sich mit Peri
kles vermählte, Kleopatra über 30, als
sie zuerst Antonius begegnete. Auch
Diane de Poitiers hatte das 36. Jahr
erreicht, als sie Heinrich des Zweiten
Liebe gewann, die sie sich zu bewahren
wußte, trotzdem der König halb so alt
war wie sie. Anna von Oesterreich
war 38, als sie für die schönste Frau
Europas galt, Madame de Maintenon
43 zur Zeit, da Ludwig der Vierzehnte
sie heirathete. Mademoiselle Mar galt
für am schönsten zu 45 und Madame
Recamier zwischen 35 und 55.
Die heißeste und dauerndste Leiden
schaft wird nicht durch zwanzigjährige
Schönheit eingeflößt die höchsten Reize
sind nur dann vorhanden, wenn der
Körper feine volle Entwicklung erlangt
hat. Denn Schönheit besteht nicht
7 w V V
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lein in Form und Farbe, wie sie in der
Wachspuppe zu finden ist, die Frifchc
der Jugend und eine Haut, wie Milch
und Blut, vereinigen sich oft in einem
Gesicht, das doch nicht entzückt, weil
ihm Leben und Ausdruck mangelt.
Die besten Jahre einer Frau sind zwi
schen 26 und 40 Jahren, es ist lächer
lich, wenn sie sich vorher als „passee"
betrachtet. Zufriedenheit und gute
Laune werden immer die besten Mittel
bleiben, um sich die Jugend lange zu
bewahren, besser als Alles, was man
erfunden hat oder erfinden wird. Ein
noch so schönes Weib wird schnell alt
und versauert werden, wenn ihr die
Heiterkeit mangelt, während die Be
sitzerin eines fröhlichen Herzens sich
jung erhält. Jede Frau sollte die
Schönheit zu einer Art Studium ma
chen, aber wahre Schönheit, nicht die,
welche man durch Einschnüren,
Schminke, Puder oder Toilettenwasser
zu erlangen glaubt! Wahre Schönheit
beruht aus einfacher Lebensweise. Mä
ßigkeit, Sauberkeit und Bewegung bil
den einen kräftigen Körper heran, und
Regelmäßigkeit der Züge oder vollkom
mene künstlerische Schönheit kann fast
häßlich werden durch eine unklare Haut
(die auf unreines Blut schließen läßt)
oder durch einen nüchternen, uninteres
santen Ausdruck. Schönheit liegt in
der Grazie und Lebhaftigkeit der Be-
s .~sS
wegung, im Bau, Tir de? Lerdasmü?^
in der Farbe, imDen?- und Ausdrucks«
vermögen, und jedes Weib kann daher
viel dâzu thun, diese Schönheit zu sör
dern. •«.«.«!*
Es ist durchaus keine falsche Eitel
keit, oft den Spiegel zu Rathe zu zie*
hen, aber man muß sich bestreben, mit
genügender Unparteilichkeit herauszu- ..
finden, welche Fehler man besitzt, um
ihnen nach Möglichkeit abzuhelfen.
Wenn Aerger oder Kummer die Rosen
aus dem Gesicht verbannt, so nehme y*:
man keine Schminke, um sie zu ersetzen.
Auch das ungeübte Auge entdeckt diese,
und so ist der Zweck verloren. Durch.'
das Reiben mit der flachen Hand, die,
man in weiches Wasser getaucht, wird
man oft die Blässe der Wangen ver
treiben können. Die Massage
Gesichts muß nicht von oben nach un*.
ten, sondern umgekehrt und nach außen i
zu geschehen besonders sind die enr^i,
psindlichen Muskeln des Mundes so zu.
glätten. Vermeide es, Dich über Klei
nigkeiten aufzuregen, zu schelten, zu
schmollen, zu laut oder zu viel zu la
chen, oder fortwährend zu lächeln. Ge
fundheit ist natürlich vor Allem zu.
wirklicher Schönheit nöthig. Farbe,
Fülle, Glätte der Haut sind davon ab
hängig. Wenn dieser Fülle Elasticität
und Farbe mangelt, so ist dies ein Be
weis, daß das Nerven- oder Ernäh
rungssystem nicht in Ordnung ist. Eine
kräftige, aber einfache Nahrung, gemä
ßigte Temperatur, gute Verdauung,
Bewegung in freier Lnft, Schlaf und
ein sorgloses Gemüth sind ausgezeich
nete Schönheitsmittel. Sehr oft wer
den schon in der Kindheit die Fehler be
gangen, die zu einer schlechten, Gesund
heit führen: zu scharfe^. Speisen, Sü
ßigkeiten, starker Kaffe u. f. w. werden
genossen, und wenn dann das Mädchen
erwachsen ist, dann sind seine Augen
trübe, die Zähne schlecht, die Lippen
blaß und die Haut unrein. Schminke,
Corsetts, Toilettenwasser und Bella
donna sollen dann Abhilfe schaffen,
aber in der Lebensweise tritt keinerlei
Veränderung ein.
