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Der Deutsche beobachter. [volume] (New Philadelphia, Ohio) 1869-1911, August 22, 1894, Image 2

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Uättowirte MSÄchem
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.'Können Sie mir sagen," fragte die
HLbsche kleine Brünette mit den üppig
rothen Wangen einen stattlichen Poli
giften in de? Tremont zu Boston, „fön*
aen Sie mir sagen, wo Capt. McKays
Melier ist?"
„Habe noch nie von ihm gehört. Was
soll er denn fein?" Der stattliche Poli
zist neigte fein Haupt, um weitere Mit
therlungen entgegen zu nehmen. Die
Aeine Brünette sah außerordentlich der
legen aus.
^„Ja, mein Bruder sagte mir, er
«Bisse
hier herum in Tremont Row
Wohnen. Ich hörte nämlich, wie ent
zückend er tättowirt. Zahllose junge
Mädchen gehen zu ihm hin, um sich
iaitotniren zu lassen. Nun, und ich bin
tanz toll auf das Tattowiren, wissen
sie. Und so wollte ich mir ein paar
von den Mustern ansehen. Vier Thü
Ten weit dort hinunter? Oh, ich danke
Ihnen," und die Brünette zählte vier
!Thüren ab und stürzte sich dann in
die letzte, ohne sich noch einmal umzu
sehen.
Nur Capt. McKay und die hübsche
Brünette wissen, was drinnen wäh
«end der nächsten halben Stunde passir
4t. Der Pförtner sagte allerdings, daß
€t
mehrmals ein sehr undeutliches,
Quieken durch das Schlüsselloch gehört
habe. Indeß das war Alles, was er
Don der Sache wußte. Aber als die
«Brünette mit einem schuldbewußten
Ausdruck auf ihren Zügen wieder auf
die Straße stürzte, erzählte mir der
Capitän die kleine Geschichte von der
Modeunsitte des Tättowirens unter der
Voraussetzung, daß feine Namen ge
mannt würden,
„Ja/ es ist hier in der Stadt zu ei
tier wahren Leidenschaft geworden. Es
^kommen alle Tage die hübschesten jun
flen Mädchen zu mir her, damit ich an
ihnen operiren kann. Die meisten las
feit sich allerdings nur die Arme defo
riren, aber manche sind damit nicht zu
frieden. Sehen Sie dieses junge Mäd
chen zum Beispiel, sie studirt Musik an
einem Konservatorium und stammt aus
Irgend einem unserer Staaten her. Sie
mar ganz toll darauf, eine amerifani
tche Flagge auf ihrem Fuß zu ha
ieti."
Das alte System des Prickelns mit
der Hand ist nicht mehr „en tiogue".
iCapt. Kay benutzt eine elektische Feder
mit einem längeren Excentrikum, wel
ches der Feder den erforderlichen Spiel
räum gewährt. Zur Schattirung
Braucht er sieben Nadeln, welche neben
einander in die Maschine gefetzt sind.
Es werden nur zwei Sorten von Tinte
benutzt, schwarze Jndiatinte und chine
sisches Vermillon. Dies sind die einzi
flert Farben, welche mit vollkommener
Sicherheit angewendet werden können,
weil sie weder giftig noch gefährlich
pad. Und die Muster?
„O ja," sagte Capitän, „sie fordern
olle Arten von Mustern. Da ist zum
Beispiel das Curcifix das wird bei*
nahe von Allen verlangt. Ich habe
hübschen, jungen Mädchen Armbänder
auf die Handgelenke und Strumpfbän
der auf die Peine tättowirt. Eine junge
-Dame, welche in der Bostoner Theater
toelt sehr besannt ist, hat eine Schlange
an ihrem Knie, die ich ihr tättowirt
habe. Die Arbeit erforderte mehrere
Sage. Sie war sehr fein ausgeführt
tmi bedurfte großer Sorgfalt. Als
ich fertig war, gab die Dame mir fünf
zig Dollars, und Sie können sich kein
vergnügteres Mädchen von der Welt
vorstellen. Die Frau eines wohlbekann
ten Dainpffchiffkapitäns hat das Mu
ster eines Sailor-Farewells auf dem
fleischigen Theile ihres Armes. Sie
kam zu mir und sagte mir, daß ihr
Gatte eilt solches habe und daß sie be
schlossen hätte, ein gleiches Zeichen zu
tragen. Es wäre aber nicht angebracht,
ihm etwas davon zu sagen. Ich
denke mir, wenn er es jemals bei sei
tier Frau entdeckt, dann wird es stür
misches Wetter im ihrer Häuslichkeit ge
ben."
„Und diese Unsitte ist thatsächlich
weit verbreitet? Verbreitet selbst unter
gebildeten Damen? Nicht blos eine
Laune thörichter Modedämchen, die eine
Befriedigung in allerhand Extravagan
zen suchen, wenn diese auch noch fo
«nflug sind?"
»Ich habe in den letzten sechs Wochen
mindestens fünfundzwanzig Harvard
Studentinnen hier gehabt. Sie wäh
len gewöhnlich das amerikanische Wap
penschild oder andere patriotische
Embleme. Die jungen Mädchen sind
zunächst sehr aufgeregt und sehen sich
«st die Sache an, kommen dann aber
am nächsten Tage wieder und bringen
dem Mowch Mode ihr Opfer."
