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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, August 15, 1894, Image 6

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Per Geist des Verbrechers.
Aus dem Englischen von Fr. Hertwig.
Ich bin dazu geneigt, Alles von der
praktischen Seite aufzufassen, und diese
Eigenschaft wurde durch den von mir
Erwählten Beruf nur noch mehr in mir
tvtwickklt ich war nämlich länger als
»wanzig Jahrc aktives Mitglied der
Geheimpolizei. Einem PoliZeibeamten,
der so viel mit dem wirklichen Leben in
Berührung kommt, bleibt keine Zeit,
pberaläubischenj Ideen nachzuhängen
trotzdem war ich jahrelang der festen
Ueberzeugung, daß mir der Gast eines
berüchtigten Verbrechers thatkräftige
Hilfe zur Erlangung meiner Stellung
geleistet hätte.
Ich war damals dreiundzwanzig
Fahre alt und sehr eifrig in Bezug auf
zwei Dinge: erstens war es mir um
baldige Beförderung zu thun, zweitens
Wünschte ich, mich zu verheirathen. Na
türlich hatte ich mit der letzteren Ange
legenheit noch größere Eile, denn meine
Graut war eines der schönsten uitu
liebenswürdigsten Mädchen der Stadt
eber ich setzte die Beförderung voran,
da diese mir erst, meine Heimath er
möglichte deshalb widmete ich mich
meinen Pflichten mit einem solchen Ei
ftr, daß meine Vorgesetzten auf mich
aufmerksam zu werden begannen und
aar für die Zukunft eine gute Laufbahn
Vorhersagten.
Eines Abends in der letzten Woche
des September 1873 saß ich in meinem
Zimmer und dachte darüber nach, was
tch thun könnte, um meine Beförderung
gu beschleunigen ich ertappte mich bei
dem heimlichen Wunsche, es möchte sich
Irgend etwas Grauenvolles ereignen,
wobei ich mir irgend ein Verdienst er
Verben könnte.
Als ich noch so in Gedanken ver
sunken dasaß, sagte plötzlich hinter mir
Jemand: „Guten Abeno, Mr. Par
ter!"
Ich wandte mich schnell um. Es war
fast dunkel im Zimmer, eine Lampe
hatte ich noch nicht angezündet. Trotz
dem erkannte ^ich deutlich, daß ein
Mann neben meiner Kommode auf ei
Item Stuhle saß. Dieser Stuhl stand
zwischen der Kommode und der 'Thür,
der Fremde mußte also meine Zimmer
Mr leise geöffnet und sich gesetzt haben,
bevor er mich anredete.
„Guten Abend," erwiderte ich seine
Begrüßung ziemlich kühl, „ich habe Sie
gar nicht hereinkommen hören."
Bei meinen Worten ließ der Besu
cher ein leises verstohlenes Kichern hö
«n. „Das glaube ich," entgegnete er,
„Leute wie ich verursachen nicht viel
Geräusch."
Ich sah ihn mir jetzt genauer an. Er
Mr groß, stark und knochig, hatte ein
plumpes Gesicht mit einer Stumpfnase
und ein paar kleinen, schwarzen Augen,
welche unter buschigen Brauen hervor»
blinzelten. Seiner Kleidung nach ge
hörte er den niederen Ständen an. Er
trug einen Anzug aus grobem Wollen
stoff ein bunts^idenes Halstuch um
gab seinen Hals in den Händen drehte
tr fortwährend eine Pelzmütze.
„Was wollenSie eigentlich von mir?"
fftgte ich ihn.
„Möchten Sie nicht gern bald beför
krt werden?"
„Gewiß, sobald als möglich!"
„Nun, das freut mich," sagte er,
Wmm
hören Sie einmal zu. Wenn Sie
meinem Winke folgen, wird man Sie
wegen Ihres Spürsinnes loben."
„Nur heraus damit," tief ich, da ich
ihn zu durchschauen glaubte. „Ich
nehme an, Sie wollen einen Ihrer Die
besgenossen verrathen und wollen eine
Belohnung dafür haben?"
„Nein, darauf habe ich es nicht abge
sehen. Sagen Sie doch, haben Sie
schon von dem leichtfüßigen Jim ge
hört?"