Ehe aber an eine wirkliche Besserung
zu denken ist, muß diese erstere anders
werden. Die Nahrung soll einfach feint,
gepfefferte Suppen, Ragouts, Wildpa
steten, Gewürze, zu viel Butter oder
Schmalz schaden- der Gesundheit und
sind nicht gut für den Teint. Eine
Frau, die eine reich besetzte Tafel allzu
sehr liebt, wird, ehe sie Dreißig gewor
den, eine schlaffe Haut und eine schlechte
Gesichtsfarbe haben. Wer ein nervö
ses, sanguinisches Temperament besitzt
sollte sich hauptsächlich auf Eier, Milch,
Brot, Früchte, leichte Suppen undFisch
beschränken. Malz- und spirituosen-
haltige Getränke schaden dem Teint
auch Medizinen, in denen sich Eisen.
oder Phospborfäure befindet, sind gar
nicht zuträglich. Ist die Haut einmal'
dick, roth und unrein geworden, fo
darf man, wie gesagt, nicht zu künstli
chen Mitteln greifen Regenwasser,.
Sonnenschein unb Bewegung irnFreieit.
bleiben bie besten Mebikarnente. Häu
figes Baben ist ausgezeichnet. Die
körperliche Bewegung muß aber nicht
übertrieben werben, ber Zweck ist, bie
Muskeln zu kräftigen, die Glieder ge-
lenkig zu machen, zu starke gymnasti
sche Uebungen z. B. aber schassen die:
vortretenden Gelenke. Zum Schluß
noch ein Wort. Die höchste Schönheit
liegt im Ausdruck des Gesichts, alle
niedrigen Gefühle und Leidenschaften,
Haß. Neid und Bosheit, müssen also»
niedergekämpft werden, um diesen Aus-
druck zu einem guten und somit auch»
schönen zu machen.
Der Bauer und seine Stiefeln.
Daß im Gerichtsleben mitunter
recht scherzhafte Schriftstücke vorkom--
men, zeigt folgender Brief eines- west-
fälifchen Landmannes, den er an das'
Landgericht in Paderborn sandte, um
ein gestohlenes Paar Stiesel, die sich»
als Beweisstücke in Verwahrung des«
Gerichts befanden, zu erlangen: „Lö
ver Här Gerichtshof, da ich ein armer
Mann bin und noch immer nicht min.
Stiebel haben thun, die mich damals»
der verflüchtige Kerl gestohlen hatte in.
Meschede, so ging ich vor einigen Ta-»
gen bei die Härens auf das Gericht int.
Meschede, ob sie mich nicht die Stiebet
raußer geben möchten. Die HärenÄ
waren iehr anständig zu mich und«
sagten, die Stiebels sind nach Pader
born geschickt. Die eine von die Hci-,'
rens war ein so guter Härr und schreib»
mich dieses Zettelche, was dren ist. Nu.
habe ich aber doch ganz vergesse, ob est
wörtlich der hohe Härr Gerichtshof is,,
wo die Stiebel hängen oder ob se der
Härr Staatsanwalt verwahrt hat..
Wenn der meine langjchächtige Stiebet
hat, dann bitte ich, dem gnädigen.
Hären Staatsanwalt, disses Briesche
zu weise, dann wärt er mich die Slie-
bel schon schocke. Meine wärte Aträssee
is An den Härn Otto Ochsenfäll. ab
schocke se man mich bait die Stiebels,'
meine Frau is öcklich und gnorrt ömerf
unb sagt ömer, die Stiebels trist du:
voll nich nie zu sähen. Aber ich wät.
ja, das der Här Gerichtshof sä mich'
schocken ward. Vergesse sä toch mann,
nich, es ware so gube par lange Stie-.'
bels, sä passe so sörgers gut."
V i e v e a n e z u n
Maler): „Malen Sie mich so ähnlich,"
daß sogar jeder mich nicht Kennende
ausruft: Das ist et, wie er leibt unk
lebt!"
Ungalant. „...Unb wie alt'
sind Sie, Zeugin?" „Ich bin
ich bin „Ach, sagen Sie eS
nur rasch sonst werden Sie ia noch
älter!"
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chen gefällig? Der Tabak ist sehr gut,er
reinigt das Gehirn und schärst ben.
Verstanb." B.: „So, so! Von ber
Sorte schnupfen Sie wohl auch nocw
nicht lange?"
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Kanapee" eine pars pro toto nieder,
Heren naturwüchsige Derbheit
Fritzchen: Nein, Mama. „It's no
use" die Großmama hat mir vorhin
zwei große Stücke Mince-Pie gege-
ben.
K i n e u n e e I
•V Von Elise
-f. -i •!. v •. ... y. "r V. V" è V v '.r1 i ., a .»N'.U'- V-' V .. V. i "','r .V' :.y "-^j
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a i ö s A i e e i n i e Z-

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