3*$» «ebote für Braut und ftrau.
Dein Wille, Weibchen, merk es
fein, muß auch des Gatten Wille fem.
2. Sprich nicht: Wir Weiber sind
zu schwach! Der Schwächere gibt auch
Zeicht nach.
3. Hat's Männchen oft den Kopf zu
voll, mach' ihn durch Widerspruch nicht
toll.
4. Geh ihm liebkosend um den Bart,
mtx schmeichle nicht nach Katzenart.
5. E-in freundlich Wort zur rechten
Zeit, hat manchen llnmuth oft zer
Kreut.
6. Ein Händedruck, ein Kuß, ein
Blick, bringt frohe Launen oft zurück.
7. Auf Klatschereien höre nie, denn
nichts als Eh'zwist stiften sie.
8. Dein Zimmer, Putz und ganzes
Haus, seh' allzeit nett und reinlich aus.
9. Dein schönster Schmuck sei Sitt
samkeit, Dein größter Ruhm Wirth
ichafilichfeit.
10. Gibt Gott Dir Kinder, liebe sie,
«Sein verzärtelt? jß m*
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?er Nachbak
Eine Badegeschichte von- Adolf Hinrichsen.
Glühend brennt die Sonne. Der
weiße Sand wirst ihre Strahlen zu
rück, aber diese Anstrengung macht
auch ihn heiß.
Die Wellen kommen und gehen, und
brechen sich am Strande mit ewig mo
notonem Lied. Das fangen sie hier
vor tausend Jahren schon, und sie sin
gen es noch nach tausend, tausend.
Ob dann wohl, nach Verlaus dieser
hübschen Frist, hier wieder Menschen
wandeln, ob die Frauen und Mädchen
diesen gleichen, mit eben solchem melo
dischen Lachen, mit eben solchen son
derbaren Toiletten, in allen Farben
schillernd und, mit eben solch' kleiner
Koketterie bekleidet, die Herren der
Schöpfung in Entzücken versetzend,und
das dann als unstatthaft zurückwei
send? Und diese Letzteren in furzen
Röckchen und Stöckchen, und parfü
mirt und ganz blasirt? Oder ob jene
wie diese dann in Sack und Asche ge
hen, wie der schier strenge Blick jenes
Hageren im langen, schwarzen Rock,
mit weißer Halsbinde es ihnen Allen
ohne viel Federlesen zu prophezeien
scheint?
Eine prachtvolle Blondine nähert
sich dem Schwarzen, ohne von jener
prophetischen Miene im Allgemeinen,
noch von seinem abweisenden Zurück
weichen im Speciellen Notiz zu neh
men. oder gar sich schrecken zu lassen.
Eine kleine Gruppe von Herren und
Damen in der Nähe beobachtet dieses
Rencontre mit augenscheinlichstem In
teresse.
Die Damen besonders widmen ihre
ganze Aufmerffamfeit diesem Zusam
mentreffen der Kirche und der Welt,
wie ein Herr, der an Witz leidet, den
Anderen zuflüstert.
Inzwischen haben die Pole sich ge
nähert und berühren sich.
„Erlauben Sie, mein Herr...."
Sie neigt sich graciös. Er zieht den
Hut mit stark erstaunter Miene.
„Womit kann ich Ihnen dienen,
mein Fräulein? Sollte Sie nicht ein
Irrthum, eine Verwechslung zu mir
führen?"
Er blickte zum ersten Mate auf, und
sie erfchraef fast vor dem Feuer, das
vcrßorgen in diesem dunklen, halb ver
schieierten Auge brannte.
„Ja, ich hörte davon."
„Nun, dann wissen Sie, daß der
arme Stephason mit seinem Boot ge
sunken ist. Er ertrank und nur fein
Sohn wurde gerettet, von einem Un
bekannten gerettet, der sich auch bis
jetzt nicht gemeldet hat. In Stepha
son verliert die arme Familie ihren
Ernährer, und da sie zahlreich und in
Noth ist, so haben Einige der hiesigen
Gesellschaft beschlossen, für sie zu sam
meln. Darf ich biites, mein Herr Pa
stor?"
„Sie...."
„Ja, ich bitte denn wir haben aus
qemacht, daß die Herren der Gefell
schaft bei Damen und umgekehrt sam
meln sollen."
Sie hielt ihm ein winziges Notiz
büchlein in rother Seide hin.
Er nahm es nicht, sondern blickte
mit unverhohlenem Mißbehagen auf
den erhobenen feinen Handschuh und
die Goldschnitt-Literatur darin.
Ihr schmales Füßchen hob sich
Diese Verblüffung machte einem
schmerzlichen Zucken and einer tiefen
Blässe Raum, die sich allmälig über
das zarte Antlitz verbreitete.
„O Clara, ich habe es Dir gleich ge
sagt!" sprudelte eine eben den Back
fisch abstreifende kleine Schönheit, die
der anderen in schwesterlicher Aehnlich
keit glich.
„Und ich auch! Ich auch!" riefen
die anderen Damen der Gruppe. Habt
Ihr je eine Dame gekannt, die es nicht
„gleich gesagt" hat?
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Legte er mehr Nachdruck aus das
Wort „Sie" oder „mir", oder betonte
er beide gleichmäßig?