Von dem leichtfüßigen Jim! Ich
müßte ein erbärmlicher Polizist sein,
wenn ich von diesem noch nicht gehört
hätte. Er war einer der schlauesten
und berüchtigtsten Verbrecher Eng
lands. Vor langer Zeit von dem Nord
minster-Gericht des Einbruchs über
führt und zu zehn Jahren Zwangsar
beit verurtheilt, hatte er zwei Jahre
seiner Haft abgesessen, war dann aus
Portland entsprungen und hatte sich
bisher vor den Nachforschungen der
Polizei schlau zu verbergen gewußt.
„Natürlich habe ich von dem leicht
süßigen Jim gehört," erwiderte ich,
„Was wissen Sie von ihm?"
„Er ist in diesem Augenblicke in
Westford und beabsichtigt, heute Nacht
einen Diebstahl auszuführen, und zwar
in dem Hause der Mrs. Singleton^ei
ntr alten Dame, welche in der Maple
tonstraße wohnt. Sie ist schrecklich
reich und hat nur weibliche Dienstboten
um sich. Sie besitzt sehr werthvolles
Gilbergeschirr darauf hat Jim es ab
gesehen. Gegen ein Uhr Nachts wirv
er durch das Küchenfenster hineinstei
gen, durch die Wirthschaftsräum«
in das Eßzimmer schleichen und dort
den Wandschrank zv öffnen ver
suchen.
z
„Das klingt ja Alles ganz schon",
erwiderte ich, „aber es kommt mir doch
recht abenteuerlich vor. Sie müssen
mir erst sagen, wer Sie sind, und wie
Sie hinter die Schliche des leichlfüßi
gen Jim gekommen find. Ich will es
zu Protokoll nehmen."
Ich wandte mich von ihm ab, um
mein Schreibzeug zu holen kaum eine
halbe Minute hatte ich ihm den Rücken
zugekehrt, aber als ich mich wieder her
umdrehte, war er nicht mehr da! Die
Thür war zu, und doch hatte ich sie we
«der öffnen noch schließen gehört.
Blitzschnell stürmte ich hin und blickte
daS enge Treppenhaus hinunter Nie
mand war zu sehen. Ich ging hinun
4tr aus den Hausflur, wo meine Wir
thin, Mrs. Martinet, mit einer Be
kanân plaudernd vor der Hauschür
ManineA unterbrach ich ihre
Unterhaltung, „welche Richtung hat der
Mann eingeschlagen, der soeben heran
ter kam?"
Mrs. Marriner sah mich erstaunt
an.
„Es ist kein Mensch heruntergekom
men, wenigstens in den letzten drei
Viertelstunden nicht."
„Ach, Unsinn!" unterbrach ich sie,
„jetzt eben ist ein Mann fortgegangen,
den Sie vor ungefähr zwanzig Minu
ten zu mir hinauf geschickt haben müs
sen."
Mrs. Marriner schüttelte den Kops.
„Nehmen Sie es mir nicht übel, Mr.
Parker," sagte sie schnippisch, „entweder
Sie haben zu tief ins Glas geguckt,
oder Sie phantasiren."
In der folgenden Nacht steckte ich
einen Revolver zu mir und Hegab mich
nach Mrs. Singletons Haufe. Zufäl
liger Weife kannte ich die Haushälterin,
eine Frau in mittleren Jahren, die sich
nicht so leicht einschüchtern ließ. Sie
willigte ein, mich in dem Eßzimmer zu
verstecken. Dem Wandschrank, welcher
das Silbergeschirr enthielt, gegenüber
stand ein Speisespind, von hier aus
konnte ich den ganzen Rautn übersehen,
den Dieb beobachten und ihn im geeig
neten Augenblick packen.
Bald nach Mitternacht, als Alles im
Hause still war, ging ich in das Eßzim
mer und schloß mich in das Speisespind
ein. In der Thürfüllung desselben war
eine breite Spalte, welche mit das Her
aussehen ermöglichte.
Gleich darauf hörte ich einen 'Ton,
der mich zur Wachsamkeit mahnte. Es
•war ein leises Geräusch, wie es das
Knarren eines Brettes oder das Oeff
nen einer Thür verursacht. Nach» eini
gen Minuten trat ein Mann ein, wel
cher eine kleine Blendlaterne in der
Hand hielt kein Anderer war es als
der leichtfüßige Jim.
Mit Kaltblütigkeit ging er zu Wer
ke. Zuerst schritt er zum Fenster und
untersuchte es dann prüfte er die Thür
des Speisespindes, in welchem ich ver
steckt war, verschloß die Zimmerthür
und wandte seine Aufmerksamkeit dem
Wandschrank zu. Er stellte sein Licht
auf einen Stuhl vor dem Thürschloß
und zog die niedlichste Sammlung von
Werkzeugen, die ich je gesehen habe, aus
der Tasche. Mit diesen ging er leise
und schnell zu Werke.
Jim war etwas schwächlich gebaut
und scheinbar von geringer Muskel
kraft, während ich mich eines starkkno
chigen und sehnigen Körperbaues rüh
men kann. Käme es zwischen uns zu
einem Kampfe, so hatte ich ihn in mei
ner Gewalt. Ich hatte aber das Ge
fühl, als müsse er irgendwo einen Re
volver stecken haben, den er als letztes
Mittel brauchen würde. Mein Plan
war daher, so lange zu warten, bis er
sich über das Thürschloß gebeugt hätte.
Der Augenblick kam bald.
Jim war mit seinen Vorbereitungen
fertig und begann seine Arbeit. Ich
stürzte mich auf ihn, indem ich das
Werkzeug feiner Hand etwand und ihn
zu einem Knäuel umwarf. Er stieß
einen Laut der Wuth und der Ueber
raschung aus, als er hinfiel, und be
gann sogleich, sich wie ein Aal unter
mir zu winden. Während ich ihn mit
einer Hand niederdrückte, versuchte ich
mit der andern, die Handschellen her
auszuziehen. Der Einbrecher benutzte
diese Gelegenheit, um ein scharfes Mes
ser herauszuziehen. Er hatte sich auf
den Rücken gewälzt und hieb, bevor ich
gewahr wurde, was er beabsichtigte,
mit feiner boichähnlichen Klinge auf
mich ein. Ich wehrte den Angriff ab,
dabei aber drang das Messer in meinen
linken Arm, und ich fühlte einen war
men Blutstrom hervorquellen. Das
machte mich wüthend ich ergriff eins
der stählernen Werkzeuge und versetzte
meinem Gegner damit einen so derben
Hieb über die Schläfe, daß er wie todt
hinfiel. Dann legte ich iiiin eiligst die
Handschellen an und fesselte auch feine
Knöchxl. Dann erhob ich mich und sah
nach meinem Arm.
Das Messer hatte eine klaffende
Wunde gemacht, und das Blut floß un
hörlich. Aber es war nicht gefährlich,
und als die Haushälterin gerade jetzt
eintrat, legte sie mir einen Verband
an. Dann eilte ich auf die Straße
und rief den Polizisten, welcher mir
zuerst begegnete, um mit dessen Hilfe
den Verbrecher nach, dem Polizeiamt zu
schaffen.
Ich empfand ein Gefühl des Stolzes,
als ich dem Polizeiinspektor Bericht er
stattete.
„Wie, den leichtfüßigen Jim, Jakob
Blander, hätten Sie eingefangen? Un
sinn, Parker!"
Ich führte ihn zu der Zelle, wo
Jim sich unter Aufsicht des ArzteS be
fand."
„Sie haben Recht," sagte er erstaunt,
nachdem er sich den Verwundeten ge
nau angesehen hatte, „er ist es wirklich.
Das ist sehr günstig für Sie."
Da ich burch den Blutverlust einiger
maßen erschöpft war, begab ich mich
nach Hause, um ein wenig zu schlafen.
Der Arzt hatte meinen Arm untersucht
und mir die Versicherung gegenben, daß
die Wunde in kurzer Zeit geheilt sein
würde.
Als ich meine Wihnung betrat, sah
ich denselben 'Fremden, der mich schon
am Abend besucht hatte, in meinem
Lehnstuhl sitzen. Er erhob sich, als ich
eintrat.