„O nein, mein Herr!" erwiderte die
Welt, wollte sagen: die Blondine.
„Ich bin recht. Es handelt sich da
rum, eine edle Pflicht zu erfüllen, und
da kann ich unmöglich irren, wenn ich
mich gerade an Sie wende!" und ihr
Blick streifte feine Halsbinde.
„Eine edle Pflicht? Ich dächte, daß
diese Herren und Damen nur die eine
Pflicht im Auge haben, sich zu amüsi
ren, und inwieweit die edel ist, entzieht
sich meiner Beurtheilung."
„Lassen Sie mich zur Sache *om-sV
men, wenn ich bitten darf!" erwiderte kleinen Worte: „Es regnet im See
sie, ein wenig abgekühlt. Aber so
gleich wieder in den verbindlichen, halb
bittenden Ton fallend, fuhr sie fort:
„Sie werden von dem Unglück in
voriger Nacht gehört haben?"
UN-
geduldig.
„Mein Herr, nehmen Sie nicht?"
„Ich bedauere, meine Gnädige, diese
Art von Sport ist nicht meine Sache!"
?.og den Hut und verschwand.
Es gehörte die ganze Selbstbeherr
schung und Uebung der guten Gesell
schaft dazu, um über das man ver
zeihe mir um der Thatsache willen
wahrhaft verblüffte, ja wäre die Dame
nicht so schön, möchte ich sagen:
dumme Gesicht der abgewiesenen Bitt
fteflerin in lautes Gelächter auszubre
chen, wahrlich die ganze Selbftbeherr
fchung und Uebung!
Der Witzige näherte sich und meinte,
daß der Schwarze den Hungernden
besseren Trost wisse.
(#2ort
wallt er, sehen Sie, meine
Herrschaften, wie er sich eilt, den Ar
men diesen Trost in Gestalt einer Hin
weisung aus die Lilien auf dem Felde
zu bringen."
Ein wenig aufmunternder Blick der
so schwer Gekränkten ließ ihn verstum
men.
Aber in der That beeilte der Geist
liche seinen Weg, der einem bestimmten
LichM Altes JSz.WitL mit
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Hast in das Dorf hinein, dem ärmeren
Theile zu, wo die Fischer ihre ziemlich
elenden Hütten inne hatten.
Die klerne Gesellschaft löste sich auf,
und ihre Glieder versuchten nun wei
ter ihr Glück zu Gunsten ihrer Schütz
linge.
Die beiden Schwestern fetzten allein
ihre Promenade fort.
„Nimm es Dir nicht zu Herzen,süße
Clara, Du wirst mehr Glück bei welt
licheren Herren haben. Ich kann diese
ernst ausschauenden Männer mit lan
gem schwarzen Rock, weißer Binde und
heiligem Augenaufschlag nicht ausste
hen und, wie gesagt,ich dachte es gleich,
daß er sich drücken würde."
So plauderte das kleine Ding fort,
ohne der Schwester eine andere Beach
tung abzugewinnen, aI8 ein ungedul
diges Stirnrunzeln.
„Was sagte er nur? Wir konnten
es natürlich nicht verstehen Ließ er
Dich so ohne Weiteres abfallen?"
„Aber Ella, was sind das für Aus
drücke? Man sollte meinen, einen ani
mirten Studenten in Wichs und lan
ger Pfeife zu hören."
„Komm', Schwester, sei nicht wü
thend, Du weißt, ich meine es nicht
bös. Ich möchte Dich nur wieder fidel
machen."
„Fidel, wie Du Dich auszudrücken
beliebst, kann ich nur werden, wenn
Du die alberne Geschichte nun ruhen
läßt."
„Aber Du bist so blaß, Schwester!
Hast Du Dich denn Über den schäbi
gen alten, häßlichen Kerl so geärgert?"
Er war weder schäbig, noch häßlich,
noch alt, noch ein Kerl, fondern ein
ziemlich junger, sympathisch aussehen
der Herr!"
„Sympathisch? Brrrr! Aber wie
Du willst! Meinetwegen ein generö
ser, engelsfchöner, ganz junger, gnä
diger Herr aber willst Du dann gut
fein?"
„Aber Ella, tote kannst Du nur so
dummes Zeug schwatzen!"
„Ach, jetzt hast Du wenigstens wie
der Harbe und siehst nicht mehr aus,
als wenn der Nachbarhase in Deinem
Kohl gewesen! Moralisire nicht,
Clara, ich will mich ja bessern und still
fein wie ein Mäuschen. Aber a pro
pvs, ich sagte: Nachbarhase. Wer
denkst Du, daß neben uns eingezogen
ist? Du weißt, die andere halbe Be
randa!"
„Nun?"
„Dein engelsschöner, generöser,ganz
junger, gnädiger Herr...."
„Mein....pfui....Ella..."
„Adieu, adieu! Da find Kleins
mit dem Croquetfpiel! Adieu, meine
schöne Schwester!"
Am anderen Tage regnete es in
Strömen.
Könnt Ihr Euch erinnern, die Ihr
da wäret? Und Ihr Anderen, könnt
Ihr es ermessen, welchen Riesen diese
bad!" verbergen? Ja, einen Riesen
an Langeweile.
Das war schrecklich! Nie werdet
Ihr es vergessen, und Ihr Anderen
werdet es nie ermessen.