„Nun, Mr. Parker,"' sagte er, „hof
fentlich haben Sie Inn dinafeft ae
macht?"
z.
Ich bejahte
„Ah," erwiderte er nèf, aufakhmelid,
„das freut mich."
Jetzt mußte ich doch dahinter kom
men, wer der Mensch eigentlich war.
„Setzen Sie sich," sagte ich deshalb,
*ich möchte Sie einiges fragen." Ich
zog memen Ueberzither aus und hängte
ihn an die Wand. „Nun sagen Sie
mit", begann ich und wandte mich
zu ihm, das Wort blieb mir im Halje
stecken, der Mann war verschwunden!
Jetzt wurde es mir doch unheimlich
zu Muthe. Ich lies eilig dir Treppe
hinunter, fand jedoch die Hausthür ver
schlossen, wie ich siè wenige Minuten
früher verlassen hatte. Ich kehrte in
mein Zimmer zurück, keines klaren Ge
dankens fähig. Ich überlegte mir die
Sache hin und her, ohne eine weht
scheinliche Erklärung zu finden.
Als ich am nächsten Morgen das Po»
lizeibüreau betrat, wurde mir mitge
theilt, daß der Dieb mich zu sprechen
wünsche. Ich begab mich in seine Zelle,
wo er mit verbundenem Kopf lag. Wie
die Untersuchung ergab, hatte ich ihn
derb getroffen, und er mußte noch für
einige Zeit das Bett hüten.
Aus meine Frage, was et von mit
wolle, antwortete er: „Ich möchte wis
sen, wie Sie auf meine Spur gekommen
sind. Ich könnte darauf schworen, daß
keine Seele außer mir etwas von met
nem Vorhaben wußte."
„Einer Ihrer Genossen gab tnit die
Anleitung dazu," erwiderte ich.
„Das ist unmöglich ich habe keine
Genossen, bei diesem Streiche wenig
stens nicht."
Ich beschrieb ihm den Fremden
und fragte, ob er denn feinen Men
schen kenne, der so aussähe. Während
ich sprach, nahm Jims Gesicht einen
Ausdruck des Schreckens an. Jede
Spur von Farbe war daraus gewi
chen.
„Ja, gewiß weiß ich, wer das ist,"
sagte er, als ich geendet, „das ist ja
Barksen Bill, mit dem ich früher
oft zusammen war. Aber Sie müs
sen seinen Geist gesehen haben, denn
tr selber ist vor drei Jahren gestor
ben."
Durch diese übernatürliche Lösung
der Sache war ich begreiflicherweise
nicht wenig überrascht ich dachte noch
oft darüber nach, als Jim längst hin
ter den sicheren Mauern Portlands
saß.
Natürlich atxmcirte ich und heirathete
auch bald. Zu unsrer Hochzeit er
hielten wir von Mrs. Singleton ein
ansehnliches Geschenk aus Dankbarkeit,
daß ich sie vor einem bedeutenden Ver
lust bewahrt hatte. Das Glück war mir
günstig, und ich stieg von Stufe zu
Stufe. Trotzdem mich meine Bekann
ten oft auslachten wegen meines Aber
glaubens, war ich doch fest überzeugt,
daß Sie meine erste Beförderung dem
Geiste Barksea Bills verdankte.
Genau fünf Jahre nach der Gefan
gennahme des leichtfüßigen Jim fuhr
ich von Westford nach Sheffield in
Leeds mußte ich umsteigen. In dem
Wagen, welchen ich bestieg, befand sich
nur ein Reisender, welcher mir das Ge
sicht zuwandte. Obgleich der Mann be
deutend besser gekleidet war, erkannte
ich doch sofort in ihm denjenigen wie
der, der mir so sonderbare Besuche in
meiner Wohnung abgestattet hatte. Ich
glaube, der Fremde sah mir an, daß
sein Anblick mich erschreckte.
„Guten Tag, Mr. Parker/' sagte er
lachend, „wie ich sehe, haben Sie mich
sogleich wiedererkannt. Sie verdanken
mir sehr viel oder sind Sie nicht der
Meinung?"