Solche Reime, von ganz ähnlichem
poetischen Werth, wurden diesenAbend
unzählige Male beim Gesellschaftsspiel,
gemacht, dieser künstlichen Auffütte
rung der Freundschaft und der "Liebe.
Ja, früher, da war es noch anders.
Unsere Ahnen, die verstanden Spaß,
die lösten ihre Pfänder mit Küssen
ein, mit vielen Küssen. Das erlauben
uns unsere Mittel nicht. Die Toilet
ten werden zerdrückt, sie sind heute aus
dergleichen nicht eingerichtet, es sind
zu viele Auswüchse und Ausbauschun
gen und Schulterpuffen und was weiß
ich noch daran.
Und außerdem schickt sich das nicht
für unsere Zeit. Wir küssen nur heim
lich, nicht öffentlich, und das hat sei
nen ebenso einfachen als stichhaltigen
Grund darin, daß früher aus solchen
Küssen oft eine Verlobung erfolgte,
und heute auch. Ja, Du hast
recht, aber, die Deinige natürlich aus
genommen, endigt unsere Verlobung
nicht immer mit der Hochzeit, wie frii
her, wenigstens selten die ersten beiden,
und das ist dann fatal, wenn die
Grundlage der ersten oder zweiten so
officiell gelegt wurde.
Kurz, es war zum Sterben lang
weilig, wie der niedlichste Backfisch un
ter der Sonne auf das Bestimmteste
behauptete, und „warum tanzt man
nickt wenigstens?"
Ihre Frage war eine solche, und in
einem so kategorisch verwunderten
Ton, daß ich nicht umhin kann, drei
Fragezeichen daran zu wenden, will
ich anders ein wahrheitsgetreuer Chro
nist sein, der nichts fälschen, nichts
unterdrücken darf.
Niemand konnte denn auch die
Frage beantworten, vielmehr wurde sie
mit einmal zur allgemeinen, ich möchte
sagen zur Cabinetsfrage, und man
tanzte wenigstens.
Nun wurde es doch noch ganz nett,
kritiftrte unser reizender Backfisch,und
da er der eigentliche Anstifter und Be
gründer dieser bald allseitig anerkann
ten Nettigkeit war, so wuchs sein
Selbstvertrauen und seinMuth schließ
lich bis in's Unendliche, und zuletzt,
zuletzt schwang er sich bis zum Gipfel:
Ella brachte bei den Maßgebenden eine
Damentour in Vorschlag.
Einige Bedenken gegen diesen uner
hörten Fall in den Annalen eines so
hastig unter bunt zusammengewürfel
ten Menschen tmproöisirten Balles
^wurden besiegt, das Clavier donnerte
trotz seiner unbestreitbaren Verstim
mung einen Tusch, und
Ich wiederhole: Ella's Muth kannte
keine Grenzen mehr, ihr kühner Blick
schweifte in die Weite, bis zu jener
Säule am Eingang, und ohne weitere
Skrupel stand sie plötzlich vor dersel
ben und machte, hold errathend, einen
echten Pensionatsknix.
Da tat&U ßch etwAS halb Hinte:
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Es ist eine große Versuchung für
mich, nun zu erzählen: Ein Murmeln
ging durch den Saal, Alles trat zu
rück, um diesem Paare Raum zu ge
ben u. f. ID., II. f. w., aber ich wider
stehe und bleibe wahr: es kümmerte
sich Niemand um all' dies weder um
Ella's Ver-, fast Bewunderung, noch
um ihre innerliche steine Beschämung,
noch um die Feinheit dieses Pastoren
Pas, nicht einmal Clara's zorniges
drröthen ahnte Jemand.
Die beiden Tanzenden waren durch
den Saal geschwebt und endigten ihre
Runde an einem niedlichen Sopha,
aber nicht ihr Gespräch, das nach
Ella's Begriffen etwas zu ernsthaft
und unbequem für diese Gelegenheit
war.
„Also, mein Fräulein, Sie interessi
ren sich so lebhaft für Literatur, darf
ich Sie fragen, welches Gebiet Sie
insbesondere pflegen? Aber das ist ja
eine überflüssige Frage. Sie lesen Ge
dichte und Novellen, nicht wahr?"
„Ja, mein Herr, natürlich!"
„Und darf ich fragen, welcher Dich
ter voenehmltch Ihre Gunst gewonnen
hat?"
„Heyse natürlich, Storm und o,
ich liebe eine ganze Reihe."
„Hm, und welchen ziehen Sie vor.
Vermissen Sie nicht das bei Heyse,
was man am liebsten „Seele" nennen
könnte."
Sie wurde etwas verlegen sie schien
sich denn doch zu jung zu solchem Ur
theil, und trotzdem ärgerte sie sich, ihm
nicht antworten zu können, da er arro
gant genug war, nicht allein ihren
Lieblingsdichter, sondern auch den fast
all' ihrer Pensionats-Freundinnen
mit so spöttischem Ton zu behandeln.
„Verzeihen Sie, ich kränke Sie mit
meinem Urtheil! Nicht wahr, ich trete
da auf ein Ideal?"
„O, das macht nichts!" sagte sie ein
wenig feck und mit einer Backfisch
miene. „Meine Ideale stehen auf
ziemlich festen Füßen und...."
„Und ich bin nicht Derjenige, sie
umzustoßen, wollten Sie sagen."
„Ganz recht!" entfuhr es ihr. Aber
sie ärgerte sich „fast todt", als es her
aus war, und fi» fein feines Lächeln
bemerkte. Und dabei sah sie dann,daß
er in der That kein „schäbiger, alter,
häßlicher Kerl" war, aber trotzdem
schien er ihr unausstehlich.
Ehe sie sich auf eine Antwort besin
nen konnte, trat ihre Schwester heran,
und löste sie mit einigen höflichen und
sehr kühlen Worten, halb an sie, halb
an den Fremden gerichtet, aus- „einer
der peinvollsten Verlegenheiten des Le
bens", wie sie später Clara anver
traute.
Der Herr Pastor machte den Damen
eine tiefe Verbeugung, lächelte Ella
sehr freundlich (sie fand es unver
schämt) zu und verließ den Saal.
„Also das hast Du im Pensionat
gelernt, Ella, Deine Schwester so zu
verleugnen!"
Ella ließ das Köpfchen hängen und
wagte nicht, ihrer Schwester in's Ant
litz zu blicken. Sie ahnte instinktiv
deren Blässe, und plötzlich dämmerte
ihr ein Bewußtsein herauf, daß sie
nicht blos grenzenlos muthig gewesen,
sondern obendrein grenzenlos dumm.
Am liebsten hätte sie sich der Schwester
in die Arme geworfen, und ihren Kopf
an deren Busen gelegt und furchtbar
geweint. Ihr Herz that ihr zum Zer
brechen weh.
Aber Clara's Arme öffneten sich
nicht, und so vergrub das arme Ding
ihr gequältes blondes Haupt bald in
das Kissen und weinte, weinte bis sie
einschlief. Und dann träumte sie, daß
der Pastor Heyse's „Stickerin von
Treviso" heirathen wollte und Clara
den Segen dazu ertheilte, worüber sie,
Ella, außer sich gerieth.
Am Morgen wachte sie mit dem
Vorsatze aus, den „Schwarzrock" weid
lich zu hassen, und zu thun, als ahnte
sie nichts von seiner Existenz ein ech
ter, rechter Vackfisch-Widerspruch.
Es verstrichen mehrere Tage, ohne
daß die Schwestern ihren neuen Nach
bar sahen, obwohl beider Blicke sich oft
genug nach der Seite der anderen Hal
ben Veranda wandten.
Die Mutter der jungen Damen war
stets leidend und faß meist daheim vor
der Thüre des kleinen, gemietheten
Hauses, und der Vater war noch in
seiner amtlichen Thätigkeit in der
Stadt festgehalten. So blieben die
Schwestern sich viel selbst überlassen.
Ella sprach nie mehr von dem
„Schwarzrock",und ebensowanigClara
vielleicht hätten sie feine „Existenz" in
der That schließlich vergessen, wenn
nicht Papa von einem Pastor geschrie
ben hätte, der gleichfalls dort Erho
lung v»n ernstem Schaffen suchen
wolle, und den er, Papa, dort kennen
zu lernen sich seht freute, wenn er fei
ner Familie in Kurzem nachkomme.
Das fei eine Berühmtheit, meinte
Papa, zwiefach berühmt einmal als
Kanzelredner und Schriftsteller, und
zweitens als Mensch, mit den streng
sten Anschauungen, die feinem Back
fisch gewiß sehr gefallen würden.
„Papa hat mich lange nicht gesehen,
sonst würde er endlich den Backfisch
bei Seite lassen!" äußerte Ella ver
drießlich.
„Du hast Recht, Schwester! Es sind
nun schon fast vierzehn Tage her, daß
Papa Dich nicht mehr sah aber ärgere
Dich doch nicht darüber, Du weißt,
wie lieb Papa ist, und wie gerne er
uns neckt. Aber was denkst Du, Ma
met? Glaubst Du, daß der Herr, von
dem wir Dir erzählten, der in Papa's
Brief ist?"
„Ach der!" fiel Ella entrüstet ein,
•£& «in btlühmitt Kanztlndner und
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'der Säule Verstecktes, und der Mann
der Geschichte mit dem oft hervorgeho
benen weißen Halsschmuck trat hervor,
lächelte, wie man es nie, wenigstens
Ella nie von ihm erwartet hatte, und
neigte sich verbindlich und vornehm.
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Schriftsteller! Der sieht gerade so
aus!"
„Das finde ich in der That, daß er
so aussieht!" Das war Clara wirk
lich nur entschlüpft, und sie erröthete
bis in die Stirne, als es heraus war.
„Es ist ja möglich,mein Kind! Der
Papa schreibt den Namen nicht, und
auch wenn er es gethan hätte wir
kennen den unseres Nachbars ja doch
nicht."
„Nein, Mama, ganz sicher ist der es
nicht!" Ella war ganz erbost. „ÜDenke
doch, er tanzte ja mit mir."
„Oder Du mit ihm, Schwester!"
„Pah! Er hätte ja ablehnen kön
nen, wenn er nicht wollte."
„Wer sagt Dir, daß er Dich nicht
beschämen wollte für Deinen Ueber
muth, ihn in einer Damentour zu ho
Ien, einen ganz Fremden, einen Geist
lichen."