„Gewiß," erwiderte ich, „ich habe
das nicht vergessen. Denken Sie nur,
ich habe Sie bis jetzt für einen Geist
gehalten, die ganzen fünf Jahre hin
durch. Nun müssen Sie mir aber sa
gen, wie Sie an jenem Abend in mein
Zimmer und wieder heraus gekommen
sind."
Er brach in ein schallendes Gelächter
aus.
„Also für einen Geist habe.n Sie mich
gehalten? Nun, hoffentlich für einen
guten. Uebrigens war das kein Kunst
stück, man muß nur eine Thür leise zu
öffnen und zu schließen verstehen."
„Aber ich folgte Ihnen auf dem Fuße
und sah Ihnen nach."
„Ich wohnte für einige Tage in dem
selben Hause. Sie blickten die Treppe
hinunter, während ich hinaufgegangen
war. Sie hätten in die Dachstube kom
men sollen, dort hätten Sie mich gesun
den."
Ich sagte ihm, was Jim in seiner
Zelle über ihn erzählt hatte.
„JmsSchuld war es freilich nicht,daß
ich nicht gestorben bin",erwiderte er, „er
versuchte es, mich zu ermorden, und
ließ mich dann halbtodt liegen da ge
lobte ich mir, wenn ich wieder gesund
würde, es ihm früher oder später heim
zuzahlen. Ich hängte das unsaubere
Gewerbe an den Nagel und widmete
mich wieder rechtschaffen meinem frühe
ten Handwerk, welches in Kanalisiren
und Rohreausbessern bestand. Mit ei
ner solchen Arbeit war ich in Westford
in der Nähe von Mrs. Singletons
Haus beschäftigt, als ich den leicht
füßigen Jim sah. Ich tonnte mir un
gefähr denken, was er im Schilde führ
te, da ich von dem Silbergeschirr der
alten Dame gehört hatte. Ich beobach
tete ein oder zwei Nächte seine Vorbe
reitungen und wußte ungefähr, wie er
zu Werke gehen würde. Dann, da Sie
gerade Geheimpolizist waren und mir
zunächst wohnten, so theilte ich es Ih
nen mit. Das ist Alles."
„Sie gaben mit di« Zeit und die
Einzelheiten so genau an?" warf ich
ein.
„Nun, darin hatte ich Erfahrung, ich
habe manches Jihr in Portland zuge
bracht, das können Sie mir glauben.
Aber daß Sie mich für einen Geist ge
halten haben! Ha ha ha, Sie müssen
damals doch noch ein recht unerfahrener
Beamter gewesen sein."
Vielleicht hatte er darin Recht. Et
was habe ich aber auf jeden Fall von
dem leibhaftigen Barksea Bill gelernt,
nämlich das, wenn man ein Haus
durchsucht, man ebenso gut nach oben
wie nach unten sehen muß.
Aasern«jnhosbli!the.—
Feldwebel (zum Rekruten): Maier,
Sie werfen ja JhreBeene herum, wie'»
AnaickÄ leim Bombell»" ...
Arieg um jiorea.
a it fU# In
den ZLpto»»»f
Wenn weit hinten in Korea die Völ
ker aufeinanderschlagen, dann machen
es die weitab vom Schauplatz des
Kampfes gelegenen Völker noch genau
so, wie zu Faustens Zeiten, sie kanne
gießen und unterhalten sich über den
Krieg. Kannegießern wir ein bischen
mit.
Was ist die Ursache dieses Krieges
zwischen den Aankees des Ostens und
den Schlitzaugen? Es ist, wie gewöhn
lich bei Kriegen, eine höchst unterge
ordnete Sache. China besitzt seit
Tausenden von Jahren Hoheitsrechte
auf dieHalbinfel Korea, deren 8Millio
nen Menschen jedoch von einem eigenen
Könige schlecht und recht regiert wer
den. Der Ehinesenkaiser kümmert sich
gar nicht um seine sogenannten korea
irischen Unterthanen und es genügt
ihm, daß der koreanische König ihn als
feilten Schutzherrn anerkennt. Aber
der Kaiser von China kann es doch
nicht dulden, daß der Mikado von Ja
pan immer mehr Einfluß in Korea ge
winnt und Truppen dorthin schickt,
unter dem Vorwande, japanesische Un
terthanen zu schützen. Letztere-sind
allerdings sehr schutzbedürftig, denn in
Korea wüthet seit Jahren ein Bürget
krieg und die vielen dort wohnenden
„Japs" sind ziemlich schlimm dran.
Es wird nämlich gar nicht darnach ge
fragt, nach Einnahme einer Stadt
Seitens der koreanischen Insurgenten,
ob man Japanese oder Koreaner ist,
die Köpfe fliegen dann nur so von den
Rümpfen hinunter und das ist bekannt
lich eine recht gesundheitsgefährliche
Prozedur.
Koreanische Krieger.
Der Bürgerkrieg auf Korea ist eni
standen in Folge der maßlosen Corrup
tion der koreanischen Beamten. Von
dieser süßen Gesellschaft könnten näm
lich die Tammanyten in New Aork noch
verschiedene Pointers bekommen. Die
koreanischen Beamten stehlen wie die
Raben und das mit Steuern entsetzlich
belastete Volk will sich das nicht länger
gefallen lassen. Daher der Bürger
krieg, daher die Einmischung des Mi
kado zum Schutz seiner auf Korea woh
nenden Unterthanen, daher jahrelange
Unterhandlungen zwischen Mikado und
Chinesenwiser wegen angeblicher Re
formen in Korea und daher endlich der
jetzt ausgekrochene Krieg..
Chinesischer Bogenschütze.
Die Japs sind flinker, behender und
in unserem Sinne des Wortes civili
sirter, als die Chinesen. Sie haben
eine verhältnißmäßig gute Flotte und
da es für China ungemein umständlich
ist, seine Legionen auf dem Lanowege
nach Korea zu bringen, so sind die Chi
nefen auf den Seeweg über das gelbe
Meer angewiesen. Hier aber sucht die
Flotte der Japaner die chinesischen
Truppenschifse abzufangen und sie hat
schon eins derselben in den Grund ge
bohrt, wobei 2000 Zopfträger zu
Grunde gegangen sein sollen. Sowohl
Japan als China haben einige moderne
Panzerschiffe, welche von der Gesell
schaft Vulkan zu Stettin gebaut wor
den sind und auf welchen deutsche In
genteure sungiren. Der Seekrieg mag
immerhin dazu beitragen, um festzu
stellen, was mit dem modernen Panzer
und den Torpedos erreicht werden
kann. Beim Bürgerkriege in Chile
kam es schon zu derartigen Duellen,
beim letzten brasilianischen Kriege je
doch wurde eine solche Seeschlacht in
Folge der Feigheit des Admirals Mello
vermieden.
Die Japaner haben in Deutschland
moderne Schußwaffen gekauft und die
Chinesen sollen 500,000 Mannlicher»
Gewehre, welche von der österreichischen
Armee abgelegt wurden, für diesen
Krieg erworben haben. Es fragt sich
aber sehr, ob sie damit umzugehen ver
tfeejttiu
V,
i U, «U
V Vi & /fr*
China kann eine nach Millionen
zählende Armee zur Schlachtdank füh
ren. Das Gros dieser Armee besteht
ober heute noch auS Bogenschützen uiit
Schwertträgern.
I
Chinesische Tigergarve.
Am Schlimmsten find bei diesem
Kampfe die Koreaner dran. Auf ihrem
Gebiet wird der Krieg ausgefochten, sie
haben also berc größtem Schaden zu
tragen mit der Gewißheit, vom Sieger
verschluckt zu werden. Freilich, schlim
mer als sie es unter ihrem angestamm
ten Könige und dessen Troß von Räu
berhauptleuien gehabt haben, kann es
ihnen später kaum ergehen, selbst wenn
sie sogar den Chinesenkaiser zum Herrn
bekommen. Hoffen wir, daß im
schlimmsten Falle das fortschrittliche
Japan Sieger bleibt, aber hoffen wir
noch mehr, daß es den europäischen
Mächten, von denen Rußland undEng
land stark mterefstrt sind, im Bündniß
mit den 23er. Staaten gelingen mag,
die feindlichenBrüder zu versöhnen und
die furchtbaren Schrecken eines vielleicht
Jahre lang dauernden Krieges! abzu
wenden.