„Du fordertest doch diesen ganz
Fremden und Geistlichen zu einem
Geldbeitrag auf! Wie reimt sich das?"
„Das ist etwas ganz Anderes! Und
außerdem bereue ich das auch."
„Ja, das glaube ich wahrhaftig!"
„Nicht aus dem Grunde, den Du
meinst, Ella sondern weil ich bei län
gerem Nachdenfen eingesehen habe, daß
er ganz recht hat. Wollten wir den
armen Stephasens wirflich Gutes
thun, so mußten wir es in der Stille."
„Weißt Du was, Schwester?"
„Nun?"
„Jetzt glaube ich doch, daß dieser
Papas berühmter Kanzelredner ist."
„Und warum?"
„Weil et Dich schon bekehrt hat.
Adieu!"
Und trotzig ging sie in's Haus und
ließ Mütter und Schwester allein.
Clara erhob sich, um eine reizende
junge Frau, Nachbarin und Freundin,
zu besuchen.
Da diese nur wenig Häuser von
ihnen wohnte, ging das junge Mäd
chen nicht erst die Stufen zur Prome
nade hinab, sondern an der Nachbar
veranda vorbei, auf dem schmalen
Pfade an den Häufern hin.
Ihr Blick streifte den Nachbat, der
ruhig in feiner Veranda saß und ge
dankenvoll auf das. Meer hinaus
schaute.
Er mußte jedes Wort gehört haben.
Wie konnte sie sich je wieder blicken
lassen!
Sie schämte sich in tiefster Seele,
indem sie diese schreckliche Unterhal
tung und Ella's entsetzliche Reden sich
zurückrief. Was mußte er von ihnen
denken.
Bei Tische wollte kein Bissen Über
ihre Lippen sie war so still und ernst,
daß Ella sich wirklich unglücklich
fühlte, daß sie die im Grunde ihres
treuen Gemüthes zärtlich geliebte
Schwester so grenzenlos beleidigt hatte,
wie sie meinte.
Clara wagte weder ihr, noch ihrer
Mutter zu sagen, wys geschehen war,
und welches der Grund ihrer Verstim
mung.
Einige Tage gingen so dahin, das
war kein Leben mehr, meinte Ella,und
dachte ernstlich darüber nach, ob es
nicht das Beste wäre, wenn sie beim
Baden ertränke, und ihre Sparkasse
zu Gunsten der Badefrau erleichtere,
mit der Weisung, sie ruhig ertrinken
zu lassen.
Clara empfand ähnlich, wenn auch
etwas ernsthafter und ohne Selbst
mord- und Bestechungsgedanfen.
Jnzwischen.^ir die Sammlung für
die arme Fifcherfamilie geschlossen,und
nach einer großen Berathung unter»
den Damen und Herren war man
übereingekommen, daß Fräulein Clara
Heimuth, gewissermaßen als Schmer
zensgeld für jene fatale Niederlage,
der unglücklichen Wittwe NamensAller
die zusammengebrachte hübscheSumme
übergeben sollte.
Zögernd hatte sie es angenommen,
und heute war sie mit Ella aus dem
Wege dahin, eint gefüllte Börse in der
Tasche ihres Kleides.
Es dunkelte bereits denn möglichst
wenig Aufsehen zu machen, hatte sich
die Abgesandte ausbedungen.
Der Gedanke an die arme, so plötz
lich ihres Glückes- beraubte Frau, an
die kleinen, in- einer Nacht verwaisten
Kinder, mochte Beide milde und ver
söhnlich stimmen. Ella schlang im
Schutze eines Thorweges plötzlich den
Arm um die Schwester und bat sie
unter Thränen, ihr wieder gut zu fein,
sie wolle „es nie, nie wieder thun."
Ein Wort gab das andere, und als
sie dann in der Nähe ihres Zieles wa
re~t. hatte die kleine Schlaue Alles aus
Clara herausgepreßt und wollte vor
Scham vergehen.
Nein, sie konnte sich nie wieder sehen
lassen! Sie wollte von morgen an bis
zu ihrer Abreise das kleine Zimmer, in
dem sie von der Hochzeit des Pastors
mit der „Stickerin von Treviso" ge
träumt hatte, nie mehr verlassen.
Clara tröstete, und klinkte die Thür
der Fischerhütte auf. Da hörten sie
Stimmen in der Stube und blieben
unwillkürlich stehen.
„O Herr," sagte eine Frauenstimme,
„o Herr, Sie wollen keinen Dank. Sie
verschmähen einer einfachen Frau
Worte, aber mein Mutterherz dürfen
Sie nicht zurückweisen. Nein, lassen
Sie mich, ich will und muß Ihnen
danken! Hier ist mein Platz, und ich
danke Ihnen...."
Die Schwestern hörten ein Geräusch
und eine leise männliche Stimme, ohne
die Worte verstehen zu können.