Ein zukünftiger Schtvieger
,»i söhn.
„Sie sind also angestellt, Herr Hilss
Prediger ich gmtulire herzlich.
Thekla gib' doch Herrn Hilfsprediger
die Cigarren! Darf man fragen, in
welchem Orte Sie angestellt worden
fmd?"
„Hier ant Orte, gnädige Frau!"
„Ach, das ist reizend, da müssen Sie
uns recht oft besuchen! Ottilie biete
doch dem Herrn Hilssprediget einen
Liqueur an! Sie trinken vielleicht
auch eine Tasse Caffe, Herr Hilfspredi
ger? Nein, wie mich Ihr Besuch
freut!
Zwei Gänse.
Zwei Gänse standen am Fenster
Und sehen hinab auf die Straß',
Und jede hat den Zwicker,
Den goldenen auf der Nas'.
Und plötzlich brach die Eine
Es war die Tochter vom Haus
Und stets etwas hochgetragen
In ein spöttisches Lachen aus»
„2BaS hzfk Du demr^ fragte die An
dere.
„Ei! schau nur die Enten dort an,
Wie häßlich sie wackeln und watscheln,
Daß man's kaum initanfeh'n kann."
„Ganz richtig!" erwidert die And're,
„Wie sehr sie sich wenden und dreh'tt,
So verfteh'n doch allein nur wirGänfe
Mit Anmuth, eiicherzugeh'n." ..
Unter uns Männern.
Erster Ehekrüppel: Was halten Sie
von der Geschichte, daß Jonas drei
Tage im Bauche eines Walfifches ge
steckt? Zweiter Ehekrüppel: Unter
uns gesagt, ich hab' meiner Frau als
Entschuldigung für langes Ausbleiben
schon viel schlimmere Bären aufgebun
den.
Einfache Lösung. Prin
zipal: „Es ist recht fatal, daß Sie mit
Ihrem Offert so spät kommen! Nun
habe ich bereits einer Dame den Po
sten versprochen!... Was thun?" Buch
halter: „Sehr einfach! Ich heirathe
die Dame, und Sie engagiren mich!"
Zeitgemäß. In einem hoch
modernen, pikanten Theaterstück hat im
dritten Akt soeben eine Gerichtsver
handlung begonnen als ein Herr
im Parquet aussteht und ruft: „Ich be
antrage Ausschluß der Öffentlich
keit!"
Det Lebensretter. A.:
Mo gehen Sie denn so schnell hin?
B.: Ich will rasch nach Hause, meinen
Neufundländer holen, es ist eben JD»
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zur Auswahl von Illustrationen zur
fügung. Der Text des Werkes ist von einem früheren Beamten der Weitaus steuuuA
mit Zuhilfenahme aller offiziellen Quellen geschrieben.
Anhalt der 3616-seitige« LiefcxWW?
1. 'Vorgeschichte.
£. Baukunst.
VerwaliiingS-Mld
für Nieh-Ausstellung.
81.
Ver­
ffischer,i^eb»ude»
Gartenbau» und Bergbau-Gebäude.
Transportation»»
EKktrizitÄl«. und LandwirthIchaftS-GtbSud«.^ftrauen-Gebitnde.v|fl|und
Induftrie.Palast.
Maschinenhalle und Kunsihal». y
Einweihung der Ausstellung.
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Nebenbauten ((MotttmlpV
Peristyle«.). ...
Bahnhöfe ic,
Forstwesen, Milcherei Gebäude,
©toäube.
»atropolyW»
IS—15. Gebäude der einzelnen Staaten.
16. Da? deutsche Haus und Kruvv's Gebäude.
17—19. Gkbäude auswärtiger Staaten.
20. Hafenbauten, Waffel Wege. V'king-Schlff. Wwm
back-DaiM'ser je.
Das deutsche Torf und Alt-Wien.
22- 27. Tie Midway Plaisance.
88. Organisation und Classtfizirungd«rAuistilluWW
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Die ..Nrw-Horker ©tiaiS-.V'ttunq" tft politisch und xetlqt öS
und liberal. Sie tuit eneruich Ihr die Rechte de« Wolfes
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