Dann wieder die Frau:
„Ich bin bei allen Nachbarn Herum
gelaufen und mein Hans auch, aber
Niemand hatte den Mann gekannt, der
mit meinen -Jungen wieder gebracht,
als die Wellen ihn schon in die hohe
See gerissen. O Herr, warum wollen
Sie nicht hören, was eine Mutier Ih
ne» sagt? Mein Herz ist zerrissen
ach Gott, mein lieber Mann und mein
Junge! und da sind Sie gekommen
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und haben mir meinen Hannes daran
gelegt. Sie haben Ihr eigenes Leben
gewagt für einen armen Fischerjungen,
und ich habe Ihnen nicht mal gedankt,
als Sie kamen und ihn brachten und
Sie taumelten selbst und trieften, wie
Sie so aus dem Wasser gekommen mit
meinem Hannes. Und bann haben Sie
mir Brot und Fleisch geschickt, und
Kleidung für die Kleinen, und haben
sich nie sehen lassen. O Herr, lassen
Sie mich, lassen Sie mich! Möge der
liebe Gott da oben Sie segnen und
Alle, die zu Ihnen sind.
Ein Schluchzen brach die Stimme.
Die Schwestern hatten vergessen, wo
sie waren, und was und wohin sie ge
wollt. Sie standen eng umschlungen
und horchten.
Ein Knabe lief im Dunkel des
Hausflurs an ihnen vorbei, und
stürmte in das Zimmer und da sahen
sie eine weinende Frau auf den Knien,
und vor ihr und sie aufrichtend stand
ein Mann. Er hob den Kopf, um nach
dem Eintretenden zu sehen, und da er
kannten sie ihn.
Still und unbemerkt'gingen sie, und
als sie vor der Thüre standen, da
schlang Ella ihre Arme um derSchwe
fter Nacken und weinte laut. Und
Beider Thränen vermischten sich, und
es waren warme, heilige Thränen,echte
Menschenthränen.
„Hier bringe ich Euch den Herrn,
von dem ich Euch schrieb, meine Lie
ben!" sagte mit herzlichem Tone der
Regierungsrath Heimuth, der nun vor
einigen Tagen im Bade angekommen
war, und mit einem ernst schaumden
Herrn in die Veranda zu feinen Töch
tern trat.
„Herr Pastor ah!" er stockte
denn Ella war aufgesprungen, dem
Fremden entgegengeeilt und streckte ihm
so herzlich, wie es nur ein Backfisch
kann, beide Hände hin am liebsten,das
sah man, wäre sie ihm um den Hals
gefallen.
Clara stand hoch errathend da, die
Blicke zu Boden geschlagen, scheu, wie
ein Reh erbebend.
Der Nachbar befand sich in der au
genscheinlichsten Verlegenheit und sah
betroffen von einer Schwester zur an
deren, während des Vaters Mund ein
ganz Theil zu weit geöffnet war für
einen Regierungsrath.
Es war ein Jahr später, als Clara
wieder in jener Fifcherhütte stand.
Diesmal war nicht Ella mit ihr, son
dern Jemand, der jetzt ihrem Herzen
näher stand. Und wieder schlug die
Stimme an ihr Ohr, die sie schon ein
mal gehört hatte:
„Gott segne Sie dafür, was Sie an
einer armen Frau gethan! Gott segne
Sie und auch Ihre Frau! Gott segne
Sie!"
Fleischsaft.
In schwerer Krankheit, wenn die Er
nährungsthätigfeit des menschlichen
Organismus ganz darniederliegt und
die Aufnahmefähigkeit gering ist, er
weisen sich die Extracte, aus rohem
Fleisch gewonnen, als wohlthätige
Hilfsmittel der ärztlichen Kunst. Vor
Allem verdient der täglich frisch zu be
reitende Fleifchfaft die Aufmerffamfeit
der Krankenstube. Ein Viertel Pfund
schieres, schönes Ochsenfleifch wird un
ter einer Presse, wie sie in den Apothe
ken in Gebrauch ist, mindestens zwei
Stunden gepreßt. Dasselbe ergibt ei
nen rothen Saft, welcher alle Nährstoffe
des Fleisches enthält, da ein Zusatz von
3—4 Tropfen Salzsäure auch diejeni
gen Nährsalze extraHirt, welche durch
bloßes Pressen nicht gelöst würden.
Von dieser Flüssigkeit reicht man dem
Schwerkranken stündlich einen Eßlöffel
voll, vermischt mit ein wenig Malaga,
um den Geschmack angenehmer zu ma
chen. Reconvalescenten, blutarme
Frauen und Mädchen trinken diese
Portion (welche nach Umständen natür
lich vergrößert werden kann!) wohl auch
mit Rothwein vermischt, in zwei Thei
len, etwa zum zweiten Frühstück und
zwischen Mittagmahlzeit und Abend
brot. Länger wie acht Stunden sollte
der Fleischsaft in Zimmertemperatur
nicht aufbewahrt werden. Auf Eis, im
Keller hält er sich 24 Stunden. Bei
Kranken, welche auf flüssige Nahrung
angewiesen sind, oder denen eine Mahl
zeit zu angreifend ist, erweist sich der
Fleifchfaft, der mühelos zu nehmen ist,
als Helfer. Man ersucht am besten
diejenige Apotheke, der man seine son
stigen Medikamente entnimmt, um das
Pressen des Saftes. Vielen ist der
Hinweis auf also gewonnenen Fleifch
faft dienlich gewesen, ja Aerzte haben
ihn mehrfach befolgt. Eine schnelle
Bereitungsweise von Kraftbrühe ist die
folgende: Man zerschneidet ein Pfund
schönes Ochfenfleifch in kleine Würfel,
gießt drei Oberia^en kaltes Wasser
darüber, läßt das Ganze eine Viertel
stunde stehen und kocht sodann das
Fleisch so lange (circa 1—11-2
Stunde), bis die Brühe, der man kein
weiteres Wasser zusetzen darf, auf eine
Obertasse Flüssigkeit eingekocht ist.
Eine dritte Art und Weife, den Kran
ken die Nährbestandtheile des Fleisches
zuzuführen, besteht in der Darreichung
von Fleischgelee, welches erfrischend
wirkt und leicht geschluckt und vertragen
wird. Ein einfach zubereitendes, gut
schmeckendes und kräftiges Gelee ergibt
das folgende Recept: 2 Pfd. Ochsen
fleifch, 1 Pfd. Kalbsfuß, ein halbes
Pint Weißwein wird zum Kochen ge
bracht, 2—3 Stunden gefocht, durch
ein Saftiuch gegossen und in einer
Glas- oder Porzellanschüssel hingestellt.
Wenn man will, kann man es andern
Tags entfetten und nochmals aufko
chen, doch ist es nicht nothwendig.
Zähe. Herjc: ©traftenbettfem
gebe ich grundsätzlich nichts! Bett
ler: Macht/ nix, geben's mir nur Jhner
DrH', i' kpifli' a
-~^X "iT*Tjy
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11
panier ffiJjen-U«»***
Aller Augen sind auf den fernen
Orient gerichtet, wo heute die Kriegs*
fürte wüthet. Die „Japs" sind der
festen Zuversicht, daß sie ihre schlitz*
äugigen Gegner aus dem Reiche der
Mitte zu Paaren treiben werden, wie
wohl die Letzteren ihnen an Zahl übet*
legen sind sie vertrauen eben auf die
bessere Ausbildung, Bewaffnung unk
Jap. Ga rde-Cavallerie.
Disciplin ihrer Armee. Ein nach deut
schem Muster gebildetes Gardecorps rc*
präfentirt die Elite der waffenfähigen
Männer des Landes, denn ein jeder
Garde-Infanterist mißt mindestens
sechs Fuß. Eine schwarze Bluse mit
gelbem Besatz, schwarze Beinfleider mit
rothen Streifen und ein Lederkäppi mit
Federbusch bilden die geschmackvolle
Uniform. Die Garde-Cavallerie führt
Jap. Marine-O ff
leier.
Lanzen. Die japanesischen Soldaten
sind den Chinesen nicht nur an Mus
kelkraft und Ausdauer überlegen fte
sind auch viel tapferer als die ent
arteten Chinesen. In den Jllustra
tionen, welche nach Originalskizzen des
in New Uork lebenden Japanesen K.
Hirata, der früher dem Kriegsdeparte
ment seines Landes attachirt war, ist
Garde-Cavallerie, Garde-Jnfanterje
auf dem Marsch und ein Matine-Ofsi-
cier dargestellt.
1
Japaner auf dem Marsche»
Dem strammen Aussehen der japo**
nesischen Soldaten gegenüber macht dir
mehr als saloppe Erscheinung eme&
chinesischen? Vaterlandsvertheidigers, der
seinen Schießprügel wie eine Dünger-
gabel auf der Schulter trägt, ein#»
nichts weniger, als guten Eindruck.
Von den modernen Panzern, von de
nen China Gewaltiges erwartete, ruht
das Schlachtschiff „Chen-Auen" und im
demselben über 1000 Mann bereits auf
dem Grund des Meeres, während die
Kreuzer „Chih-Uuen" und „Ching
Nuen" gekapert wurden. Das Schlacht-
schiff „Chen-Auen" war auf der Werft
des berühmten Vulcan in Stettin im
Jahre 1882 gebaut worden und hatte
Éftnesifcher Soldat.
mit unserem Panzer „Maine" etwaS
Ähnlichkeit. Bei einet Länge von 308?
Fuß 5 Zoll, einer Breite von 39 Fuß:
und einem Tiefgang von 20 Fuß hatte*
das Doppelfchrauben-Fahrzeug ein. De
placement von 7430 Tonnen und eine
Maximal-Geschwindigfeit von 14.50s1
Knoten, feine Maschinen hatten 6200»
indicirte Pferdekräfte. Ihr 14zölltqer
Seitenpanzer ging unter die Wasser-'
linie herab dieThurmpanzet hatten eine
Panzer „C e n-Y u e n".
Stärke von 12 Zoll und das Verde«?
war mit 14zölligen Platten versehen»
Außer zwei Torpedo-Lancirrohrew
führte das Schiff vier Zwölfzoll-, zwei.
Achtundeinhalbzoll- und zwei Sechs
zoll-Kruppgefchütze, 11 Hotchkiß-Kano^
nen sowie eine Batterie von Schnell
feuer-Geschützen kleineren Kalibers. Die
gekaperten Kreuzer „Chin-Yuen" und
„Ching-Uuen" haben mit der „Detroit"
von unserer Marine große Ähnlichkeit,
sowohl was das Deplacement, Schnei
ligkeit und Arntining betrifft.
Boshaft. Weinwirth:
konnte nicht anders, ich mußte ihm
reinen Wein einschenken! Gast"
Reinen Wein? Was Sie statu?
Führen Sie solchen auch?
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